Alle Artikel zum Thema ‘Tipps und Tricks’

Wer erfährt nicht gerne coole Geheimtipps von anderen, oder ist scharf drauf sich neues Wissen anzueignen? Vielleicht bist Du aber nur auf der Suche nach einer ganz bestimmten Frage, die Du dich noch nie getraut hast zu fragen?

Wie auch immer, hier findest Du laufend die besten Tipps & Tricks über alles, was Du zum Draußensein wissen musst. Unsere Bergfreunde-Experten geben Dir praxistaugliche Erfahrungen mit auf den Weg, die Du mit einfachen Anleitungen und Erklärungen leicht umsetzten kannst. So bist Du gut vorbereitet für Dein nächstes Abenteuer.

Alpenglühen: was es ist und wie es entsteht

5. September 2019
Tipps und Tricks

„Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian, wenn beim Alpenglühn wir uns wiedersehn.“

Der gute Heino wusste, dass man mit einem romantischen Alpenglühn mehr anfangen kann, als nur ergriffen davor zu sitzen. Geschickt ein Tête-à-Tête in der Almhütte einfädeln zum Beispiel. Oder sich zu einem landauf landab geträllerten Kassen-Schlager inspirieren lassen. Allerdings ist der von Heino nicht mehr ganz so frisch und würde heute eher nicht mehr funktionieren. Selbst wenn man den Text ein wenig zeitgemäß anpasst:

„Boah wie krass blühen die blauen Blumen da, vor dieser abgefahrnen Optik von den Bergen da …“

Vielleicht hat auch Bergfreund Jörn ein Liedchen geträllert, als er kürzlich ein perfektes Alpenglühen erlebte. Er war jedenfalls tief beeindruckt, so tief, dass gleich mal der Auftrag an mich erging, alles über dieses Naturwunder herauszufinden. Hier die Ergebnisse.

Was genau ist Alpenglühen?

Nun, Alpenglühen ist, wenn die Berggipfel bei Sonnenauf- oder Untergang so aussehen, als ob sie glühen würden. Besonders intensiv und farbenprächtig ist das Ganze, wenn die Berghänge verschneit sind oder es kurz vor Sonnenuntergang geregnet hat, so dass die nassen Felshänge im Licht der untergehenden Sonne glänzen.

In aller Regel werden nur die Gipfelregionen eingefärbt und die tieferen Regionen liegen im Schatten. Das Phänomen kommt – Überraschung – nicht nur in den Alpen, sondern in allen Gebirgen der Welt vor. Dennoch wird es im internationalen Sprachgebrauch „Alpenglow“ genannt. Mit Sicherheit gibt es unzählige regionale Bezeichnungen in unzähligen Sprachen, doch Trekker, Wanderer und Bergsteiger sagen auch in den Anden oder im Himalaya: „Oh, look: Alpenglow!“

Was ist Alpenglühen nun genau und wie entsteht es? In einem Bergwelten-Artikel dazu steht an der Stelle, an der ich dachte, jetzt käme die detaillierte Erklärung, folgendes:
„Wer Zeuge des Schauspiels sein darf, sollte darum auch nicht weiter über die Ursachen und Erklärungen des Alpenglühens nachdenken – sondern vielmehr: es in vollen Zügen genießen.“

Kann man so sehen, doch dann könnte man sich eigentlich auch gleich einen Artikel zum Thema sparen. Im Moment des Erlebens muss ich ja wirklich nicht parallel wissenschaftliche Erklärungen abspulen. Aber hinterher am Schreibtisch muss genießen und Bescheid wissen nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Also, hier die knochentrockene Wissenschaft:

Wie entsteht das Alpenglühen?

Welche Erklärung für den rätselhaften Farbenzauber gibt es? Bringt die im Laufe des Tages angesammelte Strahlungshitze die Gipfelregionen zum glühen? Rührt das Ganze von aus Flugzeugen versprühter Leuchtfarbe her? Ist eine veränderte Farbzusammensetzung der Atmosphäre infolge des Klimawandels schuld?

Nicht ganz, die Berge färben sich, weil sie von den Strahlen der tief stehenden Sonne gelblich, orange oder rötlich eingefärbt werden. Dabei gibt es häufig zwei unterscheidbare Phasen, die erste Färbung und die zweite Färbung.

Wenn die Sonne die Felsen und Schneeflächen der Gipfel vom Licht der tief stehenden Sonne erreicht werden, spricht man von der ersten Färbung. Die Gipfelbereiche „heben sich in dieser rot gefärbten Beleuchtung vom Vordergrund ab, der bereits oder noch im Dunkeln liegt.

Die zweite Färbung tritt auf, wenn die Sonne die Berggipfel nicht mehr (oder noch nicht) direkt beleuchtet. Das Sonnenlicht wird in dieser Phase „an Partikeln in der Atmosphäre (wie Eiskristallen, Staub etc.) gestreut, sodass es abgeschwächt auf die Gipfel fallen kann. Vor dem sich violett verfärbten Himmel erscheinen schneebedeckte und hellfelsige Gipfel dann weiterhin in einem schwachen, aber sehr deutlichen und gleichmäßigen Rot.

Der Streueffekt ist auch mitverantwortlich für den allgemeinen Farbwechsel des Sonnenlichts im Laufe des Tages. Er ist umso stärker, je länger der Weg der Lichtstrahlen durch die Atmosphäre ist. Mittags ist er am kürzesten, da die Strahlen die Atmosphäre im steilsten Winkel durchqueren und somit am wenigsten atmosphärische Partikel im Weg sind, die das Licht streuen könnten. Bei Sonnenauf- und Untergang ist der „Durchquerungswinkel“ flach und die Strecke am Längsten.

Durch diesen Mechanismus bekommt auch das Abend- und Morgenrot seine Färbung. Abend- und Morgenrot „unterstützen“ das Alpenglühen durch eine zusätzliche indirekte Beleuchtung des Bereichs direkt oberhalb der Schattengrenze.

„Dieses Licht fällt unter sehr flachem Winkel auf die Landschaft im Rücken des Beobachters. Es wird reflektiert und macht sich als Aufhellung oberhalb des Schattens bemerkbar. Die Effizienz dieser Reflexion nimmt bei steigendem Winkel schnell ab. Daher ergibt sich ein heller Streifen statt einer allgemeinen Aufhellung.“

Farben und Wellenlängen

Doch warum wird das bläulich-weißliche Licht stärker herausgefiltert als das Rötliche? Dazu muss man eine weitere Komponente betrachten: die verschiedene Wellenlängen des sichtbaren elektromagnetischen Spektrums. Sie reichen von den kürzeren Wellen des blau erscheinenden Lichts bis zu den längeren Wellen des rot erscheinenden Lichts. Das blaue Licht wird stärker aus der Atmosphäre „herausgestreut“, weil es mit seinen „kurzen Wellen“ wesentlich häufiger von Partikeln absorbiert und reflektiert wird.

Das rote Licht kommt „ungehinderter“ durch, weshalb sein Anteil mit wachsender Wegstrecke durch die Atmosphäre zunimmt. Soweit der Erklärungsversuch eines Nicht-Naturwissenschaftlers. Ich hoffe nicht nur, dass ich die Sache verständlich erklären konnte, sondern dass ich sie selbst überhaupt richtig kapiert habe ;-)

Wie reagiert unser Körper eigentlich auf Belastung?

3. September 2019
Tipps und Tricks

Nach einem anstrengenden Aufstieg bei bestem Bergwetter schaust du nach oben und hast fast schon den Gipfel erreicht, aber auf einmal fühlen sich die Beine wie Pudding an und jeder Schritt wird zu einer Herausforderung. Was ist da nur los? Vielleicht etwas zu schnell gegangen? Eigentlich sollte das Training in den vergangenen Wochen ja ausgereicht haben. Aber ob Klettern auch so viel für die Fitness beim Wandern bringt? Und vielleicht hätte ich bei der Pause auf der letzten Hütte doch nicht so viel auf einmal essen sollen.

Um die nächste Berg- und Klettertour nicht so enden zu lassen, wollen wir heute einmal auf die physiologischen Grundlagen beim Wandern, Bergsteigen, Klettern und Trailrunning eingehen und uns ansehen, was in unserem Körper da genau passiert.

So arbeitet deine Muskulatur beim Bergsport

Alle unsere Bewegungen beruhen auf dem Zusammenspiel aus Nervensystem und Muskulatur. Dabei ist es egal, ob du kletterst oder die Maus am Computer klickst. Die etwa 600 Skelettmuskeln unseres Körpers machen etwa 45 Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Muskeln ziehen sich auf „Befehl“ der Nervenbahnen zusammen und entspannen anschließend wieder.

Jede Muskelgruppe hat zwei oder mehrere Ansatzpunkte an den zu bewegenden Knochen. Ein einfaches Beispiel ist der Unterarm. Winkeln wir ihn an, wird der große Bizepsmuskel am Oberarm angespannt. An seinen Enden läuft er in sogenannte Sehnen aus, die auf der einen Seite am Schulterknochen und auf der anderen Seite am Unterarmknochen verankert sind.

Kontrahiert (=anspannen) sich der Muskel, so bewegen sich diese Ansatzpunkte aufeinander zu, das dazwischen liegende Gelenk wird gebeugt. Gleichzeitig muss der entgegengesetzt arbeitende Streckmuskel, der Trizeps, entspannt werden. Dieses Prinzip nennt sich fachmedizinisch Agonist und Antagonist, im übertragenen Sinn sprechen wir von Spieler und Gegenspieler.

Die Muskeln brauchen Treibstoff

Damit ein Muskel sich an- und wieder entspannen kann, braucht er Energie. Durch eine exotherme Reaktion wird chemische in mechanische Energie umgewandelt. Die für die Muskelkontraktion benötigte Energie wird zum größten Teil durch die Hydrolyse (Wasseranlagerung) von Adenosintriphosphat (ATP) in Adenosindiphosphat (ADP) und Phosphat (Pi) zur Verfügung gestellt.

Das ATP ist quasi der Hauptversorger und primäre Energielieferant der Muskulatur. Da der Vorrat im menschlichen Körper jedoch begrenzt ist, muss die Muskulatur während des Wanderns oder Kletterns weiterhin ATP herstellen, um nicht vorzeitig zu ermüden. Die für den Wiederaufbau benötigte Energie wird durch Oxidation aus Kohlenhydraten, Fettsäuren und Eiweißen bzw. Aminosäuren gewonnen.

„Man isst und trinkt nicht am Berg, um Hunger und Durst zu stillen, sondern um die Leistungsfähigkeit zu erhalten!“ – Dieses Zitat stammt von einem Bergsteiger und gilt nach wie vor.

Energiebereitstellung – wann verbrennt der Körper was?

Entscheidend für die Energiebereitstellung im Muskel ist, ob diese mit ausreichender Sauerstoffaufnahme (aerob) oder unzureichender Sauerstoffaufnahme (anaerob) geschieht und ob dabei Laktat (Milchsäure) entsteht, welches sich in den Muskelfasern ansammelt.

Wer beim 2000 Meter Lauf Vollgas gibt, kann diese Anstrengung nur kurz durchhalten. Hierbei verbrennen die Muskeln nur Kohlenhydrate. Bei einer fünfstündigen Bergwanderung verbrennt der Organismus sowohl Kohlenhydrate als auch Fette. Dies hängt mit der deutlich niedrigeren Intensität zusammen. Das Problem ist, dass der Kohlenhydratspeicher des Körpers nicht sehr groß ist – ganz im Gegensatz zum Fettspeicher.

Umso besser der individuelle Fettstoffwechsel trainiert ist, desto weniger Glykogen (Kohlenhydratspeicher im Muskel) wird benötigt, um die Anstrengung aufrecht zu erhalten. Die Energiebereitstellung ist abhängig vom Trainingszustand und zu einem großen Teil auch von der Ernährung. Bei vielen Volksläufen findet am Abend vor dem Rennen häufig die sogenannte „Pasta Party“ statt, um die Glykogenspeicher in den Muskeln vor dem Wettkampf noch einmal aufzufüllen.

Die muskulären Glykogenreserven sind bei intensiver Belastung beim Bergsport je nach Trainingszustand nach etwa 60 bis 90 Minuten so gut wie verbraucht. Bei anhaltender Ausdauerbelastung ist der Muskelstoffwechsel nun auf eine vermehrte Fettverbrennung angewiesen. Die Energiebereitstellung durch Fette benötigt allerdings deutlich mehr Sauerstoff und erfolgt nur halb so schnell wie durch die Kohlenhydrate.

Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, hat vielleicht schon vom berühmten „Mann mit dem Hammer“ gehört. Dieses Phänomen beschreibt die Erschöpfung der Kohlenhydrat-Speicher im Muskelgewebe. Durch die langsamere Freisetzung der Energie durch die Fette muss die Intensität deutlich verringert werden, um überhaupt noch weiterlaufen zu können. Intensität und Dauer der maximalen Leistung verhalten sich also gegenläufig zueinander. Je mehr ATP in den Zellen gebildet werden kann, desto höher ist auch die Leistung.

Wer beim Wandern oder Klettern zu schnell startet sorgt zudem dafür, dass sich Laktat in den Muskeln ansammelt. Wird die Intensität nicht verringert, ist irgendwann die sogenannte Laktatschwelle erreicht. Diese ist bei jedem Menschen anders und kann während einer Leistungsdiagnostik ermittelt werden. Beim überschreiten der anaeroben Schwelle „übersäuert“ der Muskel und kann nicht mehr richtig arbeiten. Der Muskel kann nicht mehr so viel Energie produzieren, um weiter den Berg hinauf gehen zu können. Die Intensität muss deutlich verringert werden, um die Bergtour überhaupt noch fortsetzen zu können.

Leistungslimitierende Faktoren am Berg

Allgemein lässt sich das Leistungslimit des Körpers dadurch definieren, dass die beanspruchten Muskeln nicht mehr in der Lage sind, eine für eine bestimmte Belastungsintensität geforderte Leistung zu erbringen, sie also zunehmend ermüden. Wie im Beispiel mit der körperlichen Erschöpfung kurz vor dem Gipfel in der Einleitung.

Die Ausdauerleistungsfähigkeit hängt somit von den physiologischen Prozessen ab, die eine Ermüdung der Muskeln herbeiführen. Es ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt, wie groß der Anteil verschiedener Prozesse an der individuellen Ausdauerleistungsfähigkeit ist. Aber folgende Faktoren haben auf jeden Fall einen großen Einfluss auf unser Leistungsvermögen:

  • VO2max (maximale Sauerstoffaufnahme)
  • Koordination (Trittsicherheit, Schwindelfreiheit)
  • Psychologische Aspekte (ausgesetztes Gelände, Höhenangst)
  • Muskelfaserzusammensetzung (Training)
  • Energiebereitstellung
  • Wärmeregulation (Hitze/Kälte)
  • Wasser- und Elektrolythaushalt
  • Orthopädische Beschwerden

Die Gefäßkapazität in den Muskeln könnte etwa das Vierfache der durch das Herz verfügbaren Blutmenge nutzen. Bei Ausdauersportarten wie dem Bergwandern, Bergsteigen und Trailrunning ist somit die Transportkapazität des Herz-Kreislauf-Systems leistungslimitierend. Jedoch sagt die maximale Durchflussrate in den Blutgefäßen noch nichts über die Effizienz der Sauerstoffversorgung der Muskeln beim Sport aus, die mit regelmäßigem Training gesteigert werden kann, damit die Muskeln beim nächsten Mal eben nicht kurz vor dem Gipfel „schlapp“ machen, sondern bis zum Rückweg am Parkplatz nach der Tour brav ihren Dienst erfüllen.

Die berühmte Ausdauer, von der man gar nicht genug haben kann

Als „Ausdauer“ bezeichnet man die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Organismus gegen Ermüdung und die rasche Regenerationsfähigkeit nach einer körperlichen Belastung wie Klettern oder Bergwandern. Ausdauer beschreibt aber auch die motorische Fähigkeit, eine bestimmte Intensität (zum Beispiel die Lauf- oder Aufstiegsgeschwindigkeit) über eine möglichst lange Zeit aufrechterhalten zu können, ohne vorzeitig körperlich zu ermüden. Ebenso beschreibt sie die Zeit, die nach einer Tour am Berg für die Regeneration benötigt wird.

Durch verbesserte Ausdauer (Training) ist von Beginn an eine höhere Intensität möglich und die zu Verfügung stehenden Energiespeicher des Körpers können deutlich effizienter genutzt werden. Die menschliche Ausdauer stellt neben Kraft, Schnelligkeit, Koordination und der auf Mobilität und Dehnfähigkeit beruhenden Beweglichkeit eine grundlegende motorische Fähigkeit unseres Körpers dar. Jede einzelne Sportart erfordert und trainiert diese Grundfertigkeiten in unterschiedlichen Maßen, deswegen muss im nächsten Abschnitt auch noch auf die unterschiedlichen Bergsportarten eingegangen werden.

Unterschiedliche Belastung bei verschiedenen Spielarten des Bergsports

Generell können die meisten Sportarten am Berg als Ausdauersportarten bezeichnet werden. Der limitierende Faktor, der eine Tour oft schneller scheitern lässt als geplant, ist die körperliche Fitness. Besonders beim Wandern und dem klassischen Bergsteigen gerät das Herz-Kreislauf-System bei einem steilen Aufstieg schnell an seine Grenzen und der Plus geht so steil nach oben wie der Wanderweg.

Ein weiterer Faktor ist die muskuläre Belastung, vor allem beim Abstieg. Bei einem Abstieg von 1000 Höhenmetern ins Tal müssen die Muskeln der Beine jeden Schritt nach unten quasi „auffangen“, indem sie sich anspannen und das Körpergewicht halten. Viele kennen bestimmt den berühmten Muskelkater, der am nächsten Tag nach der ersten Bergtour der Saison eintritt. Bei diesem Phänomen sind die Muskeln am Ende des Abstieges komplett überfordert und verweigern dann erstmal ein paar Tage ihren Dienst.

Beim Alpinklettern, auf Hochtouren und auf Klettersteigen kommen häufig psychische Belastungen durch Ausgesetztheit oder Höhenangst im alpinen Gelände hinzu. Das klassische Felsklettern in den Bergen hat sich durch die zunehmende Popularität von Kletterhallen im städtischen Bereich auch zu einer Indoor Sportart (Sportklettern, Bouldern) entwickelt.

Das Klettern ist in erster Linie durch eine kraftbetonte Belastung der oberen Extremität (Arme, Schultern, Rücken) gekennzeichnet, während der unteren Extremität (vor allem die Beine) meistens eine stützende und stabilisierende Funktion übernimmt.

Beim Sportklettern in der Halle dauert die Belastung oft nur wenige Minuten an, weil die Routen relativ kurz sind. Hier ist vor allem die Muskelausdauer der limitierende Faktor, wenn die gewünschte Route auch nach dem fünften Versuch immer noch nicht funktionieren will. Bei länger andauernden, alpinen Touren ist ein Kletterer oft mehrere Stunden unterwegs und die generelle körperliche Ausdauerfähigkeit steht auf jeden Fall im Vordergrund.

