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Skitouren im Allgäu – die „Must Do’s“

17. Februar 2017
Die Bergfreunde

Kaum ein anderes Gebiet bietet so viel Auswahl an schönen Touren wie die Allgäuer Alpen! Hier kommen entspannte Skitourengeher, die schön zu fahrende Abfahrten genießen wollen genauso auf ihre Kosten, wie ambitionierte Skibergsteiger, denen es gar nicht technisch genug sein kann. Die Gipfel der flacheren Vorberge eignen sich ideal für Skitouren mit Einsteigern, die das Aufsteigen und Abfahren außerhalb der präparierten Pisten einmal ausprobieren wollen. Am wilden Hauptkamm befinden sich fast ausschließlich anspruchsvolle Touren, die den erfahren Alpinisten vorbehalten sind. Hier gilt es, im Vorfeld zusätzliche Infos über die Verhältnisse einzuholen und lieber auf alternative Touren auszuweichen, wenn die Lawinenlage dies erfordert. Viele der optimal zu erreichenden Routen bieten darüber hinaus wunderschöne Abfahrten in unberührter Natur und müssen sich keinesfalls hinter den großen und steilen Linien des Hauptkamms verstecken!

Sonnenkopf

Der Sonnenkopf ist eine der beliebtesten Skitouren im Allgäu – und das völlig zu Recht! Die schnelle Erreichbarkeit sowie zahlreiche Parkplätze am Ausgangspunkt der Tour sorgen für eine unkomplizierte Anreise. Der mäßig steile Westhang ist meistens sofort nach dem nächsten Schneefall gespurt und erleichtert die Wegfindung. Bei der hindernislos zu fahrenden Abfahrt vom Gipfel kommen sowohl Anfänger als auch erfahrene Skitourengeher auf ihre Kosten.

AusgangspunktBerggasthof Sonnenklause oberhalb von Hinang. Bei viel Schnee kann direkt an der Brücke in Hinang gestartet werden, über welche die Straße zur Sonnenklause führt. Bei viel Schnee oder Eis sind Schneeketten bei der Anfahrt zur Sonnenklause notwendig.
Schwierigkeiteinfach, ideale Anfängertour oder als Alternative bei schlechtem Wetter
HangrichtungWesten
Höhenunterschied700hm
AufstiegVom Parkplatz bei der Sonnenklause geht es etwa 200m gerade empor, anschließend wird rechts auf einer Brücke ein Bach überquert. Hier befindet sich ein Schild des Alpenvereins, bitte nur den eingezeichneten Routen über einen der beiden freien Hänge folgen. Am Grat angekommen geht es südlich über einen breiten Rücken bis zum Gipfel.
Abfahrtwie Aufstieg

Rangiswanger Horn

Das Rangiswanger Horn gehört ebenso wie der Sonnenkopf zu den meist begangenen Routen im Illertal. Auch dieser Berg bietet sich besonders bei unsicheren Lawinenverhältnissen am Hauptkamm und viel Neuschnee als schöne Skitour an. Mehrere Aufstiegs- und Abfahrtsvarianten bieten zahlreiche Möglichkeiten und ermöglichen weiterhin Überschreitungen wie die klassische „Hörnertour“. Besonders schön bei frischem Pulverschnee.

AusgangspunktDer Ort Sigiswang an der Straße zwischen Bolsterlang und Ofterschwang
Schwierigkeiteinfach, mäßig steil und gut zu fahrende Hänge. Auch ideal als erste Skitour mit Anfängern oder bei schlechten Verhältnissen
HangrichtungOsten
Höhenunterschied750hm
AufstiegVon Sigiswang aus der Forststraße folgend in Richtung des Freizeitheim „Kahlrückenalpe“. Entweder der Forststraße folgen oder in den Wiesen daneben aufsteigen, bis man die Alpe erreicht. Weiter linkshaltend empor über die „Sigiswanger Alpe“ und über den mäßig steilen Osthang direkt hinauf zum Gipfel des Rangiswanger Horn.
Abfahrtwie Aufstieg oder Abfahrt nach Norden ins Ostertal. Hier bietet sich eine schöne Route in Richtung des Parkplatzes Ostertal an. Ebenso kann der große Ochsenkopf bestiegen und anschließend wieder zurück zum Rangiswanger Horn gequert werden.

Schochen

Der Schochen liegt ganz am Ende des oft besonders schneereichen Ostrachtales. Unter den Locals gelten viele der hier liegenden Berge als die idealen Skiberge des Allgäus. Ideal zu fahrende Abfahrten, wenig Leute – und der Pulverschnee hält sich in den nordseitigen Hängen sehr lange. Der 800hm lange Hang hinunter ins Obertal gehört ohne Zweifel zu den schönsten Abfahrten im Allgäu. Aber auch Langschläfer und entspanntere Tourengeher müssen auf diesen Gipfel nicht verzichten – er kann problemlos und schnell vom Skigebiet am Nebelhorn aus erreicht werden!

AusgangspunktGiebelhaus am Ende des Ostrachtals, hierher nur mit Bus (Firma Wechs) oder Rad (8km) ab Parkplatz in Hinterstein. Vom Skigebiet am Nebelhorn aus mit der Bahn bis zur Station Höfatsblick
Schwierigkeitmittel, mäßig steil. Gipfelhang kurz, sehr steil
HangrichtungNord/Ost/Nordost
Höhenunterschiedab Giebelhaus 1000hm, ab Skigebiet Höfatsblick 450hm
AufstiegVom Giebelhaus aus nach rechts über den Fahrweg ins Obertal bis zur „Kuhplattenalp“. Von hier aus geht es nun in gleichmäßiger Steigung über optimal gestufte Hänge zum Schochen empor. Der Gipfelaufbau ist kurz einmal etwas steiler.
Vom Skigebiet aus auf dem Winterwanderweg zum Zeigersattel queren. Nun folgt eine kleine Abfahrt nach Osten unterhalb der Steilwand des großen Seekopfes. Der Grat kann in ca. 1750M Höhe überschritten werden. Weiter leicht fallend queren in Richtung der südlich gelegenen „Breitengehren“ Hütte auf 1700m. Ab hier wie Aufstiegsroute vom Giebelhaus.
Abfahrtwie Aufstieg

Großer Daumen

Der große Daumen ist einer der besten Aussichtsberge des gesamten Allgäus! Fernblicke bis zur Zugspitze im Osten, dem gesamten Allgäuer Hauptkamm mit Lechtaler Alpen im Süden und schließlich dem Bodensee im Westen. Die Aussicht entschädigt für den schweißtreibenden Aufstieg und belohnt Frühaufsteher mit tollen Sonnenaufgängen über den Allgäuer Alpen. Auch dieser Berg bietet mehrere interessante Aufstiegsmöglichkeiten und kann ebenso wie der Schochen bequem aus dem Skigebiet am Nebelhorn erreicht werden. Auf der Aufstiegs-/Abfahrtsroute vom Giebelhaus kann unterwegs auf der ganzjährlich bewirtschafteten Schwarzenberghütte (Übernachtung möglich) eingekehrt werden.

AusgangspunktGiebelhaus am Ende des Ostrachtals, hierher nur mit Bus (Firma Wechs) oder Rad (8km) ab Parkplatz in Hinterstein. Vom Skigebiet am Nebelhorn aus mit der Bahn bis zur Station Höfatsblick oder bis zum Gipfel
Schwierigkeitmittel, meist mäßig steil, kürzere Stellen steil
HangrichtungSüd/Südost
Höhenunterschiedab Giebelhaus 1250hm, ab Skigebiet Nebelhorn 350hm
AufstiegVom Giebelhaus aus dem Alpweg ins Obertal bis zum „Engeratsgundhof“ folgen. Ab hier geht es über optimal geneigte Skihänge über die Käseralpe und die Gündleshütte empor bis auf 1700m Höhe. Der Felsriegel wird links unterhalb der „Laufbichler Kirche“ umgangen. Weiter zum Gipfel über die Laufbichelseen wie auf Route vom Nebelhorn. Von der Station Höfatsblick der Bergbahn aus auf der Piste „Gipfelmulde“ bis zur Bergstation des Koblat Sesseliftes. Nun in Richtung Nordosten das „Koblat“ genannte Plateau queren. Nach dem Erreichen der „Laufbichelseen“ ist ein bequemer Aufstieg über die Südhänge des großen Daumens bis zum Gipfel möglich.
Abfahrtwie Aufstieg, Kombination mit kleiner Daumen möglich

Karlstor

Als Karlstor wird die Scharte zwischen Großem und Kleinen Widderstein im Kleinwalsertal bezeichnet. Hier wird zwar kein Gipfel bestiegen aber die sportliche Abfahrt hinunter ins Gemsteltal entschädigt dafür mindestens doppelt. Durch die nordseitige Lage hält sich der Schnee hier meistens besonders lange und die Verhältnisse sind oft besser, als an manchen sonnigeren Hängen. Die Überschreitung der Scharte zwischen den schattigen Steilwänden der Walsertaler Berge kann jedem Skitourengeher im Allgäu ans Herz gelegt werden!

AusgangspunktBaad am Ende des Kleinwalsertals. Kostenpflichtiger Parkplatz direkt am Beginn der Tour. Erreichbar per PKW oder per Bus von Oberstdorf.
Schwierigkeitmittel bis schwer, steiler bis sehr steiler Anstieg und Abfahrt
HangrichtungNord/Nordost
Höhenunterschied900hm
AufstiegVom Parkplatz in Baad dem Sommerweg ins Bärgundeletal folgen. Stets auf der linken Talseite halten bis die „Widdersteinalpe“ in ca. 1300M Höhe erreicht wird. Nun einem Bach nach Südosten folgend in das Kar unterhalb der steilen Nordwand des großen Widderstein. Aufstieg im steiler werdenden Kar bis zur Karlstor genannten Scharte.
Abfahrtwie Aufstieg oder Abfahrt ins Gemsteltal. Dieser 800m hohe Hang ist ein nahezu idealer Skihang ohne Latschen, Wald und Steilstufen. An der „Hintergemstelalpe“ vorbei durchs Tal runter nach Bödmen. Zurück nach Baad per Bus oder 2km entlang der „Steinbockloipe“.

Wildenfeldscharte / Großer Wilder

Auf den ersten Blick wirkt das Oytal bei Oberstdorf nicht wie ein lohnenswertes Revier für Skitourengeher. Steile Felswände ringsum sowie ein flaches Tal sind nicht unbedingt das beste Gelände für die Skifahrer. Dennoch verstecken sich besonders am Ende des Tales einige wirklich lohnenswerte Touren. Die Abfahrt von der Wildenfeldscharte bis zum „Stuibenfall“ begeistert bei der Abfahrt im Pulverschnee garantiert jeden und entschädigt für den langen Zustieg durch das Oytal. Der Weg von der Wildenfeldscharte zum Gipfel des Großen Wilden bleibt fest in der Hand erfahrener Skialpinisten und wartet mit einer sehr steilen Querung sowie einer häufig großen Wechte auf. Die gesamte Tour in diesem einsamen Gebiet bietet spektakuläre Blicke zur Höfats und dem Himmelhorngrat.

