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Alpenglühen: was es ist und wie es entsteht

5. September 2019
Tipps und Tricks

„Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian, wenn beim Alpenglühn wir uns wiedersehn.“

Der gute Heino wusste, dass man mit einem romantischen Alpenglühn mehr anfangen kann, als nur ergriffen davor zu sitzen. Geschickt ein Tête-à-Tête in der Almhütte einfädeln zum Beispiel. Oder sich zu einem landauf landab geträllerten Kassen-Schlager inspirieren lassen. Allerdings ist der von Heino nicht mehr ganz so frisch und würde heute eher nicht mehr funktionieren. Selbst wenn man den Text ein wenig zeitgemäß anpasst:

„Boah wie krass blühen die blauen Blumen da, vor dieser abgefahrnen Optik von den Bergen da …“

Vielleicht hat auch Bergfreund Jörn ein Liedchen geträllert, als er kürzlich ein perfektes Alpenglühen erlebte. Er war jedenfalls tief beeindruckt, so tief, dass gleich mal der Auftrag an mich erging, alles über dieses Naturwunder herauszufinden. Hier die Ergebnisse.

Was genau ist Alpenglühen?

Nun, Alpenglühen ist, wenn die Berggipfel bei Sonnenauf- oder Untergang so aussehen, als ob sie glühen würden. Besonders intensiv und farbenprächtig ist das Ganze, wenn die Berghänge verschneit sind oder es kurz vor Sonnenuntergang geregnet hat, so dass die nassen Felshänge im Licht der untergehenden Sonne glänzen.

In aller Regel werden nur die Gipfelregionen eingefärbt und die tieferen Regionen liegen im Schatten. Das Phänomen kommt – Überraschung – nicht nur in den Alpen, sondern in allen Gebirgen der Welt vor. Dennoch wird es im internationalen Sprachgebrauch „Alpenglow“ genannt. Mit Sicherheit gibt es unzählige regionale Bezeichnungen in unzähligen Sprachen, doch Trekker, Wanderer und Bergsteiger sagen auch in den Anden oder im Himalaya: „Oh, look: Alpenglow!“

Was ist Alpenglühen nun genau und wie entsteht es? In einem Bergwelten-Artikel dazu steht an der Stelle, an der ich dachte, jetzt käme die detaillierte Erklärung, folgendes:
„Wer Zeuge des Schauspiels sein darf, sollte darum auch nicht weiter über die Ursachen und Erklärungen des Alpenglühens nachdenken – sondern vielmehr: es in vollen Zügen genießen.“

Kann man so sehen, doch dann könnte man sich eigentlich auch gleich einen Artikel zum Thema sparen. Im Moment des Erlebens muss ich ja wirklich nicht parallel wissenschaftliche Erklärungen abspulen. Aber hinterher am Schreibtisch muss genießen und Bescheid wissen nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Also, hier die knochentrockene Wissenschaft:

Wie entsteht das Alpenglühen?

Welche Erklärung für den rätselhaften Farbenzauber gibt es? Bringt die im Laufe des Tages angesammelte Strahlungshitze die Gipfelregionen zum glühen? Rührt das Ganze von aus Flugzeugen versprühter Leuchtfarbe her? Ist eine veränderte Farbzusammensetzung der Atmosphäre infolge des Klimawandels schuld?

Nicht ganz, die Berge färben sich, weil sie von den Strahlen der tief stehenden Sonne gelblich, orange oder rötlich eingefärbt werden. Dabei gibt es häufig zwei unterscheidbare Phasen, die erste Färbung und die zweite Färbung.

Wenn die Sonne die Felsen und Schneeflächen der Gipfel vom Licht der tief stehenden Sonne erreicht werden, spricht man von der ersten Färbung. Die Gipfelbereiche „heben sich in dieser rot gefärbten Beleuchtung vom Vordergrund ab, der bereits oder noch im Dunkeln liegt.

Die zweite Färbung tritt auf, wenn die Sonne die Berggipfel nicht mehr (oder noch nicht) direkt beleuchtet. Das Sonnenlicht wird in dieser Phase „an Partikeln in der Atmosphäre (wie Eiskristallen, Staub etc.) gestreut, sodass es abgeschwächt auf die Gipfel fallen kann. Vor dem sich violett verfärbten Himmel erscheinen schneebedeckte und hellfelsige Gipfel dann weiterhin in einem schwachen, aber sehr deutlichen und gleichmäßigen Rot.

Der Streueffekt ist auch mitverantwortlich für den allgemeinen Farbwechsel des Sonnenlichts im Laufe des Tages. Er ist umso stärker, je länger der Weg der Lichtstrahlen durch die Atmosphäre ist. Mittags ist er am kürzesten, da die Strahlen die Atmosphäre im steilsten Winkel durchqueren und somit am wenigsten atmosphärische Partikel im Weg sind, die das Licht streuen könnten. Bei Sonnenauf- und Untergang ist der „Durchquerungswinkel“ flach und die Strecke am Längsten.

Durch diesen Mechanismus bekommt auch das Abend- und Morgenrot seine Färbung. Abend- und Morgenrot „unterstützen“ das Alpenglühen durch eine zusätzliche indirekte Beleuchtung des Bereichs direkt oberhalb der Schattengrenze.

„Dieses Licht fällt unter sehr flachem Winkel auf die Landschaft im Rücken des Beobachters. Es wird reflektiert und macht sich als Aufhellung oberhalb des Schattens bemerkbar. Die Effizienz dieser Reflexion nimmt bei steigendem Winkel schnell ab. Daher ergibt sich ein heller Streifen statt einer allgemeinen Aufhellung.“

Farben und Wellenlängen

Doch warum wird das bläulich-weißliche Licht stärker herausgefiltert als das Rötliche? Dazu muss man eine weitere Komponente betrachten: die verschiedene Wellenlängen des sichtbaren elektromagnetischen Spektrums. Sie reichen von den kürzeren Wellen des blau erscheinenden Lichts bis zu den längeren Wellen des rot erscheinenden Lichts. Das blaue Licht wird stärker aus der Atmosphäre „herausgestreut“, weil es mit seinen „kurzen Wellen“ wesentlich häufiger von Partikeln absorbiert und reflektiert wird.

