Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

So war’s beim The North Face Mountain Festival 2017

19. September 2017

„Jööööhööörn, fahren wir zum Mountain Festival?“ Als meine Kollegin Britta mit dieser lieb vorgetragenen Bitte bei mir vorstellig wurde, war ich ziemlich schnell ziemlich begeistert von der Idee. Schließlich liest sich die Beschreibung des The North Face Mountain Festivals echt gut:

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

Die drei Bergfreunde beim TNF Mountain Festival!

„Klettere Felswände hinauf, wandere und laufe durch atemberaubende Berglandschaften, erlerne die Kunst der Abenteuerfotografie oder der Outdoor-Küche und genieße bei all dem ein völlig neues Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

Klingt ein bisschen Meta, aber hey, immerhin findet das Festival in Lauterbrunnen statt. Ja, genau. DAS Lauterbrunnen. Gelegen im Schatten von Eiger, Jungfrau und Mönch – drei Namen, die das Herz jedes Bergliebhabers vor Freude jubilieren lassen. Und so fiel meine Antwort an Britta auch relativ deutlich aus: Klar fahren wir!

Unter Gleichgesinnten

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

Das Basecamp war tagsüber ruhiger als nachts.

Als dritter Bergfreund in der Runde ergänzt Thomas unser buntes Triplett, als wir uns an einem Donnerstag Mitte September in die Schweiz aufmachen. Die Fahrt verläuft soweit unspektakulär – zumindest bis kurz vor der Einfahrt ins Lauterbrunnental.

Unsere Augen werden immer größer, fast so groß, wie die riesigen Felswände, die das Tal auf beiden Seiten einrahmen. Feine Wasserfälle rieseln wie Sand herunter und sogar die Sonne blickt nach einem sehr trüben Tag endlich durch die Wolken. Gut so, der Wetterbericht für das Wochenende ist ohnehin eher unschön. Aber das Glück sollte auf unserer Seite sein.

Nach der Ankunft beziehen wir erstmal unser Zelt und schaffen uns einen Überblick. Wo bitte geht es zum Essen? Es ist bereits Abend, als wir das – und das ist an dieser Stelle keine Übertreibung – wirklich extrem leckere Abendessen genießen dürfen. Hier sehen wir auch erstmals das wirkliche Ausmaß dieses Festivals:

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

Der zentrale Platz des Festivals.

Hunderte Bergsportler aus der ganzen Welt haben sich hier versammelt. Wir treffen Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer, Asiaten, Amerikaner, Australier. Wahnsinn! Nach dem Genuss einer etwas unterkühlten Flasche Rotwein und einem Bier genießen wir noch die Band auf der Festivalbühne und ziehen uns bei Zeiten ins Zelt zurück, um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Thomas muss am nächsten Tag schon um 5 Uhr raus zur Gletschertour. Britta und ich dürfen noch etwas länger im schön warmen Schlafsack bleiben.

Bergsteigen, wandern, knipsen

Von Thomas‘ Abgang bekommen wir nicht viel mit. Zum Glück. Denn die Nacht war etwas unruhig und wir sind um jede Minute Schlaf dankbar. Gegen 7:30 Uhr müssen wir dann aber langsam raus. Es ist kalt. Sehr kalt. Die Sonne erreicht das Tal erst am späteren Morgen und in der Nacht haben wir Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.

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Zauberhafte Morgenstimmung im Camp.

Dick eingepackt sitzen wir beim Frühstück und genießen den heißen Kaffee. Thomas besteigt heute das Walcherhorn auf knapp 3700 m Höhe und wir haben uns für eine der kürzeren Wanderungen entschieden.

Um 9 Uhr stehen wir also in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Und wir warten. Und warten. Die Kälte kriecht langsam unter unsere Jacken und nach etwa einer halben Stunde geht es dann endlich los. Wir fahren mit der Bahn zur Grütschalp und wandern bergan.

Die Tour ist mit 10 km und 600 hm recht entspannt und bietet uns ein großartiges Panorama mit Blick auf die Eiger Nordwand, die sich majestätisch aufbäumt. Schon ein bisschen genial.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017Die Gruppe ist groß und wir spät dran. Daher teilen wir uns auf. Während die etwas gemächlicheren Wanderer bereits absteigen, geben wir ein bisschen mehr Gas.

Bergab wechseln wir zwischen Speedhiking und Trailrunning, wodurch wir recht zügig unterwegs sind und schließlich mit einer halben Stunde Verspätung wieder im Camp ankommen.

