Alle Artikel zum Thema ‘Tipps und Tricks’

Wer erfährt nicht gerne coole Geheimtipps von anderen, oder ist scharf drauf sich neues Wissen anzueignen? Vielleicht bist Du aber nur auf der Suche nach einer ganz bestimmten Frage, die Du dich noch nie getraut hast zu fragen?

Wie auch immer, hier findest Du laufend die besten Tipps & Tricks über alles, was Du zum Draußensein wissen musst. Unsere Bergfreunde-Experten geben Dir praxistaugliche Erfahrungen mit auf den Weg, die Du mit einfachen Anleitungen und Erklärungen leicht umsetzten kannst. So bist Du gut vorbereitet für Dein nächstes Abenteuer.

Preis vs. Leistung – Wie man auch mit kleinem Budget zu einer guten Ausrüstung kommt

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Neulich mit ein paar Freunden bei mir zu Hause am Küchentisch: „Also wenn ich mir neue Expressen kaufe, dann nur diese ganz leichten von DMM oder Petzl oder so. Die sind zwar sauteuer, aber halt auch viel besser als alles andere. Auch wenn das dann mal mein Budget sprengt, von nichts kommt nichts“, sagt da einer und blickt unmittelbar in fragende Gesichter. Ich denke mir noch so: „Mann, an deiner Stelle hätte ich da mal schön die Klappe gehalten, denn da sitzen nicht nur Leute, die besser klettern als du, sondern einfach auch deutlich mehr Ahnung haben.“

Es kommt also wie es kommen muss. Als hätte man in ein Wespennest gestochen, bricht augenblicklich eine Diskussion los, die mehr oder weniger bis zum heutigen Tag anhält und an deren vorläufigem Ergebnis ich euch einmal teilhaben lassen möchte. Heute also im Ring: Preis vs. Leistung.

Oder konkret die Frage: Ist alles Teure automatisch immer gut und ist alles Günstige automatisch immer unterlegen? Und wie stelle ich es an, wenn ich nur ein kleines Budget habe, aber dennoch eine vollwertige Ausrüstung brauche?

Muss Qualität immer teuer sein?

Brauchbare Ausrüstung gibt’s schon für vergleichsweise kleines Geld, bessere Ausrüstung gibts dann für deutlich mehr Geld und die geilsten Ausrüstungsgegenstände überhaupt gibts für richtig fett Asche. Richtig oder falsch? Naja, diese Frage ist wie immer nicht ganz leicht und auch nicht ganz pauschal zu beantworten.

Da die Diskussion am Küchentisch mit dem Thema Expresssets begonnen hat, wollen wir die alte Tradition doch einfach einmal fortsetzen. Spielen wir also mal das Spiel mit und fragen: Wie sieht es mit Preis und Leistung im Bereich (Kletter-)Ausrüstung aus?

Es gibt nichts dran zu rütteln, egal wie Gurt, Karabiner, Seil und Co. daherkommen, sie müssen sicher sein. Die gute Nachricht gleich vorweg: Das sind sie. Jegliche Kletterausrüstung, die regulär in Deutschland und der EU vertrieben wird, muss gewissen Standards entsprechen und nach deren Kriterien geprüft sein. Hierzu gibt es die Europäische Norm (EN) die für jeden Ausrüstungsgegenstand formuliert wird und eine normierte Sicherheitsprüfung gewährleistet.

Jedes Prüfverfahren wird nur für eine bestimmte Produktgruppe angewendet und trägt eine eigene Kennung. Mit der Bezeichnung „conform european“ (CE-Zeichen) erklärt der Hersteller, dass es nach EN geprüft ist und für unbedenklich erklärt wurde. Die Zahl nach dem Zeichen gibt an, welche Prüfstelle die Prüfung vorgenommen hat.

Hierzu ein Beispiel. Auf meinem Klettergurt finden sich unter anderem folgende Angaben: EN 12277 und CE 0123. Das heißt: Der Gurt wurde nach der Norm für „Bergsteigerausrüstung und Anseilgurte“ getestet und vom TÜV München zertifiziert. Neben der EN gibt es aber auch noch die freiwillige Norm der Bergsportverbände, die UIAA-Norm. Diese Norm gilt weltweit und setzt in der Regel strengere Prüfkriterien an. Trägt ein Produkt das Logo der UIAA (Ein Berg in einem Kreis mit der Aufschrift „UIAA“), dann wurde es auch von der UIAA als konform getestet.

Die UIAA-Norm ist jedoch im Gegensatz zur Europäischen Norm nicht verpflichtend, daher sind auch nicht alle Produkte am Markt nach UIAA-Norm getestet. Beide Normen dienen jedoch dazu den Verbraucher vor gefährlicher oder mangelhafter Ware zu schützen. Billig = unsicher stimmt hier also zum Glück schon einmal nicht.

Gerade bei einem Klettergurt ist es wichtig, dass er gut sitzt. Wenn da schon bei der ersten Route was zwickt und klemmt, macht die ganze Klettersession keinen Spaß. Hier bin ich jedoch der Meinung, dass bequem oder unbequem keine Preisfrage ist, sondern vielmehr vom eigenen Körperbau und den persönlichen Bedürfnissen abhängt. Da heißt es im Zweifelsfall einfach mal anprobieren. Billig = zwangsläufig saumäßig unbequem, entspricht also auch nicht unbedingt der Wahrheit. Komfort kann aber noch was anderes bedeuten: Nämlich welche Extras bringt der Gurt mit und wie einfach lässt er sich anziehen oder einstellen?

Auch hier muss man sich die Frage nach den persönlichen Bedürfnissen stellen. Wer beispielsweise überwiegend in die Halle zum Sportklettern geht, braucht in der Regel keinen vollverstellbaren Gurt. Auch super viele Materialschlaufen oder Ösen für Eisschrauben sind da eher unwichtig. Viel wichtiger ist es da schon, dass man den Gurt einfach anziehen kann, dass die Schallen gut laufen und intuitiv zu handhaben sind. Doch all das ist zum Glück auch nicht zwangsläufig eine Frage des Preises. Der Aussage „billig = super unkomfortabel“ sei daher ein deutliches Fragezeichen hinzugefügt.

Bei der Kletterausrüstung geht das Gewicht einzelner Ausrüstungsgegenstände teils weit auseinander. Und klar ist dabei auch, was weniger wiegt, aber dennoch das Gleiche kann wie sein schwerer Kollege, ist gerne auch mal deutlich teurer. Schauen wir uns das Beispiel vom Anfang nochmals näher an. Es gibt Expresssets, die wiegen lediglich einen Bruchteil von Standardexpresssets. Da kann es dann schon einmal sein, dass die aktuell leichtesten Expressen am Markt nur gut die Hälfte von „normalen“ Expresssets wiegen.

Je nach Ausführung stehen sich da Werte von rund 65 Gramm bis ca. 125 Gramm gegenüber. Dazwischen gibt es praktisch alles zu unterschiedlichsten Preisen. Fragt man da nach dem Warum, sieht man recht schnell, ein besonderes Karabinerdesign und ein Band aus leichtem Dyneema ermöglichen den Leichtbau. Das sich das auf den Preis niederschlägt, ist da nur wenig verwunderlich. Dennoch sollte man sich auch hier fragen, wofür man den jeweiligen Ausrüstungsgegenstand hauptsächlich einsetzen wird.

Geschieht dies beispielsweise beim Alpinklettern oder in Bigwalls, lohnt es sich deutlicher auf das Gewicht zu schauen. Auch wer sich in den oberen Schwierigkeitsgraden zu Hause fühlt, hat da sicherlich besondere Ansprüche. Gerade aber für Einsteiger oder Genusskletterer, die sich überwiegend im heimischen Klettergarten bewegen, ist es sinnvoll, zwischen Preis und Gewicht abzuwägen.

Rucksäcke sind beim Bergsport quasi omnipräsent. Kein Wunder, man kann in sie Dinge hineinpacken, sie lassen sich deutlich angenehmer tragen als beispielsweise Omas alter Jutebeutel und man kann so herrlich ewig darin herumsuchen ohne den gewünschten Gegenstand zu finden. Aber mal Spaß bei Seite: Vom Radfahren bis hin zu Trekkingtouren es gibt fast keinen Bereich für den es nicht auch einen speziellen Rucksack gibt.

Kein Wunder also, dass die einzelnen Modelle mitunter stark unterschiedlich aussehen. Eines haben sie jedoch alle gemein: Sie müssen ordentlich was aushalten. Dennoch sind es auch in diesem Bereich eher das Gewicht, die Beschaffenheit des Tragegestells oder die allgemeine Ausstattung und Größe, die sich in erster Linie auf den Preis niederschlagen. Dass dies nicht zwingend zulasten der Robustheit oder Langlebigkeit gehen muss zeigen zahlreiche Modelle am Markt.

Mit kleinem Budget viel erreichen, so kanns was werden

Schön und gut, dass Preis und Leistung nicht unmittelbar miteinander zusammenhängen müssen, haben wir nun gesehen. Was aber kann man tun, wenn man mit einem vergleichsweise kleinen Budget eine möglichst vielseitige Ausrüstung zusammenstellen möchte?

Für nahezu jeden Einsatzbereich gibt es spezielle Ausrüstungsgegenstände und das macht auch Sinn. Dennoch fallen mir immer wieder Personen auf, die diesbezüglich zum Overdressen neigen. Da gibt es Leute, die um drei Bücher an die Uni zu tragen einen krassen Ultraleichtrucksack dabei haben. Oder andere, die auf eine Tageswanderung bei stabilstem Sommerwetter eine 3-Lagen-Gore-Jacke mitschleppen. Oder nochmals andere, die sich für den Biergartenbesuch eine polarisierte Gletscherbrille zugelegt haben. Oder, oder, oder. Das Paradoxe ist dabei nicht, dass diese Dinge nach dem Prinzip „eh da“ verwendet werden, sondern nicht selten speziell dafür angeschafft wurden. Und das ist aus rein rationalen Gesichtspunkten großer Quatsch. Wer einen dicken Geldbeutel sein eigen nennt, wird mich jetzt sicherlich müde anlächeln und dem sei das alles auch zugestanden. Für alle, die sich jedoch frei nach Bud Spencer die Frage stellen. „Und was ist nun mit den Kohlen?“, denen seien hier ein paar praktische Tipps an die Hand gegeben.

Anspruch und Wirklichkeit

Bei jeder Neuanschaffung schwingt immer auch die Frage mit, was hätte ich gerne und wozu brauche ich das. Wofür soll der Gegenstand später einmal hauptsächlich eingesetzt werden, ist er dieser Anforderung gewachsen oder ist er der komplette Overkill? Ein Trekkingrucksack mit krassen Tragesystem ist vielleicht für den Besuch bei Tante Lisbeth einfach too much. Wenn aber jemand beispielsweise einen super schlimmen Rücken hat und ohne Rucksack mit speziellem Tragesystem kaum existieren kann, macht es Sinn auch für Tagestouren oder kleinere Ausflüge gezielter auszuwählen.

Oder wer beispielsweise bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit fährt und dazu eben einen wasserdichten Rucksack oder robuste Satteltaschen braucht, der muss sicherlich anders auswählen, als jemand, der einmal im Sommer mit dem Rad zum Picknick fährt. Daher kann es absolut hilfreich sein, einfach einmal in sich selbst hineinzuhorchen wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind. Als Budgettipp Nummer 1 gilt daher: Anspruch und Wirklichkeit genau gegeneinander abwägen.

Nein, ich will euch nicht überreden in Sandalen über Gletscher zu wandern oder statt eines vollwertigen Campingbestecks nur eine abgesägte Gabel mitzunehmen. Ich denke da vielmehr an Dinge, die einen imaginären „nice-to-have-Aufkleber“ haben. Hierzu ein Beispiel: Klar kann es bei Hoch- oder Skitouren nützlich und angenehm sein ein Sitzkissen für Pausen dabei zu haben. Zwingend brauchen tut das aber kein Mensch, denn man kann sich beispielsweise einfach auf den Rucksack oder die umgedrehten Skier oder gleich in die Kneipe setzen.

Dinge dieser Art gibt es viele. Wer also gerade dabei ist mit begrenzten Mitteln eine neue Ausrüstung zusammenzustellen, dem sei der Budgettipp Nummer 2 ans Herz gelegt: Nur das auf die Ausrüstungsliste setzen, was auch wirklich benötigt wird. Das hat sogar noch einen praktischen Nebeneffekt. Wer nicht allerlei unnötigen Plunder herumschleppt, tut sich unterwegs im wahrsten Sinn des Wortes oft leichter, hält länger durch oder kommt schneller an. Stellt man im Lauf der Zeit dann fest, dass dies oder das zum vollkommenen Glück noch fehlt, kann man es immer noch kaufen.

Qualität

Ein kluger Mann hat mir einmal in etwa Folgendes gesagt: „Ihr habt nicht genug Geld um euch billigen Mist zu kaufen.“ Das klingt erst einmal paradox, trifft aber den Nagel durchaus auf den Kopf. Dinge die manchmal zu absoluten Schleuderpreisen angeboten werden, gerne Billigware aus Fernost, halten oft nicht besonders lange.

Gerade im Bereich Outdoor und Camping beschert uns da so mancher Discounter alljährlich eine Flut an quasi Einwegprodukten. Im regelmäßigen und auch härteren Gebrauch kommen Produkte dieser Art nicht selten an ihre Grenzen. Wer dann nach einer Saison wieder neu kaufen muss, hat nichts gewonnen und legt in der Regel drauf. Allerdings kann es sich lohnen gerade im Bereich der Bekleidung einmal den hochwertigen Gebrauchtmarkt zu checken.

Bei sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenständen wie Klettergurten, Seilen oder Karabinern ist davon jedoch abzuraten, weil man in der Regel nicht weiß, was der Vorgänger damit angestellt hat. Daher lautet der Budgettipp Nummer 3: Qualitativ hochwertige Sachen kaufen, dabei aber auf den Preis achten.

„Zweckentfremden“

Für jeden Sport und dessen Unterarten gibt es spezielle Produkte. Rucksäcke, Kleidung, Schuhe oder Sonnenbrillen seien da nur einmal als Beispiel genannt. Das mag ja auch alles seinen Sinn haben, dennoch lassen sich oft auch Dinge leicht zweckentfremden oder für andere Disziplinen einsetzen, ohne dass dies zu sehr auffällt oder stört. So können beispielsweise Teleskopstöcke nicht nur im Sommer bei langen Wanderungen nützlich sein, sie lassen sich vielmehr auch im Winter auf Skitour einsetzen. Auch kann ein kleiner Radrucksack prima für Tageswanderungen hergenommen werden.

Ich persönlich habe jahrelang meinen Kletterrucksack im Winter auf Skitour mitgenommen. Ein guter Freund trägt immer seine Laufshirts beim Tourenradfahren und es soll Leute geben, die das ein und selbe Softshell sowohl bei Hochtouren, als auch zum Skaten (also Langlaufen, nicht Kartenspielen) tragen. Wer hier ein wenig kreativ ist, kann den einen oder anderen Euro sparen. Somit lautet der Budgettipp Nummer 4: Die Vielseitigkeit einzelner Ausrüstungsgegenstände zum wichtigen Auswahlkriterium machen.

Zum Geleit

Bevor man sich was Neues anschafft, kann es hilfreich sein, darüber nachzudenken, wofür man das Ding denn genau braucht. Wer nur ein vergleichsweise kleines Budget zur Verfügung hat oder für die ersten Gehversuche in einer neuen Sportart nicht gleich den halben Monatslohn hinblättern möchte, kann sich hier und da ein paar Euros sparen, ohne gleich in der Ramschsparte zu landen. Der Ausspruch „weniger ist manchmal mehr“, passt hier vielleicht ganz gut. Und wie so oft im Leben ist auch in diesem Bereich eine Entscheidung nicht für die Ewigkeit. Für den Start in einer neuen Sportart sind Kompromisslösungen bezüglich der Ausrüstung meist eine gute Sache. Wer dann nach einiger Zeit sicher ist, dass er in der Sportart auch weiterkommen möchte, stellt ganz von alleine fest, was noch fehlt, bzw. wie genau die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind.

Wer jetzt allerdings mit einem überlegenen Grinsen denkt, „Oh Mann, heute sind aber die Schwaben mal wieder besonders schwäbisch drauf“, dem sei nur eines gesagt: Ich bin Badenserin, du Schlauberger ;-)

Der lange Weg zurück Teil 3: „Wir bringen Sie wieder zum Laufen“ 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

„Das MRT zeigt uns, dass das Sprungbein durch den Sturz und den Aufprall doch ausgeprägter geprellt ist, als wir zunächst gedacht haben. Ich würde Sie bitten an ihrer Aktivität etwas zurückzuschrauben. Wir wollen die Ruhigstellung noch etwas verlängern.“ 

Wenige Minuten später:

Zwei Monate sind 61 Tage, 61 Tage sind 1464 Stunden und das noch in Minuten? Ich bin müde. Ich kann die Verletzung und ihre Folgen nicht akzeptieren. Wir haben 35 Grad im Schatten und dieser riesige, schmerzende Stiefel um meinen Fuß, macht die Situation nicht erträglicher. Es sind die zwei Prozent Hoffnung auf eine gute Nachricht, die den Weg in die Uniklinik etwas leichter machten.

Nur sie kam nicht. So sprach die eigene Schmerz- und Körperwahrnehmung auch nicht für eine positive Entwicklung. Es sind die Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, wenn man die Projekte für die kommenden Monate absagen muss. Es ist die Sprachlosigkeit einiger Leute, die den Zustand nicht besser macht. Ein Satz eines älteren, sehr geschätzten Regisseurs und Kollegen bleibt in meinem Kopf hängen und kommt immer wieder in die Repeat-Schleife: „Ich verstehe das nicht, du bist doch so eine gute Künstlerin, du hast doch so eine gutes Körperbewusstsein, wie kann dir denn nur so ein Unfall passieren?!“ Ich finde keine passende Antwort.

Ich brauche mehr Informationen. Ich brauche Gewissheit. Ich brauche Ruhe.

Tipp 1 – Informationen

Ich will alles wissen – alles zu meinem Fuß, alles über Fußverletzungen im Klettersport und die Nachwirkung von Stürzen im Allgemeinen. Ich empfehle euch euren behandelnden Unfallchirurg oder mitbehandelnden Hausarzt zu fragen, um an weitere Informationen zu kommen. Bei mir lief es etwas anders. In meinem Bekanntenkreis konnte ich meine Fragen und vor allem mein Leid einfacher verständlich machen. Ich telefonierte mit Leistungssportlern aus Deutschland und Österreich.

Sie waren mir eine große Stütze für meine psychische Verfassung und in der Einschätzung der Schmerzen. Auch sprach ich immer wieder mit Unfallchirurgen, die vor allem Bergunfälle in den österreichischen Alpen behandeln. Wichtig hier zu erwähnen ist, dass ich den Chirurginnen und Chirurgen die gleichen Fragen gestellt habe, wie meinem behandelnden Chirurgen vor Ort, um im Idealfall dieselben Erklärungen und Herleitungen zu bekommen und fast immer bekam. Die Antworten führten dazu, dass Gewissheit entstehen konnte. Darüber hinaus hatte das Wissen über die Verletzung, das ich stetig ausbauen konnte, einen sehr befreienden Effekt.