Das rote Licht kommt „ungehinderter“ durch, weshalb sein Anteil mit wachsender Wegstrecke durch die Atmosphäre zunimmt. Soweit der Erklärungsversuch eines Nicht-Naturwissenschaftlers. Ich hoffe nicht nur, dass ich die Sache verständlich erklären konnte, sondern dass ich sie selbst überhaupt richtig kapiert habe ;-)

Polygiene: Wie funktioniert der Mief-Blocker und ist er nachhaltig?

9. Mai 2019
Ausrüstung

(Vorsicht, folgende Einleitung könnte Spuren von Ironie enthalten)

Angeblich soll es in den Bergen noch den rückständigen Brauch geben, nach dem Schwitzen nicht sofort zu duschen und die Klamotten zu wechseln. Igitt, wie eklig und vor allem auch rücksichtslos gegenüber den Mitmenschen. Schuld an diesem Missstand sind vor allem Bergunterkünfte, die keine Duschen und noch nicht mal heißes Wasser rund um die Uhr haben. Dort weht dann in den viel zu engen Massenlagern ein Aroma, das in der Großstadt wohl ABC-Alarm auslösen würde. Wann schafft die EU endlich Gesetze, dass solche Stinkehütten klimatisiert zu sein und  Raumduftsysteme vorzuhalten haben?

Solange die Bergwelt noch lückenhaft reguliert ist, müssen wir uns mit Provisorien behelfen. Eine Möglichkeit wäre, die körperlichen Anstrengungen soweit zu reduzieren, dass kein Schweiß mehr die Poren verlässt. Hier ist man mit vielen neuen Seilbahn- und Straßenbauprojekten schon auf einem guten Weg. Doch was tun, wenn das Schwitzen partout nicht vermieden werden kann und der nächste hochalpinen Sanitärbereich noch in der Planungsphase ist?

Wie kommt der Mief in die Klamotten?

Dann schlägt die Stunde von Technologien wie Polygiene. Polygiene bietet – ab jetzt ohne Ironie –  nicht nur optionalen Luxus wie Parfüm und Deo, sondern wirklich nützliche Vorteile. Warum das so ist, versteht man am besten nach einem genaueren Blick auf den schlechten Schweißgeruch sowie seine Entstehung und Auswirkungen. Obwohl man hier eigentlich nicht viel falsch verstehen kann, denn wie Schweiß entsteht und welche Funktion er hat, dürfte jeder Mensch wissen, der schon einmal selbst geschwitzt hat. Bei Erhitzung des Körpers wird das „Körperwasser“ aus den bis zu 2,6 Millionen Schweißdrüsen herausgepresst, um für kühlende Verdunstung auf der Haut zu sorgen. Diese Kühlung ist lebenswichtig, der Körper braucht sie so, wie ein Verbrennungsmotor Kühlwasser braucht.

Was vielleicht nicht jeder weiß: der Schweiß an sich hat keinerlei Eigengeruch. Er enthält aber Proteine und Fettsäuren, die wiederum als Nährstoffe für Bakterien und andere Mikroorganismen dienen, die sich auf der Haut befinden. Die Mikroorganismen bauen die Stoffe ab, was – analog zur menschlichen Verdauung – zu geruchsintensiven Abfallprodukten führt. Im warmfeuchten Klima sammeln sich diese Hinterlassenschaften zusammen mit den sich prächtig vermehrenden Mikroorganismen auf der Haut und in der Kleidung an.

Das stinkt dann nicht nur, sondern greift auch das textile Gewebe an, da die Abbauprodukte Säuren und Salze enthalten, die der Kleidung chemisch und mechanisch zusetzen können.

Was ist Polygiene?

Kurz und knapp: Polygiene ist ein in Textilien eingearbeitetes Silbersalz aus recyceltem Industriesilber. Zugleich ist es der Name der Herstellerfirma mit Sitz im schwedischen Malmö.

Es gibt mehrere Arten von Silbersalzen. Für Polygiene wird, wie zumeist bei Outdoorkleidung, Silberchlorid verwendet, da es wasserunlöslich ist und nicht aus der Kleidung ausgewaschen wird. Durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen können zwar minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese schädigen im Falle von Polygiene weder Organismen noch Abwassersysteme (dazu mehr im Abschnitt Nachhaltigkeit).

Polygiene basiert auf Silberchlorid aus 100 % recyceltem Silber von photochemischen und industriellen Rückständen. Eine Vermischung mit Silber aus dem Bergbau ist ausgeschlossen. Es wird ähnlich wie Farbe in die Textilfasern eingearbeitet. Dabei wird nur eine sehr geringe Menge Silber verbraucht: die Menge, die in einem Fingerring steckt, reicht für etwa 5000 mit Polygiene ausgerüstete Kleidungsstücke.

Die Silberbehandlung von Polygiene bleibt nach Angaben des Herstellers über die komplette Lebensdauer der Kleidungsstücke erhalten und wäscht sich auch nicht in der Waschmaschine aus. Es handelt sich bei Polygiene auch nicht um Nanosilber, welches aus Silberionen im Größenbereich von Nanometern (10-9 Metern) besteht und im Verdacht steht, sich aus der Kleidung zu lösen und durch die Haut in den Körper zu gelangen. Die für Polygiene verwendeten Silberionen sind mehr als 100mal größer und damit zu groß, um in die Haut einzudringen.

Zudem versichert Polygiene, dass die eigenen Silbersalze sich auch nach längerem Gebrauch nicht von den Textilien lösen. Sie sind zudem nur auf der Außenseite des textilen Trägermaterials aktiv und beeinträchtigen weder die Transpiration noch die natürliche Bakterienflora der Haut. Dementsprechend haben mit Polygiene ausgerüstete Stoffe in Europa die medizinische Zulassung der Kategorie 1, die auch Verbandsmaterial für den direkten Kontakt mit offenen Wunden umfasst.

