Alle Artikel zum Thema ‘Tipps und Tricks’

Wer erfährt nicht gerne coole Geheimtipps von anderen, oder ist scharf drauf sich neues Wissen anzueignen? Vielleicht bist Du aber nur auf der Suche nach einer ganz bestimmten Frage, die Du dich noch nie getraut hast zu fragen?

Wie auch immer, hier findest Du laufend die besten Tipps & Tricks über alles, was Du zum Draußensein wissen musst. Unsere Bergfreunde-Experten geben Dir praxistaugliche Erfahrungen mit auf den Weg, die Du mit einfachen Anleitungen und Erklärungen leicht umsetzten kannst. So bist Du gut vorbereitet für Dein nächstes Abenteuer.

Ausrüstung

Das sollte halten – Knotenkunde für Berg- und Outdoorfreunde

7. Juli 2020
Tipps und Tricks

Unglaublich, was man mit biegsamem Textil so alles anfangen kann. Die richtigen Schlingen und Windungen an den richtigen Stellen machen so vieles möglich. Nicht selten retten sie sogar Leben. Lebenswichtig sind die Knoten vor allem beim Klettern und Bergsteigen. Deshalb stellen wir hier in erster Linie die Knoten vor, die es für den sicheren Auf- und Abstieg an all den schönen Wänden und Flanken braucht. Ihre Zahl ist recht überschaubar und die meisten dieser eher wenigen Knoten können für mehrere Zwecke verwendet werden.

In der „Disziplin Outdoor“ sieht es eher umgekehrt aus: hier gibt es sehr viele Knoten, die aber oft nur für einen einzigen Zweck brauchbar sind. Wie zum Beispiel die Knoten zum Abspannen von Zeltleinen oder Die zum Aufhängen einer Hängematte. Solche Knoten sind wertvoll und praktisch, doch nur in den seltensten Fällen überlebenswichtig. Es besteht nicht gleich Lebensgefahr, wenn beim Knüpfen eine Schlaufe nicht zurückgefädelt wurde.

DISCLAIMER: Das Gesamt-Handling an den beschriebenen Stationen einer Tour kann hier natürlich nur angedeutet werden. Selbstverständlich reicht es nicht, nur isoliert die Knoten zu kennen, ohne den dahinter stehenden Kontext der Techniken und Situationen zu erfassen. Das Knotenlernen hat nur dann einen Sinn, wenn all das mitberücksichtigt wird. Dieser Artikel kann nur als möglicher Einstieg oder als Auffrischung dienen und im Idealfall dazu anregen, sich in Kursen und Lehrbüchern weiter schlau zu machen.

Grundbegriffe und Knotenanatomie

Apropos Schlaufe, wir sollten kurz die Definitionen der Bestandteile eines Knotens klären, um Beschreibungen zum Knotenknüpfen eindeutig zu verstehen. In der sperrigen aber präzisen Wikipedia-Sprache ist die Schlaufe im Sinne der Knotenkunde „ein feststehendes Auge (O-förmiges Stück) in Tau- und Bandwerk, das sich nicht löst, und nicht zuzieht.“

Der alte Bergfreund mischt sich ein: „Konten können mit vielerlei Dingen geknüpft werden. Seil, Wolle, Telefonkabel, Schlingen, Schnüre, die Liste ist endlos. Im folgenden geht es bei uns aber um Seile, Schlingen und Reepschnüre, wie sie für den Bergsport verwendet werden.“

Als Schlinge bezeichnet man fachsprachlich „nur die zulaufende (zuziehende) Seilschlinge, wie die am Henkerknoten: Zieht man ein freies Ende durch die Schlaufe am Tau, erhält man die einfachste Schlinge – die Umgangssprache trifft diese Unterscheidung nicht.“

Der alte Bergfreund erklärt: „Eine einfache Eselsbrücke ist hier die Redensart ‚die Schlinge zieht sich zu‘. Eigentlich bedeutet der Spruch ja, dass sich eine Situation zuspitzt, kann hier aber trotzdem helfen.“

Dann gäbe es da noch die Bucht, ein „U-förmiges Seilstück“, das, wenn es um ein festes Stück läuft, als (halber) Schlag bezeichnet wird. Also nicht als „Windung“, wie ich es oben getan habe, um nicht zu früh mit Fachchinesisch zuzuschlagen. Davon kommt nämlich jetzt noch genug.

Die zwei Arten des Knotenknüpfens sollte man ebenfalls kennen: legen und stecken. Ein gelegter Knoten entsteht, wenn man ein Seil doppelt in die Hand nimmt und daraus einen Knoten knüpft. So ergibt eine Sackstichschlinge, die irgendwo im Seil geknüpft wird, einen gelegten Sackstich. Ein gesteckter Knoten entsteht hingegen, wenn man das Endstück von Seil, Bandschlinge oder Reepschnur als Einzelstrang fädelt und verknotet.

Dann ist noch die Unterscheidung zwischen einfachen und doppelten Knoten wichtig: Das bloße Stecken erzeugt zuerst immer einen einfachen Knoten (einfacher Achter, einfacher Sackstich, etc.), welcher in vielen Fällen durch das gegenläufig Zurückfädeln einen zweiten Strang bekommt und damit zu einem doppelten Knoten (doppelter Achter, etc.) wird.

Kleine Komplikationen

Da viele Knoten mehrfach in verschiedenen Orten und Zeiten für verschiedene Zwecke entwickelt wurden, entstand bei deren Bezeichnung eine babylonische Sprachverwirrung. So kann ein und derselbe Knoten so viele verschiedene Namen haben, wie es Einsatzbereiche und Sportarten gibt, in denen er benutzt wird. Der Bulin der Bergsteiger ist beispielsweise der Palstek der Segler. Bei den Feuerwehrleuten ist er wiederum ein Pfahlstich und bei den Pfadfindern eine Rettungsschlinge. Beim Technischen Hilfswerk hingegen hört er auf den Namen Einfacher Ankerstich. Fragt man wiederum einen Kletterer nach einem einfachen Ankerstich, knüpft der etwas völlig anderes zusammen. Fragt man den Kletterer anschließend nach dem Spierenstich, knüpft er etwas anderes als ein Seefahrer. Die Namensverwirrung funktioniert also auch umgekehrt: ein Name für verschiedene Knoten.

Der alte Bergfreund mischt sich ein: „Wir sollten uns an dieser Stelle einfach kurz verständigen. Wir reden hier nur von Knoten für den Bergsport. Klettern, Hochtouren und so weiter. Daher verwenden wir auch nur die dafür gebräuchlichen Namen.“

Wichtige Knüpf-Regeln

Dass Knoten abseits des sicheren Bodens fehlerfrei sein müssen, kann jeder Laie nachvollziehen. Beim Knüpfen darf man sich nicht ablenken lassen, auch nicht von Müdigkeit, Stress und Zeitdruck. Auch kalte Finger und Dunkelheit zählen nicht als Entschuldigung. Entweder man macht es richtig oder man begibt sich und andere in Gefahr.

Die Knoten sollten immer kräftig festgezogen und abschließend nochmals geprüft werden (Partnercheck)! Die überstehenden Seil-, Bandschlingen oder Reepschnurenden müssen immer lang genug sein, um nicht durch den Knoten rutschen zu können: 10 cm gelten als Minimum. Bei manchen Knoten wie dem doppelten Bulin als Anseilknoten oder dem Schleifknoten als Fixierknoten sollte man stets mit dem Seilende noch einen Sackstich als Sicherungsschlag um den gegenläufigen Seilstrang knüpfen, um ein versehentliches Lösen sicher auszuschließen.

Tipp vom alten Bergfreund: „Wer sich 10 cm schlecht vorstellen kann, für den gilt ab sofort das Maß gut eine Hand breit.“

Knoten für Berg und Fels

Wer selbständig in den Bergen und am Fels unterwegs ist, muss eine gute handvoll Knoten kennen und können. Für eine Tour, bei der alles glatt läuft, reichen im Grunde nur ganz wenige. Sobald es aber zu außerplanmäßigen Schwierigkeiten oder gar Unfällen kommt, werden schnell mal weitere Knotenkenntnisse unerlässlich.

Für den Fall, dass ein Vorsteiger in einer Mehrseillängentour stürzt und sich nicht mehr selbst bewegen kann, sollte man zum Beispiel wissen, wie man ihn fixiert. Auch das arme Schwein, das gerade in die Gletscherspalte gerauscht ist, sollte man fixieren können, bevor es einen da mit reinzieht. Für eine Spaltenbergung braucht es zwar keine Extraknoten zusätzlich zu der handvoll Standards, doch man sollte dann wissen, wie man einen Prusikknoten steckt. Standardmäßig wird er nämlich immer nur gelegt. Man kann das Stecken natürlich auch aus dem Knotenbild ableiten, doch in Stresssituationen wird das höchstwahrscheinlich viel zu lang dauern oder ganz in die Hose gehen. Also besser üben.

Welche Knoten braucht es während der Tour?

Die Knoten nach Arten und Verwendungszwecken zu ordnen ist wegen der vielen Überschneidungen nicht nur schwierig, sondern auch unübersichtlich. Für das Grundverständnis ist es gewiss nützlich und korrekt, zwischen Anseilknoten, Verbindungsknoten, Knoten zur Selbst- und Gefährtensicherung sowie Klemmknoten zu unterscheiden. Es verhindert aber nicht, dass die Auswahl der Knoten und die Reihenfolge ihrer Präsentation dann trotzdem oft zufällig wirken.

Als einprägsame Alternative bietet sich hier wieder einmal die chronologische Betrachtung an – vom Einstieg bis zum Ausklang einer Tour.

So ist die Knotenreihenfolge und -auswahl am Einstieg von Berg und Felswand sonnenklar: den ersten Knoten braucht man zum Anseilen. Als Anseilknoten verwendet man beim Klettern einen gesteckten, doppelten Achter oder einen (gesteckten) doppelten Bulin. Der Achter ist übersichtlicher und damit im Partnercheck leichter zu überprüfen, und er ist schneller zu knüpfen. Bei Belastungen durch ziehen und hängen am Seil zieht er sich allerdings fest zusammen und ist dann nur mühsam wieder zu lösen.

Der einfache Bulin wurde in den Siebziger Jahren aus dem Klettern verbannt, da er sich bei Ringbelastungen aufziehen konnte. Der doppelte Bulin hingegen ist bombenfest, zieht sich auch bei heftigster Belastung nicht zusammen und lässt sich somit jederzeit leicht öffnen (aber nicht ungewollt!). Außerdem lässt sich die durch den Bulin gebildete Schlinge leichter in der Größe verändern.

Kurzanleitung Einbinde-Achter: Das Seil wird etwa 1m vom Seilende entfernt zu einer Bucht umgeklappt und dann an dieser Stelle zweimal um den gegenläufigen Strang gedreht. Dann wird das Ende zwischen den entstandenen Augen durchgeführt und herausgezogen. Man erhält einen einfachen Achter mit einem verbleibenden Seilrest von ca. 60-70cm. Diesen führt man durch die Anseilschlaufe des Klettergurts (im Bild ein Karabiner) und führt ihn dann gegenläufig parallel dem einfachen Achter entlang zurück. Der entstandene Doppelachter muss gut festgezogen werden, wobei der Seilrest zum Seilende hin mindestens 10 cm lang sein sollte.

Tipp vom alten Bergfreund: „Bindet man sich mit dem Achter ein, ist es wichtig, dass dieser nicht zu groß geknüpft wird. Auch die Schlaufe sollte möglichst klein sein. Ist das nicht der Fall, kann der Knoten beim Sturz ins Gesicht schlagen. Dann kommts recht schnell mal zu einer blutigen Nase oder zu einem blauen Auge.“

Kurzanleitung gesteckter Einbinde-Bulin: Das Seil wird von oben durch die beiden Gurtschlaufen, die den Anseilring halten (hier ein Karabiner), hindurchgeführt, bis man das Seilende etwa auf Höhe unterhalb der Knie hat. Nun greift man das Seil oberhalb des Gurts und legt eine Schlaufe hinein. Durch diese Schlaufe führt man das unten bei den Knien baumelnde Seilende hindurch, dreht es dann einmal um den zur Seilmitte führenden Strang herum und führt es durch die Schlaufe wieder zurück nach unten. Von hier aus folgt man einfach gegenläufig parallel dem Verlauf des bisher entstandenen Knotens, bis das freie Seilende genau neben dem zur Seilmitte verlaufenden Strang verläuft.

Exkurs Hochtour: Bei Gletschertouren befestigte man sich früher per Sackstich und Schraubkarabiner am Seil. Heute knüpft man einen Achterknoten in den Schraubkarabiner (welcher kein Twistlock sein darf, da dieser sich aufdrehen kann!). Als Provisorium bei Materialverlust oder wenn die eigene Position am Seil schnell verschiebbar sein soll, kann das Einbinden auch direkt in das als Ankerstich um die Anseilschlaufe des Gurts gelegte Seil erfolgen. Dafür wird das Seil in einer Bewegung wie beim Seilhüpfen einmal um den eigenen Körper geschwungen. Auch bei Klettersteigen dient der Ankerstich zum Einbinden bzw. Befestigen des Klettersteigsets am Gurt.

Tipp vom alten Bergfreund: „Für das Thema Klettersteiggehen haben wir einen eigenen Blogbeitrag im Basislager. Dort erklären wir euch auch, wie ihr euch ins Klettersteigset einbindet.“

Kurzanleitung Sackstich: Wer sich selbständig die Schuhe zubinden kann, beherrscht auch den Sackstich. Man drehe eine Schlaufe ins Seil und ziehe das freie Ende durch sie hindurch. Der Sackstich ist sehr vielseitig verwendbar (Anseilen, Seilverbindung, Befestigungen, …), nach Belastung aber oft schwer zu öffnen. Und er kann sich ungewollt lockern. Wird der Sackstich beispielsweise zum Anseilen verwendet, wird er noch dem gleichen Prinzip wie der Achter doppelt geknüpft.

Der alte Bergfreund weiß: „Der Sackstich hat im Volksmund viele Namen „Brezel- oder „Hausfrauenknoten“ sind da nur zwei Varianten. Jedenfalls ist der Sackstich der Standardknoten in unserem Alltag und jeder hat ihn schon zigfach gemacht ohne zu wissen, dass es sich dabei um den Sackstich handelt.“

Ab den ersten Metern nach dem Einstieg kommt die Gefährtensicherung zum Einsatz. Hierfür wird der Halbmastwurf-Sicherungsknoten (HMS) verwendet. Er kann zwar mittlerweile komplett durch diverse Bremsgeräte ersetzt werden, doch man sollte ihn dennoch drauf haben, da er sehr vielseitig einsetzbar ist. Und wenn mal jemand gerettet/geborgen werden muss, oder falls das Bremsgerät versehentlich die Wand hinunterpurzelt, steht man ohne Kenntnis des HMS nicht besonders gut da. Der HMS sollte nur in Verbindung mit HMS-Karabinern verwendet werden, da ansonsten das Handling mühselig und das Seil stark verdreht werden kann.

Kurzanleitung gelegter HMS: Man drehe zwei Schlaufen „spiegelverkehrt“ ins Seil und klappe diese dann umeinander. In diese beiden Schlaufen wird dann der HMS-Karabiner eingehängt. Wichtig ist, dass der Knoten beim Verschieben den Seils umklappen kann. Hierdurch lässt sich sowohl Seil ausgeben (z. B. beim Vorstieg), als auch Seil einziehen (z. B. beim Nachstieg).

Zusatzinfos vom alten Bergfreund: „Den HMS-Knoten kann man sicherlich auf zehn verschiedene Arten machen. Jeder hat da so seinen eigenen Trick. Außerdem sollte man darauf achten, ob man beim Sichern das Bremsseil lieber in der linken oder in der rechten Hand hält. Dementsprechend muss auch der Knoten andersherum geknüpft werden. Wichtig ist auch noch, dass das Bremsseil immer über den starren Schenkel des Karabiners läuft, nicht über den Schnapper. Dieser könnte sich sonst trotz Schraubmechanismus unbeabsichtigt öffnen.“

Früher oder später kommt der Vorsteiger an der ersten Zwischensicherung an. Falls die nicht aus einem komfortablen Bohrhaken besteht, kann man mit einem Ankerstich Bandschlingen und Reepschnüre an einem festen Metallring, einer Felssanduhr oder einer nicht zu öffnenden Materialschlaufe befestigen. Außerdem kann man mit ihm aus dem Fels ragende Haken „abbinden“. Man hängt das Kletterseil dann in die abbindende Bandschlinge statt in die Hakenöse und vermeidet so bei einem eventuellen Sturz die ungünstige Hebelwirkung.

Kurzanleitung gelegter Ankerstich: Die vernähte Bandschlinge oder zum Ring gebundene Reepschnurschlinge wird um eine Felssanduhr (oder einen kleinen Baum, oder…) herumgelegt (hier mal wieder ein Karabiner). Dann zieht man ein Ende der Bandschlinge durch die Schlaufe der anderen Seite und zieht soweit, bis der Ankerstich fest liegt.

Der alte Bergfreund ist Experte: „Wird der Ankerstich mit einer vernähten Bandschlinge gemacht, muss man darauf achten, dass die Naht nicht im Bereich des Knotens liegt, da sich dieser sonst nicht richtig zuziehen kann. Die Naht ist dazu einfach zu starr und zu sperrig. Auch sollte sie nicht auf der gegenüberliegenden Seite der Schlinge sein, denn dort würde sie beim Einhängen eines Karabiners stören. Ideal ist es, wenn die Naht wie bei unserer Bilderserie an der Seite liegt.“

Beim Legen von Zwischensicherungen kann es auch sein, dass man einen Verbindungsknoten braucht. Hat man zum Beispiel gerade nur offene Schlauchbänder zur Hand und will diese zu Bandschlingen machen, muss man ihre Enden per Bandschlingenknoten verbinden. Dieser ist nichts anderes als zwei gegenläufig parallel gesteckte, einfache Sackstiche.

Praxistipp vom alten Bergfreund: „Der Sackstich als Verbindungsknoten wird unter Kletterern auch Bandschlingenkonten genannt. Unter ungünstigen Bedingungen (beispielsweise wenn er sich am Fels verhängt) kann sich der Sackstich aufziehen. Wer es da gerne sicherer hat, stellt die Verbindung mittels Achterkonten her.“

Nach diversen Zwischensicherungen ist irgendwann der Stand erreicht. Hier sichert man sich entweder mit einer per Ankerstich am Gurt befestigten Bandschlinge, oder mit dem ins Seil gelegten und mit dem Sicherungspunkt verbundenen Mastwurf. Immer häufiger werden Standplätze heute „in Reihenschaltung“ gebaut und dabei vorbereitete Stand-Bandschlingen mit einem vorgeknüpften „weichen Auge“ verwendet. Ähnlich wie beim Anseilen bildet hier der doppelte Bulin das Auge – wobei er hier gelegt wird anstatt gesteckt wie beim Anseilen. Der Bulin bietet dabei wie erwähnt den Vorteil einer variablen und dennoch rutschfesten Größe des Auges.

Kurzanleitung gelegter Mastwurf: Man drehe genau wie beim HMS die zwei in Gegenrichtung führenden Schlaufen, doch klappe sie diesmal nicht um, sondern verschiebe sie ineinander.

Wenn der Stand fertig ist, holt man den Nachsteiger am Bremsgerät oder HMS-Knoten gesichert nach. Sollte er dabei einmal nicht weiterkommen oder sich verletzt haben, benötigt man unter Umständen einen Fixierknoten, um die Hände für eine Hilfsaktion frei zu bekommen. Deshalb gehört der Schleifknoten ins Portfolio selbständiger Kletterer und Alpinisten. Der Schleifknoten kann sowohl Nach- als auch Vorsteiger fixieren und auch unter Belastung wieder geöffnet werden.

Kurzanleitung Schleifknoten: Von der Sicherung aus führt ein belasteter Seilstrang zum Kletterer und ein unbelasteter Seilstrang zum Seilende. Man nimmt den unbelasteten Seilstrang und bildet daraus verdreht „hinter“ dem belasteten Strang eine große Schlaufe. Dann nimmt man noch mehr von dem unbelasteten Strang und zieht daraus eine zweite, sehr lange Schlaufe durch die erste Schlaufe hindurch. Die lange freie Schlaufe wird abschließend zu einem Sicherungsschlag um den belasteten Seilstrang gelegt, oder per Karabiner mit diesem verbunden. Lässt man nun den unbelasteten Seilstrang los, wird der Schleifknoten bis zur Sicherung gezogen und blockiert dort. Deshalb sollte man den Schleifknoten so nah wie möglich an der Sicherung knüpfen und nur langsam loslassen.

