Ausrüstung

Grivel Twin Gate – die Redundanz ist schon mit dabei

5. August 2014

Kategorie

Sportart

Der Neue von Grivel

Der Neue von Grivel

Zugegeben, in regelmäßigen Abständen kommen Hersteller daher und tun so, als hätten sie das Rad neu erfunden. Und natürlich tun sie dann so, als wäre der neue Gurt/Helm/Karabiner/Sicherungsgerät jetzt das Non Plus Ultra, hätte die Schwachstellen aller ähnlicher Konkurrenzprodukte überwunden und ohne es zu leben geht schon gleich gar nicht.

Zumeist reihen sich die Neuerungen bereits nach kurzer Zeit neben ihren Kollegen ein und die vermeindlichen Eier des Kolumbus erweisen sich schnell als allzu sterblich. Liebhaber sowie Kritiker diskutieren fortan über das Für und Wider und nach einer Weile haben sie ihren Platz in der Kletterlandschaft gefunden oder verschwinden wieder von der Bildfläche.

Jetzt macht sich ein neuer Stern auf, den Kletterhimmel zu erobern und wir sind sehr gespannt, wie es ihm ergehen wird: die neuen Twin Gate Karabiner von Grivel. Warum wir sie hier vorstellen? Weil irgendwie kann ich mir vorstellen, dass die Liebhaber sich gegen die Kritiker durchsetzen werden. Aber wir werden sehen. Bei Karabinern unterscheidet man zwei entscheidende Eigenschaften:

Selbstverriegelnd: Also Karabiner, die sich ohne unser Zutun selbst verriegeln oder auch nicht. Ein Schrauber zum Beispiel verriegelt sich nicht selbst, man muss ihn erst zudrehen. Der Magnetron Rocklock von Black Diamond hingegen schon.

Gesichertes System: Kann sich das System nicht von selber öffnen bzw. wie viele Wege sind nötig, damit es aufgeht? Hier seien zu nennen, der Belay Master 2 von DMM oder der Am´D Ball Lock von Petzl. Ein Schrauber gilt nicht als verriegeltes System, da sich der Schraubverschluss durch Erschütterung von alleine aufdrehen kann. Der Twistlock übrigens auch nicht, da nur zwei Bewegungsrichtungen nötig sind um ihn zu öffnen.

Erstrebenswert ist eigentlich immer ein selbstverriegelndes gesichertes Sytem, denn das ist am sichersten und lässt menschlichen Fehlern wenig bis kaum Spielraum. Leider haben diese Karabiner oft auch die Eigenschaft, in der Bedienung etwas unhandlich zu sein und bedürfen etwas Übung und Fingerfertigkeit, wenn es im Notfall schnell gehen soll. Daher machen viele Kletterer gerne zur besseren Handhabung Abstriche in der Sicherheit. Das ist vollkommen legitim, denn zwischen den Extremen „super sicher“ und „wahnsinnig gefährlich“ gibt es ein breites Mittelfeld, das eine sichere Kletterei durchaus zulässt – wenn man aufmerksam ist.

Aber die Hersteller sind natürlich daran interessiert, einen Karabiner zu bauen, der alle Eigenschaften in sich vereint: Ein selbstverriegelndes gesichertes System, das leicht zu handhaben ist – mit einer Hand!

Die Krux mit den Sonderfällen

Will man einen neuen Karabiner bauen, kommt noch erschwerend hinzu, dass dieser Karabiner nicht nur dem Handling in der gängigen Kletterpraxis standhalten muss, er muss also eine ganze Reihe mehr oder weniger selten vorkommender Ausnahmesituationen „aushalten“ können. Die entstehen entweder durch Anwendungsfehler (falsch geklippte Expresse) oder aber einfach Pech (die Exe dreht sich über den Bolt). Ein paar seht Ihr auf den folgenden Bildern.

Bei Expresskarabinern ist die Zahl der möglichen Probleme natürlich besonders hoch, da hier verriegelnde und / oder gesicherte Karabiner rein theoretisch natürlich möglich wären, in der Praxis aber Quatsch sind, da das Einhängen des Seiles schnell gehen muss.

Bei Sicherungskarabinern entstehen die meisten Probleme zwar auf Grund des Risikofaktors Mensch, aber wenn man dem vorbeugen kann, ist es ja auch nicht schlecht.

