Alle Beiträge zum Schlagwort ‘Trekking’

Harte Schale, weicher Kern? – Hardshell vs. Softshell

26. Dezember 2020
Ausrüstung

Es gibt Dinge, die meinen wir zu kennen, ganz sicher, da wissen wir sofort was gemeint ist, ist doch auch ganz klar und für Doofe. Denken wir aber dann mal näher darüber nach stellen wir schnell fest, dass wir eigentlich keine Ahnung davon haben. Mir ging es neulich so, als ich gefragt wurde, was denn der Unterschied zwischen einer Hardshell- und einer Softshelljacke sei. 

Meine Antwort kam verzögert und war dementsprechend nur mittelmäßig kompetent: „Hardshell, das ist halt so ne typische Regenjacke, da geht nix durch und Softshell gibt warm oder so ähnlich.“

Klingt nicht gerade wissenschaftlich fundiert, oder? Ich habe daher ein paar Stunden meiner Lebenszeit in Recherche investiert und möchte euch heute einmal am Ergebnis teilhaben lassen.

Eines noch vorab: Meine Recherche hat gezeigt, dass sich die Schnittmenge von Soft- und Hardshell immer mehr vermischt. Die Zeit in der man also beide Materialtypen nach der Methode schwarz und weiß von einander trennen konnte ist definitiv vorbei. Auf alle möglichen und unmöglichen Varianten einzugehen ist aber in dem doch eher begrenzten Rahmen eines Blogbeitrags nicht möglich. Wir einigen uns also an dieser Stelle einmal mehr darauf: Im Folgenden wird zum besseren Verständnis vereinfach und verallgemeinert.

Hardshell – wenns wetterfest sein muss

Steckbrief 

  • Einsatzgebiet: Äußere Kleidungsschicht beim Berg- und Wintersport.
  • Einsatzzweck: Wetterschutz. Schutz vor Regen, Schnee und starkem Wind.
  • Eigenschaften: Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Gore-Tex, Sympatex, Dermizax
  • Varianten: 2-, 2,5- und 3-Lagen-Jacken, mit Membran oder Beschichtung
  • Vorteile: guter Wetterschutz, robust
  • Nachteile: geringer Schutz vor Kälte, Atmungsaktivität kann eingeschränkt sein

Hardshell bedeutet nichts anderes wie „harte Schale“, frei übersetzt „stabile Außenhaut“ und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Hardshelljacken werden immer als äußerste Kleidungsschicht getragen und sind das erste Bollwerk vor den Elementen. Außerdem ist das Material oft relativ fest und nicht dehnbar, daher der Name. 

Eine Hardshelljacke ist tatsächlich das, was wir unter anderem als Regenjacke kennen. Manch einer kennt Jacken dieser Art auch als Gore-Tex-Jacke, aber hierbei handelt es sich lediglich um die Markenbezeichnung eines Materials, ein wenig so wie bei Tempo und Papiertaschentuch. Hardshelljacken bieten, vereinfacht gesagt, einen guten Wetterschutz. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es beispielsweise regnet oder stark windet. Aber auch beim Skifahren oder auf Hochtouren, wenn vermehrter Kontakt mit Schnee und Eis droht, schützen Hardshelljacken zuverlässig vor den Elementen.

Darüber hinaus sind gute Hardshelljacken immer auch atmungsaktiv. Vereinfacht bedeutet das: Von außen werden Niederschläge zuverlässig abgehalten, in der Jacke entstehende Feuchtigkeit, beispielsweise durch starkes Schwitzen, kann aber nach außen abgegeben werden. Wie das jeweils funktioniert ist abhängig von der Technologie und vom Aufbau des jeweiligen Materials. Schauen wir uns daher doch einfach einmal an, wie genau Hardshelljacken aufgebaut sind.

Die Lagenkonstruktion

Eine Hardshelljacke besteht aus mehreren Lagen. Ganz außen befindet sich der Oberstoff, der die Jacke vor mechanischer Beschädigung schützt. Außerdem ist der Oberstoff imprägniert und hilft so dabei Wasser und Schmutz von der Membran fernzuhalten. Als zweite Lage kommt in der Regel eine atmungsaktive Membran oder Beschichtung zum Einsatz. Diese sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass keine Nässe von außen in die Jacke eindringen kann, gleichzeitig ermöglicht sie es aber, dass Feuchtigkeit aus der Jacke nach außen entweichen kann. An der Innenseite sind die Jacken mit einem Innenfutter ausgestattet, dieses dient wiederum zum Schutz der Membran vor mechanischem Einfluss. Hierbei gibt es unterschiedliche Ausführungen, die ich euch kurz erklären möchte.

  • 2-Lagen-Jacken

Bei 2-Lagen-Jacken handelt es sich in der Regel um eher einfache und somit preisgünstige Hardshelljacken. Bei der Herstellung werden lediglich der Oberstoff und die Membran laminiert, das Innenfutter wird in der Regel lose eingenäht. Außerdem gibt es in dieser Kategorie auch Jacken, bei denen auf eine Membran verzichtet wurde. In diesem Fall wird der Oberstoff an der Innenseite mit einer PU-Beschichtung (Polyurethan) versehen. 2-Lagen-Jacken mit Membran oder Beschichtung werden zumeist dann eingesetzt, wenn es einen zuverlässigen und unkomplizierten Wetterschutz braucht. Beispielsweise bei Tageswanderungen oder für den Alltagsgebrauch.

  • 2,5-Lagen-Jacken

Jacken mit einer 2,5-Lagenkonstruktion sind quasi der Kompromiss zwischen zwei und drei Lagen. Auch bei dieser Konstruktion wird ein Oberstoff mit einer Membran fest verbunden. Das eingenähte Innenfutter entfällt allerdings. Stattdessen wird eine hauchdünne Schutzschicht direkt auf das Laminat aufgetragen. Hierdurch wird gegenüber zwei- und dreilagigen Jacken sowohl am Gewicht, als auch am Packmaß gespart. Jacken dieses Typs kommen daher nicht selten bei Trekkingtouren oder beim Radfahren zum Einsatz.

  • 3-Lagen-Jacken

Gerade bei extremen Wetterbedingungen und/oder Touren, überzeugen 3-Lagen-Jacken. Hierbei ist der Aufbau zunächst identisch mit dem einer 2-Lagen-Jacke, zusätzlich wird hier aber ein Futter als innerste Schicht direkt mitlaminiert. Hierdurch sind Jacken dieses Typs sehr robust und kommen vor allem bei langen Touren zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind hier beispielsweise Ski- oder Hochtouren.

Wasserdicht und atmungsaktiv?

Irgendwie klingt das doch logisch, wo nichts rein geht, da geht auch nichts raus. Einfach, oder? Naja, eben nicht. Denn wie bereits erwähnt, sind gute Hardshelljacken immer wetterfest und atmungsaktiv zugleich. Wie bzw. wie gut das aber funktioniert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Jacken mit einer PU-Beschichtung weniger atmungsaktiv sind als Jacken mit einer Membran.

Aber auch im Bereich der Membranen gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Funktionsweise und des Wirkungsgrads. So handelt es sich bei Gore-Tex-Membranen um Membranen mit einer mikroporösen Struktur. Diese Struktur ist eng genug um Wassertropfen nicht ins Innere durchzulassen, aber groß genug um dem deutlich kleineren Wasserdampf den Austritt aus der Jacke zu ermöglichen. Sypatexmembranen hingegen nutzen ein pysikalisch-chemisches Prinzip, das unter anderem mit dem Druck- und Temperaturunterschied von Umwelt und Jackeninneren arbeitet.

Egal, welche Technologie aber genau zum Einsatz kommt, eine Membran bzw. die Hardshelljacke ist nichts ohne eine gute Imprägnierung. Daher sollte diese von Zeit zu Zeit erneuert bzw. aufgefrischt werden. Auch bei der Imprägnierung gibt es unterschiedliche Technologien, die aber letztlich alle genau dasselbe bewirken, nämlich Wasser und Schmutz zuverlässig von der Membran fernzuhalten.

Dies ist wichtig, weil sich sonst die Struktur der Membran vollsaugen könnte und so regelrecht verstopfen würde. Neben starkem Regen könnten so auch Schlamm oder schlichtweg Sonnencreme und körpereigenes Fett die Membran verstopfen. Hierdurch wären dann die Wasserdichtigkeit und vor allem die Atmungsaktivität der Jacke stark beeinträchtigt.

Eine gute Imprägnierung ist also für die Funktionsweise einer Hardshelljacke unerlässlich. Wer mehr zu diesem spannenden Thema erfahren möchte, kann sich gerne den Blogbeitrag von Jan zum Thema DWR-Imprägnierungen durchlesen.

Typische Membranen kurz vorgestellt

  • Gore-Tex

Gore-Tex ist der Name einer ganzen Materialfamilie und schon seit langem fast das Synonym für wetterfeste und atmungsaktive Kleidung. Egal, wie das fertige Material auch aussieht oder heißen mag, Gore-Tex-Membranen basieren alle auf der gleichen Funktionsweise: einer speziellen Struktur. Hierzu wird ePTFE (expandiertes Polytetrafluorethylen) verwendet. Membranen aus ePTFE bilden eine besondere, mikroporöse Struktur. Diese ist so eng, dass die vergleichsweise großen Wassermoleküle nicht durch die Struktur gelangen können. Wasserdampfmoleküle sind aber wesentlich kleiner und können die Struktur problemlos passieren. Stellt euch das vereinfacht wie einen Jägerzaun vor.

Während eine Katze problemlos durch die Lücken des Zauns schlüpfen kann, habe ich als deutlich größerer Mensch das Nachsehen. Damit aber Wasserdampf durch die mikroporöse Membran entweichen kann, braucht es zusätzlich einen Temperaturunterschied von Jackeninneren und der Umgebungsluft. Je geringer dabei die Außentemperatur im Vergleich zu Innentemperatur ist, desto besser funktioniert auch der „Abtransport“ des Wasserdampfs. Ausführliche Infos gibt’s übrigens auch in unserem Blogbeitrag zu Gore-Tex.

  • Dermizax

Auch bei Dermizax handelt es sich um eine Materialfamilie, die in unterschiedlichen Ausführungen daherkommt. Dennoch auch hier gilt für alle Membranen die gleiche Funktionsweise: Für Dermizaxmembranen wird Polyurethan verwendet. Dieses Material ist hydrophil, also „wasserliebend“. Es verfügt dabei über kleine Moleküle, die sich regelrecht mit Wasser vollsaugen können.

Diese Moleküle können sich innerhalb der Membran bewegen und erhöhen mit steigender Temperatur ihre Bewegungsgeschwindigkeit. Wichtig ist dabei jedoch, dass auch hier ein Temperaturunterschied von Umgebungsluft und Jackeninnerem besteht. Je höher dieser ist, desto schneller und effektiver ist der Abtransport des Wasserdampfs durch die Moleküle der Membran. Dieser Effekt hat einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Da Dermizaxmembranen nicht mit Poren arbeiten, können sich diese auch nicht zusetzen. Das Verstopfen durch Schmutz und Wasser ist so kein limitierender Faktor. Auch zu Dermizax gibt es einen ausführlichen Beitrag im Basislager, schaut doch einfach mal rein.

  • Sympatex

In der Familie der Sympatexmaterialien gibt es ebenfalls unterschiedliche Ausführungen, die aber wiederum alle auf dem gleichen Prinzip basieren. Hierzu wird ein physikalisch-chemisches Prinzip genutzt. Das klingt zunächst einmal viel komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Die Membran besteht hierzu aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Hydrophobem Polyester, das kein Wasser durchlässt und hydrophiles Polyether, das den gezielten Transport von Wasserdampf ermöglicht.

Auch in diesem Fall braucht es ein Druckgefälle von innen nach außen. Ist dieses durch einen deutlichen Temperaturunterschied gegeben, werden die Wasserdampfmoleküle, die durch das Schwitzen entstehen, entlang der hydrophilen Molekülketten nach außen abgegeben. Weiterführende Infos zu Sympatex bietet Wiebke in ihrem Artikel „Sympatex: Der umweltfreundliche Wind- und Wasserschutz!“

Softshell – damit es angenehm warm bleibt

Okay, was Hardshell ist haben wir nun geklärt, da müssen wir nicht auch noch Softshell erklären, denn das ist ja einfach genau das Gegenteil. Stimmt? Naja, in einer Welt, in der eine Katze genau das Gegenteil von einem Hund ist oder das Reh die Frau vom Hirsch, ist diese Aussage sicherlich richtig. Ich würde aber dennoch vorschlagen, dass wir uns auch das Thema Softshell einmal näher ansehen.

Steckbrief

  • Einsatzgebiet: Wärmende Kleidungsschicht beispielsweise beim Berg- und Wintersport, bei gutem Wetter auch äußere Kleidungsschicht.
  • Einsatzzweck: Kälteschutz, bedingter Schutz vor Regen, Wind und Schnee
  • Eigenschaften: Wärmend, sehr atmungsaktiv, wasser- und windabweisend, manchmal auch wasserdicht
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Windstopper, Schoeller, Polartec
  • Vorteile: guter Schutz vor Kälte, atmungsaktiv
  • Nachteile: nur bedingt wetterfest

Hochgradig atmungsaktiv und wärmend, nicht so wetterfest?