Warnung vom alten Bergfreund: „Führt man den Schleifknoten, wie er hier beschrieben wird, mit Tubern oder Autotubern aus, würde man diese kurzschließen. Eine Bremswirkung wäre dann vom Gerät her nicht mehr gegeben. Daher ist es notwendig den Schleifknoten anders auszuführen bzw. das Sicherungsgerät abzubinden. Der Schleifknoten geht in Verbindung mit Sicherungsgeräten nicht besonders gut von der Hand, gerade in Verbindung mit Karabinern, die eine Verdrehsicherung haben, ist das nicht selten ein furchtbares Gefummel. Ich zeige euch daher alternativ, wie man einen (Auto-)Tuber fachgerecht abbindet. Hierzu wird das Bremsseil doppelt genommen und als Schlaufe durch den Karabiner des Sicherungsgeräts geführt. Mit dieser Schlaufe knüpft man einen einfachen Sackstich um das belastete Seil und sichert die Schlaufe mittels Karabiner. Schon ist das Gerät perfekt abgebunden.“

Nicht nur für Rettungsaktionen, sondern auch zum Abseilen nach hoffentlich erfolgreicher Tour braucht man unbedingt Klemmknoten-Kenntnisse. Beim Abseilen kann es theoretisch jederzeit passieren, dass man aufgrund von Steinschlag das Seil reflexhaft loslässt. In dem Falle besteht die Gefahr „frei durchzurauschen“. Verhindert wird das durch eine Prusikschlinge als Rückversicherung. Sie wird mit dem Prusikknoten im Seil fixiert und mit der Beinschlaufe des Gurts verbunden. Beim Abseilen läuft sie dann unterhalb des Abseilgeräts durch die Hand mit.

Kurzanleitung Prusikknoten: Zunächst dasselbe Vorgehen wie beim Ankerstich, da der Prusik nichts anderes ist als ein Ankerstich mit einer weiteren Umdrehung. Nach Fertigung eines noch nicht festgezogenen Ankerstichs nimmt man das lange freie Ende der Schlinge oder Reepschnur und führt es ein weiteres Mal durch die lockere Bucht hindurch. Die beiden Stränge der zweiten Umdrehung liegen dabei zwischen denen der Ersten. Wenn die Reibung des Prusikknotens zu gering ist, erweitert man ihn einfach um eine dritte Drehung.

Nicht selten kann der Prusikknoten durch den oft besser handhabbaren Bandklemmknoten, bei dem eine Bandschlinge mehrmals um das Seil gewickelt wird, ersetzt werden. Als Rückversicherung fürs Abseilen dürfte aber aufgrund des geringen Platzangebots der Prusik besser sein.

Kurzanleitung Bandklemmknoten: (Hierbei  handelt es sich um die Version, die auch mit den modernen, dünnen Dyneemaschlingen funktioniert). Zuerst knotet man möglichst nah an der vernähten Stelle eine Sackstichschlaufe in die Bandschlinge. Von dieser Schlaufe aus wickelt man die Bandschlinge dreimal um das Seil (am besten entgegen der gewünschten Blockierrichtung) und zieht das überstehende Ende der Schlinge dann durch das Auge des Sackstichs. Bei sehr glatten und dünnen Seilen kann man auch vier Windungen legen.

Knoten für Outdoorer

Hier gibt es wie erwähnt sehr viele weitere Knoten und auch sehr viele Meinungen, welche „die Wichtigsten“ sind. Die Auswahl wird hauptsächlich durch die Art der Aktivität bestimmt: Für Bushcrafter sind es andere Knoten als für Wüstendurchquerer oder Pfadfinder. Dann hängt die Auswahl auch davon ab, welche Art der Ausrüstung man dabei hat. So sind für Hängemattenschläfer andere Knoten interessant als für Zeltbewohner oder Tarpbenutzer. Manchmal gibt es auch eigene Knoten für das Handling oder den Aufbau von Produkten bestimmter Marken.

Im Grunde kann ich den vielen persönlichen Perspektiven hier nur eine Weitere hinzufügen. Dafür stelle ich mir die Frage: „Welche Knoten habe ich bisher beim Zelten und Trekken gebraucht, die ich nicht schon vom Bergsteigen her kannte?“ Naja, ehrlich gesagt erstmal gar keinen. Eigentlich wurde ich nur durch die Recherche für einen anderen Bergfreunde-Artikel auf eine weitere, praktischere Lösung aufmerksam, die ich definitiv in mein „Knotenportfolio“ einbauen werde. Die Rede ist vom Buckelknoten oder auch Taut Line Hitch, der vom Top-Zeltmacher Hilleberg für das Abspannen von Zelten und Tarps um Bäume herum empfohlen wird.

Und wenn dir noch ein wirklich wichtiger Knoten einfällt, stelle ihn bitte gerne hier im Kommentarfeld vor! :-)

 

Millet im Marken- und Nachhaltigkeitsportrait

2. Juli 2020
Tipps und Tricks

Es gibt diese Firmen und Labels, die sind außerhalb ihrer jeweiligen „Szenen“ so gut wie unbekannt, haben dafür aber innerhalb den Status einer Institution. Millet ist solch eine Firma in der „Szene“ des verschärften Bergsteigens. Diese fühlt sich bekanntermaßen im französischen Chamonix besonders wohl, weshalb der Millet-Schriftzug dort wohl so oft zu sehen ist wie nirgends sonst auf der Welt. Er prangt auf Rucksäcken, Jacken, Schuhen, Schlafsäcken und Chalkbags.

Der Spirit von Chamonix: Firmengeschichte

Angefangen hat das Ehepaar Millet 1921 mit einem etwas bescheideneren Sortiment, nämlich mit Einkaufs- und Proviantbeuteln aus Segeltuch und Stoff. Auch wenn man schon 1928 die Werkstatt in der Nähe von Lyon in Richtung Annecy (und damit Richtung Alpen) verließ, dauerte der Übergang zu Produkten mit Bergbezug bis zur Übernahme des Geschäfts 1945 durch die beiden Söhne. René und Raymond Millet entwickelten die ersten für das Bergsteigen ausgelegten Rucksäcke. Dabei arbeiteten sie mit dem jungen Louis Lachenal zusammen, einem  Spitzenbergsteiger, dem am 3. Juni 1950 die erste Achttausenderbesteigung überhaupt gelang. Begleitet wurde er dabei von Maurice Herzog, der es später noch zum Rennfahrer und zum Bürgermeister von Chamonix bringen sollte. Außerdem dabei war ein Rucksackmodell namens „Annapurna 50“ – das wohl erste „High-End-Produkt“ aus dem Hause Millet.

In den folgenden Jahren brachte Millet solche Produkte immer häufiger auf den Markt. Die Zusammenarbeit mit der Crème de la Crème unter den Bergprofis blieb ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieser Entwicklung. 1959 wurde niemand Geringeres als Walter Bonatti zum technischen Berater bestellt, 1978 bestieg Reinhold Messner in Millet-Ausrüstung als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. In den Achtzigern schiebt Patrick Edlinger in Millet-Equipment die Grenzen des Sportkletterns nach oben. Die fruchtbare Symbiose zwischen Bergsportproduzent und Top-Athleten zeigt sich auch heute noch in der Zusammenarbeit von Millet mit dem Bergführerverband von Chamonix.

Millet entwickelte sich ab den Fünfziger Jahren vom führenden Rucksackhersteller Frankreichs zum Produzenten eines breiten Sortiments an Bergausrüstung. Meilensteine der Innovation auf diesem Weg waren die Erfindung von nahtlosen und gepolsterten Schulterträgern aus Nylon im Jahr 1964 und die ersten Parkas mit GoreTex Membran 1977.

1995 erfolgte die Übernahme durch die Calida-Gruppe, in der mittlerweile auch andere prominente Namen wie Lafuma versammelt sind. Das Markenkennzeichen der überragenden Qualität und Funktionalität konnten die Millet Produkte davon unbeeinflusst erhalten.  Den letzten Innovations-Höhepunkt markierte 2020 die Auszeichnung des Airbag-Rucksacks Trilogy E-1 für sein neuartiges elektrisches Airbagsystem und dem aufstiegsorientierten Bergsportdesign. Seit 2014 rückt außerdem das Thema Nachhaltigkeit noch mehr in den Mittelpunkt.

Millet und das Thema Nachhaltigkeit

In den vergangenen Jahren hat Millet es zahlreichen anderen Bergsportherstellern gleichgetan und das nachhaltige Wirtschaften zum integralen Teil des Unternehmenshandelns gemacht. Den Rahmen für das Millet-Nachhaltigkeitsprogramm setzen die „10 Eckpunkte“, die sich das Unternehmen erstellt hat. Diese umfassen:

1. Entwicklung von nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Produkten

Die theoretisch einfachste, in der Praxis aber anspruchsvolle Maßnahme: hochwertige Produkte mit einem langen Lebenszyklus zu schaffen. Das gelingt in der Regel eindrucksvoll, schlägt aber bisweilen auch auf den Preis der Produkte durch.

2. Reduzierung der Umweltbelastung von Produkten und Verpackungen durch Ökodesign

3. Stärkung der eigenen Kundendienst- und Reparaturabteilung

Seit 2005 bietet Millet einen Reparaturservice in der eigenen Werkstatt in Annecy-le-vieux an, wo alle nach dem Verkauf zurückgesendeten Produkte inspiziert und repariert werden. Viele Produkte können so wieder in Schuss gebracht und langlebiger gemacht werden. Dabei werden nicht nur Garantiefälle, sondern auch Beschädigungen und Erschöpfung des Materials durch intensiven Gebrauch bearbeitet. Auch die Pflegeanleitungen für Millet Produkte sind als Hilfestellung zur Verlängerung der Lebensdauer gedacht.

4. Rücknahme und Wiederverwertung der gebrauchten Produkte

Millet bietet an, alle benutzten Produkte zurückzunehmen und zu sammeln, um sie neuen Verwendungen zuzuführen. So wurden seit 2006 unter anderem mehr als 1,5 Millionen Meter Seil recycelt. Hierfür wurden Partnerschaften mit dem Upcycling-Taschen-Produzenten „Outdoor Waste Lab“ (OWL) und mit sozialen Organisationen eingerichtet. Letztere ermöglichen ärmeren Menschen den Zugang zum Bergsport und versorgen sie mit gebrauchter aber intakter Funktionskleidung.

5. Systematische Bevorzugung von zertifizierten Materialien

Wann immer möglich werden recycelte oder organische Materialien eingesetzt. Umweltschonende Gewebe wie Ecoya, Ariaprene, Sorona, Hanf, Tencel/Lyocell oder Leinen eingesetzt. Besonders hervorzuheben ist Edye, eine Faser die neu am Markt ist und bei der Herstellung nur noch 3% des Wasserverbrauchs von herkömmlichen Fasern aufweist. Zu den bei Millet bevorzugt verwendeten Zertifizierungen gehören Bluesign, Oeko-Tex, GOTS (Global Organic Textile Standard) und RDS (Responsible Down Standard).

6. Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit der Materialien tierischen Ursprungs

Den letztgenannten RDS-Standard setzt Millet durch die Zusammenarbeit mit der Organisation Textile Exchange um, welche den Standard entwickelt hat. Damit lässt sich eine ethisch vertretbare Herkunft von Federn und Daunen mit großer Sicherheit gewährleisten. Aktuell verwendet Millet ausschließlich RDS zertifizierte Daunen und Federn. Zusätzlich man mit einem weiteren Partner (Allied Feathers) ein System eingerichtet, das es Kunden erlaubt, die Herkunft der Federn und Daunen zu jedem Zeitpunkt zurückzuverfolgen. Dazu müssen Kunden nur den „Track my Down“-Produktcode für ihr gekauftes Produkt scannen und können dann mit wenigen Klicks sehen, woher die Federn und Daunen stammen, die Sie tragen.

7. (Über)Erfüllung der regulatorischen Anforderungen bei der Verwendung von Chemikalien in Rohstoffen und Produkten

Millet strebt nicht nur die Einhaltung von Regeln und Gesetzen an, sondern setzt eigene Maßstäbe und Ziele, die darüber hinaus gehen. So werden bereits seit der Kollektion 2014 alle neu entwickelten Produkte mit wasserabweisenden Behandlungen ohne Perfluorcarbone (PFC) ausgestattet. Die PFC-freien Imprägnierungen sind gleich leistungsstark wie die herkömmlichen Produkte, aber weit weniger umwelt- und gesundheitsschädlich.

8. Förderung der Herstellung in Europa und in eigenen Werken

Millet stellt seine Produktion mitsamt Lieferketten transparent dar. Auf der Firmenhomepage ist eine Weltkarte mit den Produktionsstandorten zu sehen. Eine Legende erklärt, welche Produkte wo hergestellt werden. Dabei wird deutlich, dass die Firma global produziert und somit in Sachen Regionalität sicher „Luft nach oben“ hat. Immerhin stammen derzeit 23 % der Kollektion aus europäischer Produktion, die sich in Ungarn befindet. Die Fabriken in Ungarn, Tunesien und China produzieren ausschließlich für Millet. . Und man ist bestrebt, bei den langen Transportwegen die Alternativen mit der geringsten Umweltbelastung zu nutzen.

9. Analyse und genaue Kenntnis der Lieferketten

2018 konnte Millet in Zusammenarbeit mit der Monitoring-Organisation Acte International ermitteln, dass 89 % der Partner in der Millet-Produktionskette die sozialen Standards der Sedex Smeta Zertifizierung einhalten. Das Zertifikat Sedex Smeta ist eine weltweit sehr häufig verwendete Audit-Methode, die als verlässlich und qualitativ hochwertig gilt. Sie beruht auf den 4 Säulen Arbeitsregulierung, Gesundheit, Sicherheit und Wirtschafts- sowie Umweltethik. Auch die Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten wird in dem Verfahren geprüft und erfasst.

Die restlichen 11 % der nicht zertifizierten Partner werden unter firmeneigener Aufsicht unterstützt, um den Sedex Smeta Standard ebenfalls zu erreichen.

10. Engagement in gemeinwohlorientierten Organisationen

Zu den Letztgenannten zählt unter anderen die Mitgliedschaft im Verband Outdoor Sport Valley (OSV). Dieser vom französischen Staat anerkannte Verband setzt sich für Nachhaltigkeit bei  Firmen der Sport- und Outdoorindustrie im Alpenraum von Grenoble bis Innsbruck ein.

Das firmeneigene Low Impact Siegel

Das firmeninterne Ökosiegel namens Low Impact soll Kunden und Partnern eine Entscheidungshilfe bieten, indem es die Bündelung der eben genannten Nachhaltigkeitsaktivitäten gut sichtbar anzeigt. Es wurde bereits im Jahr 2005 eingeführt und soll die umweltverträglichsten Produkte anhand von 2 Kriterien hervorheben:

  • Die Verwendung von Materialien mit geringer Umweltbelastung (recycelt, biologisch verträgliche Herkunft, Färbungsprozess ohne Wasser, usw.)
  • Die Verwendung von Materialien mit Gütesiegeln

Man sieht das Low Impact Siegel auch intern als Messlatte und Ansporn, denn „dieser Standard ermöglicht uns, jede Saison weiter voran zu kommen und uns zu verbessern, damit unsere Produkte so nachhaltig wie möglich sind. Heute tragen 75 % unserer Winterkollektion 2018-19 das Low Impact Siegel.“ Aktuelle Werte von diesem Jahr liegen zwar leider noch nicht vor, doch man kann davon ausgehen, dass die auf der Website gezeigte „Low Impact Verlaufskurve“ auch weiterhin nach oben zeigt. Das ambitionierte Ziel hat Millet jedenfalls öffentlich verkündet: „Wir wollen, dass zur Saison 2020-2021, anlässlich zum hundertjährigen Bestehen der Marke Millet, 100 % unserer Produkte das Low Impact Siegel tragen.

Man kann angesichts des ambitionierten Teams bei Millet ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Erreichung des Ziels demnächst verkündet wird. „Der Gipfel“, wie man das große Nachhaltigkeitsziel bei Millet nennt, ist dann zwar immer noch nicht erreicht, aber man kommt ihm Tag für Tag ein Stückchen näher.

Schlappen fürs Gelände: eine Kaufberatung zu Trailrunningschuhen

25. Juni 2020
Tipps und Tricks

Wer auf seiner Hausrunde nur einmal ein paar Kilometer im Park durch den Wald läuft, braucht dafür wahrscheinlich keinen besonderen Schuh. Sobald es aber von befestigten Wegen auf Wanderwege, die Hausberge vor der Türe oder gar in die Alpen geht, sollte ein gut passender Trailrunningschuh auf jeden Fall im Gepäck sein. Denn mit einem Straßenlaufschuh im Gebirge zu Laufen ist nicht nur gefährlich, es macht auch einfach überhaupt keinen Spaß. 

Dabei sind die Anforderungen an einen Trailrunningschuh recht groß. Er soll bequem sein und gleichzeitig präzise am Fuß sitzen. Etwas Dämpfung ist sicher auch komfortabel, aber den Untergrund sollte man ja auch noch spüren können. Gleichzeitig muss er sowohl auf steinigen Wanderwegen für sicheren Halt sorgen wie auf matschigen Wiesen und nassen Wurzeln im Wald. Gar keine so leichte Aufgabe für einen Schuh. Daher wollen wir dir helfen, für das nächste Laufabenteuer im Gelände den richtigen Trailrunningschuh für dich zu finden.

Was unterscheidet einen Trailrunningschuh vom normalen Laufschuh?

Während ein Straßenlaufschuh sein Leben hauptsächlich auf Asphalt, Beton und einfachen Wegen im Park verbringt, muss der Kollege auf dem Trail doch etwas mehr abkönnen. Besonders in technischem Gelände, Geröllfeldern und bei vielen Wurzeln auf dem Trail kann es im Eifer des Gefechts schnell einmal passieren, dass man einen unachtsamen Schritt macht und sich die Zehen anstößt. Daher sind die meisten Modelle auf dem Markt mit einer robusten Zehenschutzkappe aus Gummi ausgestattet, um die Füße optimal zu schützen.

Modelle für das Laufen in besonders alpinem Gelände wie dem „Skyrunning sind oft mit abriebfesten Verstärkungen versehen, um in felsigem Gelände gegen Abrieb zu schützen. Eine sogenannte „Rockplate“ in der Zwischensohle wirkt als Durchtrittsschutz und verhindert, dass spitze Steine beim Laufen von unten auf die Fußsohle drücken oder sich in den Schuh bohren.

Der größte Unterschied ist aber die Außensohle und deren Konstruktion, aber darauf wollen wir im nächsten Abschnitt etwas genauer eingehen.

Sohle und Profil

Meistens ist die Sohle steifer als bei Laufschuhen für die Stadt. Wenn sich die Außensohle bei jedem Schritt weniger verdrehen kann, bietet sie mehr Sicherheit in anspruchsvollem Gelände. Vom Design her gibt es große Unterschiede. Manche Modelle sind mit besonders langen Stollen ausgestattet und erinnern optisch eher an einen Fußballschuh. Solche Trailrunningschuhe sind ideal für nasses Gelände wie matschige Wiesen und erreichen durch die Stollen auch bei schmierigen Verhältnissen optimalen Grip.

Auf felsigem Untergrund hingegen ist ein grobstolliges Profil eher kontraproduktiv und führt meistens zum Rumrutschen als zu sicherem Halt. Wer also viel auf blankem Fels und in gerölligem Gelände läuft, wählt lieber ein Modell mit weniger tiefem Profil.

Größere Abstände zwischen den einzelnen Noppen sorgen dafür, dass sich das Profil selbst reinigt, indem Dreck und Matsch nicht an der Außensohle kleben bleiben.

Da die meisten Trailläufer auf einer Tour durch sehr unterschiedliches Gelände laufen müssen, kann das Profildesign der meisten Schuhe als vielseitig geeignet bezeichnet werden. Speziell designte Schuhe für alpine Touren und besonders nasses Gelände wie beim englischen Fellrunning runden das Angebot ab.

