Mähhhhr drin – Testbericht Ortovox Zebru Jacket

29. Januar 2019

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Tragebild der Jacke von vorne.

Ob die Ortovox Zebru Jacket Sebs neue Lieblingsjacke ist? Findet es heraus!

“Viel Spaß beim Testen” steht auf dem Post-It, der auf der Jacke klebt, die ich vor einigen Wochen auf meinem Schreibtisch fand. In blau leuchtete mich die Ortovox Zebru Jacket an. Ein paar Tage zuvor wurde ich als Tester ausgewählt, weil die nächste Hochtour für das Wochenende geplant war.

Bei einem neuen Merino Midlayer und ISPO Gold Award Gewinner braucht es schließlich gute Argumente, warum nicht ein anderer der zahlreichen interessierten Kollegen die Jacke als erster testen sollte.

Der Materialmix macht die Jacke besonderes

Ein Midlayer ist ja eigentlich gar keine Besonderheit und es gibt unzählige mehr oder minder ähnliche Varianten. Für viele Hersteller ist die größte Herausforderung neben der Atom-Reihe von Arc’teryx zu bestehen. Doch während in den meisten Modelle eine Kunstfaser für die Isolation zuständig ist, geht Ortovox seinen eigenen Weg.

Im Inneren der Jacke schlummert mehrheitlich Merinowolle. Genauer gesagt die hauseigene Swisswool, über die auch hier im Basislager schon berichtet wurde. 70% Wolle und 30% Polyester wurden in einem neuen, aufwändigen Verfahren zu einem 70 g/qm Loft verarbeitet. Darin eingearbeitet sind Löcher, die das Innenmaterial flexibel und dehnbar machen.

Im Inneren der Jacke befindet sich Swisswool.

Im Inneren der Jacke schlummert Ortovox‘ Swisswool.

Der erste Gedanke wenn man die Jacke auspackt: Hui, das Außenmaterial ist aber weich. Der zweite Gedanke: hoffentlich geht das nicht beim ersten Felskontakt kaputt. Es handelt sich um TEC STRETCH – ein Polyamidgewebe, das Ortovox noch recht frisch im Programm hat. Es ist nicht nur strechig, sondern laut Hersteller auch atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend.

Die Ortovox Zebru: auf Leicht getrimmt

Bei der weiteren Ausstattung der Jacke fällt auf, dass diese auf minimales Gewicht getrimmt wurde. Tatsächlich bekommt meine Jacke in Größe S mit 272 Gramm zwar mit etwas mehr als die Herstellerangabe auf die Waage, liegt aber dennoch rund 100 Gramm unter der Atom LT. Für dieses Gewicht wurde auf Taschen weitgehend verzichtet. Lediglich eine Brusttasche bietet Stauraum, die aber immerhin für eine normale Landkarte oder ein Paar Softshellhandschuhe reicht. Praktisch: Die Brusttasche ist zugleich der Packsack, in dem die Jacke ohne große Mühe verstaut werden kann.

Auch die weitere Konzeption der Jacke lässt den Wunsch nach geringem Gewicht erkennen. Als Reißverschlüsse kommen leichte YKK aus Kunststoff zum Einsatz. Dank kurzen Kordeln mit gummierten Ende lassen sich diese auch mit Handschuhen noch gut greifen. Immerhin wurde der Jacke eine Windschutzleiste spendiert. Auch die Bündchen sind einfach aber funktional gehalten: Weiche Gummibänder sorgen für einen guten Abschluss. Klettverschlüsse oder Gummizüge sucht man jedoch überall vergebens.

Mehr als ein normaler Midlayer

Um es vorweg zu nehmen: Im breiten Praxiseinsatz hat sich die Jacke für mich sehr bewährt. Seit langem schwöre ich im Baselayerbereich auf die positiven Eigenschaften von Merinowolle. Bei Midlayern mit Merinofütterung hatte ich bislang immer das Gefühl, dass diese steifer sind als die Kollegen mit Kunstfaser. Und genau hier macht die Zebru einen Unterschied! Sowohl das Obermaterial als auch die Füllung sind angenehm weich und dehnbar. In Kombination mit dem anständigen Schnitt blieb die Jacke auch bei viel Bewegung da wo sie bleiben sollte.

