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Northern Playground – Hose runter auf Norwegisch

30. April 2019
Ausrüstung

Dass Männer oft nur große Jungen sind, ist dem Volksmund hinlänglich bekannt und dass Buben oft bei ihrer Mutter Rat suchen wenn es auf dem Spielplatz zu gewissen Diskrepanzen kommt, ist einfach eine Tatsache. Mutti ist halt immer da und weiß Bescheid. Kleidungstipps von Müttern sind meist zwar nicht gern gesehen, prägen aber nahezu jede Generation auf ihre ganz eigene Art. Kein Wunder also, dass auch ältere Jungs immer mal wieder auf dieses wandelnde Gratis-Offline-Lexikon zurückgreifen. Bei der Wahl der richtigen Unterwäsche ist das freilich ein wenig skurril, die Geschichte von Northern Playground zeigt jedoch, dass daraus auch ein echter Erfolg werden kann.

Wobei geht’s aber dabei eigentlich genau? Bei Northern Playground handelt es sich keineswegs um den Kinderspielplatz in Trondheim, Oslo oder Stockholm, sondern vielmehr um einen aufstrebenden Hersteller innovativer und funktioneller Outdoorkleidung. Was das Ganze nun aber mit (kleinen) Jungs und deren Müttern zu tun hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Legen wir also gleich mal los und fragen uns:

Wer oder was ist Northern Playground?

Northern Playground ist eine vergleichsweise junge Firma, die 2012 in Oslo, Norwegen gegründet wurde. Die Geschichte zur Firmengründung ist dabei so logisch wie skurril. Firmengründer Jo Tobiassen ist seit jeher begeisterter Outdoorsportler. Gerade Berg- und Skitouren haben es ihm angetan. Neben dem reinen Sport sollen dabei aber auch das Naturerlebnis und ein gewisser Komfort nicht zu kurz kommen. Doch das wird bekanntlich schwierig, wenn man in schweißnassen Klamotten auf dem Gipfel eines Bergs sitzt und weder Aussicht noch Brotzeit genießen kann, weil man sich schon nach kurzer Zeit seine fünf Buchstaben abfriert. Dieses Problem und dessen Lösung ist quasi Kernkompetenz und Gründungsmythos der Firma in einem.

Denn vom nassen und kalten Bergerlebnis führt der Weg von Jo direkt nach Hause ans Telefon. Ein mütterlicher Rat muss her! Und siehe da, nach einiger Zeit an der Nähmaschine hatten die beiden ein Kleidungsstück entworfen, das optisch irgendwo zwischen einteiligem Schlafanzug und Superheldenkostüm ohne Cape stand. Wenngleich das Designerstück ein wenig eigensinnig daher kam, legte es doch den Grundstein für einen neuen Typus von Outdoorkleidung: Funktionsunterwäsche, die während einer Tour ausgezogen werden kann, ohne dass man dafür Pullover, Schuhe oder auch Überhose ausziehen muss.

In Magnus Aasrum war außerdem schnell ein geeigneter Partner gefunden, der sich frei nach dem Motto „lass doch mal die Hosen runter“ für das Thema innovative Outdoorunterwäsche interessierte. Einige Selbstversuche in Sachen nähen von Kleidung und tragen von Frauenunterwäsche später, war es so weit und Northern Playground ging 2012 mit seiner ersten Kollektion an den Start.

Ok, das wäre geklärt. Aber…

Was ist bei Northern Playground anders, als bei anderen Marken?

Zunächst einmal fallen da die Produkte auf, mit denen alles begann. (Ski-)Unterhosen mit seitlichen Reißverschlüssen, die sogenannten Ziplongs. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie simpel: Schwitzt man während einer Tour, beispielsweise bei langen und steilen Anstiegen stark, ist ein Teil der Klamotten nass. Auch beste Funktionsmaterialien versagen in Sachen Atmungsaktivität und schnelltrocknenden Eigenschaften je nach Kombination der Kleidungsstücke oder Stärke des Schwitzens. Spätestens bei der Gipfelrast sitzt man daher nicht selten in nassen Klamotten da und friert innerhalb kürzester Zeit. Das Panorama, die Brotzeit oder einfach nur die Ruhe zu genießen macht so einfach keinen Spaß.

Genau an dieser Stelle setzt die Zip-Wear-Kollektion an. Hierbei handelt es sich vornehmlich um lange Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. „Gähn“, wird jetzt der eine oder andere denken, doch die Idee dahinter ist ebenso einfach wie simpel: Schweiß ist dazu da, die Körpertemperatur mittels Verdunstung zu regulieren. Strengen wir uns an steigt theoretisch unsere Körpertemperatur, uns wird warm. Zur Temperaturregulierung  schwitzen wir. Im Idealfall kann der Schweiß ungehindert verdunsten und kühlt durch die entstehende Verdunstungskälte die Körpertemperatur wieder herunter bzw. hält sie konstant. Nackt klappt das bestens.

In Verbindung mit (Funktions-)Kleidung wird’s da schon schwieriger. Kommen dabei auch noch Faktoren wie Sonnenstrahlung, Wind und Niederschläge ins Spiel, kann das Zusammenspiel der einzelnen Schichten und somit auch deren atmungsaktive Eigenschaften deutlich leiden. Das Ergebnis: Der Schweiß sammelt sich zumindest teilweise in der Kleidung und verdunstet auch dann noch, wenn die kühlenden Eigenschaften schon lange nicht mehr benötigt werden.

Einfache Lösung: Die nassen Klamotten müssen weg. Und genau an diesem Punkt setzt die Zip Wear Collection von Northern Playground an. Denn hierbei handelt es sich vornehmlich um (Ski-)Unterwäsche, die über lange seitliche Reißverschlüsse verfügt. Hierdurch können gerade die langen Unterhosen auch während einer Tour ausgezogen werden, ohne dass man dazu komplett blankziehen muss.

Auch in Sachen Materialien gibts da nichts zu klagen. Hier kommt von Kunstfaser bis Merinowolle alles zum Einsatz was es für einen angenehmen und funktionellen Outdooreinsatz braucht.

Jetzt aber Hosen runter!, im wahrsten Sinn, denn…

Wie sieht es bei Northern Playground mit der Nachhaltigkeit aus?

Laut seinem eigenen 12 Punkte Schema stellt Northern Playground sein Nachhaltigkeitskonzept wie folgt dar:

  1. Northern Playground hat seinen Firmensitz in Norwegen. Um jedoch kostengünstig und gleichzeitig mit möglichst großer Nähe zum Absatzmarkt produzieren zu können, werden die Kleidungsstücke in Litauen gefertigt.
  2. Wenn möglich kommen recycelte Materialen zum Einsatz.
  3. Alle Kleidungsstücke werden in Pappschachteln verpackt, Plastik kommt hier nicht zum Einsatz.
  4. Die Produkte werden ohne „Ablaufdatum“ oder „Sollbruchstellen“ gefertigt und können lange verwendet werden.
  5. Durch eine hohe Qualität der Kleidung sowie der verwendeten Materialien wird eine hohe Lebensdauer erreicht. Hier handelt es sich nicht um sogenannte „Fast fashion“ sondern vielmehr um Produkte, an denen man dauerhaft Spaß haben soll.
  6. Die verwendete Wolle wirdohne den Einsatz von Mulesing oder Superwash produziert.
  7. Es gibt unterschiedliche Kollektionen mit Biowolle und Bioseide.
  8. Ausgewählte Produkte werden direkt in Toyen, Oslo gefertigt.
  9. Northern Playground engagiert sich auch auf politischer Ebene für den Umweltschutz in der Industrie. So plädiert die Firma beispielsweise für die Einführung einer Umweltsteuer in Norwegen.
  10. Der wichtigste Produzent der Kollektionen ist Utenos mit Sitz in Litauen. Hier wird ein Großteil der Produkte von Northern Playground gefertigt. Utenos ist sich dabei seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst und erfüllt strenge Auflagen.
  11. „Grün“ zu denken und grün zu arbeiten ist einer der obersten Leitsätze von Northern Playground.
  12. Ehrlichkeit und Offenheit sind Werte, durch die sich Northern Playground definiert. Hierzu wird den Kunden nicht selten ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Überhaupt dreht sich bei Northern Playground irgendwie alles um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz und Offenheit. Hierzu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem „Utviklingsfondet“, dem Norwegischen Entwicklungsfonds, der sich für die Entwicklungs- und Umweltarbeit einsetzt. Hierdurch wird unter anderem durch Baumpflanzungsprojekte in Afrika versucht, den CO2-Fußabdruck der Firma so gut wie möglich auszugleichen.

Damit jedoch genug Ökoaktivismus für heute!

Wie siehts ganz allgemein mit der Produktpallette aus?

Die Produktpallette von Northern Playground kann grob in zwei große Bereiche unterteilt werden: „The Zip Wear Collection“, also überwiegend (Ski-)Unterwäsche mit strategisch angebrachten Reißverschlüssen und „The Organic Collection“, die aus Kleidung mit Biowolle und Bioseide besteht.

The Zip Wear Collection

Die Idee hinter den Kleidungsstücken mit Sidezips haben wir weiter oben ja schon beschrieben. Aber welche Produkte gibt es da denn konkret?

Unterhosen in unterschiedlichen Längen

Die sicherlich innovativsten Produkte von Northern Playgrund sind die wärmenden Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. Diese Hosen gibt es lang, dreiviertellang und kurz, sodass sie für die unterschiedlichsten Aktivitäten eingesetzt werden können. Auch Hosen mit einer gepolsterten Sitzfläche sind hier vertreten.

Pullover mit Frontreißverschluss

Pullover mit halblangem Reißverschluss sind echte Basics. Kein Wunder, dass auch Northern Playground welche in seiner Kollektion hat. Das Material ist dabei eine Mischung von Wolle und Kunstfaser und verbindet so Funktionalität und Tragekomfort in Perfektion.

Einteiler

Beim Zipbody handelt es sich um einen praktischen Einteiler. Dieser kommt mit langen Ärmeln und kurzen Beinen. Hierdurch ist er gerade für (Ski-)Hochtouren und andere alpine Aktivitäten gut geeignet. Durch einen langen Reißverschluss am Gesäß kann er auch unterwegs problemlos ausgezogen werden, ohne dass man sich dabei komplett entblättern muss.

Unterwäsche

Was gibts bei Unterwäsche schon groß zu erklären. Unterhosen und Sport-BHs eben. Aber mit dem kleinen Unterschied, dass auch diese Kleidungsstücke über einen strategisch angebrachten Reißverschluss verfügen, die das schnelle Ausziehen unterwegs erleichtern.

The Organic Collection

Eine zweite wichtige Produktlinie ist die Biokollektion. Hier kommen laut Herstellerangaben nur natürliche Materialien mit hoher Qualität zum Einsatz. Schauen wir doch mal rein:

Unterwäsche

Von der langen Unterhose bis hin zum BH gibt es hier alles, was zu einer ordentlichen Wäschekollektion gehört. Das Besondere dabei sind die Materialien. Alle Kleidungsstücke sind aus einem Mischgewebe aus Biowolle und Bioseide gefertigt und überzeugen durch gute Trageeigenschaften.

Shirts

Die zweite große Gruppe der Kollektion sind T-Shirts und Longsleeves. Auch hier kommt wieder eine Materialmix aus Wolle und Seide zum Einsatz. Besonders: Die Langarmshirts gibt es auch mit Knopfleiste und als Hoodie.

Accessoires

Neben den beiden großen Produktlinien hat Northern Playground auch noch ein paar schicke Accessoires am Start. Vom Röhrenschal bis Skisocken hier sind zahlreiche Produkte vertreten, die unterwegs angenehm, nützlich und schick sind.

Was gibts abschließend über Northern Playground noch zu sagen?

Die Produkte von Northern Playground überzeugen nicht nur durch eine gute Qualität und angenehme Materialien. Durch ein moderndes Design und gute Ideen hinter den einzelnen Kleidungsstücken überzeugen sie außerdem beim Outdooreinsatz. Dabei sind Ziplongs, Longsleeves und Co. bestens für alle geeignet, die viel draußen unterwegs sind und dabei nicht frieren wollen. Eine offene Firmenphilosophie sowie der gelebte Nachhaltigkeitsgedanke runden das Konzept von Northern Playground ab und machen die Marke so zu einem kleinen aber feinen Bekleidungshersteller aus dem hohen Norden.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Marmot

2. April 2019
Ausrüstung

Marmot ist eine Bekleidungs- und Ausrüstungsfirma, die standesgemäß im Sunny California der frühen Siebziger entstand und mittlerweile zu den bekanntesten weltweit operierenden Outdoorlabels gehört.

Man kann bei Marmot nicht unbedingt von einer umfassenden, alles durchdringenden Nachhaltigkeitsstrategie wie bei Patagonia oder Fjällräven sprechen. Es werden eher punktuelle Maßnahmen in verschiedenen Bereichen durchgeführt. Das klingt zunächst bescheiden, ist aber durchaus verständlich, denn bei Marmot ist der Anteil an wirklich hochfunktionaler, technischer Kleidung und Ausrüstung für anspruchsvolle Outdoor- und Bergunternehmungen relativ hoch. Doch das heißt nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit nur ein Schattendasein führen würde – die gezielten Maßnahmen haben es wirklich in sich und können je nach Erfolg der entsprechenden Produkte weitreichende Wirkung zeigen.

Als Haupt-Bausteine des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts kann man das Leitmotto „People, Product, Planet“ sowie die sogenannte Treadlight-Strategie betrachten. Hauptsächlich geht es bei diesen um technische Innovationen bei Materialien und Herstellungsverfahren, um Ressourcen effizienter zu verwenden und dabei zugleich die maximale Funktionalität der Produkte zu erreichen. Das versuchen viele andere Hersteller auch, doch das Besondere bei Marmot ist, dass die resultierenden Produkte nicht nur im hochpreisigen Segment anzutreffen sind (dazu gleich noch zwei Beispiele).

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Marmot sieht demzufolge langlebige und hochwertige Produkte als beste Maßnahme, um schädliche Umwelteinflüsse zu minimieren. Diese Herangehensweise sieht man nach eigener Aussage als treibende Kraft der Produktentwicklung. Es gibt hier auch nachweisbare Erfolge, von denen die Daunenalternative Marmot Eco Featherless und die umweltschonende Imprägnierung EvoDry hervorzuheben sind.

