Ausrüstung

GPS Navigation in der Praxis – Grundlagen und Tipps

12. Januar 2016

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Das Garmin GPSmap 64 s im Einsatz auf Skitour in Norwegen

Das Garmin GPSmap 64 s im Einsatz auf Skitour in Norwegen

Zwei Jahre die schönsten Outdoor Sport Hotspots in Europa zu erleben – das haben sich Daniel Amersdorffer und Kathrin Holz vorgenommen. Ihre „Outdoor Sports Tour“ hat die beiden als Erstes nach Norwegen geführt. August und September haben die beiden nun in den Alpen verbracht. Wir haben die beiden für ihre Tour mit einem Rabatt auf dringend benötigte Ausrüstung unterstützt.

Heute berichten uns die beiden von ihren Erfahrungen mit GPS Navigation in der Praxis. Der Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen aus praktischer Sicht und ganz nebenbei noch einige hilfreiche Tipps.

Die Gretchenfrage: welches GPS-Gerät soll es werden?

Am Anfang der GPS-Navigation steht die Auswahl eines passenden GPS-Gerätes. Wir haben uns zum Beginn der Tour nach einem neuen GPS-Gerät umgeschaut, das allen unseren Bedürfnissen Rechnung trägt. Es sollte für alle möglichen Sportarten einsetzbar sein – besonders für Skitouren, Winter-Trekking, Wandern, Mountainbiken und See-Kajakfahren. Herausgekommen ist für uns schließlich das Garmin GPSmap 64s. Warum haben wir uns genau für dieses Gerät entschieden?

  • Es vereinbart eine robuste Bauweise, kompakte Abmessungen und selbst im Wald und engen Tälern jederzeit hervorragenden GPS-Empfang, so unsere Erfahrungen. Das Display lässt sich dank ausreichender Beleuchtung bei fast allen Verhältnissen sehr gut ablesen. Die Batterielaufzeit ist nach unseren Erfahrungen länger als bei Geräten mit Touchscreen.
  • Im Vergleich zur 62ger GPSmap Serie ist das 64s schnell genug, um auch die Pixelkarten des Deutschen Alpenvereins flüssig darzustellen und von der MicroSD Karte zu laden. Zudem arbeitet das Gerät bei uns problemlos mit einer 32 GB Karte – so haben wir stets alle benötigten digitalen Karten auf dem Gerät mit dabei.
  • Die Tastenbedienung ist im Winter bei kalten Temperaturen ein Muss. Beim Garmin – Oregon 650 konnte ich anspruchsvolle Aufgaben – wie aus der Karte gemessene Wegpunkte ins Gerät eingeben – nur ohne Handschuhe erfolgreich bewältigen. Beim GPSmap 64s war das auch mit Handschuhen kein Problem. Zur Not lassen sich die Tasten auch mal mit einem kleinen Holzstück o.ä. drücken, wenn man nicht die ganz dicken Handschuhe ausziehen will.
  • Auch beim Mountainbiken macht das GPSmap 64s dank der zusätzlich verfügbaren Lenkerhalterung für das Mountainbike eine super Figur. Bisher hat es jeden noch so ruppigen Trail gut überstanden und uns immer sicher an das gewünschte Ziel geführt. Wichtig auch hier: das GPSmap 64s kann MTB-Routen berechnen und den Biker wie ein Navigationsgerät von Abzweigung zu Abzweigung lotsen. Dank der Kompatibilität mit den kostenlosen Open MTB Maps meisterte das GPSmap 64s auch die letzte Hürde zum perfekten Allrounder für die Outdoor Sports Tour.

Praxistipps vor der ersten Benutzung: wie kann ich mein GPS-Gerät vorbereiten?

Nachdem wir uns für das neue GPSmap 64s entschieden hatten, brauchten wir noch verschiedenes Zubehör:

Passende AA-Lithium-Batterien für kalte Temperaturen und lange Touren (Lithium-Batterien sind deutlich leichter als Akkus und normale Batterien) sowie passende Akkus im AA-Format (Eneloop-Akkus sind sehr zu empfehlen). Je nach Batterietyp muss übrigens in den Systemeinstellungen des GPS-Gerätes zwischen Lithium-Batterie, Alkali-Batterie und vorgeladenen NIMH-Akkus ausgewählt werden, damit die Batterieanzeige korrekt funktioniert.

Eine Displayschutzfolie, damit beim täglichen Gebrauch das Display nicht zerkratzt und unleserlich wird. Es gibt bereits Hersteller, die für fast jedes neuere Garmin-Gerät solche Folien anbieten.

Eine Fangleine für das GPS-Gerät beim Biken ist empfehlenswert

Eine Fangleine für das GPS-Gerät beim Biken ist empfehlenswert

Eine Fangleine für den Gebrauch am Fahrrad, sodass das GPS nicht zu Boden fällt, wenn es mal aus der Lenkerhalterung springt.

Die Software Basecamp muss auf dem eigenen Computer installiert werden. Nur damit können bestimmte Karten auf das GPS-Gerät kopiert werden (z.B. Open-MTB-Maps). Wichtig: nicht von Garmin hergestellte oder nicht originale Karten unter keinen Umständen auf den Gerätespeicher laden – sondern immer auf die Micro-SD Karte im Gerät. Diese Speicherkarte ist zusätzlich zu erwerben und sollte ausreichend groß dimensioniert sein (die DAV Karten brauchen beispielsweise knapp 4 GB Speicherplatz!).

