Tiefschneefahren leicht gemacht

4. Dezember 2018

Sportart

Mit Snowboard oder Ski durch unverspurten Powder gleiten und dabei mit eleganten Schwüngen die steilsten Abfahren meistern? Kein Problem! Einfach Ski oder Board an die Füße schnallen und beim Ausstieg aus dem Lift nicht der markierten und gesicherten Piste folgen, sondern direkt hinter der nächsten Absperrung mit dem deutlichen Hinweisschild auf die drohende Lawinengefahr in den Hang einfahren. Der Rest geht dann wie von allein und falls nicht, kommt bestimmt die Bergwacht zur Rettung geeilt.

STOPPSO NICHT! Was hoffentlich eindeutig als höchst ironisch zu erkennen war, ist leider nicht allzu weit von der Herangehensweise vieler Skifahrer und Snowboarder entfernt, die ohne einen Hauch von Erfahrung oder Gefahrenbewusstsein ihr eigenes Leben und das der anderen aufs Spiel setzen.

Nichts ist schöner als nach ergiebigen Schneefällen im unberührten Pulverschnee zu surfen.

Nichts ist schöner als nach ergiebigen Schneefällen die ersten Linien durch den unberührten Pulverschnee zu surfen.

Zugegeben: Nichts ist schöner als an einem sonnigen Tag, nach den ergiebigen Schneefällen der vorangegangenen Nacht, die ersten Linien durch den unberührten Pulverschnee zu surfen. Allerdings gehört hier ein wenig Technik und Training genauso dazu, wie etwas Erfahrung in den Bergen, Risikomanagement und die richtige Ausrüstung zum Tiefschneefahren.

Aller Anfang ist schwer: der erste Schritt von der Piste in den Tiefschnee

Bei Skifahrern und Snowboardern unterscheidet sich die Technik beim Tiefschneefahren. Obwohl viele Sportexperten der Meinung sind, dass Anfänger mit dem Snowboard schneller sichtbare Fortschritte beim Tiefschneefahren machen könne, haben beide Wintersportgeräte ihre Vor- und Nachteile im Tiefschnee.

An Tagen mit frischem Neuschnee sind die Ränder an den Pisten ideal für die ersten Gehversuche mit dem neuen Element. Doch Schnee ist nicht gleich Schnee. Der feste, griffige Untergrund der präparierten Piste ist nicht zu vergleichen mit dem lockeren Pulver, der eine ganz andere Fahrtechnik verlangt. Je nach Schneehöhe und Schneekonsistenz bremst der tiefe Schnee enorm. Das bedeutet, dass Anfänger, die von der Piste in den tieferen Rand fahren schnell bis zum Stillstand ausgebremst werden. Daher ist es am besten immer kleine Bögen durch den Tiefschnee am Pistenrand zu fahren, um dann auf der Piste wieder Schwung aufzunehmen.

Das der Tiefschnee stark abbremst, lassen sich steilere Passagen besser im Tiefschnee fahren. Der nächste Schritt ist also, dieselbe Übung an steileren, roten oder schwarzen Pisten zu trainieren. Beim Skifahren ist dabei eine zentrale Position wichtig, sodass der Körperschwerpunkt über der Bindung liegt. Die Skispitzen sind über der Schneedecke oder auf gleicher Höhe. Trotz der zentralen Position und einer leicht gehockten Körperhaltung, kann es sich beim Fahren so anfühlen, als ob man in leichter Rücklage fahren würde. Das hängt mit dem schrägen Einsinken der Ski in den Tiefschnee zusammen. Daran gewöhnt man sich allerdings sehr schnell.

Durch eine aktive Hoch- und Tiefenlastung der aufeinanderfolgenden Schwünge wedeln Skifahrer die Hänge hinunter.

Jetzt wird gewedelt.

Neben einer lockeren und zentralen Fahrerposition, spielt auch die eigene Geschwindigkeit im Tiefschnee eine große Rolle. Je schneller man im Tiefschnee fährt, desto besser gleiten die Ski über die Oberfläche. Dadurch können die Ski leichter gedreht werden. Der Einsatz der Kanten wird dabei vollkommen unnötig. Richtungswechsel werden nur durch die Gewichtsverlagerung in Zusammenhang mit der Geschwindigkeit eingeleitet. Durch eine aktive Hoch- und Tiefenlastung der aufeinanderfolgenden Schwünge wedeln Skifahrer die Tiefschneehänge hinunter, wie im klassischen Bogner Skifilm.

