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Badezimmer, W-Lan, Daunenduvets: ein Plädoyer gegen die Hotel-Hütten

12. Juni 2019
Die Bergfreunde

Folgendes liest man mittlerweile in allen Medien: Wir müssen Ressourcen schonen und Energie effizienter nutzen. Wir müssen „nachhaltig“ und „ganzheitlich“ denken und wir müssen „achtsamer“ mit „Mutter Erde“ umgehen. Wir müssen unseren Müll reduzieren und unsere Konsumgewohnheiten ändern.

Dann liest man aber auch Folgendes: Wir müssen die Hütten der Alpen mit Hotelkomfort ausstatten. Ja gut, vielleicht werden dadurch ein bisschen mehr Energie und Ressourcen verbraucht, mehr Müll und Abwasser erzeugt, das konsumistische Anspruchsdenken im Bergtourismus bestärkt und vermutlich auch für mehr Verkehrsaufkommen in den Alpen gesorgt. Aber wir müssen nun mal auf veränderte Bedürfnisse reagieren und dürfen uns nicht starrsinnig dem Lauf der Zeit verschließen.

Die Menschen benötigen heute ein eigenes Zimmer, eine durchgängig erhältliche Speisekarte, Duschen, jederzeit warmes Wasser und einwandfreies Internet. Wir dürfen schon aus gesundheitlichen Gründen niemandem mehr diese unhygienischen Filzdecken zumuten und müssen sie durch kuschelige Daunenduvets ersetzen, die für jeden Gast gewechselt und gewaschen werden. Kurz und gut: dass wir erneuern und ausbauen bis die Schwarte kracht und dabei natürlich auch das Preisniveau der Hütten an den Hotelstandard anpassen ist alternativlos.

Was ist besser an den neuen Hütten?

Nun, die frisch geduschten und vom glutenfreien Menü gestärkten Influencer können jetzt endlich ohne Zeitverlust den wartenden Followern ihre neuesten Berg-Selfies servieren. Und ihren schon mit den Hufen scharrenden Bloglesern diese Supergeheimtipp-Insidertour quasi live vor Ort posten.

Okay, okay, das war natürlich nur die polemische Zuspitzung eines Nörglers. Die Gäste brauchen den Luxus und die Netzabdeckung allein schon aus Sicherheitsgründen. Der Wetterbericht muss geprüft, die Lawinenlage sondiert und die Tour geplant werden. So etwas ist heute wegen Zeitmangels nicht mehr vom Tal oder von zuhause aus möglich. Abgesehen davon, dass solche „Steinzeitmethoden“ unpräzise und unverantwortlich waren: es kommt am Berg auf Meter, auf Minuten, auf Echtzeit und auf Milliliter pro Quadratmeter an. Ach so, und die nächste Hütte muss ja auch noch gebucht werden. Das geht bald nämlich auch nur noch online. Willkommen im Hochgebirge 2.0!

Wo liegt das Problem mit den neuen Hütten?

So, das Intro ist vermutlich doch wieder polemischer geraten als erlaubt. Ich verspreche aber, dass ab jetzt seriöse Sachlichkeit waltet. Also, ganz sachlich, worin sehe ich das Problem der schönen neuen Hüttenwelt? Mir scheint es weniger in der wohl eher überschaubaren Umweltmehrbelastung zu liegen. Dass die Monte Rosa Hütte ihre steigenden Abwassermengen einfach in die Natur ableitet, wird nicht zur Katastrophe führen. Und mit etwas „grüner Technologie“ wird man das auch sicher schnell in den Griff kriegen.

Das Problem dürfte eher die Denke hinter diesem neuen Luxusimperativ sein: die ist nämlich von einem ständigen Steigerungs-, Update- und Optimierungseifer beherrscht, der mittlerweile zum Selbstzweck geworden scheint und nicht mehr weit weg ist von diesem alten Eroberungs- und Kontrolleifer. Und das Bequem-konsumieren-wollen der Berge ist ziemlich nah dran an diesem früheren Herrschen-wollen über sie. Hier kommen Dinge wieder hoch, die man längst meinte abgelegt zu haben. Klingt vielleicht nach steiler These, doch es wird gleich noch mit Beispielen untermauert.

Jedenfalls ist die aktuelle Hüttenentwicklung nicht so innovativ, wie sie gern dargestellt wird. Im Gegenteil, gerade umgekehrt wäre es mal etwas wirklich Neues: eine freiwillige Selbstbeschränkung nämlich, die zur Abwechslung mal nicht dem Machbarkeitsdrang nachgibt. Aus Respekt gegenüber den Bergen. Das hieße, man belässt es bei einfacheren Hütten mit geringerem Komfortstandard und möglichst wenig Stahl und Beton. Solche Hütten lassen nämlich einen Rest von direktem Kontakt mit der Natur und vermitteln so auch mehr Respekt.

Die „neuen Hütten“ verstärken eher die Entfremdung und bauen den Respekt weiter ab. Vor allem bei den jungen Menschen, die mangels Vergleich zu früheren Zeiten gar nicht wissen können, was ihnen entgeht. Ihnen nimmt man damit auch eine weitere Möglichkeit, mal unkonfektionierte Erfahrungen und Erlebnisse zu haben. Anschließend wundert man sich, dass sie den Wert von unverbauter Natur nicht erkennen können …

Die vollvernetzte Zivilisationsblase, in der alles reguliert, nummeriert, planbar und vorhersagbar ist – die schiebt man mit den Hüttenhotels weiter in die Alpen hinein. Man muss mittlerweile schon wirklich gut recherchieren oder sehr weit laufen, um noch „wilde Erlebnisräume“ zu finden. Nicht mehr lange und man wird „wilde Hütten“ nur noch mit aktiver Recherche und speziellen Führern wie dem von Mountain Wilderness finden.

Dass in diesem Führer gerade einmal 20 Stück unter den vielen Hundert Alpenvereinshütten vorgestellt sind, dürfte übrigens ein indirekter Hinweis sein, dass die Modernisierungswelle nicht punktuell, nicht geplant und nicht sinnvoll abgestuft über die Alpen rollt, sondern einfach vollgas und auf Teufel komm raus. (Oder weiß jemand etwas von einem Plan oder Konzept dahinter? Ich konnte bei der Artikelrecherche nichts entsprechendes finden).

Wie denken die „Fortschrittsfreunde“?

Ein extremes, aber vielleicht gar nicht so seltenes Beispiel für „Touristikerdenke“ dürfte Thomas Auer, Wirt der zum Hotel upgedateten Höllentalangerhütte, sein. Auer ist der Meinung, die Berge seien „dafür da, dass sie dem Menschen dienen.“ Das klingt aber statt nach Fortschritt eher nach Altem Testament. Auch da war die Natur idealerweise des Menschen Untertan.

Allerdings kann man den Hüttenwirten die Befürwortung der Modernisierung am wenigsten vorwerfen. Sie können mit dem aktuellen Finanzierungsmodell nichts an den bloßen Übernachtungen der Gäste verdienen und sind so quasi gezwungen, möglichst viel touristisches Programm zu veranstalten, wenn sie von der Hüttenbewirtschaftung leben wollen.

Es gibt aber auch Fortschrittfans, für die jeder, der die Entwicklung nicht bejubelt, ein spießiger „Giebeldachtraditionalist“ und „Geranienromantiker“ ist. So geschrieben hier in der Süddeutschen in einer Hymne auf das neue Seethalerhaus am Dachstein. Der Artikel preist dessen überlegene Technik und kanzelt die verfallene alte, kleine und einfache Vorgängerhütte als unzulänglich, kümmerlich und erbärmlich ab. Man feiert die „Umweltfreundlichkeit“ der hochkomplexen neuen Hüttentechnologie mit Miniblockheizkraftwerk, Brauchwasser-Tanklagern und Photovoltaikanlagen und vergisst dabei, dass der ganze Hightech-Aufwand ohne die konsumistische Anspruchshaltung gar nicht nötig wäre. Es passt zu diesem „Ökotempel“, dass sein Unterboden als Antwort auf den schwindenden Permafrost mit Beton verschlossen wurde.

Auch wenn er jetzt in grün daherkommt, hat der Technozentrismus nach wie vor die alte Neigung zu Überheblichkeit und Selbstüberschätzung. Und ist nicht gerade diese Technikeuphorie irgendwie „von vorgestern“? Hat nicht gerade sie die Umweltprobleme mit verursacht, die man jetzt mit all dem Aufwand zu lösen meint?

Bitte das nun nicht als Technikfeindlichkeit verstehen. Technologie hat ihren sehr berechtigten Platz in vielen Bereichen und sollte auch stets weiterentwickelt werden. Aber eben nicht überall. Es müssen nicht die hintersten Winkel der Berge als Bühne für Großtaten von Ingenieuren und Architekten dienen. Dafür ist doch im „zivilisierten“ Rest der Welt genug Platz.

Die „neuen Bedürfnisse der Gäste“: Woher kommen die eigentlich?

Wenn der „Hotelausbau“ begründet wird, ist von einem „veränderten Anspruchsprofil der Gäste“, dem man „gerecht werden muss“ die Rede. Es ist das Hauptargument in dieser Sache. Es ist aber alles andere als neu: mit „unabwendbaren“ Bedürfnissen und Entwicklungen wurden Erschließungs- und Bauprojekte in den Alpen seit eh und je begründet. Neu ist nur, dass in der Hüttencausa auch die Alpenvereine in den Chor einstimmen. Beim Schweizer Alpenclub beruft man sich auf Umfragen, nach denen sich 57 Prozent der Wanderer wünschen, auch in der SAC-Hütte im Internet surfen zu können.

Das sind zwar Viele, aber die absolute Mehrheit ist das bei weitem nicht. Außerdem sollten wir doch als Kinder gelernt haben, dass nicht jeder Wunsch immer erfüllt werden kann oder muss.

Es sind auch keineswegs alle Hüttenwirte begeistert von den neuen Hotelhütten. Susanne Brand, Hüttenwartin der Gaulihütte im Berner Oberland, ist im Interview mit dem Schweizer SRF der Meinung, die Hütten des Schweizer Alpenclubs böten „heute einen Service, welcher die Gäste anspruchsvoller – und eben auch egoistischer machen würde.

Man achte auf das Wörtchen machen. Es widerspricht der herrschenden These, die neuen Hüttengäste seien a priori anspruchsvoller und man müsse sich dem eben anpassen. Erweist sich diese Alternativlosigkeit am Ende noch als Eigenkreation? Ist es gar erst der Ausbau der Hüttenstruktur, der die Gäste anspruchsvoller macht und eine zunehmend verwöhnte Klientel in die Berge lockt? Beim SRF scheint man das jedenfalls so zu sehen:

Mit der Modernisierung der Hütteninfrastrukturen verändert sich auch die Gästestruktur. Immer mehr Wandergruppen wählen gut erreichbare Hütten als Endziel ihrer Tour und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Moralische Trümpfe: das Sicherheitsargument und die Demokratisierung der Berge

Doch keine Sorge, selbst wenn sich die gottgegebene Nachfrageänderung als Luftnummer erweist, bleiben immer noch die „Sicherheit“ als Argument. Sie wird vor allem dann bemüht, wenn Wege betoniert und verdrahtet oder spektakuläre Hängebrücken quer über schmelzende Gletscherzungen gezogen werden. Denn wegen der schmelzenden Gletscher und dem tauenden Permafrost ist das Berggelände an vielen Stellen schwieriger und gefährlicher geworden. Ganz richtig, doch ist das ein Argument dafür, dieses Berggelände im Sinne tourismusgerechter Sicherheit umzugestalten? Der Mensch könnte sich doch auch an die Veränderungen des Gebirges anpassen, anstatt das Gebirge mit Stahl und Beton anzupassen. Dann gäbe es in manchen Gebieten eben ein paar weniger Hütten. Es würden dann trotzdem immer noch genügend Orte übrig bleiben, an denen anspruchsvollere Gäste die Bergwelt ohne zu große Anstrengungen und „Entbehrungen“ genießen könnten.

Die ständigen Ausbauten hingegen ziehen, vor allem durch spektakuläre Facebook- und Instagramfotos, weitere Menschenmassen in Berggelände, welches unverbaut ein gewisses Maß an Erfahrung und Können erfordern würde. Weitere „notwendige“ Verbauungen sind da nur eine Frage der Zeit. Und jetzt kommt die Moral-Trumpfkarte: wer kann denn bitte schön gegen die Sicherheit von Bergtouristen sein?

Bergromantiker, Mountain Wilderness und andere Spaßbremsen

Schauen wir noch kurz auf die (wenigen?) Gegner der schönen neuen Hüttenwelt. Sind diese „Bergromantiker“ nicht naive Traumtänzer von vorgestern? Oder elitäre Eigenbrötler, die die Berge exklusiv für sich haben wollen? Was ist sie denn wirklich, diese ominöse Bergromantik?

Genau weiß ich das auch nicht, aber meiner Meinung nach ist sie eine Stimmung, die in den Bergen aus der Schönheit und einem gewissen Gefühl von Abgeschiedenheit entsteht. Es ist das Gefühl von Abenteuer und von „aus der Zeit herausgehoben sein“. Sie kann allerdings nur entstehen, wenn Alltag und Zivilisation in eine gewisse Entfernung gerückt sind.

Auf den Hütten entsteht durch sie auch ein gewisses Gemeinschaftsgefühl, eine gegenseitige Rücksichtnahme und eine besondere Atmosphäre, in der man schnell ins Gespräch kommen kann. Diese Dinge gehen mit dem Konsumismus und der Fixierung aufs Smartphone ganz sicher „flöten“. Einfach weil die Hüttengäste „dank“ gewohntem Komfort und gewohntem Aktivitätsmuster in der Zivilisationsblase mit ihrem mentalen Alltagszustand bleiben.

So in etwa scheint das auch Gotlind Blechschmidt vom Verein Mountain Wilderness zu sehen:

Wir wollen in den Bergen abseits leben vom Normalen. Das Normale haben wir ja zu Hause. Wir haben Duschen, wir haben alles. Aber die Entspannung und wirklichen Urlaub, das empfindet man nur, wenn man anders lebt.

„Entspannung“ und „Urlaub“ wären demnach nicht unbedingt mit „Full Service rund um die Uhr“ gleichzusetzen …

Ein Kompromiss?

Es ist nichts prinzipiell gegen komfortable Urlaubsmöglichkeiten in den Bergen einzuwenden. Es ist aber falsch, die vom Tal gewohnte Bequemlichkeit flächendeckend bis in die oberen Etagen des Hochgebirges einzuführen. Auch wenn man das mit edlen Motiven wie Umweltschutz, Sicherheit oder „Demokratisierung“ des Bergerlebnisses begründet.

Man sollte den Ausbau auf Hütten beschränken, die sich in den stärker frequentierten und erschlossenen Gebieten befinden. Sonst zieht der flächendeckende Ausbau eine weniger bergaffine, dafür aber zahlungskräftigere Klientel in immer abgelegenere und höhere Naturräume. Man sollte vielleicht auch das Bezahlmodell der Hüttenwirte überdenken.

Oder gleich die Problemlösung

Wie gesagt sollen ja die Hüttengäste von heute wie selbstverständlich davon ausgehen, dass hoch oben am Berg das gleiche Komfortniveau herrscht wie im Tal. Doch wenn es eher umgekehrt wäre und das Anspruchsdenken erst mit dem immer luxuriöseren Infrastrukturausbau samt dessen ständiger Promotion erst so richtig hochgezüchtet wird? Dann könnte man doch mit etwas  realitätsbezogener Gegenaufklärung an Ort und Stelle des Geschehens relativ einfach gegensteuern.  Man bräuchte nur große, signalfarbene Warnschilder an den Seilbahntalstationen und Parkplätzen aufzustellen.

War das jetzt schon wieder polemisch? Gut, vielleicht ein bisschen. Aber es gibt ja auch Schilder, die vor dem Betreten von Gletschern mit High Heels oder vor Absturzgefahr bei Selfies warnen. Da denkt man doch auch erstmal, das sei Satire …

Testbericht: Jan testet die Hoka Sky Kaha Wanderschuhe

12. Juni 2019
Ausrüstung

„Ursprünglich wollten wir eigentlich nur die Zeiten bei Ausdauerläufen verbessern und einen Schuh entwickeln, mit dem man bergab schneller vorankommt“ („Der Laufschuh – wie neu erfunden!“, online unter: hokaoneone.eu/de). Doch Moment mal, wie passt diese Aussage zur Firmenphilosophie von Hoka One One mit einem Testbericht zu einem Wanderschuh zusammen?