Bei der Wahl der Gummimischung kommt oftmals Vibram zum Einsatz. Die MegaGrip-Gummimischung vom italienischen Sohlenhersteller kommt aus dem Bergsportbereich, punktet mit viel Griffigkeit und nutzt sich im Gelände nicht so schnell ab. Manche Hersteller setzen aber auch auf ihre eigenen Gummimischungen.

So bietet La Sportiva zum Beispiel unterschiedliche Gummivarianten an ihren Trailschuhen an, die sich für verschiedene Einsatzzwecke eignen. Wer auf dem Weg zum Trail auch regelmäßig über Asphalt läuft, wählt am besten einen sogenannten „Door to Trail“ Schuh. Diese vielseitigen Modelle sind sowohl für das Laufen auf der Straße als auch für Trails konstruiert, funktionieren auf allen Untergründen gut und wirken einem frühzeitigen Abrieb der Stollen entgegen.

Dämpfung: Wieviel Komfort darf es sein?

Ein Großteil der Straßenläufer setzt bei jedem Laufschritt im Fersenbereich mit einer Kraft auf, die einem Vielfachen ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Beim Laufen im Gelände sind die wirkenden Kräfte dagegen weniger einseitig. Im Vergleich zum klassischen Straßenlaufschuh sind Trailrunningschuhe im Allgemeinen etwas weniger stark gedämpft. Da der Boden im Gelände abwechslungsreicher ist als harter Asphalt, werden die Füße durch die natürlichen Untergründe zusätzlich entlastet.

Auf weichem Waldboden läuft es sich auch ohne viel Dämpfung schon sehr komfortabel, während auf steinigen Wanderwegen oder in Geröllpassagen etwas mehr Dämpfung durchaus für spürbar höheren Komfort sorgt. 

Generell sollte aber jeder Trailrunner für sich entscheiden, wieviel oder wenig es sein darf. Gerade bei längeren Strecken sowie bei anspruchsvollen Ultra-Trails in den Bergen greifen die meisten Sportler aber doch lieber auf einen Schuh mit etwas mehr Dämpfung zurück, um die Muskeln und Bänder bereits von Anfang an gezielt zu entlasten.

Die Frage des Obermateriales

Das mit dem Obermaterial der Trailrunningschuhe ist so eine Sache. Es muss zu einem atmungsaktiv sein, idealerweise Schmutz sowie Feuchtigkeit auf Abstand halten, den Fuß sicher umschließen und gleichzeitig eine gewisse Flexibilität behalten. Daher gibt es leider kein Material, welches alle diese Punkte mit Bravour erfüllen kann. Gleichzeitig steht den Schuhherstellern heutzutage eine breite Palette von funktionalen Materialien zur Verfügung. 

Wenn die Laufsocken zu viel Feuchtigkeit durch den Schweiß aufnehmen, kann dies bei manchen Läufern zur Bildung von Blasen führen. Vor allem im Sommer, bei Personen die stark schwitzen und bei hohen Temperaturen bietet sich ein Trailschuh mit besonders atmungsaktivem Außenmaterial wie Mesh-Gewebe oder Strickmaterial an. Diese Laufschuhe transportieren Feuchtigkeit besonders effizient vom Fuß nach außen hin ab und sorgen für eine zusätzliche Ventilation. 

Bei nassen Bedingungen sowie in der kälteren Jahreszeit kann hingegen ein Schuh mit einer integrierten Membran die erste Wahl sein. Viele Hersteller setzen hier auf den Marktführer Gore-Tex, manche verbauen aber auch hauseigene Membranen. Ein wasserdichter Schuh schützt zwar gegen das Eindringen von Nässe und Feuchtigkeit, ist gleichzeitig aber weniger atmungsaktiv als ein herkömmliches Modell. 

Idealerweise bietet es sich also an, zwei Paar Trailrunningschuhe im Schuhschrank zu haben. Ein atmungsaktives Modell für den Sommer und ein wasserdichtes Paar für den Herbst und Winter.

Welcher Schuh passt denn nun zu meinem Fuß?

Trailrunner haben heutzutage die Qual der Wahl, denn die meisten Hersteller von Trailrunningschuhen haben sehr viele verschiedene Modelle zur Auswahl. Kein Fuß gleicht dem anderen und nicht jeder Schuh passt für jeden Läufer. Hier gilt es vor allem die Fußstellung zu berücksichtigen. Die sogenannte Pronation ist die Drehung des Fußes nach innen, was bei jedem Laufschritt geschieht. Mit einem Schuh am Fuß ist die maximale Pronation sehr viel höher als Barfuß. Die meisten Laufschuhe erreichen durch breite Sohlen und den durch die Dämpfung erhöhten Stand eine höhere Hebelwirkung im Falle eines Umknickens.

Im Vergleich zu den meisten Straßenlaufschuhen sind Modelle für den Trail meist eher mit einem geringen Support ausgestattet. Durch den unebenen Untergrund ist die Abrollbewegung bei jedem Schritt leicht unterschiedlich und Ungleichheiten können besser ausgeglichen werden. Für Läufer, die einen neutralen Schuh ohne jegliche Unterstützung bevorzugen steht ebenfalls eine große Auswahl bereit.

Inzwischen bieten fast alle Hersteller auch Schuhe an, die über einem speziellen Damenleisten hergestellt werden und auf die individuellen Bedürfnisse der weiblichen Füße abgestimmt sind. Diese sind meist mit einem schlankeren Fersenbereich, etwas höherem Rist und schmaleren Schnitt im Bereich der Ballen ausgestattet.

Bei der Passform ist vor allem ein guter Fersenhalt wichtig. Es ist sehr wichtig, dass der Schuh im Knöchelbereich optimalen Halt ermöglicht. Gleichzeitig darf er aber nicht zu hoch geschnitten sein und die Bewegungsfreiheit einschränken. Ebenso sollten die Zehen genügend Platz haben, ohne vorne anzustoßen. Da es beim Trailrunning in den Bergen nach dem Erreichen des Gipfels zwangsläufig wieder nach unten geht, sollte der Fuß präzise im Schuh sitzen, ohne groß nach vorne zu rutschen. Die Folge eines unpassenden Schuhes sind Blasen an der Ferse oder den Zehen, blaue Zehennägel und schmerzende Zehengelenke. Eine optimale Schnürung sorgt für einen sicheren Sitz.

Sie sollte keine Druckstellen entstehen lassen und die Blutzirkulation im Fuß nicht einschränken. Wenn die Schnürung also bis zum Anschlag zugezogen werden muss, ist der Schuh zu klein oder passt nicht richtig. Desto mehr Ösen für die Schnürung vorhanden sind, desto besser kann der Trailrunningschuh an den eigenen Fuß angepasst werden. Einige Hersteller setzen inzwischen auf Schnellschnürsysteme, mit denen die Schnürung mit nur einem Handgriff angepasst werden kann. Manche Modelle verfügen über kleine Taschen im oberen Bereich der Zunge, um die Schnürsenkel dort verstauen zu können. So wird die Gefahr minimiert, mit den Schnürsenkeln an Wurzeln oder Ästen hängen zu bleiben.

Ein paar spezifische Informationen zu verschiedenen Herstellern

Natürlich hat jeder Hersteller seine eigenen Detaillösungen, die vielleicht am Ende doch zur Kaufentscheidung führen. Denn gut laufen kann man inzwischen mit fast allen am Markt erhältlichen Trailrunningschuhen.

  • Hoka One One überzeugt seit einigen Jahren mit einem ganz eigenen Dämpfungskonzept. Die meisten Modelle des französischen Herstellers sind im Vergleich zur Konkurrenz sehr stark gedämpft. Durch die weiche Zwischensohle aus dickem Schaumstoff wird das Laufen auf den Trails zu einer besonders komfortablen Angelegenheit. Der in manchen Schuhen verbaute Meta Rocker animiert zu einem ergonomischen Laufstil und unterstützt den Fuß in seiner natürlichen Abrollbewegung.
  • Der französische Trailrunningspezialist Salomon hat mit der S-Lab Serie eine breite Palette an unterschiedlichen Modellen im Programm, die in Kooperation mit den verschiedenen Athleten des Trailrunning-Teams entwickelt werden. Ultraleichte Wettkampfschuhe sind ebenso vertreten wie alpine Treter für technisches Gelände. Alle Laufschuhe sind mit dem praktischen Quicklace System ausgestattet. Das Schnellschnürungssystem ermöglicht eine stufenlose Anpassung der Schnürung und lässt sich mit einer Hand in Sekundenschnelle justieren.
  • Inov-8 sind die Spezialisten fürs Laufen im nassen und matschigen Gelände. Die englische Traditionsmarke überzeugt seit jeher mit besonders aggressiver Außensohle, die sich für klassische Fellraces in den britischen Fells ebenso gut eignet wie für matschige Wanderwege in den deutschen Alpen. Die Modelle sind insgesamt eher weniger gedämpft und sehr direkt. In Kombination mit dem hervorragenden Grip eine gute Wahl für technisches sowie rutschiges Gelände.
  • Der traditionsreiche Skitourenspezialist Dynafit hat auch eine breite Auswahl an Trailschuhen im Angebot. Bei den meisten Modellen merkt man auf jeden Fall, das die Marke ursprünglich aus dem Bergsport kommt – sie eignen sich ideal für alpine Touren in technischem Gelände und für anspruchsvolle Skyraces. Ein griffiges Profil mit der Megagrip Gummimischung von Vibram und die robuste Konstruktion sorgen am Berg für maximalen Tragekomfort.
  • Mit Altra werden alle Läufer glücklich, die eher breite Füße haben und mit den meisten Laufschuhen Probleme mit einer zu engen Passform haben. Die Amerikaner setzen auf einen besonders breit geschnittenen Vorfußbereich, um den Zehen ein Maximum an Platz zu bieten. Besonders im Ultrarunning Bereich erfreuen sich die Schuhe großer Beliebtheit. Zudem sind alle Modelle flach und mit 0 mm Sprengung ausgestattet.
  • Auch der deutsche Sportartikelhersteller adidas ist selbstverständlich im Trailrunningbereich vertreten. Die Modelle der „Terrex“ Serie wurden speziell für den Einsatz auf den Trails dieser Welt entwickelt und überzeugen mit komfortabler Passform. Durch die Kooperation mit dem Reifenhersteller Continental lässt der Grip der Außensohle nicht zu wünschen übrig. Einige Schuhe sind auch mit der besonders lauffreudigen Boost Zwischensohle ausgestattet, die sich auch beim Einsatz auf dem Trail bewährt hat.
  • La Sportiva ist einer der alteingesessenen Bergsportartikel-Hersteller Italiens und kann selbstverständlich auch Trailrunning! Die Schuhe sind durch die stabile Konstruktion ideal zum Laufen in alpinem Gelände geeignet und im Vergleich eher schmal geschnitten. Verschiedene Gummimischungen an den unterschiedlichen Modellen lassen keine Wünsche offen und jeder findet bestimmt ein für ihn passendes Modell.

Du hast noch weitere Fragen? Dann nur her damit!

Hoffentlich hast du mit unserer Kaufberatung bereits genügend Informationen gesammelt, um den passenden Begleiter für deinen nächsten Laufurlaub in den Bergen zu finden. Durch das große Angebot ist bestimmt der richtige Schuh für dich dabei, um zukünftig für den maximalen Spaßfaktor beim Trailrunning zu sorgen. In unserem Shop findest du eine breite Auswahl an unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller. 

Falls du noch weitere Fragen hast – ab in die Kommentare damit!

Grandiose Blicke, spektakuläre Landschaft: Wie findet man die besten Plätze?

23. Juni 2020
Tipps und Tricks

Als Bergfreund kennt man ihn: diesen Wow-Moment, wenn sich den Augen eine schier unglaubliche Aussicht darbietet. Fast noch besser ist das aufregende Kribbeln, die steigende Spannung, kurz bevor man sich der Kante nähert, hinter der sich der Blick öffnet. Und das Beste: es handelt sich hier nicht um einen schnellen Glückskick wie im Kino oder Freizeitpark, sondern das Gefühl kann lang anhalten und nachwirken.

Es funktioniert auch nicht wie ein Drogenkick, bei dem das „High“ mit einem „Down“ bezahlt und die Dosis für das gleiche Erlebnis nach und nach gesteigert werden muss. Zumindest nicht nach meiner Erfahrung, denn obwohl ich mir das Berg- und Landschaftskino schon in hohen Dosen „gegeben habe“, kommen Spannung und Glücksgefühle nach wie vor auch bei „bescheideneren“ Aussichten auf.

Es lohnt sich also, schöne Aussichten und „geile Optiken“ zu genießen. Doch wie findet man die wirklich guten Plätze? „Wirklich gut“ bedeutet hier „abseits der Herde“ und trotzdem „instagramfähig“. Wobei man mit dem Stichwort Instagram auch gleich beim zweischneidigen Aspekt der Sache ist.

Denn geht es wirklich um das eigene Schau-Erlebnis der schönen Landschaft, oder geht es eher um die anschließende Präsentation auf Social Media? Die Frage kann im Grunde jedeR für sich beantworten: „Würde ich die Tour zu diesem Gipfel/Aussichtspunkt auch ohne Fotos und Social-Media-Sharing machen?“ Wer Klarheit und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber mitbringt, hat die Sache damit schnell geklärt …

Irgendein moralisches Urteil will ich hier nicht fällen. Im Gegenteil, ich verstehe und kenne das allzu menschliche Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, das sich hier oft zeigt. Und ich sehe hier auch schöne Aspekte von Freiheit und Selbstverwirklichung, die man, statt ständig zu verteufeln, auch gern mal würdigen und feiern darf.

Die Probleme fangen an, wenn die schönen Orte vom Ansturm der „Follower“ überrollt werden. Doch das ist kein neues Phänomen, sondern ein seit den Anfängen des Tourismus rauf- und runterdiskutiertes Thema. Deshalb will ich hier keine weitere Diskussion um Eigenverantwortung, Naturschutz und Regulierung führen, sondern neue Aspekte einbringen.

Was macht Landschaften spektakulär?

Einer dieser Aspekte ist die Frage danach, was genau bestimmte Berge und Landschaften eigentlich so anziehend macht. Denn trotz der Vielzahl und Verschiedenheit von Neigungen und Geschmäckern gibt es diese Landschaften, die kaum jemanden kaltlassen. Wieso stehen bei bestimmten Bergen, Landschaften und Perspektiven fast alle mit offenem Mund da?

Ist es die schiere Größe wie beim Grand Canyon oder Everest? Ist es eine bestimmte Ästhetik, eine bestimmte Architektur wie bei den Drei Zinnen? Man verwendet ja für die Berge nicht umsonst dem Bauwesen entnommene Begriffe wie Sockel, Wand, Dach, First, (Eis)Balkon oder (Aussichts)Terasse. Und sowohl bei den Gebäuden als auch bei den Bergen scheint so zu sein, dass viele Menschen die feine, schlanke und mit Ornamentik verzierte Architektur dem nüchternen Plattenbau vorziehen.

Eine große Rolle spielt auch die Vielfalt der Landschaftselemente: Nur selten wirkt es schön, wenn es ganz viel von einer Sache zu sehen gibt. Ein Beispiel dafür sind enge Täler zwischen hohen Bergen wie das Mattertal in der Schweiz. Dort gibt es zwischen den Viertausendern Dom und Weißhorn zwar eine enorme Masse an Hang und Berg zu sehen, doch es fehlt die Abwechslung und Vielfalt.

Das wirkt dann zwar gewaltig und beeindruckend, doch alles in allem eher erdrückend als beglückend. Daran ändert sich erst etwas, wenn man den Ort und damit die Perspektive wechselt. Denn dann kommt Abwechslung und Vielfalt ins Bild.

Wie kommt die Vielfalt zustande? Indem verschiedene, bisweilen kontrastierende Elemente dicht zusammenkommen. Besonders die Mischung von Gewässern, Seen, Bergen und Meer scheint das Auge gern zu haben. So gelten Landschaften, in denen Gebirge und Küste direkt aufeinandertreffen, als Garanten für spektakuläre Blicke am Fließband. Wer einmal in den Fjordlandschaften des Nordens oder des patagonischen Südens unterwegs war, wird da kaum widersprechen.

Die meisten dramatisch und spektakulär wirkenden Landschaften haben eine bestimmte geologisch-geographische Gemeinsamkeit: Sie sind glazial und/oder vulkanisch geprägt. Gletscher und Vulkane sind die kräftigsten und wildesten Landschaftsgestalter. Die von ihnen erzeugten Formen sind geographisch gesehen meist jung. Und jung ist bekanntlich aufregend. Ecken, Kanten und scharfen Spitzen sind noch nicht rundgeschliffen und wegerodiert.

Die von Gletschern ausgeschabten Täler und Hänge sind oft extrem steil. Patagonien bietet zahlreiche Paradebeispiele für solche stark glazial geprägten Landschaften. Und da hier außerdem noch die vulkanischen Elemente mit ihren wilden Formen und Farben hinzukommen, ist das Ganze an Schönheit kaum zu überbieten. Besonders praktisch: glaziale Landschaften sind meist auch mit viel Wasser in Form von Bergseen und Wasserfällen verziert.

Ganz anders sieht es in den „alten“ und geologisch inaktiven Landschaften der Welt aus. Sie haben Jahrmillionen der gleichmäßigen Erosion hinter sich und erscheinen dem Auge eher weniger spannend. Die deutschen Mittelgebirge sind mit ihren runden, wenig ausgeprägten Formen ein klassisches Beispiel für geologisch alte Landschaften.

Man empfindet sie als harmonisch und „beruhigend“, aber eher selten als spektakulär. Nur ab und zu sorgen lokale Besonderheiten wie das Elbsandstein für Abwechslung durch spitze, scharfe und markant geschnittene Formen.

Nebenaspekte

  • Menschliche Eingriffe sind nicht immer störend oder hässlich. Manchmal kann es gar eine regelrechte Symbiose sein, wenn Bauten und schöne Landschaft aufeinandertreffen. Man denke nur an die oberbayrischen Märchenschlösser oder die griechischen Meteora-Klöster. Leider scheint sich das auf alte und sehr alte Bauten zu beschränken. Der modernen und zeitgenössischen Architektur scheint der Sinn fürs Ganze und für die Harmonien abhandengekommen.
  • Wolken und Wetterstimmungen können gerade in den Bergen für ein enormes „optisches Upgrade“ sorgen. Sie bringen Dramatik und Dynamik in die Szene – allerdings ist hier Vorsicht und Erfahrung gefragt, um unnötige Gefahr zu vermeiden.
  • Auch der Faktor Zeit spielt eine Rolle – es kommt auf die Tages- und Jahreszeit an, denn die bestimmen Licht und Farben. Auch die schönste Landschaft kommt nur eingeschränkt zur Geltung, wenn das „harte“ sommerliche Mittagslicht die Farben matt wirken lässt. Deshalb auch das Sprichwort „zwischen elf und drei hat der Fotograf frei“.

Doch bleiben wir bei der Landschaft, es soll hier um das Auffinden schöner und dennoch ruhiger Orte gehen. Tipps für gute Fotos haben wir an anderer Stelle im Basislager.

Und wie findet man nun diese Plätze?

Für die einfachste Variante muss man nicht aufstehen. Man gebe „die schönsten (spektakulärsten, atemberaubendsten, …) Orte (Plätze, Spots, Locations, Landschaften, …) der Welt (Europas, Deutschlands, …)“ in eine Suchmaschine ein. Das Problem dabei: meist handelt es sich bei den Treffern um Orte, die man mit vielen anderen Schönheitssuchern teilt. Darunter vielleicht auch einige, die gleich eins der Flugangebote gebucht haben, die auf vielen der Treffer-Artikel eingebettet sind.

Besonders beliebte Landschaften nennt man „Iconic Spots“ oder „Iconic Locations“. Meist sind das „landschaftlich sehr beeindruckende Orte, mit denen es die Natur gut gemeint hat. Island im allgemeinen zählt hier sicherlich dazu, die Lofoten (Norwegen), die Dolomiten (Italien) oder das Elbsandsteingebirge (Deutschland), um nur einige zu nennen. Der Nachteil dieser Locations ist, du bist meist nicht alleine vor Ort und musst dich mit anderen Fotografen um freie Sicht bemühen.

Eigenständig und abseits der Massen

Wer den Wahnsinnsblick plus Einsamkeit will, kann zunächst mal die Leute fragen, die sich auskennen. Und noch ein paar andere Stellschrauben drehen, die wir uns jetzt anschauen.