Eco Featherless

Die Daunenalternative aus Nylonfasern kam als Teil des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts in den Handel. Die Nylonfasern bestehen wiederum zu 75 Prozent aus recycelten Materialien.

Eco Featherless erreicht eine Wärmeleistung und Bauschkraft, die einer 700 Cuin Daunenfüllung entspricht, und ist dabei sowohl atmungsaktiv als auch feuchtigkeitsabweisend. Sie wärmt damit auch im nassen Zustand und wird durch häufiges Waschen kaum beeinträchtigt. Last but not least ist Eco Featherless hypoallergen und nach dem Ökostandard Bluesign zertifiziert.

EvoDry

Diese patentierte Imprägnierung wird ohne Wasser, nur mittels Hitze und Druck direkt in das trockene Garn eingebracht. Das Garn wird durchdrungen und hält dadurch dauerhaft Nässe stand. Jan Schapmann, Geschäftsführer von Marmot Mountain Europe, sieht darin nichts weniger als „die Zukunft der Regenbekleidung“.

Auch EvoDry besticht durch hohe Waschbeständigkeit: 100 Gänge in der Waschmaschine und im Trockner übersteht die Imprägnierung locker. Marmot versichert, dass EvoDry-Bekleidung die ganze Dauer über wasserdicht bleibt und nie nachimprägniert werden muss.

Bei EvoDry-Kleidungsstücken sind alle Bestandteile von der Imprägnierung bis hin zum Reißverschluss komplett PFC-frei.

Die Stoffe, auf denen die Imprägnierung aufgetragen wird, bestehen aus recyceltem Nylon und werden im umweltschonenden „Solution-Dye-Verfahren“ gefärbt. Dieses benötigt laut Outdoor-Magazin pro Jacke 85 Prozent weniger Färbemittel und 89 Prozent weniger Wasser als herkömmliche Verfahren. Energieeinsatz und CO2-Ausstoß sollen um fast zwei Drittel niedriger ausfallen.

EvoDry und Eco Featherless sind die Vorzeigetechnologien der oben erwähnten Marmot-Nachhaltigkeitsinitiative Treadlight. Sie sind aber nicht die Einzigen, hinzu kommt noch die Produktlinie der Thread T-Shirts, die aus 50% recyceltem Polyester (vor allem aus Plastikflaschen) und 50% recycelten Baumwoll-Verschnittresten hergestellt sind. Dank Letzterer werden vor allem der hohe Pestizideinsatz und Wasserbrauch der Baumwollproduktion verringert. Die verwendeten Farben sind deutlich schadstoffärmer und die T-Shirts trugen zur Schaffung von mehr als 1.300 Jobs auf Haiti bei.

Ein weiterer Umweltaspekt ist Marmots Selbstverpflichtung zur Verwendung von RDS-zertifizerter Daune. Der Responsible Down Standard (RDS) ist ein unabhängiger Zertifizierungsstandard, der die Rückverfolgbarkeit von Daunen sicherstellen soll und für die gesamte Produktionskette gilt. Auch ein durchwegs würdiger Umgang mit den Tieren soll sichergestellt werden. Bislang gelingt das in Bezug auf einzelne Produktionsketten und Unternehmen, langfristig soll es die gesamte Daunenindustrie zum Besseren verändern.

2015 begann Marmot mit der Verwendung von RDS-Daunen, seit Winter 2018 ist laut Eigenauskunft die Daune europaweit in allen Marmot-Schlafsäcken und Kleidungsstücken RDS-zertifiziert.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Neben einer wachsenden Zahl an Fair Trade Produkten hat Marmot einen Verhaltenskodex für Partner und Lieferanten. In dieser vertraglich bindenden „Vendor Compliance Policy“ werden Partner, Lieferanten und deren Subunternehmer zur Einhaltung international gültiger Standards und Normen des Arbeitsrechts verpflichtet. Man kann Marmot durchaus glauben, dass an der Umsetzung ernsthaft gearbeitet wird, denn es wird nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch auf langfristig wachsendes Vertrauen und gegenseitigen Respekt gesetzt. Mit 95 Prozent der Zulieferer unterhält man Geschäftsbeziehungen, die seit mehr als fünf Jahren andauern.

Ökonomische Aspekte

Ob Marmot eigenständig nachhaltige ökonomische Entscheidungen fällen und Strategien entwickeln kann, ist schwierig zu bewerten, da die Firma im Laufe der Jahre in ein Geflecht aus Übernahmen und Beteiligungen eingebunden wurde: „2004 wurde Marmot von K2 Sports übernommen, welches wiederum 2007 von der Jarden Corporation übernommen wurde. Nach der Übernahme von Jarden durch Newell Rubbermaid im Jahre 2016 wurde Marmot aus K2 ausgegliedert und die K2 Sports 2017 an Kohlberg & Company verkauft. Marmot ist bei Newell verblieben.“

Für Aussagen über die Planung und Durchsetzbarkeit von ökonomischen Nachhaltigkeitsstrategien benötigt man Einblicke in die Vorgaben, Entscheidungswege und Hierarchien bei Marmot und derer Mutterkonzerne, was den Rahmen dieses Artikels leider ein wenig sprengt.

Mitgliedschaften und Kooperationen

Marmot ist bluesign Systempartner, was die Verpflichtung beinhaltet, das bluesign-System in der gesamten Produktionskette anzuwenden. Das bluesign-System minimiert schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur durch einen international anerkannten Standard für nachhaltige Textilproduktion und Verbraucherschutz. Mit Inspektionen vor Ort wird sichergestellt, dass chemische Produkte und Rohstoffe korrekt und verantwortungsvoll eingesetzt und bedenkliche Stoffe vermieden werden.

Des Weiteren ist man Mitglied in der European Outdoor Conservation Association (EOCA). Die EOCA ist eine Initiative der Europäischen Outdoor-Industrie, die spezifische Umweltschutzprojekte unterstützt. Zudem unterstützt Marmot weitere Initiativen wie die dZi Foundation, die Cancer Climber Association, Guide Dogs for the Blind, Chicks with Picks, SOS Kinderdörfer und terre des hommes.

Was sagen die Kritiker?

Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Marmot mit 3 von 5 Punkten mittelmäßig mit der Tendenz zu „gut“ weg. Allerdings datiert der Check aus dem Jahr 2012, es kann sich also zwischenzeitlich einiges geändert haben. Ansonsten scheint Marmot bislang bei den Nachhaltigkeits- und Verbraucherportalen etwas unter dem Radar zu fliegen, denn seitdem scheint sonst niemand mehr nachgeprüft zu haben.

Das Alpin-Magazin sei von Marmots Nachhaltigkeitsbemühungen jedenfalls überzeugt, wie man in diesem Artikel über den Weg der Outdoorindustrie in die Nachhaltigkeit lesen kann. Über die mit EvoDry ausgestattete Eclipse Jacke heißt es:

„So schnell, robust und umtriebig, wie sich die namensgebenden Murmeltiere in der alpinen Welt bewegen, ist auch der Anspruch von Marmot an die eigenen Produkte. Das sieht man zum Beispiel in der neuen EvoDry-Technologie der Kalifornier, die nicht nur den Körper schützen soll, sondern auch die Umwelt. So besteht zum Beispiel das Eclipse Jacket aus recyceltem, sehr strapazierfähigem Nylon-Material und ist vom Reißverschluss bis zur Imprägnierung 100% PFC-frei. Dabei ist die Jacke atmungsaktiv, und hat 20.000 mm Wassersäule. Besonders schlau: Die Imprägnierung ist direkt ins Garn eingearbeitet, ein lästiges Nachimprägnieren entfällt daher“.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint das Nachhaltigkeitskonzept bei Marmot nicht allzu umfassend, doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich die punktuellen Maßnahmen als ziemlich effektiv. Allerdings ist auch die Kundschaft gefragt, nachhaltige Angebote wie Eco-Featherless und EvoDry wahrzunehmen und anzunehmen. Zumal Marmot es schafft, diese Technologien zu Preisen anzubieten, die sogar eher günstiger sind als die konventionellen Hightech Lösungen. Letztere sind im Grunde nur dann wirklich notwendig, wenn man zu dem eher kleinen Kreis der Bergfreunde gehört, der wirklich in große Höhen und stürmische Weiten vordringt. Denn das Niveau an Isolation, Wasserdichtigkeit und Gewichtsminimierung für den High-End Bereich ist (leider) nach wie vor nur mit PFC-haltiger Chemie und echten Daunen erreichbar.

Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Patagonia

19. März 2019
Ausrüstung

Es ist das Outdoor-Paradoxon: wir wollen unberührte Landschaft erleben und erhalten, verbrauchen aber reichlich Ressourcen, um sie mit eigenen Augen zu sehen. Wir regen uns über Sommerskifahrer und röhrende Porsches auf, steigen aber in den Flieger nach Neuseeland. Ob Hersteller und Anbieter von Outdoorware oder Konsument und Nachfrager: man schwärmt von Natur und Bergen, trägt aber genau dadurch auch zu deren Gefährdung bei.

Doch vielleicht gibt es auch eine andere Seite. So heizen bunte Bilder von Wasserfällen, Wäldern und Bergkulissen zwar einerseits die Konsum- und Reiselust an, doch gleichzeitig können sie durchaus auch den Sinn für die Schönheit der empfindlichen und schützenswerten Ökosysteme schärfen.

Nicht nur Klima: Was ist Nachhaltigkeit?

Vereinfacht gesagt: Nachhaltig ist, wenn man Ressourcen nicht schneller verbraucht, als die Natur sie – mit oder ohne menschlichen Einfluss – neu schaffen kann. Man kann dafür den selbstlosen Verzicht predigen, doch das wird kaum beachtet, geschweige denn ernst genommen. Auch kann das nur tun, wer glaubwürdig als Vorbild vorangeht – und das sind nicht Viele. Immerhin, wenn es denn mal jemand vormacht, wird es weithin respektiert und bewundert.

Trotzdem fruchten meist nicht einmal die vielen Appelle an die „freiwillige Selbstbeschränkung“ auf ein „vernünftiges Maß“. Sie riechen eben zu sehr nach Moralkeule und außerdem kann ohnehin niemand wirklich genau sagen, wo dieses goldene Mittelmaß liegt. Meist wird versucht, mit einem bestimmten „CO2-Budget“ pro Kopf und Jahr zu operieren. Derart auf Zahlen reduziert scheint es zwar besser umsetzbar, geht meiner Meinung nach aber am Kern des Problems vorbei – so wie im Grunde die ganze heutige Fixierung auf Zahlen, CO2 und „das Klima“.

Mit „Klimazielen“ und maximal „erlaubten“ Temperaturerhöhungen der Erde zeigt der Mensch neben der guten Absicht nämlich auch, dass er nach wie vor in dem technozentrischen Weltbild steckt, das die Probleme erst erzeugt hat. Ein solches Weltbild glaubt, mit Zertifikatehandel und etwas effizienterer Technologie die Temperaturverhältnisse der Erde zu steuern und damit das Umweltproblem in den Griff zu bekommen. Nur wird dabei vergessen, dass bei solch gewaltigen ökologischen Zusammenhängen auch kosmische Einflüsse wie die Sonne sowie auch die Erde selbst ein Wörtchen mitzureden haben. Auch geraten durch die CO2-Fixierung andere Probleme wie Bodenversiegelung oder Ausstoß von Ruß, Feinstaub und Aerosolen aus dem Blickfeld.

Echte Nachhaltigkeit muss auch andere Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die drei Ebenen des Nachhaltigkeitsmodells (Ökologisches, Ökonomisches und Soziales), sondern auch persönliche und grundsätzliche, nicht technische Aspekte wie ein Hinterfragen der eigenen Bedürfnisse und Motive. Um dann vielleicht so manchen Impulskauf oder die spontane Kurzreise um den halben Globus bleiben zu lassen. So kann man sich beispielsweise fragen: Brauche ich für meine Wanderpläne diese 3-lagige Hightech-Jacke mit 40 000 mm Wassersäule? Brauche ich die wasserabweisende und atmungsaktive Daunendecke für den Campingausflug? Muss alles immer nagelneu sein oder reicht auch mal ein gut gepflegtes Second-Hand-Teil?

Bei Outdoor-Kleidung bedeutet jedes Mehr an Funktion oft auch ein Mehr an Chemikalien. Aber jetzt fange ich hier selbst schon mit der Moralkeule an… Ich möchte aber nur zeigen, dass letztendlich die Hauptverantwortung bei uns als Kunden liegt, denn bei aller Werbeverführung der Welt kann kein Hersteller und kein Händler allein bestimmen, was gemacht und hergestellt wird.

Apropos Hersteller: dieser Artikel hier soll die Nachhaltigkeitsbemühungen von Patagonia unter die Lupe nehmen – und in folgenden Artikeln werden noch einige weitere Hersteller auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Patagonia

Zunächst Folgendes: eine durchweg nachhaltige/ethische Rohstoff-, Erzeugungs- und Vertriebskette kann nach wie vor kein Outdoor-Unternehmen leisten, ohne exorbitante Kaufpreise zu fordern. Auf diese Weise ist die Nachhaltigkeit eher eine kleine Spezialnische für die „gehobene“ Kundschaft. Damit wären wir aber eher beim berühmt berüchtigten „Freikaufen“ für einige wenige Superprivilegierte.

Wirkliche Nachhaltigkeit muss aber auch im effizienten, groß angelegten und preisgünstigen Rahmen funktionieren. Und hier ist Patagonia auf dem richtigen Weg, denn die Maßnahmen zielen nicht auf Exklusivität ab. Und Patagonia geht auch nicht den anderen „einfachen Weg“, nur einen unter vielen Aspekten nachhaltig zu gestalten und sich dann mit irgendeinem „klimaneutral“ erzeugten Zwischenprodukt ein grünes Image zu verschaffen. Nein, man setzt sich hier auf mehreren Ebenen für mehr Nachhaltigkeit ein und hat damit schon zu Zeiten begonnen, als nur die wenigsten global operierenden Unternehmen an derartiges dachten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Doch auch Patagonia war und ist ein wachsendes, global operierendes Unternehmen, dessen Verfahren und Produkte nicht immer vollständig nachhaltig sind. Elegant und diplomatisch wird dieses Problem in Formulierungen wie „zwischen Marketing und Umweltschutz“ ausgedrückt. Zu diesem Spagat gehören Engagements für verschiedene Umweltprojekte wie das bekannte Spendenkonzept „1% for the Planet“. Dessen Grundidee stammt von Patagonia-Gründer Yvon Chouinard selbst: 1% des jährlichen Unternehmensumsatzes geht an Organisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen.

