Steinexkurs XXL – von interessantem Grundwissen bis zum heimischen Kletterfelsen

4. November 2019

Wir sammeln sie und bewundern sie, halten uns daran fest und klettern an ihnen hoch. Sogar manches Klettererherz scheint daraus zu bestehen. Gemeint sind Steine, Felsen von denen man als Kletterer aber auch Bergsteiger ständig umgeben ist. Man nimmt sie fast schon als selbstverständlich hin, als dass man sich noch sonderlich Gedanken darüber macht. Doch Mutter Natur hatte und hat immer noch eine Menge Arbeit damit, dass die Felsen heute so sind wie sie eben sind.

Und ist es da mal nicht an der Zeit, den ewigen Begleiter des Kletterers, den Felsen, etwas genauer unter die Lupe zu nehmen?  Denn wer weiß, auf welche Art von Stein man im jeweiligen Klettergebiet trifft, kann sich besser auf die Kletterei einstellen und gegebenenfalls spezielles Sicherungsmaterial mitbringen.

Ausflug in die geologische Geschichte

Bergfreundin Mia beim Bouldern in Fontainebleau. Dort findet man hauptsächlich Sandstein vor. Foto: Theo Schmidt

Dass wir heute überhaupt an Felsen klettern können, verdanken wir inneren und äußeren Dynamiken der Erde über eine lange Zeit hinweg. Die Erde ist nicht nur an der Oberfläche aktiv, sondern auch in ihrem Keller rührt sich einiges. Die unterschiedlich dicke Erdkruste schwimmt quasi als Haut auf dem äußeren Erdmantel, der aus Magma besteht.

Die Erdkruste wird in Platten unterteilt, die sich durch Konvektionsströme bewegen. Das führt dazu, dass an der einen Stelle Land versinkt und an der anderen Stelle wieder etwas neues entsteht (Entstehung der Alpen). An der Oberfläche, also wo wir leben, spielen Dynamiken wie Wetter, Wind und auch wir selbst eine Rolle. Durch diese äußeren Einflüsse werden über Jahrtausende ganze Gebirgsketten zerlegt und Sedimente ins Tal transportiert.

Eine Faustregel, die man sich merken kann, ist, je alpiner die Region ist, desto stärker ist die Erosion und je weicher das Ausgangsgestein ist, desto schneller wird es abgetragen.

Definition Gestein

Laut geologischer Definition ist ein Gestein ein natürlich vorkommendes Aggregat aus Mineralien (zum Beispiel Calzit bei Kalk), dessen Bruchstücke und Resten von Organismen. Teilweise beinhalten Gesteine auch nicht mineralische Substanzen. Daraus bilden sich die drei großen Hauptgruppen heraus, in die man Gesteine einteilt.

Sedimentgesteine

Aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet Sediment Bodensatz, also Ablagerung. So sind also Sedimentgesteine durch die Verdichtung und Verfestigung von Gesteinsablagerungen entstanden. Wenn mehrere Schichten aufeinander liegen, wird der Druck erhöht, so dass Luft und Wasser aus den Gesteinen gepresst wird. Dabei verzahnt sich das Gestein ineinander. Wenn dann mineralhaltiges Wasser (beispielsweise mit Calzit) durch die Sedimente fließt entsteht ein natürlicher Zement, der die Schichten verkittet.

So wird aus dem lockeren Sediment eine feste Masse. Dabei gibt es nochmal zwei kleine Untergruppen. Klastische Sedimente (wie Sandstein) bestehen nur aus Bruchstücken anderer Gesteine, während biogene Sedimente wie viele Kalkfelsen aus den Kalkschalen kleiner Meerestiere entstanden. Sedimentgesteine sind in Deutschland weit verbreitet aber auch der Gipfel des Mount Everest besteht aus diesem Gestein.

Magmatische Gesteine

Die mächtigen Granitfelsen im Yosemite Nationalpark. Foto: Fritz Miller

Hier ist der Name Programm. Heißes Magma steigt auf und dringt in umgebene Gesteinsschichten ein oder verdrängt diese. Entweder das Magma erstarrt noch innerhalb der Erdkruste, was man dann als Tiefengestein bezeichnet oder es erstarrt durch vulkanische Aktivität erst an der Oberfläche, was dann als Vulkanit bezeichnet wird.

Der Vorgang ist eng mit endo- und exogenen Vorgängen verbunden. Sie sind die ursprünglichsten Gesteine der Erde. Nicht nur entlang der Anden mit ihren aktiven Vulkanen sind solche Gesteine anzutreffen, auch in Mitteleuropa gibt es davon eine Vielzahl. Besonders bekannt ist hierbei Granit, der nicht nur in den Alpen tolle Wände darstellt.

