Bergfreunde

Twin Bags for Life – Bergfreundin Steffi unterwegs in Sachen Lawinenairbags

25. November 2012

Sportart

Steffi in angespannter Erwartung

Steffi in angespannter Erwartung

ABS, Hersteller von Lawinenairbags, lädt zur Schulung ein – da sagen wir als Bergfreunde natürlich nicht nein! Olli aus dem Kundenservice, Casjen, Philip und Steffi, seit April in der Online-Redaktion,  machen sich also auf, um mehr über die lebensrettenden Airbags von ABS zu erfahren. Bei immerhin 100 Lawinentoten pro Jahr ist der Einsatz der luftgefüllten Kissen auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Steffi berichtet für uns von der Schulung

Da ich zuvor noch auf keiner Herstellerschulung war, bin ich ziemlich gespannt was mich dort erwartet. Ich hoffe auf ganz viel Praxis und wenig Theorie, viel selber testen, anfassen, ausprobieren und lernen. Zwar bin ich selbst Snowboarderin, war aber bisher noch mit keinem Lawinenairbag unterwegs. Ein kurzes Video im Schulungsraum zeigt weiße Berglandschaften und unendlich lange, pulvrige Abfahrten bei herrlich blauem Himmel. Nicht nur ich werde schon ganz kribbelig und freue mich in diesem Moment unendlich auf den Winter – Oli und Casjen haben schon ganz glasige Augen und Philips Bein wippt unruhig auf und ab. Was uns jedoch ziemlich schnell wieder aus unseren Träumereien reist, ist die Tatsache, dass der Wintersport in dieser Freerider-Kulisse einige große Gefahren mit sich bringt. Lediglich 15 Minuten hat man in der Regel Zeit um nach einem Lawinenabgang lebend aus dem Schnee geborgen zu werden, wenn man verschüttet wurde. Das ist reichlich wenig – denke nicht nur ich.

Hauptsache oben bleiben

So sieht ein ausgelöster Airbag aus

So sieht ein ausgelöster Airbag aus

Daher erklärt Daniel, überregionaler Vertriebsleiter bei ABS, dass es wohl das Wichtigste ist, an der Oberfläche der Lawine zu bleiben. Und er muss es schließlich auch wissen! Was Daniel in den nächsten Minuten erzählt, macht unsere Augen größer und erzeugt eine Gänsehaut auf meinen Armen. Unterwegs auf Skiern mit einer Freundin in Kitzbühel, werden Daniel und seine Begleitung im Winter 2010 vollkommen unerwartet von einer Lawine erfasst. Daniel hat einen ABS Lawinenairbag auf dem Rücken, den er kurz nach dem Abgang der Lawine auslöst.

Die großen Kissen halten ihn dauerhaft über dem Schnee bis die Lawine 110 Meter weiter unten endlich stehen bleibt. Mit der Lawinenausrüstung schafft er es sich freizuschaufeln und aus dem Schnee zu befreien. Wie durch ein Wunder trifft er dabei mit der Lawinenschaufel auf den Ski seiner Partnerin, die ohne einen Airbag auf den Schultern 1,5 Meter unter den Schnee gezogen wurde. Er gräbt auch sie aus, die beiden werden von der Bergwacht gerettet und kommen mit einem Schock davon. Diese tiefgehende Erfahrung und seine Begeisterung am Freeriden sorgen wohl dafür, dass Daniel nur kurze Zeit später seinen derzeitigen Job aufgibt und in den Vertrieb bei ABS wechselt.

Also wie war das jetzt? - Philip lässt sich alles genau erklären

Also wie war das jetzt? - Philip lässt sich alles genau erklären

Mit Lawinenairbag überleben 97% der Lawinenopfer

Ich bin ziemlich baff – diese Geschichte allein überzeugt mehr als alle Statistiken. Diese können sich jedoch ebenfalls durchaus sehen lassen: 97% der Personen mit ausgelöstem ABS Lawinenairbag überlebten den Lawinenunfall! Bei den Opfern ohne ABS Lawinenairbag waren es dagegen nur 75%. Ich finde es genügt die Tatsache, dass die Überlebenschance mit dem Rucksack plus Airbag am höchsten ist.

Airbags auslösen – Ein Kindheitstraum

Jetzt endlich kommt der Moment auf den wir alle gewartet haben: Wir dürfen die Airbags auslösen! Casjen und Oli machen sich auf dem Boden ans Werk. Dafür brauchen sie einen ABS Rucksack und die Auslöseeinheit – das bedeutet eine Patrone (aus Carbon oder Stahl) und einen Auslöser in Form eines Hebels. Ich erfahre, dass es wichtig ist, zuerst die Patrone einzuschrauben, bevor der Hebel angebracht wird. Die mit Stickstoff gefüllte Patrone liegt eisig kalt in meiner Hand. Philip und ich finden keine exakte Einschraub-Anleitung, machen das Ganze aber intuitiv richtig.

Casjen hat einen Rucksack in Größe S erwischt, was im Notfall gar nicht gut ist. Der Rucksack, so Daniel, sollte unbedingt auf die Körpergröße angepasst werden, da der Auslösehebel sonst nicht in einem günstigen Winkel zum Arm liegt.  Ich stelle mir vor, wie ich von einer weißen Wand überrollt werde und in Panik diesen Hebel finden muss. Macht also Sinn! Casjen hat alles angelegt und will loslegen. Doch eine wichtige Kleinigkeit, die von vielen vergessen wird, fehlt: der Schrittgurt! Sonst kann es passieren, dass die Airbags von den enormen Kräften der Lawine einem schlichtweg über den Kopf gezogen werden!

Nur Mut – einfach ziehen

Olli scheint das nicht geheuer zu sein

Olli scheint das nicht geheuer zu sein

Mit einem Grinsen, wohl wissend was gleich passiert, zieht auch Olli am Hebel. Ich beobachte, wie bei den meisten Teilnehmern kurz etwas im Gesicht zuckt, bevor sie den Hebel ziehen. Kein Wunder: Mit einem lauten Geräusch schießt der Stickstoff aus der Kartusche in die Airbags. Danach übernehmen die Saugventile an den Seiten und ziehen die Luft ein wie in eine Lunge. Innerhalb kürzester Zeit steht Olli mit zwei engelartigen Flügeln vor mir, die ihm im Notfall das Leben retten können. Hier im Raum,  ohne Schnee und Berge,  sieht das Ganze zugegebenermaßen etwas lächerlich aus – daher lassen wir die Luft wieder raus und verstauen die Kissen praktischerweise wieder an den Seiten des Rucksacks.

Eine Investition, die Leben rettet

Unser Fazit: Die Lawinenairbags sind eine echte Investition – günstig ist das Ganze sicher nicht. Wenn ich aber zu Daniel hinüber schaue, weiß ich schnell, warum es sich durchaus lohnen kann, nur mit Lawinenairbag auf dem Rücken unterwegs zu sein!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. ulligunde sagte am 25. November 2012 um 18:38 Uhr

    Ich habt da nicht zufällig ein paar Ansichtsexemplare mitbekommen? ;-)

  2. Wiebke sagte am 26. November 2012 um 08:37 Uhr

    Ich fürchte nein. ;-) Aber sollten wir mal ein paar herumliegen haben, dann sage ich Dir sofort Bescheid.

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