Polygiene wird zumeist fertig eingearbeitet in Funktionswäsche angeboten, kann jedoch auch als Spray oder Waschzusatz nachträglich aufgebracht werden.

Wie funktioniert es?

Die winzigen Silberpartikel wirken ähnlich wie ein Antibiotikum: sie töten mikrobisches Leben auf breiter Front und verhindern so dessen Wachstum. Als „unverdauliche Brocken“ legen sie den Stoffwechsel der Mikroben lahm.

Die Frage ist aber nicht nur, wie es funktioniert, sondern auch, wie lange und wie gut es funktioniert. Das Outdoor-Magazin hat dazu einen Test über satte 14 Tage gemacht und kam zu folgendem Ergebnis.

Zum testen haben wir ein das Baselayer-Shirt Capilene Thermal Weight von Patagonia und ein Paar Wandersocken von SaferSox zur Verfügung gestellt bekommen. Polygiene empfahl uns das Shirt 8 Tage lang zu testen. Wir sollten Sport machen, das Shirt richtig vollschwitzen und dann lediglich zum Trocknen aufhängen. Zwischendrin durfte das Shirt nicht gewaschen werden.

Für unseren Test sind wir noch einen Schritt weitergegangen. Unser Tester hat das Patagonia-Shirt insgesamt 14 Tage lang getragen. Das Ergebnis: Es bleibt kein Schweißgeruch im Baselayer zurück.

Es blieben zwar andere Gerüche wie Essen oder Deo zurück, doch die Zahl derjenigen Bergfreunde, die sich auch davon beeinträchtigt fühlen und von ihrer Funktionskleidung eine entsprechende Lösung erwarten, dürfte sich zum Glück in Grenzen halten.

Welche Vorteile bringt die Geruchshemmung?

Die direkten Vorteile des Nicht-Stinkens dürften auf der Hand liegen. Sie liegen nicht nur in besserem Wohlgefühl und angenehmerer sozialer Interaktion auf engem Raum, sondern auch in besserer Hygiene. Die Abwesenheit von Bakterien und Pilzen bedeuten auch weniger potentielle Hautirritationen und andere gesundheitliche Probleme.

Hinzu kommen indirekte Vorteile, die daraus resultieren, dass Polygiene-Textilien weniger oft gewechselt und gewaschen werden müssen. Man kann mit deutlich weniger (Wechsel)Wäsche auskommen und dadurch das Rucksack- oder Reisegepäck reduzieren. Auch der Lebenszyklus der Produkte verlängert sich dadurch deutlich, da sowohl Mikroben als auch Waschgänge die Fasern schädigen und das Material abnutzen. Es wird weniger weggeworfen und nachgekauft, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont. Damit sind wir auch schon mitten im Thema Nachhaltigkeit.

Warum Polygiene nachhaltig ist

Es dürfte schon aus den bisherigen Zeilen hervorgegangen sein, dass Polygiene eine ziemlich nachhaltige Angelegenheit ist. Doch sie ist nicht nur ein bisschen nachhaltig, sondern rundherum und vollkommen. Warum? Weil nicht nur Material und Technologie selbst nachhaltig sind, sondern auch ihre direkten und indirekten Effekte. Das wird auch von Umweltorganisationen und Regulierungsbehörden anerkannt. So ist die permanente Textilbehandlung bluesign-zertifiziert und erfüllt strenge, unabhängige Umwelt- und Produktlebenszyklusstandards wie die EU Umwelt- und Abfallgesetze und den ISO 14001 Standard. Zudem befindet sich Polygiene auf der Öko-Tex-Liste (I-IV) von unabhängig geprüften und zertifizierten Produkten.

Gesundheit

Die Zertifizierungen schaffen eine hohe Verbrauchersicherheit, da mit steigenden Umweltstandards für Ausgangsstoffe und Herstellungsverfahren die Belastungen für die menschliche Gesundheit sinken. So wird beispielsweise die Reinheit des Silbers durchgehend kontrolliert, um Spuren anderer Metalle sicher auszuschließen. Auch eventuelle Wechselwirkungen des Silbers mit der Haut werden gründlich untersucht. So wurde in einer Studie des National Center for Biotechnology Information in den USA überprüft, ob das antimikrobielle Silber das Bakteriengleichgewicht auf der Haut stört. Die Forscher konnten dabei keinen Effekt von antibakterieller Kleidung auf die Mikroflora von gesunder Haut nachweisen. Sicher, Ergebnisse von Studien sind manches mal mit Vorsicht zu genießen, doch im Fall von Polygiene kann man schon aufgrund der Konstruktion von minimierten Risiken ausgehen.

Ressourcenverbrauch

Dieser Bereich dürfte der effektivste Nachhaltigkeitshebel von Polygiene sein, denn der Ressourcenverbrauch wird in allen Phasen des Produktlebenszyklus minimiert. Der Rohstoff Silber wird wie erwähnt aus recyceltem Material (Elektronikschrott) gewonnen und in sehr geringen Konzentrationen verwendet. Zudem kann die Polygiene-Behandlung in einem Arbeitsgang mit anderen Ausrüstungen aufgebracht werden und erfordert dadurch keinen zusätzlichen Wasser- und Energieeinsatz. Ein Bindemittel für die Fixierung der Polygiene-Moleküle am Stoff ist ebenfalls nicht nötig.

Die größte Ressourceneinsparung findet während der Verwendung der Polygiene-Bekleidung statt, denn sie wird deutlich weniger gewaschen als herkömmliche Sportkleidung. Letztere wandert teilweise nach jedem einzelnen Einsatz in die Waschmaschine. Mit Polygiene ist das nicht nötig, denn die unhygienischen Bakterien und Gerüche entstehen gar nicht erst. Wenn der Schweiß verdunstet und das Gewebe getrocknet ist, ist die Wäsche auch tatsächlich noch sauber genug, um  weiter getragen zu werden – natürlich nicht unbegrenzt, aber definitiv um ein mehrfaches länger als unbehandeltes Kunstfaser- oder Baumwollmaterial. Die „Bevor-es-eklig-wird-Tragedauer“ einer Polygiene-Unterwäschegarnitur kann man in etwa mit der von Merinowolle gleichsetzen.