AusgangspunktOberstdorf. Es empfiehlt sich, mit dem Fahrrad bis zum Berggasthof „Oytalhaus“ oder wenn es die Schneeverhältnisse zulassen, bis zur Brücke unterhalb des Stuibenfalls zu radeln.
Im Frühjahr kann mit dem Rad bis zur Käseralpe gefahren werden.
Schwierigkeitmittel (Wildenfeldscharte), schwer (Großer Wilder) langer Talanstieg, danach mäßig bis steil. Großer Wilder stellenweise extrem steil und ausgesetzt
HangrichtungWildenfeldscharte Nord/West; Großer Wilder alle
HöhenunterschiedWildenfeldscharte: 1300hm, Großer Wilder 1600hm
AufstiegVon der Brücke unterhalb des Stuibenfalls auf dem Sommerfahrweg hinauf bis zur Käseralpe im Talkessel unter der Höfats. Von der Alpe über gut zu gehende Westhänge hinauf zur „Wildenfeldhütte“ direkt unterhalb der Scharte. Ab hier direkt nach oben in die Scharte. Wer zum großen Wilden möchte, überschreitet die Scharte und steigt eine Steilrinne (ggf. Pickel und Steigeisen nötig) nach Osten ab. Die Scharte kann in die Richtung überwechtet sein und stellt die Schlüsselstelle dieser Tour dar. Nach der Steilrinne leicht ansteigend zur der in 2200m Höhe gelegen Ostschulter des großen Wilden. Ab hier sanft ansteigende Hänge auf dem Plateau des Gipfels.
Abfahrtwie Aufstieg, vom Gipfel des großen Wilden auch Abfahrt über die „Gamswanne“ zum Giebelhaus möglich. Auch diese Abfahrt ist eine schwierige Route und sollte nicht unterschätzt werden. Eventuell Pickel und Steigeisen beim Ausstieg aus der Gamswanne notwendig.

Als Karten für die hier beschrieben Touren empfehlen sich die beiden DAV Karten „Allgäuer Alpen“ West 2/1 und Ost 2/2 im Maßstab 1:25.000 – ebenso der Skitourenführer „Allgäu mit Kleinwalsertal und Tannheimer Tal“ von Kristian Rath aus dem Panico Alpinverlag.

Wichtig: Vor einer jeden Tour sollte stets der aktuelle Lagebericht des jeweiligen Lawinenwarndienstes zu Rate gezogen werden. Dieser wird jeden Morgen gegen 7.30 Uhr auf deren Website veröffentlicht (zum Lawinenwarndienst Bayern / zum Lawinenwarndienst Vorarlberg). Seit dieser Saison wird zusätzlich jeden Tag um 17.30 eine Prognose für den Folgetag herausgegeben. Bei einer hohen Lawinenwarnstufe, schlechtem Wetter mit viel Wind oder diffusen Sichtverhältnissen empfiehlt es sich, auf leichte und relativ lawinensichere Skitouren wie den oben beschrieben Sonnenkopf oder das Rangiswanger Horn auszuweichen. Die Orientierung ist hier einfacher und bei vernünftiger Spuranlage können Lawinenabgänge weitestgehend ausgeschlossen werden. Die letztendliche Verantwortung sich und anderen gegenüber Tragen jedoch immer noch die Tourengeher selbst!

 

Eisklettern-Averstal-Titel

Eiskletter-Action im Averstal

10. Februar 2017
Die Bergfreunde

Der Eiskletterstammtisch ist eine der größten Eiskletterinteressengruppen auf Facebook. Über 4000 Mitglieder tauschen sich dort regelmäßig über ihr Lieblingshobby, über Ausrüstung und Eisqualität aus. Einmal im Jahr findet zudem ein Stammtischtreff statt. Dieses Mal ging es ins Averstal und Dennis vom Eiskletterstammtisch war für uns als eiskletternder Reporter am Start. Viel Spaß mit seinen Erzählungen und stimmungsvollen Bildern!

Ende Januar sollte es also endlich soweit sein – der Eiskletterstammtisch hatte ein Treffen im Avers angekündigt. Und weil ich das Avers liebe, ist das natürlich ein Pflichttermin. Lange im Voraus habe ich ein paar meiner Seilpartner motiviert – wobei, das musste ich eigentlich gar nicht. Denn nach der schleppend beginnenden Eisklettersaison dieses Jahr ist jeder hoch motiviert und hat richtig Bock.

Immer wieder hielten wir mit Thomas vom Gasthaus Edelweiß Rücksprache über die örtlichen Bedingungen. Die zunehmend positiven Rückmeldungen seinerseits steigerten die Vorfreude dann ungemein. Also schnell noch Urlaub eingereicht. Schließlich wollen wir auch den Freitag komplett nutzen. Wenn schon denn schon.

Direkt in der Woche vor dem Stammtisch liegen dann die Fakten auf dem Tisch. Wir sind drei von insgesamt 33 Teilnehmern. Christian, Arne und ich. Jeder hat am Freitag Urlaub und für alle war klar, dass wir Donnerstagnachmittag unsere Sachen ins Auto werfen und anreisen. Doch was machen wir dann am Freitag? Irgendeiner wirft den Begriff „Thron“ in die Runde. Man merkte förmlich wie bei jedem die Glocken klingeln. Der Thron, einer der Klassiker schlechthin in der Schweiz und steht wohl bei jedem von uns auf der Wunschliste. Eine wahre Traumtour. Es war auf Anhieb klar: das Ding wird angegangen!

Endlich ist es soweit!

Donnerstagabend – es geht los. Feierabend, duschen und ab ins Auto. Von Sigmaringen geht es Richtung Konstanz. Arne aufgabeln. Knappe dreieinhalb Stunden später kommen wir im Gasthaus Edelweiß an. Wir sind die ersten. Aber wen wundert es. Arne ist Student und ich habe Urlaub – da kommt man eben früh los.

Herzlich – wie eigentlich immer – werden wir von Thomas in Empfang genommen. Nach kurzem Informationsaustausch beziehen wir unser Zimmer. Wir haben die freie Auswahl – Jippie. Zirka zwei Stunden später treffen dann weitere Teilnehmer ein. Und dann steht da plötzlich Simon, ganz neu in unserer Runde und sofort Feuer und Flamme für unsere Thron-Aktion. Um ehrlich zu sein sind wir erstmal etwas überrumpelt. Denn schlagartig sind wir sozusagen zu viert, kennen uns nicht und waren darauf eingestellt den Thron zu dritt zu klettern.

Ich bin sowieso eher vorsichtig, was die Partnerwahl angeht. Da wir alle jedoch erwachsen sind – zumindest mehr oder weniger – reden wir mit offenen Karten und legen die Tatsachen auf den Tisch. Denn wer redet hat weniger Probleme. Egal in welcher Hinsicht. Die Sache steht!

Freitag ist Thron-Tag!

Morgens um 06:00 Uhr klingelt der Wecker. Voller Tatendrang wuseln wir alle durchs Zimmer. Packen unsere Rucksäcke, ziehen uns an… außer Neuzugang Simon. Der Langschläfer nutzt noch jede weitere Minute aus. Aber warum auch nicht. Mit drei Männern ist das Bad ohnehin schon dauerhaft belegt. Ein ausgiebiges Frühstück, drei Kaffee und eine Stunde später stehen wir am Einstieg vom Thron. Was für ein mächtiges Ding. Wow.

Ausrüstung anlegen, fertig machen und los geht’s. Aber hier muss ich Euch leider enttäuschen. Ich will eigentlich nicht auf die einzelnen Klettermomente eingehen, denn das würde den Rahmen definitiv sprengen. Fakt ist aber: Es war der Hammer und ich kann jedem nur empfehlen, dieses Teil mal zu klettern.

Nach dem Abseilen ist schnell klar, das klettertechnische Wochenendziel ist bereits erreicht. Und Simon passt gut in unsere Gruppe. Ab jetzt wird es stressfrei und gemütlich. Zurück im Gasthaus Edelweiß feiern wir unseren Erfolg. Immerhin ist JEDER Eisfall ein Erfolg. Den Freitagabend lassen wir dann noch ganz gemütlich mit anderen Eiskletterern im Gasthaus ausklingen.

Echter Augenöffner

Samstag früh, die Wecker klingeln fast zwei Stunden später als am Freitag. In behäbiger Langsamkeit stehen wir auf und richten uns für das Frühstück. Wir haben noch nicht mal einen richtigen Plan für heute. Gestärkt vom Müsli kommt uns dann die Idee, den Brückenfall zu klettern. Denn dieser ist schlicht und ergreifend richtig schön, egal welche Variante man wählt. Und die anderen Teilnehmer wollen sowieso woanders hin. Der linke Ausstieg am Brückenfall gilt als schöner Vorhang. Vorfreude. Doch als wir ankommen, stellt sich schnell Enttäuschung ein. Den linken Ausstieg gibt es nicht und der rechte schaut mehr nach einem Dreckrinnsal aus. Was nun?

Wir einigen uns darauf nach Cresta zu fahren, ein kleines, wirklich schönes Tal oberhalb von Cröt. Hier gibt es in wundervollem Ambiente ganz schnörkelloses Eis. Es soll also ein entspannter Tag werden. Wir wechseln uns ab. Arne, Chris, Simon, ich. Jeweils in Zweierteams. Die Routen werden durchgewechselt und die Eisgeräte werden eifrig rumgereicht. Durch die ganze Gerätetauscherei ist Chris bei den Cassin X-Dream von Simon angelangt. Er klettern, er grinst, er schwärmt. Was ein geiles Gerät. Nach dieser Aussage kann es sich auch unser zweiter Nomic-Besitzer nicht nehmen lassen. Arne greift also zu und klettert los. Hier ebenfalls derselbe Ablauf, Arne klettert, er grinst und der schwärmt. Das Cassin-Teil muss eine Waffe sein. So überwinde ich mich und greif zu.

Ditsch… das Ding sitzt – und wie. Sprengwirkung? Nie gehört! Schlag auf Schlag arbeite ich mich nach oben. Zweimal schlagen? Ne, nicht mit dem Cassin. Echt krass das Teil. Wir drei sind also echt erleuchtet, was die Steileistauglichkeit betrifft. Simon freut sich spitzbübisch. Die Geräte sind nagelneu und offensichtlich alles andere als ein Fehlkauf. Wir sehen das als Erleuchtung. Die Marktführer müssen nicht immer zwangsläufig an der Spitze stehen. Dennoch bleibe ich, in Hinsicht auf ein paar Kleinigkeiten, doch meinen Black Diamond Fusion treu. Pünktlich zum Kaffee trudeln wir mittags bei Tom ein und helfen noch beim Aufbau für den Vortrag von Klettertalent Alex Luger, der heute im Anschluss zum Abendessen stattfinden sollte.

Wohlgenährt sitzen wir im Aufenthaltsraum des Hostel Genereso und lauschen den Ausführungen von Alex‘ Vortrag „Exponiert“, der von Anfang an fesselt und richtig Spaß macht. Besonders nett fand ich, dass er als Fast-Local seinen Vortrag etwas abändert und uns von seinen Erstbegehungen hier erzählt. Man braucht ja schließlich Projekte für die Zukunft. Im Anschluss zum Vortrag geht es wieder ins Gasthaus Edelweiß.

In gemütlicher Runde versuchen wir uns an einem Quiz mit Fragen rund ums Eis. Wie hieß Abalakov mit Vornamen? Welche Formklassen Eis gibt es? Und so weiter. Mitmachen lohnte sich, immerhin gab es vom T-Shirt bis hin zum Bergfreunde-Gutschein einiges zu gewinnen. Wer jetzt noch fit war, schließt sich der „Blockier“-Challenge an. Zwei Eisgeräte voll auf Zug so lange blockieren, wie es geht. Öffnen sich die Arme auf über 90° ist es vorbei. Komisch, dass nur die Jungs mitgemacht haben. Und mit über 1:40 min hat sich der Sieger seine Petzl-Stirnlampe zurecht verdient. Denn: wo Strom fließt, kann man eine Lampe anschließen.

Gemütlicher Abschluss und kurze Rage

Für den letzten Tag entscheiden wir uns für den oberen Sektor in Campsut. Dort gibt es kurze, spaßige Mixed-Dinger und die kleinen Säulen sind eigentlich absolut stressfrei. Aber über dem Hauptsektor hängt – ziemlich bedrohlich – ein riesiger Eiszapfen. Ich habe einmal erlebt, wie so ein Ding bei leichten Plusgraden abbricht und Richtung Boden rauscht. Da herrscht für ein paar Sekunden Krieg. Aber wirklich. Umso erschreckender, dass sich hier viele Anfänger und auch Fortgeschrittene tummeln, die sich der Gefahr nicht bewusst sind oder diese gar ignorieren.

