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Sardinien: Im Banne des Supramonte

6. Februar 2020
Die Bergfreunde

Schaut man sich die Heckscheiben deutscher VW-Busse und Wohnmobile an, prangt auf gefühlt jedem Zweiten ein Korsika-Aufkleber. Er scheint bei den „Bullis“ eine Art Zugehörigkeitszeichen zu sein – ähnlich wie der Sylt-Aufkleber auf bürgerlichen Mittelklasselimousinen.

Sardinien habe ich noch auf keinem Auto gesehen. Warum eigentlich? Vielleicht weil Korsika höhere und spektakulärere Berge hat? Kann sein, doch vermutlich liegt es einfach daran, dass Korsika von uns aus „weiter vorne“ liegt und schneller zu erreichen ist. Abgesehen von der Höhe der Berge gibt es ansonsten wenig Grund, warum die große Schwester Sardinia sich hinter der kleinen Corsica verstecken müsste.

Die Große hat nämlich alles vorzuweisen, was es für eine abwechslungsreiche Reise braucht: von weißen Sandstränden mit smaragdfarbenem Meerwasser über malerische Städte und urige Bergdörfer mit reicher Kultur und Geschichte, bis zu mediterranen Wäldern und Felsen, Hügeln, Bergen in allen Formen und Farben.

Allerdings wäre ich selbst auch nicht von allein auf Sardinien als Reiseziel gekommen. Mich hat ein Familientreffen dorthin geführt, was die praktischen Vorteile einer gesponserten Ferienwohnung plus Mietwagen mit sich brachte. Letzterer scheint (leider) eine Grundvoraussetzung, wenn man auf Sardinien mit überschaubarem Zeitaufwand herumkommen will.

Immerhin lässt sich schon ab etwa 30 Euro pro Tag ein schotterpistentauglicher Untersatz inklusive Vollversicherung ohne Selbstbeteiligung ergattern. Mit öffentlichem Verkehr kommt man zwar zwischen den Städten und Dörfern durchaus gut herum, doch in den eher abgelegenen, landschaftlich attraktiven Ecken ist das mit enormem (Zeit)Aufwand verbunden. Details dazu bei den vorgeschlagenen Wandertouren und im abschließenden Informationsteil.

Sardinien für Bergfreunde: Nicht schlecht, Herr Specht!

Man kann Sardinien getrost ein Outdoorparadies nennen, von Bergen über Kletterfelsen bis zu Stränden und Tauchrevieren lädt so ziemlich alles zum draußen sein und Sporteln ein. Für Wanderer bieten  Gebirgszüge wie Gennargentu, Supramonte und Limbara große Spielwiesen mit je eigenem Charakter. Sportkletterer, Boulderer und Alpinkletterer finden eine kaum zu überschauende Auswahl an erstklassigem Gestein, vor allem auch in der hier beschriebenen Supramonte-Region. Einen Einblick dazu gibt es beim klettern-Magazin.

Fast hätte ich von „enormer Vielfalt auf engem Raum“ geschrieben, doch das stimmt nur teilweise. Denn obwohl Sardinien auf der großen Südeuropakarte nur eine unter vielen Inseln ist, sind die Entfernungen beachtlich. Tatsächlich bezeichnen manche Reiseautoren Sardinien als „kleinen Kontinent“. Das liegt nicht nur am doch ziemlich beachtlichen Nord-Süd-Durchmesser von 250 Kilometern Luftlinie, sondern auch am eben erwähnten, die Kletterer verzückenden Fels- und Steinreichtum der Insel. Ein solcher Untergrund erfordert unzählige Kurven, sodass der Verkehr vielerorts nur gemächlich dahinrollt. Mit den an jedem Gartenzaun haltenden Nahverkehrsbussen dauert das besonders lang.

Highlight Supramonte

Einen verkehrstechnischen Vorteil hat Sardinien dennoch: es gibt im Osten der Insel nämlich einen Landstrich, an dem Strände vom Feinsten, Sportklettergebiete und wilde, bergige Karstlandschaft nah beieinander liegen. Dieser Landstrich hört auf den klingenden Namen Supramonte.

Hier stimmt die Losung von der großen Vielfalt auf engstem Raum. Eigentlich ist das Supramonte eine Hochebene mit tief eingeschnittenen Schluchten und teils schroffen Berggipfeln, von denen einige trotz ihrer eher bescheidenen 1000 bis 1400 Meter mächtige Felsburgen sind. Die Landschaft wirkt so beeindruckend, weil sie „häufig unterbrochen von engen Schluchten, imposanten Kalkgipfeln, weiten Plateaus, tiefen Dolinen sowie versteckten Klammen“ ist. Da ihr zerklüfteter Kalkstein jeden Niederschlag „schluckt“ und in große unterirdische Reservoirs leitet, gibt es so gut wie keine Seen und Flüsse. Nur in der Karstquelle Su Gologone tritt ein Teil des Wassers an die Oberfläche.

Drei Wandertouren der Marke „in der Kürze liegt die Würze“. Und ein „ungeprüfter“ Vorschlag

Die folgenden drei Touren habe ich nach Vorabrecherche im Internet und in Reiseführern ausgesucht und begangen. Ich kann sie also unbedingt und wärmstens empfehlen. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre ich noch die eine oder andere Tour an der spektakulären Ostküste zwischen Cala Gonone im Norden und Baunei im Süden gegangen. Dort bieten wilde Klippen, traumhafte Buchten, mächtige Felsbögen und -Nadeln über tiefblauem Wasser einen spektakulären Anblick nach dem anderen. Es gibt eine anspruchsvolle Trekkingtour namens Selvaggio Blu, die den südlichen Teil dieses Küstenabschnitts in vier Tagesetappen bewältigt – Klettersteigpassagen inklusive.

1. Gola Gorropu (Gorropu-Schlucht) von der Passhöhe Genna Silana

  • Dauer/ Strecke: 3,5 – 4,5 Std. hin und zurück, je 600 Hm und 4,2 km, zuzüglich Aufenthalt in der Schlucht
  • Zufahrt: von Dorgali auf der SS 125 zum Parkplatz auf der Passhöhe des Genna Silana auf 1020 m

Bis zu 500 Meter hohe, teils stark überhängende Felswände treffen auf einem stellenweise nur wenige Meter breiten Schluchtgrund, der in engen Kurven verläuft, zusammen. Im Grund liegen Steine und Felsbrocken wild aufeinandergewürfelt und in allen Größen herum. Viele von ihnen sind von den nach Regenfällen hier entlang tosenden Wassermassen kugelrund geschliffen.

Einen schönen Zugang zu diesem Naturwunder bietet der beim Parkplatz auf der Passhöhe des Genna Silana startende Wanderweg. Bergab führt der alte Schäferpfad durch schönen Wald mit großen Korkeichen und vorbei an wilden Felsflanken zum Eingang der Schlucht auf 450 m Meereshöhe. Es geht teils steil hinunter, bevor man nach etwa eineinhalb Stunden das Portemonnaie zücken darf: der Eintritt in die Schlucht kostet 5 Euro.

Zwar ist der Blick von vorn in den Schluchteingang auch schon spektakulär, doch mittendrin sind die Eindrücke nochmals viel intensiver. Der Eintritt lohnt also auf jeden Fall, zumal er auch dem Erhalt des sensiblen Naturraums dient. Ich bin etwa 20 Minuten entlang der ersten zwei „Kurven“ der Schlucht hineingelaufen, bis das Gelände nach meinem Empfinden etwas weniger spektakulär wurde. Wer weiter hinein will, kann das natürlich tun, das Gelände soll laut des verpflichtenden „Briefings“ durch die Rangerin technisch und orientierungsmäßig immer anspruchsvoller werden.

Alles in allem ist die Tour nicht nur sehr schön, sondern das Gekraxel und Gewurschtel über die vielen Blöcke im Schluchtgrund auch sehr anregend.

Kletterer kennen die Schlucht wegen der Megaroute Hotel Supramonte, die ich etwa 15 Minuten vom Schluchteingang aufwärts gehend auf der linken Seite anhand eines von der Wand baumelnden Seils zu erkennen glaubte. Sie wurde 1998 von Rolando Larcher und Roberto Vigiani eingerichtet, misst 10 Seillängen mit Schwierigkeiten von 7a+ bis 8b und hängt auf ihren etwa 400 Metern Länge an die 100 Meter(!) über. Sie gilt bis heute als eine der schwierigsten alpinen Sportkletterrouten weltweit.

Alternativ kann die Schlucht auch vom Parkplatz Sa Barva im Tal des (nur nach Regen wasserführenden) Riu Flumineddu erreicht werden. Dieser Weg folgt stets dem Talboden und verspricht damit weniger Aussicht als „meine“ Variante vom Pass aus. Auch die als nächstes vorgestellte Siedlungsstätte am Monte Tiscali ist von Sa Barva aus in 2-3 Stunden Wanderung zu erreichen.

2. Monte Tiscali, 518 m – aus dem Valle Lanaittu

  • Dauer/Strecke: 2-3 Std. hin und zurück, je 350 Hm
  • Zufahrt: von Nuoro/Oliena oder Dorgali auf der SP 46 zum Abzweig nach Su Gologone. Von dort zunehmend ruppiges Sträßchen ins Lanaittu Tal

Der halbrunde, kraterartige Rest einer vor Jahrtausenden eingestürzten Riesendoline ist der beeindruckende Überbau für die Überreste einer prähistorischen Nuraghensiedlung. „Nuraghe“ bezeichnet sowohl die auf Sardinien überall zu sehenden Turmbauten, deren Zweck umstritten ist, als auch die mit diesen Bauten verbundene bronzezeitliche Kultur, die zwischen 1600 und 200 v. Chr. eine bemerkenswerte Blüte erreichte.

Der Weg dorthin führt durch eine wildschöne Szenerie an Bergen, Tälern und Schluchten. Man folgt zunächst auf Forstweg, dann auf immer schmalerem Pfad einigen Serpentinen durch zunehmend felsige Waldflanken, um oben durch eine Felsspalte zu schlüpfen und eine natürliche Felsgallerie entlang zu schreiten, bevor sich am Rand der Doline tolle Blicke eröffnen. Kurz vor Erreichen des Ziels gilt es – wie schon in der Gorropu-Schlucht -, die Brieftasche vorzuholen und 5 Euro beim freundlichen Kassenwart zu zahlen. Das Geld dient dem Erhalt der Stätte und dem Schutz vor (weiterer) Plünderung. Ein abgesteckter Rundgang führt durch diesen erstaunlichen, stimmungsvollen Ort.

Der „Normalweg“ führt ebenfalls von Sa Barva aus dem Tal des Riu Flumineddu hierher. Ich wählte den Zugang aus dem malerischen Valle Lanaittu, da ich diesen besonderen Landstrich erkunden wollte. Auf Schotterpiste folgte ich den „Tiscali“ Schildern soweit es Schlaglöcher und Radstand zuließen, bis ich bei den GPS-Koordinaten 40.2482053N, 9.4898756E das Auto abstellte.

3. Monte Corrasi, 1463 m – von Oliena

  • Dauer/Strecke: ca. 3 Std. hin und zurück, je 450 Hm
  • Zufahrt: von Nuoro über die SP 22 nach Oliena, dort im Zentrum den Schildern Richtung Via/Monte Corrasi folgen

Bis Oliena ist die Anreise zum höchsten Gipfel des Supramonte auch mit dem Bus möglich, danach führt die abenteuerliche, bald unbefestigte „Via Corrasi“ Richtung Punta sos Nidos. Mit robuster Autobereifung kann man ihr etwa 20 Minuten bis zu einer als Parkplatz nutzbaren Verbreiterung auf ziemlich genau 1000 Meter Höhe folgen. Zu Fuß dauert es hierhin ca. 2 Stunden.

Vom schön gelegenen „Parkplatz“ aus folgt man dem weiterhin recht breiten (und mit Allrad wohl noch weiter befahrbaren) Forstweg, bis er sich am Rande des Supramonte-Hochplateaus in einen Wanderweg verwandelt. Der runde Gipfelrücken ist hier bereits in Sicht und erscheint näher als er ist. Die Beschilderung ist gut und der Pfad auch an schmalen Stellen immer erkennbar, sodass man ein Verirren kaum fürchten muss.

Kurz unterhalb des Gipfels wird es mit einigen etwas steileren und steinigeren Stellen zu einer richtigen Bergwanderung. Oben genießt man eine Riesenaussicht über den Supramonte, das benachbarte Gennargentu-Massiv und den zentralen Osten Sardiniens. Auch die Tiefblicke in die steilen Nord- und Westflanken des Supramonte sind beeindruckend. Meerblick ist ebenfalls inklusive.

Praktische Infos:

Reisezeit

Sightseeingurlaub mit Landschaft und Kultur geht auf Sardinien das ganze Jahr, für Outdooraction eignen sich Frühjahr und Herbst am besten.

Anreise

Olbia im Nordosten, Sassari im Norwesten und Cagliari im Süden werden von (Billig)Airlines angeflogen. Von Süddeutschland aus ist die Anreise über Land sicher nachhaltiger und – vor allem mit Zwischenstopps in Florenz oder Rom – sicher auch schöner. Beispiel: Meine Rückreise führte von Olbia mit der Tirrenia-Fähre nach Cittavecchia, von dort per Regionalzug nach Rom und von dort wiederum (3 Tage später) mit Flixbus in süddeutsche Gefilde. Die Kosten von gut 80 € lagen in etwa bei denen des Hinflugs.

Mobilität vor Ort

Laut Sardinien-Inside ist das Unterwegssein mit Bus und Bahn auf Sardinien „abenteuerlich“. Selbst mit der recht gut funktionierenden Bahn kann es passieren, dass man zu ungünstigen Tageszeiten an Orten eintrifft und nicht mehr wegkommt. Nach Tickets für Bus und Bahn muss man laut der Seite hauptsächlich in Bars vor Ort Ausschau halten. Immerhin sind die Preise günstig.

Das Bahnnetz erstreckt sich zwischen den größeren Städten, vor allem zwischen Olbia, Sassari, Oristano, Cagliari, Nuoro und Carbonia. Darüber hinaus gibt es unter dem Label Trenino Verde  einige Schmalspurbahnen mit teils sehr schöner Streckenführung. Informationen und Tickets für die Hauptstrecken gibt es bei Trenitalia.

Zum Pass Genna Silana (Ausgangspunkt für Tour 1) soll ab Siniscola oder Nuoro das Busunternehmen Arst fahren, allerdings nur einmal täglich (Diese Info ist allerdings einem  Michael Müller Wanderführer von 2009 entnommen. Näheres und Aktuelleres dazu eventuell auf der alles andere als einladenden Firmenwebsite, sofern man sich dort zurechtfindet).

Neben Arst betreiben die Firmen Gruppo Turmo Travel und Deplano Bus weitere Linien. Kleinere Unternehmen wie Sun Lines Elite Service, Logudoro Tours, Redentours und Sardabus verkehren nur auf wenigen oder einzelnen Strecken.

Übernachten

Wie bei der Mobilität gilt auch beim Übernachten, dass Sardinien nicht wirklich ein Backpacker-Mekka ist. Dazu gibt es zu wenige gut ausgestattete Campingplätze oder „junge“ Hostel-Dorm-Unterkünfte der Low-Budget Kategorie an strategisch günstigen Orten. Auch die Sportkletterer reisen eher in den eigenen Campern an und herum.

Entlang der Küsten sieht es mit der Auswahl an günstigen Unterkünften besser aus als im Hinterland.

Fazit

Sardinien ist auch für Bergfreunde und Outdoorer allemal eine Reise wert. Vor allem auf Kletterer und Wanderer warten unzählige Möglichkeiten und tolle Eindrücke – von völlig entspannt bis hoch ambitioniert.

Loden – ein unterschätztes Material!?

16. Januar 2020
Ausrüstung

Liebe Freunde des gepflegten Outdoorsports, heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Loden befassen. Okay, okay, ich sehe förmlich, wie mich schon jetzt ein paar fragende Augen durch die Empfangsgeräte hindurch anschauen. Daher kurz vorab: Loden sind weder eine Inselgruppe im Nordatlantik, noch eine ansteckende Kinderkrankheit. Es handelt sich dabei vielmehr um ein traditionelles Material, das schon für Outdoorbekleidung eingesetzt wurde, als es den Begriff „Outdoor“ noch nicht einmal gab.

Loden wird aus dem Fell des jungfräulichen Lodenschafs (Ovis lodensis virginalis) hergestellt. Dieses darf nur im nördlichen Voralpenraum gezüchtet werden und auch dort nur auf Inseln, die in einem See liegen, in dem Baden verboten ist. Durch viel Ruhe und die überwiegende Fütterung der Schafe mit Spargel und Stangensellerie, wächst den Schafen langes glattes Fell. Dieses wird im Herbst von ehrenamtlich arbeitenden Rentnerinnen der katholischen Landfrauengemeinschaft geschoren. 

Klingt nach Blödsinn? Ist es auch! Aber hättet ihr gewusst, was Loden genau ist und wie dieser Stoff hergestellt wird? Ich ehrlich gesagt auch nicht so recht, schauen wir uns also die wichtigsten Fakten zum Thema gemeinsam an und fragen:

Was ist Loden eigentlich?

Eines vorweg: Es gibt kein Lodenschaf. Schade eigentlich, aber so ist das nun einmal. Loden ist ein Sammelbegriff für Wollstoffe. Woher das Wort kommt, kann heute nicht mehr genau geklärt werden, ist aber auch nicht so wichtig. Sicher ist jedoch, dass es Lodenstoffe bereits im Mittelalter gab. Früher wurden Stoffe dieser Art  überwiegend für wetterfeste (Arbeits-)Kleidung eingesetzt. Manch einem dürfte darüber hinaus der Begriff Loden als typischer Trachtenstoff und von Jagdbekleidung her bekannt sein. 

Ganz losgelöst von diesem leicht angestaubten Image kommen Lodenstoffe neuerdings aber auch vermehrt im Bereich der Freizeit- und Sportbekleidung zum Einsatz. Die Stoffe können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Von dick bis dünn von vergleichsweise glatt bis eher grob, hier gibt es zahlreiche Varianten. Eines eint sie jedoch: Die Stoffe sind immer gewalkt. Und das bringt uns gleich zu der nächsten Frage:

Wie werden Lodenstoffe hergestellt und was unterscheidet sie von anderen Stoffen?

Bei Loden handelt es sich um Stoffe, die aus Wolle hergestellt werden. Hierzu wird gerade für Outdoorbekleidung auch gerne mal Merinowolle eingesetzt. Traditionell hergestellte Loden bestehen jedoch zumeist aus „herkömmlicher“ Schurwolle, nicht selten von Schafen aus dem Alpenraum. Darüber hinaus lässt sich aber auch beispielsweise Alpakawolle oder Kaschmirwolle problemlos zu Lodenstoffen verarbeiten.

