Ausrüstung

Trad Climbing: eine Ausrüstungsempfehlung

29. Dezember 2014

Kategorie

Sportart

Alien Cams - Alien - Klemmgerät

Alien Cams – Alien – Klemmgerät

Dieser Artikel beschreibt, was du vor dem Kauf deiner ersten mobilen Sicherungen bedenken solltest.Wir erklären Dir, was ein Rack ist, was es zu Beginn beinhalten sollte und worauf Du achten musst, wenn Du es zusammenstellst.

Der Artikel basiert auf den Erfahrungen von Egor, die er in den letzten sechs Jahren als Einsteiger ins Trad Climbing gemacht hat. Alle Schlüsse und Meinungen in diesem Artikel sind seine eigenen und funktionieren unter Umständen nicht für andere Kletterer. Die technischen Angaben sind hingegen nach bestem Gewissen objektiv gehalten.

In der Praxis werden oft Markennamen als Sammelbegriffe für bestimmte Arten von Sicherungen benutzt. Damit wir uns verstehen, sind die korrekten Bezeichnungen in folgender Tabelle zusammengefasst.

Übersicht über mobile Sicherungen nach Anwendungsgebiet

Übersicht über mobile Sicherungen nach Anwendungsgebiet

Bei der Einteilung handelt es sich um die Definition des DAV aus seinem Alpin-Lehrplan 5 (2013). Umgangsprachlich spricht man allerdings nie von Stoppern, sondern immer von Klemmkeilen. Alleine schon aus dem Grund, da es ein Klemmkeilmodell von Black Diamond gibt, das Stopper heißt. Daher werden wir auch im weiteren Verlauf dieses Artikels Klemmkeile sagen.

Als ich meine ersten mobilen Sicherungen zusammensuchte, war der Kaufrausch groß – Ich wollte sie einfach alle haben! Es gibt so viele verschiedene und jede hat ihre speziellen Vorteile, auf die ich nicht verzichten wollte. Ich konnte schlecht einschätzen, welche davon wichtig sind und welche nicht, doch wollte ich auf keinen Fall schlecht ausgerüstet meine erste Tradroute probieren.

„Besser als nix“ und „Vielleicht hälts ja doch“

Warum sichern wir uns beim Klettern überhaupt? Zunächst einmal um Bodenstürze zu verhindern. Viele Sicherungen legen wir aber auch aus Angst und nicht, weil sie unbedingt nötig sind. Neben der manchmal zittrigen Körpersprache verraten uns irrationale Handlungen, wie „überstrecktes“ Einhängen des Seils und das Setzen schwacher Zwischensicherungen als „moralische Unterstützung“.

Indem Du weniger Sicherungen legst (in einem gewissen Rahmen natürlich) und entsprechend weniger Ausrüstung mitnimmst, sparst Du Gewicht am Gurt sowie die zum Legen und Clippen benötigte Zeit und Kraft. Wenn Du nicht versuchst, jede noch so wacklige Platzierung auszunutzen, könnte dies letztlich helfen Stürze zu vermeiden. Das Problem dabei ist, dass man selten weiß, wann die nächste zuverlässige Platzierung kommt.

Die perfekte mobile Sicherung

Ist doch klar: Die perfekte Sicherung kann sich an jede Platzierung anpassen! Doch sogar wenn so etwas möglich wäre, die „perfekte“ Sicherung könnte nicht mehrere weniger anpassungsfähige Sicherungen ersetzen. Mit einer einzigen Zwischensicherung lässt sich keine Route absichern! Man wird immer mit Sets und gut kombinierten Einzelteilen arbeiten müssen, um eine praxistaugliche Auswahl an mobilen Sicherungen zu erhalten. Diese persönliche Sammlung an mobilen Sicherungen nennt man „Rack“ (engl.).

Was ist wichtig, damit ein Rack funktioniert?

Das wichtigste ist wohl, dass ein Rack die Rissbreiten im gewünschten Bereich kontinuierlich abdeckt. Der Bereich selbst hängt von den Besonderheiten Deines Klettergebiets ab und von den Routen, die Du klettern willst. Wenn es nicht Dein Ding ist, Faustrisse zu klettern, brauchst Du meistens auch keine Sicherungen in dieser Größe. Wenn in Deinem Gebiet aber viele faustgroße Kalklöcher sind, dann sind sogar mehrere solche Sicherungen sinnvoll.

Die von größentechnisch benachbarten Sicherungen abgedeckten Bereiche sollten sich überlappen. Die Belastbarkeit mobiler Sicherungen wird zwar in Bruchlastwerten angeben, allerdings hängt es von der Platzierung ab, welche Belastbarkeit sie tatsächlich haben. Klemmgeräte verlieren am oberen Ende ihrer Spreizfähigkeit an Stabilität und verändern gerne ihre Position im Riss. Bei einer Belastung fliegen sie dann leichter aus dem Riss. Das hat dann aber nichts mit der Bruchlast des Klemmgerätes zu tun, denn dem Gerät geht es prächtig. Aus diesem Grund sollte man Klemmgeräte nicht voll ausgespreizt platzieren. Platziert man sie außerdem komplett zusammengefaltet, lassen sie sich nur mühsam entfernen. Daher empfiehlt sich eine Verwendung im mittleren Segmentwinkel.

