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Alpinklettern – Ausrüstungstuning für erfahrene Bergfreunde

13. August 2021
Tipps und Tricks

Klar, Alpinklettern findet irgendwo draußen in den Bergen statt, in großen Wänden, an langen Felsgraten. Aber eben nicht nur: Ein wesentlicher Teil des Spiels passiert woanders. Gemeint ist hier nicht nur die gewissenhafte Vor- und Nachbereitung konkreter Touren, sondern vielmehr die Bereitschaft, gedanklich tief in die Welt der Berge und des Kletterns einzudringen. Klingt das zu theoretisch? Hoffentlich nicht, denn es ist extrem wichtig, sich auch mit dieser Seite des Bergsports zu befassen.

Die Idee hinter diesem Beitrag

Dieser zweiteilige Beitrag richtet sich an Alpinkletterer, die bereit sind, bisherige Ansätze zu überdenken – und die verstanden haben, dass die Thematik zu komplex ist für starre Regeln. Seid ihr an der berühmten Lehrmeinung oder an den simpelsten Lösungen interessiert? Dann seid ihr hier wahrscheinlich nicht an der richtigen Stelle!

Die Idee hinter diesem Beitrag: Ich möchte ein paar Anregungen geben, die hoffentlich dazu führen, dass ihr auf einem insgesamt besseren Niveau in den Bergen unterwegs seid – effizienter, risikobewusster, selbstkritischer.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, gehe ich nur auf einzelne ausgewählte Themen ein – insbesondere auf solche, an die man vermutlich nicht als erstes denken würde und über die bisher auch weniger geschrieben wurde.

Teil 1: Ausrüstung

Teil 1 dieses Beitrags widmet sich dem Thema Ausrüstung. Ein allzu starker Fokus auf dieses Thema ist meines Erachtens nicht zielführend. Allerdings geht’s hier primär um taktische und sicherheitstechnische Aspekte – und ich denke, dass dieses Thema einen guten Einstieg darstellt.

Achtung!

Alpinklettern ist gefährlich! Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in diesem Beitrag erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Vieles liegt jedoch im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann.

Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen dieses Beitrags resultieren.

Wichtige Teile aus der zweiten Reihe

Wahrscheinlich denken wir beim Thema Kletterausrüstung hauptsächlich an Seil, Gurt, Helm, Schuhe und diverse Hardware. Hier werfen wir aber einen Blick auf andere Teile:

Leichte Zustiegsschuhe

Die Devise bei der Auswahl des richtigen Schuhwerks für Zu- und Abstieg: So wenig wie möglich! Klar, Sicherheit steht an erster Stelle. Laufschuhe sind im hart gefrorenen Altschneefeld suboptimal. Nur wären ausgelatschte Wanderstiefel ebenfalls suboptimal, wenn es eigentlich ein Eisgerät oder Steigeisen bräuchte.

In der Praxis lässt sich mit guten Trailrunningschuhen mehr machen, als man denkt – Vorsicht allerdings auf glatten Granitplatten oder ähnlichem: mit dem typischen Stollenprofil kommt man hier schnell in „Schwimmen“! Im felsigen, technisch schwierigen Gelände also besser auf leichte Approachschuhe mit flacher Sohle und guter Kantenstabilität setzen. Außerdem hilfreich sind stabile (!) Schlaufen zum Anhängen der Schuhe.

Faltstöcke

Für längere oder auch schnelle Zustiege gehören hochwertige, leichte Faltstöcke zum wichtigsten Handwerkszeug. Ideal sind Modelle mit Fixlänge, also ohne die Möglichkeit, die Länge zu variieren. Für rein sommerliche Aktionen reichen Micro-Teller, für einen vielseitigeren Einsatz (Zustiege im Schnee, Hochtouren) sollte man Stöcke mit austauschbaren Tellern wählen.

Rucksack

Die „Nose“ am El Capitan kletterten Flo und ich mit einem einzelnen 16-l-Rucksack. Dieses Beispiel zeigt, dass es für große Touren nicht zwangsläufig große Rucksäcke braucht. Etwas vereinfacht dargestellt gehe ich beim Packen folgendermaßen vor:

Erste Überlegung: Mit welchem Rucksack am Rücken lässt sich die jeweilige Route gut klettern? Oder: Welcher Rucksack würde am wenigsten stören? Mir ist beispielsweise eine kurze Rückenlänge wichtig, damit ich uneingeschränkten Zugriff auf den Chalkbag habe. Und: Wie robust sollte das Material sein? Geht’s durch Kamine oder wird gar gehault?

Zweite Überlegung: Wie müssen wir uns organisieren, um den Materialtransport hinzubekommen? Kommt man nach einer Klettertour zurück zum Einstieg, ist es eine gute Lösung, mit drei Rucksäcken zu planen: zwei größere für den Zustieg und einen zusätzlichen, deutlich kleineren für die Wand. Oder mit einem kleineren und einem größeren Rucksack zusteigen und den größeren am Einstieg zurücklassen.

Wird nichts am Einstieg zurückgelassen und dementsprechend das gesamte Material durch die Wand getragen, sollte man versuchen, mit ein bis zwei möglichst kleinen Rucksäcken auszukommen.

Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, zum Anhängen des Rucksacks. Die vorhandene Trageschlaufe sollte man im Zweifelsfall zuhause mal testen, also ordentlich belasten, oder sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich an der Trageschlaufe eine kleine Schlinge mit Karabiner.

Unnötigen Schnickschnack am besten entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Dünne Lederhandschuhe

Dünne Lederhandschuhe mit gutem Griffgefühl haben sich im alpinen Gelände oft bezahlt gemacht: für Zu- und Abstiege (Altschnee, Fixseile, Schrofen, scharfer Fels, …), das Sichern und Abseilen und natürlich auch als Kälteschutz. Also mitnehmen!

Wasserflaschen

Für sommerliche Tagestouren keine fetten Bomben – besser kleinere Flaschen verwenden. Beispiel: anstelle der klassischen 1-l-Nalgene zwei gewöhnliche 0,5-l-PET-Flaschen mit selbstgebastelter Aufhängung. Ist eine solche Flasche leer, kann man sie plattdrücken und gewinnt Volumen im Rucksack. Sollte ein Flasche verloren oder kaputt gehen, hat man noch eine zweite.

 

Längenverstellbare Selbstsicherungsschlinge

Alles mit dem Seil lösen? Sollte man können und gleichzeitig vermeiden. Eine am Gurt installierte längenverstellbare Selbstsicherungsschlinge bringt in den unterschiedlichsten Situationen enorme Vorteile.

Mittlerweile gibt es interessante Modelle, bestehend aus einem Seilstück (gutes Energieaufnahmevermögen) und einer Seilklemme für die Längenverstellung. Mit der Zeit wird man sich mit dem Umstand arrangieren, dass sie „im Weg“ sein kann (ich stecke die Seilschlaufe meiner Selbstsicherungsschlinge beim Klettern in die Beinschlaufe, wo sie nicht groß stört).

Achtung: Es gibt ähnliche Konstruktionen aus Bandmaterial, die aufgrund niedriger Bruchlasten nicht als Selbstsicherungsschlingen verwendet werden dürfen!

Keile und Cams

Viele Routen lassen sich gut mit mobilen Sicherungsmitteln absichern. Je nach Gesteinsart und äußeren Bedingungen kann der Einsatz von Keilen und Cams allerdings auch ernüchternd sein: Man bringt einfach nichts unter, und wenn doch, dann hält das Zeug (wahrscheinlich) nicht. Dafür kostet das Anbringen der Sicherungen Zeit und Kraft und bringt letztendlich nur zusätzliche Seilreibung.

Was also tun?

  1. Wir brauchen ein gutes Verständnis für die Funktionsweise unseres Materials, viel Routine in der Anwendung und – ganz wichtig – den Blick für geeignete Placements. Also im Klettergarten üben, inklusiv Teststürzen (natürlich hintersichert und nur dort, wo keine Beschädigung der Routen zu befürchten ist).
  2. Wir sollten die Eigenheiten verschiedener Gebiete bzw. Gesteinsarten kennen. Welche Geräte funktionieren besser oder schlechter? Ist bekannt, dass Cams nicht halten, weil der Fels sehr glatt ist? Braucht es spezielle Cams, die besser in Löcher passen?
  3. Ums Material kümmern: alles regelmäßig checken, Cams schmieren, Drähte von Klemmkeilen zurechtbiegen usw.
  4. Es braucht eine gute Organisation des Materials am Gurt:

    • Nicht zu viele Keile in einem Karabiner. Im Zweifelsfall zwei Bündel: eins mit den großen Keilen, eins mit den kleinen. Klemmkeilentferner separat, mit eigenem (kleinen) Karabiner.
    • Jeder Cam bekommt seinen eigenen, farblich passenden Karabiner. Cams und Keile am Gurt ordnen (z. B. alle Cams eines Typs auf einer Seite, kleine vorne, große hinten).
  5. Wer traditionelles Alpinklettern auf einem höheren Niveau betreiben will, sollte über folgendes Material nachdenken, um seine Möglichkeiten zu erweitern und seine Sicherheit zu erhöhen:
    • Ein paar Aliens oder vergleichbare Klemmgeräte (z. B. DMM Dragonfly oder Metolius Master Cam). Für den typischen Einsatz beim Alpinklettern sind m. E. Größen ab 7 kN angegebener Bruchlast interessant.
    • Die kleinsten Ausführungen oder auch Offset-Varianten können natürlich goldwert sein, primär aber bei sehr schwierigen Granitrouten, Techno-Routen usw. (pauschale Empfehlungen sind schwierig).
    • Ein paar Totem Cams, insbesondere die mittleren Größen (lila, grün und rot).

    • Ein paar Tricams für feuchte, dreckige oder unregelmäßige Risse sowie für kleine Löscher. Ja, das Legen und Entfernen ist etwas mühevoll… aber wenn sonst nichts geht!
    • Offset-Keile. Empfehlung: DMM Offset Nuts sowie DMM Brass Offsets Gr. 4 bis 6. Im Sommer sind sie immer wieder einmal Cams überlegen. Entscheidend ist auch hier die Option der Offset-Positionierung. Bei Bedarf kann man sie zusätzlich mit dem Hammer festklopfen.
    • Ein paar längere Exen (25 cm Schlingenlänge) – die zusätzliche Schlingenlänge macht sich am Klettergurt nicht bemerkbar, der Effekt kann aber enorm sein!
  6. Akzeptieren, dass in gewissen Bereichen mit Hammer und Haken gearbeitet werden muss.

Hammer und Haken

Sind Felshammer und Normalhaken für dich unbekannte Wesen oder Relikte vergangener Zeiten? Dann solltest du deinen Standpunkt noch einmal überdenken. In den klassischen Routen der Dolomiten oder des Sarcatals beispielsweise sind Normalhaken nach wie vor Sicherungsmittel Nummer eins, Alpenweit spielen sie bei der Absicherung von Abenteuerrouten eine entscheidende Rolle.

Hängt unser Leben von ein paar Haken ab, die irgendjemand irgendwann einmal in die Wand gedroschen hat, dann sollten wir das nicht als Schicksal verstehen. Vorhandene Normalhaken kann man mit einem Felshammer prüfen und möglicherweise auch nachschlagen.

Führt man auch nur eine kleine Auswahl an Haken mit, erweitert dies die Optionen enorm, insbesondere beim Standplatzbau und beim Einrichten von Abseilstellen. Darüber hinaus kann der Felshammer als Allround-Werkzeug verstanden werden: zum Festklopfen von Klemmkeilen, fürs Ausräumen von Rissen, zum Stufenschlagen im Eis und für vieles mehr.

Welche Haken sollte man mitführen?

Für eine moderate Felsroute in den Dolomiten würde ich beispielsweise ein bis zwei Knifeblades, einen mittleren Fichtelhaken und vielleicht noch einen mittleren V-Profilhaken einpacken – also insgesamt nur zwei bis vier Haken.

Für eine Aktion im Granit statt dem Fichtelhaken beispielsweise einen dünnen Z-Profilhaken. Da Normalhaken vergleichsweise schwer sind, machen manche Typen und Größen mehr Sinn als andere. Ein Beispiel: Statt massiven Hartstahl-Schmiedehaken sollte man beim klassischen Alpinklettern besser dünne Profilhaken verwenden.

 

Empfehlenswert sind Haken mittlerer Länge. Sollten sie einmal zu lang sein, kann man sie meist mit einer dünnen Bandschlinge abbinden. Bei geschlossenem Fels halten „Beaks“ wie die Peckers von Black Diamond in der Regel am besten. Ab der Größe 2 (mittlere Größe) sind diese Haken nach meinen Erfahrungen auch zum Halten von größeren Stürzen geeignet.

Wenig hilfreich sind übrigens die gängigen Empfehlungen bzgl. Hakentyp (Hartstahl/Weichstahl) und Gestein sowie Einstecktiefe vor dem Einschlagen. Zwar sollte man in hartem Gestein wie Granit oder Gneis Hartstahlhaken einsetzen, viel mehr lässt sich pauschal allerdings nicht sagen. Stattdessen gilt: Übung macht den Meister.

Das Setzen von Normalhaken beinhaltet logischerweise eine große handwerkliche Komponente und verlangt ein gutes Gespür für die Materie. Sucht euch Felsen, wo ihr keinen größeren Schaden anrichten könnt und es niemanden stört, und macht euch an die Arbeit!

 

Welches Seil für welchen Zweck?

Die Eigenschaften des Seils spielen eine große Rolle. Gleichzeitig handelt es sich beim Seil um einen Verschleißartikel – es muss zwangsläufig hin und wieder ein neues erworben werden. Daraus folgt: unbedingt mehrgleisig fahren! Um das Feld etwas einzugrenzen, bleiben wir thematisch beim Mehrseillängen-Felsklettern. Und um es nicht zu kompliziert zu machen, nähern wir uns dem Thema mit ein paar Beispielen an (ausgehend von einer 2er-Seilschaft, sofern nicht anders beschrieben):

  1. Die Leichtkletterei: Eine lange Route mit einfacher Kletterei, teils gesichert, teils seilfrei.
    Hier bietet sich ein dünnes 50-m-Einfachseil an. Hintergrund: Mit einem solchen Seil gehen die Sicherungsmanöver einfacher von der Hand und es lässt sich für die Passagen mit ungesicherter Kletterei schneller aufnehmen und stört weniger. Mein Standard-Seil dafür: Edelrid Swift 8,9 mm. Ergänzend kann eine Rapline für längere Abseilstrecken mitgeführt werden.
  2. Die klassische Alpinkletterei: Eine Route mit gemischter Absicherung, möglicherweise schwieriger Zu- und Abstieg, der gewisse Seilmanöver erfordert.

    Um in dieser Situation flexibel zu sein, kommen moderne, nicht zu dicke Halbseile mit 50 m Länge zum Einsatz. 60-m-Seile gingen natürlich auch. Nur: weshalb sollte man sich das antun? Viele Seilschaften sind unter anderem deshalb langsam, weil sie sich mit unnötig langen Seilen herumschlagen. Mein Allround-Seil dafür: Edelrid Apus 7,9 mm. Mit diesem Seil lassen sich diverse sicherungstechnische Ansätze vernünftig umsetzen!

  3. Alpinklettern in der 3er-Seilschaft:
    Es wird komplizierter: Je nach Gelände, Körpergewicht der Nachsteiger und weiteren Faktoren (Kletterkönnen, Eigenverantwortung, …) sollten Halbseile mit einem größeren Durchmesser verwendet werden. Es geht hier primär um die Sicherheit der Nachsteiger bei einem möglichenKanteneinfluss im Sturzfall. Aber auch die psychologische Wirkung des Seildurchmessers sollte nicht unterschätzt werden. Es gilt also gut abzuwägen und sich im Team für eine Option zu entscheiden. Als Bergführer setze ich öfters auf die Kombination eines dünnen Einfachseils und eines kräftigen Halbseils (8,5 mm), um in gewissen Situationen variabler zu sein.

    Mit dieser Lösung habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, und ich denke, dass sie auch unabhängig von der Führungs-Situation vorteilhaft sein kann. Eine leichte Lösung sind die neuen Starling Protect Halbseile (8,2 mm) von Edelrid. Deren Seilmantel ist mit Aramid-Fasern verstärkt, wodurch sich die Schnittfestigkeit an Felskanten deutlich erhöht!

  4. Die alpine Sportkletterei: Eine längere Route mit guter Bohrhakenabsicherung. Tendenziell höhere Schwierigkeitsgrade, mitunter auch lange Seillängen mit bis zu 60 m Länge.
    Hier bieten sich 60-m-Zwillingsseile an. Moderne Zwillingsseile wie z. B. das Edelrid Skimmer 7,1 mm sind zwar als auch als Halbseil zertifiziert, persönlich ordne ich sie aber nach wie vor als Zwillingsseile ein und verwende sie beim Felsklettern aus verschiedenen Gründen nicht als Halbseil.

    Aber: Bringen diese ultradünnen Seile überhaupt nennenswerte Vorteile? Ich würde sagen: ja, auf jeden Fall! Gerade leichtere Kletterer profitieren enorm vom geringeren Seilgewicht und dem dadurch reduzierten Seilzug. Auch funktioniert die Halbmastwurfsicherung bei dünnen Doppelseilen deutlich besser. Und wer insgesamt auf leichtes Material setzt, findet bei insgesamt 120 m Seil viel Sparpotential. Allerdings braucht es unbedingt ein Sicherungsgerät mit ausreichender Bremskraft!

  5. Moderates Gelände (mit Fußabstieg): Eher kürzere Routen mit gut überschaubarem Gesamtanspruch.Persönlich klettere ich in einem solchen Gelände am liebsten mit einem 60 m langen, mitteldicken Einfachseil (z. B. 9,8 mm) mit gutem Handling (nicht zu steif). Im Falle eines Rückzugs muss man mit 30 m Abseillänge klarkommen, was wahrscheinlich bedeutet, dass man nicht immer von Stand zu Stand kommt.

    Man sollte also in der Lage sein, Fixpunkte zu bewerten und ggf. Abseilstellen einzurichten. Warum kein Doppelseil? Mit dem Einfachseil läuft’s einfach besser und macht mehr Laune.

  6. Überhängendes, schwieriges Gelände: Es geht in Richtung Freikletter-Bigwall, wobei die Wände gar nicht so hoch sein müssen.Entscheidend ist, dass Vor- und Nachsteiger nur mit dem Nötigsten am Gurt und ohne Rucksack klettern können. Geklettert wird mit einem mitteldicken Einfachseil (z. B. 9,8 mm) mit gutem Handling (nicht zu steif). Das Gepäck wird mit einem zweiten, dünnen Seil oder einer speziellen Leine nachgezogen.
  7. Besonders lange Routen, Enchaînements, und schnelle Begehungen: Schnelle Seilmanöver wie auch das Simultanklettern (mit Seilklemmen als Rücklaufsperren) erfordern den Einsatz eines Einfachseils. Länge und Durchmesser müssen auf die jeweilige Route abgestimmt sein. Wichtig ist, dass das Zusammenspiel von Seil und Sicherungsgerät(en) sowie Seilklemmen perfekt

    funktioniert! Nicht nur bei erhöhter Gefahr durch Felskanten empfiehlt sich ein etwas kräftigeres Seil bzw. ein Seil mit einem stärkeren Mantel (z. B. Edelrid Swift Protect 8,9 mm). Auf jeden Fall sollte der Mantel des Seils in einem guten Zustand sein! Ergänzend kann eine Rapline für längere Abseilstrecken sinnvoll sein.