Schon beim Aufstieg machen wir die Anwesenden auf den Zapfen aufmerksam. Wie so oft kommt als Antwort: „Ja, Ja, wir stehen ja nicht direkt drunter. Der hält heute schon noch.“
Ich weiß nicht warum, doch bei solchen Sachen werde ich dann doch etwas wütend. Man meint es gut. Ich denke mir meinen Teil und laufe weiter. Zwei weitere aus unserer Gruppe sind geduldiger und machen nochmal ganz direkt auf die Gefahr aufmerksam. Immerhin hat es bereits Plusgrade und der Hang über dem Zapfen wird direkt von der Sonne bestrahlt.

Einen kurzen Moment fahre ich aus der Haut. Ich erlaube es mir: „Leute … DIESER ZAPFEN IST SAUGEFÄHRLICH!! Er bricht ohne Vorwarnung ab und zerspringt beim Aufprall in 1000 Teile. Die Splitter streuen sehr weit. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei jemand stirbt.“ Ich beruhige mich wieder und trotz alle dem, hatten wir einen weiteren großartigen Tag in Campsut. Spielerisches Klettern, ohne große objektive Gefahren, ohne Leistungs- und Zeitdruck. Einfach Spaß. Fast schon sportklettermäßig.

Danach geht es zum Abschluss wiedermal ins Gasthaus Edelweiß zu Kaffee und Kuchen. Und was war das für ein leckerer Kuchen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich dort ewig sitzen können, um ein Stück nach dem anderen zu essen – bis es keinen Kuchen mehr gibt! Leider ruft aber die Autobahn und damit die Heimfahrt. Wir hatten – um es kurz und direkt zu sagen – ein geniales Stammtischwochenende im Averstal. Danke an alle die dabei waren und bis zum nächsten Jahr!

Windiger Aufstieg zum Monte Sarmiento. Foto Ralf Gantzhorn

Fritz Miller in Feuerland – der Traumberg am Ende der Welt

3. Februar 2017
Bergfreunde Pro-Team

Es war irgendwann 2014, als mich Ralf (Gantzhorn) fragte, ob ich ihn nach Feuerland begleiten würde, zum Monte Sarmiento. Es gibt viele gute Gründe, nicht nach Feuerland zu reisen, schon gar nicht zum Bergsteigen: das miese Wetter, die weite Reise, die komplizierte Logistik, viel Bürokratie, hohe Kosten, kaum zugängliche und gefährliche Berge. Aber Ralf hatte schon einen Plan und VAUDE, unser beider Partner, sagte eine finanzielle Unterstützung zu.

Es gab also keinen Grund zu zögern. Im Frühjahr 2015 sollte es losgehen. Doch zwei Tage vor Abflug stellte sich heraus, dass unser kleines Segelschiff nicht in Punta Arenas, Chile, auf uns warten würde. Und dass sich auch so einfach kein Ersatz organisieren lassen würde. Ich kann nicht genau sagen, wo das Problem lag, aber ohne Boot kein Vorankommen in einer wilden Welt, die man praktisch nur übers Wasser erreicht.

Uns blieb nichts übrig, als die ganze Aktion abzublasen. Fürs Erste zumindest. Auf dem Weg in die entlegensten Winkel der Erde kann eben viel schiefgehen – sogar, bevor man die eigenen vier Wände verlassen hat.

Der zweite Anlauf – oder einfach ein Weiterer

Im Frühjahr 2016 wollten wir es erneut probieren. Ralf war schon öfters am südlichsten Zipfel des amerikanischen Kontinents unterwegs und dort auch durchaus alpinistisch erfolgreich. Zusammen mit Robert Jasper und Jörn Heller glückte ihm der Westgipfel des Monte Sarmiento (2010) sowie eine Besteigung des Monte Giordano (2012) – jeweils über schwierige Neutouren! Doch das große Ziel hieß noch immer Monte Sarmiento Hauptgipfel (Ostgipfel).

Dieser wurde wohl 1956 (!) von den italienischen Alpinisten Carlo Mauri und Clemente Maffei erstbegangen, was einer unglaublichen, leider nicht dokumentierten Leistung entsprechen würde. Seitdem zog es immer wieder Expeditionen zum Monte Sarmiento, von denen rund 20 scheiterten und eine von Erfolg gekrönt war: 2013 erreichten Camilo Rada (Chile) und Natalia Martinez (Argentinien) im Rahmen einer großen Expedition den höchsten Punkt des Berges. Sie kletterten nachts, um ein kurzes Wetterfenster auszunützen (weshalb es von ihrer Aktion kein Bildmaterial gibt).

Und nun wollten auch wir einen Versuch wagen: Ralf Gantzhorn, Axel Voss und ich. Zum Team gehörte außerdem die Crew unseres kleinen Segelschiffs (Kapitän Eze und Carlos) sowie Jochen Schmoll, unser Filmer.

Ein Film über eine große Reise, die Wildnis und eine Diva

Jochen hatte wahrlich keinen leichten Job. Nässe und Kälte machten der Kamera-Technik zu schaffen, das Laden der Akkus auf dem Boot war problematisch und die Drohne bei den starken Winden permanent gefährdet. Doch irgendwie hat Jochen allen Widrigkeiten getrotzt! Das Ergebnis seiner Arbeit seht ihr hier, und es zeigt Feuerland viel besser als ich es beschreiben könnte. Und ich hoffe, dass auch ein wenig klar wird, was den Reiz einer solchen Reise ausmacht, die zugegebenermaßen etwas verrückt erscheint…

Offwidth - gefürchtete Risse

Offwidth – die gefürchteten Risse, aber warum?

27. Januar 2017
Bergfreunde Pro-Team

Offwidth-Klettern: Vielen Sportkletterern zieht es schon bei der Vorstellung in der fünften Seillänge kaum gesichert über dem Boden zu hängen, den Magen zusammen. Auf die Frage: „Wer muss diese Länge Vorsteigen?“ folgt deshalb häufig betretenes Schweigen.

Denn nicht nur sind Offwidth-Strecken kaum abzusichern, die schmalen Grade in der Felswand, sind selbst für erfahrene Kletterer eine Herausforderung. Bewaffnet mit dem einen großen Cam – denn mehr will man aus Gewichtsgründen auch nicht mitnehmen – klemmt man sich in Ritzen, nie sicher, wo der Fuß den nächsten Halt findet, oder wie man überhaupt oben ankommen soll.

Eine Gruselvorstellung, solche Höhen mit nur einem Sicherungspunkt zu erklimmen. Aus lauter Verzweiflung dient dann der einzige Camalot irgendwann nicht nur noch als Sicherung, sondern auch als Fortbewegungsmittel. Kaum mehr als richtiges Klettern zu bezeichnen, ist es eher der verzweifelte Versuch, die eigene Angst zu überwinden.

Das sind Vorstellungen, die wahrscheinlich so mancher europäischer Kletterer kennt. Und auch mir ging es lange so und ich war froh, wenn die Offwidth-Längen beim Vorsteigen nicht mir zufielen. Bis jetzt! Ich habe mich von dieser Furcht kuriert! Und zwar auf die harte Weise, in dem ich Offwidth geklettert bin.

Offwidth – aller Anfang ist eng

Angefangen hat alles in Südfrankreich, nicht gerade die Region, die man mit Rissen und noch weniger mit Offwidth-Kletterei verbindet. Doch es gibt dort das kleine verschlafene Dörfchen Annot, das von diesen gruseligen Linien überschattet wird. Vor Ort treffen wir Freunde an, die riesige Camalots am Gurt haben und damit versuchen, einen Offwidth zu bändigen – was auch meine Neugier weckt. Also los, die überdimensionalen Klemmgeräte an den Gurt geclippt und dann alles was geht in diesen Riss stecken, der zu breit für meine Hände, aber zu schmal für meinen Körper ist. Quetschen, Zwängen und Schieben um irgendein Körperteil zu verklemmen und dann der Aha-Effekt: Es geht doch! Also gleich in den nächsten längeren Riss: Etwas gruseliger und ich muss meinen Mut zusammen nehmen, aber nach geduldiger Zentimeterarbeit, komme ich oben an. Also sind diese Monster doch kletterbar und gar nicht so schlimm. Die Angst ist genommen!

Dann geht es nach Indian Creek, wo es unzählige Routen dieser Kategorie gibt, um die die meisten Kletterer jedoch einen großen Bogen machen. Aber ich bin voller Motivation, denn „ich kann ja jetzt Offwidth klettern“, denke ich mir zumindest. Wie alle Risse in Indian Creek, sind auch die fetten Risse hier viel glatter und unausweichlicher als die, die ich aus Europa kenne. Egal, rein, mit allem was geht: Knie, Oberschenkel, Schultern, Arme und vielleicht auch ein bisschen den Kopf verklemmen. Die Amerikaner belächeln mich, wenn ich beide Risswände nach außen wegpresse und versuche mich so hochzuarbeiten: „European Style“, bekomme ich zu hören. Ständig verklemmt sich das Seil unter meinem Bein oder Füßen und dann komme ich nicht weiter, ätzend! Aber nach hartem Kämpfen komme ich doch noch oben an. Danach bin ich ganzkörper-platt, übersät mit blauen Flecken und mein Sicherer ist froh, nach stundenlangem Aufpassen endlich erlöst zu sein. Trotzdem muss ich wieder und wieder einen Offwidth versuchen – doch warum? Schwere Frage. Suche ich den Schmerz? Nicht wirklich, aber es macht einfach Spaß – zumindest, wenn man wieder unten ist, dann sind nämlich plötzlich alle Strapazen vergessen.

Wie immer: Übung macht den Meister

Es bleibt immer ein Kampf, aber ich lerne immer mehr Tricks, um die Zeit für meinen Sicherer zu verkürzen. So ist es tatsächlich einfacher, die Cams nach oben hin mitzuschieben, denn beim Darübersteigen passiert es teilweise, dass man sie mit dem Fuß versehentlich rauskickt. Die dabei anzuwendende Technik lautet: Die Cams jeweils mit einer 60 cm Schlinge zu verlängern. Das erleichtert mir das Klettern, spart Kraft und schont vor allem meine Zähne. Diese habe ich vorher benutzt, um das Seil hochzuhalten während ich den Cam weiterschob. Nicht zu empfehlen!

Übrigens helfen die Butterfly-Methode (mit beiden Händen in den Riss spreizen), die Double-Fist Technik (sich mit beiden Fäusten verklemmen) – oder eine Mischung aus Beidem – dabei, sich nicht direkt als Europäer zu enttarnen. Die Erkenntnis daraus: Diese speziellen Techniken sind tatsächlich hilfreich, auch wenn ich es am Anfang nicht glauben wollte! Die Offwidth-Klettereien bleiben anspruchsvoll und jede ein Kampf für sich. Aber mittlerweile mache ich keinen Bogen mehr drum herum, sondern gehe selbstbewusst darauf zu – und bei der nächsten Mehrseillänge übernehme ich freiwillig deren Vorstieg. Warum also diese Riesen so fürchten? :-)

Bergwacht-Titelbild

Aus dem Leben eines Bergwachtlers

19. Januar 2017
Die Bergfreunde

Bergsport erlebt in den letzten Jahren einen waschechten Boom. Mehr Menschen denn je zieht es in ihrer Freizeit ins Gebirge, um Abgeschiedenheit und Ruhe zu genießen. Und mal unter uns, es gibt ja auch kaum etwas schöneres, als einen Gipfel zu erklimmen – egal ob zu Fuß oder an der Wand. Mit dem hohen Aufkommen an Touristen und Neu-Bergfexen steigen aber auch unweigerlich die Unfall-Zahlen.

Klar, nicht jeder kann mit der Erfahrung eines Reinhold Messner aufwarten und in den Bergen gibt es schon von Natur aus mehr Gefahrenquellen als im Club Urlaub an der Playa de Palma. Wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist – bzw. der Kletterer in die Spalte – dann hilft meistens nur noch eins: Die Bergwacht! Wir wollen die meist stillen Helden unserer Freizeit mal ein wenig ins Rampenlicht rücken und haben dazu mit Michael gesprochen, der in Bayern seit 1996 Berg- und seit 2008 auch als Skiwachtler tätig ist.

