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Was ist eigentlich eine PU-Beschichtung?

8. Dezember 2015

Kategorie

Sportart

Die PU-Beschichtung wird bevorzugt in Outdoor-Bekleidung verwendet

Die PU-Beschichtung wird bevorzugt in Outdoor-Bekleidung verwendet

Die PU-Beschichtung. Jeder, der sich einmal nach funktioneller Outdoor Bekleidung umgesehen und sich währenddessen durch die Untiefen des Textilkennzeichnungs-Dschungels gekämpft hat, der hat dieses Wörtchen sicher schon gehört.

Aber was verbirgt sich hinter diesem kryptisch klingenden Kürzel PU? Brauchen wir das? Kann man darauf verzichten? Finden wir es raus!

 

 

 

Begriffserklärung, Eigenschaften und Schutzwirkung

Um den Begriff Polyurethan zu klären, ziehen wir das allseits beliebt Internet-Lexikon zur Hand. Das klärt uns auf, dass Polyurethan –kurz PU- eine Kunststoffgruppe bezeichnet. Diese Kunststoffgruppe kommt als Hartschaum, Weichschaum, in flüssiger Form oder als Gießharz vor. Entdeckt wurde das Ganze 1932 von einem gewissen Otto Bayer, einem bekannten Chemiker.

Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum beim Hausbau

Dämmschicht aus Polyurethan-Hartschaum beim Hausbau

Tatsächlich dürfte uns Polyurethan aber weit näher bekannt sein als man auf den ersten Blick denken könnte. Denn seit den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts hat das PU mit nahezu rasender Geschwindigkeit Einzug in der Industrie gefunden. Neben den abstrakteren Einsatzmöglichkeiten, wie als Wärmedämmung in Häusern oder Kühlgeräten, kommt es auch in alltäglichen Dingen vor. Ob im Topfschwamm, in unseren Rucksackträgern, in Pflastern, in unseren Matratzen, in Skiern, in seiner flüssigen Form kommt es in Farben, Lacken oder sogar in unserer Kosmetik vor. Überall finden wir Polyurethan.

Also ein ganz schön vielseitiges Zeug, so viel steht fest. Aber was ist jetzt die PU-Beschichtung bei unseren Textilien? Ganz einfach! Wie der Name PU-Beschichtung sagt, ist das Ganze eine schützende Schicht aus Polyurethan. Das PU auch in flüssiger Form vorkommt und in Farben und Lacken Verwendung findet, haben wir gehört. In seiner feuchten Inkarnation kann das Polyurethan zu einer Art dauerhaftem Imprägnierungsmittel verarbeitet werden. Und hier wird es für uns Outdoor Fans interessant.

Um den Textilien einen zusätzlichen Schutz zu verleihen, wird ein dünner Film aus flüssigem PU auf sie aufgesprüht. Das sorgt in jedem Fall für starke wasserabweisende Eigenschaften, kann Stoffe aber auch komplett wasserdicht machen. Solch eine Schicht kann einfach und mehrfach aufgetragen werden. Das nennt man dann single- und multicoated. Je nach Bedarf oder Einsatzzweck werden in der Industrie die ganze Textilfläche mit dem Kunststoff behandelt oder jeweils die einzelnen Fasern. Gleichzeitig sorgt eine PU-Beschichtung für zusätzliche Robustheit, macht die Textilien reißfester, knickfester und abriebfester. Eine PU-Beschichtung ist flexibel und haltbar und durch moderne Herstellungsprozesse gibt es sogar atmungsaktive PU-Gewebe. Also ein echtes Wundermittel. Oder?

Vorteile und Nachteile einer Polyurethan Beschichtung

PU beschichtete Bekleidungen sind besonders wasserabweisend

PU beschichtete Bekleidungen sind besonders wasserabweisend

Die Vorteile eine Polyurethanbeschichtung sind nicht von der Hand zu weisen. Der wichtigste Vorteil ist die dauerhafte Dichtheit, die es den Geweben verleiht. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Imprägnierung oder einer DWR ist eine PU-Beschichtung für eine lange Zeit beständig. Wenn auch nicht bis in alle Ewigkeit! Nach einer gewissen Zeit wird eine PU-Beschichtung undicht. Aber wir reden hier von einer sehr, sehr langen Zeit. So lange, wie die wenigsten von uns eine Jacke oder Handschuhe verwenden werden. Also kann das getrost außer Acht gelassen werden.