Anaerobe Belastungen (Energiebereitstellung ohne Sauerstoff), wie wir sie im Absatz über die Energiebereitstellung kennen gelernt haben, finden sich beim Bergsport im Bereich des Wettkampfkletterns und beim Bouldern. Hier werden oft kurze Routen in möglichst schneller Zeit bewältigt und die Kletterer kommen gar nicht erst in den „Ausdauerbereich“ der Energieversorgung des Körpers.

Beim Trailrunning ist der Großteil der physiologischen Belastung derselbe wie beim Laufen im flachen. Allerdings kommt besonders in technischem Gelände ein erhöhtes Maß an erforderlicher Koordination hinzu, wenn es darum geht, gekonnt über Steine oder Wurzeln zu tänzeln. Steile Auf- und Abstiege fordern die Muskulatur genauso, wenn nicht sogar noch mehr als das Bergwandern im gleichen Gelände. Regelmäßiges Lauftraining am Berg zahlt sich aus, um die Muskeln an das Laufen in den Bergen zu gewöhnen.

Fazit und weitere Artikel zum Thema

Abschließend bleibt zu sagen, dass unser menschlicher Körper sich insgesamt sehr gut anpassen und auf Veränderungen einstellen kann.

Auch wenn orthopädische Probleme, schwere Beine oder die leeren Energiespeicher die letzte Bergtour doch etwas länger haben werden lassen als ursprünglich geplant, heißt das nicht, dass es beim nächsten Mal wieder so kommen muss. Durch die richtige Vorbereitung, ein an die persönliche Fitness angepasstes Gehtempo und ausreichende Verpflegung wird die nächste Gipfelbesteigung garantiert zu einem vollen Erfolg!

Dieser Artikel über die physiologischen Grundlagen und die körperliche Belastung beim Bergsport ist der Auftakt zu einer kleinen Artikelserie im Basislager der Bergfreunde. Nachdem wir heute die Grundlagen geklärt haben, geht es nächstes Mal noch etwas spezifischer zur Sache und wir sprechen über die Ernährung beim Bergsteigen. Worauf gilt es in der Höhe besonders zu achten? Was sollte unbedingt in die Brotzeitdose und was bleibt lieber daheim?

Verhalten bei Unfällen – wie man es als Ersthelfer richtig macht

28. August 2019
Tipps und Tricks

Fast täglich hört man in den Nachrichten, dass sich irgendwo ein Unfall ereignet hat, meistens im Straßenverkehr. Aber auch in den Bergen passiert Sommers wie Winters so einiges. Nicht jeder Fall schafft es da in die Medien und das ist auch gut so. Dennoch, wer in der Hochsaison einmal ein oder mehrere Tage in den Alpen verbracht hat, der wird höchstwahrscheinlich auch einen Rettungshubschrauber gesehen haben. Was aber ist eigentlich zu tun wenn sich ein Unfall ereignet? Wie verhalte ich mich richtig, wenn es zum Notfall kommt und wie sollte man sich auf den Ernstfall vorbereiten? Wir haben hier für euch eine kleine Artikelserie zusammengestellt, die sich genau mit diesem Thema befasst.

In unserem ersten Teil geht es daher rund um das Thema schwere Unfälle und die Alarmierung der Rettungskräfte. An dieser Stelle vorab noch ein Hinweis. Dieser Artikel soll nur zur Sensibilisierung für dieses wichtige Thema dienen, er kann aber keineswegs einen Erste-Hilfe-Kurs oder dergleichen ersetzen.

Ein Unfall ist passiert – Wie gehe ich richtig vor?

Ein Unfall ist passiert. Von jetzt auf sofort ohne Vorwarnung. Keiner weiß zunächst was genau los ist, aber eines steht ohne Frage fest. Wer nicht selbst von dem Unfall unmittelbar betroffen ist, muss und kann helfen. Was aber ist genau zu tun und vor allem in welcher Reihenfolge? Wie haben hier einmal die wichtigsten Schritte zusammengetragen.

  • Ruhe bewahren. Egal was passiert ist und wie eklig oder schlimm das vielleicht aussieht, es ist niemandem geholfen, wenn einer der Ersthelfer in Panik ausbricht und alle anderen verrückt macht. Für den Verunfallten macht es die Lage in der Regel sogar noch schlimmer. Daher ganz wichtig: tief durchatmen und besonnen an die Sache rangehen.
  • Überblick verschaffen. Bevor es mit der Ersten Hilfe so richtig los geht, ist es wichtig zu wissen, womit man es eigentlich zu tun hat. Wie viele Personen sind verletzt? Wem muss zuerst geholfen werden? Ist der Unfall beispielsweise durch etwas entstanden von dem weiterhin Gefahr ausgehen kann? z.B. Lawine, Steinschlag oder auch Straßenverkehr?
  • Schutz / Eigenschutz. Ist dies der Fall, muss unbedingt als erste Maßnahme dafür gesorgt werden, dass der Unfallort so gut wie möglich abgesichert oder der Betroffene nach Möglichkeit aus der Gefahrenzone gebracht wird. Im Straßenverkehr heißt das beispielsweise Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen etc. In den Bergen dann eher Steinschlaghelm tragen, Unfallort auf Skipiste mit gekreuzten Skiern absichern oder für die notwendige Eigensicherung am Fels sorgen. Außerdem ganz wichtig bei offenen Wunden: Einweghandschuhe tragen.
  • Hilfe leisten / Hilfe holen. Ist der Unfallort soweit sicher bzw. das Unfallopfer in Sicherheit, ist es wichtig einen genaueren Überblick über die Schwere der Verletzungen zu bekommen. Ganz wichtig ist hierbei die Frage, ob die Person bewusstlos oder ansprechbar ist. Gibt es schwerwiegende Verletzungen wie starke Blutungen etc.? Generell ist an dieser Stelle auch die Entscheidung zu treffen ob es notwendig ist einen Notruf abzusetzen und somit die Rettungskräfte zu alarmieren. Wie man das fachgerecht macht und wie der Betroffene bis zum Eintreffen der Rettung betreut werden sollte, schauen wir uns noch einmal genauer an.

Lebensbedrohliche Situationen – was ist zu tun bis der Notarzt kommt?

Ob Haushalt, Sport oder Straßenverkehr, wenn es mal so richtig knallt braucht es schnelle und professionelle Hilfe. Grundsätzlich sollte ein Notruf immer dann getätigt werden, wenn die Situation nicht einzuschätzen ist, akute Lebensgefahr besteht oder Zweifel am Gesundheitszustand des Betroffenen besteht. Wichtig ist aber nicht nur, dass ein Notarzt und die entsprechenden Rettungskräfte schnell fachgerecht alarmiert werden, es ist vielmehr auch notwendig, das Opfer bis zum Eintreffen der Rettung bestmöglich zu betreuen.  

Notruf per Telefon

Der wohl häufigste und auch schnellste Weg Rettungskräfte nach einem Unfall zu alarmieren ist der Notruf per Telefon. In Europa gibt es hierzu die einheitliche Notrufnummer 112, auch Euronotruf genannt. Die 112 wird von allen europäischen Staaten zusätzlich zu eventuell bestehenden nationalen Rufnummern unterstützt und ist absolut kostenfrei. Auch andere Länder wie beispielsweise Kasachstan oder Japan verwenden die 112 als Notrufnummer. Auf dem amerikanischen Kontinent ist hingegen die Notrufnummer 911 weit verbreitet. Diese kommt vor allem in Nordamerika, aber auch in Ländern wie Costa Rica oder Argentinien vor. Je nach Land werden beim Notruf unterschiedliche Dinge in unterschiedlicher Reihenfolge abgefragt. Grundsätzlich gilt jedoch: Das Personal der Leitstelle ist professionell geschult und fragt alle wichtigen Fakten ab. Man wird quasi durch den Notruf gelotst und das Gespräch wird immer auch vom Mitarbeiter in der Leitstelle beendet. Um erst einmal Klarheit über die Situation vor Ort zu bekommen wenden die Leitstellen in der Regel die sogenannten W-Fragen an. Bei einem geregelten Ablauf des Notrufes würde dies in Deutschland beispielsweise so aussehen:

  • Wo ist etwas geschehen?

Hier ist es wichtig, den Unfallort so genau wie möglich anzugeben. Also mittels genauer Adresse (Ort, Ortsteil, Straße, Hausnummer, Etage) oder auch Kilometerangaben an Straßen, Bahnlinien oder Flüssen. In den Bergen können hierbei auch GPS-Angaben, Angaben zu Höhenmetern, Wanderrouten etc. helfen.

  • Wer ruft an?

Hier ist vor allem der eigene Name, der Standort und die Rufnummer wichtig, unter der man aktuell erreichbar ist.

  • Was ist geschehen?

Der Unfall / das Ereignis müssen möglichst knapp und genau geschildert werden. Beispielsweise: Absturz, bewusstlose Person, Lawinenabgang, Verkehrsunfall etc.

  • Wie viele Betroffene?

Handelt es sich um eine oder mehrere betroffene Personen? Ist die genaue Zahl bekannt oder kann diese bei Gruppen in etwa abgeschätzt werden? Bei einem Betroffenen werden zumeist auch das Alter und weitere Angaben zur Person abgefragt.

  • Warten auf Rückfragen!

Das Gespräch wird immer von den Mitarbeitern der Leitstelle beendet. Oft werden hier noch weiterführende Informationen abgefragt. Auf keinen Fall sollte man auflegen, bevor die Leitstelle das Gespräch offiziell für beendet erklärt. Auch sollte man nach Absetzen des Notrufs die Leitung für eventuelle Rückrufe der Retter freihalten. 

Das alpine Notsignal

Gerade in den Bergen ist der Handyempfang oft eingeschränkt. Ist der Notruf per Telefon nicht möglich muss versucht werden, die Rettungskräfte auf andere Art und Weise zu alarmieren. Hierzu gibt es das alpine Notsignal. Dieses wird klassischerweise durch Pfiffe, Rufe oder Lichtsignale abgegeben. Wichtig ist dabei, dass folgendes Muster strikt eingehalten wird:

  • Sechsmal in Folge alle 10 Sekunden ein Signal abgeben, danach eine Minute Pause, danach wiederholen, bis eine „Antwort“ zu vernehmen ist.
  • Für die Antwort wird dreimal in Folge alle 20 Sekunden ein Signal abgegeben, danach eine Minute Pause, danach wiederholen.

Wer selbst ein alpines Notsignal sieht oder hört, sollte sich unbedingt genau einprägen woher es kommt und unverzüglich die Rettungskräfte alarmieren. Hierzu kann man entweder einen Notruf per Handy absetzen oder im Fall eines Funklochs bei der nächste Hütte oder Seilbahnstation Bescheid geben.

Den Verletzten bestmöglich betreuen

Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte muss der Verletzte so gut es geht betreut werden. Wichtig ist es hierbei, dass man sich selbst nicht in Gefahr bringt. Kann man den Betroffenen aber gut erreichen ist es wichtig so schnell wie möglich mit (lebenserhaltenden) Sofortmaßnahmen zu beginnen. Diese richten sich immer nach der Verfassung der verletzten Person.

  • Bewusstloser, atmender Verletzter. Atmet ein Betroffener, ist aber nicht ansprechbar oder erweckbar, gilt er als bewusstlos. In dieser Situation sollte er schnellstmöglich in die stabile Seitenlage gebracht werden. Danach muss regelmäßig die Atmung kontrolliert und das Auskühlen des Körpers verhindert werden. Ablauf der stabilen Seitenlage: neben den Verletzen knien, die Beine des Betroffenen strecken, den nahen Arm des Betroffenen nach oben abwinkeln (Handfläche zeigt nach oben), den fernen Arm vor der Brust des Verletzen kreuzen (Handoberfläche liegt auf der Wange, Hand weiterhin halten), das ferne Bein des Betroffenen beugen und den Betroffenen zu sich herüberziehen, Hals überstrecken, ggf. Mund des Verletzten leicht öffnen.
  • Bewusstloser Verletzter ohne Atmung. Reagiert der Verletzte nicht und hat auch keine Atmung mehr, ist Eile geboten. Es muss eine Herzdruckmassage sowie eine Beatmung erfolgen. Steht ein AED-Gerät (Defibrillator) zur Verfügung, sollte dieses auf jeden Fall verwendet werden. Geräte dieser Art sind in der Regel in oder an öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Turnhallen oder Bahnhöfen zu finden. Sie sind für Laien konzipiert und können daher von jedem schnell und einfach eingesetzt werden. Ist ein solches Gerät nicht greifbar, muss eine Herzdruckmassage mit Atemspende nach folgendem Muster durchgeführt werden: 30 x Herzdruckmassage (in der Mitte des Brustkorbs ansetzen), 2 x Atemspende (Mund-zu-Mund-Beatmung, dabei Kopf des Betroffenen überstrecken und Nase zuhalten). Pro Minute sollten auf diese Weise 100-120 Massagen erfolgen, das ist in etwa der Takt von „Staying alive“ von den Bee Gees. Diese Maßnahmen müssen im Wechsel so lange durchgeführt werden, bis die Rettungskräfte eintreffen. Sind mehrere Ersthelfer vor Ort, empfiehlt es sich regelmäßig abzuwechseln.
  • Große Wunden. Gerade bei großen Schnitt- und Platzwunden kommt es schnell zu einem nicht unerheblichen Blutverlust. Damit einher gehen Schmerzen und die Gefahr von Infektionen. Bereits der Verlust von 1 Liter Blut kann bei einem Erwachsenen lebensgefährlich sein. Hier ist also Eile geboten. Stark blutende Wunden werden mit einem Druckverband versorgt. Das ist für den Verletzten nicht besonders angenehm, hilft aber schnell und effektiv. Hierzu wird eine möglichst keimfreie Wundauflage direkt auf die Wunde gelegt. Diese wird mittels einer Binde fixiert (betroffenen Körperteil 2-3 mal umwickeln), danach kommt ein Druckpolster (noch eingepackte Mullbinde o.ä.) auf den Wundbereich und wird wiederum 2-3 mal fest umwickelt. Bei stark blutenden Wunden ist die Stillung der Blutung immer vorrangig, auch wenn es dadurch zu einer Infektion kommen kann. Ist kein Verbandsmaterial zur Hand, kann man sich hier auch beispielsweise mit einem in Streifen gerissenen T-Shirt oder dergleichen behelfen. Außerdem besteht bei Blutungen immer auch die Gefahr eines Schocks, sodass man den Betroffenen bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gut betreuen sollte. Eine Anleitung für einen Druckverband gibt es hier:

Rettungskräften den Weg weisen

Immer wieder tritt das Problem auf, dass zwar ein Notruf abgesetzt wird und somit die Rettungskräfte schnell unterwegs sind, dann aber vor Ort erst einmal suchen müssen, wo genau sich der Verletzte befindet. Auch bei Unfällen, die beispielsweise im Wald oder sonstigen abgelegenen Gebieten passiert sind, ist der Weg zum Unfallort für die Rettungskräfte nicht immer leicht zu finden. Sind also mehrere Ersthelfer vor Ort, ist es ratsam dass eine oder mehrere Personen als Lotse für die Rettungskräfte fungieren. Bei einem Wohnblock oder Bürogebäude wäre es beispielsweise ratsam, dass diese Person gut sichtbar an die Straße steht und die Rettungskräfte in Empfang nimmt. Bei einem Unfall im Wald oder unwegsamen Gelände ist es außerdem sinnvoll einen Lotsen zum nächsten Parkplatz oder Anfahrtspunkt zu schicken oder im Skigebiet zum nächsten Lift. Gerade an schwer erreichbaren Unfallstellen kommt die Rettung nicht selten auch aus der Luft, hierbei ist es jedoch wichtig ein paar Regeln im Umgang mit dem Hubschrauber zu beachten.

  • Hubschrauber einweisen. Für Laien ist es nicht möglich einen Hubschrauber fachgerecht einzuweisen, denn hierzu müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt werden. Um dem Piloten aber zu zeigen, dass Hilfe benötigt wird und er sofern möglich landen soll, geht man wie folgt vor: Ein Helfer streckt beim Anflug des Helikopters beide Arme nach oben, Handflächen nach innen, sodass er wie ein großes Y aussieht. Das bedeutet „Ja! Wir brauchen Hilfe! Hier landen!“. Außerdem sollte der Einweiser mit dem Rücken zum Wind am Rand des Landeplatzes stehen.
  • Keine losen Gegenstände. Helikopter verursachen Wind und Luftverwirbelungen, diese können wiederum dazu führen, dass lose Gegenstände durch die Luft fliegen. Hier sollte also vorab alles sicher verstaut werden. Auch das Auslegen von grellen Jacken, Biwaksäcken oder gleichem ist keine gute Idee. Diese erhöhen zwar die Sichtbarkeit aus der Luft, können aber aufgewirbelt und so zur Gefahr für umstehende Personen und den Hubschrauber selbst werden.
  • Ausreichend Abstand halten. Von aufgewirbelten Gegenständen wie Steinen aber auch vom Hubschrauber und dessen Rotoren geht bei der Landung eine Gefahr aus. Daher ist es wichtig ausreichend Sicherheitsabstand einzuhalten. Der ADAC empfiehlt hier im Idealfall mindestens 50 Meter. Auch das Annähern an den Hubschrauber darf nur bei Stillstand der Rotoren und von vorne erfolgen, dabei Sichtkontakt mit dem Piloten halten.

Hilfe für Ersthelfer – Wo bekomme ich im Ernstfall schnell Unterstützung?

Ist man als Ersthelfer mit einer schwer verletzten Person auf sich alleine gestellt, hat man unweigerlich Stress. Doch auch bei mehreren Ersthelfern läuft nicht immer alles glatt. Oft liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon Jahre oder Jahrzehnte zurück und unter Druck abliefern zu müssen ist auch nicht jedermanns Sache. Auch Handy und Internet sind in der Natur nicht immer verfügbar. Wie gut nur, dass es da für den Ernstfall ein paar einfache Hilfen gibt.

  • SOS-Labels

Unter SOS-Labels versteht man zumeist in Rucksäcke fest vernähte Etiketten, die wichtige Informationen zum Verhalten im Notfall geben. Hersteller wie Deuter rüsten damit ihre Rucksäcke aus und bieten so eine kleine Anleitung wie man einen Notruf absetzt oder einem Hubschrauber signalisiert, dass man Hilfe braucht.

  • Erste-Hilfe-Beutel

Verbandskästen und Erste-Hilfe-Beutel enthalten normalerweise eine Art Kurzanleitung, in der alle wichtigen Verhaltensregeln und Maßnahmen bei einem Unfall kurz zusammengefasst sind. Diese Anleitungen kommen in der Regel als kleine Broschüre daher, es gibt aber auch Verbandstaschen, auf die die wichtigsten Anweisungen auch direkt aufgedruckt sind.

  • Rettungsleitstellen

Ist es möglich einen Notruf per Telefon abzusetzen, können die Leitstellen nicht nur die notwendigen Rettungskräfte alarmieren, sondern vielmehr auch  in akuten Notsituationen telefonische Unterstützung leisten.