Über die Alpen mal anders – der L1 von Garmisch zum Gardasee

22. Juni 2021
Die Bergfreunde

Die zentrale Gebirgskette in Europa einmal zu Fuß zu überqueren gehört für viele Bergwanderer und Outdoor-Enthusiasten zu den Dingen, die man einmal gemacht haben muss. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Möglichkeiten dies zu tun. Neben dem absoluten Klassiker, dem E5 von Oberstdorf nach Meran, kamen in den letzten Jahren einige sehr reizvolle Alpenüberquerungen hinzu, von Salzburg nach Triest, der Traumpfad von München nach Venedig, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir möchten Euch heute einmal eine in diesem Zusammenhang nur selten genannte Alternative vorstellen: den L1 von Garmisch-Partenkirchen bis zum Gardasee.

Und wenn ihr gerne wissen möchtet, wie es sich anfühlt den L1 zu erwandern, dann schaut euch gerne das Video von den Bergfreunden Marco & Sandra an.

Der L1 – ein kurzer Überblick

Der L1 ist nach seinem Erstbegeher Hans Losse benannt. Hans Losse und seinem 15jährigen Sohn Alexander sagten die ganzen etablierten Alpenüberquerungen nicht so recht zu und so beschlossen sie 1989 ihre eigene Route zu planen. Die Idee dahinter war, einen Weg über die Alpen zu finden, der vollständig ohne Busse, Seilbahnen oder sonstige Hilfsmittel auskommt. Diese Planung führte Hans Losse von Garmisch-Partenkirchen, durch das Kühtai, über den Alpenhauptkamm im Ötztal, hinein nach Südtirol, durch die Adamello-Gruppe bis nach Brescia. In den letzten Jahren hat sich eine populäre Alternative entwickelt, die statt nach Brescia zum landschaftlich reizvolleren Gardasee führt, nach wie vor sind aber natürlich beide Varianten möglich.

Herausgekommen ist eine Route über die Alpen, die insgesamt rund 370 Kilometer lang ist, 60000 Höhenmeter umfasst und alles in allem rund drei-dreieinhalb Wochen Gehzeit benötigt. Der L1 ist im Unterschied zu den meisten anderen Alpenüberquerungen dementsprechend auch kein durchgängig ausgeschildeter Fernwanderweg, sondern besteht aus vielen zusammengewürfelten Abschnitten. Dies macht den L1 zu einem der am wenigsten begangenen und bekannten Wegen über die Alpen. Dennoch stellen Navigation und Logistik keine allzu große Herausforderung dar, Ziel- und Endpunkte der jeweiligen Etappen sind klar definiert und meistens einfach zu finden. Begehbar ist der L1 je nach Schneejahr von Ende Juni bis Mitte September, vereinzelte Schneefelder werdet Ihr aber in aller Regel auf jeden Fall vorfinden.

Der L1 ist eine anspruchsvolle Hochgebirgstour, die alpine Grunderfahrung, entsprechende Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetzt. Es gibt viele ausgesetzte, seilversicherte Kletterstellen und auch eine kurze Gletscherquerung des Fürkeleferner am Ende des Martelltals gehört dazu. Da der L1 so angelegt ist, dass der Wanderer immer wieder komplett in die jeweiligen Täler absteigt, sammelt man zahlreiche Höhenmeter, was eine entsprechende Grundkondition voraussetzt. Wenn Ihr diese Voraussetzungen mitbringt, erwartet Euch auf dem L1 eine wunderbare Alpenüberquerung, mit sehr schönen Übernachtungsmöglichkeiten, relativ wenigen Menschen und einer faszinierenden Bergwelt.

Die Etappen

Grob kann man den L1 in drei Abschnitte untergliedern, einen nördlichen von Garmisch bis ins Stubaital, einen zentralen von den Ötztaler Alpen bis zur Ortlergruppe, in dem der Alpenhauptkamm überschritten wird und einen südlichen durch die Adamello-Alpen zum Gardasee.

Der folgende Etappenplan ist eine Möglichkeit, jeder hat natürlich die Option Etappen anders zu gestalten, ab und an bietet sich auch die Möglichkeit ein Biwak einzulegen, statt auf einer Hütte zu übernachten.

Etappe 1 Garmisch-Partenkirchen-Knorrhütte

Aufstieg von Garmisch-Partenkirchen über das Kreuzeckhaus (es geht auch die Alternative über die Partnachklamm), durch das Reintal, bis zur Knorrhütte. Hier könnt ihr alternativ auch eine gute Stunde unterhalb der Knorrhütte biwakieren. Gute, nicht zu anstrengende Einstiegsetappe mit schönen Blicken auf das Zugspitzmassiv.

Etappe 2 Knorrhütte – Neue Alplhütte

Von der Knorrhütte geht es durch das berühmte Gatterl hinein nach Österreich. Vom Gatterl dann über das Steinerne Hütterl hinab zur Tillfußalm und von hier ein recht langer Anstieg hinauf zur Neuen Alplhütte. Ab dem Gatterl viele Höhenmeter, aber keine technisch anspruchsvolle Etappe.

Etappe 3 Neue Alpl Hütte – Untermieming – Dortmunder Hütte

Diese Etappe sollte man auf zwei Tage verteilen und auf der Stamser Alm übernachten, wenn man auch das Inntal zu Fuß durchqueren will. Dieses ist landschaftlich leider wenig reizvoll, deshalb haben wir uns entschlossen, das Inntal nach dem Abstieg von der Neuen Alpl Hütte mit dem Bus zu durchfahren und direkt zur Dortmunder Hütte aufzusteigen. Sehr anstrengende Etappe mit vielen Höhenmetern.

Etappe 4 Dortmunder Hütte –Schweinfurter Hütte

Relativ unspektakuläre Etappe am Speichersee vorbei durch das Kühtai mit vielen Ski- und Sesselliften, bis zur Schweinfurter Hütte. Eine der weniger schönen Etappen auf dem L1, die man theoretisch aber auch über das Längental umgehen kann, was aus der Rückschau schöner erscheint.

Etappe 5 Schweinfurter Hütte – Amberger Hütte

Von der Schweinfurter Hütte über die wirklich schön am See gelegene Winnebachseehütte hinab nach Grieß, wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gibt. Danach folgt ein langer Anstieg hinauf zur Amberger Hütte, auch hier ist eine gute Kondition nötig, technisch aber nichts Anspruchsvolles. 

Etappe 6 Amberger Hütte- Sölden/Vent

Eine der schwierigsten Etappen auf dem L1. Von der Amberger Hütte geht es über eine seilversicherte Kletterpassage zum sehr ausgesetzten Attakarjoch, den kleinen Gletscher könnt ihr aber umlaufen. Hier ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingend geboten. Es folgt ein langer, sehr steiler, auch technisch anspruchsvoller Abstieg nach Sölden. Hier kann man dann entweder an der Ache entlang der Straße bis Zwieselstein gehen. Wir haben uns aufgrund des Weges direkt an der Straße auch hier dazu entschlossen, von Sölden den Bus direkt nach Vent zu nehmen, dies würde ich auch empfehlen.

Etappe 7 Vent – Schöne Aussicht Hütte

Der offizielle L1 führt nun über die Martin Busch Hütte zum Saykogel, mit 3360 Metern auch höchster Punkt der Tour. Von hier geht es dann weiter zur Schöne Aussicht Hütte. Wir mussten witterungsbedingt leider die Alternative über die Similaunhütte wählen und von dort nach Vernagt absteigen. Die meisten Wanderer sparen sich dann den sehr langen Abstieg nach Schlanders, sondern fahren von Kurzras oder wie wir von Vernagt mit dem Bus nach Schlanders.

Etappe 8 Schöne Aussicht Hütte – Schlanders

Insbesondere wenn man die Variante mit dem Bus wählt, ist hier ein guter Zeitpunkt einen Ruhetag in Schlanders einzulegen, die Füße hochzulegen und Südtiroler Spezialitäten in dem Vinschgauer Städtchen zu genießen.

Etappe 9 Schlanders – Berggasthaus Stallwies

Von Schlanders geht es zunächst durch Weinberge, dann auf eher langweiligen Forstwegen über die Göflaner Alm hinauf zur Göflaner Scharte. Hier gilt es ein wenig auf die Gewitterneigung zu achten, von der Scharte hat man erste, beeindruckende Blicke auf die Ortlergruppe. Von der Scharte führt der Weg dann auf und ab, bis zum wunderbar gelegenen Stallwieshof, einem der schönsten Übernachtungsorte auf dem L1.

Etappe 10 Berggasthaus Stallwies – Marteller Hütte

Der Weg führt durch das Martellertal zunächst recht eben bis zum Stausee unterhalb der Marteller Hütte. Von dort gibt es dann unterschiedliche Aufstiegsmöglichkeiten zur Hütte, die Variante vom Stausee nach links ist steiler und anspruchsvoller, aber auch schöner, sonst bietet die Etappe keine großen Schwierigkeiten.

Etappe 11 Marteller Hütte – Peio

Eine weitere sehr anspruchsvolle Etappe steht heute auf dem Programm. Von der Marteller Hütte steigt der Weg über den spaltenfreien Fürkeleferner hinauf zur Fürkelescharte auf 3032 Metern. Die kurze Gletscherquerung erfordert unbedingte Trittsicherheit, auch die letzten Aufstiegsmeter zur Scharte sind auf technisch anspruchsvollem, rutschigem Geröll zu absolvieren. Von der Scharte, mit der man auch die deutsch-italienische Sprachgrenze überquert, folgt ein langer, ermüdender Abstieg nach Peio.

Etappe 12 Peio – Rifugio Bozzi

Diese eher kurze Etappe führt zunächst eben bis zum Stausee am Ende des Tals. Von dort geht es dann zwar lange, aber nicht extrem steil hinauf zum Rifugio Bozzi. Hier gibt es noch einige Bunker und sonstigen Überbleibsel aus dem hier heftig umkämpften Ersten Weltkrieg zu sehen, ansonsten ist es nicht sonderlich spektakulär.

Etappe 13 Rifugio Bozzi – Temú

Theoretisch und bei sehr guter Kondition könnte man auch direkt vom Rifugio Bozzi zum Rifugio Garibaldi gehen. Um noch etwas einzukaufen und zu entspannen, ist es aber netter vom Rifugio Bozzi den längeren Abstieg nach Ponte di Legno zu nehmen und von dort das Tal entlang nach Temú zu wandern und dort zu übernachten. Alternativ könnt ihr auch im größeren Ponte di Legno übernachten und dann mit dem Bus nach Temú fahren. 

Etappe 14 Temú – Rifugio Garibaldi

Ab hier folgt der L1 dem Höhenweg Sentiero No.1, der mit der weißroten Beschilderung gut zu finden ist. Von Temú geht es über eher langweilige Forstwege zunächst moderat, dann aber stetig steiler werdend zu den Stauseen und dann weiter zum Rifugio Garibaldi. Der Weg ist technisch nicht anspruchsvoll, kann aber bei hohen Temperaturen sehr anstrengend sein, weil es kaum Schatten gibt. Belohnt wird man mit dem wunderschön gelegenen Rifugio Garibaldi und dem Blick auf den Monte Adamello.

Etappe 15 Rifugio Garibaldi – Rifugio Gnutti

Vom Rifugio Garibaldi führt der Weg zunächst hinab zum oberen Stausee, ehe es dann zunehmend steil und wegen der größeren Granitfelsen auch anstrengend zum Passo di Premassone geht. Hier ist am Ende auch eine kurze seilversicherte Kletterpassage zu überwinden. Von der Passhöhe mit wunderschönem Ausblick auf die umliegende Bergwelt, geht es zunächst weiter über große Granitblöcke, die die Orientierung erschweren, hinab und dann über den Passo del Gatto zum Rifugio Gnutti. 

Etappe 16 Rifugio Gnutti – Rifugio Citta di Lissone

Vom Rifugio Gnutti geht es zunächst steil und wieder über die hier obligatorischen Granitblöcke hinauf zum Passo Miller, sehr steil hinab über das Rifugio Prudenzini wieder hinauf zum Passo di Paio. Hier sind die Wege stark mit Gras überwachsen und man muss oft aufpassen nicht umzuknicken, weil Löcher unter dem hohen Gras verborgen sind, es ist also Vorsicht geboten. Es folgt ein steiler Abstieg ins Tal des Paio, dem man bis zum Rifugio Citta di Lissone folgt, hier gäbe es aber auch Möglichkeiten zu Biwakieren. Eine lange schwierige Etappe, die man theoretisch auch auf zwei Tage verteilen könnte.

Etappe 17 Rifugio Citta di Lissone – Rifugio Maria e Franco

Es geht zunächst eben, dann schnell steiler werdend über einige seilversicherte Passagen über kleinere Pässe, dann eher eben entlang des Tals weiter. Hier ist der Weg gegen Erosion mit Eisenbahnbohlen unterlegt, was im trockenen Zustand das Gehen erleichtert. Über den Passo Ignaga, mit dem Ihr auch von Südtirol in die Lombardei gelangt, geht es sehr steil und teilweise seilversichert hinab zum Rifugio Maria e Franco

Etappe 18 Rifugio Maria e Franco – Rifugio Tita Secchi

Eine der kürzesten Etappen auf dem L1 führt zunächst über den Passo Dernal, dann recht steil bergab ins Tal mit vielen Schafen. Es folgen zwei weitere, kleinere Pässe mit einigen Granitfelsen, ehe es zum sehr schön gelegenen Rifugio Tita Secchi geht.  

Etappe 19 Rifugio Tita Secchi – Bagolino

Ab dieser Etappe weicht der Plan nun vom offiziellen L1 ab und biegt nach links in Richtung Gardasee ab, statt weiter nach Brescia zu gehen. Es folgt ein langer, auch eher langweiliger Abstieg in Richtung des kleinen Dörfchens Bagolino

Etappe 20 Bagolino – Idro

Von Bagolino geht es an der Ostküste des Idrosees entlang in Richtung Idro. Leider gibt es hier immer wieder längere Abschnitte entlang der Straße, deshalb kann man auch Teile der Etappe mit dem Bus umfahren.

Etappe 21 Idro – Saló 

Die letzte Etappe führt zunächst noch einmal steil bergauf aus Idro hinaus, es folgt ein langer, eher flacher Abstieg zum Gardasee bei Manerba, auch oft entlang von Teerstraßen. Ihr könnt entweder in Manerba bleiben, wir haben uns entschlossen noch mit dem Bus in das benachbarte, größere Saló zu fahren. Auf jeden Fall habt Ihr Euch jetzt einen Sprung ins kühle Nass des Gardasees verdient.

Ein paar Bemerkungen zur Ausrüstung

Die folgenden Zeilen betreffen nicht nur den L1, sondern können so oder so ähnlich auch für andere Alpenüberquerungen genutzt werden. Grundsätzlich gilt, was letztlich für jede Bergwanderung oder Trekkingtour richtig ist: je leichter desto besser. Achtet darauf Euer Rucksackgewicht so gering wie möglich zu halten und beschränkt Euch auf das Wesentliche. Ihr werdet unterwegs immer mal wieder die Möglichkeit haben, Kleidung zu waschen, deshalb könnt Ihr getrost auf zu viele Wechselschichten verzichten. Es genügt eine Wanderschicht, ein Baselayer aus Merinowolle, eine Isolationsschicht und eine Hardshelljacke als Toplayer für den Wetterschutz. Eine Überziehregenhose hatten wir zwar dabei, ist aber nicht zwingend nötig.

Eine gesonderte Bemerkung gilt dem Thema Schuhe. Wir benutzen auch im alpinen Bereich stabile Trailrunningschuhe, auch ein Approachschuh ist eine deutlich leichtere Alternative zu einem klassischen, knöchelhohen Bergwanderschuh. Dies ist aber nicht für jedermann und erfordert entsprechende Erfahrung im alpinen Gelände mit solchen Schuhen unterwegs zu sein. Es bleibt eine individuelle Entscheidung mit welchem Schuhwerk eine solche alpine Tour gegangen wird. Grödel können für die kurzen Gletscher- und auch immer mal wieder vorkommenden Schneefeldquerungen hilfreich sein, sind aber nicht zwingend erforderlich.

Was andere Ausrüstung angeht, hängt es davon ab, ob Ihr plant ausschließlich auf Hütten zu übernachten, oder ob Ihr auch das eine oder andere Mal biwakieren möchtet. Im ersten Fall gilt unter Coronabedingungen, dass Ihr auch auf den Hütten einen vollwertigen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von um die acht Grad benötigt. Plant Ihr auch Biwaks einzustreuen, braucht Ihr natürlich eine Isomatte mit einem R-Wert von grob drei, eine Unterlage, sowie ein Tarp oder einen Biwaksack als Wetterschutz. Auch der Schlafsack sollte dann eine Komforttemperatur von rund um den Gefrierpunkt haben. Die weiter unten folgende Packliste geht vom zweiten Fall aus. Ansonsten komplettieren die Ausrüstungsliste gute Trekkingstöcke, ein paar wenige Hygieneartikel, eine Stirnlampe und ein Erste Hilfe Set.

Packliste Alpenüberquerung

  • Rucksack (30-35 Liter)
  • Schlafsack (Komforttemperatur 0 bis -3 Grad, auf Hütten ca. 8 Grad)
  • Isomatte (R-Wert ca. 3)
  • Biwaksack und/oder Tarp
  • Robuste Trekkinghose
  • Funktionsshirt
  • Eine Merinoschicht (lange Unterhose und Longsleeve)
  • Leichte Kunstfaser-oder Daunenjacke
  • Eine dreilagige Hardshelljacke
  • Ggf. eine Überziehregenhose
  • 2-3 Paar Wandersocken
  • 2-3 Unterhosen
  • Approach-Trailrunning oder Bergschuhe
  • Hüttenschuhe
  • Dünne Handschuhe und Mütze
  • Ein Buff
  • Stirnlampe
  • Trekkingstöcke
  • Erste Hilfe Set & Reiseapotheke
  • Zahnpasta, Zahnbürste & Sonnencreme
  • Smartphone und eine Powerbank

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28. Mai 2021
Tipps und Tricks

Mal ehrlich, was ist dieses Jahr denn eigentlich mit dem Frühling los? So ein Piss, echt. Und ja, ich weiß, das ist gut für die Natur und immer nur schönes Wetter geht nicht. Aber für mein kleines Outdoorherz braucht es hin und wieder mal Sonnenschein. Und das länger als nur 5 Minuten am Stück. So, genug gemotzt, zurück zum Thema. Mich zieht es nach draußen. Ich will mal wieder ein paar Tage wandern gehen. Die nächste Tour ist schon geplant und da sich das gute Wetter derzeit noch sehr bitten lässt, habe ich mir fernab von der Tourenplanung einmal ein paar Gedanken gemacht, wie sich unterwegs der Komfort ein wenig erhöhen lässt. Genauer, wie man es hinbekommt auch in Zelt oder Biwak gut und vor allem entspannt schlafen zu können.

Genau daran möchte ich euch heute einmal teilhaben lassen. Hier also meine ultimativen und gleichzeitig ganz persönlichen Tipps, wie man draußen, also mit Zelt oder Tarp aber auch in einer einfachen Schutzhütte, besser schläft. Bevor es losgeht noch eine Anmerkung: Alle Tipps habe ich selbstverständlich in der Vergangenheit ausprobiert, bzw. wende sie immer wieder auf Touren an. Für mich klappt das bestens, der eine oder andere Tipp ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache.

Tipp Nr. 1 – Ein guter Lagerplatz

Einen guten Lagerplatz zu finden ist nicht immer ganz einfach. Je nach dem wo ihr gerade seid, ist Wildcampen oder Biwakieren mal mehr oder weniger erlaubt, oder aber auch komplett untersagt. Wie das in den unterschiedlichen Ländern und Regionen geregelt ist, ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen. Anni und ich haben das aber trotzdem mal probiert. Wenn ihr euch also für das Thema interessiert, schaut doch mal in unsere Beiträge:

Schlafplatz gesucht – was ist wo erlaubt beim Wildcampen in Deutschland?