Die Grundlagen der GPS-Nutzung kurz erklärt: drei typische Fälle

Anhand von drei typischen Anwendungsfällen möchten wir auf die wichtigsten Grundlagen zur GPS-Nutzung beim Outdoor Sport eingehen:

Navigation mit Planung daheim

Am Computer wird mithilfe der Software Garmin Basecamp und einer entsprechenden digitalen Karte die gewünschte Route erstellt. Alternativ gibt es im Internet jede Menge Routenportale, auf denen bereits fertige GPS-Tracks heruntergeladen werden können. Ein solcher Datensatz liegt meist im GPX-Format vor. Für fertige Routen haben wir unter anderem die Portale www.ut.no (für Norwegen), www.trails.de (Mountainbiken in den Alpen) und www.alpenvereinaktiv.com schätzen gelernt.

Route planen und GPS-Track erstellen

Route planen und GPS-Track erstellen

Der GPS-Track wird dann auf das GPS-Gerät kopiert. Nach dem Trennen des Gerätes vom Rechner sollte man unbedingt prüfen, ob der Track auf dem Gerät ist und er korrekt verwendet werden kann. Vor dem Start der Tour wird nun der GPS-Track aufgerufen und zur Navigation aktiviert. Mithilfe der Karte auf dem GPS-Gerät kann man so stets sehen, ob man noch auf der richtigen Route ist. Dank der Reisecomputer-Funktion lassen sich zudem die Distanz zum Ziel oder zum nächsten Wegpunkt aufrufen.

Für unsere Winter-Trekkingtour durch den Padjelanta Nationalpark haben wir die Routen im Voraus erstellt (inklusive Notausstiege und Alternativen). Vor Ort konnten wir dann den entsprechenden Track nutzen, ohne lange mit dem GPS zu arbeiten. Aber auch für all unsere Wandertouren und Skitouren in Norwegen haben wir uns meist zuvor die GPS-Daten besorgt oder selbst zusammengestellt am Rechner und uns dann mit dem GPS-Gerät im Gelände orientiert.

Navigation mit Routing auf dem GPS-Gerät

Navigation mit Routing beim Mountainbiken im Vinschgau

Navigation mit Routing beim Mountainbiken im Vinschgau

Besonders wenn man mit dem Mountainbike unterwegs ist, leistet einem das GPS-Gerät wertvolle Hilfe. Man wählt in der Karte das gewünschte Ziel und dann die Funktion „Los“. Das GPS berechnet nun die Route und leitet den Biker mithilfe von Navigationsbefehlen (Töne oder im Display) ans Ziel. Beim Mountainbiken im Vinschgau hat uns das Routing oft nach einer Tour auf angenehmen Radwegen zurück zum Auto geführt. Wichtig ist, dass die Einstellungen des GPS-Gerätes im Hauptmenü korrekt gewählt sind: die passende Aktivität (Wandern, Radfahren, Mountainbiken etc.) muss ebenso gewählt werden wie Routenpräferenzen (z. B. kürzeste Strecke oder schnellste Route?).

Navigation mit Papierkarte und GPS

Dieser Fall ist eher selten: entweder tritt er auf, wenn man keine digitale Karte auf dem GPS-Gerät hat oder diese nicht ausreichend genau ist. Das GPS dient hier vor allem dazu, die exakte Position wiederzugeben – als Koordinaten. Diese Koordinaten werden dann in die Karte übertragen und man weiß danach, wo auf der Papierkarte bzw. wo im entsprechenden Gelände man sich aktuell befindet.

Bei diesem Anwendungsfall gibt es einiges zu beachten: Das Koordinatenformat und das sogenannte Kartendatum des GPS-Gerätes muss auf das der Papierkarte angepasst werden. Meist finden sich über oder unter der Legende der Papierkarte oder auf deren Rückseite entsprechende Angaben. Die meisten Karten im Alpenraum verwenden das so genannte UTM-Format mit KartendatumWGS 84“. In den Einstellungen des Garmin GPSmap 64s sind dies nach dem Kauf in Deutschland die Standardwerte (zumindest war das bei uns so). Besonders vorsichtig muss man bei diesem Anwendungsfall mit älteren Papierkarten sein, die ein veraltetes Positionsformat verwenden – neuere GPS-Geräte unterstützen dies teilweise nicht mehr. Uns ging es so mit älteren topographischen Karten aus Finnland. Das Raster dieser Karten ließ sich im GPSmap 64s nicht auffinden. Zum Glück konnten wir ein älteres GPS-Gerät zum „Übersetzen“ nutzen.

Fazit: Lohnt sich das Geld für ein GPS-Gerät unserer Meinung nach?

Auf diese Frage antworten wir mit einem definitiven „Jein“ :D. Wann würden wir die Frage mit „Ja“ beantworten?

  • Sobald man Gefahr läuft, keine klaren Orientierungspunkte zu haben und das Gelände weglos oder verschneit ist, kommt man kaum um ein GPS-Gerät herum.
  • Beim Mountainbiken ist es auch super praktisch, da man nicht jedes Mal anhalten und die Karte heraussuchen muss.
  • Auf Dauer spart man sich viel Geld, da man nicht immer eine Papierkarte kaufen muss, daher: wer viel Biken geht, sollte sich ebenfalls ein GPS mit Open-MTB-Maps zulegen.
  • Wer sinnvoll trainieren und seine zurückgelegten Strecken sowie Höhenmeter messen will, hat an einem GPS-Gerät auch sehr viel Freude.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Daniel ist hier unser Fachmann in Sachen GPS-Geräte. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

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