  1. Die Profis fragen

Profis? Wer beschäftigt sich denn professionell damit, spektakuläre Spots und schöne Blicke zu finden? Na, Berg- und Landschaftsfotografen. Die können schließlich nicht immer dasselbe Matterhorn-Motiv bringen. Deshalb sind sie professionelle Schöne-Orte-Finder, ähnlich wie die „Location Scouts“ der Filmbranche. Hier ein paar Tipps der Bergfotografen von Mountainmoments:

Locationsscouting ist für Fotografen, die draußen Arbeiten ein absolut elementarer Bestandteil, wenn sie definitive Bilder abliefern wollen. (…) In der Bergfotografie ist eine gute Hanglage und Sonnenexposition mindestens ebenso entscheidend. Da es viele verschiedenen Vorlieben bei der Bergfotografie gibt, kann man nicht eine bestimmte Lage als allgemeingültig empfehlen.

Mein Tipp sind allerdings relativ hohe Berge, hohe Hütten und Bergrücken und Grate. Spannend wirkt es oft, wenn du einen kleineren Berg im Vordergrund platzieren kannst, und sich dahinter ein weites Landschafts- oder Bergpanorama abzeichnet. Für den Anfang helfen in der jeweiligen Region bekannte Aussichtsplätze – nutze diese als Ausgangspunkt deiner fotografischen Entdeckungsreise und bleibe dort nicht bei der Masse stehen.

Das kann ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen: von bekannten Aussichtspunkten lassen sich oft Lichtungen, Bergrücken und andere Orte entdecken, die spektakulär und dennoch wenig frequentiert sind. 

  1. Karten lesen lernen, Landschaftselemente erkennen

Ein wertvolles Hilfsmittel sind topografische Karten in der guten alten Papierform oder online. Allerdings muss man sie lesen können, wenn man vielversprechende Geländeformen erkennen  will. So ist zum Beispiel ein Kessel am Talschluss meistens eine spektakuläre Angelegenheit, vor allem wenn er mit vielen Höhenmetern und Gewässern garniert ist (ein bekanntes Beispiel ist der Soiernkessel im Karwendel).

Weitere vielversprechende Formen sind ausgeprägte Grate, Steilwände und terrassenförmige Stufen. Gebogene und komplex verzweigte Täler bieten meist mehr optische Highlights als ihre monoton-geraden Artgenossen.

Der topographischen Karte kann man auch Informationen über Bewaldung und Vegetation entnehmen. Lichtungen sind meist eingezeichnet und versprechen Aussicht – mitten im Wald sieht man bekanntlich selten weit. Normalerweise gilt, dass die Blicke umso schöner werden, je näher man der Baumgrenze kommt.

Diese Zone ist durch die Mischung und den Übergang sehr abwechslungsreich und reizvoll. Wildheit trifft hier auf Lieblichkeit. Reine Geröll-, Fels- und Schneewüsten wirken (optisch-fotografisch bewertet) selten wirklich prickelnd.

  1. Eigene Wege suchen

An Tourismus- und Outdoorhotspots fiel es mir schon öfter auf: der Teil der Touristen, der eigene Recherchen betreibt und eigene Wege sucht, ist erstaunlich gering. Das ist eine gute Nachricht, denn somit lassen sich „perfekte Plätze“ oftmals schon mit einem überschaubaren Mehr an Aufwand, Motivation und Eigeninitiative erreichen.

Wer zudem noch etwas Fitness und Lust an Höhenmetern mitbringt, hat fast überall gute Karten für einzigartige Blicke und Perspektiven. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Valle Ordesa in den spanischen Pyrenäen. Während sich am Talboden die Hundertschaften zwischen Parkplatz und Hütte aneinanderreihen, ist man auf den Seitenwegen und an der Oberkante der gewaltigen Schlucht mit wenigen Mitwanderern unterwegs.

Und zwar bei überwältigend schönen Blicken, die man vom Tal aus höchstens erahnen kann. Aber man muss dafür eben einen dreistündigen Aufstieg zu Fuß anstatt der Zufahrt mit dem Auto antreten. Und einen Blick in die Karte geworfen haben, um zu wissen, dass die anderen Wege existieren …

  1. Ein paar Schritte mehr gehen

Manchmal reichen wenige Meter für völlig neue Perspektiven. In den Bergen heißt das, einen kleinen Felsen oder eine winzige Anhöhe zu erklimmen. Oder den Grat hinter dem Gipfel noch ein paar Meter weiterzugehen. Um plötzlich viel mehr Weite und Tiefe vor sich zu haben.

Auch sieht der Gipfel selbst aus einiger Entfernung oft spannender aus, als wenn man oben steht. Dass man bei solchen Aktionen vorsichtig sein sollte, dürfte bekannt sein.

Das wären so weit die Tipps und Tricks, die mich in den letzten Jahren zu vielen schönen und superschönen Plätzen geführt haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es noch mehr solcher Kniffe gibt. Vielleicht wird ja hier in den Kommentaren noch das eine oder andere Geheimnis gelüftet …

Bouldern für Anfänger – So gelingt der Einstieg in die neue Sportart

9. Juni 2020
Tipps und Tricks

Ach, ich weiß es noch als ob es gestern gewesen wäre: Wie ich dereinst in grauer Vorzeit mit dem Klettern begonnen habe, fand das draußen statt. Nur bei einer Mindestschneehöhe von fünf Metern und Temperaturen im dreistelligen Minusbereich in der Halle. Zu der wir mehrere Tage Fußmarsch auf uns nehmen mussten. Barfuß und in kurzer Hose.

In der Halle wurde dann geklettert, so richtig mit Seil und Gurt und so. Das war ernst zu nehmendes Training für draußen, da war kein Platz für Weicheier. Und wenn einer dann doch mal nicht mehr konnte, dann ging er zur Boulderwand. Um sich dort zum Ausruhen auf die Matte zu legen. War ja nichts los da, hat ja keiner gemacht damals.

Naja, mal ehrlich, ganz so war das nie, aber so ähnlich. Noch vor einigen Jahren von vielen Kletterern als Trainingsmethode und Nebenprodukt zum klassischen Sportklettern angesehen, hat sich das Bouldern immer mehr zum ganz eigenen Trend entwickelt. Besonders praktisch ist es dabei, dass der Einstieg in die neue Sportart vergleichsweise leicht erscheint. Da es sich beim Bouldern um Klettern in Absprunghöhe handelt, fallen Aspekte wie gute Kenntnisse der Sicherungstechnik oder Materialkunde nahezu weg.

Aber wie stellt man es denn als Neuling am besten an, wenn man das Bouldern mal ausprobieren möchte, bzw. wie gelingt ein zielgerichteter Einstieg in die neue Sportart? Alle, die dabei vom Sportklettern kommen werden mich jetzt wahrscheinlich leicht ungläubig ansehen und denken: „Mann dein Ernst jetzt!?!, da geh ich halt hin und mache das mal.“ Ja klar, an euch richtet sich dieser Artikel auch nicht, sondern an den so viel besungenen „blutigen“ Anfänger.

Was? Bouldern ist Klettern ohne Seil oder so ähnlich?!

Die Bezeichnung Bouldern wird von dem englischen Wort „boulder“ also „Felsblock“ abgeleitet. Und darin liegt auch schon ein Teil der Erklärung. Beim Bouldern handelt es sich zumeist um ein konkretes „Kletterproblem“ das mit nur wenigen Zügen absolviert werden kann.

Ursprünglich wurde das Bouldern ausschließlich im Freien an vergleichsweise überschaubaren Felsblöcken betrieben, daher der Name. Mit dem vermehrten Bau von Kletterhallen ab den 1990er Jahren kam es aber auch zum allmählichen Bau von künstlichen Boulderanlagen. Ein Trend, der sich außerdem in den letzten Jahren etabliert hat, ist die Eröffnung reiner Boulderhallen.

Beim Bouldern handelt es sich um Klettern in Absprunghöhe. Boulderanlagen dürfen daher laut den Bestimmungen des TÜV maximal 4,5 Meter hoch sein, sofern sie nicht überklettert werden können. Also wenn man beispielsweise nicht oben auf den Boulderblock draufstehen kann. Bouldern ist außerdem eine sehr athletische und dynamische Art des Kletterns. Gute Routen sind dabei so geschraubt, dass sie Kletterer gezielt auf ihrem Leistungsstand fordern, dabei aber nicht vor unlösbare Probleme stellen.
Reine Boulderhallen oder größere Anlagen in Kletterhallen haben dabei den Vorteil, dass sie speziell auf das eher athletische Klettern ausgelegt sind.

Durch teilweise sehr verwinkelte Wandkonstruktionen, können so Routen eingerichtet werden, die eine besondere Koordination und den gezielten Einsatz von Kraft und Körperbeherrschung erfordern. Beim Bau von Boulderanlagen, deren Wartung und Absicherung gibt es außerdem verbindliche Standards, die helfen sollen das Verletzungsrisiko beim Training auf ein Minimum zu reduzieren. So müssen beispielsweise alle Anlagen mit einer durchgängigen und ausreichend dicken Matte ausgestattet sein, sodass ein Sturz zuverlässig abgefedert werden kann.

Wer? Für wen Bouldern überhaupt geeignet ist.

Wie bereits erwähnt, braucht es zum Bouldern keine größeren Vorkenntnisse. Daher ist die Sportart zunächst einmal für alle Personen geeignet, die keinen nennenswerten körperlichen Einschränkungen unterliegen. Bouldern ist eine Sportart, bei der es vor allem auf Kraft, Beweglichkeit und Koordination ankommt, eine gewisse Grundfitness kann also beim Bouldern (wie übrigens überall) durchaus vorteilhaft sein.

In Sachen Alter gibt es nach oben hin keine Beschränkungen, wer sich fit genug fühlt, kann selbstverständlich auch noch im hohen Alter bouldern gehen. Bei Kindern sieht es da ein wenig anders aus. Die Erfahrung zeigt hier (ähnlich wie beim Sportklettern), dass Kinder erst etwa ab dem Grundschulalter koordinativ in der Lage sind komplexe Bewegungsabläufe gezielt umzusetzen. Einzelfälle mag es da in jede Richtung geben, als gute Orientierung gilt aber trotzdem ein Mindestalter von 6-7 Jahren. Schaut man darüber hinaus einmal auf das Reglement unterschiedlichster Boulderhallen, so zeigt sich recht schnell folgendes:

  • Kleinkinder dürfen sich in der Regel nicht im eigentlichen Boulderbereich aufhalten. Dies ist vor allem der Sicherheit geschuldet. Denn nicht selten sind Kleinkinder bereits recht agil und beginnen ihre Umwelt zu erkunden, können dabei konkrete Gefahren nicht einschätzen.
  • Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 14 Jahren dürfen Boulderanlagen nur in Begleitung einer volljährigen Person benutzen. Diese trägt dann die Verantwortung. Je nach Halle gibt es auch unterschiedliche Regelungen wie viele Kinder/Jugendliche von einer Begleitperson beaufsichtigt werden dürfen. Als Faustregel kann man sich jedoch merken, dass pro Erwachsenem oft zwei Kinder erlaubt sind. Für Trainer oder Trainingsgruppen gelten andere Regeln.
  • Jugendliche in einem Alter von 14-18 Jahren können viele Boulderanlagen auch ohne eine Begleitperson besuchen. Für sie muss jedoch die Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten vorliegen. Hierzu hält jede Boulderhalle spezielle Formulare bereit, die von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern im Vorfeld unterschrieben werden müssen.

Wie? Die ersten Schritte in der neuen Sportart.

Auch beim Bouldern ist es wie fast überall: Wenn man jemanden kennt, der einem zeigt wie es geht, dann hat man es meistens recht schnell drauf. Gerade mit Kletterern im Bekanntenkreis dürfte das also kein Problem sein. Wer nun aber völlig alleine und ohne (Kletter-)Freunde mit dem Bouldern anfangen möchte, kann das natürlich auch tun.

Viele Boulderhallen bieten hierzu eine Einweisung für Einsteiger an. Je nach Halle reicht es aus, wenn man sich kurz beim Empfang meldet und sich alles erklären lässt, wieder andere Anlagen haben festgelegte Zeiten an denen Einweisungen stattfinden.

Eine sicherlich sinnvolle Alternative zum „einfach mal Ausprobieren“ ist der Besuch eines Boulderkurses. Hierzu gibt es die unterschiedlichsten Konzepte und Kursmodelle. Diese werden beispielsweise von Vereinen wie dem DAV oder den Naturfreunden angeboten. Darüber hinaus bieten auch Boulderhallen immer wieder eigene kommerzielle Kurse für Anfänger an. Hier lohnt es sich also, einmal bei der örtlichen Klettergruppe oder der nächstgelegenen Boulderhalle anzufragen. Der Vorteil eines Kurses liegt dabei klar auf der Hand:

  • Erfahrene Trainer erklären die neue Sportart von Grund auf. Durch ein gezieltes Konzept werden die Teilnehmer nach ihrem Leistungs- und Entwicklungsstand eingewiesen und angeleitet.
    Anfänger ohne jegliche Vorkenntnisse werden von Anfang an zielgerichtet angeleitet. Hierdurch können typische Fehler schnell erkannt werden und schleichen sich nicht langsam ein.
  • Auch beim Bouldern gibt es einige Sicherheitsregeln zu beachten. Hier helfen die Trainer bei der Einhaltung und Umsetzung.
  • Sport macht in der Gruppe einfach mehr Spaß. Gerade am Anfang ist es oft nicht ganz leicht direkt einen Zugang zu den neuen Bewegungsabläufen zu finden. Wer sich jedoch mit Gleichgesinnten versucht, profitiert meist von gegenseitiger Hilfe und Motivation.

Egal ob man sich alleine oder zusammen mit einer Gruppe an die Wand wagt, ein paar Verhaltensregeln sollte man vorab verinnerlicht haben:

Sicherheit

Auch beim Bouldern wird Sicherheit großgeschrieben (und das nicht nur weil es ein Substantiv ist). Ganz wichtig ist es hierzu nicht nur auf die eigene Sicherheit zu achten, sondern auch die anderen Personen immer im Blick zu haben. Dies gilt sowohl beim Einsteigen in einen neuen Boulder, als auch beim Abspringen und beim Umherlaufen in der Halle.

Beim Bouldern gilt zwar der Grundsatz, dass möglichst kontrolliert aus einer Route abgesprungen werden soll, jedoch kommt es immer wieder auch zu unkontrollierten Stürzen. Um hierbei nicht von anderen Boulderern getroffen zu werden ist es ratsam deren Wege und Fallräume nicht zu kreuzen. Darüber hinaus müssen Fallräume generell freigehalten werden. Dinge wie Taschen, Trinkflaschen und Co. haben hier nichts verloren.

Spotten

Je nach Können und Art der Route kann es darüber hinaus sinnvoll sein einen Kletterpartner zu spotten bzw. sich selbst spotten zu lassen. Dies bedeutet vereinfacht, dass man einen Kletterpartner beim Stürzen oder Abspringen unterstützt.

Es geht dabei nicht darum die Person aufzufangen. Denn dazu müsste man je nach Gewicht und Fallhöhe des Partners schon fast übermenschliche Kräfte besitzen. Das Ziel beim Spotten ist es vielmehr den Kletterer gezielt auf den Boden bzw. die Matte zu leiten, sodass er sicher aufkommt. Hierdurch sollen beispielsweise Stürze auf den Kopf oder auch das Umknicken des Sprunggelenks vermieden werden.

Klettertechnik

Das Thema „richtig klettern“ füllt ganze Lehrbücher. Darum ist es hier in Kürze auch schwierig, umfassend auf das Thema einzugehen. Für Einsteiger habe ich aber dennoch einen Tipp auf Lager: Ein klassischer Anfängerfehler ist, dass viel zu viel Kraft über die Arme aufgebracht wird. Beim Klettern zieht man sich aber nicht überwiegend mit den Armen hoch, sondern bestreitet das Vorankommen weitestgehend aus den Beinen heraus.

Gerade bei Senkrechten oder geneigten Touren sind die Hände und Arme hauptsächlich als Unterstützung der Beine zu sehen und dafür verantwortlich, dass man nicht aus der Wand kippt. Je steiler und überhängender eine Route jedoch wird, desto mehr muss selbstverständlich auch aus den Armen heraus geklettert werden.

Unabhängig vom Gelände gilt jedoch der Grundsatz am langen Arm zu klettern und so nicht durch das übermäßige Anspannen der Muskeln zu viel Kraft zu vergeuden. Wer das einmal verinnerlicht hat, wird sehen, dass er beim Klettern schnell Fortschritte macht und darüber hinaus länger durchhalten kann. Weiterführende Infos zum Thema Klettertechniken hat mein Kollege Felix einmal für euch zusammengetragen und auch für Anfänger gut verständlich beschrieben. Wenn ihr also tiefer in die Materie einsteigen wollt, dann schaut euch am besten gleich mal seine Artikelserie an:

Womit? Diese Dinge brauchst du fürs Bouldern.

Machen wir mal ein Spiel. Ich gehe zum Bouldern und packe in meinen Rucksack:
Bequeme Kleidung. Wie bei nahezu allen Sportarten (außer vielleicht Schach und Billard, aber so what…) ist bequeme Kleidung mit der man sich gut bewegen kann beim Bouldern definitiv das Mittel der Wahl. Expertentipp: Gerade am Anfang sollte man sich auf jeden Fall ein paar Gedanken über das richtige Beinkleid machen, denn Einsteiger neigen oft dazu sich die Knie an der Wand und den Griffen anzuschlagen.

Da diese Elemente zumeist sehr rau sind, kommt es hier in kurzer Hose auch schnell mal zum Aua am Knie. Daher empfiehlt es sich eine Hose zu wählen, die die Knie bedeckt. Wer jetzt aber seine Lieblingslaufhose mit dem superdünnen Stoff im Gepäck hat, wird sich sicherlich auch schnell ärgern, denn durch vermehrten Kontakt mit der Wand kommt es hier schnell zu kleinen Löchern im Material. Klare Empfehlung daher: Entweder eine etwas ältere Sporthose oder gleich eine spezielle Boulderhose aus robustem Material wählen.

Kletterschuhe

Kletterschuhe können in allen Hallen gegen eine kleine Gebühr geliehen werden. Wenn man die Sportart einfach nur einmal ausprobieren mag, macht es daher sicherlich auch Sinn, zunächst auf Leihmaterial zurückzugreifen. Für alle, die es aber definitiv ernst mit dem Bouldern meinen, empfiehlt sich die Anschaffung eigener Schuhe.

Das hat nicht nur den Vorteil, dass man nicht immer in „fremde“ Kletterschuhe schlüpfen muss, sondern vielmehr auch, dass sich die eigenen Schuhe nach und nach an die persönliche Fußform anpassen können. Das macht auf Dauer das Tragen deutlich angenehmer. Außerdem bieten unterschiedliche Boulderhallen immer unterschiedliche Leihschuhe an. Während Halle A vielleicht Schuhe von einer Marke verleiht, die mir persönlich ganz gut passen, kann es sein, dass Halle B Schuhe von einer Marke hat, mit denen ich nicht so gut zurechtkomme.

Gerade für Anfänger ist jedoch der Kauf von Kletterschuhen alles andere als leicht. Zahlreiche Faktoren wie Anwendungsgebiet, Bauart der Schuhe, Verschluss und Fußform spielen hier eine wichtige Rolle. Für Anfänger gilt daher: Informieren, beraten lassen und anprobieren, anprobieren, anprobieren. Wenn ihr hier also noch Unterstützung braucht, dann schaut euch doch mal den Beitrag von Kollegin Frida mit dem schönen Titel „Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen?“ an.

Einen Chalkbag

Der Chalkbag oder das Magnesiasäckchen (wie wir „people form the last millennium“ sagen) ist ein gleichzeitig praktisches und modisches Accessoire beim Bouldern. Praktisch deshalb, weil sich darin das Magnesia (oder auch Chalk) unfallfrei transportieren lässt und beim Bouldern sprichwörtlich jederzeit zur Hand ist. Schweißnasse Hände können hierdurch schnell trockengelegt werden, sodass die Finger wieder über den optimalen Grip an den Griffen verfügen. Der meines Erachtens jedoch fast wichtigere Teil ist der Look.