Bergfreund Jan hat es für euch herausgefunden und seine Füße im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geworfen. Zum Testen gab es mit dem Sky Kaha einen hochmodernen Schuh im futuristischen Design, der Maßstäbe setzt in puncto Gewicht und Dämpfung.

Die technischen Details im Überblick

Bei dem Sky Kaha handelt es sich zunächst einmal um einen knöchelhohen Wanderschuh mit einem Obermaterial aus glattem Nubukleder sowie einer wasserdichten eVent-Membran. Sein auffälligstes Merkmal ist die supergedämpfte Zwischensohle aus besonders leichtem, reaktionsfähigem Material. Diese soll für ein butterweiches Geh- und Abrollverhalten sorgen.

Zusammen mit der Vibram Mega-Grip Laufsohle und multidirektionalen Stollen sorgt diese Kombination für optimalen Grip in anspruchsvollem und vielfältigem Gelände. Wie man sieht, haben sich die Produktentwickler hier ihre Gedanken gemacht und das Beste aus ihren Erfahrungen mit Lauf- und Trailschuhen in den Sky Kaha mit einfließen lassen.

Wie sich das ganze System nun in der Praxis bewährt, haben wir auf knapp 100 Kilometern Wegstrecke auf unterschiedlichstem Terrain, bei guter wie schlechter Witterung getestet.

Ein Schuss ins Blaue – der erste Eindruck

Zugegeben, ich habe zuvor nie einen (Lauf)schuh von Hoka One One an den Füßen gehabt. Bekannt sind sie jedoch vor allem unter Ultramarathon-Läufern. Und was in diesem anspruchsvollen Segment zu überzeugen weiß, kann für den Otto-Normal-Wanderer nicht so schlecht sein, oder?

Die ersten Kommentare, die ich mir jedenfalls zum Sky Kaha anhören durfte, bezogen sich natürlich auf sein Design. Die – salopp formuliert – richtig fette Zwischensohle zieht nicht nur die Blicke auf sich, sie tut auch genau das, was sie soll: Dämpfen! So bin ich den Schuh, ohne ihn Einzulaufen, gleich mal auf einer Tageswanderung non Stop durchgelaufen und kam mir ein bisschen vor, wie auf Wolke 7.

Nicht nur die Dämpfung ist überzeugend, auch sein Abrollverhalten fühlt sich überaus geschmeidig an. Ich hatte keine Probleme mit Ermüdung, Druckstellen oder dergleichen, sodass mein Erster Eindruck überaus positiv ausfällt (noch ein Hinweis dazu: bei EU-Straßenschuhgröße 42, trage ich den Sky Kaha in US 8,5 ).

Um dem Test nun etwas zusätzlichen Anspruch zu verleihen, bin ich ein paar Minuten lang durch einen kleinen Bachlauf gestapft. Das Wasser reichte dabei bis knapp unter die Anziehschlaufe, um zu prüfen, dass der Schuh auch wirklich dicht ist (vor allem im Bereich der Zunge). Und siehe da, die wasserdichte Membran macht ihrem Namen alle Ehre. Der Fuß bleibt schön trocken und das Obermaterial war kurz drauf ebenfalls wieder komplett luftgetrocknet.

Ein Leichtgewicht – auch, oder vor allem für längere Distanzen

Was dem Wanderschuh zu Gute kommt, und das fällt einem schon bei der ersten Anprobe auf, ist sein geringes Gewicht. Knappe 510 Gramm bringt der einzelne Schuh (je nach Größe) auf die Waage, was für einen knöchelhohen Vertreter seiner Zunft richtig wenig ist. Und das spürt man: Auf unserer zweiten Tour über 26 km und 750 Höhenmeter durchs wunderschöne Sauerland hatte ich keinerlei Ermüdungserscheinungen. Selbst abends am gemütlichen Kaminfeuer in der Jagdhütte eines Freundes kamen mir meine Füße nicht so vor, als wenn ich den halben Tag auf Achse gewesen wäre.

Im Gegenteil, wenn ich Distanz und Gehzeit mit meinen üblichen Wanderschuhen namhafter Hersteller vergleiche, wage ich sogar zu behaupten, fühlen sich die Füße ein Stück weit frischer an. Das ist so ein ganz subjektives Gefühl. Auch wenn es sich keineswegs um eine übermäßig anspruchsvolle Wanderung handelt, so lassen sich doch kleine, aber feine Unterschiede feststellen. Bevor es an dieser Stelle jedoch allzu philosophisch wird, kurzum: Ich kann mir sehr gut vorstellen, den Sky Kaha auch auf längeren, mehrtägigen leichten Bergwanderungen zu tragen.

Fazit

Hoka One One hält mit dem Sky Kaha sein Versprechen: Ein enorm leichter, überaus bequemer Wanderschuh für eine Vielzahl von Einsatzbereichen – ganz egal, ob Hüttentour, Tageswanderungen im Mittelgbirge, oder mehrtägige Trekkingtouren. Angefangen bei seinem guten Grip (auch auf nassem Untergrund, Wiesen und Geröll), über die Stabilität im Knöchelbereich, bis hin zu seinem phänomenalem Dämpfungs- und Abrollverhalten. Über das Design mögen sich letztlich die Geister streiten, wer Wert auf überzeugende Funktionalität und unbedingten Komfort legt, ist mit dem Sky Kaha bestens bedient!

OMM – Original Mountain Marathon

23. Mai 2019
Die Bergfreunde

Ein lange Strecke, zwei Tage Zeit. Nur mit Karte und Kompass und vollkommen autark. Allein dein Partner ist als Support bei dir. Gefällt dir auf Anhieb? Dann freuen wir uns, dir den Original Mountain Marathon vorstellen zu dürfen. Der findet am 31.08. und 01.09.2019 wieder in der Lenzerheide in der Schweiz statt und ist ein Format, das es im deutschsprachigen Raum noch eher selten gibt. Das zweitägige Berg-Abenteuer stellt nämlich ganz besondere Anforderungen an Mensch und Material.

Apropos Material. Das liefert OMM (Original Mountain Marathon) gleich selbst. Du bist jetzt verwirrt? Geht es hier um eine Outdoor-Marke oder ein Event? Keine Angst, wir schaffen Klarheit!

OMM ist… ein Event

Zum einen ist OMM tatsächlich das, was wir eingangs beschrieben haben. Ein außergewöhnliches Berg-Event. Das Ziel ist es, möglichst viele Checkpoints abzulaufen und zwar in einer vorgegebenen Zeit. Nach Ablauf sollte man in der Camping-Area sein, in dem man das mitgeschleppte Zelt aufbaut, um zu nächtigen. Am zweiten Tag muss man es dann ’nur‘ noch vor dem Cut-Off ins Ziel schaffen. Klingt erstmal einfach, oder?

Nun, man muss aber auch mitdenken und planen, da der Kurs nicht vorgegeben ist und es keine Verpflegungsstellen unterwegs gibt. Es gibt lediglich eine Karte, auf der die Checkpoints verzeichnet sind. Das Team bestehend aus zwei Läufern muss sich also seinen Weg selbst bahnen und sämtliche Nahrungsmittel, auch für das Abendessen, dabeihaben. Als weitere Challenge kommt je nach Kurswahl hinzu, dass die Strecken nicht immer kurz und durchaus anspruchsvoll sind – eine gute Kondition ist also Pflicht und es sollte auch nicht das erste Mal sein, dass man die Berge von Nahem sieht.

Je nach dem, wo eure Stärken als Team liegen, könnt ihr euch zwei Wertungen auf jeweils zwei Strecken aussuchen:

  • Zeitwertung auf 55 bzw. 38 km

Hier geht es darum, alle Kontrollposten zwischen Start und Ziel in der richtigen Reihenfolge abzulaufen. Gewinner ist das Team, das dafür am wenigsten Zeit braucht. Dementsprechend solltet ihr hier in Sachen Kondition und Navigieren gut drauf sein!

  • Punktewertung mit Soft-Cut-Off

Liegt die Stärke eures Teams eher im Strategischen, solltet ihr diese Wertung wählen. In einer fest vorgegebenen Zeit müsst ihr beliebig viele Kontrollpunkte anlaufen und dadurch Punkte sammeln. Wer am meisten Punkte sammelt, gewinnt. So einfach ist das… oder auch nicht! Denn wer die Zeit überschreitet, der bekommt Punktabzug. Und zwar pro angefangener Minute gleich Zwei.

Damit sich kein Team an ein anderes dran hängt, gibt es Startzeiten. Dadurch werden zumindest am Start für alle die gleichen Bedingungen geschaffen. An den Checkpoints muss sich das Team mit einem Chip registrieren. Nur so kann eine Wertung erfolgen.

Der OMM findet zum ersten Mal in der Lenzerheide statt. Allerdings schon zum 52. Mal in Großbritannien, denn da kommt die Rennserie ursprünglich her. Dort hat das Event eine deutlich längere Tradition als bei uns und beinhaltet auch Trail- und Fellrunning.

Die Anforderungen ans Equipment sind aber immer die gleichen: Fürs Campen und Laufen muss jeder Athlet alles dabei haben. Zusätzlich noch Verpflegung und Notfallset. Alleine 21 Posten umfasst die offizielle Packliste! Gar nicht so leicht, das alles zusammen zu bekommen. Das hat sich vermutlich auch OMM gedacht und bietet – wie eingangs erwähnt – das passende Equipment gleich selbst an!

OMM ist… eine Marke

Und die ist, wie zu erwarten, vor allem auf Leichtigkeit getrimmt. Denn darauf kommt es an, wenn man schnell und galant durch die Berge laufen oder rennen möchte. Wer mit 2o kg Gepäck startet, hat vermutlich eher schlechte Karten. Haha, Karten… wegen Orientierung und so. Ach, lassen wir das. Zurück zur Ausrüstung.

OMM bietet von der Trinkflasche bis hin zum ulraleichten, wasserabweisenden Schlafsack alles, was man für kurzweilige Abenteuer in den Bergen braucht. Ein besonderes Highlight ist der Mountain Raid Pa 1.0 Kunstfaserschlafsack.  Der lässt sich nämlich mit der dazugehörigen Jacke zu einem Schlafsacksystem umbauen, so dass man im Zweifel nur den Fußteil des Schlafsacks mitschleppen muss. Die Jacke hat man ja sowieso dabei.

Die Bekleidung richtet sich im Groben an Trailrunner und Bergläufer. Leichtigkeit und Atmungsaktivität sind bei der Konzeption die treibenden Kräfte. OMM setzt auf ausgewählte Technologien und Materialien, z.B. Point-Zero, Kamleika oder Primaloft, je nach Verwendungszweck.

Sehr ausführlich ist die Produktpalette außerdem bei Rucksäcken. Zwischen Hüfttaschen um die die 3 L bis hin zu großen und leichten Daypacks mit 32 Litern gibt es hier alles, was das Ultralight-Herz begehrt. Außerdem gibt es zahlreiches Zubehör, mit dem sich die Tragesysteme erweitern lassen. Z.B. der Chestpod, der wie der Name schon sagt, einfach vor der Brust getragen wird oder der Compressor-Pod, der über Kompressionsriemen am Rucksack befestigt werden kann und 5 Liter mehr Stauraum bringt.

Ein derart modulares System ist natürlich ideal, um sich auf alle Eventualitäten einzustellen. Bei gutem Wetter lässt man die dicke Isolationsjacke zuhause, sieht’s eher nach einem kalten Abenteuer aus, schnallt man sich die eben mit einem kleinen Zusatz-Pod an den Rucksack. Easy.

OMM ist… was für dich?

Wenn du immer noch begeistert von der ganzen Geschichte bist, dann können wir dich nur ermuntern, das Abenteuer OMM einmal auszuprobieren. Alle relevanten Infos… ach was, die hast du ja jetzt schon! Hier geht’s zur Anmeldung. Also schnapp dir noch einen Partner und legt los. Wir Bergfreunde sind übrigens auch mit einem Team am Start und versuchen’s mal mit dem navigieren. Wir sind schon ziemlich gespannt!

Testbericht: Mountain Equipment Gandiva

21. Mai 2019
Ausrüstung

Hope for the best, prepare for the worst – ein Sprichwort, welches nicht nur im Bergsport seine Berechtigung hat. Es trifft gleichermaßen auf die Gandiva Jacket aus dem Hause Mountain Equipment zu. Warum? Das erfahrt ihr in unserem Kurztest. Bergfreund Jan konnte seine Hände natürlich kaum von der ultraleichten Gore-Tex Paclite Plus Jacke lassen und kommt zu einem überaus positiven Fazit.

Hands on: Material und Funktion

Wie schon erwähnt: Bei der Gandiva Jacket kommt Gore’s ultraleichtes Paclite Plus zum Einsatz. Und das spürt man in jeder Hinsicht. Das Material ist richtig leicht. Zwar raschelt es, was dem einen oder anderen Leisetreter missfallen wird, dafür wiegt die ganze Jacke gerade einmal 240 Gramm. So zumindest die offizielle Angabe. Ich hab‘ die Jacke also in Größe M erst einmal auf die Küchenwaage gelegt. Das Ergebnis: 245 Gramm. Man kann dem Hersteller zunächst einmal glauben. Doch hält das Material auch, was es verspricht? Gore-Tex „garantiert dauerhaften Schutz vor Regen, Wind und mehr – in einer extrem atmungsaktiven Jacke, die ultraleicht und sehr klein packbar ist.“

Zumindest die letzten beiden Punkte kann ich bis hierher abhaken. Zusammengerollt kaum größer als eine durchschnittliche Honigmelone, passt sie für den Notfall in so ziemlich jeden Wander- oder Tourenrucksack. Soweit so gut. Was einem darüber hinaus auffällt: getapte Nähte, stark wasserabweisende AquaGuard-Reißverschlüsse (sowohl am Front-RV als auch den beiden Taschen, dazu jedoch später mehr) sowie eine großzügige, da helmtaugliche (und verstellbare) Kapuze. Hinzu kommt ein zweiteiliger Saumzug, um die Jacke vor dem Eindringen von Wind zu schützen.

Doch kommen wir zur eigentlichen Kernkompetenz der 2,5-lagigen Gandiva Jacket: sie ist absolut wind- und wasserdicht (mit einer Wassersäule von mind. 28.000 mm). Wer einmal einen früh-sommerlichen Regenschauer mit ihr Überstanden hat, wird wissen: Mountain Equipment hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Atmungsaktivität der Jacke lässt sich dabei mit einem RET-Wert < 4,5 als schlichtweg hervorragend bezeichnen. Die Membran wird dazu direkt mit dem Außenmaterial verbunden. Die Innenseite ist Carbon-beschichtet und verleiht dem Laminat seine Stabilität. High-Tech in seiner minimalistischsten Form.

Zum Thema Wasserdichtigkeit der Taschen: Auch wenn das Material selbst uneingeschränkt als wasserdicht zu bezeichnen ist, Reißverschlüsse sind dies nie. Darauf weist der Hersteller mit einem Papiereinleger auch explizit hin. In der sogenannten Pocket Advice steht geschrieben, dass es trotz der Verwendung fortschrittlichster Technologien unmöglich ist, jegliches Restrisiko des Eindringens von Wasser vollständig zu reduzieren. Wer beispielsweise Elektronik zu 100% vor Wasser schützen möchte, sollte dies durch die Verwendung eines separaten, wasserdichten Packsackes tun. Und dies gilt bis zum heutigen Tage (im Mai 2019) für jede mir bekannte Jackenkonstruktion.

Einsatzbereich und Fazit

Man mag es zwischen den Zeilen bereits herausgelesen haben: Ich habe eine neue Lieblingsjacke! Und das nicht nur für den feuchtfröhlichen (Wander-)Notfall; denn um ihr Dasein einzig und allein im Rucksack zu fristen, ist die Jacke in ihrer schlichten Eleganz viel zu schade. Dennoch: Wer ein Backup für Bergtouren sucht, ist mit der Gandiva Jacket bestens bedient. Wer Wert auf technische Features, wie die helmtaugliche Kapuze legt, kommt hier genauso auf seine Kosten wie Ultraleicht-Fans.

Doch ganz gleich, ob Hüttenwanderung oder im Alltag, für mich hat Mountain Equipment einen würdigen Ersatz für meine altgediente Firefox Jacket (mit Gore-Tex Active Shell) auf den Markt gebracht. Dabei sollte man stets bedenken, dass sich 2,5-lagige Jacken generell nur bedingt zum Tragen schwererer Rucksäcke eignen. Konkret heißt das: ein 25 Liter-Rucksack mit maximal 7 kg Zuladung geht in Ordnung. Anderenfalls ist es schnell vorbei mit der Glückseligkeit, denn sind die Schultern einmal von den Gurten durchgeschubbert, war es das mit der Wasserdichtigkeit. Abgesehen davon bekommt man hier ein starkes Stück Funktionsbekleidung mit hoher Atmungsaktivität für durchaus wärmere früh- oder spätsommerliche Temperaturen mit erhöhtem Regenrisiko.