Vom Rohstoff Wolle bis hin zur fertigen Stoffbahn ist der Herstellungsprozess jedoch immer in etwa derselbe. Welche Schritte die Wolle dabei durchläuft, habe ich hier für euch einmal vereinfacht zusammengefasst.

Vermischen und kämmen

Egal ob Lodenstoff oder nicht, bevor es mit der Verarbeitung so richtig losgeht, muss der Rohstoff Wolle grundlegend behandelt werden. Da nicht nur die Wolle von einem Tier zum Einsatz kommt, ist es wichtig, die einzelnen Wollfasern gründlich zu vermischen. Direkt im Anschluss an diesen Prozess läuft die Rohwolle über bestimmte Walzen, die mit Nadeln versehen sind und so die Wolle zu einem feinen Vlies kämmen. Je nach Hersteller wird die Wolle nach diesem Vorgang gefärbt, andere Hersteller färben erst das fertige Garn ein.

Spinnen

Das Spinnen ist ein sehr komplexer Prozess und kann je nach dem, wofür das Garn später eingesetzt werden soll, unterschiedlich erfolgen. Wichtig ist für uns jedoch nur die Tatsache, dass die Wolle zu unterschiedlich dicken Garnen versponnen wird, was sich wiederum auf die spätere Beschaffenheit des Stoffs auswirkt.

Weben

Auch beim Weben der späteren Lodenstoffe unterscheidet sich der Vorgang nicht grundlegend zur Herstellung anderer Stoffarten. Besonders ist jedoch, dass hier in der Regel besonders große Stoffbahnen gewoben werden, da sich diese beim nachfolgenden Verarbeitungsprozess nochmals deutlich zusammenziehen.

Walken

Durch das Walken werden Loden erst zu Loden. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, der sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert hat und dem Material seine charakteristischen Eigenschaften verleiht.

In ca. 40 °C warmem Wasser wird der Wollstoff durch Reibung und Druck gewalkt. Hierbei verfilzen die Fasern ineinander, das Gewebe schrumpft um etwa 30-40 % und es entsteht ein Stoff, der sehr dicht und somit wetterfest ist. Der Grund hierfür liegt auch in dem in der Wolle enthaltenen Wollfett, das dem Stoff zahlreiche gute Eigenschaften verleiht. 

Eigenschaften und Einsatzgebiet von Lodenstoffen

Loden kommt klassischerweise immer dort zum Einsatz, wo robuste und wetterfeste Kleidung benötigt wird. Loden ist ein Stoff, der gerade auch für den Alpenraum sehr typisch ist. Früher wurde er dort überwiegend für Arbeitskleidung verwendet. Kein Wunder, denn Kleidungsstücke aus Loden halten in der Regel ordentlich was aus und geben obendrein warm. Ein weiteres typisches Einsatzgebiet für Lodenstoffe ist seit jeher Jagdbekleidung, denn auch hier sind die Anforderungen recht ähnlich. 

Vereinfacht kann man sich Loden als stark verdichteten Wollstoff vorstellen. Bei diesem liegen die einzelnen Fasern deutlich enger beieinander als bei herkömmlichem Gewebe. Außerdem sind sie Fasern durch das Filzen dicht miteinander verzahnt und bilden so einen Stoff, der zahlreiche gute Eigenschaften besitzt:

  • Winddicht. Durch die enge Gewebestruktur und die wärmenden Eigenschaften von Wolle, wird eine optimale Winddichtigkeit erreicht. Je nach dicke des Stoffs, bleit diese bis zu vergleichsweise hohen Windstärken erhalten.
  • Wasserabweisend. Loden wird klassisch ohne den Zusatz von Chemikalien hergestellt. Hierdurch bleibt das natürliche Wollfett, das Lanolin, im Stoff erhalten. Dieses wiederum bewirkt, dass Lodenkleidung Wasser nur schlecht aufnehmen kann und so beispielsweise auch bei leichtem Nieselregen innen angenehm trocken bleibt.
  • Schmutzresistent. Das Wolllanolin kann aber noch mehr. Es bewirkt obendrein, dass Schmutz nur schlecht vom Gewebe aufgenommen werden kann. Werden Lodenstoffe also für Arbeitskleidung oder Sportbekleidung eingesetzt, wirkt sich dies gerade bei raueren Bedingungen positiv auf den Gesamtzustand aus.
  • Temperaturausgleichend und atmungsaktiv. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Loden um ein Naturprodukt. Wolle ist von Natur aus wärmend. Durch die eng verwobene Struktur kann außerdem die körpereigene Wärme dort gehalten werden, wo sie gebraucht wird. Außerdem kann die besondere Struktur des Stoffs Wasserdampf, wie er beispielsweise beim Schwitzen entsteht, in einem gewissen Maß aufnehmen und ermöglicht so den zielgerichteten Abtransport.

Loden im Outdoorbereich

Ist Loden also der neue Superstoff, auf den die Welt schon lange wartet? Naja, ganz so einfach ist das nicht. Wie überall im Leben muss man auch hier genauer hinschauen. Aktuell kommen Lodenstoffe im Outdoorbereich nur vereinzelt zum Einsatz. Ob das an dem leicht angestaubten Image dieses Stoffs liegt oder schlicht daran, dass die großen Hersteller noch nicht auf den Trichter gekommen sind, ist dabei nicht geklärt.

Schauen wir uns aber einmal die Produkte am Markt an, sehen wir recht schnell: Loden geht auch ganz anders als volkstümlich oder jägermäßig. Nicht selten werden im Outdoorbereich Lodenstoffe auch mit anderen Materialien kombiniert, sodass moderne und funktionelle Kleidungsstücke entstehen, die auch mit härteren Bedingungen gut klarkommen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Produktgruppen:

Pullover und leichte Jacken

Wolle wirkt wärmend. Kein Wunder also, dass auch Loden genau dafür eingesetzt wird. Zahlreiche Hersteller wie beispielsweise Ivanhoe of Sweden oder Ulvang bieten daher vergleichsweise dünne Jacken und Pullover aus Lodenstoffen als wärmende Kleidungsschicht an. Hersteller wie Ortovox gehen dabei sogar noch weiter. Durch die gezielte Kombination von Loden und Kunstfaser, entstehen hier Kleidungsstücke, die zahlreiche gute Eigenschaften mitbringen.

Mäntel und wetterefeste Jacken

Wie bereits erwähnt, ist Loden seit jeher ein Stoff, der vor allem dann zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, unangenehmer Witterung zu trotzen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass auch im Outdoorbereich neuerdings vermehrt auf Mäntel und warme Jacken aus oder mit Lodenstoffen gesetzt wird.

Schuhe

Doch auch losgelöst von Oberbekleidung kommen Lodenstoffe zum Einsatz. Hier zeigt beispielsweise Dachstein, wie es geht und verwendet Loden als Obermaterial für Schuhe und Stiefel. Durch die zahlreichen guten Eigenschaften des Lodenstoffs sind diese Schuhe sehr angenehm zu tragen und obendrein Schmutzresistent.

Aber was sagt uns das?

Manche Materialien haben vielleicht zu unrecht ein schlechtes Image. Loden gehört hier definitiv dazu. Auch ich hatte am Anfang meiner Recherche ein eher ungutes Gefühl. Loden erinnerte mich irgendwie immer an die Achtziger.

Bilder wie mein Vater im langen grünen Mantel mit irgendwelchen „Hirschhornknöpfen“ und allgemein eher scheußliche Kleindungsstücke aus dem Bereich „Landhausmode“ hatte ich da automatisch im Kopf.

Doch wie überall ist es eben auch hier eine Frage, was man daraus macht und da sind manche Hersteller zumindest aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Es zeigt sich außerdem immer mehr, dass gerade auch alte Naturmaterialien Einzug in moderne Kleidung halten, was auch im Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit eine allgemein gute Tendenz ist.

Preis vs. Leistung – Wie man auch mit kleinem Budget zu einer guten Ausrüstung kommt

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Neulich mit ein paar Freunden bei mir zu Hause am Küchentisch: „Also wenn ich mir neue Expressen kaufe, dann nur diese ganz leichten von DMM oder Petzl oder so. Die sind zwar sauteuer, aber halt auch viel besser als alles andere. Auch wenn das dann mal mein Budget sprengt, von nichts kommt nichts“, sagt da einer und blickt unmittelbar in fragende Gesichter. Ich denke mir noch so: „Mann, an deiner Stelle hätte ich da mal schön die Klappe gehalten, denn da sitzen nicht nur Leute, die besser klettern als du, sondern einfach auch deutlich mehr Ahnung haben.“

Es kommt also wie es kommen muss. Als hätte man in ein Wespennest gestochen, bricht augenblicklich eine Diskussion los, die mehr oder weniger bis zum heutigen Tag anhält und an deren vorläufigem Ergebnis ich euch einmal teilhaben lassen möchte. Heute also im Ring: Preis vs. Leistung.

Oder konkret die Frage: Ist alles Teure automatisch immer gut und ist alles Günstige automatisch immer unterlegen? Und wie stelle ich es an, wenn ich nur ein kleines Budget habe, aber dennoch eine vollwertige Ausrüstung brauche?

Muss Qualität immer teuer sein?

Brauchbare Ausrüstung gibt’s schon für vergleichsweise kleines Geld, bessere Ausrüstung gibts dann für deutlich mehr Geld und die geilsten Ausrüstungsgegenstände überhaupt gibts für richtig fett Asche. Richtig oder falsch? Naja, diese Frage ist wie immer nicht ganz leicht und auch nicht ganz pauschal zu beantworten.

Da die Diskussion am Küchentisch mit dem Thema Expresssets begonnen hat, wollen wir die alte Tradition doch einfach einmal fortsetzen. Spielen wir also mal das Spiel mit und fragen: Wie sieht es mit Preis und Leistung im Bereich (Kletter-)Ausrüstung aus?

Es gibt nichts dran zu rütteln, egal wie Gurt, Karabiner, Seil und Co. daherkommen, sie müssen sicher sein. Die gute Nachricht gleich vorweg: Das sind sie. Jegliche Kletterausrüstung, die regulär in Deutschland und der EU vertrieben wird, muss gewissen Standards entsprechen und nach deren Kriterien geprüft sein. Hierzu gibt es die Europäische Norm (EN) die für jeden Ausrüstungsgegenstand formuliert wird und eine normierte Sicherheitsprüfung gewährleistet.

Jedes Prüfverfahren wird nur für eine bestimmte Produktgruppe angewendet und trägt eine eigene Kennung. Mit der Bezeichnung „conform european“ (CE-Zeichen) erklärt der Hersteller, dass es nach EN geprüft ist und für unbedenklich erklärt wurde. Die Zahl nach dem Zeichen gibt an, welche Prüfstelle die Prüfung vorgenommen hat.

Hierzu ein Beispiel. Auf meinem Klettergurt finden sich unter anderem folgende Angaben: EN 12277 und CE 0123. Das heißt: Der Gurt wurde nach der Norm für „Bergsteigerausrüstung und Anseilgurte“ getestet und vom TÜV München zertifiziert. Neben der EN gibt es aber auch noch die freiwillige Norm der Bergsportverbände, die UIAA-Norm. Diese Norm gilt weltweit und setzt in der Regel strengere Prüfkriterien an. Trägt ein Produkt das Logo der UIAA (Ein Berg in einem Kreis mit der Aufschrift „UIAA“), dann wurde es auch von der UIAA als konform getestet.

Die UIAA-Norm ist jedoch im Gegensatz zur Europäischen Norm nicht verpflichtend, daher sind auch nicht alle Produkte am Markt nach UIAA-Norm getestet. Beide Normen dienen jedoch dazu den Verbraucher vor gefährlicher oder mangelhafter Ware zu schützen. Billig = unsicher stimmt hier also zum Glück schon einmal nicht.

Gerade bei einem Klettergurt ist es wichtig, dass er gut sitzt. Wenn da schon bei der ersten Route was zwickt und klemmt, macht die ganze Klettersession keinen Spaß. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass bequem oder unbequem keine Preisfrage ist, sondern vielmehr vom eigenen Körperbau und den persönlichen Bedürfnissen abhängt. Da heißt es im Zweifelsfall einfach mal anprobieren. Billig = zwangsläufig saumäßig unbequem, entspricht also auch nicht unbedingt der Wahrheit. Komfort kann aber noch was anderes bedeuten: Nämlich welche Extras bringt der Gurt mit und wie einfach lässt er sich anziehen oder einstellen?

Auch hier muss man sich die Frage nach den persönlichen Bedürfnissen stellen. Wer beispielsweise überwiegend in die Halle zum Sportklettern geht, braucht in der Regel keinen vollverstellbaren Gurt. Auch super viele Materialschlaufen oder Ösen für Eisschrauben sind da eher unwichtig. Viel wichtiger ist es da schon, dass man den Gurt einfach anziehen kann, dass die Schallen gut laufen und intuitiv zu handhaben sind. Doch all das ist zum Glück auch nicht zwangsläufig eine Frage des Preises. Der Aussage „billig = super unkomfortabel“ sei daher ein deutliches Fragezeichen hinzugefügt.

Bei der Kletterausrüstung geht das Gewicht einzelner Ausrüstungsgegenstände teils weit auseinander. Und klar ist dabei auch, was weniger wiegt, aber dennoch das Gleiche kann wie sein schwerer Kollege, ist gerne auch mal deutlich teurer. Schauen wir uns das Beispiel vom Anfang nochmals näher an. Es gibt Expresssets, die wiegen lediglich einen Bruchteil von Standardexpresssets. Da kann es dann schon einmal sein, dass die aktuell leichtesten Expressen am Markt nur gut die Hälfte von „normalen“ Expresssets wiegen.

Je nach Ausführung stehen sich da Werte von rund 65 Gramm bis ca. 125 Gramm gegenüber. Dazwischen gibt es praktisch alles zu unterschiedlichsten Preisen. Fragt man da nach dem Warum, sieht man recht schnell, ein besonderes Karabinerdesign und ein Band aus leichtem Dyneema ermöglichen den Leichtbau. Das sich das auf den Preis niederschlägt, ist da nur wenig verwunderlich. Dennoch sollte man sich auch hier fragen, wofür man den jeweiligen Ausrüstungsgegenstand hauptsächlich einsetzen wird.

Geschieht dies beispielsweise beim Alpinklettern oder in Bigwalls, lohnt es sich deutlicher auf das Gewicht zu schauen. Auch wer sich in den oberen Schwierigkeitsgraden zu Hause fühlt, hat da sicherlich besondere Ansprüche. Gerade aber für Einsteiger oder Genusskletterer, die sich überwiegend im heimischen Klettergarten bewegen, ist es sinnvoll, zwischen Preis und Gewicht abzuwägen.

Rucksäcke sind beim Bergsport quasi omnipräsent. Kein Wunder, man kann in sie Dinge hineinpacken, sie lassen sich deutlich angenehmer tragen als beispielsweise Omas alter Jutebeutel und man kann so herrlich ewig darin herumsuchen ohne den gewünschten Gegenstand zu finden. Aber mal Spaß bei Seite: Vom Radfahren bis hin zu Trekkingtouren es gibt fast keinen Bereich für den es nicht auch einen speziellen Rucksack gibt.

Kein Wunder also, dass die einzelnen Modelle mitunter stark unterschiedlich aussehen. Eines haben sie jedoch alle gemein: Sie müssen ordentlich was aushalten. Dennoch sind es auch in diesem Bereich eher das Gewicht, die Beschaffenheit des Tragegestells oder die allgemeine Ausstattung und Größe, die sich in erster Linie auf den Preis niederschlagen. Dass dies nicht zwingend zulasten der Robustheit oder Langlebigkeit gehen muss zeigen zahlreiche Modelle am Markt.

Mit kleinem Budget viel erreichen, so kanns was werden

Schön und gut, dass Preis und Leistung nicht unmittelbar miteinander zusammenhängen müssen, haben wir nun gesehen. Was aber kann man tun, wenn man mit einem vergleichsweise kleinen Budget eine möglichst vielseitige Ausrüstung zusammenstellen möchte?

Für nahezu jeden Einsatzbereich gibt es spezielle Ausrüstungsgegenstände und das macht auch Sinn. Dennoch fallen mir immer wieder Personen auf, die diesbezüglich zum Overdressen neigen. Da gibt es Leute, die um drei Bücher an die Uni zu tragen einen krassen Ultraleichtrucksack dabei haben. Oder andere, die auf eine Tageswanderung bei stabilstem Sommerwetter eine 3-Lagen-Gore-Jacke mitschleppen. Oder nochmals andere, die sich für den Biergartenbesuch eine polarisierte Gletscherbrille zugelegt haben. Oder, oder, oder. Das Paradoxe ist dabei nicht, dass diese Dinge nach dem Prinzip „eh da“ verwendet werden, sondern nicht selten speziell dafür angeschafft wurden. Und das ist aus rein rationalen Gesichtspunkten großer Quatsch. Wer einen dicken Geldbeutel sein eigen nennt, wird mich jetzt sicherlich müde anlächeln und dem sei das alles auch zugestanden. Für alle, die sich jedoch frei nach Bud Spencer die Frage stellen. „Und was ist nun mit den Kohlen?“, denen seien hier ein paar praktische Tipps an die Hand gegeben.

Anspruch und Wirklichkeit

Bei jeder Neuanschaffung schwingt immer auch die Frage mit, was hätte ich gerne und wozu brauche ich das. Wofür soll der Gegenstand später einmal hauptsächlich eingesetzt werden, ist er dieser Anforderung gewachsen oder ist er der komplette Overkill? Ein Trekkingrucksack mit krassen Tragesystem ist vielleicht für den Besuch bei Tante Lisbeth einfach too much. Wenn aber jemand beispielsweise einen super schlimmen Rücken hat und ohne Rucksack mit speziellem Tragesystem kaum existieren kann, macht es Sinn auch für Tagestouren oder kleinere Ausflüge gezielter auszuwählen.

Oder wer beispielsweise bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit fährt und dazu eben einen wasserdichten Rucksack oder robuste Satteltaschen braucht, der muss sicherlich anders auswählen, als jemand, der einmal im Sommer mit dem Rad zum Picknick fährt. Daher kann es absolut hilfreich sein, einfach einmal in sich selbst hineinzuhorchen wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind. Als Budgettipp Nummer 1 gilt daher: Anspruch und Wirklichkeit genau gegeneinander abwägen.

Nein, ich will euch nicht überreden in Sandalen über Gletscher zu wandern oder statt eines vollwertigen Campingbestecks nur eine abgesägte Gabel mitzunehmen. Ich denke da vielmehr an Dinge, die einen imaginären „nice-to-have-Aufkleber“ haben. Hierzu ein Beispiel: Klar kann es bei Hoch- oder Skitouren nützlich und angenehm sein ein Sitzkissen für Pausen dabei zu haben. Zwingend brauchen tut das aber kein Mensch, denn man kann sich beispielsweise einfach auf den Rucksack oder die umgedrehten Skier oder gleich in die Kneipe setzen.