Die Hauptaufgabe von Softshelljacken ist es vor Kälte zu schützen. Auch schneidender Wind wird hier je nach Ausführung zuverlässig abgehalten. Entgegen der Hardshelljacke sind Softshelljacken oft aber nur bedingt wetterfest. Heißt: Leichter, kurzer Regen ist für die meisten Softshells kein Problem. Wer also bei schlechtem Wetter nur mal schnell zur Bushaltestelle muss oder zum Bäcker um die Ecke, wird hier sicherlich nicht klatschnass werden. Gerade aber bei starken Schauern oder auch bei längerer Zeit im Regen lassen viele Softshells in der Regel deutlich nach. Klassische Softshelljacken sind nämlich nicht wasserdicht, sondern nur wasserabweisend. 

Welche Eigenschaften eine Jacke bzw. deren Stoff jeweils mitbringt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So gibt es beispielsweise Softshelljacken mit Membran und ohne. Die Membranen sorgen unter anderem dafür, dass Wind zuverlässig abgehalten wird, je nach Beschaffenheit auch Regen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Softshells ohne Membran automatisch winddurchlässig sind. 

Auch mit der Atmungsaktivität ist das so eine Sache. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass Softshells im Vergleich zu Hardshells deutlich atmungsaktiver sind, also Schweiß schneller nach außen abgeben können. Gerade aber bei extrem wetterfesten Jacken, die sich im Grenzbereich von Hard- und Softshell bewegen, nimmt leider auch die Atmungsaktivität deutlich ab. Ihr seht also, die Lage ist ein wenig verwirrend. Wie gut nur, dass wir dieses Thema hier im Basislager bereits ausführlich behandelt haben. Wenn ihr also mehr erfahren wollt, dann schaut euch doch einfach mal den Beitrag mit dem Titel „Membranen: Atmungsaktiv, wasserdicht oder winddicht?“ an. 

Ein Bereich in dem Softshelljacken aber gegenüber Hardshelljacken auf jeden Fall punkten können ist der Schutz vor Kälte. Auch hier kommt es wieder darauf an, wie das Material beschaffen ist. Nicht selten verfügen aber Softshells an der Innenseite über eine angeraute und wärmende Schicht. Oft kommen hier beispielsweise Fleece- oder Veloursstoffe zum Einsatz, die gezielt dafür sorgen, dass die Wärme am Körper gehalten wird. Außerdem fühlen sich diese Materialien auf der Haut sehr angenehm an. 

Halten wir also als ersten Hauptunterschied von Soft- und Hardshell (ganz allgemein gesprochen) fest: Hardshell wetterfest, nur bedingt wärmend. Softshell wärmend, nur bedingt wetterfest.

Weich, hart, Komfort?

Wenn Hardshell hart ist, dann ist Softshell weich? Stimmt. Oder zumindest so ziemlich. Bei Softshellmaterialien handelt es sich tatsächlich um weichere und flexiblere Materialien als bei Hardshells. 

Schaut man sich einmal Hardshelljacken genauer an, fällt sofort eines auf: das vergleichsweise feste und unflexible Material. Dieses kann je nach Schnitt der Jacke unter Umständen zulasten der Bewegungsfreiheit gehen. Außerdem empfinden manche Menschen das typische Knistern einer Hardshelljacke als störend. 

Das gestaltet sich bei Softshelljacken zum Glück ein wenig anders. Denn durch das weichere und flexiblere Material fällt zum Beispiel das Knistern oder Rascheln komplett weg. Außerdem können sich Softshelljacken bis zu einem gewissen Maß dehnen, hierdurch sind auch körpernahe Schnitte möglich, ohne dabei die Bewegungsfreiheit merklich einzuschränken. Dies ist vor allem bei schnellen Sportarten wie Radfahren oder Laufen von Vorteil. 

Durch die angeraute Innenseite sind viele Softshells auch angenehm wenn sie direkt auf der Haut getragen werden. Während sich Hardshells meist kalt anfühlen, sind die meisten Softshells so warm wie eine Fleecejacke oder ein Pullover.

Wir notieren also einen zweiten Hauptunterschied: Softshell bietet in der Regel einen höheren Tragekomfort als Hardshell.

Einsatzgebiete und Alltagstauglichkeit

Schauen wir uns die Lager Hardshell- und Softshell einmal unter dem Gesichtspunkt der Alltagstauglichkeit an, dann liegt die Softshelljacke klar vorne. Denn sie deckt bei eher gemäßigten Bedingungen ein sehr breites Spektrum ab. Wer also beispielsweise eine Alltagsjacke für die kalte Jahreszeit sucht, ist mit einer entsprechenden Softshelljacke sicherlich gut bedient. Hat dann eine Hardshelljacke überhaupt eine Daseinsberechtigung oder handelt es sich dabei eher um einen Dinosaurier aus der längst vergangenen Outdoorzeit? Wohl eher nicht. Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar typische Einsatzgebiete an.

  • Alltag, Freizeit, Reise

Wie bereits erwähnt, liegen Softshelljacken im Alltag klar vorne. Sie sorgen an kälteren Tagen für ein angenehmes Maß an zusätzlicher Wärme. Außerdem halten sie je nach Material auch Regen ab und sind somit völlig ausreichend für alle Widrigkeiten des Wetters, die in der Stadt und auf dem Land warten. Wer allerdings jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Hund raus geht, kann sicherlich auch eine gute Hardshelljacke gebrauchen.

  • Wanderungen, Trekking- und Radtouren

Hier kommt es stark darauf an, in welcher Jahreszeit und mit welcher Wetterprognose die jeweilige Tour stattfindet. Handelt es sich dabei beispielsweise um eine Wanderung bei stabil gutem Herbstwetter, ist die Softshelljacke aufgrund des Tragekomforts und der wärmenden Eigenschaften sicherlich im Vorteil. Kann es aber beispielsweise bei der sommerlichen Tour im Tagesverlauf zum Gewitterschauer kommen oder ist generell schlechtes Wetter angesagt, liegen Hardshelljacken mit ihrem umfangreichen Wetterschutz wieder vorne.

  • Ski- und Hochtouren, Wintersport

Je höher es in den Bergen hinaus geht, und je winterlicher die Bedingungen werden, desto höher sind auch die Anforderungen. Deshalb sieht man beispielsweise bei Ski- und Hochtouren (und nicht nur dort) oft die Kombination von Hard- und Softshelljacke. Ist ja auch logisch: Wer bei einer Skitour gerade aufsteigt, hat (gutes Wetter vorausgesetzt) wenig Kontakt mit den Elementen. Außerdem reagiert der Körper auf die Anstrengung mit der Produktion von Wärme und Schweiß, gleichzeitig ist es aber Winter und somit kalt. Hier ist wieder einmal die Softshelljacke aufgrund ihrer guten Atmungsaktivität und dem Tragekomfort vorne. Ist der Tourengänger am Gipfel angekommen, bekommt er es nicht selten mit starkem Wind zu tun. Darüber hinaus droht bei der anschließenden Abfahrt der vermehrte Kontakt mit Schnee (sei es durch Tiefschnee, einen Sturz oder beides), was wiederum für die Hardshelljacke spricht. Da es aber noch immer Winter ist, würde der Tourengänger nur mit einer Hardshelljacke bekleidet, erbärmlich frieren. Die Lösung: Zwiebelprinzip, also beide Jacken über einander tragen und so das Beste aus beiden Welten mitnehmen.

Also…

Ihr seht also, eine exakte Trennung von Hard- und Softshell ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Sowohl bei den Materialeigenschaften, als auch bei den Anwendungsgebieten sind die Grenzen zwischen beiden Jackentypen fließend. Außerdem kann unter gewissen Bedingungen auch die Kombination beider Jacken sinnvoll sein.

Eine Frage bleibt aber noch: Wie sieht es denn generell mit der Ausstattung der Jacken aus, also Kapuze, Taschen, Belüftungsreißverschlüsse und und und? Tja, diese Frage lässt sich so einfach wie ungenau beantworten: Hier gibt es auf beiden Seiten nahezu nichts, was es nicht gibt. Von extrem minimalistisch bis hin zu allumfassend ausgestattet gibt es hier alle mögliche und unmöglichen Varianten.

Rezept: Cashewkern-Kekse

14. Dezember 2020
Meal-Tipp

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit. Das ist quasi Gesetz. Und weil auch wir Bergfreunde nicht über dem Gesetz stehen, backen wir auch fleißig Plätzchen. Eine Sorte, die nicht nur perfekt mit einer heißen Tasse Tee auf der Couch harmoniert, sondern sich auch unterwegs auf Tour prima genießen lässt, sind die Cashewkern-Kekse von Bergfreundin Sabrina. Und so werden sie gemacht:

Zutaten für die Cashewkern-Kekse

  • 150 g Weizenmehl
  • 150 g brauner Zucker (Rohrzucker)
  • 2 Eier
  • 150 g Butter
  • 250 g ungesalzene, fein gehackte Cashewkerne

Zubereitungszeit: 30 Minuten (ohne Kühlzeit)

Backzeit: ca. 12 Minuten

Küchenutensilien:

  • Handrührgerät mit Knethaken
  • Frischhaltefolie
  • Backpapier
  • Messer
  • Backblech

Für die Teigzubereitung geben wir das Mehl, den Zucker und die Eier in eine Rührschüssel. Mit dem Handrühgerät mit Knethaken vermischen wir die Zutaten. Danach legen wir den Teig auf eine bemehlte Arbeitsfläche und verkneten ihn mit den Cashewkernen. Bei Bedarf noch Mehl hinzufügen.

Den Teig formen wir dann zu Rollen, die ca. einen Durchmesser von 2,5 cm haben. In Frischhaltefolie eingewickelt, stellen wir die Teigrollen ein paar Stunden im Kühlschrank kalt.

Die gekühlten Teigrollen sollten sich nach der Kühlzeit leicht in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden lassen. Die Teigscheiben legen wir dann auf ein (mit Backpapier belegtes) Backblech und schieben das Blech in den vorgeheizten Backofen (Heißluft: ca. 160 °C). #

Nach ca. 12 Minuten nehmen wir die fertigen Kekse aus dem Backofen und lassen sie abkühlen.

Fertig!

Rezept: Nussecken à la Bergfreunde

8. Dezember 2020
Die Bergfreunde

Nussecken!!! Wer liebt sie nicht? Also ich kenne zumindest keinen Bergfreund, der hier ‚Nein‘ sagen würde. Gut, vielleicht sind wir auch nur von den fantastischen Nussecken von Kollege Robert verwöhnt – kann sein! Sind aber auch verdammt gut, die Dinger. Und damit du auch in den Genuss jener wunderbaren Leckerei kommen kannst, haben wir unserem Gearhead/Bergführer/Bäcker mal eben das Rezept aus den Rippen geleiert!

Zutaten für die Bergfreunde Nussecken:

Für den Teig

  • 300 g Dinkelmehl 1050
  • 200 g Butter
  • 100 g Zucker
  • 1 Ei
  • Vanillearoma
  • Prise Salz

Für den Belag

  • 400 g Haselnüsse (gemahlen)
  • 100 g Mandeln (gemahlen)
  • 300 g Zucker
  • 100 g Wasser
  • 2 Eier
  • 1 TL Zimt,
  • 100g Marzipanrohmasse
  • 100 g Honig

Zum Eintauchen 400 gr. Zartbitter-Kuvertüre.

Zum Bestreichen des Bodens: Aprikosenmarmelade.

Die Zubereitung

Schritt 1: Mürbteig herstellen 

Wichtig bei der Herstellung der Nussecken ist, den Boden vorzubacken und dann auskühlen zu lassen. Danach wird er mit Aprikosenmarmelade bestreichen.

Für den Mürbteig die kalte Butter in grobe Stücke zerteilen und zum Zucker geben. Beides gut verkneten und danach das Ei hinzufügen. Nun noch Mehl, Salz und Vanillearoma zur Masse geben und alles so lange bearbeiten, bis ein glatter Teig entsteht. Diesen formen wir zu einer Kugel und legen diese mindestens eine Stunde in den Kühlschrank. Vor dem Weiterverarbeiten nochmal kurz kneten, damit der Teig wieder geschmeidig wird. Auf einem Backblech auslegen und bei ca. 180 Grad für 10 Minuten backen. Auskühlen lassen und mit Aprikosenmarmelade bestreichen.

Schritt 2: Nussmasse herstellen

Die Marzipanrohmasse mit Wasser weichkneten und mit den Nüssen, dem Zucker, Wasser, den Eiern und Zimt zu einer zähflüssigen Masse verrühren. Zirka eine Stunde lang stehen lassen.

Schritt 3: Die Nussmasse verteilen.

Nun wird die Nussmasse gleichmäßig auf dem Mürbteig verteilt und mit einer Winkelpalette glattgestrichen. Wer sowas nicht hat, kann natürlich auch ein Messer nehmen. Bei 180 Grad im Ofen auf der zweituntersten Schiebeleiste nochmal 50 min backen. Auskühlen lassen und die Nussecken zurechtschneiden.

Letzter Schritt: Kuvertüre!

Die Kuvertüre im Wasserbad auflösen und Nussecken eintauchen. Wie viel Kuvertüre, das ist euch überlassen! ;)  Danach auf Backpapier auslegen, bis die Kuvertüre ausgehärtet ist. Nussecken können gekühlt mehrere Wochen aufbewahrt werden.

Viel Spaß beim Nachbacken und guten Hunger!

Rezept: Apfelbrot mit Apfel-Ingwer Marmelade

2. Dezember 2020
Die Bergfreunde

Sich auch mal was Gönnen. Das muss sein – von Zeit zu Zeit. Und wie könnte man das besser, als mit einem leckeren Backwerk aus dem heimischen Ofen. Das himmlisch weihnachtliche Apfelbrot von Bergfreundin Lisa ist da genau das Richtige. Dazu gibts Apfel-Ingwer-Marmelade. Auch selbstgemacht, natürlich. Und das beste ist: Das schmeckt nicht nur daheim vorm Kamin, sondern auch auf Tour, denn man kann es prima im Rucksack transportieren.