Polygiene: Wie funktioniert der Mief-Blocker und ist er nachhaltig?

9. Mai 2019
Ausrüstung

(Vorsicht, folgende Einleitung könnte Spuren von Ironie enthalten)

Angeblich soll es in den Bergen noch den rückständigen Brauch geben, nach dem Schwitzen nicht sofort zu duschen und die Klamotten zu wechseln. Igitt, wie eklig und vor allem auch rücksichtslos gegenüber den Mitmenschen. Schuld an diesem Missstand sind vor allem Bergunterkünfte, die keine Duschen und noch nicht mal heißes Wasser rund um die Uhr haben. Dort weht dann in den viel zu engen Massenlagern ein Aroma, das in der Großstadt wohl ABC-Alarm auslösen würde. Wann schafft die EU endlich Gesetze, dass solche Stinkehütten klimatisiert zu sein und  Raumduftsysteme vorzuhalten haben?

Solange die Bergwelt noch lückenhaft reguliert ist, müssen wir uns mit Provisorien behelfen. Eine Möglichkeit wäre, die körperlichen Anstrengungen soweit zu reduzieren, dass kein Schweiß mehr die Poren verlässt. Hier ist man mit vielen neuen Seilbahn- und Straßenbauprojekten schon auf einem guten Weg. Doch was tun, wenn das Schwitzen partout nicht vermieden werden kann und der nächste hochalpinen Sanitärbereich noch in der Planungsphase ist?

Wie kommt der Mief in die Klamotten?

Dann schlägt die Stunde von Technologien wie Polygiene. Polygiene bietet – ab jetzt ohne Ironie –  nicht nur optionalen Luxus wie Parfüm und Deo, sondern wirklich nützliche Vorteile. Warum das so ist, versteht man am besten nach einem genaueren Blick auf den schlechten Schweißgeruch sowie seine Entstehung und Auswirkungen. Obwohl man hier eigentlich nicht viel falsch verstehen kann, denn wie Schweiß entsteht und welche Funktion er hat, dürfte jeder Mensch wissen, der schon einmal selbst geschwitzt hat. Bei Erhitzung des Körpers wird das „Körperwasser“ aus den bis zu 2,6 Millionen Schweißdrüsen herausgepresst, um für kühlende Verdunstung auf der Haut zu sorgen. Diese Kühlung ist lebenswichtig, der Körper braucht sie so, wie ein Verbrennungsmotor Kühlwasser braucht.

Was vielleicht nicht jeder weiß: der Schweiß an sich hat keinerlei Eigengeruch. Er enthält aber Proteine und Fettsäuren, die wiederum als Nährstoffe für Bakterien und andere Mikroorganismen dienen, die sich auf der Haut befinden. Die Mikroorganismen bauen die Stoffe ab, was – analog zur menschlichen Verdauung – zu geruchsintensiven Abfallprodukten führt. Im warmfeuchten Klima sammeln sich diese Hinterlassenschaften zusammen mit den sich prächtig vermehrenden Mikroorganismen auf der Haut und in der Kleidung an.

Das stinkt dann nicht nur, sondern greift auch das textile Gewebe an, da die Abbauprodukte Säuren und Salze enthalten, die der Kleidung chemisch und mechanisch zusetzen können.

Was ist Polygiene?

Kurz und knapp: Polygiene ist ein in Textilien eingearbeitetes Silbersalz aus recyceltem Industriesilber. Zugleich ist es der Name der Herstellerfirma mit Sitz im schwedischen Malmö.

Es gibt mehrere Arten von Silbersalzen. Für Polygiene wird, wie zumeist bei Outdoorkleidung, Silberchlorid verwendet, da es wasserunlöslich ist und nicht aus der Kleidung ausgewaschen wird. Durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen können zwar minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese schädigen im Falle von Polygiene weder Organismen noch Abwassersysteme (dazu mehr im Abschnitt Nachhaltigkeit).

Polygiene basiert auf Silberchlorid aus 100 % recyceltem Silber von photochemischen und industriellen Rückständen. Eine Vermischung mit Silber aus dem Bergbau ist ausgeschlossen. Es wird ähnlich wie Farbe in die Textilfasern eingearbeitet. Dabei wird nur eine sehr geringe Menge Silber verbraucht: die Menge, die in einem Fingerring steckt, reicht für etwa 5000 mit Polygiene ausgerüstete Kleidungsstücke.

Die Silberbehandlung von Polygiene bleibt nach Angaben des Herstellers über die komplette Lebensdauer der Kleidungsstücke erhalten und wäscht sich auch nicht in der Waschmaschine aus. Es handelt sich bei Polygiene auch nicht um Nanosilber, welches aus Silberionen im Größenbereich von Nanometern (10-9 Metern) besteht und im Verdacht steht, sich aus der Kleidung zu lösen und durch die Haut in den Körper zu gelangen. Die für Polygiene verwendeten Silberionen sind mehr als 100mal größer und damit zu groß, um in die Haut einzudringen.

Zudem versichert Polygiene, dass die eigenen Silbersalze sich auch nach längerem Gebrauch nicht von den Textilien lösen. Sie sind zudem nur auf der Außenseite des textilen Trägermaterials aktiv und beeinträchtigen weder die Transpiration noch die natürliche Bakterienflora der Haut. Dementsprechend haben mit Polygiene ausgerüstete Stoffe in Europa die medizinische Zulassung der Kategorie 1, die auch Verbandsmaterial für den direkten Kontakt mit offenen Wunden umfasst.

Polygiene wird zumeist fertig eingearbeitet in Funktionswäsche angeboten, kann jedoch auch als Spray oder Waschzusatz nachträglich aufgebracht werden.

Wie funktioniert es?

Die winzigen Silberpartikel wirken ähnlich wie ein Antibiotikum: sie töten mikrobisches Leben auf breiter Front und verhindern so dessen Wachstum. Als „unverdauliche Brocken“ legen sie den Stoffwechsel der Mikroben lahm.

Die Frage ist aber nicht nur, wie es funktioniert, sondern auch, wie lange und wie gut es funktioniert. Das Outdoor-Magazin hat dazu einen Test über satte 14 Tage gemacht und kam zu folgendem Ergebnis.

Zum testen haben wir ein das Baselayer-Shirt Capilene Thermal Weight von Patagonia und ein Paar Wandersocken von SaferSox zur Verfügung gestellt bekommen. Polygiene empfahl uns das Shirt 8 Tage lang zu testen. Wir sollten Sport machen, das Shirt richtig vollschwitzen und dann lediglich zum Trocknen aufhängen. Zwischendrin durfte das Shirt nicht gewaschen werden.

Für unseren Test sind wir noch einen Schritt weitergegangen. Unser Tester hat das Patagonia-Shirt insgesamt 14 Tage lang getragen. Das Ergebnis: Es bleibt kein Schweißgeruch im Baselayer zurück.

Es blieben zwar andere Gerüche wie Essen oder Deo zurück, doch die Zahl derjenigen Bergfreunde, die sich auch davon beeinträchtigt fühlen und von ihrer Funktionskleidung eine entsprechende Lösung erwarten, dürfte sich zum Glück in Grenzen halten.

Welche Vorteile bringt die Geruchshemmung?

Die direkten Vorteile des Nicht-Stinkens dürften auf der Hand liegen. Sie liegen nicht nur in besserem Wohlgefühl und angenehmerer sozialer Interaktion auf engem Raum, sondern auch in besserer Hygiene. Die Abwesenheit von Bakterien und Pilzen bedeuten auch weniger potentielle Hautirritationen und andere gesundheitliche Probleme.

Hinzu kommen indirekte Vorteile, die daraus resultieren, dass Polygiene-Textilien weniger oft gewechselt und gewaschen werden müssen. Man kann mit deutlich weniger (Wechsel)Wäsche auskommen und dadurch das Rucksack- oder Reisegepäck reduzieren. Auch der Lebenszyklus der Produkte verlängert sich dadurch deutlich, da sowohl Mikroben als auch Waschgänge die Fasern schädigen und das Material abnutzen. Es wird weniger weggeworfen und nachgekauft, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont. Damit sind wir auch schon mitten im Thema Nachhaltigkeit.

Warum Polygiene nachhaltig ist

Es dürfte schon aus den bisherigen Zeilen hervorgegangen sein, dass Polygiene eine ziemlich nachhaltige Angelegenheit ist. Doch sie ist nicht nur ein bisschen nachhaltig, sondern rundherum und vollkommen. Warum? Weil nicht nur Material und Technologie selbst nachhaltig sind, sondern auch ihre direkten und indirekten Effekte. Das wird auch von Umweltorganisationen und Regulierungsbehörden anerkannt. So ist die permanente Textilbehandlung bluesign-zertifiziert und erfüllt strenge, unabhängige Umwelt- und Produktlebenszyklusstandards wie die EU Umwelt- und Abfallgesetze und den ISO 14001 Standard. Zudem befindet sich Polygiene auf der Öko-Tex-Liste (I-IV) von unabhängig geprüften und zertifizierten Produkten.

Gesundheit

Die Zertifizierungen schaffen eine hohe Verbrauchersicherheit, da mit steigenden Umweltstandards für Ausgangsstoffe und Herstellungsverfahren die Belastungen für die menschliche Gesundheit sinken. So wird beispielsweise die Reinheit des Silbers durchgehend kontrolliert, um Spuren anderer Metalle sicher auszuschließen. Auch eventuelle Wechselwirkungen des Silbers mit der Haut werden gründlich untersucht. So wurde in einer Studie des National Center for Biotechnology Information in den USA überprüft, ob das antimikrobielle Silber das Bakteriengleichgewicht auf der Haut stört. Die Forscher konnten dabei keinen Effekt von antibakterieller Kleidung auf die Mikroflora von gesunder Haut nachweisen. Sicher, Ergebnisse von Studien sind manches mal mit Vorsicht zu genießen, doch im Fall von Polygiene kann man schon aufgrund der Konstruktion von minimierten Risiken ausgehen.

Ressourcenverbrauch

Dieser Bereich dürfte der effektivste Nachhaltigkeitshebel von Polygiene sein, denn der Ressourcenverbrauch wird in allen Phasen des Produktlebenszyklus minimiert. Der Rohstoff Silber wird wie erwähnt aus recyceltem Material (Elektronikschrott) gewonnen und in sehr geringen Konzentrationen verwendet. Zudem kann die Polygiene-Behandlung in einem Arbeitsgang mit anderen Ausrüstungen aufgebracht werden und erfordert dadurch keinen zusätzlichen Wasser- und Energieeinsatz. Ein Bindemittel für die Fixierung der Polygiene-Moleküle am Stoff ist ebenfalls nicht nötig.

Die größte Ressourceneinsparung findet während der Verwendung der Polygiene-Bekleidung statt, denn sie wird deutlich weniger gewaschen als herkömmliche Sportkleidung. Letztere wandert teilweise nach jedem einzelnen Einsatz in die Waschmaschine. Mit Polygiene ist das nicht nötig, denn die unhygienischen Bakterien und Gerüche entstehen gar nicht erst. Wenn der Schweiß verdunstet und das Gewebe getrocknet ist, ist die Wäsche auch tatsächlich noch sauber genug, um  weiter getragen zu werden – natürlich nicht unbegrenzt, aber definitiv um ein mehrfaches länger als unbehandeltes Kunstfaser- oder Baumwollmaterial. Die „Bevor-es-eklig-wird-Tragedauer“ einer Polygiene-Unterwäschegarnitur kann man in etwa mit der von Merinowolle gleichsetzen.

Die Polygiene-Wäsche kann nicht nur seltener, sondern auch bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden. Das trägt ebenfalls zu reduziertem Energieverbrauch und längerer Produktlebensdauer bei. Und wenn diese schließlich doch irgendwann ihr Ende erreicht hat, kann die Kleidung inklusive der Polygiene-Ausrüstung recycelt werden.

Aus all dem ergibt sich eine einfache aber wirkungsvolle Nachhaltigkeitsformel:

Weniger waschen = weniger Wasserverbrauch, weniger Reinigungsmittel, weniger Energieverbrauch + längere Produktlebensdauer + mehr freie Zeit + gespartes Geld!

Auf der Polygiene-Homepage ist das Ganze mit diversen Zahlen angereichert. Sogar für die Geld- und Zeiteinsparung sind Zahlen angegeben: so geht man pro Waschmaschinenladung von 28 Minuten Zeitaufwand und 1,34 US$ Kosten aus. Insgesamt geht man davon aus, dass der „ökologische Fußabdruck“ (Wasser- und Energieverbrauch; Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung) eines Kleidungsstücks zu etwa zwei Dritteln aus dem Waschen und Trocknen resultiert.

Zwar können durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen irgendwann doch minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese verbinden sich laut Patagonia rasch mit Sulfiden in der Umwelt zu chemisch stabilem, nicht löslichem Silbersulfid, welches lebende Organismen nicht beeinträchtigt. Die Silberionen werden also deaktiviert, sobald sie in einen natürlichen Wasserlauf gelangen. „Auf gleiche Weise werden sie auch im Wasser einer Kläranlage deaktiviert, sodass sie weder die bakteriellen und Bio-Stufen der Anlagen belasten noch das gereinigte Wasser oder den Klärschlamm.“ Ohnehin sind geringe Mengen an Silberchlorid und Silbersulfid auch auf natürliche Weise im Trinkwasser, Meerwasser und im Boden vorhanden.

Fazit

Polygiene ist ein Paradebeispiel für Outdoor-Technologie, die funktionalen Nutzen mit  Nachhaltigkeit vereint. Die Behandlung sorgt dafür, dass man sich in Sport- und Outdoorklamotten deutlich länger wohlfühlen kann. Das wiederum kann helfen, den Reinlichkeitsdrang des urbanen Lifestyles samt seiner teils absurden Komfortansprüche unten im Tal zu lassen, statt immer tiefer in die Berge einzuschleppen. In dem Falle würde Polygiene womöglich gar zu einer Eindämmung des Erschließungswahns beitragen, der ja manchmal ganz ähnlich wie die fiesen kleinen Stinkebazillen wuchert …

Wie man den Sommer in Lappland überwintert

7. Mai 2019
Die Bergfreunde

Du bist kein Hitzetyp? Möchtest Du den Menschenströmen der Städte entfliehen und endlich mal offline gehen? Dann ist ein Sommerurlaub im Norden Schwedens genau das, was du brauchst. Hier kannst du die ruhige Atmosphäre Lapplands spüren, die atemberaubende Fjell-Landschaft und die grenzenlose Tundra bestaunen.

Du bekommst die Chance ganz alleine und nur mit dir selbst zu sein. Denn es gibt hier kein Internet, kein Mobilfunknetz und keinen Strom. Nur sollte man nicht zu lange an einem Fleck verweilen, denn sonst essen einen die Mücken auf, aber dazu später mehr…

Nun zu der Tour. Wir (das sind Boris und Olga) stellen dir eine Variante einer 10-Tägigen Tour vor (bist du eher flott unterwegs, dann schaffst du es auch unter sieben Tagen). Es handelt sich hierbei um den nördlichen Teil des königlichen Fernwanderweges mit einer Abwandlung zwischen Alesjaure und Sälka. Hier die markanten Wegpunkte:

Аbisko fjällstation – Abiskojaure – Alesjaure – Vistas – Nallo – Sälka – Singi – Kebnekaise fjällstation (mit dem Aufstieg zum Kebnekaise) – Nikkaluokta.

Anreise nach Abisko

Die aus unserer Sicht entspannteste Variante ist der Flug von Stockholm nach Kiruna. Aus dem Ausland kommend muss man das Gepäck in Stockholm am Band abholen und beim Inlandsflug nach Kiruna erneut einchecken.

In Kiruna Flughafen nimmt man dann den Shuttlebus zum Stadtzentrum. Achtung! Der Fahrplan des Shuttlebuses ist auf den Flugplan abgestimmt. Es kommen jedoch am Tag maximal drei Flugzeuge in Kiruna an. Also nicht zu lange herumtrödeln – Gepäck abholen und ab nach draußen zum Bus.

In Kiruna nimmt man den Zug in Richtung Narvik. Es ist ratsam die Zugtickets vorher online zu kaufen, auf sj.se oder mit der SJ-app.