Hauptsächlich will Patagonia die Umwelt-Nachhaltigkeit mit einem 4-Punkte Programm verbessern. Dieses besteht aus folgenden Punkten:

1 Reduce

Damit ist das Bestreben nach möglichst langer Lebensdauer der Produkte gemeint. Dadurch soll der Bedarf an ständig neuer Kleidung verringert werden. In diesem Rahmen ist auch die berühmte  Marketingkampagne „Do not buy this jacket“ während der Thanksgiving-Saison 2011 zu verstehen. Auf deren scheinbare Widersprüchlichkeit gehe ich später noch ein.

2 Repair

Patagonia gestaltet viele Kleidungsstücke so, dass Kunden sie möglichst einfach selbst reparieren können und unterstützt sie dabei mit Anleitungen im Internet. In den USA hat man eines der größten Textilreparaturzentren überhaupt aufgebaut und repariert dort jährlich 40.000 Kleidungsstücke.

In seinen Läden repariert Patagonia kaputte Outdoor-Bekleidung kostenlos und schickt mit dem „Worn wear truck“ seit 2017 einen Reparaturservice quer durch Europa (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage).

Außerdem nimmt Patagonia kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, andere Marken anzuprangern, die Reparaturen bewusst erschweren, um Kunden zu schnellem Neukauf zu bewegen. Mehr über die Worn Wear Aktivitäten findet sich in diesem Bergfreunde-Artikel und diesem Utopia-Bericht.

3 Reuse

Worn Wear dient auch als Label für den Second Hand Markt von Patagonia. Auf dieser Plattform wird gebrauchte Patagonia Bekleidung aufbereitet und gehandelt. Jeder Patagonia Kunde kann hier seine gebrauchte Kleidung weiter verkaufen.

4 Recycle

Wenn Weiterverwendung oder Reparatur nicht mehr möglich ist, kommt die Option Recycling zum Einsatz. Patagonia nimmt alle Bekleidungsstücke zurück und führt sie der Wiederverarbeitung zu. Damit werden viele nach wie vor hochwertigen Stoffe vor der Müllverbrennungsanlage oder der Deponie bewahrt. Schon seit langem produziert Patagonia einen Großteil seiner Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen. Mit dem Recycling von Daunen bei Patagonia haben wir uns hier im Basislagerblog schon einmal ausführlicher beschäftigt.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

„Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Patagonia wurde dabei in die zweitbeste Kategorie ‚Durchschnittliche‘ von fünf Kategorien eingestuft. Im ‚Outdoorguide‘ der Erklärung von Bern/Public Eye von 2012 erreichte Patagonia einen Platz in der höchsten Kategorie ‚Fortgeschrittene‘.“

Diese Wikipedia-Ausführungen zeigen die Schwierigkeiten des „Monitoring“, also der lückenlosen Überwachung und Bewertung aller Prozesse bei Großunternehmen (mit einem Umsatz von etwa 600 Millionen US$ (Stand 2013) und einer Mitarbeiterzahl von etwa 1300 gehört Patagonia eindeutig in diese Kategorie). Das Zurückverfolgen aller Wege und Zwischenprodukte kann da schon ziemlich kompliziert werden. Patagonia bemüht sich dennoch, alle Herstellungsschritte vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt transparent zu machen und fair zu gestalten. Letzteres zeigt sich auch an der Mitgliedschaft in verschiedenen Initiativen wie Fair Labor Association, die sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einsetzen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Seit 2013 zeigt sich das Unternehmen skeptisch gegenüber dem Konzept des ökonomischen Wachstums, weil es einen Punkt gäbe, an dem Wachstum direkt oder indirekt die Lebensbedingungen gefährden würde. Verantwortliches Wachstum wäre nur solches, das soziale und ökologische Folgen bedenke. Ähnliches wird zwar in jeder Sonntagsrede geäußert, doch bei Patagonia bestehen gute Chancen, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Denn die Firma ist und bleibt im Privatbesitz, ohne Beteiligung von anonymen Kreditgebern, die im Hintergrund die Geschäftsentscheidungen beeinflussen.

Marketing

Das Marketing bei Patagonia kann mit etwas Wohlwollen auch zur Nachhaltigkeitsstrategie gezählt werden, denn es zielt oft auf Umweltthemen ab. Ein zwar nicht messbarer, aber sicher nicht zu unterschätzender Beitrag von Patagonia liegt darin, viele Nachhaltigkeitsthemen überhaupt erst ins Bewusstsein der Outdoorbranche und ihrer Kunden gerückt zu haben.

Mit der bereits erwähnten „Kauft diese Jacke nicht“-Werbung positionierte man sich beispielsweise gegen Ressourcenverschwendung und Müllberge des schnelllebigen Modekonsums. Zunächst scheint eine derart widersprüchliche Botschaft wenig glaubhaft, doch man meinte sie durchaus ernst. Und wenn man zwischen Unternehmenswachstum und Marktwachstum unterscheidet, macht sie auch ökonomisch Sinn. Das Unternehmen Patagonia möchte eben dank seiner Nachhaltigkeitserfolge florieren. Firmengründer Chouinard sieht sich ja durchaus als Unternehmer im Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen, die beim Wegfall von schnelllebigem „Sinnloskonsum“ eben aufgrund ihrer mangelnden Nachhaltigkeit aus dem Markt gedrängt werden. Dann schrumpft zwar der Markt, doch die Firma wächst.

Was sagen die Kritiker?

Das Auge der kritischen Öffentlichkeit ist bei einer Firma wie Patagonia natürlich besonders wachsam. In der Vergangenheit hat es mehrfach Kritik von Tierschutzorganisationen gegeben. Die war berechtigt und wurde dementsprechend auch aufgenommen. Und zwar nicht in Form von Beschwichtigungen und Relativierungen, sondern in Form von Veränderungen. Im Falle einer Beschwerde von PETA über das Leid von Schafen in einem Zuliefererbetrieb nahm man diese Wolle umgehend aus der Verarbeitung. Nach Beschwerden über die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf entwickelte Patagonia den strengen „Traceable Down Standard“, der eine transparente Lieferkette und den Ausschluss von Zwangsfütterung und Lebendrupf sicherstellen soll.

Verbraucherschützer und Nachhaltigkeitsportale zeigen sich durchaus anerkennend. So bestätigt das Nachhaltigkeitsportal Utopia.de, dass die zahlreichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen weder Greenwashing noch Imagepflege, sondern echte Bemühungen sind. Der Verein Rank a brand kommt hingegen zu einem kritischen Urteil, das aber noch nicht abschließend gefällt scheint. Auch hier zeigen die abweichenden Ergebnisse, wie schwierig es ist, die Effektivität von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu bewerten.

Kritik in großen Medien wie Zeit.de und Spiegel-Online fällt eher undifferenziert aus und scheint auch teils Kritik um der Kritik willen zu sein. So schreibt man bei der Zeit:

„Das US-Unternehmen aus Kalifornien verkauft seinen Kunden nicht nur warme und langlebige Jacken, sondern ein Image: Öko-Coolness für politisch korrekte Hipster.“

Das klingt, als ob es falsch sei, dass Nachhaltigkeit mittlerweile sogar „cool“ sein kann. Wäre es denn besser, wenn sie immer noch mit muffigem Reformhaus- und Birkenstock-Image behaftet wäre? Mir sind Hipster ja auch nicht ganz koscher, insofern volles Verständnis für diese Breitseite. Dennoch ist sie eher ein Geschmacksurteil und unterstellt, dass Patagonia den Weg zur „Modemarke für Büromenschen“ einschlagen würde. Wenn, dann wäre das sicher fragwürdig, zumindest solange man nicht reine Modelinien ohne chemisch oder ressourcenaufwändig erzielte Funktionalität anbietet. Denn es stimmt schon, dass technische Outdoorkleidung in der Stadt oder beim Waldspaziergang wenig sinnvoll ist.

Auch der Spiegel kritisiert auf ähnliche Weise. Es werden auch hauptsächlich Probleme und Widersprüche hervorgehoben, die die Outdoorbranche allgemein betreffen.

Fazit

Ganz sicher kann Patagonia noch vieles verbessern und umfassende Nachhaltigkeit ist noch lange nicht erreicht. Betrachtet man es in Relation zur Gesamt-Outdoorbranche, gibt die Firma allerdings ein sehr gutes Bild ab. Patagonia ist aktiver als die meisten Mitbewerber und das auch schon seit viel längerer Zeit. Es treten zwar Versäumnisse und Fehler auf, doch diese werden nicht vertuscht oder schöngeredet, sondern nach und nach angegangen.

Gute Ökobilanz beim Skifahren – So wird der Winterurlaub nachhaltig

14. Februar 2019
Tipps und Tricks

Über Schneearmut muss sich aktuell im nördlichen und östlichen Alpenraum niemand beklagen. Pünktlich zum neuen Jahr schneit es ohne Unterlass. Die Skigebiete sind mit den Neuschneemassen teilweise sogar überfordert und müssen vorübergehend schließen. Die Grundlage für die Saison ist gelegt.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auf den ersten Blick Nachhaltigkeit und Skitourismus schwierig zu vereinen sind. Aktuell gelten allein in Bayern nur 50 Prozent der Skigebiete in mittlerer Höhe als naturschneesicher, in Österreich werden knapp 70 Prozent aller Flächen beschneit. Laut Deutschem Alpenverein wird die Abhängigkeit der hiesigen Gebiete von künstlicher Beschneiung zunehmen. Auch der Alpenraum bleibt vom Klimawandel nicht verschont. Viele Gemeinden bemühen sich daher um mehr Nachhaltigkeit durch sanften Tourismus und alternative Freizeitangebote für Wintersportler.

Keine Sorge, es geht beim Thema Nachhaltigkeit nicht darum den Skisport abzuschaffen, sondern ein größeres ökologisches Bewusstsein im Wintersport anzuregen. Wir haben uns dem Thema angenähert und festgestellt: Ein nachhaltiger Winterurlaub ist möglich! Und mit den folgenden vier Tipps kann jeder einen Beitrag dazu leisten!

1. Selektive Auswahl von Skigebieten: Mehr Natur- als Kunstschnee

Ein nachhaltiger Urlaub beginnt schon bei der Auswahl des Skigebietes. Meiden sollte man solche, die aktiv an einer Expansion arbeiten. Das umfasst den Bau von Skischaukeln (also eine Verbindung zwischen zwei Skigebieten, die in verschiedenen Tälern liegen), unnötige Modernisierungen und vor allem die Neuerschließung von Gebieten. Einige Skigebiete werben mit sehr langen, garantierten Saisonzeiten von bis zu 200 Tagen. Das können eigentlich nur Gletscherskigebiete leisten. In niedrigeren Lagen wird das durch zusätzliche Beschneiung und Snowfarming, also die Aufbewahrung von Schnee aus der alten Saison, erreicht. Das ist ökologisch bedenklich.

Vielmehr sollte man in Alpenregionen fahren, die Sommer- und Wintertourismus betreiben. Wintersportgebiete, die nur im Winter genutzt werden, offenbaren im Sommer die Auswirkungen des Massentourismus. Die starken Eingriffe in die Natur werden sichtbar, sobald die Schneedecke geschmolzen ist. Ein nachhaltiges Skigebiet sorgt sich auch im Sommer um den Zustand der Pisten. Bei guter Pflege erholen sich die Wiesen bis zur nächsten Saison. Sie sollten entweder gemäht oder beweidet werden, um Erosion vorzubeugen. Zusätzliche Einnahmequellen im Sommer motivieren Betreiber auch auf den Weiterbau von Anlagen zu verzichten: Sommertouristen erfreuen sich eher unberührter Natur als brach liegender Skiinfrastruktur.

Außerdem sollte man Skigebiete meiden, die mit mehr als 60 Prozent beschneiten Pistenkilometern werben. Auskunft darüber erhält man beim jeweiligen Tourismusverband. Die Beschneiung ist sehr teuer, kostet viel Energie und Wasser. Obwohl es sich auf Kunstschnee ähnlich gut fahren lässt, wie auf Naturschnee, ist die Technik zumindest noch nicht soweit, Pulverschnee zu produzieren. Außerdem vereisen die Pisten bei Sonneneinstrahlung schneller, weil Kunstschnee einen höheren Wasseranteil besitzt.

Exkurs Kunstschnee

Damit überhaupt Kunstschnee produziert werden kann, muss es über einen längeren Zeitraum hinweg mindestens -2 Grad kalt sein. Außerdem bedeutet die Errichtung von Speicherteichen und Rohrleitungen einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur, der Erosion fördern kann. Kunstschnee bleibt zudem länger liegen. Die Regenerationszeit der Wiesenflächen wird dadurch verkürzt. Die Gefahr von Vegetationsschäden ist auf Kunstschneepisten deutlich höher als auf Naturschnee.

Nachhaltige Formen der Beschneiung sind noch rar. Die Schneewolke ist eine der neueren Methoden, die im Tiroler Skigebiet Obergurgel-Hochgurgel ausprobiert wurde. Dabei wird mit geringem Strom- und Wasserverbrauch eine Wolke simuliert, aus der es schneit. Einige Skigebiete nutzen auch Wasserkraftwerke, um Strom zu erzeugen.

2. Sanfter Tourismus mit Ökolabel und alternativer Anreise

Zwischen 70 und 80 Prozent des CO2-Ausstoßes verursachen Skifahrer bei der An- und Abreise sowie bei Fahrten während des Urlaubs mit dem Auto. Statt Tages- und Wochenendausflüge ins Skigebiet zu unternehmen, sollte man gleich mehrere Tagen wegfahren – und das im vollbesetzten Auto.

Wirklich nachhaltig wäre es aber, mit dem Zug ins Skigebiet zu fahren. Die Skiausrüstung kann mit der Bahn schon vorausgeschickt werden. Das erspart das lästige Schleppen der Skiausrüstung. Shuttlebusse, der örtliche Nahverkehr oder Elektroautos ermöglichen Mobilität im Ort. Die Deutsche Bahn bietet auch günstige Kombitickets in Skigebiete an, die den Skipass beinhalten. Um die Anreise möglichst kurz zu halten, wählt man Skigebiete in der Nähe aus. Auch wenn Fernziele wie Japan, Beaver Creek oder Kamtschatka verlockend sind, belastet die Anreise mit dem Flugzeug die Umwelt zusätzlich.