Zusammengefasst

Unfälle passieren und haben mitunter auch schwere Folgen. Wer selbst als Ersthelfer an einem Unfallort eintrifft muss helfen. Meist reicht aber das alleinige Absetzen eines Notrufs nicht aus und es muss selbst Hand angelegt werden. Hier ist der größte Fehler nichts zu machen. Wer kann sollte sich andere Personen zur Hilfe holen, denn gerade Wiederbelebungsmaßnahmen sind für den Ersthelfer sehr anstrengend. Dabei hilft es Personen konkret anzusprechen z.B. „Sie mit der roten Jacke, ich brauche Hilfe“. Viele Menschen haben auch Angst Fehler zu machen und helfen deshalb nicht. Das ergibt aber keinen Sinn, denn wenn jemand beispielsweise bewusstlos ist und nicht atmet, stehen seine Überlebenschancen ohne Hilfe denkbar schlecht. Versucht man eine Wiederbelebung steigen seine Chancen wieder. Bricht man ihm dabei aber vielleicht die Rippen, hat man sich nichts vorzuwerfen, denn die Durchführung der lebenserhaltenden Maßnahmen geht in diesem Fall klar vor.

Nicht immer muss es aber gleich zum Ernstfall kommen. Gerade auch im Sport kommen aber immer mal wieder kleinere Unfälle mit Sportverletzungen, Schürfwunden und Co. vor. Wie man damit am besten umgeht verraten wir euch daher im zweiten Teil unserer Artikelserie.

Big Wall Light Teil 3 – Technik und Taktik

21. August 2019
Tipps und Tricks

Viele werden sagen, Bigwall-Klettern sei eine reine Materialschlacht, hätte wenig mit Klettern zu tun. Allerdings ist Bigwall-Klettern ein weites Feld. Es schließt selbstverständlich Freikletterei mit ein, und den Gedanken, sich leicht und schnell bewegen zu wollen. In meinem Beitrag geht es um einen eher minimalistischen Stil. Die hier beschriebene Herangehensweise eignet sich nicht für extreme Technorouten, dafür umso besser für Routen, in denen man immer wieder zwischen verschiedenen Kletterstilen und Sicherungstechniken wechseln muss.

Als Beispiele aus dem eigenen Tourenbuch könnte ich einen schnellen Durchstieg der Route „Il Grande Incubo“ (6b, A3, 32 SL, 1200 m) am Monte Brento nennen (in 1,5 Tagen). Oder eine Winterbegehung der Route „Weg durch den Fisch“ (6c, A3, 37 SL, 1220 m) in der Marmolada Südwand. Bei solchen und vielen anderen Projekten darf man nicht in starren Kategorien denken. Vielmehr muss man bereit sein, seine Technik und Taktik immer wieder aufs Neue an die Gegebenheiten anzupassen. Deshalb gibt’s hier auch kein Schema F, sondern eine Auswahl an Vorschlägen und Anregungen, mit Spielraum zum Mitdenken. Bitte auch die ersten beiden Beiträge dieser Serie lesen – sie enthalten wichtige Informationen!

Big Wall Light Teil 1 – Allgemeine Infos

Big Wall Light Teil 2 – Die Ausrüstung

Taktik – ein paar Grundsätze

Man klettert idealerweise in einer Zweier-Seilschaft. Alles andere macht die Sache recht kompliziert. Überschlagend klettern ist keine gute Idee – Blockvorstieg ist viel effizienter. Wer vor- und wer nachklettert und wann gewechselt wird, muss situativ entschieden werden. Klettert man mit leichtem Gepäck, ist man in der Regel schneller und somit weniger lang unterwegs. Also müssen auch weniger Wasser und Essen mit auf die Reise, was die Sache noch einmal verstärkt…

Alles Gepäck sollte ohne große Probleme auf einmal bewegt werden können. Und das nicht nur zum Wandfuß, sondern auch im einfachen Klettergelände. Gehen wir von einer Mehrtagestour aus, mit ein bis zwei Biwaks: Hier sollte man mit einem leichten Haulbag (ca. 50 l) sowie einem zusätzlichen kleinen Kletterrucksack (ca. 20 l) auskommen.

Das geht, wenn man sich beim Wasser und Biwakmaterial etwas zurücknimmt und darüber hinaus den Grundsatz „Kleinvieh macht auch Mist“ beherzigt!

Überschreitet man diese Gepäckmenge nicht, hat man viele Vorteile auf seiner Seite. So kann man sich im leichten Klettergelände, wo man niemals haulen würde, zügig und halbwegs sicher bewegen. Beispielsweise im Schrofen- oder Blockgelände, bei geneigten Platten oder an einem Gipfelgrat.

Ist das Gelände steil und schwierig, wird natürlich gehault. Der Nachsteiger kann den Rucksack bei sich behalten, dann hat er schnellen Zugriff auf den Inhalt. Ist Platz im Haulbag, kann er ihn alternativ dort verstauen. Einen dafür geeigneten Rucksack kann man auch mal unter den Haulbag clippen. Logischerweise wird auch das Haulen stark vereinfacht, wenn man mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Es ist dann beispielsweise möglich, dass der Vorsteiger nachsichert und parallel hault. So lässt sich viel Zeit sparen (sofern der Nachsteiger klettert und nicht jümart).

Die Abläufe bei einer Bigwall-Begehung

Je nach Art der Kletterei können die Abläufe und damit verbundenen Techniken komplett unterschiedlich ausfallen. Will man eine Route frei klettern, hat man wahrscheinlich gar kein Material zum Technischen Klettern dabei. Bei einer Tagestour ist man möglicherweise ohne Haulbag unterwegs.

Hier bleibe ich aber beim Beispiel einer moderaten Mehrtagestour, bei der Teile der Route technisch geklettert werden. Wir gehen auch davon aus, dass die Route gleich mit steiler, schwieriger Kletterei beginnt. Also nicht mit einem einfachen Wandvorbau oder Ähnlichem.

Haulbag vorbereiten

  • Träger innen verstauen, Bauchgurt auch (falls man ihn überhaupt dabei hat).
  • Biwakzeug nach unten. Was man tagsüber brauchen könnte, eher nach oben.
  • Harte Gegenstände sollten nicht am Außenmaterial des Haulbags anliegen, sonst wird dieses dort möglicherweise durchgescheuert. Am besten mit einer Isomatte polstern.
  • Haulseil (ggf. auch Lower-Out-Line) mit Wirbel und Schrauber am Haulbag fixieren. Bei Bedarf schützt man den Knoten des Haulseils mit dem Flaschenhals einer PET-Flasche gegen Abrieb.

Vorbereitungen des Vorsteigers

  • Hardware am Gurt (ggf. auch an der Gearsling) sortieren.
  • Petzl Connect Adjust Selbstsicherungsschlinge und/oder Metolius Easy Daisy Positionierungsschlinge(n) am Gurt anbringen. Üblicherweise werden die Daisies durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse mit Ankerstich eingeschlauft. Dabei zieht es allerdings Beinschlaufen und Bauchgurt zusammen, was unangenehm sein kann, wenn der Gurt eng sitzt. Alternativ kann eine Easy Daisy im Anseilring eingeschlauft werden. Bei der Verwendung von zwei Easy Daisies am besten beide in einem Ankerstich vereinen. Dann laufen sie aus einem Punkt heraus.
  • Im einfachen Aid-Gelände einzelne Leiter, die nicht mit der Easy-Daisy verbunden wird.

  • Im schwierigeren Aid-Gelände zwei Leitern. Bei schlechten Fixpunkten und Cliff-Zügen clippt man die Easy-Daisy-Schlingen mit deren Karabiner in die Karabiner der Leitern.
  • Bei Bedarf auch Fifi-Haken mit kleiner Bandschlinge am Klettergurt fixieren (mit Ankerstich). Entweder durch den Anseilring oder durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse. Letzteres macht aber nur Sinn, wenn man auch die Easy Daisy(s) auf diese Weise am Gurt fixiert hat.
  • Haulseil vorbereiten: am Seilende Sackstichschlaufe knüpfen und leichten Schnapper einhängen. Seil in Klemme (Spoc/Micro Traxion) einlegen. Klemme mit Ovalkarabiner in eine der hinteren Materialschlaufen oder sofern vorhanden in die „Haul Loop“ des Klettergurts clippen.
  • zusätzlich Ropeman oder Ropeman 2 fürs Bodyhauling mitführen. Zum Greifen ein dünner Leinen Ropeman 2 + kleine Griffschlinge (s. u.).
  • Kletterseil mit Achterknoten einbinden: Je nach dem, wie man seine Schlingen und Fifi angeordnet hat, entweder mit ganz kleinem Auge in den Anseilring oder, wie allgemein empfohlen, direkt durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse.

Vorstieg: Technisches Klettern mit zwei Leitern

Die Standard-Technik, die auch für heiklere Passagen geeignet ist. Ausgangsposition dieser Beschreibung: Start vom Boden.

  • Ersten Fixpunkt anbringen bzw. fixes Material clippen. Bei Haken clippt man in der Regel eine Exe. Ansonsten, z. B. bei Cams und Keilen, versucht man mit einem einzelnen Schnapper auszukommen (zumindest bei geradem Seilverlauf). Das Seil noch nicht clippen.
  • Erste Leiter einhängen. Bei Exen in den oberen Karabiner, bei Cams am besten direkt in die Drahtschlaufe des Stegs.
  • Fixpunkt testen (s. u.).
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann. Während des Hochsteigens, wenn die Hüfte auf Höhe des ersten Fixpunktes ist, ggf. Seil clippen.
  • Muss man im steilen Gelände einen Fixpunkt anbringen, hängt man sich am besten mit dem Fifi im letzten Fixpunkt ein und steigt in der Leiter möglichst hoch. So hat man die Hände frei zum Arbeiten. Hat man keinen Fifi, kann man beispielsweise mit einer Easy Daisy improvisieren.
  • Im geneigten Gelände kann man ohne sich zu fixieren in der Leiter stehen und bei Bedarf bis zur obersten Stufe hochsteigen. Dabei hält man sich zunächst an der Leiter fest und nützt später natürliche Griffe.
  • Zweiten Fixpunkt anbringen und die zweite Leiter einhängen.
  • Fixpunkt testen (s. u.).
  • In die zweite Leiter steigen.
  • Die erste Leiter aushängen und das Kletterseil in den ersten Fixpunkt clippen (sofern noch nicht geschehen) bzw. den Fixpunkt zusammen mit der Leiter entfernen, wenn er nicht als Sicherung benötigt wird.
  • In der zweiten Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann.

Vorstieg: Technisches Klettern mit einer Leiter und einer Easy Daisy

So lassen sich einfache, kürzere Aid-Passagen unkompliziert überwinden. Voraussetzung ist, dass die Fixpunkte einem leichten Zug nach außen standhalten. Ausgangsposition dieser Beschreibung: Start vom Boden.

  • Ersten Fixpunkt anbringen bzw. fixes Material clippen.
  • Leiter einhängen.
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den zweiten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann. Während des Hochsteigens ggf. Seil clippen.
  • Zweiten Fixpunkt anbringen und die Easy Daisy einhängen.
  • Easy Daisy straffen und Gewicht auf die Easy Daisy übertragen.
  • Leiter am ersten Fixpunkt aushängen und Seil clippen (sofern noch nicht geschehen).
  • Leiter im zweiten Fixpunkt einhängen (neben der Easy Daisy).
  • In die Leiter stehen.
  • Easy Daisy wieder aushängen und verlängern.
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann.

Testen von Fixpunkten 

Das Testen von Fixpunkten mittels „Bounce Test“ wird bei zweifelhaften Fixpunkten angewandt, insbesondere wenn ein Ausbrechen des Fixpunktes zu einem gefährlichen Sturz führen könnte. Die Idee: Übersteht ein Fixpunkt den „Bounce Test“, wird er danach auch das Körpergewicht tragen. Bricht ein Fixpunkt beim Testen aus, soll der darunterliegende Fixpunkt einen Sturz ins Seil verhindern. Bei beiden hier beschriebenen Varianten beginnt man mit vorsichtigem Testen und steigert die Intensität dann langsam. Liegt ein Fixpunkt über dem Kopf und bricht beim Testen aus, kann es passieren, dass er im Gesicht landet. Also nicht hochschauen!

Variante 1 – Bounce Test mit Daisy Chain (oder ähnlichem): Man clippt die Daisy Chain in den zu prüfenden Fixpunkt und belastet diesen, indem man mit der Hüfte nach unten wippt. Für hartes Testen sind „Adjustable Daisies“ wie die empfohlene Metolius „Easy Daisy“ weniger geeignet. Allerdings zielen die hier beschriebenen Techniken auch nicht aufs extreme Techno-Klettern ab.

Variante 2 – Bounce Test mit Leiter: Man clippt die Leiter in den zu prüfenden Fixpunkt und belastet diesen, indem man mit einem Fuß schwungvoll in die Leiter tritt. Für diesen Test sind lange Leitern wichtig, sofern die Fixpunkte in einem größeren Abstand übereinander liegen. Mit kurzen Leitern wird man eher Variante 1 anwenden. Außer natürlich bei Querungen, wo die Fixpunkte nebeneinander liegen…

Backcleanen

Backcleanen bedeutet, dass der Vorsteiger von ihm angebrachte Sicherungen wieder entfernt. So kann er Material sparen und Seilreibung reduzieren. Dabei sollte klar sein, dass entscheidende Sicherungen in der Wand bleiben müssen! Die schnelle Variante: Anstatt das Seil in den letzten Punkt zu clippen, diesen direkt wieder entfernen. Dies bietet sich beispielsweise bei Cams in langen Rissen an. Die sichere Variante: Zunächst eine absolut sichere Zwischensicherung einrichten (ggf. mehrere Punkte verbinden). Daran wird der Vorsteiger ein Stück weit abgelassen. Beim Wiederaufstieg entfernt er dann das Material, welches unterhalb seiner letzten, absolut sicheren Zwischensicherung liegt.

Pendelquergänge

Die Technik, wenn es auf direktem Wege nicht mehr weiter geht: Der Vorsteiger wird über die letzte, hoffentlich solide Zwischensicherung ein Stück weit abgelassen. Nun pendelt er hin und her, um die nächste kletterbare Struktur zu erreichen. An dieser klettert er weiter – zunächst allerdings, ohne das Seil zu clippen! Nur so bleibt der Seilzug im grünen Bereich und der Nachsteiger kann die Passage ohne Schwierigkeiten „cleanen“.

Standplatz einrichten

Wir bleiben bei der Annahme, dass der Nachsteiger jümart und dass gehault wird. Der Standplatz sollte so aufgebaut werden, dass nicht alles an einem Zentralpunkt hängt. Stattdessen sollten die Aufhängungen fürs Haulseil und fürs Seil, das zum Nachsteiger führt, mit etwas Abstand nebeneinander liegen.

Bei schweren Haulbags wird der Punkt an dem gehault wird, stärker belastet als der Punkt, an dem das Seil fürs Jümarn fixiert ist. Allerdings sind wir mit leichtem Gepäck unterwegs und wählen deshalb einen etwas anderen, vereinfachten Aufbau, der nicht dem typischen Bigwall-Standplatz entspricht!

Das Ganze in Schritten:

  1. Man fixiert sich mittels Selbstsicherungsschlinge oder Positionierungsschlinge in einer guten Arbeitsposition (sofern man nicht zufällig auf einem breiten Band steht).
  2. Einen soliden Zentralpunkt einrichten. Es gelten im Wesentlichen die gleichen Kriterien wie beim Alpinklettern. Allerdings sollte man daran denken, dass sich manche Knoten in dünnen Bandschlingen bzw. Reepschnüren extrem zuziehen, wenn daran gejümart wird. Also Techniken bzw. Materialien verwenden, die sich wieder gut lösen lassen.
  3. Kletterseil im Zentralpunkt mittels Mastwurf fixieren als „lange Selbstsicherung“, die einem noch genug Spielraum zum Arbeiten lässt. Man hängt am Standplatz also nicht im Kletterseil, sondern in der Selbstsicherungsschlinge oder Positionierungsschlinge.

Die weiteren Abläufe

Die weiteren Abläufe sind variabel und müssen vorher im Team abgesprochen werden, damit es in der Wand keine Unklarheiten und kein unnötiges Geschrei gibt. So muss beispielsweise folgende Reihenfolge klar definiert werden: Zuerst wird das Kletterseil so fixiert, dass daran gejümart werden kann, und erst dann wird der Haulbag nachgezogen. So kann man genaugenommen ohne weitere Seilkommandos auskommen – ein großes Plus bei starkem Wind!

Variante 1: Seilkommando: „Stand, Seil fix!“ Der Vorsteiger beginnt mit dem Haulen. Sobald der Haulbag am Haulseil hängt, baut der Nachsteiger den Stand ab und beginnt zu jümarn. Vorteil: Die simpelste und sicherste Variante. Nachteil: Der Nachsteiger muss das ganze Seil mitführen.

Variante 2: Seilkommando: „Stand!“ Der Vorsteiger zieht das Restseil ein und fixiert das Seil, das zum Nachsteiger führt, mit einem weiteren Mastwurf und einem weiteren Schrauber im Zentralpunkt. Seilkommando: „Seil fix!“ Dann beginnt der Vorsteiger mit dem Haulen. Sobald der Haulbag am Haulseil hängt, baut der Nachsteiger den Stand ab und beginnt zu jümarn. Vorteil: Der Nachsteiger muss nicht unnötig viel Seil mitführen. Nachteil: etwas kompliziertere Abläufe. Evtl. fehlt dem Nachsteiger Seil für einen „Lower out“ (s. u.).

Haulen

Zentrales Teil des Aufbaus ist ein Gerät wie Petzl Micro Traxion oder Edelrid Spoc, das Seilrolle und Seilklemme vereint. Dargestellt ist hier der Spoc, weshalb ich in der folgenden Beschreibung auch diesen Begriff verwende, stellvertretend für alle Geräte dieser Art.

Das Ganze in Schritten:

  1. Der Vorsteiger wählt/baut eine zuverlässige Aufhängung für den Spoc – am besten seitlich des Zentralpunkts – und hängt das Gerät dort ein.
  2. Der Vorsteiger fixiert das Ende des Haulseils am Stand und zieht das überschüssige Haulseil durch den Spoc (Haulseil ggf. in Schlingen am Stand anhängen).
  3. Der Nachsteiger löst den Schleifknoten, der den Haulbag bis dahin hielt (s. u.), und hält den Haulbag in der HMS.
  4. Der Vorsteiger strafft das Seil und baut Zug auf (zunächst von Hand).
  5. Der Nachsteiger überträgt die Last aufs Haulseil. Bei schrägem Seilverlauf gibt er langsam weiter Seil aus, um ein Pendeln des Sacks zu vermeiden.
  6. Gleichzeitig zieht der Vorsteiger den Haulbag auf.