Organisation & Alltag der Bergwacht in Deutschland

Die Bergwacht ist in Deutschland zum größten Teil ehrenamtlich organisiert. Also müssen auch Michael und seine Kollegen im Alltag alles stehen und liegen lassen, wenn ein Notruf eingeht. Der Melder ist natürlich immer am Start, während der vier bis fünf Rufwochen im Jahr. Die Aufgaben der Bergwacht umfassen dabei nicht nur die Rettung und Versorgung von Verunfallten sondern auch die Durchführung und Unterstützung von Naturschutzprojekten.

Etwas anders sieht es bei der Skiwacht aus. Diese Stelle begleitet Michael hauptamtlich. Als Skiwachtkoordinator für Sonthofen ist er zum Teil Bürohengst, aber auch regelmäßig auf der Piste. „Ich bin genauso in den Skigebieten unterwegs wie meine Kollegen“, stellt er fest. Auch die Skiwacht hat ein sehr diversifiziertes Arbeitsfeld. Sie sind meist die ersten auf der Piste, prüfen etwaige Gefahrenstellen, bauen Zäune und polstern Schneekanonen ab. Danach findet eine Überprüfung des Sanitätsmaterials auf der Hütte statt.

„Wir sind natürlich immer über Funk erreichbar, falls ein Unfall passiert. Das ist ein großer Teil unserer Arbeit.“

Wenn ein Notfall ansteht, gilt es zu entscheiden, auf welchem Weg der oder die Verletzten abtransportiert werden müssen. Bei der Suche nach Vermissten arbeiten Bergwacht und Skiwacht Hand in Hand. Mehr Augen sorgen schließlich im Zweifel dafür, dass Personen schneller gefunden werden.

Voraussetzungen & Werdegang

Auf die Frage, wie er Bergwachtler wurde, erklärt Michael: „Ich bin über Freunde in die Bergwacht reingerutscht“. Nach dem Reinrutschen ist es allerdings ein recht langer Weg, bis man sich tatsächlich Bergwachtler nennen darf. Neben zwei Eignungsprüfungen muss man bei der Bergwacht in Bayern eine Sanitäterausbildung durchlaufen und mehrere Rettungs- und Naturschutzlehrgänge mitmachen. Insgesamt umfasst das Programm 19 Tage.

Im Anschluss kann man sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren, z. B. Canyonrettung, Krisenintervention oder Lawinenhundeführer – und man kann natürlich zur Skiwacht, wie es Michael getan hat. Die körperliche Fitness ist dabei ein absolutes Muss. Schließlich ist man im Zweifel lange zu Fuß, auf der Piste oder auch abseits davon unterwegs. Und man sollte natürlich gerne mit Menschen arbeiten.

Mehr Bergsportler = mehr Unfälle?

Michael und seine Kollegen betreuen in Sonthofen vier Skigebiete, in denen es pro Saison etwa 450 Einsätze gibt. Im Sommer sind es hingegen „nur“ 120 bis 150 Einsätze. Auf die Frage, ob die Bergsportler insgesamt leichtsinniger geworden sind, meint er: „Die Leute sind schon noch genauso vorsichtig wie früher. Wer tut sich schon gerne weh?“ Dennoch sei die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren gestiegen, was aber bei dem aktuellen Aufkommen an neuen Spielarten im Gebirge sowie dem generellen Boom der klassischen Bergsportarten relativ normal sei.

„Es sind einfach viel mehr Menschen in den Bergen unterwegs. Dadurch steigen natürlich auch die Unfallzahlen.“

Nur Berge im Kopf

Im Sommer ist Michael – wen wundert es – neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Bergwachtler noch als Bergführer aktiv und bringt Menschen die Leidenschaft des Alpinismus näher. Im Winter steht dann natürlich die Arbeit bei der Skiwacht im Vordergrund, aber auch in der Freizeit sind die Berge für ihn das regelmäßige Sehnsuchtsziel.

Und weil wir alle ohne Bergwacht eine ganze Ecke ärmer dran wären, wollen wir an dieser Stelle gerne dazu aufrufen, die Organisation mit Spenden zu unterstützen. Für die Bergwacht Bayern lautet die Kontonummer 111 110 02 bei der Sparkasse Bad Tölz, BLZ 700 543 06, IBAN: DE14 7005 4306 0011 1110 02, BIC: BYLADEM1WOR. Weitere Infos zur Spende gibt es hierUnd wenn Ihr gerne für eine andere Bergwacht spenden wollt, dann findet Ihr unter www.bergwacht.de eine Aufführung aller deutschen Dachverbände.

Winterbegehung Benediktenwand Titel

Kalt abserviert – im Winter durch die Benediktenwand-Nordwand

13. Januar 2017
Die Bergfreunde

Die Jagdsaison ist wieder eröffnet. Ab dem kalendarischen Winteranfang am 21.12. zählt eine durchkletterte Wand offiziell als Winterbegehung. Zumindest per Definition, denn sind wir einmal ehrlich, die Winter sind nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Wenig Schnee gab es schon hin und wieder und zweistelligen Temperaturen sind auch nichts Neues. Aber wenn früher jemand im Winter von 15 Grad gesprochen hat, meinte er den Minusbereich! Bis vor Kurzem hatte man hier im Münchner Süden eher Frühlingsgefühle. Aber bei einer Winterbegehung geht es ja auch nicht darum, Härte zu beweisen.

Es geht vielmehr um das besondere Erlebnis der winterlichen Wand und darum, Erfahrungen für andere, ernstere Unternehmungen zu sammeln. Um hierzulande einen richtigen Wintertag zu erleben, muss man eben zeitweise in eine Nordwand einsteigen. Zugegeben, zunächst klang Georgs Wunsch, einmal im Winter durch die Benediktenwand-Nordwand zu klettern etwas verrückt. Aber als uns um Weihnachten herum ein lauer Wind entgegen wehte, war es gar nicht mehr so abwegig. Warum sollten wir es eigentlich nicht einmal versuchen?

Eiszeit

Es ist gerade einmal fünf Uhr morgens, da schlittern wir im Dunkeln schon durch das völlig vereiste Lainbachtal. Mit Kraft geht hier gar nichts, auf den riesigen Eisplatten bedeutet ein Schritt vorwärts immer auch einen halben Schritt zurück. Auf den ersten sechs Kilometern müssen wir hauptsächlich Strecke machen. Im Eilschritt hecheln wir die restlichen drei Kilometer durch steilen Wald zur Tutzinger Hütte hinauf, die dunkel und verlassen im Talboden der Nordwand steht.

Obwohl es vergleichsweise wenig geschneit hat, brechen wir im Zustieg zur Wand bis zur Hüfte in den Tiefschnee. Was wir sonst in eineinhalb Stunden bewältigen hat uns heute über drei gekostet. Als wir die Wand erreichen wird es gerade hell, es kündigt sich ein herrlicher Tag mit strahlend blauem Himmel und wärmendem Sonnenschein an. Außer für uns. Wir verbringen den Tag freiwillig im Gefrierschrank der Nordwand. „Caveman“ heißt die anvisierte Linie. Aber wer weiß, wie weit wir bei diesen Bedingungen überhaupt kommen…

Quer-Fels-ein

Die erste Seillänge im fünften Grad geht noch mit Bergschuhen. Obwohl es kein wirkliches Vergnügen ist, auf diesen eisig nassen Schrägen. Die kalten Finger spüren genauso wenig von den Felsstrukturen wie die Füße – dank der klobigen Schuhe. Die alpinen Hakenabstände verwandeln selbst die leichte erste Seillänge zu einer mentalen Herausforderung. Das ist nichts für schwache Nerven. Mit Kletterschuhen spüren wir die wasserzerfressenen Strukturen der Wand etwas besser, dafür wird es auf den Graswasen weiter oben extrem rutschig.

Nach drei Bohrhaken geht es ohne Sicherungen über nassen Fels und verschneite Graspolster weitere fünfzehn Meter hinauf zum Stand. Um Sicherungen zu legen quert Georg deshalb etwa fünfzehn Meter rechts zu einem Riss-System und legt mir damit ein ganz schön dickes Ei. Eine lange Querung auf rutschigem Terrain steht mir bevor. Völlig verkrampft zittere ich mich herüber, versuche die Füße so wenig wie möglich zu belasten um nicht auszurutschen.

Ein Königreich für eine ferngesteuerte Sicherung wie den E-Frog, am besten gleich als Friend! Per Knopfdruck könnte ich die Sicherung aus der Ferne lösen, stattdessen mogele ich mich wie auf Eiern irgendwie herüber und hinauf. Ein kleiner Vorgeschmack für die Schrofen weiter oben. „Bei Nässe kann es in den leichten Seillängen unangenehm und gefährlich werden – insbesondere weil dort mit mobilen Sicherungen nicht immer etwas Solides zu legen ist,“ warnt das Topo. Werden wir jetzt kalt abserviert? Aber wir wollten ja schließlich keinen Spaziergang machen.

Schwer ist leicht was?

Der Winter hat so seine Tücken, nicht nur wegen der Kälte und dem Eis. Noch dazu sind die Tage extrem kurz – zumindest wenn man das Tageslicht ins Verhältnis zu unserem Schneckentempo setzt. Aber schneller geht es nicht, denn die Tour ist eine fortwährende Aneinanderreihung von heiklen, rutschigen Kletterpassagen. Unsere Verweilzeiten an den Ständen sind für beide extrem lang, da kann man schon mal ins grübeln kommen. Was ist eigentlich schlimmer: schwere Seillängen mit eiskalten Fingern klettern oder wie auf Schmierseife über leichte, dafür verschneite Schrofen ohne Zwischensicherungen?

Eine Winterbegehung gehört zu den Dingen, die man als Kletterer einmal im Leben gemacht haben sollte. Dass es auch Spaß machen muss, hat ja niemand behauptet. Da ist auch gleich wieder eine lustige Passage, die nächste Querung mündet in einem kurzen Überhang. Gerade als ich mich mit voller Kraft darüber wuchten möchte (von grazilen Bewegungen kann man ja nicht sprechen – es ist ein Wunder, dass ich im Michellin-Männchen-Look überhaupt klettern kann) packt mich ein Finger- Krampf!

Wie ein gerupftes Huhn hänge ich im Seil, die Luft ist voller Federn und Daunen. Eigentlich müssten wir jetzt richtig Gas geben, statt dessen schlage ich mich von einem Krampf zum nächsten und kämpfe mich zentimeterweise höher. Die Wand nimmt kein Ende. Über eine tief verschneite Rampe wühlen wir uns nach oben und stehen vor dem nächsten Dach.

Kreuz-Himmel-Herrgott

Wahnsinn wie lang sich diese neun Seillängen ziehen. Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir endlich am Gipfel aussteigen. Erschöpft, erleichtert aber voller Emotionen. Diese Unternehmung hat meine letzten Kraftreserven gekostet, aber wir haben es geschafft! Unvergesslich waren die Einblicke in die winterliche Wand, zudem haben wir extrem viel gelernt.

Besser ansteigen, besser greifen, ordentlich sichern und vor allem in das eigene Können und den Partner vertrauen. Mit den bloßen Händen sind wir durch unsere geliebte Benediktenwand geklettert, obwohl wir vom Fels eigentlich nicht sehr viel gespürt haben. Ob ich mich so schnell wieder zu einer Winterbegehung überreden lasse, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es sei denn, ich finde eine angenehme Weise das Frieren zu trainieren. Aber eines ist gewiss: ein echtes Abenteuer zu erleben, ist manchmal gar nicht so schwer… auch wenn es nur am persönlichen „Hausberg“ ist.

