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Van-Ausbau – An was man denken sollte und was ich gerne vorher gewusst hätte

31. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Von absolut spärlich bis luxuriös, die Ausbauten eines Vans, in meinem Fall eines Caddys, sind so vielseitig wie auch ihre Benutzer. Und genau diese Vielseitigkeit ist es, was die Camper daran reizt. Hier gibt es nichts von der Stange und all seine Vorstellungen und Wünsche kann man in die Tat umsetzen. So muss man sich mit nichts arrangieren und bekommt die perfekte Einrichtung für sein Auto. So weit der Plan, doch Wunsch und Realität sind meistens zwei Paar Schuhe. Das musste auch ich feststellen, als ich mit der Planung für den Ausbau meines Caddys angefangen habe.

Aber von vorne. Dass ich irgendwann ein größeres Auto fahren wollte, stand irgendwie schon immer fest. Denn ich habe gerne immer alles dabei. Von Fahrrad bis Kletterzeug, Skiausrüstung“ und Schlafsack sollte alles Platz haben. Man weiß ja schließlich nie, was der Tag so bringt. Im Hinterkopf hatte ich ebenfalls, dass ich gerne die Möglichkeit hätte, in meinem Auto zu schlafen. Und das nicht zusammengekauert auf der Rückbank, sondern in einem richtigen Bett.

Die richtige Autowahl – Kosten-Nutzen Analyse

Der Anfang dieses Projekts und eigentlich auch die wichtigste Komponente ist das passende Auto zu finden. Und das ist gar nicht so leicht. Hierbei sollte man genau durchdenken, was das Auto alles haben soll und für was man es benutzen möchte. Das Budget spielt natürlich auch eine Rolle. Klar, gibt es fertig ausgebaute Busse mit allem Schnickschnack, aber genau das wollen wir ja eben nicht. Wenn jemand viel verreist und den Camper quasi als zweites Zuhause sieht, der ist mit einem größeren Auto sicher gut beraten. Da ich aber nicht ständig beim Campen bin und auch ein unkompliziertes Auto für den Alltag gesucht habe, ist die Größe eines Caddys optimal. Der ist nicht ganz so teuer und reicht für meine Bedürfnisse. Um auch flink beim Einparken zu sein, wählte ich die Variante mit kurzem Radstand. Dass das später zu einer komplizierteren Planung führen sollte, wusste ich da noch nicht. Trotzdem hat sich die Größe des Autos bewährt, da es zum Einen ideal für den täglichen Gebrauch ist und zum Anderen auch super unauffällig beim Campen ist.

Achtung beim TÜV – Gewicht, Sicherheit und Co.

Von vorne herein muss klar sein, ob man das Auto zu einem dauerhaften Camping-Van umbauen möchte oder ob man den Ausbau flexibel gestalten will. Also bei Bedarf reinbauen und wenn man gerade nicht wegfährt und das Auto im Alltag nutzen möchte, wieder rausbauen. Denn wer sein Auto dauerhaft umbaut, muss sich mit den jeweiligen Vorschriften des TÜV vertraut machen. Da kommen dann Dinge wie maximale Zuladung, die nicht überschritten werden darf, oder die Sicherheit der Insassen auf den Heimwerker zu. Wer sich dafür entscheidet, ein dauerhaftes Bettgestell im Auto unterzubringen, muss sich vielleicht mit mehr Vorschriften rumschlagen, kann sich dafür aber auch eine komfortablere Variante gönnen. Da ich meinen Caddy auch ohne Ausbau noch nutzen wollte, mussten wir penibel auf das Gewicht des Gestells achten. Denn wenn man das Bett wieder rausheben möchte, spielen vier bis fünf Kilo dann doch eine große Rolle.

Die Länge spielt doch eine Rolle

Somit sind die Grundlagen geklärt. Leicht und flexibel soll es sein. Fein wäre es, wenn ich das Gestell auch noch umklappen könnte. Der Nachteil des Caddys mit kurzem Radstand ist nämlich die fehlende Länge. Da man ja doch mindestens 1,90 Meter Länge für ein bequemes Bett braucht, wird es recht eng. An sich kein Problem, man fährt einfach die Fahrersessel nach vorne, kurbelt die Lehne nach vorne und klappt sein Bett aus. Das bedarf aber einer augeklügelten Klapptechnik und einem exakten Ausmessen. Schon wird die Planung etwas komplizierter. Da wir die Rückbank als Stütze für das Bett im Auto lassen wollten, mussten wir darauf achten, dass sich das Bett so zusammenklappen lässt, dass es perfekt in den Kofferraum passt. So kann man nämlich auch die Rückbank noch ungehindert nutzen und transportiert das Bettgestell ganz unauffällig. Dank der Rückbank war es auch möglich viel Gewicht einzusparen, da die Stützen wegfielen. Dass das auf Kosten des Stauraums geht, war mir da auch noch nicht bewusst.

Wir wählten dünne Holzplatten als „Lattenrost“. Nutzt man den Camper sehr oft, dann kann man durchaus in einen Lattenrost investieren. Da wir nur sporadisch damit verreisen, sollte es auch eine leichte Multiplex-Platte tun. Bei allen Arbeitsschritten war ja immer das Gewicht im Hinterkopf. Das einzig Schwere am Gestell sind tatsächlich die Stützen im Kofferraum und die Verstärkung der Holzplatten, wo sie nicht auf der umgeklappten Rückbank aufliegen. Damit das Bett klappbar ist, teilten wir die Holzplatte in drei Teile, die mit recycelten Schrankscharnieren verbunden wurden. Problem war nun, dass die Platten jetzt zwar auf der Rückbank auflagen, aber noch darüber hinaus Richtung Fahrerhaus reichten. Dadurch wurde das ganze Bett schief und instabil. Ich hätte gerne vorher gewusst, dass die Platte doch soweit darüber hinaus geht, dass es zusätzliche Stützen zwischen Rückbank und den vorderen Sesseln braucht. Wir tüftelten eine herausnehmbare, dünne Holzbank zusammen, die den Raum überbrückt. Die Stabilität ist damit zwar wieder ideal, jedoch haben wir uns damit einen Teil des Stauraums verbaut und ein extra Teil, bei dem ich nicht weiß wohin, wenn das Bett zurückgeklappt ist.

Jungfernfahrt und erste Korrekturen

Der Bau des Bettgestell kostete alles in allem nur einen Tag und stürzte mich auch nicht in ein finanzielles Desaster. Wer wirklich nur ein paar Tage im Caddy schläft, muss da auch nicht so viel investieren. Da wir sonst im Zelt nächtigten, dachten wir, die Isomatten würden auch super in den Caddy passen. Falsch gedacht! Da meine Matte viel zu breit war, schob sich die andere Matte an der Seite hoch. Komfort geht definitiv anders und wie schaut das überhaupt aus? Ich bin ein Fan von klaren Linien und Ordnung. Das Durcheinander mit den Matten machte mich sofort wahnsinnig. Parken, Bett umklappen, Matte ausblasen, Schlafen, Matte kleinmachen, Bett umklappen, weiter fahren. Das war ziemlich viel Aufwand. Zwischenzeitlich stapelten wir die Matten, ohne sie auszulassen, was nur zu noch mehr Chaos führte. Fazit war, dass man mit zwei Isomatten im Caddy nicht glücklich wird. Wer dazu noch Probleme mit dem Rücken hat, der sollte in eine angepasste Matratze investieren. Seitdem ich diese Matratze habe, schläft man nicht nur besser, sondern hat auch mehr Ordnung, denn sie lässt sich wie das Bettgestell ebenfalls klappen. So fliegt nichts mehr unordentlich durch den Caddy und er sieht schön aufgeräumt aus.

Was klappert denn da?

Schon beim Einbauen hatte ich Angst, dass das Holzgestell den Innenraum des Kofferraums zerkratzen könnte. Durch die Bewegung beim Fahren aber auch beim Schlafen kann das Gestell etwas verrutschen. Damit nichts zu schaden kommt, verkleidete ich die Ecken mit Anti-Rutschstoff. Sicher gibt es hier professionellere Lösungen, jedoch wurden Kratzer bisher effektiv verhindert. Da wir anfangs auf Isomatten schliefen, überzog ich auch die komplette Liegefläche mit dem Stoff, damit die Matten nicht rutschen. Mit einer angepassten Matratze ist das aber nicht zwingend nötig. Allerdings schützt der Stoff auch das Holz und lässt das Gestell irgendwie schicker wirken. Damit der Kofferraum geschützt wird, griff ich auf einfache Teppiche zurück. Wenn man viel draußen unterwegs ist und auch mal nasse Ausrüstung hat, dann ist eine abwaschbare Kofferraumschale aus Plastik sicher die bessere Lösung.

Hast du meine Schuhe gesehen? Und wo ist eigentlich der Gaskocher?

Mein Tick mit der Ordnung zieht sich sicher durch die ganze Organisation des Caddys. Unser Bett ist auf Höhe der umgeklappten Rückbank und bietet damit nur bedingt Stauraum. Alles was wir dabei haben, müssen wir entweder unter dem Bett oder hinter den Fahrersesseln unterbringen. Wenn man gerade schläft, wird alles Übrige ins Fahrerhaus gestellt. Chaos vorprogrammiert! Beim Ausbau haben wir tatsächlich nicht bedacht, dass Kletterzeug, Klamotten, Essen und Kochausrüstung viel Platz braucht. Nur durch Glück habe ich eine Box gefunden, die exakt unter das Bett passt. Darin wird nun Essen und Kochzeug aufbewahrt. Viel Proviant bringt man da aber nicht unter, für zwei Tage reicht es trotzdem.

Damit wir den Stauraum vergrößern konnten, bauten wir den einzelnen Sessel der Rückbank kurzerhand aus. Damit das Bett nach wie vor stabil bleibt, wurde der Platz mit Ausrüstung aufgefüllt, die dann als Stütze diente. Wer die Rückbank als Stütze benutzen möchte, hat sicher einen tollen Komfort im Bett, denn man kann fast aufrecht darin sitzen. Jedoch geht viel an Stauraum darunter verloren. Da muss man sich eben überlegen was wichtiger ist. Und auch wie sich das Bett ohne Rückbank konstruieren lässt. Wer einen besonderen Wert auf Ordnung legt, baut Schubläden. Zwar gehört das eher in die Kategorie dauerhafter Ausbau, bringt aber viele Vorteile mit sich. Nicht nur eine Kochstelle lässt sich darin verbauen, sondern der ganze Krimskrams wird ordentlich verstaut. Anbieter wie Reimo oder VanEssa bieten mittlerweile Ausbauten mit oder ohne Schubläden an, die man nicht fest in das Auto bauen muss. Das ist zwar dann nicht Marke Eigenbau, sicher aber eine Alternative, die man in Betracht ziehen kann.

Ein bisschen Romantik bitte

Roadtrip, Lagerfeuer, Sternenhimmel. Und dann gemütlich ins Auto verziehen und schlafen. Romantik pur! Doch vor allem auch eines: dunkel und kalt. Klar hat man Stirnlampen, aber wirklich praktisch sind die da nicht. Gleich am Anfang fiel die mangelnde Beleuchtung auf. Die integrierten Leuchten im Auto brennen ja nur, wenn man das Auto aufsperrt oder die Tür offen lässt. Und dann auch nicht ewig. Außerdem will man doch ein wenig Gemütlichkeit haben. Da im Auto weder Strom, Gas noch sonstiges vorhanden ist, wo man was anstecken könnte, mussten wir selbst was bauen. Was auch sonst? Im Zeitalter von Smartphones und Co. hat man seine Powerbank auf Campingtrips meistens dabei. Also bastelten wir eine LED-Leuchte mit USB-Anschluss. Dass die Leuchte in Herzform sein musste, hat natürlich keine praktischen Zwecke, nur romantische.

War da noch was? Ach ja, die Kälte! Da mein Auto ja kein geborener Camper ist, ist es dementsprechend auch nicht isoliert. Da es ein „normales“ Auto bleiben soll, wurde es auch nicht nachträglich isoliert. Also liegt man da so im Bett und denkt sich, dass es irgendwie verdammt schnell kalt wird. Und der Mond prallt einem auch ins Gesicht. Wer wie ich, durch solche Kleinigkeiten um den Schlaf gebracht wird, handelt schnell. Entweder man näht sich Vorhänge, oder man greift zu bewährten Thermomatten. Zwar sehen Vorhänge hübsch aus, aber ich möchte ja nichts dauerhaftes im Auto haben. Die Thermomatten hingegen lassen sich mit Saugnäpfen an den Fenstern befestigen, isolieren deutlich und dunkeln perfekt ab. Das einzig störende daran ist, dass man diese Matten nun auch irgendwo unterbringen muss.

Dauerbaustelle Camper-Caddy

Wer selbst einen Van ausgebaut hat, weiß, dass es irgendwie nie perfekt ist. Immer gibt es was auszubessern oder umzuorganisieren. Das hätte mir vorher klar sein können. Die erste Version des Ausbaus wird mit vielen kleinen Mängel daherkommen, die erst nach und nach deutlich werden. Wer noch vor diesem Projekt steht, sollte sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen, um sich klar zu werden, was man möchte und wie oder ob das umzusetzen ist. Den perfekten Einklang aus Ordnung, Funktionalität und Komfort zu finden kann mitunter Jahre dauern. Jahre in denen man mit seinem Van von einem Abenteuer ins nächste fährt und immer mehr an Erfahrung gewinnt. Denn obwohl ein Auto nur ein Ding ist, wird es mit einem Umbau zu einer zweiten Heimat und zum Rückzugsort aus dem Alltag. Und das fängt bei der Planung schon an.

Die neun größten Outdoor Mythen

24. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Outdoor Mythos Nummer 1

Karte und Kompass sind dank GPS und Smartphone überflüssig.

Am unzuverlässigsten erweist sich im Vergleich zwischen GPS Gerät, Kombination aus Kompass und Karte und Smartphone, das Smartphone. Fehlendes Datennetz, schlechte Verbindung zum Satelliten und sehr begrenzte Akku-Laufzeit – wer sich beim Wandern und Bergwandern auf sein mobiles Telefon verlässt, könnte früher oder später orientierungslos im Wald stehen.

Was im Großstadtdschungel oft sehr hilfreich ist und meist auch gut funktioniert, entpuppt sich im Gebirge, im Wald, in abgelegenen Regionen und schmalen Tälern oft als schlichtweg nutzlos. Etwas besser schlagen sich hier reine GPS Geräte. Empfang und Akkuleistung sind deutlich besser, aber auch hier gilt: wer sich nur auf den elektronischen Helfer verlässt, schaut vielleicht irgendwann ratlos auf einen dunklen Bildschirm. Zumindest als Ergänzung gehören daher bei jeder größeren Wanderung eine passende Wanderkarte und ein Kompass ins Gepäck. Den Umgang damit sollte man am besten vorher üben, bevor der Akku im GPS Gerät den Geist aufgegeben hat.

Outdoor Mythos Nummer 2

Dank meiner atmungsaktiven Regenjacke bleibe ich beim Wandern immer trocken.

Funktionelle Hardshelljacken sind nicht nur wasserdicht und windundurchlässig, sondern auch atmungsaktiv. Das unterscheidet die Regenjacken beispielsweise vom gummierten „Ölzeug“, das Fischer, Angler und Seefahrer bei rauer See meistens tragen. Die Atmungsaktivität der Outdoorjacken wird durch mikroporöse Membrane, wie zum Beispiel Gore-Tex und Co. ermöglicht.

Sie verfügen über winzige Öffnungen, die den Wasserdampf nach außen entweichen lassen, während selbst die kleinsten Wassertropfen noch immer viel zu groß sind, um nach innen zu gelangen. Zwei Faktoren begrenzen jedoch leider die Atmungsaktivität der Membrane. Zum ersten benötigen die Membrane ein gewisses Temperaturgefälle, um optimal zu funktionieren. Das bedeutet, bei tropischen Temperaturen funktioniert das „Dampf ablassen“ durch die Mikroporen nicht mehr, denn der Temperaturunterschied zwischen „in der Jacke“ und Außentemperatur ist zu niedrig.

Zum anderen können Wanderer bei anstrengenden Wanderungen deutlich mehr schwitzen, als die Regenjacke im besten Fall nach außen abgeben kann. Obwohl kein Regen von außen eindringt, feuchtet man so langsam von innen durch. Verhindern lässt sich das zwar nie komplett (außer man bewegt sich nicht), aber funktionelle Zwischenschichten, die den Schweiß gut weiterleiten und schnell trocknen, machen das Wandern mit Regenjacke trotzdem um einiges angenehmer.

Outdoor Mythos Nummer 3

Im Winter muss man nicht so viel trinken, denn man schwitzt ja auch weniger.

Bei anstrengenden Wanderungen, Bergwanderungen und Kletterpartien kommen Wanderer und Bergsportler auch im Winter ins Schwitzen. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper dabei verliert, ist zwar von Person zu Person verschieden und sie kann auch unter der Menge liegen, die man bei gleicher Aktivität an einem sehr heißen Sommertag verlieren würde. Allerdings erfolgt das Schwitzen im Winter eher unauffällig.

Während der Schweiß im Sommer vom Gesicht tropft, schwitzen Sportler im Winter vor allem unter der Bekleidung: unter der Jacke, unter der Mütze und in den Handschuhen. Gleichzeitig verliert der Körper durch die Atmung in der zumeist trockenen Winterluft besonders viel Flüssigkeit. Trotzdem sinkt im Winter bei vielen Menschen das subjektive Durstgefühl. Deshalb gilt es im Winter etwa die gleiche Menge zu trinken, wie bei wärmeren Temperaturen. Normalerweise sollten sich Bergsportler dabei nach ihrem individuellen Durst richten. Falls man jedoch dazu neigt im Winter eher keinen Durst zu verspüren, können beispielsweise entsprechende Apps dezent ans Trinken erinnern. Isolierende Flaschen oder isolierte Trinksysteme sind dabei ein Muss, denn sonst wird aus der Trinkflasche schnell ein großer Eiswürfel.

Outdoor Mythos Nummer 4

Ab 1000 Meter Höhe duzen sich alle Wanderer.

Was sich im englischsprachigen Raum und in internationalen Expeditionen aufgrund des fehlenden „Sie“ in der englischen Sprache automatisch ergibt, stellt Wanderer, und Bergwanderer im deutschsprachigen Raum immer wieder vor die Frage: Soll ich „Siezen“? Darf ich „Duzen“? Sollte ich vielleicht sogar „duzen“? In diesem Zusammenhang liest man manchmal vor der 1000 Meter Regel.

Sie besagt, dass alle Wanderer ab etwa 1000 Meter Höhe zum lockeren „Du“ übergehen. Grundsätzlich und allgemein gültig ist diese Regel allerdings nicht. Viele Orte in den Alpen liegen bereits auf einer Höhe über 1000 Meter und auch auf einer wesentlich höheren Berghütte ist es nicht unbedingt angebracht jeden Wanderer wahllos zu duzen.

Vielmehr ist die „Regel“ eine situationsabhängige Empfehlung. Wenn Wanderer sich auf einem schmalen Bergweg begegnen, freundlich grüßen und beispielsweise kurz über Wegbeschaffenheit oder Wetter unterhalten, dann kann ein lockeres „Du“ durchaus angebracht sein. Dafür spielt es aber keine Rolle, ob man sich auf 300 Meter oder 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. (Ja, es gibt auch Wanderwege im Mittelgebirge, im Flachland und an den Küsten.)

