GriGri+ Testbericht

Testbericht GriGri+ – es gibt Zuwachs in der Familie

19. April 2017

Kategorie

Sportart

Petzl erweitert seine GriGri-Familie und bringt mit dem GriGri+ ein neues Mitglied auf den Markt. Wir haben uns den neuen Halbautomaten angesehen und getestet, ob er mit seinen Geschwistern mithalten kann, was ihn gegenüber GriGri und GriGri2 unterscheidet und ob er seinen stolzen Preis auch wert ist.

Der Siegeszug der GriGri Familie

Das GriGri ist aus dem Sportklettern nicht mehr wegzudenken. Es begann als Sicherungsgerät für Spezialisten und entwickelte sich neben dem Smart von Mammut zum meist genutzten Halbautomaten beim Sportklettern. Kein Wunder also, dass die Klettergemeinde neugierig aufhorcht, wenn die Firma Petzl verkündet, dass sie ein neues GriGri auf den Markt bringt.

Für wen ist es gedacht

Eins sei vorweggenommen. Das GriGri+ ist nicht als Nachfolger oder Verbesserung des GriGri2 gedacht.

GriGri+ Testbericht

Liegt gut in der Hand.

Vielmehr möchte Petzl mit dem GriGri+ neben den Sportkletterern eine weitere Zielgruppe ansprechen: Kletterkurse und Kletterschulen. Gedacht ist es daher für professionelle Nutzer, die es im täglichen Gebrauch hauptsächlich an Anfänger und Gruppen weiterreichen oder in der Halle an Anfänger verleihen.

Durchaus auch gedacht ist es für Kletteranfänger, die sich nach dem ersten Kurs ihr eigenes Sicherungsgerät kaufen wollen. Ebenso kann es für Sportkletterer interessant sein, die häufiger mit Anfängern klettern.

Wer sich das GriGri+ ansieht, sollte also immer im Hinterkopf behalten, dass es primär für den professionellen Bereich und damit einen häufigen Gebrauch konzipiert wurde und hier hauptsächlich für Anfänger. Für den erfahrenen Sportkletterer bringt es keinen enormen Zusatznutzen im Vergleich zum GriGri2. Falls man aber vor der ersten Anschaffung steht, können Paniksperre und der neue Seildurchmesser durchaus interessant sein.

Die neuen Features

Paniksperre

GriGri+ Testbericht

Gut dosierbar und mit Anti-Panik-Funktion!

In Panik neigt der Mensch dazu seine Hände reflexartig an sich heranzuziehen. Der Ablasshebel war aus diesem Grund bisher der größte Kritikpunkt am GriGri2. Das hat Petzl beim GriGri+ behoben und eine Paniksperre eingebaut. Wird der Hebel beim Ablassen zu weit aufgezogen, springt eine Feder im Bauch des GriGri+ um und das Sicherungsgerät blockiert wieder.

Seildurchmesser

Petzl hat die Entwicklung im Kletterseilbereich berücksichtigt und das GriGri+ so gebaut, dass es eine wesentlich größeres Spektrum an Seildurchmessern bedienen kann. Los geht’s bei 8,5 mm. Das Optimum liegt jetzt bei 8,9 mm bis 10,5 mm. Der höchste Durchmesser wird mit 11 mm angegeben. Damit lässt sich das GriGri+ mit den gängigen Seildurchmessern verwenden.

Edelstahlplatte

Das GriGri+ hat auf der Innenseite eine Edelstahlplatte erhalten. Macht Sinn, denn beim GriGri2 stellten sich gerne schon nach kurzer Zeit Schleifspuren des Kletterseils ein. Nicht weiter schlimm, wie mir Petzl versicherte, aber für den täglichen Gebrauch im Verleih eher unschön. Daher wurden die besonders genutzten Stellen nun durch eine Edelstahlplatte verstärkt.

Gaswerkgriff

Gleichzeitig wurde auch die „Falte“ über die das Seil läuft überarbeitet und ist jetzt keine richtige Kante mehr. Dadurch wird die Gaswerkmethode etwas unbequemer. Aber: da Kletterseile leichter durchlaufen, wird die Gaswerkmethode seltener nötig. Außerdem hat man ja noch die Möglichkeit das Sicherungsgerät mit der Sensorhand hochzuhalten. Nein nicht am GriGri+ (ganz böse), sondern einfach mit der Linken Hand am Seil ziehen. Hat auch den Vorteil, dass man die Sensorhand nicht los lässt.

Toprope-Funktion

GriGri+ Testbericht

Über den Knopf in der Mitte kann man den Modus wechseln.

Ganz neu beim GriGri+ ist die Toprope-Funktion. Über einen Drehknopf unter dem Ablasshebel lässt sich die Federspannung der Klemmnocken einstellen. Bei einer geringeren Spannung (Toprope) macht das GriGri+ schneller zu. In der Vorstiegfunktion ist die Spannung ähnlich wie beim GriGri2. Außerdem lässt sich der Drehknopf arretieren. So kann der Trainer zu Beginn des Trainings seinen Schützlingen das GriGri+ auf Toprope stellen und sicher gehen, dass es dabei bleibt. Um die Arretierung zu lösen reicht ein Kugelschreiber oder spitzer Gegenstand.

Die Funktion lässt sich auch während des Kletterns umstellen, außer das GriGri+ steht gerade unter Zug und hat „zu gemacht“.

Markierung

Das GriGri+ bringt in seinem Bauch eine Möglichkeit mit, das Sicherungsgerät zu markieren. In einem kleinen Feld lässt sich ein Namensschild anbringen. Für den Otto-Normal-Anwender eher unwichtig für einen Verleiher eine kleine aber feine Hilfe. Denn wer schon mal versucht hat Klettermaterial dauerhaft zu markieren, weiß wie schwer das ist.