Dinge dieser Art gibt es viele. Wer also gerade dabei ist mit begrenzten Mitteln eine neue Ausrüstung zusammenzustellen, dem sei der Budgettipp Nummer 2 ans Herz gelegt: Nur das auf die Ausrüstungsliste setzen, was auch wirklich benötigt wird. Das hat sogar noch einen praktischen Nebeneffekt. Wer nicht allerlei unnötigen Plunder herumschleppt, tut sich unterwegs im wahrsten Sinn des Wortes oft leichter, hält länger durch oder kommt schneller an. Stellt man im Lauf der Zeit dann fest, dass dies oder das zum vollkommenen Glück noch fehlt, kann man es immer noch kaufen.

Qualität

Ein kluger Mann hat mir einmal in etwa Folgendes gesagt: „Ihr habt nicht genug Geld um euch billigen Mist zu kaufen.“ Das klingt erst einmal paradox, trifft aber den Nagel durchaus auf den Kopf. Dinge die manchmal zu absoluten Schleuderpreisen angeboten werden, gerne Billigware aus Fernost, halten oft nicht besonders lange.

Gerade im Bereich Outdoor und Camping beschert uns da so mancher Discounter alljährlich eine Flut an quasi Einwegprodukten. Im regelmäßigen und auch härteren Gebrauch kommen Produkte dieser Art nicht selten an ihre Grenzen. Wer dann nach einer Saison wieder neu kaufen muss, hat nichts gewonnen und legt in der Regel drauf. Allerdings kann es sich lohnen gerade im Bereich der Bekleidung einmal den hochwertigen Gebrauchtmarkt zu checken.

Bei sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen wie Klettergurten, Seilen oder Karabinern ist davon jedoch abzuraten, weil man in der Regel nicht weiß, was der Vorgänger damit angestellt hat. Daher lautet der Budgettipp Nummer 3: Qualitativ hochwertige Sachen kaufen, dabei aber auf den Preis achten.

„Zweckentfremden“

Für jeden Sport und dessen Unterarten gibt es spezielle Produkte. Rucksäcke, Kleidung, Schuhe oder Sonnenbrillen seien da nur einmal als Beispiel genannt. Das mag ja auch alles seinen Sinn haben, dennoch lassen sich oft auch Dinge leicht zweckentfremden oder für andere Disziplinen einsetzen, ohne dass dies zu sehr auffällt oder stört. So können beispielsweise Teleskopstöcke nicht nur im Sommer bei langen Wanderungen nützlich sein, sie lassen sich vielmehr auch im Winter auf Skitour einsetzen. Auch kann ein kleiner Radrucksack prima für Tageswanderungen hergenommen werden.

Ich persönlich habe jahrelang meinen Kletterrucksack im Winter auf Skitour mitgenommen. Ein guter Freund trägt immer seine Laufshirts beim Tourenradfahren und es soll Leute geben, die das ein und selbe Softshell sowohl bei Hochtouren, als auch zum Skaten (also Langlaufen, nicht Kartenspielen) tragen. Wer hier ein wenig kreativ ist, kann den einen oder anderen Euro sparen. Somit lautet der Budgettipp Nummer 4: Die Vielseitigkeit einzelner Ausrüstungsgegenstände zum wichtigen Auswahlkriterium machen.

Zum Geleit

Bevor man sich was Neues anschafft, kann es hilfreich sein, darüber nachzudenken, wofür man das Ding denn genau braucht. Wer nur ein vergleichsweise kleines Budget zur Verfügung hat oder für die ersten Gehversuche in einer neuen Sportart nicht gleich den halben Monatslohn hinblättern möchte, kann sich hier und da ein paar Euros sparen, ohne gleich in der Ramschsparte zu landen. Der Ausspruch „weniger ist manchmal mehr“, passt hier vielleicht ganz gut. Und wie so oft im Leben ist auch in diesem Bereich eine Entscheidung nicht für die Ewigkeit. Für den Start in einer neuen Sportart sind Kompromisslösungen bezüglich der Ausrüstung meist eine gute Sache. Wer dann nach einiger Zeit sicher ist, dass er in der Sportart auch weiterkommen möchte, stellt ganz von alleine fest, was noch fehlt, bzw. wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind.

Wer jetzt allerdings mit einem überlegenen Grinsen denkt, „Oh Mann, heute sind aber die Schwaben mal wieder besonders schwäbisch drauf“, dem sei nur eines gesagt: Ich bin Badenserin, du Schlauberger ;-)

Direct Alpine – technische Bergsteigerbekleidung aus Tschechien

27. November 2019
Ausrüstung

Eigentlich erinnert die Gründungsgeschichte von Direct Alpine ein wenig an die der Bergfreunde: Zwei junge Gründer, die eigentlich nichts lieber wollten, als den ganzen Tag am Fels verbringen, beginnen sich für die Ausrüstung und Bekleidung, die für ihr liebstes Hobby nötig ist,  zu beschäftigen. Die zwei kletter-begeisterten besten Freunde Radek Novacek und Jirka Silka gründen im Jahr 1997 eine kleine Handelsfirma in Liberec, Tschechien und beginnen so die Geschichte der heute erfolgreichen Outdoor-Marke Direct Alpine.

Die Firma hat nach wie vor ihren Sitz in Liberec und produziert in momentan 13 Werkstätten in Tschechien die Mehrheit ihrer Modelle. Auch wenn Direct Alpine teilweise noch als echter Geheimtipp gilt, ist die Marke bereits ein kleiner Hoffnungsträger in der tschechischen Textilindustrie. Denn die hatte schon rosigere Zeiten. Vor fast hundert Jahren galt Tschechien als die Textilhochburg schlechthin. Damals schossen große Webereien und Stickereien förmlich aus dem Boden.

Das Land war bekannt für ihre Textilindustrie und viele Menschen fanden Jobs in der Produktion oder im Handel von Kleidung. Doch wie wir wissen, kommt nach einem Berg auch schnell wieder das Tal. So schrumpfte nach dem zweiten Weltkrieg die tschechische Textilbranche immer mehr und umfasste Ende der Achtziger Jahre gerade mal noch 250.000 Beschäftigte.

Das klingt als gäbe ich in den nächsten Zeilen einen ausführlichen Geschichtsunterricht zur wirtschaftlichen Lage in Tschechien. Sicherlich auch ein spannendes Thema, aber wir wollen uns ja mit der Marke Direct Alpine beschäftigen.

Funktionalität & Qualität  – Ganz ohne Schnickschnack

Direct Alpine ist in erster Linie eine Marke, die hoch funktionale Outdoorkleidung für Bergsteiger herstellt. Die Bekleidung soll beim direkten Weg zum Gipfel, so das Motto, unterstützen und vor Wind und Wetter schützen. Mitgründer Radek Novácek ist nach wie vor Designer der Produkte und weiß „was es heißt, bei schlechtem Wetter zu wandern“. Das Sortiment für Männer und Frauen ist überschaubar. Jedes Teil wird daher ausführlich  im Labor und vom Direct Alpine Test Team, bestehend aus erfahrenen Bergsteigern, getestet. Dabei werden  unter anderem Atmungsaktivität, Wasserdichtigkeit, Windbeständigkeit und Abriebfestigkeit geprüft.

Die meisten Hosen und Jacken im Sortiment haben eine körperbetonte Passform. Die Marke setzt auf hochwertige, innovative Materialien, wie Cordura, Innenfutter aus atmungsaktivem Coolmax, Dermizax und Gelanots. Letzteres ist in der Branche noch sehr unbekannt und wird nur von wenigen Marken eingesetzt. Das Material wird beispielsweise für die Oberschutzjacke GUIDE von Direct Alpine verwendet. Es ist undurchlässig für Wasser in Tropfenform, allerdings durchlässig für Wasserdampf. Der Stoff besticht besonders in Sachen Atmungsaktivität.

Durch die hydrophile Struktur des Gelanots wird die entstehende Feuchtigkeit unter der Jacke angezogen und an die Außenseite geleitet. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite also ist, desto besser funktioniert dieser natürliche Prozess. Wenn es auf Ski-, Trekking- oder Klettertouren mal schweißtreibender wird, sollte die GUIDE ein guter Begleiter sein. Laut eigener Angabe der Marke, ist die GUIDE zu dem leichter als klassische Hardshelljacken. In unabhängigen Tests, wie vom Outdoor Magazin schneidet die Jacke sehr gut ab. Auch andere Produkte schneiden in den Tests gut bis sehr gut ab. So hat beispielsweise die FORAKER Wärmejacke, den Outdoor Editor´s Choice Award 2016 gewonnen.

Sowohl der Designprozess als auch die Produktion finden zu (fast) 100 Prozent in Tschechien statt. Dreizehn Werkstätten im ganzen Land arbeiten eng mit dem Design- und Entwicklungsteam zusammen. Die enge Zusammenarbeit und strenge Kontrolle kommt der Qualität der Produkte zugute.

Rund um punktet das „Made in Europe“-Label mit Transparenz und familiärer Unternehmenskultur. Gemäß dem Motto der Marke, wird auch beim Design auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Funktionalität, klare Linien, körperbetonte Passform und hochwertige Materialien stehen im Vordergrund, um nicht vom eigentlichen Ziel abzulenken: Den Berg zu besteigen.

Made in Europe – Aber wie steht´s um die Nachhaltigkeit?

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte natürlich auch respektvoll mit ihr umgehen. Und das beginnt nicht erst bei der Vesper auf dem Gipfel, wenn man die Müsliriegelverpackung wieder mit nach unten nimmt, sondern bereits beim Kauf der Ausrüstung. Vor allem durch Technologien, die Outdoorklamotten warm, wetterfest und wasserdicht machen, werden oft Chemikalien und Kunststoffe verwendet, die der Umwelt schaden. Allerdings ist die Outdoorbranche, womöglich gerade wegen der Liebe der Outdoor-Enthusiasten zur Natur, immer mehr dessen Auswirkung auf die Umwelt bewusst. Große Marken wie Vaude oder Patagonia machen Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten Prinzipien ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

Auch Direct Alpine hat in Sachen Nachhaltigkeit einiges vorzuzeigen. Die Tatsache, dass die Marke in Europa beheimatet ist, hier produziert und auch die größten Abnehmer in Europa sitzen, erspart lange Transportwege und somit CO2-Emissionen. Einige Materialien sind bluesign® zertifiziert. Der unabhängige Gutachter verbessert und kontrolliert jede Phase der Produktion, um die Umweltbelastung der Textilindustrie zu verringern.

Seit 2016 wird bei der gesamten Kollektion auf die umweltschädliche Chemikalie PFOA verzichtet und für 2020 ist das Ziel alle PFC-Verbindungen um 60 % im Vergleich zur Kollektion W18 zu reduzieren. Auch setzt Direct Alpine immer mehr recycelte Materialien ein. So gab es zum 20-jährigen Jubiläum der Marke, die PATROL Bergsteigerhose, welche seit Firmenbeginn mit im Sortiment ist und mittlerweile als wahre Legende gilt, in der ECO Version. Das Material der PATROL ECO stammt aus einem Projekt zum Recycling alter Fischernetze und anderem Kunststoffabfall für die ökologische Produktion von Kleidung. In Sachen Langlebigkeit, Funktion und Komfort steht die „Ökoversion“ der traditionellen PATROL natürlich in nichts nach.

Abgesehen von einzelnen  Nachhaltigkeitsprojekten wie diesem, setzt Direct Alpine auch auf kleine Veränderungen, die Ressourcen sparen und die Umwelt schonen. So ist in Planung für die Kollektion W20 alle Etiketten aus recyceltem Material herzustellen, Kunststoffverpackungen um 20 % zu reduzieren und alle Baumwoll-T-Shirts aus Bio-Baumwolle herzustellen. Auch im Logistik- und Produktionsprozess will Direct Alpine bis zum nächsten Jahr die Reduzierung des Lufttransports von Materialien um 50 % reduzieren. 1 % des Sortiments wird aufgrund aufwendiger Verarbeitungsprozesse, für die in Tschechien die Infrastruktur (noch) fehlt, außerhalb der EU produziert. Dieser Anteil ist durch die Fair Wear Foundation und nach OECO-Tex 100 Standard zertifiziert.

Die Produktion innerhalb Europas spart nicht nur an CO2 Emissionen, sondern sorgt auch schon mal für Produktionsvoraussetzungen nach EU-Standards. Da die Produktion hauptsächlich in der Tschechischen Republik stattfindet, werden Arbeitsplätze geschaffen und die wirtschaftliche Lage der Textilproduktion wird verbessert und unterstützt.

Fazit

In Sachen Umweltschutz und Firmenethik geht es sicherlich immer noch ein Stück besser, fairer und ressourcenschonender. Allerdings gilt es nicht nur die absoluten Nachhaltigkeitsvorreiter für deren Aktionismus zu belohnen. Direct Alpine tut bereits einiges, um die Umwelt zu schonen. Die Marke befindet sich diesbezüglich ganz klar im soliden Mittelfeld, sie ist transparent und versteckt sich nicht hinter inhaltslosem „Green-Marketing“. Die Ziele sind klar definiert, dennoch scheint es den Gründern bewusst zu sein, dass sie (noch) kein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind.

Das Wichtigste ist und bleibt allerdings, ob der Nutzer problemlos auf den Gipfel kommt, ohne dass Ausrüstung und Kleidung unnötig den Weg erschweren. Idealerweise sollte die Ausrüstung uns bei unserem Vorhaben vielmehr unter die Arme greifen. Beim Kauf von Direct Alpine Artikel können wir uns auf hochwertige Verarbeitung, und somit auf ein langes Leben der Produkte verlassen. Gerade für anspruchsvolle Touren in den Bergen eignen sich die Jacken und Hosen, durch die innovativen Membrantechnologien. Hier merkt man, dass die Produkte von anspruchsvollen Bergsteigern entwickelt wurden.

Auch wenn die Marke (noch) als Geheimtipp unter den Outdoor-Enthusiasten gilt, steigen der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit stetig. Das zeigen die sämtlichen positiven Tests und Berichte in der Welt der Outdoor-Blogs. Wenn Direct Alpine also das eigene Motto einhält, dann geht es mit mit der Marke wohl weiter direkt an die Spitze.

Das Schlauchtuch: Würdigung und Kulturkritik

13. November 2019
Ausrüstung

Das Multifunktionsschlauchtuch, wie es in erbarmungslos präzisem Deutsch heißt, fällt nicht nur durch seinen für ausländische Zungen kaum zu bewältigenden Namen auf. Auch mit seiner oft bunten, nicht selten batikartigen Farbgestaltung zieht es Aufmerksamkeit auf sich. Es ist überhaupt kaum noch zu übersehen, da es landauf, landab, am Bergpfad oder in der Großstadt, immer beliebter wird. Ja, man kann von einem triumphalen Siegeszug des Schlauchtuchs sprechen.

Den Zungenbrecher kann man übrigens umgehen, indem man auf die geläufigere Bezeichnung Buff-Tuch zurückgreift. Analog zu Tempo und Papiertaschentuch dient hier die bekannteste Marke als Gattungsbegriff für das Produkt. Die Firma Buff war der erste Produzent, der das Vielseitigkeitstuch in großem Stil auf den Markt brachte. Sein Einsatzbereich ist nicht nur auf das Wandern beschränkt, sondern reicht vom Biken übers Motorradfahren bis zum ganz normalen Alltag. Natürlich ist es längst auch in High-Tech Materialien erhältlich, atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, mit UV Schutz, antibakteriell ausgerüstet, usw.

Ein Erkennungszeichen, das die „echten“ Buff-Tücher von vielen, teils sehr billigen und als Werbegeschenk verteilten Kopien abhebt, ist ihr nahtloses Design. Hinzu kommen natürlich Mindeststandards an Qualität, die verhindern, dass Marken-Schlauchtücher nach kurzem Gebrauch schon Löcher bekommen oder gar abfärben. Bei Werbegeschenken oder superbilligen No-Name-Produkten passiert derartiges immer wieder. In vernünftigen Qualitätsstufen sind die Tücher indes sehr haltbar, fusseln nicht und fransen nicht aus.

Laut Läufer-Blog liegt der Ursprung des Multifunktionstuch im Jahr 1992. Seitdem sei seine Beliebtheit steil gestiegen und es habe sich „von einer funktionalen Sportkopfbekleidung zum Mode-Accessoire gemausert“.

Wegen der Beliebtheit als Werbegeschenk und als Beigabe in Starterpaketen bei Trailrunning- und Bike-Contests ist die Verbreitung der Schlauchtücher fast schon zur Omnipräsenz geworden. Manche Outdoorer besitzen zig Exemplare und sehen die Stoffröhre als eine Art „Schweizer Taschenmesser der Outdoorbekleidung“. In der Tat, sie kann als Stirnband und Mütze, als Hals- und Piratentuch verwendet werden. Und noch einiges mehr, wie folgendes Video zeigt, in dem die ansehnlichen Buff-Models in nur zwei Minuten sage und schreibe zehn verschiedene Arten zeigen, das Tuch als Kopfbedeckung zu tragen:

Da das Schlauchtuch immer wieder auch als modisches und ästhetisches Accessoire getragen und bewertet wird, will ich es hier ebenfalls nicht nur nach Funktionalität beleuchten. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich schreiben. Also bitte nicht wundern, wenn die folgende kleine „Kulturkritik des Schlauchtuchs“ womöglich hier und da leicht persönlich gefärbt ist :-)

Als Kopfbedeckung?

Zunächst oute ich mich selbst als Schlauchtuchinhaber. Ja, ich habe selber so ein Ding und finde es auch verdammt praktisch. Allerdings nur für den Kopf und speziell für den Meinigen. Denn der ist irgendwie überdimensioniert, sodass mir von all diesen Normalokäppis mit Schirmchen keine so richtig passt. Abgesehen davon, das ich diese steifen Dinger auch bei richtiger Größe unbequem finde und der Ansicht bin, dass sie ihre Träger irgendwie dümmer aussehen lassen. Bei Sonnenhüten mit Rundum-Krempe ist das ganz ähnlich. Gerade die mit Schlaufe zum Festziehen, die so lustig das Gesicht einrahmt, kann ich nicht tragen, weil ich damit aussehe wie meine eigene Oma.

Doch auch rein praktisch finde ich das Schlauchtuch als Sonnenschutz mindestens gleich gut. Man kann es weit über die Stirn herunterziehen und bei Hitze zusätzlich noch befeuchten. Versuch das mal mit einem breitkrempigen Sonnenhut. Auch bei Wind mache ich mit Schlauchtuch eine bessere Figur: Während Omas Hut wie wild herumflattert und jeden Moment wegzufliegen droht, bleibt das Buff völlig gelassen. Auch in Sachen Zustand der Frisur nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung erzielt das Tuch einen klaren Punktvorteil gegenüber Hut und Käppi: während man nach einer Tour mit letzteren auf dem Kopf aussieht wie nach 12 Stunden im Bett gewälzt, muss man nach Abnehmen des Buffs nur die Haare kurz so schütteln wie in der 3-Wetter-Taft-Werbung, und schon ist wieder alles in Position.

