Alle Artikel zum Thema ‘Die Bergfreunde’

Versand bis Weihnachten

Pünktlicher Versand bis Weihnachten 2016

14. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Der Countdown auf Weihnachten ist nun endgültig eröffnet. Wer noch nicht alle Geschenke am Start hat, der sollte sich so langsam in die überfüllten Fußgängerzonen stürzen und seinem Jagdtrieb freien Lauf lassen.

Alternative: in den nächsten Tagen bei den Bergfreunden online shoppen und nur kurz warten bis es an der Haustüre klingelt. Wie lange das noch gut gehen kann, erklären wir Dir in diesem Artikel. Aber es sei schon verraten: unsere Logistiktruppe wird bis zum Schluss fleißig Päckchen packen – da sehen selbst die Elfen des Weihnachtsmanns alt aus! (mehr …)

Gleitschirm

Betriebssport für Bergfreunde – Gleitschirmkurs in Andelsbuch

13. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Bergfreunde-Mitarbeiter haben es nicht leicht: Damit die Authentizität der Firma gewahrt wird, ist es Pflicht, die Freizeit möglichst prall mit sportlichen Aktivitäten zu füllen. Dieser Umstand erklärt, weshalb Kollegen und Kolleginnen ganze Länder zu Fuß durchqueren, bei strapaziösen Lauf- und Triathlonveranstaltungen am Start stehen, Berge im Himalaya besteigen oder unzählige Radkilometer abspulen. Wer nicht als Außenseiter gelten will, sollte sämtliche Bergsportdisziplinen perfekt beherrschen.

Nachdem Alpinisten wie Ueli Steck oder Michi Wohlleben den Gleitschirm als Abstiegshilfe für sich entdeckt haben, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch wir Bergfreunde diesen Sport testen mussten. Wo soll das bloß enden?

Naheliegend

Die Anfänge der Gleitschirmfliegerei waren eng mit dem Bergsport verknüpft. Kreative Köpfe unter den Bergsteigern überlegten sich, wie der Abstieg vom Gipfel komfortabler gestaltet werden kann. Zunächst wurde mit modifizierten Fallschirmen an steilen Berghängen gestartet, bevor Mitte der 80er Jahre ein regelrechter Gleitschirmboom die Entwicklung schnell vorantrieb.

Was im darauffolgenden Jahrzehnt folgte, war aus Sicht der Bergwanderer ein Irrweg: Die Leistung und Sicherheit der Fluggeräte wurde zwar immer besser, allerdings war die Ausrüstung tonnenschwer, voluminös und in seltsamen Packsäcken verstaut, die eigentlich nur einen Transport vom Auto zur Bergbahn zuließen.

Motivierte Piloten arbeiteten jetzt daran, möglichst weite Strecken zu fliegen oder verwegene Kunstflugmanöver in den Himmel zu zaubern. Auch wenn man mit solchen Prognosen vorsichtig sein muss: Vermutlich werden hier demnächst die konstruktionsbedingten Grenzen erreicht und weitere Steigerungen sind nur noch schwer möglich. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, weshalb momentan wieder eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Idee der Gleitschirmfliegerei stattfindet und viele Piloten das Erlebnis in der Kombination aus Wandern und Fliegen suchen.

Damit einher geht die Konstruktion von immer leichteren Ausrüstungsgegenständen, die aber trotzdem eine akzeptable Sicherheit bieten. Aktuelle Leichtausrüstungen lassen sich fast schon in Daypacks verpacken und wiegen zwischen fünf und zehn Kilogramm.

Wer also Trekkingstöcke hasst (so wie ich) und trotzdem gelenkschonend vom Berg absteigen will, findet hier eine echte Alternative. Der Haken an der Sache ist allerdings, dass zwischen den beiden Produkten ein beträchtlicher Preisunterschied liegt und das Erlernen der Fliegerei langwieriger ist.

Wetter wie bestellt

Ob die Abneigung gegenüber Teleskopstöcken auch ein Grund dafür ist, dass sich sieben mutige Bergfreunde am Übungshang im Bregenzerwald einfinden, möchte ich bezweifeln. Vielmehr sind es die perfekten Bedingungen, die uns in das schöne Fluggebiet zwischen Bodensee und Arlberg gelockt haben: spätsommerliche Temperaturen, Sonnenschein und ein moderater Wind aus der richtigen Richtung, bieten einen würdigen Rahmen für die ersten Flugversuche mit dem Gleitschirm. Deshalb werden die Teilnehmer an so einem Tag auch nicht unnötig lange mit der Theorie gequält.

Nach einer kurzen Einweisung durch den Fluglehrer, der aus den Reihen der Bergfreunde rekrutiert werden konnte, dürfen dann auch gleich die Schüler ran. Zunächst gilt es, den Gleitschirm flugbereit zu machen. Schirm auslegen, Leinen sortieren, Pilotengurtzeug anziehen und sich mit dem Gleitschirm verbinden sind die ersten Lektionen, die gelernt werden müssen.

Danach kommt der Teil, auf den ich mit großer Vorfreude gewartet habe. Als Mitarbeiter der Logistik darf ich meine Kollegen aus dem Einkauf und dem Marketing durch die Gegend hetzen und Kommandos ins Funkgerät brüllen, die sofort umgesetzt werden sollen.

Im wahren Arbeitsleben sind die Rollen meist vertauscht: Die Einkäufer bestellen Unmengen an Klamotten und Hartwaren, die möglichst schnell ins Lager geschafft werden müssen. Zusätzlich wird man mit fiesen Marketingaktionen auf Trab gehalten. Nur gerecht also, dass ich einen Tag lang gemütlich in der Sonne stehen durfte, während sich meine Kollegen total verausgaben ;)

Und das machen sie nicht mal schlecht! Die Bewegungsabläufe stimmen schon nach den ersten beiden Durchgängen so gut, dass der Gleitschirm in einer flugfähigen Lage über den Schülern stehen bleibt.

Kontinuierlich wandern wir nun etwas weiter den Hang hinauf, bis nach knapp zwei Stunden die ersten Piloten den Boden unter den Füßen verlieren! Motiviert wird jetzt mit dem gerafftem Schirm bergauf gerannt und der nächste Start vorbereitet.

Das Wetter ist uns weiterhin hold, was uns richtige Flüge ermöglicht. Aus den geplanten Fünf-Meter-Flügen werden so gegen Ende des Tages zwanzig bis dreißig Meter weite Übungsflüge mit kleineren Kurven. Dies ist deutlich mehr, als man bei einem durchschnittlichen Kurs erwarten kann.

Eigentlich geize ich als strenger Fluglehrer mit Lob, aber hier sind ausnahmsweise ein paar motivierende Worte angebracht:

Der Lernerfolg war nicht nur auf die guten Flugbedingungen zurückzuführen, meine Kollegen haben tatsächlich Talent!

Cool Down

Dem bunten Treiben am Übungshang setzen planmäßig am Nachmittag die Kühe ein Ende. Diese zupfen die letzten stehenden Grashalme ab, die nicht von uns nieder gerannt wurden und genießen übermütig die letzten Sonnenstrahlen. Wir tun es ihnen (fast) gleich und lassen den Tag mit ’nem kühlen Bier am Lagerfeuer ausklingen, während die Erlebnisse vom Tage ausgiebig wiedergekäut werden.

Rissklettern in Indian Creek

Caro North in Indian Creek – das Paradies der Risse

7. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Indian Creek ist das Mekka des Risskletterns schlechthin! Der rote Sandstein scheint wie mit dem Messer durchschnitten, und nicht nur einmal, sondern überall. Denn es ragt hier eine Linie neben der anderen empor in den blauen Himmel. Dadurch findet man alles was das Risskletter-Herz begehrt: vom Fingerriss über den perfekten Faustriss bis hin zum Offwidth, den gefürchteten großen Schlünden. Das spezielle daran ist, es gibt wirklich nur Risse und keine andere Kletterei. Und die Risse sind obligatorisch, denn nebendran ist der Fels glatt und ohne Struktur. Das heißt Füße und Hände müssen irgendwie in diesen Spalten verklemmt werden. Dazu kommen ganz spezielle Techniken ins Spiel und so manch europäischer Kletterer ist daran bereits verzweifelt…

Aber wo befindet sich nun eigentlich Indian Creek?

Indian Creek ist ein Canyon im Süden von Moab im Staat Utah der USA. Am besten fliegt man nach Salt Lake City oder Denver, mietet sich dort ein Auto und fährt dann nach Moab (etwa eine Stunde Fahrt von Denver). Um die Kletterfelsen zu erreichen, ist zudem ein geländegängiges Auto (SUV) von großem Vorteil. Noch besser ein Allrad-Fahrzeug, aber nicht zwingend. Ohne ein solches muss man zu manchen Sektoren dann schlichtweg einfach etwas länger laufen.

Es lohnt sich außerdem, bereits im Vorfeld einen Großeinkauf in einem der Supermärkte in SLC oder Denver zu machen, was definitiv günstiger kommt, als in Moab selbst. Die meisten Supermärkte sind rund um die Uhr offen und mit Jetlag kann man so problemlos auch mitten in der Nacht einkaufen gehen! Moab selbst ist nur ein kleines Städtchen. Für amerikanische Verhältnisse echt ganz nett, denn es gibt zahlreiche kleine Cafés. Besonders zu empfehlen: Eklektika (auf der linken Seite in der Main Street, ziemlich am Anfang, wenn man reinkommt) und die Red Rock Bakery mit ihren Monster Cookies (etwas weiter hinten auf der rechten Seite). Bei beiden gibt es auch guten Kaffee, der sonst in den USA eher rar gesät ist. Gute Curries gibt’s zudem beim Thailänder: Bangkok House Too (an der McStiffPlaza).

Zum Lebensmitteleinkauf gibt es den City Market am Ende der Main Street auf der linken Seite und den Moon Flower Health Store, ein absolutes Muss für alle, die durch Moab kommen. Mein Tipp, den Chai aus dem Kühlregal probieren! Der gibt Power für Durchstiege. Kletterläden gibt es hier zwei: Gearheads und Pagan Mountaineering. Wobei Gearheads sicherlich der größere ist. Außerdem kann man hier sein Wasser im Laden auffüllen, was man vor der nächsten Tour auf jeden Fall machen sollte! Denn in Indian Creek gibt es kein Wasser. Also heißt es: ordentlich Wasserkanister füllen! Und auch den Tank des Autos, denn die Distanzen sind oft länger als gedacht (Tankstellen gibt es einige in Moab).

Voll beladen geht es somit nach Indian Creek, um dort das Lager aufzuschlagen. Die meisten Kletterer tun dies entweder auf dem Super Bowl oder Creek Pasture Campground. Beide sind mit Trockentoiletten und Feuerstellen ausgestattet und man zahlt 5$ pro Campsite. Die sind wiederum riesengroß und der Betrag splittet sich dann auf alle auf, egal wie viele Zelte oder Autos man dabei hat. In der Hochsaison, also im Frühling und Herbst, können die Campingplätze – vor allem jedoch an den Feiertagen – ziemlich voll sein. Ein wahres meet and greet um neue Kletterer kennenzulernen und neue Ideen für Projekte zu sammeln. Oder die teils verrückten Riten der Amis zu beobachten!

