Winterabenteuer auf Island

Sonne, Eis und Meer – ein unvergessliches Winterabenteuer auf Island

4. November 2016

Sportart

Winterabenteuer auf Island

Im Winter ist Camping so gut wie überall möglich.

Island, Januar 2015. Vier Berliner unterwegs im ewigen Eis. 3000 km entfernt von unserer Heimat erlebten wir eine andere Welt mit unendlichen Gletschern, gewaltigen Wasserfällen, heißen Quellen und schimmernden Nordlichtern. Island beweist sich als Wintergeheimtipp für Abenteuerlustige und Naturliebhaber.

Bestens vorbereitet starten wir zu unserem fünftägigen Winterabenteuer nach Island. Neben der kompletten Wintermontur haben wir Zelte, Campingkocher, Steigeisen, Eispickel, Seile und Schneeschaufel mit im Gepäck. Nach knapp vier Stunden Flugzeit landen wir in Reykjavik, der Hauptstadt des Inselstaates. Ein eisiger Wind und kalter Schnee bläst uns direkt zur Begrüßung ins Gesicht. Herzlich willkommen im Winterparadies Island.

Glatte Straßen

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Die eisigen Straßenverhältnisse sind teilweise unberechenbar.

Direkt am Flughafen nahmen wir unseren Mietwagen, einen Toyota VX Landcruiser, entgegen. Gezielt wählen wir einen Geländewagen aus, um auch abseits der Hauptroute, die die Insel ringförmig umrundet, unterwegs sein zu können. Dies erweist sich auf den verschneiten und teils spiegelglatten Straßen als äußerst hilfreich. Trotzdem bleibt es auch uns nicht erspart, bereits beim ersten Verlassen der Hauptstraße im nächtlichen Tiefschnee stecken zu bleiben. Glücklicherweise waren uns Einheimische dabei behilflich, das Auto wieder aus dem Schnee zu ziehen, allein hätten wir das nicht mehr geschafft. Im Laufe der Reise ist uns klar geworden, dass es im isländischen Winter scheinbar dazu gehört, mit dem Auto im Schnee stecken zu bleiben, von der Straße abzukommen oder ins Rutschen zu geraten. Nahezu täglich sehen wir Autos am Straßenrand und helfen ihnen wieder zurück auf den rutschigen Asphalt. Im Vergleich zu den Einheimischen sind wir mit Schneeschaufel, Seil und Eispickel bestens dafür gerüstet. Nun jedoch zu unseren Erlebnissen abseits der Straße.

Lavahöhle für Jedermann

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Der Einstieg ist im Schnee nur schwer zu finden.

Direkt vom Flughafen aus steuern wir die Lavahöhle Leidarendi nahe Reykjavík an. Im nächtlichen Schneesturm ist es nahezu unmöglich, den Einstieg zur Höhle zu finden. Dem Zufall sei Dank, erkennen wir am Straßenrand noch ein paar Taschenlampenlichter – eine Gruppe Abenteuerhungrige, die gerade aus der Höhle kommt. Sie weisen uns schließlich den Weg zum Einstieg. Die Höhle selbst ist unerwartet groß und ohne Schwierigkeiten zu bewältigen – nicht gerade spektakulär, jedoch ein schöner Beginn für unsere Islandreise.

Brodelnde Geysire und eisige Wasserfälle

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Alle 10 Minuten schießt das Wasser in die Höhe.

In den folgenden Tagen besuchen wir einige der „Klassiker“ im Süden der Insel. Angefangen mit der spektakulären Wasserfontäne des Großen Geysirs, der namensgebend für diese Art von geothermalen Quellen ist, sowie den Geysir Strokkur, der in regelmäßigen Abständen von etwa 10 Minuten ausbricht und eine bis zu 30 Meter hohe Wassersäule in die Luft schleudert. Wer da nicht aufpasst und nicht schnell genug von der Kraterabsperrung zurücktritt, bekommt schon mal eine nasse Brise von oben ab. Bei eisigen Wintertemperaturen ist das jedoch kein Problem, weil das Wasser in sekundenschnelle zu Eis gefriert und die Kleidung nur steif werden lässt.