Hotel Europa – Wo ist Wildcampen wie erlaubt?

Abgesehen von rechtlichen Dingen solltet ihr bei der Wahl des Lagerplatzes aber dennoch einiges beachten.

Eben und trocken

Für eine angenehme Nachtruhe sollte euer Schlafplatz möglichst eben sein. Ist er das nicht, legt ihr euch immer so hin, dass die Füße nach unten zeigen. Ein großer Rucksack am Fußende verhindert das Rutschen zusätzlich. Das hat den Vorteil, dass ihr entspannt liegen könnt und nicht Gefahr lauft dauernd irgendwie von der Matte zu rutschen. Auch wenn ihr mit anderen in einem Zelt schlaft, kommt es so nicht dazu, dass ihr euch unfreiwillig talwärts auf euren Nachbarn wälzt. Auch mit dem Kopf nach unten zu liegen ist keine besonders gute Idee, außer vielleicht, wenn ihr eine Fledermaus seid…
Auch solltet ihr darauf achten, dass der Platz möglichst trocken ist. Gerade nach oder an einem Regentag ist das sicherlich nicht ganz einfach. Versucht aber auf jeden Fall eine Stelle zu finden, die nicht komplett durchweicht ist. Denn starke Nässe drückt sich mit der Zeit gerne mal durch den Zeltboden. Gerade bei älteren Zelten sollte man das nicht unterschätzen. Ohne Zelt wird’s bei zu nassem Untergrund ohnehin eklig. Mit einer Plane zum Unterlegen könnt ihr euch mit oder ohne Zelt ganz gut behelfen, aber je trockener der Platz ist, desto komfortabler lagert ihr auch.

Hohes Gras und Flussnähe meiden

An Flüssen und im hohen Gras wird es über Nacht nass. Stichwort Tau. Das solltet ihr vor allem beim Biwakieren nicht unterschätzen. Wenn ihr also am nächsten Morgen nicht frisch gewaschen im Schlafsack aufwachen wollt, dann meidet Orte, an denen die Bildung von starkem Tau zu erwarten ist. Im Wald oder am Waldrand sieht es da beispielsweise besser aus, als inmitten einer hohen Wiese oder in kleinen Senken. Aber auch ein halbwegs großer Baum mit dichter Krone kann schützend wirken. Bei Mehrtageswanderungen halte ich zu diesem Zweck immer auch gerne nach Aussichtspavillons Ausschau. Das ist zwar nur noch so halbdraußen, dafür hat man in der Regel aber einen guten Regenschutz und mit Glück auch noch eine Bank von der aus man vor dem Schlafen den Sonnenuntergang genießen kann.

Tipp Nr. 2 – Die richtige Unterlage

Die perfekte Matte zu finden ist eine Wissenschaft für sich. Denn welche die beste Matte für euch ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ich möchte aber an dieser Stelle, das Fass der Isomattenfindung nicht weiter aufmachen, sondern verweise für Interessierte einfach auf den Beitrag von Simon:

Isomatten: Wie man sich bettet, so liegt man

Um es kurz zu machen: Eine gute Isomatte passt immer zu euch, dem Ort, der Jahreszeit und den Bedingungen. Seid ihr mit dem Auto unterwegs, dann könnt ihr auch getrost zu einer Matte greifen, die eine gute Freundin von mir immer „OP-A-REST Matten“ nennt. Also besonders dicke (und meist auch besonders schwere) selbstaufblasende Isomatten. Für alle die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind funktioniert das aber nicht. Auch hier ist es daher wie so oft im Leben, es muss ein guter Kompromiss her. Leichte Matten sind manchmal nicht besonders bequem dafür aber robust, oder robust und nicht sonderlich bequem. Ich habe mich lange mit diesem Problem auseinandergesetzt und mittlerweile ein System gefunden, das für mich bestens funktioniert. Ich möchte euch daher an dieser Stelle noch einen ganz persönlichen Trick verraten.

Der Trend geht zur Zweitmatte…

Ich habe Rücken und brauche eine bequeme Matte mit möglichst geringem Gewicht. Erst letztes Jahr musste ich bei einer Mehrtagestour feststellen, dass ich durch unbequemes Liegen ab einem gewissen Ermüdungsgrad einfach nicht mehr richtig entspannen und ausruhen konnte. Das ist spätestens nach der dritten bescheidenen Nacht nicht mehr lustig. Was Leichtes und Bequemes wäre also durchaus wünschenswert.

Gleichzeitig übernachte ich auch mal auf steinigem Untergrund. Also muss die Matte auch ordentlich was aushalten. Gerade bei sehr dünnen Luftmatten habe ich die Sorge, dass in diesen Fällen auch mal ein Kiesel ein Loch in die Matte drückt. Eine Schaumstoffmatte oder dünne selbstaufblasende Isomatte wäre aus diesem Gesichtspunkt wahrscheinlich das Beste für mich. Doch da macht mein Rücken beim Liegen wieder nicht mit. Ein Dilemma, das ich aber gelöst habe.

Ich besitze schon immer eine relativ dünne aber warme und extrem robuste THERM-A-REST Matte. Diese Matte ist quasi unkaputtbar. Auch übelste Bedingungen konnten ihr nie etwas anhaben und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass das Teil sogar schusssicher sein muss. Oder so. Vielleicht, wer weiß… Aber diese Matte ist genau das Gegenteil von bequem. Reicht also für meine Zwecke leider nicht aus. Darüber hinaus besitze ich aber auch noch eine zweite, kleine und besonders leichte Matte, die für den notwendigen Komfort sorgt. Schlau kombiniert sind beide Matten super, hier kommt der Trick:

Die robuste Matte kommt direkt auf den Boden. Drauf lege ich dann meinen Schlafsack und in den Schlafsack hinein kommt die zweite Matte. Hersteller wie Klymit bieten hierzu spezielle Modelle an. Meine Matte im Schlafsack ist daher eigentlich mehr ein Gitter als eine richtige Isomatte. Aber sie sorgt dafür, dass ich bequem liegen kann. Denn gerade Körperstellen wie Hüfte oder Schultern, an denen es gerne mal zu Druckstellen kommt, sind so bestens gepolstert. Darüber hinaus füllt der Schlafsack von unten die Lücken der Matte aus. Dies ermöglicht nicht nur angenehmes Liegen, sondern auch eine verbesserte Isolationsleistung.

Übrigens: auch die Sache mit dem Gewicht passt. Denn beide Matten zusammen wiegen nicht einmal ganz ein Kilo.

Tipp Nr. 3 – Kopf hoch!

Könnt ihr euch auch nicht komplett flach hinlegen und eine Nacht bequem lang schlafen? Also ich kann das jedenfalls nicht. Vielleicht werde ich ja auch einfach nur alt, eh wurscht. Nichts desto trotz: Ein Kissen muss her! Aber wer will denn schon ein Kissen auf der Tour mitschleppen? Ich meine, die Dinger sind sperrig, nicht ganz leicht und irgendwie erscheint es mir widersinnig einerseits bei manchen Ausrüstungsgegenständen auf jedes Gramm zu achten und dann ein Kissen mitzuschleppen. Andererseits, ein gesegneter Schlaf hat auch was für sich. Hier also zwei Ideen, wie das klappen kann:

Pack den Sack

Bei dieser Idee handelt es sich um die leichtere Bastelvariante, denn dazu benötigt ihr nur Dinge, die ihr ohnehin dabei habt. Packsäcke sind eigentlich auf jeder Tour dabei. Sei es der Packsack vom Zelt, Schlafsack oder sonst was. Sucht euch den Sack aus, der von der Form und der Größe her am ehesten eurer Vorstellung von einem Kissen entspricht. Solltet ihr einen Packsack aus einem weichen Material (oft der vom Schlafsack) dabei haben, wählt ihr vielleicht auch den aus. Diesen Sack füllt ihr dann einfach mit ein paar Klamotten, je weicher diese sind desto angenehmer wird auch das Kissen. Ideal wären beispielsweise eine Daunenjacke, Fleecepullover etc. Achtet dabei aber darauf, dass der Beutel weder zu fest noch zu instabil wird. In beiden Fällen würdet ihr nicht bequem liegen. Ist der Packsack locker gefüllt schläft es sich nach meiner Erfahrung am angenehmsten.

Reisekissen-Rulez

Es gibt aber auch Reisekissen, die fast nichts wiegen und mit einem sehr kleinen Packmaß daherkommen. Ich bin bekennendes Weichei und somit absoluter Fan. Es gibt da beispielsweise Kissen, die wiegen gerade einmal so viel wie ein großes Ei und sind zusammengepackt nur unwesentlich größer als ein Päckchen Papiertaschentücher. Klingt machbar, oder? Ich meine, das ist die de luxe Weicheivariante. Man hat ein kleines aber feines Kissen dabei. Das wird aufgeblasen und bietet so die gewünschte Unterstützung. In der Regel sind Kissen dieser Art mit Kunstfasern gefüllt, sodass das Kissen auch bei niedrigen Temperaturen nicht zur unangenehmen Kältebrücke wird. Logischerweise wird ein solches Kissen nur zum Schlafen verwendet und ist daher immer entsprechend sauber (was bei einem Packsack oder den Klamotten auf einer längeren Tour nicht immer der Fall ist).

Tipp Nr. 4 – Kleider machen Leute

Soll ich euch mal was Privates verraten? Ich meine, wir sind hier ja quasi unter uns… Also hier kommt‘s: Zu Hause schlafe ich grundsätzlich in Unterwäsche, also nur Unterwäsche, kein Schlafanzug, kein Nachthemd… (mein lange gehütetes Geheimnis, jetzt ist es raus). Unterwegs handhabe ich das ähnlich, aber dennoch anders und das hat so seine Gründe.

Das Nachtleben der Thermounterwäsche

Meiner Meinung nach ist es durchaus sinnvoll auf einer Tour Kleidung eigens zum Schlafen mitzunehmen. Ich bevorzuge hierbei lange und dunkelfarbige Thermounterwäsche. Denn nutzt man diese nur zum Schlafen ist sie auch bei längeren Touren sauber, warm und angenehm zu tragen. Gerade wenn es bei Mehrtagestouren mangels Dusche oder ähnlichem mit der Körperhygiene langsam aber stetig abwärts geht, empfinde ich es als äußerst angenehm was Sauberes zum Schlafen, dabei zu haben. Außerdem hält Thermounterwäsche schön warm, was gerade an kühleren Tagen sehr praktisch ist. So kann ich beispielsweise im Zelt noch lesen ohne den Schlafsack bis oben hin schließen oder frieren zu müssen. Aber noch etwas ist praktisch: Muss man nachts mal aus dem Zelt, muss man nicht erst noch irgendwelche Klamotten zusammensuchen und aufpassen, dass man niemanden aufweckt. Man kann wie man ist schnell hinter den Busch verschwinden oder zum Waschhaus auf dem Campingplatz gehen. Nerviges Aus- und Anziehen entfällt.

Praktischer Nebeneffekt: Solltet ihr bei eurer Tour von einem Kälteeinbruch überrascht werden, habt ihr eine warme Unterwäsche dabei, die im Notfall für ein Plus an Wärme sorgt.

Tipp Nr. 5 – Aufräumen

Vor ein paar Jahren war ich im Sommer in Südfrankreich unterwegs und hatte eines nachts einen sehr penetranten Gast an meinem Lagerplatz. Ich meine, nicht nur, dass der sich auf meine Kosten durchfressen wollte und mitten in der Nacht für ordentlich Ruhestörung gesorgt hat, er wollte sich auch nicht abwimmeln lassen. Auch nachdem ich ihm mehrmals klar gemacht hatte, dass seine Anwesenheit wirklich nicht erwünscht ist, ließ er mich einfach nicht in Ruhe. Vielleicht könnt ihr euch ja schon denken, wer mich da besucht hat?

Die Rede ist hier von einem Igel. What!?! Ja, Igel, Erinaceidae wie der Lateiner sagt. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, glotzte er mich treudoof aus meinem Kochtopf an. Dieser stand, noch mit Essensresten gefüllt, aber mit einem Deckel verschlossen und mit anderem Geschirr beschwert neben dem Zelt. Irgendwie hatte es der Igel gecheckt, dass es da was zu holen gibt, es geschafft den Topf mit lautem Getöse zu öffnen und lag nun laut schmatzend in meinen restlichen Spaghetti. Der Arsch. Ich nahm also den Igel, trug ihn weiter weg in den Wald, kehrte zum Zelt zurück und schwupp war auch der Igel wieder da. Dieses Spiel wiederholte sich mehrfach, bis ich endlich alles igelsicher verstaut hatte.

Ordnung muss sein…

Wenn also auch ihr kein Bock auf Igel im Kochtopf oder Mäuse in der Kaffeetasse habt, dann räumt auf bevor ihr euch schlafen legt. Denn Essensreste und schmutziges Geschirr ziehen Tiere an. Wenn ihr nicht wollt, dass die nachts in eurem Campinggeschirr lautstarke Orgien feiern, wascht es ab oder verstaut es zumindest so, dass es außer Reichweite ist.

Doch abgesehen von der Fauna macht auch die Flora manchmal Ärger. Wie bereits erwähnt kommt es je nach Lagerplatz zur starken Taubildung im Gras etc. Hier werden Kleidung und andere Ausrüstung über Nacht schnell feucht, was nicht selten am nächsten Morgen für unangenehme Überraschungen sorgt. Wer jemals ein vom Tau klammes T-Shirt angezogen hat, weiß wovon ich rede… Aber auch hier gibt’s einen einfachen Trick: Packt alles, in euren Rucksack oder nehmt es mit ins Zelt. Dort ist es zuverlässig geschützt. Gerade an besonders kalten Tagen kann es auch angenehm sein die Kleidung für den nächsten Tag mit in den Schlafsack zu nehmen. Hierdurch ist sie bereits angenehm vorgewärmt. Schuhe stelle ich außerdem meistens auf meinen Rucksack, sodass sie nicht direkt am Boden stehen, auch das hilft gegen Feuchtigkeit.

Tipp Nr. 6 – Macht euch nicht verrückt

Nachts draußen in der Natur, noch schlimmer im Wald, das ist in vielen Köpfen gleich mit den Begriffen „unheimlich“ oder „Gefahr“ oder ähnlichem verknüpft. Denken wir doch nur an die Räuber, die im Wald wohnen, der böse Wolf, der Kindern auflauert und die eine oder andere Gestalt, die in den unterschiedlichsten Landstrichen nachts ihr Unwesen treibt. Unsere Märchen und Sagenbücher sind voll davon. Aber ich verrate euch mal was: Da ist in Wirklichkeit einfach nichts, zumindest nichts Bedrohliches. Auch wenn es nachts draußen raschelt, pfeift und knackt. Da ist nichts Böses, ihr könnt ruhig schlafen.

Mitternachtssnack der wilden Tiere

Immer wieder hört man Geschichten, dass Wildtiere schlafende Menschen als willkommene und einfache Beute ansehen. Da soll der Wolf schon arglose Wanderer im Schlaf überrascht haben, aber auch von schwerwiegenden Verwechslungen von Aasfressern wird erzählt. Aber jetzt kommt‘s: In Mitteleuropa ist die Gefährdung durch Wildtiere gleich null. Ihr werdet nicht vom Wildschwein angeknabbert oder vom Wolf überfallen, schon gar nicht, wenn ihr schlaft.

Wildtiere greifen (zumindest in unseren Breiten) normalerweise nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen, in die Enge getrieben werden oder ihre Jungen verteidigen wollen. So lange ihr friedlich schlaft und nicht aktiv auf die Tiere zugeht, nehmen sie euch auch nicht als Bedrohung war. Ihr seid nicht einmal interessant. Oft haben Wildtiere außerdem Angst vor dem Menschen und verziehen sich, bevor ihr sie überhaupt wahrnehmt. Wollt ihr dennoch auf Nummer sicher gehen, sucht euren Lagerplatz nach Wildspuren ab. Gerade Wildschweine hinterlassen in der Regel deutliche Spuren. Auch Orte direkt neben einer Wasserstelle oder im unmittelbaren Umfeld eines Jägerstands solltet ihr je nach Saison meiden.

Auch vor Gekrabbel wie Spinnen, Insekten und anderem Getier müsst ihr keine Angst haben. Denn dieses kriecht nachts auch nicht übermäßig auf euch herum. Der Mensch ist einfach nicht interessant (außer vielleicht für Stechmücken).

Also, auf nach draußen!

Ihr seht, mit ein paar kleinen Tricks lässt sich der Schlaf auch unterwegs deutlich verbessern.
„Moment mal… Mensch, Lisa du hast ja überhaupt nichts über Schlafsäcke geschrieben!?! Ich meine, hier geht’s doch ums Pennen, da ist doch der Schlafsack der Ausrüstungsgegenstand überhaupt und du schreibst einfach nichts dazu? Sehr fragwürdig…“
Vielen Dank, an den imaginären Zwischenrufer. Ja, das ist in der Tat so und hat durchaus seine Gründe. Erstens: Zum Schlafsack selbst habe ich keinen besonderen Tipp. Zweitens: Stephan und Simon haben hier schon wirklich gute Arbeit geleistet und in ihren Beträgen alles Wichtige rund um den Schlafsack erklärt. Also mein imaginärer Freund, nimm das:

Richtig(e) betten auf Touren: Kaufberatung Schlafsäcke

Und das:

Temperaturangaben bei Schlafsäcken? Was bedeuten sie wirklich?

Aber nun zu euch…

Wie schaut das bei euch aus? Welche Tricks habt ihr für eine geruhsame Nacht im Freien so auf Lager? Vielleicht könnt ja auch ihr noch den einen oder anderen Tipp beisteuern. Das würde mich echt freuen, denn ich bin viel unterwegs und freue mich immer darauf, was Neues auszuprobieren. Schreibt mir gerne und ich probiere das auf jeden Fall aus. Großes Indianerehrenwort!

Ich für meinen Teil, ähh, bin dann mal weg… Tschüss!

Wie quert man Altschneefelder?

1. Juni 2021
Tipps und Tricks

Der Frühling ist endlich wach, nachdem er mal so richtig ausgeschlafen hat. Deshalb wirst du dieses Jahr vermutlich auch bei leichten Wanderungen in gemäßigten Höhen bis in den Hochsommer hinein auf Altschneefelder stoßen. Aus der Ferne setzen diese Überbleibsel des Winters oft schöne optische Akzente, denn die Berge sehen mit ihnen deutlich wilder und alpiner aus. Zusammen mit der üppig wuchernden grünen Fülle im Tal ergibt sich einer dieser wunderbaren Kontraste, die den Reiz des Gebirges ausmachen.

Aus der Nähe zeigen sie sich oft weniger freundlich und lassen sich nicht einfach so auf der Nase herumtanzen. Im Gegenteil, sie erweisen sich oft als ziemlich garstig und stellen jedes Jahr zahlreiche überraschte Wanderer vor knifflige Aufgaben. Damit ihre Bewältigung nicht zum Drama wird, folgt jetzt alles was du wissen musst, um sie erfolgreich zu meistern.

Wo „lauern“ Altschneefelder?

Logischerweise bleibt der Schnee dort am längsten liegen, wo es am längsten kalt ist. Und er bleibt umso länger liegen, je mehr und häufiger es im vorherigen Winter geschneit hat. Am längsten kalt ist es auf Nordseiten und in schattigen Karen. In Höhen über 2000 Meter kann sich der Schnee dort auch ganzjährig halten. Auch die schattigen Furchen, Rinnen und Schluchten von Wasserläufen sind naturgemäß sehr lange schneebedeckt.