So wirds gemacht:

Zutaten für 1 Brot:

  • 750g Äpfel (z.B. Boskop)
  • 120g Zucker
  • 2TL Zitronensaft
  • 3EL brauner Zucker
  • 140g Rosinen
  • 100g ganze Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse)
  • 2TL Zimtpulver
  • 400g Mehl
  • 1 Päckchen Backpulver
  • Zubereitungszeit: ca. 25 min
  • Backzeit: ca. 70 min.
  • Ruhezeit: ca. 4 Stunden
  • Utensilien: Kastenform (Länge 26cm)

Zutaten Apfel-Ingwer Marmelade

  • 1kg Äpfel
  • 1 Stück Ingwer (ca.5cm lang und Daumendick)
  • 500g Gelierzucker (2:1)
  • Zubereitungszeit: ca. 35 min.
  • Ruhezeit: über Nacht
  • Utensilien: 4-6 Einmachgläser, je nach Größe

Zubereitung Apfelbrot

Wir raspeln die Äpfel in eine große Schüssel und geben Zucker und Zitronensaft hinzu. Das Ganze vermengen wir gut und lassen es ca. 4 Stunden ruhen. Das Anstrengendste ist geschafft und wir haben uns eine kurze Auszeit verdient. Also am besten gleich ab ins Grüne! Wieder zurück, geben wir zur Apfelmischung den braunen Zucker, die Rosinen, die Nüsse und den Zimt hinzu und verrühren alle Zutaten. In einer separaten Schüssel mischen wir Mehl und Backpulver und sieben das Gemisch über die Apfelmasse. Anschließend alles zu einem geschmeidigen Teig verrühren. Zu guter Letzt heizen wir den Backofen auf 175°C vor, fetten die Kastenform ein und füllen den Teig hinein. Das Brot backen wir auf mittlerer Schiene ca. 70 min. FERTIG :)

Zubereitung Apfel-Ingwer Marmelade

Wir schälen und raspeln die Äpfel. Das Stück Ingwer schälen wir ebenfalls und schneiden es in kleine Würfel. Anschließend geben wir alles mit dem Gelierzucker in einen Topf und lassen die Apfel-Ingwer Masse über Nacht ziehen. Am nächsten Tag bereiten wir die Marmelade gemäß der Anleitung auf der Gelierzuckerpackung zu. Jetzt nur noch die Masse gleichmäßig in die Einmachgläser füllen. Geschafft!

Eine genussvolle Vesperzeit auf eurer nächsten Tour wünschen die Bergfreunde!

Komm Baby, kleb mir eine! – die Geschichte des Kinesiotapes

9. November 2020
Tipps und Tricks

Egal ob Schwimmbad, Biergarten, Fitnessstudio, Kletterhalle oder Sportveranstaltung, immer wieder sieht man Personen, die mit auffällig farbigem Tape beklebt sind. Klar, das hat irgendwas mit Gesundheit, Regeneration und Vorbeugung zu tun, oder so. Oder ist das doch nur eine neumodische Kriegsbemalung für den geneigten Hobbysportler? Bin ich vielleicht voll auf dem Holzweg, weil ich bislang mit Kinesio- oder Physiotape noch nie was zu tun gehabt habe? Und wo liegen die Unterschiede zum klassischen Tapen, das man beispielsweise vom Klettern her kennt? Aus diesem Grund stellen wir uns heute mal ganz dumm und fragen:

Kinesiotape, was ist das eigentlich?

Zunächst einmal das ganz Offensichtliche: Bei Kinesiotape handelt es sich um spezielle Pflasterstreifen die direkt auf die Haut aufgeklebt werden. Diese bestehen in der Regel aus Baumwolle oder Viskose mit einem Elasthananteil und sind hochelastisch. Hierdurch können sie sich den Bewegungen des jeweiligen Körperteils anpassen und wie eine zweite Haut dehnen und zusammenziehen. Hierbei kommt es zu unterschiedlichen Effekten auf die Haut, Muskeln und Sehnen, die unter anderem schmerzlindernd und stoffwechselanregend wirken. Aber dazu später mehr.

Die Anwendung von Kinesiotape zur Behandlung unterschiedlicher Beschwerden ist dabei keine ganz neue Idee. Bereits in den 1970 Jahren wurde die Methode, schmerzende Gelenke und Muskeln mit elastischen Verbänden zu behandeln, von einem japanischen Chiropraktiker entwickelt. Auch die zugehörigen Bänder kamen ab 1973 in Japan auf den Markt und werden seither zur Behandlung unterschiedlicher Leiden eingesetzt. Heute kommen elastische Tapes auch bei uns im vor allem im Bereich der Physiotherapie immer wieder zum Einsatz um ergänzend zu anderen Behandlungsmethoden therapeutische Erfolge zu erzielen.

Eine klare Abgrenzung muss man jedoch zum konventionellen Tapen ziehen. Aus medizinischer Sicht dient dieses eher dazu einzelne Körperteile ruhigzustellen. Bei Sportarten wie beispielsweise Klettern oder Turnen kommen außerdem immer wieder vergleichsweise starre Tapes zum Schutz der Hände und Finger zum Einsatz. Diese sind aber aufgrund der fehlenden Elastizität nicht für den oben beschriebenen Zweck geeignet.

Kinesiotape, was macht das so?

Für Kinesiotape gibt es zahlreiche Anwendungsgebiete. Generell kann es am gesamten Bewegungsapparat eingesetzt werden und hilft dabei Beschwerden und Schmerzen zu lindern. Im Bereich der Physiotherapie kommt es daher vor allem bei Verletzungen und Entzündungen von Bändern, Gelenken oder Muskeln zum Einsatz. Das Tape wird dabei zur Entlastung und / oder Stabilisierung der jeweiligen Körperteile eingesetzt.

Das Tapen wird dabei nicht selten begleitend zu einer anderen Therapie vorgenommen. Bei Gelenk-, Muskel- und Bandverletzungen wirken Tapeverbände vor allem stützend und schonend und helfen die Heilung zu beschleunigen. Auch Schmerzen, die durch Überlastung entstanden sind, können durch das gezielte Tapen gelindert werden. Darüber hinaus können Tapeverbände auch dabei helfen Instabilitäten nach einer Verletzung am Gelenk oder den Bändern auszugleichen. 

Vorteil: Durch das elastische Band wird der betroffene Körperteil nicht komplett ruhiggestellt, hierdurch ist leichtes Bewegen problemlos möglich und die betroffenen Muskeln bilden sich auch bei längerer Behandlung nicht übermäßig stark zurück. Darüber hinaus kann das Tape dabei helfen ungewollte Schonhaltungen zu vermeiden.

Außerdem soll das Tape eine Wirkung auf die Haut und das Gewebe haben. Dadurch, dass das Band direkt auf die Haut geklebt wird, verschiebt sich diese bei jeder Bewegung leicht gegenüber dem darunterliegenden Gewebe. Hierdurch sollen unterschiedliche Rezeptoren aktiviert werden, diese wiederum tragen dazu bei, dass die Muskelspannung reguliert oder der Blutfluss verbessert wird. Diese Theorie wurde bislang jedoch noch nicht durch experimentelle und mit ausreichend aussagekräftige Studien belegt und basiert daher überwiegend auf Erfahrungswerten. 

Kinesiotape, kann ich das auch selbst?

Ja, nein, vielleicht. Um einen der oben beschriebenen Effekte zu erreichen, muss man sich gut mit dem Körper und dessen Bestandteilen auskennen. Denn durch das Tapen wird Einfluss auf die Haut, Muskeln, Sehnen und Bänder genommen. Nur wer verstanden hat, wie dieses Zusammenspiel funktioniert, kann auch gezielt darauf Einfluss nehmen. Oft ist es beispielsweise notwendig, dass das Tape nicht nur an der richtigen Stelle aufgebracht wird, sondern auch, dass der jeweilige Körperteil vor dem Bekleben in eine bestimmte Stellung gebracht wird. 

Außerdem muss man zunächst einmal wissen, woher die jeweiligen Beschwerden kommen. Ist man beispielsweise beim Wandern umgeknickt, ist die Ursache für die Schmerzen im Sprunggelenk ja noch vergleichsweise leicht auszumachen. Bei komplexeren Leiden wie Rückenschmerzen wird es da schon deutlich undurchsichtiger. 

Man kann sich natürlich gerade bei kleineren Beschwerden an den gewünschten Effekt heranexperimentieren, doch auch hierzu sollte man sich gut mit der menschlichen Anatomie auskennen. Bei größeren Verletzungen oder starken Schmerzen hilft aber definitiv nur der Gang zum Arzt. Nach einer entsprechenden Diagnose ist es außerdem sinnvoll das Tapen von einem Arzt oder Physiotherapeuten vornehmen zu lassen. Oft ist es danach aber auch möglich, das Tapen nach den Vorgaben und mit der Anleitung des behandelten Arztes oder Therapeuten selbst vorzunehmen. 

Kinesiotape, so wird geklebt

Wie bereits beschrieben, ist die Selbstbehandlung mit Kinesiotape nicht immer ganz einfach oder sinnvoll. Wer sich jedoch dazu entschließt, sollte ein paar Punkte beachten:

  • Schritt 1: Rasieren. Ob Arme, Beine oder Rücken, je nach persönlicher Veranlagung sprießen die Haare manchmal fast besser als auf dem Kopf. Wichtig ist jedoch, dass das Tape vollflächig auf die Haut aufgebracht wird, das ist mit einer entsprechenden Behaarung aber nicht möglich, also weg damit.
  • Schritt 2: Säubern. Damit das Tape optimal kleben kann, muss die Haut frei von Schweiß und Fett sein. Auch Rückstande von Hautcremes können sich negativ auf die Haftung des Pflasters auswirken. Daher empfiehlt es sich die jeweilige Stelle gründlich mit Seife zu waschen und anschließend gut zu trocknen.
  • Schritt 3: Zuschneiden. Kinesiotape gibt es zumeist auf der Rolle und muss daher in der richtigen Länge zugeschnitten werden. Darüber hinaus rundet man vor dem Aufkleben die Ecken des Bandes ab. Hierdurch wird vermieden, dass sich das Band bei vermehrtem Kontakt mit der Kleidung an den Ecken aufstellt und vorzeitig ablöst. Abgesehen davon gibt es aber auch bereits fertige Zuschnitte zu kaufen.
  • Schritt 4: Aufkleben. Wie bereits erwähnt, hängt das fachgerechte Aufbringen von Kinesiotape stark mit dem zu behandelnden Problem und dem jeweiligen Körperteil ab. Ganz grundsätzlich gilt aber: Das Band wird neutral aufgeklebt, also nicht bereits vorab gedehnt.

Kinesiotapes bleiben in der Regel einige Tage auf der Haut. Bei guten Tapes ist dabei das Sporttreiben sowie der Schwimmbad- und Saunabesuch kein Problem.

Vorsicht bei einer Pflasterallergie. Wer in der Vergangenheit Probleme mit Pflastern bzw. deren Kleber bei sich festgestellt hat, sollte auch bei Kinesiotapes vorsichtig sein. Hier ist es auf jeden Fall sinnvoll Rücksprache mit dem Hausarzt zu halten. Auch ohne bereits bekannte Pflasterallergie kann es möglicherweise zu Hautirritationen kommen. In diesem Fall sollte das Tape unverzüglich entfernt werden. Tritt danach kurzfristig keine sichtbare Besserung ein, empfiehlt sich auch hier der Gang zum Arzt.

Kinesiotape, was es sonst noch zu wissen gibt

Während meiner Recherche zu diesem Thema haben sich mir ein paar Fragen gestellt, die ich hier einmal kurz mit euch teilen möchte.

Haben die Farben bei den Tapes irgendeine Aussagekraft oder besondere Wirkung?

Kurz: Nicht direkt. Bei Kinesiotape handelt es sich vereinfacht gesagt um elastische Pflasterstreifen. Diese enthalten keinerlei Wirkstoff. Es gibt jedoch die Ansicht, dass sich die einzelnen Farben entsprechend der Chinesischen Farbenlehre auf den Körper auswirken. Rot wird also theoretisch eine andere Bedeutung als beispielsweise Grün zugeschrieben. Interessanterweise unterscheiden sich aber hierbei die Ansichten, welche Farbe was bewirken soll teilweise erheblich. Auch gibt es für diese Theorie keine belegenden wissenschaftlichen Studien. Daher ist es deutlich sinnvoller, eine Farbe zu wählen, mit der man sich persönlich auch wohlfühlt. Pink mag da beispielsweise nicht Jedermanns Geschmack treffen.

Werde ich durch Kinesiotape zum besseren Sportler?

Auch das trifft leider nicht zu. Wer keinerlei Beschwerden hat und ganz normal seinem Training nachgeht, der braucht auch kein Kinesiotape. Klar könnte man es als eine Art moderne Kriegsbemalung einsetzen, man kann aber deshalb weder schneller rennen, noch weiter springen oder besser klettern.

Ist Kinesiotape das neue Wundermittel, das alle unsere Probleme löst?

Auch mit dieser Annahme sollte man eher vorsichtig sein. Wie bereits erwähnt, kann das Tapen bestimmter Körperteile eine begleitende therapeutische Maßnahme sein und hier durchaus gute Effekte erzielen. Gerade bei schwereren Verletzungen sollte aber auf jeden Fall Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden. Auch bei „alten“ Verletzungen, die immer mal wieder Probleme machen, kann durch gezieltes Tapen eine Verbesserung herbeigeführt werden. Wer allerdings davon ausgeht, dass durch das Aufkleben von Kinesiotape wahre Wunder vollbracht werden können, der wird sicherlich enttäuscht werden.

