Ausrüstung

Imprägnierte Daune – Was kann die?

19. November 2015

Kategorie

Technik imprägnierte Daunenjacke Kletterer

Was leistet imprägnierte Daune?

Die Daune – der Superheld unter den Isolationsmaterialien! Keine Kunstfaser kann da mithalten. Doch wie jeder Superheld hat auch die Daune eine Nemesis. Und das ist im Falle der Daune die Feuchtigkeit. Nässe ist sozusagen das Daunen-Kryptonit. Genau aus diesem Grund ist die imprägnierte Daune im Outdoorbereich seit einigen Jahren auf einem scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch.

Imprägnierte Daune soll die daunengefütterten Textilien fit für den Kampf gegen den Feuchtigkeits-Superbösewicht machen. Also perfekt für jedes Einsatzgebiet und jedes Wetter! Aber wie funktioniert das Ganze? Kann das überhaupt funktionieren? Lasst uns der Sache mal auf den Grund gehen!

Warum Nässe so schädlich ist

Um zu verstehen, was die Vorteile einer isolierten Daune sind, müssen wir uns zunächst ansehen, wie genau das warme Gefieder isoliert. Und warum Feuchtigkeit diese Isolation zerstört. Das Wort Daune kommt laut dem allwissenden Internetlexikon aus dem Isländischen und beschreibt das Untergefieder von Wasservögeln. Mit ihren vielen kleinen und feinen Verästelungen kann sie besonders viel Luft einschließen. Dadurch kann die körpereigene Wärme sehr gut gespeichert werden, was gleichbedeutend mit hoher Isolationsleistung ist.

Daunenprodukte halten unter dem Einfluss von Nässe nicht mehr richtig warm

Daunenprodukte halten unter dem Einfluss von Nässe nicht mehr richtig warm

Kommt Feuchtigkeit mit ins Spiel, verklebt die Daune. Die Verästelungen können keine Luft mehr speichern. Die Bauschkraft, auch Loft genannt, geht verloren. Das daunengefütterte Textil hält also unter dem Einfluss von Nässe nicht mehr richtig warm. Aber Moment mal! Ist die Daune nicht das untere Gefieder von Wasservögeln? Haben die nicht in ihrem natürlichen Habitat den lieben langen Tag mit Wasser zu tun? Richtig. Darum fetten diese cleveren Tierchen ihr Daunengefieder mit einem öligen Sekret aus der Bürzeldrüse ein. Was sich im ersten Moment ziemlich widerlich anhört, erfüllt den einfachen Zweck, die feinen Federn vor dem Wasser zu schützen. Und so ähnlich macht es auch die imprägnierte Daune.

Wie funktioniert imprägnierte Daune und wie sieht die Umweltverträglichkeit aus?

Die in Outdoortextilien verwendete Daune schaut sich ihren Nässeschutz im Prinzip von der Natur ab. Ein extern aufgetragenes Imprägnierungsmittel soll vor Feuchtigkeit schützen. Die Mittel, die in der Industrie verwendet werden, stammen zwar nicht aus der Bürzeldrüse von Enten und Gänsen, dennoch achten viele bekannte Outdoorhersteller bei der Produktion darauf, die chemische Keule nicht zu sehr zu schwingen. Viele Imprägniermittel, die in der Textilindustrie verwendet werden, stehen wegen ihrer schädlichen Inhaltsstoffe in der Kritik. Und das zu Recht. Darum achten viele Hersteller namhafter Outdoormarken darauf, mit PFC-freien Imprägniermitteln zu arbeiten. PFC, das sind fluororganische Kohlenstoffverbindungen. Die sind zwar sehr effizient in ihren wasserabweisenden Eigenschaften, gelten aber ebenfalls als schädlich für die Umwelt und sogar den menschlichen Körper. Entsprechende Hinweise auf eine PFC-freie und lösungsmittelfreie Daunen- und Textilimprägnierung geben die Hersteller auf ihrer Homepage oder in der jeweiligen Artikelbeschreibung.

Rab - Microlight Jacket - Daunenjacke

Rab – Microlight Jacket

Bevor die wasserabweisende Daune in die Daunenweste, die Schlafsäcke oder in die Daunenjacken kommt und dort für wohlig warme Outdoorerlebnisse sorgt, muss sie erstmal imprägniert werden. Das geschieht in einer speziellen Waschung. Dabei legt sich die Imprägnierung wie ein Schutzfilm über das Isolationsgefieder. Das Resultat ist ein langanhaltender Schutz vor Nässe, der sogar bis zu fünf Waschgänge in der heimischen Maschine überstehen kann. Eine imprägnierte Daunenisolation ist übrigens nicht schwerer als eine unbehandelte. An dem Gesamtgewicht ändert sich somit nichts.