Als echter Nachteil kann allerdings der Gewichtsaspekt gesehen werden. Eine Polyurethanbeschichtung ist, wie wir mittlerweile wissen, nichts anderes als eine (oder mehrere, je nachdem) Kunststoffschicht. Und die hat ein gewisses Gewicht. Mit Polyurethan beschichtete Textilgewebe sind in aller Regel schwerer als solche, die mit einer DWR behandelt wurden. Überall dort, wo es auf ultraleichte Textilien ankommt, sind PU-beschichtete Kleidungsstücke eher hinderlich.

Eine Polyurethanbeschichtung hat zudem ein gewisses Volumen. Das macht beispielsweise eine Jacke, die polyurethanbeschichtet ist, immer etwas dicker als eine „normale“ Outdoorjacke. Das mag zwar nur ein Nachteil optischer Natur sein, aber zumindest auf mich wirken PU-beschichtete Textilen auf den ersten Blick deutlich schwerer und mächtiger, als welche ohne oder mit DWR Imprägnierung. Und im Alltag macht so eine schwere Jacke für mich nicht allzu viel her. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Und Ausnahmen gibt es immer wieder.

Reusch - Isak GTX - Handschuhe mit PU-Beschichtung

Reusch – Isak GTX – Handschuhe mit PU-Beschichtung

Auf der Habenseite kann das Polyurethan die zusätzlichen Schutzeigenschaften verbuchen. Die zusätzliche Kunststoffschicht verleiht einem Gewebe ein ordentliches Maß an Robustheit. Nicht zuletzt deswegen sind Zeltböden sehr häufig mit einer Textilbeschichtung aus Polyurethan ausgestattet. Die Böden von Zelten sind durch kleine Kiesel auf dem Boden, Sand, Wurzeln, Stock und Stein sowie natürlicher Reibung durch den darauf ruhenden Outdoorer, ständig starker Belastung ausgesetzt. Da sorgt die PU-Beschichtung für die nötige Abriebfestigkeit. Des Weiteren ist eine Polyurethanbeschichtung elastisch und knickfest. Das Gewebe verliert nicht an Schutz wenn es geknüllt, gefaltet sonst wie „zerkruschelt“ wird. Gerade für passionierte Jacke-in-die-Ecke-pfeffern-wenn-nach-Hause-Kommer wie mich ein nicht zu unterschätzender Vorteil!

Früher galt es gemeinhin als großer Nachteil polyurethanbeschichteter Textilien, dass sie nicht atmungsaktiv sind. Das ist heute, dank moderner Herstellungsverfahren, beziehungsweise Beschichtungsmethoden ein Relikt der Vergangenheit. Ein Beispiel für einen modernen Beschichtungsprozess ist die mikroporöse Beschichtung. Darunter versteht man eine PU-Beschichtung, die durch und durch mit mikrofeinen Löchern durchsetzt ist. Diese Löcher sind so klein, dass Wasserdampf nach außen austreten, aber keine Feuchtigkeit nach innen eindringen kann. Voila! Die Atmungsaktivität ist gegeben. Mittlerweile ist ein solches Verfahren relativ preisgünstig zu machen und ist im Outdoortextil-Mainstream angekommen.

Umweltverträglichkeit und Einsatzgebiete

In Sachen Umweltverträglichkeit gibt es natürlich auch einiges zu sagen. Im Gegensatz zu so mancher DWR ist eine PU-Beschichtung klar die umweltfreundlichere Alternative. Natürlich ist Polyurethan kein Umweltengel, der mit grünen Schwingen über der Outdoorwelt schwebt. Ganz im Gegenteil. Polyurethan ist sowohl in der Herstellung als auch in der Entsorgung nicht unproblematisch. Doch gerade im Vergleich mit einer Fluorcarbon-DWR ist PU ein echtes Unschuldslamm. Solche Flourcarbone (PFOA oder PFOS) sind hochgradig umweltschädlich und können unter Umständen in den menschlichen Organismus gelangen. Darum verzichten viele Outdoorhersteller mittlerweile konsequent darauf. Auch im Vergleich zu PVC- beschichteten Geweben, die giftige Weichmacher enthalten, ist PU der klare Sieger.