Vom Campingplatz muss man immer zu den verschiedenen Sektoren fahren, die sich über das ganze Tal auf beiden Seiten ausstrecken. Man kann also entscheiden, ob man in der Sonne oder im Schatten klettern möchte und dann die entsprechende Exposition wählen. Die Sonne in der trockenen Wüste ist allerdings ziemlich heftig, sodass wir uns oft ein eher schattiges Plätzchen zum Klettern suchen. Die Schattenwand schlechthin ist etwa die Reservoir Wall mit dem Super Klassiker: Pente, 5.11-. Ein absolutes Muss!

Die typischer Indian Creek Zustieg beläuft sich vom Parkplatz aus, auf round about 20-30 min. Fußmarsch bergauf. Die Wege starten stets von den im Führer genannten Parkplätzen und sind dann mit Steinmännern markiert. Manchmal muss man den Einstieg zwar etwas suchen, aber es lohnt sich auch definitiv nicht, wild Querfeldein zu laufen – denn die Wege sind überall ziemlich ausgetreten und definitiv die beste Lösung, um den jeweiligen Wandfuss zu finden!

Zum Klettern selbst empfiehlt es sich zuallererst, so viele Cams wie möglich und ein 80m Einfachseil dabei zu haben – auch wenn selbst das für manche Routen noch zu kurz ist. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich eine Rapline dabei. Auch ein zweites Einfachseil ist empfehlenswert, falls man im Toprope etwas ausbouldern möchte oder eine Tour für die Kletterpartner einfach hängen lässt… denn nicht jeder traut sich in Indian Creek direkt in den Vorstieg…

Material:

Das klingt nach extrem vielen Klemmgeräten – sind es auch! Aber erfahrungsgemäß ist es besser, lieber zu viel dabei zu haben und jede Tour nach Belieben klettern zu können, als sich Material irgendwo leihen zu müssen, weil ausgerechnet in der aktuellen Tour nicht genug Cams in der richtigen Größe verfügbar sind. Am besten ist es gar, zu viert mit dem oben genannten Material unterwegs zu sein! So hat man definitiv immer genug Gerödel dabei und kann sich ganz einfach bei der Routenwahl absprechen und entsprechend ausrüsten.

Kletterschuhe geeignet fürs Rissklettern:

Wichtig ist, dass die Zehen möglichst wenig aufgestellt sind, damit es in den Rissen nicht zu stark schmerzt. Von Vorteil ist auch, wenn zusätzlich Strümpfe in die Schuhe mit reinpassen – so kann man seine Knöchel besser schützen. Alternativ gibt es den überknöchel-hohen Rissschuh schlechthin: den TC-Pro von La Sportiva. Dieser ist besonders für Offwidth-Kletterei sehr empfehlenswert, da kann er gerne auch mal größer ausfallen. Ansonsten ist er mir für filigrane Risse aber zu unpräzise. Mein Tipp hier: der Scarpa Instinct Velcro, einfach eine Nummer grösser als beim Sportklettern wählen und schon habe ich den für mich idealen Schuh.

Risse erfordern weiterhin viel Kraft, beanspruchen die Haut und somit auch die Schmerzresistenz. Dies führt dazu, dass man meist zwei Tage klettert und dann einen Ruhetag macht. Dieser Rhythmus hat sich super bewährt, vor allem wenn man bis zum Ende noch schwer klettern will!

Also dann, was machen an Ruhetagen in Indian Creek?

1. Wasser auffüllen
in Moab: im Gearheads oder am Wasserhahn vor Pagan Mountaineering
in Monticello: am Caravan Campingplatz auf der linken Seite beim Reinfahren. Doch Achtung: Je nach Jahreszeit schmeckt das Wasser hier sehr nach Chlor.

2. Essen einkaufen
in Moab: Supermarkt oder MoonFlower Health Store
in Monticello: Supermärkte

3. Duschen
in Moab: Lazy Lizard Hostel für 3$ (wenn man von Indian Creek aus reinfährt, ziemlich am Anfang auf der rechten Seite, gelbes Schild), hat auch Internet
in Monticello: Caravan Campingplatz 5$

4. Essen und Kaffee
in Moab: Eklektika, RedRock Bakery
in Monticello: Peace Tree

5. Internet
in Moab: WiFi gibt’s überall, in jedem Kaffee, Hostel, …
in Monticello: Bücherei hat kostenloses Internet, im PeaceTree gibt’s keins!
im Canyonlands Visitor Center: das Nächste von Indian Creek aus – hier gibt es kostenloses WiFi. Man muss allerdings entweder den Pass für die National Parks haben oder Eintritt in den National Park zahlen

6. Wäsche waschen
in Moab: neben Gearheads gibt’s einen Waschsalon, der sogar freies WiFi zum Überbrücken der Wartezeit hat
in Monticello: Hinter der Bibliothek links und dann auf der rechten Straßenseite

7. und was dann…?
Zum Beispiel Mountainbiken rund um Moab. Ganz berühmt ist der Slick Rock Trail. Fahrräder kann man sich fast überall mieten, wir haben gute Erfahrung mit Moab Cyclery gemacht. Ein Mountainbike leihen kostet ca. 60$ pro Tag. Aber Achtung: oft ist man nach dem Biken ziemlich platt. Ansonsten einen der Nationalparks anschauen, wie z.B. Arches … und meist gehen die Ruhetag doch ohnehin schneller rum als gedacht!

Dann noch die große Frage: Wann geht’s idealerweise nach Indian Creek?

Die besten Saisons sind Frühling und Herbst. Wobei im Frühling der Vorteil besteht, dass die Tage länger sind. Dafür ist es aber eher auch etwas wärmer. Im Herbst wiederum sind wir kein einziges Mal ohne Stirnlampen vom Fels abgestiegen. Da dies gleichzeitig die guten Monate zum Klettern sind, ist auch dementsprechend viel los. Allerdings gibt es so viele Routen dort, dass sich die Leute gut verteilen. Und wenn man nicht auf die Klassiker fixiert ist, muss man auch nicht Schlange stehen! Der Super Crack beispielsweise, der Oberklassiker schlechthin, lässt sich zudem auch gut mit Stirnlampen klettern. Aber das nur am Rande ;)!

Und noch ein abschließender wichtiger Tipp:
Starkes Desinfektionsmittel mitnehmen und bei Wunden sofort verwenden! Denn in der trockenen Umgebung entzünden sich Verletzungen rasend schnell und heilen dann überhaupt nicht mehr richtig zu. Deswegen ist zusätzlich eine antibiotische Creme im Gepäck definitiv von Vorteil.

Klettern am Brauneck

Auf der Sonnenseite – Klettern am Brauneck

30. November 2016
Die Bergfreunde

Letztens habe ich wieder für Aufruhr gesorgt, als ich felsenfest behauptet habe, die letzten Jahre sei der November ein wunderschöner Kletter-Monat gewesen. Für uns war es so, aber niemand sonst war meiner Meinung. Erst lange danach ist mir klar geworden, warum die Meisten den November hassen: ich sitze selbst in der Nebelsuppe und frage mich, ob es die Sonne überhaupt noch gibt. Dabei müsste ich es eigentlich besser wissen, denn an solch trüben Tagen muss man zum Klettern hinauf auf den Berg! Doch gerade in der Übergangszeit sind die Anforderungen an ein Klettergebiet besonders hoch: südseitig sollte es sein, mit guter Felsqualität und abwechslungsreichen Routen, wenn möglich schnell erreichbar und gut abgesichert. Und dabei möchte man natürlich nicht ständig die gleichen Routen klettern. Am besten weit oben, um über den Wolken und mit schöner Aussicht einen Hauch von alpiner Freiheit zu spüren. Die „eierlegende Woll- Milch- Sau“, wohin also?

Liebe auf den zweiten Blick

„Sportklettern am Brauneck, dem alten Lenggrieser Hausberg? Gibt es dort überhaupt Felsen?“ Auch wir wollten lange Zeit nicht glauben, dass es direkt vor unserer Haustür ein südseitiges Klettergebiet mit alpiner Kulisse gibt. Aber manche Erfahrungen muss man eben selbst machen. „In einem zweijährigen Erschließungsrausch wachgeküsst“, heißt es poetisch im Kletterführer, der über 250 abwechslungsreiche Routen verspricht. Genügend Linien für viele, viele Herbst- und Wintertage.

Die Landschaft im Isarwinkel ist geprägt von bewaldeten Hügeln, grünen Almwiesen und vergleichsweise lieblichen Gipfeln. An Klettermöglichkeiten mangelt es deshalb trotzdem nicht. Am Bergkamm zwischen den Gipfeln von Brauneck, Latschenkopf und Achselköpfen liegen verstreut zahlreiche, kleine Felsen. Abseits der Hauptwege, teils etwas versteckt, bieten sie die von vielen ersehnte Ruhe und Einsamkeit. Der beeindruckende Weitblick reicht vom Mangfallgebirge über das Rofan und Karwendel bis herüber zum Wetterstein. Am Brauneck ist man in erster Reihe für das gesamte Alpenpanorama. Es vereint alle wichtigen Vorzüge: kurze Anfahrt, interessante Linien, geniale Aussicht und Einkehrmöglichkeiten auf urigen Berghütten. Was will man mehr?

Willkommen bei den Stie’s

Erst einmal die Finger aufwärmen. Vielleicht dort anfangen, wo auch die jüngere Erschließungsgeschichte des Klettergebietes begann, nämlich im Stie-Alm Kessel. Direkt hinter der bewirtschafteten Alm beginnt der Hauptsektor Wilderland mit einer Vielzahl an Routen aller Schwierigkeitsgrade im geneigten bis senkrechten Kalk. Nach ein paar leichten Routen steht fest: der Fels bietet gute Strukturen, griffige Leisten und hat eine super Reibung. Also auf zum nächsten Level! Ein Dach mit großen Griffen wie in Arakis (7+) dürfte ja kein Problem sein…oder? Danach der harmlos wirkende, aber ganz schön verzwickte Erste Ameisenweg (7-) und gleich daneben in Same same but different (8-) der Test für Fingerkraft und Ausdauer. Die Hauptwand und die umliegenden, kleinen Sektoren können leicht zu einer tagesfüllenden Klettereinheit werden.

Auf dem Weg zum Zirkuskessel steht unübersehbar der Gamskopf, eine kleine Felsnadel mit Gipfel-Steinbock aus Beton. Geschmack hin oder her, der athletische Dach-Ausstieg von Laminator (7) vor dem Panorama der bayerischen Voralpen ergibt ganz nebenbei auch schöne Kletterfotos. Dieses feine Schmankerl kann man auf dem Zustieg oder Rückweg noch gut einbauen.