So wird am Haulseil gezogen (Haulbag hängt bereits am Spoc):

  • Leichter Haulbag, griffiges Haulseil: einfach per Hand ziehen.
  • Leichter Haulbag mit Rapline als Haul-Line: Ropeman 2 mit Griffschlinge ins „Lastseil“ einlegen. Mit einer Hand durch die Griffschlinge fahren, so dass diese am Handgelenk liegt. Der Zug erfolgt nun hauptsächlich über diese Konstruktion. Gleichzeitig zieht die andere Hand am „unbelasteten Seil“, welches aus dem Spoc ausläuft.
  • Schwerer Haulbag: „Body-Hauling“. Dafür Ropeman ins „unbelastete Seil“ einlegen, welches aus dem Spoc ausläuft, und in die Anseilschlaufe des Gurts clippen. Nun wird mit der Hüfte gezogen.

Wenn der Haulbag am Stand angekommen ist:

  1. Einige cm Seil zwischen Spoc und dem Knoten der Haulbag-Aufhängung lassen.
  2. Haulbag mit HMS und Schleifknoten neben dem Zentralpunkt fixieren. Dafür nimmt man, je nach Setup, das restliche Haulseil, welches von der Aufhängung des Haulbags nach unten hängt, oder die Lower-Out-Line des Haulbags.
  3. Last vom Spoc auf die neue Aufhängung übertragen. Dafür Zähne des Spoc wegklappen. Das gelingt, in dem man den Haulbag ein kleines Stück (es reicht 1 cm) weiter hault und gleichzeitig die Zähne des Spoc wegklappt und arretiert.
  4. Spoc ausbauen, am Ende des Haulseils wieder einbauen und an den Klettergurt des Vorsteigers clippen, für den Vorstieg der nächsten Länge.

Nachstieg

Es kommen verschieden Varianten in Frage:

  1. Der Nachsteiger klettert alles. Diese Variante eignet sich für eher einfaches Gelände mit viel Freikletterei oder auch für komplett eingerichtete „Hakenleitern“. Die Seilschaft braucht in diesem Fall kein Jümar-Kit dabei zu haben und die Abläufe sind unkompliziert. Ggf. muss improvisiert werden, z. B. wenn der Vorsteiger zur Fortbewegung benötigte Fixpunkte wieder entfernt hat („Backcleaning“ oder Fortbewegung an Cliffs).
  2. Der Nachsteiger jümart alles. Diese Variante eignet sich am besten für schwieriges Techno-Gelände. Der Nachsteiger kann bequeme Schuhe tragen und sich beim „Cleanen“ eigenständig in die jeweils beste Arbeitsposition bringen. Der Vorsteiger kann in Ruhe haulen, ohne sich um den Nachsteiger kümmern zu müssen.
  3. Der Nachsteiger wechselt je nach Gelände zwischen der 1. und 2. Variante – wenn nötig auch innerhalb einer Seillänge.

Jümarn

Für den Aufstieg am Seil gibt es unzählige Techniken, Varianten und persönliche Vorlieben. Ich beschreibe hier ein modulares System, das sich ganz einfach anpassen, erweitern und auch abwandeln lässt. Es kommen zwei Handsteigklemmen zum Einsatz, eine für links und eine für rechts (unterschiedliche Ausführungen!). Für das hier beschriebene Setup ist es wichtig, dass unterm Griff der Klemmen jeweils zwei Karabiner eingeclippt werden können. In vielen Fällen geht das nicht, weil ein Loch zu klein bzw. der verwendete Karabiner zu massiv ist. Also das erst mal checken!

Achtung: Eine Handsteigklemme darf nicht als vollwertige Sicherung verstanden werden. Man muss immer an mindestens zwei Klemmen gesichert sein. Also müssen auch die Verbindungen der Klemmen zum Klettergurt sicher sein. Ist das nicht der Fall, z. B. weil man Easy Daisies o. Ä. einsetzt, braucht man zusätzlich ein Backup-System. Gleiches gilt fürs „Cleanen“, wo man die obere Klemme immer wieder vom Seil nimmt (s. u.).

Basis-Setup: Dieser simple Aufbau ist gut geeignet für senkrechtes und überhängendes Gelände und ermöglicht ein motorisch einfaches Aufsteigen am Seil.

  • Rechte Klemme oben, Verbindung zum Klettergurt am besten mit Petzl Adjust Schlinge.
  • Rechter Arm leicht angewinkelt beim Hängen im Gurt.
  • Linke Klemme darunter, Verbindung zum Klettergurt z. B. mit 60-cm-Dyneema-Bandschlinge und Schrauber.
  • Trittschlinge in die linke Klemme.

Erweiterung mit zweiter Trittschlinge: So kann man im geneigten Gelände schnell und effizient Aufsteigen. Motorisch schwieriger, besonders, bis man voll im Seil hängt.

  • Last primär in den Trittschlingen, Füße bewegen sich wie beim Treppensteigen höher.
  • Kein Absitzen in den Klettergurt, außer bei Pausen.
  • Position der Klemmen am Seil ist tiefer, die Arme sind stärker angewinkelt.

Erweiterung mit Backup-System Variante T-Bloc: Diese Technik verwende ich für heikle Jümar-Passagen (z. B. Fixseile durch Dächer) oder wenn die Verbindung zu den Handsteigklemmen nicht sicher ist oder auch beim Cleanen. Ein großer Vorteil dieses Backup-Systems ist, dass es sehr gut am Seil mitläuft.

  • T-Bloc der ersten Generation gleitet bei dicken Seilen besser nach oben. Bei dünnen Seilen eignet sich das T-Bloc der zweiten Generation besser.
  • Einen Ovalkarabiner mit möglichst rundem Profil verwenden.
  • Als Verbindung zum Klettergurt eine 30-cm-Dyneema-Bandschlinge verwenden, damit man etwas Spiel hat.
  • Bei Verwendung eines T-Bloc der ersten Generation ist es in dieser Anwendung nach meinen Erfahrungen besser, den T-Bloc so einzuhängen, dass das Seil außerhalb des Karabiners liegt.

Cleanen

Beim Bigwall-Klettern bedeutet cleanen, dass der Nachsteiger die Zwischensicherungen entfernt und mitbringt. Folgende Technik hat sich dabei bewährt (wobei sie im stark überhängenden Gelände auch an ihre Grenzen stößt): Erreicht der Nachsteiger eine Zwischensicherung, verlagert er die Last auf die untere Klemme, hängt die obere Klemme aus und hängt sie oberhalb Zwischensicherung wieder ins Seil. Nun hängt sich der Nachsteiger in die obere Klemme und entfernt die Zwischensicherung.

Während des Umhängens der oberen Klemme hängt man also nur noch in der unteren Klemme. Wie bereits erwähnt, ist deshalb ein Backup-System notwendig. Üblich ist, das lockere Seil in großen Schlaufen an den Anseilring des Gurtes zu hängen (mittels locker geknüpfter Sackstichschlaufe und Schrauber). So wird die mögliche Sturzstrecke reduziert, sollte(n) die Klemme(n) aus irgendeinem Grund versagen. Mit solchen Seilschlaufen als Backup sind allerdings immer noch weite Stürze möglich.

Kleine Seilschlaufen bringen wiederum den Nachteil mit sich, dass das nötige Seilgewicht unter den Klemmen fehlt, um diese mitschieben zu können. Das Hochschieben der unteren (linken) Klemme ohne Zuhilfenahme der rechten Hand ist dann gar nicht so einfach (der Trick ist, die Zähne der Klemme mit dem Daumen etwas wegzuklappen). Zum gleichen negativen Effekt führt ein Grigri, das von manchen als (zusätzliches) Backup am Seil mitgeführt wird. Mein Ansatz ist deshalb die Verwendung des zuvor beschriebenen Backup-Systems mit T-Bloc. Unabhängig vom Backup-System sollten die Seilschlaufen nicht allzu weit herunterhängen, da sie sich beispielsweise an Felsschuppen verhängen können. Insbesondere bei starkem Wind!

Ergänzung: Es besteht auch die Möglichkeit, zu cleanen ohne im Seil eingebunden zu sein. Dies erleichtert den Aufstieg am Seil und ist beispielsweise in einem Gelände vorteilhaft, wo das Mitziehen der Seilschlaufen nicht praktikabel wäre. Nach dem Cleanen einer Länge wird das Seil dann nachgezogen und der Nachsteiger bindet sich wieder ein. Für eine sichere Anwendung muss ein Backup-System mit zusätzlicher Seilklemme (T-Bloc) und Stopp-Knoten (Sackstichschlaufe) unter der Klemme gewährleistet sein. Achtung: Wegen des vorübergehenden Ausbindens ist diese Variante potenziell fehleranfällig!

Lower out: Diese Technik ist wichtig, um Quergänge mit größeren Abständen zwischen den Zwischensicherungen bzw. Pendelquergänge zu cleanen. Prinzip dieser Technik: Der Nachsteiger lässt sich mittels einer großen Schlaufe des Restseils an einem Fixpunkt ab, der in der Wand belassen wird. So wird ein unkontrolliertes Pendeln vermieden. Eine ausführliche Beschreibung gibt’s in diesem Clip von Supertopo.

Cleanen von Dächern und Quergängen mit vielen Zwischensicherungen: Für solche Passagen, die sich mit Jümarn (wie oben beschrieben) nur schlecht cleanen lassen, gibt es folgende Alternativen:

  1. Der Nachsteiger klettert.

  2. Jümarn mit Grigri. Bei dieser Technik handelt es sich um eine Mischform aus der klassischen Jümar-Technik und einem Selbstflaschenzug. Der Nachsteiger hängt dabei im Grigri (mit Safelock-Karabiner!). Das auslaufende, lockere Seil wird an der linken Handsteigklemme umgelenkt (es wird nur eine Klemme verwendet). Außerdem wird eine Trittschlinge an der Handsteigklemme eingehängt. Mit welchem Fuß man in die Trittschlinge geht, spielt bei diesem Aufbau keine entscheidende Rolle. Beim Aufstieg hat man die linke Hand an der Klemme und zieht mit der rechten Hand am lockeren Seil nach unten.

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Big Wall Light Teil 1 – los geht’s!

19. August 2019
Tipps und Tricks

Fasziniert vom Klettern in großen, schwierigen Wänden, wollte ich schon lange etwas zu diesem Thema schreiben. Aber keinen Erlebnisbericht oder Ähnliches, sondern einen Fachbeitrag mit ausgewählten Techniken, Tipps und Tricks, die sich bei meinen Touren bewährt haben. Die allermeisten Kletterer werden bisher noch keinen Kontakt zum Bigwall-Klettern gehabt haben. Wer sich aber fürs ambitionierte Alpinklettern interessiert, wen die Ausgesetztheit steiler Wände reizt und wer von den großen Routen des El Capitan träumt, der ist hier richtig.

Wenn ich mein Zeug packe für eine Bigwall-Route, gibt es in meinem Kopf eine klare Struktur. Über dieses komplexe, äußerst umfangreiche Thema zu schreiben, ist für mich hingegen viel schwieriger. Deshalb grenze ich es erst mal ein. „Big Wall Light“ – das klingt vielleicht bescheuert, aber es passt als Titel für diesen Beitrag ganz gut. Denn ich will einen leichten, reduzierten Stil beschreiben, der zwischen dem klassischen Alpinklettern und dem, nennen wir es „amerikanischen Bigwall-Klettern“ angesiedelt ist.

Mit dem „amerikanischen Bigwall-Klettern“ ist ein üppigerer Stil gemeint, der sicher für manche Routen erforderlich ist. Er ist aber auch mit einer gewissen Trägheit verbunden. Darüber hinaus soll ein einfacher Zugang zum Bigwall-Klettern vermittelt werden, ohne allzu große Hürden. Soll heißen: Man braucht nicht gleich ein Portaledge, es muss auch nicht zwingend alles Ersparte in dubiose Spezial-Hardware investiert werden, die am Ende dann doch kaum mehr hält als ihr Eigengewicht. Für die „Nose“ zum Beispiel hatten Flo und ich nur einen 16-l-Rucksack dabei und waren pünktlich zum Abendessen wieder zurück am Campingplatz.

Okay, ganz so einfach ist es dann vielleicht doch nicht. Dieser Beitrag ist für Leute gedacht, die sich bereits beim Alpinklettern bewährt haben und die sich – zumindest gedanklich – schon einmal mit dem Thema beschäftigt haben. Die gängigen Sicherungstechniken, der Umgang mit Seilklemmen usw. müssen sitzen, bevor man in große Wände einsteigt.

Ein gewisses handwerkliches Geschick kann auch nicht schaden. Außerdem sollte man sich dem Thema „Behelfsmäßige Bergrettung Fels“ widmen. Dabei entwickelt sich ein gutes Verständnis für kompliziertere Seiltechniken und man lernt zu improvisieren, wenn es einmal klemmt.

Mein persönlicher Zugang zum Bigwall-Klettern erfolgte in ganz kleinen, nicht immer zielführenden Schritten. Die meisten Techniken haben Lukas und ich uns in jungen Jahren irgendwie selbst erarbeitet. Erst später erhielten wir als Mitglieder des DAV Expeditionskaders eine halbwegs seriöse Bigwall-Ausbildung. Allerdings standen für mich damals immer andere Themen – klassischer Alpinismus, Eisklettern, die Bergführerausbildung – im Vordergrund. Nach jeder Bigwall-Aktion hatte ich erst einmal die Schnauze voll vom Schleppen schwerer Säcke, dem Kuddelmuddel mit dem ganzen Material und dem langsamen vorankommen. Es lief nicht rund. Wir waren damals zwar stark, aber technisch und taktisch einfach nicht gut genug.

Mittlerweile läuft es deutlich besser. Bigwall-Klettern steht in meiner Wahrnehmung nicht mehr für Schinderei, sondern für eine große Spielwiese. Darüber hinaus ist es für mich ein entscheidendes Puzzleteil beim Erfüllen von Bergträumen. Entscheidend für diese Entwicklung war nicht zuletzt, dass es mir Freude bereitet hat, mein System über viele Jahre hinweg immer weiter zu optimieren. Klar, es ist noch nicht perfekt und das wird es auch nie sein. Aber ich denke, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt guten Gewissens ein paar Erfahrungen teilen kann.

Mein Beitrag soll in vier Teilen erscheinen. Nach dieser Einführung wird es im zweiten Teil konkreter: Es geht dort um die Zusammenstellung der wichtigsten Ausrüstung. Teil Drei trägt den Titel „Technik und Taktik“. Hier wird es spannend (hoffe ich). Im vierten Teil – „Gebiete, Ziele, Routenempfehlungen“ – beschreibe ich ein paar ausgewählte Gebiete in den Alpen (und darüber hinaus). Parallel empfehle ich folgende Literatur:

  • How to Big Wall Climb, Chris McNamara, Supertopo Verlag (englischsprachig)
  • DAV Alpin Lehrplan 5 – Klettern – Sicherung und Ausrüstung, Chris Semmel, blv Verlag

Gute allgemeine Informationen finden sich auch in folgenden beiden Lehrschriften:

  • Alpinklettern, Peter Albert, Bruckmann Verlag
  • Handbuch Ausbildung des Deutschen Alpenvereins

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Wie du im Downhill besser wirst!

23. August 2019
Tipps und Tricks

Meine Freundin steht am Gipfel des ersten Berges, den sie mit Trailrunning-Schuhen erklommen hat. Die Knie zittern, der Puls rast. Und das obwohl sie noch nicht einmal losgelaufen ist. Der Aufstieg war einfach, der bevorstehende Downhill macht ihr Angst. Die fehlende Erfahrung im steilen und technischen Gelände werden zur ultimativen Herausforderung… Das war einmal. Heutzutage springt sie wie eine junge Gams neben mir den Trail hinab.

Downhills geben dir die Möglichkeit, mit geringerer Anstrengung mehr Distanz zu bewältigen. Bergab läuft es durch die Schwerkraft immer irgendwie. Je effektiver du im bergab laufen wirst, desto weniger musst du bremsen und desto effizienter kannst du deine Energie einsetzen. Ideale Trainingsmöglichkeiten sind oft nicht leicht zu finden. Der Großteil der Trailrunner lebt weit entfernt von den Bergen. Die Wetterbedingungen in den Alpen sind gerade früh im Jahr nicht ideal zum Laufen in den Bergen.

Wie kannst du dich also vorbereiten, wenn dein Event bereits im April stattfindet? Du lebst im Flachland. Hier soll es möglich sein Höhenmeter zu trainieren? Wenn du diese Angst kennst oder dich generell beim bergab laufen verbessern mochtest können dir diese Tipps vielleicht weiterhelfen.

Es kommt auf die Details an

Das ist keine großartig neue Erkenntnis, oder? Aber trotzdem der wichtigste Faktor.

Hat dein Rennen 3000 Höhenmeter verteilt auf zwanzig kleine Hügel oder drei lange Anstiege von jeweils 1000 Höhenmeter? Es macht durchaus Sinn, sich die Höhenprofile der zu bewältigenden Strecken im Vorfeld einmal etwas genauer anzusehen. Sie geben dir schon eine grobe Übersicht darüber, was dich erwartet.

Manche Veranstalter veröffentlichen auf ihrer Homepage detaillierte Karten der Strecke. Auf diesen kannst du sehen, wo dich Trails und wo andere Untergründe wie Forstwege oder Straßen erwarten. Auf Forstwegen kannst du viel schneller bergab laufen als auf technischen Trails, bei denen du alle paar Meter über einen Stein klettern musst. Je mehr Zeit du in spezifischem Gelände läufst und trainierst, desto besser wirst du vorbereitet sein.

Finde die optimalen Trails für dein Training

Optimalerweise läufst du einen Teil der Strecke deines Rennens schon einmal im Training ab. Leider ist das meistens nur sehr begrenzt möglich. Entweder die Rennstrecke ist zu weit von deinem Wohnort entfernt oder auf den Trails liegt früh im Jahr noch meterhoch Schnee.

Also solltest du versuchen Trails in deiner näheren Umgebung zu finden, die möglichst steil sind. Wenn sie nur kurz sind kannst du mehrmals bergauf- und ab laufen.

Oder du fragst andere Läufer in deiner Gegend wie und wo sie für Trailrunning-Events in den Bergen trainieren. Selbst wenn es nur kleine Hügel mit fünfzig Höhenmetern sind. Es wird auf jeden Fall effektiver sein, als immer nur flach die Hausrunde zu laufen.

Downhill-Training geht auch ohne Trails

Die folgenden Alternativen sind für Trailrunner nicht unbedingt attraktiv. Dafür können sie aber trotzdem sehr effektiv sein. Gerade an Tagen, an denen du wenig Zeit hast oder die Trails doch wieder zu weit weg und der Jahresurlaub schon verbraucht ist.

  • Laufband – Manche modernen Laufbänder lassen sich mit bis zu 6-7% Steigung bergab einstellen. Die Dauer wählst du selbst. Je länger deine Downhills, desto länger darfst du deine Oberschenkel quälen.
  • Fußballstadion – Schon mal die ganze Tribüne runter gelaufen? Da kommen schon ein paar Höhenmeter zusammen. Gerade in Verbindung mit dem Bergauf-Training wenn du das ganze anschließend wieder hoch läufst.
  • Treppen – kennst du den Mount Everest Treppenmarathon in Radebeul bei Dresden? Die Treppe dort hat ungefähr 80 Höhenmeter Aufstieg pro Runde und die Teilnehmer müssen einmal den Aufstieg zum höchsten Berg der Welt darauf absolvieren. Bestimmt gibt es bei dir in der Nähe auch ein paar längere Treppen, auf die du zurückgreifen kannst.
  • Parkhäuser und Brücken – Hier schafft man meistens nicht mehr als ein paar Höhenmeter. Aber bei mehreren Runden kommt auch einiges zusammen.