Back‘ dir einen Bergfreunde-Apfelstrudel

22. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Man kann Glück nicht kaufen, aber man kann es backen! :) Und zwar in Form eines leckeren Bergfreunde-Apfelstrudels. Der hat uns schon den einen oder anderen Arbeitstag mächtig versüßt und weil wir euch dieses leckere Backwerk nicht vorenthalten wollen, habe ich Kollege Robert aus unserem Bergfreunde-Gearhead-Team das Rezept entlockt. Viel Spaß beim Nachbacken!

Zutaten für einen Strudel

Teig

  • 300 Gramm Mehl
  • 160 ml Wasser
  • 2 EL Öl

Füllung

  • 2 kg Äpfel (Kochäpfel, z.B. Braeburn und Granny Smith)
  • 100 g Nüsse (Mandel oder Haselnüsse, gehobelt)
  • Zimt und Zucker nach belieben

Sonstiges

  • Butter zum Bestreichen
  • Optional: 1 Ei

Und so geht unser Apfelstrudel

Als erstes bereiten wir den Teig zu. Mehl, Öl und Wasser in eine Schüssel geben und so lange kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dieser sollte etwas fester und nicht zu weich sein. Danach ist 30 Minuten Teigruhe angesagt.

In der Zwischenzeit kümmern wir uns um die Füllung. Die Äpfel werden gehobelt und anschließend mit den Nüssen, Zimt und Zucker vermischt. Bei sauren Äpfeln kann gerne etwas mehr Zucker hinzugegeben werden und wer möchte, rundet das Ganze mit einem kleinen Schuß Schnapps ab. Beiseite stellen und ziehen lassen.

Jetzt ist der Teig wieder dran: Zuerst legen wir Backpapier aus, das erleichtert das Rollen. Darauf geben wir den Teigklumpen, den wir nun ganz vorsichtig ausrollen. Er sollte hauchdünn sein. Nutzt besser das Nudelholz, mit den Händen ist die Gefahr von Löchern größer. Bestreicht den Teig zum Schluss noch mit flüssiger Butter.

Nun belegen wir den Teig mit der Füllung. Diese wird gleichmäßig auf der Teigfläche verteilt. Sollte die Masse viel Flüssigkeit lassen, gebt nach dem Ausbreiten eine kleine Hand voll Semmelbrösel draüber.

Lasst ein paar Zentimeter Platz zum Rand, damit ihr den Strudel gut einrollen könnt. Klappt nun die Ränder ein, so dass sie die Füllung etwas überdecken und rollt das Kunstwerk mit Hilfe des Backpapiers zu einem Strudel.

Auf einem Backblech kommt das gute Stück jetzt bei 200 Grad Ober/Unterhitze für ca. 45 min in den Ofen. Nach 30 Minuten könnt ihr den Apfelstrudel noch mit Ei bestreichen, das gibt eine schöne braune Farbe.

Für das i-Tüpfelchen – oder besser: Das Bergfreunde-Tüpfelchen – schnappt ihr euch einen Karton und schneidet ihn in der Form unseres Logos aus. Das legt ihr auf den Strudel und bestreut die Oberfläche dann mit Puderzucker. Voila: Der Bergfreunde-Apfelstrudel ist fertig.

Dazu passt ein Kleks Sahne, eine Kugel Vanilleeis oder Vanille-Soße! :) Wir wünschen guten Apetitt!

Naturlager und Biwakplatz: was ist das und wo gibt’s das?

23. September 2020
Tipps und Tricks

Eine Nacht im Freien ist ein unmittelbares und elementares Erlebnis. Solche Einfachheit ist heute so weit weg von der normalen Erlebniswelt, dass die Freinacht in der Natur wie ein Ausflug in eine Parallelwelt wirken kann. Ein inspirierender und bereichernder Ausflug wohlgemerkt. Nicht umsonst sind viele Draußenschläfer regelrecht begeistert und wollen das Erlebnis regelmäßig wiederholen. Grund genug, hier ein paar Facetten des Themas näher auszuleuchten. Denn davon gibt es überraschend viele, obwohl die Sache an sich ja kaum einfacher sein könnte.

Ein Grund für die erstaunliche Komplexität des Themas „Draußen Übernachten“ ist die beachtliche Besiedlungs- und Gesetzesdichte unserer Breiten. Auch die bunte deutsche Begriffsvielfalt, in der vieles synonym und durcheinander benutzt werden kann, trägt ihr Scherflein dazu bei. Klären wir also zuerst die Begriffe.

Was ist was?

Das Biwak stammt vom alten deutschen Begriff Beiwache ab. Es bezeichnet laut Wikipediaein Lager im Freien, aber auch in Zelten oder Hütten, vor allem für Soldaten oder Bergsteiger.

Ursprünglich gab es in befestigten Städten und Festungen neben der innerhalb der Mauern befindlichen Hauptwache eine auf dem freien Feld außerhalb stationierte Beiwache. Die Beiwache musste mangels Gebäuden in Zelten kampieren.

Heute tun Alpinisten, Trekker, Weitwanderer und Bergfreunde aller Art das freiwillig. Unter dem Biwak im engeren Sinne wird nur die (geplante oder ungeplante) Übernachtung im Freien, ohne Schutz durch ein Zelt oder eine Hütte verstanden. Allerdings gibt es in den Alpen auch viele „Biwakschachteln“, in denen überdacht und geschützt übernachtet werden kann. Ob das dann „biwakieren“ oder „übernachten in unbewirtschafteter Minihütte“ ist? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht …

Das genaue festnageln des Begriffs ist aber auch nicht so wahnsinnig wichtig, weil er außerhalb der „Alpinistenszene“ ohnehin kaum verwendet wird. Alpinisten meinen mit dem „Biwak“ in der Regel nur die Stelle im Gelände oder in der Wand, an der übernachtet wird.

Eine Freifläche ohne jede Infrastruktur kann man aber wiederum auch als Zeltplatz bezeichnen, sofern sie genügend Fläche hat. Normalerweise ist mit „Zeltplatz“ ein fester Ort mit mehreren Zelten assoziiert. Ob groß oder klein, mit oder ohne Infrastruktur – man kann die Örtlichkeit als Zeltplatz, Lagerplatz oder Übernachtungsstelle bezeichnen. Das „Zelt“ und das „zelten“ kann man auch durch „Camp“ und „campen“ ersetzen – diese Begriffe werden normalerweise synonym verwendet.

Ein weiterer dieser „Grauzonenbegriffe“ ist das Naturlager. Auch damit kann eine Draußen-Übernachtung sowohl mit Zelt als auch ohne Zelt gemeint sein. Allerdings hat dieser Begriff auch eine „offizielle“, festgelegte Bedeutung, denn er wird für einige ausgewiesene Übernachtungsplätze verwendet, die über eine minimale Infrastruktur verfügen.

Unterschied: „legales Wildcampen“ vs. Wildcampen

Wie man das Draußen-Übernachten „richtig“ bezeichnet, hängt also davon ab, ob man ein Zelt verwendet oder nicht, und ob Infrastruktur vorhanden ist oder nicht. Noch ein bißchen komplizierter wird die Sache, wenn man sie nach ihrem gesetzlichen Status differenziert. Denn dafür spielt es eine Rolle, ob man beispielsweise gerade nur „lagert“ oder zeltet. Das Zelten ist in Deutschland im Wald und in der freien Landschaft untersagt, nicht jedoch das „Lagern“ über Nacht. Jedenfalls nicht unbedingt, denn das hängt wiederum von weiteren Faktoren wie dem jeweiligen Bundesland und – falls es zu einer entsprechenden Begegnung kommt – dem Ermessen des zuständigen Försters ab. Mehr zur nicht ganz unkomplizierten Lage in Deutschland hat Bergfreundin Anni hier im Basislager zusammengetragen.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Ausflügen nach Österreich, insbesondere Tirol. Dort ist die Regelung je nach Bundesland äußerst restriktiv. Sogar ein reines Freibiwak oberhalb der Baumgrenze, also im „alpinen Ödland“, kann zu hohen Bußgeldern führen. Deutlich freizügiger geht es in der Schweiz zu, wo oberhalb der Baumgrenze das Biwakieren normalerweise gestattet ist.

Wo kann man „legal wildcampen“?

In Deutschland gibt es ausgewiesene Plätze, auf denen Wildcamping mit und ohne Zelt explizit erlaubt ist. Noch ist deren Zahl recht überschaubar, doch nach und nach kommen weitere hinzu. Diese „Wildcampingplätze“ werden auch Trekkingplätze, Biwakplätze oder, wie eben schon erwähnt, Naturlager genannt. Also wieder eine bunte Begriffsvielfalt. Sie werden jedenfalls von Tourismusverbänden oder ähnlichen Institutionen unterhalten und sind meist reservierungspflichtig, um Überlastungen der Natur zu vermeiden. Es gibt Ausnahmen, doch dort besteht das Risiko, dass bei Ankunft schon alles belegt ist. Meist wird auch ein Obolus von fünf bis zehn Euro pro Zelt fällig.

Die erlaubte Aufenthaltszeit liegt bei nur ein bis zwei Nächten. Die Minimalausstattung besteht aus einer einer ebenen Fläche zum Zelt aufstellen. Das sind in manchen Fällen Plattformen aus Holz, die den Waldboden schonen. Manchmal ist auch ein Plumpsklo dabei oder eine feste Feuerstelle. Es kann Sitzgelegenheiten geben oder ein Fass mit Brauchwasser. Fließend Wasser ist in der Regel ebensowenig vorhanden wie ein Mülleimer. Deshalb gelten hier die in der Natur üblichen Verhaltensregeln.

Die bloggenden Outdoorfreunde von ausgebuext.info haben eine ausführliche Liste mit Trekkinglätzen in Deutschland zusammengestellt. Dort steht auch, wo man vorab reservieren muss und ob Kosten anfallen. Sie weisen zudem auf Biwakplätze für Wasserwanderer hin, die teilweise auch für Wanderer zugänglich sind und sich vor allem in den ostdeutschen Seenlandschaften befinden. Auch der Blog Mehr-Berge hat eine schöne Übersicht zusammengestellt. Ich fasse im Folgenden einige Infos dieser beiden Seiten zusammen.

Deutsche Mittelgebirge

Bei der Suche nach legalen Wildcamp-Plätzen wird man im Nationalpark Sächsische Schweiz besonders oft fündig. Hier ist das Übernachten in etwa 60 gekennzeichneten Boofen (oft Höhleneingängen) gratis gestattet – allerdings nur ohne Zelt und auch wirklich nur dort. Nähere Infos gibt es unter www.nationalpark-saechsische-schweiz.de.

Im nordrhein westfälischen Naturpark Hohes Venn Eifel gibt es vier Naturlagerplätze, die allesamt mit einer Komposttoilette und einer Plattform für bis zu zwei Zelte ausgestattet sind. „Alle Standorte sind nur zu Fuß über Wanderwege erreichbar, man ist auf sich selbst gestellt, und auch die Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Die Kosten liegen bei 10€ je Zelt und Nacht.“ Nähere Infos und Reservierungsmöglichkeit gibt es unter www.trekking-eifel.de/de/.

Im Pfälzer Wald gibt es ebenfalls eingerichtete Naturlagerplätze, die von April bis Oktober genutzt werden können. Alle Plätze liegen etwas abseits der Ortschaften und der gängigen Wanderwege in Gebieten, die für den Natur- und Wasserschutz unbedenklich sind. Nähere Infos gibt es unter www.trekking-pfalz.de/de/trekking-plaetze/.

In Bayern liegt der Fokus der Naturlagerplätze auf den nördlichen Gefilden, insbesondere dem Spessart. Dieses größte zusammenhängende Gebiet aus Laubmischwäldern in Deutschland liegt an der Grenze zu Hessen. Zelten ist hier nur auf den dafür ausgewiesenen Trekking-Plätzen in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober für eine Nacht erlaubt. Nähere Infos und Buchungsmöglichkeit unter: www.trekking-bayern.de

Die (Vor)Alpen sind von dieser noch recht jungen Tourismusentwicklung gänzlich unberührt. Dafür gibt es hier reichlich Übernachtungsmöglichkeiten oberhalb der Baumgrenze, auf Lichtungen und gerodeten Flächen. Letztere sind jedoch meist zu einer Alm gehörende Weiden, ergo Privatbesitz und „illegal“. Auch dort, wo die Besitzverhältnisse nicht klar ersichtlich sind, kann es zu unerwünschten nächtlichen Begegnungen mit Bauern, Förstern oder Weidevieh kommen. Allerdings werden die Regeln im bayrischen Alpenland oft recht locker ausgelegt und bei gutem Wetter herrscht reger „Übernachtungsbetrieb“ an vielen schönen Stellen und vor allem Gipfeln.

Dennoch sei gesagt: Auch vorsätzliches Biwakieren kann im Zweifel als „geplantes“ Camping ausgelegt werden und strafbar sein. Das ungeplante Notbiwak ist davon selbstverständlich nicht betroffen.

Couchsurfing für draußen: zwei junge Internetprojekte

Die eben vorgestellten Naturlagerplätze sind ein gutes „Kompromissangebot“ insbesondere für Familien. Doch nicht jedem gefällt, dass dort überall ein Preisschild hängt und Begriffe wie „Buchung“ klingen für Puristen nicht gerade nach dem ersehnten Ausbruch aus dem durchregulierten Konsumalltag. Deshalb schauen wir zuletzt nochmal nach, ob es nicht auch legale Wildcamp-Möglichkeiten abseits von Infrastruktur, Regeln und Kosten gibt.