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Einsatzbereiche

So, jetzt wissen wir einiges über Polyurethan, den Beschichtungsprozess und vor allem über die Pros und Contras einer solchen Beschichtung. Aber für welchen Einsatzzweck eignet sich ein Polyurethan beschichtetes Textil nun? Klar, die Frage ist nicht ganz ernst gemeint. Zum Trailrunning an einem gleißenden Sommertag wird niemand eine dick beschichtete Jacke anziehen. Regenwetter und Feuchtigkeit ist hier das Wetter to go. Aber Regeneinsatz ist nicht gleich Regeneinsatz. Im Allgemeinen gilt: beim „normalen“ Schlechtwettereinsatz sind PU-beschichtete Textilien ideal. Ist das Gewebe ordentlich dicht und die Nähte schön versiegelt, bleibt auch der gewiefteste Tropfen draußen. Durch moderne Beschichtungsverfahren ist –wie wir gelernt haben- heutzutage ein atmungsaktives PU-Gewebe möglich. Für sportliche Höchstleistungen bei schlechtem Wetter solltet Ihr Euch nach einer Alternative umsehen. Zum einen sind die atmungsaktiven Eigenschaften bei starker Beanspruchung nicht ausreichend, zum anderen beschwert das beschichtete Gewebe unnötig. Aber nicht nur bei Wind und Wetter nützt das PU. Wenn es auf besondere Robustheit und Abriebfestigkeit ankommt, hat ein beschichtetes Gewebe einige Asse auf der Hand. Beispielsweise ein polyurethanbeschichtetes Cordura (ein besonders robustes Polyamid Gewebe) steckt selbst den rauesten Kontakt mit einer Felskante mit links weg.

So, das war beinahe alles, was es über eine Polyurethan-Textilbeschichtung zu sagen gibt. Und Euch hängt das Wort Polyurethan bestimmt schon meterweit aus den Ohren raus. Trotzdem hoffe ich, dass Euch meine kleine PU-Kunde weitergeholfen hat!

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen Textilien mit PU-Beschichtung. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. GEORGE sagte am 18. November 2016 um 20:13 Uhr

    DAS IST ALLES SCHÖN WAS SIE SCHRIEBEN UND AUFKLÄREND.WIE SIEHT ES ABER MIT DEN SCHUHEN DIE MIT PU BESCHICHTET SIND?GELTEN DIE EIGENSCHAFTEN AUCH FÜR DIE SCHUHE.LOHNT ES SICH SIE ZU KAUFEN?MIT VIELEN GRÜSSEN GEORGE.

  2. Jörn sagte am 21. November 2016 um 08:59 Uhr

    Hi George,

    da kommt es ein wenig darauf an, was es genau für Schuhe sind, aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass sich die Eigenschaften ähneln. Ich gehe jetzt mal von PU-beschichtetem Leder aus. Der Vorteil: Sie sind in der Regel günstiger, aber genauso stark wasserabweisend wie Leder. Der Nachteil: Sie sind nicht so atmungsaktiv. Deshalb werden PU-beschichtete Leder häufig in Verbindung mit Mesh-Einsätzen verbaut. Die Pflege wiederum ist vereinfacht. Durch die PU-Beschichtung kann ohnehin keine Lederpflege ans Leder dringen, daher sollte man lediglich feucht abwaschen. Es gibt aber auch spezielle PU-Pflegemittel, die man von Zeit zu Zeit anwenden kann.

    Als sportliche Allround-Treter kann man PU-Leder-Schuhe gut gebrauchen. Wird es etwas spezieller, sollte man aber meiner Einschätzung nach lieber zum klassischen Leder-Bergstiefel greifen.

    Ich hoffe, die Antwort hilft dir weiter.

    Viele Grüße,

    Jörn

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