Tipp 2 – Humor

Ich bin überzeugt, dass Lachen und Freude in solchen angespannten Situationen die wichtigsten heilungsfördernden Mittel sind, die es gibt. Sei es Situationskomik, die Witze der besten Freund*innen, lustige Videos oder Serien, die das Leben in der Zeit leichter und entspannter machen.

Tipp 3 – Freund*innen & Familie

Nahestehende und liebe Personen aus meinem Freundeskreis und meiner Familie hatten und haben eine enorme Wichtigkeit. Wenn ich zurückdenke, sind spontane Überraschungsbesuche und Ausflüge die schönsten Momente in der Zeit der Ruhigstellung. Sei es ein kleiner Trip im Rollstuhl zur Eisdiele, ein Ausflug ins Rhein-Main Tal oder ins bergige Umland – ein wenig Höhenluft atmen.

Auch barrierefreie Konzerte kann ich nur empfehlen. Ein wenig vorsichtig wäre ich im Nachhinein bei basslastiger Musik. Der Bass verursachte bei mir sehr starke Schmerzen.

Tipp 4 – Take it slowly – das Laufenlernen

Wenn ich beobachte, wie oft Kleinkinder bei den Versuchen zu Laufen stocken, sich neu sortieren, eine Pause machen und doch immer weiter machen – so langsam verliefe, rückblickend, bestimmt ein idealer Anfang des erneuten Laufenlernens. Durch die lange Ruhigstellung und die Verlagerung des Gewichts auf die linke Körperhälfte und die Krücken, haben sich der Körper und die natürlichen Abfolgen verändert. Das erstmalige Aufsetzen des rechten Fußes ohne feste Schuhe führte zu einer kleinen Nervenachterbahn.

Die Wahrnehmung und Empfindsamkeit gegenüber der Beschaffenheit des Bodens ist sehr hoch. Seien es Wiese, Waldwege, Erhebungen, kleine Steinchen oder Bürgersteige, die mit unebenen Platten gepflastert sind. All das, bekam ich ungefiltert von der Fußsohle ins Hirn gesendet. Positiv lässt sich so das Laufenlernen mit einer kleinen Entdeckungsreise gleichsetzen. Mein Tipp für euch – betrachtet das Laufenlernen als kleine Abenteuerreise und versucht es so entspannt und bewusst wie möglich anzugehen. Forciert keine Belastungen und Abläufe, die der Fuß eventuell noch gar nicht leisten kann.

Tipp 5 – Ausgleich & Sport

Im Hochsommer mit einem großen Stiefel, der bis zu den Knien reicht, ruhig gestellt zu sein, ist keine einfache Situation. Ich habe mir einen Rollstuhl geliehen, um mir die zwei Monate so angenehm, wie möglich zu machen. Durch dieses Extra konnte ich gut einen Ausgleich schaffen. Ideal ist es, wenn der Rollstuhl auch in der eigenen Wohnung nutzbar ist, dann ist das Leid unter der mangelnden Eigenständigkeit sehr viel geringer. In der ersten Zeit nach der Verletzung ist an Sport schon aufgrund der starken Schmerzen im ganzen Körper nicht zu denken.

Nach Absprache und mit sehr gutem Bewusstsein über die eigenen Fähigkeiten des Körpers trainierte ich in der Zeit der Ruhigstellung den Oberkörper. Wenn eher wenig Zugang zu dem eigenen körperlichen Befinden besteht, würde ich die Krücken als „sportliches“ Element empfehlen. Krücken im Hochsommer mit riesigem Stiefel am Bein, Schmerzen und nur einem Fuß als Stütze, dienen auch gut als Sportprogramm. Treppensteigen ist eine kurze und effiziente Auspower-Methode mit Sixpack Garantie.

Für mich hat als ausgleichende Methode die Alexander-Technik gut funktioniert. Statt Alexander-Technik können bestimmt auch Elemente aus Yoga oder Feldenkrais unterstützend sein. Die Alexander-Technik setzt sich mit dem individuellen Aufbau des Körpers und der individuellen Nutzung des Bewegungsapparates auseinander.

Sie ist ein gutes Mittel, um falsche Spannungen und Irritationen in Bewegungsabläufen zu lösen und wieder zu einer natürlichen Laufbewegung zu kommen. Auch während der Ruhigstellung hat die Technik mir geholfen, um die Verletzung und meine neue Lebenssituation anzunehmen und einen guten Zugang zu meinem Körper zu behalten. Natürlich ist in Zeiten der Ruhigstellung keine natürliche Bewegung zu erlernen – hier half mir die bewusste Wahrnehmung der Heilungsprozesse und der Veränderungen im Körper. Durch die Einschränkung schafft der Körper andere Bewegungsmuster.

Das Studieren des eigenen Körpers und das Optimieren von Bewegungsabläufen kann leicht zu einer Wissenschaft werden. Hier ist es wichtig, erst mal nur wahrzunehmen, zu verstehen und in Ruhe zu handeln um neue, stimmige Abläufe zu erreichen.

Im Allgemeinen ist Alexander-Technik hilfreich bei:

  • Stressreaktionen des Körpers und Geistes
  • ungünstigem Gebrauch des Bewegungsapparates
  • Schmerzen und Spannungen des Bewegungsapparates
  • Nervenerkrankungen und Unruhe

Neben der Alexander-Technik kann Physiotherapie hilfreich sein und sollte verschrieben werden, um die Bewegung des Gelenks zu fördern. Am besten geht ihr zu speziellen und erfahrenen Physiotherapie Zentren für Sportlerinnen und Sportler und nehmt nicht die erste Physiotherapie Praxis in eurer Nähe.

Tipp 6 – Reden, reden, reden

Ich kann euch nur ans Herz legen mit allen Personen, die bei eurem Sturz dabei waren, auch darüber zu sprechen. Nicht um den genauen Hergang zu erläutern, sondern vor allem über die Erinnerungen, die bleiben, zu reden. Seien es die Geräusche des Aufpralls, die anderen Personen im Kopf haben und einem selbst nicht präsent sind. Das Austauschen von Erinnerungen hat nicht nur mir geholfen, sondern auch allen Beteiligten ihre Erinnerungen zu verarbeiten.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Der lange Weg zurück Teil 2: Der Fuß, eine geniale Konstruktion 

19. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Das leise Aufkommen der Füße, der fließende Übergang zum erneuten Sprung und das Lösen vom Boden lassen das Gefühl von wiederkehrender Leichtigkeit entstehen. Der Fuß ist eine geniale Konstruktion. Allein die Abläufe von Sprüngen begeistern. 

26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln, starke Sehnen und über 100 Bänder sind die Voraussetzung reibungsloser Bewegungen und einen festen Stand auf unseren Füßen. Um kontrollierte Abläufe zu ermöglichen, versorgen sehr viele Nerven unsere Füße. Durch unsere Nerven können wir auch die kleinsten Veränderungen im und um den Fuß wahrnehmen. 

In der natürlichen Bewegung übernehmen unsere Füße das Körpergewicht und verteilen es auf drei Punkte: das Fersenbein, den inneren und äußeren Fußballen. Unser Fersenbein trägt mit der größten Knochenstärke dabei die meiste Last. Sprungbein, Fußwurzelknochen, Mittelfußknochen und Zehen sind in erster Linie für unsere Fortbewegung zuständig. 

In Bezug zum Klettersport lässt sich der Umkehrschluss ziehen. 

Die Form der Kletterschuhe bedingt eine andere Kräfteverteilung. Eine entscheidende Rolle spielen vor allem Sprungbein, Fußwurzel-, Mittelfußknochen und Zehen, um eine Route erfolgreich zu klettern. Die Kletterschuhe konzentrieren den Druck bzw. das Gewicht hauptsächlich auf die großen Zehen. Dadurch soll ermöglicht werden mit mehr Präzision zu klettern. Hier könnte von einer Umkehr der Kräfte gesprochen werden.

Nicht mehr das Fersenbein trägt das meiste Gewicht, sondern der fragile Teil des Fußes. Hinzukommen der Vorspann und die Beugung (Downturn) der Schuhe, die den Füßen und vor allem Sehnen und Bändern stark zusetzen können. 

So kann schon die Wahl der Kletterschuhe zu Einschränkungen und Verletzungen am Fuß führen. Wichtig ist hier die professionelle Beratung. Vor allem beim regelmäßigen Sportklettern sollten die Schuhe eine ideale Passform haben. Die häufigsten Verletzungen durch unzureichendes Wissen bzw. unbedachtes Nutzen der Schuhe sind zum Beispiel Quetschungen, Nagelfrakturen oder die Entwicklung eines Hallux Valgus. 

Durch die Gestaltung der Kletterschuhe sind Fußverletzungen bei einem Aufprall, schon aus geringer Höhe, sehr häufig. 

Je nach Art des Aufpralls mit den Füßen auf den Boden können verschiedene Brüche entstehen. Mögliche Frakturen sind Brüche des oberen Sprunggelenks, vor allem des Sprungbeins, Brüche in und am Sprunggelenk, schließen neben dem Sprungbein, Waden- und Schienbein mit ein. Je nach Sturzverlauf passieren auch Brüche des Fersenbeins. Die Krafteinwirkung, somit die Sturzhöhe ist neben der Art des Aufpralls mitbestimmend für die Form der Fraktur.

Das Sprungbein, der Talus ist der stabilste Knochen des Fußes mit der Besonderheit, dass durch die geringe Durchblutung der Heilungsprozess sehr langwierig sein kann. Talusfrakturen sind im Klettersport mit Aufprall sehr häufig. Ausschlaggebend ist hier das Aufkommen der Füße – sind sie angezogen oder nach vorn gestreckt, in welchem Winkel stehen sie zum Unterschenkel? Ähnliche Verletzungen des Sprungbeins treten häufig bei Motorradstürzen oder anderen Stürzen aus der Höhe auf. Eine Fersenbeinfraktur hingegen kann auch schon durch einen Sturz ins Seil mit schwungvollem Wandkontakt verursacht werden. 

In jedem Fall ziehen Brüche der Knochen auch starke Verletzungen der Bänder, Sehnen, Muskeln und Nerven mit sich. Je nach Verletzung und Schädigung des Fußes sind lange Heilungsprozesse zu erwarten. Leichtere Verletzungen heilen in der Regel in einer Zeitspanne von bis zu drei Monaten ab. Schwerere hingegen fordern von Klettersportlerinnen und -sportlern ein Höchstmaß an Geduld und Eigeninitiative, da sie bis zu zwei Jahre und mehr andauern können. 

„Allen diesen schweren Verletzungen des Sprunggelenkes und des Fußes ist gemeinsam das Behandlungsziel – eine stabile, achsengerechte Heilung zu erzielen mit guter Funktion der Gelenke und Folgeschäden mit vermehrter Abnützung, Arthrose der beteiligten Gelenke zu vermeiden. Besonders wichtig bei diesen Verletzungen ist, die mitverletzten nicht-knöchernen Strukturen wie Haut, Muskulatur und Bandapparat zu beachten und den Operationszeitpunkt gut zu wählen.“ Dr. med. Konstantin Genelin, Tirol Kliniken Innsbruck. 

In meinem Fall lag eine Fraktur des Sprungbeins vor, Abriss einen Knochenfragments und Absprengungen der Bänder. Die Verletzungen des Fußes wurden nach einiger Zeit als schwerwiegend eingeordnet. Ich schreibe den Artikel jetzt sechs Monate nach meinem Sturz aus ca. 2,3 m Höhe. Aktuell gehe ich in der Ebene und habe noch Schwellungen und Schmerzen um den Talus. Die Stelle der Fraktur heilt immer noch. Eine ständige Begleitung nach solchen Verletzungen sind Schmerzen. Je nach Stärke der Verletzung entstehen auch Schmerzen in anderen Bereichen, wie Bein, Knie und Hüfte. Eine Herleitung der Schmerzen sowie ein Verständnis für die verschiedenen Intensitäten half mir sie auszuhalten und verbesserte den Umgang mit der Situation. 

Ein einfacher Erklärungsversuch: Insgesamt verfügen unsere Knochen über Nerven, Nervenfasern, Blutgefäße, Knochenmark, verschiedene Knochenstrukturen, Knochenzellen, Fettgewebe oder blutbildendem Gewebe. Im Knochen sorgen Zellen für die Wiederherstellung.

Neues Knochenmaterial wird durch Osteoblasten gebildet. Die Osteoklasten hingegen fördern überschüssiges Gewebe ab. Beziehen wir uns wieder auf die Fußverletzung haben wir es mit einer Trabekelfraktur zu tun. Diese Knochenstruktur ist komplexer und hat eine längere Heilungsdauer. Knochentrabekel sind Knochenbälkchen, die im Inneren des Knochens eine schwammartige Struktur (Spongiosa) bilden. Entlang der Belastungslinien des Körpers verfügen unsere Knochen über das besonders flexible und leichte Knochengewebe. 

Die hohe Sensibilität des Fußes trägt nicht viel zur Schmerzlinderung bei, ermöglicht jedoch ein umfassendes und treffendes Bild über den Heilungsprozess. 

Mehrere Zweige unserer Hauptnerven laufen in unseren Füßen aus. Die Schädigung der Nerven und zusätzliche Schwellungen führten in meinem Fall dazu, dass ich meine Zehen für ca. sechs Wochen nicht mehr ansteuern konnte. Auch strahlen die Schmerzen der Nerven bis ins Knie und in die Hüfte.

Bei Schädigungen der Bändern, Sehnen und Muskeln verläuft es ähnlich. Verletzungen der Bänder sind an Blutergüssen an den Beinen erkennbar. So zeichnen sie die Bahn der verletzten Bänder nach. Dies verdeutlicht recht anschaulich, wie Verletzungen weitere Strukturen beeinträchtigen. Auch Ödeme und Hämatome beeinflussen das System des Bewegungsapparates und führen zu zusätzlichen Spannungen, die Einschränkungen und Schmerzen verstärken. 

Langwierige Heilungsprozesse mit starken Einschränkungen stellen das Leben von aktiven Sportlerinnen und Sportlern schnell und plötzlich auf den Kopf. Neben der physischen Komponente rate ich daher auch die psychische Komponente wahrzunehmen und nicht zu ignorieren. Meist gibt es die Möglichkeit und Wege trotz starker Einschränkung sportlich aktiv zu sein und sich selbst vorerst neu im Leben zu orientieren. 

Heilungsprozesse beschleunigen?! Gibt es da nicht was? 

Im nächsten Artikel gebe ich Tipps, Anregungen sowie meine Erfahrung weiter, wie ihr lange Phasen der Ruhigstellung gut überstehen, und auch den Weg des erneuten Laufenlernens, entspannt angehen könnt.

Bergfreundin Anna:

Anna ist so richtig mit dem Bergsport in Berührung gekommen, als sie vor neun Jahren zum Studieren nach München zog. Seitdem sind Berge und Kletterhallen ihr zweites Zuhause. Als Journalistin fördert sie eine ethisch korrekte Berichterstattung und bringt sich gerne in heikle Recherchen ein. Durch ihre Arbeit als Theaterregisseurin können ihre journalistischen Projekte auch auf der Bühne wiedergefunden werden. Darüber hinaus gibt sie Seminare zu Körperarbeit, Körperwahrnehmung und Stimmbildung.

Kleine Schneekunde für (angehende) Winterfreunde

17. Dezember 2019
Tipps und Tricks

Kurze Anmerkung vorab: der folgende Artikel kann zwar informieren, nicht aber einen Lawinenkurs und andere Maßnahmen für die sichere Durchführung von winterlichen Aktionen und Bergtouren ersetzen.

Wer im Klimaunterricht der letzten Jahre aufgepasst hat, muss den Sinn dieses Artikels anzweifeln. Denn Schnee wird demnach in unseren Breiten bald nur noch in Erzählungen existieren. Selbst in den Skigebieten soll der künstliche Kanonenschnee auf den Pistenstreifen überwiegen. Naturschnee zum anfassen? Am ehesten noch im Museum, gleich neben Wahlscheibentelefon und Pferdedroschke.

Doch es gibt auch ein Nebenszenario dieser Prognose, nach dem die Hitze über Umwege kommt und wir vor dem Dahinschmelzen erst noch die sibirische Peitsche spüren. Wenn nämlich „die Golfstrom-Wirkung nicht mehr funktioniert“, wie es einst eine Landespolitikerin markant ausdrückte. In dem Fall lohnt der Artikel doch noch für ein paar Jahre. Also, aufgepasst!

Was ist Schnee?

Zunächst die überraschende Feststellung, dass das größte Lexikon aller Zeiten für Schnee eine Begriffsklärungsseite hat. Ist denn damit nicht ganz klar der weiße Niederschlag gemeint? Nein, es gehört hier unter „umgangssprachlich“ auch ein Aufputschpulver aus Südamerika dazu, das trotz seines hohen Zolls an rotem Blut in makellosem Weiß erstrahlt. Und ein weißes Rauschen auf Bildschirmen firmiert ebenso unter „Schnee“, wie ein schaumiges Eiklar.

Bleiben wir bei der vom Himmel fallenden Niederschlagsform. Keine Sorge, es wird trotzdem nicht langweilig, denn auch von dieser gibt es 17 verschiedene Arten. Oder 13. Oder 12, je nachdem, wo man nachliest. Dazu gleich mehr, zuerst noch zur allgemeinen Begriffsklärung und zur Entstehung von Niederschlags-Schnee. So sind alle Wörter für Schnee laut Wikipedia(ablautende) Abstraktbildungen zum indoeuropäischen Wort *sneigṵh- ’schneien, (sich) zusammenballen, zusammenkleben‘.

Entstehung

Was hier zusammenballt und -klebt sind winzige Kristallisationskeime wie Staubteilchen, an denen sich Wassertröpfchen anlagern und gefrieren (erstaunlicherweise bleibt so ein Mikro-Wassertropfen bei bis zu minus 48° Grad flüssig). Der so entstehende Eiskristall gefriert und fällt aufgrund seiner gewachsenen Masse sprichwörtlich aus allen Wolken.

Eis- bzw. Schneekristalle sind der Ausgangsstoff für alle Arten von Schnee. Sie können unzählige Formen bilden und sind eines der vielen kleinen uns umgebenden und meist ignorierten Wunder. Sie bilden oft harmonische, symmetrische und komplexe Formen. Die einzige Gemeinsamkeit aller Eiskristalle ist, dass alle Arten sechseckig sind, weil sich Wassermoleküle stets in einem Winkel von 120 Grad anordnen. Abgesehen davon sind der Formenvielfalt keine Grenzen gesetzt.