Magnesiabeutel gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen von groß bis klein, von sportlich dezent bis vollkommen abgespaced. Darüber hinaus unterscheidet man zwei grundlegende Arten von Chalkbags: Nämlich die, die am Körper getragen werden (mittels Bauchgurt oder beim Sportklettern direkt am Klettergurt) und jene, die eher eine große Tasche sind und in der Halle aufgestellt werden kann. Auch beim Inhalt gibt es deutliche Unterschiede. Chalk gibt es verschiedenen Formen, die je nach Anwendungsgebiet ihre Vorteile haben.

Diese hier alle einzeln aufzuführen und zu erklären würde jedoch den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Wer also tiefer in die Welt des Chalks eintauchen möchte, dem sei folgender Blogbeitrag ans Herz gelegt: Grip am Griff – alle Infos über Chalk und Chalkbags.

Crashpad

Nur der Vollständigkeit halber: Wer draußen bouldern geht, der braucht mindestens ein zuverlässiges Crashpad. Die ersten Schritte beim Bouldern in der Natur zu machen ist jedoch für Anfänger nicht ratsam. Wie bereits erwähnt, sind alle Hallen und Boulderanlagen immer ausreichend mit Matten gesichert, sodass Anfänger ein Crashpad zumindest vorerst von der Ausrüstungsliste streichen können.

Also…

Für alle, die mit dem Bouldern anfangen wollen, gilt die klare Empfehlung: Machen! Denn Bouldern ist eine interessante und fordernde Sportart. Die Einstiegshürden sind beim Bouldern vergleichsweise klein, auch Anfänger werden hier schnell Spaß haben und Fortschritte erzielen. Der Anfang wird dabei durch einen Boulderkurs sicherlich erleichtert. Außerdem bieten Vereine inzwischen auch Bouldergruppen an, die das kontinuierliche Training in der Gruppe ermöglichen.

Die Bergfreunde werden Wellenreiter: Hier kommt die Dopper Wave

9. Juni 2020
Tipps und Tricks

Auf Berge steigen können wir. Wir können sie auch erklettern oder hochrennen – alles kein Ding. Jetzt wagen wir Bergfreunde uns in eines neues „Terrain“ und gehen unter die Wellenreiter. Nun ja, zumindest im übertragenen Sinne, denn wir sind ab sofort Teil der Dopper Wave. Was das ist und warum das nur am Rande was mit Surfen zutun hat, wollen wir euch erklären.

Einweg-Plastikflaschen adé

Die Wave Initiative wurde von der niederländischen Trinkflaschen-Marke Dopper ins Leben gerufen. Im Grunde ist die Idee dahinter recht einfach: Im Alltag auf Einwegplastikflaschen verzichten, um die knapp 8 Millionen Tonnen (ja, richtig. 8.000.000.000 kg) an Plastikmüll, die in unseren Ozeanen herumtreiben, nicht noch zu vergrößern.

Dazu braucht es natürlich Trinkbehälter, die Flaschen ersetzen. Und die baut Dopper kurzerhand selbst. Die Flaschen sind klimaneutral produziert und können komplett recycelt (Cradle-to-cradle-Zertifizierung) werden – sofern das jemals nötig sein sollte. Noch praktischer macht sie der Verschluss: Der dient nämlich gleichzeitig als Trinkbehälter. Nun, auch das ist keine Neuerfindung des Rads, aber darum geht es den Niederländern auch gar nicht. Die Flaschen sollen lediglich dabei helfen, die Mission zu erfüllen – mal ganz abgesehen davon, dass sie verdammt stylisch sind.

Aber zurück zur Wave…

Dopper Bergfreunde BüroDopper finanziert über den Verkauf der Flaschen zahlreiche Kampagnen, die sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen dazu anleiten sollen, weniger Einwegplastik im Alltag zu verwenden. Die Kampagnen finden weltweit statt – auch in Regionen, in denen es gar keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt, z.B. in Nepal, wo Dopper Projekte unterstützt, die eben diesen Zugang möglich machen. Andere Kampagnen legen den Fokus auf Reisen: Welche Möglichkeiten habe ich, um auf Reisen schnell und unkompliziert an sauberes Wasser zu kommen, ohne im lokalen Supermarkt PET-Flaschen kaufen zu müssen? Dazu haben wir hier übrigens auch einen informativen Artikel!

Für uns eigentlich eine Selbstverständlichkeit

Der Schreiber dieses Artikels ist während er diese Zeilen tippt in seinem sechsten Jahr als Bergfreund. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass wir zu meinen Anfangszeiten tatsächlich PET-Flaschen im Büro hatten – zumindest als Angebot, die meisten Kollegen hatten schon damals ihre eigenen Flaschen. Die PET-Flaschen wurden natürlich geliefert und wieder abgeholt. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass davon auch nur eine im Meer gelandet ist. Optimal war das natürlich trotzdem nicht.

Es dauerte aber nicht lange, da war das Thema PET-Flaschen für die Bergfreunde ad acta gelegt und ein formschöner Wasserspender hielt Einzug ins Büro. Jeder Mitarbeiter, der noch ohne eigene Flasche war bekam eine und von den ollen PET-Mineralwasserflaschen sprach kein Mensch mehr. Heute bekommt jeder neue Bergfreunde-Mitarbeiter im Willkommenspaket seine Bergfreunde-Flasche und alle sind happy.

„Aber,“ fragst du dich vermutlich jetzt „wenn ihr das doch eh schon seit Jahren macht, warum das jetzt nochmal ein Statement dazu abgeben?“ Tja, wie sagt man so schön: Tue Gutes und sprich darüber. Und letztlich geht es bei der Dopper Wave ja genau darum: Sich zu bekennen und hoffentlich anderen ein Vorbild zu sein.

Wenn ihr mitmachen wollt oder auch andere dazu animieren wollt auf PET-Flaschen zu verzichten, dann schaut doch mal auf der Webseite von Dopper vorbei. Und wenn ihr eine stylische Dopper-Flasche erstehen wollt… wir kennen da so einen coolen Online-Shop! ;)

Die Anatomie der Hüfte: Dreh- und Angelpunkt des Körpers

8. Juni 2020
Tipps und Tricks

Der Oberschenkelknochen sitzt in einem unserer stabilsten Gelenke, dem Hüftgelenk – umgeben von den stärksten Muskeln unseres Körpers. Ein Luxusleben?! Vielleicht. Für entspannte Berg- und Klettertouren brauchen wir ein bewegliches Hüftgelenk. Beim Klettern ist eine flexible Hüfte fast ein Muss um Tritte perfekt anzutreffen.

Die Hüfte ist für unsere aufrechte Haltung und Fortbewegung von großer Bedeutung. Bei fast jeder Bewegung, die wir machen, ist sie mit dabei. Beim Wandern oder Trailrunning können schnell Schmerzen entstehen, die durch Fehlstellungen, Fehlhaltungen oder falsche Schuhe ausgelöst werden können. Auch ungleichmäßige Belastung oder Gewichtsverteilung können Schmerzen und Reizungen verursachen.

Im Hüft-, Becken- und Oberschenkelbereich wirken insgesamt 29 Muskeln und vier Hüftgelenksbänder zusammen. Manche Muskelgruppen sind die stärksten unseres Körpers. Andere Muskeln reichen vom Hüftansatz bis zum Schienbein und sind recht dünn und schmal.

Durch die starken Muskeln und Bandstrukturen kommt es an der Hüfte selten zu knöchernen Verletzungen.

Erst bei einer sehr starken Krafteinwirkung wie beispielsweise bei einem Sturz über vier Metern mit ungünstigem Aufprall können Teile der Hüfte brechen. Gewalteinwirkungen können auch dazu führen, dass der Oberschenkelkopf aus der Gelenkpfanne springt. Doch vielmehr können beim Sport Reizungen und Entzündungen auftreten. Bevor wir zur Anatomie übergehen möchte ich euch zwei Basisübungen vorstellen, die für Bergfreunde unverzichtbar sind.

Hüftbeuger

Für eine der gängigsten Dehnübungen geht ihr in den Ausfallschritt. Euer vorderes Bein winkelt ihr an. Der Winkel zwischen Wade und Oberschenkel liegt bei circa 90 Grad. Euer hinteres Knie, Wade sowie Fußrücken können Bodenkontakt haben. Der Oberkörper ist aufgerichtet und der Rücken gerade. Jetzt spürt ihr ein Ziehen an der Innenseite der Hüfte. Atmet tief ein und aus. Je nach Befinden könnt ihr mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen.

Dehnung der Gluteal-Region (Unterer Rücken, Hüfte, Gesäßmuskeln)

Ihr legt euch auf den Boden und winkelt das linke Bein an. Den rechten Fußknöchel platziert ihr entspannt unterhalb des Knies über das linke Bein. Jetzt hebt ihr mit Hilfe der Hände in der Kniebeuge euer linkes Bein an und zieht es zum Bauchnabel. Dadurch ist ein Ziehen in der unteren Rückenmuskulatur und hinteren Hüftregion zu spüren. Je nach Befinden könnt ihr auch hier mit dem Atemzug immer etwas tiefer in die Dehnung gehen und natürlich das Bein wechseln.

Um zu verstehen woher manche Schmerzen kommen können und wie diese durch ein paar Übungen gemildert werden, hier ein paar anatomische Einblicke.

 

Anatomische Grundvorstellungen in der Hüftregion helfen jedem, der oft in den Bergen unterwegs ist.

Was viele von uns recht einfach an unseren Körpern fühlen können, ist der Becken

kamm, der oberste Ansatz der beiden Hüftbeine. An diesem breiten Kamm setzt eine der wichtigsten Muskeln für unseren Rücken an, der Latissimus dorsi. Der große Rückenmuskel breitet sich von dort wie ein großer Fächer nach oben aus.

Ein wenig niedriger an beiden Hüftbeinen setzen viele starke Muskeln an. Am unteren seitlichen Ende der robusten Hüftbeine sind die Oberschenkel in die Hüftpfanne eingehängt. Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk, auch Nussgelenk genannt, und hat einen großen Bewegungsspielraum.

Kommen wir zurück zu den Muskelgruppen. Am prominentesten sind die Gluteus-Muskeln.

 

Der Gluteus maximus ist der kräftigste Muskel an unserem Körper. Er bestimmt die Form unseres Pos.

Er ist ein breiter und oberflächiger Muskel. Er setzt am Beckenkamm an und verläuft schräg abwärts zum Trochanter major. Den Knochenvorsprung, auch großer Rollhügel genannt, könnt ihr seitlich am Oberschenkel ertasten.

Wir brauchen den Gluteus maximus vor allem zum Bergsteigen, zum Treppensteigen und zum Aufstehen aus dem Sitzen. Im Stand stabilisiert er unsere Bewegungen und schafft eine aufrechte Haltung. Unterhalb des Gluteus maximus liegt Gluteus medius und noch eine Schicht tiefer der sehr viel kleinere Gluteus minimus. Die kleineren Gesäßmuskeln medius und minimus sind hauptsächlich für das Abspreizen der Beine zuständig.

Die Gluteus Muskeln gehören zu den neun äußeren Hüftmuskeln, die alle an der Rückseite unseres Körpers ihren Ursprung haben. Die äußeren Muskeln im Hüftgelenk sind zuständig für Außenrotation, Extension sowie Heranziehen und Abspreizen unserer Beine. Nicht zuletzt stabilisieren sie unser Hüftgelenk.

Wenn Schmerzen in der Innenseite der Hüfte, Oberschenkelvorderseite und im unteren Rücken auftauchen, haben diese oft mit dem Muskel lliopsoas zu tun.

 

Dieser „Hüftbeuger“ Muskel liegt unterhalb der Leistenregion. Er ist der stärkste Beugemuskel.

Er setzt an der Lendenwirbelsäule an und verläuft innenliegend entlang der Hüfte bis zum Ansatz des Oberschenkels. Der Iliopsoas gehört zu den vier Muskeln der inneren Hüftmuskulatur.
Schließlich möchte ich euch eine beeindruckende und großflächige Muskelgruppe vorstellen. Sie geht von den Hüftbeinen über das Knie zum Schienbein und bedeckt sozusagen die Oberschenkelvorderseite. Die Gruppe quadriceps femoris ist verantwortlich für das Beugen und Anheben des Oberschenkels und vor allem für das Strecken des Kniegelenks.
Es gibt noch viele weitere Oberschenkelmuskeln, die mit der Hüfte zusammenhängen.

 

Bei so vielen Muskeln ist das Abhängen für den Oberschenkel gar nicht so einfach.

Umso wichtiger ist, dass wir unsere Hüfte bewegen und die starke Muskulatur dehnen. Bei Schmerzen, die länger anhalten oder wiederkehren, ist es gut einen Physiotherapeuten oder einen Facharzt aufzusuchen. Es können Reizungen von Fehlbelastungen sein, doch auch Entzündungen entstehen teilweise über einen längeren Zeitraum und sollten entsprechend behandelt werden.
Damit eure Oberschenkel entspannt abhängen und ihr die Muskulatur lockern könnt, empfehle ich das Aushängen und Pendeln an der Reckstange oder am Hangboard. Alternativ könnt ihr die Beinschaukel mit Hilfe eines Bretts machen, das ihr auf den Boden legt. Ihr stellt euch mit dem linken Bein auf das Brett und pendelt das rechte Bein vor und zurück. Die Beinschaukel entspannt eure Strukturen und führt zu einer leichten Dehnung. Die Übung könnt ihr ruhig häufiger am Tag wiederholen, vor allem wenn ihr viel im Home-Office sitzt und weniger in Bewegung seid. Und wie einer meiner Trainer immer sagte: Immer schön in die Dehnung atmen und entspannen.

Sozial- und Ökolabels – ein kleiner Führer durch den Siegelwald

28. Mai 2020
Tipps und Tricks

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass anständige Arbeit auch anständig bezahlt wird. Dass wir auf andere Rücksicht nehmen, verantwortungsvoll handeln, mit unserer Umwelt respektvoll und nachhaltig umgehen.

Kurz und gut: Uns nicht benehmen wie die Axt im Walde. Leider ist das jedoch nicht (immer) der Fall. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an: Wer schon einmal versucht hat ein T-Shirt zu kaufen, das von vorne bis hinten umwelt- und sozial verträglich hergestellt wurde und bei dem die Lieferkette, also Produktions- und Vertriebswege nachvollziehbar sind, wird wissen worauf ich hinaus will. 

Vor lauter Siegel sieht man keine Bäume mehr

Das Problem ist nämlich nicht, dass es diese Produkte nicht gibt. Es ist auch nicht das Problem, dass sie super teuer wären, sodass wir uns als Otto-Normal-Bürger für ein Super-Faires-Öko-Toll-Toll-T-Shirt nahezu verschulden müssten. Darum gehts nicht. Es gibt aber ein ganz anderes und viel größeres Problem: Man muss diese Produkte erst einmal finden.

Denn für Verbraucher ist es oft schwer bis absolut unmöglich nachzuvollziehen welchen Weg beispielsweise ein T-Shirt von der Baumwollpflanze bis nach Hause in den Kleiderschrank gegangen ist. Immer wieder gibt es (für Deutschland gesprochen) Rufe nach einem Lieferkettengesetz. Also dem verbindlichen Nachweis für Industrie und Handel woher genau ein Endprodukt stammt und unter welchen Bedingungen es gefertigt wurde. Aktuell (Stand März 2020) gibt es aber noch kein derartiges Gesetz. 

Selbst ist der Bergfreund

Will man also derzeit seinen Konsum möglichst nachhaltig und fair gestalten, bleibt für den Verbraucher eigentlich nur die Möglichkeit sich an Ökolabels und Siegeln für sozial verträglich erzeugte Ware zu orientieren. Gütesiegel dieser Art gibt es wie Sand am Meer. In nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens sind sie zu finden und sollen uns Verbrauchern die Möglichkeit für einen reflektierten und verantwortungsvollen Konsum geben.

Während die Siegel in den vergangenen Dekaden zumeist darauf abzielten Verbraucher vor schädlichen oder mit Schadstoffen belasteten Produkten zu schützen, haben sich bereits seit geraumer Zeit weiterführende Bewertungskriterien ergeben. Hierzu gehören vor allem soziale und ökologische Aspekte. Der Ansatz oder die Bewertungskriterien der einzelnen Siegel und Organisationen können dabei sehr unterschiedlich aussehen.

Welche Kriterien setzen Öko-Labels an?

Während beispielsweise der Global Organic Textile Standard (GOTS) Garant für einen umweltfreundlichen und sozial verträglichen Herstellungsprozess und Vertrieb ist, beziehen sich beispielsweise das Bluesign-Siegel oder die Fair Wear Foundation nur auf ökologische oder soziale Gesichtspunkte. Und genau darin liegt das Problem für den Verbraucher, denn in der Flut von Gütesiegeln ist es oft schwer zu erkennen, welche Kriterien jeweils in die Bewertung einfließen. 

Da es leider kein allgemeingültiges „Alles-Super-Gut-Siegel“ oder „Kein-Scheiß-Label“ gibt,  habe ich mir einmal die Mühe gemacht und für euch die wichtigsten und bekanntesten Labels und Organisationen, die in der Bekleidungsindustrie Verwendung finden zusammengetragen. Hierzu vorab noch ein Hinweis: Es ist nicht möglich alle Gütesiegel und Ökolabels aufzulisten, denn das würde definitiv den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Ich habe mir aus diesem Grund nur Labels angeschaut, die sich auf den Bereich Textilien und Bekleidung beziehen. Außerdem werde ich mich auf die eher großen und bekannten Gütesiegel beschränken. Wenn euch also ein Label oder eine Organisation in dieser Liste fehlt, könnt ihr euch gerne unten in den Kommentaren verewigen. Auch noch wichtig: Immer wieder kommt es zu Kritik an den unterschiedlichsten Labels.

Den einen gehen die Standards nicht weit genug, andere bemängeln die fehlende Transparenz und wieder andere bezweifeln die Sinnhaftigkeit von Label-Produkten generell. Ich habe jedoch beschlossen, mich mit diesem Artikel weitestgehend aus dieser Diskussion fernzuhalten. Also macht euch doch am besten selbst ein Bild. Los geht’s:

Siegel mit sozialen und ökologischen Kriterien:

Blauer Engel

Der Blaue Engel ist vielleicht die Urmutter der Umweltzeichen. In den 1970er Jahren wurde er vom Bundesminister des Inneren eingeführt und war zunächst dafür vorgesehen, Verbraucher vor belasteten oder schädlichen Produkten zu schützen. Heute ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit offizieller Siegelinhaber. Beim Vergabeverfahren sind außerdem folgende Institutionen beteiligt: das Umweltbundesamt, die RAL gGmbH sowie die Jury Umweltzeichen.

Der Blaue Engel gehört außerdem dem Global Ecolabelling Network an und bietet enger definierte Labels die sich auf unterschiedliche Konsumbereiche oder Produktgruppen beziehen. Im Bereich Kleidung greift also „Der Blaue Engel für Textilien“.

Ziele und Vorgaben:

    • Einhaltung definierter Umweltstandards im Herstellungsprozess
    • Beachtung von Arbeitssicherheit und Sozialverträglichkeit bei der Fertigung
    • Vermeidung gesundheitsbelastender Chemikalien in Endprodukten
    • Endprodukte mit hoher Gebrauchstauglichkeit

Gut zu wissen: Der Blaue Engel ist eine Produktkennzeichnung, die Produkte auszeichnet, die im Bezug auf andere vergleichbare Produkte umweltverträglicher sind. Er ist jedoch kein alleiniger Garant dafür, dass das jeweilige Produkt komplett unbedenklich und bis ins letzte Detail hochgradig umweltfreundlich und sozial fair ist.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

Gerade bei (Outdoor-)Kleidung begegnet man dem GOTS vergleichsweise oft. Dieses Label stellt dabei sowohl weitreichende Anforderungen hinsichtlich definierter Sozialstandards, als auch in Bezug auf eine umweltschonende Produktion. Das Label entwickelt sich dabei immer weiter und stellt fortlaufend neue dezidierte Anforderungen an die Labelnehmer. Wichtig ist dabei, dass die Anforderungen weltweit anwendbar sind und auch überprüfbar sein müssen. Hierzu hat das GOTS zahlreiche verbindliche Kriterien festgelegt. Ziel ist dabei immer die nachhaltige Produktion von hochwertigen Textilien.