Winterabenteuer auf Island

Abseilen am vereisten Skaftafell.

Als weitere Attraktion bestaunen wir die teils mit Schnee und Eis bedeckten Wasserfälle Gulfoss, Skógafoss, Seljalandsfoss und Svartifoss, wobei der letztgenannte uns einen super Spot für eine nächtliche Abseilaktion bietet. Wir seilen uns 20 Meter herab an den Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen von der Felskante des Svartifoss hängen und am Rande mit meterlangen Eiszapfen geschmückt sind. Unsere Abseilstrecke endet im Flussbecken, das im Winter zu einem Trichter aus Eis geformt ist, und in das die Wassermengen hinein stürzen.
Der Svartifoss liegt in kurzer Entfernung zum Camping in Skaftafell am Vatnajökull-Nationalpark. Im Gegensatz zu den anderen Campingplätzen in der Region hat dieser auch im Winter geöffnet. Gegen eine kleine Gebühr ist es möglich, hier sein Zelt aufzubauen und die Sanitäranlagen zu nutzen. An der Rezeption erhalten wir zudem aktuelle Informationen zu den Gletschern im Vatnajökull National Park. Wir nähern uns dem absoluten Highlight der Tour.

Seilrutsche in der Gletscherwelt

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Seilbrücke am flächenmäßig größten Gletscher der Welt.

Der Vatnajökull ist der flächenmäßig größte Gletscher der Welt außerhalb der Arktis mit einer Eisdicke bis zu 950 m. Wir waren zutiefst beeindruckt vom Anblick dieser gewaltigen Eismassen. Im Sommer ist der Gletscher zumeist von einer Ascheschicht bedeckt, nun im Winter leuchtete er jedoch bis ins türkisblaue. Mit Steigeisen, Eispickel und Seil bewegen wir uns über das Eis, rutschen die gewaltigen Gletscherzungen hinunter und bauen uns Seilbrücken von einer Spalte zur Nächsten.
Begeistert vom Eis fahren wir noch in der Nacht nach Jökulsárlón, den größten und bekanntesten Gletschersee Islands. Er ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 Meter erreichen. In der Nacht bleibt uns der Blick darauf jedoch verschlossen. Trotz unserer leuchtstarken Taschenlampen können wir kein Treibeis darauf erkennen. Sicherlich war es auch nicht die beste Idee, im Dunkeln hier her zu fahren. Umso größer ist die Vorfreude auf den nächsten Tag, wo wir noch einmal eine Gletschertour absolvieren.

Starkwinde am Meer

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Dyrholaey – der südlichste Punkt der Hauptinsel.

Vom Vatnajökull fahren wir schließlich weiter nach Dyrholaey, den südlichsten Punkt der Insel nahe der Ortschaft Vik. Warme und winddichte Kleidung sind hier Pflicht. Solch starke Winde hatte bisher noch keiner von uns erlebt. Vom Parkplatz aus laufen wir zunächst Richtung Leuchtturm und dann die Steilküste entlang bis zum Ausblick auf dem „Türhügelinsel“ – ein großer Felsbogen mit einem von Wellen geformten Felsdurchbruch im Meer. Unterhalb des Cliffs schwappen die Wellen dem schwarzen Lavastrand entgegen.

Iglubau an heißen Quellen

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Nordlichter bei Iglubau.