Gewicht

Mit 200 g liegt das GriGri+ leicht über den 185 g des GriGri2.

Preis

Der ist allerdings mit 100€ UVP ziemlich stolz.

Der Erfahrungsbericht

Ich sollte vorweg nehmen, dass ich privat und für meine Kletterkurse seit Jahren das GriGri2 verwende und ein großer Fan bin. Nicht zuletzt, da ich eher klein und leicht bin, regelmäßig aber mit wesentlich schwereren Männern klettere, die gerne auch mal länger in einer Route hängen. Umso neugieriger war ich natürlich, als ich hörte, dass ein neues GriGri auf den Markt kommt.

Ich habe das GriGri+ nun seit vier Wochen im Test und habe es auch regelmäßig an andere Kletterer und Trainer weitergereicht und mir deren Eindrücke angehört. Außerdem hatte ich die Gelegenheit bei einer DAV Fortbildungen mit weiteren Trainern über ihre Erfahrungen zum GriGri+ zu sprechen.

Auf den Punkt gebracht: Ich finde das GriGri+ superwenn man bedenkt, für wen es gemacht ist.

Die Paniksperre funktioniert zuverlässig, ist leicht und gut zu bedienen und ist meiner Meinung nach die beste Entwicklung am GriGri+, die auch gerne am GriGri2 eingebaut werden darf. Man kann trotzdem zügig und kontrolliert ablassen, aber ein unverhältnismäßiges Herunterrauschen ist nicht mehr möglich. Das ist Petzl wirklich gut gelungen.

GriGri+ Testbericht

Sicherheitshalber ist am GriGri+ dargestellt, wie es am Seil installiert wird.

Der größere Bereich beim Seildurchmesser ist ebenfalls eine Verbesserung und erweitert die Möglichkeiten für das Gerät. Da auch alte und dickere Seile besser durchlaufen, ist dies eine super Weiterentwicklung für den Leihbetrieb in Hallen, da die Seile dort eher selten im 9 mm Bereich zu finden sind. Hier haben Anfänger einen wesentlichen Zugewinn an Komfort und Kletterspaß.

Die Toprope-Funktion fand ich interessant, aber ob sie wirklich nötig ist, sei mal dahin gestellt. Da Toprope-Seile zumeist eher dicker und abgenutzter sind, laufen sie beim GriGri2 eigentlich nie ungewollt durch. Somit gibt es beim GriGri2 von Hause aus eine Toprope-Funktion. Für Hallen, die aber dünne und neue Toprope-Seile haben, ist dies eine Beruhigung für die Trainer. Allerdings lässt sich der Mechanismus leicht bedienen und stört nicht, wenn man ihn nicht verwenden möchte.

Die Edelstahlplatte ist ein nettes Feature und macht das GriGri+ länger haltbar und ansehnlich. Allerdings bildete sich bei meinem Testgerät neben der Platte eine andere Schleifstelle, die in diesem Fall nicht durch das Seil, sondern einen Widerstand im Gerät entsteht. Dadurch ist die Kante etwas schärfer und die Schleifspur entstand in nur vier Wochen. Das finde ich schade.

Super zur Selbstsicherung z.B. beim Schrauben

Gehört überhaupt nicht in den Bereich, für den das GriGri+ gedacht ist, aber für alle, die das GriGri2 fürs Schrauben aus dem Seil oder zur Selbstsicherung verwenden, sei gesagt, dass die Toprope-Funktion hier super ist, denn sie gibt bei neuen Seilen und wenn man etwas leichter ist, ein nettes Gefühl der Sicherheit, weiß man doch, dass das Gerät sensibler reagiert und schnell „zu macht“.

Eine Frage bleibt allerdings

Mit der Paniksperre hat sich Petzl eine großartige Zusatzfunktion einfallen lassen. Als Trainerin stellt sich mir allerdings die Frage, ob es Sinn macht im Kurs ein Gerät zu unterrichten, dessen Funktionen und Sicherheit später nicht mehr vorhanden sind, wenn die Teilnehmer auf das „normale“ GriGri2 wechseln, was wahrscheinlich ist, da es wesentlich günstiger zu haben ist.

Fazit

Petzl hat sich bei der Entwicklung des GriGri+ viele gute Gedanken gemacht und diese sehr solide und sinnvoll umgesetzt. Immer im Hinterkopf, dass es sich beim dem GriGri+ nicht um einen Nachfolger des GriGri2 handelt und der Halbautomat für den Verleih gemacht ist, war ist äußerst zufrieden. Ob der stolze Preis sich für Kletterschulen und Hallen rechnet, muss sich noch zeigen.

Wer zuvor schon mit einem GriGri2 gesichert hat, wird lediglich bei der Verwendung der Gaswerkmethode einen Unterschied spüren, denn das GriGri2 nicht mehr so schön am Finger wie früher. Da die Seile aber wesentlich leichter durchs GriGri+ durchlaufen, ist sie seltener nötig. Ein weiterer Vorteil von GriGri+: wie seine Geschwister kann das Sicherungsgerät mit allen gängigen Sicherungskarabinern genutzt werden.

Wenn ich mir ansehe, welche Weiterentwicklungen Petzl im GriGri+ verbaut hat, bin ich sehr gespannt, wie in ein paar Jahren (?) dann der tatsächliche Nachfolger des GriGri2 aussehen wird! Übrigens: Zu kaufen gibt es das gute Stück hier!

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