Und nun zu Grivel

Was die Hersteller also versuchen herzustellen, ist ein Karabiner, der handlich ist, die Normwerte erfüllt, den Faktor Mensch berücksichtigt und auch noch die ganzen Sonderfälle versucht zu vermeiden oder gar auszuschalten. Von den Expresskarabinern hat das bisher eigentlich noch keiner geschafft. Bei den Sicherungskarabinern ist, laut DAV Lehrmeinung, der Am´D Ball Lock von Petzl der sicherste.

Grivel hat sich nun einen neuen Karabiner einfallen lassen und ich bin gespannt ob er, in der Versenkung verschwindet oder es zu den gängigen Karabinern schafft. Ich denke, er hätte das Zeug dazu.

Der neue Omega K6G von Grivel

Der neue Omega K6G von Grivel

Wie funktionierts?

Im Grunde hat Grivel einfach einen zweiten Schnapper zum vorhandenen hinzugefügt, den aber auf dem Kopf stehend angebracht. Nicht doof, denn so entsteht ein verriegelndes gesichertes System, das ohne einen Verschluss auskommt. Verriegelt und gesichert insofern, als zum Öffnen ein gleichzeitiger Zug in entgegengesetzter Richtung notwendig wird, was schwer zu schaffen sein sollte.

Andere Karabiner benötigen Zug und Druck, wie der Magnetron von Black Diamond, was schon eher vorkommen kann, wenn sich das Seil unglücklich um das Gate legt.

Das Handling

Soll natürlich angeblich ganz easy sein und in keiner Weise schwerer oder kniffliger als bei anderen Karabinern. YouTube Preview Image

Ich habe den Karabiner selber in der Hand gehabt und kann sagen, ein wenig Übung braucht es schon. Aber, und es war klar, dass irgendwann ein aber kommt. Wenn ich bedenke, wie schwer es ist, den Ball Lock mit einer Hand zu öffnen und wie lange es dauert einen Schrauber zu verriegeln, sollte man sich hier nicht gleich daran stören, wenn es bei den ersten Versuchen etwas hakt.

Bei den Express-Karabinern kann das schon etwas anders aussehen, denn hier sollte es, wie gesagt schnell gehen können. Aber wer sich mit den Karabinern schnell anfreundet und sich damit sicher fühlt, warum nicht?

(Nachtrag vom 8.09.2014)

Aufgrund mehrerer Nachfragen haben wir (mein Kollege Jürgen und ich) den Omega K6G in Kombination mit dem GriGri2 von Petzl ausprobiert. Leider ist es tatsächlich so, wie das Video vermuten lässt. Der Karabiner geht recht hakelig durch die Öse im GriGri2. Trifft man den richtigen Winkel, ist es eigentlich kein Problem, aber den Winkel auf Anhieb zu treffen, braucht schon etwas Übung. Daher empfinden wir die Kombination aus Grigri2 und dem Omega  als nicht ideal. Aber bevor wir den Karabiner deshalb nun verdammen, es gibt einige Karabiner, die nicht mit allen Sicherungsgeräten einwandfrei funktionieren und bis auf diese kleine Einschränkung scheint es wirklich ein guter und interessanter Karabiner zu sein.

Probieren geht über studieren – bzw. urteilen

Ich bin wirklich gespannt, wie die Kletterwelt auf den Karabiner reagiert und ich bin auch gespannt, was die Sicherheitsforschung von ihm hält, denn die kümmert sich in erster Linie um Sicherheit und weniger darum, ob Kletterer bereit sind, Gewohnheiten abzulegen oder nicht.

Exklusiv bei den Bergfreunden

Wer den neuen Karabiner jetzt gerne ausprobieren möchte, kann den Omega K6G ab heute (05.08.2014) exklusiv für drei Wochen bei den Bergfreunden kaufen. Ich bin wirklich gespannt, was Ihr dazu sagt und freue mich bereits auf Eure Kommentare.

Insgesamt sind von Grivel mehrere Karabiner mit diesem System geplant. Zwei Karabiner (D-Form und Birne), der oben beschriebene HMS, ein Stahlkarabiner und noch ein Sicherungskarabiner, der dem Gridlock etwas ähnelt. Bis die zu kaufen sind, muss man sich aber leider noch etwas gedulden.

Ein Nachtrag zum Namen Omega K6G

Grivel musste aufgrund einer drohenden Klage des Uhrenherstellers Omega den Namen seines Karabiners ändern, er hört fortan auf den Namen Grivel Twingate Karabiner Mega K6G.

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