Und ja, es gibt sie, wenn auch noch versteckt und vereinzelt. Um sie zu finden, muss man „nur“ die großzügigen Grundeigentümer finden, die gern zeltenden Gästen etwas Platz überlassen. Erste engagierte Anläufe, Eigentümer und „Wildcamper“ zusammenzubringen, stecken gerade in den Kinderschuhen. Zwei Onlineplattformen sind es bislang, die sich der systematischen Erfassung und Zugänglichmachung von Übernachtungsplätzen verschrieben haben:

Jedermannsland.de – diese 2017 gegründete Plattform zeigt Naturlagerplätze nach Bundesländern geordnet auf einer eingebetteten Deutschlandkarte an. Anbieter können neue Plätze anlegen, Nachfrager können das bestehende Angebot durchforsten. Allerdings sind hier auch kommerzielle Angebote dabei. Man kann aber im Auswahlmenü festlegen, dass nur kostenlose Plätze angezeigt werden. Das Menü bietet weitere Möglichkeiten zur Verfeinerung der Suche.

Und:

1nitetent.com – diese 2018 gegründete Plattform „sammelt Plätze auf einer Landkarte. Hinter diesen stehen nette Menschen, die ihren Garten mit dir teilen.“ Besitzer eines schönen Fleckchens Erde können diesen eintragen und somit zugänglich machen. Also Couchsurfing, nur eben mit Zelt. Die auf dieser Plattform vermittelten Übernachtungen sind immer kostenlos.

Eigene Müsliriegel aus deiner Outdoorküche

16. September 2020
Die Bergfreunde

Beim Wandern, Klettern, auf Radtouren und bei fast allen anderen sportlichen Outdooraktivitäten sorgen Müsliriegel für den „Extra-Energieschub“ und beugen wirkungsvoll dem gefürchteten „Unterzucker“ vor. Außerdem sind sie handlich und in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Viele Hersteller setzen dabei im hohen Maß auf extra zugesetzten Zucker, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Fertig portioniert und in bunte Folien aus Kunststoff verpackt sind industriell gefertigte Müsliriegel einfach zu lagen und gut zu transportieren.

Vermutlich kommt dir bis zu diesem Punkt alles ziemlich bekannt vor. Vielleicht ist dir auch nicht neu, dass es zahlreiche Rezepte gibt, um dir deine eigenen Müsliriegel zu backen. Der größte Vorteil dabei ist, dass du die volle Übersicht über alle verwendeten Zutaten behältst. Du magst keinen künstlichen Zucker, verträgst keine Lactose oder reagierst allergisch auf Erdnüsse? Kein Problem. Viele Rezepte lassen sich individuell für dich, deine Wünsche, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten anpassen. Außerdem bestimmst du Gewicht und Form deiner Müsliriegel und benötigst weder künstliche „Haltbarmacher“ noch unnötigen Verpackungsmüll.

Was du allerdings bei vielen Rezepten für Müsliriegel benötigst, ist ein Backofen. Der dient dazu aus der teigigen Masse einen festen Riegel zu backen, der sich auch gut transportieren und essen lässt. Falls du einen Van mit Backofen hast oder deine Müsliriegel lieber vor der Tour in deiner heimischen Küche bäckst, findest du eine große Auswahl an Riegel-Rezepten. Schwieriger wird es, wenn du Müsliriegel nur mit einem einfachen Campingkocher und einer Kühlbox herstellen möchtest. Aber genau dafür ist das folgende Rezept: speziell für lange Touren, Trekking und Wanderungen.

Müsliriegel ohne Backofen

Um deine eigenen Müsliriegel herzustellen, benötigst du Equipment, das in jeder kleinen Outdoorküche ohnehin zu finden sein sollte:

  • 1 Kocher (z.B. Gaskocher)
  • 1 großer Topf oder Pfanne mit höherem Rand
  • 1 kleiner Topf
  • 1 Löffel (zum Umrühren und Vermischen)
  • 1 Messer
  • 1 Schneidebrett
  • 1 Gabel oder Spork
  • 1 Gefäß zum Abfüllen der Masse (z.B. Alu-Vesperbox, ggf. mehrere kleinere Gefäße)
  • 1 Kühlmöglichkeit (Kühlschrank, Kühlbox)

Außerdem benötigst du folgende Zutaten, die sich im Einzelnen auch individuell an Geschmack und Vorlieben anpassen lassen:

  • 200gr Datteln (am besten entsteint) 
  • 150gr selbstgemachte Müsli-Mischung (z.B. Haferflocken,…)
  • 100gr Cashews
  • 40gr Kürbiskerne
  • 1 Teelöffel Zimt 
  • 40gr Schokoladenstückchen
  • 2-3 Esslöffel Leinsamen 
  • 70gr Cranberries
  • 80gr Ahornsirup 
  • 60gr Erdnussbutter
  • 1 Vanille (Päckchen oder frisch)
  • (Außerdem ca. 1l Wasser um die Datteln einzuweichen)

Der eigentliche Zeitaufwand beträgt etwa 45 min für die Herstellung der Müsliriegel-Masse. Wenn die Datteln vorher ca. 2 h in Wasser eingeweicht werden, ist die weitere Verarbeitung deutlich einfacher.

Die folgenden 10 einfachen Arbeitsschritte machen aus deinen Zutaten leckere Müsliriegel:

Schritt 1: Datteln entsteinen und wässern

Vor dem eigentlichen Backvorgang solltest du die Datteln von ihren Kernen befreien und danach für ca. 2 h in Wasser einweichen. Dadurch werden die Datteln schön weich und können gut weiterverarbeitet werden. Falls Einweichen nicht möglich sein sollte, geht es aber auch ohne (nur etwas anstrengender).

Schritt 2: Datteln pürieren oder zerkleinern

Falls du das Rezept zunächst in der eigenen Küche ausprobierst, darfst du dir dabei gerne das Leben erleichtern und zu Mixer oder Pürierstab greifen. Das macht das Zerkleinern der Datteln wesentlich schneller und einfacher. Als echter Outdoorkoch zerkleinerst du die Datteln mit dem Messer in möglichst kleine Stücke und zerquetscht diese anschließend mit einer Gabel oder einem Spork. Mit kräftigen Kletterhänden gelingt das auf Anhieb.

Schritt 3: Cashews und Kürbiskerne anrösten

Um den Nüssen ein leckeres Röstaroma zu entlocken, solltest du sie bei niedriger Hitze im Topf oder einer Pfanne mit erhöhtem Rand erhitzen. Natürlich kannst du auch mit einem Gasherd, Elektroherd oder Induktionskochfeld die Nüsse rösten. Selbst ein Lagerfeuer oder etwas Glut sollten dafür ausreichen. Achte darauf, dass Cashews und Kürbiskerne nicht anbrennen und rühre die Kerne am besten oft um. Öl, Butter oder Wasser sind dafür nicht nötig. Wenn ein leckerer, nussiger Duft aus dem Topf aufsteigt, sind die Kerne fertig geröstet. Riecht es dagegen verbrannt, war die Hitze zu stark oder du beim Rühren zu langsam.

Schritt 4:  Müsli-Mischung mit Cashews und Kürbiskerne vermischen

In den noch warmen Topf schüttest du die Müsli-Mischung zu den Cashews und Kürbiskernen. Eventuell kannst du den Kocher auch noch ein bis zwei Minuten auf schwacher Flamme brennen lassen und dabei den gesamten Topfinhalt gut vermischen.

Schritt 5: Schokolade zerkleinern

Mit Messer und Schneidebrett schneidest und brichst du die leckere Schoki in kleine Stückchen. Ob du die Stücke lieber etwas größer oder lieber ganz fein haben willst, bleibt deinem Geschmack überlassen.

Schritt 6: Ahornsirup und Erdnussbutter erhitzen

Durch Erhitzen und Umrühren im kleinen Topf werden Ahornsirup und Erdnussbutter zu einer einheitlichen Flüssigkeit, die sich danach gut ausgießen lässt. Dabei solltest du unbedingt mit schwacher Hitze arbeiten, damit die süße Mischung nicht anbrennt. Zügiges Umrühren ist dabei ein klarer Vorteil.

Schritt 7: Alles im Topf gut vermischen

Zu dem mittlerweile leicht abgekühlten Mix aus Cerealien und Kernen schüttest du zunächst die zerkleinerten Datteln und dann die flüssige Mischung aus Ahornsirup und Erdnussbutter. Danach kommen die übrigen Zutaten in den Topf: Leinsamen, Cranberries, Zimt und Vanille optimieren die Masse in Hinblick auf Konsistenz und Geschmack. Die ganzen Zutaten solltest du danach sehr gut verrühren und vermischen, so dass eine einheitliche Masse entsteht.

Schritt 8: Die Masse abfüllen

Eine gewöhnliche Vesperbox aus Aluminium oder Kunststoff eignet sich hervorragend als Form für die Müsliriegel. In der heimischen Küche eignen sich auch eine Backform (am besten mit Backpapier) oder ein Kuchenblech als Form. Auf jeden Fall muss das Gefäß danach in die ausgewählte Kühltasche, Kühlbox oder Gefriertruhe passen.  Die Masse füllst du dann etwa „fingerdick“ in dein Gefäß und drückst das Ganze mit einem Löffel schön fest. Je mehr Mühe du dir beim Ausfüllen der Ecken und beim Glattstreichen der Oberfläche gibst, desto schöner werden auch deine fertigen Müsliriegel.

Schritt 9: Ab in die Kühlbox

Durch die Kühlung wird die komprimierte Masse schön fest. Eine Camping-Kühlbox, der heimische Kühlschrank oder ein Gefriertruhe eignen sich dafür bestens. Theoretisch sollte es sogar mit einer kalten Nacht vorm Zelt funktionieren (Erfahrungen bitte in die Kommentare). Zwei bis drei Stunden sollten die Riegel dann in Ruhe abkühlen. Nach einer Nacht im Kühlschrank ist das Ergebnis auf jeden Fall super.

Schritt 10: Masse zu Müsliriegeln portionieren

Auf einer festen Unterlage und mit etwas Schwung löst sich der gesamte Inhalt der Vesperbox super aus der Box. Mit einem scharfen Messer kannst dir danach deine Riegel in der passenden Form abschneiden. Ob länglich oder quadratisch spielt dabei keine Rolle. Danach kannst du deine eigenen Müsliriegel direkt wieder in die Dose oder Vesperbox packen und deine Tour kann weitergehen.

 

Das Fazit:

Kosten für die eigenen Müsliriegel 

Bei den angegebenen Mengen kannst du je nach Dicke etwa zwei bis drei Vesperboxen mit Müsli-Masse befüllen. Die angegebenen Lebensmittel (in Bio-Qualität) schlagen mit ca. 9€ zu Buche. Schneidest du die Riegel in ähnlicher Größe, wie handelsübliche Müsliriegel, ergibt der Inhalt einer Vesperbox etwa 5 – 6 Müsliriegel, also insgesamt 15 – 18 Riegel pro Müsli-Masse. Der Preis für einen Riegel liegt also irgendwo zwischen 0,50€ und 0,70€. Die freie Auswahl der Zutaten und das Gefühl seine eigenen Müsliriegel am Berg zu essen, ist dagegen ohnehin unbezahlbar.

Konsistenz und Geschmack 

Natürlich sind die selbstgemachten Müsliriegel nicht ewig haltbar, wie ihre gleichnamigen Vettern aus dem Supermarkt. Dennoch überzeugen sie mit ihrer Konsistenz und bilden eine schön kompakte Form. Wenn dir die Riegel beim Essen zu klebrig sind, schafft Butterbrotpapier zwischen den Riegeln praktische Abhilfe. Das tolle am eigenen Müsliriegel ist vor allem der individuell anpassbare Geschmack. Die Masse ist zwar durchaus süß (soll dem Outdoorsportler ja auch „schnelle Energie“ liefern), kommt aber komplett ohne die Zugabe von „Extra-Zucker“ aus. Viele begeisterte Test-Esser begrüßen die angenehme Süße von Datteln und Ahornsirup, die dich nicht direkt mit der „Zucker-Keule“ erschlägt.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Variieren und individuell anpassen!

Gutes Gelingen

Ultraleicht = unbequem, unsicher und unbrauchbar?!?

18. August 2020
Ausrüstung

Auf Touren bei denen ich mit einer besonders leichten (ggf. auch ultraleichten) Ausrüstung unterwegs bin, sieht mein Tagesablauf eigentlich immer so aus: Tagsüber hetze ich durch eine Landschaft und weil es mir dabei aber nur auf Geschwindigkeit und Streckemachen ankommt, könnte das auch ein Braunkohletagbau sein, da schaue ich ohnehin schon lange nicht mehr hin. Ich muss weiter, schnell schnell. Pausen gibt es kaum, warum denn auch, das brauche ich nicht und zu essen habe ich ohnehin nur einen mageren Müsliriegel dabei. Wasser, naja das findet sich schon irgendwie.

Ach ja Wasser, zum Glück regnet es nicht, denn meine dünne Jacke habe ich zwar dabei, aber die hält ja nichts ab und außerdem würde die ohnehin nur durch den Rucksack kaputt gehen, der kann ja übrigens auch nicht viel ab. Gelaufen wird jeden Tag bis zum Umkippen, denn auch abends im Lager erwartet mich nicht viel. Eine magere Mahlzeit und dann ab ins Bett. Was eine komplette Übertreibung ist. Mein Schlafsack ist so leicht gebaut, dass man damit wahrscheinlich auch noch in der Sauna frieren würde, warme Klamotten hab ich auch keine dabei und meine Matte ist kaum mehr als ein Stück Alufolie mit in etwa der selben Isolationsleistung.