Ziele und Vorgaben:

    • Faserproduktion. Bio-Zertifizierung der Fasern. Ein Produkt mit GOTS-Kennzeichnung muss mindestens 70 % Biofasern enthalten, für die Kennzeichnung mit GOTS „Bio“ muss ein Produkt zu 95 % aus Biofasern bestehen. Darüber hinaus müssen Produkte mit Bio-Kennzeichnung getrennt von Produkten mit konventionellen Fasern erzeugt werden
    • Umweltkriterien. Überprüfung aller chemischen Zusätze hinsichtlich Abbaubarkeit und Toxizität. Hierbei bestehen verbindliche Grundanforderungen und überprüfbare Standards. Auch gilt das ausnahmslose Verbot von problematischen Zusätzen wie toxischen Schwermetallen. Je nach Art der Produktion sind die Betriebe außerdem verpflichtet Protokolle hinsichtlich der eingesetzten Chemikalien, dem Wasser- und Energieverbrauch sowie der Abwasseraufbereitung anzufertigen. Zusätzlich müssen alle Verpackungsmaterialien frei von PVC sein. Kommt als Verpackung Papier oder Pappe zum Einsatz, ist die Zertifizierung nach FSC oder PEFC verbindlich. Alternativ kann auch Recyclingmaterial eingesetzt werden.
    • Qualität. Auch in diesem Bereich sind verbindliche Werte definiert, die beispielsweise Licht- und Waschechtheit aber auch Abriebfestigkeit oder Einlaufwerte festlegen. Auch sind bezüglich unerwünschter Chemikalienrückstände im Endprodukt strenge Grenzwerte definiert. 
    • Sozialkriterien. Bei der Festlegung der Sozialkriterien orientiert sich der GOTS an den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Hierbei müssen Verarbeiter und Hersteller ein stichhaltiges Konzept vorweisen, das die Einhaltung der Kriterien des ILO sicherstellt. Hierzu zählen unter anderem das Verbot von Kinderarbeit, die Einhaltung von Mindestlöhnen sowie der Schutz vor Diskriminierung und inhumaner Behandlung.

Gut zu wissen: Wenn Unternehmen eine GOTS-Zertifizierung anstreben, müssen alle genannten Kriterien ausnahmslos erfüllt werden. Darüber hinaus handelt es sich beim GOTS um einen Standard, der kontinuierlich weiterentwickelt, verbessert und angepasst wird. Aktuell gilt daher die Version 5.0 des GOTS, diese wird jedoch im Lauf des Jahres 2020/21 durch die neue Version 6.0 ersetzt werden, die wiederum enger gefasste Kriterien ansetzt. Egal in welcher Version, GOTS ist nur ein Standard für Textilien aus Naturfasern, Leder- oder Fellprodukte werden von diesem Standard nicht abgedeckt.

MADE IN GREEN by OEKO-TEX

Bei MADE IN GREEN handelt es sich ebenfalls um ein Label, das Produkte auszeichnet, die nach klar definierten Richtlinien bezüglich der Umweltverträglichkeit und Sozialstandards hergestellt wurden. Die Zertifizierung einzelner Betriebe und Produkte erfolgt immer für ein Jahr und richtet sich nach weltweit verbindlichen Prüfkriterien, die ebenfalls jährlich erweitert und angepasst werden.

Ziele und Vorgaben: 

Produkte die das Label MADE IN GREEN by OEKO-TEX tragen müssen sowohl den Kriterien des STANDARD 100 by OEKO-TEX entsprechen, als auch in Betrieben hergestellt werden, die nach STeP by OEKO-TEX zertifiziert sind. Mindestens 85 % des Gesamtgewichts der verwendeten Materialien müssen dabei aus Betrieben mit STeP-Zertifizierung stammen. Zusätzlich ist es erforderlich, dass jede Komponente, die mehr als 5 % am Gesamtgewicht eines Endprodukts ausmacht, den Anforderungen des Standard 100 entspricht.

  • STANDARD 100 by OEKO-TEX

Dieser Standard bezieht sich auf die generelle Umweltverträglichkeit eines Produkts. Dabei fließen sowohl der gesamte Herstellungsprozess als auch das fertige Endprodukt in die Betrachtung mit ein. Produkte und Rohstoffe werden hierzu fortlaufend auf ihren Gehalt an Schadstoffen und reglementierten Substanzen getestet. Für die produzierenden Betriebe besteht ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der verbindlich einzuhalten ist. So gilt beispielsweise zusätzlich zu der gesetzlichen Reglementierung ein Verbot bzw. eine starke Einschränkung für gesundheitsbedenkliche Stoffe, die noch keiner offiziellen Regulierung unterliegen. 

  • STeP by OEKO-TEX

Hierbei handelt es sich um einen Standard, der den produzierenden Betrieben nachhaltige Produktionsbedingungen bescheinigt. Auch hierfür gibt es weltweit bindende und klar definierte Kriterien, die sich sowohl auf den umweltverträglichen und effizienten Einsatz von Ressourcen, als auch auf die Einhaltung sozial verträglicher Arbeitsbedingungen beziehen. Alle Bewertungskriterien sind öffentlich zugänglich und bieten so ein hohes Maß an Transparenz. Da es sich hierbei um klar definierte und weltweit verbindliche Anforderungen handelt, sind Betriebe auch international vergleichbar.

Gut zu wissen: Jedes im Handel erhältliche Produkt, das das Label MADE IN GREEN by OEKO-TEX trägt, kommt immer mit einem Etikett, auf dem ein QR-Qode und eine Identifikationsnummer des Produkts zu finden ist. Durch das Scannen des Codes oder die Eingabe der Nummer beim OEKO-TEX Label Check kann der Produktionsweg des Produkts lückenlos nachvollzogen werden.

Siegel mit sozialen oder ökologischen Kriterien

Fair Wear Foundation (FWF)

Gleich mal eines vorweg: Die Fair Wear Foundation darf natürlich in unserer Liste der Vollständigkeit halber nicht fehlen. Denn hierbei handelt es sich immerhin um eine sehr bekannte und wichtige Organisation, die sich weltweit für gerechte Löhne und angemessene Arbeitsbedingungen einsetzt. Allerdings haben wir bereits vor einiger Zeit einen ausführlichen Artikel zur Fair Wear Foundation hier im Bergfreunde Basislager veröffentlicht.  Daher hier nur quick und dirty die grundlegende Zielsetzung der Organisation. 

Ziele und Vorgaben: 

    • Freie Wahl des Arbeitsplatzes
    • Keine Diskriminierung
    • Verbot von Kinderarbeit
    • Arbeiter haben das Recht sich zu vereinigen
    • Existenzsichernde Löhne
    • Angemessene Arbeitszeiten
    • Ausreichender Arbeitsschutz hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter
    • Rechtsverbindliche Arbeitsverhältnisse

Gut zu wissen: Die Fair Wear Foundation richtet ihre Arbeit vor allem auf Betriebe und Firmen in denen Kleidung produziert wird, vornehmlich also Nähereien in aller Welt. 

Fairtrade Textile Production 

Das Fairtrade-Siegel ist ebenfalls weit verbreitet. Die meisten von euch dürften es aber wahrscheinlich eher von Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen oder auch Kaffee kennen. Darüber hinaus gibt es aber von der Fairtrade-Organisation auch Labels, die sich speziell auf Textilien beziehen: der Fairtrade Textilstandard und Fairtrade Cotton.

Ziele und Vorgaben:

    • Der Fairtrade Textilstandard bezieht sich überwiegend auf die Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produkts. Dabei gibt es grundlegende Regeln und Vorgaben, die von den verarbeitende und produzierenden Betrieben verbindlich eingehalten werden müssen.
      An oberster Stelle stehen dabei existenzsichernde Löhne, eine hohe Arbeitssicherheit sowie das absolute Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit. Zusätzlich soll durch das Verbot von umweltschädlichen Chemikalien der Gesundheitsschutz der Arbeiter sichergestellt werden. Auch die Versammlungsfreiheit aller Arbeiter muss gewährleistet sein und sogenannte Arbeiterkomitees müssen die Einhaltung der Regeln eigenständig überwachen.
      Marken und Zwischenhändler, die dem Standard angehören verpflichten sich außerdem zu fairen und transparenten Einkaufspraktiken. Losgelöst von den Bedingungen für Angestellte und Arbeiter dürfen für Produkte die dem Fairtrade Textilstandard entsprechen nur Fairtrade-Baumwolle oder anderweitig nahhaltig zertifizierten Fasern eingesetzt werden.
    • Fairtrade Cotton: Bei diesem Siegel handelt es sich um das Fairtrade Produktsiegel für fair gehandelte Rohbaumwolle. Diese muss über den gesamten Produktionsprozess hinweg fair angebaut und gehandelt werden. Die Produktionsschritte müssen dabei lückenlos rückverfolgbar sein und die Baumwolle darf nur getrennt von Nicht-Fairtrade-Baumwolle verarbeitet werden.

Gut zu Wissen: Neben den notwendigen Kontrollen und Zertifizierungen der einzelnen Betriebe  geht der Fairtrade Textilstandard noch weiter. So werden beispielsweise Beschäftigte oder Produzenten dabei unterstützt fortlaufend bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. So soll es auch kleinen Betrieben, die bislang die strengen Anforderungen des Standards noch nicht erfüllen können, möglich sein die Bedingungen nach und nach an den Standard anzupassen um so mittelfristig eine Zertifizierung zu erlangen.

Bluesign  

Auch für das Bluesign Siegel gibt es bereits einen eigenen Blogbeitrag hier bei uns im Basislager. Daher auch hier nur in Kürze die wichtigsten Kriterien und Fakten.

Fokusbereich und Ziele

    • People“: Verbraucherschutz und Arbeitsplatzsicherheit
    • Environment“: Beschränkung und Vermeidung von Wasseremissionen, Luftemissionen, Abfall und Bodenverunreinigungen
    • Ressources“: Nachhaltige und umweltverträgliche Nutzung von Energie, Wasser, Chemikalien und Rohmaterialien

Gut zu wissen: Das Bluesign Siegel ist mehr als nur ein einfaches Gütesiegel. Es handelt sich dabei vielmehr um ein komplexes System der schweizerischen Firma Bluesign Technologies AG, das mit einem weitgreifenden Ansatz versucht, eine fortschreitend umweltverträglichere Textilproduktion zu gewährleisten.

Was aber sagt uns das?

Die Liste der hier beschriebenen Organisationen und Gütesiegel ist bei weitem nicht vollständig und kann daher nur als ein kleiner Einblick in einen sinnbildlichen Siegelwald gesehen werden. Dennoch bieten diese (und auch andere) Labels die bislang beste Möglichkeit ein Produkt bezüglich seiner allgemeinen Nachhaltigkeit zu überprüfen. Schaut man sich darüber hinaus einmal an, welche Hersteller mit einem oder mehreren der hier vorgestellten Siegel kooperieren, zeigt sich recht schnell, auch bekannte und große Marken wie beispielsweise Marmot, Haglöfs oder Vaude sind mit von der Partie. 

In aller Regel handelt es sich dabei um Produkte, denen man es auf den ersten Blick nicht ansieht, dass sie unter besonderen ökologischen oder sozialen Vorgaben hergestellt wurden. Wer jetzt also (wie ich übrigens auch immer wieder) bei den Begriffen „Öko“ oder „Fair-Trade“ an irgendwelche angestaubten Jutebeutel aus den Bioläden der 90er denkt oder an Klamotten mit seltsamem Schnitt und wilden Afrikamustern, dem sei folgendes gesagt: Klar gibt es das und klar wird damit auch ein Markt bedient. Aber gerade im Bereich der Outdoorbranche wirkt sich eine sozial verträgliche und umweltschonende Herstellung nicht maßgeblich auf das Aussehen, die Funktionalität und die Qualität eines Produkts aus.

Wenn ihr besonderen Wert auf nachhaltig produzierte Bekleidung oder Ausrüstung legt, findet ihr mithilfe unseres Nachhaltigkeitsfilters schnell Produkte, die mit dem jeweiligen Label verziert sind. Auch auf der Produktseite selbst könnt ihr bei den Attributen schnell sehen, welche Nachhaltigkeitsanforderungen das Produkt erfüllt.

Der neue alte R-Wert-Standard für Isomatten

26. Mai 2020
Ausrüstung, Tipps und Tricks

Eine erholsame Nachtruhe gehört mit zum Wichtigsten auf einer Berg- oder Trekkingtour. Wenn der Körper nicht die Ruhe bekommt, die ihm durch die körperliche Anstrengung zusteht, werdet Ihr bei Euren Unternehmungen schnell wenig Freude haben. Nun nutzt einem aber der beste Schlafsack nichts, wenn die dazugehörende Isomatte die Kälte vom Boden nicht entsprechend abhält.

Dies liegt daran, dass man nicht umhin kommt im Schlafsack den Teil der Füllung mit seinem Körpergewicht zu komprimieren, auf dem man liegt. Hier kommt also die Wärme nicht mehr in erster Linie vom Schlafsack, sondern von der Isomatte, die verhindert, dass sich vom Boden her eine Kältebrücke bildet.

Woher weiß ich aber, bis zu welcher Temperatur eine Isomatte grob einsetzbar ist? Dies regelt der R-Wert, nur dass es im Unterschied zu Schlafsäcken kein normiertes Testverfahren für dessen Ermittlung gab.

Temperaturangaben ohne Wert? – Der bisherige R-Wert

Bislang war ein großes Problem an der Angabe des R-Wertes das Fehlen eines standardisierten Verfahrens. Der R-Wert misst den Wärmewiderstand einer Dämmung. Das bedeutet je besser der Widerstand gegenüber der Wärmeübertragung ist, desto effizienter die Isolation – oder einfacher ausgedrückt je höher der R-Wert desto wärmer die Isomatte.

Nun gab es im Jahr 2001 von den Schweizer Outdoor-Tüftlern Exped erstmals den Versuch einen R-Wert für Isomatten verlässlich zu ermitteln. Dies ließ Exped von der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt in St. Gallen testen, die über die entsprechende technische Ausrüstung verfügten.

Einige Hersteller schlossen sich danach dieser so genannten EMPA-Methode an, andere führten auf einer sehr ähnlichen Basis eigene Tests durch, wieder andere entwickelten aber auch ganz eigene Testmethoden. Dies führte dazu, dass es letztlich erstens keine einheitliche Norm für die Ermittlung des R-Wertes gab und zweitens die Verlässlichkeit dieses Wertes insgesamt nicht gegeben war, weil die verschiedenen Methoden auch unterschiedliche Ergebnisse zeitigten.

Dies war natürlich kein dauerhaft zufriedenstellender Zustand für die Endkunden und so beschlossen die führenden Hersteller von Isomatten nun endlich ein einheitliches Testverfahren für die Wärmeleistung von Isomatten zu entwickeln. Dies geschah auf Basis einer ASTM-Norm. ASTM steht für American Society for Testing and Materials und firmiert seit 2001 kurz unter ASTM International.

Die ASTM-F3340 Norm für den R-Wert

Wie genau funktioniert nun dieses neue, standardisierte Verfahren? Sehr ähnlich, wie bei der ursprünglich von Exped genutzten EMPA-Methode wird die Isomatte zwischen zwei Platten gelegt. Die untere Platte bleibt hierbei kalt, während die oben liegende Platte auf eine konstante, die menschliche Körperwärme imitierende, Temperatur erwärmt wird. Im nächsten Schritt wird dann die Energie gemessen, die benötigt wird, um die Temperatur der oberen Platte gleichbleibend zu halten.

Diese Daten ergeben dann den jeweiligen R-Wert. Was hier nun immer noch eine Leerstelle bleibt, ist der Druck der von der oberen Platte auf die Matte ausgeübt wird, sowie welchen Einfluss der Aufblasdruck der Matte auf das Testergebnis hat.

Es wurde zudem auch die Anzahl der Tests noch nicht festgelegt, die der Norm zugrunde gelegt werden soll. Deshalb bietet auch der neue R-Wert „nur“ die Möglichkeit einer Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Herstellern, nicht aber eine konkrete Temperaturangabe. Will heißen ihr wisst jetzt, dass egal ob ihr eine Matte von beispielsweise Sea to Summit, Exped oder Therma A Rest erwerbt, alle Hersteller den R-Wert auf der gleichen Basis ermitteln.

Bis der R-Wert auch eine wirklich verlässliche und nachvollziehbare Temperaturangabe sein kann, bedarf es noch der genauen Definition obiger Parameter. Aber die neue Norm ist nichtsdestotrotz ein guter Schritt um Euch eine höhere Transparenz zu bieten und damit die Wahl der richtigen Isomatte doch deutlich zu erleichtern. Denn eine grobe Temperaturspanne bietet der R-Wert schon und durch die neue Einheitlichkeit mit der Norm ASTM F3340 ist er als Angabe sehr viel verlässlicher geworden.
In diesem Sinne, bleibt gesund und macht Euch draußen eine tolle Zeit, denn dort ist sie immer noch am Schönsten!

Noch mehr Kinderbespaßung in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling (Teil 2)

22. Mai 2020
Tipps und Tricks

Nach zahlreichen Ideen und Anregungen für Spiele und Basteleien in den eigenen vier Wänden (Teil 1: Indoor Aktivitäten), folgen jetzt einige Möglichkeiten, um seine Kinder mit spannenden Outdooraktivitäten bei Laune zu halten. Wer über eine Terrasse, einen Balkon, einen Garten oder eine Wiese verfügt, findet in den folgenden Vorschlägen eine große Auswahl an Freizeitaktivitäten. Sowohl für jüngere, als auch für ältere Kinder gibt es im Freien super Möglichkeiten zur aktiven und auch zur eher gemütlichen Freizeitgestaltung.

Outdooraktivitäten mit geringem Aufwand für Terrasse und Garten

Holz schnitzen

Selbst kleinere Kinder können oft schon gut mit einem kinderfreundlichen Schnitzmesser umgehen. Sie sind vorne meistens nicht spitz, sondern rund. Die Klinge eignet sich aber prima um Grillstöcke zu schnitzen oder aus weichem Holz oder weicher Rinde einfache Motive zu schnitzen.

Straßenkreide

Mit Straßenkreide lassen sich bunte Bilder, Spielfelder, Straßenmarkierungen für Laufrand und Tretauto und unzählige andere Motive auf Straßen, Einfahrten und Gehwege malen.

Sonnenschirm Zelt

Aus einem Sonnenschirm, einem großen Stück Stoff, das mit Wäscheklammer rings um den Schirm befestigt wird und einer Decke als Boden, wird im Handumdrehen ein wohnliches Kinderzelt zum Spielen.

Fangen und Verstecken

Verstecken und Fangen benötigen wohl keine weitere Erklärung und eignet sich als Zeitvertreib für kleinere und größere Kinder.

Slackline spannen

Für Kinder ist eine breite Slackline in niedriger Höhe ideal. Während sie am Anfang noch etwas Hilfe benötigen, laufen viele Kinder danach schon vollkommen sicher und selbständig.

Ballspiele

Selbst wer weder Mini-Fußballtore noch einen Basketballkorb daheim hat, kann ein kleines Tor oder einen Korb einfach improvisieren. Ein alter Eimer ohne Boden eignet sich für einen kleinen Ball zum Beispiel prima als Wurfziel. Alternativ kann der Ball einfach gegen eine Wand geworfen und dann wieder gefangen werden. Durch „Werfen und Fangen mit einer Hand“, „Drehung“ und „Fangen hinter dem Rücken“ bleibt das Spiel abwechslungsreich und anspruchsvoll.

Federball, Frisbee & Tischtennis

Ob Federball, Boccia, Frisbee oder Tischtennis – viele Spiele lassen sich für Kinder auch einfach imitieren oder improvisiert spielen – zum Beispiel mit dem Gartentisch als Tischtennisplatte.

Seilspringen und Gummitwist

Ob alleine mit Springseil oder mit mehreren Kindern am langen Springseil oder mit Gummitwist. Verschiedene Arten zu Hüpfen, zu Springen und unterschiedliche Twist-Spiele sorgen für stundenlange Beschäftigung.

Aktivitäten im Freien, die etwas Vorbereitung und Arbeitseinsatz verlangen

Picknick im Grünen

Was schon im eigenen Wohnzimmer (siehe Teil 1) eine Menge Spaß bereitet hat, macht bei milden Temperaturen im Freien erst recht gute Laune. Eine Decke, ein Korb mit leckerem Vesper, ein paar Teller, Besteck und die nötigen Getränke – schon kann das Picknick mit der Familie beginnen.