Umdenken auf dem Snowboard

Während Snowboardanfänger auf der Piste lernen müssen ihre Nose zu belasten, damit sie ihr Tail kontrolliert drehen können, heißt es im Tiefschnee: Nose nach oben. Auch das Snowboard wird durch die Gewichtsverlagerung in einer zentralen Position im Powder gelenkt. Vor allem bei geringeren Geschwindigkeiten gilt es die Nase am Snowboard oben zu halten. Kann dies nicht umgesetzt werden, gräbt sich das Brett bald im Schnee ein und der Tiefschneeneuling bleibt ziemlich schnell stehen.

Zu Beginn sollte man das Tiefschneefahren an den Rändern der Pisten versuchen.

Übung macht den Meister! Bevor es so, wie auf dem Bild, losgehen kann, eigenen sich die ersten Gehversuche des Tiefschneefahrens an den gesicherten Rändern der Pisten.

Je routinierter der Fahrer und je höher die Geschwindigkeit im Powder, desto zentraler wird die Fahrposition im Tiefschnee. Zudem gleitet das Board daraufhin mit minimalem Kraftaufwand über den Schnee. Wer es also bis zu diesem Gefühl geschafft hat, weiß zum einen was die anderen Snowboarder mit „Powder surfen“ meinen und zum anderen, warum er die Abfahrt gleich nochmal machen muss…

Um das richtige Gefühl für Board, Schnee und Geschwindigkeit zu bekommen, muss man am Anfang etwas Übung einplanen. Außerdem verlangt das Fahren im Tiefschnee eine flüssige und vorausschauende Fahrweise. Kurzes Sitzen und Ausruhen (wie Snowboardanfänger das auf der Piste gerne machen) ist im Tiefschnee eher hinderlich, denn ist der Schwung weg, kommt man in flachen Abschnitten teilweise nur noch schwer von der Stelle.

Selbst wenn man liftet: Tiefschneefahren ist anstrengend

Egal ob Ski oder Snowboard – das Fahren im Tiefschnee ist anstrengend für die Muskulatur, aber noch viel anstengender für alle, die sonst nur auf der Piste fahren oder wenig trainiert sind. Waden und Oberschenkel sind am ehesten von Krämpfen und Muskelkater betroffen.

Muskelkater bekommt man auf jeden Fall vom Tiefschneefahren.

Der Muskelkater ist allenfalls vorprogrammiert!

Um aus dem Muskelkater ein Muskelkätzchen zu machen, hilft es, die Muskulatur schon vor der anstehenden Wintersaison gezielt zu trainieren. Auch das Risiko für Verletzungen kann durch gezielte Skigymnastik oder spezielles Zirkeltraining vorgebeugt werden. Für alle, die ihre Abfahrten lieber aus eigener Kraft erreichen, als mit Liftunterstützung, gilt das im besonderen Maße, denn in der Regel sind Aufstiege noch viel anstrengender als die Abfahrt im Powder.

Vom Schwungtraining zum Traumhang

Wer sich auf den Übungsstrecken mit Fahrtechnik und Geschwindigkeit im Tiefschnee vertraut gemacht hat, wird sich in der Regel die nächsten Tiefschneeziele stecken. Am besten sollten diese innerhalb eines kontrollierten Gebietes stattfinden, dass die alpinen Gefahren minimiert. Besonders geeignet sind Skirouten in Skigebieten. Anders als auf normalen Pisten, sind diese nicht präpariert und abgesteckt, der Streckenverlauf aber, dank einer groben Markierung mit Pfosten, gut zu erkennen. Auf diese Weise wird vermieden, dass man in einer Gletscherspalte versinkt oder am nächsten Abhang abrutscht.

Doch spätestens hier müssen Skifahrer und Snowboarden anfangen, sich mit alpinen Gefahren auseinanderzusetzen. Auch bei schlechter Sicht, Schneefall oder starkem Wind kann die Skiroute schnell zur Irrfahrt werden. Deshalb gehören das Einsammeln an Informationen über die Wetteraussichten und ein Blick auf die Lawinengefahr immer dazu. Für alle, die auf eigene Faust ihre Powderträume auf Skitouren im Backcountry verwirklichen wollen, gilt das doppelt und dreifach.

Keine Tour sollte begonnen werden, ohne sich zuvor über die Wetteraussicht und Lawinengefahr in Kenntnis gesetzt zu haben!