Zum Glück windet es nicht, denn dann würde es mir auch noch meine Plane zerreißen, die hält ja auch nichts aus, da ist ein Gelber Sack ja reißfester. Nach einer mehr oder weniger durchwachten Nacht bin ich dann froh, wenn ich nicht komplett nass und durchgefroren bin und mich an den ersten Sonnenstrahlen wärmen kann. Und schon geht’s auch weiter, ohne Frühstück, im Stechschritt.

Dies sind die Vorurteile, die mir immer wieder begegnen, wenn ich davon erzähle, dass ich gerade bei langen Touren darauf achte, Gewicht bei der Ausrüstung zu sparen. Ich frage mich dann oft, ob eigentlich alle denken, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe und außerdem zur kontinuierlichen Selbstgeißelung neige. „Während der Tour muss man leiden!“, so ein Scheiß.

Wie viele andere Themenbereiche auch, ist die Welt der ultraleichten Ausrüstung mit zahlreichen Vorurteilen belegt. Damit möchte ich heute einmal aufräumen. Dies soll aber keine Lobeshymne oder eine Liebeserklärung an spartanische Ausrüstung sein, sondern vielmehr ein paar Blickpunkte zeigen, wie man trotz oder vielleicht auch gerade wegen einem abgespeckten Equipment Freude an der Tour haben kann. 

Ultraleicht bedeutet kein Komfort.

Ich bin kein Fakir, ich liege gerne bequem. Außerdem bin ich zumindest im Schlaf mittelmäßig verfroren. Ich bin verfressen und habe wenig Bestrebunge mich dauerhaft unnötig zu quälen. Warum tue ich mir das also an?

Ganz einfach: Es ist nicht so wie viele denken. Auf einer langen Tour ist man in der Regel den ganzen Tag unterwegs, selbstverständlich mit Pausen und brauchbarer Verpflegung. Dennoch ist jeder dazu gezwungen seine Ausrüstung dauerhaft mit sich herumzutragen. Je schwerer das Gepäck, desto lästiger wird es irgendwann. Mal Hand aufs Herz: Wer hat sich auf einer Mehrtagestour noch nie danach gesehnt, dass das Etappenziel endlich erreicht ist und der Rucksack final abgestellt werden kann? Leichteres Gepäck trägt sich einfach angenehmer

Mich bewahrt das geringere Gewicht von Rucksack und Inhalt so beispielsweise vor unangenehmen Rückenschmerzen während der Tour. Und das ist für mich mehr Komfort, als abends im Lager vielleicht auf einem Hocker zu sitzen und nicht auf dem Boden. Wie immer im Leben muss man sich daher entscheiden, was für einen selbst wichtig ist.

Auch muss in einem ultraleichten Schlafsack niemand zwangsläufig frieren, denn es gibt zum Glück wunderbar leichte und warme Schlafsäcke und auch bequeme Matten. Und klar gibt es immer noch leichtere Schlafsäcke mit einer noch geringeren Daunenfüllung. Die sind dann eben nicht so warm, aber es sagt ja niemand, dass man immer nur den absolut leichtesten Schlafsack (und dünnsten) kaufen darf. Wichtig ist es auch hier auf die persönlichen Bedürfnisse zu achten und wenn der Schlafsack dann ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt, als sein „kälterer“ Kollege, naja, dann ist das eben so. 

Oder nehmen wir einmal das Beispiel Kleidung: Bei Jacken, Hosen und Co., gibt es immer wieder Dinge, die sind nice-to-have werden aber nicht von jedem genutzt. Ich kann beispielsweise Oberschenkeltaschen wenig abgewinnen. Ich verstehe schon, warum es Hosen mit großen Cargotaschen gibt, ich persönlich mag das aber nicht und nutze diese Taschen nur äußerst selten.

Logische Konsequenz: Hose ohne entsprechende Taschen kaufen, wieder ein paar Gramm sparen. Das macht freilich nicht viel aus, ist aber für mich ein geringerer Einschnitt in den Trekkingalltag als den Griff der Gabel abzusägen. Dieses Prinzip kommt beispielsweise auch bei Biwakzelten zum Tragen. Hier werden oft nämlich nicht nur leichtere Materialien verwendet es wird einfach auch alles weggelassen was man nicht zwingend braucht. Außerdem sind Ultraleichtzelte oft eher kompakt, große Familienzelte oder extrem sturmfeste Geodäten sucht man hier lange.

Auch kann man ganz gezielt Ausrüstungsgegenstände zu Hause lassen, die man persönlich nicht braucht. Das Zelt ist dabei immer wieder ein gerne diskutierter Punkt. Und in der Tat bin auch ich gerade im Sommer ein Verfechter von Plane und/oder Biwaksack. Aber mir macht das nichts aus, ich fühle mich dadurch nicht eingeschränkt und genau das ist der Punkt. Denn das mit dem Komfort ist Ansichtssache und jeder muss für sich selbst festlegen, was er wann in welcher Form benötigt.

Die Idee beim (Ultra-)Leichttrekking ist nämlich nicht sich möglichst effektiv zu quälen, sondern beim Laufen, Klettern oder Radfahren einen Komfortgewinn zu erzielen. Um das zu erreichen, wird ganz bewusst am Gewicht gespart. Dies kann hier und da zu Einschränkungen führen. Weiß man aber wie die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind, kann man dieses Problem relativ gut umgehen.

Das leichte Zeug hält doch nichts aus.

Ja, nein, vielleicht. Zunächst einmal das Offensichtliche. Dünnere Stoffe wirken weniger robust als dickere. Dieser Eindruck ist aber nicht immer korrekt. Lasst uns hierzu mal einen kleinen Exkurs in die Welt der Kletterausrüstung machen. Beispiel Rundschlingen (Bandschlingen): Hier dominieren vornehmlich zwei Materialien, Polyamid und Dyneema (Polyethylen). Dyneema ist dabei das definitiv reißfestere Material. Dies zeigt sich alleine schon im Erscheinungsbild der jeweiligen Schlingen. Für vergleichbare Schlingen ergeben sich beispielsweise folgende Werte:

  • Polyamid: Gewicht 48 g, Breite 18 mm, Bruchlast 22 kN
  • Dyneema: Gewicht 20 g, Breite 10 mm, Bruchlast 22 kN

Die Dyneema-Schlinge ist nicht nur deutlich leichter, sie ist auch deutlich schmaler, ohne dass dabei aber bei der Bruchlast Abstriche gemacht werden müssen. Es zeigt sich also, dass der Leichtbau nicht zwangsläufig zulasten der Leistungsfähigkeit der Materialien gehen muss. Auch bei Ultraleichtzelten kommen gerne einmal Materialien wie Dyneema für die Außenhaut oder Carbon für das Gestänge zum Einsatz. Im Bereich der sicherheitsrelevanten Bergsportausrüstung werden darüber hinaus auch robuste Materialien wie Kevlar oder Aramid eingesetzt.

Man sollte dennoch gerade bei extrem dünnen Schlingen, Bandmaterial und Seilen ein Auge auf den Verschleiß haben. Denn dieser kann hier stärker ins Gewicht fallen, als bei massiver gebauter Ausrüstung. Die Sicherheitsforschung des DAV gibt daher die Empfehlung heraus, besonders schmale Schlingen bereits nach 3-5 Jahren auszusondern.

Oder schauen wir uns einmal das Beispiel Rucksäcke an. Große konventionelle Trekkingrucksäcke mit einem ausgefeilten Tragesystem sind nicht selten für eine Zuladung jenseits der 25 Kilogramm ausgelegt, bringen dafür aber auch bereits ein ordentliches Eigengewicht mit. Betrachtet man hingegen Modelle aus dem (Ultra-)Leichtbereich, sieht das anders aus. Richtig große Ultraleichtrucksäcke gibt es ohnehin eher selten, denn bei leichter Ausrüstung wird in der Regel nicht nur am Gewicht, sondern zusätzlich auch am Packmaß gespart. 

Warum aber Ultraleichtrucksäcke weniger belastbar sind als vergleichsweise schwere Trekkingrucksäcke zeigt das Tragesystem. Während massive Trekkingrucksäcke dafür vorgesehen sind eine große Menge an Equipment zu transportieren, ist dies ja wiederum überhaupt nicht die Aufgabe von Ultraleichtrucksäcken. Denn wer grundsätzlich weniger Last trägt, braucht logischerweise auch keinen Rucksack, der mit einer hohen Last gut klarkommt. Das Tragesystem kann daher einfacher und somit auch leichter ausfallen, ohne dass der Rucksack unangenehm oder unsicher am Rücken sitzt. 

Es kann also nicht pauschal gesagt werden, dass Ausrüstungsgegenstände aus dem Ultraleichtbereich grundsätzlich deutlich weniger abkönnen als konventionelles Equipment. In manchen Bereichen, wie beispielsweise bei Rucksäcken, trifft dieses Vorurteil in einem gewissen Maß zu, wirkt sich aber in der Realität kaum aus.

Aber sicher kann das doch nicht sein.

Früher habe ich mich bei schweren Touren immer mit „Suizidfreunde Mittelbaden“ im Gipfelbuch verewigt. Ein makabrer Spaß, den ich mir heute verkneife. Oder sollte ich vielleicht aufgrund der anfälligen Ausrüstung wieder damit anfangen? Schauen wir uns also einmal an, wie es bei ultraleichter Ausrüstung fürs Klettern, Hoch- und Skitouren mit der Sicherheit so steht. 

In Deutschland, wie auch in der restlichen EU gibt es strenge Prüf- und Zulassungskriterien für Bergsportausrüstung. Heißt: Was eine Prüfung nach Europäischer Norm (EN) nicht durchlaufen oder nicht bestanden hat, darf auch nicht verkauft werden. Für jede Produktgruppe gibt es eine eigene Norm mit speziellen Anforderungen. Nach bestandener Prüfung wird die Zulassung mit der Bezeichnung „conform european“ (CE-Zeichen) erteilt und dann erst darf das Produkt in den Handel gelangen. Dies gilt logischerweise auch für jegliche Kletterausrüstung und sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenstände aus dem Ultraleichtbereich.

Nehmen wir nochmals das Beispiel Rundschlingen. Hierzu habe ich mir einmal eine Schlinge aus meinem persönlichen Equipment angeschaut. Diese besteht aus Dyneema, ist gerade einmal 8 mm breit, 11 g schwer und verfügt über eine Zugfestigkeit von 22 kN. Außerdem ist sie nach der EN 566 (Norm für Bergsteigerausrüstung, Schlingen) zertifiziert und trägt die Kennzeichnung CE 0123. Die Zahl nach dem CE-Zeichen gibt dabei die Prüfstelle an, die für die Sicherheitsprüfung verantwortlich war, in diesem Fall ist das der TÜV München.

Andere Schlingen und Ausrüstungsgegenstände tragen zusätzlich zum CE-zeichen sogar das UIAA-Zeichen. Hierbei handelt es sich um die freiwillige Norm der Bergsportverbände. Diese legt in der Regel nochmals strengere Kriterien als die EN an und gilt weltweit. Sie ist aber im Gegensatz zu der EN nicht verpflichtend, sodass nicht automatisch alle Produkte am Markt auch danach getestet sind. Dies gilt natürlich nicht nur für Schlingen, sondern auch für Gurte, Helme, Karabiner, Expresssets, Seile, Eisschrauben, Eispickel und und und.

Wie aber sieht es beispielsweise in Sachen Verletzungsrisiko durch (zu) leichtes Schuhwerk aus?

Keine Frage, wer draußen unterwegs ist, braucht gutes Schuhwerk. Dieses richtet sich immer nach Art und Länge der Tour sowie dem generellen Terrain. Gerade auch im Bereich der Wanderschuhe gibt es Modelle, die leichter oder eben massiver gebaut sind. Hier sollte ultraleicht hin oder her auf keinen Fall in erster Linie aufs Gewicht geschaut werden. Denn Schuhe müssen gut sitzen und vor allem für die Tour angemessen sein.

Aus Gründen der Gewichtsersparnis beispielsweise in Laufschuhen über einen Gletscher zu gehen, ergibt da aus meiner Sicht nur wenig Sinn. Aber: Gerade in gemäßigtem Gelände bringt auch hier wieder einmal die leichte Ausrüstung Vorteile mit. Denn wer ein geringeres Gewicht mit sich herumschleppt, belastet auch seine Gelenke, Bänder und Muskeln weniger. Die Füße und Sprunggelenke müssen aufgrund der geringeren Belastung nicht mehr notwendigerweise stark unterstützt werden und man kann je nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen auch hier zu leichteren und vielleicht weniger massiven Wanderschuhen greifen.

Sicherheit kann aber noch was ganz anderes bedeuten: nämlich die Sicherheit, dass man sich auf das Equipment verlassen kann. Und damit sind wir eigentlich auch wieder bei den ersten beiden Aspekten meines Artikels. Hierzu nochmals das Beispiel Zelt oder Plane. Nichts, wirklich nichts ist auf einer Tour unangenehmer, als nachts im Zelt zu liegen und darauf zu warten, dass es aufgrund eines heftigen Regenschauers anfängt durch die Plane zu tropfen. Oder im anderen Fall darauf zu warten, dass das Tarp nachgibt. Diese Sorge ist aber zu weiten Teilen unberechtigt, denn auch leichte Zelte halten Regenschauern zuverlässig stand. Je nach Bauart können sie allerdings windempfindlicher sein als klassische Kuppel- oder Geodätzelte.