Ab in den Zirkus

Nicht nur für Geologen sehr interessant ist die grau-orange Felsformation der Zirkuswand. Was aus der Ferne (wenn man einmal ehrlich ist) eher nach Bruch aussieht, entpuppt sich nach klettertechnischer Erkundung als purer Spaß an Seitgriffen und Schuppen. Ausgesprochen „interessante“ Linien. Der außergewöhnliche Felsriegel aus senkrecht gestuften, aufeinander liegenden Felsschichten ist eine super Übung für die Fußtechnik und die Koordination. Von wegen Schuppenterror (6)! Selbst der lange Schneesturm (7) ist bei solch positiven Griffen ein Genuss, zumindest wenn man sich darauf einlässt.

Ein kleines Stück weiter im Sektor Balkon wartet gleich die nächste Überraschung: leichte Plattenkletterei an riesigen Wasserlöchern. Die Wand ist auf der linken Seite wie ein Schweizer Käse und bietet wunderschöne Henkelparaden – wie zum Klettern gemacht. Nur nach rechts hin wird sie etwas kompakter und auch schwerer. So richtig Dampf im Kessel macht Chilli (8-), mit einem Piaz, der es in sich hat. Und wo wir schon beim Piaz sind, ist es auch bis zum Riss nicht mehr weit.

Hand im Löwenkäfig

Risse lassen zwar nicht jedes Kletterer-Herz höher schlagen, aber das könnte sich hier vielleicht ändern? Im Kalk sind schöne Risse eigentlich sehr selten. Umso erstaunlicher, dass die Wände am Brauneck gleich mehrere tolle Riss-Verschneidungen zu bieten haben. „An Zirkusriss (7-) müsst‘s unbedingt maha…“, das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen. Wer es über die abdrängenden ersten Meter schafft, kann sich an traumhaften Kletterei erfreuen – ob in Piaz- oder Klemmtechnik. Echte Riss-Fans finden etwas westlich der Stie-Alm ein weiteres Highlight; den Devil’s Crack (7) an der Felsnadel Herr Nilson im Sektor Taka Tuka Land. Und ich wette diese Liste könnte man noch fortsetzen.

Langsam tasten wir uns also an etwas wildere Linien mit einem Hauch von Abenteuer heran. „Nichts für Plastikkletterer, muss man gemacht haben“, stichelt der Kletterführer bei der Beschreibung zur Route Furchtfurche (7/7+). Dass uns der Autor hier in ein kleines Test-Piece lockt, liegt auf der Hand. Dennoch, die Neugier siegt: was hat es damit wohl auf sich?! Der Einstiegskamin und der hängende Offwidth-Riss fordern vom Kletterer bewegungstechnisch Kreativität und Mut zur Lücke. Die kritische Frage lautet immer wieder aufs Neue: innen oder außen klettern? Eine Entscheidung zwischen schmerzender Enge und unangenehmer Leere, oder einfach eine Frage der Technik. Es wäre wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass die Route auch für Kletterer höherer Schwierigkeitsgrade eine Herausforderung darstellt. Die Tour ist dennoch oder gerade deshalb absolut empfehlenswert. Wer sich Schwierigkeitstechnisch noch steigern möchte, dem sei Gula (9-) im Sektor Raubtierkäfig ans Herz gelegt. Die überhängende Riss-Verschneidung kann ganz schön einheizen.

Über den Wolken

Dies sind nur einige wenige Kletter-Schmankerl, die über dem Isartal auf euch warten. Gemütlich von Fels zu Fels ziehend die schönsten Linien abgrasen, das geht nicht nur im Herbst, sondern auch im frühen Winter und teils bis tief in den Dezember hinein. Das Brauneck ist ein Gebiet mit vielen kleinen Herausforderungen, in dem sich Felssüchtige ganz wunderbar den Winter verkürzen können. Es ist ein wahres Privileg, hoch über der trüben Nebeldecke noch einmal im T-Shirt kletternd die Sonne zu genießen, während im Tal auf den Weihnachtsmärkten schon Glühwein ausgeschenkt wird.

Kletterführer:
„Bayerische Alpen Band III“ von Markus Stadler, Panico Verlag, 2015

Material:
Für die Mehrzahl der Routen reicht ein 60m Einfachseil und 12 Express- Schlingen. Manche Routen sind jedoch über 35m lang, sodass man nur mit einem 70m Einfachseil auf der sicheren Seite ist. Trotz Sportkletter-Ambiente ist ein Kletterhelm ratsam.
Tendon Hattrick 10.2mm (Einfachseil)
Klettergurt Onyx und Garnet, Helm Penta
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger

Anfahrt:
Mit dem Auto: über die A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Holzkirchen oder A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen bis zur Ausfahrt 9 Sindelsdorf, weiter nach Bad Tölz und über die B13 nach Lenggries bis zur Ausfahrt Lenggries/Wegscheid. Über die Isarbrücke in Richtung Brauneckbahn.
Mit Öffis: die Bayerische Oberlandbahn (BOB) verkehrt im Stundentakt zwischen München und Lenggries, ab Lenggries Bahnhof in 7 Minuten mit der RVO (Linie 9564 oder 9595) zur Brauneckbahn.

Bergbahn:
Brauneck Bergbahn, Gilgenhöfe 28, D-83661 Lenggries, Tel. 08042 503940, Betriebszeiten 8:15 Uhr – 16:30 Uhr (bis 17 Uhr im Sommer), Revisionszeit der Bergbahn (14 Tage nach Ostern und 14 Tage im November), www.brauneck-bergbahn.de

Zustieg:
Von der Brauneckbahn Bergstation mühelos über gut beschilderten, fast ebenen Panoramaweg in 35 Minuten zur Stie-Alm bzw. je nach Sektor vorher abbiegen.

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Mein bester Bergfreund: Auf zwölf Pfoten zum Nordkap

19. November 2016
Die Bergfreunde

Der eine oder andere hält uns für verrückt. Sehr oft werden wir gefragt, wie genau wir das machen wollen. Zu Fuß zum Nordkap, 4000 km und nur knapp über 4 Monate Zeit – so der Plan.
Nichts Neues… haben schon andere gemacht. In gewisser Weise ja, denn es gibt schon viele Berichte über ähnliche Wanderungen. Zuletzt waren ja auch zwei Frauen von Basel aus zum Nordkap unterwegs. Dennoch ist unser Projekt einmalig, denn wir nehmen unsere Hunde Ellie, Kacy und Cajou mit. Auf 12 Pfoten und 4 Füßen zum Nordkap.

Was für Hape Kerkeling der Jakobsweg, und damit sein persönliches „Ich bin dann mal Weg“-Abenteuer war, das wird für uns zum größten Teil der Fernwanderweg E1, der Weg zum Nordkap sein. Angefangen hat alles mit Hundewanderungen, wo wir uns auch kennengelernt haben. Hundewanderungen, also Langstreckengassigehen mit Hund als Sportart findet man in Wikipedia unter dem Begriff Dogtrekking. So entstand während der Vorbereitung auf eine Dogtrekking-Veranstaltung im Elbsandsteingebirge die Idee, gemeinsam mit den Hunden ein richtiges Abenteuer zu erleben und über mehrere Wochen gemeinsam zu wandern.

Der Traum vom Nordkap

Viele Menschen haben ja die Vorstellung, sich einmal im Leben den einen oder anderen Traum zu erfüllen, sich eine Auszeit zu nehmen, um etwas Besonderes, etwas Verrücktes zu erleben. Viel zu oft bleibt dies leider ein Traum. Das wollten wir jedoch nicht – und so starten wir am 08. April 2017 zu Fuß in Richtung Nordkap. Natürlich mag es gewagt klingen, für 4-5 Monate der Arbeit und damit auch dem Alltag den Rücken zuzukehren und einfach los zu wandern – aber hey, man lebt nur einmal. Für uns ist es das Abenteuer, das wir gemeinsam mit unseren Hunden erleben wollen.

Warum also zum Nordkap? Nun ja, ein Ziel ist wichtig und in Richtung Süden (Stichwort Jakobsweg) wäre für die Hunde vermutlich zu warm geworden. So bleibt der nördlichste Punkt des europäischen Kontinents die für uns logische Antwort… und wie wir finden, gleichzeitig das schönste Ziel, das man vor Augen haben kann. Was die Routenplanung und Ausrüstung als solche betrifft, so können wir natürlich auf Erfahrungsberichte zurückgreifen. Was allerdings die Mitnahme von Hunden betrifft, da betreten wir gewissermaßen Neuland.

Die Erfahrungen, die wir bei der Teilnahme an verschiedenen Dogtrekking-Veranstaltungen in Österreich und Deutschland sowie bei einem Trainingsurlaub in der Schweiz sammeln konnten zeigen, dass es durchaus machbar ist, diese Distanz gemeinsam mit unseren Hunden zurückzulegen. Diese werden, neben einem speziellen Geschirr mit Leine und Ruckdämpfer, ebenfalls eigene Rucksäcke tragen, denn schließlich muss neben der Verpflegung für uns selbst, zusätzlich das Hundefutter mitgenommen werden. Und das ist nach wie vor die größte Herausforderung, vor der wir stehen – denn Nahrung für Menschen ist unterwegs schlichtweg einfacher zu beschaffen, als hochwertige Tiernahrung.

Die Routenplanung gestaltet sich daher auch so, dass wir einige festgelegte Stationen anlaufen, um die Ausrüstung zu wechseln, zu ergänzen und Proviant aufzufüllen. Hierbei können wir nicht nur auf die Adressen von Familien und Freunden in Deutschland zurückgreifen – nein, auch ein Stopp bei dem Verein Nothilfe Polarhund Nord e.V. bei Lüneburg ist geplant. Das ist der Verein, über den die zwei Huskys Kacy und Cajou an uns vermittelt wurden. Ebenso werden wir noch vor dem Start der Tour einige Nachschub-Pakete nach Schweden und Norwegen versenden. Auf 4000 Kilometern braucht man schließlich mehr als nur ein Paar Schuhe und auch andere Kleidungsstücke werden vermutlich auszutauschen sein. Schließlich starten wir in Deutschland im Frühling und wandern sozusagen in den nordischen Sommer hinein. Hier bietet Skandinavien zur Midsommerzeit, in der es nie richtig dunkel wird, natürlich ideale Voraussetzungen, um auch bei Nacht zu wandern.

Unsere Ausrüstung

Gepäcktechnisch werden wir zwei Rucksäcke mit jeweils 50 Litern Fassungsvermögen für den Transport nutzen. Die Hunde tragen ihrerseits jeweils einen eigenen Hunderucksack mit ca. je 15 Litern Volumen. Darüber hinaus nehmen wir ein Zelt, Isomatten, Kochutensilien und die notwendige Bekleidung sowie alles, was für eine bebilderte Berichterstattung während der Tour so notwendig ist mit. Auch hier können wir auf die zahlreichen Erfahrungsberichte zurückgreifen, die im Internet zu finden sind. Ebenso haben sich bisher einige Bücher zum Thema Weitwandern in Skandinavien als überaus nützlich erwiesen. Übernachtet wird letztlich überwiegend im Zelt oder unter freiem Himmel, wobei uns hier das sogenannte Jedermannsrecht in Skandinavien vielfältige Möglichkeiten bietet.