Wasserpistolen & Wasserschlacht

Wenn das Wetter im Frühjahr schon sommerlich ist, wird es Zeit die Wasserpistolen und Wasserbomben aus dem Keller zu holen. Ein gute Wasserschlacht sorgt an heißen Tagen für Action und Abkühlung zugleich.

Holzverschlag, Baumhaus & Höhle bauen

Ein einfacher Holzverschlag kann zum Beispiel schon mit zwei Holzböcken und einem Brett als Decke gebaut werden. Auch alte Paletten sind super Baumaterial für alle erdenklichen Räuberhöhlen, Piratenschiffe und Baumhäuser. Je nach Kreativität, Materialeinsatz und Arbeitsaufwand kann die Höhle in ein paar Minuten oder in ein paar Tagen umgesetzt werden.

Sandkasten bauen

Ein Sandkasten lässt sich natürlich auch fix und fertig kaufen. Der selbstgebaute Sandkasten mit Holzverkleidung und Deckel ist dagegen etwas aufwändiger zu bauen. Dafür ist die Gestaltung individuell und der Sandkasten kann zum Beispiel mit den Kindern zusammen hübsch bemalt werden.

Grillen & Stockbrot

Selbst wenn das Grillen auf öffentlichen Grillstellen nicht gestattet ist, lässt sich eine kleine Grillstelle auch schnell im Garten oder auf dem Balkon realisieren. Ideal für ein kleines Grillfeuer ist eine Feuerschale oder ein kleiner Holzofen. Mit einem passenden Grillrost, einer Grillschale oder einem geschnitzten Grillstock kann prima eine Grillwurst, ein Stockbrot oder ein paar Marshmallow gegrillt werden.

Spielhaus & Kartonburg bauen

Mit ein paar größeren Umzugskartons und ein paar kleineren und mittleren Kartons von der letzten Bestellung bei Bergfreunde kann eine super Ritterburg, ein kleiner Turm oder ein Spielhaus konstruiert werden. Beim Ausschneiden der Fenster sollte ein Erwachsener mit einem scharfen Messer helfen und alle Kanten danach mit Klebeband überklebt werden. Mit Leim oder Klebeband lassen sich die einzelnen Kartons in der gewünschten Anordnung verbinden. Beim Bemalen von Fassade, Dach und Innenräumen kann beispielsweise Acrylfarbe, Wasserfarbe oder Fingerfarbe zum Einsatz kommen. Schnell ist das neue Spielhaus für den Garten fertig und kann von den Kleinen direkt bezogen werden.

Sack-hüpfen, Kartoffellauf und Becherlauf

Unter erschwerten Bedingungen von A nach B zu gelangen, sorgt nicht nur bei Kindern für Spaß und Unterhaltung. Ob Sack-hüpfen, Becherlauf, das Laufen mit einer Kartoffel auf einem Esslöffel oder einem Becher Wasser auf dem Kopf – aus der Kombination verschiedener Elemente lässt sich ein regelrechter Wettkampf entwickeln, der gleichzeitig Konzentrationsvermögen und Feinmotorik fördert.

Boote Wettrennen

Für ein Rennen mit kleinen Booten eignen sich kleine selbstgebastelte Schiffchen aus Papier, Kork oder Holz. Eine Schüssel mit Wasser dient als Gewässer. So kann das eigene Boot von einer Seite zur anderen gepustet werden.

Zirkus spielen

Jeder Mitspieler zeigt was er kann. Egal ob akrobatische Turnübung, Musikvorführung, Zaubertrick oder einen Witz erzählen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und vom Kleinkind bis zur Oma kann jeder mitspielen.

Outdoor Sport und Spiele für fortgeschrittene Heimwerker

Seilrutsche aus Kletterausrüstung basteln

Etwas anspruchsvoller im Aufbau ist eine improvisierte Seilrutsche. Zwischen zwei stabilen Fixpunkten (z. B. Bäume) wird ein altes Kletterseil gespannt. Zum Spannen kann entweder ein Flaschenzug oder ein Mehrzweckzug verwendet werden. Das Seil wird mit einem leichten Gefälle über etwa 5 – 15 m gespannt und mit einer Seilrolle ausgerüstet, die auf dem Kletterseil läuft. An der Seilrutsche wird mit einem kurzen Seilstück eine Tellerschaukel oder ein Stück Holz befestigt. Auch ein größerer Knoten ist denkbar. Das ist zwar etwas Aufwand, punktet aber fast mit Spielplatzniveau.

Schaukel, Wippe oder Klettergerüst bauen

Wer über den nötigen Platz und das passende Material verfügt, sieht eventuell im Bau einer Schaukel oder Wippe eine anspruchsvolle Aufgabe. Für eine kleine Rutsche reicht dagegen oft schon ein glattes Brett mit rutschender Oberfläche. Auch eine Schaukel lässt sich an einem stabilen Ast mit einem Brett und einem alten Kletterseil einfach realisieren und bringt viel Spaß.

Kletterparcours oder Kletterwand

Mit hängenden Seilen vom Baum, Paletten, Brettern und Kartons entsteht ein abenteuerlicher Ninja-Parcour. Dabei gilt es so schnell wie möglich vom Start ins Ziel zu kommen, ohne dabei den Boden zu berühren. Der Schwierigkeitsgrad kann für Kinder jeden Alters individuell angepasst werden.

Fahrradstrecke im Garten

Ob Slalomstrecke, Hindernisparcour oder Rampe – in Verbindung mit Fahrzeugen, wie Laufrad, Fahrrad, Scooter können unzählige Herausforderungen entstehen. Dabei muss nicht zwangsläufig der ganze Garten umgegraben werden. Ein paar alte Bretter, Kisten, Reifen und Paletten eignen sich super als Baumaterial.

Skaterampe oder Mini-Ramp

Definitiv ein Projekt für Fortgeschrittene und auch mit einer Menge Materialeinsatz verbunden. Die eigene Skaterampe kann auch mit Inlineskates, Scooter und Kinderfahrrad befahren werden und eröffnet für sportliche Kinder viele neue Möglichkeiten. Allerdings ist ein großer Garten und eine tolerante Nachbarschaft dafür sehr zu empfehlen.

Swimmingpool oder Badeteich

Mit einem Swimmingpool kann man seine ersten Schwimmversuche starten.Unter dem Stichwort Swimmingpool verstehen die einen ein 20 cm hohes Kinderplantschbecken und die anderen ein gefliestes Bauwerk mit Olympia-Ausmaßen. Auch ohne Aushub und Mini-Bagger lässt sich für den anstehenden Sommer ein Pool installieren, in dem auch Erwachsene sich bestens abkühlen können. Je nach Größe sind solche Pools auch groß genug, dass Kinder darin ihre ersten Schwimmversuche absolvieren.

Viel Spaß beim Spielen, Basteln und Bauen!

Sonnenbrand – Entstehung, Vermeidung und Behandlung

12. Mai 2020
Tipps und Tricks

Huch, eben war noch dunkelster Winter und jetzt knallt die Sonne mittags auf gefühlter Äquatorstärke. Es ist, als ob die Sonnenintensität einen Sprung gemacht hätte. Zumindest kommt mir das jedes Frühjahr so vor. Deshalb habe ich es auch dieses Mal wieder verpasst, rechtzeitig für Sonnenschutz zu sorgen und den ersten Sonnenbrand zu vermeiden.

Damit nächstes Jahr endlich Schluss damit ist, will ich hier mal nachforschen, was der Sonnenbrand genau ist, wie man ihn vermeidet und – falls es schon wieder nicht geklappt hat – wie man ihn richtig behandelt.

Was genau brennt da?

Blöde Frage, natürlich brennt die Haut. Und sie spannt im schlimmsten Falle, als ob sie gleich reißen würde. Jede Berührung fühlt sich an, als würde man Schleifpapier übergezogen bekommen. Und es ist auch tatsächlich eine (leichte) Verbrennung, die man sich beim Sonnen-Brand zuzieht. Die Zerstörung der Hautzellen findet in ähnlicher Art statt wie beim Kontakt mit Feuer.

Die Haut wird beim Sonnenbrand (Dermatitis solaris) durch eine zu hohe Dosis an UV-Strahlen sprichwörtlich entzündet. Meist ist nur die oberste Hautschicht (Epidermis) betroffen.

Ein leichter Sonnenbrand zeigt sich nur als Hautrötung, ein starker Sonnenbrand ruft zusätzlich Blasenbildung hervor und kann Narben hinterlassen. Wiederholte Fälle von Sonnenbrand lassen zudem die Haut beschleunigt altern. Man sieht es gelegentlich schon bei jüngeren Menschen, die es mit dem Solarium oder der Urlaubsbräune übertreiben: die Haut ist faltig und sieht lederartig aus. Auch das Risiko einer späteren Hautkrebserkrankung steigt mit der Häufigkeit und Intensität von Sonnenbränden. 

Die Sonnenbrand-Intensität wird in drei Schweregrade unterteilt und hängt von der Dauer und Stärke der Sonneneinstrahlung, dem individuellen Hauttyp sowie der Empfindlichkeit und Größe der betroffenen Körperregion ab. Besonders empfindlich und demnach sorgfältig zu schützen sind die Lippen.

  • Bei Schweregrad 1 sind die betroffenen Hautstellen „nur“ gerötet und überhitzt. Sie spannen und sind oft auch leicht geschwollen. Der Sonnenbrand juckt und brennt.
  • Bei Grad 2 bilden sich Bläschen auf der Haut und die Haut schält sich später ab. Die Brandblasen sollte man wegen Infektionsgefahr nicht selbst öffnen.
  • Grad 3 entspricht einer schweren Verbrennung mit Ablösung der obersten Hautschichten und sehr  wahrscheinlich zurückbleibenden Narben.

Bei einem großflächigen Sonnenbrand mit Schweregrad 2 oder mehr können auch Fieber und weitere Symptome auftreten.

Wie entsteht Sonnenbrand?

Hauptverantwortlich für Sonnenbrand sind ultraviolette (UV-)Strahlen – unabhängig davon, ob sie von der Sonne oder einer künstlichen Strahlungsquelle stammen. So kann man sich beispielsweise auch im Solarium oder beim Schweißen mit unzureichender Schutzkleidung einen Sonnenbrand einfangen.

Ultraviolett sind Sonnenstrahlen, wenn ihre Wellenlänge kürzer ist als die des gerade noch sichtbaren violetten Lichts. UV-Strahlen werden nach Wellenlänge unterteilt in:

  • UV-A-Strahlung (Wellenlänge: 400 bis 315 Nanometer)
  • UV-B-Strahlung (315 bis 280 nm)
  • UV-C-Strahlung (280 bis 100 nm)

Je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher und hautschädlicher ist die Strahlung. Hauptverursacher für Sonnenbrand ist die UV-B-Strahlung. Die „noch kürzere“ und gefährlichere UV-C-Strahlung spielt keine Rolle, da sie in den oberen Schichten der Erdatmosphäre „ausgefiltert“ wird. UV-A-Strahlung birgt zwar kaum Sonnenbrandgefahr, kann jedoch das Bindegewebe angreifen und die Haut somit schneller altern lassen.

Details des Sonnenbrand-Mechanismus wurden laut dieses BR-Artikels erst 2012 in Versuchen mit Zellkulturen und Mäusen aufgedeckt. Demnach werden RNA-Moleküle aus dem Zellkern so verändert, „dass sie sich mit einer Andockstelle in den Hautzellen verbinden können. Das wiederum fördert die Produktion eines entzündungsfördernden Stoffes, des Tumor-Nekrosefaktors Alpha. Die typischen Sonnenbrand-Symptome treten auf. Dadurch, dass die veränderten RNA-Moleküle Substanzen und Reaktionen aktivieren, die als tumorfördernd gelten, könnten sie auch eine Rolle bei der Entstehung von Hautkrebs spielen.

Nur helle Hauttypen? Wer bekommt Sonnenbrand?

Der Hauttyp spielt bekanntlich eine wichtige Rolle. Hellhäutige Menschen bekommen schneller einen Sonnenbrand, weil sie weniger Hautpigmente haben, die die Sonneneinstrahlung blocken. Man unterscheidet vier Hauttypen:

  • Hauttyp 1: Sehr helle Haut, rötlich-blonde Haaren, blaue oder grüne Augen und Sommersprossen Ungeschützt kann man sich als Hauttyp 1 nur fünf bis zehn Minuten an der Sonne aufhalten, bevor die Haut rot wird (Eigenschutzzeit). Braun wird die Haut kaum bis gar nicht.
  • Hauttyp 2: Helle Haut, blonde bis dunkelblonde Haare, blaue oder grüne Augen, Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten.
  • Hauttyp 3: dunklere Haut, dunkelblonde bis braune Haare, Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten.
  • Hauttyp 4: bräunliche Hauttöne, dunkelbraune bis schwarze Haare, Eigenschutzzeit 30 bis 40 Minuten.

Ich selbst würde mich bei Hauttyp 2 einordnen, der (leider) nur im Gesicht oder nach langer Sonnen-Eingewöhnung leicht braun wird. Allerdings kommen mir die hier von Netdoktor entnommenen „offiziellen“ Zahlen für die Eigenschutzzeit sehr kurz gegriffen vor. Zumindest in tiefen Lagen nahe Meeresspiegel würde ich meine persönliche Eigenschutzzeit deutlich länger als die genannten 10 bis 20 Minuten einschätzen.

Oben am Berg, wo der UV-Anteil in der Sonnenstrahlung mit jedem Höhenmeter steigt, da er von immer weniger Luftteilchen „herausgefiltert“ wird, gilt das natürlich nicht mehr. Je höher man kommt ist, desto wichtiger wird es, das Thema Sonnenschutz ernst zu nehmen. Das gilt ganz besonders, wenn Babys und Kleinkinder mit ihrer noch sehr dünnen und pigmentarmen Haut dabei sind.

Beachtet werden muss auch die Reflexion von Sonnenstrahlung: Oberflächen wie Wasser, Schnee oder Sand werfen die UV-Strahlung wie ein Spiegel zurück. Man kann sich also auch an diesen reflektierenden Oberflächen einen Sonnenbrand holen.

Wie vermeide ich Sonnenbrand?

Die einfachsten Methoden sind sicher keine Geheimtipps: Haut bedecken und im Schatten bleiben. Ist man aber als Bergfreund ab und zu oberhalb der Baumgrenze unterwegs, lässt sich insbesondere das mit dem Schatten nicht immer so leicht einhalten.

Schutz durch Textilien

Das Abdecken der Haut mit Stoff ist die unschlagbar einfache Schutzmethode. Allerdings soll normales Gewebe wie Baumwolle oder Polyester nicht vollständig schützen. Ich schreibe hier bewusst „soll“, weil ich bislang noch nicht die Erfahrung gemacht habe, unter einem einfachen T-Shirt Sonnenbrand zu bekommen.

Bei langer, intensiver Sonnenexposition in äquatornahen Klimazonen dürfte spezielle Kleidung mit UV-Schutzfaktor jedoch sehr sinnvoll sein. Sie ist dichter gewebt, sodass weit weniger (UV-)Licht zur Haut durchdringt.

Zwar braucht man auch in den hiesigen Bergen verstärkten UV-Schutz, doch den hat man meist sowieso, wenn man die Haut mit mehreren Kleidungsschichten bedeckt.

Sonnencremes und Lichtschutzfaktoren

Auch hier dürften die gängigen Hinweise allseits bekannt sein. Man soll ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden und die Haut mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad  mit einer ausreichend großen Menge eincremen/einsprühen. Für eine Ganzkörperanwendung bedeutet das eine Menge von etwa 25 Millilitern, was einem Schnapsglas entspricht. Nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen ist die Prozedur zu wiederholen. Und dabei bitte beachten, dass die Schutzzeit durch wiederholtes Eincremen NICHT verlängert wird.

Damit zu den Hard Facts, die noch kein Allgemeinwissen sind: herkömmliche Sonnenschutzmittel sind nicht ganz so unproblematisch wie allgemein angenommen. Ihre chemischen Filter dringen in die oberste Hautschicht ein und wandeln die UV-Strahlen in Wärmeenergie um. Dabei können die Substanzen Allergien auslösen und – da sie keineswegs immer nur in den oberen Hautschichten verbleiben – wie Hormone wirken. Forscher der Universität Zürich fanden Rückstände von UV-Filtern in Muttermilch.

Wie war das mit den Nanoteilchen?

Ein ebenfalls wenig beachteter Problempunkt ist die Beimischung von Nanoteilchen in vielen Sonnenschutzmitteln. Damit sind nach EU-Definition Teilchen gemeint, die kleiner sind als 100 Nanometer (ein Zehntausendstel Millimeter). Laut Nanoportal-BW.de werden die im Handel verwendeten UV-Filter „vom wissenschaftlichen Komitee für Verbrauchersicherheit der Europäischen Kommission als sicher bewertet. Sie dringen nicht in die Haut ein, sondern reflektieren die UV-Strahlung wie kleine Spiegel.

Gibt es natürliche Sonnenschutz-Alternativen?

Wer gegenüber Nanopartikeln dennoch skeptisch ist, der kann sich mit Bio-Sonnencreme vor der Sonne schützen. Hier sorgen mineralische Filter mit natürlich vorkommenden Substanzen wie Titandioxid und Zinkoxid für die Abwehr der UV-Strahlen. Sie bilden eine dünne Schutzschicht, die wie eine Vielzahl kleiner Spiegel wirkt, die die Sonnenstrahlen überwiegend reflektiert und streut. Die Wirkung setzt nicht erst nach 15 bis 30 Minuten ein wie bei den chemischen Filtern, sondern sofort nach dem Auftragen.

Der Haken dabei: man sieht nach dem Auftragen aus wie ein Schneemann. Deshalb werden auch bei vielen Bio-Sonnencremes die mineralischen Substanzen so weit verkleinert, dass der aufgetragene Film transparent erscheint. 

Haut an die Sonne gewöhnen

Die eierlegende Wollmilchsau beim Sonnenschutz gibt es also nicht in Form einer Creme. Man kommt nicht umhin, einen Mix von verschiedenen Maßnahmen zu betreiben. Eine dieser Maßnahmen ist das langsame Gewöhnen der Haut an die Sonne.

Man kann damit durchaus gewisse „Trainingseffekte“ erzielen. Eine bewährte Strategie ist, dass man die ungeschützte Aufenthaltszeit an der Sonne im Laufe mehrerer Tage jeweils um etwa ein Drittel verlängert. Bei Hauttyp 1 wären das demnach 20 Minuten ungeschützter Aufenthalt am ersten Tag, 27 Minuten am Zweiten, 34 am Dritten, usw.

Ernährung

Die so erzielte Erhöhung des „Eigenschutzfaktors“ ist bemerkbar, hat aber dennoch enge Grenzen. Ähnliches gilt für die Verbesserung der Sonnenverträglichkeit durch die Ernährung. Auch hier kann man durch erhöhte Zufuhr von Antioxidantien wie Carotinoiden einiges bewirken, sollte jedoch keine Wunder erwarten. Carotinoide sind die roten oder orangenen Pflanzenfarbstoffe in Paprikas, Karotten, Tomaten und vielen anderen Früchten und Gemüsesorten.

Auch ein Zusammenhang zwischen einer guten Vitamin-D-Versorgung und besserer Sonnenverträglichkeit wird immer wieder diskutiert und vermutet.

Selfmade-Sonnencreme?

Es finden sich im Netz jede Menge Rezepte, meist bestehend aus Ölen, Fetten und Mineralien. Allerdings lassen sich damit keine sicheren Aussagen über den Lichtschutzfaktor machen. Für einen kurzen Freibadbesuch mögen Selfmade-Mixturen taugen, für eine stramme Bergtour auf 3000+ Meter sicher nicht. Deshalb lieber mit dem hochwertigen Profiprodukt auf Nummer sicher gehen.

Wenn es doch passiert ist: Nachbehandlung

Die Therapie bei Sonnenbrand lautet: kühlen und befeuchten. Und im Schatten bleiben – worauf man angesichts des Schmerzes bei erneuter Sonneneinstrahlung auch von selbst kommen wird.