Jaja, ich weiß, Eitelkeit sollte keine solche Rolle spielen, doch wer ist schon völlig frei davon? Und wenn wir die gleiche Funktionalität einmal mit doofem und einmal mit coolem Aussehen haben können, ist die Wahlmöglichkeit doch super, oder? Mein Fazit lautet hier jedenfalls: als Kopfbedeckung bei Hitze und Wind ist das Schlauchtuch tipptopp, sowohl für lockeren Freizeitsport als auch bei „ernsthaften“ Berg- und Outdooraktionen.

Für den Winter und den kalten Berg?

Es hat aber auch seine Grenzen mit der Schlauchtuchherrlichkeit. Manche betrachten das Schlauchtuch ja auch als Ersatz für Schal und Mütze. Doch bei einem Tuch ist der Stoff eher dünn und elastisch. Das genau ist ja auch der Vorteil in Sachen Bequemlichkeit, Leichtigkeit und Vielseitigkeit. Es bringt jedoch eine bestenfalls eingeschränkte Wintertauglichkeit mit sich. Es gibt natürlich auch dickere, meist mit Fleece gepolsterte Schlauchtücher, die auch für Temperaturen unter null taugen. Doch da leuchtet mir nicht ganz ein, was nach Abzug von Leichtigkeit und Flexibilität deren Vorteil gegenüber einer stinknormalen Mütze sein soll. Ach so, ja, die Verwendbarkeit als Schal. Hm, mag sein, doch da habe ich eine ganz eigene Theorie.

Als Halstuch und Schal?

Dazu gleich eine Vorwarnung: meine leichte Voreingenommenheit gegen Schals und Halstücher kann ich wohl nicht ganz verbergen. Ich rechtfertige sie damit, dass ich schon bei deren Anblick immer das Gefühl einer zugedrückten Luftröhre bekomme. Mir reicht vollkommen, wenn Pulli oder Jacke oben am Hals kurz unterhalb des Kinns sauber abschließen, am besten mit einem Kordelzug verstellbar. Das funktioniert meist prima und ich wüsste nicht, wozu ich dann noch einen Schal bräuchte. Bei Radlern und Motorradfans kann ich die Liebe zum Halstuch nachvollziehen, weil man da nach vorn gebeugt im Luftzug sitzt. (Auch wenn es mir selbst beim Radeln mit gut schließender Oberbekleidung noch nie wirklich am Hals gezogen hat.)

Meine Vorbehalte ästhetisch-geschmacklicher Natur liegen wohl daran, dass irgendwas in meiner Kindheit schiefgelaufen ist. Damals, in grauer Vorzeit, kam es mir so vor, als würden Schals ausschließlich im Winter getragen und farbenfrohe Halstücher seien, ebenso wie außersaisonal getragene Schals, ein Accessoire, dass ausschließlich an Frauen ab etwa Anfang 30 zu bewundern ist. Deren Schals oder Tücher waren oft pastellfarben und kamen nicht selten in Kombination mit runden, kleinen, aber dick geränderten Brillen zum Einsatz. Männer mit bunter Halsbekrausung? Höchstens an Theatern und in Literatursalons. Vielleicht noch an soziologischen Fakultäten. Also überall da, wo der progressive Mann damals schon takt- und rücksichtsvoll war, offen mit seinen Gefühlen umging und die Autopolitur durch vegane Hautcreme ersetzt hatte.

Da das inzwischen der Modell- und Vorbildmann ist, avancierte auch der bunt verpackte Männerhals zum Symbol des kulturellen Fortschritts. Besonders erfreulich ist da die Entdeckung, dass farbenfrohe Halsverhüllung gut mit Hipsterbart und Dutt harmoniert. Und sich das Ensemble durch eine runde, kleine, aber dick geränderte Brille perfekt vervollständigen lässt …

Okay, das war zu viel kulturkritische Häme, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jemandem auf den Schlips respektive das Halstuch getreten sein sollte. Ich kann eben wirklich nichts dafür, dass der Anblick kraus umtuchter Hälse mir immer diese irritierenden, ja vielleicht sogar mikrotraumatisierenden Assoziationen zu diesen Vögeln auslöst, die zum Drohen oder Balzen irgendwelches seltsame Gekropfe aufrichten.

Um aber zu einem versöhnlichen Abschluss zu kommen, jetzt nochmal ein positiver Blick auf die famose Vielseitigkeit des Alleskönner-Tuchs:

Weitere Verwendungen: praktische Vielfalt

Das Multifunktionsschlauchtuch kann nicht nur Kopf und Hals auf vielerlei Weise schützen und dekorieren, sondern hat eine Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten und Funktionen. Einige Beispiele:

– Es verhindert hässliche Flecken auf dem Brustbereich des Oberteils und ist bei Mahlzeiten jederzeit als Sabberlatz und Serviette griffbereit.

– Übers Gesicht gezogen lässt es dank feinem Gewebes die Außenwelt durchschimmern und ersetzt somit bei Banküberfällen den zwickenden Damenstrumpf oder die zu warme Balaklava.

– Wenn nach einer Peinlichkeit mal wieder (Fremd)Schämen angesagt ist, wird das Multifunktionstuch ruckzuck über das Gesicht gezogen und ermöglicht unerkanntes Entkommen aus der Situation.

– Weitere Verwendungen in Stichworten: Lappen, Handtuch, Schweißtuch, Kurzzeit-Notdichtung für lecke Rohre, improvisierte Einkaufstasche (Einkaufsschlauch), Spielzeug-Knäuel für Haustiere, Lampenschirmüberzug, Schlafmaske, …

Kurz, mindestens ein Schlauchtuch, Bufftuch und Multifunktionstuch gehört in jeden ordentlichen Haushalt ;-)

Van-Ausbau – An was man denken sollte und was ich gerne vorher gewusst hätte

31. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Von absolut spärlich bis luxuriös, die Ausbauten eines Vans, in meinem Fall eines Caddys, sind so vielseitig wie auch ihre Benutzer. Und genau diese Vielseitigkeit ist es, was die Camper daran reizt. Hier gibt es nichts von der Stange und all seine Vorstellungen und Wünsche kann man in die Tat umsetzen. So muss man sich mit nichts arrangieren und bekommt die perfekte Einrichtung für sein Auto. So weit der Plan, doch Wunsch und Realität sind meistens zwei Paar Schuhe. Das musste auch ich feststellen, als ich mit der Planung für den Ausbau meines Caddys angefangen habe.

Aber von vorne. Dass ich irgendwann ein größeres Auto fahren wollte, stand irgendwie schon immer fest. Denn ich habe gerne immer alles dabei. Von Fahrrad bis Kletterzeug, Skiausrüstung“ und Schlafsack sollte alles Platz haben. Man weiß ja schließlich nie, was der Tag so bringt. Im Hinterkopf hatte ich ebenfalls, dass ich gerne die Möglichkeit hätte, in meinem Auto zu schlafen. Und das nicht zusammengekauert auf der Rückbank, sondern in einem richtigen Bett.

Die richtige Autowahl – Kosten-Nutzen Analyse

Der Anfang dieses Projekts und eigentlich auch die wichtigste Komponente ist das passende Auto zu finden. Und das ist gar nicht so leicht. Hierbei sollte man genau durchdenken, was das Auto alles haben soll und für was man es benutzen möchte. Das Budget spielt natürlich auch eine Rolle. Klar, gibt es fertig ausgebaute Busse mit allem Schnickschnack, aber genau das wollen wir ja eben nicht. Wenn jemand viel verreist und den Camper quasi als zweites Zuhause sieht, der ist mit einem größeren Auto sicher gut beraten. Da ich aber nicht ständig beim Campen bin und auch ein unkompliziertes Auto für den Alltag gesucht habe, ist die Größe eines Caddys optimal. Der ist nicht ganz so teuer und reicht für meine Bedürfnisse. Um auch flink beim Einparken zu sein, wählte ich die Variante mit kurzem Radstand. Dass das später zu einer komplizierteren Planung führen sollte, wusste ich da noch nicht. Trotzdem hat sich die Größe des Autos bewährt, da es zum Einen ideal für den täglichen Gebrauch ist und zum Anderen auch super unauffällig beim Campen ist.

Achtung beim TÜV – Gewicht, Sicherheit und Co.

Von vorne herein muss klar sein, ob man das Auto zu einem dauerhaften Camping-Van umbauen möchte oder ob man den Ausbau flexibel gestalten will. Also bei Bedarf reinbauen und wenn man gerade nicht wegfährt und das Auto im Alltag nutzen möchte, wieder rausbauen. Denn wer sein Auto dauerhaft umbaut, muss sich mit den jeweiligen Vorschriften des TÜV vertraut machen. Da kommen dann Dinge wie maximale Zuladung, die nicht überschritten werden darf, oder die Sicherheit der Insassen auf den Heimwerker zu. Wer sich dafür entscheidet, ein dauerhaftes Bettgestell im Auto unterzubringen, muss sich vielleicht mit mehr Vorschriften rumschlagen, kann sich dafür aber auch eine komfortablere Variante gönnen. Da ich meinen Caddy auch ohne Ausbau noch nutzen wollte, mussten wir penibel auf das Gewicht des Gestells achten. Denn wenn man das Bett wieder rausheben möchte, spielen vier bis fünf Kilo dann doch eine große Rolle.

Die Länge spielt doch eine Rolle

Somit sind die Grundlagen geklärt. Leicht und flexibel soll es sein. Fein wäre es, wenn ich das Gestell auch noch umklappen könnte. Der Nachteil des Caddys mit kurzem Radstand ist nämlich die fehlende Länge. Da man ja doch mindestens 1,90 Meter Länge für ein bequemes Bett braucht, wird es recht eng. An sich kein Problem, man fährt einfach die Fahrersessel nach vorne, kurbelt die Lehne nach vorne und klappt sein Bett aus. Das bedarf aber einer augeklügelten Klapptechnik und einem exakten Ausmessen. Schon wird die Planung etwas komplizierter. Da wir die Rückbank als Stütze für das Bett im Auto lassen wollten, mussten wir darauf achten, dass sich das Bett so zusammenklappen lässt, dass es perfekt in den Kofferraum passt. So kann man nämlich auch die Rückbank noch ungehindert nutzen und transportiert das Bettgestell ganz unauffällig. Dank der Rückbank war es auch möglich viel Gewicht einzusparen, da die Stützen wegfielen. Dass das auf Kosten des Stauraums geht, war mir da auch noch nicht bewusst.

Wir wählten dünne Holzplatten als „Lattenrost“. Nutzt man den Camper sehr oft, dann kann man durchaus in einen Lattenrost investieren. Da wir nur sporadisch damit verreisen, sollte es auch eine leichte Multiplex-Platte tun. Bei allen Arbeitsschritten war ja immer das Gewicht im Hinterkopf. Das einzig Schwere am Gestell sind tatsächlich die Stützen im Kofferraum und die Verstärkung der Holzplatten, wo sie nicht auf der umgeklappten Rückbank aufliegen. Damit das Bett klappbar ist, teilten wir die Holzplatte in drei Teile, die mit recycelten Schrankscharnieren verbunden wurden. Problem war nun, dass die Platten jetzt zwar auf der Rückbank auflagen, aber noch darüber hinaus Richtung Fahrerhaus reichten. Dadurch wurde das ganze Bett schief und instabil. Ich hätte gerne vorher gewusst, dass die Platte doch soweit darüber hinaus geht, dass es zusätzliche Stützen zwischen Rückbank und den vorderen Sesseln braucht. Wir tüftelten eine herausnehmbare, dünne Holzbank zusammen, die den Raum überbrückt. Die Stabilität ist damit zwar wieder ideal, jedoch haben wir uns damit einen Teil des Stauraums verbaut und ein extra Teil, bei dem ich nicht weiß wohin, wenn das Bett zurückgeklappt ist.

Jungfernfahrt und erste Korrekturen

Der Bau des Bettgestell kostete alles in allem nur einen Tag und stürzte mich auch nicht in ein finanzielles Desaster. Wer wirklich nur ein paar Tage im Caddy schläft, muss da auch nicht so viel investieren. Da wir sonst im Zelt nächtigten, dachten wir, die Isomatten würden auch super in den Caddy passen. Falsch gedacht! Da meine Matte viel zu breit war, schob sich die andere Matte an der Seite hoch. Komfort geht definitiv anders und wie schaut das überhaupt aus? Ich bin ein Fan von klaren Linien und Ordnung. Das Durcheinander mit den Matten machte mich sofort wahnsinnig. Parken, Bett umklappen, Matte ausblasen, Schlafen, Matte kleinmachen, Bett umklappen, weiter fahren. Das war ziemlich viel Aufwand. Zwischenzeitlich stapelten wir die Matten, ohne sie auszulassen, was nur zu noch mehr Chaos führte. Fazit war, dass man mit zwei Isomatten im Caddy nicht glücklich wird. Wer dazu noch Probleme mit dem Rücken hat, der sollte in eine angepasste Matratze investieren. Seitdem ich diese Matratze habe, schläft man nicht nur besser, sondern hat auch mehr Ordnung, denn sie lässt sich wie das Bettgestell ebenfalls klappen. So fliegt nichts mehr unordentlich durch den Caddy und er sieht schön aufgeräumt aus.

Was klappert denn da?

Schon beim Einbauen hatte ich Angst, dass das Holzgestell den Innenraum des Kofferraums zerkratzen könnte. Durch die Bewegung beim Fahren aber auch beim Schlafen kann das Gestell etwas verrutschen. Damit nichts zu schaden kommt, verkleidete ich die Ecken mit Anti-Rutschstoff. Sicher gibt es hier professionellere Lösungen, jedoch wurden Kratzer bisher effektiv verhindert. Da wir anfangs auf Isomatten schliefen, überzog ich auch die komplette Liegefläche mit dem Stoff, damit die Matten nicht rutschen. Mit einer angepassten Matratze ist das aber nicht zwingend nötig. Allerdings schützt der Stoff auch das Holz und lässt das Gestell irgendwie schicker wirken. Damit der Kofferraum geschützt wird, griff ich auf einfache Teppiche zurück. Wenn man viel draußen unterwegs ist und auch mal nasse Ausrüstung hat, dann ist eine abwaschbare Kofferraumschale aus Plastik sicher die bessere Lösung.

Hast du meine Schuhe gesehen? Und wo ist eigentlich der Gaskocher?

Mein Tick mit der Ordnung zieht sich sicher durch die ganze Organisation des Caddys. Unser Bett ist auf Höhe der umgeklappten Rückbank und bietet damit nur bedingt Stauraum. Alles was wir dabei haben, müssen wir entweder unter dem Bett oder hinter den Fahrersesseln unterbringen. Wenn man gerade schläft, wird alles Übrige ins Fahrerhaus gestellt. Chaos vorprogrammiert! Beim Ausbau haben wir tatsächlich nicht bedacht, dass Kletterzeug, Klamotten, Essen und Kochausrüstung viel Platz braucht. Nur durch Glück habe ich eine Box gefunden, die exakt unter das Bett passt. Darin wird nun Essen und Kochzeug aufbewahrt. Viel Proviant bringt man da aber nicht unter, für zwei Tage reicht es trotzdem.

Damit wir den Stauraum vergrößern konnten, bauten wir den einzelnen Sessel der Rückbank kurzerhand aus. Damit das Bett nach wie vor stabil bleibt, wurde der Platz mit Ausrüstung aufgefüllt, die dann als Stütze diente. Wer die Rückbank als Stütze benutzen möchte, hat sicher einen tollen Komfort im Bett, denn man kann fast aufrecht darin sitzen. Jedoch geht viel an Stauraum darunter verloren. Da muss man sich eben überlegen was wichtiger ist. Und auch wie sich das Bett ohne Rückbank konstruieren lässt. Wer einen besonderen Wert auf Ordnung legt, baut Schubläden. Zwar gehört das eher in die Kategorie dauerhafter Ausbau, bringt aber viele Vorteile mit sich. Nicht nur eine Kochstelle lässt sich darin verbauen, sondern der ganze Krimskrams wird ordentlich verstaut. Anbieter wie Reimo oder VanEssa bieten mittlerweile Ausbauten mit oder ohne Schubläden an, die man nicht fest in das Auto bauen muss. Das ist zwar dann nicht Marke Eigenbau, sicher aber eine Alternative, die man in Betracht ziehen kann.

Ein bisschen Romantik bitte

Roadtrip, Lagerfeuer, Sternenhimmel. Und dann gemütlich ins Auto verziehen und schlafen. Romantik pur! Doch vor allem auch eines: dunkel und kalt. Klar hat man Stirnlampen, aber wirklich praktisch sind die da nicht. Gleich am Anfang fiel die mangelnde Beleuchtung auf. Die integrierten Leuchten im Auto brennen ja nur, wenn man das Auto aufsperrt oder die Tür offen lässt. Und dann auch nicht ewig. Außerdem will man doch ein wenig Gemütlichkeit haben. Da im Auto weder Strom, Gas noch sonstiges vorhanden ist, wo man was anstecken könnte, mussten wir selbst was bauen. Was auch sonst? Im Zeitalter von Smartphones und Co. hat man seine Powerbank auf Campingtrips meistens dabei. Also bastelten wir eine LED-Leuchte mit USB-Anschluss. Dass die Leuchte in Herzform sein musste, hat natürlich keine praktischen Zwecke, nur romantische.

War da noch was? Ach ja, die Kälte! Da mein Auto ja kein geborener Camper ist, ist es dementsprechend auch nicht isoliert. Da es ein „normales“ Auto bleiben soll, wurde es auch nicht nachträglich isoliert. Also liegt man da so im Bett und denkt sich, dass es irgendwie verdammt schnell kalt wird. Und der Mond prallt einem auch ins Gesicht. Wer wie ich, durch solche Kleinigkeiten um den Schlaf gebracht wird, handelt schnell. Entweder man näht sich Vorhänge, oder man greift zu bewährten Thermomatten. Zwar sehen Vorhänge hübsch aus, aber ich möchte ja nichts dauerhaftes im Auto haben. Die Thermomatten hingegen lassen sich mit Saugnäpfen an den Fenstern befestigen, isolieren deutlich und dunkeln perfekt ab. Das einzig störende daran ist, dass man diese Matten nun auch irgendwo unterbringen muss.