Fakt ist aber, dass viele Wanderer sich in abgelegeneren Regionen (egal, ob durch Höhe oder durch andere Faktoren bedingt) eher grüßen, schneller ins Gespräch kommen und auch häufiger direkt zum „Du“ greifen. Da hilft es jedoch nur, die Situation passend einzuschätzen und nicht der Blick auf den Höhenmesser.

Outdoor Mythos Nummer 5

Ein Zwei-Personen-Zelt bietet genügend Platz für zwei Personen.

Wenn Zelthersteller ihre Empfehlungen für die Anzahl der Personen im Zelt aussprechen, gehen sie recht simpel vor: Sie nehmen ihren Zelt-Grundriss und ihren Mumienschlafsack in Standardlänge und Standardbreite. Dann wird getestet wie oft dieser standardisierte Schläfer auf den Zeltboden passt und heraus kommt die theoretische Personenzahl.

Dass es auch größere Menschen, breitere Camper, Menschen, die sich im Zelt etwas bewegen möchten und dass es dazu auch noch Gepäck gibt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nur teilweise. Wenn das Zelt also für zwei Personen Platz bietet, dann passen schon auch zwei Personen rein. Im Regen übernachten, muss also keiner von den beiden.

Wirklich gut und komfortabel schlafen aber beide höchstwahrscheinlich nicht. Für Trekkingtouren und alle, die auf das Zeltgewicht achten müssen, ist es daher ratsam, das Zelt immer eine Nummer größer zu wählen. Für zwei Personen also lieber ein Drei-Personen-Zelt und für drei Personen eher ein Vier- oder sogar Fünf-Personen-Zelt. Da kann sich jeder Zeltbewohner auch noch bequem umdrehen und das Gepäck findet leichter seinen Platz. Wenn Zeltgewicht und Maße nicht so wichtig sind, wird ein mit zwei Personen besetztes 4-Personenzelt zum echten Raumwunder beim Camping.

Outdoor Mythos Nummer 6

Ein bequemes T-Shirt aus Baumwolle ist optimal für Wanderungen.

Zugegeben – man kann in einem T-Shirt aus Baumwolle sicher gut wandern. Es hat zwar keine Vorteile und sicher auch einige Nachteile – aber es geht schon. Nur gibt es wesentlich bessere Arten von Wanderbekleidung, die erfahrene Wanderer und Bergsportler unter dem Begriff „Funktionsbekleidung“ kennen.

Auch ein T-Shirt aus Baumwolle hat funktionelle Grundzüge: man muss nicht mit unbekleidetem Oberkörper wandern, ist etwas vor Scheuerstellen durch die Rucksackträger geschützt und wenn man das richtige T-Shirt ausgewählt hat, sieht man beim Wandern vielleicht sogar ganz cool aus. Wenn da nur nicht diese Nässe wäre.

Das Problem der Baumwolle ist nämlich, dass sie den Schweiß, der beim Wandern am Körper entsteht, wie ein Schwamm aufsaugt und am liebsten gar nicht mehr loswerden möchte. Das führt in der Regel zu einem klatschnassen Rücken, denn trotz aller Belüftungsversprechen der Rucksackhersteller wird es unter dem Wanderrucksack nun mal warm am Rücken.

Falls dann noch ein Regenschauer kommt oder das T-Shirt unter der Hardshelljacke getragen wird, ist es endgültig vorbei mit „trocken“ und „komfortabel“. Die clevere Alternative ist dagegen Kunstfaser, wie Polyester oder Polyamid. Oft mit etwas stretchfähigem Elasthan ergänzt, sorgen die Funktionsshirts für schnellen Feuchtigkeitsaustausch und sind in kürzester Zeit wieder komplett trocken.

Dabei sind Gewicht und Packmaß viel geringer, als bei Baumwolle. Einziges Manko der Funktionsshirts aus Kunstfaser ist, dass sie beim Wandern oft schnell zu müffeln anfangen. Dagegen helfen entweder spezielle geruchshemmende Fasern oder der Griff zu Wandershirts aus Merinowolle. Die trocknen zwar etwas langsamer, aber dafür tragen sie sich auch nach mehreren anstrengenden Wandertagen immer noch sehr komfortabel und frisch.

Outdoor Mythos Nummer 7

Die Temperaturangaben bei Schlafsäcken sind absolut präzise und allgemeingültig.

Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke sind mit drei Temperaturangaben gekennzeichnet. Die Komfortzone, das Temperaturlimit und zusätzlich noch die Extremtemperatur. Als Komforttemperatur wird die Temperatur angesehen, bei der eine Frau im Schlafsack komfortabel und ohne zu frieren schläft. Die Limitangabe stellt im Grunde den gleichen Wert für Männer dar.

Die Extremtemperatur dient als Orientierung, bei welcher Temperatur man im Notfall noch ohne Erfrierungen die Nacht übersteht. Dazu kommen allerdings viele Faktoren, die nicht auf dem Schlafsack angegeben werden. Das individuelle Kälteempfinden, die Isomatte, das Zelt, der Lagerplatz

Im Allgemeinen frieren gut trainierte Sportler aufgrund ihrer höheren Muskelmasse weniger als normale Camper. Frauen frieren schneller als Männer. Ältere Menschen frieren eher als jüngere Menschen. Dünnere Camper produzieren weniger Wärme als dickere Schläfer. Hinzu kommen noch eine mehr oder weniger gute Passform der Schlafsäcke, die richtige Lagerung und Pflege, sowie die ideale Bekleidung zum Schlafen im Schlafsack.

Zwischen all diesen Kriterien befindet sich die individuell „echte“ Komforttemperatur. Zur Einordnung und zur Vergleichbarkeit eignen sich die Temperaturkennzeichnungen allerdings ziemlich gut. Im Zweifelsfall ist es auch immer einfacher einen wärmeren Schlafsack zu öffnen und zu belüften, als einen dünnen Schlafsack wärmer zu machen.

Outdoor Mythos Nummer 8

Im Notfall hilft mir mein Erste-Hilfe-Set.

Ein Erste-Hilfe-Set zum Wandern und Bergsteigen mitzuführen ist grundsätzlich schon mal gut. Allerdings hilft das Set auch nicht in jeder Situation, denn es enthält meist „nur“ eine Auswahl an Verbandsmaterial. Es ist leider davon auszugehen, dass viele Bergsportler den Inhalt ihres Erste-Hilfe-Sets zum ersten Mal sehen, wenn sich jemand verletzt hat.

Da bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall nur ein Pflaster benötigt wird. Wer ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack mit sich trägt, hat davon am meisten, wenn er sich auch das nötige Wissen aneignet, um das Maximum aus dem Set-Inhalt herauszuholen. Wie lege ich einen Verband an? Was mache ich bei einer Verbrennung? Einer Schnittwunde? Wie kann ich erste Hilfe leisten, wenn jemand gestürzt ist? Wer sich vor einer Tour mit solchen Fragen auseinandersetzt und im besten Fall vielleicht sogar einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt, hat die optimalen Voraussetzungen, um im Ernstfall mit dem Set auch Erste Hilfe leisten zu können.

Outdoor Mythos Nummer 9

Meine Banane verrottet in der Natur, deshalb kann ich sie beim Wandern einfach wegwerfen.

Im Vergleich zu einer Plastikflasche, die in den Bergen so schlappe 500 – 1000 Jahre zum Verrotten benötigt, zersetzt sich die achtlos weggeworfene Bananenschale tatsächlich schnell. „Nur“ 1 – 3 Jahre benötigt die Schale der tropischen Frucht dafür. Aber selbst, wenn sie nur 4 Wochen benötigen würde, wäre das noch lange kein Grund, sie einfach in den Bergen zu entsorgen.

Vielmehr gilt es einfach seinen kompletten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Was sich im Fall der Plastikflasche zum Glück im Alpenraum sehr weit herumgesprochen hat, gilt bei Bananenschalen und Co. noch oft als akzeptabel. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Wanderer gar nicht wissen, dass es Jahre dauert, bis ihr Müll verrottet ist. Diesbezüglich darf man das Wissen seiner Mitwanderer auch gerne erweitern, denn viele Menschen, die sich dessen gar nicht bewusst waren, ändern danach ihre Gewohnheiten.

Von A wie „Aua“ bis Z wie „zum Arzt gehen“ – was bei Sportverletzungen zu tun ist

15. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Kennt ihr das, man sitzt beim gemütlichen Bierchen mit Freunden, allesamt (Berg-)Sportler und irgendwann kommt einer auf das Thema Sportverletzungen? Stolz zeigt dann jemand seine schon leicht verblasste Narbe als Trophäe und erzählt eine wilde Story, wie es denn dazu kam. Klar hört sich das oft lustig an oder spannend oder heroisch oder oder oder…

Und meist leben diese Geschichten auch von einer kleinen Portion Übertreibung. Aber in ihrem Kern sind sie doch immer wahr und das Erstaunliche ist dabei, dass jeder in der Runde irgendeine Anekdote parat hat, in der er genäht, eingerenkt oder vergipst wurde. Das hört sich jetzt erst einmal krass an, zeigt mir aber auch gleichzeitig wie viel, beziehungsweise wie wenig wirklich Schlimmes beim Sport so passiert. Denn viele der Geschichten sind nicht nur Jahre alt, vielmehr haben sie in der Regel auch keine weiteren Beeinträchtigungen hinterlassen.

Hier geht’s zu Teil 1: Was tun als Ersthelfer

Sportverletzungen und Co. – Wie kann ich schnell und effektiv helfen?

Wer viel unterwegs ist, der wird das kennen: Kratzer, Schnittwunden oder auch ein umgeknickter Fuß, das gibt es schon einmal. Meist ist das auch keine große Sache und mit ein paar Heftpflastern oder einem Beutel Eis halbwegs gut versorgt. Die Rettung muss nicht unbedingt alarmiert werden, oft genügen der Griff in die Hausapotheke und sofern erforderlich der anschließende der Gang zum Arzt. In Teil Zwei unserer kleinen Erste-Hilfe-Serie geht es daher um alle Verletzungen, die auch ohne Notarzt und Rettungswagen gemeistert werden können. Der Artikel soll lediglich zur Sensibilisierung für das Thema Erste-Hilfe dienen. Er kann aber keineswegs einen entsprechenden Kurs beim Roten Kreuz oder vergleichbaren Organisationen ersetzen.

Wunden versorgen – so macht man es richtig

Zu den häufigsten Verletzungen überhaupt gehören Schnitt-, Schürf- und Platzwunden, Schrammen und Kratzer. Diese lassen sich in der Regel recht einfach versorgen. Dennoch wichtig: Wenn möglich sollte man als Ersthelfer Einmalhandschuhe tragen. Alternativ, kann man sich als Betroffener natürlich auch selbst „verarzten“.

Ist die Wunde stark verschmutzt (Erde, Sand etc.) sollte man sie zunächst einmal reinigen, hierzu eignet sich Leitungswasser bestens. Danach werden Wunden in der Regel desinfiziert (Desinfektionsmittel, Desinfektionstücher aus dem Erste-Hilfe-Beutel) und mit einer geeigneten Wundauflage versorgt, dies kann je nach Größe der Wunde ein einfaches Heftpflaster oder auch eine sterile Kompresse sein. Nicht jede Wunde erfordert gleich den Gang zum Arzt. Man sollte die betroffene Stelle und deren Heilung jedoch auch in den Tagen nach dem eigentlichen Unfall gut beobachten. Wird die Stelle rot oder heiß oder nässt die Wunde andauernd stark, braucht es auch hier definitiv nochmals professionelle Hilfe.

Bei Platz- und Schnittwunden kann es je nach Körperstelle auch zu starken Blutungen kommen. Diese sind meist nicht mit den üblichen Hausmitteln dauerhaft zu stillen und ziehen oft den Gang zum Nähen nach sich. Sofortmaßnahmen kann und muss aber auch hier jeder selbst ergreifen. Ein einfacher Druckverband reicht dabei in der Regel aus. Hierzu wir eine möglichst keimfreie Wundauflage direkt auf die Wunde gelegt und mit einer Binde zwei bis drei Mal umwickelt. Darauf kommt dann im Bereich der Wunde ein Druckpolster (z. B. eine noch eingepackte Binde). Dieses wird ebenfalls fest umwickelt und schon ist der Verband fertig.

Wenngleich die eigentliche Wunde vielleicht nicht tief ist, führt bei Schnittwunden, die beispielsweise durch verunreinigte Gegenstände wie Glasscherben, rostige Metallteile etc. zustande gekommen sind, der Weg definitiv zum Arzt. Auch Bisswunden und Kratzer, die durch Tiere entstanden sind, müssen aufgrund der Infektionsgefahr ebenfalls unbedingt nochmals professionell begutachtet werden. Brandwunden werden lediglich abgedeckt und leicht gekühlt, daraufhin führt der Gang direkt zum Arzt, Hausmittel sind hier nicht angesagt.

Knochenbrüche – wie man Schmerzen lindern kann

Die Erfahrung zeigt, ein Knochenbruch wird nicht selten erst beim Arzt erkannt. Steht der betroffene Körperteil nicht besonders seltsam ab oder handelt es sich um einen offenen Bruch, ist ein Knochenbruch oft nicht eindeutig zu erkennen. Wer hat auch schon ein mobiles Röntgengerät im Rucksack dabei. Dennoch gibt es ein paar Anzeichen, die auf einen Knochenbruch schließen lassen. Ist beispielsweise nach einem Sturz die Bewegung des Beins stark eingeschränkt kann es sich um einen Knochenbruch handeln, auch eine Schwellung, oder starke Schmerzen sind typische Symptome.

Aus diesem Grund sollten auch keine großartigen Bewegungsübungen oder dergleichen unternommen werden. Hat der Betroffene eine Schonhaltung gefunden, die für ihn halbwegs angenehm ist, sollte man ihn auch so belassen. Gerade bei gebrochenen Beinen kann auch ein Polstern und leichtes Unterstützen mit weichen Gegenständen dabei helfen, die Schmerzen ein wenig zu lindern. Hierzu eignen sich beispielsweise Decken, Handtücher, Pullover oder auch ein Schlafsack. Auch vorsichtiges Kühlen kann ebenfalls hilfreich sein. Keinesfalls sollte man als Laie versuchen den Knochenbruch einzurenken oder zu schienen. Hierdurch mach man in der Regel alles schlimmer, aber nichts besser.

Vorsicht: Bei einem Knochenbruch besteht immer auch die Gefahr eines Schocks. Zeigt der Betroffene also diesbezüglich deutliche Anzeichen ist es ratsam, einen Notruf abzusetzen. An einer ärztlichen Behandlung geht ohnehin kein Weg vorbei.

Bei Sportverletzungen – PECH-Regel

Zu den typischen Sportverletzungen zählen unter anderem Muskelzerrungen, gedehnte Bänder oder auch Prellungen. Verletzungen dieser Art führen in der Regel zu vergleichsweise starken Schmerzen und müssen schnellstmöglich erst-versorgt werden. Hierbei gilt die sogenannte PECH-Regel, also die Kombination aus „Pause“, „Eis“, „Compression“ und „Hochlagern“.

  • Der Sport ist für heute beendet. Wenn möglich sofort mit der Bewegung aufhören, die betroffene Körperstelle ruhigstellen und nicht unnötig bewegen.
  • Die Verletzung muss gekühlt werden. Dies kann mit einem geeigneten Kühlkissen erfolgen. Alternativ eignet sich aber auch alles, was irgendwie kühlt, vom Beutel Eiswürfel über ein feuchtes Handtuch bis hin zu Omas liebevoll eingefrorenen Himbeeren. Dabei nie Eisbeutel oder Kühlakkus direkt auf die Haut legen, sondern immer mit einem Handtuch oder ähnlichem umwickeln.
  • Schreibt man eigentlich mit K, aber hier geht es ja auch nicht um Rechtschreibung. Gemeint ist damit das Anlegen eines Druckverbands mit mäßiger Spannung. Keinesfalls sollte dieser zu eng sein, da ein Anschwellen des Körperteils trotz Verband und Kühlung möglich ist. Hierzu verwendet man idealerweise eine (elastische) Binde, muss improvisiert werden, tut es beispielsweise am Fußgelenk auch eine enge Socke.
  • Hierbei sollte das verletzte Körperteil immer so gelagert werden, dass er höher als das Herz liegt. Dadurch kann das Blut besser abfließen und Schwellungen und Schmerzen fallen deutlich geringer aus. Zum Unterlegen des Körperteils kann alles verwendet werden, was gerade da ist. Vom dicken Sofakissen über den Rucksack bis hin zum braven Hund, erlaubt ist was funktioniert. 

Wichtig fürs Gemüt – moralischer Beistand

Wer kennt das nicht, schmerzt es irgendwo besonders stark oder hat man sich offensichtlich verletzt geht die Stimmung merklich runter und alles ist gleich noch viel schlimmer. Ist man hingegen ein wenig abgelenkt oder hat man jemanden, der sich nett um einen kümmert, geht es gleich schon ein wenig besser. Einfach mal ein wenig zum Verletzten hinsitzen und mit ihm reden, das hilft schon. Wenn dann der Verletzte das erste mal wieder lacht oder selbst anfängt was zu erzählen ist er meist schon wieder auf dem Weg der (mentalen) Besserung.

Hierzu eine Geschichte aus meinem Leben: Ich habe mir letztes Jahr beim Skifahren bei einem Sturz den linken Ski ans rechte Knie geschlagen und so eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Zunächst hatte ich das eigentliche Ausmaß gar nicht wahrgenommen und bin mit leichten Schmerzen noch bis zur Talstation des Lifts gefahren. Erst dort, bei genauerem Hinsehen wurde mir klar, dass ich wohl mehr als ein Pflaster brauchen werde. Mir wurde sofort sterbens schlecht und ich fühlte mich hundeelend. Mein Freund blieb zum Glück in dieser Situation vergleichsweise ruhig und begleitete mich ohne groß mit der Wimper zu zucken zur zufällig nahe gelegenen Erste-Hilfe-Station. Sofort kam ein Rettungssanitäter und hat mir nach kurzer Begutachtung einen Druckverband angelegt. Dabei hat er mir außerdem sämtliche Geschichten erzählt, die ihm schon beim Bergsport passiert waren. Ein Druckverband ist nicht besonders angenehm. Aber aufgrund der lustigen (und vielleicht auch erfundenen) Geschichten vom Sani war das Verbinden ganz gut zu ertragen. Eine viertel Stunde und drei Gläser Wasser später, war ich dann wieder soweit auf den Beinen, dass ich immerhin ohne fremde Hilfe zum Arzt gehen konnte um die Wunde nähen zu lassen.

Abschließend

Beim Sport passieren immer mal wieder kleinere und größere Unfälle. Handelt es sich da „lediglich“ um einen verstauchten Fuß oder eine Schnittwunde im Finger ist das meist keine große Sache und man kann sich recht gut selbst behelfen. Wer hier ein bisschen weiß, was zu machen ist, kann schnell und einfach für Hilfe sorgen. Schlimmere Verletzungen wie Knochenbrüche oder ausgekugelte Schultern führen aber direkt zum Arzt.

