Der Sonne hinterher – Sportklettern auf Mallorca

25. Januar 2019

Während Deutschland im Frühjahr 2019 unter Schneemassen versinkt – naja, zumindest große Teile von Deutschland – scheint auf Mallorca bei lauschigen 15 Grad die Sonne. Perfekt für alle, die Sehnsucht nach Fels haben. Und so wollten auch wir diese Saison dem Winter-Blues erst gar keine Chance geben und entflohen kurzerhand der Kälte, um noch ein bisschen Felsen unter die Finger zu bekommen.

Schon am Flughafen in Palma wurde uns der Temperaturunterschied bewusst: eingepackt in Daunenjacken, war’s dann gleich zu warm. Ganz unkompliziert konnten wir unser Mietauto in Besitz nehmen und machten uns auf den Weg Richtung Santanyi, im Südosten der Insel. In der Nähe davon befindet sich Cales de Mallorca, ein Ortsteil der Gemeinde, in der sich unsere Unterkunft befindet. Der Ort liegt strategisch günstig, wenn man bei wärmeren Temperaturen in den Genuss der besten DWS-Spots (Deep Water Soloing) kommen möchte, als auch für zahlreiche Klettergebiete direkt am Meer an der südöstlichen Küste.

Mallorca ist ein wahres Kletterparadies - im Sommer, wie auch im Winter.

Egal ob im Sommer oder im Winter – Mallorca ist ein wahres Kletterparadies.

Cala Santanyi – Tijuana

Da so eine Anreise immer etwas ermüdet, entschieden wir uns den ersten Klettertag direkt in der Nähe zu verbringen. Die Cala Santanyi (Cala bedeutet soviel wie Bucht) oder auch Tijuana liegt südlich von Cales de Mallorca und ist in einer halben Stunde mit dem Auto zu erreichen. Parken lässt es sich problemlos in der kleinen Ortschaft und der Klettergarten ist deutlich beschildert. Man erreicht die Felsen durch einen fünfminütigen Zustieg, der mehr ein Abstieg Richtung Meer ist. Vom Leuchtturm wandert man auf dem rechten Pfad, der direkt zum Meer hinunterführt und durch welchen man schon im ersten Sektor landet.

Das Klettergebiet ist einfach traumhaft gelegen! Die südliche Ausrichtung verspricht auch im November und Dezember noch hervorragende Temperaturen und dank viel Sonneneinstrahlung tankt man genug Vitamin D. Im Winter kann man getrost auf den Sonnenhut verzichten, im Sommer sollte er aber definitiv auf die Rübe. Im Hintergrund rauscht unentwegt die Brandung – richtig romantisch.

Der DWS-Spot

Dieser Torbogen, bekannt als „Es Pontas“, ist nicht nur ein beliebter DWS-Spot, sondern auch eine der härtesten DWS-Klettertouren der Welt.

Direkt am Felsvorsprung sind viele Routen zu finden: angefangen von Einsteiger- und Genusstouren am linken Rand des Gebietes über plattige Herausforderungen im mittleren Sektor bis hin zu überhängenden Routen am rechten Eck. Obwohl das Gebiet direkt am Meer liegt, ist die Felsqualität hervorragend, kaum speckig und auch die Absicherung erfreut sich solider Qualität. Trotzdem schadet es nicht wenn man vorsichtshalber ein paar Keile dabei hat. Ab und zu tut sich ein Riss im Kalkstein auf, den man wunderbar selbst absichern kann.

Zum Sichern kann man jeder Zeit sehr bequem stehen, doch durch die steil abfallenden Klippen ist das Gebiet nur bedingt familienfreundlich. Die Routen sind zwar maximal nur 30 Meter lang, bieten aber abwechslungsreiche Klettereien mit viel Bewegungsvielfalt.

Ein besonderer Hingucker ist der DWS-Spot direkt gegenüber. Der Torbogen ist nicht nur beeindruckend anzusehen, sondern beherbergt auch eine der härtesten DWS-Klettertouren der Welt. „Es Pontas“ checkt bei 9a+/b ein und wurde bisher nur selten wiederholt. Mir wurde beim bloßen Anblick schon schlecht. Diese Linie werde ich wohl nicht klettern, zumindest nicht in diesem Urlaub ;-)

Das Klettergebiet Cala Santanyi – Tijuana liegt traumhaft am Meer.