Die Routenplanung haben wir für den Deutschen Teil zunächst über Fuß- und Radwege von Leipzig in Richtung Harzvorland und weiter durch die Lüneburger Heide bis nach Hamburg und weiter nach Travemünde geplant. Von dort geht es mit der Fähre nach Trelleborg und dann entlang der schwedischen Südwestküste bis nach Göteborg. Von dort verläuft der Fernwanderweg E1, von der Adria kommend – durch Deutschland und Dänemark – weiter in Richtung Nordkap… hieran wollen wir uns orientieren, wobei die letztendliche Detailplanung natürlich von den lokalen Gegebenheiten vor Ort abhängen wird.

Soweit der Plan. Wie die Realität dann tatsächlich aussieht, sehen wir ab dem 08. April 2017. Auf unserer Webseite werden wir, ebenso wie in den sozialen Medien, regelmäßig über den Stand der Dinge berichten und freuen uns natürlich über jegliche Unterstützung und “virtuelle” Begleitung der Tour. Weitere Informationen über uns, unsere Hunde und die Vorbereitungen gibt es auf Facebook unter www.facebook.com/ontwelvepaws sowie im Internet unter www.on12paws.com.

DU HAST AUCH EINE aufregende GESCHICHTE, DIE DU MIT DEINEM BESTEN BERGFREUND ERLEBT HAST?

Dann immer raus damit, wir belohnen die Teilnahme mit einem kleinen Bergfreunde-Paket! Sendet einfach eine kurze Zusammenfassung eures Vorschlags an mbbf@bergfreunde.de und wir melden uns bei euch, falls ihr dabei seid.

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Lawinenschutz in den Alpen

11. November 2016
Die Bergfreunde

Wer schon einmal in den Alpen war, wird die unzähligen Lawinenverbauungen, Galerien und Fangnetze bemerkt haben. Diese reihen sich nicht selten wie eine kaum enden wollende Zahnspange durch die im Winter weißen Zähne des Hochgebirges. Der Grund hierfür liegt klar auf der Hand: Schutz vor Lawinen, Schutz der Bevölkerung und Feriengäste vor möglicherweise todbringenden Schneemassen. Wie aber sieht der Lawinenschutz in den Alpen konkret aus?

Lawinen stellen seit jeher eine ernsthafte Bedrohung in den Alpen dar. Jeden Winter kommt es an den Hängen der Alpenberge zu zahlreichen Lawinen. Gehen diese in einem Gebiet ab, das wenig von Menschen genutzt wird, geht von den Lawinen oft nur eine geringe Gefahr aus. Spätestens wenn aber touristisch erschlossene bzw. besiedelte Gebiete betroffen sind, steigt die Zahl der Toten und Verletzten schlagartig an. Aus diesem Grund ist der Lawinenschutz in den Alpen seit jeher ein großes Thema. Nur mit Hilfe geeigneter Schutzmaßnahmen ist in den Wintermonaten ein sicheres Wohnen und Urlauben möglich.

Generell kann man das große Thema Lawinenschutz in zwei Unterbereiche gliedern: permanente sowie temporäre Schutzmaßnahmen. Zu den permanenten Schutzmaßnahmen zählen bauliche Eingriffe, forstwirtschaftlichen Maßnahmen sowie die Aufklärung und Information betroffener und interessierter Personen. Temporäre Schutzmaßnahmen kommen dann zum Einsatz, wenn eine konkrete Gefahr im Verzug droht oder bereits besteht.

Bauliche Maßnahmen

Ein großer Bereich der permanenten Schutzmaßnahmen sind bauliche Eingriffe in die Natur. Hierdurch können der Entstehung von Lawinen vorgebeugt oder infrastrukturelle Einrichtungen, wie Straßen und Gebäude, bei einem Lawinenabgang geschützt werden.

  • Stützverbauungen. Hierbei handelt es sich vielleicht um die prominentesten Vertreter der baulichen Lawinenschutzmaßnahmen. Man sieht sie in Form von massiven Schneebrücken aus Stahl oder als Netzkonstruktionen an unzähligen Hängen. Losgelöst von der Konstruktion haben alle Stützverbauungen das gleiche Ziel: den großflächigen Schutz für weiter unten liegende Areale. Stützverbauungen verhindern das Anbrechen von Lawinen. Große Schneemassen, die sich unter bestimmten Umständen aus ihrer Umgebung lösen könnten, werden an Ort und Stelle gehalten. Ein schwerwiegender Lawinenabgang wird somit verhindert.
  • Lawinendämme. Neben der klassischen Lawinenverbauung, die den Schnee am Hang hält, gibt es bauliche Maßnahmen, die eine abgehende Lawine ablenken, sodass keine Gefahr für Siedlungen oder Verkehrswege von der Lawine ausgeht. Sollen beispielsweise Gebäude vor einer auslaufenden Lawine geschützt werden, kann dies mit geeigneten Dämmen oder Bremshöckern erfolgen. Diese nehmen die Wucht des Schnees zielgerichtet auf und verlangsamen bzw. stoppen die Lawine. Darüber hinaus gibt es sogenannte Ablenkdämme, die Lawinen an Siedlungen vorbei lenken.
  • Galerien und Tunnels. Führt eine Straße durch ein von Lawinen bedrohtes Gebiet, wird diese in den Alpen nicht selten durch eine geeignete Galerie oder einen Tunnel geschützt. Hierdurch kann die Lawine quasi über das Dach der Straße hinwegfließen, ohne dass der Verkehr beeinträchtigt wird. Somit sind nicht nur die Autofahrer vor den Schneemassen geschützt, vielmehr bleiben wichtige Verkehrsachsen auch nach einem Lawinenabgang passierbar.
  • Objektschutz: Hierbei handelt es sich um Einzelmaßnahmen, die ergriffen werden, um einzelne Objekte zu schützen. Dazu werden Wände verstärkt oder beispielsweise mit einer Art Keil, der die Wucht der Lawine ablenken soll, versehen. Somit können Schäden am Gebäude vermieden oder zumindest eingedämmt werden.

Forstwirtschaftlich-biologischer Lawinenschutz

Wald und aufgeforstete Areale stellen stets einen guten und günstigen Lawinenschutz dar. Dieser kommt abhängig vom Gelände als alleinige Maßnahme oder ergänzend zu Stützverbauungen zum Einsatz. Ein Wald als solcher besitzt dabei viele Vorteile: Durch große Forstgebiete können automatisch auch größere Gebiete effektiv vor Lawinen geschützt werden. Dabei geht es jedoch nicht ausschließlich darum, dass die Schneedecke durch Bäume abgestützt wird. In den Wäldern sind die Schneehöhen zudem geringmächtiger als auf vergleichbaren Freiflächen. Gegen bereits abgegangene Schneemassen können jedoch auch Bäume in der Regel wenig ausrichten; abhängig von der Wucht und Größe einer Lawine, knicken sie wie Zahnstocher ab und verlangsamen die Schneemassen nur unwesentlich. Aus diesem Grund werden die waldbaulichen Maßnahmen vielerorts in Kombination mit Stützverbauungen aus Stahl eingesetzt.

Planerische Maßnahmen

Durch eine gezielte Datenerhebung, Forschung und Planung ist es möglich, besonders gefährdete Gebiete zu erkennen und gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Hierdurch entstehen beispielsweise Lawinengefährdungskarten, welche die Exposition einzelner Orte und Regionen zeigen. Die mögliche Art und Intensität der Lawinen wird in diese Betrachtung ebenfalls miteinbezogen. Analog dieser Karten und Analysen werden dann weitere Maßnahmen abgestimmt sowie Bebauungs- und Nutzungsrichtlinien festgelegt. Darüber hinaus dienen diese Karten als Grundlage für aktuelle Lawinenberichte, die Einschätzung der Gefährdungsstufen sowie der Festlegung temporärer Maßnahmen.

Temporäre Maßnahmen

Immer dann, wenn die vorhandenen permanenten Schutzmaßnahmen nicht ausreichen oder an Orten, wo diese aus Kostengründen nicht realisierbar sind, kommen temporäre Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Darunter versteht man sowohl aktive Maßnahmen, wie beispielsweise die gezielte Lawinensprengung, als auch passive Maßnahmen, wie die Veröffentlichung eines Lawinenlageberichts.

  • Künstliche Lawinenauslösung. Gerade in Skigebieten oder an gefährdeten Verkehrsverbindungen werden in den Wintermonaten immer wieder künstliche Lawinenauslösungen vorgenommen. Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass die Lawine gezielt abgeht und das betroffene Gebiet zuvor gesperrt und evakuiert werden kann. So können Gebiete in denen sich größere Schneemengen angelagert haben, kurzfristig in einem kontrollierten Rahmen gesichert werden. Der Abgang von Großlawinen und die damit verbundenen Schäden und Beeinträchtigungen werden hierdurch ebenfalls eingedämmt. Künstliche Lawinenauslösungen werden in der Regel durch Sprengungen herbeigeführt.
  • Information und Warnung. Die aktuelle Lawinensituation wird in den Alpen fortlaufend ermittelt. Institute wie das schweizerische SLF oder die Lawinenwarndienste in Österreich geben hierzu regelmäßig aktualisierte Berichte heraus. Diese werden unter anderem über das Internet verbreitet und hängen zumeist an öffentlichen Einrichtungen wie Tourismusbüros und Skistationen aus. Ziel ist eine möglichst flächendeckende Information der Bevölkerung sowie der Touristen. Denn nur wer weiß, welche Lawinengefährdungsstufe aktuell besteht, kann sich angemessen verhalten und betroffene Gebiete schon während der Planungsphase einer jeden Tour umgehen.
  • Sperrung und Evakuierung. Abhängig von Lawinenlage, Wetter und Schneemenge kann es erforderlich sein, einzelne Gebiete komplett zu sperren bzw. gar zu evakuieren. Diese Maßnahmen werden immer dann getroffen, wenn die konkrete Gefährdung entweder nicht durch andere Maßnahmen gesenkt werden kann oder die Kosten hierfür in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Fazit

Lawinenschutz ist in den Alpen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Durch langjährige Forschung können gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Gefahr durch Lawinen vorgenommen werden. Dies heißt aber nicht, dass die Gefahr durch Lawinen völlig gebannt ist. Großflächige Sicherungsmaßnahmen werden meist nur für Siedlungsräume, Straßen und Wintersportgebiete vorgenommen. Außerhalb dieser Areale sind bauliche Schutzmaßnahmen äußerst selten. Auch künstliche Lawinenauslösungen werden hier meist nicht vorgenommen. Plant man also, die gesicherten Bereiche zu verlassen, ist es wichtig, sich vorab über die Lawinenlage vor Ort zu informieren. Denn nur durch die richtige Interpretation des Lawinenlageberichts sowie einer den Bedingungen angepassten Tourenplanung ist es möglich, bei Ski- und Schneeschuhtouren sicher unterwegs zu sein.