1. Abisko fjällstation

Eine geräumige Station mit der Möglichkeit gut zu Essen und zu übernachten. Bist du mit einem Gaskocher unterwegs? Hier kannst du dir die Gaskartuschen kaufen. Toilettenpapier, Zahnbürste, Thermosflasche, Fleecejacke zu Hause vergessen? Der Laden bietet eine gute Auswahl für jeden Outdoor Enthusiasten.

Die Vorzüge der Zivilisation mit fließendem warmen Wasser, Elektrizität und Mobilfunknetz lassen sich hier zum letzten Mal für die kommenden Tage genießen. Da der erste Tourenabschnitt im Abisko Nationalpark liegt, darf man nur in speziell eingerichteten Plätzen zelten. Hier gibt es Feuerstellen und Plumpsklos. Es gibt sogar Feuerholz.

Hat man nach der ersten Etappe noch genug Energie übrig, so kann man sich noch beim Holzhacken austoben. Außerdem haben es die Mücken nicht so leicht wenn man die Axt schwingt.

2. Abiskojaure

Eine Station vor einer pittoresken Kulisse. Hier gibt es ebenfalls einen Laden mit Trekking-Mahlzeiten und allerlei Outdoor Krimskrams, eine Sauna, ein Klohäuschen, einen eingerichteten Badebereich und die Möglichkeit den Müll zu entsorgen. Auf den meisten Stationen gibt es diese Segnungen der Zivilisation.

Solltest du die Sauna besuchen wollen, ist es wichtig zu wissen, dass auf allen Saunas entlang des Weges die gleichen Betriebszeiten gelten: um 17 Uhr beginnt die Damensauna, ab 18:30 sind die Herren dran, und um 20 Uhr wird zusammen geschwitzt. Es gilt das Prinzip «jeder ist für alles zuständig», pack also mit an und fülle bei Bedarf das Wasser auf und achte darauf, dass das Feuer nicht erlischt.

Die Sauna ist im Preis inbegriffen, wenn du auf dem Grundstück der Station zeltest. Anderenfalls sind 50 SEK fällig. Die Preise fürs Zelten direkt neben einer Station schwanken hier und da und liegen im Schnitt bei ca. 300 SEK pro Person.

3. Alesjaure

Auf dem Wegabschnitt zwischen Abiskojaure und Alesjaure befinden sich die ersten Gletscherseen. Das von den Gletschern transportierte Gesteinsmehl reichert sich in diesen Seen an und reflektiert vor allem die blaugrünen Anteile des Lichts, sodass das Wasser in einem wunderschönen Türkis erstrahlt. Außerdem sieht man hier Renntiergehege und saisonale Siedlungen der Samen. Während des Sommers stehen die Siedlungen leer.

Die Station Alesjaure befindet sich in unmittelbarer Nähe einer dauerhaften samischen Siedlung Alisjavri. Die Station ist gut besucht (nicht zu vergleichen mit manchen Alpenhütten, jedoch für schwedische Verhältnisse bereits ziemlich überlaufen). Ein kleiner Tipp für den Sparfuchs: auf der anderen Ufernseite ist das Zelten kostenfrei.

4. Vistas

Von einem der Stationswirte haben wir den Tipp bekommen vom klassischen Kungsleden abzuweichen und den Umweg über Vistastal und Nallo zu nehmen. Die Etappe zwischen den Stationen Alesjaure und Vistas ist leicht, aber mit 19km relativ lang. Auf diesem Streckenabschnitt haben wir den ganzen Tag niemanden getroffen.

Obwohl diese Abzweigung vom Kungsleden sich keiner besonderen Beliebtheit zu erfreuen scheint, stehen die Aussichten entlang des Weges dem «Hauptweg« in nichts nach.

Eine andere Besonderheit auf dem Weg zu der Vistas Station wird denjenigen auffallen, die regelmäßig auf den Kompass schauen: die großen Eisenerzvorkommen in diesem Gebiet lassen die Kompassnadel ratlos hin und her wackeln. Neben der Vistas-Hütte ist das Zelten wegen dem Platzmangel nicht gestattet, 100m weiter gibt es jedoch perfekte Zeltplätze und jede Menge trockenes Holz fürs Lagerfeuer.

5. Nallo

Auf dem Weg nach Nallo haben wir zum ersten Mal Renntiere gesichtet, die uns auf dem anderen Ufer überholt haben. Denn Nallo liegt weiter oben in den Bergen, wohin die Renntiere sich auf der Flucht von den Mücken im Sommer zurückziehen. Hier war es deutlich kühler und alle holten ihre warmen Jacken und Mützen raus (schade, dass wir die Handschuhe vergessen haben).

Um zur Nallo Station zu gelangen wirst du einen eisekalten Gletscherfluss durchwaten müssen. Falls du mehr Glück hast als wir, und es an dem Tag keinen stundenlangen Regenschauer gibt, reicht das Wasser gerade mal bis zu den Knöcheln. Andernfalls ist es ratsam Wassersportschuhe, Crocs oder ähnliches dabei zu haben.

Notiz am Rande: wir waren uns alle einig, dass der Zeltplatz neben der Nallo Station eine der schönsten Aussichten entlang der ganzen Tour hatte.

6. Sälka

Auf dem Weg nach Sälka haben wir beschlossen etwas mehr Abwechslung in unseren Trip zu bringen und den Berg Reaiddanjunni zu erklimmen. Laut dem schwedischen Reiseführer hätte der Aufstieg etwa 2,5 Stunden dauern sollen. Mit unseren schweren Rucksäcken haben wir deutlich länger benötigt.

Unser Plan war es den mit dem Aufstieg verbundenen Zeitverlust beim Abstieg zur Station auf der anderen Seite des Berges wieder aufzuholen. Doch was wir nicht bedacht haben ist, dass wir nicht über einen festgetrampelten Pfad laufen würden. Tatsächlich gibt es auf dem Berg gar keinen Pfad und das Gelände ist teilweise sehr steil und übersät mit losen Felsbrocken aller Formen und Größen. Ganz oben am Rande des schneebedeckten Sattels mussten wir sogar unsere Hände einsetzen und die letzten Meter kraxeln.

Neben der unvergesslichen Aussicht wurden wir noch mit dem Anblick der Renntiere auf dem weißen Schnee entlohnt. Sie sind in unmittelbarer Nähe teils galoppierend, teils rutschend an uns vorbei den Hang hinunter gerast.

Nach dem Abstieg zum Kungsleden haben wir noch ungefähr eine Stunde bis zur Station benötigt. Hier gab es im Laden neben diversem Knabberzeug und Gaskartuschen noch die Möglichkeit einen Filterkaffee zu bestellen.

Take-home message:

  • Der Umweg Alesjaure-Vistas-Nallo-Sälka ist es Wert einen zusätzlichen Tag einzuplanen.
  • Überlege es dir gut, ob du mit einem schweren Rucksack einen steilen Hang hoch und wieder runter kraxeln möchtest. Die Knie werden dir dankbar sein wenn du deinen Rucksack am Bergfuß lässt.
  • Rechne nicht damit in Schweden auf einer Hütte einen Barista anzutreffen. Aber manchmal ist auch irgendein heißer Kaffee besser als gar kein Kaffee…

7. Singi

Der Weg von Sälka zu Singi war relativ leicht und kurz. Zwergbirken, Moose, Flechten, Gräser der Tundra haben die kahle Gebrigslandschaft abgelöst. Ab und zu sah man die Moltebeeren. Solltest du zum ersten Mal so weit in den Norden vorgedrungen sein, empfiehlt es sich die leckere Moltebeermarmelade zu probieren. Und sollte die Jahreszeit stimmen, kannst du natürlich auch die frischen Beeren probieren. Diese leuchtend orangene Beere mit dem einzigartigen süßlichsauren Geschmack ist eines der Symbole Finnlands. Seit 1999 prägt die Prägestätte des Landes die Frucht und die Blüte der Moltebeere auf den 2 Euro Münzen.

In Singi angekommen waren wir überrascht, dass in unmittelbarer Umgebung der Station keine Zeltplätze vorgesehen sind. Jedoch bereits nach einem Kilometer haben wir ein schönes Plätzchen, nicht weit von einem Bach, gefunden. Der Tag war dermaßen warm, dass  das Wasser mal ausnahmsweise wärmer als 8 Grad war und sogar die Frosthasen sich zum baden wagten. Allerdings musste man flink sein, denn die Mücken waren seit Nallo unsere ständigen Begleiter.

8. Kebnekaise fjällstation (mit dem Aufstieg zum Kebnekaise)

Auf dem Abschnitt von Singi nach Kebnekaise war deutlich mehr los – wir haben Wanderer überholt, uns kamen Gruppen entgegen oder wir wurden überholt. Es ist kein Wunder, denn der Aufstieg zum Kebnekaise ist ein begehrtes Ziel auch für die Einheimischen. Manch einer kommt nur übers Wochenende, um den höchsten Berg Schwedens zu erklimmen. Und obwohl es nicht der erste Tag unserer Wanderung war, konnte uns die Landschaft immer noch beeindrucken. Wir sahen eine Schlucht mit einem wilden Fluss und speziell eingerichtete Meditationsplätze, die zum Verweilen einluden.

Nicht weit von der Station gab es zum ersten Mal nach Tagen wieder Empfang. Aber was nutzt einem der Handyempfang wenn es keinen freien Fleck für das Zelt gibt? Zum ersten Mal hatten wir Schwierigkeiten einen geeigneten Platz zu finden. Ein Lehrbuchbeispiel wie der hohen Nachfrage ein sehr begrenztes Angebot gegenübersteht. Ein Königreich für ein Plätzchen für unser Zelt! Nach langem Suchen waren wir auf einem Hügel, weit von dem Zeltenmeer und fließendem Wasser, findig geworden. Wir haben beschlossen zwei Nächte hier zu verbringen, da wir einen Tag für den Kebnekaise eingeplannt hatten.

Der westliche (Normal-)Weg (Västra Leden) erfordert weder eine Materialschlacht noch alpine Erfahrung, dafür aber jede Menge Ausdauer. Der Weg führt von der auf 690m gelegenen Kebnekaise Station zunächst auf den 1711m hohen Vorgipfel Vierramvare, verliert dann ungefähr 200 Höhenmeter um das Kaffetal (Kaffedalen) zu durchqueren und in einem Zickzackkurs den knapp 2100m hohen Südgipfel zu erklimmen. Im August 2018 wurde der Südgipfel erstmals niedriger als der Nordgipfel vermessen. Grund dafür ist der zurückweichende Gletscher des Südgipfels. Ach ja, die letzten Meter über den Gletscher zum Gipfel können sehr rutschig sein und wer ganz nach oben möchte sollte ein Paar Steigeisen oder Grödel mitnehmen. Diese kann man sich auch an der Kebnekaise Station ausleihen.

Der westliche Weg wird an besonders gefährlichen und steilen Wegabschnitten mit breiten Steinstufen entschärft. Der Bau wird in mühsamer Handarbeit von Spezialisten aus Himalaya durchgeführt. Selbst wenn alle Stufen fertig sein werden, wird der Weg zum Gipfel mit seinen 18 km (hin und zurück) weiterhin kein einfacher Spaziergang sein.

9. Nikkalukota

Am letzten Tag unserer Reise hat sich unsere Gruppe aufgeteilt. Es gibt drei Möglichkeiten von Kebnekaise fjällstation in die Zivilisation zurückzukehren:

  1. in 15 Minuten mit dem Hubschrauber-Taxi für 850 SEK/Person, oder für 300 SEK falls nur das Gepäck fliegen sollte.
  2. 18 km zu Fuß.
  3. 13 km zu Fuß und zwischendurch 5km mit dem Boot.

Wir haben uns für die dritte Option entschieden. Wir wollten noch ein wenig wandern und die Wasserlandschaften sehen (im Reiseführer sahen diese sagenhaft schön aus). Nicht einmal das Schmuddelwetter am frühen Morgen konnte unsere gute Laune bremsen. Wir rannten zum Boot und dem Lap Dånalds entgegen.

Direkt neben der Anlegestelle, nicht weit von Nikkaluokta, liegt das Lap Dånalds – hier bekommt man einen echten Renntierburger. Nach dem kleinen Snack waren es nur noch 5 km bis nach Nikkaluokta, dem Endpunkt unserer königlichen Wanderung.

Tipps des Tages:

  • die Bootsfahrt sollte man sich nicht entgehen lassen.
  • Lap Dånalds ist ein Muss für die Karnivoren.
  • In Nikkaluokta gibt es sehr sehr sehr viele Mücken! Hoffentlich hast du vom Mückenabwehrmittel noch etwas übrig… Teilweise hat man es im Zelt mit einem dichten Insektennetz besser als in den kleinen Bungalows.

Wir sind damit am Ende unserer Reise angelangt. Wir hoffen, dass dieser Reisebericht bei der Planung deiner Flucht aus dem kommenden Sommer in den kühlen schwedischen Norden hilfreich sein kann.

S.Café – Kaffee zum Anziehen

2. Mai 2019
Ausrüstung

Kaffee wird hier langsam aber sicher zum Kernthema. Zuerst gab es den langen Artikel über gepflegten Kaffeekonsum in der wilden Natur, dann kam die revolutionäre Schuh-Innovation zur Lösung des leidigen Problems der Kaffee-to-go-Flecken auf Sportschuhen. Und jetzt kommt auch noch ein Gewebe aus Kaffeesatz um die Ecke.

Aus Kaffeesatz? Ja, das ist technisch möglich und schafft sogar zusätzliche natürliche Funktionalitätsaspekte bei den so produzierten Klamotten. Da kommen natürlich Fragen auf: Kann man aus dem Zeug bei drohendem Bergtod durch Übermüdung noch ein rettendes Käffchen brühen? Lässt sich in S.Café Klamotten die Zukunft lesen? Nein, diese Funktionen bietet die Kaffeekleidung nicht. Was sie wirklich bietet, dazu gleich mehr, zunächst schauen wir uns die Idee und die Entstehung der Marke S.Café an.

Die Idee stammt natürlich aus Kalifornien oder Skandinavien, wie immer, wenn es um Funktionsklamotten geht. Oder etwa nicht? Nein, diesmal kommt die nerdige Outdoor-Innovation aus dem fernen Osten, genauer aus Taiwans Hauptstadt Taipeh.

Die Idee hinter dem Kaffeesatz-Material

Dass Kaffeesatz und etwa nicht Bananenschalen oder Teebeutel als neuer Textilschlager entdeckt wurde, lag wohl daran, dass Jason Chen, Geschäftsführer der Firma Singtex, und seine Frau Mei-hui ihren Geistesblitz in einer Kaffeebar hatten. Verwundert hatten sie eine ältere Dame beobachtet, die den Barista um den Kaffeesatz bat. Auf den fragenden Blick des Ehepaars hin erklärte der Barista, das Kaffeesatz gut sei, um Gerüche aus dem Kühlschrank zu entfernen. Die geruchshemmende Eigenschaft von Kaffeesatz war also schon bekannt.

Chens Frau soll daraufhin scherzhaft vorgeschlagen haben, dass er doch Kaffeereste in seine Textilien einbauen möge, um den Schweißgeruch nach seinen häufigen Marathon-Trainingseinlagen loszuwerden. Der Legende nach dachte Jason dann kurz nach, wandte sich an seine Frau und rief laut aus: „GOOD IDEA!“ Es war also Mei-huis Idee und Jasons Umsetzung, die hier geboren wurde.

Die Idee kam wie gerufen und wurde patentiert, bevor Chen überhaupt wusste, wie er den Kaffee ins Textil bringen will. Schon zuvor hatte Singtex öfter neue Verfahren und Fasern erfunden, wurde jedoch meist zügig von der Konkurrenz auf dem chinesischen Festland kopiert und preislich unterboten. Deshalb stand man kurz vor der Pleite und wollte diesen Fehler nun nicht mehr wiederholen.

Entstehungsgeschichte und Entwicklung

Chen trommelte eine Gruppe von Partnern zusammen und man begann, die Möglichkeiten der Einarbeitung von Kaffeesatz in Garn zu erforschen. Die Umsetzung der scheinbar einfachen Idee nahm vier Jahre Forschung und harte Arbeit in Anspruch. Im Jahr 2009 war es dann soweit und die Erfindung konnte unter dem Markennamen S.Café präsentiert werden.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und die Nachfrage nach S.Café stieg schnell. In Taipeh entstand ein ganzes Netz an Partnerschaften mit Starbucks und lokalen Cafés, um den gebrauchten Kaffeesatz systematisch einzusammeln. Mittlerweile ist ständig ein Tross von Fahrzeugen unterwegs, um tagtäglich etwa eine halbe Tonne Kaffeesatz im Großraum Taipeh einzusammeln. Der andere Rohstoff für das Textilmaterial – Polyester – wird ebenfalls aus in einem nachhaltigen Kreislauf aus größtenteils lokal eingesammelten Abfällen gewonnen: aus recycelten PET Flaschen.

