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Stiftung Wahnsinnsfest empfiehlt – Frankenkalk

24. März 2017

Sportart

Nürnberger Turm bei Würgau - Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Nürnberger Turm bei Würgau – Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Ein Klettergebiet, das man kaum einem Sportkletterer noch wird vorstellen müssen – Der Frankenjura ist das Kletterparadies der Republik und lockt Jahr für Jahr Tausende begeisterter Sportler an. Der löchrige Kalkstein bietet ein unerschöpfliches Potential bester Routen in allen Schwierigkeitsgraden und unterschiedlichstem Charakter. Was aber macht das Gebiet aus? Der Fels allein ist es nicht. Wer den Frankenjura einmal erlebt hat, weiß genau: hier handelt es sich um ein Gesamtkunstwerk!

Vom Clownfisch-Eigenheim zum Kletterturm

Wenn in Kletterkreisen von „dem Frankenjura“ die Rede ist, so meint man damit korrekterweise die Nördliche Frankenalb. Diese unterteilt sich in die Fränkische und Hersbrucker Schweiz und war bis vor 160 Millionen Jahren der Tummelplatz fröhlicher Anemonenfische – beziehungsweise deren Ur-Ur-etc-Großeltern.

Kalkfelsen bei Steinfeld

Kalkfelsen bei Steinfeld

Das Rad der Zeit drehte sich weiter und das Korallenparadies veränderte sein Aussehen deutlich – und was damals Fisch war, ist heute Fels geworden. Streng wissenschaftlich nennt sich so was organogenes Ablagerungsgestein– das praktische Ergebnis sind hervorragende Möglichkeiten zum Klettern.

Geschichte hautnah erleben

Nachdem die Dinosaurier, Krokodile und Tintenfische verschwunden waren, wurde die Region durch das Volk der Franken besiedelt, die prompt ihren größten Leidenschaften nachgingen: Burgen bauen und Bier brauen.

Dank der fleißigen Bautätigkeit – und der fast noch fleißigeren Zerstörungstätigkeit – sind die Täler der Fränkischen Schweiz heute verziert mit malerischen Burgen und Ruinen, die sich aus den Biergärten der zahllosen Brauereigaststätten betrachten lassen.

Nirgendwo sonst auf dieser Welt existiert eine so hohe Dichte an Brauereien wie im Frankenjura – aktuell sind das 74 Brauereien alleine in der Fränkischen Schweiz. Und falls es jemand noch nicht wissen sollte: das Bier ist nicht nur gut sondern auch sensationell günstig.

Jetzt mach aber mal nen Punkt – warum nicht einen roten?

Burgruine Neideck bei Streitberg

Burgruine Neideck bei Streitberg

Aber auch in puncto Klettergeschichte lässt sich über die Fränkische viel erzählen. Hier nahm eine ganze Reihe von Entwicklungen ihren Lauf, die den Klettersport maßgeblich beeinflusst haben. Die bekannteste fränkische „Erfindung“ dürfte wohl der 1975 erdachte Rotpunktgedanke von Kurt Albert sein – eine Route gilt nur dann als sportlich korrekt begangen, wenn die Begehung in freier Kletterei ohne Zuhilfenahme künstlicher Hilfsmittel und ohne Sturz erreicht wurde. Von Franken ausgehend breitete sich diese neue Kletterethik wie ein Lauffeuer aus und der rote Punkt wurde weltweit zum geläufigen Begriff.

Das war aber keineswegs der einzige Beitrag der fränkischen Kletterer! Wer sich heute über die solide Absicherung einzementierter Klebehaken freut, sollte sich bei Oskar Bühler, dem Erfinder des Bühlerhakens, bedanken. Und jeder, der gern mit dem ATC, Reverso oder Bug sichert, darf ruhig wissen – all diese Geräte gehen auf die Sticht-Platte von Fritz Sticht zurück. Beim Seilkauf entscheiden die Werte für den Fangstoß, die Normsturzzahl und die Seildehnung – definiert vom Franken Heinrich Opitz. Speziell zur Vorbereitung für die Action Directe installierte Wolfgang Güllich im Nürnberger Fitnessstudio Campus ein von ihm entwickeltes Trainingsgerät – das Campusboard.