Auch die Auswahl der Unterkunft kann nachhaltig sein. Einige Gemeinden setzen ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept um, das Hotelanlagen, Transportsysteme und das Skigebiet mit einschließt. Über Internetportale, wie beispielsweise Alpine Pearls oder Bergsteigerdörfer, kann man sich konkret über Regionen im Alpenraum informieren, die aktiv ökologischen Tourismus fördern. Es muss nicht immer das riesige Luxushotel sein. Auch kleine Hotels oder Berggasthöfe stellen sich auf Skitouristen ein. Sie beziehen ihre Produkte von Höfen, Käsereien und Metzgern aus der Nähe. Damit unterstützt man die Wirtschaft vor Ort.

3. Kaufe nachhaltige Ausrüstung und Skikleidung

Diverse Labels und Zertifikate wie die Fair Wear Foundation, bluesign, Responsible Down Standard und der Zusatz „PFC-frei“ helfen bei der Auswahl von umwelt- und sozialverträglichen Produkten. Einige Marken verwenden auch recyceltes Material in der Produktion von Outdoorbekleidung und Ausrüstung. Zudem gibt es eine breite „Reuse“-Initiative: Anstatt sich eine neue Jacke zu kaufen, repariert man die alte. Gleiches gilt für die Ausrüstung. Schon beim Kauf sollte man auf bestmögliche Qualität achten, weil das auf Langlebigkeit der Produkte schließen lässt. Je länger man Material nutzen kann, umso besser ist dessen Ökobilanz

Wer nur einmal im Jahr in den Skiurlaub fährt oder nur sehr sporadisch auf die Piste geht, muss gar nicht erst eine komplette Ausrüstung kaufen. Ausrüstungsverleihe im Skiort haben meistens die aktuellsten Modelle im Angebot. Das ist eine kostengünstige und umweltschonende Alternative. Richtige Outdoormenschen scheuen auch nicht davor zurück, ihre Skijacke beim Einkaufen in der Stadt oder auf dem Weg zur Arbeit anzuziehen. Produkte mehrfach zu nutzen, hilft Ressourcen zu sparen.

4. Winterurlaub vielseitig gestalten: Das sind Alternativen zum Skifahren

Der Winterurlaub muss nicht nur aus Skifahren bestehen. Mehr Unabhängigkeit von schneesicheren Pisten erlangt man, indem man seinen Winterurlaub vielseitig gestaltet.

Winterwanderungen machen Spaß, wenn man sich eine abwechslungsreiche Route raussucht. Bei moderaten Steigungen und auf präparierten Wegen kann man mühelos mit festem Schuhwerk und Teleskopstöcken losmarschieren. Ein besonderes Schmankerl sind Wanderungen durch eine Klamm. Im Winter gefrieren die Wasserfälle zu spektakulären Eisgebilden und die Stromschnellen der wilden Bäche, die sich im Sommer noch tosend durch die Schluchten winden, blitzen nur zeitweise unter einer Eisschicht hervor.

Mitte Februar findet zum Beispiel die deutsche Meisterschaft im Hundeschlittenrennen in Wallgau im Karwendelgebirge  statt. Über 100 Gespanne mit rund 1000 Hunden rennen in verschiedenen Distanzen um den Sieg.

Einmal die Winterlandschaft aus der Vogelperspektive betrachten? Das geht im Winter bei einer Heißluftballonfahrt. Der Brenner, der den Ballon zum Steigen bringt, sondert viel Hitze ab und sorgt für eine wohlige Wärme an Bord. Ein besonderes Angebot ist die Alpenüberquerung im Ballon. Durch die besondere Wetterlage und Thermik ist die kalte Jahreszeit perfekt fürs Paragliding geeignet.

Außerdem bieten viele Wintersportgebiete Schneeschuhtouren, Ski-Langlauf auf natürlichen Loipen, Rodeln, Skitouren und Schlittschuhlaufen an. Um sportlich aktiv zu sein, muss es also nicht immer die künstlich beschneite Piste sein. Abseits der gesicherten Wege sollte man aber besonders vorsichtig sein. Sicherheitsausrüstung wie LVS-Gerät, Sonde und Schaufel sind bei Skitouren Pflicht. Ebenso ein Blick in den Lawinenlagebericht.

Behindertenskilauf – Alles ist möglich

24. Januar 2019
Die Bergfreunde

9 Uhr morgens, Skigebiet Cardrona, Neuseeland. Ich sitze in einem der ersten Sessel gen Gipfel, als ich unter mir einen Sitzskifahrer in seinem Mono-Ski mit unglaublichem Tempo Richtung Talstation schießen sehe. Wahnsinn, wie ist es möglich, dass man sein Skigerät mit reiner Arm- und etwas Rumpfkraft so beherrschen kann? Mein Interesse ist geweckt, noch nie war mir eine querschnittsgelähmte Person auf der Piste begegnet. Dass es sowas wie Paralympics und sitzenden Skilauf gibt, war mir unterschwellig bekannt, aber nie wirklich in meinen Bewusstseinskreis vorgedrungen.

Wenig später sitze ich Tereza gegenüber, der Koordinatorin des Cardrona Adaptive Snow Sports Programme. Die ehrenamtliche Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Skifahrer mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. Ziel ist es, Skifahrern mit Handicap eine Begleitperson zur Seite zu stellen, die auf der Piste und beim Liftfahren unterstützt, als auch beim Skiunterricht assistiert. Was dabei rausspringt, ist jede Menge gemeinsamer Skispaß und ein intensiver Erfahrungsaustausch.

Unkompliziert werde ich in die Truppe an Ehrenamtlichen aufgenommen. Nach ein paar grundlegenden Trainings darf ich zum ersten Mal ran. Im Laufe der Saison werde ich mit den erstaunlichsten Menschen und unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert. Es verbindet uns alle – die Liebe zum Schnee, den Bergen und diesem genialen Gefühl, auf Skiern den Hang herunterzugleiten.

Geschichte des Behindertenskilaufs: Deutschland und Österreich in der Pionierrolle

Der Skilauf hat im Behindertensport eine lange Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland und Österreich zahlreiche Kriegsversehrte, die ehemals gute Skifahrer waren und sich von ihrem erlittenen Handicap – sei es Amputationen oder Blindheit – nicht vom Wintersport abhalten ließen.

Sie fanden Mittel und Wege, ihre Skiausrüstung an die entsprechende Verletzung oder Behinderung anzupassen – der Kreativität waren hier keine Grenzen gesetzt. Oberschenkelamputierte versuchten es mit drei Skiern: Einen am verbliebenen Bein und zwei kurze an Krücken – der Krückenskilauf war geboren!

Vom Nischenplatz zum Breitensport

War der Skisport damals nur einem kleinen Kreis an beeinträchtigten Sportlern zugänglich, so wird er heute bei Menschen mit Handicap immer beliebter und auf allen Niveaus ausgeübt. Für die breite Masse ist er ein Genusssport und bietet ein Gefühl von Freiheit, das eine willkommene Abwechslung zum (sicher nicht immer leichten) Alltag darstellt. Für andere bietet er eine Möglichkeit, Sport auf Spitzenniveau zu betreiben und an ihre Grenzen zu gehen. Mit Sicherheit aber ist er für alle ein tolles Mittel, ungeahnte Möglichkeiten auszuloten und ein positives Körpergefühl zu erlangen.

Je nach Behinderungsart haben die Betroffenen in ihrem Alltag ganz unterschiedliche Hürden zu überwinden. Diese übertragen sich natürlich auch auf den Skihang. Ganz abgesehen von der mentalen Herausforderung, sich auf Skiern den Berg hinunter zu stürzen, stellt der Skisport auch technische Anforderungen: Jede Behinderung erfordert eine spezifische Skiausrüstung. Und die hat es meist in sich – preislich. Wer jedoch nicht gleich mehrere tausend Euro hinlegen will (und kann), kann die meisten Skigeräte in ausgewählten Wintersportorten leihen.

Für nahezu jede Art von Behinderung, von der Querschnittslähmung über Sehbehinderungen bis hin zu mentalen Einschränkungen, gibt es Anpassungen in Skiausrüstung und Ausübungsform, die den Sport für ein breites Spektrum an Menschen zugänglich machen. Doch wie genau sehen die Anpassungen aus und wie organisiert sich der Sport auf Wettkampfniveau?

Vom Rollstuhl auf die Piste – Skifahren mit Mono- und Bi-Ski

Rollstuhlfahrer auf Schnee – wie zum Teufel soll das denn funktionieren? Ganz einfach – mit besagtem Mono-Ski! Ein gefederter Rahmen mit Sitzschale wird auf einem Carvingski angebracht und der Skifahrer in der Sitzschale festgeschnallt. Das Gleichgewicht wird mit Hilfe von Krückenskiern gehalten, die der Skifahrer links und rechts von sich durch den Schnee gleiten lässt.

Wer beim Gebrauch seines Unterkörpers stark beeinträchtigt ist, findet im Mono-Ski das geeignete Gerät für verschneite Berghänge. Betroffen sind Menschen mit Querschnittslähmung, Spina Bifida, Multipler Sklerose, doppelter Oberschenkelamputation oder auch einer Cerebralparese. Was mit einem Mono-Ski alles möglich ist, hat Josh Dueck 2012 spektakulär bewiesen: Der nach einem Skiunfall querschnittsgelähmte ehemalige Freeskier stand den ersten Back Flip in einem Sit-Ski!

Für die Benutzung eines Mono-Skis sind allerdings ein relativ stabiler Rumpf und funktionsfähige obere Extremitäten plus Hände nötig. Die stabilere Alternative ist der Bi-Ski, der auf zwei Skiern thront und meist von einer Begleitperson gestützt und mitgelenkt wird. Der Bi-Skifahrer selbst kann sich hier so weit einbringen, wie es ihm möglich ist! Das macht den Bi-Ski zu einem äußerst vielseitigen Gerät, das bei diversen neurologischen und motorischen Einschränkungen eingesetzt werden kann.

Ähnlich dem Alpinskifahren mit Mono-Ski, kann auch beim Langlaufen ein Sitzski verwendet werden. Der Skifahrer bindet sich mit Hilfe von Gurten an einer Art Skischlitten fest. Auch hier sind ein funktionsfähiger Rumpf und eine kräftige Armmuskulatur Voraussetzung.

Stehend Skifahren mit Hilfsmitteln

Wie beim sitzenden Skilauf gibt es auch hier eine Vielzahl von Beeinträchtigungen, für die diese Art von Skifahren geeignet ist. Voraussetzung: Einigermaßen stabil auf einem oder beiden Beinen stehen können.

Für Menschen mit Unterschenkelamputation ist, mit Hilfe von Prothesen, sogar oftmals ein klassisches Skifahren oder Snowboarden möglich. Wer mit einer kompletten Beinamputation lebt, fährt auf einem Bein Ski und hilft sich mit unterstützenden Krückenskiern. Auch für Cerebralparetiker oder Menschen mit spastischer Lähmung ist Skilauf mit Hilfe von Krückenski eine Möglichkeit.

Wer auf zwei Skiern stehen, seine Beine aber schwer kontrollieren kann, dem kann mit einer Skispitzenhalterung geholfen werden. Die Halterung hält die Ski in einer festen Position und macht das Abfahren in einem kontrollierten Pflug möglich.

Blindes Vertrauen – Skifahren mit sehender Begleitung

Wer mit einer Sehbeeinträchtigung lebt, dem steht zumindest schon mal bei der Verwendung einer normalen Skiausrüstung nichts im Weg. Allerdings braucht der Skifahrer einen Begleitläufer, der das „Sehen“ übernimmt und ihn über die Piste leitet. Das funktioniert anfangs über simples An-die-Hand-Nehmen und viel Erklären, später über Zurufe, Headset, Klopfgeräusche – kurz mit jedem denkbaren Hilfsmittel, auf das sich Begleitfahrer und Sehbehinderter einigen können.

Skifahren mit geistigen Beeinträchtigungen

Skifahren mit mentalen Einschränkungen lässt sich weniger leicht in Kategorien einteilen. Möglich ist es aber definitiv auch für Menschen mit Trisomie 21, Autismus, ADS oder anderen Lernbehinderungen. Im Mittelpunkt stehen hier allerdings weniger technische Hilfsmittel, als vielmehr die Frage, wie der Bewegungsablauf beim Skifahren vermittelt und erlernt werden kann. Mit etwas psychologischem Fingerspitzengefühl und speziellen Techniken lässt sich hier viel erreichen.

Da mentale Behinderungen sehr häufig auch mit motorischen Einschränkungen einhergehen, wählt man hier das Hilfsmittel, das am geeignetsten erscheint. Krückenski, Skispitzenklemmen, Bänder und Seile – alles, was dem Betroffenen hilft, auf Skiern zu stehen und den Hang hinunter zu gleiten, ist erlaubt. Und wo kein kein selbstständiges Skifahren möglich ist, bietet ein von einem Begleiter gelenkter Bi-Ski eine tolle Alternative. Das Gefühl des Gleitens bleibt das gleiche und bereitet dem Passagier unvergleichliches Vergnügen. Vereine wie Freizeit-PSO in Schladming bieten Skiunterricht für Menschen mit den verschiedensten mentalen Behinderungen an und finden für jeden die passende Art, über den Schnee zu gleiten.

Behindertenskilauf als Wettkampfsport

Der Behindertenskilauf ist mittlerweile weit mehr als nur spaßige Freizeitbeschäftigung: Paralympische Winterspiele, Weltcuprennen, Special Olympics, Winter X-Games – um nur einige internationale Wettkämpfe für Skifahrer mit Behinderungen zu nennen.

Der Sport organisiert sich in verschiedenen alpinen und nordischen Disziplinen, wobei das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Regeln vorgibt, an die sich die meisten nationalen Verbände auch größtenteils halten. Das IPC wiederum orientiert sich am FIS-Regelwerk, das unter anderem die Kurssetzung, Torabstände oder die Skilänge für die verschiedenen Disziplinen vorgibt. Man sieht – beim Behindertenskilauf auf professioneller Ebene wird nichts dem Zufall überlassen.