Klettern im Oman

Ramadan für Bolts: Road-Trip durch das Sultanat Oman: Teil 3

8. November 2016
Die Bergfreunde

Was den Oman als Reiseland besonders macht, sind die krassen Gegensätze. Stundenlang fahren wir durch lebensfeindliches Gelände, staubtrockene Steinwüste soweit das Auge reicht und plötzlich stehen wir in einem wasserführenden Tal mit Palmenhainen und fruchtbarem Boden. Nach so viel karger Steinwüste strahlen uns die Farben förmlich entgegen, über den Luxus von türkisblauen Badegumpen können wir immer wieder nur staunen. Natürlich sind wir vor Allem aufgrund der zahlreichen unbestiegenen Felsen hier und leben dieses Abenteuer, neue Linien zu erkunden, in vollen Zügen aus. Am schönsten ist es dort, wo beides ganz nah beieinander liegt – tolle Felsen sowie wunderschöne Badegumpen. So wie im Wadi Bani Khalid…

Lieblings – Wadi

Je weiter wir in das Wadi hinein fahren und laufen, umso heller werden die Felsen und desto stärker der Kontrast zum türkisblauen Wasser. Über Jahrtausende hat sich das Wasser hier seinen Weg in den Kalk gefressen und so wunderschöne, tiefe Becken ausgespült, die zum Baden regelrecht einladen. Spätestens bei den kugelrunden Gumpen, die mit Eisenketten zum Wiederaufstieg im hinteren Teil der Schlucht versehen sind, können wir nicht mehr widerstehen. Eine fast kindliche Freude kommt beim Sprung ins warme Nass auf, wie früher am Badesee.

Und auch die Omani, jung wie alt, zelebrieren dieses Wunder der Natur. Nach einer gewissen Grundreinigung wagen wir also eine Erkundungstour in eines der Seitentäler und entdecken eine schön zergliederte Wand mit guten Chancen auf festen Fels. Den unteren, überhängenden Teil mit zweifelhaftem Gestein umgehen wir noch, indem wir auf einem breiten Felsband auf halber Höhe elegant einqueren. Aber jetzt heißt es erst einmal testen, was der Fels überhaupt hergibt…Klettern vom Feinsten! Wie überall im Oman sind die Strukturen so scharf, dass die Fingerkuppen brennen… und logische Linien an Rissen und Verschneidungen gibt es zuhauf. Durch zwei davon arbeiten wir uns klemmend und quetschend, bald über raue Strukturen turnend hinauf, die grün leuchtenden Palmen von Badah zu unseren Füßen. „Ein absoluter Glücksgriff, dieses Tal!“ Nach vielen Tagen Staub, Hitze und Schweiß erleben wir die Zeit im Wadi Bani Khalid wie einen echten Luxusurlaub. Wir „hinterlassen“ die beiden Routen ‚Anorexie‘ und ‚der verrückte Kaminkehrer‘, wo sich Wiederholer an bestem Fels und schönstem Abenteuerklettern erfreuen können. Wir sind gespannt auf Feedback, war vielleicht schon jemand drin?

Steintore und Steinmänner

Eigentlich ist jedes Wadi im Oman von mehr oder weniger hohen Felswänden gesäumt, die sich fast alle für Klettertouren eignen. Der Muschelkalk ist überall anders, mal etwas brüchiger, mal kompakter, aber fast immer gibt es die unglaublichsten Strukturen und Formen. Im Eingangsbereich des Wadi Tanuf zum Beispiel steht stolz erhaben, hoch über dem Tal, ein riesiges Felsentor, wie im amerikanischen Arches – Nationalpark. Nur der Zustieg hier ist um einiges mühsamer, aufgrund der Temperaturen, vor Allem aber, weil es durch weglosen, steilen Schotter hinauf geht. Etwas tiefer im Tal fällt uns daraufhin ein kleiner Felsturm ins Auge, den wir uns aus der Nähe anschauen wollen. Der Zustieg ist nicht ganz so weit. Drei kurze Seillängen höher stehen wir dann auch schon unter dem fragilen Turm – „der wird ja nicht gerade jetzt zusammen brechen, oder?!“ Auf dem Gipfel ist zumindest nur Platz für einen von uns, sodass wir ihn nacheinander besteigen und dadurch nicht allzu sehr belasten. Nach weiteren zwei Seillängen stehen wir am oberen Rand des Felsriegels, den langen Abstieg vor unseren Augen. Zugegeben, diese Klettertour war etwas „wander-lastig“. Aber längst haben wir eine weitere logische Linie im Visier, denn gegenüber haben wir eine scharfe Kante erblickt…

Tanz auf der Rasierklinge

Mit ‚dancing on razorblades‘ haben wir uns ein wahrlich „scharfes Abenteuer am Fels“ auf die Fahne geschrieben. Wenn eine Tour diesem Namen gerecht werden könnte, dann diese messerscharfe Felskante vor unserer Nase. Ob es wohl Unglück bringt, wenn man schon beim Einstieg einer Tour den Namen vergibt, ohne zu wissen, ob man es auf den Gipfel schafft? Vom Wandfuß aus betrachtet ist die Kante jedenfalls nicht ganz so scharf wie eine Rasierklinge, aber trotzdem wird die Tour vom ersten Kletter-Meter an ihrem Namen mehr als gerecht. Klettern im Oman ist ohnehin wie ein learning-by-doing Seminar mit dem Titel „kreative Sicherungen legen“. Trotz unserer bisherigen Erfahrungen bleibt hier die Absicherung spannend. Im kompakten Fels bringen wir kaum Sicherungen unter – selten versinkt ein Friend oder ein Totem Basic Cam in einem Riss, meist ist höchstens mit Schlaghaken etwas auszurichten.

Vom üblichen, groben Schotter auf den Felsbändern ganz abgesehen, hängen immer wieder Fels-Schuppen wie Damokles-Schwerter in der Wand, bereit ein Seil zu kappen oder Schlimmeres. Wir arbeiten uns daher sehr bedacht und langsam hinauf, stets auf die nächsten paar Kletter-Meter konzentriert. Der Handbohrer und ein paar Not-Bohrhaken sind zwar am Gurt, aber wir wollen soweit wie möglich mit unseren mobilen Sicherungen auskommen. Die Tour wird zu einem Test für unsere Nerven und das gegenseitige Vertrauen in das Können des Anderen. Der scharfe Fels mit seinen schönen Strukturen hat uns voll in seinen Bann gezogen, sodass wir fast nicht bemerken wie die Stunden vergehen. Am späten Nachmittag hängen wir immer noch im oberen Teil der Headwall. An Abseilen ist schon lange nicht mehr zu denken, es gibt nur die Flucht nach oben. Doch immer wieder kommt eine vermeintlich letzte Seillänge, die nur wieder auf ein weiteres Felsband führt. Hat denn diese Wand gar kein Ende?

Hotel der tausend Sterne

Erst bei Sonnenuntergang schwingt sich Georg endlich über die letzte Felskante auf das flache Gipfelplateau und wir können auf dieses wahnsinnige Abenteuer einschlagen. Obwohl, vorbei ist es noch nicht, denn das etwa 500 Meter hohe Felsband erstreckt sich kilometerweit nach links und rechts. „Jetzt müssten wir nur noch irgendwie herunter kommen“… Flotten Schrittes geht es somit im sicheren Abstand zum Abgrund den Felsrand entlang, doch bald ist klar: wir müssen biwakieren. Es gibt keine Chance im Dunkeln einen sicheren Abstiegsweg zu finden. Kein Problem, wir sind ja vorbereitet, wir haben ein Feuerzeug und zwei Rettungsdecken dabei!

An einem großen Felsblock richten wir unser Biwak-Lager vor. Die gemütliche Seil-Unterlage ist vorbereitet und bald lodert ein kleines Feuer. Nur mit der einen Rettungsdecke will es nicht recht klappen – anstatt einer Folie reißt Georg nur silberne und goldene Fetzen aus der Verpackung… „Aus welchem Jahrhundert ist die denn gewesen?!“ Unter der verbleibenden Rettungsdecke trotzen wir also dem eisigen Wind und sagen einfach: „es war kuschelig“. Diese Nächte im Hotel der tausend Sterne sind doch ohnehin unbezahlbar, auch das Frieren gehört irgendwie mit dazu. Im Licht der aufgehenden Sonne sitzen wir so in einem Haufen Silberfolie, als wären wir gerade von einer Mondfahrt gekommen. „Der Adler ist gelandet“ kommentiert Georg, schließlich können wir darüber auch lachen. Bei Tageslicht gestaltet sich der Abstieg dann über den Bergrücken sehr viel einfacher, sodass wir es rechtzeitig zum „Frühstückskaffee“ zurück ins Tal schaffen.

Vier Wochen Urlaub sind verflogen wie im Wind, unsere Kletter-Ziele würden jedoch noch für lange Zeit reichen. Zum Beispiel haben wir am höchsten Fels des Oman noch keine Hand angelegt. Der 1000 Meter hohe Jabal Misht hat zahlreiche Bigwall-Linien zu bieten, die wir uns nur noch von unten anschauen können. Einerseits sind wir wehmütig, weil wir „schon“ wieder nach Hause müssen, andererseits aber auch erleichtert, weil diese riesige Felsmasse unglaublich erdrückend wirkt. Furchterregend, aber gleichzeitig anregend. Genau die richtige Mischung aus Angst und Anziehung, die einen Grund liefert, um bald wieder zu kommen!

Kletterführer:
„Climbing in Oman“ von Jakob Oberhauser, Panico Verlag, 2014

Verwendetes Material:
Tendon Master 7.8mm (Halbseile) und Tendon Hattrick 10.2mm (Einfachseil)
Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen
Totem Cams und Basic Totem Cams
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger
Optimus Polaris Kocher (Benzin und Gas) mit Optimus Terra Lite HE Cook Set Töpfen
LEKI Micro Vario Carbon

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Anni auf dem Nordkalottleden – 400 km alleine durch Nordskandinavien, Teil 2

5. November 2016
Die Bergfreunde

Der Plan war ambitioniert: Von Kautokeino im Norden Norwegens über 800 Kilometer den Nordkalottleden erwandern. Dass das kein Pappenstiel ist, wurde Bergfreundin Anni schon bei ihrer ersten Etappe schmerzlich bewusst, als ihr der Morast das Vorankommen erschwerte und sie bei jedem Schritt tief im Schlamm versank. Das Gelände und die Erschöpfung machten ihr auch im weiteren Verlauf schwer zu schaffen. Im zweiten Teil ihrer Reisereportage erfahrt ihr, wie es Anni auf dem Rest des Weges erging…

Kilpisjärvi – Innset: Qualität kommt von Qual

Leider zerschlug sich meine Hoffnung, dass meine Füße sich in dieser Zeit erholen würden und nicht mehr nach spätestens drei Stunden zu schmerzen beginnen, ziemlich schnell. So gestaltete sich jeder weitere Tag als Probe für meinen Willen, diese Tour zu gehen. Es tat weh, festzustellen, dass es nur mehr Wille war, der mich antrieb, und nicht die reine Freude am Unterwegssein und an der Natur. Ich wollte zunehmend nach Hause, in Sicherheit sein, nicht jeden Tag zur Zerreißprobe werden lassen. Das von nun an schlechte Wetter trug nicht gerade zur guten Laune bei. Einen Lichtblick verschafften mir die Begegnungen in der Zeit ab Kilpisjärvi.