Weitere Entwicklungen

Recht bald nach der Einführung 2009 hat Singtex Unterwäsche, Bettwäsche, Schuhe und eine wachsende Palette weiterer Produkte aus S.Café entwickelt. Hinzu kommen Modifikationen des Materials selbst, die unter Namen wie P4Dry und Mylithe mit neuen Konfigurationen von Polymeren und Kaffeeresten weitere spezielle Funktionen erreichen. So soll Mylithe durch eine “Luftstruktur”-Methode ein baumwollartiges Tragegefühl vermitteln, ohne die ursprünglichen Eigenschaften von S.Café einzubüßen.

Da Jason Chen ein findiger und umtriebiger Firmenpräsident ist, sollen natürlich auch weiterhin neue Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsfelder erschlossen werden. Die wachsende Verbreitung von S.Café wird dank ständig erweiterter, weltweiter Kooperationen mit immer mehr führenden Textilunternehmen wie Timberland, American Eagle, North Face und Puma zielstrebig vorangetrieben. Auf Kosten der Umwelt soll dieses Wachstum aber auch künftig nicht gehen, weshalb Singtex auch weiterhin hohe Standards garantierende Zertifizierungen wie Bluesign, Oekotex und Cradle-to-Cradle anstrebt.

Herstellung

Die ersten Herstellungsschritte finden in den Röstereien und Kaffeebars statt. Die Bohne muss nämlich nicht nur bei Temperaturen zwischen 160 und 220°C geröstet, sondern auch pulverisiert und gebrüht werden, um zusammen mit den Polymeren der alten PET-Flaschen den textilen Stoff zu formen.

Beim Rösten schwillt die Kaffeebohne an, was bedeutet, dass ihr Innenraum größer wird. Beim Brühen entfernt dann das heiße Wasser Materialien aus den so entstandenen Hohlräumen. Aus dem so „präparierten“ Kaffeesatzpulver wird dann der Extrakt gewonnen, der, bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck in die Kunststoff-Filamente eingearbeitet und zu einem Garn geformt, die Eigenschaften der Ausgangsmaterialien verbindet.

Es bleiben zwar pro Filterportion nur etwa 2% nutzbarer Kaffee-Extrakt übrig, doch alles in allem klingt die Sache gar nicht mal so unergiebig. So reichen die Rückstände aus einer Tasse Kaffee laut Chen für etwa zwei bis drei T-Shirts.

Materialeigenschaften

Vor allem die Eigenschaften des Ausgangsmaterials Kaffeesatz kommen im Endprodukt gut zur Geltung. Die eben erwähnten Mikroporen absorbieren Gerüche, reflektieren die UV-Strahlung und trocknen doppelt so schnell wie Baumwolle. Feuchtigkeit wird bei S.Café-Gewebe kontinuierlich von der Haut auf die Außenseite transportiert, wo es sich über die Oberfläche verteilt und schnell verdunsten kann. Die Verdunstung trägt dazu bei, dass die Hauttemperatur im Vergleich zu herkömmlichen Stoffen um 1 bis 2°C abgekühlt wird – ein durchaus spürbarer Effekt.

Diese Eigenschaften im Zusammenspiel bewirken ein im Vergleich zu herkömmlichen Kunstfasern angenehmeres, natürlicheres Tragegefühl.

Da sich die Kaffeebestandteile im inneren der S. Café-Fasern befinden, braucht man sich um ein Nachlassen der Funktionalität nicht zu sorgen. Sie übersteht normale Maschinenwäsche problemlos und hält nicht weniger lang vor als andere funktionale Textileigenschaften.

All das macht S.Café nicht nur für Outdoor- und Sportbekleidung interessant, sondern auch für viele weitere Verwendungsbereiche bis hin zu alltäglichen Haushaltsartikeln.

Nachhaltigkeit

Natürlich hat Singtex um sein Vorzeigeprodukt eine Nachhaltigkeitsphilosophie gestrickt. Die ist allerdings kein künstliches PR-Produkt, sondern ein natürlicher Ausdruck des praktizierten Handelns. Der nachhaltige Kreislauf ist klar erkennbar: die eigentlich unnachhaltigen Auswirkungen der Kaffeetrinkkultur werden hier (teilweise) in einen nachhaltigen Kreislauf überführt. Aus den Abfällen eines globalen städtischen Lifestyles mit ständig wachsendem Kaffeekonsum wird ein nützliches Produkt gewonnen. Und es stellt sich heraus, dass in diesem Kreislauf noch viele weitere verborgene Produkte und Technologien auf ihre Entschlüsselung warten.

Zu diesem genial einfachen Konzept passt es bestens, dass Kleidungsstücke aus S.Café am Ende ihres Lebens kompostiert werden können. Wenn ihre Rückstände dann zum Anbau von Kaffee verwendet werden, wäre ein Lebenszyklus abgeschlossen.

Fazit

Die griffige Kurzformel für die Vermarktung von S.Café lautet: „Drink it, wear it“. Das ist einprägsam und fasst die Firmenphilosophie gut zusammen. Die Begeisterung fürs Kaffeetrinken ist hier auch verständlich, denn ohne all die fleißigen Trinker wäre der Kaffeesatz kein recycelter Abfall, sondern ein teurer Rohstoff.

Dennoch sollte man die Ermunterung zu (noch mehr) Kaffeekonsum vielleicht nicht allzu wörtlich nehmen. Auch so schon dürfte die „Leistungsgesellschaft“ mehr als genug vom Kaffee (an)getrieben sein und Singtex muss sicher keinen Mangel an Nachschub befürchten. Außerdem geht unsere persönliche Leistungskurve mit Koffein auf Dauer eher runter als rauf. Also, ruhig lieber öfter mal ein Schläfchen halten statt den nächsten doppelten Espresso zu kippen. Klar, leichter gesagt als getan, denn wir haben ja alle keine Zeit und sich einfach auszuruhen ist schon fast ein subversiver Akt. Aber ich schweife wohl gerade ab und bin nicht mehr beim Thema. Obwohl, es geht doch irgendwie um Kaffee, oder?

Northern Playground – Hose runter auf Norwegisch

30. April 2019
Ausrüstung

Dass Männer oft nur große Jungen sind, ist dem Volksmund hinlänglich bekannt und dass Buben oft bei ihrer Mutter Rat suchen wenn es auf dem Spielplatz zu gewissen Diskrepanzen kommt, ist einfach eine Tatsache. Mutti ist halt immer da und weiß Bescheid. Kleidungstipps von Müttern sind meist zwar nicht gern gesehen, prägen aber nahezu jede Generation auf ihre ganz eigene Art. Kein Wunder also, dass auch ältere Jungs immer mal wieder auf dieses wandelnde Gratis-Offline-Lexikon zurückgreifen. Bei der Wahl der richtigen Unterwäsche ist das freilich ein wenig skurril, die Geschichte von Northern Playground zeigt jedoch, dass daraus auch ein echter Erfolg werden kann.

Wobei geht’s aber dabei eigentlich genau? Bei Northern Playground handelt es sich keineswegs um den Kinderspielplatz in Trondheim, Oslo oder Stockholm, sondern vielmehr um einen aufstrebenden Hersteller innovativer und funktioneller Outdoorkleidung. Was das Ganze nun aber mit (kleinen) Jungs und deren Müttern zu tun hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Legen wir also gleich mal los und fragen uns:

Wer oder was ist Northern Playground?

Northern Playground ist eine vergleichsweise junge Firma, die 2012 in Oslo, Norwegen gegründet wurde. Die Geschichte zur Firmengründung ist dabei so logisch wie skurril. Firmengründer Jo Tobiassen ist seit jeher begeisterter Outdoorsportler. Gerade Berg- und Skitouren haben es ihm angetan. Neben dem reinen Sport sollen dabei aber auch das Naturerlebnis und ein gewisser Komfort nicht zu kurz kommen. Doch das wird bekanntlich schwierig, wenn man in schweißnassen Klamotten auf dem Gipfel eines Bergs sitzt und weder Aussicht noch Brotzeit genießen kann, weil man sich schon nach kurzer Zeit seine fünf Buchstaben abfriert. Dieses Problem und dessen Lösung ist quasi Kernkompetenz und Gründungsmythos der Firma in einem.

Denn vom nassen und kalten Bergerlebnis führt der Weg von Jo direkt nach Hause ans Telefon. Ein mütterlicher Rat muss her! Und siehe da, nach einiger Zeit an der Nähmaschine hatten die beiden ein Kleidungsstück entworfen, das optisch irgendwo zwischen einteiligem Schlafanzug und Superheldenkostüm ohne Cape stand. Wenngleich das Designerstück ein wenig eigensinnig daher kam, legte es doch den Grundstein für einen neuen Typus von Outdoorkleidung: Funktionsunterwäsche, die während einer Tour ausgezogen werden kann, ohne dass man dafür Pullover, Schuhe oder auch Überhose ausziehen muss.

In Magnus Aasrum war außerdem schnell ein geeigneter Partner gefunden, der sich frei nach dem Motto „lass doch mal die Hosen runter“ für das Thema innovative Outdoorunterwäsche interessierte. Einige Selbstversuche in Sachen nähen von Kleidung und tragen von Frauenunterwäsche später, war es so weit und Northern Playground ging 2012 mit seiner ersten Kollektion an den Start.

Ok, das wäre geklärt. Aber…

Was ist bei Northern Playground anders, als bei anderen Marken?

Zunächst einmal fallen da die Produkte auf, mit denen alles begann. (Ski-)Unterhosen mit seitlichen Reißverschlüssen, die sogenannten Ziplongs. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie simpel: Schwitzt man während einer Tour, beispielsweise bei langen und steilen Anstiegen stark, ist ein Teil der Klamotten nass. Auch beste Funktionsmaterialien versagen in Sachen Atmungsaktivität und schnelltrocknenden Eigenschaften je nach Kombination der Kleidungsstücke oder Stärke des Schwitzens. Spätestens bei der Gipfelrast sitzt man daher nicht selten in nassen Klamotten da und friert innerhalb kürzester Zeit. Das Panorama, die Brotzeit oder einfach nur die Ruhe zu genießen macht so einfach keinen Spaß.

Genau an dieser Stelle setzt die Zip-Wear-Kollektion an. Hierbei handelt es sich vornehmlich um lange Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. „Gähn“, wird jetzt der eine oder andere denken, doch die Idee dahinter ist ebenso einfach wie simpel: Schweiß ist dazu da, die Körpertemperatur mittels Verdunstung zu regulieren. Strengen wir uns an steigt theoretisch unsere Körpertemperatur, uns wird warm. Zur Temperaturregulierung  schwitzen wir. Im Idealfall kann der Schweiß ungehindert verdunsten und kühlt durch die entstehende Verdunstungskälte die Körpertemperatur wieder herunter bzw. hält sie konstant. Nackt klappt das bestens.

In Verbindung mit (Funktions-)Kleidung wird’s da schon schwieriger. Kommen dabei auch noch Faktoren wie Sonnenstrahlung, Wind und Niederschläge ins Spiel, kann das Zusammenspiel der einzelnen Schichten und somit auch deren atmungsaktive Eigenschaften deutlich leiden. Das Ergebnis: Der Schweiß sammelt sich zumindest teilweise in der Kleidung und verdunstet auch dann noch, wenn die kühlenden Eigenschaften schon lange nicht mehr benötigt werden.

Einfache Lösung: Die nassen Klamotten müssen weg. Und genau an diesem Punkt setzt die Zip Wear Collection von Northern Playground an. Denn hierbei handelt es sich vornehmlich um (Ski-)Unterwäsche, die über lange seitliche Reißverschlüsse verfügt. Hierdurch können gerade die langen Unterhosen auch während einer Tour ausgezogen werden, ohne dass man dazu komplett blankziehen muss.

Auch in Sachen Materialien gibts da nichts zu klagen. Hier kommt von Kunstfaser bis Merinowolle alles zum Einsatz was es für einen angenehmen und funktionellen Outdooreinsatz braucht.

Jetzt aber Hosen runter!, im wahrsten Sinn, denn…

Wie sieht es bei Northern Playground mit der Nachhaltigkeit aus?

Laut seinem eigenen 12 Punkte Schema stellt Northern Playground sein Nachhaltigkeitskonzept wie folgt dar:

  1. Northern Playground hat seinen Firmensitz in Norwegen. Um jedoch kostengünstig und gleichzeitig mit möglichst großer Nähe zum Absatzmarkt produzieren zu können, werden die Kleidungsstücke in Litauen gefertigt.
  2. Wenn möglich kommen recycelte Materialen zum Einsatz.
  3. Alle Kleidungsstücke werden in Pappschachteln verpackt, Plastik kommt hier nicht zum Einsatz.
  4. Die Produkte werden ohne „Ablaufdatum“ oder „Sollbruchstellen“ gefertigt und können lange verwendet werden.
  5. Durch eine hohe Qualität der Kleidung sowie der verwendeten Materialien wird eine hohe Lebensdauer erreicht. Hier handelt es sich nicht um sogenannte „Fast fashion“ sondern vielmehr um Produkte, an denen man dauerhaft Spaß haben soll.
  6. Die verwendete Wolle wirdohne den Einsatz von Mulesing oder Superwash produziert.
  7. Es gibt unterschiedliche Kollektionen mit Biowolle und Bioseide.
  8. Ausgewählte Produkte werden direkt in Toyen, Oslo gefertigt.
  9. Northern Playground engagiert sich auch auf politischer Ebene für den Umweltschutz in der Industrie. So plädiert die Firma beispielsweise für die Einführung einer Umweltsteuer in Norwegen.
  10. Der wichtigste Produzent der Kollektionen ist Utenos mit Sitz in Litauen. Hier wird ein Großteil der Produkte von Northern Playground gefertigt. Utenos ist sich dabei seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst und erfüllt strenge Auflagen.
  11. „Grün“ zu denken und grün zu arbeiten ist einer der obersten Leitsätze von Northern Playground.
  12. Ehrlichkeit und Offenheit sind Werte, durch die sich Northern Playground definiert. Hierzu wird den Kunden nicht selten ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Überhaupt dreht sich bei Northern Playground irgendwie alles um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz und Offenheit. Hierzu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem „Utviklingsfondet“, dem Norwegischen Entwicklungsfonds, der sich für die Entwicklungs- und Umweltarbeit einsetzt. Hierdurch wird unter anderem durch Baumpflanzungsprojekte in Afrika versucht, den CO2-Fußabdruck der Firma so gut wie möglich auszugleichen.

Damit jedoch genug Ökoaktivismus für heute!

Wie siehts ganz allgemein mit der Produktpallette aus?

Die Produktpallette von Northern Playground kann grob in zwei große Bereiche unterteilt werden: „The Zip Wear Collection“, also überwiegend (Ski-)Unterwäsche mit strategisch angebrachten Reißverschlüssen und „The Organic Collection“, die aus Kleidung mit Biowolle und Bioseide besteht.

The Zip Wear Collection

Die Idee hinter den Kleidungsstücken mit Sidezips haben wir weiter oben ja schon beschrieben. Aber welche Produkte gibt es da denn konkret?

Unterhosen in unterschiedlichen Längen

Die sicherlich innovativsten Produkte von Northern Playgrund sind die wärmenden Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. Diese Hosen gibt es lang, dreiviertellang und kurz, sodass sie für die unterschiedlichsten Aktivitäten eingesetzt werden können. Auch Hosen mit einer gepolsterten Sitzfläche sind hier vertreten.

Pullover mit Frontreißverschluss

Pullover mit halblangem Reißverschluss sind echte Basics. Kein Wunder, dass auch Northern Playground welche in seiner Kollektion hat. Das Material ist dabei eine Mischung von Wolle und Kunstfaser und verbindet so Funktionalität und Tragekomfort in Perfektion.

Einteiler

Beim Zipbody handelt es sich um einen praktischen Einteiler. Dieser kommt mit langen Ärmeln und kurzen Beinen. Hierdurch ist er gerade für (Ski-)Hochtouren und andere alpine Aktivitäten gut geeignet. Durch einen langen Reißverschluss am Gesäß kann er auch unterwegs problemlos ausgezogen werden, ohne dass man sich dabei komplett entblättern muss.

Unterwäsche

Was gibts bei Unterwäsche schon groß zu erklären. Unterhosen und Sport-BHs eben. Aber mit dem kleinen Unterschied, dass auch diese Kleidungsstücke über einen strategisch angebrachten Reißverschluss verfügen, die das schnelle Ausziehen unterwegs erleichtern.