Ein Attentat auf die Finger

Apropos Action Directe – nicht zuletzt dank der guten Absicherung und der neuen Kletterethik entwickelte sich seit den 70er Jahren das Frankenjura zu einem Motor des Klettersports. Vor allem Wolfgang Güllich schraubte die Schwierigkeiten immer wieder nach oben – und die Kletter-WG in Oberschöllenbach, in der er wohnte, wurde zum Hotel für prominente Sportkletterer aus aller Welt. Im Jahr 1991 gelang dem Wahlfranken mit der Begehung der Action Directe, der ersten Route im 11 Grad, sein Meisterstück.

Klettern am Wolkensteiner Überhang - Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Klettern am Wolkensteiner Überhang – Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

In den 70ern galt das Klettern noch als reine Männersportart – was Mia Bowden nicht davon abhielt, sich leistungsorientiert an den Fels zu wagen und dem „starken Geschlecht“ zu zeigen, wie der Hase läuft.

Schon in den frühen Achtzigern erkannte Wolfgang Fietz als einer der ersten deutschen Kletterer das Potential der kleinen Blöcke und wurde zu einem der  Vorreiter des Boulderns.

In den letzten Jahren war es vor allem der Bamberger Markus Bock, der mit kompromisslos harten Touren auf sich aufmerksam machen konnte. Unplugged (11), Corona (11, 11+) und The Man that Follows Hell (11/11+) sind nur ein kleiner Auszug aus seiner Erstbegehungsliste.

Wer sich für die Kletter-Geschichte des Frankenjuras interessiert findet in Kurt Albers Fight Gravity alles Wissenswerte und jede Menge coole Kletterbilder!

Das muss man gesehen haben

Kletter-Tipps für den Frankenjura abzugeben ist eine enorm schwierige Angelegenheit. Die Auswahl an Felsen ist einfach zu groß, daher empfiehlt sich vor einem Besuch dringend der Kauf eines Kletterführers. Ob Schwertner oder Röker – die Wahl ist Geschmacksache, gut sind beide. Sicher keine Geheimtipps, aber das Wiesenttal und die Gegend um Tüchersfeld und Pottenstein gehören nicht umsonst zu den beliebtesten Gebieten. Für die absoluten Profis ist ein Besuch des Krottenseer Forsts absolutes Pflichtprogramm.

Bouldern im Frankenjura - Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Bouldern im Frankenjura – Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Veröffentlichungen zu Bouldergebieten hingegen wird man umsonst suchen. Aus Naturschutzgründen wurde vereinbart, auf die Veröffentlichung von Bouldermöglichkeiten zu verzichten.

Insgesamt betrachtet sind die Sperrungen aus Naturschutzgründen aber erfreulich großzügig geregelt und ein großer Teil der Felsen des Frankenjuras ist für den Klettersport freigegeben. Es gilt aber bestehende Regelungen einzuhalten und unbedingt die Sperrungshinweise im Internet, den Kletterführern und vor Ort zu beachten!

Was gibt es außerdem

Wem das günstige Bier, die romantischen Ruinen, die hervorragenden Klettermöglichkeiten und die wunderschöne Landschaft noch nicht genug sind – die Region bietet weitere Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben. Unter der Erdoberfläche gibt es große Tropfsteinhöhlen zu bestaunen, der Fluss Wiesent lädt zum Kajak fahren ein, Pottenstein besitzt ein schönes Felsenbad und die kurvenreichen Straßen sind ein Mekka für Motorradfahrer und Rennradfahrer. Die ruhigeren Täler eignen sich hervorragend zum Wandern und Mountainbiken.

Übernachtungen sind günstig in den zahlreichen Gasthäusern mit Pension zu finden oder aber auf einem der schönen Campingplätze der Region. Sollte das Wetter mal nicht mitspielen – das Kulturangebot in den umliegenden Städten Nürnberg, Bamberg, Kulmbach und Bayreuth ist reichhaltig und jede Stadt allemal einen Besuch wert.

Kurvige Straßen bei Steinfeld

Kurvige Straßen bei Steinfeld

Was noch zu erwähnen wäre…

Ein Klettergebiet ist weit mehr als die Summe aller Felsen und Routen  – gerade die Menschen hinter den Routen sind es, die eine Region erst ausmachen. Deswegen gibt es hier im Blog demnächst ein Interview mit einem der fleißigen Erstbegeher des Frankenjura – Carsten Seidel. Der Wahlfranke hat zahlreiche schwierige Routen erstbegangen und leitet seit vielen Jahren die Deutschland-Vertretung des Kletterwand-Herstellers Entre-Prises.

Tipps für Frankenjura-Neulinge

Wo komme ich unter?

