Ultraleicht Wandern Tipps und Tricks

Speck‘ deine Ausrüstung ab – der Einstieg ins Thema Ultraleicht

13. Juli 2017

Kategorie

Sportart

Heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Ultraleichtwandern bzw. Ultraleichttrekking beschäftigen. Wie es dazu kam, dass ich mich mit diesem Thema befasst habe, wie der Einstieg in die Welt der Ultraleichttouren aussehen kann und worauf man dabei achten sollte, das erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ultraleicht – Wat’n dat’n

Der Begriff Ultraleicht taucht in der Outdoorbranche letzthin verstärkt auf. Die Zeit, in der Ausrüstung vergleichsweise grobschlächtig und massiv daher kam, ist freilich schon lange vorbei, dennoch greifen immer mehr Outdoorbegeisterte zu noch leichteren Alternativen. Was dabei nun genau als ‚Ultraleicht‘ bezeichnet wird, ist nicht abschließend definiert. In der Regel spricht man jedoch bis zu einem reinen Ausrüstungsgewicht (ohne Nahrung, Wasser und Brennstoff) von ca 5 kg von Ultraleicht, im Bereich von 5-9 kg kommt der Begriff des Leichttrekkings zum Einsatz.

Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Wer nur ein geringes Gewicht mit sich herumtragen muss, ist nicht nur unbeschwerter unterwegs, sondern kommt auch schneller ans Ziel oder kann weitere Strecken zurücklegen. Darüber hinaus werden die Gelenke und der Rücken geschont und Schmerzen oder Ermüdungserscheinungen treten erst gar nicht oder zumindest deutlich später auf.

Ein erster Schritt – der Rucksack muss leichter werden

der Einstieg ins Thema Ultraleicht

Mit weniger Gepäck wandert es sich ganz beschwingt.

In den vergangenen Jahren haben mich teilweise heftige Rückenprobleme heimgesucht. Das lag zum einen an meinem Körperbau, zum anderen aber auch an einer seit frühester Jugend antrainierten schlechten Haltung. In der Zwischenzeit habe ich diese Probleme durch gezieltes Training weitestgehend in den Griff bekommen, jedoch wird mir eines eigentlich für immer bleiben: Ich kann nicht mit schweren Rucksäcken. Es geht dabei nicht darum, dass ich unter der Last eines 15-20 kg Rucksacks unmittelbar zusammenbreche, jedoch kann es sein, dass die Tour bereits nach ein oder zwei Tagen für mich aufgrund von Schmerzen vorzeitig wieder zu Ende ist. Der für mich logische Schluss ist daher: Der Rucksack muss leichter werden.

Mein erster Schritt hat eigentlich noch nichts mit Ultraleichtausrüstung zutun. Denn ich habe mir einfach einmal meine Packlisten vorgenommen und kritisch überprüft. Dabei ging es in erster Linie darum, Dinge zu finden, die zwar auf jeder Tour dabei sind, aber eigentlich nie zum Einsatz kommen. Ich spiele jetzt hier nicht auf Ausrüstungsgegenstände wie einen Erste-Hilfe-Beutel an, den man eigentlich nie braucht, aber gerade bei längeren Touren dabei haben sollte. Man muss sich vielmehr einmal damit befassen, ob es beispielsweise für eine Dreitagestour durch den heimischen Mischwald wirklich drei Packungen Ersatzbatterien, das fünfte zusätzliche Survivalmesser und die fette Zusatztaschenlampe braucht.

Alle Gegenstände, die auf diese Weise für unnütz, überzählig oder noch nie im Gebrauch befunden werden, bleiben bei der nächsten Tour einfach ersatzlos zuhause. Wer dennoch dazu neigt zuviel einzupacken kann sich mit einem einfachen Trick überlisten: Einen möglichst kleinen Rucksack nehmen! Denn wer viel Platz hat, der packt auch viel ein. Außerdem sind größere Rucksäcke in der Regel schwerer als kleinere.

Gewichtsoptimierung – gezielte Wahl der Ausrüstung

der Einstieg ins Thema Ultraleicht

Reicht nicht vielleicht auch ein Tarp?

Hat man die Packliste einmal auf ihre wesentlichen Bestandteile zurechtgestutzt, ist es hilfreich, die verbliebene Ausrüstung einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Oft kommen Dinge standardmäßig ins Gepäck, die objektiv gesehen für die geplante Tour der totale Overkill sind. Fragen wie „Braucht es die dicke Winterisomatte Modell ‚Prinzessin auf der Erbse‘ für eine Dreitagestour im sommerlichen Mitteleuropa wirklich?“, können hier hilfreich sein. Eine an die Tour angepasste Ausrüstung richtet sich immer nach deren Länge, Terrain und Witterung. Bin ich also für drei Tage im August im heimischen Mittelgebirge unterwegs, stehen die Chancen gut, dass eine Daunenjacke nicht gebraucht wird. Auch beim Schlafsack kann man in diesem Fall getrost zum leichteren (und somit vielleicht weniger warmen) Modell greifen.