Das Klassifizierungssystem: Welche Behinderungsgruppen gibt es im Wettkampf?

Wie aber wird sichergestellt, dass die Wettkampfbedingungen fair sind? Schließlich geht ein von der Brust ab gelähmter Rollstuhlfahrer mit ganz anderen Voraussetzungen an den Start eines Abfahrtsrennens als ein Skifahrer mit Sehbeeinträchtigung oder ein Oberschenkelamputierter. Die Lösung des Problems: Das Klassifizierungssystem.

Im internationalen Wettkampfsport wird in drei Arten von Behinderungen unterteilt:

  • B1 – B3: Blinde und Sehbehinderte
  • LW 1 – 9: Stehende Klassen (Amputationen, Cerebralparese, Les Autres)
  • LW 10 – 12: Sitzende Klassen (Querschnittslähmung, Spina Bifida, Cerebralparese, Amputationen…)

Vor allem in der sitzenden und stehenden Kategorie wird noch einmal präzise in Klassen unterteilt. Es besteht eben ein massiver Unterschied zwischen einem stehenden Skifahrer mit zwei amputierten Beinen und einem, dem lediglich ein Unterarm fehlt. Auch beim Querschnitt gibt es erhebliche Differenzen: Je höher die Schädigung der Wirbelsäule liegt, desto schwieriger ist es für den Skifahrer, die Kontrolle über seinen Mono-Ski zu bewahren.

Ein Faktorsystem macht die Leistungen vergleichbar

Damit in jeder der drei Kategorien eine faire Wertung möglich ist und nicht in jeder einzelnen Klasse Medaillen vergeben werden müssen, wurde zusätzlich ein Faktorsystem entwickelt. Jede Klasse wird mit einem bestimmten Faktor versehen, der am Ende alle Klassen innerhalb einer Behinderungsgruppe vergleichbar macht.

Man kann sich das im Prinzip so vorstellen, dass die Uhr während der Zeitnahme für einen stärker behinderten Skifahrer langsamer läuft als für einen geringer beeinträchtigten. So werden die Zeiten vergleichbar und am Ende kann ein Sieger ermittelt werden.

So praktisch das Faktorsystem ist, so schwierig ist es dennoch die verschiedenen Behinderungen angemessen zu kategorisieren und so sorgt das Faktorsystem immer wieder für Kontroversen.

Highlight im 4-Jahres-Takt: Die Paralympischen Winterspiele

Der bekannteste Wettbewerb im Behindertenskilaufs sind ganz klar die Paralympischen Winterspiele. Seit 1976 wird das internationale Event abgehalten. Ursprünglich waren nur alpiner und nordischer Skilauf vertreten, aber im Laufe der Jahre wurde die Liste an Sportarten und Disziplinen beständig erweitert. 2018 waren in Pyeongchang, Südkorea allein im alpinen Skilauf fünf Disziplinen vertreten: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination. Bei den nordischen Disziplinen waren beeinträchtigte Biathleten und Langläufer am Start.

Auch Snowboarder sind übrigens mittlerweile dabei: Die relativ jungen Disziplinen Boarder Cross und Banked Slalom vermischen Elemente aus klassischem alpinem Skilauf und Freestyle und sind definitiv cool anzusehen!

„Adaptive“ Outdoorsport

Nicht nur im Skilauf hat der Behindertensport mittlerweile ein festes Standbein. Auch viele andere Outdoorsportarten öffnen sich immer mehr für eine „adaptive“ Ausübung, wie es der englische Begriff so schön treffend und politisch unverfänglich umschreibt. Meisterschaften im Paraclimbing werden abgehalten, man liest von Menschen, die einbeinig Gipfel erklimmen und – für mich persönlich besonders faszinierend – auch Wellenreiten wird für Behinderte immer besser erschlossen.

Grund für diese Entwicklung ist zum einen ein immer größeres Interesse bei Menschen mit Behinderung, ihre Grenzen auszuloten. Zum anderen gibt es stärker werdende Bestrebungen in der Gesellschaft aktiv Inklusion zu betreiben und diese vor allem auch auf Bereiche auszuweiten, die als nicht zugänglich für Behinderte angesehen waren.

Die High Fives Foundation in den USA beispielsweise fördert Extremsportler, die nach einem Unfall in der Ausübung ihres Sports eingeschränkt sind, sich davon aber nicht abschrecken lassen. Kitesurfen, Wellenreiten, Paragliden, Klettern – alles ist möglich, solange man Equipment und Ausübungsform an die körperlichen Möglichkeiten anpasst.

Dicht und warm? Der Testbericht Ortovox 2L Swisswool Leone Jacket

19. Dezember 2018
Ausrüstung

Da hat sich Ortovox was ausgedacht! Packt jetzt sein bewährtes Schurwollematerial unter die wasserdichte Dermizax NX Membran und macht daraus seine erste wasser- und winddichte Swisswooljacke. Ich hatte die große Ehre das gute Stück im Alpinen zu testen – wie sie mir getaugt hat, will ich euch verraten. Doch zunächst wollen wir uns das technische Gerüst mal genauer anschauen:

  • Wasser- und Winddichtheit: Dermizax NX Membran sowie getapte und verschweißte Nähte.
  • Gewichtsvorteil: mit 372 g richtig leicht; Ortovox kombiniert in der Zweilagenjacke ihre hochwertige Schweizer Schurwolle mit 60g/m² mit der Dermizax NX Hochleistungsmembran – richtig gut für eine warme und atmungsaktive Hardshell.
  • Stabilität und Robustheit: An der Kapuze, den Schultern und im Hüftbereich sind 3-Lagen Dermizax Einsätze verarbeitet.
  • Weitenregulation: An den Säumen mit Kordelzug und selbstregulierenden Bündchen mit Gummiband. An der Kapuze ebenfalls mit umlaufenden Gummiband und anatomisch optimierten Schnitt.
  • Hochleistungsmembran Dermizax NT: 20.000 mm Wassersäule, Atmungsaktivität bei 30.000 – 50.000 g / 24 Stunden, die porenlose Konstruktion verstopft nicht.
  • Rucksackkompatibilität: Zwei Fronttaschen, robuste Schulterpartie durch 3fach Dermizax-Einsätze.
  • Sonstiges: Tragekomfort durch Merino Mesh Einsätze im Kinnbereich und verlängerter Rückenbereich.

Alpinklettern – ab jetzt immer dabei!

Erst seit kurzer Zeit begleitet mich die ORTOVOX Women’s 2L Swisswool Leone Jacket auf meinen Touren. Als Teil der Ortovox Naked Sheep Linie ist sie komplett auf Funktion und Technik reduziert. Kein Schnickschnack und damit voll meine Welt.

Witzigerweise hatte ich sie im Oktober bei meinem letzten Alpinklettertrip mit Kollegen am Salbitschijen in den Schweizer Alpen dabei. Eigentlich nicht der vom Hersteller angegebene ideale Einsatzbereich, aber gerade da hat sie unglaublich gut funktioniert.

Unser Hüttenaufstieg in der Nacht bei unteren einstelligen Temperaturen war sportlich zügig und ganz schön schweißtreibend. Ich habe die Jacke angelassen, da sie tatsächlich atmungsaktiv ist und die Feuchtigkeit nach außen transportiert hat. Kein lästiges, zeitkostendes An- und Ausziehen war hier nötig.

Am nächsten Tag folgte dann die Klettertour. Im Stand hat sie mich wunderbar warm gehalten und den immer wieder auffrischenden Wind wirklich perfekt abgehalten. Auch gewärmt hat sie mich Frostbeule derart gut, dass meine Daunenjacke im Rucksack blieb. In den Kletterphasen hab ich die Jacke gar nicht bemerkt – 4 Wegestretch olé.

Goldwert für das Alpinklettern: die zwei Fronttaschen. Die sind so groß, dass der Routentopo im A6 Format einfach richtig gut reinpasst und sich jederzeit bequem und unkompliziert rausholen lässt. Im abendlich kalten Abstieg konnte die Jacke ihre perfekte Kombination von Wärme und Atmungsaktivität ausspielen.

Weitere Pluspunkte für recycelbares Material und Bündchen

Am Handgelenk schließen die Bündchen durch das Gummiband schön ab. Das puffige Material nach dem Gummiband schmiegt sich gut an die Hände an und lässt vor allem über Handschuhe angezogen definitiv keine Luft in den Ärmel.

Zusätzliche Pluspunkte gibt für das Material: Dermizax ist aus Polyurethan hergestellt und somit 100% recycelbar. Auch entstehen bei der Produktion (im Gegensatz zur PTFE Membran) keine gesundheitsschädlichen Abfallprodukte. Daumen hoch für die deutlich bessere Ökobilanz!

Was mir fehlt: helmtaugliche Mütze

Die Kapuze ist an sich ist mit seinem Gummibundeinsatz gar nicht schlecht gedacht. Vorne an der Stirn schließt sie somit gänzlich ab und hält die Kapuze sicher am Kopf. Mich persönlich stört allerdings, dass der Gummizug am mittleren Hinterkopf entlang läuft und bei mir drückt.

Was mir ehrlich gesagt noch nicht ganz klar ist: Ortovox empfiehlt die Jacke unter anderem für Hochtouren. Da habe ich zumindest auf dem Gletscher vorbildlicherweise immer einen Helm auf. Wenn die Jacke jetzt ihre volle Leistung und Stärke ausspielen und dann bei Regen und Schnee auch zum Einsatz kommen soll, dann gibt es da ein Problem. Die Kapuze ist nicht helmtauglich und regnet sich dann nur voll. Damit fallen dann leider auch sämtliche andere Aktivitäten mit Helm im Regen raus. Schade.

Mein Fazit

Die Jacke wird definitiv fester Bestandteil meiner künftigen Tourenausrüstung, egal ob auf Hoch- und Bergtouren, beim Alpinklettern oder im Alltag. Besonders dann, wenn man ohne Helm im Regen unterwegs ist oder definitiv weiß, dass es nicht regnet ;)

Im Ernst, ich hätte mir diese Jacke schon für den diesjährigen Patagonientrekkingtrip gewünscht. Da hatten wir viel Regen plus viel Bewegung und das bei sehr niedrigen Temperaturen.

Fest steht: Freiwillig gebe ich die Leone Jacket jedenfalls nicht mehr her.

Mähhhhr drin – Testbericht Ortovox Zebru Jacket

29. Januar 2019
Ausrüstung

“Viel Spaß beim Testen” steht auf dem Post-It, der auf der Jacke klebt, die ich vor einigen Wochen auf meinem Schreibtisch fand. In blau leuchtete mich die Ortovox Zebru Jacket an. Ein paar Tage zuvor wurde ich als Tester ausgewählt, weil die nächste Hochtour für das Wochenende geplant war.

Bei einem neuen Merino Midlayer und ISPO Gold Award Gewinner braucht es schließlich gute Argumente, warum nicht ein anderer der zahlreichen interessierten Kollegen die Jacke als erster testen sollte.

Der Materialmix macht die Jacke besonderes

Ein Midlayer ist ja eigentlich gar keine Besonderheit und es gibt unzählige mehr oder minder ähnliche Varianten. Für viele Hersteller ist die größte Herausforderung neben der Atom-Reihe von Arc’teryx zu bestehen. Doch während in den meisten Modelle eine Kunstfaser für die Isolation zuständig ist, geht Ortovox seinen eigenen Weg.

Im Inneren der Jacke schlummert mehrheitlich Merinowolle. Genauer gesagt die hauseigene Swisswool, über die auch hier im Basislager schon berichtet wurde. 70% Wolle und 30% Polyester wurden in einem neuen, aufwändigen Verfahren zu einem 70 g/qm Loft verarbeitet. Darin eingearbeitet sind Löcher, die das Innenmaterial flexibel und dehnbar machen.

Der erste Gedanke wenn man die Jacke auspackt: Hui, das Außenmaterial ist aber weich. Der zweite Gedanke: hoffentlich geht das nicht beim ersten Felskontakt kaputt. Es handelt sich um TEC STRETCH – ein Polyamidgewebe, das Ortovox noch recht frisch im Programm hat. Es ist nicht nur strechig, sondern laut Hersteller auch atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend.

Die Ortovox Zebru: auf Leicht getrimmt

Bei der weiteren Ausstattung der Jacke fällt auf, dass diese auf minimales Gewicht getrimmt wurde. Tatsächlich bekommt meine Jacke in Größe S mit 272 Gramm zwar mit etwas mehr als die Herstellerangabe auf die Waage, liegt aber dennoch rund 100 Gramm unter der Atom LT. Für dieses Gewicht wurde auf Taschen weitgehend verzichtet. Lediglich eine Brusttasche bietet Stauraum, die aber immerhin für eine normale Landkarte oder ein Paar Softshellhandschuhe reicht. Praktisch: Die Brusttasche ist zugleich der Packsack, in dem die Jacke ohne große Mühe verstaut werden kann.

Auch die weitere Konzeption der Jacke lässt den Wunsch nach geringem Gewicht erkennen. Als Reißverschlüsse kommen leichte YKK aus Kunststoff zum Einsatz. Dank kurzen Kordeln mit gummierten Ende lassen sich diese auch mit Handschuhen noch gut greifen. Immerhin wurde der Jacke eine Windschutzleiste spendiert. Auch die Bündchen sind einfach aber funktional gehalten: Weiche Gummibänder sorgen für einen guten Abschluss. Klettverschlüsse oder Gummizüge sucht man jedoch überall vergebens.

Mehr als ein normaler Midlayer

Um es vorweg zu nehmen: Im breiten Praxiseinsatz hat sich die Jacke für mich sehr bewährt. Seit langem schwöre ich im Baselayerbereich auf die positiven Eigenschaften von Merinowolle. Bei Midlayern mit Merinofütterung hatte ich bislang immer das Gefühl, dass diese steifer sind als die Kollegen mit Kunstfaser. Und genau hier macht die Zebru einen Unterschied! Sowohl das Obermaterial als auch die Füllung sind angenehm weich und dehnbar. In Kombination mit dem anständigen Schnitt blieb die Jacke auch bei viel Bewegung da wo sie bleiben sollte.