Außerdem entsteht in der kontinuierlichen Abdeckung des Racks eine Lücke, wenn man eine Sicherung unter sich lässt. Durch stärkere Überlappung können diese Probleme zunehmend entschärft werden. Bei der Überlappung von Sets gibt es modellbedingte Unterschiede. Wofür Du Dich hier entscheidest ist Sache deines Geschmacks und des Einsatzbereichs.

Was die Schnelligkeit beim Heraussuchen und Legen der Sicherung stark beeinflusst, ist die Art und Weise, wie die Ausrüstung am Gurt befestigt ist. Hier lohnt es sich zu schauen, wie sich die Größen / Längen der Geräte und Modelle am Gurt miteinander verhalten.

In welcher Reihenfolge sollte man sein Rack zusammenstellen?

1) Klemmkeile

Black Diamond - Stoppers - Klemmkeile

Black Diamond – Stoppers – Klemmkeile

Als erstes solltest Du Dir ein Set Klemmkeile zulegen, sie bilden das Rückgrat eines Racks, sind das günstigste Sicherungsmittel, trotzdem sehr sicher und relativ leicht. Wenn Du die Wahl hast, ein Klemmgerät oder einen gleichgroßen Klemmkeil zu zu legen (zwei Platzierungen in unmittelbarer Nähe), entscheide Dich für den Klemmkeil und hebe das vielseitigere Klemmgerät für später auf. Mit dieser Taktik lege ich ca. 60% Klemmkeile und 40% Klemmgeräte. Am Anfang sollte man sich „normale“ Klemmkeile holen (Black Diamond, Wild Country), ausgefallene Formen und Offsets werden erst später interessant.

Anzahl

Klemmkeile funktionieren nur im Set (8-12 Stück), denn sie passen sich nicht an den Riss an (passiv). Es ist daher Aufgabe des Kletterers, den richtigen Klemmkeil herauszusuchen. Je feiner die Abstufung des Sets, desto besser klappt das, desto mehr wiegt aber auch das Set.

Größen

Man sollte sich als Anfänger nichts unter 5mm Breite und 6kN Bruchlast holen, solche Sicherungen fallen automatisch in die Kategorie „unzuverlässig“Sehr große Klemmkeile (über ca. 27mm) braucht man auch als Fortgeschrittener nicht, breite Risse werden besser durch andere Sicherungen abgedeckt.

2) Aktive Sicherungen

Als zweites sollte man sich Sicherungen kaufen, die für aktive Platzierungen geeignet sind. Dies können Cams, Tricams oder bedingt auch Hexentrics sein. Wenn Du Dir nicht gleich ein komplettes Set leisten willst, kannst Du die Klemmkeile nach oben hin ergänzen.

3) Erweiterung und Doppelung

Nach dem Du mit den Sicherungen aus 1) und 2) Deine Erfahrungen gemacht hast, weißt Du vielleicht selbst schon, was Du brauchst. Wenn Du bestimmte Größen doppelt haben willst, mische verschiedene Modelle, um ihre Stärken optimal zu nutzen. Kombiniere z.B. Cams (schnell zu legen) mit Tricams (schmal – gut für Löcher), oder normale Klemmkeil mit Offsets.

Beispielaufbau

Beispielaufbau

Hexentrics

Hexentrics eignen sich besonders gut, um die Auswahl der Klemmkeile nach oben hin zu erweitern und die aktiven Sicherungen zu doppeln. Sie sind kein vollwertiger Ersatz für Klemmgeräte oder Tricams. Sie übernehmen die positiven Eigenschaften der Klemmkeil (günstig, robust, leicht) und erweitern sie um die Möglichkeit der aktiven Platzierung. Die Größen 1,2 und 3 sind unhandlich klein.

Hexentrics halten bei entsprechender Platzierung durchs Verdrehen und nicht durch die Verjüngung des Risses. Sie können auch in parallelseitigen Rissen halten, decken ihre Breiten aber nicht kontinuierlich ab. Risse mit nur sehr leichter Verjüngung, in denen ein Klemmkeil nicht halten würde, sind ebenfalls kein Problem. Zudem kann man entlang der Verjüngung eine Stelle finden, wo die Breite genau passt.

Spezielle Formen von Klemmkeilen

Die Vielfalt an Formen, die der Fels uns bietet, ist schier unerschöpflich. Diese Formvielfalt finden wir auf der Suche nach Platzierungen auch in Löchern und Rissen wieder. In gewissen Grenzen können Hersteller die „Anpassungsfähigkeit “ ihrer Klemmkeile durch geometrische Gestaltung erhöhen. Heraus kommen spezialisierte Formen von Klemmkeilen für Rissgeometrien, in denen der „normale“ Klemmkeil keinen Halt mehr findet. Man kann jedoch nicht für jede Rissform einen Spezialklemmkeil mitführen – es bleiben die Formen, die am häufigsten passen.

Offsetkeil

Offsetkeil

Offset-Klemmkeil

Die Kanten dieser Klemmkeile sind, im Gegensatz zu den Kanten normaler Klemmkeile, meistens gerade. Der wichtigere Unterschied ist aber, dass sie sich nicht nur in Zugrichtung, sondern auch senkrecht dazu verjüngen. Diese Form ermöglicht Platzierungen in Rissen, die sich nach außen hin weiten (unsicher bei Zug nach außen), und in Spuren ehemaliger Schlaghaken („Pinscars“).

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