Oft hilft es auch als Verletzter einmal in Ruhe in sich hineinzuhören. Will man beispielsweise dringend wissen, ob da auch wirklich nichts Schlimmeres passiert ist, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenngleich das vielleicht bei einer leichten Verletzung nicht immer notwendig ist. Frei nach dem Motto „morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, kann es aber auch nach einer Verletzung helfen erst einmal zur Ruhe zukommen und die Aufregung des Unfalls zu überwinden. Was in der jeweiligen Situation das Richtige ist, hängt daher immer auch stark von der persönlichen Verfassung und der tatsächlichen Verletzung ab.

Nun zu euch: Welche Story erzählt ihr beim Bierchen in lustiger Runde? Lasst uns doch mal eure Anekdote zum Thema Sportverletzung da.

Die Ernährung beim Wandern und Bergsteigen

9. Oktober 2019
Tipps und Tricks

„Eat food. Not too much. Mostly plants“. Dieses Zitat des amerikanischen Food-Guru Michael Pollan kommt mir sofort in den Sinn, wenn ich mir die Frage stelle, wie denn die optimale Ernährung am Berg sein sollte. Eine „gute“ Ernährung wird in Bergsteigerkreisen häufig eher über Quantität als über Nahrung mit hoher Qualität definiert. Man braucht ja viele Kalorien, denn man macht ja auch viel. Fitnessexperten sprechen oft davon, dass die sportliche Leistung zu 60 Prozent aus unserer Nahrungsaufnahme und nur zu 40 Prozent aus reinem Training besteht.

Abgesehen von diesen Zahlen ist die richtige Ernährung beim Bergsport eine wichtige Komponente, die mit darüber entscheidet, wie unsere Bergtour verlaufen wird. Daher wollen wir uns heute die einzelnen Bestandteile der Ernährung beim Bergsport genauer ansehen, um die nächste Gipfelbesteigung zu einem vollen Erfolg werden zu lassen.

Die Bestandteile unserer Nahrung

Egal ob beim Frühstück vor der Tour, während der Pause auf der Hütte oder beim Gehen am Berg – die Lebensmittel bestehen aus drei Teilen, die gleichermaßen wichtig und relevant sind: Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette.

Kohlenhydrate

Beliebte Speisen wie Nudeln, Brot, Kartoffeln oder Reis bestehen zum Großteil aus Kohlenhydraten. Alle Kohlenhydrate liefern immer 4 Kalorien pro Gramm. Weiterhin zählen dazu stärkehaltige Gemüse und zuckerhaltige Lebensmittel wie Früchte, Limonade/Cola, Honig, Schokolade oder Kartoffelchips. Im menschlichen Verdauungstrakt werden alle Kohlenhydrate in Glukose zerlegt.

Glukose ist ein sogenannter Einfachzucker, der die Funktion des Gehirns, des zentralen Nervensystems und jegliche Art von Bewegung überhaupt erst ermöglicht. Viele Bergsportler verzehren gerne große Mengen an kohlenhydratreichen Mahlzeiten, weil diese satt machen und günstig zu haben sind. Leider liefern nicht alle Kohlenhydrate am Berg die gleiche Leistung für den Körper. Um zu unterscheiden können, welche denn nun die richtigen sind gilt es die KH in Gruppen zu unterteilen.

Zucker (Einfachzucker wie Glukose) sind vorrangig in Süßigkeiten, Softdrinks, verarbeiteten Lebensmitteln, Weißbrot und Kuchen zu finden. Ebenso enthalten manche gesunden Lebensmittel wie viele Früchte hauptsächlich Zucker als KH Komponente. Zuckerreiche Lebensmittel sind generell dafür bekannt, nach dem Verzehr für einen raschen Energieanstieg zu sorgen. Dafür sinkt die Leistung umso schneller wieder ab, nachdem die Kalorien vom Körper verbraucht worden sind. Stärkehaltige Lebensmittel (komplexe Kohlenhydrate) wie Gemüse, Kartoffeln, Pasta, Vollkornprodukte und Naturreis sorgen für ein langsamere Bereitstellung der benötigten Energie. Zucker verbrennt also schnell, Stärke langsamer.

Eiweiße

Kennen die meisten wahrscheinlich am ehesten vom Shake aus dem Fitnessstudio, den man zu sich nimmt, um die Muskeln beim Aufbau zu unterstützen. Abgesehen von Wasser sind Eiweiße die im Körper am häufigsten zu findenden Moleküle und geben unter anderem den Muskeln ihre Struktur. Wie die Kohlenhydrate liefern auch Eiweiße 4 Kalorien pro Gramm. Im Verdauungssystem werden die Proteine, wie die Eiweiße auch genannt werden, in Aminosäuren zerlegt.

Aminosäuren dienen dem Körper als Bausteine für neue Zellstrukturen und werden ebenso zur Reparatur beschädigter Zellen (wie dem berühmten Muskelkater) benutzt. Gleichzeitig werden die Aminosäuren für die Aufrechterhaltung des Immunsystems benötigt. Fleisch vom Rind oder Geflügel sind sehr eiweißreiche Lebensmittel und enthalten kaum Kohlenhydrate. Eier, Hartkäse, Nüsse, Avocados, Öle und vielen Saaten wie Sesam enthalten unterschiedliche Mengen an Kohlenhydraten, werden aber von Ernährungsexperten eher als fett- oder eiweißreiche Lebensmittel eingestuft.

Viele Bergsportler machen sie oft Sorgen, dass sie zu wenig Proteine aufnehmen. Daher setzen sie auf Supplemente wie eiweißreiche Drinks oder Riegel. Aktuelle Empfehlungen für Ausdauersportler sprechen von 1,2 bis 1,4 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilogramm Körpermasse. Das ist fast das doppelte, was für „nichtaktive“ Menschen empfohlen wird.

Bei Ausdauersportarten wie dem Bergsteigen oder Wandern wird zwischen 5-10 Prozent der Energie aus Eiweißen gewonnen. Diese müssen dem Körper über die Nahrung wieder zugeführt werden. Ebenso wird Protein, wie weiter oben bereits beschrieben, zur Reparatur kaputter Muskelzellen benötigt. Auch wenn der Ausdauersportler im Vergleich zum Bodybuilder wenig bis keine Muskelmasse aufbaut, wird Eiweiß für die Erneuerung von Mitochondrien, Kapillaren, Nerven und anderen Zellen im Muskel gebraucht.

Fette

Auch wenn die Fette allgemein oft eher als schlecht und negativ beschrieben werden, sind sie für den Bergsport trotzdem essentiell. Es gibt vier verschiedene Arten von Fettsäuren: gesättigt, einfach ungesättigt, mehrfach ungesättigt und trans. Alle diese Fette liefern 9 Kalorien pro Gramm und daher deutlich mehr als Eiweiße oder Kohlenhydrate. Fett ist besonders bei langen Unternehmungen am Berg ein idealer Treibstoff, der besonders bei niedriger Intensität freigesetzt und vom Körper als Energiequelle genutzt wird.

Der Körper verfügt nämlich über besonders große Fettreserven. Ein durchschnittlich fitter Bergsteiger verfügt über ungefähr 2.000 Kalorien, die als Kohlenhydrate in der Leber und den Muskeln gespeichert sind. Zum Vergleich besitzt der gleiche Sportler 100.000 Kalorien als „Reserve“, die vor allem im Fett unter der Haut gespeichert sind. Zumindest in der Theorie wäre das genug Energie, um mehrmals den Mount Everest zu besteigen oder 20 Marathons zu laufen. Also macht es für alle Alpinisten absolut Sinn, diese Energiespeicher bei der nächsten Tour anzuzapfen. Um dies zu ermöglichen, bedarf es allerdings etwas Übung.

Durch regelmäßiges Training (Bergsteigen, Wandern, Trailrunning, Laufen, Radfahren, etc.) und eine ausgewogene Ernährung lernt der Körper, das gespeicherte Fett als Energiequelle zu nutzen und muss gleichzeitig weniger Proviant im Rucksack mitnehmen. Folgende zwei Faktoren sind ebenso ausschlaggebend: je länger die Bergtour andauert, desto mehr Fette werden genutzt. Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett kann als Energie bereitgestellt werden. Wenn sich die Intensität erhöht, verbrennt der Körper vorrangig Kohlenhydrate, da diese die Energie schneller bereitstellen als die Fette.

FettWorin enthalten?BeispielWarum wichtig?
GesättigtMilch, FleischRind, Schwein, Geflügel, Milch, Butter, Sahne, KokosnussölWerden zur Produktion bestimmter Hormone benötigt, allerdings sollte die Aufnahme begrenzt werden. Erhöhen den Cholesterinspiegel.
Einfach ungesättigtGemüse, NüsseOliven, Avocado, Haselnüsse, Erdnüsse, Mandeln, Pistazien, Olivenöl, ErdnussölDie meisten Kalorien, die über Fette aufgenommen werden, sollten aus dieser Gruppe stammen.
Mehrfach ungesättigtManche Nüsse, Fisch, bestimmte ÖleSalzwasserfische, Walnüsse, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Leinsamenöl, LeinsamenGelten allgemein als gesundheitsfördernd und entzündungshemmend. Omega 3 und Omega 6 sind essentielle Fettsäuren, diese werden benötigt aber können nicht vom Körper selbst gebildet werden.
TransfettsäurenKleine Mengen in so gut wie allen LebensmittelnIn vielen verarbeiteten Lebensmitteln, Fast FoodTransfettsäuren gelten allgemein eher als schlecht und sorgen langfristig für gesundheitliche Probleme. Sie sorgen für einen Anstieg der Cholesterinwerte.

 

Die Funktion des Insulins

Der Verzehr von Lebensmitteln, besonders der von kohlenhydratreichen, löst im Körper die Produktion und Ausschüttung des Hormons Insulin an. Insulin steuert den Stoffwechsel der Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Bildlich kann man sich das Insulin als einen Schlüssel vorstellen, der die Zellen öffnet. Anschließend können die Zellen die freigesetzte Glukose aus dem Blut aufnehmen und für Energie sorgen.

Ebenso hat das Hormon einen anabolischen Effekt: es aktiviert die Bildung neuer Eiweißstrukturen, besonders die Reparatur und Herstellung der Muskelzellen. Gleichzeitig steuert das Insulin, wie viele Kohlenhydrate in den Muskeln oder der Leber gespeichert werden. Diese gespeicherte Form der Kohlenhydrate nennt man Glykogen. Bei der nächsten Gipfelbesteigung steht das Glykogen als Reserve zu Verfügung und kann bei Bedarf freigesetzt werden, um die Zellen mit Energie zu versorgen.

Kohlenhydratzufuhr, Insulin und die Fettverbrennung

Die Aufnahme von Kohlenhydraten vor dem Bergsport, auch schon in geringen Mengen, hemmt die Verbrennung von Fett, weil das Hormon Insulin im Körper freigesetzt wird. Besonders Lebensmittel mit vielen Einfachzuckern wie Süßigkeiten, Schokoriegel, Energiegels und Energieriegel, die vor oder während der Bergtour verzehrt werden, sorgen oft für einen raschen Abfall der Leistung beim Aufstieg.

Der Grund ist die Verdauung der Kohlenhydrate, bei der Insulin im Blut zirkuliert und ungefähr 30 Prozent der gespeicherten Fette daran hindert, in den Stoffwechsel zu gelangen. Hohe Intensität und die Ausschüttung von Adrenalin (Klettersteig, exponierter Weg, Höhenangst) hemmen die Insulinproduktion. Daher ist es besonders bei langen Bergtouren im niedrigen Pulsbereich ideal, vorher keinen Riegel oder ein Gel zu essen. Optimal ist ein kleiner Snack mit einer ausgewogenen Mischung aus Fetten und Kohlenhydraten, die langsamer freigesetzt werden und für eine länger anhaltende Leistung sorgen. Als Beispiel eine Scheibe Vollkornbrot mit etwas Butter.

Ideale Lebensmittel für die nächste Bergtour und das Frühstück am Morgen

Optimalerweise startet der Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, zwei bis vier Stunden vor der geplanten Tour. Direkt nach dem Frühstück den Berg hinauf zu gehen wie manchmal bei Hüttentouren praktiziert wird ist nicht ideal, weil das Verdauungssystem erstmal eine Weile beschäftigt ist und diese Energie dann nicht zum Bergsteigen zur Verfügung steht. Oft sind Übelkeit, Magenschmerzen und ein zu hoher Plus die Folgen eines zu raschen Aufbruchs nach der Nahrungsaufnahme.

Das Ziel des Frühstücks sollte sein, die Energiespeicher bis an den Rand aufzufüllen. Auch in der Nacht beim Schlafen verbrauchen wir Energie. Ein großes Frühstück besteht aus allen drei Komponenten (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße). Wenn man sich die Gesamtaufnahme der täglichen Kalorien ansieht, darf das Frühstück idealerweise 25% davon ausmachen. Ein Getränk sollte ebenso dabei sein (https://www.bergfreunde.de/fluessigkeitsbedarf-rechner/). Ein paar Empfehlungen für das Frühstück, die ebenso für die Pausen auf Tour gelten, sind in der folgenden Tabelle zu finden.

LebensmittelBeispiel
Getreideprodukte, BrotMüsliriegel (mit Nüssen, Getreide und Trockenfrüchten), Vollkornbrot oder Semmel, Müsli (mit frischem Obst, Trockenfrüchten oder Nüssen)
MilchprodukteMilch, Joghurt, Hartkäse
Obst und GemüseTomate, Gurke, Karotte, Kohlrabi, Apfel, Banane, frisches Obst wie Pfirsiche oder Erdbeeren saisonal
Fisch, Fleisch/WurstSchinken, Aufschnitt aus Putenbrust, Eier (hartgekocht für den Berg)
FetteButter, Margarine (sparsam verwenden)
GetränkeLeitungswasser, Mineralwasser, Kaffee, Tee

 

Abschließend noch einmal einige der wichtigsten Punkte:

  • Besonders bei Touren über zwei Stunden regelmäßig kleine Mengen essen, idealerweise an die 100 Kalorien pro Stunde auf Tour.
  • Je höher die Intensität, desto mehr Kohlenhydrate werden benötigt. Ebenso wird es schwerer zu essen und besonders zu kauen, wenn die Atmung schon fast am Maximum ist. Hier kann es helfen, Kalorien über ein Sportgetränk zuzuführen.
  • Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett wird freigesetzt und verbrannt
  • Je länger die geplante Tour dauert, desto ausgewogener sollte die Zusammenstellung der Nahrung sein. Nur so erreicht man eine optimale Balance zwischen Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen.
  • Rechtzeitig vor der Tour frühstücken

Persönliche Erfahrungen von Alpinsportlern zur Ernährung während der Tour unterscheiden sich meist sehr stark. Im Zweifelsfall lieber individuelle Vorlieben berücksichtigen, die Bergtour soll ja nicht zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung werden. Die Ernährung am Berg sollte sich also nicht sonderlich von der üblichen gewohnten Ernährung zu Hause unterscheiden. Wer noch nicht weiß, was er gerne isst und was gut funktioniert, kann ja nacheinander verschiedene Dinge ausprobieren. So findet bestimmt jeder seinen Lieblingsproviant für die nächste Wanderung, Trekkingtour oder einen hohen Gipfel in den Alpen.

The North Face Futurelight

30. September 2019
Ausrüstung

„Defy the past. Wear the future.“

„Die fortschrittlichste, atmungsaktive und gleichzeitig wasserdichte Bekleidungstechnologie der Welt.“ 

Wenn man so hört und liest, was The North Face über ihre neue Futurelight Technologie schreibt, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass hier die ganz großen Marketing-Kanonen ausgepackt werden. Es ist vielleicht natürlich, dass man da als Verbraucher inzwischen etwas vorsichtig ist, wenn jemand mit derart vielen Superlativen um sich wirft. Bedenkt man aber, dass The North Face für Futurelight sogar Gore-Tex sukzessive aus ihren Produkten „ausbaut“, wird man zwangsläufig erstmals stutzig. Das ist ein ziemlich großer und mutiger Schritt.

Wir wollen im Folgenden mal kurz aufdröseln, was das neue Futurelight kann, was daran so „revolutionär“ ist und wie unsere Einschätzung dazu aussieht.

Das Geheimnis heißt ‚Nanospinning‘

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Schritt nicht von heute auf morgen gegangen wird. Dafür steht immerhin der gute Ruf von The North Face auf dem Spiel. Also lies man sich bei beim Entwickeln und Testen von Futurelight Zeit. Viel Zeit. 2,5 Jahre und 400 Testtage am Athleten um genau zu sein. Ganz am Anfang stand die Suche nach einer neuartigen Technologie und die Frage, ob es nicht möglich ist wasserdichte Bekleidung zu entwickeln die so atmungsaktiv ist, dass man auf Tour nicht ständig die Klamotten wechseln muss.

Auf der Suche nach einer neuen Fertigungsstätte wurde man schließlich in Vietnam fündig. Dort entwickelte The North Face in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MXP das sogenannte Nanospinning. Aus ca. 200.000 Düsen, wird ein wenige Nanometer großer Faden geschossen und auf ein Trägermaterial aufgebracht. Zum Vergleich, ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ca. 0,6 – 0,8 mm. Die Fäden sind um den Faktor 1000 bis 10.000 dünner.

Durch die Überlagerung der Fasern beim Aufspritzen entsteht ein Film – die Futurelight-Membran. Man kann sich das ganze also wie ein großes Netz vorstellen, nur eben mit mikroskopisch kleinen Löchern. Die Funktionsweise ist also ähnlich wie bei anderen mikroporösen Membranen, die allerdings in der Regel aus einem expandierten Kunststoff bestehen. Durch diesen Expansionsprozess entstehen unterschiedlich große Löcher. Eine gute Atmungsaktivität ist auch hier gegeben, dennoch erreicht man mit dem Nanospinning verfahren nochmal deutlich größere Poren und damit auch eine höhere Atmungsaktivität – so zumindest die Theorie.

Wie wasserdicht ist Futurelight?

Natürlich zu 100%. Ist doch klar. Eigentlich könnten wir den Absatz recht kurz halten, wenn man allerdings tiefer recherchiert, findet man keine Daten zur Wassersäule oder ähnlichem. Dabei sind wir Verbraucher doch gewohnt, alles einmal schwarz auf weiß lesen zu können! Nun ist es im Hause The North Face schon immer gute Sitte, keine weiteren Angaben zu Wasserdichtigkeit zu machen, was folgenden Hintergrund hat:

Wenn The North Face ein Produkt als wasserdicht bewirbt, ist es das auch. Und zwar angepasst für den jeweiligen Einsatzzweck. Eine Jacke, die zum Höhenbergsteigen gebaut ist, hält dem zu erwartenden Wetter genauso stand, wie eine Casual-Regenjacke den Gassi-Geher vor alltäglichem Regen schützt, letztere ist aber nicht unbedingt für den Himalaja geeignet.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, warum man bei The North Face mit Werten vorsichtig ist. In den USA gelten deutlich strengere Vorschriften bzgl. der Angaben. Dort muss eine Wassersäule über 10 Jahre garantiert sein. Ansonsten kann das Unternehmen verklagt werden – und zwar auf den Firmenwert, was bei The North Face keine kleine Summe ist. Es gibt keine Zweifel, dass Futurelight das locker packt, aber wir alle wissen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen und bei so manch kuriosen Urteilen aus den USA wäre man als Firmenchef wohl auch lieber etwas defensiver in dieser Hinsicht.