Dauerbaustelle Camper-Caddy

Wer selbst einen Van ausgebaut hat, weiß, dass es irgendwie nie perfekt ist. Immer gibt es was auszubessern oder umzuorganisieren. Das hätte mir vorher klar sein können. Die erste Version des Ausbaus wird mit vielen kleinen Mängel daherkommen, die erst nach und nach deutlich werden. Wer noch vor diesem Projekt steht, sollte sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen, um sich klar zu werden, was man möchte und wie oder ob das umzusetzen ist. Den perfekten Einklang aus Ordnung, Funktionalität und Komfort zu finden kann mitunter Jahre dauern. Jahre in denen man mit seinem Van von einem Abenteuer ins nächste fährt und immer mehr an Erfahrung gewinnt. Denn obwohl ein Auto nur ein Ding ist, wird es mit einem Umbau zu einer zweiten Heimat und zum Rückzugsort aus dem Alltag. Und das fängt bei der Planung schon an.

Die neun größten Outdoor Mythen

24. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Outdoor Mythos Nummer 1

Karte und Kompass sind dank GPS und Smartphone überflüssig.

Am unzuverlässigsten erweist sich im Vergleich zwischen GPS Gerät, Kombination aus Kompass und Karte und Smartphone, das Smartphone. Fehlendes Datennetz, schlechte Verbindung zum Satelliten und sehr begrenzte Akku-Laufzeit – wer sich beim Wandern und Bergwandern auf sein mobiles Telefon verlässt, könnte früher oder später orientierungslos im Wald stehen.

Was im Großstadtdschungel oft sehr hilfreich ist und meist auch gut funktioniert, entpuppt sich im Gebirge, im Wald, in abgelegenen Regionen und schmalen Tälern oft als schlichtweg nutzlos. Etwas besser schlagen sich hier reine GPS Geräte. Empfang und Akkuleistung sind deutlich besser, aber auch hier gilt: wer sich nur auf den elektronischen Helfer verlässt, schaut vielleicht irgendwann ratlos auf einen dunklen Bildschirm. Zumindest als Ergänzung gehören daher bei jeder größeren Wanderung eine passende Wanderkarte und ein Kompass ins Gepäck. Den Umgang damit sollte man am besten vorher üben, bevor der Akku im GPS Gerät den Geist aufgegeben hat.

Outdoor Mythos Nummer 2

Dank meiner atmungsaktiven Regenjacke bleibe ich beim Wandern immer trocken.

Funktionelle Hardshelljacken sind nicht nur wasserdicht und windundurchlässig, sondern auch atmungsaktiv. Das unterscheidet die Regenjacken beispielsweise vom gummierten „Ölzeug“, das Fischer, Angler und Seefahrer bei rauer See meistens tragen. Die Atmungsaktivität der Outdoorjacken wird durch mikroporöse Membrane, wie zum Beispiel Gore-Tex und Co. ermöglicht.

Sie verfügen über winzige Öffnungen, die den Wasserdampf nach außen entweichen lassen, während selbst die kleinsten Wassertropfen noch immer viel zu groß sind, um nach innen zu gelangen. Zwei Faktoren begrenzen jedoch leider die Atmungsaktivität der Membrane. Zum ersten benötigen die Membrane ein gewisses Temperaturgefälle, um optimal zu funktionieren. Das bedeutet, bei tropischen Temperaturen funktioniert das „Dampf ablassen“ durch die Mikroporen nicht mehr, denn der Temperaturunterschied zwischen „in der Jacke“ und Außentemperatur ist zu niedrig.

Zum anderen können Wanderer bei anstrengenden Wanderungen deutlich mehr schwitzen, als die Regenjacke im besten Fall nach außen abgeben kann. Obwohl kein Regen von außen eindringt, feuchtet man so langsam von innen durch. Verhindern lässt sich das zwar nie komplett (außer man bewegt sich nicht), aber funktionelle Zwischenschichten, die den Schweiß gut weiterleiten und schnell trocknen, machen das Wandern mit Regenjacke trotzdem um einiges angenehmer.

Outdoor Mythos Nummer 3

Im Winter muss man nicht so viel trinken, denn man schwitzt ja auch weniger.

Bei anstrengenden Wanderungen, Bergwanderungen und Kletterpartien kommen Wanderer und Bergsportler auch im Winter ins Schwitzen. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper dabei verliert, ist zwar von Person zu Person verschieden und sie kann auch unter der Menge liegen, die man bei gleicher Aktivität an einem sehr heißen Sommertag verlieren würde. Allerdings erfolgt das Schwitzen im Winter eher unauffällig.

Während der Schweiß im Sommer vom Gesicht tropft, schwitzen Sportler im Winter vor allem unter der Bekleidung: unter der Jacke, unter der Mütze und in den Handschuhen. Gleichzeitig verliert der Körper durch die Atmung in der zumeist trockenen Winterluft besonders viel Flüssigkeit. Trotzdem sinkt im Winter bei vielen Menschen das subjektive Durstgefühl. Deshalb gilt es im Winter etwa die gleiche Menge zu trinken, wie bei wärmeren Temperaturen. Normalerweise sollten sich Bergsportler dabei nach ihrem individuellen Durst richten. Falls man jedoch dazu neigt im Winter eher keinen Durst zu verspüren, können beispielsweise entsprechende Apps dezent ans Trinken erinnern. Isolierende Flaschen oder isolierte Trinksysteme sind dabei ein Muss, denn sonst wird aus der Trinkflasche schnell ein großer Eiswürfel.

Outdoor Mythos Nummer 4

Ab 1000 Meter Höhe duzen sich alle Wanderer.

Was sich im englischsprachigen Raum und in internationalen Expeditionen aufgrund des fehlenden „Sie“ in der englischen Sprache automatisch ergibt, stellt Wanderer, und Bergwanderer im deutschsprachigen Raum immer wieder vor die Frage: Soll ich „Siezen“? Darf ich „Duzen“? Sollte ich vielleicht sogar „duzen“? In diesem Zusammenhang liest man manchmal vor der 1000 Meter Regel.

Sie besagt, dass alle Wanderer ab etwa 1000 Meter Höhe zum lockeren „Du“ übergehen. Grundsätzlich und allgemein gültig ist diese Regel allerdings nicht. Viele Orte in den Alpen liegen bereits auf einer Höhe über 1000 Meter und auch auf einer wesentlich höheren Berghütte ist es nicht unbedingt angebracht jeden Wanderer wahllos zu duzen.

Vielmehr ist die „Regel“ eine situationsabhängige Empfehlung. Wenn Wanderer sich auf einem schmalen Bergweg begegnen, freundlich grüßen und beispielsweise kurz über Wegbeschaffenheit oder Wetter unterhalten, dann kann ein lockeres „Du“ durchaus angebracht sein. Dafür spielt es aber keine Rolle, ob man sich auf 300 Meter oder 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. (Ja, es gibt auch Wanderwege im Mittelgebirge, im Flachland und an den Küsten.)

Fakt ist aber, dass viele Wanderer sich in abgelegeneren Regionen (egal, ob durch Höhe oder durch andere Faktoren bedingt) eher grüßen, schneller ins Gespräch kommen und auch häufiger direkt zum „Du“ greifen. Da hilft es jedoch nur, die Situation passend einzuschätzen und nicht der Blick auf den Höhenmesser.

Outdoor Mythos Nummer 5

Ein Zwei-Personen-Zelt bietet genügend Platz für zwei Personen.

Wenn Zelthersteller ihre Empfehlungen für die Anzahl der Personen im Zelt aussprechen, gehen sie recht simpel vor: Sie nehmen ihren Zelt-Grundriss und ihren Mumienschlafsack in Standardlänge und Standardbreite. Dann wird getestet wie oft dieser standardisierte Schläfer auf den Zeltboden passt und heraus kommt die theoretische Personenzahl.

Dass es auch größere Menschen, breitere Camper, Menschen, die sich im Zelt etwas bewegen möchten und dass es dazu auch noch Gepäck gibt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nur teilweise. Wenn das Zelt also für zwei Personen Platz bietet, dann passen schon auch zwei Personen rein. Im Regen übernachten, muss also keiner von den beiden.

Wirklich gut und komfortabel schlafen aber beide höchstwahrscheinlich nicht. Für Trekkingtouren und alle, die auf das Zeltgewicht achten müssen, ist es daher ratsam, das Zelt immer eine Nummer größer zu wählen. Für zwei Personen also lieber ein Drei-Personen-Zelt und für drei Personen eher ein Vier- oder sogar Fünf-Personen-Zelt. Da kann sich jeder Zeltbewohner auch noch bequem umdrehen und das Gepäck findet leichter seinen Platz. Wenn Zeltgewicht und Maße nicht so wichtig sind, wird ein mit zwei Personen besetztes 4-Personenzelt zum echten Raumwunder beim Camping.

Outdoor Mythos Nummer 6

Ein bequemes T-Shirt aus Baumwolle ist optimal für Wanderungen.

Zugegeben – man kann in einem T-Shirt aus Baumwolle sicher gut wandern. Es hat zwar keine Vorteile und sicher auch einige Nachteile – aber es geht schon. Nur gibt es wesentlich bessere Arten von Wanderbekleidung, die erfahrene Wanderer und Bergsportler unter dem Begriff „Funktionsbekleidung“ kennen.

Auch ein T-Shirt aus Baumwolle hat funktionelle Grundzüge: man muss nicht mit unbekleidetem Oberkörper wandern, ist etwas vor Scheuerstellen durch die Rucksackträger geschützt und wenn man das richtige T-Shirt ausgewählt hat, sieht man beim Wandern vielleicht sogar ganz cool aus. Wenn da nur nicht diese Nässe wäre.

Das Problem der Baumwolle ist nämlich, dass sie den Schweiß, der beim Wandern am Körper entsteht, wie ein Schwamm aufsaugt und am liebsten gar nicht mehr loswerden möchte. Das führt in der Regel zu einem klatschnassen Rücken, denn trotz aller Belüftungsversprechen der Rucksackhersteller wird es unter dem Wanderrucksack nun mal warm am Rücken.

Falls dann noch ein Regenschauer kommt oder das T-Shirt unter der Hardshelljacke getragen wird, ist es endgültig vorbei mit „trocken“ und „komfortabel“. Die clevere Alternative ist dagegen Kunstfaser, wie Polyester oder Polyamid. Oft mit etwas stretchfähigem Elasthan ergänzt, sorgen die Funktionsshirts für schnellen Feuchtigkeitsaustausch und sind in kürzester Zeit wieder komplett trocken.

Dabei sind Gewicht und Packmaß viel geringer, als bei Baumwolle. Einziges Manko der Funktionsshirts aus Kunstfaser ist, dass sie beim Wandern oft schnell zu müffeln anfangen. Dagegen helfen entweder spezielle geruchshemmende Fasern oder der Griff zu Wandershirts aus Merinowolle. Die trocknen zwar etwas langsamer, aber dafür tragen sie sich auch nach mehreren anstrengenden Wandertagen immer noch sehr komfortabel und frisch.

Outdoor Mythos Nummer 7

Die Temperaturangaben bei Schlafsäcken sind absolut präzise und allgemeingültig.

Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke sind mit drei Temperaturangaben gekennzeichnet. Die Komfortzone, das Temperaturlimit und zusätzlich noch die Extremtemperatur. Als Komforttemperatur wird die Temperatur angesehen, bei der eine Frau im Schlafsack komfortabel und ohne zu frieren schläft. Die Limitangabe stellt im Grunde den gleichen Wert für Männer dar.

Die Extremtemperatur dient als Orientierung, bei welcher Temperatur man im Notfall noch ohne Erfrierungen die Nacht übersteht. Dazu kommen allerdings viele Faktoren, die nicht auf dem Schlafsack angegeben werden. Das individuelle Kälteempfinden, die Isomatte, das Zelt, der Lagerplatz

Im Allgemeinen frieren gut trainierte Sportler aufgrund ihrer höheren Muskelmasse weniger als normale Camper. Frauen frieren schneller als Männer. Ältere Menschen frieren eher als jüngere Menschen. Dünnere Camper produzieren weniger Wärme als dickere Schläfer. Hinzu kommen noch eine mehr oder weniger gute Passform der Schlafsäcke, die richtige Lagerung und Pflege, sowie die ideale Bekleidung zum Schlafen im Schlafsack.

Zwischen all diesen Kriterien befindet sich die individuell „echte“ Komforttemperatur. Zur Einordnung und zur Vergleichbarkeit eignen sich die Temperaturkennzeichnungen allerdings ziemlich gut. Im Zweifelsfall ist es auch immer einfacher einen wärmeren Schlafsack zu öffnen und zu belüften, als einen dünnen Schlafsack wärmer zu machen.

Outdoor Mythos Nummer 8

Im Notfall hilft mir mein Erste-Hilfe-Set.

Ein Erste-Hilfe-Set zum Wandern und Bergsteigen mitzuführen ist grundsätzlich schon mal gut. Allerdings hilft das Set auch nicht in jeder Situation, denn es enthält meist „nur“ eine Auswahl an Verbandsmaterial. Es ist leider davon auszugehen, dass viele Bergsportler den Inhalt ihres Erste-Hilfe-Sets zum ersten Mal sehen, wenn sich jemand verletzt hat.

Da bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall nur ein Pflaster benötigt wird. Wer ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack mit sich trägt, hat davon am meisten, wenn er sich auch das nötige Wissen aneignet, um das Maximum aus dem Set-Inhalt herauszuholen. Wie lege ich einen Verband an? Was mache ich bei einer Verbrennung? Einer Schnittwunde? Wie kann ich erste Hilfe leisten, wenn jemand gestürzt ist? Wer sich vor einer Tour mit solchen Fragen auseinandersetzt und im besten Fall vielleicht sogar einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt, hat die optimalen Voraussetzungen, um im Ernstfall mit dem Set auch Erste Hilfe leisten zu können.

Outdoor Mythos Nummer 9

Meine Banane verrottet in der Natur, deshalb kann ich sie beim Wandern einfach wegwerfen.

Im Vergleich zu einer Plastikflasche, die in den Bergen so schlappe 500 – 1000 Jahre zum Verrotten benötigt, zersetzt sich die achtlos weggeworfene Bananenschale tatsächlich schnell. „Nur“ 1 – 3 Jahre benötigt die Schale der tropischen Frucht dafür. Aber selbst, wenn sie nur 4 Wochen benötigen würde, wäre das noch lange kein Grund, sie einfach in den Bergen zu entsorgen.

Vielmehr gilt es einfach seinen kompletten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Was sich im Fall der Plastikflasche zum Glück im Alpenraum sehr weit herumgesprochen hat, gilt bei Bananenschalen und Co. noch oft als akzeptabel. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Wanderer gar nicht wissen, dass es Jahre dauert, bis ihr Müll verrottet ist. Diesbezüglich darf man das Wissen seiner Mitwanderer auch gerne erweitern, denn viele Menschen, die sich dessen gar nicht bewusst waren, ändern danach ihre Gewohnheiten.

Von A wie „Aua“ bis Z wie „zum Arzt gehen“ – was bei Sportverletzungen zu tun ist

19. November 2019
Tipps und Tricks

Kennt ihr das, man sitzt beim gemütlichen Bierchen mit Freunden, allesamt (Berg-)Sportler und irgendwann kommt einer auf das Thema Sportverletzungen? Stolz zeigt dann jemand seine schon leicht verblasste Narbe als Trophäe und erzählt eine wilde Story, wie es denn dazu kam. Klar hört sich das oft lustig an oder spannend oder heroisch oder oder oder…

Und meist leben diese Geschichten auch von einer kleinen Portion Übertreibung. Aber in ihrem Kern sind sie doch immer wahr und das Erstaunliche ist dabei, dass jeder in der Runde irgendeine Anekdote parat hat, in der er genäht, eingerenkt oder vergipst wurde. Das hört sich jetzt erst einmal krass an, zeigt mir aber auch gleichzeitig wie viel, beziehungsweise wie wenig wirklich Schlimmes beim Sport so passiert. Denn viele der Geschichten sind nicht nur Jahre alt, vielmehr haben sie in der Regel auch keine weiteren Beeinträchtigungen hinterlassen.

Hier geht’s zu Teil 1: Was tun als Ersthelfer

Sportverletzungen und Co. – Wie kann ich schnell und effektiv helfen?

Wer viel unterwegs ist, der wird das kennen: Kratzer, Schnittwunden oder auch ein umgeknickter Fuß, das gibt es schon einmal. Meist ist das auch keine große Sache und mit ein paar Heftpflastern oder einem Beutel Eis halbwegs gut versorgt. Die Rettung muss nicht unbedingt alarmiert werden, oft genügen der Griff in die Hausapotheke und sofern erforderlich der anschließende der Gang zum Arzt. In Teil Zwei unserer kleinen Erste-Hilfe-Serie geht es daher um alle Verletzungen, die auch ohne Notarzt und Rettungswagen gemeistert werden können. Der Artikel soll lediglich zur Sensibilisierung für das Thema Erste-Hilfe dienen. Er kann aber keineswegs einen entsprechenden Kurs beim Roten Kreuz oder vergleichbaren Organisationen ersetzen.

Wunden versorgen – so macht man es richtig

Zu den häufigsten Verletzungen überhaupt gehören Schnitt-, Schürf- und Platzwunden, Schrammen und Kratzer. Diese lassen sich in der Regel recht einfach versorgen. Dennoch wichtig: Wenn möglich sollte man als Ersthelfer Einmalhandschuhe tragen. Alternativ, kann man sich als Betroffener natürlich auch selbst „verarzten“.

Ist die Wunde stark verschmutzt (Erde, Sand etc.) sollte man sie zunächst einmal reinigen, hierzu eignet sich Leitungswasser bestens. Danach werden Wunden in der Regel desinfiziert (Desinfektionsmittel, Desinfektionstücher aus dem Erste-Hilfe-Beutel) und mit einer geeigneten Wundauflage versorgt, dies kann je nach Größe der Wunde ein einfaches Heftpflaster oder auch eine sterile Kompresse sein. Nicht jede Wunde erfordert gleich den Gang zum Arzt. Man sollte die betroffene Stelle und deren Heilung jedoch auch in den Tagen nach dem eigentlichen Unfall gut beobachten. Wird die Stelle rot oder heiß oder nässt die Wunde andauernd stark, braucht es auch hier definitiv nochmals professionelle Hilfe.

Bei Platz- und Schnittwunden kann es je nach Körperstelle auch zu starken Blutungen kommen. Diese sind meist nicht mit den üblichen Hausmitteln dauerhaft zu stillen und ziehen oft den Gang zum Nähen nach sich. Sofortmaßnahmen kann und muss aber auch hier jeder selbst ergreifen. Ein einfacher Druckverband reicht dabei in der Regel aus. Hierzu wir eine möglichst keimfreie Wundauflage direkt auf die Wunde gelegt und mit einer Binde zwei bis drei Mal umwickelt. Darauf kommt dann im Bereich der Wunde ein Druckpolster (z. B. eine noch eingepackte Binde). Dieses wird ebenfalls fest umwickelt und schon ist der Verband fertig.