Jetzt zur Praxis. Funktioniert so ein Nässeschutz im Outdooreinsatz und unter extremen Bedingungen überhaupt? In verschiedenen Labortests hat sich gezeigt, dass eine wasserabweisend behandelte Daune wesentlich weniger feuchtigkeitsanfällig ist, als die „normale“, unbehandelte. Aber wie bei vielen Dingen im Leben sind Tests unter Laborbedingungen nicht immer ein Indikator dafür, wie es unter natürlichen Bedingungen aussieht. Die Mädels und Jungs von Freizeitalpin berichten in ihrem Beitrag über die Leistungsfähigkeit der behandelten Daune von einem solchen Praxistest. Und zwar von einem, der es in sich hat. Demnach wagte der Umweltbeauftragte der Firma Nikwax eine Seeüberquerung der besonderen Art. Auf dem Rücken liegend, gebettet in einem imprägnierten Schlafsack ging es über einen südenglischen See. Und siehe da: er (und der Schlafsack) haben die etwas andere Bootstour unbeschadet und nahezu trocken überstanden! Ich für meinen Teil habe zwar noch nicht die freudige Bekanntschaft mit einer wasserabweisenden Daunenisolierung gemacht. Aber ich habe vor, nicht zuletzt wegen zahlreicher sehr positiver Berichte aus dem Bekanntenkreis das spätestens diesen Winter zu ändern.

Fibertec - Downwash - Daunenwaschmittel

Fibertec – Downwash – Daunenwaschmittel

Selber nachimprägnieren? Ganz einfach!

Ob Jacke, ob Schlafsack, ob Mensch, alle ereilt irgendwann das gleiche Schicksal. Sie fangen an zu muffeln und müssen gewaschen werden. Und bei Textilien, die mit imprägnierten Daunen isoliert sind, geht wie erwähnt nach vier bis fünf Waschgängen die wasserabweisende Eigenschaft verloren. Aber auch bei genereller Verschmutzung kann die Daune wieder vermehrt Wasser aufnehmen. Das ist aber überhaupt kein Problem. Merkt Ihr, dass Euer Textil bei feuchtem Wetter oder wenn Ihr ins Schwitzen kommt nicht mehr so gut isoliert, dann ist das ein Anzeichen, dass Ihr etwas machen müsst. Zur Reinigung gibt es spezielle Daunenwaschmittel, die auch die Imprägnierung wieder fit machen. Wenn das Textil schon ein paar solcher Waschgänge auf dem Buckel hat, wird es an der Zeit, die Imprägnierung zu erneuern.

Wichtig sowohl für die Reinigung als auch die Nachimprägnierung: lest Euch die vom Hersteller bereitgestellten Pflegehinweise für Euer Textil und die Anleitung des entsprechenden Pflegeprodukts genau durch. Aber wir als alte Outdoorfüchse wissen das ja schon lange. Also weiter im Text.

Zur Nachimprägnierung gibt es, wie bei der industriellen Imprägnierung, PFC- und lösungsmittelfreie Präparate auf Wasserbasis. Ist Euer Textil also fällig für eine neue Imprägnierung, dann wie gehabt in die Maschine damit und waschen. Anstelle des Waschmittels füllt Ihr aber die angegebene Menge an Imprägnierungsmittel in das Waschmittelfach. Wählt den Schongang und eine niedrige Temperatur aus. 30°C bis 40°C sind vollkommen ausreichend. Beim Schleudern die Drehzahl möglichst nach unten regeln. Zwar ist es wichtig, dass viel Wasser aus dem Textil geschleudert wird, da nasse Daune aber relativ schwer ist, kann eine hohe Drehzahl die Daunenkammern beschädigen. Also lieber mit niedriger Drehzahl und dafür mehrmals schleudern. Fertig ist die Imprägnierung! Zumindest fast. Je nach gewähltem Produkt muss die Imprägnierung noch durch Hitze fixiert werden. Das macht Ihr am besten im Wäschetrockner. Aber ebenfalls wieder nicht zu heiß! Ist das nicht der Fall, könnt Ihr sie auch einfach an der Luft trocknen lassen.

So, jetzt wisst Ihr was sich hinter dem Schlagwort imprägnierte Daune verbirgt. Wenn Ihr Eure Ausrüstung wieder fit für den Einsatz machen wollt oder Euch schon lange für imprägnierte Daune interessiert, dann nur zu. Es lohnt sich!

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen Textilien mit imprägnierter Daune. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ruedi Lendeczky sagte am 25. November 2016 um 14:13 Uhr

    Guten Tag

    Wieder einmal ein super Artikel zu imprägnierter Daune. Mit ist aber nicht ganz klar, wie das Imprägnierungsmittel (bei der Nachimprägnierung) zur Daune gelangt. Die Daune ist ja von Ober- und Futterstoff geschützt.

    Liebe Grüsse

    Ruedi Lendeczky

  2. Jörn sagte am 28. November 2016 um 12:48 Uhr

    Hi Ruedi,

    da ja eine Seite der Jacke (in der Regel die Innenseite) nicht imprägniert und wasserdicht ist, kann hier das Wasch- und Pflegemittel eindringen und die Daune erreichen.

    Ich hoffe, das hilft weiter :)

    Liebe Grüße,

    Jörn

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