Lediglich als ich von einem Stand aus meinte, in Jacke weiter klettern zu müssen, war es am Bauch etwas luftig. Fairerweise muss man sagen, dass die Jacke dafür auch nicht gedacht ist. Vielmehr sind Ski- und Hochtouren ihr angestammtes Revier (aber wo soll man diese bei Herbst und Möchtegernwinter, gleichzeitig jedoch hohem Testdrang her nehmen?).

Die Hauptaufgabe eines Midlayers ist ja bekanntlich zu wärmen und dabei möglichst atmungsaktiv zu sein. Meine Hoffnung wurden erfüllt: Hier spielt die Wollfüllung ihre Stärken aus. Im Vergleich zu anderen Jacken hatte ich das Gefühl, dass die Isolationsleistung gut ist.

Wirklich erwähnenswert finde ich jedoch den (natürlich völlig subjektiv wahrgenommenen) höheren Klimakomfort. Insbesondere wenn die Jacke ohne 3rd-Layer getragen wird, staut sich keine Feuchtigkeit und es fühlt sich stets mollig warm an. Es ist schwer zu beschreiben aber es erinnert ein wenig an den Unterschied zwischen einem Daunen- und einem Kunstfaser-Schlafsack: Im Naturprodukt spürt man, wie dieses Feuchtigkeit puffert und Wärme zurückgibt. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich bin überzeugt.

Apropos Daune: Auch im nassen Zustand ist Wolle noch isolierend und übertrifft laut Ortovox sogar die Wirksamkeit von Daune. Damit ist die Zebru auch eine Alternative zu superdünnen Daunen-Midlayern, die man im Aufstieg dann doch manchmal “plattschwitzt”.

Ein gelungenes Standardprodukt mit Stärken im Detail

Im Einsatz lernte ich schnell den hohen Kragen zu schätzen, der bis zur Unterlippe reicht. Trägt man ein Buff-Tuch oder ein Baselayer mit Kragen unter die Jacke, zieht da auch kein eisiger Wind mehr rein. 

Die Kapuze lebt von der Dehnbarkeit der Bündchen und des Materialmixes. Sie liegt eng am Kopf an und wärmt diesen, dank Fütterung, gleich mit. Der Helm kommt im Bedarfsfall einfach drüber –  der Kinnriemen kommt dann zwar naturgemäß mit dem Jackenkragen überquer, aber das ist durch die weichen Materialien vertretbar.

Bei trockener Witterung macht die Jacke (insbesondere auch ohne Hardshell darüber) richtig Freude. Leichter Wind und auch ein paar Tropfen Regen werden problemlos abgehalten, Pulverschnee ohnehin. Damit ist die Zebru eine überaus atmungsaktive und sehr angenehm zu tragende Jacke, die auch bei wechselnden Intensitäten mitkommt. Tatsächlich gibt es Tage an denen die Zebru durchgängig am Körper ist und ein 3rd-Layer darüber die nötigen Variationen ermöglicht.

Ein neues Lieblingsteil

Die Zebru Jacket hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem meiner neuen Lieblingsteile gemausert. Mein neuer Standard für Hochtouren ist damit: Merino-Baselayer auf der Haut, bei richtig kalten Temperaturen ein Merinofleece (bei mir in der Regel ein Ortovox Fleece Hoody), dann die Zebru und darüber bei Bedarf eine Schicht Dermizax. Zur Nachahmung nur empfohlen! 

Tiefschneefahren leicht gemacht

4. Dezember 2018
Tipps und Tricks

Mit Snowboard oder Ski durch unverspurten Powder gleiten und dabei mit eleganten Schwüngen die steilsten Abfahren meistern? Kein Problem! Einfach Ski oder Board an die Füße schnallen und beim Ausstieg aus dem Lift nicht der markierten und gesicherten Piste folgen, sondern direkt hinter der nächsten Absperrung mit dem deutlichen Hinweisschild auf die drohende Lawinengefahr in den Hang einfahren. Der Rest geht dann wie von allein und falls nicht, kommt bestimmt die Bergwacht zur Rettung geeilt.

STOPPSO NICHT! Was hoffentlich eindeutig als höchst ironisch zu erkennen war, ist leider nicht allzu weit von der Herangehensweise vieler Skifahrer und Snowboarder entfernt, die ohne einen Hauch von Erfahrung oder Gefahrenbewusstsein ihr eigenes Leben und das der anderen aufs Spiel setzen.

Zugegeben: Nichts ist schöner als an einem sonnigen Tag, nach den ergiebigen Schneefällen der vorangegangenen Nacht, die ersten Linien durch den unberührten Pulverschnee zu surfen. Allerdings gehört hier ein wenig Technik und Training genauso dazu, wie etwas Erfahrung in den Bergen, Risikomanagement und die richtige Ausrüstung zum Tiefschneefahren.

Aller Anfang ist schwer: der erste Schritt von der Piste in den Tiefschnee

Bei Skifahrern und Snowboardern unterscheidet sich die Technik beim Tiefschneefahren. Obwohl viele Sportexperten der Meinung sind, dass Anfänger mit dem Snowboard schneller sichtbare Fortschritte beim Tiefschneefahren machen könne, haben beide Wintersportgeräte ihre Vor- und Nachteile im Tiefschnee.

An Tagen mit frischem Neuschnee sind die Ränder an den Pisten ideal für die ersten Gehversuche mit dem neuen Element. Doch Schnee ist nicht gleich Schnee. Der feste, griffige Untergrund der präparierten Piste ist nicht zu vergleichen mit dem lockeren Pulver, der eine ganz andere Fahrtechnik verlangt. Je nach Schneehöhe und Schneekonsistenz bremst der tiefe Schnee enorm. Das bedeutet, dass Anfänger, die von der Piste in den tieferen Rand fahren schnell bis zum Stillstand ausgebremst werden. Daher ist es am besten immer kleine Bögen durch den Tiefschnee am Pistenrand zu fahren, um dann auf der Piste wieder Schwung aufzunehmen.

Das der Tiefschnee stark abbremst, lassen sich steilere Passagen besser im Tiefschnee fahren. Der nächste Schritt ist also, dieselbe Übung an steileren, roten oder schwarzen Pisten zu trainieren. Beim Skifahren ist dabei eine zentrale Position wichtig, sodass der Körperschwerpunkt über der Bindung liegt. Die Skispitzen sind über der Schneedecke oder auf gleicher Höhe. Trotz der zentralen Position und einer leicht gehockten Körperhaltung, kann es sich beim Fahren so anfühlen, als ob man in leichter Rücklage fahren würde. Das hängt mit dem schrägen Einsinken der Ski in den Tiefschnee zusammen. Daran gewöhnt man sich allerdings sehr schnell.

Neben einer lockeren und zentralen Fahrerposition, spielt auch die eigene Geschwindigkeit im Tiefschnee eine große Rolle. Je schneller man im Tiefschnee fährt, desto besser gleiten die Ski über die Oberfläche. Dadurch können die Ski leichter gedreht werden. Der Einsatz der Kanten wird dabei vollkommen unnötig. Richtungswechsel werden nur durch die Gewichtsverlagerung in Zusammenhang mit der Geschwindigkeit eingeleitet. Durch eine aktive Hoch- und Tiefenlastung der aufeinanderfolgenden Schwünge wedeln Skifahrer die Tiefschneehänge hinunter, wie im klassischen Bogner Skifilm.

Umdenken auf dem Snowboard

Während Snowboardanfänger auf der Piste lernen müssen ihre Nose zu belasten, damit sie ihr Tail kontrolliert drehen können, heißt es im Tiefschnee: Nose nach oben. Auch das Snowboard wird durch die Gewichtsverlagerung in einer zentralen Position im Powder gelenkt. Vor allem bei geringeren Geschwindigkeiten gilt es die Nase am Snowboard oben zu halten. Kann dies nicht umgesetzt werden, gräbt sich das Brett bald im Schnee ein und der Tiefschneeneuling bleibt ziemlich schnell stehen.

Je routinierter der Fahrer und je höher die Geschwindigkeit im Powder, desto zentraler wird die Fahrposition im Tiefschnee. Zudem gleitet das Board daraufhin mit minimalem Kraftaufwand über den Schnee. Wer es also bis zu diesem Gefühl geschafft hat, weiß zum einen was die anderen Snowboarder mit „Powder surfen“ meinen und zum anderen, warum er die Abfahrt gleich nochmal machen muss…

Um das richtige Gefühl für Board, Schnee und Geschwindigkeit zu bekommen, muss man am Anfang etwas Übung einplanen. Außerdem verlangt das Fahren im Tiefschnee eine flüssige und vorausschauende Fahrweise. Kurzes Sitzen und Ausruhen (wie Snowboardanfänger das auf der Piste gerne machen) ist im Tiefschnee eher hinderlich, denn ist der Schwung weg, kommt man in flachen Abschnitten teilweise nur noch schwer von der Stelle.

Selbst wenn man liftet: Tiefschneefahren ist anstrengend

Egal ob Ski oder Snowboard – das Fahren im Tiefschnee ist anstrengend für die Muskulatur, aber noch viel anstengender für alle, die sonst nur auf der Piste fahren oder wenig trainiert sind. Waden und Oberschenkel sind am ehesten von Krämpfen und Muskelkater betroffen.

Um aus dem Muskelkater ein Muskelkätzchen zu machen, hilft es, die Muskulatur schon vor der anstehenden Wintersaison gezielt zu trainieren. Auch das Risiko für Verletzungen kann durch gezielte Skigymnastik oder spezielles Zirkeltraining vorgebeugt werden. Für alle, die ihre Abfahrten lieber aus eigener Kraft erreichen, als mit Liftunterstützung, gilt das im besonderen Maße, denn in der Regel sind Aufstiege noch viel anstrengender als die Abfahrt im Powder.

Vom Schwungtraining zum Traumhang

Wer sich auf den Übungsstrecken mit Fahrtechnik und Geschwindigkeit im Tiefschnee vertraut gemacht hat, wird sich in der Regel die nächsten Tiefschneeziele stecken. Am besten sollten diese innerhalb eines kontrollierten Gebietes stattfinden, dass die alpinen Gefahren minimiert. Besonders geeignet sind Skirouten in Skigebieten. Anders als auf normalen Pisten, sind diese nicht präpariert und abgesteckt, der Streckenverlauf aber, dank einer groben Markierung mit Pfosten, gut zu erkennen. Auf diese Weise wird vermieden, dass man in einer Gletscherspalte versinkt oder am nächsten Abhang abrutscht.

Doch spätestens hier müssen Skifahrer und Snowboarden anfangen, sich mit alpinen Gefahren auseinanderzusetzen. Auch bei schlechter Sicht, Schneefall oder starkem Wind kann die Skiroute schnell zur Irrfahrt werden. Deshalb gehören das Einsammeln an Informationen über die Wetteraussichten und ein Blick auf die Lawinengefahr immer dazu. Für alle, die auf eigene Faust ihre Powderträume auf Skitouren im Backcountry verwirklichen wollen, gilt das doppelt und dreifach.

Genaues Wissen über Schneebeschaffenheit, Wind, Tragfähigkeit der Schneedecke, Wahl der Aufstiegsroute und Abfahrtsroute, usw. – das alles ist absolut notwendig, um schöne Touren zu gehen, wundervolle Tiefschneeabfahrten zu erleben, aber auch um in brenzligen Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen und schließlich immer heil nach Hause zu kommen.

Die richtige Ausrüstung beim Tiefschneefahren

Wie immer gibt es an Auswahl und Diversität von Snowboards und Ski kaum Grenzen. Für die ersten Versuche und Erfolge im Tiefschnee ist das Board oder der Ski jedoch für das erste gar nicht mal so wichtig. Die Vorlieben und feinen Unterschiede bemerken viele ohnehin erst, wenn sie mit den Basics vertraut sind. Sehr empfehlenswert ist allerdings eine wasserdichte und atmungsaktive Wintersportbekleidung. Viele Tiefschneefahrer schwören im Powder auf Latzhosen und wer einmal im tiefen Schnee ein paar Purzelbäume geschlagen hat, der weiß auch aus welchem Grund. Auch am Hals und an den Ärmeln sollte die Skibekleidung gut decken. Handschuhe müssen im Powder nicht nur warm und wasserdicht sein, sondern auch über den Ärmelenden der Jacke sicher abschließen.

Skihelme und Skibrillen gehören zur modernen Skiausrüstung fest dazu – das gilt natürlich auch im Tiefschnee. Für die weitere Sicherheit sind viele Skijacken oder Skihosen auch mit Recco Reflektoren ausgerüstet. Kommt es zu einer Verschüttung, kann die Bergwacht die kleinen Reflektoren schnell orten. Zwar ersetzen die Reflektoren keine komplette Lawinenverschüttetensuch-Ausrüstung (LVS), aber sie sind dennoch praktisch, da man sie nicht daheim vergessen kann (es sei denn man vergisst Hose oder Jacke…).

Für Skitouren abseits markierter Areale muss eine LVS Ausrüstung dabei sein. Diese Ausrüstung besteht aus einem LVS Gerät (ein Peilsender zum Suchen verschütteter Kameraden und Kameradinnen), Lawinenschaufel und Lawinensonde. Zusätzlich dazu kommt bei einer längeren Ausrüstung noch weiteres, wie Trinken, Vesper, Wechselbekleidung, Erste-Hilfe-Set, Tourenführer, Karte, usw. zusammen. Um diese ganze Ausrüstung zu stemmen, sind Skifahrer im Backcountry stets mit den passenden Skitourenrucksäcken anzutreffen. Diese verfügen auch über entsprechende Halterungen für Ski, Splitboard oder Snowboard.

Lawinenairbag als letzter Ausweg

Eine besondere Form der Skitourenrucksäcke sind Rucksäcke mit Lawinenairbag. Sie sind quasi die letzte Lebensversicherung, wenn beim Freeriding alle Stricke reißen, sprich, wenn man von einer Lawine im Gelände erfasst und mitgerissen wird. In solch einem Falle, können Skifahrer und Snowboarder innerhalb von Sekunden und mit einer einzigen Handbewegung einen großen Luftsack aufblasen, der dafür sorgt, dass man nicht von der Lawine nach unten gezogen und tief verschüttet wird.

Für alle, die gerne regelmäßig im Backcountry Touren gehen, ist ein Lawinenairbag sicher eine Überlegung wert. Die Rucksäcke sind zwar nicht gerade günstig, aber im Vergleich zum Nutzen wird es schwierig über den Preis zu urteilen. Es muss allerdings hervorgehoben werden, dass der Airbagrucksack keinesfalls die Verantwortung entbindet, sich über Lawinengefahr, Schneelage und Wettersituation zu informieren.