Informationen über Wetteraussicht und Lawinengefahr MÜSSEN eingeholt werden!

Genaues Wissen über Schneebeschaffenheit, Wind, Tragfähigkeit der Schneedecke, Wahl der Aufstiegsroute und Abfahrtsroute, usw. – das alles ist absolut notwendig, um schöne Touren zu gehen, wundervolle Tiefschneeabfahrten zu erleben, aber auch um in brenzligen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen und schließlich immer heil nach Hause zu kommen.

Die richtige Ausrüstung beim Tiefschneefahren

Wie immer gibt es an Auswahl und Diversität von Snowboards und Ski kaum Grenzen. Für die ersten Versuche und Erfolge im Tiefschnee ist das Board oder der Ski jedoch für das erste gar nicht mal so wichtig. Die Vorlieben und feinen Unterschiede bemerken viele ohnehin erst, wenn sie mit den Basics vertraut sind. Sehr empfehlenswert ist allerdings eine wasserdichte und atmungsaktive Wintersportbekleidung. Viele Tiefschneefahrer schwören im Powder auf Latzhosen und wer einmal im tiefen Schnee ein paar Purzelbäume geschlagen hat, der weiß auch aus welchem Grund. Auch am Hals und an den Ärmeln sollte die Skibekleidung gut decken. Handschuhe müssen im Powder nicht nur warm und wasserdicht sein, sondern auch über den Ärmelenden der Jacke sicher abschließen.

Ein praktischer Ausrüstungstipp: Latzhosen.

Viele Ski- und Snowboardfahrer schwören auf das Tragen von Latzhosen.

Skihelme und Skibrillen gehören zur modernen Skiausrüstung fest dazu – das gilt natürlich auch im Tiefschnee. Für die weitere Sicherheit sind viele Skijacken oder Skihosen auch mit Recco Reflektoren ausgerüstet. Kommt es zu einer Verschüttung, kann die Bergwacht die kleinen Reflektoren schnell orten. Zwar ersetzen die Reflektoren keine komplette Lawinenverschüttetensuch-Ausrüstung (LVS), aber sie sind dennoch praktisch, da man sie nicht daheim vergessen kann (es sei denn man vergisst Hose oder Jacke…).

Für Skitouren abseits markierter Areale muss eine LVS Ausrüstung dabei sein. Diese Ausrüstung besteht aus einem LVS Gerät (ein Peilsender zum Suchen verschütteter Kameraden und Kameradinnen), Lawinenschaufel und Lawinensonde. Zusätzlich dazu kommt bei einer längeren Ausrüstung noch weiteres, wie Trinken, Vesper, Wechselbekleidung, Erste-Hilfe-Set, Tourenführer, Karte, usw. zusammen. Um diese ganze Ausrüstung zu stemmen, sind Skifahrer im Backcountry stets mit den passenden Skitourenrucksäcken anzutreffen. Diese verfügen auch über entsprechende Halterungen für Ski, Splitboard oder Snowboard.

Lawinenairbag als letzter Ausweg

Skitourenrucksäcke mit integriertem Lawinenairbag.

Skitourenrucksäcke mit integriertem Lawinenairbag, sind eine lebensrettende Investition!

Eine besondere Form der Skitourenrucksäcke sind Rucksäcke mit Lawinenairbag. Sie sind quasi die letzte Lebensversicherung, wenn beim Freeriding alle Stricke reißen, sprich, wenn man von einer Lawine im Gelände erfasst und mitgerissen wird. In solch einem Falle, können Skifahrer und Snowboarder innerhalb von Sekunden und mit einer einzigen Handbewegung einen großen Luftsack aufblasen, der dafür sorgt, dass man nicht von der Lawine nach unten gezogen und tief verschüttet wird.

Für alle, die gerne regelmäßig im Backcountry Touren gehen, ist ein Lawinenairbag sicher eine Überlegung wert. Die Rucksäcke sind zwar nicht gerade günstig, aber im Vergleich zum Nutzen wird es schwierig über den Preis zu urteilen. Es muss allerdings hervorgehoben werden, dass der Airbagrucksack keinesfalls die Verantwortung entbindet, sich über Lawinengefahr, Schneelage und Wettersituation zu informieren.

Für alle Skifahrer und Snowboard, die auch in der nächsten Saison noch Spaß im Powder haben wollen gilt nach wie vor: Erst denken, dann droppen!

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