Mit diesem Wissen kann man bei der Tourenplanung schon auf der Karte sehen, wo mit Altschneefeldern zu rechnen ist. Zusätzlich kann man nach Webcams in der Umgebung schauen. Eventuell findet sich so eine Ausweichroute über südseitige Hänge, falls mit Schneefeldern als unüberwindlichen Gefahrenstellen zu rechnen ist.

Wichtig ist nicht nur die Frage, wo man auf den Schnee trifft, sondern auch wann. Denn je nach Tageszeit präsentiert er sich völlig unterschiedlich: morgens gefroren und hart wie Kryptonit, nachmittags aufgeweicht wie das Sahnesouffle im Sternerestaurant. Je nach Größe und Steilheit der Schneefläche wird die Tour dann deutlich sturzgefährdeter oder kraftraubender als unter Idealbedingungen.

Wie gefährlich sind Altschneefelder?

Gerade weil sie meist nicht sonderlich gefährlich aussehen, bergen Altschneefelder ungeahnte Risiken. Es ist ihr trügerisch-einladender Ersteindruck, der Wanderer vor überraschende Probleme stellt. Manche sind auch überrascht, wenn sie überhaupt noch auf Schnee treffen – war doch unten im Tal gerade noch Hochsommer. Und bevor man unverhofft und unvermittelt kehrt macht, lässt man es mal auf einen Versuch ankommen. Erst mittendrin, wenn es schon zu spät ist, wird der Ernst der Lage bemerkt. Abstürze auf Altschneefeldern gehören vor allem im Frühjahr zu den häufigsten Auslösern von Rettungseinsätzen der Bergwacht.

Vielen Berggehern ist nicht bewusst, dass schon relativ flache Hänge mit einer Neigung von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen. Einen Ausrutscher kann man hier je nach Härte des Untergrunds nur noch schwer bremsen. Gerät man auf einem harten, 40 Grad steilen Firnfeld ins Rutschen, erreicht man binnen Sekunden eine Geschwindigkeit, die der des freien Falls nahe kommt. Die Aussichten auf einen glimpflichen Ausgang gehen dann gegen null. Deshalb ist auch bei mäßig steilem Gelände jederzeit Vorsicht und Konzentration gefragt.

Auch der umgekehrte Fall, nämlich stark aufgeweichter Schnee, kann zur Gefahr werden. Normalerweise ist das Einbrechen in weichem Schnee nur unangenehm und mühsam. Doch wenn sich unter der Schneedecke große Steine, Büsche oder Wasserläufe befinden, können angewärmte Hohlräume entstehen, in die man gefährlich unkontrolliert und tief einbricht. Auch an den Rändern der Schneefelder bilden sich sehr häufig tiefe Hohlräume. Hier ist ebenfalls Vorsicht und ein genauer Blick fürs Gelände gefragt.

Eine weitere unterschätzte Gefahr, die nicht nur an Altschneefeldern lauert, ist die Gruppendynamik. Weil niemand vor den Anderen als Weichei und Spaßbremse dastehen will, begeben wir Bergfreunde uns ab und zu in Situationen, denen wir eigentlich noch nicht gewachsen sind. Um dann hinterher heilfroh und voller Erleichterung festzustellen, diese Nummer an einem Stück überstanden zu haben. Halt, stop, nein. Ich meine natürlich: heilfroh, dass wir ehrlich zu uns selbst und unseren Tourenpartnern waren, unsere Bedenken rechtzeitig und deutlich geäußert und den Abbruch der verantwortungslosen Aktion bewirkt haben :-)

Braucht es extra Ausrüstung und wenn ja welche?

  • Das Wichtigste ist festes Schuhwerk mit festen Sohlen. Es ist unverzichtbar, denn mit weichen Halbschuhen ist es nicht möglich, Tritte und Stufen in den Schnee einzukerben.
  • Gerne vergessen werden die Handschuhe, die in den harten und scharfkantigen Körnern von Firn und Altschnee die Hände vor Verletzungen schützen.
  • Stöcke mit breiten Tellern können eine Hilfe fürs Gleichgewicht sein, einen eventuellen Sturz bremsen sie jedoch nicht.
  • Gamaschen sind eine wertvolle Ergänzung, wenn mit viel weichem Schnee zu rechnen ist. Sie verhindern nasse Füße, die kalt werden und die Entstehung von Blasen beschleunigen.
  • Spikes sind „Schneeketten“, die im Gegensatz zu Grödeln und Steigeisen auch über weichere Schuhe gestreift werden können. Sie dringen nicht so gut in hartes Eis ein wie Grödeln, sind dafür aber schnell angelegt, kosten wenig und wiegen wenig.
  • Grödeln sind „abgespeckte“ Steigeisen mit normalerweise sechs Zacken untern dem Mittelfuß. Sie sorgen auch auf hartem Eis für sicheren Halt, taugen allerdings für steile Hänge nur sehr bedingt.
  • Steigeisen sind das Mittel der Wahl, wenn es für Spikes und Grödeln zu steil und zu hart zugeht. Sie sind dafür schwerer, umständlicher in der Handhabung und teurer als die Vorgenannten.

Bei ausgedehnten Passagen von steilen und harten Schneefeldern kann zusätzlich ein Eispickel notwendig werden. Oder man hat nur einen Eispickel dabei, um mit dessen Schaufel Stufen ins Altschneefeld zu schlagen. Während diese Methode heutzutage nur noch als Notlösung für kurze Passagen dient, durchstieg man mit ihr bis zur Erfindung brauchbarer Steigeisen ganze Eiswände. Legendäres Beispiel hierfür ist die Erstbesteigung der 600 Meter hohen Pallavicinirinne am Großglockner.

Bei dieser Unternehmung am 18. August 1876 wurde Alfred Markgraf von Pallavicini „von den drei Bergführern Johann Kramser, Georg Bäuerle und Josef Tribusser begleitet. Da der Gebrauch von Eishaken erst 1924 durch Willo Welzenbach eingeführt wurde, mussten die Bergführer beim Aufstieg durch die Rinne 2500 Stufen mit dem Eispickel ins Eis schlagen.“

Heute lassen es die meisten Bergfreunde gemütlicher angehen und bei reinen Wanderungen gehören Pickel und Steigeisen ohnehin nicht zum Repertoire. Sie bringen auch nur so viel Mehrwert, wie ihre richtige Verwendung eingeübt ist. Womit wir wieder beim Aspekt Vorausplanung wären.

Denn wenn die stimmt und zum Können aller Tourenteilnehmer passt, wird man auch in den meisten „Altschneefeldsituationen“ die passende Ausrüstung dabei haben. Ansonsten gilt: je weniger man planen will und je mehr Möglichkeiten man offen halten will, desto mehr Ausrüstung wird man mitnehmen müssen. Es sei denn man ist jederzeit bereit, in zweifelhaften Situationen umzukehren.

Bei größeren Gruppen und ausgedehnten Touren kann auch ein Seil sinnvoll sein, dass man zur Querung von Altschneefeldern als Geländerseil fixiert. Das entsprechende Extramaterial wiegt einiges, kann aber auf die Gruppe verteilt werden.

Wie begeht man Altschneefelder – die Techniken

Bei kurzen Querungen kleiner Schneerinnen braucht es „nur“ die richtige Fortbewegung. Man kann dann mit den stabilen Bergschuhen Tritte in den Schnee kerben. Das macht man durch pendelnde Bewegungen der Unterschenkel – entweder seitlich querend mit dem Innen- und Außenrist oder frontal mit der Zehenbox. Womöglich muss man mehrfach treten, bis die Trittfläche groß genug für sicheren Halt ist. Idealerweise ist sie ein klein wenig in den Hang hinein geneigt, um die Gefahr des Abrutschens zu verringern. Die Neigung sollte aber auch nicht zu stark sein, sonst kann der Tritt einbrechen.

Bei längeren Passagen ist zusätzlich etwas Strategie gefragt. Hier soll man laut Outdoor-Magazin zunächst den Wegverlauf prüfen: „Können Sie am anderen Ende des Schneefelds den Weiterweg ausmachen, versuchen Sie möglichst ohne Höhenverluste oder Umwege darauf zuzusteuern. Sehen Sie Trittspuren im Schnee, sollten Sie ihnen nicht blind folgen, sondern stets mit dem anvisierten Weiterweg oder der vermuteten Richtung abgleichen. Nicht selten führen Spuren in die Irre, etwa zu einem Jägerstand oder zu einer Privathütte. Sehen Sie weder Weiterweg noch Spur oder Markierung, schafft nur ein Blick in die Wanderkarte Klarheit.

Auf dem Schneefeld soll man dann ein gleichmäßiges, langsames Tempo einschlagen, „bei dem die Trekking­stöcke den Vortrieb spürbar unterstützen. Bei weichem Schnee vorhandene Spuren ausnutzen, bei festem geht es sich neben der Spur oft besser. Wird‘s steil, Steigeisen oder Grödel anlegen und den hangseitigen Stock gegen den Pickel tauschen.“

Beim Einsatz des Pickels sollte man einen gleichmäßigen Rhythmus finden, am besten in der Abfolge „Schritt – Schritt – Pickel setzen, Schritt – Schritt – Pickel setzen“. Man ist dann zwar langsamer als wenn man den Pickel während des Gehens setzt, doch im Zweifel ist Kontrolle wichtiger als Geschwindigkeit.

Ein Seil kann wie oben erwähnt größeren Gruppen bei der Überwindung schwieriger Passagen helfen – vor allem bei unterschiedlich leistungsfähigen Teilnehmern. Es muss an soliden Fixpunkten verankert werden. Meist sollte es reichen, wenn das Seil zum Festhalten dient. Das Einhängen mit Gurt ist für eine kurze Einzelstelle ein recht hoher und nur selten verhältnismäßiger Aufwand.

Es ist doch passiert. Welche Techniken stoppen den Sturz?

Bei einem Ausrutscher gilt es, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und mit den abgespreizten Armen und Beinen zu bremsen, bevor die Geschwindigkeit so groß ist, dass sie nicht mehr kontrolliert werden kann. Diese Reaktion sollte idealerweise durch Training zum Reflex gemacht werden – vor allem wenn man beabsichtigt, öfter in steilem Gelände unterwegs zu sein. In Kursen für Hochtouren werden die Bremstechniken an relativ weichen und flachen Schneehängen eingeübt.

Trägt man allerdings Steigeisen, führt diese Reaktion zu einem unkontrollierten Überschlag. In dem Falle rammt man also nicht die Füße in den Schnee, sondern die Knie. Und hofft, dass sie nicht zu arg ramponiert werden.

Idealerweise kommen diese Techniken nie zum Einsatz. Besser man bricht die Tour ab, bevor Zweifel und Unsicherheiten mitten auf dem harten Schneefeld aufkommen. So ein Stopp muss ja nicht zwingend der vollständige Abbruch der Tour sein. Oft ergibt sich noch eine Umgehungsmöglichkeit, eine Alternativroute oder man kann sich ein Trostpflaster in Form eines Nebengipfels gönnen. Richtig befriedigend ist das selten, doch dafür kommt man nach einem schönen Tag in den Bergen wohlbehalten unten an.

Nachhaltige Rohstoffe in der Textilindustrie – das Leinen Revival

27. April 2021
Ausrüstung

Schon hunderte von Jahren bevor der erste synthetische Faden zu sogenannter Funktionsbekleidung gesponnen, gewebt und gestrickt wurde, zählte Leinen zu einem der ersten Funktionsgewebe, die der Mensch überhaupt zu Bekleidung verarbeitete. Lein ist bereits im Mittelalter verwendet worden und kann sogar im alten Rom und in Ägypten bis ins vierte Jahrtausend vor Christus nachgewiesen werden. Zusammen mit Hanf und Wolle zählt Lein damit zu den ältesten Rohstoffen in der Textilindustrie.

Während Hanf vielen durch seine auffällig geformten Blätter bekannt ist, erkennt nicht jeder auf Anhieb den Lein, der vor allem mit seiner bläulich-violetten Blüte am hübschesten aussieht. Dabei ist Lein viel mehr als ein reiner Lieferant von Fasern für die Textilindustrie. Lein ist eine uralte Heilpflanze, dient in Form von Leinöl und Leinsamen als Nahrungsmittel und lässt sich für zahlreiche industrielle Anwendungsbereiche einsetzen: von der Papierherstellung, über Lacke, bis hin zu Baustoffen und sogar als Bestandteil von Bremsbelägen.

Lein, Flachs oder Leinen?

Aus der botanischen Familie der sogenannten Leingewächse ist der „Gemeine Lein“ die einzige Sorte, die sich für den wirtschaftlichen Anbau eignet. Daneben gibt es etliche Leinarten, die sich nicht für die  Weiterverarbeitung zur Faser oder als Öl im größeren Umfang eignen. Je nach Nutzung wird in der weiterverarbeitenden Industrie zwischen Öllein und Faserlein unterschieden. Die Bezeichnung Flachs leitet sich sprachlich vom „Flechten“ ab und wird oft synonym zum Lein oder Leinen verwendet. Genau genommen ist Flachs aber nur die Faser des Gemeinen Leins. Allerdings wird der Begriff auch oft für ein fertiges Gewebe in Form von Leintuch oder Leinwand benutzt. Mit seinem lateinischen Namen „Linum usitatissimum“ gibt der Lein bereits einen wichtigen Hinweis auf seine „vielfältige Verwendbarkeit“. Eine dieser Möglichkeiten ist die Herstellung von Leinen, dem textilen Gewebe aus den Fasern der Leinpflanze.

Anbau und Verarbeitung von Faserlein für die Textilindustrie

Faserlein wird als einjährige Pflanzen angebaut, die im Grunde keine zusätzliche Düngung oder Verwendung von Pestiziden erfordert. Dabei ist der Lein sehr anspruchslos und wächst vom Frühjahr bis in den Sommer. So wird er zwischen 20 cm und 1 m hoch und blüht ungefähr zwischen Juni und August.

Während in Nordamerika die größten Anbaugebiete für Öllein zu finden sind, stammt der meiste Flachs – also Faserlein – aus China, Russland, Weißrussland und der Ukraine. In Europa wird lediglich in Frankreich und Großbritannien eine nennenswerte Menge Faserlein angebaut. Im deutschsprachigen Raum ist Flachs dagegen fast überhaupt nicht mehr auf den Anbauflächen zu finden.

Nachdem die Baumwolle seit über einem Jahrhundert die Schlüsselposition in der Textilindustrie übernommen hat, steigt mit der zunehmenden Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in der Bekleidungsbranche auch die Nachfrage nach natürlichen Fasern, wie zum Beispiel Wolle, Hanf oder Flachs. Im weltweiten Vergleich ist ihr Anteil gegenüber konventionell angebauter Baumwolle oder synthetischer Fasern, wie Polyester und Polyamid, aber immer noch verschwindend gering.

Knapp 27 Millionen Tonnen Baumwolle wurden allein in der Saison 2019/20 angebaut. Dagegen kommen Öllein und Faserlein zusammen nicht einmal auf 10% dieser Menge.

Die Fasern des Leins zählen zu den besonders langen Bastfasern. Sie lassen sich relativ simpel für die Weiterverarbeitung aufbereiten und können sehr fein gesponnen werden. Leinfasern sind sehr glatt und schließen kaum Luft ein. Dennoch sind sie in der Lage, Feuchtigkeit gut aufzunehmen und auch schnell wieder abzugeben. Dadurch eignet sich Lein sehr gut für die Herstellung von funktioneller Sportbekleidung. Ähnlich wie Merinowolle sorgt Leinenbekleidung für angenehmen Temperaturausgleich, also für einen kühlenden Effekt bei Hitze und gleichzeitig für Wärme bei niedrigeren Temperaturen.

Weicher Tragekomfort für Outdoorbekleidung

Der Trend zu nachhaltiger Mode aus natürlichen Rohstoffen lässt das Angebot von Alltags- und Freizeitbekleidung aus Hanf, Bio-Baumwolle und Leinen immer weiter wachsen. Auch funktionelle Outdoorbekleidung und Freizeitmode für Outdoorsportler aus Leinen ist bei Outdoorfirmen immer häufiger im Sortiment zu finden. Beliebt sind dabei vor allem intelligente und funktionelle Materialkombinationen, wie zum Beispiel Boulderhosen von E9, die aus Leinen, Bio-Baumwolle und Elasthan gefertigt werden oder Funktionsshirts von Odlo, bei denen Polyester und Leinen zu einer atmungsaktiven und angenehm kühlenden Materialmischung verwoben werden.

Ivanhoe of Sweden bietet neben Shirts, Kleidern und Röcken aus Mischgewebe auch Bekleidung aus 100% Leinen an. Auch als Kombination mit der Cellulosefaser Lyocell, wie bei Armedangels oder sogar in warmen Hardshellmänteln von Vaude wird regelmäßig Leinen verwendet. Ob Mountainbike-Shorts von ION oder Sneaker von Gola – die funktionelle Naturfaser Lein steckt in viel mehr Outdoorbekleidung, als man zunächst vermuten würde und verändert durch kleinere oder größer Materialanteile nicht nur die einzelnen T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe, sondern damit auch die gesamte Bekleidungsbranche, die immer mehr auf den nachwachsenden, umweltfreundlichen und funktionellen Rohstoff Lein setzt.

Hypoallergene Faser mit antibakterieller Wirkung

Die Oberfläche der Leinfasern sind besonders glatt. Daher sind Leinenstoffe im Vergleich zu Baumwolle, Wolle und vielen anderen Stoffen praktisch frei von Flusen und Fusseln. Durch das glatte Gewebe haftet am Leinen kaum Schmutz und auch Bakterien haben ihre Schwierigkeiten am Leinengewebe anzuhaften. Diese antibakterielle Eigenschaft macht Bekleidung aus Leinen nicht nur sehr hygienisch, sondern bietet auch für Allergiker sehr gute Alternativen zu vielen anderen Textilfasern.

Auf der Haut fühlt Leinen sich sehr angenehm an. Das liegt einerseits an seinen temperaturregulierenden Eigenschaften und andererseits an seiner weichen und glatten Oberfläche. Trotzdem ist Leinenstoff keinesfalls empfindlich: im Gegensatz zu Baumwolle und anderen Naturfasern ist Leinen sogar ausgesprochen robust. Dadurch ist Bekleidung aus Leinen in der Regel auch länger haltbar, als beispielsweise Bekleidung aus Baumwolle. Dadurch relativiert sich meistens auch der höhere Preis von Leinenbekleidung. Durch die aufwendigere Verarbeitung, entstehen bei der Herstellung von Leinenstoffen höhere Kosten, als bei der konventionellen Baumwollproduktion. Allerdings braucht sich ein ökologisch angebauter und pestizidfreier Leinenstoff, der hypoallergen ist , besonders gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt und dabei das ganze Jahr über durch angenehmen Temperaturausgleich begeistert, ohnehin nicht mit einer konventionelle angebauten Baumwolle zu messen.

Das Einzige, was die Baumwolle tatsächlich einfach besser kann, ist glatt auszusehen. Reine Leinenstoffe sind durch ihre langen Fasern nie ganz glatt und sehen immer etwas knittrig aus. Natürlich gibt das der Oberfläche reiner Leinenbekleidung auch „das gewisse Etwas“ und sorgt dafür, dass Leinstoffe sich bewusst von anderen Textilien abheben. Wer also einen betont „nachhaltigen Look“ bevorzugt, liegt mit Leinenbekleidung genau richtig.