Das Gebiet in der Cala Magraner lädt zum Klettern und Baden ein.

Urlaubsfeeling in der Cala Magraner

Für Familien ist das Klettergebiet in der Cala Magraner perfekt geeignet. Der Parkplatz zur Bucht liegt direkt vor Cales de Mallorca und ist deutlich zu sehen. Man folgt der Straße bis zur Steinmauer, übersteigt diese und geht nun gemütlich für zwanzig Minuten auf einem flachen Weg durch Weidegebiete und Wälder, bis man den ersten und schwersten Sektor des Gebietes erreicht.

Doch die eigentlichen Schmankerl findet man eine Station weiter und direkt am Meer. Die malerische Bucht ist außerhalb der Saison einsam und verlassen und man kann sich an der südlich ausgerichteten Wand austoben. Selbst im November ist hier ein Sonnenschutz empfehlenswert. Der Kalkstein ist vielseitig, von Sintern bis Platten findet jeder was und die Routen sind gut abgesichert. Je nachdem wie hoch gerade das Meer steht, kommen noch ein paar tolle Routen hinzu, die man ganz rechts im Gebiet findet. Bei Flut muss man leider verzichten. Das kleine Paradies mag man gar nicht mehr verlassen, zumal man bei wärmeren Temperaturen auch gleich Baden gehen kann.

Ein Spielplatz für Abenteurer

Die Felswände des El Calo del Betlem.

Kurz und knackig geht es an den Felswänden des El Calo del Betlem zu.

Einen etwas anderen Charakter weist das Gebiet El Calo del Betlem auf. Man erreicht es bequem, indem man nach Betlem fährt, im Ort parkt und dem großen Wanderweg folgt. Der Felsen kommt nach etwa zwanzig Minuten, direkt neben dem Weg.

Das kleine Gebiet beinhaltet rund 22 Routen von 5 bis 7b, jedoch sollte man eine solide 6b klettern können, um hier auf seine Kosten zu kommen. Charakteristisch für dieses Gebiet ist die Plattenkletterei, die nicht jedem liegt. Kurz und knackig ist hier das Motto, denn länger als 20 Meter klettert man nicht. Die Absicherung ist im großen und ganzen okay, doch sollte man trotzdem die Augen offen halten, da einige der Haken ziemlich verrostet sind und auch die Umlenker sollte man genau checken.

Ein Abenteuergebiet mit fantastischer Aussicht bis zum nördlichsten Punkt der Insel. Für Familien ist das Gebiet tauglich, zum Meer muss man aber noch einige Meter absteigen.

Lochkletterei in den Bergen von Mallorca

Doch Mallorca hat nicht nur Buchten und türkises Meer zu bieten, sondern in der bergigen Region auch romantische Olivenhänge mit spannenden Klettergebieten.

Das Gebiet Caimari liegt neben der Autoroute nach Soller (den Parkplatz kann man kaum verpassen). Es besteht aus insgesamt drei Sektoren, die relativ nah beieinander liegen:

Marianne in Action.

Marianne in Action im „Muro de Caimari“ Sektor.

Der Sektor „Hairpin Wall“ wird zu Unrecht als nicht lohnend beschrieben. Zum Einen ist er bequem über den Wanderweg zu erreichen und zum Anderen sehr familienfreundlich, da viele leichtere Touren, die gut abgesichert sind, vorhanden sind. Umgeben ist man von bezaubernder Natur, mitten in den Bergen. Der Sektor „Cueva“ lockt mit harten, überhangenden Touren von 7a+ bis 8c. Auch ein paar Boulder sind hier zu finden.

Für die Freunde des Lochkletterns ist jedoch der Sektor „Muro de Caimari“ am besten, da man hier von 6a bis 7b alles findet und die Absicherung fantastisch ist. In „Muro de Caimari“fühlen sich Kinder aber nicht sehr wohl, da das bewaldete Gebiet sehr abschüssig ist. Jeder der Sektoren erreicht man bequem zu Fuß.

Damit ist nur ein kleiner Auszug, der scheinbar unendlich vielen Gebiete beschrieben, ganz zu schweigen von den überragenden Möglichkeiten im Sommer einige DWS-Linien in Angriff zu nehmen.