Material:

Tendon Master 7.8mm (Halbseile)
Singing Rock Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen
Totem Cams und Basic Totem Cams von Totem
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tango
Meindl Litepeak GTX
LEKI Micro Vario Carbon

Yukon Arctic Ultra

Montane Yukon Arctic Ultra – Ein Rennen der Extreme

7. Januar 2017
Die Bergfreunde

Am 5. Februar 2017 fällt im kanadischen Whitehorse der Startschuss zum 14. Montane Yukon Arctic Ultra (MYAU). 100 Teilnehmer aus 17 Nationen sind gemeldet. Die meisten von ihnen starten zu Fuss, aber auch die Disziplinen Mountainbike und Skilanglauf sind vertreten. Bei den möglichen Distanzen ist die Bandbreite groß: Marathon, 100, 200, 300 und 430 Meilen stehen zur Verfügung. Die beliebteste Streckenlänge ist tatsächlich 430 Meilen. Das sind 692 km von der Hauptstadt des Yukon Territory zur der Ziellinie in Goldgräberstadt Dawson City.

Die Strecke folgt dem Trail des Yukon Quest, dem härtesten Hundeschlittenrennen der Welt. Dabei ist alles geboten, was das Herz eines Winterabenteurers begehrt. Zugefrorene Flüsse und endlos lange Seen, Wälder, Sümpfe und hügelige bis bergige Landschaften. Die Wildnis des Yukon erscheint oft endlos.

Neben der Herausforderung für den Körper, bringt dieses Abenteuer auch den Kopf an seine Grenzen. „Man fühlt sich da draußen plötzlich sehr, sehr klein. Das Leben reduziert sich auf überlebenswichtige Dinge. Einen Schritt nach dem anderen tun. Essen. Trinken. Nur nicht schwitzen. Ruhen“, erklärt der deutsche Veranstalter Robert Pollhammer. „Du wirst mit vielen Ängsten konfrontiert. Nachts allein mitten im Nirgendwo. Mit etwas Glück heulen im Hintergrund noch die Wölfe“, fügt Pollhammer hinzu. Das verkraftet nicht jeder.

Wer macht so etwas?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Der jüngste Teilnehmer ist 24 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 72. Es sind alle Einkommensschichten und viele Berufsgruppen vertreten. Die Fitness reicht vom erfahrenen Wanderer bis zum Profisportler. Und nicht immer erreichen die Profis das Ziel. Denn bei Temperaturen bis – 50 Grad Celsius und derart langen Strecken, ist es verheerend, wenn man sich die Kräfte nicht vernünftig einteilt.

Umso erstaunlicher ist es, dass viele Teilnehmer immer wieder zum MYAU nach Kanada kommen. „Das ist die Magie des Yukon. Viele Starter nehmen zwei-, drei oder viermal teil. So eine Herausforderung erdet und gibt einem Kraft. Auch, wenn man körperlich zunächst sicher k.o. ist“, erklärt Pollhammer. „Dazu trägt nicht nur die unglaubliche Landschaft bei. Unsere Gastgeber an den Checkpoints sind unglaublich freundlich. Die Crew und freiwillige Helfer lieben die Arbeit. Dazu kommt eine familiäre Atmosphäre, die ein Rennen mit maximal 100 Teilnehmern bringen kann. Das gilt ganz besonders für die Teilnehmer über die 300 und 430 Meilen. Hier lernen wir uns alle sehr gut kennen. Nicht selten entstehen Freundschaften fürs Leben“.

Damit die Teilnehmer sicher sind, gibt es eine lange Liste an Pflichtausrüstung. Dazu gehören zum Beispiel eine Expeditionsdaunenjacke, ein Schlafsystem für extreme Kälte, Säge, Stirnlampe und Kocher. Für den Transport der Ausrüstung nehmen die Läufer- und Skilangläufer eine Pulka. Die Fatbiker nutzen jeden verfügbaren Platz an ihren Rädern. Eine Mannschaft von Schneemobilfahrern fährt den Trail regelmäßig ab, um nach dem Rechten zu sehen. Für extra Sicherheit sorgen noch die sogenannten SPOT-Geräte. Das sind GPS-Sender, die regelmäßig die Positionen der einzelnen Teilnehmer durchgeben. Dazu kann man mit einem SPOT noch Nachrichten senden. Das geht von einem einfachen „okay“, über ein Hilfesignal bis zu einem echten Notruf. Die SPOTs ermöglichen es zudem Familie, Freunden und Kollegen daheim, das Rennen zu verfolgen. Achtung: Suchtpotenzial! Wer einmal anfängt, einem SPOT-Tracker zu folgen, kann oft nicht mehr damit aufhören.

Der Non-Stop Modus des MYAU sorgt dafür, dass sich das Teilnehmerfeld schnell in die Länge zieht. 100 Meilen oder mehr zwischen den Führenden und den Letzten ist absolut keine Ausnahme. Wer es möchte, kann sein ganzes Rennen alleine bestreiten. Andere schließen sich lieber spontan zu kleinen Teams zusammen.

Extrem – aber nicht um jeden Preis

Gefahren gibt es viele. Risiko Nummer 1 sind sicher die Auswirkungen der Kälte. Passt man nicht auf, holt man sich schnell eine Erfrierung. Wer sich eine Erfrierung einfängt, für den ist laut Reglement das Rennen beendet. Denn zunächst harmlose Erfrierungen können durch weiterführende Temperaturschwankungen zu einem echten Problem werden. Besonders gefürchtet sind die sogenannten „Overflows“. Hier sammelt sich Wasser über einer Eisschicht und unter einer Schicht Schnee. Nicht immer sind solche Stellen leicht zu erkennen. Mit etwas Glück ist das Wasser nicht tief. Doch es kann durchaus vorkommen, dass man plötzlich bis zur Hüfte im kalten Nass steht. Dann heißt es, Ruhe bewahren und Schritt für Schritt richtig reagieren.

Immer wieder machen sich die Athleten Sorgen um Wölfe oder Bären. Letztere halten Winterschlaf und Wölfe sind eher menschenscheu. Taucht ein Elch vor einem auf, ist wesentlich mehr Gefahr im Verzug. Dann ist Zurückhaltung angesagt. Verscheuchen könnte bei einem Elch aggressives Verhalten auslösen und böse Konsequenzen haben.
Wesentlich öfter bereiten den Athleten die körperlichen Strapazen Probleme. Knie, Rücken, Hüfte und Füße leiden wie bei allen Langstrecken-Veranstaltungen. Deshalb ist es wichtig, Warnsignale nicht zu ignorieren. Ein klassisches Beispiel sind Blasen an den Füßen. Wartet man zu lange mit der Problemlösung oder einer Behandlung, werden Blasen schnell so groß, dass nur noch die Aufgabe bleibt.

Der Lohn für all die Mühen? Man erfährt eine beeindruckende Stille. Man kommt an Orte, die andere Menschen niemals sehen werden. Man lernt Leute kennen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und, mit etwas Glück, sorgen Nordlichter nachts für ein unvergessliches Lichterspiel.

Wer also einmal seine Grenzen ausloten will, der hat beim MYAU eine Gelegenheit dazu, denn es gibt keine klassischen Teilnahmekritierien. Wichtig ist, dass man die Kälte mag. Es ist auch gar nicht so entscheiden, dass man ewig lange laufen kann. Aber man sollte sehr lange wandern können und Schlafmangel gut vertragen. Den Rest schafft man mit gezielter Vorbereitung und der richtigen Ausrüstung. Nach dem Event werden wir übrigens noch einen Nachbericht liefern und mit den Athleten sprechen. Bleibt also dran, das dürfte interessant werden!

Winter wandern

Abenteuerliche Reisen in den Norden – Herbst und Winter

5. Januar 2017
Die Bergfreunde

Das neue Jahr ist noch taufrisch und einige haben vielleicht noch ein paar Tage Urlaub. Für diese Glücklichen ist dieser Artikel eventuell eine schöne Inspiration – gerade wenn man mit der Familie unterwegs ist. Geertje von der nordicfamily gibt im zweiten Teil schöne Tipps für Herbst und Winter. Diesmal dabei: Rasante Zipline-Abenteuer in Schweden und Hundeschlittenfahrten durch einen echten Winter in Lappland.

Herbst: Zipline in Schweden

Der Süden Schwedens ist für viele Familien einfach von Deutschland aus zu erreichen. Wegen eigener Kindheitserinnerungen oder der aktuellen Literatur aus dem Kinderzimmer besucht man gerne die Wohnorte von Pippi, Michel und Lotta aus der Krachmacherstraße.

Wir reisen in den Herbstferien auf einem Roadtrip durch den Süden Schwedens und entdecken viele interessante Orte und schöne Plätze in der Natur.
An einem sonnigen und kühlen Tag zieht es die ganze Familie zur Rocky Lake Zipline etwas nördlich von Kosta in Småland.
Diesmal ist es ein Mädelsding, etwas für mutige Frauen. Die Männer werden das Abenteuer dokumentieren.

Wir halten auf einem kleinen unauffälligen Parkplatz und stiefeln einen Berg hinauf. Hohe Türme geraten in Sichtweite und Drahtseile, die diese verbinden. Wir haben einen fabelhaften Ausblick vom Startpunkt der Zipline über den See Ämghultasjön und eine hügelige Landschaft.

Zwei Guides statten uns mit Klettergurten und der ganzen Ausrüstung aus. Ein Tuch über die Haare und ein Helm auf den Kopf. Wir sehen mit all dem Klimbim ganz schön gut aus. An einem 3 Meter langen Stahlseil anderthalb Meter über dem Boden erklärt Peter, unser Guide, den Bewegungsablauf. Klingt alles logisch.

Dann geht’s hoch auf den ersten Turm, dann über eine Hängebrücke. Spätestens hier kann man merken, ob man Höhenangst hat und noch mal vom Abenteuer zurücktreten möchte. Wir halten durch und dann geht es auch schon los, die erste Zipline ist 95 Meter lang und über den Baumwipfeln. Die Tochter wird mit ihren Karabinern befestigt und bekommt Anweisungen zum Start. Beine anziehen oder weg strecken. Hände oben an die Bremse.

Aber lieber nicht in der Fahrt bremsen, sonst kommt man vielleicht nicht ganz rüber zum Turm. Die zierliche Neunjährige bekommt noch einen Rucksack mit Steinen aufgesetzt, damit sie auch rüber kommt und genug Schwung hat. Ich bin ein bisschen mit aufgeregt, als ich sie darüber flitzen sehe und bin als Nächste dran. Der Moment von der Plattform los zu sausen ist gigantisch. Der kalte Wind weht mir ins Gesicht, ich sehe die Welt von oben und fliege über die bunten Herbstbäume in Småland. Als ich am gegenüberliegenden Turm ankomme, empfängt mich die Tochter mit erwartungsvollen Blicken. Wir plappern uns gegenseitig voll, wie überraschend, kribbelig und aufregend die erste Fahrt war.

Schon geht’s auf den nächsten Turm, noch höher, noch weiter. Die längste Strecke, die wir zippen, ist über vierhundert Meter lang. Die höchste Geschwindigkeit kann bis 75 Kilometer pro Stunde betragen. Als ich über einen Fluss „fliege“ spiegelt sich mein Abbild im Wasser viele Meter unter mir. Mir bleibt fast die Luft weg vor Staunen.

Der kleine blaue Köttbullar (Fleischbällchen), meine Tochter vor mir, sieht manchmal richtig lustig aus, wenn sie durch den Wald schießt. Jedoch leuchten der blaue Helm und die blaue Jacke unerhört zwischen den warmen Herbstfarben im schwedischen Wald. Die letzte Station, an der wir schließlich nach der sogenannten Kamikaze Tour ankommen, heißt „Happy Ending“. Voll mit Glückshormonen, einer gehörigen Portion frischer Luft und einem bestandenen Abenteuer mehr im Gepäck beschließen wir den langen Nachmittag.

Das besondere an diesem actionreichen Erlebnis ist es, die Natur aus einer anderen Perspektive zu erleben und über weite unberührte Landschaft zu blicken und am Ende dann gemeinsame Erinnerungen daran zu haben.