Die richtige Downhill Technik

Es gibt einen richtigen und einen falschen Weg, um bergab zu laufen. Es macht keinen Unterschied wie steil oder lang der Downhill ist, die Technik bleibt immer dieselbe.

Wenn du „falsch“ läufst verschwendest du viel wertvolle Energie und wirst anfälliger für Überlastungen und Verletzungen im Sprunggelenk, den Schienbeinen und den Hüften. Versuche also in den späten Phasen deines Rennens besonders auf eine gute Technik zu achten. Dies wird durch die Ermüdung der Muskeln und deiner Energiereserven eine zusätzliche Herausforderung. Koordination und Balance sind gefragt.

Daher habe ich hier ein paar Tipps für dich:

Bleib entspannt

Der Körpermittelpunkt bleibt angespannt, während die Beine, Gesäßmuskulatur, Arme und Schultern locker bleiben. Dies hilft dir dabei, die Balance zu halten und Energie zu sparen. Den Rest übernimmt die Schwerkraft. Kilian Jornet sagt immer: „Downhill laufen ist wie tanzen“. Und dort bewegst du dich ja (hoffentlich) auch nicht wie ein Roboter.

Versuche senkrecht zu bleiben

Kippe nicht nach vorn oder hinten. Die Knie nach oben und unten heben, nicht nach vorne oder zur Seite. Benutze deine Arme und Schultern, um deinen Körper auszubalancieren. Besonders wenn das Gelände steiler wird.

Fuß und Körper bilden eine Linie

Die Füße landen optimalerweise direkt unter deinem Körper. Stell dir vor, dass deine Füße bei jedem Schritt hinter deinem Körper aufkommen. Das ist nämlich gar nicht möglich. Aber es kann dir helfen dich nicht zu weit zurückzulehnen.

Werde zum Filmemacher

Lass dich ab und zu von jemand anderem beim Downhill filmen. Eine Go Pro oder Ähnliches ist gut, aber das Handy tut es genauso gut. So kannst du hinterher analysieren, wo du dich bereits verbessert hast. Und woran noch zu arbeiten ist.

Mach kleinere Schritte (höhere Kadenz)

Versuche nicht deine Schritte zu verlängern, um schneller zu sein. Ganz viele kleine Schritte, bei denen du schnell wieder vom Boden abhebst, sind für die Muskulatur viel weniger anstrengend als große Schritte, bei denen die Muskulatur dein komplettes Körpergewicht „auffangen“ muss. Uhren wie die Suunto Ambit oder Garmin Forerunner/Fenix (LINK) können die Kadenz (=Schrittfrequenz) messen und anzeigen, ideal sind etwa 160-180 Schritte pro Minute. Bei schnellen, technischen Downhills kann die Kadenz auch deutlicher höher sein.

Stretchen

Viele Trailrunner scheuen das Stretchen genauso wie die Straße. Je flexibler du bist, desto besser kann sich dein Körper auf die verschiedenen Situationen am Berg einstellen. Ganz gleich ob bergauf oder bergab.

Vorausschauend laufen

Nicht direkt nach unten auf deine Füße schauen, sondern ein paar Meter voraus auf den Trail. So kann sich dein Gehirn schon einmal auf die kommenden Hindernisse vorbereiten. Deine Füße finden dann fast automatisch die richtigen Schritte und du kommst nicht aus deinem Rhythmus.

Je mehr Downhill du trainierst, desto besser wirst du werden. Nicht indem du jedes Mal wieder langsam läufst. Aber es geht nicht von heute auf morgen und das wichtigste überhaupt ist es, so viel wie nur möglich ins Training einzubauen.

Denn in Zukunft willst du ja auch abwärts tanzen wie Kilian und Emelie und nicht nur irgendwie ankommen!

Wie quere ich einen Fluss?

17. Juli 2019
Tipps und Tricks

Fließendes Gewässer kreuzt den Weg beim Trekking, Wandern und Bergsteigen recht häufig. In den Alpen findet man oft genau da, wo man es braucht, eine Brücke oder ähnliche Konstruktion. Ganz anders kann das aussehen, wenn man in Skandinavien oder auf anderen Kontinenten unterwegs ist. Dann braucht es fürs Gewässer queren hier und da etwas Knowhow und Equipment.

Wenn das womöglich noch kräftig strömende Hindernis breiter als nur ein paar Schritte und tiefer als Kniehöhe ist, kann das Waten oder Furten, wie man die Gewässerquerung fachfrauisch nennt, zu einer kniffligen und zeitintensiven Angelegenheit werden.

Planung ist die halbe Querung

Man sollte Touren natürlich nicht zu Tode planen, denn eine Prise Abenteuer, Spontanität und Überraschung ist das Salz in der Outdoorsuppe. Doch das heißt nicht, dass man Gewässerquerungen blind dem Zufall überlassen sollte. Denn sie sind oftmals „Schlüsselstellen“, an denen man nicht vorbeikommt und wo ein Scheitern das vorzeitige Ende einer ganzen Trekkingreise bedeuten kann.

Deshalb ist Vorabrecherche betreffs Wasserständen und günstigsten Furtstellen vor allem dann angesagt, wenn man abgelegene und wenig erschlossene Gegenden anpeilt. Hat man nämlich kritische Querungen in der geplanten Route ausgemacht, kann man von daheim aus in aller Ruhe mögliche Umwege und Alternativrouten sondieren. Vor Ort kann man, sofern vorhanden, andere Wanderer, Hüttenwarte oder Parkranger nach dem neuesten Stand fragen.

Wann queren?

Zeit und Ort spielen natürlich eine große Rolle, besonders im Gebirge und in der Nähe von Gletschern. Sowohl die jahreszeitlichen als auch die tageszeitlichen Schwankungen der Wassermenge können enorm sein. Gründe dafür können nicht nur Regen und Schneeschmelze, sondern auch geothermale Aktivitäten in vulkanisch geprägten Zonen sein.

Die tageszeitliche Schwankung hat für meine bislang kniffligste eigene „Furt“ gesorgt. Frühmorgens hatte der Gletscherbach noch bis Höhe halber Unterschenkel gereicht. Kein Problem, die zwei als Stützen mitgebrachten Äste brauchte ich nicht. Doch da ich nachmittags den gleichen Weg zurück musste, legte ich sie sorgsam in einer Felsnische ab (wenn ein Ast mehr als körperlang und robust ist, reicht einer, doch diese waren kürzer und schwächer, deshalb zwei).

Nachmittags war der Bach wie erwartet angeschwollen. Das war klar, doch dass er in der Mitte bis über die Gürtellinie reichte, war doch etwas mehr als gedacht. Dummerweise war von den Ästen nur noch einer da. Sollte den anderen etwa jemand geklaut haben? …

Wie auch immer, es klappte bis zur Mitte auch ganz gut mit dem einen Ast. Doch dann saugte mir die Strömung den rechten Croc (diese praktischen Gummischuhe) trotz geschlossenem Bügels vom Fuß. Ich verlor für einen Sekundenbruchteil das Gleichgewicht, als der nackte Fuß auf den Kieseln Halt suchte und nahm um ein Haar ein Vollbad, das frühestens ein paar hundert Meter weiter in einem kleinen See geendet hätte. Der Rest gelang trotz höchster Konzentration nur mit Ach und Krach.

Welche Lehren kann man daraus ziehen? Nun, Bäche, die von Schmelzwasser gespeist werden, sollten so früh wie möglich morgens gequert werden. Doch wie man sieht, kann man das Timing eben nicht immer passend steuern. Womöglich muss man gar mal eine ungeplante Zwischenübernachtung einlegen. Und: Trekkingstöcke sind nicht nur dazu da, alternde Knie zu schonen. Einst standhafter Stockverweigerer würde ich heute nicht mehr ohne Stöcke in abgelegenen Ecken herumtrekken.

Schlechtes Timing und andere Fehler: Chris McCandless

Der wohl bekannteste, spektakulärste und irgendwie auch vermeidbarste Todesfall durch gescheiterte Flussquerung ist wohl der von Christopher Johnson McCandless. McCandless erlangte post mortem Weltruhm, als tragischer Held in Jon Krakauers Bestseller „Into the Wild“.

Seine letzte Reise führte McCandless zu einem alten Schulbus, der im Denali Nationalpark in Alaska vor sich hin rostet. Ein Fluss, den McCandless bei seiner Ankunft ohne große Probleme überqueren konnte, hatte sich wegen der sommerlichen Schneeschmelze in einen reißenden Strom verwandelt, sodass er beim Versuch der Rückkehr nicht mehr durchwaten konnte. „Als fatal erwies sich, dass ihm eine (detaillierte) Landkarte fehlte, denn darauf wäre eine handbetriebene Schwebefähre über den Fluss etwa 400 Meter stromabwärts eingezeichnet gewesen – ebenso wie mehrere Hütten (z. T. von der Nationalparkverwaltung) wenige Kilometer entfernt im Süden. McCandless kehrte zum Bus zurück und hoffte durchzuhalten, bis zufällig, vor allem bedingt durch die Jagdsaison, Hilfe käme.

Die Hilfe kam jedoch nicht, sodass McCandless nach 113 Tagen allein in der Wildnis an nicht genau geklärten Ursachen starb.

Wo queren?

Manchmal hat man aufgrund der Geländestruktur keine Auswahl. Dann klappt es entweder an Ort und Stelle oder gar nicht. Wenn das Terrain es aber zulässt, sollte man sich natürlich die günstigste Stelle suchen. Das kann dort sein, wo der Fluss sich in viele Arme verästelt. Oder auch dort, wo er zwar breiter ist, dafür aber Strömung und Wassertiefe geringer sind. Wenn die Strömung gering ist, kann auch tieferes Wasser leichter gequert werden. Doch Vorsicht: an solchen „trägen“ Stellen kann tiefer Sand oder Schlamm abgelagert sein. Hier hilft ein möglichst langer Watstock zum vorantasten.

In Führern beschriebene Stellen können schon nach kurzer Zeit unbrauchbar sein, da natürliche Gewässer besonders im Gebirge ihr Bett und ihren Verlauf ständig ändern.

Das Outdoor-Magazin gibt den Tipp, nie vor einem Wasserfall zu furten. Nun, das leuchtet ein. Ähnliches gilt für Stromschnellen und Stufen. Neben den eher offensichtlichen Gefahren kann es aber auch verborgene Überraschungen geben: so wälzen sich bei stärkerer Strömung bisweilen große Gesteinsbrocken über den Gewässergrund und können einen aus dem Gleichgewicht bringen.

Wichtig ist, wie das Outdoor-Magazin schreibt, auch stets der prüfende Blick ans andere Ufer: „steile, lockere Moränenhänge, ausgespülte und damit rutschige Felswände sowie angeschwemmtes Treibholz können unüberwindbare Hindernisse darstellen.“

Vor dem Wasserkontakt beachten

Bevor es losgeht, ist ein kurzer Ausrüstungscheck angesagt. Sind alle wichtigen und wasserempfindlichen Gegenstände abgedichtet? Gibt es für den Notfall genug Wechselklamotten? Liegt der Schwerpunkt des Rucksacks nicht zu hoch?

Schuhwerk unter den Sohlen ist hier ein Muss. Es sollte die Zehen schützen und fest am Fuß sitzen. Crocs sind zwar vielseitig, leicht, wasserfest und prinzipiell geeignet, sollten aber wirklich gut sitzen. Sonst können sie sich – siehe oben – eventuell doch mal verabschieden. Mit Trekkingstiefeln queren ist keine gute Idee, es sei denn man hat die Zeit und das Wetter fürs trocknen. Sie werden so am Rucksack befestigt, dass sie sich nicht lösen und das Gleichgewicht möglichst wenig stören.

Den Brustgurt des Rucksacks lässt man immer offen, um ihn im Fall des Falles loswerden zu können. Oft wird geraten, auch den Hüftgurt offen zu lassen, doch es gibt auch Gegenmeinungen. In seinem Standardwerk Outdoor Praxis schreibt Rainer Höh, dass der Rucksack mit offenem Gurt bei plötzlichen Bewegungen leicht verrutschen und das Gleichgewicht gefährden kann. Wenn man vorbereitet ist, kann die Hüftschnalle laut Höh meist auch schnell geöffnet werden.

Die eine goldene Regel gibt es hier nicht, da der Rucksack zwar in ungünstiger Position den Kopf nach unten drücken kann, normalerweise aber durch die Luftpakete im Inneren nicht sinkt und somit sogar Hilfe beim Schwimmen bieten kann. Man sollte ihn jedenfalls nicht leichtfertig opfern, da der Verlust des gesamten Gepäcks schwerer wiegen kann als das unfreiwillige Bad.

Wie queren? Tipps zum Furten

Spätestens ab Knietiefe beginnt man, mit dem Stock/ den Stöcken voranzutasten und für sicheren Stand zu sorgen. Die folgenden Tipps sind dem Buch von Rainer Höh entnommen, da Tipps aus Blogs und Foren sich teils widersprechen und Details wie Blickrichtung und Gehrichtung nicht immer sauber unterscheiden.

Höh rät, in einem Winkel von etwa 45° stromabwärts und mit dem Gesicht stromauf zu gehen. Für das optimale Gleichgewicht stehe man dabei quer zum Strom oder leicht seitlich, mit dem vorderen Bein stromab versetzt.

Den Watstock setze man immer stromauf etwa einen Meter vor dem Körper auf und lehne sich dagegen. Stockspitze und Füße bilden möglichst immer ein Dreieck (mit Trekkingstöcken kann man entsprechend ein Viereck bilden). Setzt man den Stock/die Stöcke stromab, gerät man beim Weitersetzen in eine instabile Position.

Wollen mehrere Personen sich gegenseitig helfen, sollte die kräftigere Person nicht versuchen, die „Schwächere“ von stromab aus zu stützen, sondern die Strömung von stromauf aus „abfangen“. Andernfalls ist die Gefahr groß, dass bei Gleichgewichtsproblemen beide baden gehen.

Bei drei oder mehr Personen kann man gemeinsam waten, indem man eine lange, kräftige Stange festhält und quer zur Strömung vorangeht. Die Stange verläuft also parallel zur Strömung. Die schwerste Person befindet sich stromab als „Anker“, die leichteste Person macht den „Strömungsbrecher“. Verliert Letztere das Gleichgewicht, kann sie sich an der Stange festhalten. Das Risiko, dass die ganze Gruppe den Halt verliert, lässt sich zwar nicht ausschließen, doch je größer die Gruppe ist, desto geringer wird es.

Breit und tief: Furten mit Hilfsmitteln

Trekkingstöcke oder ein langer, starker Ast von etwa zwei Meter Länge gehören zur Grundausstattung einer Querung. Sie reichen aus, wenn das Gewässer bis etwa Hüfthöhe reicht und keine starke Strömung hat. Wenn es darüber hinausgeht, wird auch der stärkste Mensch vom Wasser umgeworfen. Queren ist dann nicht mehr ohne technische Hilfsmittel möglich. Ein extra mitgebrachtes Seil wäre solch ein Hilfsmittel.

Das Seil kann zwar theoretisch vielseitig unterstützen, hilft aber in der Praxis manchmal ernüchternd wenig weiter. Die Probleme können hier schon ziemlich komplex und das Flussqueren zur Wissenschaft werden – wie dieser Diskussionsthread der Outdoorseiten zeigt.

Dort wird viel über Pendelmethoden gefachsimpelt, bei denen man das Seil möglichst weit in Gewässermitte an einem Baum oder anderen Fixpunkt verankert und an diesem gesichert das Gewässer in einer Pendelbewegung durchwatet. Das Handling einer solchen Aktion, bei der gleichzeitig das Seil geführt und gewatet werden muss, stellt sich aber nicht selten als schwierig bis unmöglich heraus. Rainer Höh hat solche Selbstsicherungen mittlerweile als „Unfug“ verworfen …

Bei anderen Seilmethoden wie der Seilbrücke besteht das Problem, dass das Seil zuerst ohne Seilhilfe ans jenseitige Ufer gelangen und verspannt werden muss. Ein weiteres Problem der Seilbrücke ist, dass sie ein Statikseil benötigt. Ein Kletterseil würde bei Belastung durch eine Person viel zu tief durchhängen, egal wie fest man es verspannt.

Und selbst mit Statikseil wird die Konstruktion kaum mehr als den Rucksacktransport ermöglichen. Hinzu kommt, dass es mit zunehmender Flussbreite immer schwieriger wird, das in der Strömung hängende Seil nachzuziehen. Man müsste eine dünne Schnur verwenden, an der nach erfolgter Querung das Seil nachgezogen wird.

Ein Seilgeländer ist schon eher eine realisierbare Konstruktion. Dieses von der erfahrensten/stärksten Person nachgezogene und gespannte Seil kann von anderen Gruppenmitgliedern als Geländer zum Festhalten benutzt werden. Letztere können sich auch mit einem Karabiner daran fixieren (Verbindung über kurzes Seilstück unter den Armen oder Brustgurt).

Weitere Hilfsmittel wie selbstgebaute Flöße sind eher etwas für erlebnispädagogische Aktionen und bieten wohl nur bei verschärften Wildnisabenteuern ein realistisches Verhältnis von Aufwand zu Ertrag. Ein sehr kleines Floß, das nur das Gepäck trägt und neben dem man herschwimmt, kann aber durchaus schnell gebaut sein. Eine Bauanleitung sprengt hier dennoch den Rahmen. Vielleicht wäre das ja einen künftigen eigenen Artikel wert …

Stöcke beim Trailrunning: meine persönliche Hassliebe

25. Juni 2019
Tipps und Tricks

Der Anstieg ist steil – sehr steil sogar. Meine Füße rutschen im nassen Laub bei jedem Schritt gefühlt zwei Meter zurück. Die Oberschenkel brennen, der Puls eindeutig zu hoch für den zweiten Anstieg im Rennen. Ich bleibe kurz stehen und schaue zurück ins Tal. Mit schnellen Schritten kommt Denise Zimmermann, eine der weltweit besten Damen im Ultra-Trail, auf mich zu. In den Händen hält sie das, was ich mir gerade sehnlichst wünsche: ein paar Trailrunningstöcke! Leichtfüßig überholt sie mich und ich marschiere weiter bergauf, mich selbst verfluchend, weil ich gefühlt als einziger im ganzen Rennen keine Stöcke dabeihabe.