Wenngleich die eigentliche Wunde vielleicht nicht tief ist, führt bei Schnittwunden, die beispielsweise durch verunreinigte Gegenstände wie Glasscherben, rostige Metallteile etc. zustande gekommen sind, der Weg definitiv zum Arzt. Auch Bisswunden und Kratzer, die durch Tiere entstanden sind, müssen aufgrund der Infektionsgefahr ebenfalls unbedingt nochmals professionell begutachtet werden. Brandwunden werden lediglich abgedeckt und leicht gekühlt, daraufhin führt der Gang direkt zum Arzt, Hausmittel sind hier nicht angesagt.

Knochenbrüche – wie man Schmerzen lindern kann

Die Erfahrung zeigt, ein Knochenbruch wird nicht selten erst beim Arzt erkannt. Steht der betroffene Körperteil nicht besonders seltsam ab oder handelt es sich um einen offenen Bruch, ist ein Knochenbruch oft nicht eindeutig zu erkennen. Wer hat auch schon ein mobiles Röntgengerät im Rucksack dabei. Dennoch gibt es ein paar Anzeichen, die auf einen Knochenbruch schließen lassen. Ist beispielsweise nach einem Sturz die Bewegung des Beins stark eingeschränkt kann es sich um einen Knochenbruch handeln, auch eine Schwellung, oder starke Schmerzen sind typische Symptome.

Aus diesem Grund sollten auch keine großartigen Bewegungsübungen oder dergleichen unternommen werden. Hat der Betroffene eine Schonhaltung gefunden, die für ihn halbwegs angenehm ist, sollte man ihn auch so belassen. Gerade bei gebrochenen Beinen kann auch ein Polstern und leichtes Unterstützen mit weichen Gegenständen dabei helfen, die Schmerzen ein wenig zu lindern. Hierzu eignen sich beispielsweise Decken, Handtücher, Pullover oder auch ein Schlafsack. Auch vorsichtiges Kühlen kann ebenfalls hilfreich sein. Keinesfalls sollte man als Laie versuchen den Knochenbruch einzurenken oder zu schienen. Hierdurch mach man in der Regel alles schlimmer, aber nichts besser.

Vorsicht: Bei einem Knochenbruch besteht immer auch die Gefahr eines Schocks. Zeigt der Betroffene also diesbezüglich deutliche Anzeichen ist es ratsam, einen Notruf abzusetzen. An einer ärztlichen Behandlung geht ohnehin kein Weg vorbei.

Bei Sportverletzungen – PECH-Regel

Zu den typischen Sportverletzungen zählen unter anderem Muskelzerrungen, gedehnte Bänder oder auch Prellungen. Verletzungen dieser Art führen in der Regel zu vergleichsweise starken Schmerzen und müssen schnellstmöglich erst-versorgt werden. Hierbei gilt die sogenannte PECH-Regel, also die Kombination aus „Pause“, „Eis“, „Compression“ und „Hochlagern“.

  • Der Sport ist für heute beendet. Wenn möglich sofort mit der Bewegung aufhören, die betroffene Körperstelle ruhigstellen und nicht unnötig bewegen.
  • Die Verletzung muss gekühlt werden. Dies kann mit einem geeigneten Kühlkissen erfolgen. Alternativ eignet sich aber auch alles, was irgendwie kühlt, vom Beutel Eiswürfel über ein feuchtes Handtuch bis hin zu Omas liebevoll eingefrorenen Himbeeren. Dabei nie Eisbeutel oder Kühlakkus direkt auf die Haut legen, sondern immer mit einem Handtuch oder ähnlichem umwickeln.
  • Schreibt man eigentlich mit K, aber hier geht es ja auch nicht um Rechtschreibung. Gemeint ist damit das Anlegen eines Druckverbands mit mäßiger Spannung. Keinesfalls sollte dieser zu eng sein, da ein Anschwellen des Körperteils trotz Verband und Kühlung möglich ist. Hierzu verwendet man idealerweise eine (elastische) Binde, muss improvisiert werden, tut es beispielsweise am Fußgelenk auch eine enge Socke.
  • Hierbei sollte das verletzte Körperteil immer so gelagert werden, dass er höher als das Herz liegt. Dadurch kann das Blut besser abfließen und Schwellungen und Schmerzen fallen deutlich geringer aus. Zum Unterlegen des Körperteils kann alles verwendet werden, was gerade da ist. Vom dicken Sofakissen über den Rucksack bis hin zum braven Hund, erlaubt ist was funktioniert. 

Wichtig fürs Gemüt – moralischer Beistand

Wer kennt das nicht, schmerzt es irgendwo besonders stark oder hat man sich offensichtlich verletzt geht die Stimmung merklich runter und alles ist gleich noch viel schlimmer. Ist man hingegen ein wenig abgelenkt oder hat man jemanden, der sich nett um einen kümmert, geht es gleich schon ein wenig besser. Einfach mal ein wenig zum Verletzten hinsitzen und mit ihm reden, das hilft schon. Wenn dann der Verletzte das erste mal wieder lacht oder selbst anfängt was zu erzählen ist er meist schon wieder auf dem Weg der (mentalen) Besserung.

Hierzu eine Geschichte aus meinem Leben: Ich habe mir letztes Jahr beim Skifahren bei einem Sturz den linken Ski ans rechte Knie geschlagen und so eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Zunächst hatte ich das eigentliche Ausmaß gar nicht wahrgenommen und bin mit leichten Schmerzen noch bis zur Talstation des Lifts gefahren. Erst dort, bei genauerem Hinsehen wurde mir klar, dass ich wohl mehr als ein Pflaster brauchen werde. Mir wurde sofort sterbens schlecht und ich fühlte mich hundeelend. Mein Freund blieb zum Glück in dieser Situation vergleichsweise ruhig und begleitete mich ohne groß mit der Wimper zu zucken zur zufällig nahe gelegenen Erste-Hilfe-Station. Sofort kam ein Rettungssanitäter und hat mir nach kurzer Begutachtung einen Druckverband angelegt.

Dabei hat er mir außerdem sämtliche Geschichten erzählt, die ihm schon beim Bergsport passiert waren. Ein Druckverband ist nicht besonders angenehm. Aber aufgrund der lustigen (und vielleicht auch erfundenen) Geschichten vom Sani war das Verbinden ganz gut zu ertragen. Eine viertel Stunde und drei Gläser Wasser später, war ich dann wieder soweit auf den Beinen, dass ich immerhin ohne fremde Hilfe zum Arzt gehen konnte um die Wunde nähen zu lassen.

Abschließend

Beim Sport passieren immer mal wieder kleinere und größere Unfälle. Handelt es sich da „lediglich“ um einen verstauchten Fuß oder eine Schnittwunde im Finger ist das meist keine große Sache und man kann sich recht gut selbst behelfen. Wer hier ein bisschen weiß, was zu machen ist, kann schnell und einfach für Hilfe sorgen. Schlimmere Verletzungen wie Knochenbrüche oder ausgekugelte Schultern führen aber direkt zum Arzt.

Oft hilft es auch als Verletzter einmal in Ruhe in sich hineinzuhören. Will man beispielsweise dringend wissen, ob da auch wirklich nichts Schlimmeres passiert ist, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenngleich das vielleicht bei einer leichten Verletzung nicht immer notwendig ist. Frei nach dem Motto „morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, kann es aber auch nach einer Verletzung helfen erst einmal zur Ruhe zukommen und die Aufregung des Unfalls zu überwinden. Was in der jeweiligen Situation das Richtige ist, hängt daher immer auch stark von der persönlichen Verfassung und der tatsächlichen Verletzung ab.

Nun zu euch: Welche Story erzählt ihr beim Bierchen in lustiger Runde? Lasst uns doch mal eure Anekdote zum Thema Sportverletzung da.

Übrigens: Falls ihr Lust habt, das Thema mal praktisch anzugehen, schaut mal in der Safety Academy von Ortovox vorbei!

Die Ernährung beim Wandern und Bergsteigen

9. Oktober 2019
Tipps und Tricks

„Eat food. Not too much. Mostly plants“. Dieses Zitat des amerikanischen Food-Guru Michael Pollan kommt mir sofort in den Sinn, wenn ich mir die Frage stelle, wie denn die optimale Ernährung am Berg sein sollte. Eine „gute“ Ernährung wird in Bergsteigerkreisen häufig eher über Quantität als über Nahrung mit hoher Qualität definiert. Man braucht ja viele Kalorien, denn man macht ja auch viel. Fitnessexperten sprechen oft davon, dass die sportliche Leistung zu 60 Prozent aus unserer Nahrungsaufnahme und nur zu 40 Prozent aus reinem Training besteht.

Abgesehen von diesen Zahlen ist die richtige Ernährung beim Bergsport eine wichtige Komponente, die mit darüber entscheidet, wie unsere Bergtour verlaufen wird. Daher wollen wir uns heute die einzelnen Bestandteile der Ernährung beim Bergsport genauer ansehen, um die nächste Gipfelbesteigung zu einem vollen Erfolg werden zu lassen.

Die Bestandteile unserer Nahrung

Egal ob beim Frühstück vor der Tour, während der Pause auf der Hütte oder beim Gehen am Berg – die Lebensmittel bestehen aus drei Teilen, die gleichermaßen wichtig und relevant sind: Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette.

Kohlenhydrate

Beliebte Speisen wie Nudeln, Brot, Kartoffeln oder Reis bestehen zum Großteil aus Kohlenhydraten. Alle Kohlenhydrate liefern immer 4 Kalorien pro Gramm. Weiterhin zählen dazu stärkehaltige Gemüse und zuckerhaltige Lebensmittel wie Früchte, Limonade/Cola, Honig, Schokolade oder Kartoffelchips. Im menschlichen Verdauungstrakt werden alle Kohlenhydrate in Glukose zerlegt.

Glukose ist ein sogenannter Einfachzucker, der die Funktion des Gehirns, des zentralen Nervensystems und jegliche Art von Bewegung überhaupt erst ermöglicht. Viele Bergsportler verzehren gerne große Mengen an kohlenhydratreichen Mahlzeiten, weil diese satt machen und günstig zu haben sind. Leider liefern nicht alle Kohlenhydrate am Berg die gleiche Leistung für den Körper. Um zu unterscheiden können, welche denn nun die richtigen sind gilt es die KH in Gruppen zu unterteilen.

Zucker (Einfachzucker wie Glukose) sind vorrangig in Süßigkeiten, Softdrinks, verarbeiteten Lebensmitteln, Weißbrot und Kuchen zu finden. Ebenso enthalten manche gesunden Lebensmittel wie viele Früchte hauptsächlich Zucker als KH Komponente. Zuckerreiche Lebensmittel sind generell dafür bekannt, nach dem Verzehr für einen raschen Energieanstieg zu sorgen. Dafür sinkt die Leistung umso schneller wieder ab, nachdem die Kalorien vom Körper verbraucht worden sind. Stärkehaltige Lebensmittel (komplexe Kohlenhydrate) wie Gemüse, Kartoffeln, Pasta, Vollkornprodukte und Naturreis sorgen für ein langsamere Bereitstellung der benötigten Energie. Zucker verbrennt also schnell, Stärke langsamer.

Eiweiße

Kennen die meisten wahrscheinlich am ehesten vom Shake aus dem Fitnessstudio, den man zu sich nimmt, um die Muskeln beim Aufbau zu unterstützen. Abgesehen von Wasser sind Eiweiße die im Körper am häufigsten zu findenden Moleküle und geben unter anderem den Muskeln ihre Struktur. Wie die Kohlenhydrate liefern auch Eiweiße 4 Kalorien pro Gramm. Im Verdauungssystem werden die Proteine, wie die Eiweiße auch genannt werden, in Aminosäuren zerlegt.

Aminosäuren dienen dem Körper als Bausteine für neue Zellstrukturen und werden ebenso zur Reparatur beschädigter Zellen (wie dem berühmten Muskelkater) benutzt. Gleichzeitig werden die Aminosäuren für die Aufrechterhaltung des Immunsystems benötigt. Fleisch vom Rind oder Geflügel sind sehr eiweißreiche Lebensmittel und enthalten kaum Kohlenhydrate. Eier, Hartkäse, Nüsse, Avocados, Öle und vielen Saaten wie Sesam enthalten unterschiedliche Mengen an Kohlenhydraten, werden aber von Ernährungsexperten eher als fett- oder eiweißreiche Lebensmittel eingestuft.

Viele Bergsportler machen sie oft Sorgen, dass sie zu wenig Proteine aufnehmen. Daher setzen sie auf Supplemente wie eiweißreiche Drinks oder Riegel. Aktuelle Empfehlungen für Ausdauersportler sprechen von 1,2 bis 1,4 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilogramm Körpermasse. Das ist fast das doppelte, was für „nichtaktive“ Menschen empfohlen wird.

Bei Ausdauersportarten wie dem Bergsteigen oder Wandern wird zwischen 5-10 Prozent der Energie aus Eiweißen gewonnen. Diese müssen dem Körper über die Nahrung wieder zugeführt werden. Ebenso wird Protein, wie weiter oben bereits beschrieben, zur Reparatur kaputter Muskelzellen benötigt. Auch wenn der Ausdauersportler im Vergleich zum Bodybuilder wenig bis keine Muskelmasse aufbaut, wird Eiweiß für die Erneuerung von Mitochondrien, Kapillaren, Nerven und anderen Zellen im Muskel gebraucht.

Fette

Auch wenn die Fette allgemein oft eher als schlecht und negativ beschrieben werden, sind sie für den Bergsport trotzdem essentiell. Es gibt vier verschiedene Arten von Fettsäuren: gesättigt, einfach ungesättigt, mehrfach ungesättigt und trans. Alle diese Fette liefern 9 Kalorien pro Gramm und daher deutlich mehr als Eiweiße oder Kohlenhydrate. Fett ist besonders bei langen Unternehmungen am Berg ein idealer Treibstoff, der besonders bei niedriger Intensität freigesetzt und vom Körper als Energiequelle genutzt wird.

Der Körper verfügt nämlich über besonders große Fettreserven. Ein durchschnittlich fitter Bergsteiger verfügt über ungefähr 2.000 Kalorien, die als Kohlenhydrate in der Leber und den Muskeln gespeichert sind. Zum Vergleich besitzt der gleiche Sportler 100.000 Kalorien als „Reserve“, die vor allem im Fett unter der Haut gespeichert sind. Zumindest in der Theorie wäre das genug Energie, um mehrmals den Mount Everest zu besteigen oder 20 Marathons zu laufen. Also macht es für alle Alpinisten absolut Sinn, diese Energiespeicher bei der nächsten Tour anzuzapfen. Um dies zu ermöglichen, bedarf es allerdings etwas Übung.

Durch regelmäßiges Training (Bergsteigen, Wandern, Trailrunning, Laufen, Radfahren, etc.) und eine ausgewogene Ernährung lernt der Körper, das gespeicherte Fett als Energiequelle zu nutzen und muss gleichzeitig weniger Proviant im Rucksack mitnehmen. Folgende zwei Faktoren sind ebenso ausschlaggebend: je länger die Bergtour andauert, desto mehr Fette werden genutzt. Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett kann als Energie bereitgestellt werden. Wenn sich die Intensität erhöht, verbrennt der Körper vorrangig Kohlenhydrate, da diese die Energie schneller bereitstellen als die Fette.

FettWorin enthalten?BeispielWarum wichtig?
GesättigtMilch, FleischRind, Schwein, Geflügel, Milch, Butter, Sahne, KokosnussölWerden zur Produktion bestimmter Hormone benötigt, allerdings sollte die Aufnahme begrenzt werden. Erhöhen den Cholesterinspiegel.
Einfach ungesättigtGemüse, NüsseOliven, Avocado, Haselnüsse, Erdnüsse, Mandeln, Pistazien, Olivenöl, ErdnussölDie meisten Kalorien, die über Fette aufgenommen werden, sollten aus dieser Gruppe stammen.
Mehrfach ungesättigtManche Nüsse, Fisch, bestimmte ÖleSalzwasserfische, Walnüsse, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Leinsamenöl, LeinsamenGelten allgemein als gesundheitsfördernd und entzündungshemmend. Omega 3 und Omega 6 sind essentielle Fettsäuren, diese werden benötigt aber können nicht vom Körper selbst gebildet werden.
TransfettsäurenKleine Mengen in so gut wie allen LebensmittelnIn vielen verarbeiteten Lebensmitteln, Fast FoodTransfettsäuren gelten allgemein eher als schlecht und sorgen langfristig für gesundheitliche Probleme. Sie sorgen für einen Anstieg der Cholesterinwerte.

 

Die Funktion des Insulins

Der Verzehr von Lebensmitteln, besonders der von kohlenhydratreichen, löst im Körper die Produktion und Ausschüttung des Hormons Insulin an. Insulin steuert den Stoffwechsel der Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Bildlich kann man sich das Insulin als einen Schlüssel vorstellen, der die Zellen öffnet. Anschließend können die Zellen die freigesetzte Glukose aus dem Blut aufnehmen und für Energie sorgen.

Ebenso hat das Hormon einen anabolischen Effekt: es aktiviert die Bildung neuer Eiweißstrukturen, besonders die Reparatur und Herstellung der Muskelzellen. Gleichzeitig steuert das Insulin, wie viele Kohlenhydrate in den Muskeln oder der Leber gespeichert werden. Diese gespeicherte Form der Kohlenhydrate nennt man Glykogen. Bei der nächsten Gipfelbesteigung steht das Glykogen als Reserve zu Verfügung und kann bei Bedarf freigesetzt werden, um die Zellen mit Energie zu versorgen.

Kohlenhydratzufuhr, Insulin und die Fettverbrennung

Die Aufnahme von Kohlenhydraten vor dem Bergsport, auch schon in geringen Mengen, hemmt die Verbrennung von Fett, weil das Hormon Insulin im Körper freigesetzt wird. Besonders Lebensmittel mit vielen Einfachzuckern wie Süßigkeiten, Schokoriegel, Energiegels und Energieriegel, die vor oder während der Bergtour verzehrt werden, sorgen oft für einen raschen Abfall der Leistung beim Aufstieg.

Der Grund ist die Verdauung der Kohlenhydrate, bei der Insulin im Blut zirkuliert und ungefähr 30 Prozent der gespeicherten Fette daran hindert, in den Stoffwechsel zu gelangen. Hohe Intensität und die Ausschüttung von Adrenalin (Klettersteig, exponierter Weg, Höhenangst) hemmen die Insulinproduktion. Daher ist es besonders bei langen Bergtouren im niedrigen Pulsbereich ideal, vorher keinen Riegel oder ein Gel zu essen. Optimal ist ein kleiner Snack mit einer ausgewogenen Mischung aus Fetten und Kohlenhydraten, die langsamer freigesetzt werden und für eine länger anhaltende Leistung sorgen. Als Beispiel eine Scheibe Vollkornbrot mit etwas Butter.