In Småland gibt es ein breites Angebot von Unterkünften. Ganz typisch wohnt man in einem roten Holzhaus. Diese Ferienhäuser gibt es auf Zeltplätzen oder als individuelle Unterkünfte bei Ferienhausanbietern. Es bietet sich auch eine Tour mit Wohnmobil oder Zelt durch die Region an. Angefangen vom Ikea Museum über das Glasreich und die Zipline bis hin zum Theaterpark Astrid Lindgrens Welt hat die Region in Südschweden viel zu bieten.
Auch in der Nebensaison, wie im goldenen Herbst, kann man die Natur auf verschiedene Art und Weise erleben und die Kultur kennenlernen.

Einerseits kann man über Norddeutschland und Dänemark die Region Småland mit dem Auto erreichen. Eine entspannte Variante bieten auch die verschiedenen Fährlinien, die über die Ostsee nach Trelleborg fahren.

Das Erlebnis Zipline kann man hier buchen: www.swedenzipline.com/de

Über die Region: www.visitsmaland.se/de

Winter: Hundeschlittenfahren mit der ganzen Familie in Lappland

Es ist schon Frühling in Deutschland. Erste Frühblüher haben die Blätter aus dem Boden gereckt während hier in Schwedisch Lappland noch der Schnee meterhoch liegt. Bei den Samen gibt es acht Jahreszeiten und wir befinden uns gerade im Spätwinter. Wir haben gerade ein paar sonnige Wintertage im nördlichsten Skigebiet Europas verbracht. In Björkliden ist im Spätwinter Hochsaison.
Jetzt sind wir auf dem Weg zu unserem Freund Sebastian. Er hat sich als Deutscher Auswanderer in der Nähe von Kiruna mit seinen drei Dutzend Hunden niedergelassen und bietet im Winter Hundeschlittentouren an.

Gemeinsam helfen wir beim Vorbereiten der Schlitten. Unsere Große packt kräftig mit an und darf mit dem Musher (derjenige, der den Hundeschlitten lenkt) die Hunde zu ihren Schlitten führen und sie anleinen. Die Hunde sind mächtig aufgeregt, denn sie wissen, dass es gleich los geht. Ein Bellen und Kläffen schallt über den großen Hof. Wir packen Thermoskannen, Feuerholz und ein paar belegte Brote in eine große Kiste und befestigen sie auf einem der Schlitten. Der Papa darf einen Schlitten führen und Sebastian den anderen. Ein paar von uns sind die Passagiere und dürfen sich genüsslich auf dem Rentierfell bespannten Schlitten zurücklehnen.

Alle stehen in den Startlöchern. Sebastian hat vorher erläutert, wie das mit dem Bremsen funktioniert und wie sich die Passagiere in den Kurven verhalten sollen. Es ist eigentlich nicht sehr kalt, jedoch tragen wir große robuste Overalls und extra dicke Stiefel, denn der Fahrtwind kann auch schon mal empfindlich kalt wirken. Die Musher lösen die Bremsen, das Hundegebell lässt nach, als die Vierbeiner endlich losrennen dürfen. Schnee wird aufgewirbelt und die Hunde rennen, als gäbe es kein Morgen. Es geht durch den Wald und manchmal muss ich mich als Passagier ducken, damit ich keinen Tannenzweig ins Gesicht bekommen.

Die Kinder jauchzen vor Freude, weil es so flott voran geht. Über einen zugefrorenen See gleiten die Gefährte durch den tiefen, fast sulzigen Schnee. Dann geht es wieder zwischen kleine Krüppelkiefern, in eine Kurve und da passiert es. Der Schlitten kippt um und wir landen im tiefen weichen Schnee. Alle lachen, niemandem ist etwas passiert. Sebastian ordnet die Leinen und sortiert alles wieder richtig, während der Schlitten mit der Bremse gut gesichert ist.

Alles ist voller Schnee, ein bisschen ist in meinem Nacken gelandet. Eine schöne Erfrischung. Es geht weiter bis zu einem verwunschenen Ort, einer Lichtung im Wald. Dort steht ein Lavvu, so heißen die samischen Zelte. Die Musher zünden ein Lagerfeuer aus Birkenholz an. Die Kinder versorgen die Hunde, kuscheln und spielen mit den tollen Tieren. Es gibt belegte Brote, Kakao aus Thermoskannen und für die Großen wird Kaffee über dem offenen Feuer gekocht, Kokkaffe. Es ist eine Wissenschaft für sich und ein besonderer Genuss, wenn man im Winter draußen am Feuer sitzt und heißen, frisch gebrühten Kaffee in der Hand hält.

Die Rentierfelle isolieren von unten während wir zusammen sitzen und samischen Geschichten lauschen.
Bald müssen die Hundegespanne wieder vorbereitet werden. Die Kinder tollen gerne mit roten Wangen draußen im Schnee und merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Beim nächsten Mal werden wir auf jeden Fall eine mehrtägige Hundeschlittentour unternehmen, denn eine Nacht im Lavvu unter Nordlichtern würde sicherlich auch Groß und Klein begeistern.

Wir bringen alle Hunde, Kinder und Schlitten wieder sicher auf den Hof. Dann wird es langsam Nacht und die ersten Sterne funkeln am Himmel. Weit ab von den großen Städte ist die Nacht besonders schwarz, und man kann den nördlichen Sternenhimmel gut bewundern. Ein paar mäandernde Nordlichter lassen uns noch für eine Weile gebannt in den Himmel schauen. Die Kinder erzählen, dass in ihnen die Seelen der verstorbenen Tiere durch die Lüfte fliegen.

Eine Hundeschlittentour in Lappland ist etwas für Winterfreunde und Tierliebhaber. Kinder wie Erwachsene fühlen sich besonders verbunden mit der unendlichen Stille und der Natur des Nordens.

Ob im Süden von Schwedisch Lappland, wie im Ort Arvidsjaur, wie auch weiter im Norden in Kiruna und Abisko kann man Wintererlebnisse wie Hundeschlitten-Touren buchen.

Am besten fragt man bei den jeweiligen Gastgebern nach Empfehlungen. In der Nähe von Kiruna und auch südlich von Arvidsjaur kann man sogar auf einer Huskyfarm zu Gast sein und seinen ganzen Urlaub mit den Hunden verbringen.

Sprachprobleme muss man nicht fürchten, wenn man sogar bei deutschen Auswanderern zu Gast ist.
Direktflüge gibt es regelmäßig von verschiedenen deutschen Städten mit Flycar nach Arvidsjaur. Nach Kiruna kann man von Stockholm aus fliegen. Einen echten Winter kann man so von Deutschland aus in wenigen Stunden erreichen.

Über die Region Kiruna: www.kirunalapland.se/en

DAV Alpinkader Sichtungslehrgang Donautal

Mit dem Alpinkader NRW im Oberen Donautal

24. Dezember 2016
Die Bergfreunde

„Franzi, Stand!“ Kletterkommandos hallen am Freitagmorgen den 120 Meter hohen Schaufels entlang. Vereinzelt erkennt man leuchtend orange Shirts in den gleißenden Wänden, die entstanden sind, weil sich über Jahrmillionen die Donau ihr tiefes Bett in das Juragestein der Schwäbische Alb grub. In den Mehrseillängenrouten wie dem Donautalklassiker „Kaiserweg“ sollten die am Vortag demonstrierten Tricks und Kniffe des Felskletterns nun praktisch und eigenständig in Zweierseilschaften umgesetzt werden.

Doch der Reihe nach. Sicherungstechnik und Bergrettung sollten die Themen der nächsten Tage sein. Die Wettervorhersage verhieß für die nächsten Tage Gutes und so versammelten sich, mehr oder weniger pünktlich, die verbliebenen zehn von ehemals um die 40 Aspiranten für den ersten Alpinkader NRW sowie deren Ausbilder in einem urigen Gasthof im Oberen Donautal zum Nachtessen. Die Gaststube wurde vom Haupt eines gewaltigen Wasserbüffels sowie eines ausgestopften Mankei geschmückt. Diese Murmeltierart war der Namensgeber der gemütlichen Unterkunft.

Am Donnerstag stand zunächst die Vertiefung von Fertigkeiten rund ums Felsklettern auf dem Programm, wie zügiges und sicheres Einbinden, die Wahl des richtigen Helms, Varianten des Standplatzbaus mit mobilen Sicherungsgeräten, Felshaken schlagen sowie Sturztraining inklusive der angepassten Seilsicherung. Nach kurzer Einführung ging es rasch in medias res und damit in wechselnden Kleingruppen zu den Stationen der Ausbilder Fritz, Dave und Charly.

Dabei wurde auch routinierten Kletterern klar, dass diese vordergründig profanen Grundkenntnisse eine Menge Optimierungspotential boten. Zum einen sollten die Teilnehmer ihr Material so beherrschen, dass sie, den Verhältnissen angepasst, behelfsmäßige Techniken variieren können. Zum anderen sollte aber auch ein gewisser Konsens bestehen, der den Kader beziehungsweise die Seilschaft verbindet.

„Geschwindigkeit bringt Sicherheit“

Dies gewinnt Bedeutung, führt man sich vor Augen, dass bei einer Gratbegehung mit dutzenden Wechseln zwischen Kletter- und Abseilpassagen gesparte Sekunden beim Ein- und Ausbinden, Standplatzbau oder Vorstiegs-Wechsel am Ende des Tages darüber entscheiden, ob man den letzten Abseilstand bei Tageslicht oder im Schein der Stirnlampe sucht.

Nach so viel klettertechnischem Input ging es, zugegebenermaßen artfremd, zunächst auf den örtlichen Minigolfplatz und dann zum kulinarischen Tagesabschluss auf die Terrasse unseres Gasthofes.

Der Freitagvormittag begann am Schaufels, hier stellte unser Bergführer und „Local“ Fritz Seilschaften zusammen und wies Routen zu. Rasch war das Material zusammengestellt. Die kommenden Morgenstunden, in denen die Sonne langsam ihre Strahlen auf den Fels lenkte, waren erfüllt von freudiger Erwartung auf den meist griffigen Fels, von Kletterkommandos, Materialklimpern und den Anweisungen unseres Fotografen Felix, der selber in luftiger Höhe am Statikseil schwingend, seine mobilen Motive am Fels lenkte.

Nachmittags wurden am Fels oberhalb der Ortschaft und zu Füßen des ehemaligen Schloss Hausen von Charly Prusik-Techniken und von Dave die Ein-Mann-Rettungstechnik nach unten vermittelt und von den Teilnehmern geübt.

Derweil inspizierte Andre die persönlichen Erste-Hilfe-Taschen, deren unterschiedliche Volumen und Praktikabilität in direkter Beziehung zueinander standen. Dabei vermittelte der Arzt Aspekte der Ersten Hilfe und insbesondere der alpinen Notfallmedizin, passend zu den alpinistischen Themen der behelfsmäßigen Bergrettung. Das theoretische Wissen vermittelte er anschaulich durch Einsatzberichte aus der Bergrettung und dem organisierten Rettungsdienst.

Überschattet wurde dieser Tag durch die Meldung eines tödlichen Absturzes einer Zweierseilschaft südlich des Alpenhauptkammes. Dieses und die Ereignisse der zwei Wochen zuvor, bei denen ebenfalls Alpinisten aus dem näheren Bekanntenkreis zu Tode kamen, führte allen die Wichtigkeit der Bergrettungs- und Sicherungstechniken erneut vor Augen und unterstrich die Bedeutung des Risikomanagements bei alpinistischen Unternehmungen.

Auch der Samstag bot super Wetter und so begaben wir uns zu einer übersichtlichen Felsformation südlich unserer Unterkunft auf der gegenüberliegenden Flussseite. Hier wiederholten die Alpinkader-Anwärter zunächst den wichtigen Standplatzbau mit mobilen Sicherungsgeräten und übten ihn bis zur sicheren Beherrschung. Dann trainierten sie die Verwendung des doppelten Halbmastwurf beim Ablassen von mehreren Personen und führten das theoretische Wissen bei der Ein- und Zwei-Mann-Rettungstechnik nach unten vor. Anschließend trainierten sie die Technik in wechselnden Gruppen, was von Durchgang zu Durchgang flüssiger vonstatten ging.