Metamorphe Gesteine

Dabei können magmatische sowie Sedimentgesteine Ausgangspunkt sein. Diese werden dann unter hohem Druck und Temperatur in der Erdkruste umgewandelt und neu geformt. Somit ist diese Gesteinsart nur eine Neubildung von bereits vorhandenen Formationen, was allgemeine als Metamorphose bezeichnet wird. Dafür typisch ist die feine Schichtung oder Schieferung, die oft senkrecht zur ursprünglichen Schieferung verläuft. Als klettertauglich gilt hier der Gneis.

Ausgestattet mit diesem Grundwissen spaziert man nun zum nächsten Kletterfelsen und nimmt ihn unter die Lupe. Die Vielfalt der geologischen Prozesse ist genauso groß wie die Vielfalt der Gesteine, die uns umgeben. Jedoch gibt es einige, die sich als besonders kletterbar herausgestellt haben und teilweise auch fast vor der Haustüre stehen.

Die verschiedenen Felsarten

Sandstein – der mit der guten Reibung (Sediment)

Boulderer, die schon mal in Fontainebleau waren, erinnern sich sicher an den besonderen Felsen. Ebenso trifft man ihn in der sächsischen Schweiz und in der Pfalz. Sandstein besteht aus Ablagerungen von Quarzsand, der sich unter Druck zu Schichten verfestigt hat. Durch jahrzehntelange Erosion wurden die Steine wieder freigelegt. Die Zusammensetzung des Sandsteins hängt von seinem Ablagerungsort als auch vom Herkunftsort des Gesteins ab.

Durch den Transport in Flüssen weist Sandstein meistens eine Schrägschichtung auf. Er lockt mit guter Reibung und ungewöhnlichen Formen, wie Waben und Slopern, jedoch sollte man ihn nie bei Nässe oder mit dreckigen Schuhen klettern. Durch tonisches Bindemittel ist Sandstein besonders weich und zerbricht bei äußeren Einflüssen relativ schnell. Das erklärt auch die strengen Kletterregeln in Fontainebleau und dem Elbsandstein. Auch im Bezug auf Chalk und Sicherungsmaterial sollte man sich an die örtlichen Regeln halten, um den Felsen zu bewahren.

Konglomerat – der mit den coolen Formen (Sediment)

Sandgestein in Portugal. Foto: Tobias Rütten, commons.wikimedia.org

Unauffällig geht anders. Konglomerat fällt sofort ins Auge. Mit seinen großen Steinen schreit er förmlich danach beklettert zu werden. Man trifft ihn in der Eifel aber auch in Riglos (Spanien). Rund geschliffenen Steine wurden von Flüssen und Gletscherabflüssen zusammengetragen und riesige Ablagerungen entstanden. Diese wurden von weiteren Schichten überdeckt und über Jahrhunderte zusammengepresst.

Unter Druck und mit Hilfe chemischer Bindemittel entstand diese Formation. Dank Erosion ist der Fels heute kletterbar. Das Klettern erweist sich dort meist als sehr anstrengend, da Sloper und große Kiesel als Griffe dienen und kaum Reibung herrscht. Konglomerat wird zudem durch die glatte Oberfläche der eingeschlossenen Steine schnell speckig.

Dolomit und Kalk – die aus dem Meer (Sediment)

In unseren Breiten ist Kalk und Dolomit die häufigste Gesteinsart. In den südlichen Kalkalpen, im nördlichen Frankenjura und in den Dolomiten sind sie zu finden, aber auch in Frankreich und im Donautal. Beide bestehen aus marinen Ablagerungen. Während beim Dolomit Magnesiumcarbonat eingelagert wurde, besteht Kalk aus kristallinem Calzit.

Durch Erosion sind beide Gesteine stark strukturiert und bilden die unterschiedlichsten Griffformen, wie Löcher, Henkel und Leisten. Dolomit neigt zu einer größeren löchrigen Verwitterung und ist daher noch besser zum Klettern geeignet als Kalk. Die Kletterei ist hier vorwiegend fingerlastig und vor allem an Sintern kräftig und athletisch. Als Sicherungspunkte werden häufig die entstandenen Sanduhren verwendet.

