Teleskopstöcke. Foto: Leki

Teleskopstöcke zum Wandern und Bergsteigen

4. Dezember 2017

Teleskopstöcke fürs Wandern und Bergsteigen.

Fritz unterwegs zum 30km entfernten Cerro Torre: Die Stöcke müssen was aushalten können.

Wozu braucht man eigentlich Teleskopstöcke und welcher ist der Richtige für mich? Bergfreunde Pro-Team Mitglied Fritz Miller hat die wichtigsten Infos für Euch zusammengestellt: Mit Stöcken geht man sicherer und effizienter, im Abstieg werden die Kniegelenke entlastet. Bei Touren mit schwerem Gepäck sind Stöcke Standard, genauso wenn man mit Tourenski oder Schneeschuhen unterwegs ist. Beim Winterwandern ohne Schneeschuhe und auf Hochtouren, bei denen man auf eher flachen Gletschern geht, sind Stöcke auch sehr angenehm. Persönlich habe ich bei den klassischen Hochtouren meist einen einzelnen Stock dabei. Wer einigermaßen fit und gesund ist, sollte aber nicht ständig mit Stöcken gehen – sonst leidet wahrscheinlich das Gleichgewicht. Sommerliche Wanderungen gehen gut mal ohne, gleiches gilt für Spaziergänge in der Oberstdorfer Fußgängerzone.

Welchen Stock für wen?

Die Auswahl des richtigen Stocks ist zum Glück nicht so schwierig wie die eines Bergstiefels, Handys oder Haustiers. Deshalb sind die folgenden Punkte, die es zu beachten gilt, auch überschaubar.

Anzahl der Segmente

Schwerbepackt und unwegsames Gelände - hier sind Stecken obligatorisch.

Schwierig zu begehender Untergrund auf dem Weg zur großen Zinne: Ein klarer Fall für Stöcke.

Trekkingstöcke sind meist 3-teilig. Dadurch lassen sie sich nicht nur auf die richtige Länge einstellen, sondern (ganz zusammen geschoben) auch gut verstauen – beispielsweise im Reisegepäck oder außen am Rucksack. Letzteres bietet sich an, wenn’s am Berg steiler wird oder man mit dem Bus zurück zum Ausgangspunkt einer Wandertour fährt. Wichtig in Bus und Bahn: Die Spitzen zeigen nach unten!

2-teilige Tourenstöcke empfehlen sich vor allem für Skitouren. Wenn man sperrige Ski trägt, spielt es keine Rolle, ob sich die Stöcke kompakt verstauen lassen oder nicht.

4-teilige Teleskopstöcke gehen logischerweise enger zusammen als 3-teilige – ein Vorteil beim Transport. Meines Erachtens rechtfertigt das aber nicht das zusätzliche „Gefummel“ im Einsatz und das (etwas) höhere Gewicht.

Neuartige 3- oder 4-teilige Faltstöcke sind für Minimalisten interessant, denen ein geringes Packmaß und ein niedriges Gewicht wichtig ist. Sie verzichten dafür (meist) auf die Möglichkeit der Längenverstellung und zahlen einen höheren Preis.

Materialien und Gewicht

Grammjäger kommen um teure Carbonstöcke nicht herum. Bei richtig harter Beanspruchung brechen die nach meinen Erfahrungen aber schneller als welche aus Aluminium-Legierungen. Natürlich ist in diesem Zusammenhang nicht nur das Material, sondern auch die Materialstärke relevant. Schwerere Stöcke sind tendenziell stabiler als leichtere und für schwere Personen und Expeditionen besser geeignet.