Wir haben kurz Zeit für das Mittagessen, bevor wir weiter zum nächsten Termin eilen: Outdoor-Fotoworkshop. Im Angesicht des Mürrenbachfalls geben uns professionelle Fotografen Tipps, wie wir die Natur perfekt in Szene setzen. Nach eher unspektakulären drei Stunden und einigen hundert Fotos in der Tasche sind wir wieder im Lager. Aber wo ist Thomas?

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Thomas auf dem Weg zum Walcherhorn

Eigentlich sollte die Bergsteiger-Truppe schon wieder zurück sein. Wir machen uns frisch und warten mit knurrendem Magen auf den Kollegen, der gegen 19 Uhr am Abend mit freudestrahlendem Gesicht eintrifft. Die für ihn eher entspannte, aber landschaftlich äußerst reizvolle Hochtour hat ihm sichtlich gefallen. Britta und ich sind froh darüber, dass wir uns mit endlich aufs Essen stürzen können.

Am Abend lauschen wir noch einem Vortrag von Hansjörg Auer, der vor allem für seine Free-Solo-Begehung der Route Weg durch den Fisch an der Marmolata Südwand bekannt ist. Eine inspirierende Persönlichkeit. Danach folgt das schon bekannte Programm vom Vorabend. Its Partytime – diesmal mit den Bergfreunden! Immerhin halten wir bis Mitternacht durch, als uns die Müdigkeit langsam in Richtung Schlafsack drängt.

Dünne Luft und atemberaubende Panoramen

Heute sind Britta und ich es, die früh rausmüssen. 6 Uhr ist Abfahrt, 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zeitoptimierung ist angesagt. Schnell in die Bergstiefel rein, den bereits gepackten Rucksack auf die Schultern und ab an die Futterluke. Mit Essen im Bauch, aber ohne Kaffee stehen wir pünktlich um 6 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir treffen die Bergführer am Lauterbrunner Bahnhof, von wo aus unsere Reise zu Jungfraujoch ihren Anfang nimmt.

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Nicht das passende Material dabei? Hier wird geholfen!

Mit der Zahnradbahn fahren wir eine gefühlte Ewigkeit auf und später in den Berg. Die vor über 100 Jahren eröffnete Bahn muss ab der Station Kleine Scheidegg noch knapp 10 km und 1500 Höhenmeter bezwingen, die zum Teil durch einen eigens angelegten Tunnel führen.

Der Weg endet schließlich am höchsten Bahnhof Europas am Jungfraujoch – auf zirka 3500 m. Hier tummeln sich auffällig viele Asiaten und eben wir – eine handvoll Freaks, die mit ihrer Bergsteigerausrüstung unter den ganzen Touristen irgendwie auffallen. Komisch. Sind wir denn nicht am Berg?

Das Wetter ist auch heute auf unserer Seite. Über dem Gletscher strahlt die Sonne, so dass wir kurz nach unserem Aufbruch schon die äußere Jackenschicht ablegen können.

Wir sind zu siebt in der Seilschaft und gehen gemächlich über den Aletschgletscher. Wir begutachten die bedrohlich wirkenden Felsspalten, genießen das großartige Wetter und den nicht minder schönen Ausblick. Mir setzt die Höhe ziemlich zu. Das letzte Mal, dass ich auf über 3000 m unterwegs war ist schon etwas her und ich merke, wie mein Herz kräftiger pumpt und mein Kopf dröhnt.

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Kurze Pause neben der Gletscherspalte.

Zum Glück ist das Tempo sehr angenehm und lediglich die kurzen Anstiege lassen mich etwas außer Atem kommen. Britta steckt das ganze deutlich besser weg und strahlt über beide Ohren – verständlich, bei so einem Panorama.

Nach drei Stunden sitzen wir wieder am Bahnhof und warten auf den Zug ins Tal. Es ist schon irgendwie kurios. In der Regel sind die Berge für mich ein Rückzugsort, an dem ich die Ruhe genießen kann. Hier oben auf dem Jungfraujoch hingegen tummeln sich hunderte Touristen in Sneakers und Jeans. Es gibt einen Laden für Luxusuhren und eine Art Schokoladenmuseum. Der Kommerz hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl bei uns.