Die Polygiene-Wäsche kann nicht nur seltener, sondern auch bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden. Das trägt ebenfalls zu reduziertem Energieverbrauch und längerer Produktlebensdauer bei. Und wenn diese schließlich doch irgendwann ihr Ende erreicht hat, kann die Kleidung inklusive der Polygiene-Ausrüstung recycelt werden.

Aus all dem ergibt sich eine einfache aber wirkungsvolle Nachhaltigkeitsformel:

Weniger waschen = weniger Wasserverbrauch, weniger Reinigungsmittel, weniger Energieverbrauch + längere Produktlebensdauer + mehr freie Zeit + gespartes Geld!

Auf der Polygiene-Homepage ist das Ganze mit diversen Zahlen angereichert. Sogar für die Geld- und Zeiteinsparung sind Zahlen angegeben: so geht man pro Waschmaschinenladung von 28 Minuten Zeitaufwand und 1,34 US$ Kosten aus. Insgesamt geht man davon aus, dass der „ökologische Fußabdruck“ (Wasser- und Energieverbrauch; Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung) eines Kleidungsstücks zu etwa zwei Dritteln aus dem Waschen und Trocknen resultiert.

Zwar können durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen irgendwann doch minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese verbinden sich laut Patagonia rasch mit Sulfiden in der Umwelt zu chemisch stabilem, nicht löslichem Silbersulfid, welches lebende Organismen nicht beeinträchtigt. Die Silberionen werden also deaktiviert, sobald sie in einen natürlichen Wasserlauf gelangen. „Auf gleiche Weise werden sie auch im Wasser einer Kläranlage deaktiviert, sodass sie weder die bakteriellen und Bio-Stufen der Anlagen belasten noch das gereinigte Wasser oder den Klärschlamm.“ Ohnehin sind geringe Mengen an Silberchlorid und Silbersulfid auch auf natürliche Weise im Trinkwasser, Meerwasser und im Boden vorhanden.

Fazit

Polygiene ist ein Paradebeispiel für Outdoor-Technologie, die funktionalen Nutzen mit  Nachhaltigkeit vereint. Die Behandlung sorgt dafür, dass man sich in Sport- und Outdoorklamotten deutlich länger wohlfühlen kann. Das wiederum kann helfen, den Reinlichkeitsdrang des urbanen Lifestyles samt seiner teils absurden Komfortansprüche unten im Tal zu lassen, statt immer tiefer in die Berge einzuschleppen. In dem Falle würde Polygiene womöglich gar zu einer Eindämmung des Erschließungswahns beitragen, der ja manchmal ganz ähnlich wie die fiesen kleinen Stinkebazillen wuchert …

Northern Playground – Hose runter auf Norwegisch

30. April 2019
Ausrüstung

Dass Männer oft nur große Jungen sind, ist dem Volksmund hinlänglich bekannt und dass Buben oft bei ihrer Mutter Rat suchen wenn es auf dem Spielplatz zu gewissen Diskrepanzen kommt, ist einfach eine Tatsache. Mutti ist halt immer da und weiß Bescheid. Kleidungstipps von Müttern sind meist zwar nicht gern gesehen, prägen aber nahezu jede Generation auf ihre ganz eigene Art. Kein Wunder also, dass auch ältere Jungs immer mal wieder auf dieses wandelnde Gratis-Offline-Lexikon zurückgreifen. Bei der Wahl der richtigen Unterwäsche ist das freilich ein wenig skurril, die Geschichte von Northern Playground zeigt jedoch, dass daraus auch ein echter Erfolg werden kann.

Wobei geht’s aber dabei eigentlich genau? Bei Northern Playground handelt es sich keineswegs um den Kinderspielplatz in Trondheim, Oslo oder Stockholm, sondern vielmehr um einen aufstrebenden Hersteller innovativer und funktioneller Outdoorkleidung. Was das Ganze nun aber mit (kleinen) Jungs und deren Müttern zu tun hat, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Legen wir also gleich mal los und fragen uns:

Wer oder was ist Northern Playground?

Northern Playground ist eine vergleichsweise junge Firma, die 2012 in Oslo, Norwegen gegründet wurde. Die Geschichte zur Firmengründung ist dabei so logisch wie skurril. Firmengründer Jo Tobiassen ist seit jeher begeisterter Outdoorsportler. Gerade Berg- und Skitouren haben es ihm angetan. Neben dem reinen Sport sollen dabei aber auch das Naturerlebnis und ein gewisser Komfort nicht zu kurz kommen. Doch das wird bekanntlich schwierig, wenn man in schweißnassen Klamotten auf dem Gipfel eines Bergs sitzt und weder Aussicht noch Brotzeit genießen kann, weil man sich schon nach kurzer Zeit seine fünf Buchstaben abfriert. Dieses Problem und dessen Lösung ist quasi Kernkompetenz und Gründungsmythos der Firma in einem.

Denn vom nassen und kalten Bergerlebnis führt der Weg von Jo direkt nach Hause ans Telefon. Ein mütterlicher Rat muss her! Und siehe da, nach einiger Zeit an der Nähmaschine hatten die beiden ein Kleidungsstück entworfen, das optisch irgendwo zwischen einteiligem Schlafanzug und Superheldenkostüm ohne Cape stand. Wenngleich das Designerstück ein wenig eigensinnig daher kam, legte es doch den Grundstein für einen neuen Typus von Outdoorkleidung: Funktionsunterwäsche, die während einer Tour ausgezogen werden kann, ohne dass man dafür Pullover, Schuhe oder auch Überhose ausziehen muss.

In Magnus Aasrum war außerdem schnell ein geeigneter Partner gefunden, der sich frei nach dem Motto „lass doch mal die Hosen runter“ für das Thema innovative Outdoorunterwäsche interessierte. Einige Selbstversuche in Sachen nähen von Kleidung und tragen von Frauenunterwäsche später, war es so weit und Northern Playground ging 2012 mit seiner ersten Kollektion an den Start.