Wenn viel Feuchtigkeit in der Luft ist und die Temperaturen idealerweise knapp unter null liegen, ballen sich unzählige dieser Kristalle zu den wesentlich größeren Schneeflocken zusammen. Von denen gibt es dann sehr viele Arten. Wie viele genau, weiß kein Mensch, denn sie verändern sich ständig und es entstehen unzählige Mischformen.

Welche Schneearten gibt es?

Wir haben alle schonmal irgendwo gelesen, dass „die Eskimos mehr als 20 Wörter für Schnee kennen“. Stimmt aber bestenfalls nur halb, auch wenn es diese Legende bis in Linguistik-Einführungsseminare geschafft hat. Denn die Eskimos, die wir heute lieber Inuit nennen sollen, setzen viele Satzteile zu Riesenwörtern zusammen. Zählt man nur die Wortstämme, so kommt man laut Christoph Drösser von der Zeit kaum auf zehn Schneearten. Und da gibt es selbst dahoam in Oberbayern mehr Wörter für die weiße Pracht: „Schnee, Harsch, Sulz, Firn. Wörter, die, so Drösser, „vielen kein Begriff mehr sind.“ Na, in Bergfreundekreisen kennt sie jeder. Du ja hoffentlich auch, oder? Falls nicht, kannst du die peinliche Wissenslücke hier diskret und schnell schließen.

Laut Drösser kennen „die Bergler in den Alpen rund zwanzig Ausdrücke für das kühle Naß“, darunter Locker– und Wild-, Neu– und Pappschnee, filziger Schnee und Oberflächenreif, Harsch, Firn und Sulz. „Der Skifahrer schwingt sich durch Pulver– und Faulschnee, oder er gerät in eine auf Schwimmschnee zu Tal donnernde Schneebrettlawine.“ Damit wäre schonmal das Dutzend an Bezeichnungen voll – die wir jetzt noch mit ein wenig Inhalt anreichern wollen. Ein interessanter Ansatz ist die Unterscheidung der Schneearten nach Befahrbarkeit mit Skiern, wie auf der Website Familien-Skigebiet.com. So können sich Skiläufer die Unterschiede gut merken, doch für andere Schneeinteressierte sind ein paar zusätzliche theoretische Unterscheidungskriterien womöglich einprägsamer.

Systematische Unterscheidung nach Kriterien

Wichtige Kriterien, anhand derer man Schnee klassifizieren kann, sind u.a. Alter, Feuchtigkeit und Dichte. Eine solche Unterteilung habe ich dem Wikipedia-Schneeartikel, Abschnitt Schneearten entnommen und teils etwas angereichert.

Nach Alter

Gerade frisch gefallen heißt der Schnee Neuschnee. „Seine Eiskristalle sind noch fein verzweigt mit spitzen Zacken.“ Im Lauf der Zeit verwandelt er sich je nach „Metamorphose“ in eine oder mehrere weitere  Arten. Fast jede Schneeflocke, die nicht direkt nach der Landung schmilzt, durchläuft ein Dasein in Form von mehreren Arten.

Bei der abbauenden Metamorphose werden die Kristalle durch Temperaturschwankungen, Druck oder Wind zu weniger verästelten und runderen Formen umgewandelt. Der Schnee wird dadurch fester und dichter.

„Bei der aufbauenden Metamorphose bilden sich in tieferen Schichten neue, größere Kristallformen, die durch große Lufteinschlüsse nur noch geringe Festigkeit besitzen.“

Bei der Schmelzmetamorphose entstehen bei Temperaturen knapp über 0 °C runde Kristallformen. „Im Wechselspiel mit Wiedergefrieren des Wassers an der Oberfläche (Auffirnen) kann sich Bruchharsch bilden, sonst kompakter Harsch“. Kommt Wind hinzu, können Wechten und Schneebretter entstehen.

Aus verdichtetem Altschnee des Vorwinters wird nach frühestens einem Jahr Firn, der sich wiederum zu Gletschereis entwickeln kann. Firn ist meist hart, kann aber bei steigenden Temperaturen auch zu einer weichen, gut befahrbaren Auflage werden.

Weiterer Begriffe, die hier eingeordnet werden können: Griesel (wiederholt gefrorener, sehr körniger Schnee), Wildschnee (extrem lockerer Neuschnee)

Nach Feuchtigkeit

Pulverschnee ist trockener Schnee von geringer Dichte, der auch unter Druck nicht zusammenklebt. Die geringe Verzahnung der Flocken lässt tiefe haltlose Schneeschichten entstehen. Als Unterlage fürs Skifahren ist solcher Schnee ideal.

Feuchtschnee, auch Pappschnee genannt, klebt unter Druck zusammen und eignet sich damit gut für Schneebälle und Schneemänner. Es lässt sich jedoch kein Wasser herauspressen.

Bei Nassschnee, der ebenfalls schwer und „klebrig“ ist, lässt sich Wasser herauspressen. Älterer Nassschnee kann zu Sulzschnee werden. Mischen sich Nassschnee-Brocken und Wasser, wird die schlecht zusammenhaltende Mischung Faulschnee oder Schneematsch genannt.

Weiterer Begriff, der hier eingeordnet werden kann: Filzschnee (etwas verdichteter, leicht feuchter Schnee)

Nach Farbe

In seltenen Fällen führen Algen oder Wüstenstaub zu Verfärbungen („Blutschnee“ o.ä.).

Nach Dichte

Die wohl exakteste Differenzierung von Schnee ist die Unterteilung nach Dichte in Kilogramm pro Kubikmeter:

30 – 200 kg/m³: trockener, lockerer bis stark gebundener Neuschnee

200 – 500: trockener bis nasser Altschnee

150 – 300: Schwimmschnee

500 – 800: mehrjähriger Firn

800 – 900: Eis

Nach Auftreten und Ursprung

Hierunter fällt u.a. die Unterscheidung nach natürlichem Schnee und technischem Schnee („Kunstschnee“). Letzterer entsteht, wenn Schneekanonen Wassertropfen bei unter minus vier Grad Lufttemperatur versprühen.

Fazit

Der Artikel war hoffentlich ein brauchbarer Einblick, kann jedoch unmöglich vollständig sein, da Schnee unzählige Formen und Phänomene ausbilden kann. Als Beispiele seien hier nur Windharsch, Bruchharsch und Eislamelle genannt, die unterschiedliche Arten von angeschmolzenem und wieder gefrorenem Oberflächenschnee sind. Hinzu kommen weltweit  regionale Erscheinungen und Besonderheiten, die wiederum mehrere Bezeichnungen haben können. Beispiele wären hier der (sub)tropische Büßerschnee, der Champagne-Powder der Rocky Mountains oder der eher in Sibirien als in Europa vorkommende Diamantstaub mit seinen feinen Eisnadeln, die nur bei extremer Kälte, Windstille und heiterem Himmel entstehen.

Aus diesen Gründen kann niemand genau festlegen, wie viele Arten von Schnee es gibt.

Van-Ausbau – An was man denken sollte und was ich gerne vorher gewusst hätte

31. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Von absolut spärlich bis luxuriös, die Ausbauten eines Vans, in meinem Fall eines Caddys, sind so vielseitig wie auch ihre Benutzer. Und genau diese Vielseitigkeit ist es, was die Camper daran reizt. Hier gibt es nichts von der Stange und all seine Vorstellungen und Wünsche kann man in die Tat umsetzen. So muss man sich mit nichts arrangieren und bekommt die perfekte Einrichtung für sein Auto. So weit der Plan, doch Wunsch und Realität sind meistens zwei Paar Schuhe. Das musste auch ich feststellen, als ich mit der Planung für den Ausbau meines Caddys angefangen habe.

Aber von vorne. Dass ich irgendwann ein größeres Auto fahren wollte, stand irgendwie schon immer fest. Denn ich habe gerne immer alles dabei. Von Fahrrad bis Kletterzeug, Skiausrüstung“ und Schlafsack sollte alles Platz haben. Man weiß ja schließlich nie, was der Tag so bringt. Im Hinterkopf hatte ich ebenfalls, dass ich gerne die Möglichkeit hätte, in meinem Auto zu schlafen. Und das nicht zusammengekauert auf der Rückbank, sondern in einem richtigen Bett.

Die richtige Autowahl – Kosten-Nutzen Analyse

Der Anfang dieses Projekts und eigentlich auch die wichtigste Komponente ist das passende Auto zu finden. Und das ist gar nicht so leicht. Hierbei sollte man genau durchdenken, was das Auto alles haben soll und für was man es benutzen möchte. Das Budget spielt natürlich auch eine Rolle. Klar, gibt es fertig ausgebaute Busse mit allem Schnickschnack, aber genau das wollen wir ja eben nicht. Wenn jemand viel verreist und den Camper quasi als zweites Zuhause sieht, der ist mit einem größeren Auto sicher gut beraten. Da ich aber nicht ständig beim Campen bin und auch ein unkompliziertes Auto für den Alltag gesucht habe, ist die Größe eines Caddys optimal. Der ist nicht ganz so teuer und reicht für meine Bedürfnisse. Um auch flink beim Einparken zu sein, wählte ich die Variante mit kurzem Radstand. Dass das später zu einer komplizierteren Planung führen sollte, wusste ich da noch nicht. Trotzdem hat sich die Größe des Autos bewährt, da es zum Einen ideal für den täglichen Gebrauch ist und zum Anderen auch super unauffällig beim Campen ist.

Achtung beim TÜV – Gewicht, Sicherheit und Co.

Von vorne herein muss klar sein, ob man das Auto zu einem dauerhaften Camping-Van umbauen möchte oder ob man den Ausbau flexibel gestalten will. Also bei Bedarf reinbauen und wenn man gerade nicht wegfährt und das Auto im Alltag nutzen möchte, wieder rausbauen. Denn wer sein Auto dauerhaft umbaut, muss sich mit den jeweiligen Vorschriften des TÜV vertraut machen. Da kommen dann Dinge wie maximale Zuladung, die nicht überschritten werden darf, oder die Sicherheit der Insassen auf den Heimwerker zu. Wer sich dafür entscheidet, ein dauerhaftes Bettgestell im Auto unterzubringen, muss sich vielleicht mit mehr Vorschriften rumschlagen, kann sich dafür aber auch eine komfortablere Variante gönnen. Da ich meinen Caddy auch ohne Ausbau noch nutzen wollte, mussten wir penibel auf das Gewicht des Gestells achten. Denn wenn man das Bett wieder rausheben möchte, spielen vier bis fünf Kilo dann doch eine große Rolle.

Die Länge spielt doch eine Rolle

Somit sind die Grundlagen geklärt. Leicht und flexibel soll es sein. Fein wäre es, wenn ich das Gestell auch noch umklappen könnte. Der Nachteil des Caddys mit kurzem Radstand ist nämlich die fehlende Länge. Da man ja doch mindestens 1,90 Meter Länge für ein bequemes Bett braucht, wird es recht eng. An sich kein Problem, man fährt einfach die Fahrersessel nach vorne, kurbelt die Lehne nach vorne und klappt sein Bett aus. Das bedarf aber einer augeklügelten Klapptechnik und einem exakten Ausmessen. Schon wird die Planung etwas komplizierter. Da wir die Rückbank als Stütze für das Bett im Auto lassen wollten, mussten wir darauf achten, dass sich das Bett so zusammenklappen lässt, dass es perfekt in den Kofferraum passt. So kann man nämlich auch die Rückbank noch ungehindert nutzen und transportiert das Bettgestell ganz unauffällig. Dank der Rückbank war es auch möglich viel Gewicht einzusparen, da die Stützen wegfielen. Dass das auf Kosten des Stauraums geht, war mir da auch noch nicht bewusst.

Wir wählten dünne Holzplatten als „Lattenrost“. Nutzt man den Camper sehr oft, dann kann man durchaus in einen Lattenrost investieren. Da wir nur sporadisch damit verreisen, sollte es auch eine leichte Multiplex-Platte tun. Bei allen Arbeitsschritten war ja immer das Gewicht im Hinterkopf. Das einzig Schwere am Gestell sind tatsächlich die Stützen im Kofferraum und die Verstärkung der Holzplatten, wo sie nicht auf der umgeklappten Rückbank aufliegen. Damit das Bett klappbar ist, teilten wir die Holzplatte in drei Teile, die mit recycelten Schrankscharnieren verbunden wurden. Problem war nun, dass die Platten jetzt zwar auf der Rückbank auflagen, aber noch darüber hinaus Richtung Fahrerhaus reichten. Dadurch wurde das ganze Bett schief und instabil. Ich hätte gerne vorher gewusst, dass die Platte doch soweit darüber hinaus geht, dass es zusätzliche Stützen zwischen Rückbank und den vorderen Sesseln braucht. Wir tüftelten eine herausnehmbare, dünne Holzbank zusammen, die den Raum überbrückt. Die Stabilität ist damit zwar wieder ideal, jedoch haben wir uns damit einen Teil des Stauraums verbaut und ein extra Teil, bei dem ich nicht weiß wohin, wenn das Bett zurückgeklappt ist.

Jungfernfahrt und erste Korrekturen

Der Bau des Bettgestell kostete alles in allem nur einen Tag und stürzte mich auch nicht in ein finanzielles Desaster. Wer wirklich nur ein paar Tage im Caddy schläft, muss da auch nicht so viel investieren. Da wir sonst im Zelt nächtigten, dachten wir, die Isomatten würden auch super in den Caddy passen. Falsch gedacht! Da meine Matte viel zu breit war, schob sich die andere Matte an der Seite hoch. Komfort geht definitiv anders und wie schaut das überhaupt aus? Ich bin ein Fan von klaren Linien und Ordnung. Das Durcheinander mit den Matten machte mich sofort wahnsinnig. Parken, Bett umklappen, Matte ausblasen, Schlafen, Matte kleinmachen, Bett umklappen, weiter fahren. Das war ziemlich viel Aufwand. Zwischenzeitlich stapelten wir die Matten, ohne sie auszulassen, was nur zu noch mehr Chaos führte. Fazit war, dass man mit zwei Isomatten im Caddy nicht glücklich wird. Wer dazu noch Probleme mit dem Rücken hat, der sollte in eine angepasste Matratze investieren. Seitdem ich diese Matratze habe, schläft man nicht nur besser, sondern hat auch mehr Ordnung, denn sie lässt sich wie das Bettgestell ebenfalls klappen. So fliegt nichts mehr unordentlich durch den Caddy und er sieht schön aufgeräumt aus.

Was klappert denn da?

Schon beim Einbauen hatte ich Angst, dass das Holzgestell den Innenraum des Kofferraums zerkratzen könnte. Durch die Bewegung beim Fahren aber auch beim Schlafen kann das Gestell etwas verrutschen. Damit nichts zu schaden kommt, verkleidete ich die Ecken mit Anti-Rutschstoff. Sicher gibt es hier professionellere Lösungen, jedoch wurden Kratzer bisher effektiv verhindert. Da wir anfangs auf Isomatten schliefen, überzog ich auch die komplette Liegefläche mit dem Stoff, damit die Matten nicht rutschen. Mit einer angepassten Matratze ist das aber nicht zwingend nötig. Allerdings schützt der Stoff auch das Holz und lässt das Gestell irgendwie schicker wirken. Damit der Kofferraum geschützt wird, griff ich auf einfache Teppiche zurück. Wenn man viel draußen unterwegs ist und auch mal nasse Ausrüstung hat, dann ist eine abwaschbare Kofferraumschale aus Plastik sicher die bessere Lösung.

Hast du meine Schuhe gesehen? Und wo ist eigentlich der Gaskocher?

Mein Tick mit der Ordnung zieht sich sicher durch die ganze Organisation des Caddys. Unser Bett ist auf Höhe der umgeklappten Rückbank und bietet damit nur bedingt Stauraum. Alles was wir dabei haben, müssen wir entweder unter dem Bett oder hinter den Fahrersesseln unterbringen. Wenn man gerade schläft, wird alles Übrige ins Fahrerhaus gestellt. Chaos vorprogrammiert! Beim Ausbau haben wir tatsächlich nicht bedacht, dass Kletterzeug, Klamotten, Essen und Kochausrüstung viel Platz braucht. Nur durch Glück habe ich eine Box gefunden, die exakt unter das Bett passt. Darin wird nun Essen und Kochzeug aufbewahrt. Viel Proviant bringt man da aber nicht unter, für zwei Tage reicht es trotzdem.

Damit wir den Stauraum vergrößern konnten, bauten wir den einzelnen Sessel der Rückbank kurzerhand aus. Damit das Bett nach wie vor stabil bleibt, wurde der Platz mit Ausrüstung aufgefüllt, die dann als Stütze diente. Wer die Rückbank als Stütze benutzen möchte, hat sicher einen tollen Komfort im Bett, denn man kann fast aufrecht darin sitzen. Jedoch geht viel an Stauraum darunter verloren. Da muss man sich eben überlegen was wichtiger ist. Und auch wie sich das Bett ohne Rückbank konstruieren lässt. Wer einen besonderen Wert auf Ordnung legt, baut Schubläden. Zwar gehört das eher in die Kategorie dauerhafter Ausbau, bringt aber viele Vorteile mit sich. Nicht nur eine Kochstelle lässt sich darin verbauen, sondern der ganze Krimskrams wird ordentlich verstaut. Anbieter wie Reimo oder VanEssa bieten mittlerweile Ausbauten mit oder ohne Schubläden an, die man nicht fest in das Auto bauen muss. Das ist zwar dann nicht Marke Eigenbau, sicher aber eine Alternative, die man in Betracht ziehen kann.

Ein bisschen Romantik bitte

Roadtrip, Lagerfeuer, Sternenhimmel. Und dann gemütlich ins Auto verziehen und schlafen. Romantik pur! Doch vor allem auch eines: dunkel und kalt. Klar hat man Stirnlampen, aber wirklich praktisch sind die da nicht. Gleich am Anfang fiel die mangelnde Beleuchtung auf. Die integrierten Leuchten im Auto brennen ja nur, wenn man das Auto aufsperrt oder die Tür offen lässt. Und dann auch nicht ewig. Außerdem will man doch ein wenig Gemütlichkeit haben. Da im Auto weder Strom, Gas noch sonstiges vorhanden ist, wo man was anstecken könnte, mussten wir selbst was bauen. Was auch sonst? Im Zeitalter von Smartphones und Co. hat man seine Powerbank auf Campingtrips meistens dabei. Also bastelten wir eine LED-Leuchte mit USB-Anschluss. Dass die Leuchte in Herzform sein musste, hat natürlich keine praktischen Zwecke, nur romantische.

War da noch was? Ach ja, die Kälte! Da mein Auto ja kein geborener Camper ist, ist es dementsprechend auch nicht isoliert. Da es ein „normales“ Auto bleiben soll, wurde es auch nicht nachträglich isoliert. Also liegt man da so im Bett und denkt sich, dass es irgendwie verdammt schnell kalt wird. Und der Mond prallt einem auch ins Gesicht. Wer wie ich, durch solche Kleinigkeiten um den Schlaf gebracht wird, handelt schnell. Entweder man näht sich Vorhänge, oder man greift zu bewährten Thermomatten. Zwar sehen Vorhänge hübsch aus, aber ich möchte ja nichts dauerhaftes im Auto haben. Die Thermomatten hingegen lassen sich mit Saugnäpfen an den Fenstern befestigen, isolieren deutlich und dunkeln perfekt ab. Das einzig störende daran ist, dass man diese Matten nun auch irgendwo unterbringen muss.