Um die letzten Zweifler zu überzeugen hat The North Face ihre neue Technologie von den Underwriter Labs testen lassen. Eine unabhängige Organisation, die unter anderem das Material für die US-amerikanische National Fire Protection Association testet. Futurelight hat über eine Stunde lang ca. 750 Liter Wasser locker abgehalten – ohne mit der Nano-Wimper zu zucken.

Der Tragekomfort und die Widerstandsfähigkeit von Futurelight

Wir haben schon erklärt, dass Futurelight aus kleinen Nano-Fäden besteht, die übereinander gelagert sind. Der große Vorteil neben der hohen Atmungsaktivität: Das Material ist von Haus aus dehnbar und kann diesbezüglich auch modular angepasst werden. Genauso verhält es sich mit der Robustheit – wobei die noch maßgeblich von Außen- und Innenmaterial beeinflusst wird.

Futurelight ist immer ein dreilagiges Laminat, wobei die eigentliche Membran als Mittelschicht fungiert. Alle drei Schichten werden auf das jeweilige Produkt angepasst. So ist zum Beispiel die Flight Jacket für Läufer deutlich leichter und noch eine Ecke atmungsaktiver gestaltet, während die Summit L5 als Hochtourenjacke natürlich schwerer, aber dafür deutlich robuster ist.

Richtig spannend wird es aber beim Tragekomfort. Dadurch, dass Futurelight dehnbar ist, fühlt es sich mehr nach Softshell denn nach Hardshell an und raschelt auch eine ganze Ecke weniger. Um mal vorzugreifen: Das war ein Punkt, der uns besonders gut gefallen hat.

Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit bei Futurelight?

Eines der großen Buzzwords, das sowohl die Outdoor-Branche, als auch die Gesellschaft aktuell nicht los lässt. Und auch bei der Entwicklung von Futurelight war von Anfang an klar, dass die Themen Nachhaltigkeit und Ethik eine wichtige Rolle spielten sollen. Das fing bei der Wahl der Produktionsstätte an. Der vietnamesische Zulieferer hat hohe ethische Standards etabliert und arbeitet ressourcensparend.

Das Futurelight Laminat selbst besteht zu einem Großteil aus recycelten Materialien. Ausgerechnet die Membran selbst bildet aber die große Ausnahme. Für das beim Nanospinning verwendete Polyurethan gibt es bisher leider noch keinen für Futurelight verwertbaren Recycling-Rohstoff. Das Gleiche gilt für den Elasthan-Anteil, der in manchen Produkten verarbeitet ist. Auch Elasthan lässt sich noch nicht so gut wiederverwerten, wie es für Futurelight nötig wäre. Außen- und Innenmaterial sind unterm Strich zu ca. 90% recycelt.

In Sachen Imprägnierung können wir ganz klar sagen: Die ist PFC-frei! Wohoo! Schöne Sache. Im Labor war zudem nach 80 Wäschen noch ca. 80% der Imprägnierungsleistung vorhanden. Die Laborwerte lassen sich natürlich nur bedingt auf den Außeneinsatz übertragen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Imprägnierung ein Weilchen halten dürfte.

Wie schlägt sich Futurelight in der Praxis?

Tja, blumige Versprechungen sind schnell gegeben. Am besten ist es doch, wenn man mal selbst Hand anlegen darf. Bisher haben vier Bergfreunde ihre Erfahrungen mit Futurelight gemacht: Mia hatte die Flight Jacket aus der Flight Series für einige Wochen beim Laufen und gelegentlich beim Radfahren im Einsatz. Gearhead Hannah und Jonas aus unserer Online-Redaktion waren vor kurzem am Dachtstein zum Bergsteigen in Futurelight-Hülle und Benedikt aus unserem Einkaufsteam durfte die Futurelight-Sachen auf Skitour testen.

Die Meinungen sind relativ einhellig: da scheint jemand seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Wie gut, dass wird sicher die Zeit zeigen. Mia, Hannah und Jonas hatten jedenfalls ihre Mühe, ein Haar in der Suppe zu finden. Neben der optimierten Atmungsaktivität waren sie durch die Bank vom hohen Tragekomfort begeistert. Futurelight raschelt deutlich weniger als andere Hardshells und trägt sich sehr angenehm.

Wir müssen natürlich dazu sagen, dass wir die Produkte noch keinem wirklichen Langzeittest unterziehen konnten. Dennoch dürfte Futurelight unserer Einschätzung nach alles andere als ein Reinfall werden. Zumal Neuentwicklungen nie schlecht sind. Futurelight wird in der Outdoor-Branche für frischen Wind sorgen – da sind wir uns sicher!

Wandern in Bärenland – Vom Umgang mit Meister Petz

30. September 2019
Tipps und Tricks

Je nachdem in welchen Regionen Ihr Euer nächstes Trekkingabenteuer plant, kann es passieren, dass Ihr dabei auf Bären trefft. Dies gilt insbesondere für Touren in Nordamerika, aber auch in manchen europäischen Gegenden, wie den Karpaten oder der Hohen Tatra, sind teilweise beträchtliche Bärenpopulationen beheimatet.

Es ist also an der Zeit Euch einmal einige Tipps und Verhaltensmaßregeln an die Hand zu geben, wenn es um den Umgang mit diesen imposanten Tieren geht. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Schwarzbären und Grizzlies, einige Grundregeln gelten aber auch für andere Arten.

Die Nahrung richtig aufbewahren

Eine der wichtigsten Maßnahmen beim Thema Bären betrifft das Essen. Es ist zentral, dass die Tiere nicht in Euer Nachtlager kommen. Denn Bären sind in allererster Linie an Eurem Essen interessiert, nicht an Euch und haben zudem einen exzellenten Geruchssinn. Assoziieren Bären einmal Menschen mit der Möglichkeit an Nahrung zu kommen, können sie gefährlich werden und zwar sowohl für Euch als auch für sich selbst. Denn solche „Problembären“ werden dann in aller Regel erschossen. Es versteht sich von selbst, dass Ihr deshalb bitte niemals Bären füttert.

Die erste Regel ist demnach, das so genannte „Bearmuda Triangle“. Das bedeutet, dass Ihr Euer Essen nicht direkt am Zeltplatz zubereitet und noch einmal an einem anderen Ort aufbewahrt. Diese drei Punkte sollten jeweils ca. 100 Meter voneinander entfernt sein. Die beiden Stellen, an denen Ihr kocht und das Essen aufbewahrt, sollten sich außerdem nicht in der Windrichtung des Schlafplatzes befinden.

Für die Essensaufbewahrung selbst gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten. Eine davon ist, Euer Essen und mit dem Essen das Kochgeschirr und alle Hygieneartikel wie Zahnpasta etc, an einem Ast aufzuhängen. Hier muss Euer Aufbewahrungsbeutel dann mindestens 4,50 Meter über dem Boden hängen und zwei Meter vom Baumstamm entfernt sein, denn Bären sind auch ausgezeichnete Kletterer.

Die zweite Möglichkeit bieten bärensichere Aufbewahrungsbehälter. Diese gibt es entweder von Ursack aus kugelsicherem UHMWP-Material oder als Kanister aus einem speziellen Hartplastik. Ersteres muss immer noch mit einem geruchssicheren Innenbeutel, einem OpSak, kombiniert werden, ist aber die deutlich leichtere und besser verstaubare Variante. Den Ursack bindet Ihr dann gut verschlossen mit einem Achterknoten an einen Ast. In Nordamerika müsst Ihr hier bitte unbedingt die jeweiligen Nationalparkbehörden oder Polizeidienststellen kontaktieren und erfragen, welche Form der Essensaufbewahrung vorgeschrieben ist. Dies variiert nämlich stark, im Yosemite-Nationalpark sind beispielsweise nur die bärensicheren Kanister zugelassen, nicht aber die Ursacks. In einigen der großen amerikanischen und kanadischen Nationalparks gibt es zudem auch fest installierte Aufbewahrungsbehälter, wenn diese vorhanden sind, empfiehlt es sich natürlich auch diese zu nutzen.

Ein Bär in Sichtweite – Was jetzt?

Im Grunde solltet ihr zunächst versuchen eine Begegnung mit einem Bären grundsätzlich zu vermeiden, auch wenn die Sichtung in freier Wildbahn zweifellos auch ein beeindruckendes Erlebnis ist. Denn wie erwähnt wollen Bären mit Menschen eigentlich nichts zu tun haben. Deshalb ist es wichtig laut zu sein. Redet oder singt ab und zu, um Bären zu signalisieren, dass ihr da seid. Das gilt besonders, wenn Ihr Euch Wasserstellen nähert, oder Ihr Bärendung und/oder Pfotenabdrücke auf dem Weg seht. In den Regionen Nordamerikas, in denen Grizzlies beheimatet sind, empfiehlt es sich zudem in einer kleinen Gruppe unterwegs zu sein und Wandern in den frühen Morgenstunden oder der Dämmerung zu vermeiden, da sind die Tiere nämlich am Aktivsten.

Nicht immer lässt sich aber eine Begegnung vermeiden. In diesem Fall ist die erste Regel Ruhe zu bewahren und auf gar keinen Fall wegzurennen. Ihr würdet einem Bären niemals entkommen und das Wegrennen würde zudem den Jagdinstinkt wecken. Macht Euch groß, breitet die Arme aus und schreit, dreht dem Bären keinesfalls den Rücken zu. Schaut den Bären an, aber nicht direkt in die Augen. Dies können Bären als aggressives Verhalten wahrnehmen. In aller Regel wird der Bär von selbst wieder das Weite suchen, das war bei allen meinen bisherigen Begegnungen so.

Wenn ein Bär direkt auf dem Weg steht, könnt ihr einfach langsam zur Seite treten, gebt dem Tier Raum wegzulaufen.

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Bär trotzdem angreift gibt es jetzt unterschiedliche Vorgehensweisen, je nachdem, ob Euch ein Schwarzbär oder ein Grizzly attackiert. Ihr könnt die beiden Arten relativ einfach unterscheiden. Ein Grizzly ist in der Regel größer, hat einen leichten Buckel hinter dem Kopf und die Ohren sind rundlich. Die Fellfarbe kann hingegen täuschen, je nach Region haben auch Schwarzbären ein braunes Fell.

Einen Bärenangriff überstehen

Wenn ein Schwarzbär Euch angreift, dann gilt es sich zu wehren. Eine MöglichkeWait dazu sind Bärensprays. Diese gelten als sehr effektiv. Achtet darauf das Bärenspray, wenn Ihr das mit Euch führt, irgendwo griffbereit zu haben. Den ersten Sprühstoß könnt ihr aber erst ausführen, wenn der Bär ca. 18 Meter von euch entfernt ist, sonst verpufft die Wirkung vorher. Hier also versuchen die Nerven zu bewahren 😉

Bärenspray ist aber zumindest in den USA auch nicht überall erlaubt, deshalb hier vorher mit den örtlichen Behörden checken. In solchen Regionen wird dann empfohlen mit den Trekkingstöcken auf die Nase und die Augen des Bären zu zielen, da dies die empfindlichsten Stellen sind.

Bei einem Grizzlyangriff gelten – vorbehaltlich das Bärenspray war nicht dabei oder hat versagt – andere Regeln. Wenn ein Grizzly Euch angreift, weil er überrascht oder erschreckt wurde, dann empfehlen Bärenexperten sich tot zu stellen. Legt Euch mit ausgespreizten Beinen und dem Rucksack auf dem Rücken auf den Bauch und verschränkt die Arme im Nacken. Mit etwas Glück lässt der Grizzly bald ab und verliert das Interesse. Bleibt aber solange liegen, bis der Bär wirklich weg ist und versucht erst dann Hilfe zu finden. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Grizzly Menschen als Beute wahrnimmt. Dies stellt Ihr fest, wenn das Tier Euch verfolgt oder nachts im Zelt angreift. Dann solltet Ihr wie beim Schwarzbär agieren und um Euer Leben kämpfen.

Ich hoffe jetzt natürlich, ich habe Euch nicht vor Trekkingtouren in Bärengebieten abgeschreckt 😉 Angriffe von Bären auf Menschen sind sehr selten und es ist viel wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen zu werden, als von einem Bären angegriffen zu werden. Wenn Ihr Euch an die obigen Regeln, insbesondere beim Thema Essen, haltet, dann spricht rein gar nichts gegen Wanderungen in Bärenland.

Wenn Ihr zu dem Thema noch Fragen habt, dann Feuer frei in den Kommentaren.

Irrungen und Wirrungen: Wegmarkierung in europäischen Gebirgen

19. September 2019
Tipps und Tricks

Markierungen sollen verhindern, dass man sich verirrt. Mir persönlich sind zwei Arten des Sich-Verirrens bekannt: Die eine nenne ich mal die Schwarzwälder Art, die andere die Patagonische Art.

Verirren auf die Schwarzwälder Art bedeutet, dass man im Gewirr aus Forstwegen, Wanderpfaden, Biketrails, weg-artigen Schneisen und sprichwörtlichen Holzwegen die Orientierung verliert. Und die Klarheit auch an der nächsten Kreuzung mit ihrem halben Dutzend Abzweigungen und den an einen Verkehrsübungsplatz erinnernden Schilderwald nicht zurückkehrt. Das Ganze ist aber selten ein ernstes Problem, da die nächste Schwarzwälder Kirschtorte eh höchstens eine Wegstunde entfernt ist.

Verirren auf die Patagonische Art bedeutet, dass die kaum von Tierspuren unterscheidbaren Wegspuren sich irgendwann völlig im Busch verlieren und die weiträumige Abwesenheit von Schildern und Markierungen (und guten Karten) ebenfalls keine große Hilfe ist. Je nach Umgebung und Wetterlage kann diese Verirrungsart knifflig werden.

Das touristische Ideal eines entspannten Wandererlebnisses liegt irgendwo dazwischen. Es besteht aus einer abgestimmten Mischung aus informativer Beschilderung an wichtigen Ausgangs- und Kreuzungspunkten sowie nachvollziehbarer Markierung auf den Wegstrecken dazwischen. Genau dieses Konzept versuchen Wander- und Gebirgsvereine sowie Tourismusverbände und Regionalverwaltungen in vielen Gebirgsregionen umzusetzen. Im mitteleuropäischen, vor allem deutschsprachigen Raum sind diese Bestrebungen flächendeckend, im Rest Europas konzentrieren sie sich eher auf einzelne Gebirgsregionen und Wege mit hohem Besucheraufkommen.

Komplizierter als gedacht: Die Systematik des Wege-Markierens

In Deutschland gibt es ein buntes Nebeneinander von Nah- und Fernwanderwegen mit vielen verschiedenen Markierungen und „Leitsystemen“. Kein Wunder, dass schon seit langem Bestrebungen nach Systematik und Vereinheitlichung gibt. Ob das dann auch zu einer Vereinfachung und besseren Überblick führt, ist nicht ganz klar. Die im deutschsprachigen Raum entstandenen „Wanderleitsysteme“ sind jedenfalls zu einer Art Wissenschaft geworden, mit der sich eine akademische Wanderforschung beschäftigt. In deren Konzept sind Markierungen und Schilder teil eines „stationären Wanderleitsystems“. Durchaus logisch, weil Schilder und Farbkleckse sich ja nicht bewegen, sondern „stationär“ vor Ort stehen, hängen und haften.

Deutschland

Im Deutschen Sprachraum gilt das sogenannte „Knotenleitsystem“, über dessen Feinheiten, Vor- und Nachteile man sich unter obigem Link genauer informieren kann. Hier sei nur erwähnt, dass dieses System die zuvor vorhandenen, sich von Region zu Region unterscheidenden Leitsysteme, ersetzen soll.

Die idealtypische Umsetzung vor Ort besteht aus aufgemalten oder -geklebten Wegzeichen in Sichtabstand, deren Symbole sich auf der Wanderkarte wiederfinden. Die Symbole werden auf Informationstafeln an Ausgangs- oder Einstiegspunkten erklärt und an Abzweigen mit Richtungspfeilen ergänzt. Im Fall von mehreren gleichartigen Wegen kommen noch Zählziffern hinzu, um Verwechslungen zu vermeiden.

Das Markieren und Ausschildern von lokalen Wanderwegen übernehmen meist regionale Vereine und Tourismusverbände. Für die immer beliebteren Fern- und Weitwanderwege arbeiten die Institutionen überregional zusammen. Mit der Einrichtung des Beschilderungs- und Markierungssystems ist es aber nicht getan, das Ganze muss auch gepflegt und regelmäßig aufgefrischt werden. Alles in allem steckt eine Menge Aufwand dahinter.

Perfekt umgesetzt ist dieses Konzept so gut wie nirgends, auch nicht in Deutschland und im deutschen Alpenraum, wo der größte Aufwand betrieben wird. Die Ergebnisse des Ganzen und wie es damit im restlichen Europa aussieht, schauen wir uns nun genauer an.

Alpen

Im deutschen Alpenraum, also dem Einflussbereich des DAV, ist das „Leitsystem“ aus gelben Schildern und Zwischenmarkierungen auf Bäumen und Felsen sehr gut ausgebaut. Die Markierungen sind in der Regel rot-weiß-rot, unabhängig von der Schwierigkeit des Bergweges. Die Schwierigkeit wird zusätzlich in Form eines blauen (leicht), roten (mittel) oder schwarzen (schwer) Punktes auf den Hinweisschildern angegeben. Die Farbgebung richtet sich nach der vom Skilauf bekannten Unterteilung. Ausführliche Infos dazu gibt es beim DAV.

Schweiz

In der Schweiz ist man bekanntlich ebenfalls gründlich. Dort ist die Markierung der Fußwege gar  eingebettet in eine ebenfalls systematische und flächendeckende Signalisation des gesamten „Langsamverkehrs“, also Fahrrad, Mountainbike, Skating und Kanufahren (mehr dazu unter Schweizmobil.ch).

Die etwa 50 000 Richtungsschilder für (Berg)Wanderer folgen einer einheitlichen Systematik, die  noch umfassender als die in Deutschland und auf wandern.ch anschaulich erklärt ist. Neben den Zielen sind oft auch Zeitangaben vorhanden. Zudem gibt es auch hier eine Schwierigkeitsbewertung, die sich allerdings von der Deutschen unterscheidet. Einfache Wanderwege sind mit gelben Pfeilen oder Rauten markiert, Bergwanderwege weiß-rot-weiß und die schwierigeren Alpinwanderwege weiß-blau-weiß.

Hinzu kommen in der Schweiz noch die Winterwanderwege, die – nur im Winter – mit pinkfarbenen Wegweisern und Pfosten markiert sind. Sie stellen abgesehen von der winterlichen Rutschgefahr meist keine besonderen Anforderungen an die Winterwanderer.

Errichtet und unterhalten werden die Wegweiser je nach Kanton durch Ehrenamtliche der Wanderweg-Organisationen oder von Gemeinde-angestellten in Form eines Public-Private-Partnership. Dazu gehört, dass alle Wegweiser und Wanderwege jedes Jahr begangen und gründlich kontrolliert werden.