Schnelle Abhilfe schaffen nasse Lappen und Handtücher, mit oder ohne eingewickelte Behandlungsmittel wie Quark oder Joghurt. Ein T-Shirt oder einen dünnen Pulli kann man ebenfalls benutzen und so knoten, dass man den Umschlag nicht festhalten muss. Die Wickel sollten so lang drauf bleiben, bis sie nicht mehr kühlen. Das ist meist nach etwa einer halben Stunde der Fall.

Das Motto „je kälter desto besser“ gilt hier allerdings nicht! Wer große Hautflächen zu lang oder zu intensiv kühlt, wird die Abwehr- und Selbstheilungskräfte der Haut eher schwächen als stärken. Auch hilft radikale Kühlung nur unmittelbar nach einer Verbrennung. Ein Sonnenbrand ist jedoch  längst vollzogen, wenn man ihn bemerkt. Deshalb gelten Kühlungstemperaturen von 15-20 Grad als ideal.

Für den Einkauf oder den Weg zur Arbeit braucht man eine andere Lösung. Hier muss etwas her, was direkt auf die Haut aufgetragen wird und dort bleibt. Das wahre Wundermittel für solche Fälle hört auf den Namen Aloe Vera.

Das grüne Gel gibt es fertig in der gut sortierten Drogerie zu kaufen. Die schöne, agavenartige Aloe-Vera-Pflanze steht aber auch praktischerweise schon in vielen Haushalten als Zierrat herum. Wer ein Exemplar daheim hat, braucht nur ein „Blatt“ davon abzuschneiden und die angenehm riechende, gelartige Flüssigkeit aus dem Inneren etwas zu verrühren und auf dem Sonnenbrand zu verteilen.

Kokosöl soll helfen, wenn Aloe-Vera als zu mild empfunden wird, während Apfelessig entzündungshemmende und Juckreiz-lindernde Wirkung nachgesagt wird. Da fetthaltige Öle die Hautatmung beeinträchtigen und zu völlig kontraproduktivem Wärmestau führen können, sollte man sie zunächst nur auf einem kleinen Hautareal ausprobieren.

Die genannten Hausmittel können teure „Aftersun“-Produkte weitgehend ersetzen. Allerdings hilft beides nur bis zu Verbrennungen ersten Grades. Bei einem Sonnenbrand ab Grad 2 mit Blasenbildung und starken Schmerzen sollte man den Gang zum (Haut)Arzt antreten. Mit halbgarer Eigentherapie fügt man sich nur noch zusätzlichen Schaden zu. In noch schlimmeren Grad-3-Fällen führt der einzig richtige Weg direkt ins Krankenhaus. Doch dieser Extremfall sollte schon mit einer winzigen Prise „Kopf einschalten“ im Vorfeld so gut wie auszuschließen sein.

Fußtraining – Acht Übungen für „untenrum“

7. Mai 2020
Tipps und Tricks

Hand aufs Herz, wer von euch hat im Biologieunterricht aufgepasst? Wer weiß noch, was damals so alles Mögliche und Unmögliche behandelt wurde? Lasst mich mal eine grobe Einschätzung machen: So irgendwas mit Blumen und Bienen ist hängen geblieben und darüber hinaus wirds deutlich dünner… (Ist ja auch nicht so schlimm). Da aber zur allgemeinen Fitness auch die geistige gehört, habe ich mal eine kleine Quizfrage für euch: Was hat 28 Knochen, 107 Bänder und 19 Muskeln? Ist das:

  1. ein Nacktmull
  2. eine Blindschleiche
  3. ein Zwergpudel
  4. was ganz anderes

Naja, so schwer war das ja nicht zu erraten. Natürlich was anderes. Aber was nur? Na wer kommt drauf? 

Ich sag‘s euch: Ein menschlicher Fuß. Und zwar der „hochdeutsche Fuß“, der lediglich aus Fußwurzel, Mittelfuß und Zehen besteht. Nicht zu verwechseln mit dem „süddeutschen Fuß“, der bekanntlich bis zum Hüftgelenk geht.

Die Füße eines Säugetiers (wir bleiben der Einfachheit halber für den Rest des Blogbeitrags beim Menschen) stellen ein sehr komplexes Zusammenspiel aus Bändern, Sehnen, Muskeln und Gelenken dar. Nur wenn diese gut im Einklang funktionieren, sind höhere oder längere Belastungen verletzungsfrei möglich. Aus diesem Grund macht es durchaus Sinn, auch die Füße gezielt zu trainieren und so für den (Ausdauer-)Sport fit zu machen oder die Fitness zu steigern.

Das Gute dabei: Hierzu braucht es keine teure Mitgliedschaft im Fitnessstudio und auch nahezu keine Gerätschaften. Alle Übungen können mehr oder weniger mit Hausmitteln absolviert werden, manche sogar während man am Schreibtisch sitzt oder auf dem Sofa liegt. Nicht einmal Sportbekleidung ist hierzu zwingend notwendig, jedoch trainiert es sich in bequemer Alltagskleidung sicherlich angenehmer als mit Anzug und Krawatte. Alle Übungen werden außerdem ohne Schuhe ausgeführt. Wer zu kalten Füßen neigt, kann aber viele Übungen auch in Socken machen, manchmal geht’s leider nur barfuß gut und sicher.

Wer sich jetzt allerdings denkt, dass mit dem Thema Fußtraining mal wieder nur eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird, der irrt. Wer beispielsweise im Verein oder Schulsport schon einmal ein Aufwärmtraining absolviert hat, der wird sicher so manche Übung kennen. Soweit so normal oder banal.

Gerade aber in sportlichen „Sauren-Gurken-Zeiten“, beispielsweise in der Übergangszeit von Winter- und Sommersaison, kann es durchaus Sinn ergeben gewissen Körperteilen, quasi als Vorbereitung auf kommende sportliche Herausforderungen, auch zu Hause ein bisschen Training zukommen zu lassen. Daher gibt’s hier und heute für euch ganz exklusiv das ultimative Fußtraining-für-zu-Hause-Best-of. (Zynische Geister würden sagen „Gymnastik“)

Runde 1: Beweglichkeit (und Koordination)

Ist der Körper halbwegs beweglich, lebt es sich meistens besser. Warum nicht gleich mal im Sprunggelenk damit anfangen…

Wippen

Die erste Übung ist kein größeres Problem und auch für Bewegungsdeppen wie mich blitzschnell zu erlernen. Doch obwohl diese Übung nicht schwer ist, ist sie sehr effektiv und ein absolutes Basic für viele andere Übungen.

  • VorbereitungBevor es jedoch losgeht, braucht es noch ein kleines Hilfsmittel, nämlich einen Stuhl. Alternativ geht auch ein Hocker, die ausreichend hohe Bettkante oder eine Bank. Wichtig ist nur, dass man sich problemlos aufrecht hinsetzen kann, sodass Knie und Sprunggelenke senkrecht übereinander stehen. 
  • AusführungIhr setzt euch also aufrecht hin und achtet darauf, dass die Knie und Sprunggelenke möglichst senkrecht übereinander stehen. Nun müsst ihr nur noch abwechselnd auf die Zehen und Fersen wippen und die Übung ist perfekt. Sinnigerweise wiederholt ihr das ganze 15 mal.
  • VarianteBei dieser Übung gibt es zwei Varianten. Entweder ihr bewegt beide Füße parallel oder ihr führt die Übung jeweils in die entgegengesetzte Richtung aus, das schult dann auch noch die Koordination.

Kreisen

Diese Übung gehört zu meinen Lieblingsübungen, denn man kann sie nahezu überall ausführen. Ich habe hierzu einmal eine kleine, nicht repräsentative Umfrage gemacht und festgestellt, ob Freunde oder Familie, auf dem Sofa vor dem Fernseher ist wohl der ideale Platz dafür.

  • Vorbereitung: Die Übung kann entweder im Sitzen oder Liegen ausgeführt werden. Daher braucht es mindestens einen Stuhl, besser noch eine bequeme Couch, (Fernseher und ein Film eurer Wahl optional).
  • Ausführung: Entweder ihr legt euch bequem der Länge nach hin, sodass die Füße ein wenig über den Rand des Sofas überstehen oder ihr setzt euch auf einen Stuhl und hebt die Beine ein wenig an. Alternativ könnt ihr die Beine auch auf den Tisch legen, das ist aber nicht überall gerne gesehen. Ist dies geschehen, kreist ihr langsam mit euren Füßen. Die Bewegung findet dabei am Sprunggelenk statt und soll die Beweglichkeit fördern. Klassischerweise kreist man mit beiden Füßen parallel und wechselt nach 10-15 Runden die Richtung.
  • Variante: Wer es gerne koordinativ ein wenig anspruchsvoller mag, kann auch mit den Füßen in jeweils unterschiedliche Richtungen kreisen. Also beispielsweise mit rechts im Uhrzeigersinn und mit links gegen den Uhrzeigersinn. Wem das immer noch zu leicht ist, der kann ja mal versuchen mit den Händen gleichzeitig was Koordinatives zu machen. Ich persönlich habe das einmal beim XBOX-Spielen versucht und musste feststellen, dass entweder meine Füße wilde Bewegungen gemacht haben oder meine Figur auf dem Bildschirm nur im Kreis gelaufen ist. Man kann eben nicht alles können…

Runde 2: Kräftigung (und Koordination)

Zusätzliche Kraft hat noch nie was geschadet, auch nicht in den Füßen. Also los geht’s…

Zehenstand

Bei dieser Übung geht‘s da weiter, wo unsere erste Übung „Wippen“ aufgehört hat. Während es beim Wippen in erster Linie um die Verbesserung der Beweglichkeit geht, wird nun das eigene Körpergewicht geschickt ausgenutzt um eine zielgerichtete Kräftigung zu erreichen.

Außerdem mit von der Partie: Unser „special guest“ Koordination. Also, den müden Hintern hoch und losgelegt. Die Übung Zehenstand findet logischerweise im Stehen statt. 

  • Vorbereitung: Hilfsmittel braucht es hierzu keine. Der Untergrund auf dem man steht sollte aber möglichst fest sein, hier tuts also der normale Zimmerboden von Laminat bis Fliese. Auch beispielsweise auf einer weichen Wiese oder einer sich leicht durchbiegenden Holzterrasse kann diese Übung ausgeführt werden, sie ist dann jedoch erheblich schwieriger. Bei Gleichgewichtsproblemen ist es außerdem ratsam, vor allem die Variante in der Nähe einer Wand oder eines Geländers auszuführen, sodass man sich bei Bedarf kurz abstützen kann.
  • Ausführung: Ihr steht mit beiden Beinen in etwa hüftbreit und leicht angewinkelten Knien auf dem Boden und beginnt langsam das Gewicht auf die Ballen zu verlagern, um so die Fersen vom Boden abzuheben, bis ihr mehr oder weniger nur noch auf den Zehen steht. Kurz halten. Danach geht es mit den Fersen langsam wieder runter, bis ihr wieder mit dem kompletten Fuß auf der Erde steht. Auch diese Übung lebt von den Wiederholungen. 10-15 mal kann man sich hier ein langsames Auf und Ab schon gönnen.
  • Variante: Lasst uns den Trainingsgrad ein wenig steigern, denn die Übung kann auch mit schwebender Ferse absolviert werden. Hierzu stellt ihr euch mit den Zehen und Ballen auf eine Treppenstufe, die Ferse bleibt frei. Hierdurch könnt ihr die Bewegung nicht nur nach oben (Zehenstand) sondern auch nach unten (abgesenkte Ferse) ausführen.

Doch Vorsicht: Ich spreche hier aus Erfahrung. Macht das nicht in Socken. Gerade Holzstufen von Innentreppen sind oft erstaunlich glatt und in Socken rutscht man da schon mal ab, was sehr unangenehm ist. Barfuß hälts da schon deutlich besser.

Rückenlage

Diese Übung wird auf dem Boden liegend ausgeführt und trainiert vor allem die Waden und Fußmuskulatur.

  • Vorbereitung: Außer einem festen Untergrund braucht es bei dieser Übung eigentlich keine Hilfsmittel. Da aber Böden oft kalt und hart sind, wird diese Übung durch eine geeignete Unterlage, wie beispielsweise eine Gymnastikmatte oder eine feste Isomatte deutlich angenehmer.
  • Ausführung: Ihr legt euch auf den Rücken und stellt die Beine im rechten Winkel auf. Danach hebt ihr die Hüfte hoch, sodass ihr die Unterlage nur noch mit Kopf und Schultern sowie den Fußflächen berührt. Wichtig ist dabei, dass Knie, Hüfte und Schultern eine Linie bilden und ihr nicht wie eine Banane durchhängt. Ist das geschehen, stellt ihr euch zusätzlich noch auf die Zehenspitzen.

Haltet diese Position kurz und stellt dann wieder langsam die Fersen auf dem Boden ab. Auch hier sind 10-15 Wiederholungen angeraten.

Runde 3: Stabilität (und Koordination)

Was bringt schon alle Kraft der Welt, wenn man aber so unsicher auf den Beinen steht, dass man damit nichts anfangen kann. Also Ring frei für die Stabilitätsübungen.

Einbeinstand

Diese Übung ist mehrstufig aufgebaut und fängt zunächst einmal recht harmlos an, steigert sich dann aber und wird so anspruchsvoller. Ziel ist es dabei eine bessere Stabilität in den Sprunggelenken herbeizuführen, was sich beispielsweise positiv auf die Bänder auswirkt.

  • Vorbereitung: Hilfsmittel sind bei dieser Übung nicht notwendig. Wer aber beispielsweise nach einer Sportverletzung ein wenig wacklig auf den Beinen ist, sollte die Übung in der Nähe einer Wand oder eines Geländers durchführen, sodass spontanes Abstützen kein Problem ist.
  • Ausführung: Die erste Stufe des Einbeinstands ist vergleichsweise einfach. Hierzu müsst ihr euch nur mit leicht abgewinkeltem Knie auf ein Bein stellen. Um zu steigern hebt ihr dann zusätzlich die Ferse des Standbeins vom Boden ab. Wer dabei mit dem Gleichgewicht Probleme hat, kann außerdem die Arme seitlich ausbreiten. Diese Position wird dann ca. 15-30 Sekunden lang gehalten und pro Seite zehnmal wiederholt.
  • Variante 1: Wem das noch zu einfach war, der kann die Übung problemlos steigern. Die Körperhaltung ist dabei wieder die Grundposition. Mit dem angehobenen Bein pendelt ihr nun aber langsam vor und zurück. Die Ferse des Standbeins bleibt dabei immer auf dem Boden. Auch hier seien 10-15 Wiederholungen pro Seite empfohlen.
  • Variante 2: Die zweite Variante dieser Übung kräftigt vor allem das Sprunggelenk. Hierzu nehmt ihr wieder die Grundhaltung ein, ihr steht also lediglich auf einem Bein, der Fuß berührt auf voller Fläche den Untergrund. Um stabiler zu stehen könnt ihr außerdem die Arme ausbreiten. Habt ihr einen sicheren Stand gefunden, beugt ihr das Knie des Standbeins langsam so weit wie es geht. Kommt ihr nicht mehr tiefer drückt ihr das Bein wieder durch und begebt euch so in die Ausgangsposition. Ca. 10 Wiederholungen pro Seite könnt ihr euch bei dieser Übung schon gönnen.

Gleichgewicht

Die folgende Übung verbindet die Kräftigung der Fußmuskulatur und die Schulung des Gleichgewichts. Sie bewirkt daher auf Dauer auch eine bessere Stabilität beim Stehen und Gehen, aber seht selbst…

  • Vorbereitung: Für das Gleichgewichtstraining braucht es ein festes Kissen. Omas liebevoll umhäkeltes Sofakissen eignet sich hierzu beispielsweise bestens, ihr dürft es ihr nur nicht erzählen. Für die Variante braucht es außerdem noch einen Ball.
  • Ausführung: Ihr stellt euch also heimlich auf Omas liebevoll umhäkeltes Sofakissen und beginnt langsam auf der Stelle zu gehen. Je fester dabei das Kissen ist, desto intensiver ist auch die Übung. Da wir aber auch hier unseren Freund Koordination nicht außer Acht lassen wollen, könnt ihr zusätzlich noch die Augen schließen, was die Übung ein wenig erschwert.
  • Variante: Ihr steht wieder auf dem Kissen und hebt lediglich ein Bein dauerhaft vom Boden ab. Versucht in dieser Position einen festen Stand zu finden. Ist dies geschehen reicht ihr euch den Ball von der linken in die rechte Hand. Wichtig ist es dabei, dass ihr Balance haltet und nicht mit dem abgehobenen Bein ausgleichen müsst. Steigern kann man die Übung auch noch, hierzu könnt ihr wieder die Augen schließen und/oder euch den Ball ein wenig zuwerfen.

Runde 4: Dehnen und Entspannung

Dehnung

Bei dieser Übung werden in erster Linie die Achillessehne und der Wadenmuskel gedehnt. Doch auch am Oberschenkel oder der Hüfte kann es hier je nach persönlicher Verfassung ordentlich zwicken.

  • Vorbereitung:  Man nehme: Eine stabile Wand, an der man sich mit den Händen gut abstützen kann.
  • Ausführung: Ihr streckt Arme und Hände nach vorne aus und stützt euch an der Wand ab. Dabei nehmt ihr die Schrittstellung ein. Hierbei ist das Bein auf dem der Großteil eures Gewichts ruht leicht angewinkelt und das andere Bein wird nach hinten durchgestreckt. Mit dem gestreckten Bein steht ihr zunächst auf den Zehen, versucht aber nach und nach die Ferse abzusenken bis sie im Idealfall den Boden berührt. Ist dies geschehen, haltet ihr diese Position kurz, hebt danach die Ferse wieder langsam an und führt die Bewegung erneut durch. Mit 10 Wiederholungen pro Seite könnt ihr einen guten Trainingseffekt erzielen.

Entspannung

Hier geht es um die leichte Dehnung und Entspannung der Fußfläche. Das Besondere dieser Übung ist jedoch, dass sie nicht nur als Teil des regelmäßigen Trainings wirksam ist, sondern auch beispielsweise nach einer anstrengenden Wanderung oder längeren Tour angenehm zur Regeneration beiträgt.

  • Vorbereitung: Für diese Übung braucht ihr etwas, wo ihr eure Zehen mit Kraft anstellen könnt. Ich empfehle hierzu einen Türrahmen, aber auch eine Wand oder die Vorderseite einer Treppenstufe sind hierzu beispielsweise gut geeignet.
  • Ausführung: Diese Übung erfordert keinen großartigen Bewegungsablauf. Ihr stellt lediglich die überstreckten Zehen an der Wand an und übt zusätzlich mit dem Fuß sanften Druck in Richtung der Zehen aus. Wichtig ist jedoch, dass dabei der Fuß auf dem Boden stehen bleibt. Haltet diese Position kurz und nehmt dann den Druck wieder langsam weg. Die Zahl der Wiederholungen pro Seite hängt hier stark davon ab, wie verspannt eure Füße sind, ca. 10 können es aber pro Seite schon sein.

Also Socken aus und losgelegt…

Ich bin eigentlich kein großer Freund von Gymnastik jeglicher Art. Gerade aber in den letzten Jahren habe ich jedoch festgestellt, dass Übungen zur Kräftigung, Dehnung oder auch Koordinationsschulung durchaus was bringen können. Nicht nur, weil es dann hier und da weniger zwickt (das Alter ;-), sondern auch weil man sich so auch in der sportlichen Sauren-Gurken-Zeit ein wenig besser fithalten kann.

Ist doch auch klar, wer beweglicher ist, der kann beispielsweise beim Klettern die Füße höher anstellen oder weiter spreizen. Wer gut und sicher auf den Füßen steht, ist oft trittsicherer und knickt auch beim Wandern im schwierigen Gelände vielleicht nicht so schnell um oder hält länger durch oder beides. 

Die hier vorgestellten Übungen können jedenfalls dabei helfen die persönliche Fitness ein wenig zu fordern und zu fördern. Wer aber beispielsweise nicht die Zeit oder Lust hat, sich ein oder mehrmals wöchentlich durch die gesamte Liste zu turnen, der kann ja auch nur eine Auswahl der Übungen absolvieren oder immer mal wieder abwechseln.

Da wollen wir nicht zu streng sein. Außerdem beruht diese Liste keinesfalls auf Vollständigkeit. Wenn ihr also noch eine Übung auf Lager habt, die ihr der Welt nicht vorenthalten wollt, dann hinterlasst uns gerne einen Kommentar und erklärt eure Übung.

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