Dauerbaustelle Camper-Caddy

Wer selbst einen Van ausgebaut hat, weiß, dass es irgendwie nie perfekt ist. Immer gibt es was auszubessern oder umzuorganisieren. Das hätte mir vorher klar sein können. Die erste Version des Ausbaus wird mit vielen kleinen Mängel daherkommen, die erst nach und nach deutlich werden. Wer noch vor diesem Projekt steht, sollte sich auf jeden Fall genug Zeit nehmen, um sich klar zu werden, was man möchte und wie oder ob das umzusetzen ist. Den perfekten Einklang aus Ordnung, Funktionalität und Komfort zu finden kann mitunter Jahre dauern. Jahre in denen man mit seinem Van von einem Abenteuer ins nächste fährt und immer mehr an Erfahrung gewinnt. Denn obwohl ein Auto nur ein Ding ist, wird es mit einem Umbau zu einer zweiten Heimat und zum Rückzugsort aus dem Alltag. Und das fängt bei der Planung schon an.

Steinexkurs XXL – von interessantem Grundwissen bis zum heimischen Kletterfelsen

4. November 2019
Tipps und Tricks

Wir sammeln sie und bewundern sie, halten uns daran fest und klettern an ihnen hoch. Sogar manches Klettererherz scheint daraus zu bestehen. Gemeint sind Steine, Felsen von denen man als Kletterer aber auch Bergsteiger ständig umgeben ist. Man nimmt sie fast schon als selbstverständlich hin, als dass man sich noch sonderlich Gedanken darüber macht. Doch Mutter Natur hatte und hat immer noch eine Menge Arbeit damit, dass die Felsen heute so sind wie sie eben sind.

Und ist es da mal nicht an der Zeit, den ewigen Begleiter des Kletterers, den Felsen, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen?  Denn wer weiß, auf welche Art von Stein man im jeweiligen Klettergebiet trifft, kann sich besser auf die Kletterei einstellen und gegebenenfalls spezielles Sicherungsmaterial mitbringen.

Ausflug in die geologische Geschichte

Dass wir heute überhaupt an Felsen klettern können, verdanken wir inneren und äußeren Dynamiken der Erde über eine lange Zeit hinweg. Die Erde ist nicht nur an der Oberfläche aktiv, sondern auch in ihrem Keller rührt sich einiges. Die unterschiedlich dicke Erdkruste schwimmt quasi als Haut auf dem äußeren Erdmantel, der aus Magma besteht.

Die Erdkruste wird in Platten unterteilt, die sich durch Konvektionsströme bewegen. Das führt dazu, dass an der einen Stelle Land versinkt und an der anderen Stelle wieder etwas neues entsteht (Entstehung der Alpen). An der Oberfläche, also wo wir leben, spielen Dynamiken wie Wetter, Wind und auch wir selbst eine Rolle. Durch diese äußeren Einflüsse werden über Jahrtausende ganze Gebirgsketten zerlegt und Sedimente ins Tal transportiert.

Eine Faustregel, die man sich merken kann, ist, je alpiner die Region ist, desto stärker ist die Erosion und je weicher das Ausgangsgestein ist, desto schneller wird es abgetragen.

Definition Gestein

Laut geologischer Definition ist ein Gestein ein natürlich vorkommendes Aggregat aus Mineralien (zum Beispiel Calzit bei Kalk), dessen Bruchstücke und Resten von Organismen. Teilweise beinhalten Gesteine auch nicht mineralische Substanzen. Daraus bilden sich die drei großen Hauptgruppen heraus, in die man Gesteine einteilt.

Sedimentgesteine

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Sediment Bodensatz, also Ablagerung. So sind also Sedimentgesteine durch die Verdichtung und Verfestigung von Gesteinsablagerungen entstanden. Wenn mehrere Schichten aufeinander liegen, wird der Druck erhöht, so dass Luft und Wasser aus den Gesteinen gepresst wird. Dabei verzahnt sich das Gestein ineinander. Wenn dann mineralhaltiges Wasser (beispielsweise mit Calzit) durch die Sedimente fließt entsteht ein natürlicher Zement, der die Schichten verkittet.

So wird aus dem lockeren Sediment eine feste Masse. Dabei gibt es nochmal zwei kleine Untergruppen. Klastische Sedimente (wie Sandstein) bestehen nur aus Bruchstücken anderer Gesteine, während biogene Sedimente wie viele Kalkfelsen aus den Kalkschalen kleiner Meerestiere entstanden. Sedimentgesteine sind in Deutschland weit verbreitet aber auch der Gipfel des Mount Everest besteht aus diesem Gestein.

Magmatische Gesteine

Hier ist der Name Programm. Heißes Magma steigt auf und dringt in umgebene Gesteinsschichten ein oder verdrängt diese. Entweder das Magma erstarrt noch innerhalb der Erdkruste, was man dann als Tiefengestein bezeichnet oder es erstarrt durch vulkanische Aktivität erst an der Oberfläche, was dann als Vulkanit bezeichnet wird.

Der Vorgang ist eng mit endo- und exogenen Vorgängen verbunden. Sie sind die ursprünglichsten Gesteine der Erde. Nicht nur entlang der Anden mit ihren aktiven Vulkanen sind solche Gesteine anzutreffen, auch in Mitteleuropa gibt es davon eine Vielzahl. Besonders bekannt ist hierbei Granit, der nicht nur in den Alpen tolle Wände darstellt.

Metamorphe Gesteine

Dabei können magmatische sowie Sedimentgesteine Ausgangspunkt sein. Diese werden dann unter hohem Druck und Temperatur in der Erdkruste umgewandelt und neu geformt. Somit ist diese Gesteinsart nur eine Neubildung von bereits vorhandenen Formationen, was allgemeine als Metamorphose bezeichnet wird. Dafür typisch ist die feine Schichtung oder Schieferung, die oft senkrecht zur ursprünglichen Schieferung verläuft. Als klettertauglich gilt hier der Gneis.

Ausgestattet mit diesem Grundwissen spaziert man nun zum nächsten Kletterfelsen und nimmt ihn unter die Lupe. Die Vielfalt der geologischen Prozesse ist genauso groß wie die Vielfalt der Gesteine, die uns umgeben. Jedoch gibt es einige, die sich als besonders kletterbar herausgestellt haben und teilweise auch fast vor der Haustüre stehen.

Die verschiedenen Felsarten

Sandstein – der mit der guten Reibung (Sediment)

Boulderer, die schon mal in Fontainebleau waren, erinnern sich sicher an den besonderen Felsen. Ebenso trifft man ihn in der sächsischen Schweiz und in der Pfalz. Sandstein besteht aus Ablagerungen von Quarzsand, der sich unter Druck zu Schichten verfestigt hat. Durch jahrzehntelange Erosion wurden die Steine wieder freigelegt. Die Zusammensetzung des Sandsteins hängt von seinem Ablagerungsort als auch vom Herkunftsort des Gesteins ab.

Durch den Transport in Flüssen weist Sandstein meistens eine Schrägschichtung auf. Er lockt mit guter Reibung und ungewöhnlichen Formen, wie Waben und Slopern, jedoch sollte man ihn nie bei Nässe oder mit dreckigen Schuhen klettern. Durch tonisches Bindemittel ist Sandstein besonders weich und zerbricht bei äußeren Einflüssen relativ schnell. Das erklärt auch die strengen Kletterregeln in Fontainebleau und dem Elbsandstein. Auch im Bezug auf Chalk und Sicherungsmaterial sollte man sich an die örtlichen Regeln halten, um den Felsen zu bewahren.

Konglomerat – der mit den coolen Formen (Sediment)

Unauffällig geht anders. Konglomerat fällt sofort ins Auge. Mit seinen großen Steinen schreit er förmlich danach beklettert zu werden. Man trifft ihn in der Eifel aber auch in Riglos (Spanien). Rund geschliffenen Steine wurden von Flüssen und Gletscherabflüssen zusammengetragen und riesige Ablagerungen entstanden. Diese wurden von weiteren Schichten überdeckt und über Jahrhunderte zusammengepresst.

Unter Druck und mit Hilfe chemischer Bindemittel entstand diese Formation. Dank Erosion ist der Fels heute kletterbar. Das Klettern erweist sich dort meist als sehr anstrengend, da Sloper und große Kiesel als Griffe dienen und kaum Reibung herrscht. Konglomerat wird zudem durch die glatte Oberfläche der eingeschlossenen Steine schnell speckig.

Dolomit und Kalk – die aus dem Meer (Sediment)

In unseren Breiten ist Kalk und Dolomit die häufigste Gesteinsart. In den südlichen Kalkalpen, im nördlichen Frankenjura und in den Dolomiten sind sie zu finden, aber auch in Frankreich und im Donautal. Beide bestehen aus marinen Ablagerungen. Während beim Dolomit Magnesiumcarbonat eingelagert wurde, besteht Kalk aus kristallinem Calzit.

Durch Erosion sind beide Gesteine stark strukturiert und bilden die unterschiedlichsten Griffformen, wie Löcher, Henkel und Leisten. Dolomit neigt zu einer größeren löchrigen Verwitterung und ist daher noch besser zum Klettern geeignet als Kalk. Die Kletterei ist hier vorwiegend fingerlastig und vor allem an Sintern kräftig und athletisch. Als Sicherungspunkte werden häufig die entstandenen Sanduhren verwendet.

Tuff – der für Sportkletterer (magmatisch)

Teneriffa und Gran Canaria beherbergen im Vergleich zu unseren Breiten mehr Tuffgestein. Noch bekannter unter Kletterern sind allerdings die Smith Rocks in Oregon, die die Klettergeschichte prägten. Charakteristisch für Tuff ist raues Gestein mit vielen kleinen und größeren Löchern, die sich perfekt als Tritte und Griffe eignen. Entstanden ist dieses Gestein durch vulkanische Aktivität. Vulkane spucken nicht nur Lava aus, sondern auch Gase, die die Lava in feinstes Material zerstäubt. Neben feinen Aschen können auch kleinere Gesteinsbruchstücke und größere glasige Brocken abgelagert werden.  Aus den verdichteten vulkanischen Aschen entsteht schlussendlich Tuff, der sich bestens für Sportkletterer eignet.

Basalt – der König der Säulen (magmatisch)

Basaltgestein trifft man hauptsächlich in Ettringen und in der Rhön, weltberühmt ist auch der Devil’s Tower in Wyoming. Sie ist die häufigste magmatische Gesteinsform der Welt und Unterlagerung aller Meeresböden. Durch schnelle Abkühlung an der Oberfläche fällt Basalt Feinkristallin aus und ist relativ dunkel gefärbt. Charakteristisch sind die meist hexagonalen, senkrechten Pfeilen, zwischen denen sich Risse bilden. Auch Verschneidungen sind typisch für Basalt. Einziges Manko ist, dass man die Rissstrukturen nicht optimal absichern kann, da sie meist geschlossen sind.

Granit – der aus der alpinen Welt (magmatisch)

Fährt man in den Schwarzwald, ins Harz oder ins Fichtelgebirge hat man Granit unter den Fingern. Er bildet auch die eindrucksvollsten Berggruppen der Alpen wie den Mont Blanc oder das Bergell-Massiv. Granit ist ein in der Tiefe erstarrtes Magma, dass angehoben und durch Erosion freigelegt wurde. Charakteristisch sind die mit dem bloßen Auge erkennbaren Kristalle aus Quarz, Felsspat und Glimmer. Diese sorgen auch für die sehr raue Oberfläche. Es winken zahlreiche massive Risse zum Klettern, die sich, anders als bei Basalt, bestens mobil absichern lassen.

Gneis – der Bruder vom Granit (metamorph)

Sobald man auf Granit trifft ist auch Gneis nicht weit. Im Ötztal, Zillertal aber auch im Tessin und im bayrischen Wald trifft man vermehrt auf den Bruder des Granits. Gneis ist ein metamorphes Gestein, das sich aus Granit oder auch Sandstein bilden kann. Durch hohen Druck verformte sich das Ausgangsgestein zu Gneis, der Bänderungen mit hellen und dunklen Lagen aufweist, weil sich bei der Metamorphose die hellen von den dunklen Bestandteilen trennen. Die starke Bänderung sorgt mit der Erosion dafür, dass sich viel mehr positive Griffe und Tritte bilden als beim Granit. Das geht aber auf Kosten der Reibung. Risse sind im Gneis zwar vorhanden, aber weniger ausgeprägt als im Granit. So gestaltet sich das Klettern und auch das Absichern hier als anspruchsvoller.

Quarzit – der Bruder vom Sandstein (metamorph)

In unseren Breiten ist Quarzit eher selten, dafür findet man ihn aber im Durance-Tal bei Briancon. Ähnlich wie beim Gneis geht der Quarzit aus einer Metamorphose hervor. Er entstand durch die Umwandlung von sehr quarzreichem Sandstein und ist ein helles und vor allem hartes Gestein. Zudem weist Quarzit keine Schieferung auf, ist aber im Gegensatz zum Sandstein viel stabiler und weniger anfällig für Erosion durch Kletterer. Oft wird aber auch Sandstein mit Quarzit verwechselt. Wenn dessen Poren mit Kieselsäure gefüllt und verhärtet sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Dass der Steinexkurs nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Gesteine auf dieser Welt umfasst, versteht sich von selbst. Und was man nun mit dem gesammelten Wissen anfängt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Aber ist es nicht irgendwie cool, wenn man nicht nur die Wand hochläuft, sondern auch ein wenig Background- Informationen hat? Spätestens bei der Entscheidung wo der nächste Klettertrip hingehen soll und welches Material mit muss, ist es durchaus hilfreich zu wissen, ob man nun die gemütlichen Schlappen mitnehmen soll oder doch die aggressiven Latschen mit Downturn. Eines ist sicher, zu viel gewusst hat man wohl noch nie!

Die neun größten Outdoor Mythen

24. Oktober 2019
Tipps und Tricks

Outdoor Mythos Nummer 1

Karte und Kompass sind dank GPS und Smartphone überflüssig.

Am unzuverlässigsten erweist sich im Vergleich zwischen GPS Gerät, Kombination aus Kompass und Karte und Smartphone, das Smartphone. Fehlendes Datennetz, schlechte Verbindung zum Satelliten und sehr begrenzte Akku-Laufzeit – wer sich beim Wandern und Bergwandern auf sein mobiles Telefon verlässt, könnte früher oder später orientierungslos im Wald stehen.

Was im Großstadtdschungel oft sehr hilfreich ist und meist auch gut funktioniert, entpuppt sich im Gebirge, im Wald, in abgelegenen Regionen und schmalen Tälern oft als schlichtweg nutzlos. Etwas besser schlagen sich hier reine GPS Geräte. Empfang und Akkuleistung sind deutlich besser, aber auch hier gilt: wer sich nur auf den elektronischen Helfer verlässt, schaut vielleicht irgendwann ratlos auf einen dunklen Bildschirm. Zumindest als Ergänzung gehören daher bei jeder größeren Wanderung eine passende Wanderkarte und ein Kompass ins Gepäck. Den Umgang damit sollte man am besten vorher üben, bevor der Akku im GPS Gerät den Geist aufgegeben hat.

Outdoor Mythos Nummer 2

Dank meiner atmungsaktiven Regenjacke bleibe ich beim Wandern immer trocken.

Funktionelle Hardshelljacken sind nicht nur wasserdicht und windundurchlässig, sondern auch atmungsaktiv. Das unterscheidet die Regenjacken beispielsweise vom gummierten „Ölzeug“, das Fischer, Angler und Seefahrer bei rauer See meistens tragen. Die Atmungsaktivität der Outdoorjacken wird durch mikroporöse Membrane, wie zum Beispiel Gore-Tex und Co. ermöglicht.

Sie verfügen über winzige Öffnungen, die den Wasserdampf nach außen entweichen lassen, während selbst die kleinsten Wassertropfen noch immer viel zu groß sind, um nach innen zu gelangen. Zwei Faktoren begrenzen jedoch leider die Atmungsaktivität der Membrane. Zum ersten benötigen die Membrane ein gewisses Temperaturgefälle, um optimal zu funktionieren. Das bedeutet, bei tropischen Temperaturen funktioniert das „Dampf ablassen“ durch die Mikroporen nicht mehr, denn der Temperaturunterschied zwischen „in der Jacke“ und Außentemperatur ist zu niedrig.

Zum anderen können Wanderer bei anstrengenden Wanderungen deutlich mehr schwitzen, als die Regenjacke im besten Fall nach außen abgeben kann. Obwohl kein Regen von außen eindringt, feuchtet man so langsam von innen durch. Verhindern lässt sich das zwar nie komplett (außer man bewegt sich nicht), aber funktionelle Zwischenschichten, die den Schweiß gut weiterleiten und schnell trocknen, machen das Wandern mit Regenjacke trotzdem um einiges angenehmer.

Outdoor Mythos Nummer 3

Im Winter muss man nicht so viel trinken, denn man schwitzt ja auch weniger.

Bei anstrengenden Wanderungen, Bergwanderungen und Kletterpartien kommen Wanderer und Bergsportler auch im Winter ins Schwitzen. Die Menge an Flüssigkeit, die der Körper dabei verliert, ist zwar von Person zu Person verschieden und sie kann auch unter der Menge liegen, die man bei gleicher Aktivität an einem sehr heißen Sommertag verlieren würde. Allerdings erfolgt das Schwitzen im Winter eher unauffällig.

Während der Schweiß im Sommer vom Gesicht tropft, schwitzen Sportler im Winter vor allem unter der Bekleidung: unter der Jacke, unter der Mütze und in den Handschuhen. Gleichzeitig verliert der Körper durch die Atmung in der zumeist trockenen Winterluft besonders viel Flüssigkeit. Trotzdem sinkt im Winter bei vielen Menschen das subjektive Durstgefühl. Deshalb gilt es im Winter etwa die gleiche Menge zu trinken, wie bei wärmeren Temperaturen. Normalerweise sollten sich Bergsportler dabei nach ihrem individuellen Durst richten. Falls man jedoch dazu neigt im Winter eher keinen Durst zu verspüren, können beispielsweise entsprechende Apps dezent ans Trinken erinnern. Isolierende Flaschen oder isolierte Trinksysteme sind dabei ein Muss, denn sonst wird aus der Trinkflasche schnell ein großer Eiswürfel.

Outdoor Mythos Nummer 4

Ab 1000 Meter Höhe duzen sich alle Wanderer.

Was sich im englischsprachigen Raum und in internationalen Expeditionen aufgrund des fehlenden „Sie“ in der englischen Sprache automatisch ergibt, stellt Wanderer, und Bergwanderer im deutschsprachigen Raum immer wieder vor die Frage: Soll ich „Siezen“? Darf ich „Duzen“? Sollte ich vielleicht sogar „duzen“? In diesem Zusammenhang liest man manchmal vor der 1000 Meter Regel.