Schlussbemerkung

Es geht beim Thema ultraleichte Ausrüstung aus meiner Sicht nicht darum, wer noch weniger mitnimmt, sich am meisten abverlangt oder vielleicht krasser ist als irgendwer sonst. Es geht vielmehr darum wie ich es für mich persönlich schaffe eine Tour so angenehm wie möglich zu machen. Denn das ist doch letztlich die Hauptsache. Es ist nicht derjenige der Beste, der am meisten oder am wenigsten schleppt. Oder vielleicht schneller als alle anderen ist oder die krassere Tour macht. Es ist derjenige King, der dabei den meisten Spaß hat. Wer also eine (gewichts-)reduzierte Ausrüstung als auferlegte Bürde ansieht, für den ist das einfach nichts. Und das wiederum ist auch absolut in Ordnung. 

Wie seht ihr das eigentlich? Versucht ihr dauerhaft eure Ausrüstung in Sachen Gewicht weiter zu optimieren? Gehört ihr zu denen, die jedes Gramm einzeln jagen? Oder findet ihr es vielleicht sogar hochgradig bescheuert bei der Ausrüstung überhaupt aufs Gewicht zu achten, weil hart im Nehmen und so? Meine Meinung kennt ihr nun, schreibt doch mal einen Kommentar, wie ihr so denkt.

Getestet: Hanwag Ferrata II GTX Bergstiefel

12. August 2020
Kaufberatung

Der Markt für technische Bergstiefel ist überschwemmt mit Bergen (haha) von unterschiedlichen Modellen – könnt ihr uns glauben, ist ja schließlich unser Job! Wenn man sich auf die langwierige Suche nach einem geeigneten Modell für einen selbst begibt, ist dies vor allem die Suche nach der eigenen Motivation – Wie viel will ich wandern, wie viel klettern? Was, wenn man beides möchte, oder besser gesagt sich einen Weg am felsigen Abgrund entlang bahnen oder eine Klettersteig mit Kabelbrücken überqueren will? Wird man einen Gletscher queren? Auf rutschigen Felsplatten balancieren? Hanwag schickt in dieses Rennen den Ferrata II GTX.

DAS EINFÜHRUNG

Der aktualisierte Ferrata ist Hanwags neuster Beitrag im großen Markt der traditionellen Bergstiefel. Normalerweise bekannt für ihre klare Formen und klassischen Schnitte, fühlt sich die Welt des immer schnelleren und leichteren Alpinimus meilenweit entfernt an von Stiefel wie z.B. dem Tatra Top GTX mit seinem Voll-Leder-Schaft, dem steifen Knöchelbereich und dem traditionellen Leder-Design.

Der Ferrata kommt einem da hingegen vor wie der Hecht im Karpfenteich. Beste traditionelle Werte werden hier mit neuen Technologien zu einem roten Flitzer kombiniert. Klassisches Leder wird ohne Saum mit synthetischem Material zusammengefügt, wodurch ein schützender Oberschuh entsteht, ohne, dass man auf Atmungsaktivität verzichten muss. Der obere Schaft wird mit dem Rest des Schuhs durch eine Mikrofaserbrücke verbunden, was ihm erlaubt sich um den Knöchel herum zu biegen. Dies erlaubt einen einzigartigen Halt und Kontrolle auf rutschigem Untergrund und schwierigem Gelände. Die Zehenbox ist großflächig von Gummi geschützt, um es zu ermöglichen hier und da einen Riss, oder sogar eine leichte Einstiegsroute zu klettern ohne, dass der Schuh danach in Fetzen hängt.

DAS TECHNISCHE ZEUG

Die Liste der in diesem Stiefel verbauten Features liest sich mit feuchten Augen. Der Stiefel hat eine C-Wertung und ist bedingt Steigeisenfest durch die Lippe an der Ferse. Die Sohle kommt mit tiefen, weit auseinanderliegenden Stollen um einen guten Grip auf losen Steinen zu gewährleisten. Durch den vorderen, flachen Bereich können aber auch einige Klettermeter gemacht werden. Die Schnürung ist in zwei „Zonen“ aufgeteilt. Sobald man am Fuß die richtige Festigkeit erreicht hat, klippt man die Senkel einfach ein, und kann somit in Ruhe fertig Schnüren ohne, dass einem der untere Bereich wieder davon rutscht. Mit 1440g pro Paar (in Größe 42), positioniert sich der Stiefel klar für Sommertouren – im Winter wird es dann doch zu frisch um die Zehen.

DER TEST-ORT

Ah, die Alpen… schroffes Gelände, riesige Steinmassive, herrliche Routen, die das Auge des Betrachters in die Ferne… ah, Mist! Nachdem die Berge uns mit zu viel Wasser (von oben) den Aufenthalt vermiesen wollten, haben wir es den Zugvögeln gleichgetan und uns mal die herrlichen Mehrseillängen in mediterran gemäßigteren Gebieten angeschaut.Im Umkehrschluss heißt dies auch leider, dass wir bisher nicht dazu kamen die Stiefel im schneegeküssten Gelände mit Steigeisen zu testen, weshalb sich diese Bewertung mehr auf die wander- und kletterischen Fähigkeiten bezieht.

Zuerst aber eine allgemeine Ansage über Sardinien: Man, muss man da laufen! Obwohl eigentlich zum Klettern da, brachten wir es in den zwei Wochen Aufenthalt auf über 30 Stunden wandern um von und zu den Routen zu kommen. Das perfekte Testgelände für den Ferrata II war die legendäre Gorropu-Schlucht mit ihren technischen Boulderfeldern über, und manchmal auch unter, die man Kraxeln muss um zum Einstieg der verborgenen 500m hohen Wände zu kommen.

 BEEINDRUCKENDES

Kletterfähigkeit: Als großes Plus – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten – kann der Ferrate mit einer großen, seitwärts weiter geführten, Kletterfläche an der Spitze aufwarten. Das klingt vielleicht erstmal nach nicht viel, aber die Fußspitze auf einem kleinen Tritt drehen zu können, ohne sofort abzurutschen macht den notwendigen Unterschied bei einfachen Klettereien aus.

Der beste Stiefel ist der, den man für einige Seillängen anbehalten kann, bevor man in die technischeren (aber weniger bequemen) Kletterschuhe schlüpft. Überraschend für so einen steifen Stiefel ist auch, dass der Ferrata einen guten Gripp auf stark abgerundeten Flächen behält, etwas, was wir nach Herzenslust an den glatt geschliffenen Steinen am Bachbett testen durften.

Höchster Komfort: Diese Stiefel wanderten aus dem Karton, auf den Trail und blickten nie zurück. Während man doch erwartet, dass jetzt erst einmal der lange Prozess des Einlaufens beginnt, zeigten sich die Ferratas vom ersten Tag an von ihrer gemütlichsten Seite. Obwohl die Steifheit der Bergstiefel nicht fehlt, waren sie auch noch nach Kilometerlängen Wegen mit einem schweren Kletterrucksack sehr bequem.

Haltbarkeit: Auf diesem Gebiet haben sich die Entwickler wirklich etwas gedacht, um dem Stiefel ein möglichst langes Leben zu bieten. Die wenigen Nähte auf dem Oberschuh bieten so wenig wie möglich Angriffsfläche und das Gummi an der Spitze und den Seiten schützt das Material vor gar zu spitzen Steinen.

WO’S HACKELT

Nicht schwer, aber auch kein Leichtgewicht: Auch wenn man sich alle Mühe gegeben hat das Gewicht des Schuhs so einzigartig wie möglich für seine Klasse zu machen, hat der Ferrata II immer noch eine Schokotafel zu viel auf den Rippen.

Im Direktvergleich mit den nächstliegenden Konkurrenten, wie z.B. dem federleichten Scarpa Ribelle Tech (1240g) erscheint der Ferrata doch eher wie ein kleiner Brummer, vor allem wenn man bedenkt, dass er für größere Füße auch mehr Gewicht mitbringt.

Packmaß: Seien wir ehrlich: An einem bestimmten Punkt werdet ihr den Stiefel in einen Rucksack packen wollen, spätestens dann, wenn die Klettergrade in die Höhe wandern. Genau dann seid ihr an dem Punkt angekommen, wo euch das Packmaß vermutlich ärgern wird.

Der faltbare Schaft erlaubt zwar etwas mehr Spielraum als ein normaler Stiefel, ist aber keine Konkurrenz zu einen luftig leichten Zustiegsschuh – diese können inzwischen, flexiblen Steigeisen wie dem Petzl Leopard sei Dank, auch als Konkurrenz an Routen mit kurzen Schneequerungen angesehen werden.

TAUGT‘S WAS?

Abgesehen von den kleinen, mäkeligen Punkten des höheren Gewichts und des kniffeliges Packmaßes tut der Ferrata II GTX genau das, was er soll. Reinschlüpfen und ewig lange Zustiege bezwingen, technische Kraxeleien, einfaches Felsklettern – alles möglich. Steigeisen an und der Gletscher gehört euch, auf geht’s über die Schneefelder, durch die Bäche und (wir vermuten) sogar über mit den Vorderzacken über kleinere Eishügel. Wenn ihr einen (ziemlich) leichten Stiefel sucht, den man am Berg ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen kann, dann sollte der Ferrata II auf jeden Fall auf der Liste stehen.

Ein Schirm beim Wandern – Modesünde oder echte Hilfe?

4. August 2020
Ausrüstung

Ein Sonnenschirm für unterwegs? Na, ich weiß nicht, das passt doch eher zu Picknick und Sommerfrische im 19. Jahrhundert als zu Bergtouren im 21. Jahrhundert. Anno dazumal passte es allerdings umso besser, denn es war auch am Berg durchaus üblich, ausgefallene Accessoires mitzuführen. Während der Herr in Frack und Gehrock noch relativ schlicht den Hang erklomm, balancierte die Dame nicht selten im gestützten Reifrock durchs Geröll.

Den Sonnenschirm und den ebenso unverzichtbaren Fächer trugen die mit etwas Glück vorhandenen Bediensteten. Nicht fehlen durfte auch die lange Alpenstange, die man heute eher zu Dekorationszwecken als zur Fortbewegung in Eis und Fels nehmen würde. Alles in allem: der Coolnessfaktor eines Sonnenschirms beim Wandern ist nicht berauschend. Doch wie sieht es mit der praktischen Relevanz aus? Kann der Sonnenschirm da punkten? 

Der Sonnenschirm im Praxistest

Da ich selbst leider keine Sonnenschirm-Outdoorerfahrung vorweisen kann, muss ich mich auf die Expertise der UserInnen des USA-Reiseforums verlassen. Die sind gern auch im Südwesten des Landes unterwegs, wo die Sonne bekanntlich brutal brutzeln kann. Hier einige Statements zum Sonnenschirm im Wilden Westen:

Seitdem mir im vorigen August der (leichte) Sommerhut ständig weg wehte und der neu gekaufte Stetson (mit Kordel) aufgrund meiner sehr dicken, langen Haare so richtig für Schweißbäche sorgte, bin ich zum Zabriskie Point mit Schirm marschiert – und was soll ich sagen? Das war einfach super!

Dieser berühmte und im Sommer unglaublich heiße Aussichtspunkt im Death Valley ist eine eher kurze Exkursion. Doch die Lösung für längere Wanderungen ist ebenfalls nicht schwer, wie eine andere Userin feststellt: „Schaun mer mal, ob’s nicht zu lästig wird – sonst wandert er eben in den Rucksack.“

Die besser sitzende Frisur und die allgemeine Kopffreiheit ohne enge Mützen und Kapuzen sind auf jeden Fall schonmal erste Pluspunkte für den Sonnenschirm. Wobei die Annehmlichkeit des freien Kopfes, der nicht durch zugezogene Jacken und Kapuzen in den Schwitzkasten genommen wird, für jede Art von Schirm gilt. Auch das unbeeinträchtigt freie Blickfeld ist ein netter Vorteil.

Viel Kritik, aber auch einen, nun ja, praktischen Verwendungszweck hat eine dritte Userin des Forums parat:

Abgesehen davon stelle ich mir einen Schirm bei Wind noch viel ekliger vor. Und bei uns hat es im April im Südwesten, auch zur Wave rauf, ständig mehr oder weniger stark gewindet. Und wenn ich mal strauchle, habe ich gern die Hände frei, um mich aufzufangen/abzustützen. Aber OK, mit dem Schirm hätten wir uns gegen die Klapperschlange verteidigen können  :lol:

Als „winddicht“ kann man den Sonnenschirm also nicht gerade bezeichnen. Schützt er denn wenigstens tatsächlich vor UV-Strahlung? Leider nur bedingt, es kommt hier wie bei der Bekleidung auf die Dichte des Gewebes an. Unter handelsüblichen Sonnenschirmen sind  empfindliche Hauttypen nur dürftig vor Sonnenbrand geschützt.

Weitere Kritikpunkte sind die fehlende Handfreiheit und das Zusatzgewicht:

Bei längeren Wanderungen über verschiedene Untergründe würde ich es eher lästig finden ständig etwas in der Hand zu haben. Ab und an braucht da schon mal ne Hand um sich abzustützen und im Rucksack bin ich froh wenn ich so wenig Balast wie möglich mit mit mir rumschleppe.

Fassen wir zusammen: der praktische Nutzen des Sonnenschirms ist eher strittig und auch bei der Haltungsnote, sprich Coolness und Vorzeigbarkeit, gibt es empfindliche Abzüge. Alles in allem scheint er eher für Nostalgiker mit Romantik-Einschlag als für Outdoorer und Bergsportler interessant.