The Organic Collection

Eine zweite wichtige Produktlinie ist die Biokollektion. Hier kommen laut Herstellerangaben nur natürliche Materialien mit hoher Qualität zum Einsatz. Schauen wir doch mal rein:

Unterwäsche

Von der langen Unterhose bis hin zum BH gibt es hier alles, was zu einer ordentlichen Wäschekollektion gehört. Das Besondere dabei sind die Materialien. Alle Kleidungsstücke sind aus einem Mischgewebe aus Biowolle und Bioseide gefertigt und überzeugen durch gute Trageeigenschaften.

Shirts

Die zweite große Gruppe der Kollektion sind T-Shirts und Longsleeves. Auch hier kommt wieder eine Materialmix aus Wolle und Seide zum Einsatz. Besonders: Die Langarmshirts gibt es auch mit Knopfleiste und als Hoodie.

Accessoires

Neben den beiden großen Produktlinien hat Northern Playground auch noch ein paar schicke Accessoires am Start. Vom Röhrenschal bis Skisocken hier sind zahlreiche Produkte vertreten, die unterwegs angenehm, nützlich und schick sind.

Was gibts abschließend über Northern Playground noch zu sagen?

Die Produkte von Northern Playground überzeugen nicht nur durch eine gute Qualität und angenehme Materialien. Durch ein moderndes Design und gute Ideen hinter den einzelnen Kleidungsstücken überzeugen sie außerdem beim Outdooreinsatz. Dabei sind Ziplongs, Longsleeves und Co. bestens für alle geeignet, die viel draußen unterwegs sind und dabei nicht frieren wollen. Eine offene Firmenphilosophie sowie der gelebte Nachhaltigkeitsgedanke runden das Konzept von Northern Playground ab und machen die Marke so zu einem kleinen aber feinen Bekleidungshersteller aus dem hohen Norden.

Mehr als die abgesägte Zahnbürste – Tipps zum Ultraleichtwandern

25. April 2019
Tipps und Tricks

Wir hatten euch an dieser Stelle ja schon einmal erste Einblicke in die Welt des Ultraleichtwanderns gegeben. Dieser Beitrag bezog sich vor allem darauf, wie ihr am besten Gewicht bei großen Ausrüstungsgegenständen, den sogenannten großen vier, also Rucksack, Zelt, Schlafsack und Isomatte einsparen könnt. Zwar werde ich hier auch noch einmal kurz darauf eingehen – beim Schlafsack hatten wir auch schon einmal auf einen Quilt als deutlich leichtere Alternative hingewiesen – mir geht es aber hauptsächlich darum, euch einige Tipps zu geben, wie ihr auch die kleineren Dinge in eurem Gepäck gewichtsoptimieren könnt. Und das geht weit über das Klischee von der abgesägten Zahnbürste hinaus – wobei man auch das tatsächlich einfach tun kann ;-)

Basics – Die Tourenvorbereitung

Fangen wir einmal mit einer recht banal klingenden Sache an – der Tourenplanung. Es ist so, dass „Ultraleicht“ auf einer Wintertour etwas anderes bedeutet als auf einer Mehrtageswanderung im Sommer. Zunächst ist es einmal notwendig, Bedingungen und Terrain, die auf einer Tour zu erwarten sind, vernünftig zu recherchieren. Es bringt einem nichts, wenn das ultraleichte Ein-Personen-Zelt im ersten Schneesturm zusammenbricht. Stellt eure Ausrüstung also nach den Wetter- und Geländebedingungen zusammen, die ihr erwartet. So vermeidet ihr böse Überraschungen oder gar die Notwendigkeit eine Tour abbrechen zu müssen, weil ihr einfach nicht das adäquate Equipment dabeihabt.

Die nun folgenden Überlegungen beziehen sich auf Unternehmungen im klassischen Drei-Jahreszeiten-Bereich, bei denen es durchaus auch mal Minusgrade und Schneefall geben kann, aber keine dauerhaften Winterbedingungen zu erwarten sind.

Reduktion – Was brauche ich wirklich?

Eine weitere Grundüberlegung, wenn es darum geht wertvolle Gramm zu sparen, ist es, sich auf Wesentliches zu beschränken. Wenn ihr eure Packliste macht und die ganzen Ausrüstungsgegenstände einmal vor euch ausbreitet, dann stellt euch folgende Frage: was benötige ich wirklich? In aller Regel werden da Dinge dabei sein, die ihr entbehren könnt.

Es spielt bei eurer Kleidung kaum eine Rolle, ob ihr eine Woche oder drei Monate unterwegs sein werdet, denn ihr müsst dann ohnehin auf Tour waschen. Ihr benötigt deshalb auch nur Kleidung, die vier Zwecke erfüllt: eine möglichst bequeme Schicht zum Wandern, eine, die trocken hält, eine die wärmt und eine Merinoschicht für abends im Camp und an kalten Tagen. Bei der Isolationsschicht wird Daune immer das bessere Gewicht und Packmaß haben als Kunstfaser und auch bei der Regenbekleidung gibt es genügend Möglichkeiten sehr leicht unterwegs zu sein. Maximal drei Paar Merinosocken, zwei Unterhosen und für die Damen rundet ein Sport-BH das Ganze ab.

Ein gesondertes Wort gilt hier noch den Schuhen. Auch hier solltet ihr auf das Eigengewicht achten. Die Faustregel besagt, 100 Gramm weniger am Fuß, bedeuten ein Kilogramm weniger auf dem Rücken. Hier könnt ihr euch überlegen, wie viel Gewicht ihr einsparen könnt, wenn ihr statt eines 1700 Gramm schweren Bergstiefels mit einem stabilen Trailrunning- oder Approachschuh unterwegs seid, die für sehr viele Touren in nicht zu anspruchsvollem Terrain ohne Probleme genügen. Es ist zudem erwiesen, dass leichteres Schuhwerk den Energiebedarf eures Körpers deutlich reduziert, was wiederum zur Folge hat, dass ihr weniger Kalorien benötigt. Ihr müsst also auch geringere Essensmengen mitnehmen, was euer Gewicht niedriger hält.

Dann muss eure Isomatte nicht zwangsläufig genauso lang sein wie ihr selbst. Eure Füße könnt ihr ohne Probleme auf dem Rucksack ablegen, tut ihr das, sind wieder 100-150 Gramm weniger dabei.

In puncto Elektronik genügt mittlerweile für die meisten Gegenden das Smartphone und eine externe Batterie plus entsprechendes Kartenmaterial. Nur selten ist ein zusätzliches GPS-Gerät notwendig. In abgelegenen Regionen kann ein so genanntes In-Reach sinnvoll sein, dieses ist aber leichter als ein normales GPS-Gerät.

Auch bei der Körperhygiene könnt ihr sehr viel Gewicht sparen. Da in den meisten offenen Gewässern die Nutzung irgendwelcher Seifen oder Shampoos ohnehin untersagt ist, könnt ihr das getrost zu Hause lassen, es genügt die abgesägte Zahnbürste ;-) Ihr werdet auf längeren Touren mit oder ohne Deo und Ähnlichem anfangen zu riechen, deshalb lasst das Badezimmer daheim.

Ich werde hier am Ende eine beispielhafte Ultraleicht-Packliste hinzufügen, um euch die Idee der Beschränkung noch etwas besser zu veranschaulichen.

Zauberwort „Multifunktionalität“

Eine der besten Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung ist die Nutzung von Ausrüstung, die möglichst viele Funktionen erfüllt oder so zweckentfremdet werden kann.

Hier können wir mit den Trekkingstöcken anfangen, die zugleich als Gestänge für ein Tarp oder ein Trekkingstockzelt einsetzbar sind. Für wirklich extreme Grammjäger gibt es die Möglichkeit, ein Ponchotarp zu benutzen, das sowohl als Unterkunft, wie als Regenschutz für Mensch und Rucksack dient. Dies würde ich aber nur in gemäßigten, nicht zu nassen und windigen Regionen empfehlen. Dann kann dies aber eine wirklich ultraleichte Option sein, wenn man ein wenig Erfahrung im Aufstellen von Tarps hat und deren Vielfältigkeit zu nutzen weiß.

Noch ein Beispiel: Daune besitzt nicht nur hervorragende Isolationseigenschaften, sondern ist auch wunderbar weich. Deshalb könnt ihr eure Daunenjacke sehr schön als Kopfkissen missbrauchen und somit einen weiteren „Luxusgegenstand“, nämlich das aufblasbare Kissen, von eurer Packliste streichen.

Einer der wichtigsten multifunktionalen Gegenstände ist aber tatsächlich das Smartphone. Es kann durch sehr gute Apps als Navigationshilfe dienen, ersetzt die Kamera, kann als Notfalllampe dienen und noch einiges mehr.

Ein Wort zum Thema Essen

Auch das Thema Verpflegung sollte hier noch zur Sprache kommen. Das fängt beim Kocher an. Achtet darauf einen Kocher mitzunehmen, der eine möglichst hohe Effizienz hat, wie z.B. einen Jetboil. Diese sind zwar schwerer als klassische UL-Kocher (wie der Pocket Rocket von MSR), aber durch den integrierten Wärmetauscher, Windschutz und die sehr hohe Brennerleistung, ist der Gasverbrauch um bis zu 60% geringer. Das bedeutet ihr werdet deutlich weniger Kartuschen benötigen und dadurch viel Gewicht einsparen. Andere Kochertypen wie ein Spiritus- oder Mehrstoffkocher machen aus Gewichtsgründen beim Ultraleichtwandern keinen Sinn.

Bei der Nahrung selbst solltet ihr zum Einen möglichst Dinge zu euch nehmen, die viel Energie in Form von Kalorien spenden, ohne zu viel Platz wegzunehmen. Nüsse im Allgemeinen, getrocknete Früchte, also der klassische Trailmix ist hier immer eine gute Wahl. Zum Anderen empfiehlt es sich möglichst viele gefriergetrocknete Gerichte statt frischem Essen mitzunehmen. Hier gibt es mittlerweile wirklich leckere Alternativen und diese werden immer leichter sein, als eine Dose Ravioli. Es ist außerdem eine gute Idee, bei einer längeren Tour die Essensrationen vorher zu planen und sich grob zu überlegen, wie viele Mahlzeiten und Snacks gebraucht werden. Wichtig: Euer Kalorienbedarf wird im Laufe der Zeit zunehmen.

Noch eine Option für richtige Sparfüchse beim Thema Essen: Der Mensch benötigt Nahrung um zu überleben, er braucht aber kein warmes Essen dafür. Will sagen: ihr könnt auf den Kocher auch komplett verzichten. Es gibt genügend Dinge wie zum Beispiel Mie-Nudeln oder Couscous, die sich problemlos kalt rehydrieren lassen. Das dauert etwas länger, schmeckt aber trotzdem. Wie bei vielem ist es eine Abwägung zwischen Komfort und Gewichtseinsparung und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Verzicht möglich ist, ohne die Outdoor-Erfahrung zu einer spaßbefreiten Veranstaltung werden zu lassen.

Eine UL-Packliste

Diese Packliste bezieht sich auf eine Trekkingtour von mindestens sieben Tagen, eher länger. Die hier verlinkten Produkte, die noch nicht im Text vorkommen, sind Beispiele, zu denen es immer auch Alternativen gibt. Nehmt Euch die Zeit Eure Ausrüstung vernünftig zu recherchieren und zu vergleichen.

Die großen Vier

Kleidung

Am Körper

Als Ersatz

  • Unterhose
  • Ein Paar Socken

Regenschicht

Isolationsschicht

Campschicht und Zusatz für kalte Tage

Weitere Bekleidung

Elekronik

Hygiene & Erste Hilfe

Sonstige Ausrüstung

Mit meinen persönlichen großen Vier komme ich auf ein Basisgewicht, also ohne Essen und Wasser, von 5,5 Kilogramm für eine mehrwöchige- oder gar monatige Tour. Mit einigen der oben genannten Tipps könnte man das noch einmal um 500-800 Gramm reduzieren. Ihr seht also, leichter und damit bequemer und schneller unterwegs zu sein, ist gar nicht so schwer!

Habt ihr noch weitere Ultraleicht-Tipps auf Lager oder Fragen zu einzelnen Bereichen? Dann Feuer frei in den Kommentaren, wir freuen uns!

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Marmot

2. April 2019
Ausrüstung

Marmot ist eine Bekleidungs- und Ausrüstungsfirma, die standesgemäß im Sunny California der frühen Siebziger entstand und mittlerweile zu den bekanntesten weltweit operierenden Outdoorlabels gehört.

Man kann bei Marmot nicht unbedingt von einer umfassenden, alles durchdringenden Nachhaltigkeitsstrategie wie bei Patagonia oder Fjällräven sprechen. Es werden eher punktuelle Maßnahmen in verschiedenen Bereichen durchgeführt. Das klingt zunächst bescheiden, ist aber durchaus verständlich, denn bei Marmot ist der Anteil an wirklich hochfunktionaler, technischer Kleidung und Ausrüstung für anspruchsvolle Outdoor- und Bergunternehmungen relativ hoch. Doch das heißt nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit nur ein Schattendasein führen würde – die gezielten Maßnahmen haben es wirklich in sich und können je nach Erfolg der entsprechenden Produkte weitreichende Wirkung zeigen.

Als Haupt-Bausteine des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts kann man das Leitmotto „People, Product, Planet“ sowie die sogenannte Treadlight-Strategie betrachten. Hauptsächlich geht es bei diesen um technische Innovationen bei Materialien und Herstellungsverfahren, um Ressourcen effizienter zu verwenden und dabei zugleich die maximale Funktionalität der Produkte zu erreichen. Das versuchen viele andere Hersteller auch, doch das Besondere bei Marmot ist, dass die resultierenden Produkte nicht nur im hochpreisigen Segment anzutreffen sind (dazu gleich noch zwei Beispiele).

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Marmot sieht demzufolge langlebige und hochwertige Produkte als beste Maßnahme, um schädliche Umwelteinflüsse zu minimieren. Diese Herangehensweise sieht man nach eigener Aussage als treibende Kraft der Produktentwicklung. Es gibt hier auch nachweisbare Erfolge, von denen die Daunenalternative Marmot Eco Featherless und die umweltschonende Imprägnierung EvoDry hervorzuheben sind.

Eco Featherless

Die Daunenalternative aus Nylonfasern kam als Teil des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts in den Handel. Die Nylonfasern bestehen wiederum zu 75 Prozent aus recycelten Materialien.

Eco Featherless erreicht eine Wärmeleistung und Bauschkraft, die einer 700 Cuin Daunenfüllung entspricht, und ist dabei sowohl atmungsaktiv als auch feuchtigkeitsabweisend. Sie wärmt damit auch im nassen Zustand und wird durch häufiges Waschen kaum beeinträchtigt. Last but not least ist Eco Featherless hypoallergen und nach dem Ökostandard Bluesign zertifiziert.

EvoDry

Diese patentierte Imprägnierung wird ohne Wasser, nur mittels Hitze und Druck direkt in das trockene Garn eingebracht. Das Garn wird durchdrungen und hält dadurch dauerhaft Nässe stand. Jan Schapmann, Geschäftsführer von Marmot Mountain Europe, sieht darin nichts weniger als „die Zukunft der Regenbekleidung“.

Auch EvoDry besticht durch hohe Waschbeständigkeit: 100 Gänge in der Waschmaschine und im Trockner übersteht die Imprägnierung locker. Marmot versichert, dass EvoDry-Bekleidung die ganze Dauer über wasserdicht bleibt und nie nachimprägniert werden muss.

Bei EvoDry-Kleidungsstücken sind alle Bestandteile von der Imprägnierung bis hin zum Reißverschluss komplett PFC-frei.

Die Stoffe, auf denen die Imprägnierung aufgetragen wird, bestehen aus recyceltem Nylon und werden im umweltschonenden „Solution-Dye-Verfahren“ gefärbt. Dieses benötigt laut Outdoor-Magazin pro Jacke 85 Prozent weniger Färbemittel und 89 Prozent weniger Wasser als herkömmliche Verfahren. Energieeinsatz und CO2-Ausstoß sollen um fast zwei Drittel niedriger ausfallen.

EvoDry und Eco Featherless sind die Vorzeigetechnologien der oben erwähnten Marmot-Nachhaltigkeitsinitiative Treadlight. Sie sind aber nicht die Einzigen, hinzu kommt noch die Produktlinie der Thread T-Shirts, die aus 50% recyceltem Polyester (vor allem aus Plastikflaschen) und 50% recycelten Baumwoll-Verschnittresten hergestellt sind. Dank Letzterer werden vor allem der hohe Pestizideinsatz und Wasserbrauch der Baumwollproduktion verringert. Die verwendeten Farben sind deutlich schadstoffärmer und die T-Shirts trugen zur Schaffung von mehr als 1.300 Jobs auf Haiti bei.

