Unterwegs im Karwendel – Wandern im Grenzgebiet zwischen Österreich und Bayern

24. Mai 2018

Sportart

Das Gute liegt doch oft so nah, dachte ich mir, als ich mir meine nächsten Wanderziele aussuchte. Da ich eine waschechte Oberländlerin aus dem Isarwinkel bin, liegt es quasi auf der Hand, das angrenzende Karwendel einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Zwar befinden sich rund 80% dieses Gebirgszuges eigentlich in Österreich, doch erreicht man das große Wanderparadies auch ganz schnell von München aus.

Knapp 2 Stunden Anfahrt und schon eröffnet sich eine wild romantische Bergwelt, in der für jeden etwas dabei ist. Zahlreiche Täler laden zum gemütlichen Wandern ein und naturbelassene Flussläufe glitzern in der Sonne. Auch für Kinder ist dieses Gebiet das richtige Gelände um erste Wandererfahrungen auf kleinen Touren zu sammeln und Abenteuer in der Wildnis zu erleben. Wenn man die ursprünglichen Bachläufe und die weiten Wälder sieht fühlt man sich hier sogar fast ein wenig wie in Kanada.

Erstmals 1280 entdeckt, wurde das Karwendel schnell von nur einem Ursprungstal auf das gesamte Gebiet ausgeweitet, das sich heute von West nach Ost etwa 45 Kilometer erstreckt und von Nord nach Süd 30 Kilometer umfasst. Genug Platz also für alle Bergfreunde (egal ob Bergsteiger, Wanderer oder Familien). Es gibt allein 125 Gipfel, die eine Höhe von 2000 Metern übersteigen.

So fällt mir die Auswahl zwar nicht ganz leicht, jedoch schiebt sich der Schafreiter sofort in mein Blickfeld, denn genau auf seinem Gipfel verläuft die Grenze zwischen Bayern und Tirol und wer ist denn nicht gern Grenzgänger!

Auf geht’s zum Schafreiter

Ein Ausblick auf einen Gipfel des Karwendels.

Dieser Ausblick ist jede Mühe wert.

Um zum Ausgangspunkt der Rundtour zu kommen, folgt man der B13 von Bad Tölz in Richtung Sylvensteinsee und biegt am Staudamm nach rechts Richtung Fall/Vorderriß/Eng ab. Von nun an folgt man der Straße bis zur Oswaldhütte. An der Oswaldhütte angekommen, gelangt man auf einen Parkplatz. Ganz nach dem Motto der frühe Vogel fängt den Wurm, lohnt es sich hier jedoch früh dran zu sein, da im Sommer die Plätze ziemlich flott weg sind. Das Auto geparkt, geht es an einer gut beschilderten Forststraße bergauf. Die Höhe nimmt schnell zu und man erreicht schon nach etwa einer Stunde Gehzeit die Moosenalm.

Da der Steig in der Sonne liegt und die Latschensträucher ihr Übriges tun, wird uns ganz schön schnell warm. Spätestens jetzt sollte es sich also noch mehr auszahlen zeitig dran zu sein. Mit dem Gipfel fest im Blick wandert man nun direkt am Nordwestgrat des Schafreiter entlang. Knapp zwei Stunden geht es bergauf, weshalb ein bisschen Ausdauer gefragt ist. Das immer größer werdende Panorama ist die Anstrengung dabei aber auf alle Fälle wert und bietet eine willkommene Abwechslung.

Nach etwa drei Stunden erreichen wir den Gipfel, den man sich im Sommer mit einer Menge Schafen teilen darf. Der Name des Gipfels ist uns damit nun auch klar. Auf einer Höhe von 2101 Metern hat man das Karwendel auf dem Präsentierteller. Auch Zugspitze, Walchensee und Sylvensteinspeicher liegen zu unseren Füßen.

Eine der Karwendler Hütten.

Eine der Hütten, auf denen die hungrigen Bäuche mit Tiroler Leckereien gefüllt werden können.

Nachdem wir uns satt gesehen haben, entscheiden wir uns zu einer Rundtour und wählen deshalb einen anderen Abstieg. Statt auf dem Grat zurückzuwandern, gehen wir nun gleich nach links abwärts zur Tölzer Hütte, in der man auch einkehren und übernachten kann. Ein etwas steiler, teilweise mit Drahtseilen gesicherter Weg führt uns schnell bergab Richtung Wald. Mit ein wenig Trittsicherheit ist dieser Abschnitt aber leicht zu bewältigen. Sobald man den Bergwald erreicht hat, wird der Weg wieder gemütlicher und man kann die Tour schön ausklingen lassen.