Österreich

Auch in Österreich findet man ein strukturiertes und dichtes Leitsystem. Ebenso wie in Deutschland und der Schweiz soll das einheitliche „Knotenleitsystem“ Einzug halten. Für die Schwierigkeitsbewertung werden, ähnlich wie in Deutschland und im Unterschied zur Schweiz, die Farben rot und schwarz verwendet. Der Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass man auf die blaue Markierung der leichten Wege verzichtet.

Wer mehr Details über die Schwierigkeitsdefinitionen und anderes wissen will, wird unter Almenrausch.at fündig.

Slowenien

Dieses schöne kleine Land hat zwar nur einen sehr kleinen Alpenanteil, gilt dafür aber als sehr „naturbelassen“ und ist als Reiseziel zunehmend beliebt. Deshalb hier eine kleine Einschätzung aus dem Wanderportal Jungwandern.de:

Natürlich sind die bekannten und stark frequentierten Wanderwege i. d. R. gut ausgeschildert. Schaden kann es allerdings nicht, wenn ihr zusätzlich euer Handy oder passende Wanderkarten dabei habt. Gelegentlich haben wir doch die ein oder andere Markierungen vergeblich gesucht.

Skandinavisches Gebirge

Norwegen

Norwegen zeigt, dass es auch einfach geht. Es gibt nur zwei Wegzeichen die von nur einem Verein in ehrenamtlicher Arbeit an den etwa 22 000 landesweiten Wegkilometern aufgemalt werden: einen roten Punkt oder ein rotes T. Auf weichem Untergrund kommt gelegentlich auch ein Holzpfosten zum Einsatz, dessen Spitze rot angepinselt ist. Die Unkompliziertheit ist aber nur deshalb möglich, weil das Wanderwegenetz in Norwegen bei weitem nicht so dicht ist wie in Mitteleuropa – wo der Schilderwald oft notwendig ist, um unter den -zig Kreuzungen und Abzweigungen die Richtige zu erwischen.

In den steinigen Höhenlagen des Fjell kommen auch Steintürmchen und -Pyramiden als Markierungen zum Einsatz. Da viele Wanderer meinen, eigene Steinmänner hinzufügen zu müssen, stehen manche dieser Marker an ungünstigen oder gar irreführenden Positionen. Ein klassischer Fall von gut gemeint und schlecht ausgeführt.

Schweden

Was in Norwegen rot ist, ist in Schweden meist orange. Die Systematik wird aber nicht ganz so konsequent durchgehalten wie beim Nachbarn. So wird in den nördlichen Regionen und im Fjell ein waagerecht liegendes Andreaskreuz in roter Farbe als allgemeines Wegzeichen verwendet.

Westeuropa

Frankreich

In den französischen Alpen findet man vielerorts ein gut ausgebautes Wegeleitsystem wie im deutschsprachigen Alpenraum. Ansonsten beschränkt sich die systematische Wegenetz-Markierung eher auf die Fernwanderwege, deren Bezeichnungen sogar markenrechtlich geschützt sind. Das bekannteste Label dürfte GR® (Sentier de Grande Randonnée) sein, hinzu kommen noch die Abkürzungen PR® GRP®. Auch die entsprechenden Wegmarkierungen (weiß/rot, gelb und gelb/rot) sind eingetragene Marken des französischen Wandervereins (Fédération Française de la Randonnée Pédestre), die nicht ohne Genehmigung vervielfältigt werden dürfen. Die Fédération gibt auch die Wanderführer (topo-guides) für diese Wanderwege heraus. Ausführliche Infos zum französischen Wegenetz findet man unter Gr-infos.com.

Abseits von stark frequentierten Hauptwegen sollte man in Frankreich nicht mit einer flächendeckenden oder systematischen Markierung der Wege rechnen. Nur gelegentlich sind Wege und Richtungen auf gelben Schildern zusammen mit der Entfernung zum nächsten Orientierungspunkt angegeben.

Pyrenäen

Durch die (französischen) Pyrenäen führen zwei bekannte Fernwanderwege: der GR® 10 in der Region Midi-Pyrénées (470 km, Markierung: rot/weiß) und der Haute Randonnée Pyrénéenne (ca. 800 km, keine einheitliche und eigene Markierung, stattdessen wechselt das Rot/Weiß der GR® mit roten und gelben Farbklecksen). Der HRP® verläuft meist grenznah entlang des Hauptkammes der Pyrenäen.

Ansonsten kann man insbesondere in den spanischen Pyrenäen nicht mit einer flächendeckenden und systematischen Markierung rechnen. Sofern vorhanden unterscheiden sich Markierungen von Weg zu Weg.

Sierra Nevada

Markierungen gibt es in der andalusischen Sierra Nevada nur spärlich und nicht in einer einheitlichen Systematik. Im Gipfel-Glück-Blog von Stefanie Dehler wird ausdrücklich auf den eher bescheidenen „Markierungsausbau“ hingewiesen:

Die 3000er der Sierra Nevada werden größtenteil als technisch einfach beschrieben, dennoch ist es eine Gegend für Wanderer und Bergsteiger mit ausreichend Bergerfahrung, aufgrund der Höhe aber auch wegen der häufig schlechten Beschilderung und Markierung.

Picos de Europa

Da es sich bei den Picos um einen der schönsten unter den vielen kleinen Gebirgszügen in Spanien handelt, dürfen sie hier nicht fehlen. Sie können aber relativ schnell abgehandelt werden, da auch hier nicht mehr an „Leitsystem“ vorhanden ist, als einige Schilder an wichtigen Ausgangspunkten sowie gelb-weiße Streifen an einigen Hauptwegen. Letztere führen meist die Täler hinauf zu den Refugios, von wo aus es manchmal mit und manchmal ohne farbige Punktmarkierungen weitergeht.

Italien (Alpen und Apenninen)

Bislang gibt es kein einheitliches Konzept und Markierungssysteme sind je nach Region entweder nicht vorhanden oder uneinheitlich und eher willkürlich. Im zentralen und touristisch wohl bedeutsamsten Teil der Apenninen, den Abruzzen rund um den höchsten Berg Corno Grande (2912 m), sind die Routen laut Trekkingguideübertrieben gut markiert (rot-orange) und in den Karten eindeutig zu erkennen. Auch der anspruchsvolle „Via direttissima“ auf den Westgipfel des Corno Grande ist dort verzeichnet und mit grünen Klecksen markiert.

Der Alpenverein Südtirol, der Club Alpino Italiano und andere arbeiten allerdings an einem Markierungssystem ähnlich den Vorbildern der deutschsprachigen Alpenvereine. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass eine Wegekategorisierung nach Schwierigkeit in Italien ausdrücklich abgelehnt wird. Das Konzept soll langfristig für ganz Italien, also auch die Apenninen gültig sein. Detaillierte Infos dazu in diesem Dokument des italienischen Alpenvereins.

Osteuropa

Karpaten, Hohe Tatra

Wenn von den Karpaten die Rede ist, sind meistens die durch Rumänien verlaufenden Gebirgszüge gemeint. Über diese schöne Ecke gibt es hier im Basislager bereits einen Artikel, der auch mit nützlichen Wander- und Wegeinfos aufwartet.

Ein Kernstück der Karpaten ist der Nationalpark Piatra-Craiului. Dort gibt es etwa 30 Wanderwege, die markiert und durch die Farben grün, blau, rot und schwarz nach Schwierigkeit bewertet sind. Des weiteren führt der Fernwanderweg E8, um dessen Markierung sich der Deutsche Alpenverein kümmert, durch Rumänien.

Die Hohe Tatra ist eine kleine Hochgebirgsinsel im nördlichen Arm der Karpaten. Sie markiert die Grenze zwischen Polen und der Slowakei. Hier gibt es ein ausgedehntes Netz von größtenteils markierten und beschilderten Wegen, die aufgrund der Schroffheit der Berge weniger am Hauptkamm entlang als quer zum Kamm verlaufen. Am Südrand der Tatra zieht der Fernwanderweg E3 (Tatranska Magistrala) als Ost-West-Verbindung an den einzelnen Tälern entlang. Die Magistrale ist rot markiert, die anderen Wege hauptsächlich gelb. Auf der slowakischen Seite gelten die Beschilderungen und Markierungen als sehr ausführlich und genau, auf der polnischen Seite als etwas spärlicher, aber immer noch ausreichend.

Balkangebirge

„Das Balkangebirge“ gibt es eigentlich nicht. Man könnte höchstens die vielen Gebirgszüge und -Ketten, die sich durch das ehemalige Jugoslawien bis nach Griechenland ziehen, unter diesem Begriff zusammenfassen.

Da das Gebiet heutzutage viele klein Staaten umfasst, die größtenteils eher begrenzte Ressourcen für Tourismusentwicklung haben, gibt es kein einheitliches System der Wegemarkierung. Erste Initiativen in diese Richtung finden dort statt, wo sich der Outdoor-Tourismus konzentriert. Dazu gehören neben einzelnen Nationalparks in Kroatien die sogenannten „Peaks of the Balkan“ im Dreiländereck von Albanien, Montenegro und Kosovo. Eine zunehmend bekannte Mehrtageswanderung wird unter diesem Namen vermarktet und dementsprechend infrastrukturell aufgerüstet. Dabei kommt es zu einer Art „Entwicklungszusammenarbeit“ zwischen dem Deutschen Alpenverein und der einheimischen Bevölkerung. In dieser Bilderstrecke auf T-Online werden die Aktivitäten beschrieben, zu denen vor allem auch die systematische Markierung des Wegs gehört.

Liest man in verschiedenen Reiseblogs quer, scheint das Befolgen der Markierungen noch nicht ganz einfach zu sein. Auch die Beschreibungen der neuen Führerliteratur zu diesem Gebiet scheinen sich  nicht immer ganz mit den örtlichen Gegebenheiten zu decken. Man kann das positiv sehen: für Abenteurer scheint noch genug Potential in dieser touristisch noch in den Kinderschuhen steckenden Gegend.

Kaukasus

Es gibt im russisch-georgisch-aserbaidschanischen Grenzgebirge zunehmend mehr Wanderwege und Trekkingrouten, die allerdings nur gelegentlich und nicht in einem einheitlichem System markiert sind. Wenn überhaupt, sind nur zentrale Routen wie der Mestia-Ushguli-Hike vereinzelt markiert. Da aber die touristische Erschließung besonders in Georgien in vollem Gange ist, dürfte es hier einen schnellen Ausbau geben.

Die russische Seite ist für westliche Touristen schwer zugänglich. Auch Informationen über die Markierung von Wanderwegen sind (zumindest ohne Russischkenntnisse) schwer bis gar nicht zu finden.

Fazit

Wer als Bergfreund frei herumreisen kann, hat in Sachen Wegmarkierung die Wahl zwischen Gebieten mit viel Komfort, Sicherheit und „garantiertem Erlebnis“ oder Gebieten mit einer Prise Ungewissheit und Abenteuer. Die Wahlfreiheit ist dabei das eigentliche Privileg, denn so kann man selbst entscheiden, ob man ein umfassendes Sicherheitsnetz mit vielen „Vorgaben“ oder eine umfassende Bewegungsfreiheit mit viel Eigenverantwortung wählt. Beides zugleich – und das hat der Bergsport mit der Politik gemeinsam – ist leider nicht zu haben.

Korsika: Der GR20 von Conca bis Vizzavona in 7 Tagen 

12. September 2019
Die Bergfreunde

… mit kurzem Ausblick auf den Mare a Mare Nord von Vizzavona bis Moriani Plage

Fünf Bergfreunde und ein “Mitläufer” (im wahrsten Sinne des Wortes) machen sich auf die Reise: Britta, Joana, Sandra, Adrian, Hannes und Hannes. Die anfängliche Idee, den GR20 nordwärts zu wandern, kommt von Hannes (also dem Bergfreund, nicht dem Mitläufer). Da wir aber alle gerne draußen sind, hin und wieder ein bisschen Abenteuer und Herausforderung suchen und gerne Zeit in toller Gesellschaft verbringen, braucht es nicht viel Überzeugungskraft, den Rest von dieser Idee zu begeistern.

Wir beschließen also, mit dem Flixbus nach Nizza zu fahren, von dort mit der Fähre nach Porto Vecchio und schließlich von Batia über Genua auf dem selben Weg zurück. Um Kartenmaterial und Wegplanung kümmert sich Hannes (wieder der Bergfreund ;)).

Und dann kann es losgehen!

Tag 1: Conca – Ref de Paliri

Wir starten direkt an einem Campingplatz in Conca. Über die Asphaltstraße dorthin nimmt uns der Shuttle Service des Campingplatzes mit. Somit sparen wir uns die ersten zähen Kilometer auf heißem korsischem Asphalt. 

Los geht es mit der für uns ersten und für alle Entgegenkommenden letzten Etappe. Man sieht einige bandagierte Knie, Beine bedeckt mit einer Mischung aus Schweiß und Dreck, aber hin und wieder auch einen etwas leichtfüßigeren Gang, mag auch am weniger schweren Rucksack liegen. Wir machen die ersten Höhenmeter und blicken uns regelmäßig zu dem in weite Ferne rückenden Meer um.

Genau richtig zur Mittagspause erreichen wir eine herrliche Gumpe, bei der wir ausgiebig baden und essen. Das sorgt im Nachhinein für unrealistische Erwartungen an den Rest der Strecke, denn es sollte die schönste Gumpe auf dem ganzen südlichen GR20 gewesen sein. Auch die Aussicht beim abendlichen Tütenessen ist der Hammer und wir haben nachher selten an schöneren Refugios gecampt/biwakiert, obwohl wir nur kaltes Bachwasser zum Waschen haben.

Tag 2: Ref de Paliri – Ref d’Asinao

Am nächsten Tag erwartet uns ein sehr leckeres zweites Panini-Frühstück in Col de Bavella. Ein Traum aus Baguette, Ziegen- und Bergkäse! 

Weiter geht’s auf dem GR20 (es gibt auch eine alpine Variante von Bavella aus) und wir brechen die erste große Tube Sonnencreme an. Das Buff und das T-Shirt in Bachwasser zu tränken schafft Linderung vor der stechenden Sonne. Am Basecamp ähnlichen Refugio – überall leere Gaskartuschen, leerstehende Zelte und einen Haufen an Müll – müssen wir noch einen Rucksack mit Schnüren und Karabiner flicken, der an der unteren Befestigungsnaht des Schultergurtes anfing zu reißen. Das hält sogar bis zum Ende des Urlaubs!

Tag 3: Ref d’Asinao – Biwakplatz am Fluss

Gut, dass wir am nächsten Morgen früh aufstehen und noch etwas kühlere Morgenluft haben. Zum Frühstück gibt’s nämlich Porridge und ein paar anstrengende Höhenmeter! Und als die gerade verdaut sind, gibt es ein Omelett aus 24 (!) Eiern zur weiteren Stärkung. Das ist gut für die Seele, auch wenn der Rucksack dadurch nicht leichter wird.

Uns wurde schon prophezeit, dass es nach 2 Refugios einen fantastischen Biwakplatz am Fluss geben soll. Laut Wegbeschreibung gar nicht so weit entfernt. Wir machen uns also wieder auf den Weg durch eine schottisch-ähnliche Heidelandschaft mit einigen Bademöglichkeiten und lassen viele schöne Übernachtungsplätze links liegen, weil wir zu unserer Mittagspause erst an der ersten Hütte waren. Doch statt dem Biwakplatz finden wir eine Horde korsischer Wildschweine. Die waren zwar ganz süß, hätten uns aber bestimmt nicht schlafen lassen.

Zwei haben die Hoffnung aber nicht aufgegeben, sind den Schwarzsehern vorausgeeilt und haben allen schmerzenden Füßen zum Trotz doch noch die versprochene Biwakstelle gefunden. Heute ist übrigens Waschtag! Für uns und alle Klamotten….

Tag 4: Biwakplatz am Fluss – Col de Laparo

Hier machen wir die erste tolle Gradwanderung und genießen die weite Sicht. 

Mittags, beim Refugio Usciolu angekommen, riechts für manche von uns nach Urlaub, für die meisten aber eher nach brennendem Müll. Wir beschließen ab sofort den anfallenden Unrat in der Zivilisation zu entsorgen. Wir werden auch noch Zeuge wie die Schlacke in Säcke verpackt und von Mulis über mehr Stein als Stock abtransportiert wird.

Der weitere Weg verlangt uns und unseren Schuhsohlen einiges ab. Es ist sehr rau, rutschig und macht mehr den Eindruck eines Fernkletter- als eines Fernwanderweges. Doch einer von uns ist trotzdem nicht ganz ausgelastet und geht voraus, um auf die hart erarbeitete “freie Zeit” noch ein paar Kilometer draufzulegen und für alle 6 l Wasser aus dem Tal zu holen – denn sechs Leute brauchen viel Wasser zum Zähneputzen, Kochen und Kaffee trinken! Außerdem es gibt zwischen dem Refugio Usciolu und unserem Biwakplatz kein Wasser.

Ausnahmsweise muss heute eine Dusche mit Desinfektionstüchern riechen, ähhh reichen!

Tag 5: Col de Laparo – Ref de Prati

“Seid ihr auf dem Weg zur Party?” Ähmm, ja wahrscheinlich. Wir wissen es nur noch nicht. Das Refugio “de Party” erreichen wir schon am Nachmittag und zum Abendessen gibt es Baguette, Käse und Wein!

Was wir uns an diesem Abend an “Rucksackessen” aufgespart haben, haben uns übrigens die (Schweine)Hunde des Hüttenbesitzers in der Nacht aus dem Vorzelt geklaut! Fressen einfach alles weg was wir mühsam hoch geschleppt haben! Und als würde das nicht schon reichen, haben sie auch noch auf der Suche nach mehr Essbarem ein Loch in einen Rucksack gebissen.

Tja, auch das ist der GR20.

Tag 6: Ref de Prati – Biwakplatz mit Aussicht

Die Hälfte der Gruppe ist die mäßig beschilderte Variante des GR20 zum Monte Renoso hoch, um sich dort von der schönen Aussicht berauschen zu lassen und ein bisschen im eiskalten Bergsee zu planschen. 

Für die andere Hälfte, die auf dem Hauptweg weiter geht, kommt die Bergerie de Capannelle genau zur richtigen Zeit. Es ist ein sehr stürmischer Tag. Den kurzen Regenschauer sitzen wir einfach mit einem Bierchen aus! Danach gehen wir noch ein Stück weiter bis zum Biwakplatz, der zu unserer Überraschung über den Wolken liegt. 

Tag 7: Biwakplatz mit Aussicht – Vizzavona

Ab jetzt geht es bergab. Zusätzliche Erleichterung gibt es durch die deutlich geschrumpften Ranzen – vorne wie hinten! ;)

Die Gedanken schwanken zwischen warmer Dusche, frischem Salat, Pizza, Pommes und Eis, während wir die letzten Meter Schritt für Schritt durch den schattigen Wald stapfen.

In Vizzavona können wir endlich mal wieder gemütlich im Restaurant sitzen, in aller Ruhe unsere Kleider waschen, ohne am nächsten Tag in die nasse Hose schlüpfen zu müssen, Karten spielen, die Beine hochlegen und den Luxus der Zivilisation neu zu schätzen lernen. So lässt es sich leben!