 

Abschließend wurde Dave als „verunfallter Kletterer“ aus der Wand gerettet, in „absturzgefährdetem Gelände“ erstversorgt und für den Hubschrauber Abtransport vorbereitet.

Auch der Kletterspaß sollte nach all den ernsten Themen nicht zu kurz kommen und so standen am Ende des Tages diverse Routen an den „Zinnen“ und Prusiken auf dem Tagesprogramm, bei denen sich die Teilnehmer nach Lust und Laune austoben konnten.

Am letzten Tag des Ausbildungsblocks standen die noch verbliebenen, wichtigen Themen wie der Bau von Abseilständen mit begrenztem Material und Flaschenzüge auf dem Programm. Beim erneuten Prusiken, diesmal auf Zeit, zeigte sich bezüglich der Rangliste Erstaunliches.

In ihrem Schlusswort an die Teilnehmer appellierten die Ausbilder nicht nur an den für den Kader naturgemäßen Leistungsgedanken, sondern auch an ein risikobewusstes und sicheres Verhalten am Berg bei der Routenplanung und auf einer Tour.
In diesem Sinne: Berg Heil!

surfen

Abenteuerliche Reisen in den Norden – Frühling und Sommer

21. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Das neue Jahr steht vor der Tür und gerade als regelmäßig Reisender macht man sich so seine Gedanken, welche schönen Flecken der Erde man neu entdecken oder mal wieder besuchen könnte. Besonders knifflig wird es immer dann, wenn man die lieben Kleinen noch mit dabei hat. Dass man Familie und Reisen aber auch sehr gut unter einen Hut bringen kann, beweist Geertje in ihrem Blog nordicfamily immer wieder aufs Neue. Wie der Name des Blogs schon vermuten lässt, zieht ihre Familie der Norden Europas magisch an. Für uns hat die Skandinavien-affine Bloggerin ihre besten Tipps aus der Schublade gekramt und erzählt im ersten Teil vom Surfen in Dänemark und Wandern durch die schwedischen Fjells.

Frühling: Surfen in Dänemark

Die Winterwellen in Klitmøller sind berühmt. Cold Hawaii nennt man auch diesen fantastischen Ort im Norden Jütlands.
Ich stromere durch die Gassen des kleinen Örtchens mit den typischen dänischen Holzhäusern. Kühler Wind weht mir um die Ohren, ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht. Ein Holzwegweiser lässt mich aufschauen: zum Cafe, zur Surfschule, zum Buchladen…. Ich biege ab und plötzlich sehe ich mich zwischen lauter Neoprentragenden sportlichen Menschen. Einige tragen Surfbretter unter den Armen. Andere fahren lässig auf Longboards über einen Parkplatz.

Vor mir erstreckt sich ein 50 Meter breiter Strand. Bunte Kites, Menschen und weiße Schaumkronen tummeln sich bis zum Horizont. Es riecht salzig und etwas nach Abenteuer. „Cold Hawaii“ klingt es in meinen Ohren und so richtig warm ist mir an diesem Frühlingstag nicht. Ich steuere in die Surfschule und höre, wie ich mich mit meiner Teenie Tochter zu einem Surfkurs anmelde. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich würde mich als sportlich bezeichnen, nicht mehr ganz jung, aber motiviert. Aufgeregt bin ich trotzdem.

Bis zum Start des Kurses schauen wir uns noch ein bisschen in der Umgebung um, nicht weit vom Klitmøller Strand sind Bunker in den Sand eingeweht und halb freigelegt.  Wir klettern wie ein paar Gämsen herum und bestaunen bunte Graffitis an alten Bunkerwänden. Die Dünenlandschaft ist unglaublich wild und lädt zum Herumstromern ein, zum Verweilen und Entdecken.

In zehn Minuten beginnt unser Kurs, wir hasten zu den Umkleideräumen der Surfschule Westwind. Ich ziehe einen Neoprenanzug in der Größe L von der Garderobenstange und finde Neoprenschuhe in einer Kiste, die mir passen. Ich zwänge mich wie eine Presswurst hinein, schwitze, ächze, komme das erste Mal außer Atem. Wir versammeln uns mit anderen Menschen vor der Surfschule. Surfbretter liegen bereit. Die kleine zierliche Surflehrerin Yvonne beginnt mit uns ein Trockentraining.

Mit mir sind viele junge Menschen in der Gruppe, unter zwanzig. Der Wind weht immer noch ordentlich und als Strandwetter würde ich dieses hier nicht bezeichnen. Wir nehmen uns jeder ein sperriges Surfbrett aus dem Regal, Fangleine nicht vergessen und erst mal alles auf den Asphalt legen.  Ich höre von vorne einige Anweisungen was die Bewegungsreihenfolge betrifft. „Paddeln, paddeln, paddeln und aufstehen! Arme ausbreiten, Gleichgewicht halten“ Soweit so gut als Trockenübung.

Mittlerweile haben wir alle gelbe T-Shirts an und haben uns unten am Wasser versammelt, in Paaren sollen wir ins Wasser laufen und bis zu einer bestimmten Stelle vorpaddeln. Yvonne wartet geduldig auf uns im brusttiefen Wasser. Die ersten Wellen haben eine mächtige Kraft in der Brandung und schleudern mich fast um. Die kleine leichte Tochter wartet schlauer Weise auf den richtigen Moment, um in die Ostsee zu laufen. Dann lege ich mich aufs Brett und paddele nach vorne. Jetzt verstehe ich, warum es Wassersport heißt.  Einige Meter entfernt sieht man die Pros auf die richtige Welle warten, sie dümpeln im Wasser umher und wenn es soweit ist, paddeln sie los, springen aufs Brett und surfen die dänische Welle ab, als gäbe es kein Morgen. Warum verbinde ich damit nur so ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit?

Ich bin bei Yvonne angekommen, die mich dann in die Welle entlässt mit „Paddeln, paddeln, paddeln“ und dann höre ich sie schon nicht mehr, setze ein Knie aufs Brett, als ich denke, dass es der richtige Moment ist, versuche aufzustehen und plumpse ins salzige Nass. Ich werde von der Welle verschluckt, dabei wollte ich ihr doch gerade zeigen, wer hier der Chef ist. Ein zweiter Versuch bleibt erfolglos, dann bin ich am Strand angekommen. Die Große hat ihren ersten Versuch schadlos überstanden und war etwas erfolgreicher als ich. Die Strömung hat uns dreihundert Meter vom Startpunkt weggebracht. Eine „Westwind“ Fahne steckt dort.

Wir schleppen unsere Surfbretter dorthin zurück und spüren schon, wie die Kraft in den Armen weniger wird. Ich komme schnaufend am Startpunkt an und begebe mich gleich nochmal ins Wasser. Jetzt will ich es schließlich wissen. Das Wetter ist egal, im Neoprenanzug ist es einigermaßen gemütlich, die Haare kleben im Gesicht. Ich wiederhole den gesamten Vorgang vielleicht noch ein Dutzend Mal, bis ich wirklich nicht mehr kann. Am Ende habe ich es vielleicht zwei drei Mal geschafft, ganz kurz oben auf dem Brett zu stehen und meine Arme auszubreiten.  Die jungen Kollegen aus dem Kurs und vor allem mein eigenes Kind sehe ich fast jedes Mal stehen. Die leichten Kids scheinen es irgendwie einfacher zu haben in Sachen Gleichgewicht und Co.

In den kommenden Tagen muss ich erleben, wie auch in Klitmøller die Wellen wegbleiben. Ich probiere Windsurfen auf dem nahe gelegenen See aus und lerne die Gegend etwas besser kennen. Eine ehemalige Hippie Community Thy Ljeiren lädt zum Herumgucken ein und die Dünen zum Herunterkullern.

Wenn man hier oben steht und aufs Meer schaut, weiß man was Weite, Unendlichkeit und Freiheit so bedeuten könnte.
Ich merke meine Muskeln, an Stellen, die ich vorher nicht kannte – das coole Surferleben hat auch seine dunklen Seiten. Dennoch birgt der Ort mit seinen netten Surfern, Cafés und weiten Stränden Suchtpotential.  Sobald wieder „Welle“ ist, bin ich auch wieder draußen.

Entlang der Westküste in Jütland gibt es immer wieder kleine Orte und Ferienhäuser mitten in den weiten Dünen. Je weiter man in den Norden kommt, desto windiger und welliger kann es werden. Von Norddeutschland ist man mit dem Auto in ca. 4-5 Stunden in Hvide Sande. Neben den Wassersportangeboten kann man viel durch die Gegend radeln, auf Leuchttürme klettern oder Robben beobachten.
Weitere Infos zu Wassersportkursen gibt es bei der Surfschule Westwind in Hvide Sande oder Klitmøller. Es gibt sowohl einen Campingplatz, als auch viele Ferienhäuser in Klitmøller, wo man dicht am Wasser als Familie wohnen kann. In der Nebensaison sind sie besonders preiswert und die Wellen besonders gut zum Surfen.

Sommer: Wandern durchs Fjell und zu Gast in einem Samendorf

Das Weltnaturerbe Laponia befindet sich ungefähr 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in schwedisch Lappland. Tor zu dieser besonderen Gegend ist die Mountainstation Stora Sjöfallet Mountain Center. Es ist Sommer und ich fürchte mich schon vor den tausenden Mücken im hohen Norden. Die Berge werden höher als ich die Straße entlang fahre, die von Gällivare nach Westen führt. Auf den höchsten Gipfeln liegt noch Schnee. Einer der höchsten Gipfel in dieser Gegend ist Áhkká – the Queen of Lapland. In der Mountainstation wartet unser samischer Guide wie verabredet.

Abenteuer im hohen NordenWir checken die Ausrüstung und müssen die aufgeregten Kinder etwas beruhigen. Ein mehrtägiger Ausflug ins Fjell mit der ganzen Familie steht auf dem Plan.

Als wir alle und alles zusammengesammelt haben geht es zum Hafen in Ritsem. Hier wartet ein Same mit seinem kleinen Motorboot auf uns. Wir müssen ans andere Ufer des Ákkhájaure, um die Zivilisation wirklich hinter uns zu lassen. Den jungen Guide haben die Kids gleich ins Herz geschlossen und plaudern mit ihm auf Englisch los und treiben ihre Späße.

Währenddessen trifft er mit dem Bootsführer einige letzte Absprachen auf samisch. Eine Sprache, die in unseren Ohren einigermaßen fremd klingt. Über den Bug krabbeln wir unter das niedrige Verdeck. Holzbänke bieten Platz für maximal acht Menschen. Der Kleinste ist begeistert von der Geschwindigkeit, endlich mal ein schnelles Boot, wo man nicht rudern muss. Eine dreiviertel Stunde geht es rasant über das Wasser des tiefblauen Sees. Die Sonne scheint und die Königin Lapplands steht am Ufer und winkt uns zu.

In Änonjalme legen wir an und schleppen unser Gepäck den Hang hinauf. Wir sind zwischen einer Handvoll Holzhäusern und einem Lavvu in einem Samendorf angekommen. Wir dürfen in einem der Häuser Gäste sein. Aus dem Lavvu, so heißen die samischen Zelte, quillt dicker Rauch oben heraus. Das Feuer ist schon an und als wir eintreten, duftet uns frisch gegrillter Fisch und flaches Brot entgegen. Eine junge samische Künstlerin begrüßt uns, bewirtet uns und erzählt von ihrem Leben hier im Dorf. Im Winter lebt sie in Jokkmokk und lernt an der samischen Schule für Handwerkskunst. Bald rennen die Kids kreuz und quer durchs Dorf  und spielen mit dem Hund Edda.

Ein Haus im Dorf ist das zentrale Waschhaus. Hier wird die Sauna mit Holz angeheizt. Gleichzeitig wird ein riesiger Bottich mit Wasser warm gemacht. Hier darf jeder aus dem Dorf herkommen und sich waschen, auch Wäsche waschen und in die Sauna gehen. In den Wohnhäusern gibt es nur Solarstrom und kaltes Wasser, sowie Trockentoiletten neben den Häusern.