Sie besagt, dass alle Wanderer ab etwa 1000 Meter Höhe zum lockeren „Du“ übergehen. Grundsätzlich und allgemein gültig ist diese Regel allerdings nicht. Viele Orte in den Alpen liegen bereits auf einer Höhe über 1000 Meter und auch auf einer wesentlich höheren Berghütte ist es nicht unbedingt angebracht jeden Wanderer wahllos zu duzen.

Vielmehr ist die „Regel“ eine situationsabhängige Empfehlung. Wenn Wanderer sich auf einem schmalen Bergweg begegnen, freundlich grüßen und beispielsweise kurz über Wegbeschaffenheit oder Wetter unterhalten, dann kann ein lockeres „Du“ durchaus angebracht sein. Dafür spielt es aber keine Rolle, ob man sich auf 300 Meter oder 3000 Meter über dem Meeresspiegel befindet. (Ja, es gibt auch Wanderwege im Mittelgebirge, im Flachland und an den Küsten.)

Fakt ist aber, dass viele Wanderer sich in abgelegeneren Regionen (egal, ob durch Höhe oder durch andere Faktoren bedingt) eher grüßen, schneller ins Gespräch kommen und auch häufiger direkt zum „Du“ greifen. Da hilft es jedoch nur, die Situation passend einzuschätzen und nicht der Blick auf den Höhenmesser.

Outdoor Mythos Nummer 5

Ein Zwei-Personen-Zelt bietet genügend Platz für zwei Personen.

Wenn Zelthersteller ihre Empfehlungen für die Anzahl der Personen im Zelt aussprechen, gehen sie recht simpel vor: Sie nehmen ihren Zelt-Grundriss und ihren Mumienschlafsack in Standardlänge und Standardbreite. Dann wird getestet wie oft dieser standardisierte Schläfer auf den Zeltboden passt und heraus kommt die theoretische Personenzahl.

Dass es auch größere Menschen, breitere Camper, Menschen, die sich im Zelt etwas bewegen möchten und dass es dazu auch noch Gepäck gibt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nur teilweise. Wenn das Zelt also für zwei Personen Platz bietet, dann passen schon auch zwei Personen rein. Im Regen übernachten, muss also keiner von den beiden.

Wirklich gut und komfortabel schlafen aber beide höchstwahrscheinlich nicht. Für Trekkingtouren und alle, die auf das Zeltgewicht achten müssen, ist es daher ratsam, das Zelt immer eine Nummer größer zu wählen. Für zwei Personen also lieber ein Drei-Personen-Zelt und für drei Personen eher ein Vier- oder sogar Fünf-Personen-Zelt. Da kann sich jeder Zeltbewohner auch noch bequem umdrehen und das Gepäck findet leichter seinen Platz. Wenn Zeltgewicht und Maße nicht so wichtig sind, wird ein mit zwei Personen besetztes 4-Personenzelt zum echten Raumwunder beim Camping.

Outdoor Mythos Nummer 6

Ein bequemes T-Shirt aus Baumwolle ist optimal für Wanderungen.

Zugegeben – man kann in einem T-Shirt aus Baumwolle sicher gut wandern. Es hat zwar keine Vorteile und sicher auch einige Nachteile – aber es geht schon. Nur gibt es wesentlich bessere Arten von Wanderbekleidung, die erfahrene Wanderer und Bergsportler unter dem Begriff „Funktionsbekleidung“ kennen.

Auch ein T-Shirt aus Baumwolle hat funktionelle Grundzüge: man muss nicht mit unbekleidetem Oberkörper wandern, ist etwas vor Scheuerstellen durch die Rucksackträger geschützt und wenn man das richtige T-Shirt ausgewählt hat, sieht man beim Wandern vielleicht sogar ganz cool aus. Wenn da nur nicht diese Nässe wäre.

Das Problem der Baumwolle ist nämlich, dass sie den Schweiß, der beim Wandern am Körper entsteht, wie ein Schwamm aufsaugt und am liebsten gar nicht mehr loswerden möchte. Das führt in der Regel zu einem klatschnassen Rücken, denn trotz aller Belüftungsversprechen der Rucksackhersteller wird es unter dem Wanderrucksack nun mal warm am Rücken.

Falls dann noch ein Regenschauer kommt oder das T-Shirt unter der Hardshelljacke getragen wird, ist es endgültig vorbei mit „trocken“ und „komfortabel“. Die clevere Alternative ist dagegen Kunstfaser, wie Polyester oder Polyamid. Oft mit etwas stretchfähigem Elasthan ergänzt, sorgen die Funktionsshirts für schnellen Feuchtigkeitsaustausch und sind in kürzester Zeit wieder komplett trocken.

Dabei sind Gewicht und Packmaß viel geringer, als bei Baumwolle. Einziges Manko der Funktionsshirts aus Kunstfaser ist, dass sie beim Wandern oft schnell zu müffeln anfangen. Dagegen helfen entweder spezielle geruchshemmende Fasern oder der Griff zu Wandershirts aus Merinowolle. Die trocknen zwar etwas langsamer, aber dafür tragen sie sich auch nach mehreren anstrengenden Wandertagen immer noch sehr komfortabel und frisch.

Outdoor Mythos Nummer 7

Die Temperaturangaben bei Schlafsäcken sind absolut präzise und allgemeingültig.

Daunenschlafsäcke und Kunstfaserschlafsäcke sind mit drei Temperaturangaben gekennzeichnet. Die Komfortzone, das Temperaturlimit und zusätzlich noch die Extremtemperatur. Als Komforttemperatur wird die Temperatur angesehen, bei der eine Frau im Schlafsack komfortabel und ohne zu frieren schläft. Die Limitangabe stellt im Grunde den gleichen Wert für Männer dar.

Die Extremtemperatur dient als Orientierung, bei welcher Temperatur man im Notfall noch ohne Erfrierungen die Nacht übersteht. Dazu kommen allerdings viele Faktoren, die nicht auf dem Schlafsack angegeben werden. Das individuelle Kälteempfinden, die Isomatte, das Zelt, der Lagerplatz

Im Allgemeinen frieren gut trainierte Sportler aufgrund ihrer höheren Muskelmasse weniger als normale Camper. Frauen frieren schneller als Männer. Ältere Menschen frieren eher als jüngere Menschen. Dünnere Camper produzieren weniger Wärme als dickere Schläfer. Hinzu kommen noch eine mehr oder weniger gute Passform der Schlafsäcke, die richtige Lagerung und Pflege, sowie die ideale Bekleidung zum Schlafen im Schlafsack.

Zwischen all diesen Kriterien befindet sich die individuell „echte“ Komforttemperatur. Zur Einordnung und zur Vergleichbarkeit eignen sich die Temperaturkennzeichnungen allerdings ziemlich gut. Im Zweifelsfall ist es auch immer einfacher einen wärmeren Schlafsack zu öffnen und zu belüften, als einen dünnen Schlafsack wärmer zu machen.

Outdoor Mythos Nummer 8

Im Notfall hilft mir mein Erste-Hilfe-Set.

Ein Erste-Hilfe-Set zum Wandern und Bergsteigen mitzuführen ist grundsätzlich schon mal gut. Allerdings hilft das Set auch nicht in jeder Situation, denn es enthält meist „nur“ eine Auswahl an Verbandsmaterial. Es ist leider davon auszugehen, dass viele Bergsportler den Inhalt ihres Erste-Hilfe-Sets zum ersten Mal sehen, wenn sich jemand verletzt hat.

Da bleibt nur zu hoffen, dass in diesem Fall nur ein Pflaster benötigt wird. Wer ein Erste-Hilfe-Set im Rucksack mit sich trägt, hat davon am meisten, wenn er sich auch das nötige Wissen aneignet, um das Maximum aus dem Set-Inhalt herauszuholen. Wie lege ich einen Verband an? Was mache ich bei einer Verbrennung? Einer Schnittwunde? Wie kann ich erste Hilfe leisten, wenn jemand gestürzt ist? Wer sich vor einer Tour mit solchen Fragen auseinandersetzt und im besten Fall vielleicht sogar einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischt, hat die optimalen Voraussetzungen, um im Ernstfall mit dem Set auch Erste Hilfe leisten zu können.

Outdoor Mythos Nummer 9

Meine Banane verrottet in der Natur, deshalb kann ich sie beim Wandern einfach wegwerfen.

Im Vergleich zu einer Plastikflasche, die in den Bergen so schlappe 500 – 1000 Jahre zum Verrotten benötigt, zersetzt sich die achtlos weggeworfene Bananenschale tatsächlich schnell. „Nur“ 1 – 3 Jahre benötigt die Schale der tropischen Frucht dafür. Aber selbst, wenn sie nur 4 Wochen benötigen würde, wäre das noch lange kein Grund, sie einfach in den Bergen zu entsorgen.

Vielmehr gilt es einfach seinen kompletten Müll wieder mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Was sich im Fall der Plastikflasche zum Glück im Alpenraum sehr weit herumgesprochen hat, gilt bei Bananenschalen und Co. noch oft als akzeptabel. Das mag vielleicht daran liegen, dass viele Wanderer gar nicht wissen, dass es Jahre dauert, bis ihr Müll verrottet ist. Diesbezüglich darf man das Wissen seiner Mitwanderer auch gerne erweitern, denn viele Menschen, die sich dessen gar nicht bewusst waren, ändern danach ihre Gewohnheiten.

Vorbeugende Maßnahmen – Wie kann ich mich auf einen Ernstfall vorbereiten

19. November 2019
Tipps und Tricks

Wer gut vorbereitet ist, der hat es im Ernstfall leichter. Eine gute Vorbereitung zielt aber nicht nur darauf ab, das notwendige Equipment dabei zu haben, sondern auch zu wissen, wie man damit umgeht. Außerdem kann der Einsatz von Rettungskräften schnell hohe Kosten verursachen. Daher ist es auch ratsam, an die eigene finanzielle Absicherung zu denken. Wie man sich bereits im Vorfeld auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten kann, haben wir für euch einmal hier zusammengefasst.

Hier geht’s zu Teil 1: Was tun als Ersthelfer

Hier geht’s zu Teil 2: Was bei Sportverletzungen zutun ist

Erste-Hilfe-Ausrüstung – Der erste Weg zur Besserung

Eigentlich ist es ganz einfach: Haste nix dabei, kannste auch nix machen… Oder es wird zumindest sehr umständlich. Daher gehört eigentlich in jeden Kletter-, Skitouren- oder auch Trekkingrucksack ein gut ausgestattetes und geeignetes Erste-Hilfe-Set. Erste-Hilfe-Beutel dieser Art gibt es von den unterschiedlichsten Herstellern bereits fertig bestückt. Je nach Einsatzbereich und Packmaß fällt der Inhalt dabei selbstverständlich sehr unterschiedlich aus.

Worauf es also bei einer guten Erste-Hilfe-Ausrüstung ankommt und worauf man dabei achten sollte, dazu hat sich der Kollege Stephan in seinem Blogbeitrag „Rucksackapotheke für die Erste Hilfe“ einmal ein paar weiterführende Gedanken gemacht. Wer also genau wissen will, worauf es bei der Anschaffung eines neuen Erste-Hilfe-Beutels ankommt, der ist bei diesem Blogbeitrag genau richtig.

Doch auch wenn der Erste-Hilfe-Beutel gezielt ausgewählt wurde und optimal auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist, lohnt es sich ihm hin und wieder ein bisschen Liebe zukommen zu lassen. Denn gerade alte Verbandstaschen und -kästen leiden mit der Zeit erheblich, beziehungsweise deren Inhalt.

Gerade wenn das Material ständig im Rucksack umher getragen wird und mitunter starken Temperaturschwankungen ausgesetzt ist, kommt es unweigerlich zur Materialalterung. Heftpflaster kleben nicht mehr, Alkoholtupfer trocknen aus, Einmalhandschuhe werden porös und so weiter und so fort. Außerdem gibt es auch steriles Verbandsmaterial, das ein offizielles Ablaufdatum hat und danach eben nicht mehr steril ist. Kurz um: Selbst ohne Gebrauch lohnt es sich den Erste-Hilfe-Beutel ein- bis zweimal im Jahr einer kritischen Prüfung zu unterziehen und sofern notwendig einzelne Teile auszutauschen.

Wissen – Know-How für den Ernstfall

Wer gut vorbereitet sein will, der sollte außerdem wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Dazu gehört aber nicht nur das absolut verbindliche Lesen der ersten beiden Teile dieser kleinen Artikelserie, sondern vielmehr auch eine gute Erste-Hilfe-Schulung. Klar, die meisten von uns haben wahrscheinlich irgendwann einmal einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht und wenn es auch nur als „notwendiges Übel“ für den Führerschein war. Aber mal Hand aufs Herz: Wie lange ist das eigentlich schon her und was wisst ihr denn noch davon?

Also ich für meinen Teil kann mich gerade noch so daran erinnern, wo der Kurs damals stattgefunden hat und dass er mir unsagbar lästig war, weil ich mich so gefühlt habe, als hätte man mir den Samstag geklaut. Kurz und gut, es kann von Zeit zu Zeit durchaus hilfreich sein, die persönlichen Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Nahezu jede Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuz[1], aber auch die Johanniter[2], Malteser[3] oder der Arbeiter-Samariter-Bund[4] bieten hierzu geeignete Kurse an.

Je nach Kursmodell handelt es sich dabei oft um einen kompletten Tag oder mehrere Kursabende. Die Ausbildungen laufen in der Regel recht praxisorientiert ab, sodass man immer wieder die Chance bekommt selbst Hand anlegen zu können. Die Inhalte und Themenschwerpunkte werden so in angenehmer und kurzweiliger Form vermittelt. Neben der typischen Grundausbildung in Erster-Hilfe, die beispielsweise für den Führerschein notwendig ist, gibt es aber oft auch spezifischere Kurse, die Themen wie Erste-Hilfe beim Sport näher behandeln.

Wer nach einem Kurs sucht, der noch mehr auf das korrekte Verhalten bei Notfallsituationen am Berg oder in der freien Natur abzielt, kann sich aber beispielsweise auch bei der nahegelegenen DAV-Sektion über Fortbildungen dieser Art informieren. Darüber hinaus gibt es auch Veranstalter wie die Ortovox Safety Academy, die praxisnahe Kurse im alpinen Gelände anbieten. Egal, wofür man sich jedoch entscheidet, Hauptsache ist, dass man seine persönlichen Kenntnisse von Zeit zu Zeit auffrischt.

Versicherung – Wann zahlt die gesetzliche Krankenversicherung

Erste-Hilfe ist ja das eine, aber wer übernimmt eigentlich die Kosten beim Einsatz von Notarzt, Rettungswagen und Co? Tja, diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Verallgemeinernd kann man jedoch für Deutschland folgende Aussagen treffen. Rettungseinsätze werden in Deutschland von der Krankenversicherung übernommen, was dabei aber genau von der Kasse getragen wird hängt stark an der medizinischen Notwendigkeit.

Stürze ich also beispielsweise mit den Skiern und erleide eine schwere Kopfverletzung, kann es gut sein, dass ich nicht mit dem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus transportiert werde, sondern aufgrund der medizinischen Dringlichkeit mit dem Hubschrauber. In diesem Fall zahlt meine gesetzliche Krankenversicherung den gesamten Einsatz.

Stürze ich aber mit den Skiern einen Abhang hinunter und breche mir vielleicht nur das Bein, wäre ja aus medizinischer Sicht der Einsatz eines Hubschraubers nicht unbedingt notwendig. Denn ein gebrochenes Bein ist erst einmal nicht lebensbedrohlich. Nun kann es aber sein, dass der Ort, an dem ich mit dem gebrochenen Bein liege sehr unzugänglich ist, sodass die Rettungskräfte mit „normalen“ Mitteln nicht zu mir kommen können. Kommt dann beispielsweise ein Hubschrauber zum Einsatz um mich von diesem Ort wegzuholen, spricht man von einer Bergung. Bergungseinsätze werden von der Krankenkasse jedoch in der Regel nur anteilig bezahlt.

Das heißt, dass ich als Betroffener schnell eine stattliche Rechnung zu bezahlen habe. Diese Regelung gilt aber nur bei Unfällen in Deutschland und für Personen, die in Deutschland versichert sind. Wie die Kostenübernahme für das Ausland geregelt ist, hängt immer jeweils stark am Land, in dem sich der Unfall ereignet hat.

Versicherung – Kostenübernahme in der Realität

In den vergangenen beiden Wintern hat es sowohl mich, als auch meinen Freund beim Skifahren erwischt. Zuerst musste ich in der Schweiz genäht werden, im Jahr darauf, wurde meinem Freund die Schulter in Österreich wieder eingerenkt. Bei beiden Unfällen wurden wir nicht von der Bergrettung auf der Piste „aufgesammelt“ sondern sind noch selbst ins Tal gefahren und vor Ort zum Arzt gegangen. Da es sich dabei aber um Ausland, im Fall der Schweiz sogar um Nicht-EU-Ausland handelt, wurde unsere Deutsche Versicherungskarte vor Ort nicht akzeptiert. Wir mussten also in beiden Fällen in Vorkasse gehen. Mehrere hundert Euro waren da jeweils ganz schnell weg.

Kommt es hingegen zu einer Rettung mittels Hubschrauber und/oder Krankenhausaufenthalt im Ausland, sehen da die Kosten noch ganz anders aus. Da sind dann schnell Beträge von mehreren Tausend Euro fällig. Diese muss man selbstverständlich nicht gleich vor Ort in Bar auf den Tisch legen, jedoch bekommt man meist noch im Krankenhaus eine Rechnung überreicht. Bei einem Bekannten beliefen sich so die Kosten alleine für eine Hubschrauberrettung aus einer alpinen Klettertour in der Schweiz auf rund 7000 €.

Rechnungen dieser Art oder eben auch vorab bezahlte Beträge kann man bei der Krankenkasse und Zusatzversicherungen gelten machen. Ob man dabei tatsächlich den vollen Betrag erstattet bekommt oder zumindest teilweise auf den angefallenen Kosten sitzen bleibt, hängt dabei stark davon ab, wie man versichert ist. Auf die Krankenkasse alleine sollte man sich hierbei keinesfalls verlassen. Denn die trägt oft nur einen geringen Anteil. So hat meine Krankenversicherung von den Behandlungskosten die für meine genähte Wunde in der Schweiz angefallen sind, gerade einmal rund 14 % übernommen. Die restlichen Kosten konnte ich dann zum Glück bei meiner Unfallversicherung geltend machen.