Mare a Mare

Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege. Hannes und Hannes nehmen den GR20 Nord in Angriff. Britta nimmt den Zug nach Bastia und muss leider schon nach Hause.

Nur Joana, Sandra und Adrian biegen Richtung Osten ab auf den Mare a Mare Nord.

Hier ist man plötzlich in einer gänzlich anderen Welt:

Der Mare a Mare ist wegen der dürftigen Beschilderung wie eine Schnitzeljagd – nur ohne Schnitzel am Ende…nicht mal ein Panini oder Schokocroissant :( Es gibt auch in den kleinen Dörfern kaum Cafés oder Einkaufsmöglichkeiten.

Es ist allerdings auch viel weniger los als auf dem GR20. Neun Menschen in fünf Tagen vs. 150 Menschen an einem Tag. Dafür sehen wir auf dem Mare a Mare umso mehr freilaufende Tiere. Teilweise können wir die Trampelpfade der Tiere nicht von unserem eigentlichen Weg unterscheiden, auch die Markierungen sind oft von Pflanzen überwuchert und nur schwer zwischen dem hohen Farn und im Dornengestrüpp zu finden. Deshalb ist eine Offline-Karte mit Ortungsfunktion/GPS auf jeden Fall sinnvoll – noch viel sinnvoller mit Solarpanel! 

Der Vorteil am Mare a Mare ist definitiv, dass man die wunderschöne Natur ganz für sich hat und sich sogar herausnehmen kann, länger als bis 5.00 Uhr in freier Wildbahn “auszuschlafen”, weil es allerhöchstens ein Schwein stören könnte.

Für Trinkwasser ist es in der tiefer liegenden Gegend von Vorteil, einen Filter dabei zu haben, auch wenn man in jeder kleinen, urigen Ortschaft einen Brunnen mit Trinkwasser finden kann.

Auf die Herbergen und Zeltplätze sollte man sich allerdings nicht verlassen.Wir stoßen auf einige geschlossene Türen. Einen Biwakplatz zu finden ist jedoch kein Problem. Jetzt sind wir wegen der vielen Mücken zum ersten Mal richtig froh, ein Zelt dabei zu haben, auch wenn wir es auf dem GR20 hin und wieder bereut haben, eins herumschleppen zu müssen (kein Tropfen Regen + im Notfall hätte man auf dem GR20 an jeder Hütte ein Zelt mieten können).

Nach sechs Tagen erreichen wir das Ende des Mare e Mare in Moriani Plage und damit auch das Ende unseres aufregenden Abenteuers. Falls ihr jetzt selbst mal Lust bekommen habt, den GR20 oder den Mare e Mare zu laufen, solltet ihr noch kurz dranbleiben…

Einen großen Dank möchten wir an Mizu und an Lyofood aussprechen, die uns bei diesem Trip mit Wasserfilter und Trekkingnahrung versorgt haben – und in dem mitgebrachten Tarp und Zelt von Hilleberg lässt es sich auch ganz vorzüglich nächtigen!

Sinnvolles Gepäck & praktische Tipps für GR20 & Mare e Mare:

  • Wasserfilter + mind. 3l Wasserbehälter pro Person
  • Offline-Karte mit Ortungsfunktion (z.B. maps.me)
  • Solarpanel
  • stabile Schnur und Materialkarabiner 
  • Diclofenac o.ä. Schmerzgel und man läuft direkt noch eine Stunde länger 
  • Tape/Panzertape (nimmt um eine Trinkflasche gewickelt kaum Platz ein)
  • Kopfbedeckung und T-Shirt nass machen macht die Hitze um Einiges erträglicher
  • Das Gelände ist oft sehr rau und schroff: man muss damit rechnen, dass die Schuhe nach dem GR20 im Eimer sind.
  • Wer kleine Müllbeutel dabei hat, kann seinen Müll nur bei anfahrbaren Hütten zurück lassen und tut der Umwelt etwas Gutes!
  • Die Hütten sind mit dem Nötigsten ausgestattet: Abendessen für ca. 20,00 €, Frühstück und Snacks kann man immer mal wieder zwischendurch an den Hütten kaufen, Zelte gibts an jeder Hütte zu mieten (10-15€/Nacht)
  • In Vizzavona kann man sogar Gaskartuschen, Flickzeug für Zelt und Co., Blasenpflaster, Trinkblasen und alles was das Wanderherz begehrt zu relativ normalen Preisen kaufen.

Kaiserschmarrn, Schluchten und Alpenglühen – die Bergfreunde an der Zugspitze

10. September 2019
Die Bergfreunde

“Lass’ uns dochmal was mit unseren Kunden zusammen machen!?”
“Ne, das können wir doch keinem antun. Die kaufen doch nie mehr bei uns ein…!”

Einige Wochen später sitzen wir mit Martin und Vanessa – zwei unserer Kunden, die bei einem Gewinnspiel teilgenommen haben – in einer Gondel und fahren zum Gipfelhaus Grubigstein in Lermoos. Umringt von vier Bergfreunden, einem Blogger und zwei Kolleginnen von der Zugspitz Arena Bayern-Tirol, mit denen wir dieses besondere Wochenende eingefädelt haben. Sie schauen noch etwas verunsichert drein, während der Rest sich beschwingt Frötzeleien um die Ohren haut. Ob das mal gut geht…

Alpenglühen und Gegrilltes

Die Gondel fährt direkt auf eine Wolke zu und ich habe schon Angst, dass wir auf einen schönen Sonnenuntergang verzichten müssen. Die Wettervorhersage für das Wochenende war ohnehin alles andere als sicher und sah nicht wirklich rosig aus: Gewitterneigung und Regen, starke Hitze und Sonne – da ist alles geboten.

Glücklicherweise tauchen wir kurz unterhalb der Gifpfelstation wieder aus den Wolken auf. Jackpot: Vor uns eröffnet sich ein weites mehr aus Zuckerwatte, aus denen die Berge rundherum, allen voran die Zugspitze, markant herausstechen. Meine Hand wandert sofort zum Rucksack, weiter zum Objektivverschluss meiner Kamera und schließlich zum Auslöser. Eine Bewegungsabfolge, die an diesem Wochenende noch oft stattfinden sollte.

Nachdem die ersten Bilder auf der Speicherkarte sind, geht es für uns erstmal rein in die Hütte und ran ans Buffet. Zünftige Musi, a Hoibe und leckeres Essen erleichtern das erste Kennenlernen ungemein und meine initiale Sorge, dass unsere zwei Gewinner etwas verschreckt von den durchaus extrovertierten Bergfreunden sein könnte (da zähle ich mich ausdrücklich dazu) erweist sich langsam aber sicher als unbegründet – wir verleben einen ziemlich genialen ersten Abend, der von einem atemberaubenden Alpenglühen und einer Runde Schnapps perfekt gekrönt wird.

Die durch Schluchten gehen…

Wie kann man der Natur am nächsten sein? Richtig, in dem man sich direkt in sie hinein begibt. In unserem Fall bedeutet das: Ab in die Schlucht. Canyoning steht auf dem Programm und entsprechend der Vorschriften steht zunächst einmal das Anziehen der Ausrüstung auf dem Plan: Dicker Neoprenanzug, Klettergurt, Helm und spezielle Canyoning-Schuhe. So ausgerüstet kommen wir uns etwas schwerfällig vor, aber klar: Sicher ist sicher. Vor allem, wenn man sich 30 m hohe Wasserfälle abseilt.

Moment. Was?

Man muss dazu sagen, dass der Autor dieser Zeilen kein ausgemachter Kletterer ist und mit ausgesetzten Bergpassagen so seine Schwierigkeiten hat. Gut, ok. Schauen wir uns das erstmal an.

Bevor wir an den ersten “kleinen” Wasserfall kommen, sollen wir beherzt von einem Vorsprung in den Gumpen unter uns springen. Zum Glück gibt es einen Weg drum herum und so schaue ich mir das Spektakel lieber direkt von unten an. Man muss ja nicht gleich in die Vollen gehen. Dann stehen wir am Wasserfall. Während unser Guide sich zum Abseilen bereit macht und die ersten Team-Mitglieder heruntergelassen werden, verstärkt sich das flaue Gefühl in meiner Magengegend. Noch einer vor mir. Was mache ich?

Ich kneife. Natürlich. Hey, ich bin über 30 und muss keine unnötigen Risiken mehr eingehen! ;) Ich steige also wieder aus der Schlucht aus, nehmen den Weg außen herum und kämpfe mich gegen den Strom aufwärts zu meinem Team, das mir gackernd und mit den Armen wackelnd entgegen kommt. Schon verstanden…

Beim nächsten Sprung wage ich dann aber mal das undenkbare und hüpfe in den drei Meter weiter unten liegenden Wasserkessel… So kann ich zumindest Teile meines Gesichts wahren. Beim nächsten Abseiler bin ich dann aber wieder raus – das wird heute nix mit mir.

Und so geht es weiter: Rein ins Wasser, wieder raus. Rein. Raus – bis wir schließlich am Ende der malerischen Stuibenfälle ankommen und uns endlich die Pelle von der Haut streifen können. LUFT!!!

Trotz der wenigen Aussetzer meinerseits überwiegt die Freude. Canyoning hat irgendwie schon Spaß gemacht und war vor allem mal wieder etwas, was ich wirklich noch nie gemacht habe. Sollte man ja regelmäßiger tun, wie man sagt.

Schlucht Nr. 2: Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen

Ja ja, ich weiß schon was du sagen willst. Und irgendwie hast du ja auch recht. Die Partnachklamm ist touristisch – aber so richtig. Aber sie ist auch ziemlich beeindruckend. Vor allem immer dann, wenn sich die tosenden Wassermassen durch die enge Schlucht winden und man kaum sein eigenes Wort versteht.

Service-Info: Eine Klamm ist eine Schlucht, die dadurch charakterisiert ist, dass der gesamte Grund von Wasser eingenommen ist. Wieder was gelernt.

Die Partnachklamm hat schon einige Millionen Jährchen auf dem Buckel und wird vom Schneeferner-Gletscher hoch oben auf dem Zugspitzplatt gespeist. In früheren Zeiten wurde die Klamm als Triftbach genutzt. Brennholz wurde über den Wasserlauf vom Reintal nach Partenkirchen transportiert, was für die Arbeiter mit einer hohen Lebensgefahr verbunden war.

Inzwischen kann man sicher aber höchstens noch den Kopf stoßen, wenn man beim Durchqueren der Partnachklamm nicht ab und zu mal denselbigen einzieht.

Auf unserem Weg machen wir kurz halt in der Kaiserschmarrn-Alm auf dem Graseck. Die heißt wirklich so und wir nehmen es und unsere knurrenden Mägen zum Anlass, eine wahlweise kleine oder große Portion der süßen Mehlspeise zu schnabolieren. Ich habe mich als einziger an letzterer versucht und kann bestätigen, dass es wirklich eine mächtige Portion ist.

Von der Partnachklamm geht es weiter zum Wank. Dort steigt am Abend das sogenannte “Bergfestival am Wank”, ein kleines Musikfestival auf 1700 m Höhe. Hatten wir so auch noch nicht, ist aber wirklich sehr nett. Gespielt wird Indie und Alternative.

Das anwesende Publikum tanzt mit Bergschuhen im Regen – zum Glück, muss man an dieser Stelle sagen, denn der Wetterbericht hatte Gewitter gemeldet. Das blieb glücklicherweise im Seitental hängen und nach einer halben Stunde können wir unsere Kapuzen dann auch abziehen.

Die tief hängenden Wolken lassen uns abermals einen fantastischen Sonnenuntergang erleben. Diesmal sind wir nur nicht ganz so alleine. Das Festivalpublikum wird auf das Spektakel aufmerksam, dass sich auf der anderen Seite des Gipfels abspielt und binnen Minuten wimmelt es nur so von emsigen Smartphone-Fotografen, die versuchen, das Farbenspiel am Himmel auf ihrem kleinen elektronischen Begleiter zu bannen – es sei ihnen gegönnt.

Bei ein paar Bierchen und guter Musik lassen wir den Abend gemütlich ausklingen – ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende und ein ereignisreicher Tag wartet auf uns.

Früh morgens in der Gondel

Das Hotelfrühstück findet am Sonntag ohne uns statt. Schade eigentlich. Ist eigentlich ziemlich gut. Ok, ich hab mir dann klammheimlich doch schon ein paar Kleinigkeiten gegönnt – bei einem leckeren Hotelfrühstück kann ich kaum widerstehen. Das sollte mir allerdings zum Verhängnis werden, als wir zirka eine Stunde später in einer Gondel sitzen, in der extra für uns ein Frühstückstisch aufgebaut wurde. Kein Witz. Ein echtes Gondelfrühstück.

Bei Kaffee, Brötchen und Müsli schippern wir gemächlich mit der Almkopfbahn in Bichlbach bergauf und bergab, genießen das schöne Wetter und schlagen uns die Mägen voll. Damit wir nicht irgendwann das Mindestgewicht für die Gondel überschreiten, beschließen wir dann doch noch einen gemütlichen Verdauungsspaziergang am Almkopf zu machen. Aber wirklich nur gemütlich, denn der anstrengende Teil des Tages sollte noch kommen – auch wenn dieser erstmal nicht als solcher erkennbar ist. Was soll schließlich beim E-Mountainbiken anstrengend sein?

Bergfreunde unter Strom

Ich muss vorab sagen, dass ich für mich nach wie vor kategorisch ausschließe, E-Bike zu fahren. Allerdings hat sich mein Verständnis für das Nutzen dieser Räder nach unserer Tour doch deutlich vergrößert. Aber fangen wir von vorne an:

Als wir vor unseren Bikes stehen, staune ich erstmal nicht schlecht. Auf dem Unterrohr prangert in großen Lettern “Specialized”. Verdammt teure Dinger, die wir da unter den Hintern geschnallt bekommen. Nach einer kurzen Einführung geht es direkt los. Für mich als Rennradfahrer ist es ohnehin immer ein etwas komisches Gefühl auf einem Mountainbike – und dann auch noch eines mit Motor. Ich schalte ein und gebe Gas – das schwere Gerät setzt sich ohne Mühe in Bewegung und zaubert mir zu meiner Überraschung ein Lächeln aufs Gesicht. Schon auf den Schotterwegen außerhalb Ehrwalds macht das echt Spaß.

Unser Ziel heute soll der Eibseeblick sein. Der liegt genau auf der Grenze zwischen Bayern und Tirol, grob geschätzt 500 Höhenmeter über uns und nur etwa sieben Kilometer entfernt. Macht nach Adam Riese einen ganz ordentlichen Anstieg. Aber genau dafür haben wir ja die Unterstützung. Auf Forst- und Wirtschaftswegen schlängeln wir uns nach oben. Das schöne ist: Jeder kann fahren, wie er möchte. Die einen schalten bei den ganz steilen Stücken auf Stufe 3, andere versuchens auf Stufe 1 – was dann immer noch ganz schön anstrengend ist.

Auf der Hochthörle Hütte gibt es eine kurze Stärkung, gefolgt von einem fantastischen Ausblick auf den Eibsee. Zurück geht’s auf geschotterten Waldwegen mit großartiger Aussicht. Bergab schalte ich die Unterstützung aus und lasse rollen. Das macht das schwere Rad natürlich ganz von alleine. Wird es flach merkt man das Gewicht aber direkt – und schaltet zwangsläufig wieder auf Stufe 1.

Die weitere Abfahrt über schmale Schotterwege macht dann auch für mich als wenig versierten Mountainbiker richtig Spaß und schneller als mir in diesem Moment lieb ist, sind wir wieder am Hotel. Das hat definitiv Laune gemacht. Trotz oder gerade wegen des E-Antriebs. Wie eingangs erwähnt kann ich jetzt deutlich besser verstehen, warum diese Räder so beliebt sind. Unsere Gruppe war trotz individueller Leistungsunterschiede nie weit auseinander – was natürlich in Sachen Motivation und Spaß ein riesiges Plus ist.

Tja, und das wars. Ein Wochenende vollgepackt mit Action, Spaß und ziemlich unvergesslichen Momenten, von denen uns vor allem das herrliche Alpenglühen im Gedächtnis bleiben dürfte. Ok gut, das Gondelfrühstück war schon auch ziemlich genial!

Falls du jetzt auch mal Lust hast, die Region um die Zugspitze wandernd, radelnd oder beim Canyoning zu erleben, empfehlen wir dir einen Blick auf das breite Angebot an Aktivitäten – da ist garantiert auch was für dich dabei!

Oder du machst bei unserem Gewinnspiel mit und gewinnst eine Reise an die Zugspitze. Wir schicken dich und deine Begleitung für vier Tage in ein Vier-Sterne-Hotel mit Halbpension – klick dich einfach rein und mach mit!

Alpenglühen: was es ist und wie es entsteht

5. September 2019
Tipps und Tricks

„Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian, wenn beim Alpenglühn wir uns wiedersehn.“

Der gute Heino wusste, dass man mit einem romantischen Alpenglühn mehr anfangen kann, als nur ergriffen davor zu sitzen. Geschickt ein Tête-à-Tête in der Almhütte einfädeln zum Beispiel. Oder sich zu einem landauf landab geträllerten Kassen-Schlager inspirieren lassen. Allerdings ist der von Heino nicht mehr ganz so frisch und würde heute eher nicht mehr funktionieren. Selbst wenn man den Text ein wenig zeitgemäß anpasst:

„Boah wie krass blühen die blauen Blumen da, vor dieser abgefahrnen Optik von den Bergen da …“

Vielleicht hat auch Bergfreund Jörn ein Liedchen geträllert, als er kürzlich ein perfektes Alpenglühen erlebte. Er war jedenfalls tief beeindruckt, so tief, dass gleich mal der Auftrag an mich erging, alles über dieses Naturwunder herauszufinden. Hier die Ergebnisse.

Was genau ist Alpenglühen?

Nun, Alpenglühen ist, wenn die Berggipfel bei Sonnenauf- oder Untergang so aussehen, als ob sie glühen würden. Besonders intensiv und farbenprächtig ist das Ganze, wenn die Berghänge verschneit sind oder es kurz vor Sonnenuntergang geregnet hat, so dass die nassen Felshänge im Licht der untergehenden Sonne glänzen.

In aller Regel werden nur die Gipfelregionen eingefärbt und die tieferen Regionen liegen im Schatten. Das Phänomen kommt – Überraschung – nicht nur in den Alpen, sondern in allen Gebirgen der Welt vor. Dennoch wird es im internationalen Sprachgebrauch „Alpenglow“ genannt. Mit Sicherheit gibt es unzählige regionale Bezeichnungen in unzähligen Sprachen, doch Trekker, Wanderer und Bergsteiger sagen auch in den Anden oder im Himalaya: „Oh, look: Alpenglow!“

Was ist Alpenglühen nun genau und wie entsteht es? In einem Bergwelten-Artikel dazu steht an der Stelle, an der ich dachte, jetzt käme die detaillierte Erklärung, folgendes:
„Wer Zeuge des Schauspiels sein darf, sollte darum auch nicht weiter über die Ursachen und Erklärungen des Alpenglühens nachdenken – sondern vielmehr: es in vollen Zügen genießen.“

Kann man so sehen, doch dann könnte man sich eigentlich auch gleich einen Artikel zum Thema sparen. Im Moment des Erlebens muss ich ja wirklich nicht parallel wissenschaftliche Erklärungen abspulen. Aber hinterher am Schreibtisch muss genießen und Bescheid wissen nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Also, hier die knochentrockene Wissenschaft:

Wie entsteht das Alpenglühen?