Ideale Lebensmittel für die nächste Bergtour und das Frühstück am Morgen

Optimalerweise startet der Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, zwei bis vier Stunden vor der geplanten Tour. Direkt nach dem Frühstück den Berg hinauf zu gehen wie manchmal bei Hüttentouren praktiziert wird ist nicht ideal, weil das Verdauungssystem erstmal eine Weile beschäftigt ist und diese Energie dann nicht zum Bergsteigen zur Verfügung steht. Oft sind Übelkeit, Magenschmerzen und ein zu hoher Plus die Folgen eines zu raschen Aufbruchs nach der Nahrungsaufnahme.

Das Ziel des Frühstücks sollte sein, die Energiespeicher bis an den Rand aufzufüllen. Auch in der Nacht beim Schlafen verbrauchen wir Energie. Ein großes Frühstück besteht aus allen drei Komponenten (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße). Wenn man sich die Gesamtaufnahme der täglichen Kalorien ansieht, darf das Frühstück idealerweise 25% davon ausmachen. Ein Getränk sollte ebenso dabei sein (https://www.bergfreunde.de/fluessigkeitsbedarf-rechner/). Ein paar Empfehlungen für das Frühstück, die ebenso für die Pausen auf Tour gelten, sind in der folgenden Tabelle zu finden.

LebensmittelBeispiel
Getreideprodukte, BrotMüsliriegel (mit Nüssen, Getreide und Trockenfrüchten), Vollkornbrot oder Semmel, Müsli (mit frischem Obst, Trockenfrüchten oder Nüssen)
MilchprodukteMilch, Joghurt, Hartkäse
Obst und GemüseTomate, Gurke, Karotte, Kohlrabi, Apfel, Banane, frisches Obst wie Pfirsiche oder Erdbeeren saisonal
Fisch, Fleisch/WurstSchinken, Aufschnitt aus Putenbrust, Eier (hartgekocht für den Berg)
FetteButter, Margarine (sparsam verwenden)
GetränkeLeitungswasser, Mineralwasser, Kaffee, Tee

 

Abschließend noch einmal einige der wichtigsten Punkte:

  • Besonders bei Touren über zwei Stunden regelmäßig kleine Mengen essen, idealerweise an die 100 Kalorien pro Stunde auf Tour.
  • Je höher die Intensität, desto mehr Kohlenhydrate werden benötigt. Ebenso wird es schwerer zu essen und besonders zu kauen, wenn die Atmung schon fast am Maximum ist. Hier kann es helfen, Kalorien über ein Sportgetränk zuzuführen.
  • Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett wird freigesetzt und verbrannt
  • Je länger die geplante Tour dauert, desto ausgewogener sollte die Zusammenstellung der Nahrung sein. Nur so erreicht man eine optimale Balance zwischen Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen.
  • Rechtzeitig vor der Tour frühstücken

Persönliche Erfahrungen von Alpinsportlern zur Ernährung während der Tour unterscheiden sich meist sehr stark. Im Zweifelsfall lieber individuelle Vorlieben berücksichtigen, die Bergtour soll ja nicht zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung werden. Die Ernährung am Berg sollte sich also nicht sonderlich von der üblichen gewohnten Ernährung zu Hause unterscheiden. Wer noch nicht weiß, was er gerne isst und was gut funktioniert, kann ja nacheinander verschiedene Dinge ausprobieren. So findet bestimmt jeder seinen Lieblingsproviant für die nächste Wanderung, Trekkingtour oder einen hohen Gipfel in den Alpen.

The North Face Futurelight

30. September 2019
Ausrüstung

„Defy the past. Wear the future.“

„Die fortschrittlichste, atmungsaktive und gleichzeitig wasserdichte Bekleidungstechnologie der Welt.“ 

Wenn man so hört und liest, was The North Face über ihre neue Futurelight Technologie schreibt, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass hier die ganz großen Marketing-Kanonen ausgepackt werden. Es ist vielleicht natürlich, dass man da als Verbraucher inzwischen etwas vorsichtig ist, wenn jemand mit derart vielen Superlativen um sich wirft. Bedenkt man aber, dass The North Face für Futurelight sogar Gore-Tex sukzessive aus ihren Produkten „ausbaut“, wird man zwangsläufig erstmals stutzig. Das ist ein ziemlich großer und mutiger Schritt.

Wir wollen im Folgenden mal kurz aufdröseln, was das neue Futurelight kann, was daran so „revolutionär“ ist und wie unsere Einschätzung dazu aussieht.

Das Geheimnis heißt ‚Nanospinning‘

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Schritt nicht von heute auf morgen gegangen wird. Dafür steht immerhin der gute Ruf von The North Face auf dem Spiel. Also lies man sich bei beim Entwickeln und Testen von Futurelight Zeit. Viel Zeit. 2,5 Jahre und 400 Testtage am Athleten um genau zu sein. Ganz am Anfang stand die Suche nach einer neuartigen Technologie und die Frage, ob es nicht möglich ist wasserdichte Bekleidung zu entwickeln die so atmungsaktiv ist, dass man auf Tour nicht ständig die Klamotten wechseln muss.

Auf der Suche nach einer neuen Fertigungsstätte wurde man schließlich in Vietnam fündig. Dort entwickelte The North Face in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MXP das sogenannte Nanospinning. Aus ca. 200.000 Düsen, wird ein wenige Nanometer großer Faden geschossen und auf ein Trägermaterial aufgebracht. Zum Vergleich, ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ca. 0,6 – 0,8 mm. Die Fäden sind um den Faktor 1000 bis 10.000 dünner.

Durch die Überlagerung der Fasern beim Aufspritzen entsteht ein Film – die Futurelight-Membran. Man kann sich das ganze also wie ein großes Netz vorstellen, nur eben mit mikroskopisch kleinen Löchern. Die Funktionsweise ist also ähnlich wie bei anderen mikroporösen Membranen, die allerdings in der Regel aus einem expandierten Kunststoff bestehen. Durch diesen Expansionsprozess entstehen unterschiedlich große Löcher. Eine gute Atmungsaktivität ist auch hier gegeben, dennoch erreicht man mit dem Nanospinning verfahren nochmal deutlich größere Poren und damit auch eine höhere Atmungsaktivität – so zumindest die Theorie.

Wie wasserdicht ist Futurelight?

Natürlich zu 100%. Ist doch klar. Eigentlich könnten wir den Absatz recht kurz halten, wenn man allerdings tiefer recherchiert, findet man keine Daten zur Wassersäule oder ähnlichem. Dabei sind wir Verbraucher doch gewohnt, alles einmal schwarz auf weiß lesen zu können! Nun ist es im Hause The North Face schon immer gute Sitte, keine weiteren Angaben zu Wasserdichtigkeit zu machen, was folgenden Hintergrund hat:

Wenn The North Face ein Produkt als wasserdicht bewirbt, ist es das auch. Und zwar angepasst für den jeweiligen Einsatzzweck. Eine Jacke, die zum Höhenbergsteigen gebaut ist, hält dem zu erwartenden Wetter genauso stand, wie eine Casual-Regenjacke den Gassi-Geher vor alltäglichem Regen schützt, letztere ist aber nicht unbedingt für den Himalaja geeignet.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, warum man bei The North Face mit Werten vorsichtig ist. In den USA gelten deutlich strengere Vorschriften bzgl. der Angaben. Dort muss eine Wassersäule über 10 Jahre garantiert sein. Ansonsten kann das Unternehmen verklagt werden – und zwar auf den Firmenwert, was bei The North Face keine kleine Summe ist. Es gibt keine Zweifel, dass Futurelight das locker packt, aber wir alle wissen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen und bei so manch kuriosen Urteilen aus den USA wäre man als Firmenchef wohl auch lieber etwas defensiver in dieser Hinsicht.

Um die letzten Zweifler zu überzeugen hat The North Face ihre neue Technologie von den Underwriter Labs testen lassen. Eine unabhängige Organisation, die unter anderem das Material für die US-amerikanische National Fire Protection Association testet. Futurelight hat über eine Stunde lang ca. 750 Liter Wasser locker abgehalten – ohne mit der Nano-Wimper zu zucken.

Der Tragekomfort und die Widerstandsfähigkeit von Futurelight

Wir haben schon erklärt, dass Futurelight aus kleinen Nano-Fäden besteht, die übereinander gelagert sind. Der große Vorteil neben der hohen Atmungsaktivität: Das Material ist von Haus aus dehnbar und kann diesbezüglich auch modular angepasst werden. Genauso verhält es sich mit der Robustheit – wobei die noch maßgeblich von Außen- und Innenmaterial beeinflusst wird.

Futurelight ist immer ein dreilagiges Laminat, wobei die eigentliche Membran als Mittelschicht fungiert. Alle drei Schichten werden auf das jeweilige Produkt angepasst. So ist zum Beispiel die Flight Jacket für Läufer deutlich leichter und noch eine Ecke atmungsaktiver gestaltet, während die Summit L5 als Hochtourenjacke natürlich schwerer, aber dafür deutlich robuster ist.

Richtig spannend wird es aber beim Tragekomfort. Dadurch, dass Futurelight dehnbar ist, fühlt es sich mehr nach Softshell denn nach Hardshell an und raschelt auch eine ganze Ecke weniger. Um mal vorzugreifen: Das war ein Punkt, der uns besonders gut gefallen hat.

Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit bei Futurelight?

Eines der großen Buzzwords, das sowohl die Outdoor-Branche, als auch die Gesellschaft aktuell nicht los lässt. Und auch bei der Entwicklung von Futurelight war von Anfang an klar, dass die Themen Nachhaltigkeit und Ethik eine wichtige Rolle spielten sollen. Das fing bei der Wahl der Produktionsstätte an. Der vietnamesische Zulieferer hat hohe ethische Standards etabliert und arbeitet ressourcensparend.

Das Futurelight Laminat selbst besteht zu einem Großteil aus recycelten Materialien. Ausgerechnet die Membran selbst bildet aber die große Ausnahme. Für das beim Nanospinning verwendete Polyurethan gibt es bisher leider noch keinen für Futurelight verwertbaren Recycling-Rohstoff. Das Gleiche gilt für den Elasthan-Anteil, der in manchen Produkten verarbeitet ist. Auch Elasthan lässt sich noch nicht so gut wiederverwerten, wie es für Futurelight nötig wäre. Außen- und Innenmaterial sind unterm Strich zu ca. 90% recycelt.

In Sachen Imprägnierung können wir ganz klar sagen: Die ist PFC-frei! Wohoo! Schöne Sache. Im Labor war zudem nach 80 Wäschen noch ca. 80% der Imprägnierungsleistung vorhanden. Die Laborwerte lassen sich natürlich nur bedingt auf den Außeneinsatz übertragen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Imprägnierung ein Weilchen halten dürfte.

Wie schlägt sich Futurelight in der Praxis?

Tja, blumige Versprechungen sind schnell gegeben. Am besten ist es doch, wenn man mal selbst Hand anlegen darf. Bisher haben vier Bergfreunde ihre Erfahrungen mit Futurelight gemacht: Mia hatte die Flight Jacket aus der Flight Series für einige Wochen beim Laufen und gelegentlich beim Radfahren im Einsatz. Gearhead Hannah und Jonas aus unserer Online-Redaktion waren vor kurzem am Dachtstein zum Bergsteigen in Futurelight-Hülle und Benedikt aus unserem Einkaufsteam durfte die Futurelight-Sachen auf Skitour testen.

Die Meinungen sind relativ einhellig: da scheint jemand seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Wie gut, dass wird sicher die Zeit zeigen. Mia, Hannah und Jonas hatten jedenfalls ihre Mühe, ein Haar in der Suppe zu finden. Neben der optimierten Atmungsaktivität waren sie durch die Bank vom hohen Tragekomfort begeistert. Futurelight raschelt deutlich weniger als andere Hardshells und trägt sich sehr angenehm.

Wir müssen natürlich dazu sagen, dass wir die Produkte noch keinem wirklichen Langzeittest unterziehen konnten. Dennoch dürfte Futurelight unserer Einschätzung nach alles andere als ein Reinfall werden. Zumal Neuentwicklungen nie schlecht sind. Futurelight wird in der Outdoor-Branche für frischen Wind sorgen – da sind wir uns sicher!

Wandern in Bärenland – Vom Umgang mit Meister Petz

30. September 2019
Tipps und Tricks

Je nachdem in welchen Regionen Ihr Euer nächstes Trekkingabenteuer plant, kann es passieren, dass Ihr dabei auf Bären trefft. Dies gilt insbesondere für Touren in Nordamerika, aber auch in manchen europäischen Gegenden, wie den Karpaten oder der Hohen Tatra, sind teilweise beträchtliche Bärenpopulationen beheimatet.

Es ist also an der Zeit Euch einmal einige Tipps und Verhaltensmaßregeln an die Hand zu geben, wenn es um den Umgang mit diesen imposanten Tieren geht. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Schwarzbären und Grizzlies, einige Grundregeln gelten aber auch für andere Arten.

Die Nahrung richtig aufbewahren

Eine der wichtigsten Maßnahmen beim Thema Bären betrifft das Essen. Es ist zentral, dass die Tiere nicht in Euer Nachtlager kommen. Denn Bären sind in allererster Linie an Eurem Essen interessiert, nicht an Euch und haben zudem einen exzellenten Geruchssinn. Assoziieren Bären einmal Menschen mit der Möglichkeit an Nahrung zu kommen, können sie gefährlich werden und zwar sowohl für Euch als auch für sich selbst. Denn solche „Problembären“ werden dann in aller Regel erschossen. Es versteht sich von selbst, dass Ihr deshalb bitte niemals Bären füttert.

Die erste Regel ist demnach, das so genannte „Bearmuda Triangle“. Das bedeutet, dass Ihr Euer Essen nicht direkt am Zeltplatz zubereitet und noch einmal an einem anderen Ort aufbewahrt. Diese drei Punkte sollten jeweils ca. 100 Meter voneinander entfernt sein. Die beiden Stellen, an denen Ihr kocht und das Essen aufbewahrt, sollten sich außerdem nicht in der Windrichtung des Schlafplatzes befinden.

Für die Essensaufbewahrung selbst gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten. Eine davon ist, Euer Essen und mit dem Essen das Kochgeschirr und alle Hygieneartikel wie Zahnpasta etc, an einem Ast aufzuhängen. Hier muss Euer Aufbewahrungsbeutel dann mindestens 4,50 Meter über dem Boden hängen und zwei Meter vom Baumstamm entfernt sein, denn Bären sind auch ausgezeichnete Kletterer.

Die zweite Möglichkeit bieten bärensichere Aufbewahrungsbehälter. Diese gibt es entweder von Ursack aus kugelsicherem UHMWP-Material oder als Kanister aus einem speziellen Hartplastik. Ersteres muss immer noch mit einem geruchssicheren Innenbeutel, einem OpSak, kombiniert werden, ist aber die deutlich leichtere und besser verstaubare Variante. Den Ursack bindet Ihr dann gut verschlossen mit einem Achterknoten an einen Ast. In Nordamerika müsst Ihr hier bitte unbedingt die jeweiligen Nationalparkbehörden oder Polizeidienststellen kontaktieren und erfragen, welche Form der Essensaufbewahrung vorgeschrieben ist. Dies variiert nämlich stark, im Yosemite-Nationalpark sind beispielsweise nur die bärensicheren Kanister zugelassen, nicht aber die Ursacks. In einigen der großen amerikanischen und kanadischen Nationalparks gibt es zudem auch fest installierte Aufbewahrungsbehälter, wenn diese vorhanden sind, empfiehlt es sich natürlich auch diese zu nutzen.

Ein Bär in Sichtweite – Was jetzt?

Im Grunde solltet ihr zunächst versuchen eine Begegnung mit einem Bären grundsätzlich zu vermeiden, auch wenn die Sichtung in freier Wildbahn zweifellos auch ein beeindruckendes Erlebnis ist. Denn wie erwähnt wollen Bären mit Menschen eigentlich nichts zu tun haben. Deshalb ist es wichtig laut zu sein. Redet oder singt ab und zu, um Bären zu signalisieren, dass ihr da seid. Das gilt besonders, wenn Ihr Euch Wasserstellen nähert, oder Ihr Bärendung und/oder Pfotenabdrücke auf dem Weg seht. In den Regionen Nordamerikas, in denen Grizzlies beheimatet sind, empfiehlt es sich zudem in einer kleinen Gruppe unterwegs zu sein und Wandern in den frühen Morgenstunden oder der Dämmerung zu vermeiden, da sind die Tiere nämlich am Aktivsten.

Nicht immer lässt sich aber eine Begegnung vermeiden. In diesem Fall ist die erste Regel Ruhe zu bewahren und auf gar keinen Fall wegzurennen. Ihr würdet einem Bären niemals entkommen und das Wegrennen würde zudem den Jagdinstinkt wecken. Macht Euch groß, breitet die Arme aus und schreit, dreht dem Bären keinesfalls den Rücken zu. Schaut den Bären an, aber nicht direkt in die Augen. Dies können Bären als aggressives Verhalten wahrnehmen. In aller Regel wird der Bär von selbst wieder das Weite suchen, das war bei allen meinen bisherigen Begegnungen so.

Wenn ein Bär direkt auf dem Weg steht, könnt ihr einfach langsam zur Seite treten, gebt dem Tier Raum wegzulaufen.

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Bär trotzdem angreift gibt es jetzt unterschiedliche Vorgehensweisen, je nachdem, ob Euch ein Schwarzbär oder ein Grizzly attackiert. Ihr könnt die beiden Arten relativ einfach unterscheiden. Ein Grizzly ist in der Regel größer, hat einen leichten Buckel hinter dem Kopf und die Ohren sind rundlich. Die Fellfarbe kann hingegen täuschen, je nach Region haben auch Schwarzbären ein braunes Fell.

Einen Bärenangriff überstehen

Wenn ein Schwarzbär Euch angreift, dann gilt es sich zu wehren. Eine MöglichkeWait dazu sind Bärensprays. Diese gelten als sehr effektiv. Achtet darauf das Bärenspray, wenn Ihr das mit Euch führt, irgendwo griffbereit zu haben. Den ersten Sprühstoß könnt ihr aber erst ausführen, wenn der Bär ca. 18 Meter von euch entfernt ist, sonst verpufft die Wirkung vorher. Hier also versuchen die Nerven zu bewahren 😉

Bärenspray ist aber zumindest in den USA auch nicht überall erlaubt, deshalb hier vorher mit den örtlichen Behörden checken. In solchen Regionen wird dann empfohlen mit den Trekkingstöcken auf die Nase und die Augen des Bären zu zielen, da dies die empfindlichsten Stellen sind.