Schon nach dem Passieren des Dreiländerecks Finnland-Schweden-Norwegen (Treriksröset genannt) traf ich die ersten Deutschen, eine Frau meines Alters mit ihrem Vater, mit denen ich gemütlich schnatternd den Abend auf der Gappohytta am Kamin verbrachte. Am nächsten Tag machte ich mich auf den anstrengenden, aber schönen Weg durch das beeindruckende Isdalen zur Rostahytta. Dort angekommen wurde ich gleich schon von Sarah aus Hamburg empfangen, die ich bereits auf dem Boot von Kilpisjärvi zum Treriksröset getroffen hatte. Auf die Frage, wie es lief, erzählte ich ihr von meinen schmerzenden und teilweise tauben Füßen, worauf sie entgegnete „Ich bin Physiotherapeutin, das schau ich mir heut noch an. Aber erstmal bekommst du Früchtetee mit viel Zucker“. Ihr Ernst? Ich war im Wandererhimmel – eine Physiotherapeutin auf der Hütte, die mir auch noch Tee kocht! Weniger erfreulich war dann Sarahs Diagnose, es gebe Probleme mit meiner Lendenwirbelsäule. Der Schmerz würde also mit der Zeit nicht besser werden, im Gegenteil. Ihre haarsträubende Schmerzpunkt-Behandlung ließ ich dann gern über mich ergehen. Die anderen Hüttenbewohner staunten nicht schlecht über die brüllende, heulende Anni, die da auf der Sitzbank gequält wurde. Danke Sarah!

Die anderen waren Jonas aus den Niederlanden, Dagmar aus Karlsruhe und Solveig aus der Nähe von Tromsø. Mit ihnen bildete sich ein kleines Grüppchen, das sich von nun an stets abends auf der Hütte traf – und obwohl ich kein geselliger Typ bin, war ich froh darüber, denn ich durfte hier unglaublich liebe, lustige Menschen kennenlernen. Tagsüber bestritt jeder den Wandertag für sich. Auch war ich froh, so viele Abende in den gemütlichen norwegischen DNT-Hütten verbringen zu dürfen, die wirklich jedes Mal und jede immer anders „Hytteglede“ (frei übersetzt: „Hüttenfeeling“) aufkommen lassen. Von der Rostahytta ging es zur Daertahytta über eine steinerne Geröllwüste und den bisher höchsten Punkt der Wanderung auf 1300 m.

Der Weg von der Daertahytta zur Dividalshytta war mit seinen 24 km in anspruchsvollem Gelände wieder einmal eine große Herausforderung. Beim Wandern durch eine Senke mit zwei Seen kam das altbekannte Kautokeino-Feeling auf, als ich bis zur Wade im Sumpf einsank, dass es nur so schmatzte. Dieses Mal hatte ich jedoch meine schöne Bergans Regenhose mit integrierten Gamaschen an – praktisch! Auch der eigentlich kurze Weg von der Dividalshytta zur Vuomahytta zeigte sich dem Nordkalottleden angemessen mit endlosem Moor im Birkenwald, vielen Höhenmetern, fehlenden Markierungen und mit dem Divielva, der herausforderndsten Flussüberquerung bisher. Eins ist sicher: Wenn auf dem Nordkalottleden eine Tagesetappe nur 12 Kilometer hat, dann ist da irgendwo ein Haken.

Innset – mein neues Ziel

In dieser Zeit reifte in mir der Entschluss, die Tour abzubrechen. Die Traurigkeit, keinen Spaß zu verspüren, hatte sich in pure Unlust gewandelt, und schon der bloße Gedanke daran, den weiten Weg, den ich mir noch vorgenommen hatte, unter diesen Schmerzen zu gehen, löste in mir Widerwillen aus. Nicht einmal die fünf Tage bis Abisko wollte ich noch wandern. Einfach raus – schnellstmöglich. Mit der Entscheidung, auf der Huskyfarm in Innset abzubrechen, breitete sich auch eine Erleichterung in mir aus. Ich wusste und weiß, es war richtig so. Trotzdem hatte ich ständig das Gefühl, meine Entscheidung vor mir selbst rechtfertigen zu müssen, gemischt mit einer großen Enttäuschung darüber, dass einfach alles nicht so geklappt hat, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es hätte doch so schön sein können.

Zwei Tage waren es noch bis zur Huskyfarm des Deutschen Björn Klauer in Innset, wo ich mir selbst in der Vorbereitung der Tour ein Versorgungspaket hingeschickt hatte, um auch auf der zweiten Hälfte des Nordkalottleden mit genug gefriergetrocknetem Essen, Tee, Schokolade, Karten und vielem Wichtigem mehr ausgestattet zu sein, denn die Nachschubmöglichkeiten auf dem Nordkalottleden sind spärlich gesät. Die Gaskashytta war die Endstation für unsere kleine Gruppe, denn auch Jonas war am Ende seiner Kräfte. Da sieht man, was der Nordkalottleden mit einem anstellt – selbst Wanderer, die schon seit 16 Jahren jedes Jahr lange, anspruchsvolle Touren gehen, zwingt er in die Knie.

Er hat uns alle geschafft, wir alle mussten kämpfen. Doch hatten wir das Glück, ein Stück unseres Weges zu teilen, uns gegenseitig Mut zu machen und so jeden Tag wieder gestärkt angehen zu können. In Innset angekommen, hatte ich kaum ein Auge für die dutzenden von Huskys und ihre Hüttchen oder den idyllischen See, an dem die Farm liegt. Ich war einfach viel zu sehr mit mir selbst beschäftigt. Der erste Stress fiel ab und es heulte nur so aus mir heraus, ohne dass ich genau wusste, warum eigentlich. Der Kampf war zu Ende, mein großes Abenteuer auch. Jeden Tag aufs Neue an seine Grenzen zu gehen, Schmerz zu verdrängen und harten Willen hervorzubringen, geht auf Tour nur auf begrenzte Zeit – so lang, bis man sich an seinem persönlichen Ziel wähnt. Ist man da, merkt man erst einmal, welch mentale Leistung man da vollbracht hat. Es sammelt sich so viel an, wie in einer verstopften Regenrinne. Irgendwann löst sich der Pfropfen und alles überschwemmt einen; nicht nur psychisch, sondern auch physisch. Drei Tage nach meinem Abbruch wurde ich richtig krank. Mein Körper wollte mir wohl sagen: Frollein, das war ein bisschen zu viel. Eins steht fest: die nächste Tour wird entspannter und leichter – in jeglicher Hinsicht!

Das Fazit nach 400 Kilometern – ohne Schatten kein Licht

Fast 400 Kilometer legte ich in knappen drei Wochen zurück, und trotz dieser Leistung, die mir selbst auf die Fahnen schreiben darf, bleibt ein bitterer Beigeschmack, wenn ich heute an mein Abenteuer zurückdenke. Ich hatte Großes vor und viel dafür investiert, und doch kann man absolut nicht planen, wie der Weg für einen sein wird. Doch ich durfte wertvolle Erfahrungen sammeln: Ich weiß, wie eine Tour für mich nicht sein soll und was sie für mich zum Genuss macht. Ich weiß jetzt: Wenn es keinen Spaß mehr macht, hör auf damit (gilt für fast alles im Leben). Ich weiß, wie brachial ich kämpfen kann, dass ich einfach alles gegeben habe. Besser hätte ich es nicht machen können und das ist gut so. Ich weiß wie es ist, eine große Tour über ein halbes Jahr zu planen, drauf hinzuarbeiten und einfach allein loszugehen. Und ich weiß, dass für jede schlechte Tour auch wieder eine richtig gute kommt. All dies ist mir sehr viel wert, und auch wenn es mal nicht optimal läuft, kann ich nur jedem empfehlen, an einem großen Wunsch festzuhalten und es einfach zu versuchen. Wer gar nicht losgeht, kann auch nicht ankommen :) In diesem Sinne: God tur!

Winterabenteuer auf Island

Sonne, Eis und Meer – ein unvergessliches Winterabenteuer auf Island

4. November 2016
Die Bergfreunde

Island, Januar 2015. Vier Berliner unterwegs im ewigen Eis. 3000 km entfernt von unserer Heimat erlebten wir eine andere Welt mit unendlichen Gletschern, gewaltigen Wasserfällen, heißen Quellen und schimmernden Nordlichtern. Island beweist sich als Wintergeheimtipp für Abenteuerlustige und Naturliebhaber.

Bestens vorbereitet starten wir zu unserem fünftägigen Winterabenteuer nach Island. Neben der kompletten Wintermontur haben wir Zelte, Campingkocher, Steigeisen, Eispickel, Seile und Schneeschaufel mit im Gepäck. Nach knapp vier Stunden Flugzeit landen wir in Reykjavik, der Hauptstadt des Inselstaates. Ein eisiger Wind und kalter Schnee bläst uns direkt zur Begrüßung ins Gesicht. Herzlich willkommen im Winterparadies Island.

Glatte Straßen

Direkt am Flughafen nahmen wir unseren Mietwagen, einen Toyota VX Landcruiser, entgegen. Gezielt wählen wir einen Geländewagen aus, um auch abseits der Hauptroute, die die Insel ringförmig umrundet, unterwegs sein zu können. Dies erweist sich auf den verschneiten und teils spiegelglatten Straßen als äußerst hilfreich. Trotzdem bleibt es auch uns nicht erspart, bereits beim ersten Verlassen der Hauptstraße im nächtlichen Tiefschnee stecken zu bleiben. Glücklicherweise waren uns Einheimische dabei behilflich, das Auto wieder aus dem Schnee zu ziehen, allein hätten wir das nicht mehr geschafft. Im Laufe der Reise ist uns klar geworden, dass es im isländischen Winter scheinbar dazu gehört, mit dem Auto im Schnee stecken zu bleiben, von der Straße abzukommen oder ins Rutschen zu geraten. Nahezu täglich sehen wir Autos am Straßenrand und helfen ihnen wieder zurück auf den rutschigen Asphalt. Im Vergleich zu den Einheimischen sind wir mit Schneeschaufel, Seil und Eispickel bestens dafür gerüstet. Nun jedoch zu unseren Erlebnissen abseits der Straße.

Lavahöhle für Jedermann

Direkt vom Flughafen aus steuern wir die Lavahöhle Leidarendi nahe Reykjavík an. Im nächtlichen Schneesturm ist es nahezu unmöglich, den Einstieg zur Höhle zu finden. Dem Zufall sei Dank, erkennen wir am Straßenrand noch ein paar Taschenlampenlichter – eine Gruppe Abenteuerhungrige, die gerade aus der Höhle kommt. Sie weisen uns schließlich den Weg zum Einstieg. Die Höhle selbst ist unerwartet groß und ohne Schwierigkeiten zu bewältigen – nicht gerade spektakulär, jedoch ein schöner Beginn für unsere Islandreise.