Welche Erklärung für den rätselhaften Farbenzauber gibt es? Bringt die im Laufe des Tages angesammelte Strahlungshitze die Gipfelregionen zum glühen? Rührt das Ganze von aus Flugzeugen versprühter Leuchtfarbe her? Ist eine veränderte Farbzusammensetzung der Atmosphäre infolge des Klimawandels schuld?

Nicht ganz, die Berge färben sich, weil sie von den Strahlen der tief stehenden Sonne gelblich, orange oder rötlich eingefärbt werden. Dabei gibt es häufig zwei unterscheidbare Phasen, die erste Färbung und die zweite Färbung.

Wenn die Sonne die Felsen und Schneeflächen der Gipfel vom Licht der tief stehenden Sonne erreicht werden, spricht man von der ersten Färbung. Die Gipfelbereiche „heben sich in dieser rot gefärbten Beleuchtung vom Vordergrund ab, der bereits oder noch im Dunkeln liegt.

Die zweite Färbung tritt auf, wenn die Sonne die Berggipfel nicht mehr (oder noch nicht) direkt beleuchtet. Das Sonnenlicht wird in dieser Phase „an Partikeln in der Atmosphäre (wie Eiskristallen, Staub etc.) gestreut, sodass es abgeschwächt auf die Gipfel fallen kann. Vor dem sich violett verfärbten Himmel erscheinen schneebedeckte und hellfelsige Gipfel dann weiterhin in einem schwachen, aber sehr deutlichen und gleichmäßigen Rot.

Der Streueffekt ist auch mitverantwortlich für den allgemeinen Farbwechsel des Sonnenlichts im Laufe des Tages. Er ist umso stärker, je länger der Weg der Lichtstrahlen durch die Atmosphäre ist. Mittags ist er am kürzesten, da die Strahlen die Atmosphäre im steilsten Winkel durchqueren und somit am wenigsten atmosphärische Partikel im Weg sind, die das Licht streuen könnten. Bei Sonnenauf- und Untergang ist der „Durchquerungswinkel“ flach und die Strecke am Längsten.

Durch diesen Mechanismus bekommt auch das Abend- und Morgenrot seine Färbung. Abend- und Morgenrot „unterstützen“ das Alpenglühen durch eine zusätzliche indirekte Beleuchtung des Bereichs direkt oberhalb der Schattengrenze.

„Dieses Licht fällt unter sehr flachem Winkel auf die Landschaft im Rücken des Beobachters. Es wird reflektiert und macht sich als Aufhellung oberhalb des Schattens bemerkbar. Die Effizienz dieser Reflexion nimmt bei steigendem Winkel schnell ab. Daher ergibt sich ein heller Streifen statt einer allgemeinen Aufhellung.“

Farben und Wellenlängen

Doch warum wird das bläulich-weißliche Licht stärker herausgefiltert als das Rötliche? Dazu muss man eine weitere Komponente betrachten: die verschiedene Wellenlängen des sichtbaren elektromagnetischen Spektrums. Sie reichen von den kürzeren Wellen des blau erscheinenden Lichts bis zu den längeren Wellen des rot erscheinenden Lichts. Das blaue Licht wird stärker aus der Atmosphäre „herausgestreut“, weil es mit seinen „kurzen Wellen“ wesentlich häufiger von Partikeln absorbiert und reflektiert wird.

Das rote Licht kommt „ungehinderter“ durch, weshalb sein Anteil mit wachsender Wegstrecke durch die Atmosphäre zunimmt. Soweit der Erklärungsversuch eines Nicht-Naturwissenschaftlers. Ich hoffe nicht nur, dass ich die Sache verständlich erklären konnte, sondern dass ich sie selbst überhaupt richtig kapiert habe ;-)

Wie reagiert unser Körper eigentlich auf Belastung?

3. September 2019
Tipps und Tricks

Nach einem anstrengenden Aufstieg bei bestem Bergwetter schaust du nach oben und hast fast schon den Gipfel erreicht, aber auf einmal fühlen sich die Beine wie Pudding an und jeder Schritt wird zu einer Herausforderung. Was ist da nur los? Vielleicht etwas zu schnell gegangen? Eigentlich sollte das Training in den vergangenen Wochen ja ausgereicht haben. Aber ob Klettern auch so viel für die Fitness beim Wandern bringt? Und vielleicht hätte ich bei der Pause auf der letzten Hütte doch nicht so viel auf einmal essen sollen.

Um die nächste Berg- und Klettertour nicht so enden zu lassen, wollen wir heute einmal auf die physiologischen Grundlagen beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Trailrunning eingehen und uns ansehen, was in unserem Körper da genau passiert.

So arbeitet deine Muskulatur beim Bergsport

Alle unsere Bewegungen beruhen auf dem Zusammenspiel aus Nervensystem und Muskulatur. Dabei ist es egal, ob du kletterst oder die Maus am Computer klickst. Die etwa 600 Skelettmuskeln unseres Körpers machen etwa 45 Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Muskeln ziehen sich auf „Befehl“ der Nervenbahnen zusammen und entspannen anschließend wieder.

Jede Muskelgruppe hat zwei oder mehrere Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen. Ein einfaches Beispiel ist der Unterarm. Winkeln wir ihn an, wird der große Bizepsmuskel am Oberarm angespannt. An seinen Enden läuft er in sogenannte Sehnen aus, die auf der einen Seite am Schulterknochen und auf der anderen Seite am Unterarmknochen verankert sind.

Kontrahiert (=anspannen) sich der Muskel, so bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu, das dazwischen liegende Gelenk wird gebeugt. Gleichzeitig muss der entgegengesetzt arbeitende Streckmuskel, der Trizeps, entspannt werden. Dieses Prinzip nennt sich fachmedizinisch Agonist und Antagonist, im übertragenen Sinn sprechen wir von Spieler und Gegenspieler.

Die Muskeln brauchen Treibstoff

Damit ein Muskel sich an- und wieder entspannen kann, braucht er Energie. Durch eine exotherme Reaktion wird chemische in mechanische Energie umgewandelt. Die für die Muskelkontraktion benötigte Energie wird zum größten Teil durch die Hydrolyse (Wasseranlagerung) von Adenosintriphosphat (ATP) in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphat (Pi) zur Verfügung gestellt.

Das ATP ist quasi der Hauptversorger und primäre Energielieferant der Muskulatur. Da der Vorrat im menschlichen Körper jedoch begrenzt ist, muss die Muskulatur während des Wanderns oder Kletterns weiterhin ATP herstellen, um nicht vorzeitig zu ermüden. Die für den Wiederaufbau benötigte Energie wird durch Oxidation aus Kohlenhydraten, Fettsäuren und Eiweißen bzw. Aminosäuren gewonnen.

„Man isst und trinkt nicht am Berg, um Hunger und Durst zu stillen, sondern um die Leistungsfähigkeit zu erhalten!“ – Dieses Zitat stammt von einem Bergsteiger und gilt nach wie vor.

Energiebereitstellung – wann verbrennt der Körper was?

Entscheidend für die Energiebereitstellung im Muskel ist, ob diese mit ausreichender Sauerstoffaufnahme (aerob) oder unzureichender Sauerstoffaufnahme (anaerob) geschieht und ob dabei Laktat (Milchsäure) entsteht, welches sich in den Muskelfasern ansammelt.

Wer beim 2000 Meter Lauf Vollgas gibt, kann diese Anstrengung nur kurz durchhalten. Hierbei verbrennen die Muskeln nur Kohlenhydrate. Bei einer fünfstündigen Bergwanderung verbrennt der Organismus sowohl Kohlenhydrate als auch Fette. Dies hängt mit der deutlich niedrigeren Intensität zusammen. Das Problem ist, dass der Kohlenhydratspeicher des Körpers nicht sehr groß ist – ganz im Gegensatz zum Fettspeicher.

Umso besser der individuelle Fettstoffwechsel trainiert ist, desto weniger Glykogen (Kohlenhydratspeicher im Muskel) wird benötigt, um die Anstrengung aufrecht zu erhalten. Die Energiebereitstellung ist abhängig vom Trainingszustand und zu einem großen Teil auch von der Ernährung. Bei vielen Volksläufen findet am Abend vor dem Rennen häufig die sogenannte „Pasta Party“ statt, um die Glykogenspeicher in den Muskeln vor dem Wettkampf noch einmal aufzufüllen.

Die muskulären Glykogenreserven sind bei intensiver Belastung beim Bergsport je nach Trainingszustand nach etwa 60 bis 90 Minuten so gut wie verbraucht. Bei anhaltender Ausdauerbelastung ist der Muskelstoffwechsel nun auf eine vermehrte Fettverbrennung angewiesen. Die Energiebereitstellung durch Fette benötigt allerdings deutlich mehr Sauerstoff und erfolgt nur halb so schnell wie durch die Kohlenhydrate.

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, hat vielleicht schon vom berühmten „Mann mit dem Hammer“ gehört. Dieses Phänomen beschreibt die Erschöpfung der Kohlenhydrat-Speicher im Muskelgewebe. Durch die langsamere Freisetzung der Energie durch die Fette muss die Intensität deutlich verringert werden, um überhaupt noch weiterlaufen zu können. Intensität und Dauer der maximalen Leistung verhalten sich also gegenläufig zueinander. Je mehr ATP in den Zellen gebildet werden kann, desto höher ist auch die Leistung.

Wer beim Wandern oder Klettern zu schnell startet sorgt zudem dafür, dass sich Laktat in den Muskeln ansammelt. Wird die Intensität nicht verringert, ist irgendwann die sogenannte Laktatschwelle erreicht. Diese ist bei jedem Menschen anders und kann während einer Leistungsdiagnostik ermittelt werden. Beim überschreiten der anaeroben Schwelle „übersäuert“ der Muskel und kann nicht mehr richtig arbeiten. Der Muskel kann nicht mehr so viel Energie produzieren, um weiter den Berg hinauf gehen zu können. Die Intensität muss deutlich verringert werden, um die Bergtour überhaupt noch fortsetzen zu können.

Leistungslimitierende Faktoren am Berg

Allgemein lässt sich das Leistungslimit des Körpers dadurch definieren, dass die beanspruchten Muskeln nicht mehr in der Lage sind, eine für eine bestimmte Belastungsintensität geforderte Leistung zu erbringen, sie also zunehmend ermüden. Wie im Beispiel mit der körperlichen Erschöpfung kurz vor dem Gipfel in der Einleitung.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit hängt somit von den physiologischen Prozessen ab, die eine Ermüdung der Muskeln herbeiführen. Es ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, wie groß der Anteil verschiedener Prozesse an der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit ist. Aber folgende Faktoren haben auf jeden Fall einen großen Einfluss auf unser Leistungsvermögen:

  • VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme)
  • Koordination (Trittsicherheit, Schwindelfreiheit)
  • Psychologische Aspekte (ausgesetztes Gelände, Höhenangst)
  • Muskelfaserzusammensetzung (Training)
  • Energiebereitstellung
  • Wärmeregulation (Hitze/Kälte)
  • Wasser- und Elektrolythaushalt
  • Orthopädische Beschwerden

Die Gefäßkapazität in den Muskeln könnte etwa das Vierfache der durch das Herz verfügbaren Blutmenge nutzen. Bei Ausdauersportarten wie dem Bergwandern, Bergsteigen und Trailrunning ist somit die Transportkapazität des Herz-Kreislauf-Systems leistungslimitierend. Jedoch sagt die maximale Durchflussrate in den Blutgefäßen noch nichts über die Effizienz der Sauerstoffversorgung der Muskeln beim Sport aus, die mit regelmäßigem Training gesteigert werden kann, damit die Muskeln beim nächsten Mal eben nicht kurz vor dem Gipfel „schlapp“ machen, sondern bis zum Rückweg am Parkplatz nach der Tour brav ihren Dienst erfüllen.

Die berühmte Ausdauer, von der man gar nicht genug haben kann

Als „Ausdauer“ bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus gegen Ermüdung und die rasche Regenerationsfähigkeit nach einer körperlichen Belastung wie Klettern oder Bergwandern. Ausdauer beschreibt aber auch die motorische Fähigkeit, eine bestimmte Intensität (zum Beispiel die Lauf- oder Aufstiegsgeschwindigkeit) über eine möglichst lange Zeit aufrechterhalten zu können, ohne vorzeitig körperlich zu ermüden. Ebenso beschreibt sie die Zeit, die nach einer Tour am Berg für die Regeneration benötigt wird.

Durch verbesserte Ausdauer (Training) ist von Beginn an eine höhere Intensität möglich und die zu Verfügung stehenden Energiespeicher des Körpers können deutlich effizienter genutzt werden. Die menschliche Ausdauer stellt neben Kraft, Schnelligkeit, Koordination und der auf Mobilität und Dehnfähigkeit beruhenden Beweglichkeit eine grundlegende motorische Fähigkeit unseres Körpers dar. Jede einzelne Sportart erfordert und trainiert diese Grundfertigkeiten in unterschiedlichen Maßen, deswegen muss im nächsten Abschnitt auch noch auf die unterschiedlichen Bergsportarten eingegangen werden.

Unterschiedliche Belastung bei verschiedenen Spielarten des Bergsports

Generell können die meisten Sportarten am Berg als Ausdauersportarten bezeichnet werden. Der limitierende Faktor, der eine Tour oft schneller scheitern lässt als geplant, ist die körperliche Fitness. Besonders beim Wandern und dem klassischen Bergsteigen gerät das Herz-Kreislauf-System bei einem steilen Aufstieg schnell an seine Grenzen und der Plus geht so steil nach oben wie der Wanderweg.

Ein weiterer Faktor ist die muskuläre Belastung, vor allem beim Abstieg. Bei einem Abstieg von 1000 Höhenmetern ins Tal müssen die Muskeln der Beine jeden Schritt nach unten quasi „auffangen“, indem sie sich anspannen und das Körpergewicht halten. Viele kennen bestimmt den berühmten Muskelkater, der am nächsten Tag nach der ersten Bergtour der Saison eintritt. Bei diesem Phänomen sind die Muskeln am Ende des Abstieges komplett überfordert und verweigern dann erstmal ein paar Tage ihren Dienst.

Beim Alpinklettern, auf Hochtouren und auf Klettersteigen kommen häufig psychische Belastungen durch Ausgesetztheit oder Höhenangst im alpinen Gelände hinzu. Das klassische Felsklettern in den Bergen hat sich durch die zunehmende Popularität von Kletterhallen im städtischen Bereich auch zu einer Indoor Sportart (Sportklettern, Bouldern) entwickelt.

Das Klettern ist in erster Linie durch eine kraftbetonte Belastung der oberen Extremität (Arme, Schultern, Rücken) gekennzeichnet, während der unteren Extremität (vor allem die Beine) meistens eine stützende und stabilisierende Funktion übernimmt.

Beim Sportklettern in der Halle dauert die Belastung oft nur wenige Minuten an, weil die Routen relativ kurz sind. Hier ist vor allem die Muskelausdauer der limitierende Faktor, wenn die gewünschte Route auch nach dem fünften Versuch immer noch nicht funktionieren will. Bei länger andauernden, alpinen Touren ist ein Kletterer oft mehrere Stunden unterwegs und die generelle körperliche Ausdauerfähigkeit steht auf jeden Fall im Vordergrund.

Anaerobe Belastungen (Energiebereitstellung ohne Sauerstoff), wie wir sie im Absatz über die Energiebereitstellung kennen gelernt haben, finden sich beim Bergsport im Bereich des Wettkampfkletterns und beim Bouldern. Hier werden oft kurze Routen in möglichst schneller Zeit bewältigt und die Kletterer kommen gar nicht erst in den „Ausdauerbereich“ der Energieversorgung des Körpers.

Beim Trailrunning ist der Großteil der physiologischen Belastung derselbe wie beim Laufen im flachen. Allerdings kommt besonders in technischem Gelände ein erhöhtes Maß an erforderlicher Koordination hinzu, wenn es darum geht, gekonnt über Steine oder Wurzeln zu tänzeln. Steile Auf- und Abstiege fordern die Muskulatur genauso, wenn nicht sogar noch mehr als das Bergwandern im gleichen Gelände. Regelmäßiges Lauftraining am Berg zahlt sich aus, um die Muskeln an das Laufen in den Bergen zu gewöhnen.

Fazit und weitere Artikel zum Thema

Abschließend bleibt zu sagen, dass unser menschlicher Körper sich insgesamt sehr gut anpassen und auf Veränderungen einstellen kann.

Auch wenn orthopädische Probleme, schwere Beine oder die leeren Energiespeicher die letzte Bergtour doch etwas länger haben werden lassen als ursprünglich geplant, heißt das nicht, dass es beim nächsten Mal wieder so kommen muss. Durch die richtige Vorbereitung, ein an die persönliche Fitness angepasstes Gehtempo und ausreichende Verpflegung wird die nächste Gipfelbesteigung garantiert zu einem vollen Erfolg!

Dieser Artikel über die physiologischen Grundlagen und die körperliche Belastung beim Bergsport ist der Auftakt zu einer kleinen Artikelserie im Basislager der Bergfreunde. Nachdem wir heute die Grundlagen geklärt haben, geht es nächstes Mal noch etwas spezifischer zur Sache und wir sprechen über die Ernährung beim Bergsteigen. Worauf gilt es in der Höhe besonders zu achten? Was sollte unbedingt in die Brotzeitdose und was bleibt lieber daheim?

Jotunheimen: Zwischen Massentourismus und Abenteuer

22. August 2019
Die Bergfreunde

Noch nie hatte ich eine Gegend dermaßen unterschätzt wie das norwegische Jotunheimen-Gebirge. Und das in mehrfacher Hinsicht. Eigentlich wollte ich auch gar nicht dorthin, sondern in eine weniger bekannte Ecke zwischen Fjorden und Gletschern. Erst zwei Tage vor Abreise brachte mich die ernüchternde Wetterprognose für die Westküste zur Umentscheidung.

Jotunheimen war keine „Priorität“ für mich, obwohl es laut Visit Norwayeine nahezu unberührte Bergregion in Ostnorwegen“ ist, die mit dem Galdhøpiggen (2469 m) und dem Glittertind (2464 m) nicht nur die höchsten Berge Skandinaviens, sondern auch „Wasserfälle, Flüsse, Seen, Gletscher und Täler“ beherbergt.

Ich hatte eben ein paar Vorurteile. „Zu voll“ dachte ich sei es im „beliebtesten Nationalpark Norwegens“. Weil auf der Karte wirkte das Ganze irgendwie klein auf mich. Die Höhenunterschiede zwischen Tal und Gipfel erreichen kaum mal irgendwo die Tausend Meter. Zwar gibt es viele schöne Fotos zu googeln, doch nach den Superlativen und Sensationen sucht der Alpinist vergeblich.