„Aller Anfang ist schwer und die Profis laufen ja auch immer alles…“

Das waren meine Gedanken als ich angefangen habe in den Bergen zu laufen. Ich war strikt gegen den Einsatz von Stöcken. Meiner Meinung nach ergaben sich daraus nur Nachteile, die mich daran hinderten, möglichst effektiv den Berg hoch- und herunter zu kommen. Meine Gedanken zu Stöcken waren unter anderem folgende:

  • Der Einsatz von Stöcken kostet mich mehr mentale Energie, weil ich mich darauf konzentrieren muss, wo auf dem Trail ich sie platziere.
  • Sie nerven mich, weil ich sie dauernd in den Händen halten muss.
  • Durch andauernden Einsatz der Stöcke bekomme ich Blasen an den Händen.
  • Stöcke sind was für Leute, die nicht bergauf gehen können.
  • Mehr Gewicht im Laufrucksack, wenn ich sie nicht benutze.
  • Vor dem Downhill muss ich sie zusammenfalten und im Laufrucksack verstauen, das kostet Zeit.
  • Meine Arme und der Rücken ermüden zusätzlich durchs bergauf gehen mit den Stöcken.
  • Sicherheitsrisiko bei einem Sturz.

Die Erleuchtung des Stockverweigerers

Wie ich heute darüber denke? Stöcke sind auf jeden Fall für Profis genauso wertvoll wie für den Anfänger. Selbst erfolgreiche Läufer wie Kilian Jornet, Emelie Forsberg oder Luis Alberto Hernando verwenden bei längeren bzw. sehr steilen und technischen Rennen wie dem Ice Trail Tarentaise oder Hardrock 100 Stöcke zum bergauf gehen. Ich selbst habe dieses Jahr bei zwei meiner fünf Ultra-Trail Wettkämpfe Stöcke benutzt. Die Strecken hatten jeweils 5000 und 7000 Höhenmeter und ich war beide Male froh, nicht wieder nach vorne gebeugt den Berg hochkeuchen zu müssen. Auch für die oben erwähnten Nachteile gibt es einfache und simple Lösungen:

  • Durch den richtigen Einsatz kann ich mehr Energie sparen als mich die zusätzliche Konzentration kostet.
  • Radhandschuhe oder andere dünne Handschuhe schützen gegen Blasenbildung.
  • Das Mehrgewicht relativiert sich mit der Energieersparnis.
  • Ich kann meine Stöcke bereits auf den letzten Metern des Anstiegs zusammenlegen und im Rucksack verstauen, so verliere ich keine Zeit.
  • Durch regelmäßiges Training mit Stöcken werden auch die Arme und der Rücken trainiert.
  • Wenn ich meine Hände richtig in die Schlaufen lege ist das Sicherheitsrisiko sehr gering.

Heutzutage möchte ich die Stöcke bei langen, technischen Anstiegen nicht mehr missen. Daher erkenne ich heutzutage besonders diese Vorteile:

  • Durch den Stockeinsatz kann ich bergauf aufrechter und damit „natürlicher“ gehen.
  • Der Rücken wird durchs aufrechtere gehen zusätzlich entlastet.
  • Die Oberschenkel und Wadenmuskulatur wird nicht so stark beansprucht.
  • Verbesserte Balance in rutschigem, steilem Gelände.
  • Durch weniger Anstrengung auf Dauer des Rennens gesehen energiesparender.
  • Gleichmäßigerer, natürlicher Rhythmus durch Einsatz von Stöcken in laufbaren Anstiegen und im flachen.

Die richtige Stocktechnik

Idealerweise sollten die Hände immer von unten in die Schlaufen gelegt werden, um eine optimale Kraftübertragung auf den Griff zu erzielen. Lediglich wenn es bergab geht, sollten die Hände sicherheitshalber nicht in den Schlaufen sein, um bei einem Sturz keine Verletzungen zu riskieren.

In flachem oder leicht ansteigendem Gelände ist der diagonale Stockeinsatz am effektivsten. Genau wie beim Nordic Walking oder der klassischen Langlauftechnik werden die beiden Stöcke jeweils abwechselnd eingesetzt. Das bedeutet: Linker Fuß, rechter Stock; rechter Fuß, linker Stock.

Wenn es steiler bergauf geht, ist der Doppelstockeinsatz die Methode der Wahl. Indem beide Stöcke gleichzeitig parallel vor dem Körper aufgesetzt werden, kann man sich sehr gut „nach oben schieben“. Durch diese Technik werden die Beine entlastet und besonders bei langen Anstiegen beim Trailrunning kann man viel Energie sparen.

Bei steilen Querungen an Hängen kann einer der beiden Stöcke etwas unterhalb gegriffen werden, um für die nötige Balance zu sorgen.

Mein Fazit zum Stockeinsatz beim Trailrunning

Ich persönlich benutze meine Stöcke ausschließlich zum bergauf laufen. Bevor es hinab geht, befestige ich sie an meinem Laufrucksack. Meiner Meinung nach hat der Einsatz von Stöcken im Downhill keine nennenswerten Vorteile. Außer das Gelände ist sehr technisch oder rutschig, z.B. auf Eis oder in steilen, ausgesetzten Schneepassagen. Du kannst sehr viel mehr Energie sparen und zudem schneller bergab laufen, wenn du an deiner Technik fürs Bergablaufen arbeitest. Wie das geht, erkläre ich dir in meinem nächsten Beitrag.
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Alt, unfit, ahnungslos? Dann auf zum Klettern!

19. Juni 2019
Tipps und Tricks

Schaut man sich in der großstädtischen Kletterhalle um, dominiert schon irgendwie der Typus jung und gut gebaut. Doch es gibt immer auch genügend Leute jenseits aller Fitness-, Alters- oder Schönheitsnormen. Und das ist gut so, denn die Vorzüge und Freuden des Kletterns sollen ja allen zugänglich sein. Deshalb gilt: wenn man es will, dann kann und darf man auch mit Hüftumfängen jenseits der 100 Zentimeter und Alterszahlen jenseits der Fuffziger hier mitspielen!

Doch wie macht man das, wenn es sich quasi unmöglich anfühlt? Der folgende kleine Leitfaden trägt hoffentlich dazu bei, die Frage zu beantworten und den Einstieg in die ersten gelungenen Klettermeter leichter zu machen.

Wer „darf“ mit klettern anfangen?

JedeR kann und darf mit klettern anfangen. Es gibt keine Regel, die irgendjemanden ausschließt, auch wenn es immer irgendwelche Gralshüter gibt, die Unsinn erzählen, um den Anschein von Wichtigkeit zu erwecken.

Ein scheinbares Hindernis ist das etwas überzogene Image des Kletterns. Nach wie vor hat es den Ruf, schwierig und gefährlich zu sein. Vor dreißig Jahren gab es tatsächlich viele Hindernisse und man brauchte eine Prise Glück, um eine Kletterlaufbahn ohne größere Blessuren aufzuziehen. Heute sind die Risiken und Einstiegshürden so weit heruntergeschraubt, dass Klettern in den Fitnessstudios zwischen Spinning und Aerobic läuft. Deshalb ist der Zugang zum Klettern auch für Menschen möglich, die auf den ersten Blick keine guten Voraussetzungen haben.

Zu alt?

Klettern ist entgegen der landläufigen Vorstellung ein „altenfreundlicher“ Sport. Es ist für den Körper eine zwar anstrengende, doch völlig natürliche Bewegungsform. Man kann sehr viele Kletterrouten in langsamen und geschmeidigen Bewegungen bewältigen und Kraft kann häufig durch gute Technik ersetzt werden. Ganz anders sieht es bei Ballsportarten oder Leichtathletik aus, wo häufige ruckartige Bewegungen für reichlich Verschleiß und Verletzungen sorgen.

Manche ältere Kletterer wie der Sportreferent Rainer Öhrle sind gar der Meinung, das Klettern „wie gemacht für Ältere“ ist. Öhrle bietet im Haus 44 der Evangelischen Jugend Stuttgart Kletterkurse für die Generation 50+ an. Solche Kurse und Gruppen für Ältere gibt es auch in immer mehr Sektionen des Alpenvereins. In den Sektionen Ulm und Neu-Ulm lassen die Alten mit ihrem Niveau viele Jungspunde hinter sich.

Es ist sogar nicht nur möglich, in fortgeschrittenem Alter ins Klettern einzusteigen, sondern auch, auf höchstem Niveau zu klettern. Letzteres zeigen Spitzenkletterer wie Stevie Haston, dem im Alter von 52 Jahren seine erste 9a(!) Route gelang. Dieses Niveau wird man natürlich nicht mit einem späten Einstieg erreichen, doch das Beispiel zeigt, dass vieles möglich ist.
Eine weitere erfreuliche Entwicklung für Ältere: In modernen Kletterhallen sind Griffe und Routen so beschaffen und geschraubt, dass ungünstige und extreme Belastungen für Gelenke, Sehnen und Bänder eher selten sind.

Die einzige wirkliche „Einschränkung“ der Älteren ist, dass sie dem Körper mehr Zeit zum Regenerieren geben müssen.

Zu viel auf den Rippen?

Übergewicht macht die Sache sprichwörtlich schwerer, aber nicht unmöglich. Ein paar Extrakilo sind überhaupt kein Grund, sich vom Klettereinstieg abhalten zu lassen. Bei massivem Übergewicht sollte man aber das Klettern in ein Gesamtkonzept zum Abnehmen und fitter werden einbetten. Ob klettern beim Abnehmen hilft, ist umstritten. Im Zusammenspiel mit einer Ernährungsverbesserung und einem „kreislaufbetonten Ausgleichssport“ wie Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking hilft es mit Sicherheit.

Beim Querlesen durch Foren und Frage-Antwort-Seiten zum Thema „klettern anfangen mit Übergewicht“ kam mir der Eindruck, dass die Angst vor schiefen Blicken und Gelächter ein größeres Hindernis ist als die physischen Anstrengungen. Hier kann man natürlich aufmunternd einwenden, dass bei den Kletterern auf einen Idioten mindestens ein bis zwei freundliche und aufgeschlossene Leute kommen (wer das für eine schlechte Quote hält: Kletterer sind halt auch nur ein Spiegel der Gesellschaft ;-)).

Noch besser wäre es, mal eingehend darüber nachzudenken, ob Reaktionen und „Meinungen“ von teils völlig fremden Leuten wirklich Einfluss auf die eigenen Handlungen haben sollten. Vor allem, wenn diese Menschen mit ihrer Herablassung in erster Linie nur zeigen, wie eng ihr eigener geistiger Horizont ist. Also, nochmal: soll man wirklich irgendwelchen Wichteln Macht über das eigene Leben geben, indem man sich von ihnen abhalten lässt, Dinge durchzuziehen und Spaß zu haben?

Last but not least: es gibt auch definitiv übergewichtige UND gute Kletterer. Mit dem Briten John Dunne gab es in den Neunzigern sogar einen schweren Jungen in der obersten Kletterliga. Doch leider mangelt es nach wie vor an inspirierenden Erfahrungsberichten, sodass die Klettertipps für Übergewichtige meist von Leuten stammen, die selbst keine Probleme mit den Pfunden haben.

Partner oder allein? Do-it-yourself oder „betreut“? Draußen oder Halle?

Der Einstieg ins Klettern und Bouldern ist mit Partner(n) meist einfacher und macht so auch mehr Spaß. Man kann sich aber nicht immer einfach Partner backen. Wer keine Partner findet, sollte erst einmal bouldern gehen (am besten in der Boulderhalle), oder direkt mit einem Kletterkurs in der nächsten Kletterhalle beginnen. Bouldern ist in Bezug auf den Aufwand die „risikoloseste“ Alternative, wenn man erst einmal herausfinden will, ob einem die Bewegungen des Kletterns überhaupt Spaß machen und zusagen. Es ist auch immer eine gute Idee, das Hallenpersonal im Falle von Fragen oder Problemen freundlich anzusprechen. Die Leute sind nämlich nicht nur fürs Kassieren des Eintritts dort, sondern auch fürs Informieren.

Egal wie man anfängt, es kommen immer erstmal eine Menge neuer Informationen und Eindrücke. Der Anfängerkurs in der Halle ist die beste Methode, um diese Menge zeitlich und inhaltlich richtig zu portionieren. Er ist auch für kleinere Geldbeutel finanzierbar und bietet die erfolgversprechendste Möglichkeit, künftige Kletterpartner zu treffen. Man macht am besten zunächst „nur“ den Topropekurs (für das Klettern mit Seilsicherung von oben), und erst wenn das Ganze „sitzt“, kommt der Vorstiegskurs hinzu.

Damit werden Überforderung und Frustration vermieden. Andererseits ist es natürlich toll, wenn man gleich „Blut leckt“ und es gar nicht schnell genug gehen kann. Doch hier lauern – besonders wenn man keine Sportskanone oder keine zwanzig mehr ist – gewisse Fallstricke wie mögliche Verletzungen und Überlastungen.

Ein Verzeichnis von Kletterhallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es beim Bergsteiger-Magazin.

Wer „rein privat“ mit erfahrenen Freunden lernt, weiß nie genau, ob er wirklich den richtigen Input auf dem neuesten Stand bekommt. Insofern sind Kurse, insbesondere die des Deutschen Alpenvereins, die einzige Einstiegsmethode, die man guten Gewissens „offiziell“ empfehlen kann. Das bis vor etwa 20 Jahren übliche bzw. oft auch alternativlose draußen am Naturfels anfangen birgt zudem geringe, aber nicht auszuschließende Risiken wie Griff- oder Hakenausbruch. Man sollte sich zwar auch das Klettern draußen am Naturfels nicht entgehen lassen, doch besser erst als dritten Schritt in der Abfolge:

  1. Halle-Toprope
  2. Halle-Vorstieg
  3. Naturfels

Notwendiges Equipment: leihen oder kaufen?

Zur richtigen Strategie bei der Kletterausrüstung gibt das Bergsteiger-Magazin in diesem Artikel gute Hinweise. Für die allerersten Versuche in der Halle braucht man keinerlei Anschaffungen zu tätigen. Erst wenn man weiß, dass man am Klettern dranbleiben will, sind eigene Schuhe, ein eigener Klettergurt, ein eigener Chalkbeutel mit Chalk sowie ein eigenes Sicherungsgerät ratsam. Ein eigenes Seil und einen eigenen Helm braucht man erst, wenn man regelmäßig im Vorstieg und draußen klettern möchte. Die persönlichen Gegenstände kann man zunächst im unteren Preissegment kaufen. Ein Seil kann man sich mit regelmäßigen, verlässlichen Partnern auch teilen.

Technik und Taktik: am Anfang zweitrangig

Einige der Einsteiger-Artikel, die ich hier für die Recherche gelesen habe, geben gleich eine Reihe Tipps für die Klettertechnik oder gar die Taktik. Da wird dann den blutigen Anfängern suggeriert, dass sie „schwierige Stellen“ am besten „schon vom Boden aus analysieren“ sollen. Diese Punkte sind aber Feinheiten, die man als Einsteiger gar nicht beherrschen kann und die erst nach den ersten Kletterversuchen relevant werden. Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Weg zu den ersten Routen, die natürlich so leicht und kurz gewählt sein sollten, dass es keine Wahnsinnsfinessen braucht, um hochkommen.

Ziemlich unsinnig wird es, wenn man schon vor dem allerersten Mal Gedanken um die sportliche „Wertigkeit“ hineinbringt und Anfänger mit Konzepten wie „sauberer Durchstieg ohne Hängen“ oder gar „Rotpunkt“ und „Onsight“ behelligt. Wenn man bei den ersten Kletterversuchen nicht weiterkommt, einfach ins Seil setzen, Armmuskeln lockern, versuchen eine machbare Griff- und Trittfolge für die nächsten Meter zu finden und nochmal probieren. Fertig. Wobei das „ins Seil setzen“ beim ersten Mal „gar nicht so ohne“ ist und deshalb zuerst in Bodennähe geübt werden sollte. So kann sich Vertrauen ins Material und die Abläufe entwickeln.

Techniktipps bringen wenig, wenn man noch nicht einmal weiß, wie sich klettern überhaupt grundsätzlich anfühlt. Das ist dann nur Informationsüberfrachtung, die eher hindert als hilft. Deshalb: erstmal ran an die Wand und die ersten Meter machen. Das wird man im Idealfall sowieso unter Anleitung und Aufsicht erfahrener Kursleiter oder Mentoren, die einem dann schon die angemessenen Tipps geben. Wenn man ein paar Bewegungserfahrungen gesammelt und Lust auf mehr hat, kann man sich mit Technik, Taktik und Training beschäftigen.

Dranbleiben, weil …

Besonders beim Klettern gilt: wenn man einmal in die Gänge kommt, fängt die Sache an, richtig Spaß zu machen. Umgekehrt können Unterbrechungen schnell frustrieren, da man die einmal gelernten Kletterfertigkeiten, anders als beim Fahrradfahren oder Schwimmen, nicht „ein für alle man drauf hat“ und auch nicht „sofort wieder hochholen“ kann. Nach einer längeren Pause kann es Monate dauern, bis man wieder das vorherige Niveau hat. Und leider geht bei langen Unterbrechungen nicht nur Kraft verloren, sondern auch Technik und Theoriekenntnisse. Das ändert sich erst, wenn all diese Dinge nach vielen Jahren wirklich in Fleisch und Blut übergegangen sind …

Motivation und Wille nutzen

Ohne ein grundlegendes Interesse und einen gewissen Willen trifft niemand die Entscheidung, dieses Klettern mal zu probieren. Selbst wenn man von Freunden „überredet“ wird, ist es letztlich die eigene Entscheidung. Es ist also von vornherein eine gewisse Grundmotivation da. Und diese Motivation kann man vergrößern, indem man sie mit konkreten positiven Bildern und Vorstellungen unterfüttert. Diese Bilder kann man dann bei Bedarf aufrufen und sich auch noch detaillierter ausmalen. Ein simples aber gutes Beispiel ist das Bild, wie man selbst voller Dynamik, Fitness und Lebensfreunde durch eine sonnige Felswand turnt. Wahlweise bärenstark mit Kraft oder elegant mit Leichtigkeit.

Die Realität bei den ersten Versuchen wird dann nicht ganz so aussehen, doch die positiven Assoziationen heben die Wahrscheinlichkeit, dass man Spaß hat und für weitere Kletterversuche motiviert bleibt. Nach ein paar Klettererfahrungen kann man sich auch konkrete, überschaubare Zwischenziele setzen, die für noch mehr „Zug“ hinter der Sache sorgen. Spiel und Spaß sollten aber im Vordergrund bleiben, sonst schlägt der motivierende Zug ganz schnell in Druck und Stress um.

Soweit die Tipps zum Klettereinstieg auch unter „schlechten“ Voraussetzungen. Weitere Tipps zum Kletter-Einstieg und Ausrüstungstipps von Bergfreund Sascha findet ihr auf unserem Youtubekanal.

Warum ist dynamisches Sichern so wichtig?

3. Juni 2019
Tipps und Tricks

„Ei, ei, ei, Vorstieg ist echt nicht ohne“, dachte ich, als ich die Kletterschuhe auszog, um den schmerzenden Zehen und Knöcheln etwas Luft zu gönnen. Kurz zuvor war ich mit zugelaufenen Unterarmen aus der Route gekippt und durch den Sturz waren die Füße hart gegen den Fels geprallt. Ich wusste zwar schon, dass zwischen Topropeklettern (also Seilsicherung über einen Umlenker von oben) und Vorstieg (Seilsicherung ohne Umlenker von unten) ein Unterschied besteht, doch dass er so groß ist, hat mich dann doch etwas irritiert. Allerdings war er vor allem deshalb so groß, weil wir nicht wirklich Ahnung von dem hatten, was wir machten.