Brodelnde Geysire und eisige Wasserfälle

In den folgenden Tagen besuchen wir einige der „Klassiker“ im Süden der Insel. Angefangen mit der spektakulären Wasserfontäne des Großen Geysirs, der namensgebend für diese Art von geothermalen Quellen ist, sowie den Geysir Strokkur, der in regelmäßigen Abständen von etwa 10 Minuten ausbricht und eine bis zu 30 Meter hohe Wassersäule in die Luft schleudert. Wer da nicht aufpasst und nicht schnell genug von der Kraterabsperrung zurücktritt, bekommt schon mal eine nasse Brise von oben ab. Bei eisigen Wintertemperaturen ist das jedoch kein Problem, weil das Wasser in sekundenschnelle zu Eis gefriert und die Kleidung nur steif werden lässt.

Als weitere Attraktion bestaunen wir die teils mit Schnee und Eis bedeckten Wasserfälle Gulfoss, Skógafoss, Seljalandsfoss und Svartifoss, wobei der letztgenannte uns einen super Spot für eine nächtliche Abseilaktion bietet. Wir seilen uns 20 Meter herab an den Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen von der Felskante des Svartifoss hängen und am Rande mit meterlangen Eiszapfen geschmückt sind. Unsere Abseilstrecke endet im Flussbecken, das im Winter zu einem Trichter aus Eis geformt ist, und in das die Wassermengen hinein stürzen.
Der Svartifoss liegt in kurzer Entfernung zum Camping in Skaftafell am Vatnajökull-Nationalpark. Im Gegensatz zu den anderen Campingplätzen in der Region hat dieser auch im Winter geöffnet. Gegen eine kleine Gebühr ist es möglich, hier sein Zelt aufzubauen und die Sanitäranlagen zu nutzen. An der Rezeption erhalten wir zudem aktuelle Informationen zu den Gletschern im Vatnajökull National Park. Wir nähern uns dem absoluten Highlight der Tour.

Seilrutsche in der Gletscherwelt

Der Vatnajökull ist der flächenmäßig größte Gletscher der Welt außerhalb der Arktis mit einer Eisdicke bis zu 950 m. Wir waren zutiefst beeindruckt vom Anblick dieser gewaltigen Eismassen. Im Sommer ist der Gletscher zumeist von einer Ascheschicht bedeckt, nun im Winter leuchtete er jedoch bis ins türkisblaue. Mit Steigeisen, Eispickel und Seil bewegen wir uns über das Eis, rutschen die gewaltigen Gletscherzungen hinunter und bauen uns Seilbrücken von einer Spalte zur Nächsten.
Begeistert vom Eis fahren wir noch in der Nacht nach Jökulsárlón, den größten und bekanntesten Gletschersee Islands. Er ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 Meter erreichen. In der Nacht bleibt uns der Blick darauf jedoch verschlossen. Trotz unserer leuchtstarken Taschenlampen können wir kein Treibeis darauf erkennen. Sicherlich war es auch nicht die beste Idee, im Dunkeln hier her zu fahren. Umso größer ist die Vorfreude auf den nächsten Tag, wo wir noch einmal eine Gletschertour absolvieren.

Starkwinde am Meer

Vom Vatnajökull fahren wir schließlich weiter nach Dyrholaey, den südlichsten Punkt der Insel nahe der Ortschaft Vik. Warme und winddichte Kleidung sind hier Pflicht. Solch starke Winde hatte bisher noch keiner von uns erlebt. Vom Parkplatz aus laufen wir zunächst Richtung Leuchtturm und dann die Steilküste entlang bis zum Ausblick auf dem „Türhügelinsel“ – ein großer Felsbogen mit einem von Wellen geformten Felsdurchbruch im Meer. Unterhalb des Cliffs schwappen die Wellen dem schwarzen Lavastrand entgegen.

Iglubau an heißen Quellen

Zum Abschluss jeder Islandreise darf ein Bad in heißen Quellen natürlich nicht fehlen. Wir entscheiden uns für die naturbelassene Badestelle im Reykjadalur oberhalb von Hveragerð.
Die mit Holzstegen und Kleiderständern ausgebaute Badestelle ist nach einem zweistündigen Fußmarsch vom Parkplatz aus gut zu erreichen. Das ablegen sämtlicher Kleiderschichten kostet uns zunächst reichlich Überwindung. Die Außentemperaturen rund um den Gefrierpunkt sorgten schnell für Gänsehaut und blaue Lippen. Das heiße Wasser brennt anfangs auf unserer Haut, als wir uns mit unseren durchgefrorenen Körpern hineinlegen. Wir haben die Badestelle fast für uns alleine und im Laufe des Abends stoßen nur zwei weitere kleine Gruppen hinzu. Wir kochen unser Abendbrot vom Wasser aus und genießen die Atmosphäre. Die Nacht wollen wir hier oben in einem Iglu verbringen. Mit Schneeschaufeln und Schneesägen machen wir uns an die schweißtreibende Arbeit. Schwache Nordlichter begleiten unser Bauvorhaben. Nach mehr als vier Stunden schneesägen, schneeschaufeln und Schneeklötze stapeln brechen wir das Projekt jedoch ab, weil es uns nicht gelingt, das Dach des Iglus zu schließen. Der Schnee ist einfach zu weich, die Konstruktion zu instabil – uns fehlt schlichtweg die Erfahrung im Iglubau. So treten wir schließlich den Rückweg an. Der nun aufkommende Schnee hätte für unsere ungeschützten Daunenschlafsäcke das Ende bedeutet und so verbringen wir auch unsere letzte Nacht im Zelt.

Zwischen zwei Kontinenten

Am Abreisetag steht als letztes Ziel noch Thingvellir auf dem Plan. Der Ort gehört gemeinsam mit dem Wasserfall Gullfoss und den Geysiren des Haukadalur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, dem sogenannten Golden Circle. Der Nationalpark Thingvellir ist gekennzeichnet durch die Allmännerschlucht, eine kilometerlange, nicht heilende Wunde, die sich durch die Landschaft zieht. Jahr für Jahr driften hier die eurasische und die nordamerikanische Platte einige Zentimeter weiter auseinander und vergrößern die klaffende Schlucht. Vom Felsen über der Allmännerschlucht reicht der Blick über weite Teile des ersten isländischen Nationalparks Thingvellir sowie den Thingvallavatn, der größte See des Landes. An keinem Ort zuvor treffen wir auf so viele Touristen wie hier. Die meiste Zeit der Reise sind wir allein unterwegs gewesen. Die Kulisse ist sicherlich schön, jedoch empfinden wir es als zu voll, um die Natur richtig genießen zu können. Einzig eine Tauchtour im glasklaren Wasser der Silfra-Spalte, die als Tauchspot bekannt ist, wäre für uns eine verlockende Aktion gewesen, so kurzfristig war das jedoch nicht mehr zu realisieren. Nach einem kurzen Aufenthalt steigen wir somit wieder ins Auto und fahren durch den einsetzenden Schneefall zum Flughafen.

Winterkulisse mit funkelnden Polarlichtern

Vom Schnee blieben wir die meiste Zeit weitestgehend verschont. In Vorbereitung auf die Tour hatten wir viele Berichte über das schlechte Wetter Islands gehört und gelesen. Wir hatten jedoch Glück und erlebten den Winter als eine ganz besondere Reisezeit mit kontrastreichen Bildern von klirrendem Eis und Schnee neben heißem Lava- und Schwefeldampf sowie angenehm warmen Quellen. Die längste Zeit über wurden wir von Sonnenschein begleitet und konnten allabendlich funkelnde Polarlichter am Himmel bewundern.

Die Reise und Erlebnisse machten Lust auf mehr. Wir wollen auf jeden Fall nochmal wiederkommen, mal schauen, dann vielleicht auch mal im Sommer.

Text: Sina Burmeister
Fotos: Ronny Horning & Sina Burmeister

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Lawinenhunde – bester Freund und Lebensretter

3. November 2016
Die Bergfreunde

Treue Augen, weiches Fell und eine empfindliche Nase, die für Lawinenopfer den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann. Trotz technischer Fortschritte bei Lawinenverschüttungsgeräten, sind Rettungshunde häufig die einzige und beste Möglichkeit, einen Verschütteten rechtzeitig zu finden.

Wer an Lawinenhunde denkt, stellt sich zunächst aber einen zotteligen Bernhardiner mit einem Schnapsfässchen um den Hals vor. Schließlich wird auch Barry, der wohl bekannteste (Rettungs-)Hund nach Lassie, auf seinem Podest im Berner Museum mit dem dekorativen Halsschmuck präsentiert. Tatsächlich soll Barry zu Lebzeiten 40 Menschen das Leben gerettet haben, auch wenn das Fässchen nichts damit zu tun hatte.

Woher die Legende vom Schnapsfässchen kommt, weiß niemand so recht, denn dieses würde die Rettungshunde bei ihrer Arbeit zu stark behindern. Wahrscheinlich ist, dass ein findiger Postkartenfotograf es einem der Tiere mehr zum Spaß umgehängt hatte. Dass man Barry sein Fässchen mit der Schweizer Flagge deswegen aberkennt kommt aber nicht in Frage, schließlich hat er es sich in seiner 14-jährigen Laufbahn mehr als nur verdient – die Ausbildung nicht mitgerechnet. Denn die ist lang und startet früh.

Wie aus einem Hund ein Lawinenhund wird

Lawinenhunde beginnen ihre Ausbildung bereits im Welpenalter und trainieren von da an regelmäßig. Im Ernstfall verlässt sich der Hundeführer darauf, dass sie auch am Ende eines kräftezehrenden Einsatzes noch aufmerksam und voll einsatzbereit sind. Dabei spielt es keine Rolle welcher Rasse das Tier angehört – die Arbeit ist also nicht exklusiv Bernhardinern vorbehalten – solange sie in guter körperlicher Verfassung sind. Besonders beliebt sind Deutsche Schäferhunde, Golden Retriever, Labradore oder Hütehunde.

Bevor man dem Tier allerdings Menschenleben anvertrauen kann, vergehen mehrere Jahre. In dieser Zeit bringt der Trainer den Hunden spielerisch bei, nach Lebenssignalen unter einer Schneedecke zu suchen.

Zu Beginn werden Gegenstände, die der Ausbilder am Körper trägt, einfach im Schnee versteckt. Findet der Hund sie, erhält er eine Belohnung. Stück für Stück wird so der Schwierigkeitsgrad erhöht und der natürliche Jagdinstinkt geschult, bis das Tier selbstständig nach Menschen unter dem Schnee sucht. Diese Form der Konditionierung zeigt sich als äußerst effektiv und der Vierbeiner lernt schnell, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren und freut sich umso mehr, wenn endlich das Leckerli im Maul landet.

Extreme Anforderungen

Auch wenn es als Welpe nur ein Spiel ist, sobald ein Einsatz mit dem Bergungsteam ansteht, wir den Hunden viel abverlangt. So schnell wie möglich müssen sie am Einsatzort sein, denn nach 15 Minuten sinken Körpertemperatur und Überlebenschancen des Verschütteten rapide.

Neben seinen Qualitäten als Spürnase darf der Hund deshalb keine Angst vor Lärm oder Höhe haben. Nicht selten kommt es vor, dass eine Unfallstelle nur per Hubschrauber zu erreichen ist und sich Trainer und Hund zusammen abseilen müssen. Dank viel Lob, gutem Zureden und jeder Menge Leckerlis freuen sich die meisten Lawinenhunde aber auf den Flug.