Was man bei der Rundtour und nach knapp 1150 Höhenmeter jedoch nicht vergessen sollte ist, dass unser Auto ja woanders steht und man noch etwas Zeit und Kraft einplanen muss um auf der Straße zurück zum Ausgangspunkt zu laufen. Doch mit diesen tollen Eindrücken im Gepäck spulen wir die restlichen vier Kilometer Asphalt ganz easy ab. Wer noch Durst oder Hunger hat, findet in der Kaiserhütte oder in der Oswaldhütte einen Platz zum entspannen und kann echte Tiroler Spezialitäten genießen. Den Kaiserschmarren hat man sich jetzt aber auch verdient!

Tour ins zentrale Karwendel

Aussicht auf einen Berg, vor welchem Ahornbäume stehen.

Wunderschöner Anblick: die Ahornbäume vor den Gipfeln.

Für unsere Tour zieht es uns außerdem noch ins zentrale Karwendel. Um ins Karwendel zu gelangen muss man nur der selben Straße (Hinterriß/Eng) bis zu ihrem Ende folgen und schon ist man im Engtal angekommen. Bevor man sein Auto verlassen hat bekommt man schon einen Eindruck von der Schönheit dieser Natur. Auffallend sind die vielen Ahornbäume, die die Landschaft prägen. Auch viele alte Bergahorn-Bestände, die zum Naturdenkmal erklärt wurden, findet man hier. Nicht umsonst heißt der Abschnitt hier also großer Ahornboden. 1988 wurde der große Ahornboden mit seinen 300 bis 600 Jahre alten Bäumen zum Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und ist seither Teil des Naturparks Karwendel.

Am Alpengasthof Eng parken wir an dem großen kostenlosen Parkplatz (sämtliche Parkplätze sind im Gebiet Ahornboden und Eng kostenlos! Es fällt lediglich eine Mautgebühr von 4,50 € an). Auf einer unbefahrenen Straße wandern wir an einer kleinen Siedlung vorbei, in der man Bergkäse, Speck und Souvenirs kaufen kann. Hier gibt es auch urige Übernachtungsmöglichkeiten und eine Wirtschaft mit einem Abenteuerspielplatz für die Kleinen.

Unser Ziel ist heute die Falkenhütte (1848m) und folgen deshalb fortan der entsprechenden Beschilderung. Die Beschilderung führt uns einen Weg rechts bergauf, die man eigentlich nicht übersehen kann, da diese Tour bei Familien sehr beliebt ist und diese demnach die Strecke einschlagen. Zu Beginn geht es mäßig bergauf. Man durchquert einen Wald, bis man schließlich die Baumgrenze erreicht und von nun an auf die Engalmen herabsehen kann.

Autorin steht vor einer Felswand.

Vor den Gipfeln Karwendels fühlt man sich so winzig klein.

Nach etwa 1,5 Stunden Wanderung erreichen wir das Hohljoch (1794m). Die Hälfte haben wir somit geschafft und sehen unser Ziel schon direkt gegenüber. Vor uns liegen nun die mächtigen Laliderernordwände, in denen es auch zahlreiche alpine Abenteuer zu erleben gibt. Ein Stück muss man nun absteigen, um dann unterhalb der Wände bis zum finalen Aufstieg entlangzugehen.

Auf der gegenüberliegenden Seite, am Spielissjoch, angekommen, ist es nicht mehr weit bis zur Falkenhütte. Eine halbe Stunde lang steigt man nun noch auf der Forststraße bis zur Hütte auf. Hierbei entschädigt uns die bezaubernde Aussicht für die Strapazen. Nicht nur die Lalidererwände und das Laliderertal liegt vor uns, sondern auch der höchste Berg des Karwendels, die Birkkarspitze. Die Falkenhütte lädt zum längeren Aufenthalt ein, denn es gibt nicht nur Brotzeiten und Bier sondern auch Liegestühle, in denen man die Seele baumeln lassen kann. Sich hier loszureißen fällt definitiv schwer. Da der Abstieg auf dem selben Weg erfolgt wie der Aufstieg können wir hier nochmal die imposanten Nordwände bewundern, bis wir schließlich wieder in die Eng absteigen. Hier tummeln sich am Nachmittag Touristen aus aller Welt, die ein wenig Bergluft schnuppern wollen.

Erkundung des Gamsjoch

Für die Tour des Gamsjoch sind unser Ausgangspunkt erneut die Engalmen. Von den Engalmen aus gibt es allgemein unendlich viele Möglichkeiten das Karwendel zu erkunden. Unsere heutige Tour, das Gamsjoch, ist allerdings ein wenig ambitionierter. Knapp 7 Stunden Gehzeit sollten hierfür eingeplant werden. Auch ein früher Start ist hier ein großer Vorteil, da der Gipfelanstieg südseitig und komplett in der Sonne liegt.

Pause mit einem wundervollen Ausblick auf einen gegenüberliegenden Berg.

Wer möchte hier schon weg?