Ein weiterer Umweltaspekt ist Marmots Selbstverpflichtung zur Verwendung von RDS-zertifizerter Daune. Der Responsible Down Standard (RDS) ist ein unabhängiger Zertifizierungsstandard, der die Rückverfolgbarkeit von Daunen sicherstellen soll und für die gesamte Produktionskette gilt. Auch ein durchwegs würdiger Umgang mit den Tieren soll sichergestellt werden. Bislang gelingt das in Bezug auf einzelne Produktionsketten und Unternehmen, langfristig soll es die gesamte Daunenindustrie zum Besseren verändern.

2015 begann Marmot mit der Verwendung von RDS-Daunen, seit Winter 2018 ist laut Eigenauskunft die Daune europaweit in allen Marmot-Schlafsäcken und Kleidungsstücken RDS-zertifiziert.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Neben einer wachsenden Zahl an Fair Trade Produkten hat Marmot einen Verhaltenskodex für Partner und Lieferanten. In dieser vertraglich bindenden „Vendor Compliance Policy“ werden Partner, Lieferanten und deren Subunternehmer zur Einhaltung international gültiger Standards und Normen des Arbeitsrechts verpflichtet. Man kann Marmot durchaus glauben, dass an der Umsetzung ernsthaft gearbeitet wird, denn es wird nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch auf langfristig wachsendes Vertrauen und gegenseitigen Respekt gesetzt. Mit 95 Prozent der Zulieferer unterhält man Geschäftsbeziehungen, die seit mehr als fünf Jahren andauern.

Ökonomische Aspekte

Ob Marmot eigenständig nachhaltige ökonomische Entscheidungen fällen und Strategien entwickeln kann, ist schwierig zu bewerten, da die Firma im Laufe der Jahre in ein Geflecht aus Übernahmen und Beteiligungen eingebunden wurde: „2004 wurde Marmot von K2 Sports übernommen, welches wiederum 2007 von der Jarden Corporation übernommen wurde. Nach der Übernahme von Jarden durch Newell Rubbermaid im Jahre 2016 wurde Marmot aus K2 ausgegliedert und die K2 Sports 2017 an Kohlberg & Company verkauft. Marmot ist bei Newell verblieben.“

Für Aussagen über die Planung und Durchsetzbarkeit von ökonomischen Nachhaltigkeitsstrategien benötigt man Einblicke in die Vorgaben, Entscheidungswege und Hierarchien bei Marmot und derer Mutterkonzerne, was den Rahmen dieses Artikels leider ein wenig sprengt.

Mitgliedschaften und Kooperationen

Marmot ist bluesign Systempartner, was die Verpflichtung beinhaltet, das bluesign-System in der gesamten Produktionskette anzuwenden. Das bluesign-System minimiert schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur durch einen international anerkannten Standard für nachhaltige Textilproduktion und Verbraucherschutz. Mit Inspektionen vor Ort wird sichergestellt, dass chemische Produkte und Rohstoffe korrekt und verantwortungsvoll eingesetzt und bedenkliche Stoffe vermieden werden.

Des Weiteren ist man Mitglied in der European Outdoor Conservation Association (EOCA). Die EOCA ist eine Initiative der Europäischen Outdoor-Industrie, die spezifische Umweltschutzprojekte unterstützt. Zudem unterstützt Marmot weitere Initiativen wie die dZi Foundation, die Cancer Climber Association, Guide Dogs for the Blind, Chicks with Picks, SOS Kinderdörfer und terre des hommes.

Was sagen die Kritiker?

Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Marmot mit 3 von 5 Punkten mittelmäßig mit der Tendenz zu „gut“ weg. Allerdings datiert der Check aus dem Jahr 2012, es kann sich also zwischenzeitlich einiges geändert haben. Ansonsten scheint Marmot bislang bei den Nachhaltigkeits- und Verbraucherportalen etwas unter dem Radar zu fliegen, denn seitdem scheint sonst niemand mehr nachgeprüft zu haben.

Das Alpin-Magazin sei von Marmots Nachhaltigkeitsbemühungen jedenfalls überzeugt, wie man in diesem Artikel über den Weg der Outdoorindustrie in die Nachhaltigkeit lesen kann. Über die mit EvoDry ausgestattete Eclipse Jacke heißt es:

„So schnell, robust und umtriebig, wie sich die namensgebenden Murmeltiere in der alpinen Welt bewegen, ist auch der Anspruch von Marmot an die eigenen Produkte. Das sieht man zum Beispiel in der neuen EvoDry-Technologie der Kalifornier, die nicht nur den Körper schützen soll, sondern auch die Umwelt. So besteht zum Beispiel das Eclipse Jacket aus recyceltem, sehr strapazierfähigem Nylon-Material und ist vom Reißverschluss bis zur Imprägnierung 100% PFC-frei. Dabei ist die Jacke atmungsaktiv, und hat 20.000 mm Wassersäule. Besonders schlau: Die Imprägnierung ist direkt ins Garn eingearbeitet, ein lästiges Nachimprägnieren entfällt daher“.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint das Nachhaltigkeitskonzept bei Marmot nicht allzu umfassend, doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich die punktuellen Maßnahmen als ziemlich effektiv. Allerdings ist auch die Kundschaft gefragt, nachhaltige Angebote wie Eco-Featherless und EvoDry wahrzunehmen und anzunehmen. Zumal Marmot es schafft, diese Technologien zu Preisen anzubieten, die sogar eher günstiger sind als die konventionellen Hightech Lösungen. Letztere sind im Grunde nur dann wirklich notwendig, wenn man zu dem eher kleinen Kreis der Bergfreunde gehört, der wirklich in große Höhen und stürmische Weiten vordringt. Denn das Niveau an Isolation, Wasserdichtigkeit und Gewichtsminimierung für den High-End Bereich ist (leider) nach wie vor nur mit PFC-haltiger Chemie und echten Daunen erreichbar.

Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Patagonia

19. März 2019
Ausrüstung

Es ist das Outdoor-Paradoxon: wir wollen unberührte Landschaft erleben und erhalten, verbrauchen aber reichlich Ressourcen, um sie mit eigenen Augen zu sehen. Wir regen uns über Sommerskifahrer und röhrende Porsches auf, steigen aber in den Flieger nach Neuseeland. Ob Hersteller und Anbieter von Outdoorware oder Konsument und Nachfrager: man schwärmt von Natur und Bergen, trägt aber genau dadurch auch zu deren Gefährdung bei.

Doch vielleicht gibt es auch eine andere Seite. So heizen bunte Bilder von Wasserfällen, Wäldern und Bergkulissen zwar einerseits die Konsum- und Reiselust an, doch gleichzeitig können sie durchaus auch den Sinn für die Schönheit der empfindlichen und schützenswerten Ökosysteme schärfen.

Nicht nur Klima: Was ist Nachhaltigkeit?

Vereinfacht gesagt: Nachhaltig ist, wenn man Ressourcen nicht schneller verbraucht, als die Natur sie – mit oder ohne menschlichen Einfluss – neu schaffen kann. Man kann dafür den selbstlosen Verzicht predigen, doch das wird kaum beachtet, geschweige denn ernst genommen. Auch kann das nur tun, wer glaubwürdig als Vorbild vorangeht – und das sind nicht Viele. Immerhin, wenn es denn mal jemand vormacht, wird es weithin respektiert und bewundert.

Trotzdem fruchten meist nicht einmal die vielen Appelle an die „freiwillige Selbstbeschränkung“ auf ein „vernünftiges Maß“. Sie riechen eben zu sehr nach Moralkeule und außerdem kann ohnehin niemand wirklich genau sagen, wo dieses goldene Mittelmaß liegt. Meist wird versucht, mit einem bestimmten „CO2-Budget“ pro Kopf und Jahr zu operieren. Derart auf Zahlen reduziert scheint es zwar besser umsetzbar, geht meiner Meinung nach aber am Kern des Problems vorbei – so wie im Grunde die ganze heutige Fixierung auf Zahlen, CO2 und „das Klima“.

Mit „Klimazielen“ und maximal „erlaubten“ Temperaturerhöhungen der Erde zeigt der Mensch neben der guten Absicht nämlich auch, dass er nach wie vor in dem technozentrischen Weltbild steckt, das die Probleme erst erzeugt hat. Ein solches Weltbild glaubt, mit Zertifikatehandel und etwas effizienterer Technologie die Temperaturverhältnisse der Erde zu steuern und damit das Umweltproblem in den Griff zu bekommen. Nur wird dabei vergessen, dass bei solch gewaltigen ökologischen Zusammenhängen auch kosmische Einflüsse wie die Sonne sowie auch die Erde selbst ein Wörtchen mitzureden haben. Auch geraten durch die CO2-Fixierung andere Probleme wie Bodenversiegelung oder Ausstoß von Ruß, Feinstaub und Aerosolen aus dem Blickfeld.

Echte Nachhaltigkeit muss auch andere Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die drei Ebenen des Nachhaltigkeitsmodells (Ökologisches, Ökonomisches und Soziales), sondern auch persönliche und grundsätzliche, nicht technische Aspekte wie ein Hinterfragen der eigenen Bedürfnisse und Motive. Um dann vielleicht so manchen Impulskauf oder die spontane Kurzreise um den halben Globus bleiben zu lassen. So kann man sich beispielsweise fragen: Brauche ich für meine Wanderpläne diese 3-lagige Hightech-Jacke mit 40 000 mm Wassersäule? Brauche ich die wasserabweisende und atmungsaktive Daunendecke für den Campingausflug? Muss alles immer nagelneu sein oder reicht auch mal ein gut gepflegtes Second-Hand-Teil?

Bei Outdoor-Kleidung bedeutet jedes Mehr an Funktion oft auch ein Mehr an Chemikalien. Aber jetzt fange ich hier selbst schon mit der Moralkeule an… Ich möchte aber nur zeigen, dass letztendlich die Hauptverantwortung bei uns als Kunden liegt, denn bei aller Werbeverführung der Welt kann kein Hersteller und kein Händler allein bestimmen, was gemacht und hergestellt wird.

Apropos Hersteller: dieser Artikel hier soll die Nachhaltigkeitsbemühungen von Patagonia unter die Lupe nehmen – und in folgenden Artikeln werden noch einige weitere Hersteller auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Patagonia

Zunächst Folgendes: eine durchweg nachhaltige/ethische Rohstoff-, Erzeugungs- und Vertriebskette kann nach wie vor kein Outdoor-Unternehmen leisten, ohne exorbitante Kaufpreise zu fordern. Auf diese Weise ist die Nachhaltigkeit eher eine kleine Spezialnische für die „gehobene“ Kundschaft. Damit wären wir aber eher beim berühmt berüchtigten „Freikaufen“ für einige wenige Superprivilegierte.

Wirkliche Nachhaltigkeit muss aber auch im effizienten, groß angelegten und preisgünstigen Rahmen funktionieren. Und hier ist Patagonia auf dem richtigen Weg, denn die Maßnahmen zielen nicht auf Exklusivität ab. Und Patagonia geht auch nicht den anderen „einfachen Weg“, nur einen unter vielen Aspekten nachhaltig zu gestalten und sich dann mit irgendeinem „klimaneutral“ erzeugten Zwischenprodukt ein grünes Image zu verschaffen. Nein, man setzt sich hier auf mehreren Ebenen für mehr Nachhaltigkeit ein und hat damit schon zu Zeiten begonnen, als nur die wenigsten global operierenden Unternehmen an derartiges dachten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Doch auch Patagonia war und ist ein wachsendes, global operierendes Unternehmen, dessen Verfahren und Produkte nicht immer vollständig nachhaltig sind. Elegant und diplomatisch wird dieses Problem in Formulierungen wie „zwischen Marketing und Umweltschutz“ ausgedrückt. Zu diesem Spagat gehören Engagements für verschiedene Umweltprojekte wie das bekannte Spendenkonzept „1% for the Planet“. Dessen Grundidee stammt von Patagonia-Gründer Yvon Chouinard selbst: 1% des jährlichen Unternehmensumsatzes geht an Organisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen.

Hauptsächlich will Patagonia die Umwelt-Nachhaltigkeit mit einem 4-Punkte Programm verbessern. Dieses besteht aus folgenden Punkten:

1 Reduce

Damit ist das Bestreben nach möglichst langer Lebensdauer der Produkte gemeint. Dadurch soll der Bedarf an ständig neuer Kleidung verringert werden. In diesem Rahmen ist auch die berühmte  Marketingkampagne „Do not buy this jacket“ während der Thanksgiving-Saison 2011 zu verstehen. Auf deren scheinbare Widersprüchlichkeit gehe ich später noch ein.

2 Repair

Patagonia gestaltet viele Kleidungsstücke so, dass Kunden sie möglichst einfach selbst reparieren können und unterstützt sie dabei mit Anleitungen im Internet. In den USA hat man eines der größten Textilreparaturzentren überhaupt aufgebaut und repariert dort jährlich 40.000 Kleidungsstücke.

In seinen Läden repariert Patagonia kaputte Outdoor-Bekleidung kostenlos und schickt mit dem „Worn wear truck“ seit 2017 einen Reparaturservice quer durch Europa (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage).

Außerdem nimmt Patagonia kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, andere Marken anzuprangern, die Reparaturen bewusst erschweren, um Kunden zu schnellem Neukauf zu bewegen. Mehr über die Worn Wear Aktivitäten findet sich in diesem Bergfreunde-Artikel und diesem Utopia-Bericht.

3 Reuse

Worn Wear dient auch als Label für den Second Hand Markt von Patagonia. Auf dieser Plattform wird gebrauchte Patagonia Bekleidung aufbereitet und gehandelt. Jeder Patagonia Kunde kann hier seine gebrauchte Kleidung weiter verkaufen.

4 Recycle

Wenn Weiterverwendung oder Reparatur nicht mehr möglich ist, kommt die Option Recycling zum Einsatz. Patagonia nimmt alle Bekleidungsstücke zurück und führt sie der Wiederverarbeitung zu. Damit werden viele nach wie vor hochwertigen Stoffe vor der Müllverbrennungsanlage oder der Deponie bewahrt. Schon seit langem produziert Patagonia einen Großteil seiner Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen. Mit dem Recycling von Daunen bei Patagonia haben wir uns hier im Basislagerblog schon einmal ausführlicher beschäftigt.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

„Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Patagonia wurde dabei in die zweitbeste Kategorie ‚Durchschnittliche‘ von fünf Kategorien eingestuft. Im ‚Outdoorguide‘ der Erklärung von Bern/Public Eye von 2012 erreichte Patagonia einen Platz in der höchsten Kategorie ‚Fortgeschrittene‘.“

Diese Wikipedia-Ausführungen zeigen die Schwierigkeiten des „Monitoring“, also der lückenlosen Überwachung und Bewertung aller Prozesse bei Großunternehmen (mit einem Umsatz von etwa 600 Millionen US$ (Stand 2013) und einer Mitarbeiterzahl von etwa 1300 gehört Patagonia eindeutig in diese Kategorie). Das Zurückverfolgen aller Wege und Zwischenprodukte kann da schon ziemlich kompliziert werden. Patagonia bemüht sich dennoch, alle Herstellungsschritte vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt transparent zu machen und fair zu gestalten. Letzteres zeigt sich auch an der Mitgliedschaft in verschiedenen Initiativen wie Fair Labor Association, die sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einsetzen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Seit 2013 zeigt sich das Unternehmen skeptisch gegenüber dem Konzept des ökonomischen Wachstums, weil es einen Punkt gäbe, an dem Wachstum direkt oder indirekt die Lebensbedingungen gefährden würde. Verantwortliches Wachstum wäre nur solches, das soziale und ökologische Folgen bedenke. Ähnliches wird zwar in jeder Sonntagsrede geäußert, doch bei Patagonia bestehen gute Chancen, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Denn die Firma ist und bleibt im Privatbesitz, ohne Beteiligung von anonymen Kreditgebern, die im Hintergrund die Geschäftsentscheidungen beeinflussen.

Marketing

Das Marketing bei Patagonia kann mit etwas Wohlwollen auch zur Nachhaltigkeitsstrategie gezählt werden, denn es zielt oft auf Umweltthemen ab. Ein zwar nicht messbarer, aber sicher nicht zu unterschätzender Beitrag von Patagonia liegt darin, viele Nachhaltigkeitsthemen überhaupt erst ins Bewusstsein der Outdoorbranche und ihrer Kunden gerückt zu haben.