Zusatzversicherungen – im Ernstfall gut für den Geldbeutel

Jeder, der also viel in den Bergen und/oder im Ausland unterwegs ist, sollte daher auf jeden Fall eine geeignete Unfall- oder Auslandskrankenversicherung abschließen.  Sich dabei durch den Tarifdschungel der unterschiedlichen Versicherungen zu arbeiten ist nicht einfach und braucht möglicherweise die Beratung durch einen Profi oder so einiges an eigener Recherche. Auch hängen die unterschiedlichen Tarife und Leistungen mitunter stark vom Beruf, dem Familienstand und den Versicherten Sportarten etc. ab. Zusätzlich bieten aber auch Vereine oder Verbände Versicherungen für ihre Mitglieder an. Wir haben einmal drei bekannte Vertreter herausgepickt und wollen euch diese kurz vorstellen:

  • Deutscher Alpenverein.[5] Wenns in Deutschland um Bergsport geht, ist der DAV ganz vorne mit dabei. Viele Kletterer und Bergsteiger sind dort ohnehin Mitglied. Oft, weil sie über den Verein zum Bergsport gefunden haben, manchmal auch nur weil es bei der nahe gelegenen Kletterhalle ermäßigten Eintritt gibt. Eine Mitgliedschaft beim Deutschen Alpenverein hat aber noch einen nicht ganz unerheblichen Vorteil: Für jedes Mitglied besteht durch die bloße Mitgliedschaft automatisch eine Versicherungsschutz für Bergunfälle, darunter fallen alle alpinistischen Aktivitäten sowie Ski, Langlauf und Snowboard. Der Versicherungsschutz gilt dabei weltweit bei Bergnot oder der Ausübung von Alpinsport, beispielsweise aber nicht bei Pauschalreisen außerhalb Europas (z.B. geführte Trekkingtouren), Wettkämpfen bei denen der DAV nicht der Veranstalter ist sowie bei Expeditionen. Außerdem können über den DAV weitere Zusatzversicherungen abgeschlossen werden.
  • Deutscher Skiverband[6]. Gerade für Ski- und Wintersportler bietet der DSV ein umfangreiches Angebot an Versicherungen. Doch auch Versicherungspakete, die das ganze Jahr über und außerhalb des Skisports gelten, sind hier erhältlich. Anders als beim DAV lassen sich so individuellere Versicherungspakete abschließen, die ebenfalls für eine gute Absicherung im Ernstfall sorgen. Gerade für Wintersportler dürften außerdem Optionen wie eine Sportgeräteversicherung bei Diebstahl oder Beschädigung interessant sein.
  • Deutsches Jugendherbergswerk.[7] Wer mit Bergsport nur wenig zu tun hat, dafür aber viel ins Ausland reist, der wird vielleicht auch beim DJH fündig. Denn für Mitglieder bietet das Deutsche Jugendherbergswerk sogenannte Reiseschutzbriefe an, die bei Krankheit oder Unfall im Ausland für die Kosten aufkommen. Auch hier gibt es unterschiedliche Pakete, die nach persönlichen Anforderungen gebucht werden können. In den Schutzbriefen sind außerdem in der Regel noch weitere Versicherungen wie eine Reisehaftpflichtversicherung oder Reisegepäckversicherung enthalten. 

Fazit

Eigentlich dreht sich dieser komplette Artikel, um Dinge, die man hoffentlich nie braucht. Dennoch: Um in einem Notfall überhaupt etwas tun zu können und nicht nur mit langem Gesicht und Schulterzucken da zu stehen, sollte man seine Erste-Hilfe-Kenntnisse in regelmäßigen Abständen immer mal wieder auffrischen. Das hilft im Ernstfall nicht nur dem Verletzten, sondern stützt auch das eigene Selbstbewusstsein, weil man einfach weiß was man zu tun und zu lassen hat.

Auch für ganz normale Hobbysportler wie du und ich macht es darüber hinaus absolut Sinn, das finanzielle Risiko im Falle eines Unfalls in einem realistischen Maß abzusichern. Je nach dem reicht hierzu schon eine Vereinsmitgliedschaft oder eben eine individuell zugeschnitten Versicherung. Denn gebrochene Knochen oder dergleichen sind schon Mist, aber wenn dann auch noch die Behandlung ein tiefes Loch in den Geldbeutel frisst wirds richtig unangenehm…

Übrigens: Falls ihr Lust habt, das Thema mal praktisch anzugehen, schaut mal in der Safety Academy von Ortovox vorbei!

[1] https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/kurse-im-ueberblick/rotkreuzkurs-erste-hilfe/

[2] https://www.johanniter.de/kurse/erste-hilfe-kurse/

[3] https://www.malteser.de/kursangebote/erste-hilfe.html

[4] https://www.asb.de/unsere-angebote/erste-hilfe

[5] ggf. verlinken: https://www.alpenverein.de/DAV-Services/Versicherungen/

[6] ggf. verlinken: https://www.ski-online.de/

[7] ggf. verlinken: https://www.jugendherberge.de/infoservice/reiseversicherungen/

Von A wie „Aua“ bis Z wie „zum Arzt gehen“ – was bei Sportverletzungen zu tun ist

19. November 2019
Tipps und Tricks

Kennt ihr das, man sitzt beim gemütlichen Bierchen mit Freunden, allesamt (Berg-)Sportler und irgendwann kommt einer auf das Thema Sportverletzungen? Stolz zeigt dann jemand seine schon leicht verblasste Narbe als Trophäe und erzählt eine wilde Story, wie es denn dazu kam. Klar hört sich das oft lustig an oder spannend oder heroisch oder oder oder…

Und meist leben diese Geschichten auch von einer kleinen Portion Übertreibung. Aber in ihrem Kern sind sie doch immer wahr und das Erstaunliche ist dabei, dass jeder in der Runde irgendeine Anekdote parat hat, in der er genäht, eingerenkt oder vergipst wurde. Das hört sich jetzt erst einmal krass an, zeigt mir aber auch gleichzeitig wie viel, beziehungsweise wie wenig wirklich Schlimmes beim Sport so passiert. Denn viele der Geschichten sind nicht nur Jahre alt, vielmehr haben sie in der Regel auch keine weiteren Beeinträchtigungen hinterlassen.

Hier geht’s zu Teil 1: Was tun als Ersthelfer

Sportverletzungen und Co. – Wie kann ich schnell und effektiv helfen?

Wer viel unterwegs ist, der wird das kennen: Kratzer, Schnittwunden oder auch ein umgeknickter Fuß, das gibt es schon einmal. Meist ist das auch keine große Sache und mit ein paar Heftpflastern oder einem Beutel Eis halbwegs gut versorgt. Die Rettung muss nicht unbedingt alarmiert werden, oft genügen der Griff in die Hausapotheke und sofern erforderlich der anschließende der Gang zum Arzt. In Teil Zwei unserer kleinen Erste-Hilfe-Serie geht es daher um alle Verletzungen, die auch ohne Notarzt und Rettungswagen gemeistert werden können. Der Artikel soll lediglich zur Sensibilisierung für das Thema Erste-Hilfe dienen. Er kann aber keineswegs einen entsprechenden Kurs beim Roten Kreuz oder vergleichbaren Organisationen ersetzen.

Wunden versorgen – so macht man es richtig

Zu den häufigsten Verletzungen überhaupt gehören Schnitt-, Schürf- und Platzwunden, Schrammen und Kratzer. Diese lassen sich in der Regel recht einfach versorgen. Dennoch wichtig: Wenn möglich sollte man als Ersthelfer Einmalhandschuhe tragen. Alternativ, kann man sich als Betroffener natürlich auch selbst „verarzten“.

Ist die Wunde stark verschmutzt (Erde, Sand etc.) sollte man sie zunächst einmal reinigen, hierzu eignet sich Leitungswasser bestens. Danach werden Wunden in der Regel desinfiziert (Desinfektionsmittel, Desinfektionstücher aus dem Erste-Hilfe-Beutel) und mit einer geeigneten Wundauflage versorgt, dies kann je nach Größe der Wunde ein einfaches Heftpflaster oder auch eine sterile Kompresse sein. Nicht jede Wunde erfordert gleich den Gang zum Arzt. Man sollte die betroffene Stelle und deren Heilung jedoch auch in den Tagen nach dem eigentlichen Unfall gut beobachten. Wird die Stelle rot oder heiß oder nässt die Wunde andauernd stark, braucht es auch hier definitiv nochmals professionelle Hilfe.

Bei Platz- und Schnittwunden kann es je nach Körperstelle auch zu starken Blutungen kommen. Diese sind meist nicht mit den üblichen Hausmitteln dauerhaft zu stillen und ziehen oft den Gang zum Nähen nach sich. Sofortmaßnahmen kann und muss aber auch hier jeder selbst ergreifen. Ein einfacher Druckverband reicht dabei in der Regel aus. Hierzu wir eine möglichst keimfreie Wundauflage direkt auf die Wunde gelegt und mit einer Binde zwei bis drei Mal umwickelt. Darauf kommt dann im Bereich der Wunde ein Druckpolster (z. B. eine noch eingepackte Binde). Dieses wird ebenfalls fest umwickelt und schon ist der Verband fertig.

Wenngleich die eigentliche Wunde vielleicht nicht tief ist, führt bei Schnittwunden, die beispielsweise durch verunreinigte Gegenstände wie Glasscherben, rostige Metallteile etc. zustande gekommen sind, der Weg definitiv zum Arzt. Auch Bisswunden und Kratzer, die durch Tiere entstanden sind, müssen aufgrund der Infektionsgefahr ebenfalls unbedingt nochmals professionell begutachtet werden. Brandwunden werden lediglich abgedeckt und leicht gekühlt, daraufhin führt der Gang direkt zum Arzt, Hausmittel sind hier nicht angesagt.

Knochenbrüche – wie man Schmerzen lindern kann

Die Erfahrung zeigt, ein Knochenbruch wird nicht selten erst beim Arzt erkannt. Steht der betroffene Körperteil nicht besonders seltsam ab oder handelt es sich um einen offenen Bruch, ist ein Knochenbruch oft nicht eindeutig zu erkennen. Wer hat auch schon ein mobiles Röntgengerät im Rucksack dabei. Dennoch gibt es ein paar Anzeichen, die auf einen Knochenbruch schließen lassen. Ist beispielsweise nach einem Sturz die Bewegung des Beins stark eingeschränkt kann es sich um einen Knochenbruch handeln, auch eine Schwellung, oder starke Schmerzen sind typische Symptome.

Aus diesem Grund sollten auch keine großartigen Bewegungsübungen oder dergleichen unternommen werden. Hat der Betroffene eine Schonhaltung gefunden, die für ihn halbwegs angenehm ist, sollte man ihn auch so belassen. Gerade bei gebrochenen Beinen kann auch ein Polstern und leichtes Unterstützen mit weichen Gegenständen dabei helfen, die Schmerzen ein wenig zu lindern. Hierzu eignen sich beispielsweise Decken, Handtücher, Pullover oder auch ein Schlafsack. Auch vorsichtiges Kühlen kann ebenfalls hilfreich sein. Keinesfalls sollte man als Laie versuchen den Knochenbruch einzurenken oder zu schienen. Hierdurch mach man in der Regel alles schlimmer, aber nichts besser.

Vorsicht: Bei einem Knochenbruch besteht immer auch die Gefahr eines Schocks. Zeigt der Betroffene also diesbezüglich deutliche Anzeichen ist es ratsam, einen Notruf abzusetzen. An einer ärztlichen Behandlung geht ohnehin kein Weg vorbei.

Bei Sportverletzungen – PECH-Regel

Zu den typischen Sportverletzungen zählen unter anderem Muskelzerrungen, gedehnte Bänder oder auch Prellungen. Verletzungen dieser Art führen in der Regel zu vergleichsweise starken Schmerzen und müssen schnellstmöglich erst-versorgt werden. Hierbei gilt die sogenannte PECH-Regel, also die Kombination aus „Pause“, „Eis“, „Compression“ und „Hochlagern“.

  • Der Sport ist für heute beendet. Wenn möglich sofort mit der Bewegung aufhören, die betroffene Körperstelle ruhigstellen und nicht unnötig bewegen.
  • Die Verletzung muss gekühlt werden. Dies kann mit einem geeigneten Kühlkissen erfolgen. Alternativ eignet sich aber auch alles, was irgendwie kühlt, vom Beutel Eiswürfel über ein feuchtes Handtuch bis hin zu Omas liebevoll eingefrorenen Himbeeren. Dabei nie Eisbeutel oder Kühlakkus direkt auf die Haut legen, sondern immer mit einem Handtuch oder ähnlichem umwickeln.
  • Schreibt man eigentlich mit K, aber hier geht es ja auch nicht um Rechtschreibung. Gemeint ist damit das Anlegen eines Druckverbands mit mäßiger Spannung. Keinesfalls sollte dieser zu eng sein, da ein Anschwellen des Körperteils trotz Verband und Kühlung möglich ist. Hierzu verwendet man idealerweise eine (elastische) Binde, muss improvisiert werden, tut es beispielsweise am Fußgelenk auch eine enge Socke.
  • Hierbei sollte das verletzte Körperteil immer so gelagert werden, dass er höher als das Herz liegt. Dadurch kann das Blut besser abfließen und Schwellungen und Schmerzen fallen deutlich geringer aus. Zum Unterlegen des Körperteils kann alles verwendet werden, was gerade da ist. Vom dicken Sofakissen über den Rucksack bis hin zum braven Hund, erlaubt ist was funktioniert. 

Wichtig fürs Gemüt – moralischer Beistand

Wer kennt das nicht, schmerzt es irgendwo besonders stark oder hat man sich offensichtlich verletzt geht die Stimmung merklich runter und alles ist gleich noch viel schlimmer. Ist man hingegen ein wenig abgelenkt oder hat man jemanden, der sich nett um einen kümmert, geht es gleich schon ein wenig besser. Einfach mal ein wenig zum Verletzten hinsitzen und mit ihm reden, das hilft schon. Wenn dann der Verletzte das erste mal wieder lacht oder selbst anfängt was zu erzählen ist er meist schon wieder auf dem Weg der (mentalen) Besserung.

Hierzu eine Geschichte aus meinem Leben: Ich habe mir letztes Jahr beim Skifahren bei einem Sturz den linken Ski ans rechte Knie geschlagen und so eine tiefe Schnittwunde zugezogen. Zunächst hatte ich das eigentliche Ausmaß gar nicht wahrgenommen und bin mit leichten Schmerzen noch bis zur Talstation des Lifts gefahren. Erst dort, bei genauerem Hinsehen wurde mir klar, dass ich wohl mehr als ein Pflaster brauchen werde. Mir wurde sofort sterbens schlecht und ich fühlte mich hundeelend. Mein Freund blieb zum Glück in dieser Situation vergleichsweise ruhig und begleitete mich ohne groß mit der Wimper zu zucken zur zufällig nahe gelegenen Erste-Hilfe-Station. Sofort kam ein Rettungssanitäter und hat mir nach kurzer Begutachtung einen Druckverband angelegt.

Dabei hat er mir außerdem sämtliche Geschichten erzählt, die ihm schon beim Bergsport passiert waren. Ein Druckverband ist nicht besonders angenehm. Aber aufgrund der lustigen (und vielleicht auch erfundenen) Geschichten vom Sani war das Verbinden ganz gut zu ertragen. Eine viertel Stunde und drei Gläser Wasser später, war ich dann wieder soweit auf den Beinen, dass ich immerhin ohne fremde Hilfe zum Arzt gehen konnte um die Wunde nähen zu lassen.

Abschließend

Beim Sport passieren immer mal wieder kleinere und größere Unfälle. Handelt es sich da „lediglich“ um einen verstauchten Fuß oder eine Schnittwunde im Finger ist das meist keine große Sache und man kann sich recht gut selbst behelfen. Wer hier ein bisschen weiß, was zu machen ist, kann schnell und einfach für Hilfe sorgen. Schlimmere Verletzungen wie Knochenbrüche oder ausgekugelte Schultern führen aber direkt zum Arzt.

Oft hilft es auch als Verletzter einmal in Ruhe in sich hineinzuhören. Will man beispielsweise dringend wissen, ob da auch wirklich nichts Schlimmeres passiert ist, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenngleich das vielleicht bei einer leichten Verletzung nicht immer notwendig ist. Frei nach dem Motto „morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, kann es aber auch nach einer Verletzung helfen erst einmal zur Ruhe zukommen und die Aufregung des Unfalls zu überwinden. Was in der jeweiligen Situation das Richtige ist, hängt daher immer auch stark von der persönlichen Verfassung und der tatsächlichen Verletzung ab.

Nun zu euch: Welche Story erzählt ihr beim Bierchen in lustiger Runde? Lasst uns doch mal eure Anekdote zum Thema Sportverletzung da.

Übrigens: Falls ihr Lust habt, das Thema mal praktisch anzugehen, schaut mal in der Safety Academy von Ortovox vorbei!

Die Ernährung beim Wandern und Bergsteigen

9. Oktober 2019
Tipps und Tricks

„Eat food. Not too much. Mostly plants“. Dieses Zitat des amerikanischen Food-Guru Michael Pollan kommt mir sofort in den Sinn, wenn ich mir die Frage stelle, wie denn die optimale Ernährung am Berg sein sollte. Eine „gute“ Ernährung wird in Bergsteigerkreisen häufig eher über Quantität als über Nahrung mit hoher Qualität definiert. Man braucht ja viele Kalorien, denn man macht ja auch viel. Fitnessexperten sprechen oft davon, dass die sportliche Leistung zu 60 Prozent aus unserer Nahrungsaufnahme und nur zu 40 Prozent aus reinem Training besteht.

Abgesehen von diesen Zahlen ist die richtige Ernährung beim Bergsport eine wichtige Komponente, die mit darüber entscheidet, wie unsere Bergtour verlaufen wird. Daher wollen wir uns heute die einzelnen Bestandteile der Ernährung beim Bergsport genauer ansehen, um die nächste Gipfelbesteigung zu einem vollen Erfolg werden zu lassen.

Die Bestandteile unserer Nahrung

Egal ob beim Frühstück vor der Tour, während der Pause auf der Hütte oder beim Gehen am Berg – die Lebensmittel bestehen aus drei Teilen, die gleichermaßen wichtig und relevant sind: Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette.

Kohlenhydrate

Beliebte Speisen wie Nudeln, Brot, Kartoffeln oder Reis bestehen zum Großteil aus Kohlenhydraten. Alle Kohlenhydrate liefern immer 4 Kalorien pro Gramm. Weiterhin zählen dazu stärkehaltige Gemüse und zuckerhaltige Lebensmittel wie Früchte, Limonade/Cola, Honig, Schokolade oder Kartoffelchips. Im menschlichen Verdauungstrakt werden alle Kohlenhydrate in Glukose zerlegt.

Glukose ist ein sogenannter Einfachzucker, der die Funktion des Gehirns, des zentralen Nervensystems und jegliche Art von Bewegung überhaupt erst ermöglicht. Viele Bergsportler verzehren gerne große Mengen an kohlenhydratreichen Mahlzeiten, weil diese satt machen und günstig zu haben sind. Leider liefern nicht alle Kohlenhydrate am Berg die gleiche Leistung für den Körper. Um zu unterscheiden können, welche denn nun die richtigen sind gilt es die KH in Gruppen zu unterteilen.