Im Mischgewebe mit anderen Naturfasern oder synthetischen Fasern kommt der Knitterlook dagegen nicht mehr so zum Vorschein. Vor allem in technischer Funktionsbekleidung für Wanderer, Trailrunner und Mountainbiker kommt Leinen eher wegen seiner hautfreundlichen und atmungsaktiven Eigenschaften zum Einsatz.

Der passende Kinderrucksack für jedes Alter

16. April 2021
Ausrüstung

Spätestens im Kindergartenalter wird es Zeit für den ersten eigenen Rucksack. Die meisten Kinder wachsen in den darauffolgenden 15 Jahren noch ein ganzes Stück in die Höhe. Dementsprechend müssen auch die Rucksäcke in dieser Zeit immer wieder ausgetauscht und an die jeweilige Größe angepasst werden. Angefangen beim Kindergartenrucksack, über Rucksäcke für Grundschüler und Schulrucksäcke, bis hin zu speziellen Modellen für Jugendliche und Teenager reicht das Angebot. Ab dem fortgeschrittenen Teenager-Alter eignen sich bereits Rucksäcke für Erwachsene mit kurzer Rückenlänge.

Für die Auswahl von Kinderrucksäcken gibt es zwar technische Kriterien und einige grundlegende Überlegungen, allerdings müssen Eltern das Thema Kinderrucksack für jedes Kind individuell betrachten, denn der Rucksack sollte zur Entwicklung des Kindes und dessen Anforderungen bestmöglich passen. Um Kinderrucksäcke zu kategorisieren, orientieren sich Hersteller von Kinderrucksäcken, wie Deuter, Vaude oder Affenzahn, in erster Linie am Alter der Kinder. Die kleinsten Rucksäcke sind meist für Kinder bis drei Jahre konzipiert und eignen sich für Kinder in Kitas oder Kinderkrippen.

In der zweiten Kategorie werden oft die Kinder im Kindergartenalter (also von 3 bis 5 Jahren) erfasst. Schulkinder, beziehungsweise Grundschulkinder, sind mit 6 bis 10 Jahren schon deutliche größer. Danach geht es von den Kinderrucksäcken fließend in Rucksäcke für Jugendliche, Teenager und junge Erwachsene über. Je nach individueller Entwicklung, Größe und Statur kommen für den einen oder die eine bereits Rucksäcke für Erwachsene oder doch eher kürzere Jugendrucksäcke in Betracht.

Kindergartenrucksack und Kleinkinderrucksack

Während Babys und auch Kleinkinder noch geschoben oder getragen werden, können im Grunde alle Kinder mit Rucksack ausgerüstet werden, die bereits laufen gelernt haben und sicher auf beiden Beinen stehen. Davon ausgehend, dass die meisten Kleinkinder mit etwa einem Jahr das Laufen lernen, lohnt sich ein Rucksackkauf ab etwa eineinhalb oder zwei Jahren. Kinder in diesem Alter sollten nicht sehr viel mehr als ein Kilogramm auf dem Rücken tragen. Gepolsterte Träger und eine Polsterung am Rücken sorgen dafür, dass der Rucksack bequem getragen werden kann und nicht im Bereich von Hals oder Schultern einschneidet oder zu Scheuerstellen führt. Wenn ein Kleinkinderrucksack zwischen 200 g und 300 g wiegt, bleiben noch knapp 700 g als möglicher Rucksackinhalt. Bei etwa 4 – 5 Liter Volumen reicht das bestens für eine volle Trinkflasche, eine Vesperdose, die eigene Jacke und ein paar Handschuhe.

Damit Kinder den Umgang mit dem Rucksack schon früh lernen, sind die Rucksackmodelle für Kleinkinder optimal auf kleine Hände und Finger zugeschnitten. Rundumlaufende und leicht bedienbare Reißverschlüsse mit großen Zugösen sorgen dafür, dass sich der Rucksack schnell und unkompliziert öffnen und schließen lässt. Robuste Verarbeitung und strapazierfähige Materialien verzeihen auch „unsanftere“ Behandlung im Alltag. Meist verwenden Rucksackhersteller Polyester oder Nylon als Basismaterial. Eine zusätzliche PU-Beschichtung sorgt für Schutz vor Regen und erleichtert die Reinigung bei ausgelaufenen Trinkflaschen und Vesperdosen.

Meist verfügen Kleinkinderrucksäcke nicht über zu viele Fächer, sondern sorgen für gute Übersichtlichkeit. Ein großes Hauptfach und eventuell noch ein zusätzliches Frontfach, ein extra Tragegriff und eventuell eine seitliche Mesh-Tasche für die Trinkflasche genügen völlig. Wichtig sind dagegen ein hübsches und kinderfreundliches Design, gut sichtbare Farben und gut sichtbare Reflektoren. Oft sind Kinderrucksäcke für Kleinkinder mit Tiergesichtern und bunten Farben verziert. Im Fall von Rucksackhersteller Affenzahn sieht sogar der ganze Rucksack wie das eigene Lieblingstier der Kinder aus. Die meisten Rucksäcke für Kita-Kinder und Krippenkinder sind mit einem Namensschild ausgestattet. So lässt sich ein verlorener oder vergessener Rucksack schnell wiederfinden. 

Rucksack für Kindergartenkinder

Vom ersten Tag im Kindergarten bis zum ersten Schultag wachsen Kinder meistens zwischen 15 cm und 20 cm. Das bedeutet, dass der erste Kindergartenrucksack nicht unbedingt der Gleiche sein wird, der bei der Einschulung gegen einen Schulranzen oder Schulrucksack eingetauscht wird. Denkbar ist aber, dass der erste Kindergartenrucksack etwa zwei Jahre gut passt und danach gegen ein größeres Modell mit längerer Rückenpartie getauscht wird. Dementsprechend liegt das Volumen für den Kindergarten-Einsteiger „a.k.a. Mäusegruppe“ mit etwa 6 – 9 Liter Volumen auch unter der der größeren „Bärengruppe“ mit 10 – 12 Liter Stauraum.

Rucksäcke für Kindergartenkinder unterscheiden sich von Rucksäcken für Kleinkinder nicht nur durch Rückenlänge und Volumen. Auch die Anzahl der Fächer ist oft höher und zu den kinderfreundlichen Reißverschlüssen kommen Steckschnallen, Einstellriemen und Druckknöpfe dazu. Die meisten Rucksäcke für Kindergartenkinder sind als Toploader mit Reißverschluss oder überlappendem Deckel konstruiert. Die Deckel werden mit einer oder zwei Steckschnallen fixiert. Darunter dient ein Kordelzug mit Kordelstopper als zusätzliche Sicherung. Für kleine Kinder eignen sich beide Systeme gut und bieten keinen klaren Vorteil oder Nachteil.

Viel wichtiger ist auch hier ein weich gepolstertes Tragesystem, das sich gut anpassen lässt und am Rücken weder zu lang noch zu kurz ist. Bei einer zu kurzen Rückenpartie drückt der Rucksack mit seinem Gewicht in den unteren Rücken. Ist der Rucksack zu lang, reicht er bis zum Gesäß oder sogar zu den Beinen. Dadurch zieht die Last das Kind an den Schultern nach hinten – was beim Laufen natürlich sehr hinderlich ist. Bereits Rucksäcke für Kindergartenkinder sind oft mit einem verstellbaren Brustgurt ausgestattet, der von einer praktischen Steckschnalle gehalten wird.

Selbst bei geringer Traglast verbessert der zusätzliche Brustgurt den Tragekomfort, weil die Schulterträger nicht seitlich verrutschen. Der Rucksack sitzt so sicher und bequem am Rücken und die Arme genießen volle Bewegungsfreiheit. Das ist nicht nur zum Laufen und Spielen perfekt, sondern bietet auch zusätzliche Sicherheit, da beide Hände jederzeit frei sind, um sich bei Bedarf festzuhalten.

Die kleinen Rucksäcke sind vielseitige Allrounder und nicht so spezialisiert wie die Wander-, Trekking-, Kletter- und Bike-Rucksäcke der Eltern. Dank ergonomischem Schnitt und guter Polsterung lassen sie sich aber auch bestens für die ersten Wanderungen auf eigenen Füßen und Urlaubsreisen verwenden. Das Design der Kindergartenrucksäcke ist sehr breit gefächert und reicht von schlichten Modellen bis hin zu bunt bedruckten Rucksäcken mit verschiedenen Motiven.

In Bezug auf Farben und Muster sind dabei schon im Kindergartenalter Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu erkennen. Mit Rosa und Pink für Mädels und blauen Farbtönen für Jungs scheinen die farblichen Wünsche vieler Kinder sehr gut erfüllt zu werden. Besonders beliebt sind allerdings auch Rucksäcke in Form von verschiedenen Tieren, beziehungsweise Tierköpfen. Ob Vaude, Deuter, Jack Wolfskin oder Affenzahn – Rucksäcke mit freundlichen Augen und langen Ohren, die wie ein Hund, ein Löwe, Affe, Wolf oder wie eine Eule aussehen, erfreuen sich bei Kindern im Kindergartenalter größter Beliebtheit.

Schulrucksäcke und Rucksäcke für Grundschulkinder

Für die Schule selbst eignet sich ein spezieller Schulrucksack oder Schulranzen besser, als ein Wanderrucksack für Grundschulkinder. Der Wanderrucksack ist in der Regel eher rundlich geformt, so dass Wechselbekleidung, Ausrüstung und Proviant sich gut transportieren lassen. Um Schulbücher, Hefte und Stifte gut zu verstauen, eignet sich jedoch besser eine „kantigere“ Form, die in verschiedenen Fächern den nötigen Platz für die Schulutensilien bereitstellt.

Schulrucksäcke sind mit etwa 18 Liter Stauraum so groß wie ein kleiner Daypack für Erwachsene. Auch Wander- und Outdoorrucksäcke für Kids sollten etwa in dieser Größenordnung gewählt werden. Dabei ist es nicht empfehlenswert auf ein kleines Rucksackmodell für Erwachsene auszuweichen, denn dann ist höchstwahrscheinlich die Rückenpartie zu lang und die Träger lassen sich nicht richtig an die Größe des Kindes anpassen.

Mit zunehmendem Alter der Kinder passen auch die Rucksackhersteller ihre technischen Details und Designs immer mehr an die „großen“ Modelle an. Von den verspielten Tierköpfen geht es zu bedruckten oder einfarbigen Modellen. Kompressionsriemen, verstellbare Hüftgurte, integrierte Regenhüllen und Gummizughalterungen ergänzen teilweise die Wander- und Alltagsrucksäcke für Kinder.

Rucksäcke für ältere Kinder, Jugendliche und Teenager 

Viele Kinder im fortgeschrittenen Grundschulalter unternehmen bereits in jungen Jahren die ersten anspruchsvollen Touren mit ihren outdooraffinen Eltern. Dafür bieten Marken, wie Tatonka, Haglöfs oder Deuter bereits spezielle Wander-, Berg- oder Trekkingrucksäcke an. Mit einem kompakten Trekkingrucksack für Kinder, der bei 30 Liter Volumen dieselben Features bietet, wie ein 75 Liter Reiserucksack für Erwachsene, lassen sich auch mit einem oder einer motivierten zehnjährigen optimal mehrtägige Hüttentouren unternehmen.

Je nach Größe des Kindes vollzieht sich der Übergang zu den Rucksäcken für Erwachsene schleichend und individuell. Für Jugendliche gibt es noch eine gute Auswahl an Rucksäcken, die oft bereits etwas spezialisierter sind und als Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Bike-Rucksack angeboten werden. Oft ähneln sie sehr stark den Modellen für Erwachsene – sind allerdings meist etwas kleiner und im Rückenbereich kürzer und schmaler geschnitten.

Auf die richtige Einstellung kommt es an!

Mit der Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Kinderrucksacks einer bekannten Outdoormarke können Eltern bereits einige wichtige Aspekte beim Rucksackkauf als erledigt betrachten:

  • Der Kinderrucksack ist kinderleicht bedienbar.
  • Die Träger und der Rücken sind weich gepolstert.
  • Das Material ist stabil und abriebfest.
  • Ergonomie, Schnitt und Volumen sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Es gilt zunächst also nur noch, die richtige Rucksackgröße für sein Kind zu finden. Bei durchschnittlicher Körpergröße der Kinder können sich Eltern ganz einfach am Volumen der Kinderrucksäcke orientieren. Eine Altersempfehlung oder die Angabe der empfohlenen Rückenlänge in cm ist dagegen eher selten angegeben.

Die Traglast wird bei Kinderrucksäcken praktisch nie gesondert erwähnt, jedoch sollten die Eltern darauf achten, dass vor allem die Schulrucksäcke nicht zu schwer beladen sind. Da die Wirbelsäule sich bei Kindern noch voll in der Entwicklung befindet, können zu schwer beladene Rucksäcke schnell zu irreparablen Schäden am Rücken führen.

Alter des KindesRucksackvolumenMaximale Traglast
Bis 2 Jahre3 – 5 Liter0,5 kg
2 – 34 – 6 Liter1 kg
3 – 46 – 9 Liter1,5 kg
5 – 610 – 12 Liter2 kg
6 – 815 – 18 Liter3 kg
8 – 1016 – 20 Liter5 kg
10 – 12 18 – 24 Liter6 kg
12 – 16 20 – 28 Liter7 kg
Über 1625 Liter +10 kg +

(Alle Werte sind Richtwerte zur Orientierung und können individuell abweichen.)

Vor allem kleinere Kinder sind nicht in der Lage einen Rucksack selbst einzustellen. Da müssen die Eltern etwas nachhelfen. Dafür sollte der Rucksack so beladen werden, wie er auch im Alltag typischerweise beladen wird. Also zum Beispiel mit Vesperdose, gefüllter Trinkflasche und anderen Accessoires. Bei kleineren Kindern sollte außerdem noch die aktuelle Jacke für das Einstellen angezogen werden, denn sonst sitzt der Rucksack unter Umständen viel zu eng.

Danach sollten die Schultergurte erst komplett gelockert und dann so angezogen werden, dass die Schulterpolster ziemlich genau auf Schulterhöhe anliegen und keine große Lücke zwischen Schulter und Rucksack entsteht. Dann müsste der Rucksack im besten Fall gerade am Rücken aufliegen. Da Kinder die Träger absichtlich oder unabsichtlich verstellen können, sollten die Schulterträger in regelmäßigen Abständen nachjustiert werden. Das gilt natürlich auch bei dünnerer oder dickerer Bekleidung. In jedem Fall müssen beide Schulterträger gleich eingestellt sein, damit der Rucksack nicht schief auf dem Rücken hängt.

Lange haltbar durch regelmäßige Pflege

Kinderbekleidung und Kinderrucksäcke zeigen schnell Spuren vom täglichen Einsatz und vom Spielen in der Natur. Dass die Klamotten gewaschen werden, ist natürlich selbstverständlich. Aber auch dem Kinderrucksack hilft regelmäßige Pflege von innen und außen. So bleibt der Rucksack frisch und einsatzbereit – vielleicht sogar für den kleinen Bruder oder die kleine Schwester.

(P.S.: Eine gute Anleitung zur Rucksackpflege gibt es hier: https://www.bergfreunde.de/basislager/rucksack-waschen/)

Wohnen am Berg: Wie ist das so? Lohnt sich das?

23. März 2021
Die Bergfreunde

Vor gut einem Jahr zog ich vom Fuße des Schwarzwalds an den Fuß der Bayrischen Alpen. Damit ging mein lang gehegter Traum von „richtigen“ Bergen vor der Tür in Erfüllung. Doch wie ist dieser Traum so, wenn er sich zur Alltagsrealität verwandelt? Mit dem ersten Jahr ist genug Zeit verstrichen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Und um zu beurteilen, ob das Ganze wirklich so erstrebenswert ist, wie Viele es sich vorstellen.

Geht man wirklich andauernd in die Berge, so wie man es sich aus der Ferne erträumt hat? Oder ist es schon bald nichts Besonderes mehr? Läuft es vielleicht auch aus dem Ruder und es bleiben außer Bergen gar keine anderen Lebensinhalte mehr?

Die Ergebnisse meines „Experiments“ lieferten so einige Antworten. Blöd ist nur, dass diese Art Experiment nicht beliebig wiederholbar ist, denn es gibt diverse Voraussetzungen, Hintergründe, Möglichkeiten und Beschränkungen, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Selbst wenn alle äußeren Bedingungen gleich sind, macht JedeR etwas anderes daraus. Deshalb und weil mehrere Erfahrungen mehr Aussagekraft haben als nur eine Einzelne, wird hier auch Basislager-Boss Jörn zu Wort kommen. Denn auch er hat „Bergbewohnererfahrung“.

Doch erstmal ordne ich meine eigenen Eindrücke und Gedanken in einem Frage-Antwort-Spiel. Zunächst hatte ich ein Pro-und-Contra-Schema im Sinn, doch das lieferte – Achtung, Spoiler – zu wenig Contras ;-)

Fragen und Antworten

Fangen wir am besten mal mit dem Aspekt Kleingeld an:

Bayern? Alpen? Da brauchste doch richtig Kohle!“

Ohne Moos nix los, das stimmt schon. Und wenn man „in den Bergen wohnen“ oder „wohnen in den Bergen“ in die Suchmaschine tippt, sieht man sich hier voll bestätigt. Die Treffer drehen sich fast alle um Architektenträume und Traumimmobilien, die man sich als zukünftiger Bergler doch mal zulegen soll. Weil man nach der kleinen Anfangsinvestition das Geld auf Dauer eigentlich spart. Denn:

Ein Haus in den Bergen stellt in Österreich und der Schweiz eine sichere Geldanlage dar. (…) Bei einem Kauf zum jetzigen Zeitpunkt verliert der Käufer sein Geld nicht. Das gilt auch für den Fall, dass er die Hütte in zwei bis fünf Jahren wieder verkauft. Eine gewinnbringende Immobilie liegt nach Ansicht von Immobilienmaklern in der Nähe einer bekannten Skistation oder verfügt über einen tollen Ausblick. (…)

Für Hausbesitzer, die gerne in den Bergen Ferien machen, aber nicht ständig dort leben, finanziert sich die Immobilie durch Vermieten. (…) Als rentabel erweisen sich in erster Linie solche Objekte, die die Besitzer das ganze Jahr vermieten. Das gilt für Immobilien, die nahe einer berühmten Wanderstrecke oder eines bekannten Wandergebietes liegen.

Easy, da kann eigentlich nichts schiefgehen, oder? Alternativ kann man natürlich auch bauen. Wer dafür noch die passenden Architekten sucht, wird mit den Autoren des wirklich schönen Bildbands „Hohe Häuser – Vom Glück, in den Bergen zu wohnen“ fündig.

Doch wie geht man es an, wenn beim Blick auf den Kontoauszug keine vielstelligen schwarzen Zahlen zu sehen sind? Dann muss man improvisieren. Eventuell auch Ansprüche an den alltäglichen Komfort zurückschrauben. Sich womöglich von mancher althergebrachten Vorstellung und Konvention lösen. Zum Beispiel das Wohnen in der WG in Erwägung ziehen, auch wenn man die Studentenzeiten längst hinter sich hat. Das kann einerseits Einbußen in der Privatsphäre nach sich ziehen, andererseits aber massiv den sozialen Anschluss in der neuen Gegend fördern.

Ansonsten hilft nur ein Einkommen, für das du Vollzeit arbeiten musst. Dann hängt dein Wohnort aber wieder an der Arbeitsstelle, die wahrscheinlich nicht wirklich bergnah liegt. Und dann finden die Bergtouren wieder nur so oft statt und dauern nur so lang, wie der Job es erlaubt. So dreht sich der Kreis der Begrenzungen und man kann eigentlich auch gleich am alten Wohnort bleiben …

Da braucht man schon reichlich Glück, oder?“

Der Geldfluss ist also nicht alles. Im Gegenteil, wer weniger Geld hat, hat dafür vielleicht mehr Zeit, um zu recherchieren, Dinge herauszufinden, Kontakte zu knüpfen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Mit dieser Flexibilität kann man bei Bedarf auch den einen oder anderen Zusatz- oder Zwischenjob annehmen. So war ich in der neuen Heimat beispielsweise schon als Weihnachtsbaumverkäufer aktiv.