Ok, das wäre geklärt. Aber…

Was ist bei Northern Playground anders, als bei anderen Marken?

Zunächst einmal fallen da die Produkte auf, mit denen alles begann. (Ski-)Unterhosen mit seitlichen Reißverschlüssen, die sogenannten Ziplongs. Der Gedanke dahinter ist so einfach wie simpel: Schwitzt man während einer Tour, beispielsweise bei langen und steilen Anstiegen stark, ist ein Teil der Klamotten nass. Auch beste Funktionsmaterialien versagen in Sachen Atmungsaktivität und schnelltrocknenden Eigenschaften je nach Kombination der Kleidungsstücke oder Stärke des Schwitzens. Spätestens bei der Gipfelrast sitzt man daher nicht selten in nassen Klamotten da und friert innerhalb kürzester Zeit. Das Panorama, die Brotzeit oder einfach nur die Ruhe zu genießen macht so einfach keinen Spaß.

Genau an dieser Stelle setzt die Zip-Wear-Kollektion an. Hierbei handelt es sich vornehmlich um lange Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. „Gähn“, wird jetzt der eine oder andere denken, doch die Idee dahinter ist ebenso einfach wie simpel: Schweiß ist dazu da, die Körpertemperatur mittels Verdunstung zu regulieren. Strengen wir uns an steigt theoretisch unsere Körpertemperatur, uns wird warm. Zur Temperaturregulierung  schwitzen wir. Im Idealfall kann der Schweiß ungehindert verdunsten und kühlt durch die entstehende Verdunstungskälte die Körpertemperatur wieder herunter bzw. hält sie konstant. Nackt klappt das bestens.

In Verbindung mit (Funktions-)Kleidung wird’s da schon schwieriger. Kommen dabei auch noch Faktoren wie Sonnenstrahlung, Wind und Niederschläge ins Spiel, kann das Zusammenspiel der einzelnen Schichten und somit auch deren atmungsaktive Eigenschaften deutlich leiden. Das Ergebnis: Der Schweiß sammelt sich zumindest teilweise in der Kleidung und verdunstet auch dann noch, wenn die kühlenden Eigenschaften schon lange nicht mehr benötigt werden.

Einfache Lösung: Die nassen Klamotten müssen weg. Und genau an diesem Punkt setzt die Zip Wear Collection von Northern Playground an. Denn hierbei handelt es sich vornehmlich um (Ski-)Unterwäsche, die über lange seitliche Reißverschlüsse verfügt. Hierdurch können gerade die langen Unterhosen auch während einer Tour ausgezogen werden, ohne dass man dazu komplett blankziehen muss.

Auch in Sachen Materialien gibts da nichts zu klagen. Hier kommt von Kunstfaser bis Merinowolle alles zum Einsatz was es für einen angenehmen und funktionellen Outdooreinsatz braucht.

Jetzt aber Hosen runter!, im wahrsten Sinn, denn…

Wie sieht es bei Northern Playground mit der Nachhaltigkeit aus?

Laut seinem eigenen 12 Punkte Schema stellt Northern Playground sein Nachhaltigkeitskonzept wie folgt dar:

  1. Northern Playground hat seinen Firmensitz in Norwegen. Um jedoch kostengünstig und gleichzeitig mit möglichst großer Nähe zum Absatzmarkt produzieren zu können, werden die Kleidungsstücke in Litauen gefertigt.
  2. Wenn möglich kommen recycelte Materialen zum Einsatz.
  3. Alle Kleidungsstücke werden in Pappschachteln verpackt, Plastik kommt hier nicht zum Einsatz.
  4. Die Produkte werden ohne „Ablaufdatum“ oder „Sollbruchstellen“ gefertigt und können lange verwendet werden.
  5. Durch eine hohe Qualität der Kleidung sowie der verwendeten Materialien wird eine hohe Lebensdauer erreicht. Hier handelt es sich nicht um sogenannte „Fast fashion“ sondern vielmehr um Produkte, an denen man dauerhaft Spaß haben soll.
  6. Die verwendete Wolle wirdohne den Einsatz von Mulesing oder Superwash produziert.
  7. Es gibt unterschiedliche Kollektionen mit Biowolle und Bioseide.
  8. Ausgewählte Produkte werden direkt in Toyen, Oslo gefertigt.
  9. Northern Playground engagiert sich auch auf politischer Ebene für den Umweltschutz in der Industrie. So plädiert die Firma beispielsweise für die Einführung einer Umweltsteuer in Norwegen.
  10. Der wichtigste Produzent der Kollektionen ist Utenos mit Sitz in Litauen. Hier wird ein Großteil der Produkte von Northern Playground gefertigt. Utenos ist sich dabei seiner Verantwortung gegenüber der Umwelt bewusst und erfüllt strenge Auflagen.
  11. „Grün“ zu denken und grün zu arbeiten ist einer der obersten Leitsätze von Northern Playground.
  12. Ehrlichkeit und Offenheit sind Werte, durch die sich Northern Playground definiert. Hierzu wird den Kunden nicht selten ein Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Überhaupt dreht sich bei Northern Playground irgendwie alles um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz und Offenheit. Hierzu gehört auch die Zusammenarbeit mit dem „Utviklingsfondet“, dem Norwegischen Entwicklungsfonds, der sich für die Entwicklungs- und Umweltarbeit einsetzt. Hierdurch wird unter anderem durch Baumpflanzungsprojekte in Afrika versucht, den CO2-Fußabdruck der Firma so gut wie möglich auszugleichen.

Damit jedoch genug Ökoaktivismus für heute!

Wie siehts ganz allgemein mit der Produktpallette aus?

Die Produktpallette von Northern Playground kann grob in zwei große Bereiche unterteilt werden: „The Zip Wear Collection“, also überwiegend (Ski-)Unterwäsche mit strategisch angebrachten Reißverschlüssen und „The Organic Collection“, die aus Kleidung mit Biowolle und Bioseide besteht.