Ich bin echt kaputt. Das kenne ich sonst gar nicht von mir und hatte eigentlich erwartet, dass ich die Höhe besser wegstecke – so als gut trainierter Trailrunner und Triathlet. Aber hier bewahrheitet sich wohl eine alte Bergsteigerweisheit: Jeder verträgt die Höhe anders. Wir gesellen uns zu zwei Niederländern, mit denen wir uns eine Tafel Schokolade teilen. Der Zucker hilft, mich wieder etwas auf Trab zu bringen.

Allerdings bin ich echt froh, als wir nachmittags wieder im Camp ankommen. Es regnet leicht und wir beschließen, vor dem Abendessen noch eine Mütze Schlaf zu nehmen und dann in den letzten Festival-Abend zu starten. Thomas ist inzwischen auch wieder bei uns und berichtet von einem großartigen Tag am Fels mit herausfordernden Klettereien.

Auf ein Tänzchen mit The North Face

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Ein paar schicke Kletterfelsen gabs zu begrapschen.

Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir springen schnell unter die Dusche und finden uns kurze Zeit später in der Schlange an der Essensausgabe wieder. Heute gibt es Gegrilltes und auch diesmal ist die Qualität des Essens herausragend gut. Und das ist keine Übertreibung. Lediglich der gegrillte Fenchel raubt uns mit seiner Faserigkeit fast den Nerv.

Nach dem Essen geht es gleich weiter in das große Hauptzelt. Vor der Bühne lassen wir uns mit einem Bierchen auf der Isomatte nieder und lauschen zusammen mit vielen anderen Bergenthusiasten der Podiumsdiskussion mit den The-North-Face-Trailrunnern Seb Chaigneau, Lizzy Hawker und Pau Capell, die von ihren Rennen, ihrem Leben und ihrer Motivation berichten.

Das Highlight des Abends sind dann aber zwei andere Akteure. Nach den Trailläufern betreten Simone Moro und Tamara Lunger die Bühne. Sie sprechen über Erfolg, Scheitern, Freundschaft und der Liebe zu den Bergen und der Natur. Ich habe selten so einem inspirierenden und lustigen Vortrag lauschen dürfen. Die beiden sind wirklich überaus sympathisch und haben das Herz am rechten Fleck.

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Auch abends jagt ein Highlight das andere.

Nach einem langen Applaus ist er angebrochen – der letzte Partyabend des Mountain Festivals. Und er sollte legendär werden. Ohne zuviel zu verraten: Die versammelten The-North-Face-Athleten haben durchaus viel Spaß am Feiern und Pogo tanzen.

Das kleine Finale

Mit noch weniger Schlaf als am Vortag krabbeln Britta, Thomas und ich aus dem Zelt. Ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee und ein letztes Mal an den Berg. Britta geht heute klettern, Thomas und ich drehen eine Runde mit den Trailrunnern. Wieder haben wir tierisch Glück mit dem Wetter.

Unsere Truppe wird angeführt von Seb Chaigneau, der am Abend noch mit auf der Couch saß und von Angesicht zu Angesicht mindestens genauso sympathisch rüber kommt, wie zuvor schon auf der Bühne.

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Und zum Abschied noch ein Läufchen!

Nach einer eher kurzen, aber durchaus intensiven Runde kommen wir wieder am Camp an. Etwas wehmütig sitzen Thomas und ich auf einer der vielen Holzsitzkonstruktionen und überblicken das Gelände. Wie es immer so ist mit den schönen Dingen im Leben… Sie gehen einfach zu schnell vorbei.

Nachdem wir uns noch eine kleine Stärkung gegönnt haben, packen wir unsere Sachen und beladen das Auto. Ein letzter Streifzug über das zermatschte Grün und wir sagen Adieu zu diesem wunderbaren Ort. Eine halbe Stunde später haben wir auch Britta am Kletter-Spot eingeladen und machen uns schließlich endgültig auf dem Weg ins Schwabenland.

Ein großes Lob gilt zum Schluss natürlich den Organisatoren von The North Face. Ich will nicht untertreiben – wenn man von manch etwas längerer Wartezeit absieht, hatten wir eine extrem schöne Zeit, mit vielen aufregenden, internationalen Begegnungen, guter Musik, gutem Essen, „Stars“ zum Anfassen und natürlich jeder Menge Berge.

Das Mountain Festival solltet ihr euch auf jeden Fall für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten, wenn ihr Lust auf ein verlängertes Wochenende mit zahlreichen Aktivitäten in den Bergen habt!

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