Das wilde Ende der Insel – Kap Formentor

Da der Winter auch Mallorca erreicht, muss man zwar nicht mit Schnee rechnen, aber man sollte sich genug Alternativen für regnerische Tage bereithalten, um die Insel mit all ihren Facetten kennenzulernen.

Auch an regnerischen Tagen hat Mallorca einiges zu bieten – so zum Beispiel der Leuchtturm

An regnerischen Tagen kann man beispielsweise den Leuchtturm Far de Formentor besuchen.

Die Vielseitigkeit der Insel lädt zu einer kleinen Rundreise ein und so lockt das nordöstlichste Ende der Insel mit spektakulären Ausblicken. Nicht umsonst wird das Kap Formentor auch „Treffpunkt der Winde“ genannt, denn windig ist es hier fast immer. Auf 384 Metern über dem Meer steht der Far de Formentor – ein Leuchtturm, der 1860 erbaut wurde. An guten Tagen kann man bis zur 40 Kilometer entfernten Insel Menorca sehen. Das raue Klima am nördlichen Ende der Insel formte die Felsen zu bizzaren Landschaften und eindrucksvollen Buchten.

Um zum Leuchtturm zu kommen, fährt man nach Port de Pollenca und durchquert die Halbinsel Formentor über eine serpentinenreiche Straße, deren Ende auch das Ende der Insel ist. Neben der Straße grasen zahlreiche Ziegen und Schafe, die hier ihr freies Leben genießen dürfen und immer wieder lädt eine Aussichtsplattform zum Anhalten und staunen ein.

Kloster Lluc in den Bergen Mallorcas

Wunderschöne Aussicht über Mallorcas nordwestlichen Gebirgszug Serra de Tramuntana.

Eine wunderschöne Aussicht gibt’s über den Serra de Tramuntana.

Weiter geht’s durch die Serra de Tramuntana (dem Gebirgszug im Nordwesten), vorbei am Santuari de Santa Maria de Lluc (dem spirituellen Zentrum der gesamten Insel).

Das große Kloster beherbergt ein Gymnasium mit Internat, eine Wallfahrtskirche, ein Langhaus mit Unterkünften und einen ausgedehnten botanischen Garten. Jährlich zählt das Kloster knapp eine Millionen Besucher – darunter viele Pilger, denn das Heiligtum von Lluc liegt direkt am Fernwanderweg GR 221. Es lohnt sich nicht nur die reich geschmückte Basilika zu besichtigen, sondern auch einen Blick in den gepflegten Garten zu werfen.

Obst aus Soller

Der bekannte Ort Soller.

Der bekannte Ort Soller.

Folgt man der bergigen Straße, erreicht man den bekannten Ort Soller. Neben einem gemütlichen Hafen und einer historischen Eisenbahn, findet man am Rand von Soller einen weiteren botanischen Garten mit über 400 heimischen Pflanzenarten.

Die Obstplantagen, für die Soller bekannt ist, sind gleich außerhalb des Stadtkerns zu finden. Im Laden „Fet a Soller“, am Placa des Mercat im Zentrum, findet man sämtliches heimisches Obst, spezielle Olivenöle und mediterrane Lebensmittel. Ob Mitbringsel oder Eigenbedarf, Spezialitäten aus Mallorca gibt es in Hülle und Fülle.

Gemütliches Palma und ein leerer Ballermann

Auf dem Rückweg kommt man fast immer an Palma de Mallorca vorbei – der Hauptstadt von Mallorca, die nicht nur mit ihrer großen Kathedrale sehenswert ist. Palma ist Versorgungszentrum der Insel, mit dem größten Hafen, Flughafen und dem Regierungssitz.

Die gotische Kirche La Seu in der Hauptstadt Mallorcas.

Eine Hauptsehenswürdigkeit ist die gotische Kirche La Seu in Palma de Mallorca.

Hauptsehenswürdigkeit ist die große, gotische Kirche „La Seu“, die sich in der Altstadt an der Küste befindet. Neben ihr liegt der Palast, der dem König von Spanien als Residenz dient. Im eigentlichen Zentrum findet man, neben Cafés und Restaurants, Unmengen an Shops und Boutiquen. Durch die engen Gassen erlebt man Palma eher wie ein Dorf als eine große Stadt.

Doch Mallorca wäre nicht Mallorca ohne die Ortschaft S’Arenal oder zu deutsch dem Ballermann. Neben der Saison ist der Strand herrlich leer, was bedeutet dass man nur vereinzelt ein paar Freunde des Alkohols findet.