In Bayern sind momentan drei Lawinenhundestaffeln im Einsatz, die etwa zehn bis fünfzehn Mal im Jahr zum Einsatz kommen. Laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung Davos sterben durchschnittlich 23 Menschen jedes Jahr durch Lawinen, die sie meistens selbst ausgelöst haben.

Selten können sich Opfer einer solchen Katastrophe selbst befreien. Der Druck im Inneren eine Lawine lässt den Schnee hart wie Beton werden. Lawinenrucksäcke und Lawinensonden erhöhen zwar die Chancen rechtzeitig gefunden zu werden, aber schlussendlich gibt es für einen Verschütteten kein schöneres Geräusch als das Bellen eines anschlagenden Lawinenhundes.

Caro North im Bergfreunde-Pro-Team

Caro North – unser Neuzugang im Bergfreunde Pro-Team

28. Oktober 2016
Die Bergfreunde

Mit 16 Jahren schon am Aconcagua unterwegs. Kann man machen. Genauer gesagt: Kann Frau machen! Zwar blieb der Gipfelerfolg damals aus, doch das hielt die junge Frau, die sich heute zu einer herausragenden Athletin gemausert hat, nicht davon ab, im Bergsport Fuß zu fassen. Die Rede ist von Caro North, dem neusten Mitglied unseres Pro-Teams. Wir haben sie zum Willkommens-Interview gebeten.

Hi Caro, es freut uns, dass Du bei uns im Pro-Team mit von der Partie bist. Um einen ersten Eindruck von dir zu bekommen, gib uns doch mal drei Sätze, die dich beschreiben:

Meine Riesenleidenschaft sind die Berge und das Klettern in all seinen Spielarten. Dafür habe ich eine unendlich große Motivation und richte mein Leben komplett danach aus. Zudem habe ich diesen Drang, stetig Neues zu entdecken und anspruchsvolle Herausforderungen zu meistern!

Du kommst aus der Schweiz und hast das Bergsteigen quasi mit in die Wiege gelegt bekommen. Ich nehme an, du hast in jungen Jahren lieber mit Karabinern gespielt, als mit Puppen?

Also ich war tatsächlich schon früh in den Bergen unterwegs, beim Skifahren und Hüttenwandern mit meinen Eltern – aber als Kind war ich doch eher ein bisschen kräftiger und weniger sportlich unterwegs. Die ersten Karabiner hatte ich dann mit 10 Jahren in der Hand. Ein großer Puppenfan war ich tatsächlich nie.

Ich habe gelesen, dass deine Familie neben dem Bergsport auch der Musik frönt und dass du Kontrabass spielst. Findest du dafür überhaupt noch Zeit?

Mittlerweile nicht mehr – und ein Kontrabass lässt sich so schlecht mit auf Reisen mitnehmen ;-)

Kannst du dich noch an deine erste echte Hochtour erinnern? Wie war das so?

Aber sicher, das war mit der Jugendgruppe als ich 13 Jahre alt war. Damals ist jeder mal in eine Spalte geflogen und für mich war das dann auch erstmal irgendwie normal, das musste wohl so sein…

Von 2011 bis 2013 warst du Teil des DAV-Expedkaders der Frauen. Konnten die dir überhaupt noch was beibringen?

Klar, ich hab aus dieser Zeit mega viel mitgenommen! Vor allem beim Eis- und Mixedklettern, das hatte ich vorher noch nicht so häufig gemacht. Außerdem hat mich Dörte (Dörte Pietron, Klettertrainerin des Exped-Kaders, Anm. d. Red.) zu meiner ersten Patagonien-Expedition motiviert.

Wie ist es um das Risiko bestellt? Wie gehst du damit um? Einfach drauf los oder minutiöse Planung?

So ein Mix aus beidem. Ich plane etwas, aber sicherlich auch nicht so viel und detailliert wie manch anderer. Irgendwann muss man dann einfach raus und los. Zu viel Planung macht es dann auch nicht unbedingt sicherer.

Letztes Jahr hast du die erste Frauenseilschaft auf den Cerro Torre geführt, warst dieses Jahr schon für längere Zeit im Himalaya und in den USA unterwegs. Wo geht es als nächstes hin?

Oh, da hab ich noch so einige offene Ziele – im Himalaja und in Patagonien – aber jetzt geht’s nächste Woche erstmal nach Indian Creek zum Klettern, Juhuuu!

Wie wichtig ist es dir, neben dem sportlichen Aspekt auch die Kulturen vor Ort kennenzulernen.

Sehr, sehr wichtig! Ich klettere gerne mit den Locals aus dem jeweiligen Land, versuche ihre Sprache zu lernen und mir bei meinen Expeditionen auch Zeit zum Reisen und Kennenlernen der heimischen Bräuche und Tugenden zu nehmen. Gerade das macht es für mich so spannend!

Was kommt bei dir nach einem langen Tag abends auf der Hütte auf den Tisch?

Da ich Vegetarierin bin, gerne was ohne Fleisch.

Gibt es etwas, was auf keiner Tour fehlen darf? Hast du vielleicht einen Glücksbringer?

Einen Glücksbringer habe ich eigentlich nicht, da ich schon versuche immer so leicht wie möglich unterwegs zu sein, aber was definitiv nicht fehlen darf, sind meine Rosinen!

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Was macht Caro in zehn Jahren?

Hoffentlich noch mehr Klettern und nicht mehr arbeiten. Oder besser gesagt, keine kleinen Saisonjobs mehr, sondern als Bergführerin tätig sein und zwischendurch immer wieder auf Expeditionen gehen. Ein Traum, an dem ich stetig arbeite!

Und wir freuen uns, dass wir dich auf deinem Weg weiter begleiten dürfen. Jetzt aber erstmal viel Spaß in Indian Creek. Ich hoffe, wir bekommen ein paar schöne Bilder zu sehen! :)

Mein bester Bergfreund, Foto: Sascha Ragone

Mein bester Bergfreund: Auf den Hund gekommen!

26. Oktober 2016
Die Bergfreunde

Schon als wir den Urlaub 2016 in Südtirol geplant hatten stand schnell fest, dass es eine besondere Highlight-Tour geben soll. Aber ausgerechnet an dem Tag, als die Tour stattfinden sollte, meldete der Wetterdienst Tirol 28°C . Meine Frau entschloss sich daraufhin, den Tag lieber in Meran zu verbringen. Und so machte ich mich um 8 Uhr morgens gemeinsam mit Pico, meinem fünfjährigen spanischen Hütehund, auf den Weg zum Vernagt Stausee (1.689 m) am oberen Schluss des Schnalstals – einem Ortsteil der Gemeinde Sölden im Ötztal – um von dort aus auf die Similaunhütte auf 3015 m aufzusteigen. Laut Wegweiser soll dieser Trek rund 3.15 Stunden dauern.

Abkühlung gefällig?

Mit ausreichend Getränken und passender Bekleidung im Rucksack geht es zunächst entlang kleiner Brücken, inmitten größerer Kuhherden über saftig grüne Wiesen und wir erreichen nach gut 1,5 Stunden das Geröllfeld, welches uns zum steinigen Einstieg führt. Mittlerweile ist auch die Sonne voll da und die anderen Wanderer staunen nicht schlecht, welches Tempo wir zwei vorlegen. Dabei überlege ich aufgrund der Hitze tatsächlich mehrfach die Tour abzubrechen. Doch Pico sieht das alles natürlich ganz anders und erfreut sich sichtlich an dem kühlen Gletscherwasser, das immer wieder in kleinen Bächen unseren Weg kreuzt. Ans Aufgeben ist nicht zu denken.

Stattdessen tue ich es ihm gleich und kühle Kopf sowie Nacken, wann immer möglich im herrlich erfrischenden Flusswasser ab – den Blick weiter nach oben gerichtet, dem Gipfel entgegen. Pico rennt währenddessen, wie auf all unseren gemeinsamen Touren zuvor, vorneweg und überholt dabei freundlich begrüßend selbst noch den einen oder anderen Bergsteiger mehrere hundert Meter vor uns. Diese Erfahrung, ein solches Bergerlebnis mit seinem vierbeinigen Freund anzutreten, kann ich unterdessen nur jedem empfehlen. Das Wandern mit Hunden ist einfach eine ganz wunderbare Sache!

Wir nehmen uns natürlich die Zeit und genießen immer wieder den Ausblick bei diesem strahlend blauen Himmel ins Tiroler Alpenland – für mich einer der schönsten Plätze zum Urlaub machen. Die letzte Stunde der Tour wird dann schließlich zur Herausforderung, denn die Sonne erreicht, wie angekündigt, ihre Tageshöchsttemperatur, und der mittlerweile kühle Wind in dieser Höhe sorgt abwechselnd für Hitze und Gänsehaut.

Höhengenuss und Hüttenflirt

Die sich im Abstieg befindlichen Wanderer in ihrer dicken Kleidung bestätigten mir, dass es die richtige Entscheidung war, Daunenjacke plus Mütze in den Rucksack zu stecken. Schließlich wollen wir ja auch noch draußen sitzen und den Ausblick auf das Gipfelkreuz des 3599 Meter hohen, eisüberzogenen Similaun genießen. Die letzten Meter zur Hütte sind dann zwar recht steil, aber die Freude es gleich geschafft zu haben, treiben mich an und nach 3 Stunden erreiche ich als zweiter meiner Gruppe die Hütte. Pico ist unterdessen schon einige Minuten vor mir auf der Terrasse angekommen und flirtet bereits ausgiebig mit der Hüttenwirtin, die ihn später gar nicht mehr gehen lassen will.

So suchen wir uns einen halbwegs windgeschützten Platz an der Sonne und ruhen uns bei einem Weißbier, dem obligatorischen Kaiserschmarrn und frischem Quellwasser ausgiebig aus. Im Einklang mit dem facettenreichen Bergmassiv beobachten wir währenddessen noch einige Seilschaften, wie sie das Gipfelkreuz über den Gletscher erreichen. Gestärkt und überglücklich nehmen wir anschließend den Abstieg über die selbe Route wie zuvor in Angriff.

Am späten Nachmittag zurück im Dorf Tirol erzähle ich meiner Frau von unserem Tag in trauter Zweisamkeit und zeige ihr die Bilder der Tour – derer sie sich beim Betrachten doch ein kleines bisschen ärgert, nicht mitgegangen zu sein. Aber so verspreche ich ihr, dass der Berg auch im nächsten Jahr noch da sei und wir dann ja zu dritt hoch gehen können …

DU HAST AUCH EINE aufregende GESCHICHTE, DIE DU MIT DEINEM BESTEN BERGFREUND ERLEBT HAST?

Dann immer raus damit, wir belohnen die Teilnahme mit einem kleinen Bergfreunde-Paket! Sendet einfach eine kurze Zusammenfassung eures Vorschlags an mbbf(at)bergfreunde.de und wir melden uns bei euch, falls ihr dabei seid.

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