The Zip Wear Collection

Die Idee hinter den Kleidungsstücken mit Sidezips haben wir weiter oben ja schon beschrieben. Aber welche Produkte gibt es da denn konkret?

Unterhosen in unterschiedlichen Längen

Die sicherlich innovativsten Produkte von Northern Playgrund sind die wärmenden Unterhosen mit seitlichem Reißverschluss. Diese Hosen gibt es lang, dreiviertellang und kurz, sodass sie für die unterschiedlichsten Aktivitäten eingesetzt werden können. Auch Hosen mit einer gepolsterten Sitzfläche sind hier vertreten.

Pullover mit Frontreißverschluss

Pullover mit halblangem Reißverschluss sind echte Basics. Kein Wunder, dass auch Northern Playground welche in seiner Kollektion hat. Das Material ist dabei eine Mischung von Wolle und Kunstfaser und verbindet so Funktionalität und Tragekomfort in Perfektion.

Einteiler

Beim Zipbody handelt es sich um einen praktischen Einteiler. Dieser kommt mit langen Ärmeln und kurzen Beinen. Hierdurch ist er gerade für (Ski-)Hochtouren und andere alpine Aktivitäten gut geeignet. Durch einen langen Reißverschluss am Gesäß kann er auch unterwegs problemlos ausgezogen werden, ohne dass man sich dabei komplett entblättern muss.

Unterwäsche

Was gibts bei Unterwäsche schon groß zu erklären. Unterhosen und Sport-BHs eben. Aber mit dem kleinen Unterschied, dass auch diese Kleidungsstücke über einen strategisch angebrachten Reißverschluss verfügen, die das schnelle Ausziehen unterwegs erleichtern.

The Organic Collection

Eine zweite wichtige Produktlinie ist die Biokollektion. Hier kommen laut Herstellerangaben nur natürliche Materialien mit hoher Qualität zum Einsatz. Schauen wir doch mal rein:

Unterwäsche

Von der langen Unterhose bis hin zum BH gibt es hier alles, was zu einer ordentlichen Wäschekollektion gehört. Das Besondere dabei sind die Materialien. Alle Kleidungsstücke sind aus einem Mischgewebe aus Biowolle und Bioseide gefertigt und überzeugen durch gute Trageeigenschaften.

Shirts

Die zweite große Gruppe der Kollektion sind T-Shirts und Longsleeves. Auch hier kommt wieder eine Materialmix aus Wolle und Seide zum Einsatz. Besonders: Die Langarmshirts gibt es auch mit Knopfleiste und als Hoodie.

Accessoires

Neben den beiden großen Produktlinien hat Northern Playground auch noch ein paar schicke Accessoires am Start. Vom Röhrenschal bis Skisocken hier sind zahlreiche Produkte vertreten, die unterwegs angenehm, nützlich und schick sind.

Was gibts abschließend über Northern Playground noch zu sagen?

Die Produkte von Northern Playground überzeugen nicht nur durch eine gute Qualität und angenehme Materialien. Durch ein moderndes Design und gute Ideen hinter den einzelnen Kleidungsstücken überzeugen sie außerdem beim Outdooreinsatz. Dabei sind Ziplongs, Longsleeves und Co. bestens für alle geeignet, die viel draußen unterwegs sind und dabei nicht frieren wollen. Eine offene Firmenphilosophie sowie der gelebte Nachhaltigkeitsgedanke runden das Konzept von Northern Playground ab und machen die Marke so zu einem kleinen aber feinen Bekleidungshersteller aus dem hohen Norden.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Marmot

2. April 2019
Ausrüstung

Marmot ist eine Bekleidungs- und Ausrüstungsfirma, die standesgemäß im Sunny California der frühen Siebziger entstand und mittlerweile zu den bekanntesten weltweit operierenden Outdoorlabels gehört.

Man kann bei Marmot nicht unbedingt von einer umfassenden, alles durchdringenden Nachhaltigkeitsstrategie wie bei Patagonia oder Fjällräven sprechen. Es werden eher punktuelle Maßnahmen in verschiedenen Bereichen durchgeführt. Das klingt zunächst bescheiden, ist aber durchaus verständlich, denn bei Marmot ist der Anteil an wirklich hochfunktionaler, technischer Kleidung und Ausrüstung für anspruchsvolle Outdoor- und Bergunternehmungen relativ hoch. Doch das heißt nicht, dass das Thema Nachhaltigkeit nur ein Schattendasein führen würde – die gezielten Maßnahmen haben es wirklich in sich und können je nach Erfolg der entsprechenden Produkte weitreichende Wirkung zeigen.

Als Haupt-Bausteine des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts kann man das Leitmotto „People, Product, Planet“ sowie die sogenannte Treadlight-Strategie betrachten. Hauptsächlich geht es bei diesen um technische Innovationen bei Materialien und Herstellungsverfahren, um Ressourcen effizienter zu verwenden und dabei zugleich die maximale Funktionalität der Produkte zu erreichen. Das versuchen viele andere Hersteller auch, doch das Besondere bei Marmot ist, dass die resultierenden Produkte nicht nur im hochpreisigen Segment anzutreffen sind (dazu gleich noch zwei Beispiele).

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Marmot sieht demzufolge langlebige und hochwertige Produkte als beste Maßnahme, um schädliche Umwelteinflüsse zu minimieren. Diese Herangehensweise sieht man nach eigener Aussage als treibende Kraft der Produktentwicklung. Es gibt hier auch nachweisbare Erfolge, von denen die Daunenalternative Marmot Eco Featherless und die umweltschonende Imprägnierung EvoDry hervorzuheben sind.

Eco Featherless

Die Daunenalternative aus Nylonfasern kam als Teil des Marmot-Nachhaltigkeitskonzepts in den Handel. Die Nylonfasern bestehen wiederum zu 75 Prozent aus recycelten Materialien.