Wenn dann noch etwas Optimismus und Vertrauen hinzukommen, tauchen plötzlich günstige Gelegenheiten auf und es fliegen einem kleine Hilfen und Geschenke zu. Das durfte ich mehrfach erleben. Also ja, hier und da ist etwas Glück vonnöten. Falls partout nichts dergleichen passiert und sich trotz hartnäckiger Versuche nirgends eine Tür öffnet – nun, dann würde ich das irgendwann als „Hinweis des Universums“ betrachten, dass ich an der falschen Stelle nach den Goldnuggets grabe.

Neben schnödem Mammon und himmlischen Hinweisen ist auch die Bewegungsfreiheit hilfreich. Die hat man, wenn man nicht durch familiäre und soziale Bindungen an einem Ort gehalten wird. Oder wenn man es schafft, Beziehungspartner und Familienangehörige für das Leben am Berg zu begeistern. Dafür braucht man nur noch gute Antworten auf folgende weitere Einwände:

Aufs Land? Was willste denn in dem Provinzmief?“

Die einzigen Mittelstädte im deutschen Alpenraum mit jeweils knapp über 20.000 Einwohnern sind Garmisch Partenkirchen und Sonthofen. Ansonsten wohnt man in der gesamten Region ländlich, dörflich, höchstens kleinstädtisch. „Mein“ Ort Benediktbeuern hat knapp unter 4000 Einwohner und ist damit ein großes Dorf. Ein sehr schönes nebenbei bemerkt. Doch man könnte es auch als Kuhdorf bezeichnen, denn das Rindvieh ist hier nicht nur optisch präsent, sondern auch olfaktorisch. Ja, es riecht ab und zu a bissl zünftig, aber ist das wirklich ein Nachteil? Wenn ich an die Abgaswolken, den Urindunst und die Müllaromen lauschiger Großstadtwinkel denke, kommt mir das „Landparfüm“ eher angenehm vor. Erst recht, wenn es sich in der warmen Jahreszeit mit dem Holz und Harz der Wälder und diesem aromatischen Hauch der Wiesen, Moore und Blumen mischt. Also, der Provinzmief hat klar die Nase vorn.

Da ist doch nix los.“

Stimmt, das große Bespaßungsprogramm mit Multiplexkino, Oper und Vereinen für jedes Hobby gibts hier nicht. Aber auf den zweiten Blick kann man feststellen, dass auch in „kleinen Käffern“ manchmal mehr los ist, als es zunächst scheint. So beherbergt beispielsweise Benediktbeuern eine kleine aber waschechte Hochschule mit Studentenleben und Kulturangebot.

Und was, wenn dieses „nix los“ auch positive Seiten hat? Nämlich dass du, mit weniger Reizen, Informationen und Einflüssen beschossen, mehr zu dir selbst kommst? Ich für meinen Fall bin jedenfalls auch deshalb ein „Stadtflüchtling“, weil ich viele der Stadteindrücke zunehmend als überflüssiges Getöse empfunden habe. Was soll an 100.000 Autos pro Tag so besonders cool sein? Was soll ich mit wuselnden Fußgängermassen, wenn die Mehrheit davon eher mäßig gelaunt dreinschaut? Warum in Kneipen, Clubs oder Parks treffen, wenn auf dem Dorf fast jedeR einen Garten hat? Und dann hast du den Wald, die Wiese und die Natur nach fünf Gehminuten statt nach zwanzig S-Bahn-Stationen erreicht.

Da fährt doch kein Zug und nix.“

Apropos S-Bahn. Ja, auch das stimmt teilweise, hier auf dem Land gibt’s kein dichtes Öffi-Netz und es lebt niemand ohne Auto. Außer gewisse Zugezogene vielleicht, die meinen, mit schmalem Geldbeutel nach Oberbayern kommen zu können. Die sind dann halt nicht ganz so mobil. Jedenfalls war ich mein ganzes erstes Jahr über abgesehen vom Fahrrad „nicht mobil“. Das Problem löste ich aber, indem ich vom Fahrradverächter zum Fahrradverfechter wurde.

Abgesehen davon kommt die Bahn bei mir im Ort eben doch vorbei. Wenn auch die Anschlüsse in Oberbayern fast alle nur sternförmig nach München führen. Da musst du dann erstmal eine halbe Stunde in Gegenrichtung der Berge fahren, bevor du in Tutzing Richtung Wetterstein oder Karwendel umsteigen kannst. Trotzdem kommst du so mit diesem Werdenfelsticket für schlappe zweiundzwanzig Euro binnen eines Tages ins „richtige“ Hochgebirge rein und wieder zurück.

Die Schönheit ist doch bald nix Besonderes mehr.“

Ja, auch die schönsten Dinge nutzen sich irgendwann ab. Doch hier bei mir hat sich nach einem Jahr noch nichts abgenutzt. Das Tölzer Land, in dem ich gelandet bin, ist halt auch bekannt für außergewöhnliche Schönheit. Und für die Farben, denn es grenzt im Westen an das „Blaue Land“, das seit jeher Maler und Künstler anzieht. In der Tat erlebt man hier manchmal einen regelrechten Farbenrausch der Landschaft und des Himmels – auch ohne bewusstseinsverändernde Substanzen. Und es kommt noch besser: am Fuß der Berge genießt man die Vorteile zweier Welten. Die Weiten des Flachlands und die Höhen der Bergwelt treffen hier aufeinander. Und ganz nebenbei wimmelt es auch noch von schönen Seen.

Die Extramotivation für den Bergsport lässt doch irgendwann nach.“

Mein erstes Jahr im Oberbayrischen war mit den vielen Berg- und Wandertouren eine Art Dauerekstase, da ständig neue Blicke und Eindrücke auf mich einprasselten, die in ihrer Schönheit jede Erwartung übertrafen. Dann kam noch die „besondere Lage“ hinzu, die dazu führte, dass ich weniger Arbeit hatte und dafür mehr Muße für Berge, Touren und Exkursionen. Ab Spätherbst hat das Ganze nachgelassen, was aber nichts mit Abnutzungserscheinungen zu tun hatte. Im Gegenteil, jetzt kommt der Frühling und ich bin gespannter denn je auf’s neuerliche erkunden und durchstreifen der Bergwelt. Die unmittelbare Umgebung hat natürlich nicht mehr den aufregenden Reiz des Neuen, doch von „langweilig“ ist sie immer noch weit entfernt. Und da ich dieses Jahr mobilitätsmäßig „upgegradet“ bin, ist der Aktionsradius groß genug für weitere Neuentdeckungen.

Damit schalten wir endlich mal zu Bergfreund Jörn rüber, dem es in seiner Bergler-Zeit in Immenstadt während und nach der ersten Euphoriewelle folgendermaßen erging:

Ins Allgäu ziehen! Mensch, das war damals 2012 ein echter Traum, der da in Erfüllung ging. Ich hatte gerade meine Liebe zu den Bergen entdeckt und quasi nur Trailrunning im Kopf. Nach einigen kleineren Startschwierigkeiten unter anderem hatte ich mich bei knapp einem halben Meter Neuschnee im Immenstädter Hinterland etwas verfranzt liefs dann aber schnell rund. Ich hatte eine großartige 16km-Hausrunde zu einem kleinen, vorgelagerten Berg in der Nähe des Grünten und genoss die neugewonnen „Bergheit“ in vollen Zügen.

Die Wochen vergingen und ich lernte immer mehr von meiner neuen Heimat kennen. Doch wie es immer ist, wenn man nicht aufpasst: Dinge werden selbstverständlich. Und dann ist da ja noch der Alltag. Samstags runter nach Oberstdorf für ne Bergtour? Puh, die Wohnung muss eigentlich mal wieder geputzt werden. Und der Kühlschrank schreit auch vor gähnender Leere.

Rückblickend sage ich heute immer, dass ich in den eineinhalb Jahren, die ich im Allgäu gelebt habe, weniger in den Bergen war, als in der Zeit danach. Sicher nur eine gefühlte Wahrheit, aber für mich sind die Berge so nach wie vor etwas ganz besonderes.

Das stimmt, heiße Ware wird durch Verknappung irgendwie noch heißer. Aber Jörns „Strategie“ war auch anderen Umständen geschuldet:

Meine damalige Freundin hatte Schichtdienst, da war dann Wochenends oft kein Auto da. Und ich hatte zu der Zeit nur ein sehr teures Rennrad, dass ich nicht am Fuße des Berges stehen lassen wollte. Dann kam noch sowas wie Bequemlichkeit dazu, was am Ende dazu geführt hat, dass mein Aktionsradius eher bei den näheren Hügel rund um den Großen Alpsee lag als bei den weiter entfernten, hohen Berge um Oberstdorf. Aber wie gesagt: Jetzt genieße ich die Aufenthalte umso mehr!

An diesem Punkt kann man tatsächlich skeptisch werden, denn der Reiz des Unbekannten kann jederzeit verfliegen. Das spricht aber nicht grundsätzlich gegen den Wohnsitz am Berg, sondern nur dafür, die Sache gut zu überdenken und genau nachzufühlen, was man wirklich will.

Also nochmal: lohnt es sich?“

Was mich angeht: ja, es lohnt sich, aber sowas von! Nach einem Jahr finde ich nach wie vor keinen Grund, der rückwirkend gegen meine Ortsveränderung oder für einen Verbleib an alter Stätte sprechen würde. Und auch was die weiteren „Langzeitfolgen“ angeht, halte ich mein „Experiment Bergwohnen“ für relativ ungefährlich …

Abschließen möchte ich mit einer Einladung zum Austausch. Falls sich hier unter den Lesern andere Zum-Berg-Gezogene befinden, oder vielleicht gar „alte Hasen“ dabei sind, die schon lange „an der Quelle“ wohnen: Lasst gerne eure Kommentare mit Eindrücken und Erfahrungen da. Auch potentielle Nachahmer, die über eine ähnliche Luftveränderung nachdenken, können sich gerne melden. Vielleicht ergibt sich daraus noch die eine oder andere spannende Anregung …

Bergfreundinnen treffen Bergfreundinnen – Auf ein Wort!

25. Mai 2021
Die Bergfreunde

Wie steht es eigentlich um das Thema Gleichberechtigung im Bergsport? Nicht schlecht, würde man vielleicht in Anbetracht größer Women-Only-Werbekampagnen von Marken wie The North Face, adidas oder Salomon denken. Und überhaupt: Im Angesicht der Berge sind doch eh alle gleich, oder? Naja, nicht so ganz… Wie wir schon in unserem kleinen Bergfreundinnen-Portrait aus dem letzten Jahr schrieben, war Bergsport sogar bis kurz vor der Jahrtausendwende in einigen DAV-Sektionen noch eine rein männliche Angelegenheit.

Das hat sich zum Glück geändert. Ablesen kann man das z.B. am stark wachsenden Anteil an Outdoor-Produkten, die auf Bergfreundinnen zugeschnitten sind. Eine gute Entwicklung, keine Frage. Rosig ist deshalb allerdings auch noch nichts. Es gibt durchaus noch viele Marken, die „klischeebeladene“ Produkte verkaufen. Da finden sich knallig pinke Schuhe neben pastellfarbenen Kleidungsstücken. Gedecktere Farben? Sorry, nur für Jungs! Und was ist eigentlich mit Bekleidung für richtig anspruchsvolle bergsteigerische Unternehmungen? Auch hier gibt es einzelne Marken, die ihre technischen Produkte lediglich für die Herren der Schöpfung fertigen.

Grundsätzlich passiert sowas nicht aus Böswilligkeit, sondern am Ende schlicht aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Eine kleine, sehr spezialisierte Marke mit niedrigen Stückzahlen muss sich natürlich überlegen, für welche Zielgruppe sie ihre Produkte anbietet. Das gehört sicherlich auch zur Wahrheit. Drehen wir den Gedanken weiter, kommen wir aber schnell wieder beim Henne-Ei-Problem an, das sich schwer lösen lässt… oder?

Gleichberechtigung: Lasst uns drüber reden!

Das Prinzip ist nicht neu: Probleme lassen sich lösen, in dem man sie offen anspricht und darüber diskutiert. Und das wollen wir tun. Dafür haben wir uns die Bergfreundinnen eingeladen. Moment, denkt ihr jetzt zurecht, Bergfreundinnen arbeiten doch bei euch? Ja, auch.

In diesem Fall sprechen wir allerdings von den drei Podcasterinnen Katharina, Toni und Anna, die seit Mitte 2020 mit ihrem Podcast „Bergfreundinnen“ die Podcast-Landschaften aufmischen und zu allen möglichen Themen rund um Frauen & Bergsport diskutieren. Der Podcast wird vom bayerischen Rundfunk produziert und erscheint wöchentlich.

Und weil wir Bergfreunde unbedingt mitdiskutieren wollen, setzen wir uns natürlich dazu. Namentlich sind das die Bergfreunde-Kolleginnen Cora, Christa und Hannah, die ihr garantiert schon mal auf einem unserer Channels gesehen habt. Hannah haben wir euch in unserem Post aus dem letzten Jahr bereits vorgestellt. Christa ist die Abteilungsleiterin unserer Personalabteilung und ist begeisterte Bergsteigerin. Cora arbeitet in unserem Gearhead-Team und liebt die Kletterei.

Neben dem oben bereits angesprochenen Thema rund um die Sortimente im Outdoor-Bereich, geht es in unserem Talk außerdem um Frauencommunities im Bergsport, die generelle Gleichberechtigung in der Bergsport-Szene und natürlich auch um die Gleichberechtigung bei den Bergfreunden.

Nun wollen wir euch aber nicht mehr länger auf die Folter spannen. Hier findet ihr das Video, viel Spaß beim Anschauen, zuhören und mitdiskutieren:

Made in China – inzwischen ein Qualitätsmerkmal?

17. Februar 2021
Ausrüstung

Es ist noch nicht lang her, dass „Made in China“ für Plastik- und Elektronikkrempel stand, der nach einer handvoll Verwendungen reif für die Tonne war. Es gibt sie immer noch, die Imitate und den Schrott, doch deren Anteil wird immer geringer und durch immer wertigere und langlebigere Produkte ersetzt. Zudem produzieren die Chinesen immer mehr für ihren eigenen Bedarf. Das gilt nicht nur für Huawei-Handys und Magnetschwebebahnen, sondern auch für digitale Produkte. So hat China mit Alibaba sein eigenes Amazon und mit Weibo sein eigenes Twitter und Instagram.

Dieser Wandel ist auch in den Bereichen Textil und Outdoor zu beobachten. China ist auch hier nicht länger die Werkbank der Welt für eilig zusammengeschusterte Massenprodukte, sondern wird zum Produzenten für komplexe Hightech-Produkte. Und auch hier steigen Qualität und Funktionalität. Und auch hier fragen die Chinesen die Produkte zunehmend selbst nach. Längst gibt es eine Outdoor-Bewegung, die nicht mehr nur in großen Massen zu touristischen Pilgerzielen wandert, sondern auch individuell in der Natur und den Bergen unterwegs ist.

Das kann man auch an den Umsatzzahlen von Herstellern sehen, die hauptsächlich für den Binnenmarkt produzieren. So fertigt beispielsweise der Hersteller Kailas große Mengen an Seilen, Karabinern, Klettergurten und Hightech-Bekleidung für chinesische Bergfreunde. Hinzu kommen Zelte, Schlafsäcke, Matten und komplette Outdoor-Kollektionen für Frauen und Männer.

Teilweise kehren sich die einstigen Kräfteverhältnisse auch um, denn ein Siegel wie „Fabrics China“ steht heute nicht mehr für Preisdumping, sondern für Qualitätsstandards, auf die sich weiterverarbeitende Firmen voll verlassen können. Das Outdoor-Branchenmagazin ISPO schreibt dazu:

Während der Sportbereich in China wächst, steigt auch die Nachfrage nach leistungsfähigen Stoffen von anerkannter Qualität. Vor diesem Hintergrund stellen die schnellen Tests im China Textile Information Center (CTIC) sicher, dass Funktionsstoffe das Zertifikat „Fabrics China“ erhalten.

Mehr als zweihundert Hersteller sind Mitglied im CTIC, welches wiederum zum China Textiles Development Service gehört, einer Körperschaft für beschleunigte Tests und Akkreditierungen von verschiedenen textilen Leistungseigenschaften wie pflegeleicht, temperierend, schnelltrocknend oder UV-abschirmend. Erfolgreich akkreditierte Produkte werden mit dem Hängeetikett „Fabrics Chinaversehen.

Angesichts dieser Entwicklungen ist nachvollziehbar, dass viele „westliche“ Firmen längst nicht mehr nur wegen der niedrigen Preise in China produzieren (lassen).

China als Hotspot und Innovationstreiber in Sachen Textil

Während man China bislang eher Geschick beim Ideenklau als im Kreieren eigener Ideen nachsagte, sprudeln Letztere jetzt reichlich. Das liegt vermutlich an der ausgeprägten Wissbegier und dem hohem Bildungseifer – die wiederum mit straffer politischer Führung und eher geringen persönlichen Freiheiten zu tun haben dürften, denn harter Denksport ist in China vielleicht der einzige Weg zu mehr Selbstbestimmung.

Was auch immer die genauen Ursachen sind, die Früchte der Entwicklung sind im Bereich Textil und Outdoorequipment genauso zu sehen wie im Technologiesektor. Ein gutes Beispiel für chinesische Innovationskraft liefert das Biotechnologieunternehmen Cathay, dass die fossilen Ausgangsstoffe von Funktionstextilien durch Mais ersetzen will. Weitere Beispiele für Firmen aus dem Osten, die auch im Westen als innovativ und nachhaltig geschätzt werden, sind neben dem oben erwähnten Hardwareproduzenten Kailas die Brands TengFei und 361°. Mit der Yarn Expo Shanghai hat China auch eine riesige Textil- und Modemesse als Schaufenster vieler einheimischer Hersteller aus den Bereichen Mode und Sport.

China als großer Absatzmarkt für Textilien und auch Outdoor-Produkte

Ein weiteres überholtes(?) China-Bild ist die alleinige Rolle als „Werkbank der Welt“, die enorm viel produziert, aber kaum selbst konsumiert. Nein, mittlerweile gilt China mit seinen fast 1,4 Milliarden Einwohnern als „sicher einer der weltweit spannendsten Märkte für die Sportindustrie“. Die Investitionen sind nicht nur in Bereichen wie Fußball gigantisch, sondern auch beim für Outdoorhersteller interessanten Wintersport. Das Interesse westlicher Firmen am Absatzmarkt China ist groß, doch wegen der enormen kulturellen Unterschiede tun sich viele internationale Marken laut ISPO-Magazin schwer im Reich der Mitte. Da braucht es schon echte Kenner wie den Chef der Tecnica Group Remigio Brunelli, der anhand von 6 Ratschlägen erklärt, wie der Marktzugang gelingen kann.

China wird aber nicht nur zum Absatzmarkt der westlichen Outdoorhersteller, sondern dreht auch hier den Spieß um und expandiert mit der eigenen Industrie nach Europa. Und das nicht erst seit gestern, sondern mindestens seit 2015, als die Marke 361° im Westen Läden eröffnete. Zum Angebot von 361° gehören vor allem Lauf- und Trainingsschuhe, aber auch Wander- und Lifestyle-Schuhe sowie Bekleidung für Frauen und Männer zu überwiegend moderaten Preisen.