Lediglich als ich von einem Stand aus meinte, in Jacke weiter klettern zu müssen, war es am Bauch etwas luftig. Fairerweise muss man sagen, dass die Jacke dafür auch nicht gedacht ist. Vielmehr sind Ski- und Hochtouren ihr angestammtes Revier (aber wo soll man diese bei Herbst und Möchtegernwinter, gleichzeitig jedoch hohem Testdrang her nehmen?).

Als Einsatzbereich der Jacke eigenen sich Ski- und Hochtouren.

Einsatz findet die Zebru Jacket bei Ski- und Hochtouren.

Die Hauptaufgabe eines Midlayers ist ja bekanntlich zu wärmen und dabei möglichst atmungsaktiv zu sein. Meine Hoffnung wurden erfüllt: Hier spielt die Wollfüllung ihre Stärken aus. Im Vergleich zu anderen Jacken hatte ich das Gefühl, dass die Isolationsleistung gut ist.

Wirklich erwähnenswert finde ich jedoch den (natürlich völlig subjektiv wahrgenommenen) höheren Klimakomfort. Insbesondere wenn die Jacke ohne 3rd-Layer getragen wird, staut sich keine Feuchtigkeit und es fühlt sich stets mollig warm an. Es ist schwer zu beschreiben aber es erinnert ein wenig an den Unterschied zwischen einem Daunen- und einem Kunstfaser-Schlafsack: Im Naturprodukt spürt man, wie dieses Feuchtigkeit puffert und Wärme zurückgibt. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich bin überzeugt.

Apropos Daune: Auch im nassen Zustand ist Wolle noch isolierend und übertrifft laut Ortovox sogar die Wirksamkeit von Daune. Damit ist die Zebru auch eine Alternative zu superdünnen Daunen-Midlayern, die man im Aufstieg dann doch manchmal “plattschwitzt”.

Ein gelungenes Standardprodukt mit Stärken im Detail

Die Kapuze ist ein weiteres praktisches Detail der Jacke.

Ebenfalls praktisch: Die Kapuze.

Im Einsatz lernte ich schnell den hohen Kragen zu schätzen, der bis zur Unterlippe reicht. Trägt man ein Buff-Tuch oder ein Baselayer mit Kragen unter die Jacke, zieht da auch kein eisiger Wind mehr rein. 

Die Kapuze lebt von der Dehnbarkeit der Bündchen und des Materialmixes. Sie liegt eng am Kopf an und wärmt diesen, dank Fütterung, gleich mit. Der Helm kommt im Bedarfsfall einfach drüber –  der Kinnriemen kommt dann zwar naturgemäß mit dem Jackenkragen überquer, aber das ist durch die weichen Materialien vertretbar.

Bei trockener Witterung macht die Jacke (insbesondere auch ohne Hardshell darüber) richtig Freude. Leichter Wind und auch ein paar Tropfen Regen werden problemlos abgehalten, Pulverschnee ohnehin. Damit ist die Zebru eine überaus atmungsaktive und sehr angenehm zu tragende Jacke, die auch bei wechselnden Intensitäten mitkommt. Tatsächlich gibt es Tage an denen die Zebru durchgängig am Körper ist und ein 3rd-Layer darüber die nötigen Variationen ermöglicht.

Ein neues Lieblingsteil

Die Zebru Jacket hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem meiner neuen Lieblingsteile gemausert. Mein neuer Standard für Hochtouren ist damit: Merino-Baselayer auf der Haut, bei richtig kalten Temperaturen ein Merinofleece (bei mir in der Regel ein Ortovox Fleece Hoody), dann die Zebru und darüber bei Bedarf eine Schicht Dermizax. Zur Nachahmung nur empfohlen! 

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