Der Schirm an sich

Doch wie sieht es mit dem Schirm an sich unterwegs aus – also dem ganz normalen Regenschirm? Kann man den nicht auch so nebenbei als Sonnenschutz benutzen? Ja, kann man, denn es gibt UV-resistente Regenschirme. Das ist der herkömmliche Regenschirm natürlich nicht, abgesehen davon, dass er so schwer und unhandlich ist, dass ihn wohl kaum jemand freiwillig in den Rucksack packt. Deshalb wurden die Wander(regen)schirme bzw. Trekking(regen)schirme erfunden.

Trekkingschirme

Trekkingschirme sind kompakter und robuster konstruiert als Alltagsschirme. Doch auch bei diesen vielseitigen Sonnen- und Regenschirmen bleibt die Frage nach dem Mehrwert im Vergleich zum Standardwetterschutz durch die (Funktions)kleidung. Die Autorin des Blogs Etappen-wandern.de hat hierzu ein paar Erfahrungen gesammelt und interessante Überlegungen parat:

Meine gute, aber mit etwa 150 € nur mittelpreisige Regenjacke macht jedoch irgendwann, so nach vier Stunden Dauerregen, schlapp. Wenn man mitten in der Pampa unterwegs ist, gibt es für gewöhnlich kein Dach unter dem man sich mal unterstellen kann und nach sechs Stunden Regen etwas essen oder sich etwas Trockenes anziehen kann. Auf Mallorca sind wir daher immer durchmarschiert, klitschnass, ohne Pause und ohne etwas zu essen. Ein Regenschirm hätte uns da sehr geholfen. Gerade, wenn er groß ist und sich in den Baum hängen lässt.

Hier könnte man einwenden, dass sie sich halt mal ne gescheite Hardshelljacke kaufen soll. Doch selbst wenn das Kleingeld dafür übrig ist, bleibt ein Problem laut Autorin „immer gleich: Denn egal wie atmungsaktiv das gute Stück auch sein soll, Dichtigkeit und Atmungsaktivität schließen sich für mich nach logischem Menschenverstand einfach aus. Überhaupt kann es nur bei einem deutlichen Temperaturgefälle ein bisschen funktionieren. Am Ende bleibt, dass man – vor allem bei sommerlichen Temperaturen oder bei einem Aufstieg – unter einer Regenjacke einfach schwitzt. Und dann ist man trotzdem nass, auch wenn die Regenjacke das Wasser von außen abhält.

Da ist was dran, auch wenn sich Dichtigkeit und Atmungsaktivität durchaus nicht ausschließen und auch gewiss nicht alle Hardshelljacken ein derart schwaches Bild abgeben. Was dran ist auch an folgendem Komfortargument:

Während sich zwei andere Mitwanderer in ihre Regenjacken zwängten, spannte ich – sogar ein bisschen freudig – meinen Regenschirm auf. Und wirklich! Ich blieb trocken, kam überhaupt nicht ins Schwitzen und war heilfroh nicht in meine Regenjacke zu müssen. Ein Regencape oder Regenponcho kommt für mich übrigens ebenfalls nicht in Frage. Wenn man beim Bergwandern doch mal die Hände braucht, sind die mir einfach zu gefährlich. Zudem versperren sie bei Wind auch noch die Sicht auf den Untergrund.

Hände frei? Und was ist bei Wind?

Das Problem mit den Händen taucht doch bei Schirmen ebenfalls auf“, könnte hier der nächste Einwand lauten. Ja und nein, bei handelsüblichen Schirmen ist tatsächlich immer eine Hand belegt. Doch unter den Wander/Trekkingschirmen gibt es auch eine Handsfree-Variante. Zumindest bei den ausgewiesenen Spezialisten von Euroschirm, die wander- und bergtaugliche Regenschirme produzieren, von denen viele mit einem Handsfree-Befestigunsclip für den Rucksack geliefert werden. Diese Schirme schützen nebenbei auch zuverlässig vor UV-Strahlung.

Trekkingschirme haben im Unterschied zu herkömmlichen Regenschirmen ein flexibleres und bruchfestes Gestell, meist aus Glasfasern, sowie einen stabileren Schaft. Werden diese Schirme von starken Windböen erfasst, lassen sie sich einfach wieder zurückklappen, ohne beschädigt zu werden. Hochwertige Modelle schaffen all das bei einem Gesamtgewicht von nur 200 bis 400 Gramm. Auch Details wie Schieber, die mit Handschuhen bedient werden können oder Griffe mit starker Reibung machen den Unterschied zwischen Trekking- und Alltagsschirmen.

Und selbst wenn man den Schirm die ganze Zeit tragen muss – ist das wirklich ein so großes Problem? Denn abgesehen davon, dass es nicht immer stundenlang regnet, ist das Gewicht eines Trekkingschirms durchaus auch mal länger „stemmbar“. Und falls es doch ermüdend wird, kann man immer noch die Hand wechseln.

Und da wir jetzt den Regenschirm liebgewonnen haben, können wir ihn auch gleich als Sonnenschirm benutzen. Dafür gibt es zum Schluss nochmal ein paar richtig gute Argumente aus dem USA-Forum:

Das klingt zuerst vielleicht komisch, aber so ein Regenschirm hat unter heißer Sonne so viele Vorteile wie im Regen. Im Sommer wandern, das bedeutet oftmals stundenlang einer sengenden Sonne ausgesetzt zu sein. Das (…) hat vor allem Konsequenzen bezüglich der eigenen Leistungsfähigkeit, denn die ist auf jeden Fall eingeschränkt. Für den Wanderer ebenfalls negativ, der Wasserverbrauch. Das muss man mitschleppen und man hat nie genug davon. (…)

Der Regenschirm schützt zuverlässig vor dem Aufheizen des eigenen Körpers durch die Sonne. Ein beachtlicher Vorteil und der Grund, warum z.B. erfahrene Langstreckenwanderer in Nordamerika einen Schirm mittlerweile für unverzichtbar erachten. Er schützt, erhöht die Leistungsfähigkeit und spart Wasser. Favorisiert werden Regenschirme mit einer silbernen Beschichtung. (…) Man will ja jeden Vorteil nutzen, oder?

Im Bergfreunde-Test: Die Osprey Poco Plus Kinderkraxe

5. August 2020
Kaufberatung

Hach ja, mit Kind und Kegel auf Tour gehen. Was kann es schöneres geben? Vielleicht allerhöchstens herauszufinden, woher der „Kegel“ in der Redewendung kommt? Weiß das jemand? Ok, ok, ganz anderes Thema. Ihr seid ja schließlich hier um einen Testbericht zu lesen!

Daher lautet die spannendere Fragen: Wenn man mit der ganzen Truppe ins Freie will, aber der Nachwuchs noch nicht lange auf den Beinen sein kann (oder will), wie schafft man es da eine ausgedehnte Wandertour zu nehmen? Die Lösung ist einfach und lautet: Mit einer Kraxe bzw. Kindertrage. Kollege John aus unserem Planning-Team durfte die Poco Plus Kindertrage von Osprey testen. Hier kommt sein Erfahrungsbericht:

Mein erster Eindruck

Da es uns als Familie wichtig ist, viel Zeit in der Natur zu verbringen und gerne etwas abseits der offiziellen asphaltierten „Buggy-konformen“-Wege auf Wanderschaft zu gehen, bleiben letztlich nicht viele Optionen – und so eine Trage kommt da gerade recht. 

Da unsere Tochter zum Zeitpunkt des Kaufs bereits 2 Jahre alt war, kam die Poco Plus dank der maximalen Körpergewichtsangabe von ganzen 22 Kilogramm für uns am ehesten in Frage, denn durch die höhere Gewichtskapazität ist sie auch für Kinder bis 3,5 Jahren nutzbar.

Als die Trage bei uns ankommt, ist der erste Eindruck von der gesamten Familie durchweg positiv. Unsere Kleine will sofort Probesitzen. Wir haben uns dann einige Minuten Zeit genommen und die Trage individuell auf Kind und Träger passend eingestellt. Das ist dank beigefügter Anleitung leicht verständlich und schnell machbar. Die Poco Plus lässt sich einfach (auch alleine), ähnlich wie ein Rucksack anziehen und das Gewicht verteilt sich super auf Rücken und Hüfte.

Der erste Ausflug

Wir haben mit guten Freunden und deren Kind einen schönen Ausflug gemacht und die Trage wurde stolz präsentiert. Unsere Freunde waren mit Buggy und wir mit Trage unterwegs, wir stellten schnell die Vorteile der Trage gegenüber dem Buggy fest. Wenn man spontan Querfeldein oder durch den Wald laufen möchte ist das damit natürlich problemlos möglich. 

Was für mich als Träger sehr angenehm war, war die Handfreiheit.  Diese ermöglichte mir während des Wanderns zu trinken, dem Kind etwas zu essen zu geben und es abzulenken ohne anzuhalten. Unsere Kleine fühlte sich so wohl, dass sie sogar ihren Mittagschlaf in der Trage machte – sonnengeschützt durch das leicht ausklappbare Sonnensegel.

Das integrierte Regencape kam bei unserem Ausflug zwar nicht zum Einsatz, ist aber sehr praktisch, da es wirklich den gesamten Körper des Kindes bedeckt – mehr dazu gleich noch.

Technische Daten im Überblick: 

  • Die Trage/Kraxe wiegt 3,6 Kg,
  • Maße in cm: H 73 x L 40 x P48/ gefaltet: H 76 x L 40 x P 29
  • Maximale Tragelast: 22 Kg (Gesamtgewicht von Kind, Ausrüstung und Rucksack) 
  • Hauptsächliches verwendetes Material ist Nylon
  • bluesign Label (Aus zugelassenen chemischen Produkten und Rohstoffen hergestellt)

Meine persönlichen Highlights der Osprey Poco Plus:

Das ausziehbare Sonnensegel versteckt sich in der Rücklehne des Kindersitzes und ist dort sehr platzsparend verstaut. Es lässt sich spielend leicht aufziehen und mit einem Hakensystem fixieren. Da braucht man noch nicht einmal die Bedienungsanleitung zu lesen.

Das Regencape findet man zusammengefaltet im unteren Staufach unterhalb des Sitzbereichs. Um es anzubringen muss zunächst das Sonnensegel aufgespannt sein. Der Rest geht dann aber ganz easy: Das Cape wird einfach über die gesamte Rückseite gezogen, mit Kletterverschlüssen und Ösen fixiert. Der kleine Passagier wird dadurch komplett vor Regen geschützt und hat sogar noch genug Platz, um weiter mit seinen Spielsachen zu spielen.

Besonders gut gefallen hat mir auch das Tragesystem. Die Polsterungen sind stark ausgeprägt und liegen sehr angenehm auf – das drückt definitiv nichts! Der Hüftgurt lässt sich auch unterwegs ganz leicht anpassen und ist mit kleinen Taschen bestückt. Hier wurde meiner Meinung sehr darauf geachtet, dass nicht nur der Passagier sondern auch der Träger oder die Trägerin besonders bequem unterwegs sind.

Was die Sicherheitsgurte angeht: da dürfte sich wohl jedes Kind pudelwohl fühlen. Sie sind – genauso wie alle anderen Teile in Greifnähe – angenehm gepolstert und schneiden nicht ein. Durch den breiten Nackenbereich steht gemütlichen Mittagsschläfchen nichts im Wege!

Und hier nochmal alle Features der Poco Plus im Überblick

  • Sonnenschutz (mit Sonnenlichtschutzfaktor 50 & UV-Faktor 22)
  • Integrierte Regenhülle
  • Spielzeugschlaufen und seitliche Netztaschen
  • Deluxe Kindercockpit
  • Höhen verstellbares Rückensystem
  • Verstellbarer Sicherheitsschultergurt
  • Einstellbare Bügel
  • Leichter Klapprahmen aus Aluminium
  • Reißverschluss-Aufbewahrungstasche
  • Dual Haltegriff
  • Einstellbarer Torso
  • Unteres Reißverschlussfach (17 L)
  • Hüftgurttaschen
  • Verstellbarer Fit on the Fly Hüftgurt (66cm-122cm)
  • Torso Dimensionierung: 38 cm-53cm
  • Seitliche Zugangstaschen aus Strech-Netzstoff
  • Großes Vorderseitenfach
  • Abnehmbarer „Sabberschutz“
  • Und alles Zusammen sehr gut und ausführlich mit Bildern und Handlungsanweisungen in der Bedienungsanweisung erklärt ( Auf der letzten Seite  des Handbuchs ist zudem eine „7 Jahre Allumfassende Garantie POCO Kindertransporter und Zubehör“ vermerkt

Fazit

Ohne jetzt in zu große Begeisterungsstürme verfallen zu wollen, aber die Trage hält was sie Verspricht. Besonders der hohe Tragekomfort und das ziemlich unkomplizierte Handling haben uns gut gefallen.

Das schon mehrfach erwähnte Sonnendach, der Regenschutz und ausreichend Stauraum runden das Gesamtpaket ab. Unterm Strich haben wir es bei der Poco Plus Kinderkraxe mit einem ziemlich durchdachten Teil zutun, dass zwar nicht gerade zu den günstigeren Modellen gehört, aber meiner Meinung jeden Cent Wert ist. Unser Kind fühlte sich jederzeit sehr wohl und sitzt sehr sicher und gerne über längere Zeit in der Trage,

Falls ihr euch für das gute Stück interessiert, könnt ihr es natürlich bei uns im Bergfreunde-Shop erstehen.

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.