Europäische Verarbeiter und Fabriken in China

Remigio Brunelli lebt seit mehr als 15 Jahren in China. Er kam zu dem Zeitpunkt, als auch die Messe München mit ihrer ISPO erstmals in Peking auftrat. Seitdem ist der China-Chef der Tecnica Group zu einem der angesehensten Experten der internationalen Sportindustrie für das Reich der Mitte geworden. Die Marken der Tecnica Group machte er zu „Top-Performern“ im chinesischen Markt.

Dabei lösen Tecnica und viele andere Outdoorfirmen aus dem Westen auch die klassische „Arbeitsteilung“ auf – welche bekanntlich darin bestand, dass Stoffbahnen und andere einfache Ausgangsprodukte in Fernost hergestellt wurden, während das finale „Zusammenschneidern“ zu komplexen Produkten in der Heimat stattfand. Mittlerweile werden immer mehr Zwischenschritte bis zum finalen Feinschliff in China durchgeführt.

Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Icebreaker, der neuseeländische Merino-Spezialist. Icebreaker lässt auch die komplexen Verarbeitungsschritte in chinesischen Fabriken ausführen – und zwar nach eigenen Angaben auf hohem Nachhaltigkeitsniveau. Auf dem neuseeländischen Nachrichtenportal Scoop erschien dazu ein spannender weil kontroverser Mailaustausch zwischen Firmenchef Jeremy Moon und der Autorin Barbara Sumner Burstyn. Nach deren Vorwürfen, dass Moon und seine Firma eher Greenwashing denn echte Nachhaltigkeit betrieben, antwortet der „Angeklagte“ wie folgt (übersetzt mit DeepL.com):

Die 3 Fabriken, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle Wasserreinigungsanlagen, die Trinkwasserqualität ausgeben, zahlen 10-30% über dem Durchschnitt liegende Löhne, ernähren und beherbergen alle Mitarbeiter und haben null Schadstoffausstoß, da sie alle auf Strom basieren und extrem energieeffizient sind. Alle Lieferanten erfüllen den Umweltstandard ISO14001 (international höchster Standard) und die Stoffe entsprechen dem europäischen Umweltstandard ECOTEX1. Fast alles wird recycelt und wiederverwendet, wo es möglich ist. (…)

Ich stimme zu, dass es in China viel Schlechtes gibt, dasselbe wie in Neuseeland, wenn man danach sucht, aber in einem anderen Ausmaß, aber es gibt auch gute Sachen. Schauen Sie sich die Fabriken unter den neuen strengen Umweltgesetzen an, nicht nur die alten. Ich habe Zeit bei jedem unserer Zulieferer verbracht und die „saubersten“ sind in China. Was Sie sagen, stimmt also für das alte China, aber nicht für die Lieferanten von Icebreaker.

Indem Icebreaker nur das „neue“ China unterstützt, fördern wir einen positiven Wandel in einem Land, das ihn braucht. (…)

Klingt nicht schlecht, doch Sumner Burstyn kontert mit einem beeindruckend detaillierten und Quellen-unterlegtem Gegenbild. Hier nur beispielhaft ein Absatz aus der langen Antwort:

Ihr ’neues‘ China hat ein glänzendes, westliches PR-Gesicht, es macht umweltfreundliche Geräusche und einige kleine Anstrengungen, um das Gewissen von unruhigen Unternehmen wie Icebreaker zu beruhigen, aber unter dieser Fassade geht die Kontrolle, die Zensur, die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der natürlichen Welt, um unbegrenztes Wachstum (in einer endlichen Welt) anzuheizen, unaufhaltsam weiter. Darf ich vorschlagen, dass Sie das nächste Mal, wenn Sie in China sind, ein T-Shirt mit der Aufschrift ‚Support Fulong Gong‘ oder ‚Free Tibet‘ in chinesischen Schriftzeichen quer über die Brust tragen und sehen, wie das ’neue‘ China darauf reagiert.

Man staunt als Leser, wie weit die Wahrnehmungen auseinandergehen und wie schwer es offenbar ist, sich von außen ein wirklichkeitsgetreues Bild der Verhältnisse und Arbeitsbedingungen im Reich der Mitte zu machen. Hier steht wohl noch einiges an Entwicklung und Arbeit bevor, bis der Produktionsstandort China den Ruch der Undurchsichtigkeit ablegen kann (falls er es je tun wird oder überhaupt will …). Ein wichtiger Schritt dahin wären Zertifizierungen mit verlässlich-transparenten Siegeln wie Bluesign-Standard, Fair-Wear oder Responsible Down Standard.

China als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit?

Bisher konnten wir nicht alle, aber einige der eher negativ gefärbten China-Vorstellungen aufhellen. Ein letztes, wenig schmeichelhaftes Bild wäre noch, dass ein wesentlicher „Wettbewerbsvorteil“ Chinas bislang darin lag, dass Fabrikanten und Behörden kaum Rücksicht auf Umweltbelange und Gesundheitsaspekte nahmen. Und dass sie auf Abermillionen fleißige Arbeiter bauen konnten, die mit wenigen Rechte und geringen Ansprüchen ausgestattet waren.

Hier sind vereinzelt große Fortschritte zu erkennen, aber längst nicht flächendeckend. Nach wie vor liegen beispielsweise von den weltweit am stärksten verschmutzten Millionenstädten die meisten in China. In der Outdoorbranche und der mit ihr verbundenen Textilindustrie sind die Anstrengungen schon aus Imagegründen sicher umfassender als in anderen Bereichen. So haben beispielsweise die meisten in China produzierenden westlichen Outdoorlabels Zertifizierungen und Audits eingeführt, mit denen die Standards vor Ort gehoben und gesichert werden sollen. Einige dieser Bemühungen haben wir hier im Basislager bei diversen Nachhaltigkeitsportraits schon näher beleuchtet (zuletzt beispielsweise bei Millet und Arc’teryx).

Wer konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen und -Fortschritte der chinesischen Hersteller sehen will, wird auf den oben erwähnten Textilmessen in Shanghai fündig werden. Einige der dort gezeigten Beispiele finden sich im letztjährigen Bericht des Fashionnetworks:

Das Unternehmen Lily Textile entwickelte über das Projekt Green Defense einen leicht zu rezyklierenden antibakteriellen Polyester-Stoff, der die natürlichen Wirkstoffe von Mandeln und Zimt nutzt. Zu den Kunden von Hua Mao Nano-Tech zählen unter anderem Nike, Lee und Amer. Das Unternehmen verwendet Basalt, um das Wärmevermögen von Stoffen zu erhöhen und diese dennoch rezyklierbar zu machen. Denselben Weg schlug auch die Firma Nano Mintex aus Hongkong ein, die ihr antibakterielles Sortiment weiterentwickelte. Im gemeinsamen Pavillon EcoCosy präsentieren Zhonghuitex, Mingchen Textile, Heltin Textile und SF Fiber einen neuen Viskose-Stoff, der als nachhaltig angepriesen wird.

Der Recyclinggedanke und die Rücksicht auf begrenzte Ressourcen fassen demnach Fuß im Reich der Mitte. Bei den Arbeitsstandards gibt es sicher noch reichlich Nachholbedarf, doch wenn man den Vergleich zu vergangenen Billig- und Werkbank-Tagen zieht, ist auch hier viel positive Veränderung angestoßen worden. Von einer Vorreiterrolle zu sprechen, wäre jedoch fürs Erste noch ein wenig zu viel des Guten …

Schnelle Energie für Outdoorsportler – der Bergfreunde Power-Ball mit Extra-Crunch

19. Januar 2021
Meal-Tipp, Tipps und Tricks

Eine handliche Art Müsliriegel, die keinen zusätzlichen Zucker enthält, nicht gebacken werden muss und sich auch unterwegs bequem zubereiten lässt? 

Das klingt zwar fast unmöglich, aber mit dem Rezept für den Bergfreunde Power-Ball ist es uns tatsächlich gelungen, alle Anforderungen in einem leckeren Snack zu vereinen.

Nachdem es im Bergfreunde Basislager bereits einige gute Rezepte für Müsliriegel, Bergbrot und Apfelstrudel gibt, ergänzen die handlichen Energie-Kugeln die Rezepte für sportliche Outdooraktivitäten. Die Power-Balls eignen sich perfekt als schnelle und kompakte Energiezufuhr beim Klettern, Bergsteigen, Trekking, Radfahren und Trailrunning. Wie bereits bei unserem Rezept für Müsliriegel, sind auch die kleinen Power-Bälle frei von Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen, die sonst in fast jedem industriell gefertigten Müsliriegel oder Schokoriegel zu finden sind. Im Gegensatz zu Müsliriegeln sind die Power-Balls sehr handlich und verzehrfreundlich. Wenn es mal schnell gehen soll, kann der Power-Ball am Stück im Mund verschwinden und verursacht so weder klebrige Finger noch Krümel.

Außer den passenden Zutaten benötigst du für die Herstellung der Power-Balls nur ein Messer, einen Löffel zum Umrühren und eine glatte Arbeitsunterlage (z.B. einen Teller). Eine Schüssel und ein Mixer sind außerdem hilfreich – aber mit etwas mehr Muskelkraft und Zeitaufwand geht es auch ohne diese Hilfsmittel.

Das Rezept kannst du natürlich wie immer an persönliche Vorlieben oder Unverträglichkeiten anpassen. Auf die Datteln zu verzichten ist eher ungünstig, denn in Verbindung mit den Nüssen sorgen sie für die stabile Konsistenz der Power-Bälle. Die Kokosflocken sind nicht nur für den besonderen Geschmack der Power-Balls verantwortlich, sondern verhindern auch, dass du beim Anfassen der Energiebälle klebrige Finger bekommst. Natürlich lassen sich die Kokosflocken auch durch andere Flocken, geraspelte Schokolade oder zerkleinerte Nüsse und Mandeln ersetzen.

Aber jetzt zurück auf Anfang und los geht’s mit der Zutatenliste.

Für ca. 12 mundgerechte Power-Balls benötigst du:

  • 200 – 250g Datteln (entsteint)
  • 50g Haferflocken
  • 30 – 50g Pekannusskerne (naturbelassen) / als Alternative: Mandeln
  • 2 – 3 TL Kürbiskerne
  • 70g Kokosraspel (20g für die Masse und ca. 50g zum Wälzen)
  • 1 – 2 TL Leinsamen
  • 2 Karotten (mittlere Größe / zusammen ca. 150g)
  • 1TL Zimt (oder 2TL, wenn es etwas mehr nach Zimt schmecken soll)
  • 1TL Vanille

Wenn du deine Power-Balls lieber etwas süßer genießen möchtest, kann du noch etwa einen Esslöffel Ahornsirup in die Masse einrühren.

An Küchenutensilien brauchst du lediglich:

  • 1 Unterlage (z.B. Teller)
  • 1 Schüssel (oder Topf)
  • 1 Messer
  • 1 Esslöffel (oder Rührlöffel)
  • 1 Teelöffel
  • 1 Raspel / Reibe
  • 1 Mixer / Pürierstab (geht aber auch ohne)
  • 1 Schneidebrett

Je nach dem, ob du einen Mixer zur Verfügung hast, dauert die Herstellung der Masse und das Formen der Power-Balls etwa 35 min. (ohne Mixer ca. 5 – 10 min länger)

Die Power-Balls stehen für Energie und Effizienz. Auch in der Zubereitung sind sie einfacher als die meisten anderen Rezepte und auch für Köche ohne eigenen Michelin-Stern bestens nachzuahmen. Nur fünf Arbeitsschritte sind notwendig und es wird kein Backofen, kein Kocher, ja noch nicht mal ein Feuerzeug benötigt. Die richtigen Zutaten kombiniert mit etwas Zeit, Fingerkraft und Liebe (ganz wichtig) reichen vollkommen.

Und los geht’s – in fünf Schritten zum Power-Ball mit Extra-Crunch:

  1. Datteln und Pekanusskerne mixen

Falls du keine entsteinten Datteln verwenden möchtest, kannst du natürlich auch frische Datteln besorgen und diese zunächst entsteinen und dann ca. 2h wässern. So lassen sie sich gut mixen, pürieren und verarbeiten. Schneller geht es mit fertig entsteinten Datteln, die sich zusammen mit den Pekanusskernen gut zu einer breiigen Masse mixen lassen. Ein paar Pekannüsse oder Mandeln solltest u noch für den Crunch-Mix aufsparen.

  1. Karotten putzen und raspeln

Je nach Belieben kannst du die Karotten etwas reinigen und dann komplett mit einer Küchenraspel in kleine Stückchen raspeln. Den dabei entstehenden „Karottensalat“ solltest du nicht direkt aufessen (auch wenn er lecker aussieht), sondern zu dem Mix aus Datteln und Pekanusskernen in die Schüssel geben.

  1. Haferflocken, Kokosraspeln und Gewürze beigeben

Ungefähr 20g der geraspelten Kokosflocken und die 50g Haferflocken kannst du jetzt ebenfalls in die Schüssel schütten. Dazu kommen etwas Zimt und Vanille. Die Menge kannst du je nach geschmacklichen Vorlieben variieren. Falls du die Power-Balls lieber etwas süßer magst, dann gib einfach noch ein oder zwei Teelöffel Ahornsirup hinzu.

  1. Nüsse für den Extra-Crunch

Der Mix aus Leinsamen, Kürbiskernen und den restlichen Pekannüssen lässt sich leicht mit einem Messer zerkleinern. Wenn du die Power-Balls in der heimischen Küche zubereitest, kannst du die Flocken- und Nussmischung kurz in einer Pfanne erhitzen. Dadurch entstehen zusätzlich leckere Röstaromen. Durch den Crunch-Mix wird die Masse etwas nussiger und körniger – und schmeckt einfach leckerer.

Alle Zutaten knetest du danach mit den Händen zu einer homogenen Masse. Als Ergebnis der „Teigmassage“ erhältst du eine große Kugel mit relativ fester Konsistenz, die überall eine gleichmäßige Farbe und Textur aufweist (dann sind alle Zutaten gut miteinander vermischt).

  1. Power-Balls formen und in Kokos wälzen

Die Masse kannst du danach von Hand in viele kleine Kugeln formen. Damit die Power-Balls beim Wandern und Radfahren bequem zu transportieren sind, sollten sie einigermaßen mundgerecht und fest geformt werden. Falls du die Energiebälle aber lieber kleiner oder größer machen möchtest, ist das kein Problem. In unserer Küche sind es 12 Stück geworden. Je nach Belieben können aus der Masse etwa 10 – 15 Balls gewonnen werden.

Auf einem Teller rollst du danach die Power-Balls komplett durch die Kokosraspeln, so dass die feinen Kokosflocken von allen Seiten an den Outdoorsnacks anhaften.

Im Grunde können die Power-Balls direkt verzehrt werden. Etwas leckerer und auch fester werden sie, wenn du sie für ein paar Stunden im Kühlschrank oder in der Kühlbox ziehen lässt.

Die Bergfreunde Power-Balls mit Extra-Crunch sind einfach und schnell zubereitet, bestehen aus vielen gesunden Zutaten und sind ausgesprochen schmackhaft.

Darüber hinaus liefern sie Outdoorsportlern (und auch Indoorsportlern) eine Menge Energie. Die kleine Übersicht gibt eine grobe Auskunft über die:

Energie aus den Power-Balls

Zutatkcal / 100 gkcal / Rezeptkcal / Power-Ball
Datteln29674062
Haferflocken35017515
Pekannusskerne72136030
Kürbiskerne58929424
Karotten33504
Leinsamen488353
Kokosraspel67046939
Zimt24761
Vanille288121
Ahornsirup260524

 

Ein durchschnittlicher Power-Ball liefert demnach etwas über 180 kcal und enthält dabei eine Menge wertvoller und natürlicher Nährstoffe. Mit ungefähr 395 kcal / 100g liegt der Power-Ball zwar etwas unter den Energiewerten bekannter Schokoriegel, die voll auf schnelle Energiezufuhr durch einen hohen Zuckeranteil setzen, hat dafür aber den Vorteil, dass die Energie über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird. So versorgt der Power-Ball Sportler beim Klettern, Running und Radfahren nachhaltig mit zusätzlicher Power – und natürlich mit „Extra Crunch“.

Harte Schale, weicher Kern? – Hardshell vs. Softshell

26. Dezember 2020
Ausrüstung

Es gibt Dinge, die meinen wir zu kennen, ganz sicher, da wissen wir sofort was gemeint ist, ist doch auch ganz klar und für Doofe. Denken wir aber dann mal näher darüber nach stellen wir schnell fest, dass wir eigentlich keine Ahnung davon haben. Mir ging es neulich so, als ich gefragt wurde, was denn der Unterschied zwischen einer Hardshell- und einer Softshelljacke sei. 

Meine Antwort kam verzögert und war dementsprechend nur mittelmäßig kompetent: „Hardshell, das ist halt so ne typische Regenjacke, da geht nix durch und Softshell gibt warm oder so ähnlich.“

Klingt nicht gerade wissenschaftlich fundiert, oder? Ich habe daher ein paar Stunden meiner Lebenszeit in Recherche investiert und möchte euch heute einmal am Ergebnis teilhaben lassen.

Eines noch vorab: Meine Recherche hat gezeigt, dass sich die Schnittmenge von Soft- und Hardshell immer mehr vermischt. Die Zeit in der man also beide Materialtypen nach der Methode schwarz und weiß von einander trennen konnte ist definitiv vorbei. Auf alle möglichen und unmöglichen Varianten einzugehen ist aber in dem doch eher begrenzten Rahmen eines Blogbeitrags nicht möglich. Wir einigen uns also an dieser Stelle einmal mehr darauf: Im Folgenden wird zum besseren Verständnis vereinfach und verallgemeinert.

Hardshell – wenns wetterfest sein muss

Steckbrief 

  • Einsatzgebiet: Äußere Kleidungsschicht beim Berg- und Wintersport.
  • Einsatzzweck: Wetterschutz. Schutz vor Regen, Schnee und starkem Wind.
  • Eigenschaften: Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Gore-Tex, Sympatex, Dermizax
  • Varianten: 2-, 2,5- und 3-Lagen-Jacken, mit Membran oder Beschichtung
  • Vorteile: guter Wetterschutz, robust
  • Nachteile: geringer Schutz vor Kälte, Atmungsaktivität kann eingeschränkt sein

Hardshell bedeutet nichts anderes wie „harte Schale“, frei übersetzt „stabile Außenhaut“ und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Hardshelljacken werden immer als äußerste Kleidungsschicht getragen und sind das erste Bollwerk vor den Elementen. Außerdem ist das Material oft relativ fest und nicht dehnbar, daher der Name. 

Eine Hardshelljacke ist tatsächlich das, was wir unter anderem als Regenjacke kennen. Manch einer kennt Jacken dieser Art auch als Gore-Tex-Jacke, aber hierbei handelt es sich lediglich um die Markenbezeichnung eines Materials, ein wenig so wie bei Tempo und Papiertaschentuch. Hardshelljacken bieten, vereinfacht gesagt, einen guten Wetterschutz. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es beispielsweise regnet oder stark windet. Aber auch beim Skifahren oder auf Hochtouren, wenn vermehrter Kontakt mit Schnee und Eis droht, schützen Hardshelljacken zuverlässig vor den Elementen.

Darüber hinaus sind gute Hardshelljacken immer auch atmungsaktiv. Vereinfacht bedeutet das: Von außen werden Niederschläge zuverlässig abgehalten, in der Jacke entstehende Feuchtigkeit, beispielsweise durch starkes Schwitzen, kann aber nach außen abgegeben werden. Wie das jeweils funktioniert ist abhängig von der Technologie und vom Aufbau des jeweiligen Materials. Schauen wir uns daher doch einfach einmal an, wie genau Hardshelljacken aufgebaut sind.