Zucker (Einfachzucker wie Glukose) sind vorrangig in Süßigkeiten, Softdrinks, verarbeiteten Lebensmitteln, Weißbrot und Kuchen zu finden. Ebenso enthalten manche gesunden Lebensmittel wie viele Früchte hauptsächlich Zucker als KH Komponente. Zuckerreiche Lebensmittel sind generell dafür bekannt, nach dem Verzehr für einen raschen Energieanstieg zu sorgen. Dafür sinkt die Leistung umso schneller wieder ab, nachdem die Kalorien vom Körper verbraucht worden sind. Stärkehaltige Lebensmittel (komplexe Kohlenhydrate) wie Gemüse, Kartoffeln, Pasta, Vollkornprodukte und Naturreis sorgen für ein langsamere Bereitstellung der benötigten Energie. Zucker verbrennt also schnell, Stärke langsamer.

Eiweiße

Kennen die meisten wahrscheinlich am ehesten vom Shake aus dem Fitnessstudio, den man zu sich nimmt, um die Muskeln beim Aufbau zu unterstützen. Abgesehen von Wasser sind Eiweiße die im Körper am häufigsten zu findenden Moleküle und geben unter anderem den Muskeln ihre Struktur. Wie die Kohlenhydrate liefern auch Eiweiße 4 Kalorien pro Gramm. Im Verdauungssystem werden die Proteine, wie die Eiweiße auch genannt werden, in Aminosäuren zerlegt.

Aminosäuren dienen dem Körper als Bausteine für neue Zellstrukturen und werden ebenso zur Reparatur beschädigter Zellen (wie dem berühmten Muskelkater) benutzt. Gleichzeitig werden die Aminosäuren für die Aufrechterhaltung des Immunsystems benötigt. Fleisch vom Rind oder Geflügel sind sehr eiweißreiche Lebensmittel und enthalten kaum Kohlenhydrate. Eier, Hartkäse, Nüsse, Avocados, Öle und vielen Saaten wie Sesam enthalten unterschiedliche Mengen an Kohlenhydraten, werden aber von Ernährungsexperten eher als fett- oder eiweißreiche Lebensmittel eingestuft.

Viele Bergsportler machen sie oft Sorgen, dass sie zu wenig Proteine aufnehmen. Daher setzen sie auf Supplemente wie eiweißreiche Drinks oder Riegel. Aktuelle Empfehlungen für Ausdauersportler sprechen von 1,2 bis 1,4 Gramm Eiweiß am Tag pro Kilogramm Körpermasse. Das ist fast das doppelte, was für „nichtaktive“ Menschen empfohlen wird.

Bei Ausdauersportarten wie dem Bergsteigen oder Wandern wird zwischen 5-10 Prozent der Energie aus Eiweißen gewonnen. Diese müssen dem Körper über die Nahrung wieder zugeführt werden. Ebenso wird Protein, wie weiter oben bereits beschrieben, zur Reparatur kaputter Muskelzellen benötigt. Auch wenn der Ausdauersportler im Vergleich zum Bodybuilder wenig bis keine Muskelmasse aufbaut, wird Eiweiß für die Erneuerung von Mitochondrien, Kapillaren, Nerven und anderen Zellen im Muskel gebraucht.

Fette

Auch wenn die Fette allgemein oft eher als schlecht und negativ beschrieben werden, sind sie für den Bergsport trotzdem essentiell. Es gibt vier verschiedene Arten von Fettsäuren: gesättigt, einfach ungesättigt, mehrfach ungesättigt und trans. Alle diese Fette liefern 9 Kalorien pro Gramm und daher deutlich mehr als Eiweiße oder Kohlenhydrate. Fett ist besonders bei langen Unternehmungen am Berg ein idealer Treibstoff, der besonders bei niedriger Intensität freigesetzt und vom Körper als Energiequelle genutzt wird.

Der Körper verfügt nämlich über besonders große Fettreserven. Ein durchschnittlich fitter Bergsteiger verfügt über ungefähr 2.000 Kalorien, die als Kohlenhydrate in der Leber und den Muskeln gespeichert sind. Zum Vergleich besitzt der gleiche Sportler 100.000 Kalorien als „Reserve“, die vor allem im Fett unter der Haut gespeichert sind. Zumindest in der Theorie wäre das genug Energie, um mehrmals den Mount Everest zu besteigen oder 20 Marathons zu laufen. Also macht es für alle Alpinisten absolut Sinn, diese Energiespeicher bei der nächsten Tour anzuzapfen. Um dies zu ermöglichen, bedarf es allerdings etwas Übung.

Durch regelmäßiges Training (Bergsteigen, Wandern, Trailrunning, Laufen, Radfahren, etc.) und eine ausgewogene Ernährung lernt der Körper, das gespeicherte Fett als Energiequelle zu nutzen und muss gleichzeitig weniger Proviant im Rucksack mitnehmen. Folgende zwei Faktoren sind ebenso ausschlaggebend: je länger die Bergtour andauert, desto mehr Fette werden genutzt. Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett kann als Energie bereitgestellt werden. Wenn sich die Intensität erhöht, verbrennt der Körper vorrangig Kohlenhydrate, da diese die Energie schneller bereitstellen als die Fette.

FettWorin enthalten?BeispielWarum wichtig?
GesättigtMilch, FleischRind, Schwein, Geflügel, Milch, Butter, Sahne, KokosnussölWerden zur Produktion bestimmter Hormone benötigt, allerdings sollte die Aufnahme begrenzt werden. Erhöhen den Cholesterinspiegel.
Einfach ungesättigtGemüse, NüsseOliven, Avocado, Haselnüsse, Erdnüsse, Mandeln, Pistazien, Olivenöl, ErdnussölDie meisten Kalorien, die über Fette aufgenommen werden, sollten aus dieser Gruppe stammen.
Mehrfach ungesättigtManche Nüsse, Fisch, bestimmte ÖleSalzwasserfische, Walnüsse, Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Leinsamenöl, LeinsamenGelten allgemein als gesundheitsfördernd und entzündungshemmend. Omega 3 und Omega 6 sind essentielle Fettsäuren, diese werden benötigt aber können nicht vom Körper selbst gebildet werden.
TransfettsäurenKleine Mengen in so gut wie allen LebensmittelnIn vielen verarbeiteten Lebensmitteln, Fast FoodTransfettsäuren gelten allgemein eher als schlecht und sorgen langfristig für gesundheitliche Probleme. Sie sorgen für einen Anstieg der Cholesterinwerte.

 

Die Funktion des Insulins

Der Verzehr von Lebensmitteln, besonders der von kohlenhydratreichen, löst im Körper die Produktion und Ausschüttung des Hormons Insulin an. Insulin steuert den Stoffwechsel der Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate. Bildlich kann man sich das Insulin als einen Schlüssel vorstellen, der die Zellen öffnet. Anschließend können die Zellen die freigesetzte Glukose aus dem Blut aufnehmen und für Energie sorgen.

Ebenso hat das Hormon einen anabolischen Effekt: es aktiviert die Bildung neuer Eiweißstrukturen, besonders die Reparatur und Herstellung der Muskelzellen. Gleichzeitig steuert das Insulin, wie viele Kohlenhydrate in den Muskeln oder der Leber gespeichert werden. Diese gespeicherte Form der Kohlenhydrate nennt man Glykogen. Bei der nächsten Gipfelbesteigung steht das Glykogen als Reserve zu Verfügung und kann bei Bedarf freigesetzt werden, um die Zellen mit Energie zu versorgen.

Kohlenhydratzufuhr, Insulin und die Fettverbrennung

Die Aufnahme von Kohlenhydraten vor dem Bergsport, auch schon in geringen Mengen, hemmt die Verbrennung von Fett, weil das Hormon Insulin im Körper freigesetzt wird. Besonders Lebensmittel mit vielen Einfachzuckern wie Süßigkeiten, Schokoriegel, Energiegels und Energieriegel, die vor oder während der Bergtour verzehrt werden, sorgen oft für einen raschen Abfall der Leistung beim Aufstieg.

Der Grund ist die Verdauung der Kohlenhydrate, bei der Insulin im Blut zirkuliert und ungefähr 30 Prozent der gespeicherten Fette daran hindert, in den Stoffwechsel zu gelangen. Hohe Intensität und die Ausschüttung von Adrenalin (Klettersteig, exponierter Weg, Höhenangst) hemmen die Insulinproduktion. Daher ist es besonders bei langen Bergtouren im niedrigen Pulsbereich ideal, vorher keinen Riegel oder ein Gel zu essen. Optimal ist ein kleiner Snack mit einer ausgewogenen Mischung aus Fetten und Kohlenhydraten, die langsamer freigesetzt werden und für eine länger anhaltende Leistung sorgen. Als Beispiel eine Scheibe Vollkornbrot mit etwas Butter.

Ideale Lebensmittel für die nächste Bergtour und das Frühstück am Morgen

Optimalerweise startet der Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, zwei bis vier Stunden vor der geplanten Tour. Direkt nach dem Frühstück den Berg hinauf zu gehen wie manchmal bei Hüttentouren praktiziert wird ist nicht ideal, weil das Verdauungssystem erstmal eine Weile beschäftigt ist und diese Energie dann nicht zum Bergsteigen zur Verfügung steht. Oft sind Übelkeit, Magenschmerzen und ein zu hoher Plus die Folgen eines zu raschen Aufbruchs nach der Nahrungsaufnahme.

Das Ziel des Frühstücks sollte sein, die Energiespeicher bis an den Rand aufzufüllen. Auch in der Nacht beim Schlafen verbrauchen wir Energie. Ein großes Frühstück besteht aus allen drei Komponenten (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße). Wenn man sich die Gesamtaufnahme der täglichen Kalorien ansieht, darf das Frühstück idealerweise 25% davon ausmachen. Ein Getränk sollte ebenso dabei sein (https://www.bergfreunde.de/fluessigkeitsbedarf-rechner/). Ein paar Empfehlungen für das Frühstück, die ebenso für die Pausen auf Tour gelten, sind in der folgenden Tabelle zu finden.

LebensmittelBeispiel
Getreideprodukte, BrotMüsliriegel (mit Nüssen, Getreide und Trockenfrüchten), Vollkornbrot oder Semmel, Müsli (mit frischem Obst, Trockenfrüchten oder Nüssen)
MilchprodukteMilch, Joghurt, Hartkäse
Obst und GemüseTomate, Gurke, Karotte, Kohlrabi, Apfel, Banane, frisches Obst wie Pfirsiche oder Erdbeeren saisonal
Fisch, Fleisch/WurstSchinken, Aufschnitt aus Putenbrust, Eier (hartgekocht für den Berg)
FetteButter, Margarine (sparsam verwenden)
GetränkeLeitungswasser, Mineralwasser, Kaffee, Tee

 

Abschließend noch einmal einige der wichtigsten Punkte:

  • Besonders bei Touren über zwei Stunden regelmäßig kleine Mengen essen, idealerweise an die 100 Kalorien pro Stunde auf Tour.
  • Je höher die Intensität, desto mehr Kohlenhydrate werden benötigt. Ebenso wird es schwerer zu essen und besonders zu kauen, wenn die Atmung schon fast am Maximum ist. Hier kann es helfen, Kalorien über ein Sportgetränk zuzuführen.
  • Je niedriger die Intensität, desto mehr Fett wird freigesetzt und verbrannt
  • Je länger die geplante Tour dauert, desto ausgewogener sollte die Zusammenstellung der Nahrung sein. Nur so erreicht man eine optimale Balance zwischen Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen.
  • Rechtzeitig vor der Tour frühstücken

Persönliche Erfahrungen von Alpinsportlern zur Ernährung während der Tour unterscheiden sich meist sehr stark. Im Zweifelsfall lieber individuelle Vorlieben berücksichtigen, die Bergtour soll ja nicht zu einer wissenschaftlichen Veranstaltung werden. Die Ernährung am Berg sollte sich also nicht sonderlich von der üblichen gewohnten Ernährung zu Hause unterscheiden. Wer noch nicht weiß, was er gerne isst und was gut funktioniert, kann ja nacheinander verschiedene Dinge ausprobieren. So findet bestimmt jeder seinen Lieblingsproviant für die nächste Wanderung, Trekkingtour oder einen hohen Gipfel in den Alpen.

Wandern in Bärenland – Vom Umgang mit Meister Petz

30. September 2019
Tipps und Tricks

Je nachdem in welchen Regionen Ihr Euer nächstes Trekkingabenteuer plant, kann es passieren, dass Ihr dabei auf Bären trefft. Dies gilt insbesondere für Touren in Nordamerika, aber auch in manchen europäischen Gegenden, wie den Karpaten oder der Hohen Tatra, sind teilweise beträchtliche Bärenpopulationen beheimatet.

Es ist also an der Zeit Euch einmal einige Tipps und Verhaltensmaßregeln an die Hand zu geben, wenn es um den Umgang mit diesen imposanten Tieren geht. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf Schwarzbären und Grizzlies, einige Grundregeln gelten aber auch für andere Arten.

Die Nahrung richtig aufbewahren

Eine der wichtigsten Maßnahmen beim Thema Bären betrifft das Essen. Es ist zentral, dass die Tiere nicht in Euer Nachtlager kommen. Denn Bären sind in allererster Linie an Eurem Essen interessiert, nicht an Euch und haben zudem einen exzellenten Geruchssinn. Assoziieren Bären einmal Menschen mit der Möglichkeit an Nahrung zu kommen, können sie gefährlich werden und zwar sowohl für Euch als auch für sich selbst. Denn solche „Problembären“ werden dann in aller Regel erschossen. Es versteht sich von selbst, dass Ihr deshalb bitte niemals Bären füttert.

Die erste Regel ist demnach, das so genannte „Bearmuda Triangle“. Das bedeutet, dass Ihr Euer Essen nicht direkt am Zeltplatz zubereitet und noch einmal an einem anderen Ort aufbewahrt. Diese drei Punkte sollten jeweils ca. 100 Meter voneinander entfernt sein. Die beiden Stellen, an denen Ihr kocht und das Essen aufbewahrt, sollten sich außerdem nicht in der Windrichtung des Schlafplatzes befinden.

Für die Essensaufbewahrung selbst gibt es im Grunde zwei Möglichkeiten. Eine davon ist, Euer Essen und mit dem Essen das Kochgeschirr und alle Hygieneartikel wie Zahnpasta etc, an einem Ast aufzuhängen. Hier muss Euer Aufbewahrungsbeutel dann mindestens 4,50 Meter über dem Boden hängen und zwei Meter vom Baumstamm entfernt sein, denn Bären sind auch ausgezeichnete Kletterer.

Die zweite Möglichkeit bieten bärensichere Aufbewahrungsbehälter. Diese gibt es entweder von Ursack aus kugelsicherem UHMWP-Material oder als Kanister aus einem speziellen Hartplastik. Ersteres muss immer noch mit einem geruchssicheren Innenbeutel, einem OpSak, kombiniert werden, ist aber die deutlich leichtere und besser verstaubare Variante. Den Ursack bindet Ihr dann gut verschlossen mit einem Achterknoten an einen Ast. In Nordamerika müsst Ihr hier bitte unbedingt die jeweiligen Nationalparkbehörden oder Polizeidienststellen kontaktieren und erfragen, welche Form der Essensaufbewahrung vorgeschrieben ist. Dies variiert nämlich stark, im Yosemite-Nationalpark sind beispielsweise nur die bärensicheren Kanister zugelassen, nicht aber die Ursacks. In einigen der großen amerikanischen und kanadischen Nationalparks gibt es zudem auch fest installierte Aufbewahrungsbehälter, wenn diese vorhanden sind, empfiehlt es sich natürlich auch diese zu nutzen.

Ein Bär in Sichtweite – Was jetzt?

Im Grunde solltet ihr zunächst versuchen eine Begegnung mit einem Bären grundsätzlich zu vermeiden, auch wenn die Sichtung in freier Wildbahn zweifellos auch ein beeindruckendes Erlebnis ist. Denn wie erwähnt wollen Bären mit Menschen eigentlich nichts zu tun haben. Deshalb ist es wichtig laut zu sein. Redet oder singt ab und zu, um Bären zu signalisieren, dass ihr da seid. Das gilt besonders, wenn Ihr Euch Wasserstellen nähert, oder Ihr Bärendung und/oder Pfotenabdrücke auf dem Weg seht. In den Regionen Nordamerikas, in denen Grizzlies beheimatet sind, empfiehlt es sich zudem in einer kleinen Gruppe unterwegs zu sein und Wandern in den frühen Morgenstunden oder der Dämmerung zu vermeiden, da sind die Tiere nämlich am Aktivsten.

Nicht immer lässt sich aber eine Begegnung vermeiden. In diesem Fall ist die erste Regel Ruhe zu bewahren und auf gar keinen Fall wegzurennen. Ihr würdet einem Bären niemals entkommen und das Wegrennen würde zudem den Jagdinstinkt wecken. Macht Euch groß, breitet die Arme aus und schreit, dreht dem Bären keinesfalls den Rücken zu. Schaut den Bären an, aber nicht direkt in die Augen. Dies können Bären als aggressives Verhalten wahrnehmen. In aller Regel wird der Bär von selbst wieder das Weite suchen, das war bei allen meinen bisherigen Begegnungen so.

Wenn ein Bär direkt auf dem Weg steht, könnt ihr einfach langsam zur Seite treten, gebt dem Tier Raum wegzulaufen.

Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ein Bär trotzdem angreift gibt es jetzt unterschiedliche Vorgehensweisen, je nachdem, ob Euch ein Schwarzbär oder ein Grizzly attackiert. Ihr könnt die beiden Arten relativ einfach unterscheiden. Ein Grizzly ist in der Regel größer, hat einen leichten Buckel hinter dem Kopf und die Ohren sind rundlich. Die Fellfarbe kann hingegen täuschen, je nach Region haben auch Schwarzbären ein braunes Fell.

Einen Bärenangriff überstehen

Wenn ein Schwarzbär Euch angreift, dann gilt es sich zu wehren. Eine MöglichkeWait dazu sind Bärensprays. Diese gelten als sehr effektiv. Achtet darauf das Bärenspray, wenn Ihr das mit Euch führt, irgendwo griffbereit zu haben. Den ersten Sprühstoß könnt ihr aber erst ausführen, wenn der Bär ca. 18 Meter von euch entfernt ist, sonst verpufft die Wirkung vorher. Hier also versuchen die Nerven zu bewahren 😉

Bärenspray ist aber zumindest in den USA auch nicht überall erlaubt, deshalb hier vorher mit den örtlichen Behörden checken. In solchen Regionen wird dann empfohlen mit den Trekkingstöcken auf die Nase und die Augen des Bären zu zielen, da dies die empfindlichsten Stellen sind.