Griff und Handschlaufe

Griffe aus leichtem Schaummaterial, das auch noch das oberste Segment ummantelt, sind zum Bergsteigen ideal. Damit lassen sich die Stöcke im Steilgelände gut unterhalb des Griffs greifen. Zu diesem Zweck kann man das blanke Rohr auch selbst mit Lenkerband o. Ä. umwickeln. Beim Trekking ist vor allem wichtig, dass sich der Griff gut anfühlt und gut in der Hand liegt. Üblich sind weiche Kunststoffe, bei teureren Modellen auch Korkgriffe, das sehr angenehm ist. Bei guten Stöcken sind die Griffe etwas nach vorne abgewinkelt. Wichtig ist eine feine Handschlaufe, die nicht drückt oder scheuert. Sonst gibt’s schnell Blasen. Ist die Schnalle zum Verstellen der Länge im Griff versteckt, ist das ideal. Am Handrücken stört eine Schnalle nämlich, es sei denn, man geht mit Handschuhen, die alles abpolstern.

Verschlusssystem

Der klassische Klemmmechanismus, der im Rohr sitzt, ist nicht schlecht, weist aber Schwächen auf: Die Klemmung löst sich auf Tour hin und wieder von allein. Bei mehrtägigen Wintertouren mit Biwaks hatte ich öfters das Problem, dass die Klemmung überhaupt nicht mehr funktionierte. Die meisten Benutzer werden beides verkraften können. Zuverlässiger sind aber die Verschlüsse, die nach dem Prinzip eines Schnellspanners an der Sattelstütze des Fahrrads funktionieren. Bei Leki heißt dieses System beispielsweise „Speed Lock System“. Wie der Name schon aussagt, geht das Verstellen der Länge damit auch deutlich schneller.

Der Teller lässt sich je nach Einsatz variieren. Bergfreund Lukas unterwegs im Schnee.

Winter und schweres Gepäck: Lukas hat sich für stabile 2-teilige Stöcke mit größeren Tellern entschieden.

Spitze und Teller

Eine bissige Hartmetallspitze ist mehr als sinnvoll. Es gibt genug Situationen, in denen der Stock nicht wegrutschen sollte. Ein Teller an der Spitze verhindert, dass der Stock im Matsch absäuft oder in jedem Felsspalt verschwindet. Kleine Trekkingteller finde ich für den Sommereinsatz perfekt. Sie erfüllen auch noch dann einigermaßen ihren Zweck, wenn man nachmittags über aufgeweichten Altschnee absteigt. Microteller sind in solchen Situationen ziemlich mager. Größere Teller (ca. Handfläche) sind für Wintertouren besser.

Dämpfung

Manche Teleskopstöcke sind mit einem Dämpfungssystem ausgestattet. Das kann für Abstiege aktiviert werden und soll die Hände/Arme schonen. Man muss aber schon arg empfindlich sein, um eine Dämpfung am Stock zu schätzen.

Das richtige Maß lässt sich ganz einfach mit einem Zollstock bestimmen

So passt die Stocklänge. Vor dem Kauf einfach einen Meterstab halten und oberhalb der Hand die benötigte Länge ablesen.

Stocklänge

Die meisten Stöcke zum Wandern und Bergsteigen sind längenverstellbar. Beim Kauf muss man deshalb nur sehr grob wissen, welche Länge benötigt wird. Bei der Tourenvorbereitung geben Dir unsere Stocklängen-Rechner für Wanderstöcke, Skistöcke, Langlaufstöcke und Nordic Walking Stöcke eine Empfehlung, welche Länge Du in Abhängigkeit Deiner Körpergröße und des Einsatzzweckes idealerweise einstellst. Bist Du bereits auf Tour oder muss es schnell gehen, zeigt Dir das Bild, wie die ungefähr passende Länge vor Ort ermittelt wird.
Bei längeren, steilen Anstiegen stellt man die Stöcke etwas kürzer ein, für steile Abstiege etwas länger. Muss man bei einer Skiabfahrt über lange Strecken „anschieben“ (z. B. auf flachen Gletschern oder Straßen), ist es gut, wenn man die Stöcke möglichst weit ausfahren kann (z. B. auf 150 cm).

Wenn Du noch Fragen zum Thema Trekkingstöcke hast oder Dich nicht entscheiden kannst, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Du erreichst ihn unter der Woche telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail. Dieser Artikel wurde letztmals am 31.01.2017 überarbeitet.

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