Diese Ahnungslosigkeit lag zum Teil auch daran, dass „damals“ (so um 2001 herum) fundiertes Kletterwissen noch nicht überall und jederzeit abrufbar war. Ich erfuhr jedenfalls erst später und eher zufällig, dass unser „statisches Sichern“ ziemlich suboptimal war und dass es stattdessen „dynamisch zu sichern“ gilt.

Etwas erstaunt hat mich, dass nach Ansicht der Experten von Bergundsteigen heute nach wie vor viele Kletterer ähnlich ahnungslos herumfuhrwerkeln. So heißt es im Bergundsteigen-Artikel zum Thema Sichern: „Dynamisches Sichern – der sagenumwobene heilige Gral der Hallenumkleidekabine. Viele reden davon, die meisten wissen nicht was gemeint ist und wenige können es.“

Wenn dem so ist, schadet es bestimmt nicht, dass wir hier die Grundlagen rund um das Thema (dynamisches) Sichern nochmal möglichst anschaulich und übersichtlich zusammenfassen. Während die meisten Artikel sich vorrangig mit der ständig wachsenden Zahl an neuartigen Sicherungsgeräten befassen, soll hier der Fokus zunächst auf den grundlegenden Mechanismen liegen – denn ohne deren Verständnis kann man die vielen verschiedenen Geräte mit ihren Vor- und Nachteilen nicht wirklich einschätzen.

Vorweg noch eine wichtige Anmerkung als „Disclaimer“:

Ich hoffe, dass die theoretischen Prinzipien und Zusammenhänge hier einigermaßen verständlich vermittelt sind. Doch selbst wenn das gelungen ist, kann kein Artikel der Welt das richtige Gefühl und das richtige Maß an Kraft beim Umgang mit Kletter- und Sicherheitsausrüstung vermitteln. Das geht einzig und allein durch praktische Übung! Diese Praxis holt man sich am besten in Kletterkursen und/oder unter der Anleitung und Aufsicht von verlässlichen und erfahrenen Mentoren. Es gibt heute keine Ausreden mehr, um mit gefährlichem Halbwissen an den Fels zu gehen.

Grundposition und -Haltung beim Sichern vom Boden aus

Die Grundposition des Sichernden am Boden ist eine stets reaktionsbereite, leichte Schrittstellung in Richtung des Zugseils, das zum Kletterer führt. Die Führungshand gibt das Seil zum Kletternden aus, während die Bremshand das Bremsseil unter dem Sicherungsgerät den Bewegungen der Führungshand folgt und das Seil jederzeit umschlossen hält. Beide Hände geben dem Kletternden dann in fließenden Bewegungen das Seil aus.

An Zwischensicherungen wird zum Einhängen meist mehr Seil benötigt, das schneller ausgegeben werden muss. Dazu beschleunigt der Sichernde das Seilausgeben durch einen Schritt nach vorn auf die Wand zu. Anschließend verlagert er sein Gewicht wieder auf das hintere Bein und wiederholt falls nötig den Schritt nach vorn.

Die Führungshand bemerkt starken Zug am Seil schon bevor ein eventueller Sturz das Seil durch das Sicherungsgerät zieht. Bremshand und Zughand drücken dann reflexartig zu und blockieren das Seil. Bei der dann folgenden Zugbelastung auf den Sichernden hilft die Führungshand dabei, den Körper richtig zur Wand hin zu drehen und den Aufprall an der Wand zu kontrollieren.

Warum statisches Sichern (meistens) falsch ist

Mein eingangs beschriebener, Füße malträtierender Sturz war übrigens etwa eineinhalb Meter weit, der Bohrhaken befand sich auf Schienbeinhöhe. „Harhar, was ein niedliches Stürzchen“, höre ich die Fachleserschaft schon feixen. Stimmt auch, doch wenn dein Sicherungspartner etwa 20 Kilo mehr wiegt und knallhart „zumacht“, weil er vom dynamischen Sichern auch nicht mehr weiß als du, dann bildet deine von der Seite betrachtete Flugbahn einen ziemlich ungünstigen Halbkreis.

Der Aufprall erfolgt dann fast frontal, im 90 Grad Winkel zum Fels, da dein Seil – anders als bei einem „weichen“, dynamisch abgebremsten Sturz – nicht durch die zuletzt eingehängte Zwischensicherung gleitet (kein „Seilschlupf“). Dein Sturz wird allein durch etwas Seildehnung und den Aufprall am Fels aufgefangen. Ziemlich statisch, das Ganze…

Prinzip des dynamischen Sicherns

Völlig statisch ist ein Sturz mit einem Kletterseil allerdings nie, da dessen Elastizität immer einen Teil der Sturzenergie automatisch aufnimmt (Fangstoßdehnung). Dennoch ist das harte „Zumachen“ des Sicherers, sobald der Vorsteiger seinen Abflug andeutet, meist eine völlig kontraproduktive Lösung. Bei einem weiten Sturz ist sie aufgrund der hohen Belastungsspitzen sogar extrem gefährlich.

Es gibt allerdings Ausnahmen: einmal in Bodennähe, wo bei zu weicher Sicherung ein „Grounder“ droht, und einmal in gestuftem oder stark strukturiertem Fels, wo es viele Vorsprünge gibt. Das ist meistens in leichterem und alpinem Gelände der Fall – Gefilde, in denen man am besten niemals und never ever stürzt. Dieses Niemals kann man möglich machen, indem man vorher so viel übt, dass man das „leichte Alpingelände“ absolut souverän beherrscht.

Manchmal befindet sich aber auch in bestens gesicherten Sportkletterrouten unter dem Vorsteiger ein Vorsprung oder Sims. Ein eventueller Sturz sollte dann besser nicht so lang geraten, dass er daran aufschlagen könnte. In dem Falle kann ein straff und „statisch“ aufgefangener, harter aber kurzer Sturz das kleinere Übel im Vergleich zum Felskontakt während eines längeren dynamischen Vorbeiflugs sein.

Wie wird die Sturzenergie abgebaut?

Dynamisches Sichern besteht also darin, den Sturz nicht abrupt abzufangen. Einen Teil dieser Aufgabe übernimmt ganz automatisch schon die Seildehnung. Deren Effekt hängt natürlich von der Länge der ausgegebenen Seilstrecke ab: ist der Kletterer beim Sturz schon weit vom Stand weggeklettert und hat viele Zwischensicherungen eingehängt, ist viel Seil ausgegeben und die Dehnung hat einen großen Effekt. Ist der Kletterer noch nah beim Stand, ist die Länge der Seildehnung ebenfalls gering und hat daher wenig Effekt.

Es muss also je nach Situation zusätzlich für eine gewisse „Gleitstrecke“ des Seils gesorgt werden. Diese Gleitstrecke und das mit ihr verbundene sanftere Auffangen der Sturzenergie kommt auf mehrere Arten zustande:

  • durch „Schlappseil“ und dessen Straffung während der Sturzbelastung.
  • durch die Seilführung (über Kanten, Ecken, Dächer).
  • durch eine dem sturzbedingten Seilzug nachgebende Bewegung des Seils durch das Sicherungsgerät („gerätedynamisches Sichern“).
  • indem der Sichernde seinen Körper kontrolliert in Richtung des sturzbedingten Seilzugs mitbewegt („körperdynamisches Sichern“).

Körperdynamisch und gerätedynamisch

Das gerätedynamische Sichern ist am schwierigsten zu beherrschen und sollte nur zum Einsatz kommen, wenn, statt über den Körper, über einen Fixpunkt gesichert wird und/oder wenn der Sichernde wesentlich schwerer ist als der Kletterer und sein Körper durch den Seilzug allein nicht bewegt wird. Die Bremshand wird dabei mit gestrecktem Arm vom Sicherungsgerät weggehalten und beim Sturz zum Gerät hingezogen.

Bei halbautomatischen Sicherungsgeräten funktioniert gerätedynamisches Sichern nicht, da sie schlagartig blockieren. Vorsicht: Bei manuellen Sicherungsgeräten ohne Blockierhilfe besteht immer die Gefahr, dass zu viel/zu schnell Seil durchläuft, zu viel Reibungshitze zwischen Seil und Bremshand entsteht, das Seil reflexhaft losgelassen wird und der Sturz außer Kontrolle gerät. Das gilt insbesondere bei dünnen und glatten Seilen!

Das Gezogen-werden des Körpers beim körperdynamischen Sichern geschieht normalerweise automatisch und es muss „nur“ der Widerstand gegen den Zugimpuls richtig dosiert werden. Widerstand wird durch Abstützen mit den Beinen gegen Wurzeln oder gegen die Felswand aufgebaut, während das Nachgeben beim Sturzzug durch kleine Trippelschritte oder einen Hopser die Wand hinauf erfolgt.

Stolpert man beim körperdynamischen Sichern oder verliert das Gleichgewicht, besteht die Gefahr, dass die Bremshand das Seil loslässt. Das bedeutet bei manuellen Sicherungsgeräten ohne Bremsautomatik in der Regel den Komplettabsturz des Kletternden. Deshalb muss der Sichernde stets vorausschauend antizipieren und für sicheren Stand und freie Bahn am Sicherungsplatz sorgen! „Freie Bahn“ bedeutet übrigens nicht, dass man mehrere Meter von der Wand weg stehen soll, auch wenn solch bequeme Positionierung oft zu beobachten ist. Man sollte nicht weiter als einen Meter von der Wand weg stehen. Auf den ersten Metern sollte man zudem seitlich zur Falllinie des Kletterers stehen, da ein Bodensturz trotz bester Vorkehrungen (wie z.B. straffem, fast statischem Sichern) nicht immer auszuschließen ist.

Richtig dosiert ist das Ganze, wenn der gestürzte Kletterer weich „landet“, ohne weiter als nötig zu „fliegen“.

„Richtig stürzen“

Auch der Kletterer selbst kann einiges für einen weicheren und risikoärmeren Sturz tun. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, durch richtig dosiertes Abspringen unbeschadet an eventuellen Vorsprüngen vorbeizufliegen. Doch das muss man 1) können und 2) läuft nicht jeder Sturz so kontrolliert ab, als dass man derart eingreifen könnte. Vor allem beim Wegrutschen von Tritten segelt man bisweilen mit wenig Abstand zum Fels abwärts. Doch solche Situationen kann man zum Glück mit einer soliden Fußtechnik sehr unwahrscheinlich machen.

Außerdem kann man mit systematischem Sturztraining einen Großteil der oft unnötigen Sturzangst abbauen und die Reaktionsfähigkeit und Kontrolle stark verbessern. Eine ausführliche Anleitung für solch ein Training gibt es bereits hier im Basislagerblog.

Sichern am Fixpunkt oder sichern „über Körper“?

Die meisten der in den letzten 10-20 Jahren auf den Markt gebrachten Sicherungsgeräte sind auf Körpersicherung ausgelegt. Sie sind überwiegend für den Einsatz in Kletterhallen und Klettergärten konzipiert, wo so gut wie immer die Körpersicherung zum Einsatz kommt. Hier sind Seilverlauf und Handbewegungen anders als bei der Fixpunktsicherung – weshalb die meisten der „neuen“ Sicherungsgeräte für Letztere nicht geeignet sind.

Jene Fixpunktsicherung kommt eher für Mehrseillängentouren und alpine Touren im Hochgebirge infrage. Bei ihr befindet sich der Reibungspunkt, der den Vorstiegssturz (plus den nun auch möglichen Nachstiegssturz!) bremst, nicht am Gurt des Sichernden, sondern an Bohrhaken, Wurzeln, Sanduhren und anderen Sicherungspunkten in der Felswand. Und statt der Sicherungsgeräte kommt hier meistens noch der „gute alte“ HMS-Knoten als Bremse zum Einsatz.

Diese Methode bietet einerseits den höchsten Schutz vor Absturz, andererseits besteht die größere Gefahr einer abrupten Sturzbelastung von Seil und Vorsteiger. Die Stärke des oft sehr soliden Fixpunkts kann zur Schwäche werden, wenn er alle Sturzenergie schlagartig auffängt, ohne dabei in irgendeiner Weise „nachzugeben“. Wird hingegen „über Körper“ gesichert, leistet der Körper des Sichernden dieses Nachgeben indem er beim Sturzzug nach vorne bzw. oben gezogen wird.

Beim Sichern über Körper sollte allerdings kein zu großer Gewichtsunterschied in der Seilschaft bestehen, vor allem wenn hauptsächlich der Schwerere vorsteigt. Gerade die klassische Pärchenkonstellation („sie“ wiegt etwa 60 kg und „er“ etwa 80 kg) kann problematisch werden, wenn „er“ stürzt und „sie“ kräftig aus dem Stand gerissen wird. Abhilfe schaffen (abgesehen von der Fixpunktsicherung) die in jeder(?) Kletterhalle verfügbaren Gewichtssäcke, welche sich die leichteren Sicherer an den Gurt klinken können.

Eine elegantere Umgehung des Problems bietet ein cleveres Gerät namens Ohm, das in den ersten Haken eingeklinkt wird. Das Ohm ist demnach kein Sicherungsgerät im engeren Sinne, sondern eine Art Expressschlinge mit eingebauter Bremse. Es nimmt im „Fall des Falles“ einen Teil der Sturzenergie des Vorsteigers auf. Der Sichernde kann den Sturz somit trotz seines geringeren Gewichts mit wenig Handkraft auffangen.

Wer öfter mit Partnern aus anderen „Gewichtsklassen“ unterwegs ist, sollte sich natürlich näher mit diesem Thema befassen – zum Beispiel mit dem entsprechenden Sicherheitsreport des DAV.

Der Gewichtsunterschied ist auch nur einer von vielen Aspekten, die bei der Entscheidung „Körper- oder Fixpunktsicherung“ abgewogen werden sollten. Auf alle diese Aspekte einzeln einzugehen, erfordert einen eigenen, umfassenden Artikel. Deshalb sei hier nur beispielhaft erwähnt, dass die Position, Größe und unmittelbare Umgebung des Standplatzes ebenso eine Rolle spielt wie die Qualität der Sicherungen oder die Frage nach der Handlungsfähigkeit bei einem eventuell nötigen Rettungsmanöver. Deshalb hier

einmal mehr der Verweis auf das Infomaterial des DAV, das eine gute Grundlage für qualifizierte Entscheidungen bietet.

Zwischenfazit

Ausgehend von diesen Grundlagen schauen wir uns im nächsten Artikel die verschiedenen Kletterdisziplinen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen an das Sichern an. Daran wird deutlich, welche Sicherungsgeräte am besten für welche Disziplinen geeignet sind.

Klettern in Kroatien: Paklenica – Felsen und Meer an der Adria

21. Mai 2019
Tipps und Tricks

Schroffe Felsen, tiefe Schluchten, atemberaubende Landschaft, warmes Klima und ein glasklares Meer. Mit dabei nicht nur ein bzw. mehrere Strände zum Baden, ein hervorragendes Wanderrevier und malerische kleine Städte, sondern vielmehr auch ein top ausgebautes Klettergebiet mit Routen für nahezu alle Bedürfnisse. Klingt zu gut um wahr zu sein? Nicht ganz, denn diesen Ort gibt es wirklich. Und ich rede dabei nicht vom Lummerland oder der Taka-Tuka-Insel, sondern vielmehr vom Nationalpark Paklenica in der Nähe von Zadar, Kroatien.

Paklenica – Nationalpark mit Tradition

Den Nationalpark Paklenica gibt es schon vergleichsweise lange. Bereits 1949 wurde das nordöstlich von der Gemeinde Starigrad-Paklenica liegende Gebiet zum Nationalpark erklärt. Mit der Gründung des Nationalparks wurde auch der Name Paklenica gebräuchlich und dient seither als Sammelbegriff für zahlreiche Schluchten, Felsen und Berge. Rund 30 Jahre später wurde außerdem die UNESCO auf die zu weiten Teilen im Nationalpark liegende Gebirgskette des Velebit aufmerksam und erklärte diese 1978 zum Biosphärenreservat.
Besonders beeindruckend ist dabei aber nicht nur die karge und teilweise bizarr geformte Landschaft. Die Region ist auch eine ideale Mischung aus Bergwelt, Küste und Meer. Außerdem steht Paklenica für eine große Artenvielfalt. Das Velebit-Gebirgsmassiv fällt von über 1700 m Höhe bis an die Adria hinunter ab. Kein Wunder also, dass über 500 bekannte Pflanzenarten und unzählige Tierarten hier beheimatet sind. Darunter beispielsweise auch seltene und besonders geschützte Arten wie Braunbären, Gänsegeier oder Luchse. Aber auch Schlangen, Skorpione und Co. sind hier keine Seltenheit.

Schon allein die Tatsache, dass man sich in dieser beeindruckenden Natur befindet, sollte einige Verhaltensregeln eigentlich selbstverständlich machen. Dennoch gibt es auch seitens des Nationalparks ein paar Regeln, die man beachten muss. So darf beispielsweise nur in ausgewiesenen Routen/Zonen geklettert werden. Diese sind jedoch so zahlreich, dass hier niemand zu kurz kommt oder sich nach kurzer Zeit langweilt. Auch wird für das Klettern und Wandern im Park eine Eintrittsgebühr fällig. Diese ist am Parkeingang zu entrichten und beläuft sich aktuell pro Tag für einen Erwachsenen in der Hauptsaison auf 7,70 €. Allerdings können auch Tickets für 3 oder 5 Tage erworben werden. Hier gibt es dann nochmals ordentlich Rabatt. Die Tickets lassen sich auch auf der Internetseite des Nationalparks buchen, so kann man bereits bequem von zu Hause aus den Aufenthalt organisieren.

Paklenica – Sportklettergebiet mit allem Drum und Dran

Das Klettern in Paklenica ist einfach großartig! Alleine die Vielzahl an Routen und deren unterschiedliche Charakteristik lässt nahezu keine Wünsche offen. Hierzu vorab einmal ein kleiner Steckbrief des Gebiets:

  • Gestein: Kalk
  • Stützpunkt: Starigrad-Paklenica, ca. 30 km nördlich von Zadar
  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Eingang des Nationalparks bzw. Parkplatz im Nationalpark
  • Zustieg: stark vom Sektor abhängig, 2 min – über 1 Std.
  • Ausrichtung: in der Schlucht West und Ost, am Anica kuk auch Nord und Nord-West
    11 Sektoren mit etwa 500 Routen
  • Routenlänge: Einseillängen mit bis zu 35 m, Mehrseillängenrouten mit bis zu 350 m in 13 Seillängen
  • Schwierigkeit: 3 bis 8b+
  • Ausrüstung: neben Sportkletterausrüstung auch Bandschlingen, mindestens 60 (besser 70) Meter Seil erforderlich, oft auch Klemmkeile und mobile Klemmgeräte
    zu weiten Teilen familienfreundlich, Absicherung stark unterschiedlich, dennoch zahlreiche gut abgesicherte Routen
  • Literatur: Kletterführer „Paklenica“ von Boris Čujic

In Paklenica kommt wirklich jeder Kletterer auf seine Kosten. Wer es gerne alpin mag, bitteschön, kein Problem ab zum Anika kuk. Wer es lieber familienfreundlich mag oder auf Sportklettern aus ist, wird hingegen gleich beim Eingang der Schlucht fündig. Von dort aus führt ein gut ausgebauter Weg weit in die Schlucht hinein, von dem aus immer wieder zahlreiche Routen einfach zu erreichen sind. Außerdem gibt es am Parkeingang eine Information, die bei Fragen weiterhelfen kann, es sind sanitäre Anlagen vorhanden und im Notfall kann von hier aus auch die Bergrettung verständigt werden.