Es kommt nicht (immer) auf die Höhe an

Tja, hätte ich mal genauer hingeschaut. Die Wirklichkeit erweist sich als ganz anders. Einmal dort, muss man nicht mal die eng sitzende Alpinistenbrille abnehmen, um sofort zu verstehen, warum diese Landschaft „Heim der Riesen“ heißt. Sie ist ein perfektes Zusammenspiel von Höhe und Weite. Eine wie absichtlich von den nordischen Göttern arrangierte Komposition aus Himmel und Erde, Fels und Eis, Wasser und Schnee, Gras, Flechten, Moos und Blumen. Für die oft atemberaubende Schönheit spielt das Wasser eine entscheidende Rolle: Es bildet nicht nur (schmelzende) Gletscher und Schneefelder, sondern unzählige Seen, die im wechselnden Licht schimmern und glänzen wie Edelsteine. Sie sind der Schmuck, mit dem sich dieses Gebirge so reich behängt wie kaum ein anderes.

Die befürchtete „Überfüllung“

Das „kleine Gebiet“, das ich vorher für Jotunheimen hielt, ist nur die etwa 20 Kilometer durchmessende Kernzone mit touristischen Anziehungspunkten wie dem Gjendesee und den motorisiert erreichbaren Stützpunkten Leirvassbu und Spiterstulen. Insgesamt umfasst das Gebirge jedoch eine Fläche von mindestens 50 mal 50 Kilometern. Selbst wenn an manchen Sommertagen ein paar Tausend Menschen hier unterwegs sind, verteilen sie sich auf eine Fläche von der dreifachen Größe Berlins. Und der Großteil dieser Menschen ist auf Highlights wie dem Besseggen-Grat versammelt …

Die Tour: Durchquerung von West nach Ost

Startpunkt ist Øvre Årdal, ein Städtchen am hintersten Seitenarm des weit verzweigten  Sognefjords. Ich starte hier, weil ich mir von dem ins Meer mündenden Utladalen mit den darüber aufragenden Hurrungane-Bergen spektakuläre Eindrücke erhoffe (und auch bekomme).

Von Øvre Årdal sind es gut zwei Kilometer bis zum Campingplatz Svalheim, auf dem ich einen Erholungstag von der episch langen Anreise aus Süddeutschland einlege.

Tag 1

Erstaunlicherweise hält der Bus, der das Utladalen talaufwärts fährt, hier nicht. So darf ich mich am ersten Tourentag auf gut fünf Kilometern Asphalt warmlaufen, bevor der Wanderweg beginnt. Am engen Boden des schluchtartigen Tals schlängelt er sich dann bis zur Touristenunterkunft Vetti Gard entlang, bevor es steil durch Wald und Unterholz auf die idyllische Hochebene Vettismorki geht. Dort passiert man den beeindruckenden Vettisfossen, mit 275 Metern der höchste unregulierte Wasserfall Norwegens. Erst jetzt öffnen sich nach und nach die Blicke auf umgebende Berge und Landschaften.

Es folgt der nächste steile Anstieg auf das nächste Plateau. Die Blicke auf das gegenüberliegende, schroff gezackte Hurrungane Massiv und den Canyon des Utladalen sind großes Kino. Doch auch die fast 1000 zurückgelegten Höhenmeter machen sich bemerkbar. Nicht zuletzt wegen des Rucksacks, der neben Zelt, Schlafsack und Isomatte auch Proviant für mehrere Tage und ein völlig unnötiges Notebook beherbergt. Es kommen nochmal 300 Höhenmeter hinzu, bevor es auf den letzten Kilometern wieder 400 Höhenmeter zur Hütte Skogadalsbøen hinuntergeht. Die lasse ich links liegen und wandere das sich östlich öffnende Skogadalen hinauf. Ich hoffe, so schnell wie möglich eine geeignete Stelle fürs Zelt zu finden. Ich bin nicht nur total platt und durchgeschwitzt, sondern auch verblüfft, schon 9 Stunden unterwegs zu sein. Dass ich die Länge der Strecke so unterschätze, liegt auch an meiner rudimentären Planung samt improvisiertem Kartenmaterial (mehr dazu im Infoteil unten).

Zum Glück gibt der lichte Wald ein paar Quadratmeter gemütliche Wiese direkt am Fluss frei. Das abendliche Bad darin ist Wellness pur, der Schlaf im luftig-lichten Innenzelt ebenso.

Tag 2

Das Ziel heute lautet „mitten rein“ ins Jotunheimen, was ich irgendwo in der Nähe der Selbstversorgerhütte Olavsbu verorte. Das Skogadalen hinauf geht es in leichtem Anstieg und begleitet von penetranten Pferdebremsen wieder über die Baumgrenze hinaus. Irgendwann soll laut der Linie auf meiner Handyfoto-Karte links der Abzweig nach Olavsbu kommen. Er kommt auch, nur etwa eineinhalb Stunden und eine Flußdurchwatung später als erwartet. Das sehr lange Tal ist schön, bietet aber nicht allzu viel optische Abwechslung. Dafür entschädigt der nun zu überwindende Bergrücken mit umso gewaltigeren Blicken. Ein erster verheißungsvoller Einblick ins Innere des Jotunheimen.

Der Restweg zum auserkorenen Zeltplatz nahe Olavsbu ist ein heiter beschwingtes Schreiten durch erhabene Berglandschaft. Naja, abgesehen von der Schwitzerei. Und diesem bei manchen Rucksackbewegungen gruselig stechenden Schmerz zwischen Nacken und linker Schulter. Und den nicht genug eingesprühten Sonnenbrandstellen, die weiter der knallenden Sonne ausgesetzt sind. Und den jeweils etwas drei bis vier entstehenden Blasen unter beiden Füßen, die ich mit immer mehr Tape einzudämmen versuche. Und war ich etwa schon wieder jenseits der 8 Stunden Marke? Ich bin jedenfalls froh, als es bei Sonnenuntergang endlich in den Schlafsack geht …

Tag 3: Gipfeltag

Ich brauche definitiv einen Regenerationstag ohne den gefühlten Hundert Kilo Rucksack. Es wird eine 5-Stunden Regenerationstour, einen Berg rauf und runter, der mir am Vortag als formschöne und machbar aussehende Pyramide aufgefallen war. Er entpuppt sich tatsächlich als machbar, ziemlich easy sogar. Es ist wohl der erste größere Berg, den ich spontan, ohne vorher überlegte Route und ohne Kenntnis seines Namens besteige. Ein wunderbares Gefühl, vielleicht ein bisschen so wie in alten Pionierzeiten. Vor allem auch deshalb, weil ich den Berg ganz für mich allein habe. Unglaublich eigentlich, an diesem herrlichen Hochsommertag an einem Wochenende, direkt neben einer der „Hauptrouten“ des Jotunheimen. Liegt es daran, dass es keinen markierten Weg gibt? Taucht der Berg in keinem Wanderführer auf? Ich weiß es nicht und es ist mir auch wurscht. Ich genieße zwei Stunden lang die unglaubliche Aussicht auf dem Gipfel.

Zurück am Zelt mache ich einen Abstecher zur benachbarten Hütte. Olavsbu ist unbewirtet aber komfortabel ausgestattet. An der großen Wandkarte im Vorraum sehe ich den Namen und die Höhe „meines“ Bergs: Skarddalstinden, 2100 moh. Dann sah ich noch etwas in der laminierten Preisliste der Hütte: wer sich im Gastraum aufhält, auch nur kurz, hat 90 Kronen zu zahlen. Alles klar, ich bin dann mal weg.

Entscheidungen

Abends steht eine Entscheidung an: der faule, manchmal etwas weinerliche Hund in mir schlägt vor, morgen nach Leirvassbu zu gehen und so binnen einer Tagesetappe die zivilisatorischen Annehmlichkeiten wieder greifbar zu haben. Seine Argumente sind Ausgepumptheit und Wehwehchen. Der neugierige Abenteurer will hingegen nach Osten, wo er große Natureindrücke bei schönstem Wetter verspricht. Die es allerdings nur um den Preis zweier weiterer richtig strammer Marschtage gibt. Okay, nicht ganz, sie könnten mit einer sündhaft teuren Bootsfahrt und/oder dem Auslassen des Besseggengrats enorm abgekürzt werden. Doch das wäre für den Abenteurer ein nicht vermittelbarer Gesichtsverlust. VerdaJommt, können diese inneren Kämpfe nicht mal im Urlaub aufhören? …

Tag 4

Es geht nach Osten, entlang einer Perlenkette an Seen in Richtung der Hütte Gjendebu. Der Weg ist abwechslungsreich mit sich überraschend öffnenden Blicken. Vorbei an einer grandiosen  Hochplateau-Szenerie geht es ins grüne Vesladalen auf den 20 Kilometer langen Gjendesee zu. In Gjendebu mache ich in einem prachtvollen Gastraum Pause, bevor es kurz den Gjendesee entlang und einen supersteilen, teils gesicherten Aufstieg auf das Plateau Bukkelægret hinaufgeht. Auf diesem Plateau hoffe ich den perfekten Zeltplatz zu finden. Und ich finde ihn, wenige Meter von einem glasklaren Seeauge, nicht zu weit vom Weg entfernt und mit freier Traumaussicht in alle Richtungen. Auch der Wunsch nach wenig Wind wird erfüllt. Wieder bin ich verwundert, einen unglaublich schönen Ort für mich allein zu haben. Ich nehme das Geschenk gern an und verbringe die Stunden bis zum Sonnenuntergang mit einem Bad im See, mit Essen, mit Schauen und mit Staunen.

Tag 5

Der letzte Tourentag führt mich auf einen der laut National Geographic „Top 20 Hikes weltweit“: den Besseggen-Grat. Doch zunächst steht der Abstieg nach Memurubu an, dem „offiziellen“ Ausgangspunkt der Tour. Zum Aufwärmen führt der Weg kontinuierlich leicht bergan, um dann einem spektakulär gelegenen Kamm folgend zum steilen Abstiegs-Endspurt nach Memurubu anzusetzen. Memurubu ist ein weiterer Hütten-Gebäudekomplex mit Bootsanleger. Die meisten Besseggengrat-Wanderer steigen hier aus dem Boot und laufen die Tour zurück zum Ausgangspunkt Gjendesheim. Auf die leichten Rucksäcke bin ich neidisch, doch es finden sich auch viele schwer bepackte „Leidensgenossen“ in der Karawane. Ich frage mich, wo sie alle herkommen. Das Kontrasterlebnis in Bezug auf Menschenmengen verglichen mit den Vortagen entspricht ungefähr dem zwischen Einsiedelei und Alexanderplatz.

Doch das soll kein Lamento sein. Im Gegenteil, ich freue mich über freundliche Grüße, beobachte Kinder, Hunde und Selfie-Filmer, die anscheinend zu ihren Followern ins Tablet quasseln. Auch das gelegentliche fast-auf-die-Füße-latschen an Engstellen stört mich nicht, da Umgebung und Aussichten viel zu fantastisch sind, um sich über irgendetwas aufzuregen.

Zwar halte ich nichts davon, Outdoorerlebnis zu raten und zu ranken, doch dieser Besseggen-Hike wird völlig zu Recht von National Geographic hervorgehoben. Zu den Highlights zählen nicht nur die nette Kraxelei und der berühmte „Zwei-Seen-in-unterschiedlicher-Farbe-Blick“, sondern auch die Abwechslung der Eindrücke und das Panorama auf dem Veslfjellet, das gefühlt halb Norwegen umfasst.

Absolut zufrieden und reichlich platt komme ich abends am Campingplatz Maurvangen an und bin zurück in der „Zivilisation“.

Begleiterscheinungen: körperliche Verausgabung, geistige Erholung

Nach fünf Tagen Trekking von „Rückkehr in die Zivilisation“ zu schreiben, ist etwas dick aufgetragen, doch die Zeit reicht für interessante Beobachtungen. Zum Beispiel die, dass die Zeit „draußen“ ungeachtet körperlicher Anstrengungen eine enorme geistige Erholung bringt. Wie das funktioniert? Dazu habe ich zwei Theorien.

  1. Das Hirn hat während der Tage in der Natur weit weniger Eindrücke zu verarbeiten und das Erleben ist sehr auf den Moment und die Körperaktivitäten bezogen. Da bleibt nicht viel Raum für das alltägliche Umherschwirren in Zukunft und Vergangenheit des eigenen Lebens und der Weltgeschichte. Und es fällt auf, wie viel Energie dieses Umherschwirren eigentlich verbraucht. Das Draußensein und die körperliche Aktivität sorgen eindeutig für weniger Gedankensalat und mehr gegenwärtige Wahrnehmung. Und das ist ein ziemlich erholsamer Zustand, dessen wohltuende Wirkungen noch Wochen später zu spüren sind.
  2. Die in Mitteleuropa nicht zu habende, weiträumige Abwesenheit von Stromleitungen, Handymasten, W-Lans, mobilem Internet, Straßen und Fluglärm ist ebenfalls purer Wellnessurlaub für Hirn und Nerven. Den „Skeptikern“, denen das zu „esoterisch“ klingt, kann ich nur empfehlen, es einfach mal selbst zu probieren :-)

Praktische Infos

Anreise, Kosten

Von Oslo aus fährt u.a. das Unternehmen Nor-Way mit der Linie Valdresekspressen im Sommer mehrmals täglich nach Gjendesheim im Osten, Lom und Leirvassbu im Norden und, mit umsteigen, Øvre Årdal im Westen.

Für Busse, Bahnen, Essen und Unterkünfte legt man im Schnitt etwa das Doppelte der in Deutschland gewohnten Preise auf den Tisch. Ein Vorratseinkauf in einer billigen Supermarktkette wie „Rema 1000“ kostet etwa soviel wie ein Alnatura-Einkauf hierzulande.

Jotunheimen ist großteils Nationalpark, kostet aber keinen Eintritt. Das Jedermannsrecht mit legalem Frei-Zelten gilt meines Wissens nach auch im Nationalpark überall.

Übernachten: Hütten, Camping, Wild zelten

Es gibt genügend Hütten, um theoretisch das ganze Gebirge mit einem leichten Tagesrucksack zu durchqueren. Angesichts von um die Hundert Euro pro Tag, die der Spaß auf diese Weise kosten dürfte, ist das volle Naturerlebnis beim Zelten vielleicht doch schöner. Ich umkurvte die norwegischen Preise mithilfe eines prall gefüllten Vorratsbeutels und perfekten Wetters. Letzteres machte es einfach, das freie Zeltens voll auszukosten. Normalerweise zeigt sich das Wetter nicht so gnädig. Dann dürfte es sinnvoll sein, teils zu zelten und teils die Hütten zu nutzen.

Wege und Gelände

Die „Widerspenstigkeit“ des Terrains ist einer der Faktoren, die ich unterschätzt hatte. Ein Großteil der hier vorgeschlagenen Tour ist auf Wegen zurückzulegen, die mit Steinen in allen Größen gespickt sind. Hinzu kommen jede Menge kleiner Wasserläufe und Schlammpassagen. Was wie eine schöne Wiese zum Zelten aussieht, entpuppt sich nicht selten als Sumpf. Längere Passagen auf komfortablen Wanderpfaden gibt es nach meinem Eindruck im Osten Jotunheimens häufiger als im Westen. Auch Infrastruktur und Frequentierung zeigen ein „Ost-West Gefälle“ (nach Osten zunehmend).

Wasser, Verpflegung

Wasser ist überall in trinkbarer Qualität vorhanden. Ich hatte eine Halbliterflasche am Rucksack, die ich immer wieder an Gewässern nachfüllte. Bei Gipfeltouren sollte man etwas mehr Wasservorrat dabei haben.

In den bewirteten Hütten werden warme Mahlzeiten angeboten. Das Angebot an Verpflegung für unterwegs scheint sich auf Knabberzeug und Süßigkeiten zu beschränken.

Wetter/Klima, „beste“ Jahreszeit

Hauptsaison ist natürlich der kurze Sommer im Juli und August. Auf den Hochflächen und in den Hochtälern kann es jederzeit ungemütlich werden, denn es gibt kaum Schutz vor den Elementen. Also auch nicht vor der Sonne, die sich bei meiner Tour als echte Herausforderung entpuppte.

Auch in der Waldzone bieten die kleinen Bäume nicht allzu viel Schutz. Sie stehen auch oft eng beieinander, auf sumpfigem und unebenem Boden.

Ausrüstung

Ich nenne hier keine Komplettliste der Trekking-Standards, sondern nur einige Besonderheiten, die man womöglich nicht auf der Rechnung hat:

Sonnencreme: normalerweise Sonnencrememuffel habe ich in Norwegen binnen 5 Tagen an die 100 ml verbraucht. Und fühlte mich mit Faktor 20 grenzwertig niedrig versorgt.

Wasserfeste Sandalen/Crocs: Wasserläufe sind oft zu queren. Im komplexen Gelände ohne erkennbaren Weg kann das Waten zeitsparender sein als die Suche nach der trockenen Fußes querbaren Stelle.

Stabile, atmungsaktive und wasserfeste Bergschuhe, die fest am Fuß sitzen, sind kein Luxus, sondern Pflicht.

Spezial-Ultrageheimtipp: Auf 61° nördlicher Breite wird es Ende Juli die ganze Nacht nicht richtig dunkel. Das kann einen lichtempfindlichen Schläfer zum Wahnsinn treiben. Die Schlafmaske vom DM für Zweifünfundvierzig war womöglich mein wichtigster Ausrüstungsgegenstand.

Orientierung, Karten

„Schnell mal online checken“ ist nicht, da wie gesagt weder Handyempfang noch mobiles Internet. Was auch gut so ist.

Der ganze hier beschriebene Weg ist durchgängig markiert. Einen klar erkennbaren Pfad hat man jedoch nur bei weichem Untergrund. Die meiste Zeit verbringt man in schrofigem und steinigem Gelände, das sich auch gern mal zu kleinen Labyrinthen aus Hügeln auffaltet. Da ist der Wegverlauf dann nicht mehr offensichtlich und es kann etwas dauern, bis man die nächste Markierung entdeckt.

Da meine Jotunheimen Tour eine Kurzfristentscheidung war, hatte ich nur noch Zeit für ein paar abfotografierte Kartenausschnitte aus der Website norgeskart.no. Diese etwa zehn Karten-Fotos lösten für Details im Gelände natürlich viel zu schlecht auf und wären für eine Navigation bei schlechtem Wetter völlig unzureichend gewesen. Besser ist da schon die hier bei den Bergfreunden erhältliche Satmap Norwegen. Idealerweise greift man auf die guten alten Papierkarten zurück, von denen es für Jotunheimen reichlich Auswahl in guter Qualität gibt.

Sicherheit

Wie man unnötige Risiken im Fjell vermeidet, kann man hier bei Visit Norway nachlesen. Wer allein gehen und es noch etwas fundierter wissen möchte, findet hier im Basislager einen Artikel über die Notfallvorsorge auf Solotouren.

Unter den vielen Blogs, die es zu Touren in Jotunheimen gibt, fand ich den Touren-Wegweiser mit seinen vielen praktischen Tipps besonders informativ.

So, damit sollte das pralle und hoffentlich kurzweilige Jotunheimen-Infopaket fertig geschnürt sein. Wenn du Lust bekommen hast, dort selbst herumzustreifen, sehen wir uns vielleicht in einem der nächsten Sommer dort. Denn ich muss mindestens noch einmal dorthin …

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