Mit der bereits erwähnten „Kauft diese Jacke nicht“-Werbung positionierte man sich beispielsweise gegen Ressourcenverschwendung und Müllberge des schnelllebigen Modekonsums. Zunächst scheint eine derart widersprüchliche Botschaft wenig glaubhaft, doch man meinte sie durchaus ernst. Und wenn man zwischen Unternehmenswachstum und Marktwachstum unterscheidet, macht sie auch ökonomisch Sinn. Das Unternehmen Patagonia möchte eben dank seiner Nachhaltigkeitserfolge florieren. Firmengründer Chouinard sieht sich ja durchaus als Unternehmer im Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen, die beim Wegfall von schnelllebigem „Sinnloskonsum“ eben aufgrund ihrer mangelnden Nachhaltigkeit aus dem Markt gedrängt werden. Dann schrumpft zwar der Markt, doch die Firma wächst.

Was sagen die Kritiker?

Das Auge der kritischen Öffentlichkeit ist bei einer Firma wie Patagonia natürlich besonders wachsam. In der Vergangenheit hat es mehrfach Kritik von Tierschutzorganisationen gegeben. Die war berechtigt und wurde dementsprechend auch aufgenommen. Und zwar nicht in Form von Beschwichtigungen und Relativierungen, sondern in Form von Veränderungen. Im Falle einer Beschwerde von PETA über das Leid von Schafen in einem Zuliefererbetrieb nahm man diese Wolle umgehend aus der Verarbeitung. Nach Beschwerden über die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf entwickelte Patagonia den strengen „Traceable Down Standard“, der eine transparente Lieferkette und den Ausschluss von Zwangsfütterung und Lebendrupf sicherstellen soll.

Verbraucherschützer und Nachhaltigkeitsportale zeigen sich durchaus anerkennend. So bestätigt das Nachhaltigkeitsportal Utopia.de, dass die zahlreichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen weder Greenwashing noch Imagepflege, sondern echte Bemühungen sind. Der Verein Rank a brand kommt hingegen zu einem kritischen Urteil, das aber noch nicht abschließend gefällt scheint. Auch hier zeigen die abweichenden Ergebnisse, wie schwierig es ist, die Effektivität von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu bewerten.

Kritik in großen Medien wie Zeit.de und Spiegel-Online fällt eher undifferenziert aus und scheint auch teils Kritik um der Kritik willen zu sein. So schreibt man bei der Zeit:

„Das US-Unternehmen aus Kalifornien verkauft seinen Kunden nicht nur warme und langlebige Jacken, sondern ein Image: Öko-Coolness für politisch korrekte Hipster.“

Das klingt, als ob es falsch sei, dass Nachhaltigkeit mittlerweile sogar „cool“ sein kann. Wäre es denn besser, wenn sie immer noch mit muffigem Reformhaus- und Birkenstock-Image behaftet wäre? Mir sind Hipster ja auch nicht ganz koscher, insofern volles Verständnis für diese Breitseite. Dennoch ist sie eher ein Geschmacksurteil und unterstellt, dass Patagonia den Weg zur „Modemarke für Büromenschen“ einschlagen würde. Wenn, dann wäre das sicher fragwürdig, zumindest solange man nicht reine Modelinien ohne chemisch oder ressourcenaufwändig erzielte Funktionalität anbietet. Denn es stimmt schon, dass technische Outdoorkleidung in der Stadt oder beim Waldspaziergang wenig sinnvoll ist.

Auch der Spiegel kritisiert auf ähnliche Weise. Es werden auch hauptsächlich Probleme und Widersprüche hervorgehoben, die die Outdoorbranche allgemein betreffen.

Fazit

Ganz sicher kann Patagonia noch vieles verbessern und umfassende Nachhaltigkeit ist noch lange nicht erreicht. Betrachtet man es in Relation zur Gesamt-Outdoorbranche, gibt die Firma allerdings ein sehr gutes Bild ab. Patagonia ist aktiver als die meisten Mitbewerber und das auch schon seit viel längerer Zeit. Es treten zwar Versäumnisse und Fehler auf, doch diese werden nicht vertuscht oder schöngeredet, sondern nach und nach angegangen.

Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Fjällräven

20. März 2019
Ausrüstung

Christiane Dolva Törnberg ist zuständig für die Nachhaltigkeit bei Fjällräven. Die Sustainability Managerin fasst das Nachhaltigkeitsverständnis der nordschwedischen Firma wie folgt zusammen: „Das Besondere an Fjällräven ist, dass Nachhaltigkeit nicht als eigenständiges Projekt begriffen wird. Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles, was wir tun.“

Das klingt ähnlich ambitioniert wie die Kurzfassung des Ganzen im Slogan: „Das Lager besser verlassen, als man es vorgefunden hat“ – schließlich ist mit dem „Lager“ die ganze (Um)Welt gemeint.

Beide Formulierungen findet man auf der Firmenwebsite, wo das Nachhaltigkeitskonzept detailliert präsentiert wird. Dessen Bestandteile sind:

  • Care and Repair“ (maximale Produktlebensdauer, Materialeinsparung, Reparaturanleitungen)
  • Entwicklung (Design, Materialien)
  • Produktion (Verhaltenskodex, Zusammenarbeit und Klimakompensation)

Diese Bestandteile können inhaltlich auf verschiedene Arten strukturiert werden – je nach Sichtweise. Eine Möglichkeit ist die Unterteilung aus Sicht des einzelnen Produktes: bei jedem Produkt ist Nachhaltigkeit das Leitprinzip – und das bei Design, Materialauswahl und Herstellung.

Beim Design jedes Produkts folgt Fjällräven sieben Nachhaltigkeitsgrundsätzen, zu denen u.a. eine Materialauswahl gehört, die zu einem einfach zu reparierenden, robusten und nie aus der Mode kommenden Produkt führt. Damit die Firma bei all den Vorgaben selbst nicht den Faden verliert, hat  sie eine Orientierungsgrundlage des Nachhaltigkeitsprogramms geschaffen – einen Kompass namens „The Fjällräven Way“:

„Damit wir die richtigen Schritte gehen und nicht vom Weg abkommen, haben wir „The Fjällräven Way“ entwickelt, der uns wie ein Kompass oder eine Karte bei unseren Entscheidungen die Richtung vorgibt. Die vier Grundrichtungen des Fjällräven-Kompasses sind: Natur und Umwelt, Unternehmens- und Geschäftsabläufe, soziale Verantwortung sowie Wohlergehen.“

Diese Richtungen entsprechen in etwa den klassischen drei Ebenen der Nachhaltigkeit, bei denen man den letzten Aspekt „Wohlergehen“ unter der Ebene „Soziales“ zusammenfasst. Schauen wir uns nun die Maßnahmen von Fjällräven nach den Ebenen Umwelt und Soziales geordnet an – ähnlich wie wir es schon im vorigen Artikel bei den Kollegen von Patagonia gemacht haben.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Wie wohl bei den meisten Outdoorproduzenten ist der Schutz der Natur bei Fjällräven der wichtigste Aspekt. Das kommt auch symbolisch im Namen zum Ausdruck: „Fjell“ ist die Bezeichnung für die skandinavischen Gebirgszonen und Räv(en) bezeichnet den dort umherstreifenden Fuchs.

Auf der praktischen Ebene wird das nachhaltige Selbstverständnis vor allem durch eine ressourcenschonende Materialauswahl und die Wahl umweltbewusster Produktionswege umgesetzt. Als wichtiges Beispiel nennt Fjällräven hier sein Eco-Shell Material, das in der Wetterschutzbekleidung zum Einsatz kommt. Es lässt sich recyceln, wenn das Kleidungsstück ausgedient hat. Zudem kompensiert Fjällräven die CO2-Emmissionen, die bei der Herstellung von Eco-Shell anfallen.

Materialauswahl

Allerdings geht im Zweifel die Funktionalität vor: „Egal, wie nachhaltig es sein mag: Wenn ein Obermaterial dich nicht trocken hält, verwenden wir es auch nicht.“ Man setzt aber soweit wie möglich biologische, wiederverwertbare und recycelte Materialien ein oder bevorzugt rückverfolgbare natürliche Materialien. Dabei nimmt man folgende Einteilung der Materialien vor: „Exzellent“ für recycelte Wolle, biologischen Hanf und Tencel; „gut“ für recyceltes Polyester, G-1000 Eco und rückverfolgbare Wolle sowie „okay“ für Polyamid, Baumwolle, Metallknöpfe.

Auf  PFCs, PVCs und Angorawolle wird bei Fjällräven verzichtet. Man achtet bei der Materialauswahl auf Abfallvermeidung und setzt soweit wie möglich recycelte Stoffe ein. Es wird versucht, für jedes Produkt möglichst wenig verschiedene Materialien zu verwenden, um die Wiederverwertbarkeit zu vereinfachen. Man gesteht aber auch ein, dass es hier noch Verbesserungspotentiale gibt.

Die Haltbarkeit der Materialien soll nicht nur durch gute Ausgangsstoffe und hochwertige Verarbeitung erreicht werden, sondern auch durch die richtige Pflege und Reparatur. Wer umfassende Nachhaltigkeit will, muss sich eben auch als Kunde und Verbraucher mit einbringen. Dabei helfen die Tipps zur richtigen Pflege und Aufbewahrung der Ausrüstung sowie detaillierte Anleitungen für die häufigsten Reparaturen.

Daune, Wolle, Leder

Materialien tierischen Ursprungs wie Wolle, Daunen und Leder werden nur dann verwendet, wenn kein synthetisches Material mit gleichwertigen Eigenschaften verfügbar ist. Es gibt einen  Verhaltenskodex mit einer nicht verhandelbaren Pflicht für alle Lieferanten, Tiere sorgsam zu behandeln. An der Rückverfolgbarkeit der Tierprodukte in allen Lieferketten arbeitet Fjällräven, bei Daunen ist dieses Ziel seit 2014 erreicht. Grundsätzlich verspricht Fjällräven, dass in allen Produkten gilt:

Kein Lebendrupf, keine Stopfmast, kein Mulesing.“

Daune

Das „Daunenversprechen“ wurde von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten als die beste Richtlinie im Outdoorsegment ausgezeichnet. Die Produktionskette für Daunen gilt als eine der transparentesten in der gesamten Outdoorbranche.

Alle von Fjällräven verwendeten Daunen sind Nebenprodukte der Lebensmittelproduktion und vollständig rückverfolgbar. Sie stammen von nur einem Zulieferer aus China, der wiederum nur von Betrieben bezieht, die dem Fjällräven-Verhaltenskodex (Code of Conduct) unterliegen. Ein Qualitätskontrollteam überwacht den Umgang mit den Tieren durch angekündigte und unangekündigte Besuche. Außerdem werden die Daunen vor der Weiterverarbeitung durch das IDFL (International Down and Feather Laboratory) überprüft.

Wolle

Seit 2015 versucht Fjällräven, eine vollständig global rückverfolgbare Lieferkette aufzubauen. Das ist durch den komplexen Aufbau des Marktes schwierig, weshalb es bis jetzt noch keine vollständig befriedigende Lösung dafür gibt. Immerhin die erste Baselayer-Kollektion ist schon aus komplett rückverfolgbarer Wolle gefertigt. Außerdem gewährleistet man auch jetzt schon, dass die gesamte, verwendete Wolle komplett ohne das leider immer noch verbreitete, tierquälerische Mulesing-Verfahren gewonnen wurde.

Leder

Hier setzt Fjällräven den Schwerpunkt auf das Gerbverfahren, mit dem das Leder langlebiger gemacht wird. Denn dabei kommen große Mengen Wasser, Chemikalien und Energie zum Einsatz. Man versucht, diesen doch recht großen ökologischen Fußabdruck durch pflanzlich gegerbte Accessoires und Jagdprodukte im Sortiment sowie die Zusammenarbeit mit Gerbereien zu verkleinern, die mit dem „Gold-Standard“ der Leather Working Group ausgezeichnet sind.

Chemikalien

Die Fluorcarbone (PFCs) gehören für Fjällräven zur „schwarzen Liste“ gefährlicher und verbotener Chemikalien, die die Firma in Zusammenarbeit mit der Swedish Chemicals Group führt und ständig aktualisiert.

Fjällräven war 2012 eines der ersten Outdoorunternehmen, das sich entschloss, dass gesamte Produktsortiment auf fluorcarbonfreie Imprägnierung umzustellen. Auch eines der wenigen PFC-freien Imprägniersprays auf dem Markt ist von Fjällräven. Das bekannte, hauseigene G-1000 Gewebe lässt sich mit dem ebenfalls PFC-freien Greenland Wax immer wieder neu imprägnieren. Allerdings ist man noch nicht bei 100 Prozent PFC-Freiheit angelangt: bei den Reißverschlüssen ließ sich bislang noch keine voll befriedigende Alternative finden.

Design

Bei allen Produkten wird auf ein möglichst schlichtes Design mit möglichst wenig verschleißanfälligen Schwachstellen geachtet. Jede angebrachte Tasche und jede Formgebung ist genau durchdacht. An besonders beanspruchten Stellen achten die Designer nicht nur auf besondere Robustheit, sondern auch auf eine möglichst einfache Reparierbarkeit.

Der modische Aspekt wird dabei insofern berücksichtigt, dass ein möglichst zeitloser Look entstehen soll, der unabhängig von wechselnden Trends und Moden ist.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Die hohen sozialen Standards in der Firma selbst stehen hier weniger im Fokus als diejenigen in den Zuliefererbetrieben. Dabei kommt der schon erwähnte, firmeneigene und für sämtliche Lieferanten verpflichtende Code of Coduct zum Einsatz. Er wird von unabhängigen Instituten wie der SGS (Société Générale de Surveillance) auf Einhaltung überprüft und regelt die Rahmenbedingungen für menschenwürdige Arbeit (wie etwa Arbeitszeitbegrenzung, Mindestlöhne, Arbeitsplatzsicherheit und Verbot von Kinderarbeit).

Der Code of Conduct baut auf dem Verhaltenskodex am Arbeitsplatz („Workplace Code of Conduct“) der Fair Labor Association auf und umfasst die Bereiche Menschenrechte, Tierwohl, Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung und Antikorruption.

Kooperationen und Mitgliedschaften

Da man Kooperation und Austausch als sehr wichtig erachtet, ist Fjällräven in mehrere Netzwerke eingebunden. Neben der Mitgliedschaft in der Fair Labor Association (FLA) gibt es die Beteiligung an der Sustainable Apparel Coalition (SAC). Die SAC ist eine Gruppe aus etwa 80 Unternehmen für Schuhe und Bekleidung sowie NGOs, die sich über bewährte Praktiken austauscht, mit denen soziale und ökologische Belastungen reduziert werden können.

Zudem hat man sich dem UN Global Compact verpflichtet, einer Partnerschaft zwischen Unternehmen und den Vereinten Nationen. Die Partner arbeiten daran, ihre Geschäftsprozesse und Strategien an zehn universell anerkannten Prinzipien in den Bereichen Umwelt, Menschen- und Arbeitsrechte sowie Anti-Korruption auszurichten.

Was sagen die Kritiker?

Gemischt bis gut: so könnte man das „Medienecho“ in etwa zusammenfassen. Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Fjällräven mit 4 von 5 Punkten „gut“ weg. Bei den Kollegen von Rankabrand sieht man die Sache mit einer durchschnittlichen Bewertung kritischer. Allerdings wird bei diesem Portal keine Outdoorfirma wirklich gut bewertet, weshalb Fjällräven trotz durchschnittlicher C-Note weit vorn mit schwimmt (ähnlich wie Patagonia).

Der Nachhaltigkeitsblog Viertel-vor lobt den populären Rucksackklassiker Kånken und dessen aktuellen Nachfolger, den komplett aus recyceltem Material gefertigten Re-Kånken.

Auch die Massenmedien fokussieren sich in ihren Berichten über Fjällräven weitgehend auf diesen einen Rucksack. Dabei wird eher auf den Modeaspekt eingegangen als auf die Funktionalität, auf die Fjällräven selbst den Fokus setzt. Dabei bedient man gerade keine „angesagten Looks“ und schwimmt auch nicht auf Modewellen. Bezüglich des Kånken-Rucksacks beteuert man, keine besondere Werbung dafür zu machen und nicht aktiv an dessen Hype beteiligt zu sein. Das würde auch nicht zur oben erwähnten Designphilosophie passen.

Fazit

Man kann Fjällräven definitiv zu den Outdoorproduzenten zählen, deren Nachhaltigkeitskonzept kein schön formuliertes Greenwashing, sondern ein ernsthafter, zielstrebiger und effektiver Maßnahmenkatalog ist. Man wird deshalb auch in Zukunft ganz sicher immer wieder von Errungenschaften und Verbesserungen hören – ohne dass Probleme unter den Tisch gekehrt werden.

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