Eine allgemeine Charakteristik der Routen ist dabei nur schwer auszumachen. In den einzelnen Sektoren kann sich die Kletterei stark unterscheiden. Vielerorts ist das Klettern recht steil, das Gestein nicht selten großgriffig und zerklüftet, doch auch Reibungskletterei und Plattenschleicherei ist in Paklenica mitunter möglich. Darüber hinaus ist hier alles anzutreffen, was anständiges Kalkgestein in der Regel so auf Lager hat: Wasserrillen, Risse, Löcher, Tropfen, hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Von Paklenica gibt es einen Kletterführer, der 2017 komplett überarbeitet wurde und im Astroida-Verlag erschienen ist. Dieser ist mehrsprachig aufgebaut und enthält alle wichtigen Informationen auch auf Deutsch, was das Handling sehr angenehm macht. Zu jeder Route gibt es wichtige Angaben zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Absicherung etc. Darüber hinaus erleichtern zahlreiche Abbildungen und Skizzen die Orientierung und Wegfindung. Gerade jedoch bei den angegebenen Schwierigkeitsgraden sollte man ein wenig vorsichtig sein. Denn nicht immer ist beispielsweise eine 5a im einen Sektor mit einer 5a zwei Sektoren weiter taleinwärts vergleichbar.

Der Fehler liegt hier jedoch nicht beim Führer, sondern ist vielmehr darin zu sehen, dass in Paklenica schon vergleichsweise lange geklettert wird und so gerade ältere Bewertungen nicht mehr unbedingt zu den neueren passen. Auch kann es sein, dass sich Routen im Lauf der Jahre aufgrund von polierten oder herausgebrochenen Griffen stark verändert haben. Hier ist definitiv ein kritischer Blick und ein gutes Einschätzungsvermögen am Wandfuß gefragt.

Paklenica – „Ruhetage“ aktiv gestalten

Wer kennt das nicht, spätestens nach vier bis fünf Tagen sind die Finger lang gezogen, die Fingerspitzen schmerzen, das Knie hat man sich auch bereits ordentlich angeschlagen und überhaupt wäre mal ein Tag ohne größeren Felskontakt ganz nett. Was aber tun?

Wandern

Wie bereits erwähnt, bietet der Nationalpark Paklenica auch zahlreiche Wandermöglichkeiten. Über 150 km gut beschilderte Wanderwege gibt es hier. Diese sind mal anspruchsvoller, mal gemütlicher und führen nicht selten zu einem oder mehreren Aussichtspunkten. Gerade von den höheren Bergen aus hat man einen guten Rundumblick und kann nicht nur weite Teile der Küste überblicken, sondern sieht auch ein gutes Stück ins Landesinnere hinein. Doch egal wohin man wandert eines sollte man immer im Hinterkopf haben: Immer auf den Wegen bleiben. Denn im Nationalpark wird nicht nur der Naturschutz groß geschrieben, es gibt hier auch Schlangenarten, die giftig sind und deren Biss zu einigen Unannehmlichkeiten führen kann. Darüber hinaus ist gerade in den abgelegenen Landesteilen die Gefahr von Landminen aus dem Kroatienkrieg noch immer nicht gebannt.

Baden

Warum nicht mal einen Tag am Strand verbringen? Das ist in Starigrad-Paklenica und Umgebung wirklich kein Problem. Bei den Stränden handelt es sich hier allerdings nicht um weiße Sandstrände, sondern vielmehr, recht typisch für die Adriaküste, um Kiesstrände. Das Wasser ist nicht selten glasklar und sauber. Wer hier beispielsweise Schnorcheln möchte, hat also gute Chance auch wirklich was zu sehen. Der massenhafte Badetourismus ist in der Gegend jedoch noch nicht angekommen und so ist es problemlos möglich einen gemütlichen Tag an den Gestaden der Adria zu verbringen. Doch aufgepasst: An der Adria gefällt es nicht nur Schwimmern, sondern leider auch den Seeigeln recht gut. Wer hier also ins Wasser geht und nicht unbedingt ein stacheliges Andenken in der Fußsohle mit nach Hause nehmen möchte, der sollte Neoprenschuhe oder Ähnliches tragen.

Kultur

Kroatien hat zahlreiche historische Städte mit wirklich beeindruckenden Stadtzentren zu bieten. Ein paar davon sind von Starigrad-Paklenica aus mit dem Auto bequem als Tagesausflug zu erreichen. Denn die Entfernungen sind nicht allzu groß und die Autobahnen und Schnellstraßen führen zügig zum Ziel. So kann man beispielsweise Zadar, Split oder auch das weniger bekannte Karlovac gut erreichen. Nicht zu vergessen sei auch der Nationalpark der Plitvicer Seen, den man einfach einmal gesehen haben muss.

Paklenica – Touristische Infrastruktur

Starigrad-Paklenica ist eigentlich gar kein einheitlicher Ort, die Gemeinde besteht vielmehr aus den drei Orten Seline, Tribanj und Starigrad. Durch die Gründung des Nationalparks und das militärische Sperrgebiet in den 1990ern sind der Gemeinde glücklicherweise schlimmere Bausünden erspart geblieben. In allen Ortsteilen hat seit den 2000ern der Tourismus Einzug gehalten. Hier gibt es zahlreiche Privatunterkünfte und Ferienwohnungen. Auch Hotels und Campingplätze sind hier in ausreichender Zahl vorhanden. Darüber hinaus gibt es alles, was es für einen gelungenen Aufenthalt braucht. Restaurants, die gute einheimische Küche zu fairen Preisen servieren, aber auch Supermärkte und Läden, in denen die Dinge des täglichen Bedarfs problemlos gekauft werden können.

Mit dem Auto erreicht man Starigrad-Paklenica bequem über die gut ausgebaute kroatische Autobahn A1. Für die Fahrt von Süddeutschland aus muss hier je nach Ausgangspunkt und Route mit einer Fahrzeit ohne Pausen von ca. 8 Std. (München) bis 12 Std. (Frankfurt, Freiburg) gerechnet werden. Auch ohne Auto ist Starigrad-Paklenica zu erreichen. Hier wird es jedoch ein wenig komplizierter. Flüge nach Zadar gibt es von vielen deutschen Flughäfen. Beispielsweise von Stuttgart, Frankfurt oder Berlin sind auch Direktflüge möglich. Von Zadar aus gibt es dreimal am Tag einen Bus nach Starigrad-Paklenica.

Auch ist Zadar mit einer Kombination aus Bahn und Bus zu erreichen, jedoch muss man hierbei vergleichsweise lange Reisezeiten einplanen, was mitunter an der langsamen Kroatischen Bahn liegt. Eine genaue Fahrzeit nach Zadar war über das Online-Portal der Deutschen Bahn nicht zu ermitteln. Hierzu jedoch zwei Vergleichswerte: Für die Strecke Stuttgart-Zagreb veranschlagt die Deutsche Bahn rund 12,5 Stunden, von Stuttgart nach Split sind es schon ca. 21 Stunden. Laut Angaben der Kroatischen Bahn gibt es eine kombinierte Bahn/Bus-Verbindung von Zagreb nach Zadar, hierfür sollte man jedoch mit rund 8,5 Stunden rechnen. Wer also Lust auf ein Abenteuer hat, kann das gerne einmal ausprobieren…

Paklenica – Immer eine Reise wert

Für Kletterer ist Starigrad-Paklenica wirklich super. Das Gebiet ist riesig, atemberaubend und wunderschön. Die vergleichsweise kleinen Orte sind dabei für Touristen sehr angenehm, sie bieten alles, was es für einen unbeschwerten Urlaub braucht, sind aber weit davon entfernt unangenehme Touristenhochburgen für Party- oder Pauschaltouristen zu sein. Gerade Starigrad ist in der Hauptsaison ein Kletterhotspot, wo man immer wieder auf Gleichgesinnte trifft.

Wer nach Paklenica kommt, der wird also vor allem eines vorfinden: eine wunderbare Kombination aus Meer und südlichem Flair der Adria sowie schroffe Felsen und eine faszinierende Bergwelt im unmittelbaren Hinterland. Klettern, Wandern, Seele baumeln lassen, all das ist hier problemlos möglich.

Mehr als die abgesägte Zahnbürste – Tipps zum Ultraleichtwandern

25. April 2019
Tipps und Tricks

Wir hatten euch an dieser Stelle ja schon einmal erste Einblicke in die Welt des Ultraleichtwanderns gegeben. Dieser Beitrag bezog sich vor allem darauf, wie ihr am besten Gewicht bei großen Ausrüstungsgegenständen, den sogenannten großen vier, also Rucksack, Zelt, Schlafsack und Isomatte einsparen könnt. Zwar werde ich hier auch noch einmal kurz darauf eingehen – beim Schlafsack hatten wir auch schon einmal auf einen Quilt als deutlich leichtere Alternative hingewiesen – mir geht es aber hauptsächlich darum, euch einige Tipps zu geben, wie ihr auch die kleineren Dinge in eurem Gepäck gewichtsoptimieren könnt. Und das geht weit über das Klischee von der abgesägten Zahnbürste hinaus – wobei man auch das tatsächlich einfach tun kann ;-)

Basics – Die Tourenvorbereitung

Fangen wir einmal mit einer recht banal klingenden Sache an – der Tourenplanung. Es ist so, dass „Ultraleicht“ auf einer Wintertour etwas anderes bedeutet als auf einer Mehrtageswanderung im Sommer. Zunächst ist es einmal notwendig, Bedingungen und Terrain, die auf einer Tour zu erwarten sind, vernünftig zu recherchieren. Es bringt einem nichts, wenn das ultraleichte Ein-Personen-Zelt im ersten Schneesturm zusammenbricht. Stellt eure Ausrüstung also nach den Wetter- und Geländebedingungen zusammen, die ihr erwartet. So vermeidet ihr böse Überraschungen oder gar die Notwendigkeit eine Tour abbrechen zu müssen, weil ihr einfach nicht das adäquate Equipment dabeihabt.

Die nun folgenden Überlegungen beziehen sich auf Unternehmungen im klassischen Drei-Jahreszeiten-Bereich, bei denen es durchaus auch mal Minusgrade und Schneefall geben kann, aber keine dauerhaften Winterbedingungen zu erwarten sind.

Reduktion – Was brauche ich wirklich?

Eine weitere Grundüberlegung, wenn es darum geht wertvolle Gramm zu sparen, ist es, sich auf Wesentliches zu beschränken. Wenn ihr eure Packliste macht und die ganzen Ausrüstungsgegenstände einmal vor euch ausbreitet, dann stellt euch folgende Frage: was benötige ich wirklich? In aller Regel werden da Dinge dabei sein, die ihr entbehren könnt.

Es spielt bei eurer Kleidung kaum eine Rolle, ob ihr eine Woche oder drei Monate unterwegs sein werdet, denn ihr müsst dann ohnehin auf Tour waschen. Ihr benötigt deshalb auch nur Kleidung, die vier Zwecke erfüllt: eine möglichst bequeme Schicht zum Wandern, eine, die trocken hält, eine die wärmt und eine Merinoschicht für abends im Camp und an kalten Tagen. Bei der Isolationsschicht wird Daune immer das bessere Gewicht und Packmaß haben als Kunstfaser und auch bei der Regenbekleidung gibt es genügend Möglichkeiten sehr leicht unterwegs zu sein. Maximal drei Paar Merinosocken, zwei Unterhosen und für die Damen rundet ein Sport-BH das Ganze ab.

Ein gesondertes Wort gilt hier noch den Schuhen. Auch hier solltet ihr auf das Eigengewicht achten. Die Faustregel besagt, 100 Gramm weniger am Fuß, bedeuten ein Kilogramm weniger auf dem Rücken. Hier könnt ihr euch überlegen, wie viel Gewicht ihr einsparen könnt, wenn ihr statt eines 1700 Gramm schweren Bergstiefels mit einem stabilen Trailrunning- oder Approachschuh unterwegs seid, die für sehr viele Touren in nicht zu anspruchsvollem Terrain ohne Probleme genügen. Es ist zudem erwiesen, dass leichteres Schuhwerk den Energiebedarf eures Körpers deutlich reduziert, was wiederum zur Folge hat, dass ihr weniger Kalorien benötigt. Ihr müsst also auch geringere Essensmengen mitnehmen, was euer Gewicht niedriger hält.

Dann muss eure Isomatte nicht zwangsläufig genauso lang sein wie ihr selbst. Eure Füße könnt ihr ohne Probleme auf dem Rucksack ablegen, tut ihr das, sind wieder 100-150 Gramm weniger dabei.

In puncto Elektronik genügt mittlerweile für die meisten Gegenden das Smartphone und eine externe Batterie plus entsprechendes Kartenmaterial. Nur selten ist ein zusätzliches GPS-Gerät notwendig. In abgelegenen Regionen kann ein so genanntes In-Reach sinnvoll sein, dieses ist aber leichter als ein normales GPS-Gerät.

Auch bei der Körperhygiene könnt ihr sehr viel Gewicht sparen. Da in den meisten offenen Gewässern die Nutzung irgendwelcher Seifen oder Shampoos ohnehin untersagt ist, könnt ihr das getrost zu Hause lassen, es genügt die abgesägte Zahnbürste ;-) Ihr werdet auf längeren Touren mit oder ohne Deo und Ähnlichem anfangen zu riechen, deshalb lasst das Badezimmer daheim.

Ich werde hier am Ende eine beispielhafte Ultraleicht-Packliste hinzufügen, um euch die Idee der Beschränkung noch etwas besser zu veranschaulichen.

Zauberwort „Multifunktionalität“

Eine der besten Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung ist die Nutzung von Ausrüstung, die möglichst viele Funktionen erfüllt oder so zweckentfremdet werden kann.

Hier können wir mit den Trekkingstöcken anfangen, die zugleich als Gestänge für ein Tarp oder ein Trekkingstockzelt einsetzbar sind. Für wirklich extreme Grammjäger gibt es die Möglichkeit, ein Ponchotarp zu benutzen, das sowohl als Unterkunft, wie als Regenschutz für Mensch und Rucksack dient. Dies würde ich aber nur in gemäßigten, nicht zu nassen und windigen Regionen empfehlen. Dann kann dies aber eine wirklich ultraleichte Option sein, wenn man ein wenig Erfahrung im Aufstellen von Tarps hat und deren Vielfältigkeit zu nutzen weiß.

Noch ein Beispiel: Daune besitzt nicht nur hervorragende Isolationseigenschaften, sondern ist auch wunderbar weich. Deshalb könnt ihr eure Daunenjacke sehr schön als Kopfkissen missbrauchen und somit einen weiteren „Luxusgegenstand“, nämlich das aufblasbare Kissen, von eurer Packliste streichen.

Einer der wichtigsten multifunktionalen Gegenstände ist aber tatsächlich das Smartphone. Es kann durch sehr gute Apps als Navigationshilfe dienen, ersetzt die Kamera, kann als Notfalllampe dienen und noch einiges mehr.

Ein Wort zum Thema Essen

Auch das Thema Verpflegung sollte hier noch zur Sprache kommen. Das fängt beim Kocher an. Achtet darauf einen Kocher mitzunehmen, der eine möglichst hohe Effizienz hat, wie z.B. einen Jetboil. Diese sind zwar schwerer als klassische UL-Kocher (wie der Pocket Rocket von MSR), aber durch den integrierten Wärmetauscher, Windschutz und die sehr hohe Brennerleistung, ist der Gasverbrauch um bis zu 60% geringer. Das bedeutet ihr werdet deutlich weniger Kartuschen benötigen und dadurch viel Gewicht einsparen. Andere Kochertypen wie ein Spiritus- oder Mehrstoffkocher machen aus Gewichtsgründen beim Ultraleichtwandern keinen Sinn.

Bei der Nahrung selbst solltet ihr zum Einen möglichst Dinge zu euch nehmen, die viel Energie in Form von Kalorien spenden, ohne zu viel Platz wegzunehmen. Nüsse im Allgemeinen, getrocknete Früchte, also der klassische Trailmix ist hier immer eine gute Wahl. Zum Anderen empfiehlt es sich möglichst viele gefriergetrocknete Gerichte statt frischem Essen mitzunehmen. Hier gibt es mittlerweile wirklich leckere Alternativen und diese werden immer leichter sein, als eine Dose Ravioli. Es ist außerdem eine gute Idee, bei einer längeren Tour die Essensrationen vorher zu planen und sich grob zu überlegen, wie viele Mahlzeiten und Snacks gebraucht werden. Wichtig: Euer Kalorienbedarf wird im Laufe der Zeit zunehmen.

Noch eine Option für richtige Sparfüchse beim Thema Essen: Der Mensch benötigt Nahrung um zu überleben, er braucht aber kein warmes Essen dafür. Will sagen: ihr könnt auf den Kocher auch komplett verzichten. Es gibt genügend Dinge wie zum Beispiel Mie-Nudeln oder Couscous, die sich problemlos kalt rehydrieren lassen. Das dauert etwas länger, schmeckt aber trotzdem. Wie bei vielem ist es eine Abwägung zwischen Komfort und Gewichtseinsparung und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Verzicht möglich ist, ohne die Outdoor-Erfahrung zu einer spaßbefreiten Veranstaltung werden zu lassen.

Eine UL-Packliste

Diese Packliste bezieht sich auf eine Trekkingtour von mindestens sieben Tagen, eher länger. Die hier verlinkten Produkte, die noch nicht im Text vorkommen, sind Beispiele, zu denen es immer auch Alternativen gibt. Nehmt Euch die Zeit Eure Ausrüstung vernünftig zu recherchieren und zu vergleichen.

Die großen Vier

Kleidung

Am Körper

Als Ersatz

  • Unterhose
  • Ein Paar Socken

Regenschicht

Isolationsschicht

Campschicht und Zusatz für kalte Tage

Weitere Bekleidung

Elekronik

Hygiene & Erste Hilfe

Sonstige Ausrüstung

Mit meinen persönlichen großen Vier komme ich auf ein Basisgewicht, also ohne Essen und Wasser, von 5,5 Kilogramm für eine mehrwöchige- oder gar monatige Tour. Mit einigen der oben genannten Tipps könnte man das noch einmal um 500-800 Gramm reduzieren. Ihr seht also, leichter und damit bequemer und schneller unterwegs zu sein, ist gar nicht so schwer!

Habt ihr noch weitere Ultraleicht-Tipps auf Lager oder Fragen zu einzelnen Bereichen? Dann Feuer frei in den Kommentaren, wir freuen uns!

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