Für alle Skifahrer und Snowboard, die auch in der nächsten Saison noch Spaß im Powder haben wollen gilt nach wie vor: Erst denken, dann droppen!

Skifreeride – was muss ich für den Einstieg ins Pulverschnee-Paradies wissen?

27. November 2018
Tipps und Tricks

In einem Reiseprospekt habe ich den ultimativen Skifreeride Trip meiner Träume entdeckt: 14 Tage mit einem Schiff in den Gewässern vor Alaska mit einem eigenen Helikopter an Deck. Pilot und Guides starten dann mehrmals am Tag und bringen die Skifahrer zu neuen unverspurten Abfahrten. Der Traum vom faszinierenden Freeride-Abenteuer fand jäh im darunter angeführten Preis sein Ende: knapp 20.000 € sollte der Spaß kosten.

Aber zum Glück können Skifahrer auch ohne Helikopter und ohne Alaska eine Menge Spaß beim Freeriding haben. In der Alpenregion zwischen Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien und Frankreichen bieten sich dafür unerschöpfliche Möglichkeiten. Und wer Lust auf neue Abenteuer verspürt, kommt auch in der Hohen Tatra, den Pyrenäen oder der spanischen Sierra Nevada auf seine Kosten.

Was ist eigentlich Skifreeride?

Den Begriff „Freeriding“ hört man in der Regel im Zusammenhang mit Ski, Snowboard oder Mountainbike. Das Skifreeriding grenzt sich im Grunde vom Skifahren auf präparierten Pisten und abgesteckten Buckelpisten und Slalomstrecken ab. Um dies zu erleben, müssen Skifahrer nicht zwangsläufig jeden Aufstieg selber bewältigen und abseits der Skigebiete unterwegs sein.

Prinzipiell bezeichnet Skifreeriding alle Arten von Powder-, Backcountry und Variantenfahrten. Alle verbindet die Liebe zum unverspurten Tiefschnee und die sportliche Herausforderung im Gelände. Etwas überspitzt lassen sich folgende Typen von Skifreeridern unterscheiden:

Der Variantenfahrer

Skifreerider dieser Art mögen es im Tiefschnee ein paar Abfahrten zu machen, fühlen sich aber auf der Piste ebenso wohl. Je nach Schneelage fährt der Variantenfahrer gerne ein paar markierte Skirouten ab und nimmt auch mal die eine oder andere Powder-Abkürzung im Skigebiet. Den ganzen Tag aufsteigen, um dann nur ein einziges Mal abzufahren, ist dem Variantenfahrer viel zu anstrengend – deshalb verlässt er sich auf Lifte und Infrastruktur im Skigebiet.

Der Skitourengeher

Der Skitourengeher startet schon früh morgens und hat stets ein festes Ziel vor Augen. Für den stundenlangen Aufstieg ist er bestens trainiert und zieht seine Spur bis zum Traumgipfel. Ausgestattet mit Vesper, Trinken, LVS Ausrüstung und Skitourenrucksack bewegt er sich aus eigener Kraft. Er genießt die Stille und Ruhe abseits der hektischen Liftanlagen und wird mit einer fantastischen Aussicht und einer langen, unverspurten Abfahrt ins Tal belohnt. Da er sich oft alleine oder in kleinen Gruppen im hochalpinen Gelände bewegt, hat sich der Skitourengeher eingehend über Wetterverhältnisse und Lawinengefahr informiert.

Der Skibergsteiger

In diesem Fall handelt es sich um die „Plus-Version“ der Skitourengeher. Der Skibergsteiger schreckt vor keinen Gletscherspalten, Abseilstellen und schmalen Rinnen zurück. Neben der üblichen Ausrüstung für Skitourengeher, gehören beim Skibergsteigen Klettergurt, Helm und Kletterseil zur Grundausstattung. In der Regel sind Skibergsteiger bereits erfahrene Alpinisten, die schon etliche Skitouren, Hochtouren und Kletterpassagen gemeistert haben.

Welche Ausrüstung benötigen die verschiedenen Freerider?

Zugegeben, nicht jeder Skifreerider passt in eine der oben genannten beispielhaften Kategorien; und zudem fühlt sich so mancher Variantenfahrer auf Skitouren wohl oder unwohl. Dennoch eignen sich die grob umrissenen Charaktere sehr gut dafür, um eine Vorstellung darüber zu bekommen, welches Equipment für die einzelnen Arten von Freeriding benötigt wird und auch welche Erfahrungen vorausgesetzt sein sollten.

Variantenfahrer kommen mit gewöhnlichen Alpin-, Freestlye oder Allround-Ski im Tiefschnee bestens zurecht. Auch Bindungen und Skischuhe sind dabei identisch, wie beim Skifahren auf der Piste, denn das Aufsteigen aus eigener Kraft entfällt und macht Skitourenbindungen überflüssig. Bei speziellen Tourenski machen sie wiederum effizientes Aufsteigen möglich. Für den Aufstieg werden die Ski dann mit Steigfellen ausgestattet, die auf den Skibelag aufgeklebt werden. Auf diese Weise lässt sich der Ski nach vorne schieben und kann zeitgleich nicht nach hinten rutschen.

Die Bindung ist für den Aufstieg auf der Zehenseite der extra Skitourenstiefel fixiert und an der Fersenseite beweglich. Dadurch ermöglicht das System zügiges und kraftsparendes Aufsteigen. Die Bewegung lässt sich dabei mit der von Langläufern vergleichen. Um Kraft zu sparen gehen Skitourengeher im Aufstieg gerne auf bereits vorhandenen Spuren.

In steileren Passagen ähneln die Spuren einer Loipe im Zickzack-Kurs. Bei besonders steilen Hängen oder verdichteter Schneefläche und Eis, kommen, neben den Steigfellen, Harscheisen zum Einsatz. Ähnlich wie Steigeisen sorgen Harscheisen für sicheren Halt und verhindern seitliches Abrutschen.

Zusätzlich zu den Ski und Skischuhen, sind Skifreerider mit Skistöcken, Skihelm und der passenden Skibekleidung ausgestattet. Skihose und Skijacke sollten wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv sein sowie eine hohe Bewegungsfreiheit beim Skifahren garantieren.

Latzhosen sind bei Freeridern besonders beliebt, da mit diesen auch bei tiefstem Schnee keine Nässe von oben eindringen kann. Auch integrierte Gamaschen, die über dem Skistiefel abschließen, erweisen sich in tiefem Schnee als hilfreich. Bei Tourengehern und Skibergsteigern sollten außerdem die Beininnenseiten auf Höhe der Stiefel verstärkt sein, damit sie, durch die Stahlkanten, Harscheisen oder Steigeisen, nicht beschädigt werden. Eine Schneebrille, die möglichst gut am Gesicht abschließt und Skihandschuhe mit langer Stulpe komplettieren die Basisausstattung für Skifreerider.

Je nach Tour können zu dieser Grundausstattung noch alpine Ausrüstungsgegenstände, wie Kletterseil, Klettergurt, Eisgeräte und Steigeisen hinzukommen.

Das wichtigste Equipment wird im Skitourenrucksack verstaut und ist, neben LVS Ausrüstung und Verpflegung, immer mit dabei.

Auswahl der Touren – passend zu Know How und Erfahrung

Skifreerider wachsen in der Regel mit ihren Aufgaben, beziehungsweise mit ihren Tourenzielen. Für Variantenfahrer reicht da meist ein Blick auf die Wetter-App und die derzeitige Lawinensituation. Je mehr Freerider im Gelände abseits der Skigebiete unterwegs sind und je schwieriger die Abfahrten werden, desto intensiver sollten sie sich auch mit dem Thema Risiken beim Freeriding, Gefahrenvermeidung und Erste-Hilfe beschäftigen. Wer im Backcountry eine Skitour plant, muss in jedem Fall:

  1. …die Wettervorhersage eingehend studiert haben.
  2. …die Lawinengefahr (mittels des aktuellen lokalen Lawinenlageberichts) für die geplante Route in Erfahrung gebracht haben.
  3. …eine LVS Ausrüstung (LawinenVerschüttetenSuch-Ausrüstung), bestehend aus LVS Gerät („Piepser“), Lawinensonde und Lawinenschaufel mit sich führen.
  4. …genau den Umgang mit diesen Geräten kennen (Bei einer Verschüttung geht es um jede Minute und das LVS Gerät nützt nur dem Freerider, der es im Schlaf bedienen kann).
  5. …am besten einen Kurs beim DAV, der örtlichen Bergwacht oder Skischule absolviert haben. In diesen Kursen werden die Gefahren beim Skitouren vermittelt sowie der richtige Umgang mit der LVS Ausrüstung erklärt und geübt.
  6. …über Kenntnisse in erster Hilfe verfügen und ein Erste-Hilfe-Set mit sich führen.
  7. …genügend Proviant und vor allem Flüssigkeit mitnehmen.
  8. …seine Route kennen und in der Lage sein diese auch bei schlechter Sicht zu finden und zu navigieren.
  9. …ein Telefon mit vollem Akku mit auf Tour nehmen, um im Notfall Hilfe zu holen (ggf. muss man sich vorher erkundigen, ob es im gewünschten Gebiet Empfang gibt).
  10. ….seine Kräfte und sein Fahrkönnen richtig einschätzen und immer Reserven für unerwartete Situationen einplanen.

Beim Skifreeriding lohnt sich daher nicht nur die Investition in zuverlässige und robuste Ausrüstung, sondern auch in Wissen und Erfahrung. Wissen über das Wetter, die Berge und wie Schnee, Wind und Temperatur die Lawinenlage beeinflussen sowie das Wissen wie eine sichere Aufstiegsroute zu wählen ist und welche Hänge sich am besten für eine sichere Abfahrt im Tiefschnee eignen.

Für den Einstieg in die Welt der Skitouren gibt es viele einfache Routen, die oft nicht zu anstrengend und auch nicht sehr gefährlich sind. Solche Touren eignen sich prima, um Erfahrungen zu sammeln und belohnen einen meistens mit wunderschönen Abfahrten.

Ebenfalls besteht die Möglichkeit, Skitouren mit ortskundigen Guides und Bergführern zu unternehmen, die ihr Know How und ihre Erfahrungen zur Verfügung stellen und die Sicherheit der Teilnehmer gewährleisten.

Wettkämpfe im Freeriding, Extreme Freeriding und Ski Mountaineering

Skitourenrennen gibt es schon seit über 100 Jahren als Wettkampfsport. Zeitweise war die alpine Wintersportart sogar in den olympischen Spielen präsent. Zu den renommiertesten Rennen des ISCM (International Council for Ski Mountaineering Competitions) gehören die Patrouille des Glaciers, die Pierra Menta oder der Frofeo Mezzalama. Bei der Pierra Menta werden beispielsweise in Zweier-Teams innerhalb von vier Tagen etwa 10.000 Höhenmeter in Aufstieg und Abfahrt bewältigt.

Bei anderen Wettbewerben, wie zum Beispiel dem legendären Xtreme Verbier (als Teil der Freeride World Tour), geht es nicht um den Aufstieg, sondern um die Abfahrt. Diese ist möglichst steil und mit hohen Klippen und schmalen Rinnen gespickt. Ziel der Teilnehmer ist es, die Kampfrichter durch eine spektakuläre Linienwahl und durch extrem riskante Sprünge über Wechten und Felsen zu beeindrucken.

Sicher übernachten bei eisiger Kälte – eine Schneehöhle bauen

23. Oktober 2018
Tipps und Tricks

Es gibt bekanntlich vier menschliche Grundbedürfnisse, deren Stillung in einer Notsituation entscheidend sind. In der Reihenfolge der Wichtigkeit sind das: Wärme, Schlaf, Wasser und Nahrung. Zumindest für die ersten Beiden kann eine Schneehöhle des Rätsels Lösung sein. Die isolierende Eigenschaft von Schnee sorgt dafür, dass sich die Temperatur in einer Schneehöhle konstant um den Gefrierpunkt bewegt.

Wie ihr eine solche Schneehöhle baut und auf was ihr dabei achten solltet, durfte ich auf einem Kundenevent der österreichischen Firma Carinthia erlernen. Dort ging es nämlich nicht nur darum die Vorzüge und Produktionsspezifika des patentierten Füllmaterials GLoft kennenzulernen, sondern auch unter Anleitung ausgewiesener Experten zu lernen, wie man sicher in eisiger Kälte übernachten kann.

Einen Bauplatz wählen

Beginnen sollte man damit einen geeigneten Bauplatz für die Schneehöhle zu wählen. Ideal sind dafür überhängende Schneewechten oder leichte Hanglagen, weil sich dort der Schnee gut aufstaut. Auch auf die Schneekonsistenz sollte man achten, denn der Schnee sollte an der Oberfläche möglichst fest sein. Schlecht geeignet ist also Pulverschnee oder auch alter, sehr nasser Schnee.

Habt ihr etwas Passendes gefunden, messt ihr mit eurer Lawinensonde die Schneehöhe. Dies macht ihr dabei an mehreren Punkten des anvisierten Grabplatzes, um nachher nicht einen halben Meter umsonst gegraben zu haben. Diese sollte mindestens 1,50 Meter (eher sogar mehr) betragen. Als letzte Maßnahme, bevor es endlich losgehen kann, muss der Wind geprüft werden. Das ist wichtig, da der Eingang einer Schneehöhle immer an der windabgewandten Seite angelegt sein sollte.

Wir buddeln uns einen gemütlichen Schlafplatz

Der geeignete Platz ist nun also gefunden. Jetzt kann das Buddeln losgehen. Mit der – im Optimalfall verwindungssteifen – Lawinenschaufel gräbt man zunächst die oben erwähnten mindesten 1,50 Meter nach unten. Die Decke der Schneehöhle sollte mindestens 40 Zentimeter dick sein, aber auch hier gilt im Zweifel lieber dicker. Vergesst das Trinken nebenher nicht; ich habe erst nach einer Stunde Graberei gemerkt, dass mir längst die Zunge am Gaumen klebt.

Nachdem ihr mindestens 1,50 Meter nach unten gegraben habt, legt ihr eine Stufe nach unten an und grabt dann nach etwa einem halben Meter nach oben. Diese Stufe dient später dazu den Wind abzuhalten und die kalte Luft quasi „aufzusammeln“.