Tuff – der für Sportkletterer (magmatisch)

Die Smith Rocks in Oregon, USA. Foto: Gary Halvorson, Oregon State Archives, commons.wikimedia.org

Teneriffa und Gran Canaria beherbergen im Vergleich zu unseren Breiten mehr Tuffgestein. Noch bekannter unter Kletterern sind allerdings die Smith Rocks in Oregon, die die Klettergeschichte prägten. Charakteristisch für Tuff ist raues Gestein mit vielen kleinen und größeren Löchern, die sich perfekt als Tritte und Griffe eignen. Entstanden ist dieses Gestein durch vulkanische Aktivität. Vulkane spucken nicht nur Lava aus, sondern auch Gase, die die Lava in feinstes Material zerstäubt. Neben feinen Aschen können auch kleinere Gesteinsbruchstücke und größere glasige Brocken abgelagert werden.  Aus den verdichteten vulkanischen Aschen entsteht schlussendlich Tuff, der sich bestens für Sportkletterer eignet.

Basalt – der König der Säulen (magmatisch)

Basaltgestein trifft man hauptsächlich in Ettringen und in der Rhön, weltberühmt ist auch der Devil’s Tower in Wyoming. Sie ist die häufigste magmatische Gesteinsform der Welt und Unterlagerung aller Meeresböden. Durch schnelle Abkühlung an der Oberfläche fällt Basalt Feinkristallin aus und ist relativ dunkel gefärbt. Charakteristisch sind die meist hexagonalen, senkrechten Pfeilen, zwischen denen sich Risse bilden. Auch Verschneidungen sind typisch für Basalt. Einziges Manko ist, dass man die Rissstrukturen nicht optimal absichern kann, da sie meist geschlossen sind.

Granit – der aus der alpinen Welt (magmatisch)

Fährt man in den Schwarzwald, ins Harz oder ins Fichtelgebirge hat man Granit unter den Fingern. Er bildet auch die eindrucksvollsten Berggruppen der Alpen wie den Mont Blanc oder das Bergell-Massiv. Granit ist ein in der Tiefe erstarrtes Magma, dass angehoben und durch Erosion freigelegt wurde. Charakteristisch sind die mit dem bloßen Auge erkennbaren Kristalle aus Quarz, Felsspat und Glimmer. Diese sorgen auch für die sehr raue Oberfläche. Es winken zahlreiche massive Risse zum Klettern, die sich, anders als bei Basalt, bestens mobil absichern lassen.

Gneis – der Bruder vom Granit (metamorph)

Sobald man auf Granit trifft ist auch Gneis nicht weit. Im Ötztal, Zillertal aber auch im Tessin und im bayrischen Wald trifft man vermehrt auf den Bruder des Granits. Gneis ist ein metamorphes Gestein, das sich aus Granit oder auch Sandstein bilden kann. Durch hohen Druck verformte sich das Ausgangsgestein zu Gneis, der Bänderungen mit hellen und dunklen Lagen aufweist, weil sich bei der Metamorphose die hellen von den dunklen Bestandteilen trennen. Die starke Bänderung sorgt mit der Erosion dafür, dass sich viel mehr positive Griffe und Tritte bilden als beim Granit. Das geht aber auf Kosten der Reibung. Risse sind im Gneis zwar vorhanden, aber weniger ausgeprägt als im Granit. So gestaltet sich das Klettern und auch das Absichern hier als anspruchsvoller.

Quarzit – der Bruder vom Sandstein (metamorph)

Quarzit in der Bretagne in Frankreich. Foto: Mimi, http://www.geodiversite.net/auteur158, commons.wikimedia.org

In unseren Breiten ist Quarzit eher selten, dafür findet man ihn aber im Durance-Tal bei Briancon. Ähnlich wie beim Gneis geht der Quarzit aus einer Metamorphose hervor. Er entstand durch die Umwandlung von sehr quarzreichem Sandstein und ist ein helles und vor allem hartes Gestein. Zudem weist Quarzit keine Schieferung auf, ist aber im Gegensatz zum Sandstein viel stabiler und weniger anfällig für Erosion durch Kletterer. Oft wird aber auch Sandstein mit Quarzit verwechselt. Wenn dessen Poren mit Kieselsäure gefüllt und verhärtet sind, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich.

Dass der Steinexkurs nur einen kleinen Teil der unterschiedlichen Gesteine auf dieser Welt umfasst, versteht sich von selbst. Und was man nun mit dem gesammelten Wissen anfängt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Aber ist es nicht irgendwie cool, wenn man nicht nur die Wand hochläuft, sondern auch ein wenig Background- Informationen hat? Spätestens bei der Entscheidung wo der nächste Klettertrip hingehen soll und welches Material mit muss, ist es durchaus hilfreich zu wissen, ob man nun die gemütlichen Schlappen mitnehmen soll oder doch die aggressiven Latschen mit Downturn. Eines ist sicher, zu viel gewusst hat man wohl noch nie!

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