Bei einem Grizzlyangriff gelten – vorbehaltlich das Bärenspray war nicht dabei oder hat versagt – andere Regeln. Wenn ein Grizzly Euch angreift, weil er überrascht oder erschreckt wurde, dann empfehlen Bärenexperten sich tot zu stellen. Legt Euch mit ausgespreizten Beinen und dem Rucksack auf dem Rücken auf den Bauch und verschränkt die Arme im Nacken. Mit etwas Glück lässt der Grizzly bald ab und verliert das Interesse. Bleibt aber solange liegen, bis der Bär wirklich weg ist und versucht erst dann Hilfe zu finden. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Grizzly Menschen als Beute wahrnimmt. Dies stellt Ihr fest, wenn das Tier Euch verfolgt oder nachts im Zelt angreift. Dann solltet Ihr wie beim Schwarzbär agieren und um Euer Leben kämpfen.

Ich hoffe jetzt natürlich, ich habe Euch nicht vor Trekkingtouren in Bärengebieten abgeschreckt 😉 Angriffe von Bären auf Menschen sind sehr selten und es ist viel wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen zu werden, als von einem Bären angegriffen zu werden. Wenn Ihr Euch an die obigen Regeln, insbesondere beim Thema Essen, haltet, dann spricht rein gar nichts gegen Wanderungen in Bärenland.

Wenn Ihr zu dem Thema noch Fragen habt, dann Feuer frei in den Kommentaren.

Irrungen und Wirrungen: Wegmarkierung in europäischen Gebirgen

19. September 2019
Tipps und Tricks

Markierungen sollen verhindern, dass man sich verirrt. Mir persönlich sind zwei Arten des Sich-Verirrens bekannt: Die eine nenne ich mal die Schwarzwälder Art, die andere die Patagonische Art.

Verirren auf die Schwarzwälder Art bedeutet, dass man im Gewirr aus Forstwegen, Wanderpfaden, Biketrails, weg-artigen Schneisen und sprichwörtlichen Holzwegen die Orientierung verliert. Und die Klarheit auch an der nächsten Kreuzung mit ihrem halben Dutzend Abzweigungen und den an einen Verkehrsübungsplatz erinnernden Schilderwald nicht zurückkehrt. Das Ganze ist aber selten ein ernstes Problem, da die nächste Schwarzwälder Kirschtorte eh höchstens eine Wegstunde entfernt ist.

Verirren auf die Patagonische Art bedeutet, dass die kaum von Tierspuren unterscheidbaren Wegspuren sich irgendwann völlig im Busch verlieren und die weiträumige Abwesenheit von Schildern und Markierungen (und guten Karten) ebenfalls keine große Hilfe ist. Je nach Umgebung und Wetterlage kann diese Verirrungsart knifflig werden.

Das touristische Ideal eines entspannten Wandererlebnisses liegt irgendwo dazwischen. Es besteht aus einer abgestimmten Mischung aus informativer Beschilderung an wichtigen Ausgangs- und Kreuzungspunkten sowie nachvollziehbarer Markierung auf den Wegstrecken dazwischen. Genau dieses Konzept versuchen Wander- und Gebirgsvereine sowie Tourismusverbände und Regionalverwaltungen in vielen Gebirgsregionen umzusetzen. Im mitteleuropäischen, vor allem deutschsprachigen Raum sind diese Bestrebungen flächendeckend, im Rest Europas konzentrieren sie sich eher auf einzelne Gebirgsregionen und Wege mit hohem Besucheraufkommen.

Komplizierter als gedacht: Die Systematik des Wege-Markierens

In Deutschland gibt es ein buntes Nebeneinander von Nah- und Fernwanderwegen mit vielen verschiedenen Markierungen und „Leitsystemen“. Kein Wunder, dass schon seit langem Bestrebungen nach Systematik und Vereinheitlichung gibt. Ob das dann auch zu einer Vereinfachung und besseren Überblick führt, ist nicht ganz klar. Die im deutschsprachigen Raum entstandenen „Wanderleitsysteme“ sind jedenfalls zu einer Art Wissenschaft geworden, mit der sich eine akademische Wanderforschung beschäftigt. In deren Konzept sind Markierungen und Schilder teil eines „stationären Wanderleitsystems“. Durchaus logisch, weil Schilder und Farbkleckse sich ja nicht bewegen, sondern „stationär“ vor Ort stehen, hängen und haften.

Deutschland

Im Deutschen Sprachraum gilt das sogenannte „Knotenleitsystem“, über dessen Feinheiten, Vor- und Nachteile man sich unter obigem Link genauer informieren kann. Hier sei nur erwähnt, dass dieses System die zuvor vorhandenen, sich von Region zu Region unterscheidenden Leitsysteme, ersetzen soll.

Die idealtypische Umsetzung vor Ort besteht aus aufgemalten oder -geklebten Wegzeichen in Sichtabstand, deren Symbole sich auf der Wanderkarte wiederfinden. Die Symbole werden auf Informationstafeln an Ausgangs- oder Einstiegspunkten erklärt und an Abzweigen mit Richtungspfeilen ergänzt. Im Fall von mehreren gleichartigen Wegen kommen noch Zählziffern hinzu, um Verwechslungen zu vermeiden.

Das Markieren und Ausschildern von lokalen Wanderwegen übernehmen meist regionale Vereine und Tourismusverbände. Für die immer beliebteren Fern- und Weitwanderwege arbeiten die Institutionen überregional zusammen. Mit der Einrichtung des Beschilderungs- und Markierungssystems ist es aber nicht getan, das Ganze muss auch gepflegt und regelmäßig aufgefrischt werden. Alles in allem steckt eine Menge Aufwand dahinter.

Perfekt umgesetzt ist dieses Konzept so gut wie nirgends, auch nicht in Deutschland und im deutschen Alpenraum, wo der größte Aufwand betrieben wird. Die Ergebnisse des Ganzen und wie es damit im restlichen Europa aussieht, schauen wir uns nun genauer an.

Alpen

Im deutschen Alpenraum, also dem Einflussbereich des DAV, ist das „Leitsystem“ aus gelben Schildern und Zwischenmarkierungen auf Bäumen und Felsen sehr gut ausgebaut. Die Markierungen sind in der Regel rot-weiß-rot, unabhängig von der Schwierigkeit des Bergweges. Die Schwierigkeit wird zusätzlich in Form eines blauen (leicht), roten (mittel) oder schwarzen (schwer) Punktes auf den Hinweisschildern angegeben. Die Farbgebung richtet sich nach der vom Skilauf bekannten Unterteilung. Ausführliche Infos dazu gibt es beim DAV.

Schweiz

In der Schweiz ist man bekanntlich ebenfalls gründlich. Dort ist die Markierung der Fußwege gar  eingebettet in eine ebenfalls systematische und flächendeckende Signalisation des gesamten „Langsamverkehrs“, also Fahrrad, Mountainbike, Skating und Kanufahren (mehr dazu unter Schweizmobil.ch).

Die etwa 50 000 Richtungsschilder für (Berg)Wanderer folgen einer einheitlichen Systematik, die  noch umfassender als die in Deutschland und auf wandern.ch anschaulich erklärt ist. Neben den Zielen sind oft auch Zeitangaben vorhanden. Zudem gibt es auch hier eine Schwierigkeitsbewertung, die sich allerdings von der Deutschen unterscheidet. Einfache Wanderwege sind mit gelben Pfeilen oder Rauten markiert, Bergwanderwege weiß-rot-weiß und die schwierigeren Alpinwanderwege weiß-blau-weiß.

Hinzu kommen in der Schweiz noch die Winterwanderwege, die – nur im Winter – mit pinkfarbenen Wegweisern und Pfosten markiert sind. Sie stellen abgesehen von der winterlichen Rutschgefahr meist keine besonderen Anforderungen an die Winterwanderer.

Errichtet und unterhalten werden die Wegweiser je nach Kanton durch Ehrenamtliche der Wanderweg-Organisationen oder von Gemeinde-angestellten in Form eines Public-Private-Partnership. Dazu gehört, dass alle Wegweiser und Wanderwege jedes Jahr begangen und gründlich kontrolliert werden.

Österreich

Auch in Österreich findet man ein strukturiertes und dichtes Leitsystem. Ebenso wie in Deutschland und der Schweiz soll das einheitliche „Knotenleitsystem“ Einzug halten. Für die Schwierigkeitsbewertung werden, ähnlich wie in Deutschland und im Unterschied zur Schweiz, die Farben rot und schwarz verwendet. Der Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass man auf die blaue Markierung der leichten Wege verzichtet.

Wer mehr Details über die Schwierigkeitsdefinitionen und anderes wissen will, wird unter Almenrausch.at fündig.

Slowenien

Dieses schöne kleine Land hat zwar nur einen sehr kleinen Alpenanteil, gilt dafür aber als sehr „naturbelassen“ und ist als Reiseziel zunehmend beliebt. Deshalb hier eine kleine Einschätzung aus dem Wanderportal Jungwandern.de:

Natürlich sind die bekannten und stark frequentierten Wanderwege i. d. R. gut ausgeschildert. Schaden kann es allerdings nicht, wenn ihr zusätzlich euer Handy oder passende Wanderkarten dabei habt. Gelegentlich haben wir doch die ein oder andere Markierungen vergeblich gesucht.

Skandinavisches Gebirge

Norwegen

Norwegen zeigt, dass es auch einfach geht. Es gibt nur zwei Wegzeichen die von nur einem Verein in ehrenamtlicher Arbeit an den etwa 22 000 landesweiten Wegkilometern aufgemalt werden: einen roten Punkt oder ein rotes T. Auf weichem Untergrund kommt gelegentlich auch ein Holzpfosten zum Einsatz, dessen Spitze rot angepinselt ist. Die Unkompliziertheit ist aber nur deshalb möglich, weil das Wanderwegenetz in Norwegen bei weitem nicht so dicht ist wie in Mitteleuropa – wo der Schilderwald oft notwendig ist, um unter den -zig Kreuzungen und Abzweigungen die Richtige zu erwischen.

In den steinigen Höhenlagen des Fjell kommen auch Steintürmchen und -Pyramiden als Markierungen zum Einsatz. Da viele Wanderer meinen, eigene Steinmänner hinzufügen zu müssen, stehen manche dieser Marker an ungünstigen oder gar irreführenden Positionen. Ein klassischer Fall von gut gemeint und schlecht ausgeführt.

Schweden

Was in Norwegen rot ist, ist in Schweden meist orange. Die Systematik wird aber nicht ganz so konsequent durchgehalten wie beim Nachbarn. So wird in den nördlichen Regionen und im Fjell ein waagerecht liegendes Andreaskreuz in roter Farbe als allgemeines Wegzeichen verwendet.

Westeuropa

Frankreich

In den französischen Alpen findet man vielerorts ein gut ausgebautes Wegeleitsystem wie im deutschsprachigen Alpenraum. Ansonsten beschränkt sich die systematische Wegenetz-Markierung eher auf die Fernwanderwege, deren Bezeichnungen sogar markenrechtlich geschützt sind. Das bekannteste Label dürfte GR® (Sentier de Grande Randonnée) sein, hinzu kommen noch die Abkürzungen PR® GRP®. Auch die entsprechenden Wegmarkierungen (weiß/rot, gelb und gelb/rot) sind eingetragene Marken des französischen Wandervereins (Fédération Française de la Randonnée Pédestre), die nicht ohne Genehmigung vervielfältigt werden dürfen. Die Fédération gibt auch die Wanderführer (topo-guides) für diese Wanderwege heraus. Ausführliche Infos zum französischen Wegenetz findet man unter Gr-infos.com.

Abseits von stark frequentierten Hauptwegen sollte man in Frankreich nicht mit einer flächendeckenden oder systematischen Markierung der Wege rechnen. Nur gelegentlich sind Wege und Richtungen auf gelben Schildern zusammen mit der Entfernung zum nächsten Orientierungspunkt angegeben.

Pyrenäen

Durch die (französischen) Pyrenäen führen zwei bekannte Fernwanderwege: der GR® 10 in der Region Midi-Pyrénées (470 km, Markierung: rot/weiß) und der Haute Randonnée Pyrénéenne (ca. 800 km, keine einheitliche und eigene Markierung, stattdessen wechselt das Rot/Weiß der GR® mit roten und gelben Farbklecksen). Der HRP® verläuft meist grenznah entlang des Hauptkammes der Pyrenäen.

Ansonsten kann man insbesondere in den spanischen Pyrenäen nicht mit einer flächendeckenden und systematischen Markierung rechnen. Sofern vorhanden unterscheiden sich Markierungen von Weg zu Weg.

Sierra Nevada

Markierungen gibt es in der andalusischen Sierra Nevada nur spärlich und nicht in einer einheitlichen Systematik. Im Gipfel-Glück-Blog von Stefanie Dehler wird ausdrücklich auf den eher bescheidenen „Markierungsausbau“ hingewiesen:

Die 3000er der Sierra Nevada werden größtenteil als technisch einfach beschrieben, dennoch ist es eine Gegend für Wanderer und Bergsteiger mit ausreichend Bergerfahrung, aufgrund der Höhe aber auch wegen der häufig schlechten Beschilderung und Markierung.

Picos de Europa

Da es sich bei den Picos um einen der schönsten unter den vielen kleinen Gebirgszügen in Spanien handelt, dürfen sie hier nicht fehlen. Sie können aber relativ schnell abgehandelt werden, da auch hier nicht mehr an „Leitsystem“ vorhanden ist, als einige Schilder an wichtigen Ausgangspunkten sowie gelb-weiße Streifen an einigen Hauptwegen. Letztere führen meist die Täler hinauf zu den Refugios, von wo aus es manchmal mit und manchmal ohne farbige Punktmarkierungen weitergeht.

Italien (Alpen und Apenninen)

Bislang gibt es kein einheitliches Konzept und Markierungssysteme sind je nach Region entweder nicht vorhanden oder uneinheitlich und eher willkürlich. Im zentralen und touristisch wohl bedeutsamsten Teil der Apenninen, den Abruzzen rund um den höchsten Berg Corno Grande (2912 m), sind die Routen laut Trekkingguideübertrieben gut markiert (rot-orange) und in den Karten eindeutig zu erkennen. Auch der anspruchsvolle „Via direttissima“ auf den Westgipfel des Corno Grande ist dort verzeichnet und mit grünen Klecksen markiert.

Der Alpenverein Südtirol, der Club Alpino Italiano und andere arbeiten allerdings an einem Markierungssystem ähnlich den Vorbildern der deutschsprachigen Alpenvereine. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass eine Wegekategorisierung nach Schwierigkeit in Italien ausdrücklich abgelehnt wird. Das Konzept soll langfristig für ganz Italien, also auch die Apenninen gültig sein. Detaillierte Infos dazu in diesem Dokument des italienischen Alpenvereins.

Osteuropa

Karpaten, Hohe Tatra

Wenn von den Karpaten die Rede ist, sind meistens die durch Rumänien verlaufenden Gebirgszüge gemeint. Über diese schöne Ecke gibt es hier im Basislager bereits einen Artikel, der auch mit nützlichen Wander- und Wegeinfos aufwartet.

Ein Kernstück der Karpaten ist der Nationalpark Piatra-Craiului. Dort gibt es etwa 30 Wanderwege, die markiert und durch die Farben grün, blau, rot und schwarz nach Schwierigkeit bewertet sind. Des weiteren führt der Fernwanderweg E8, um dessen Markierung sich der Deutsche Alpenverein kümmert, durch Rumänien.

Die Hohe Tatra ist eine kleine Hochgebirgsinsel im nördlichen Arm der Karpaten. Sie markiert die Grenze zwischen Polen und der Slowakei. Hier gibt es ein ausgedehntes Netz von größtenteils markierten und beschilderten Wegen, die aufgrund der Schroffheit der Berge weniger am Hauptkamm entlang als quer zum Kamm verlaufen. Am Südrand der Tatra zieht der Fernwanderweg E3 (Tatranska Magistrala) als Ost-West-Verbindung an den einzelnen Tälern entlang. Die Magistrale ist rot markiert, die anderen Wege hauptsächlich gelb. Auf der slowakischen Seite gelten die Beschilderungen und Markierungen als sehr ausführlich und genau, auf der polnischen Seite als etwas spärlicher, aber immer noch ausreichend.

Balkangebirge

„Das Balkangebirge“ gibt es eigentlich nicht. Man könnte höchstens die vielen Gebirgszüge und -Ketten, die sich durch das ehemalige Jugoslawien bis nach Griechenland ziehen, unter diesem Begriff zusammenfassen.

Da das Gebiet heutzutage viele klein Staaten umfasst, die größtenteils eher begrenzte Ressourcen für Tourismusentwicklung haben, gibt es kein einheitliches System der Wegemarkierung. Erste Initiativen in diese Richtung finden dort statt, wo sich der Outdoor-Tourismus konzentriert. Dazu gehören neben einzelnen Nationalparks in Kroatien die sogenannten „Peaks of the Balkan“ im Dreiländereck von Albanien, Montenegro und Kosovo. Eine zunehmend bekannte Mehrtageswanderung wird unter diesem Namen vermarktet und dementsprechend infrastrukturell aufgerüstet. Dabei kommt es zu einer Art „Entwicklungszusammenarbeit“ zwischen dem Deutschen Alpenverein und der einheimischen Bevölkerung. In dieser Bilderstrecke auf T-Online werden die Aktivitäten beschrieben, zu denen vor allem auch die systematische Markierung des Wegs gehört.

Liest man in verschiedenen Reiseblogs quer, scheint das Befolgen der Markierungen noch nicht ganz einfach zu sein. Auch die Beschreibungen der neuen Führerliteratur zu diesem Gebiet scheinen sich  nicht immer ganz mit den örtlichen Gegebenheiten zu decken. Man kann das positiv sehen: für Abenteurer scheint noch genug Potential in dieser touristisch noch in den Kinderschuhen steckenden Gegend.

Kaukasus

Es gibt im russisch-georgisch-aserbaidschanischen Grenzgebirge zunehmend mehr Wanderwege und Trekkingrouten, die allerdings nur gelegentlich und nicht in einem einheitlichem System markiert sind. Wenn überhaupt, sind nur zentrale Routen wie der Mestia-Ushguli-Hike vereinzelt markiert. Da aber die touristische Erschließung besonders in Georgien in vollem Gange ist, dürfte es hier einen schnellen Ausbau geben.

Die russische Seite ist für westliche Touristen schwer zugänglich. Auch Informationen über die Markierung von Wanderwegen sind (zumindest ohne Russischkenntnisse) schwer bis gar nicht zu finden.

Fazit

Wer als Bergfreund frei herumreisen kann, hat in Sachen Wegmarkierung die Wahl zwischen Gebieten mit viel Komfort, Sicherheit und „garantiertem Erlebnis“ oder Gebieten mit einer Prise Ungewissheit und Abenteuer. Die Wahlfreiheit ist dabei das eigentliche Privileg, denn so kann man selbst entscheiden, ob man ein umfassendes Sicherheitsnetz mit vielen „Vorgaben“ oder eine umfassende Bewegungsfreiheit mit viel Eigenverantwortung wählt. Beides zugleich – und das hat der Bergsport mit der Politik gemeinsam – ist leider nicht zu haben.

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.

Wir verwenden Cookies, um Dein Shoppingerlebnis zu verbessern. Wenn Du unsere Webseite nutzt, akzeptiert Du die Verwendung von Cookies.