Eco Featherless erreicht eine Wärmeleistung und Bauschkraft, die einer 700 Cuin Daunenfüllung entspricht, und ist dabei sowohl atmungsaktiv als auch feuchtigkeitsabweisend. Sie wärmt damit auch im nassen Zustand und wird durch häufiges Waschen kaum beeinträchtigt. Last but not least ist Eco Featherless hypoallergen und nach dem Ökostandard Bluesign zertifiziert.

EvoDry

Diese patentierte Imprägnierung wird ohne Wasser, nur mittels Hitze und Druck direkt in das trockene Garn eingebracht. Das Garn wird durchdrungen und hält dadurch dauerhaft Nässe stand. Jan Schapmann, Geschäftsführer von Marmot Mountain Europe, sieht darin nichts weniger als „die Zukunft der Regenbekleidung“.

Auch EvoDry besticht durch hohe Waschbeständigkeit: 100 Gänge in der Waschmaschine und im Trockner übersteht die Imprägnierung locker. Marmot versichert, dass EvoDry-Bekleidung die ganze Dauer über wasserdicht bleibt und nie nachimprägniert werden muss.

Bei EvoDry-Kleidungsstücken sind alle Bestandteile von der Imprägnierung bis hin zum Reißverschluss komplett PFC-frei.

Die Stoffe, auf denen die Imprägnierung aufgetragen wird, bestehen aus recyceltem Nylon und werden im umweltschonenden „Solution-Dye-Verfahren“ gefärbt. Dieses benötigt laut Outdoor-Magazin pro Jacke 85 Prozent weniger Färbemittel und 89 Prozent weniger Wasser als herkömmliche Verfahren. Energieeinsatz und CO2-Ausstoß sollen um fast zwei Drittel niedriger ausfallen.

EvoDry und Eco Featherless sind die Vorzeigetechnologien der oben erwähnten Marmot-Nachhaltigkeitsinitiative Treadlight. Sie sind aber nicht die Einzigen, hinzu kommt noch die Produktlinie der Thread T-Shirts, die aus 50% recyceltem Polyester (vor allem aus Plastikflaschen) und 50% recycelten Baumwoll-Verschnittresten hergestellt sind. Dank Letzterer werden vor allem der hohe Pestizideinsatz und Wasserbrauch der Baumwollproduktion verringert. Die verwendeten Farben sind deutlich schadstoffärmer und die T-Shirts trugen zur Schaffung von mehr als 1.300 Jobs auf Haiti bei.

Ein weiterer Umweltaspekt ist Marmots Selbstverpflichtung zur Verwendung von RDS-zertifizerter Daune. Der Responsible Down Standard (RDS) ist ein unabhängiger Zertifizierungsstandard, der die Rückverfolgbarkeit von Daunen sicherstellen soll und für die gesamte Produktionskette gilt. Auch ein durchwegs würdiger Umgang mit den Tieren soll sichergestellt werden. Bislang gelingt das in Bezug auf einzelne Produktionsketten und Unternehmen, langfristig soll es die gesamte Daunenindustrie zum Besseren verändern.

2015 begann Marmot mit der Verwendung von RDS-Daunen, seit Winter 2018 ist laut Eigenauskunft die Daune europaweit in allen Marmot-Schlafsäcken und Kleidungsstücken RDS-zertifiziert.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Neben einer wachsenden Zahl an Fair Trade Produkten hat Marmot einen Verhaltenskodex für Partner und Lieferanten. In dieser vertraglich bindenden „Vendor Compliance Policy“ werden Partner, Lieferanten und deren Subunternehmer zur Einhaltung international gültiger Standards und Normen des Arbeitsrechts verpflichtet. Man kann Marmot durchaus glauben, dass an der Umsetzung ernsthaft gearbeitet wird, denn es wird nicht nur regelmäßig kontrolliert, sondern auch auf langfristig wachsendes Vertrauen und gegenseitigen Respekt gesetzt. Mit 95 Prozent der Zulieferer unterhält man Geschäftsbeziehungen, die seit mehr als fünf Jahren andauern.

Ökonomische Aspekte

Ob Marmot eigenständig nachhaltige ökonomische Entscheidungen fällen und Strategien entwickeln kann, ist schwierig zu bewerten, da die Firma im Laufe der Jahre in ein Geflecht aus Übernahmen und Beteiligungen eingebunden wurde: „2004 wurde Marmot von K2 Sports übernommen, welches wiederum 2007 von der Jarden Corporation übernommen wurde. Nach der Übernahme von Jarden durch Newell Rubbermaid im Jahre 2016 wurde Marmot aus K2 ausgegliedert und die K2 Sports 2017 an Kohlberg & Company verkauft. Marmot ist bei Newell verblieben.“

Für Aussagen über die Planung und Durchsetzbarkeit von ökonomischen Nachhaltigkeitsstrategien benötigt man Einblicke in die Vorgaben, Entscheidungswege und Hierarchien bei Marmot und derer Mutterkonzerne, was den Rahmen dieses Artikels leider ein wenig sprengt.

Mitgliedschaften und Kooperationen

Marmot ist bluesign Systempartner, was die Verpflichtung beinhaltet, das bluesign-System in der gesamten Produktionskette anzuwenden. Das bluesign-System minimiert schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur durch einen international anerkannten Standard für nachhaltige Textilproduktion und Verbraucherschutz. Mit Inspektionen vor Ort wird sichergestellt, dass chemische Produkte und Rohstoffe korrekt und verantwortungsvoll eingesetzt und bedenkliche Stoffe vermieden werden.

Des Weiteren ist man Mitglied in der European Outdoor Conservation Association (EOCA). Die EOCA ist eine Initiative der Europäischen Outdoor-Industrie, die spezifische Umweltschutzprojekte unterstützt. Zudem unterstützt Marmot weitere Initiativen wie die dZi Foundation, die Cancer Climber Association, Guide Dogs for the Blind, Chicks with Picks, SOS Kinderdörfer und terre des hommes.

Was sagen die Kritiker?