Bei einem Grizzlyangriff gelten – vorbehaltlich das Bärenspray war nicht dabei oder hat versagt – andere Regeln. Wenn ein Grizzly Euch angreift, weil er überrascht oder erschreckt wurde, dann empfehlen Bärenexperten sich tot zu stellen. Legt Euch mit ausgespreizten Beinen und dem Rucksack auf dem Rücken auf den Bauch und verschränkt die Arme im Nacken. Mit etwas Glück lässt der Grizzly bald ab und verliert das Interesse. Bleibt aber solange liegen, bis der Bär wirklich weg ist und versucht erst dann Hilfe zu finden. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Grizzly Menschen als Beute wahrnimmt. Dies stellt Ihr fest, wenn das Tier Euch verfolgt oder nachts im Zelt angreift. Dann solltet Ihr wie beim Schwarzbär agieren und um Euer Leben kämpfen.

Ich hoffe jetzt natürlich, ich habe Euch nicht vor Trekkingtouren in Bärengebieten abgeschreckt 😉 Angriffe von Bären auf Menschen sind sehr selten und es ist viel wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen zu werden, als von einem Bären angegriffen zu werden. Wenn Ihr Euch an die obigen Regeln, insbesondere beim Thema Essen, haltet, dann spricht rein gar nichts gegen Wanderungen in Bärenland.

Wenn Ihr zu dem Thema noch Fragen habt, dann Feuer frei in den Kommentaren.

Irrungen und Wirrungen: Wegmarkierung in europäischen Gebirgen

19. September 2019
Tipps und Tricks

Markierungen sollen verhindern, dass man sich verirrt. Mir persönlich sind zwei Arten des Sich-Verirrens bekannt: Die eine nenne ich mal die Schwarzwälder Art, die andere die Patagonische Art.

Verirren auf die Schwarzwälder Art bedeutet, dass man im Gewirr aus Forstwegen, Wanderpfaden, Biketrails, weg-artigen Schneisen und sprichwörtlichen Holzwegen die Orientierung verliert. Und die Klarheit auch an der nächsten Kreuzung mit ihrem halben Dutzend Abzweigungen und den an einen Verkehrsübungsplatz erinnernden Schilderwald nicht zurückkehrt. Das Ganze ist aber selten ein ernstes Problem, da die nächste Schwarzwälder Kirschtorte eh höchstens eine Wegstunde entfernt ist.

Verirren auf die Patagonische Art bedeutet, dass die kaum von Tierspuren unterscheidbaren Wegspuren sich irgendwann völlig im Busch verlieren und die weiträumige Abwesenheit von Schildern und Markierungen (und guten Karten) ebenfalls keine große Hilfe ist. Je nach Umgebung und Wetterlage kann diese Verirrungsart knifflig werden.

Das touristische Ideal eines entspannten Wandererlebnisses liegt irgendwo dazwischen. Es besteht aus einer abgestimmten Mischung aus informativer Beschilderung an wichtigen Ausgangs- und Kreuzungspunkten sowie nachvollziehbarer Markierung auf den Wegstrecken dazwischen. Genau dieses Konzept versuchen Wander- und Gebirgsvereine sowie Tourismusverbände und Regionalverwaltungen in vielen Gebirgsregionen umzusetzen. Im mitteleuropäischen, vor allem deutschsprachigen Raum sind diese Bestrebungen flächendeckend, im Rest Europas konzentrieren sie sich eher auf einzelne Gebirgsregionen und Wege mit hohem Besucheraufkommen.

Komplizierter als gedacht: Die Systematik des Wege-Markierens

In Deutschland gibt es ein buntes Nebeneinander von Nah- und Fernwanderwegen mit vielen verschiedenen Markierungen und „Leitsystemen“. Kein Wunder, dass schon seit langem Bestrebungen nach Systematik und Vereinheitlichung gibt. Ob das dann auch zu einer Vereinfachung und besseren Überblick führt, ist nicht ganz klar. Die im deutschsprachigen Raum entstandenen „Wanderleitsysteme“ sind jedenfalls zu einer Art Wissenschaft geworden, mit der sich eine akademische Wanderforschung beschäftigt. In deren Konzept sind Markierungen und Schilder teil eines „stationären Wanderleitsystems“. Durchaus logisch, weil Schilder und Farbkleckse sich ja nicht bewegen, sondern „stationär“ vor Ort stehen, hängen und haften.

Deutschland

Im Deutschen Sprachraum gilt das sogenannte „Knotenleitsystem“, über dessen Feinheiten, Vor- und Nachteile man sich unter obigem Link genauer informieren kann. Hier sei nur erwähnt, dass dieses System die zuvor vorhandenen, sich von Region zu Region unterscheidenden Leitsysteme, ersetzen soll.

Die idealtypische Umsetzung vor Ort besteht aus aufgemalten oder -geklebten Wegzeichen in Sichtabstand, deren Symbole sich auf der Wanderkarte wiederfinden. Die Symbole werden auf Informationstafeln an Ausgangs- oder Einstiegspunkten erklärt und an Abzweigen mit Richtungspfeilen ergänzt. Im Fall von mehreren gleichartigen Wegen kommen noch Zählziffern hinzu, um Verwechslungen zu vermeiden.

Das Markieren und Ausschildern von lokalen Wanderwegen übernehmen meist regionale Vereine und Tourismusverbände. Für die immer beliebteren Fern- und Weitwanderwege arbeiten die Institutionen überregional zusammen. Mit der Einrichtung des Beschilderungs- und Markierungssystems ist es aber nicht getan, das Ganze muss auch gepflegt und regelmäßig aufgefrischt werden. Alles in allem steckt eine Menge Aufwand dahinter.

Perfekt umgesetzt ist dieses Konzept so gut wie nirgends, auch nicht in Deutschland und im deutschen Alpenraum, wo der größte Aufwand betrieben wird. Die Ergebnisse des Ganzen und wie es damit im restlichen Europa aussieht, schauen wir uns nun genauer an.

Alpen

Im deutschen Alpenraum, also dem Einflussbereich des DAV, ist das „Leitsystem“ aus gelben Schildern und Zwischenmarkierungen auf Bäumen und Felsen sehr gut ausgebaut. Die Markierungen sind in der Regel rot-weiß-rot, unabhängig von der Schwierigkeit des Bergweges. Die Schwierigkeit wird zusätzlich in Form eines blauen (leicht), roten (mittel) oder schwarzen (schwer) Punktes auf den Hinweisschildern angegeben. Die Farbgebung richtet sich nach der vom Skilauf bekannten Unterteilung. Ausführliche Infos dazu gibt es beim DAV.

Schweiz

In der Schweiz ist man bekanntlich ebenfalls gründlich. Dort ist die Markierung der Fußwege gar  eingebettet in eine ebenfalls systematische und flächendeckende Signalisation des gesamten „Langsamverkehrs“, also Fahrrad, Mountainbike, Skating und Kanufahren (mehr dazu unter Schweizmobil.ch).

Die etwa 50 000 Richtungsschilder für (Berg)Wanderer folgen einer einheitlichen Systematik, die  noch umfassender als die in Deutschland und auf wandern.ch anschaulich erklärt ist. Neben den Zielen sind oft auch Zeitangaben vorhanden. Zudem gibt es auch hier eine Schwierigkeitsbewertung, die sich allerdings von der Deutschen unterscheidet. Einfache Wanderwege sind mit gelben Pfeilen oder Rauten markiert, Bergwanderwege weiß-rot-weiß und die schwierigeren Alpinwanderwege weiß-blau-weiß.

Hinzu kommen in der Schweiz noch die Winterwanderwege, die – nur im Winter – mit pinkfarbenen Wegweisern und Pfosten markiert sind. Sie stellen abgesehen von der winterlichen Rutschgefahr meist keine besonderen Anforderungen an die Winterwanderer.

Errichtet und unterhalten werden die Wegweiser je nach Kanton durch Ehrenamtliche der Wanderweg-Organisationen oder von Gemeinde-angestellten in Form eines Public-Private-Partnership. Dazu gehört, dass alle Wegweiser und Wanderwege jedes Jahr begangen und gründlich kontrolliert werden.

Österreich

Auch in Österreich findet man ein strukturiertes und dichtes Leitsystem. Ebenso wie in Deutschland und der Schweiz soll das einheitliche „Knotenleitsystem“ Einzug halten. Für die Schwierigkeitsbewertung werden, ähnlich wie in Deutschland und im Unterschied zur Schweiz, die Farben rot und schwarz verwendet. Der Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass man auf die blaue Markierung der leichten Wege verzichtet.

Wer mehr Details über die Schwierigkeitsdefinitionen und anderes wissen will, wird unter Almenrausch.at fündig.

Slowenien

Dieses schöne kleine Land hat zwar nur einen sehr kleinen Alpenanteil, gilt dafür aber als sehr „naturbelassen“ und ist als Reiseziel zunehmend beliebt. Deshalb hier eine kleine Einschätzung aus dem Wanderportal Jungwandern.de:

Natürlich sind die bekannten und stark frequentierten Wanderwege i. d. R. gut ausgeschildert. Schaden kann es allerdings nicht, wenn ihr zusätzlich euer Handy oder passende Wanderkarten dabei habt. Gelegentlich haben wir doch die ein oder andere Markierungen vergeblich gesucht.

Skandinavisches Gebirge

Norwegen

Norwegen zeigt, dass es auch einfach geht. Es gibt nur zwei Wegzeichen die von nur einem Verein in ehrenamtlicher Arbeit an den etwa 22 000 landesweiten Wegkilometern aufgemalt werden: einen roten Punkt oder ein rotes T. Auf weichem Untergrund kommt gelegentlich auch ein Holzpfosten zum Einsatz, dessen Spitze rot angepinselt ist. Die Unkompliziertheit ist aber nur deshalb möglich, weil das Wanderwegenetz in Norwegen bei weitem nicht so dicht ist wie in Mitteleuropa – wo der Schilderwald oft notwendig ist, um unter den -zig Kreuzungen und Abzweigungen die Richtige zu erwischen.

In den steinigen Höhenlagen des Fjell kommen auch Steintürmchen und -Pyramiden als Markierungen zum Einsatz. Da viele Wanderer meinen, eigene Steinmänner hinzufügen zu müssen, stehen manche dieser Marker an ungünstigen oder gar irreführenden Positionen. Ein klassischer Fall von gut gemeint und schlecht ausgeführt.

Schweden

Was in Norwegen rot ist, ist in Schweden meist orange. Die Systematik wird aber nicht ganz so konsequent durchgehalten wie beim Nachbarn. So wird in den nördlichen Regionen und im Fjell ein waagerecht liegendes Andreaskreuz in roter Farbe als allgemeines Wegzeichen verwendet.

Westeuropa

Frankreich

In den französischen Alpen findet man vielerorts ein gut ausgebautes Wegeleitsystem wie im deutschsprachigen Alpenraum. Ansonsten beschränkt sich die systematische Wegenetz-Markierung eher auf die Fernwanderwege, deren Bezeichnungen sogar markenrechtlich geschützt sind. Das bekannteste Label dürfte GR® (Sentier de Grande Randonnée) sein, hinzu kommen noch die Abkürzungen PR® GRP®. Auch die entsprechenden Wegmarkierungen (weiß/rot, gelb und gelb/rot) sind eingetragene Marken des französischen Wandervereins (Fédération Française de la Randonnée Pédestre), die nicht ohne Genehmigung vervielfältigt werden dürfen. Die Fédération gibt auch die Wanderführer (topo-guides) für diese Wanderwege heraus. Ausführliche Infos zum französischen Wegenetz findet man unter Gr-infos.com.

Abseits von stark frequentierten Hauptwegen sollte man in Frankreich nicht mit einer flächendeckenden oder systematischen Markierung der Wege rechnen. Nur gelegentlich sind Wege und Richtungen auf gelben Schildern zusammen mit der Entfernung zum nächsten Orientierungspunkt angegeben.

Pyrenäen

Durch die (französischen) Pyrenäen führen zwei bekannte Fernwanderwege: der GR® 10 in der Region Midi-Pyrénées (470 km, Markierung: rot/weiß) und der Haute Randonnée Pyrénéenne (ca. 800 km, keine einheitliche und eigene Markierung, stattdessen wechselt das Rot/Weiß der GR® mit roten und gelben Farbklecksen). Der HRP® verläuft meist grenznah entlang des Hauptkammes der Pyrenäen.

Ansonsten kann man insbesondere in den spanischen Pyrenäen nicht mit einer flächendeckenden und systematischen Markierung rechnen. Sofern vorhanden unterscheiden sich Markierungen von Weg zu Weg.

Sierra Nevada

Markierungen gibt es in der andalusischen Sierra Nevada nur spärlich und nicht in einer einheitlichen Systematik. Im Gipfel-Glück-Blog von Stefanie Dehler wird ausdrücklich auf den eher bescheidenen „Markierungsausbau“ hingewiesen:

Die 3000er der Sierra Nevada werden größtenteil als technisch einfach beschrieben, dennoch ist es eine Gegend für Wanderer und Bergsteiger mit ausreichend Bergerfahrung, aufgrund der Höhe aber auch wegen der häufig schlechten Beschilderung und Markierung.

Picos de Europa

Da es sich bei den Picos um einen der schönsten unter den vielen kleinen Gebirgszügen in Spanien handelt, dürfen sie hier nicht fehlen. Sie können aber relativ schnell abgehandelt werden, da auch hier nicht mehr an „Leitsystem“ vorhanden ist, als einige Schilder an wichtigen Ausgangspunkten sowie gelb-weiße Streifen an einigen Hauptwegen. Letztere führen meist die Täler hinauf zu den Refugios, von wo aus es manchmal mit und manchmal ohne farbige Punktmarkierungen weitergeht.

Italien (Alpen und Apenninen)

Bislang gibt es kein einheitliches Konzept und Markierungssysteme sind je nach Region entweder nicht vorhanden oder uneinheitlich und eher willkürlich. Im zentralen und touristisch wohl bedeutsamsten Teil der Apenninen, den Abruzzen rund um den höchsten Berg Corno Grande (2912 m), sind die Routen laut Trekkingguideübertrieben gut markiert (rot-orange) und in den Karten eindeutig zu erkennen. Auch der anspruchsvolle „Via direttissima“ auf den Westgipfel des Corno Grande ist dort verzeichnet und mit grünen Klecksen markiert.

Der Alpenverein Südtirol, der Club Alpino Italiano und andere arbeiten allerdings an einem Markierungssystem ähnlich den Vorbildern der deutschsprachigen Alpenvereine. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass eine Wegekategorisierung nach Schwierigkeit in Italien ausdrücklich abgelehnt wird. Das Konzept soll langfristig für ganz Italien, also auch die Apenninen gültig sein. Detaillierte Infos dazu in diesem Dokument des italienischen Alpenvereins.

Osteuropa

Karpaten, Hohe Tatra

Wenn von den Karpaten die Rede ist, sind meistens die durch Rumänien verlaufenden Gebirgszüge gemeint. Über diese schöne Ecke gibt es hier im Basislager bereits einen Artikel, der auch mit nützlichen Wander- und Wegeinfos aufwartet.

Ein Kernstück der Karpaten ist der Nationalpark Piatra-Craiului. Dort gibt es etwa 30 Wanderwege, die markiert und durch die Farben grün, blau, rot und schwarz nach Schwierigkeit bewertet sind. Des weiteren führt der Fernwanderweg E8, um dessen Markierung sich der Deutsche Alpenverein kümmert, durch Rumänien.

Die Hohe Tatra ist eine kleine Hochgebirgsinsel im nördlichen Arm der Karpaten. Sie markiert die Grenze zwischen Polen und der Slowakei. Hier gibt es ein ausgedehntes Netz von größtenteils markierten und beschilderten Wegen, die aufgrund der Schroffheit der Berge weniger am Hauptkamm entlang als quer zum Kamm verlaufen. Am Südrand der Tatra zieht der Fernwanderweg E3 (Tatranska Magistrala) als Ost-West-Verbindung an den einzelnen Tälern entlang. Die Magistrale ist rot markiert, die anderen Wege hauptsächlich gelb. Auf der slowakischen Seite gelten die Beschilderungen und Markierungen als sehr ausführlich und genau, auf der polnischen Seite als etwas spärlicher, aber immer noch ausreichend.

Balkangebirge

„Das Balkangebirge“ gibt es eigentlich nicht. Man könnte höchstens die vielen Gebirgszüge und -Ketten, die sich durch das ehemalige Jugoslawien bis nach Griechenland ziehen, unter diesem Begriff zusammenfassen.

Da das Gebiet heutzutage viele klein Staaten umfasst, die größtenteils eher begrenzte Ressourcen für Tourismusentwicklung haben, gibt es kein einheitliches System der Wegemarkierung. Erste Initiativen in diese Richtung finden dort statt, wo sich der Outdoor-Tourismus konzentriert. Dazu gehören neben einzelnen Nationalparks in Kroatien die sogenannten „Peaks of the Balkan“ im Dreiländereck von Albanien, Montenegro und Kosovo. Eine zunehmend bekannte Mehrtageswanderung wird unter diesem Namen vermarktet und dementsprechend infrastrukturell aufgerüstet. Dabei kommt es zu einer Art „Entwicklungszusammenarbeit“ zwischen dem Deutschen Alpenverein und der einheimischen Bevölkerung. In dieser Bilderstrecke auf T-Online werden die Aktivitäten beschrieben, zu denen vor allem auch die systematische Markierung des Wegs gehört.

Liest man in verschiedenen Reiseblogs quer, scheint das Befolgen der Markierungen noch nicht ganz einfach zu sein. Auch die Beschreibungen der neuen Führerliteratur zu diesem Gebiet scheinen sich  nicht immer ganz mit den örtlichen Gegebenheiten zu decken. Man kann das positiv sehen: für Abenteurer scheint noch genug Potential in dieser touristisch noch in den Kinderschuhen steckenden Gegend.

Kaukasus

Es gibt im russisch-georgisch-aserbaidschanischen Grenzgebirge zunehmend mehr Wanderwege und Trekkingrouten, die allerdings nur gelegentlich und nicht in einem einheitlichem System markiert sind. Wenn überhaupt, sind nur zentrale Routen wie der Mestia-Ushguli-Hike vereinzelt markiert. Da aber die touristische Erschließung besonders in Georgien in vollem Gange ist, dürfte es hier einen schnellen Ausbau geben.

Die russische Seite ist für westliche Touristen schwer zugänglich. Auch Informationen über die Markierung von Wanderwegen sind (zumindest ohne Russischkenntnisse) schwer bis gar nicht zu finden.

Fazit

Wer als Bergfreund frei herumreisen kann, hat in Sachen Wegmarkierung die Wahl zwischen Gebieten mit viel Komfort, Sicherheit und „garantiertem Erlebnis“ oder Gebieten mit einer Prise Ungewissheit und Abenteuer. Die Wahlfreiheit ist dabei das eigentliche Privileg, denn so kann man selbst entscheiden, ob man ein umfassendes Sicherheitsnetz mit vielen „Vorgaben“ oder eine umfassende Bewegungsfreiheit mit viel Eigenverantwortung wählt. Beides zugleich – und das hat der Bergsport mit der Politik gemeinsam – ist leider nicht zu haben.

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