Die Lagenkonstruktion

Eine Hardshelljacke besteht aus mehreren Lagen. Ganz außen befindet sich der Oberstoff, der die Jacke vor mechanischer Beschädigung schützt. Außerdem ist der Oberstoff imprägniert und hilft so dabei Wasser und Schmutz von der Membran fernzuhalten. Als zweite Lage kommt in der Regel eine atmungsaktive Membran oder Beschichtung zum Einsatz. Diese sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass keine Nässe von außen in die Jacke eindringen kann, gleichzeitig ermöglicht sie es aber, dass Feuchtigkeit aus der Jacke nach außen entweichen kann. An der Innenseite sind die Jacken mit einem Innenfutter ausgestattet, dieses dient wiederum zum Schutz der Membran vor mechanischem Einfluss. Hierbei gibt es unterschiedliche Ausführungen, die ich euch kurz erklären möchte.

  • 2-Lagen-Jacken

Bei 2-Lagen-Jacken handelt es sich in der Regel um eher einfache und somit preisgünstige Hardshelljacken. Bei der Herstellung werden lediglich der Oberstoff und die Membran laminiert, das Innenfutter wird in der Regel lose eingenäht. Außerdem gibt es in dieser Kategorie auch Jacken, bei denen auf eine Membran verzichtet wurde. In diesem Fall wird der Oberstoff an der Innenseite mit einer PU-Beschichtung (Polyurethan) versehen. 2-Lagen-Jacken mit Membran oder Beschichtung werden zumeist dann eingesetzt, wenn es einen zuverlässigen und unkomplizierten Wetterschutz braucht. Beispielsweise bei Tageswanderungen oder für den Alltagsgebrauch.

  • 2,5-Lagen-Jacken

Jacken mit einer 2,5-Lagenkonstruktion sind quasi der Kompromiss zwischen zwei und drei Lagen. Auch bei dieser Konstruktion wird ein Oberstoff mit einer Membran fest verbunden. Das eingenähte Innenfutter entfällt allerdings. Stattdessen wird eine hauchdünne Schutzschicht direkt auf das Laminat aufgetragen. Hierdurch wird gegenüber zwei- und dreilagigen Jacken sowohl am Gewicht, als auch am Packmaß gespart. Jacken dieses Typs kommen daher nicht selten bei Trekkingtouren oder beim Radfahren zum Einsatz.

  • 3-Lagen-Jacken

Gerade bei extremen Wetterbedingungen und/oder Touren, überzeugen 3-Lagen-Jacken. Hierbei ist der Aufbau zunächst identisch mit dem einer 2-Lagen-Jacke, zusätzlich wird hier aber ein Futter als innerste Schicht direkt mitlaminiert. Hierdurch sind Jacken dieses Typs sehr robust und kommen vor allem bei langen Touren zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind hier beispielsweise Ski- oder Hochtouren.

Wasserdicht und atmungsaktiv?

Irgendwie klingt das doch logisch, wo nichts rein geht, da geht auch nichts raus. Einfach, oder? Naja, eben nicht. Denn wie bereits erwähnt, sind gute Hardshelljacken immer wetterfest und atmungsaktiv zugleich. Wie bzw. wie gut das aber funktioniert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Jacken mit einer PU-Beschichtung weniger atmungsaktiv sind als Jacken mit einer Membran.

Aber auch im Bereich der Membranen gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Funktionsweise und des Wirkungsgrads. So handelt es sich bei Gore-Tex-Membranen um Membranen mit einer mikroporösen Struktur. Diese Struktur ist eng genug um Wassertropfen nicht ins Innere durchzulassen, aber groß genug um dem deutlich kleineren Wasserdampf den Austritt aus der Jacke zu ermöglichen. Sypatexmembranen hingegen nutzen ein pysikalisch-chemisches Prinzip, das unter anderem mit dem Druck- und Temperaturunterschied von Umwelt und Jackeninneren arbeitet.

Egal, welche Technologie aber genau zum Einsatz kommt, eine Membran bzw. die Hardshelljacke ist nichts ohne eine gute Imprägnierung. Daher sollte diese von Zeit zu Zeit erneuert bzw. aufgefrischt werden. Auch bei der Imprägnierung gibt es unterschiedliche Technologien, die aber letztlich alle genau dasselbe bewirken, nämlich Wasser und Schmutz zuverlässig von der Membran fernzuhalten.

Dies ist wichtig, weil sich sonst die Struktur der Membran vollsaugen könnte und so regelrecht verstopfen würde. Neben starkem Regen könnten so auch Schlamm oder schlichtweg Sonnencreme und körpereigenes Fett die Membran verstopfen. Hierdurch wären dann die Wasserdichtigkeit und vor allem die Atmungsaktivität der Jacke stark beeinträchtigt.

Eine gute Imprägnierung ist also für die Funktionsweise einer Hardshelljacke unerlässlich. Wer mehr zu diesem spannenden Thema erfahren möchte, kann sich gerne den Blogbeitrag von Jan zum Thema DWR-Imprägnierungen durchlesen.

Typische Membranen kurz vorgestellt

  • Gore-Tex

Gore-Tex ist der Name einer ganzen Materialfamilie und schon seit langem fast das Synonym für wetterfeste und atmungsaktive Kleidung. Egal, wie das fertige Material auch aussieht oder heißen mag, Gore-Tex-Membranen basieren alle auf der gleichen Funktionsweise: einer speziellen Struktur. Hierzu wird ePTFE (expandiertes Polytetrafluorethylen) verwendet. Membranen aus ePTFE bilden eine besondere, mikroporöse Struktur. Diese ist so eng, dass die vergleichsweise großen Wassermoleküle nicht durch die Struktur gelangen können. Wasserdampfmoleküle sind aber wesentlich kleiner und können die Struktur problemlos passieren. Stellt euch das vereinfacht wie einen Jägerzaun vor.

Während eine Katze problemlos durch die Lücken des Zauns schlüpfen kann, habe ich als deutlich größerer Mensch das Nachsehen. Damit aber Wasserdampf durch die mikroporöse Membran entweichen kann, braucht es zusätzlich einen Temperaturunterschied von Jackeninneren und der Umgebungsluft. Je geringer dabei die Außentemperatur im Vergleich zu Innentemperatur ist, desto besser funktioniert auch der „Abtransport“ des Wasserdampfs. Ausführliche Infos gibt’s übrigens auch in unserem Blogbeitrag zu Gore-Tex.

  • Dermizax

Auch bei Dermizax handelt es sich um eine Materialfamilie, die in unterschiedlichen Ausführungen daherkommt. Dennoch auch hier gilt für alle Membranen die gleiche Funktionsweise: Für Dermizaxmembranen wird Polyurethan verwendet. Dieses Material ist hydrophil, also „wasserliebend“. Es verfügt dabei über kleine Moleküle, die sich regelrecht mit Wasser vollsaugen können.

Diese Moleküle können sich innerhalb der Membran bewegen und erhöhen mit steigender Temperatur ihre Bewegungsgeschwindigkeit. Wichtig ist dabei jedoch, dass auch hier ein Temperaturunterschied von Umgebungsluft und Jackeninnerem besteht. Je höher dieser ist, desto schneller und effektiver ist der Abtransport des Wasserdampfs durch die Moleküle der Membran. Dieser Effekt hat einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Da Dermizaxmembranen nicht mit Poren arbeiten, können sich diese auch nicht zusetzen. Das Verstopfen durch Schmutz und Wasser ist so kein limitierender Faktor. Auch zu Dermizax gibt es einen ausführlichen Beitrag im Basislager, schaut doch einfach mal rein.

  • Sympatex

In der Familie der Sympatexmaterialien gibt es ebenfalls unterschiedliche Ausführungen, die aber wiederum alle auf dem gleichen Prinzip basieren. Hierzu wird ein physikalisch-chemisches Prinzip genutzt. Das klingt zunächst einmal viel komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Die Membran besteht hierzu aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Hydrophobem Polyester, das kein Wasser durchlässt und hydrophiles Polyether, das den gezielten Transport von Wasserdampf ermöglicht.

Auch in diesem Fall braucht es ein Druckgefälle von innen nach außen. Ist dieses durch einen deutlichen Temperaturunterschied gegeben, werden die Wasserdampfmoleküle, die durch das Schwitzen entstehen, entlang der hydrophilen Molekülketten nach außen abgegeben. Weiterführende Infos zu Sympatex bietet Wiebke in ihrem Artikel „Sympatex: Der umweltfreundliche Wind- und Wasserschutz!“

Softshell – damit es angenehm warm bleibt

Okay, was Hardshell ist haben wir nun geklärt, da müssen wir nicht auch noch Softshell erklären, denn das ist ja einfach genau das Gegenteil. Stimmt? Naja, in einer Welt, in der eine Katze genau das Gegenteil von einem Hund ist oder das Reh die Frau vom Hirsch, ist diese Aussage sicherlich richtig. Ich würde aber dennoch vorschlagen, dass wir uns auch das Thema Softshell einmal näher ansehen.

Steckbrief

  • Einsatzgebiet: Wärmende Kleidungsschicht beispielsweise beim Berg- und Wintersport, bei gutem Wetter auch äußere Kleidungsschicht.
  • Einsatzzweck: Kälteschutz, bedingter Schutz vor Regen, Wind und Schnee
  • Eigenschaften: Wärmend, sehr atmungsaktiv, wasser- und windabweisend, manchmal auch wasserdicht
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Windstopper, Schoeller, Polartec
  • Vorteile: guter Schutz vor Kälte, atmungsaktiv
  • Nachteile: nur bedingt wetterfest

Hochgradig atmungsaktiv und wärmend, nicht so wetterfest?

Die Hauptaufgabe von Softshelljacken ist es vor Kälte zu schützen. Auch schneidender Wind wird hier je nach Ausführung zuverlässig abgehalten. Entgegen der Hardshelljacke sind Softshelljacken oft aber nur bedingt wetterfest. Heißt: Leichter, kurzer Regen ist für die meisten Softshells kein Problem. Wer also bei schlechtem Wetter nur mal schnell zur Bushaltestelle muss oder zum Bäcker um die Ecke, wird hier sicherlich nicht klatschnass werden. Gerade aber bei starken Schauern oder auch bei längerer Zeit im Regen lassen viele Softshells in der Regel deutlich nach. Klassische Softshelljacken sind nämlich nicht wasserdicht, sondern nur wasserabweisend. 

Welche Eigenschaften eine Jacke bzw. deren Stoff jeweils mitbringt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So gibt es beispielsweise Softshelljacken mit Membran und ohne. Die Membranen sorgen unter anderem dafür, dass Wind zuverlässig abgehalten wird, je nach Beschaffenheit auch Regen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Softshells ohne Membran automatisch winddurchlässig sind. 

Auch mit der Atmungsaktivität ist das so eine Sache. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass Softshells im Vergleich zu Hardshells deutlich atmungsaktiver sind, also Schweiß schneller nach außen abgeben können. Gerade aber bei extrem wetterfesten Jacken, die sich im Grenzbereich von Hard- und Softshell bewegen, nimmt leider auch die Atmungsaktivität deutlich ab. Ihr seht also, die Lage ist ein wenig verwirrend. Wie gut nur, dass wir dieses Thema hier im Basislager bereits ausführlich behandelt haben. Wenn ihr also mehr erfahren wollt, dann schaut euch doch einfach mal den Beitrag mit dem Titel „Membranen: Atmungsaktiv, wasserdicht oder winddicht?“ an. 

Ein Bereich in dem Softshelljacken aber gegenüber Hardshelljacken auf jeden Fall punkten können ist der Schutz vor Kälte. Auch hier kommt es wieder darauf an, wie das Material beschaffen ist. Nicht selten verfügen aber Softshells an der Innenseite über eine angeraute und wärmende Schicht. Oft kommen hier beispielsweise Fleece- oder Veloursstoffe zum Einsatz, die gezielt dafür sorgen, dass die Wärme am Körper gehalten wird. Außerdem fühlen sich diese Materialien auf der Haut sehr angenehm an. 

Halten wir also als ersten Hauptunterschied von Soft- und Hardshell (ganz allgemein gesprochen) fest: Hardshell wetterfest, nur bedingt wärmend. Softshell wärmend, nur bedingt wetterfest.

Weich, hart, Komfort?

Wenn Hardshell hart ist, dann ist Softshell weich? Stimmt. Oder zumindest so ziemlich. Bei Softshellmaterialien handelt es sich tatsächlich um weichere und flexiblere Materialien als bei Hardshells. 

Schaut man sich einmal Hardshelljacken genauer an, fällt sofort eines auf: das vergleichsweise feste und unflexible Material. Dieses kann je nach Schnitt der Jacke unter Umständen zulasten der Bewegungsfreiheit gehen. Außerdem empfinden manche Menschen das typische Knistern einer Hardshelljacke als störend. 

Das gestaltet sich bei Softshelljacken zum Glück ein wenig anders. Denn durch das weichere und flexiblere Material fällt zum Beispiel das Knistern oder Rascheln komplett weg. Außerdem können sich Softshelljacken bis zu einem gewissen Maß dehnen, hierdurch sind auch körpernahe Schnitte möglich, ohne dabei die Bewegungsfreiheit merklich einzuschränken. Dies ist vor allem bei schnellen Sportarten wie Radfahren oder Laufen von Vorteil. 

Durch die angeraute Innenseite sind viele Softshells auch angenehm wenn sie direkt auf der Haut getragen werden. Während sich Hardshells meist kalt anfühlen, sind die meisten Softshells so warm wie eine Fleecejacke oder ein Pullover.

Wir notieren also einen zweiten Hauptunterschied: Softshell bietet in der Regel einen höheren Tragekomfort als Hardshell.

Einsatzgebiete und Alltagstauglichkeit

Schauen wir uns die Lager Hardshell- und Softshell einmal unter dem Gesichtspunkt der Alltagstauglichkeit an, dann liegt die Softshelljacke klar vorne. Denn sie deckt bei eher gemäßigten Bedingungen ein sehr breites Spektrum ab. Wer also beispielsweise eine Alltagsjacke für die kalte Jahreszeit sucht, ist mit einer entsprechenden Softshelljacke sicherlich gut bedient. Hat dann eine Hardshelljacke überhaupt eine Daseinsberechtigung oder handelt es sich dabei eher um einen Dinosaurier aus der längst vergangenen Outdoorzeit? Wohl eher nicht. Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar typische Einsatzgebiete an.

  • Alltag, Freizeit, Reise

Wie bereits erwähnt, liegen Softshelljacken im Alltag klar vorne. Sie sorgen an kälteren Tagen für ein angenehmes Maß an zusätzlicher Wärme. Außerdem halten sie je nach Material auch Regen ab und sind somit völlig ausreichend für alle Widrigkeiten des Wetters, die in der Stadt und auf dem Land warten. Wer allerdings jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Hund raus geht, kann sicherlich auch eine gute Hardshelljacke gebrauchen.

  • Wanderungen, Trekking- und Radtouren

Hier kommt es stark darauf an, in welcher Jahreszeit und mit welcher Wetterprognose die jeweilige Tour stattfindet. Handelt es sich dabei beispielsweise um eine Wanderung bei stabil gutem Herbstwetter, ist die Softshelljacke aufgrund des Tragekomforts und der wärmenden Eigenschaften sicherlich im Vorteil. Kann es aber beispielsweise bei der sommerlichen Tour im Tagesverlauf zum Gewitterschauer kommen oder ist generell schlechtes Wetter angesagt, liegen Hardshelljacken mit ihrem umfangreichen Wetterschutz wieder vorne.

  • Ski- und Hochtouren, Wintersport

Je höher es in den Bergen hinaus geht, und je winterlicher die Bedingungen werden, desto höher sind auch die Anforderungen. Deshalb sieht man beispielsweise bei Ski- und Hochtouren (und nicht nur dort) oft die Kombination von Hard- und Softshelljacke. Ist ja auch logisch: Wer bei einer Skitour gerade aufsteigt, hat (gutes Wetter vorausgesetzt) wenig Kontakt mit den Elementen. Außerdem reagiert der Körper auf die Anstrengung mit der Produktion von Wärme und Schweiß, gleichzeitig ist es aber Winter und somit kalt. Hier ist wieder einmal die Softshelljacke aufgrund ihrer guten Atmungsaktivität und dem Tragekomfort vorne. Ist der Tourengänger am Gipfel angekommen, bekommt er es nicht selten mit starkem Wind zu tun. Darüber hinaus droht bei der anschließenden Abfahrt der vermehrte Kontakt mit Schnee (sei es durch Tiefschnee, einen Sturz oder beides), was wiederum für die Hardshelljacke spricht. Da es aber noch immer Winter ist, würde der Tourengänger nur mit einer Hardshelljacke bekleidet, erbärmlich frieren. Die Lösung: Zwiebelprinzip, also beide Jacken über einander tragen und so das Beste aus beiden Welten mitnehmen.

Also…

Ihr seht also, eine exakte Trennung von Hard- und Softshell ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Sowohl bei den Materialeigenschaften, als auch bei den Anwendungsgebieten sind die Grenzen zwischen beiden Jackentypen fließend. Außerdem kann unter gewissen Bedingungen auch die Kombination beider Jacken sinnvoll sein.

Eine Frage bleibt aber noch: Wie sieht es denn generell mit der Ausstattung der Jacken aus, also Kapuze, Taschen, Belüftungsreißverschlüsse und und und? Tja, diese Frage lässt sich so einfach wie ungenau beantworten: Hier gibt es auf beiden Seiten nahezu nichts, was es nicht gibt. Von extrem minimalistisch bis hin zu allumfassend ausgestattet gibt es hier alle mögliche und unmöglichen Varianten.

Rezept: Cashewkern-Kekse

14. Dezember 2020
Meal-Tipp

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Das ist quasi Gesetz. Und weil auch wir Bergfreunde nicht über dem Gesetz stehen, backen wir auch fleißig Plätzchen. Eine Sorte, die nicht nur perfekt mit einer heißen Tasse Tee auf der Couch harmoniert, sondern sich auch unterwegs auf Tour prima genießen lässt, sind die Cashewkern-Kekse von Bergfreundin Sabrina. Und so werden sie gemacht:

Zutaten für die Cashewkern-Kekse

  • 150 g Weizenmehl
  • 150 g brauner Zucker (Rohrzucker)
  • 2 Eier
  • 150 g Butter
  • 250 g ungesalzene, fein gehackte Cashewkerne

Zubereitungszeit: 30 Minuten (ohne Kühlzeit)

Backzeit: ca. 12 Minuten

Küchenutensilien:

  • Handrührgerät mit Knethaken
  • Frischhaltefolie
  • Backpapier
  • Messer
  • Backblech

Für die Teigzubereitung geben wir das Mehl, den Zucker und die Eier in eine Rührschüssel. Mit dem Handrühgerät mit Knethaken vermischen wir die Zutaten. Danach legen wir den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und verkneten ihn mit den Cashewkernen. Bei Bedarf noch Mehl hinzufügen.

Den Teig formen wir dann zu Rollen, die ca. einen Durchmesser von 2,5 cm haben. In Frischhaltefolie eingewickelt, stellen wir die Teigrollen ein paar Stunden im Kühlschrank kalt.

Die gekühlten Teigrollen sollten sich nach der Kühlzeit leicht in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden lassen. Die Teigscheiben legen wir dann auf ein (mit Backpapier belegtes) Backblech und schieben das Blech in den vorgeheizten Backofen (Heißluft: ca. 160 °C). #

Nach ca. 12 Minuten nehmen wir die fertigen Kekse aus dem Backofen und lassen sie abkühlen.

Fertig!

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