Ab jetzt grabt ihr einfach geradeaus weiter und zwar so weit bis ihr selbst, eure Isomatte und die zentralen Ausrüstungsgegenstände (wie zum Beispiel eure Schuhe) hineinpassen. Viel größer solltet ihr die Höhle nicht anlegen, weil sonst der Effekt, den Bau mit eurer eigenen Körperwärme zu „heizen“, mehr und mehr verpufft. Bei uns in der Gruppe gab es den Einen oder Anderen, der sich nicht vorstellen konnte in einem solchen „Sarkophag“ zu nächtigen, aber glaubt mir, man gewöhnt sich daran! Wichtig ist wasserdichte Kleidung zu tragen, die die Feuchtigkeit beim langen Kien und Liegen im Schnee abhält.

Achtet zudem darauf den eigentlichen Schlafplatz möglichst eben anzulegen und versucht nach einem kurzen Probeliegen etwaige Unebenheiten am Boden auszubessern, sodass ihr möglichst bequem liegt. Auch an der Decke solltet ihr überstehende Zacken und Furchen mit der Schaufel glätten, da diese ansonsten anfangen zu schmelzen – man möchte seine Nacht ja ungern in einer Art Tropfsteinhöhle zubringen, oder? ;-)

Die Schneehöhle einrichten

Die Arbeit ist getan, jetzt kommt die Isomatte und der Schlafsack in das Schlafgemach. Der von mir bei diesem Anlass getestete Schlafsack war der Carinthia G350 Kunstfaserschlafsack. Für mich hat sich dieser absolut bewährt!

Grundsätzlich solltet ihr hierfür einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von -5 bis -10 Grad wählen. Die Isomatte benötigt wiederum einen R-Wert von mindestens 3. Ausrüstung, die nicht einfrieren sollte, nimmt man entweder mit in den Schlafsack (zum Beispiel Trinkwasser oder einen Wasserfilter) oder verstaut sie so weit weg vom Eingang der Höhle wie möglich. Das gilt insbesondere für eure Schuhe, die ihr sonst am nächsten Morgen nicht mehr anbekommt. Bevor ihr euch dann in den Schlafsack kuschelt, verschließt ihr den Eingang mit eurem Rucksack.

Die schnelle Alternative

Wenn ihr entweder keinen geeigneten Bauplatz findet, oder euch schlicht die Zeit für die Konstruktion einer „richtigen“ Schneehöhle fehlt, gibt es eine Alternative. Für diese messt ihr zunächst die Schneetiefe und grabt möglichst eben eine Mulde, in die ihr samt der üblichen Ausrüstung hineinpasst.

Dann nehmt ihr eure Schneesäge zur Hand und schneidet aus den hart gefrorenen Schichten des Schnees ca. 20 x 50 Zentimeter große Blöcke heraus. Diese Blöcke schichtet ihr nun wie ein Zeltdach (also immer einen Block von jeder Seite) nebeneinander über die Mulde, bis diese ganz überdacht ist und drückt die Blöcke möglichst fest zusammen. Danach schüttet ihr einfach über die noch vorhandenen Löcher und Öffnungen genug Schnee, sodass das Schneezelt bis auf die Öffnung an der windabgewandten Seite komplett verschlossen ist. Dieser aufgeschüttete Schnee wird sich schnell mit den darunterliegenden Blöcken verbinden und für zusätzliche Stabilität sorgen.

Schneehöhlen sind nicht nur für Notsituationen überlebensnotwendig, sondern bieten auch allgemein eine tolle Übernachtungserfahrung!

Schneeblindheit – gefährlich verstrahlt am Berg

10. April 2019
Tipps und Tricks

Müssen wir alpine Normalos uns mit Schneeblindheit herumschlagen? Sowas passiert doch nur einem Messner am Everest und irgendwelchen Polarforschern, oder? Leider nein. Es passiert viel häufiger, und zwar überall dort, wo intensive Sonnenstrahlung mit einem hohen Anteil an ultraviolettem Licht auf Schnee und andere sehr helle Erdoberflächen trifft. Es kann also auch beim Segeln auf dem Meer oder gar bei einem Langstreckenflug zu „Schneeblindheit“ kommen.

Wenn  die Augen über Stunden hinweg ungeschützt bleiben, kann das sehr unangenehm werden. Es fängt mit der relativ harmlosen Augenrötung an und kann bei kompletter vorübergehender Blindheit mit dauerhaften Sehschäden enden. Für Sologänger ist Schneeblindheit doppelt gefährlich, da das eingeschränkte Sehvermögen die Orientierung erschwert oder unmöglich macht. Damit es nicht zu solchen Szenarien kommt, gibt es hier alle wichtigen Infos dazu.

Wie kann es dazu kommen?

Das grelle Licht bei klarem Sonnenschein in Schnee und Eis ist normalerweise so anstregend für die Augen, dass man die Sonnenbrille lieber nicht vergisst – beziehungsweise, genauer, die Gletscherbrille mit Filterkategorie 4, denn nur die bietet wirklich ausreichenden Schutz. Die Sonnenbrille vom Grabbeltisch in der Fußgängerzone taugt fürs Hochgebirge nichts! Warum es eine Gletscherbrille sein muss und welche es sein sollte, ist in der Bergfreunde-Kaufberatung für Gletscherbrillen ausführlich erklärt.

Doch bekanntlich knallt die Sonne bei weitem nicht immer, denn oft „schlucken“ Wolken und Nebel sehr viel von ihrem Licht. Also alles palletti und die Schneeblindheit nur Panikmache? Keineswegs, denn die Hauptgefahr ist nicht das sichtbare Licht, sondern, wie oben bereits angedeutet, das unsichtbare UV-Licht. Dieses dringt nämlich auch durch Wolken und Nebel:

Wolken und Nebel können für mehr als 80 Prozent der UV-Strahlung durchgängig sein“, heißt es dort (im Kompendium „Gebirgs- und Outdoormedizin“ des Schweizer Alpenclubs SAC, Anm.) (…) An einem sonnigen Sommertag ist der UV-Index auf dem Jungfraujoch (3570m) mit einem Wert von 13 ebenso hoch wie im südaustralischen Sommer.“

Manche Bergfreunde berücksichtigen den Unterschied zwischen sichtbarem Licht und UV-Licht nicht ausreichend und „vergessen“, bei Bewölkung oder Nebel, die Gletscherbrille zu tragen. Es lässt sich ohne zwar besser und angenehmer sehen, doch die Augen sind dann schutzlos einer immer noch beachtlichen UV-Strahlung ausgesetzt. Je nach Dauer und Strahlungsintensität machen sich dann in der Regel einige Stunden nach der Tour ziemlich schmerzhafte Folgen bemerkbar.

Bevor wir uns diese Folgen genauer anschauen, sollte noch ein mögliches Missverständnis ausgeräumt werden: die Tatsache, dass UV-Licht der „Hauptschuldige“ bei Schneeblindheit ist, bedeutet nicht, dass die Überlastung der Augen durch sichtbares Licht harmlos wäre und folgenlos bliebe! Im Gegenteil, denn hier sind bleibende Netzhautschäden und im schlimmsten Fall Erblindung möglich. Deshalb ist guter Lichtschutz durch dunkle Brillengläser in Eis und Schnee kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit.

Was passiert bei Schneeblindheit?

Schneeblindheit kann man sich als einen, durch UV-Strahlung hervorgerufenen, „Sonnenbrand des Auges“ vorstellen. Das ultraviolette Licht strahlt auf einer kürzeren Wellenlänge als das sichtbare Licht und befindet sich im elektromagnetischen Frequenzspektrum, „jenseits von violett“, knapp außerhalb des sichtbaren Bereichs. Die geringe Wellenlänge der Strahlung ist ein Ausdruck von hoher elektromagnetischer Energie. Deshalb ist die UV-B-Strahlung mit ihren Wellenlängen von 280–315 Nanometern gefährlicher, als die langwelligere UV-A-Strahlung mit ihren 315–380 nm.

Die elektromagnetische Energie wandelt sich bei Kontakt mit empfindlichem Körpergewebe in andere Energieformen, wie Wärme und Bewegung, um, was in der Regel zu Schädigungen führt. Beim Auge treten diese Schädigungen zuerst in der äußersten Schutzschicht, der Hornhaut auf. Wie bei einem „normalen“ Sonnenbrand werden die Hautzellen thermisch und (durch ödemartiges Aufquellen) mechanisch beschädigt. Es kommt auf der Hornhaut „zu feinfleckigen Defekten (Keratitis superficialis punctata) der oberen Schicht, die typischerweise starke Schmerzen, Lidkrampf, Tränenfluss und eine Sehschärfenminderung verursachen.

Das Absterben der zerstörten Zellen beginnt etwa drei bis zwölf Stunden nach der Einstrahlung und geht mit einer entzündlichen Reaktion des umgebenden Gewebes einher. Je nach Dauer und Intensität der Einstrahlung wird zusätzlich die, das Lid und den Augapfel verbindende, Bindehaut geschädigt. In diesem Fall wird es richtig unangenehm: das Ablösen der zerstörten äußeren Bindehautschicht lässt Nervenenden freilegen, „wodurch es zu starken Schmerzen, extremer Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss, geröteten Augen und einem Fremdkörpergefühl im Auge kommt.“ Betroffene haben das Gefühl, Sand in den Augen zu haben und sich diesen Herausreiben zu müssen.

Exkurs: Was ist eine Verblitzung?

Im Zusammenhang mit Schneeblindheit tauchen oft die Begriffe „Verblitzung“ und „Augen verblitzt“ auf. Klingt etwas seltsam, fast so wie bei den „Men in Black“, bei denen unerwünschte Erinnerungen gelöscht werden, indem man „geblitzdingst“ wird. Von Verblitzung wird aber nicht bei Gedächtnisverlust gesprochen, sondern dann, wenn die UV-bedingte Hornhautschädigung auf andere Ursachen als Schneereflektion zurückgeht. Am häufigsten kommt das bei der Arbeit mit dem Schweißgerät ohne ausreichenden Augenschutz vor. Beim Schweißen wird ebenfalls starkes UV-Licht ausgestrahlt.

(Drohende) Schneeblindheit erkennen

An sich selbst kann man die ersten Alarmzeichen oft rechtzeitig spüren: der Schnee und die Umgebung reflektieren grell, die Augen sind angestrengt, fühlen sich irgendwie überreizt an und werden irgendwann auch müde. Bei den Tourenpartnern kann man die drohende Schneeblindheit an den angestrengt zusammengekniffenen Augen und den ersten geschwollenen Äderchen im Augapfel erkennen. Spätestens jetzt ist es allerhöchste Zeit, die Augen zu schützen.

Doch die Symptome werden manchmal – ähnlich wie beim Sonnenbrand – erst nachgelagert spürbar, vor allem wenn die Sonne den größten Teil des Tages hinter Wolken und Nebel verborgen war. Wenn man zudem noch voll auf die Action der Tour konzentriert war, hat man das Hineinhorchen in den Körper vielleicht auch vernachlässigt. Doch damit ist es vorbei, wenn, einige Stunden nach dem Aufenthalt im Freien, die Symptome beginnen: gerötete und stark lichtempfindliche Augen, Schmerzen (Fremdkörpergefühl), Tränenfluss und Sehstörungen.

Schneeblindheit behandeln

In den meisten Fällen halten sich die Hornhautverbrennungen in einem Ausmaß, dass der Körper diese selbst regenerieren kann. Das Hornhautepithel und die Hornhaut erneuern sich ständig und können deshalb schon nach 24-48 Stunden die Selbstheilung vollenden.

An Therapie besteht, abgesehen von Schonung und Beruhigung der Augen (kühlende Umschläge, Bettruhe, abgedunkelter Raum), kein Bedarf. Wobei schmerzlindernde Maßnahmen wie Verabreichung von kühlender Augensalbe, entzündungshemmenden Augentropfen und Schmerztabletten natürlich zu empfehlen sind.

Wenn nach spätestens 48 Stunden keine deutliche Besserung eingetreten ist, sollte man einen Augenarzt aufsuchen, notfalls auch ein Krankenhaus. Bei starken Schmerzen und Beeinträchtigungen sollte man das unverzüglich tun. Im besten Fall kann schnelle medizinische Hilfe eine Vernarbung in der Hornhaut und damit irreparable Beeinträchtigungen der Sehkraft verhindern. Auch die Gefahr von bakteriellen Infektionen des entzündeten Gewebes, mit schlimmstenfalls vollständiger Erblindung, kann mit diesem Handeln minimiert werden.

Besser: vorbeugen

Zunächst einmal sollte man, wie oben erwähnt, nie vergessen, dass auch bei Bewölkung und Nebel eine hohe UV-Belastung bestehen kann. Wer viel in den Bergen und entsprechenden Situationen ist, sollte sich eine Brille mit Wechselgläsern oder selbst tönenden Gläsern anschaffen. Der schon oben verlinkte Bergfreunde-Artikel gibt die genauen Infos dazu.

Ansonsten besteht die einzig praktikable Vorbeugungs- und Schutzmethode gegen Schneeblindheit im konsequenten Tragen einer guten, das gesamte Blickfeld abdeckenden, Sonnen,- Gletscher- oder Skibrille. Das gesamte Blickfeld muss die Brille deshalb abdecken, weil auch durch die „Streustrahlung“ von unten, oben und von den Seiten UV-Licht an die Augen gelangt. Geeignete Brillen mit ausreichend hohem UV-Schutz erkennt man am CE-Zeichen und der Filterkategorie von mindestens 3; bei Aufenthalt in Schnee und Eis Kategorie 4. Sowohl die CE-Zeichen als auch die Filterkategorien sind auf dem Brillenbügel markiert.

Ja, so kurz, langweilig aber auch effektiv ist hier der ganze Maßnahmenkatalog. Gerne würde ich hier ein Stück Pappe, in das man Sehschlitze schneidet oder andere coole MacGyver-Gimmicks, empfehlen, doch die sind in Sachen Sehkrafterhalt leider nicht zielführend.

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

30. Juli 2019
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach ergänzt. Aus Gore Windstopper wird GORE-TEX INFINIUM™ WINDSTOPPER®.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von GORE-TEX INFINIUM™ angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

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