Ist laut Wetterbericht die Großwetterlage gut und stabil, kann sicherlich auch ein wenig am Regenschutz und der Ersatzkleidung gespart werden. Gerade bei Touren im Winter oder hochalpinen Gelände sieht die Packliste freilich anders aus. Doch kann auch hier mit einem gewissen Maß an Disziplin einiges an Gewicht eingespart werden.

der Einstieg ins Thema Ultraleicht

Noch leichter: Der Biwaksack!

Wo immer es geht, sollte man daher in dieser Phase versuchen einen schweren Ausrüstungsgegenstand mit einem (bereits vorhandenen) leichteren zu ersetzen. Gerade bei schweren und großen Dingen wie Rucksack, Schlafsack, Isomatte und Zelt lässt sich so einiges einsparen. Auch lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob nicht auch Ausrüstungsgegenstände gänzlich von der Packliste gestrichen werden können. Gerade das Zelt ist hierbei ein gerne diskutierter Punkt. Alternativ wäre beispielsweise die Mitnahme eines leichteren Tarps oder das Biwakieren unter freiem Himmel eine Option.

Ist die Ausrüstung diesbezüglich optimiert, ist es Zeit für die Waage und einen ersten Probelauf. Für mich war diese Phase der entscheidende Punkt, da ich so mit nur wenigen gezielten Maßnahmen und ohne Zusatzkosten das Gewicht meiner mitgeführten Ausrüstung erheblich erleichtern konnte.

Ultraleichtausrüstung – die federleichte Alternative

Je nach vorhandener Ausrüstung gibt es aber Bereiche, bei denen nur wenig an Gewicht eingespart werden kann. In meinem Fall war dies der Schlafsack. Zwar besitze ich neben einem extrem warmen und dementsprechend schweren Daunenschlafsack für den Winter auch noch ein zweites Modell für die warme Jahreszeit. Dieses ist allerdings schon ein wenig älter und aus Kunstfaser und steht daher dem ‚Wir-zelten-im-Winter-am-Nordpol-Klops“ in nichts nach. Auch beim Rucksack selbst konnte ich im persönlichen Fundus zwar vergleichsweise leichte Modelle finden, musste aber trotzdem feststellen, dass hier durch den Austausch gegen ein Ultraleichtmodell nochmals deutlich Gewicht gespart werden kann.

der Einstieg ins Thema Ultraleicht

Der Montane Ultra Tour 55 mit lediglich 840 g Eigengewicht.

Hier spiegelt meine Erfahrung durchaus die Realität wieder. Denn die ersten Ausrüstungsgegenstände, die normalerweise in Richtung ultraleicht getauscht werden, sind die sogenannten ‚großen Vier‘. Also Rucksack, Schlafsack, Zelt und Isomatte. So gibt es im Bereich der Rucksäcke beispielsweise Modelle wie den Ultra Tour von Montane, die bei ausreichender Größe die 1-Kilo-Marke spielerisch unterbieten.

Beim Schlafsack geht in der Regel kein Weg an einem Daunenschlafsack vorbei. Das liegt einfach daran, dass Daunenschlafsäcke bei gleicher Wärmeisolation deutlich leichter sind als Ihre Kollegen mit Kunstfaserfüllung. Gerade die Wahl des Schlafsacks ist immer auch stark abhängig von dem Gebiet in das die Tour führt, den zu erwartenden Temperaturen und persönlichem Kälteempfinden.

Doch auch hier gibt es schwere und leichtere Modelle mit vergleichbaren Werten. Dreijahreszeitenschlafsäcke wie der Hitchens UL 20 von Big Agnes kommen beispielsweise als Ultraleichtvariante mit einem Gewicht von weniger als 800 g aus. Wer nur im Sommer unterwegs ist und daher keinen übermäßig warmen Schlafsack benötigt, kann hier problemlos auch noch leichtere Modelle finden.