  • Campingplatz „Gasthof Eichler“, Obertrubach (der wohl bekannteste Campingplatz des Frankenjura, Felsen sind in der Nähe)
  • Campingplatz Kormershof, Allersdorf (schön gelegener, ruhiger Campingplatz; Felsen in 10 min zu Fuß erreichbar)
  • Campingplatz „Waldmühle“, Freienfels (tagsüber laut wegen naher Straße, nachts ruhig; sehr preisgünstig; perfekte Ausgangslage für Einsätze im Norden des Frankenjuras)

Wo gibt’s a gscheits Bier?

  • eigentlich überall, die Auswahl ist riesig…
  • auf jeder ordentlichen Kerwa (= Kirchweih)
  • Hübner Bräu, Steinfeld (richtig gutes Bier von einem echt fränkischen Original; der Tipp für den Norden)
  • Heldbräu, Oberailsfeld (gutes Bier, lecker Essen; ein Tipp für den zentralen Frankenjura)
  • Brauerei-Museum, Kulmbach (alles Wissenswerte rund ums Bier, mit Biergarten)
Uwe Maier im Luftballondach (9) - Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Uwe Maier im Luftballondach (9) – Foto: Frank Kretschmann @ www.funst.de

Wo soll ich als Anfänger hin? (3 – 5)

  • Aufseßtal-Südwand, bei Doos (leichte Routen, Absicherung teilweise spärlich)
  • Jubiläumswand, bei Doos (hohes Massiv, Absicherung teilweise extrem gut)
  • Eibenwände, Gößweinstein (großes Routenangebot, spärliche Absicherung)
  • Weißenstein, Neuhaus (extrem gut gesicherte leichte Routen, leider entsprechend häufig besucht)

Das goldene Mittelmaß (6 – 8)

  • Treunitzer Klettergarten (faire Absicherung, viele Routen, leider entsprechend häufig besucht)
  • Johnny Cash Wand, Doos (fair gesichert, schöne Touren)
  • Amerikanische Botschaft, Behringersmühle (überwiegend gut gesichert)
  • Weißenstein rechte Wand, Neuhaus (Franken-Klassiker, gut gesichert, teilweise marmorierter Fels)

Der Profibereich (9 – 11)

  • Klinge, Kleinziegenfeld
  • Bärenschluchtwände, Tüchersfeld
  • Waldkopf, Krottenseer Forst

Wer Fragen zum Frankenjura hat – einfach hier im Bergfreunde Basislager-Blog einen Kommentar hinterlassen! Antwort kommt bestimmt.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. sandy sagte am 2. August 2015 um 14:58 Uhr

    Halle wir planen fürs kommende Wochenende nach Frankenjura zu fahren zum klettern. Wissen aber nicht richtig wohin. Kann uns jemand ein paar Gebiete empfehlen was vor allem gut abgesichert, nicht zu voll, und lange Routen, und so im Bereich bis maximal 8?

  2. Wiebke sagte am 3. August 2015 um 13:15 Uhr

    Hallo Sandy,
    Das ist nicht so leicht zu beantworten. Liegt auch ein bisschen an der Anfahrtsrichtung und ob es egal ist, wie weit man fahren möchte – das Frankenjura ist groß und je nachdem woher man kommt, ist da schnell mal eine Stunde Fahrt zwischen den verschiedenen Möglichkeiten.

    Generell kann man mal sagen, dass die Kriterien „nicht zu schwer und gut abgesichert“ an einem Sommerwochenende quasi unmöglich mit „nicht zu voll“ kombinierbar sind. Wenn das Wetter gut gemeldet ist, ist definitiv was los, das ist unumgänglich und im Frankenjura gibt es auch kaum Felsen, die durch lange Zustiege einsamer werden. Außerdem kommt noch hinzu, dass Bayern und Baden Württemberg seit letzter Woche Ferien haben. Sorry!

    Ansonsten: im Norden die Rote Wand und die Nachbarfelsen im Ziegenfelder Tal.

    In der Mitte gibt es zahllose hohe Wände im Wiesent Tal nördlich von Behringersmühle, oder im Püttlachtal zwischen Behringersmühle und Pottenstein.
    Eher Richtung Nürnberg bietet die Region rund um Velden einiges an hohen Wänden.

    Nur eine Auswahl, es empfiehlt sich auf jeden Fall der Kauf eines Kletterführers, falls noch nicht vorhanden. Ich hoffe, das hilft wenigstens ein bisschen weiter?

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