Wir starten also wieder am Alpengasthof Eng aber nehmen nicht den großen Weg Richtung Engalmen, sondern halten uns links vom Bach auf der etwas kleineren Straße. Nach kurzer Zeit ist schon das Gamsjoch (2452 m) beschildert und man folgt einem Pfad rechts in den Wald hinauf. Da es hier keinen eindeutigen Weg gibt, ist ein wenig Orientierung gefragt, doch nach kurzer Zeit entdeckt man zwischen den Büschen schmale Pfade, die uns dennoch zuverlässig bergauf führen.

Der Anstieg über die Geröllfelder des Gumpenkars ist nicht zu unterschätzen und erfordert durchaus Kondition. Knappe 2 Stunden gehen wir steil bergauf, bis wir auf einen breiten Weg stoßen, dem wir dann weiter folgen. Hier queren wir ins Gumpenkar hinein und sehen den Gipfelvorbau schon vor uns.

Zunächst erreichen wir das Lalidererjoch (1974m) und steigen nun über Schrofen und kleine Felsen steil bergauf. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind hier absolut erforderlich! Nachdem der steile Teil hinter uns liegt, folgt nun ein kräftezehrendes Finale. Mäßig aber stetig bergauf geht man nun bis zum Westgipfel, überschreitet diesen und erreicht schließlich den Hauptgipfel mit dem mächtigen Gipfelkreuz.

Die Autorin steht an einem Gipfelkreuz.

Oben angekommen.

Der Aus- und Tiefblick ist faszinierend. Nicht nur die höchsten Berge, sondern auch die Weiten der Täler mit ihren glasklaren Bächen ragen vor einem. Hier fühlt man sich sogar selbst ein wenig erhaben, da das Gamsjoch alle umstehenden Berge deutlich überragt.

Nach einer kurzen Pause geht es wieder bergab. Zum Abstieg wählen wir diesmal den breiteren Weg, der uns nicht zurück ins Kar führt, sondern rüber zum Hohljoch. Das Hohljoch kennen wir schon von der Wanderung zur Falkenhütte. Der Weg ist gemütlich und führt relativ flach, vorbei an ein paar kleineren Almen, zum Hohljoch hinüber. Immer im Blickfeld liegt unter uns die Eng und der große Ahornboden. Da man dieses Wegstück meist am späten Nachmittag zurücklegt, ist das Licht hier im Herbst besonders schön und bietet tolle Fotomotive. Für diesen Abstecher sollte man auf jeden Fall eine Stunde mehr Gehzeit einplanen als für den Normalweg, doch es lohnt sich auf jeden Fall.

Vom Hohljoch führt uns der Weg direkt in die Eng hinunter. Es schließt sich damit der Kreis und wir kehren mit müden Füßen und wunderbaren Eindrücke zufrieden zurück.

Autorin begegnet auf ihrer Tour Tiere.

Auch Kinder kommen bei den Touren in Karwendel auf ihre Kosten.

Noch ein bisschen Naturkunde gefällig?

Wer sich noch ein wenig über die Geologie und Geschichte des Karwendels informieren möchte, der ist beim Naturpark Karwendel an der richtigen Adresse. Das Naturparkhaus Hinterriß bietet mit einem spannenden Museum einen umfassenden Einblick in die Natur, Geschichte und Jagd im Karwendel. Der Eintritt beläuft sich für Erwachsene auf rund 3 €. Kinder bis 14 Jahre haben umsonst Spaß.

Fazit

Obwohl das beschriebene Gebiet nur einen kleinen Teil des Karwendels umfasst, bekommt man dennoch einen vielseitigen Einblick in die wilden Täler und steilen Berge dieses geschichtsträchtigen Teiles der Alpen zwischen Bayern und Tirol. Ob Grenzgänger, Hobbyranger oder Genusswanderer, die Touren im Karwendel werden dir niemals ausgehen.

Zum Schluss noch ein paar Daten und Fakten

  • Schafreiter Rundtour 2101 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz neben der Oswaldhütte
    Höhenmeter: 1150 m
    Charakter: Trittsicherheit und Ausdauer erforderlich
    Gehzeit gesamt: 5 Stunden
    Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Oswaldhütte, Tölzer Hütte, Kaiseralm
  • Falkenhütte über Engalmen 1848 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz Alpengasthof Eng
    Höhenmeter: 650 m
    Charakter: Trittsicherheit erforderlich, geeignet für Familien
    Gehzeit gesamt: 4,5 Stunden
    Beste Jahreszeit: Mitte Mai bis Ende Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Alpengasthof Eng, Emgalmen, Falkenhütte
  • Gamsjoch Rundtour 2452 m
    Ausgangspunkt: Parkplatz Alpengasthof Eng
    Höhenmeter: 1360 m
    Charakter: Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, sehr gute Kondition
    Gehzeit gesamt: 7 Stunden (6 Stunden Normalweg)
    Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende Oktober
    Einkehrmöglichkeiten: Alpengasthof Eng, Engalmen
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