Wie bereits erwähnt, kommt es im Bereich des Ultraleichtwanderns / Ultraleichttrekkings immer wieder zu der Diskussion, ob ein Zelt überhaupt benötigt wird. Der Gedanke dahinter ist schlichtweg, dass bei Touren bei gutem Wetter und in der wärmeren Jahreszeit ein Zelt eigentlich überflüssig ist und somit durch ein wesentlich leichteres Tarp oder sogar einen geeigneten Biwaksack ersetzt werden kann. Diese Entscheidung muss jedoch jeder für sich treffen, da sie stark von persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen abhängt. Ultraleichte Zelte wie beispielsweise das Laser Ultra 1 von Terra Nova kommen mit einem Gewicht von weniger als 500 g aus und können so mit einer erheblichen Gewichtsersparnis gegenüber ihren konventionellen Kollegen aufwarten.

Auch der Bereich der Isomatten ist hart umkämpft. Nicht selten kommen im Ultraleichtbereich Schaumstoffmatten zum Einsatz. Matten dieser Art schlagen in  der Regel mit rund 400-500 g zu Buche. Der besondere Vorteil ist dabei, dass sie zum Aussteifen des Rucksacks hergenommen werden können und somit nicht nur sicher, sondern auch sinnvoll verstaut werden können. Wer es aber noch leichter haben möchte, der sollte zu einer Luftmatte greifen. Matten wie beispielsweise die NeoAir Xlite von Therm-a-Rest kommen je nach Größe nochmals mit gut 100 g weniger Gewicht aus als ihr Pendant aus Schaumstoff.

Fazit

Addieren wir hier also einmal grob zusammen, mit wie viel Gewicht die ‚großen Vier‘ bei uns nun zu Buche schlagen, kommen wir vorsichtig gerechnet auf einen Wert von nicht ganz 3 kg. Kombiniert man dies nun mit der Methode, sich nur auf die wichtigen Ausrüstungsgegenstände zu beschränken und keinen unnötigen Firlefanz mitzunehmen, kommt man selbst für Mehrtagestouren mit einem angenehm leichten Gewicht aus. Wem dies noch immer zu viel Last ist, der kann selbstverständlich auch dazu übergehen, weitere Gegenstände wie Nahrung, Kocher, und Bekleidung in Richtung ultraleicht zu optimieren. Was dabei wie und wann Sinn macht und wo die jeweiligen Kniffe liegen, erklären wir euch in je einem gesonderten Artikel zu den unterschiedlichen Outdoordisziplinen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Carsten sagte am 15. Juli 2017 um 09:44 Uhr

    Hallo Lisa,

    ich find prima, dass Du gezwungenermassen auch auf die gesundheitlichen Aspekte von UL hinweist.

    Selber konnte ich nach einem operierten Bandscheibenvorfall auch nur weiterhin meinen Hobby fröhnen,
    weil der Rucksack entsprechend leicht geworden ist.

    Zuerst Sachen wegzulassen und dann anzufangen Ausrüstung zu tauschen und dabei bei den großen 4 anzusetzen macht absolut Sinn und belastet dann den Geldbeutel auch gar nicht so wie sonst angenommen.

    Das Du bei den großen 4 dann bei 3kg ankommst ist auch ne schöne Sache. Der schwedische UL-Guru Jörgen Johannson sieht Schlafsack und Isomatte als ein Teil und hat den Begriff „3 for 3 “ geprägt.

    Wer übrigens mal UL-Sachen ausprobieren will ohne sich gleich neue Ausrüstung kaufen zu müssen, kann sich gerne bei mir melden, da ich hier Wochenendkurse anbiete, mit Testausrüstung.

    Ich würd mich freuen, wenn hier noch ein paar mehr Kommentare von anderen Nutzern kommen, ist schließlich ein echt spannendes Thema.

    Gruß

    Carsten

  2. Lisa sagte am 18. Juli 2017 um 10:41 Uhr

    Hi Carsten,

    vielen Dank für das positive Feedback.

    Meiner Meinung nach ist es oft ein gesundheitlicher Aspekt, der dazu führt, dass man sich eingehender mit seiner Ausrüstung bzw. deren Gewicht beschäftigt (der berühmte A…Tritt halt). Darüber hinaus finde ich es immer spannend zu sehen, was man unterwegs eigentlich alles nicht braucht. In meiner persönlichen Liste hatte ich eine ganze Reihe an Dingen, die in Gedanken mit dem Satze verknüpft waren: „Könnte man brauchen, wenn man dann mal…“ Dieses wenn und dann tritt aber erfahrungsgemäß nie ein. Mittlerweile bleibt daher alles Unnütze zu Hause und es lebt sich damit (entgegen meinen ursprünglichen Erwartungen) unterwegs sehr gut. Gerade bei Touren im Sommer bin ich immer ohne Zelt unterwegs, normalerweise reicht mir da ein einfacher Biwaksack.

    Grüße
    Lisa

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