Zum Abschluss jeder Islandreise darf ein Bad in heißen Quellen natürlich nicht fehlen. Wir entscheiden uns für die naturbelassene Badestelle im Reykjadalur oberhalb von Hveragerð.
Die mit Holzstegen und Kleiderständern ausgebaute Badestelle ist nach einem zweistündigen Fußmarsch vom Parkplatz aus gut zu erreichen. Das ablegen sämtlicher Kleiderschichten kostet uns zunächst reichlich Überwindung. Die Außentemperaturen rund um den Gefrierpunkt sorgten schnell für Gänsehaut und blaue Lippen. Das heiße Wasser brennt anfangs auf unserer Haut, als wir uns mit unseren durchgefrorenen Körpern hineinlegen. Wir haben die Badestelle fast für uns alleine und im Laufe des Abends stoßen nur zwei weitere kleine Gruppen hinzu. Wir kochen unser Abendbrot vom Wasser aus und genießen die Atmosphäre. Die Nacht wollen wir hier oben in einem Iglu verbringen. Mit Schneeschaufeln und Schneesägen machen wir uns an die schweißtreibende Arbeit. Schwache Nordlichter begleiten unser Bauvorhaben. Nach mehr als vier Stunden schneesägen, schneeschaufeln und Schneeklötze stapeln brechen wir das Projekt jedoch ab, weil es uns nicht gelingt, das Dach des Iglus zu schließen. Der Schnee ist einfach zu weich, die Konstruktion zu instabil – uns fehlt schlichtweg die Erfahrung im Iglubau. So treten wir schließlich den Rückweg an. Der nun aufkommende Schnee hätte für unsere ungeschützten Daunenschlafsäcke das Ende bedeutet und so verbringen wir auch unsere letzte Nacht im Zelt.

Zwischen zwei Kontinenten

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Der Thingvallavatn ist der größte See des Landes.

Am Abreisetag steht als letztes Ziel noch Thingvellir auf dem Plan. Der Ort gehört gemeinsam mit dem Wasserfall Gullfoss und den Geysiren des Haukadalur zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, dem sogenannten Golden Circle. Der Nationalpark Thingvellir ist gekennzeichnet durch die Allmännerschlucht, eine kilometerlange, nicht heilende Wunde, die sich durch die Landschaft zieht. Jahr für Jahr driften hier die eurasische und die nordamerikanische Platte einige Zentimeter weiter auseinander und vergrößern die klaffende Schlucht. Vom Felsen über der Allmännerschlucht reicht der Blick über weite Teile des ersten isländischen Nationalparks Thingvellir sowie den Thingvallavatn, der größte See des Landes. An keinem Ort zuvor treffen wir auf so viele Touristen wie hier. Die meiste Zeit der Reise sind wir allein unterwegs gewesen. Die Kulisse ist sicherlich schön, jedoch empfinden wir es als zu voll, um die Natur richtig genießen zu können. Einzig eine Tauchtour im glasklaren Wasser der Silfra-Spalte, die als Tauchspot bekannt ist, wäre für uns eine verlockende Aktion gewesen, so kurzfristig war das jedoch nicht mehr zu realisieren. Nach einem kurzen Aufenthalt steigen wir somit wieder ins Auto und fahren durch den einsetzenden Schneefall zum Flughafen.

Winterkulisse mit funkelnden Polarlichtern

Winterabenteuer auf Island

Polarlichter versüßen die Autofahrt.

Vom Schnee blieben wir die meiste Zeit weitestgehend verschont. In Vorbereitung auf die Tour hatten wir viele Berichte über das schlechte Wetter Islands gehört und gelesen. Wir hatten jedoch Glück und erlebten den Winter als eine ganz besondere Reisezeit mit kontrastreichen Bildern von klirrendem Eis und Schnee neben heißem Lava- und Schwefeldampf sowie angenehm warmen Quellen. Die längste Zeit über wurden wir von Sonnenschein begleitet und konnten allabendlich funkelnde Polarlichter am Himmel bewundern.

Die Reise und Erlebnisse machten Lust auf mehr. Wir wollen auf jeden Fall nochmal wiederkommen, mal schauen, dann vielleicht auch mal im Sommer.

Text: Sina Burmeister
Fotos: Ronny Horning & Sina Burmeister

Winterabenteuer auf Island

Das will man doch gerne reinspringen.

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