Hotels en masse – Campen eher weniger

Grundsätzlich strotzt Mallorca vor Appartements und Hotels, die im Sommer allesamt geöffnet sind. Falls man jedoch außerhalb der Saison fährt, wird die Suche etwas erschwert, aber dennoch möglich in fast jedem Ort eine nette Unterkunft zu finden.

Wer die Abgeschiedenheit sucht und lieber zum Campen geht, steht vor größeren Herausforderungen. Einerseits ist es in Mallorca nicht gerne gesehen überall sein Zelt aufzuschlagen, andererseits findet man nur selten Wohnmobile auf der Insel (nicht zuletzt durch die Kosten für die Überfahrt mit der Fähre). Vor allem Hoteliers wehren sich gegen die Erschaffung von Campingplätzen, die ihnen das Geschäft vermiesen könnten.

Hier lässt es sich aushalten!

Mit einer Hängematte würde es sich hier definitiv aushalten lassen!

Doch es gibt einige extra dafür ausgewiesene Stellplätze für Camper, beispielsweise in Inca. Das ist aber auch der einzige „Campingplatz“ für Mobile. Besser beraten ist man in der Cala Murada im Hipocampo, dem einzigen offiziellen Platz für faltbare Unterkünfte auf der Insel. Alles was ein Zeltlerherz begehrt, wird er hier finden. Falls man doch in der wilden Natur schlafen möchte, ist man mit einer Hängematte gut bedient, denn im Gegensatz zum Zelten werden hier keine Strafen verhängt. Schönes Wetter ist hier natürlich Voraussetzung im November ist der Luxus eines festen Daches über dem Kopf nicht zu verachten.

Wer Ruhe am Felsen, in der Stadt und am Strand sucht, ist mit der winterlichen Jahreszeit bestens beraten. Für Party-Tiger und Badefreunde ist klar der Sommer vorzuziehen, wobei

Wer Ruhe am Felsen, in der Stadt und am Strand sucht, ist mit der winterlichen Jahreszeit bestens beraten. Für Party-Tiger und Badefreunde ist klar der Sommer vorzuziehen, wobei die beste Zeit für DWS-Klettereien definitv der September ist. Angenehme Wassertemperatur und keine erdrückende Hitze mehr in der Hängematte. Der Spätherbst ist auch prima um die Insel zu Fuß zu erleben, nicht umsonst gibt es viele Wander- und Pilgerwege.

Zurück in Deutschland durften wir erstmal das Auto von Eis befreien und uns wieder mit der Kälte anfreunden. Der ein oder andere Glühwein wird nun behilflich sein müssen, um eine angenehme Körpertemperatur zu erreichen…

Ein paar Fakten zur Orientierung

Cala Santanyi – Tijuana

  • Routen: über 60 Touren von 4a bis 8a
  • Wandhöhe: maximal 30 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (nach Belieben auch Keile)
  • Zustieg: 5 Minuten vom Parkplatz zum Leuchtturm, rechter Pfad direkt ans Meer
  • Exposition: Süd/Südwest
  • Nur bedingt familienfreundlich wegen steil abfallenden Klippen

Cala Magraner

  • Routen: über 70 Touren von 3 bis 8a
  • Wandhöhe: maximal 23 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken
  • Zustieg: 20 Minuten vom Parkplatz; nach Steinmauer dem breiten und einzigen Weg folgen
  • Exposition: Süd
  • Familienfreundlich mit direktem Zugang zum Meer

El Calo del Betlem

  • Routen: knapp 22 Touren von 5 bis 7b
  • Wandhöhe: maximal 20 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (Achtung bei Umlenker, teilweise verrostet)
  • Zustieg: 20 Minuten vom Parkplatz in Betlem; breiter Wanderweg direkt zum Felsen
  • Exposition: Südost/Südwest
  • Familienfreundlich, kein direkter Zugang zum Meer

Caimari

  • Routen: etwa 50 Routen verteilt auf 3 Sektoren von 4 bis 8c
  • Wandhöhe: maximal 30 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (viele saniert)
  • Zustieg: 5 – 10 Minuten, je nach Sektor, gut sichtbare Wege
  • Exposition: West
  • Bedingt familienfreundlich, je nach Sektor; Sektor Hairpin Wall absolut kindertauglich
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