Nach der Stärkung im Lavvu treten wir eine Wanderung auf dem berühmten Wanderweg Padjelantaleden an. Unser Guide führt uns kleine Pfade entlang. Es nieselt und dafür, dass Sommer ist, ist es auch nicht sonderlich warm. Wir mögen das. Einige Wegstrecken sind mit Planken ausgelegt, sonst würde man im Morast versinken. So laufen die Kids behände voraus.

Abenteuer im hohen NordenAn einigen Stellen plätschern kleine Bäche unter den Planken entlang. Ich schöpfe Wasser mit der hohlen Hand und trinke das klare Wasser aus den Bergen. Nach ein paar Kilometern pausieren wir. Unser samischer Guide hockt sich an einen Bach und fängt an zu joiken. Ein Kehlkopfgesang, wie ich ihn vorher noch nie gehört habe, einige samische Worte mit tiefergehender Bedeutung formen ein Lied. Das Wasser plätschert, der Wind weht, die Stille des Fjells und der Gesang verschmelzen zu einem einzigartigen Erlebnis. Ich bekomme Gänsehaut und möchte, dass es nicht aufhört.

Doch wir wollen weiter zu einer Hängebrücke, wo gewaltige Mengen Wasser vom Kutjaure in den Ákkhájaure fließen. Ohrenbetäubender Lärm schallt uns entgegen nachdem wir noch ein paar weitere Kilometer gewandert sind. Jeweils ein Erwachsener nimmt ein Kind an die Hand und wir gehen in Ruhe und mit sehr viel Respekt über die wacklige Hängebrücke über diesen reißenden Fluss. Ich fühle die kleine Kinderhand in meiner und kann vor lauter Wasserrauschen gar nicht hören, was der Kleine zu sagen hat. Wir müssen uns anschreien, um uns zu sagen, wie toll laut das hier ist.

Als wir drüben sind, hopst er von einem Stein auf den anderen. Es gibt Picknick, getrocknetes Rentierfleisch und flaches Brot. Frische Luft macht hungrig und müde.
Mit einigen Spielen halten wir die Kids noch aktiv, dem Guide fallen noch Versteckspiele ein, außerdem kann er uns interessante Tiere im Fjell zeigen. Die Kinder sind hellauf begeistert. Die Große läuft vor und scheint noch unendlich Energie zu haben. Den Kleinen nehme ich bald Huckepack und balanciere mit ihm über die Holzplanken, während ihm die Augen zu fallen.

Am Weg streifen wir noch eine STF Hütte. Sie gehört zum schwedischen Jugendherbergsverband. Hier kann man gut unterkommen, wenn man den gesamten Padjelantaleden wandern möchte. Einige Gäste haben auch ihr Zelt am Wegesrand aufgestellt. Das Jedermannsrecht in Schweden macht es möglich, auch eine Nacht draußen in der Natur zu verbringen. Wir wandern zurück in unser Samendorf am Ufer des Ákkhájaure. Am Wegesrand picken wir noch ein paar Moltebeeren auf und freuen uns über den schwedisch kühlen Sommer.

Die Nacht wird so dunkel und still sein, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Inmitten von Natur verbringen wir wertvolle gemeinsame Zeit im Naturerbe Laponia. Wir hoffen mit solchen Erlebnissen, die Kinder auch für den Schutz der Natur zu sensibilisieren. Denn nur, was man in solch einer Intensität erlebt hat, kann man auch schützen.

Abenteuer im hohen NordenEin paar Tage später, als wir schon gar nicht mehr in die Zivilisation zurück wollen, bringt uns ein Helikopter wieder nach Ritsem. Die Samen, die in den Nationalparks hier oben leben, aber auch Gäste und Wanderer benutzen den Flugservice wie andernorts verschiedene Buslinien. Sie bieten die Möglichkeit, weit abseits von Autoabgasen und Stadtlärm in die Natur einzutauchen.

Dank unseres samischen Guides vom Stora Sjöfallet Mountaincenter hatten wir die Gelegenheit, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen und die Kultur hautnah zu erleben. Mit Kindern unterwegs zu sein, öffnet selbstverständlich in der Beziehung auch viele Türen.

Auch ohne Guide kann man die langen Wanderwege in schwedisch Lappland entdecken. Der Padjelantaleden oder der Kungsleden sind gute Beispiele für Wanderwege, die man auch abschnittsweise bewältigen kann. Die Hütten des schwedischen Jugendherbergsverbandes STF bieten eine einfache Unterkunft auf den Wegen. Dank des Jedermannsrechts kann man auch überall im Fjell sein Zelt aufschlagen. Das Wasser aus den Quellen im Fjell kann man trinken, Fische kann man angeln und Beeren pflücken.

Wenn man gerne mit einem Guide im Laponia Naturerbe unterwegs sein möchte, kann man in der Bergstation Stora Sjöfallet Mountaincenter im Stora Sjöfallet Nationalpark nachfragen oder man besucht einfach deren Webseite. Hier gibt es Angebote, die individuell zugeschneidert werden oder Gruppenausflüge zu den Wasserfällen, zu samischen Kunsthandwerkern oder gar einem Schamanen.

hallenklettern

Wie wird man eigentlich Routenbauer?

17. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Der Routenbauer gehört zu den heimlichen Helden der Kletter- und Boulderhallen, von dem die meisten Kletterer allerdings überhaupt nichts mitbekommen. In seiner Verantwortung liegt es, spannende Routen zu gestalten und einen Schwierigkeitsgrad festzulegen. Für das Glücksgefühl, wenn man nach etlichen Versuchen endlich eine besonders knifflige Passage gemeistert hat, kann man sich bei Menschen wie Joseph Wetzel bedanken (oder ihm die Schuld für seine Abstürze geben). Wie man Routenschrauber wird und wie sich deren Alltag in den Kletterhallen gestaltet, wollen wir euch erzählen.

Stellt man sich nun ganz plakativ das Handwerk eines Routenbauers vor, kommt man schnell zu dem Trugschluss, dass das ja eigentlich nicht sonderlich schwer sein kann. Hier und dort schraubt man ein paar Griffe an die Wand und baut sich so langsam empor. Je kleiner sie sind und je weiter die Griffe auseinander liegen, desto höher der Schwierigkeitsgrad. So zumindest die Theorie. Wer allerdings jemals eine Kletterhalle betreten hat und den Kopf in den Nacken legen musste, um bis zum höchsten Punkt der Wand hinaufsehen zu können begreift schnell, dass damit mehr verbunden sein muss, als nur mit einer Bohrmaschine bewaffnet ein paar Schrauben in die Wand zu jubeln.

Den Routenbau meistern

Joseph Wetzel hat die Leidenschaft für den Routenbau während seines Studiums entdeckt und nach und nach ausgebaut. Inzwischen geht er seit 5 Jahren dem Beruf des Routenschraubers nach. „Angefangen hat alles durch das Definieren und Schrauben für das eigene Training. Es war schon immer mein Traum, mich mit einer Materie, die ich liebe, auseinander zu setzen. Klettern ist diese Materie“, erklärt er.

Gewöhnlich sind es die besten und erfahrensten Kletterer, die das Schrauben in einer Halle übernehmen, da sie einschätzen können, wie anspruchsvoll eine Route tatsächlich ist. Zusätzlich zu dem, was sich Joseph so im Laufe der Zeit selbst beigebracht hat, absolvierte er zusätzlich mehrere Seminare. Obwohl der Beruf des Routenschraubers – ähnlich dem des Tätowierers – keine Ausbildung im eigentlichen Sinne erfordert, empfiehlt er, sich ordentlich fortzubilden. Man will ja schließlich auch eine bewegungstechnisch schöne Route bauen – und nicht nur eine, die maximal den Bizeps zum Glühen bringt! Hinzu kommt, dass bei offiziellen Wettkämpfen beispielsweise ausschließlich lizensierte Routenbauer angestellt werden.

Die Ausbildung zum Kletterlehrer, etwa beim Verband deutscher Berg- und Skiführer e.V. (VDBS), beinhaltet beispielsweise einen Lehrgang zum Hallenmanagement und Routenbau. Ebenso bieten Joseph und seine Jungs von der Kletterkultur regelmäßig entsprechende Kurse an, bei denen allerdings eher gestalterische und handwerkliche Aspekte im Vordergrund stehen. Wer bereits Erfahrungen im Klettern und Schrauben gesammelt hat, kann diese hier mit Inhalten wie Arbeitssicherheit, Materialkunde, Schrauben für den kommerziellen Betrieb und für den Wettkampf sowie Bewegungsideen verfeinern. So sitzen dann letztendlich auch Bewegungsabläufe und Schraubgeschwindigkeit, sodass zum Schluss Hallenbesitzer, als auch Kletterer zufrieden sein können.

Der Alltag des Routenbauers

Für Joseph beginnt der Arbeitstag meist zwischen sieben und neun Uhr morgens. Bei 150 Routenbauplätzen im Jahr, ist er in ganz Deutschland unterwegs. Gewöhnlich reist er deshalb am Tag zuvor an, um sich auf seinen Einsatz vorzubereiten. „Dies beinhaltet neben Besichtigung der Anlage, Einweisung der Hebebühne, Abklären der Vorstellungen des Betreibers, ebenso eine Vorbereitung der Werkzeuge, Griffe, Tritte, Volumen, Schrauben und Co. Ein guter Kaffee lässt mich morgens auf Touren kommen und es kann sofort richtig losgehen.“

Nachdem das Gros an Routen geschraubt ist, werden diese im Anschluss natürlich auch getestet. Das dient zum einen der Überprüfung von Sicherheitsaspekten, aber auch dem finalen Check zur Stimmigkeit einer Route in sich. Nachdem alle Routen getestet sind, werden Veränderungen vorgenommen und es wird erneut getestet. Erst wenn jeder Griff und Tritt gegengeprüft wurde, kann aufgeräumt und der Kletterbereich wieder freigegeben werden.

Routenbauer als Beruf

Nicht jeder, der nun einen Kurs im Routenbau besucht hat, wird gleich unter Jobangeboten begraben. Häufig beginnt die Arbeit als Griffeputzer oder ehrenamtlicher Mitarbeiter. Ebenso kann es natürlich hilfreich sein, den einen oder anderen Hallenbetreiber persönlich zu kennen. Sich also sofort hauptberuflich als Routenschrauber zu verdingen, ist deshalb weder ratsam, noch realistisch.

Wie dem jedoch auch sei, es ist und bleibt eine Leidenschaft, der es sich nachzugehen lohnt! Für Joseph ist klar: „Schrauben ist eine Form des Ausdrucks und die Möglichkeit, gigantische Emotionen für andere Personen zu ermöglichen.“ Er verbindet mit seiner Arbeit viel Kreativität. Ob er nun bei Wettkämpfen oder für Kletterhallen schraubt – er möchte den Menschen, die später sein Werk besteigen, einfach ein Erlebnis bieten.

Wer also mit frühen Arbeitszeiten und beschränkter Freizeit umgehen kann, handwerkliches Geschick besitzt und dazu ein echter Kletterprofi ist, für den ist der Beruf des Routenbauers bzw. Routesetters wie gemacht.

Versand bis Weihnachten

Pünktlicher Versand bis Weihnachten 2016

14. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Der Countdown auf Weihnachten ist nun endgültig eröffnet. Wer noch nicht alle Geschenke am Start hat, der sollte sich so langsam in die überfüllten Fußgängerzonen stürzen und seinem Jagdtrieb freien Lauf lassen.

Alternative: in den nächsten Tagen bei den Bergfreunden online shoppen und nur kurz warten bis es an der Haustüre klingelt. Wie lange das noch gut gehen kann, erklären wir Dir in diesem Artikel. Aber es sei schon verraten: unsere Logistiktruppe wird bis zum Schluss fleißig Päckchen packen – da sehen selbst die Elfen des Weihnachtsmanns alt aus! (mehr …)

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