Beim Nachhaltigkeitsportal Cleanclothes kommt Marmot mit 3 von 5 Punkten mittelmäßig mit der Tendenz zu „gut“ weg. Allerdings datiert der Check aus dem Jahr 2012, es kann sich also zwischenzeitlich einiges geändert haben. Ansonsten scheint Marmot bislang bei den Nachhaltigkeits- und Verbraucherportalen etwas unter dem Radar zu fliegen, denn seitdem scheint sonst niemand mehr nachgeprüft zu haben.

Das Alpin-Magazin sei von Marmots Nachhaltigkeitsbemühungen jedenfalls überzeugt, wie man in diesem Artikel über den Weg der Outdoorindustrie in die Nachhaltigkeit lesen kann. Über die mit EvoDry ausgestattete Eclipse Jacke heißt es:

„So schnell, robust und umtriebig, wie sich die namensgebenden Murmeltiere in der alpinen Welt bewegen, ist auch der Anspruch von Marmot an die eigenen Produkte. Das sieht man zum Beispiel in der neuen EvoDry-Technologie der Kalifornier, die nicht nur den Körper schützen soll, sondern auch die Umwelt. So besteht zum Beispiel das Eclipse Jacket aus recyceltem, sehr strapazierfähigem Nylon-Material und ist vom Reißverschluss bis zur Imprägnierung 100% PFC-frei. Dabei ist die Jacke atmungsaktiv, und hat 20.000 mm Wassersäule. Besonders schlau: Die Imprägnierung ist direkt ins Garn eingearbeitet, ein lästiges Nachimprägnieren entfällt daher“.

Fazit

Auf den ersten Blick scheint das Nachhaltigkeitskonzept bei Marmot nicht allzu umfassend, doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich die punktuellen Maßnahmen als ziemlich effektiv. Allerdings ist auch die Kundschaft gefragt, nachhaltige Angebote wie Eco-Featherless und EvoDry wahrzunehmen und anzunehmen. Zumal Marmot es schafft, diese Technologien zu Preisen anzubieten, die sogar eher günstiger sind als die konventionellen Hightech Lösungen. Letztere sind im Grunde nur dann wirklich notwendig, wenn man zu dem eher kleinen Kreis der Bergfreunde gehört, der wirklich in große Höhen und stürmische Weiten vordringt. Denn das Niveau an Isolation, Wasserdichtigkeit und Gewichtsminimierung für den High-End Bereich ist (leider) nach wie vor nur mit PFC-haltiger Chemie und echten Daunen erreichbar.

Nachhaltig oder grüngewaschen? Outdoormarken im Portrait: Patagonia

19. März 2019
Ausrüstung

Es ist das Outdoor-Paradoxon: wir wollen unberührte Landschaft erleben und erhalten, verbrauchen aber reichlich Ressourcen, um sie mit eigenen Augen zu sehen. Wir regen uns über Sommerskifahrer und röhrende Porsches auf, steigen aber in den Flieger nach Neuseeland. Ob Hersteller und Anbieter von Outdoorware oder Konsument und Nachfrager: man schwärmt von Natur und Bergen, trägt aber genau dadurch auch zu deren Gefährdung bei.

Doch vielleicht gibt es auch eine andere Seite. So heizen bunte Bilder von Wasserfällen, Wäldern und Bergkulissen zwar einerseits die Konsum- und Reiselust an, doch gleichzeitig können sie durchaus auch den Sinn für die Schönheit der empfindlichen und schützenswerten Ökosysteme schärfen.

Nicht nur Klima: Was ist Nachhaltigkeit?

Vereinfacht gesagt: Nachhaltig ist, wenn man Ressourcen nicht schneller verbraucht, als die Natur sie – mit oder ohne menschlichen Einfluss – neu schaffen kann. Man kann dafür den selbstlosen Verzicht predigen, doch das wird kaum beachtet, geschweige denn ernst genommen. Auch kann das nur tun, wer glaubwürdig als Vorbild vorangeht – und das sind nicht Viele. Immerhin, wenn es denn mal jemand vormacht, wird es weithin respektiert und bewundert.

Trotzdem fruchten meist nicht einmal die vielen Appelle an die „freiwillige Selbstbeschränkung“ auf ein „vernünftiges Maß“. Sie riechen eben zu sehr nach Moralkeule und außerdem kann ohnehin niemand wirklich genau sagen, wo dieses goldene Mittelmaß liegt. Meist wird versucht, mit einem bestimmten „CO2-Budget“ pro Kopf und Jahr zu operieren. Derart auf Zahlen reduziert scheint es zwar besser umsetzbar, geht meiner Meinung nach aber am Kern des Problems vorbei – so wie im Grunde die ganze heutige Fixierung auf Zahlen, CO2 und „das Klima“.

Mit „Klimazielen“ und maximal „erlaubten“ Temperaturerhöhungen der Erde zeigt der Mensch neben der guten Absicht nämlich auch, dass er nach wie vor in dem technozentrischen Weltbild steckt, das die Probleme erst erzeugt hat. Ein solches Weltbild glaubt, mit Zertifikatehandel und etwas effizienterer Technologie die Temperaturverhältnisse der Erde zu steuern und damit das Umweltproblem in den Griff zu bekommen. Nur wird dabei vergessen, dass bei solch gewaltigen ökologischen Zusammenhängen auch kosmische Einflüsse wie die Sonne sowie auch die Erde selbst ein Wörtchen mitzureden haben. Auch geraten durch die CO2-Fixierung andere Probleme wie Bodenversiegelung oder Ausstoß von Ruß, Feinstaub und Aerosolen aus dem Blickfeld.

Echte Nachhaltigkeit muss auch andere Aspekte berücksichtigen. Dazu gehören nicht nur die drei Ebenen des Nachhaltigkeitsmodells (Ökologisches, Ökonomisches und Soziales), sondern auch persönliche und grundsätzliche, nicht technische Aspekte wie ein Hinterfragen der eigenen Bedürfnisse und Motive. Um dann vielleicht so manchen Impulskauf oder die spontane Kurzreise um den halben Globus bleiben zu lassen. So kann man sich beispielsweise fragen: Brauche ich für meine Wanderpläne diese 3-lagige Hightech-Jacke mit 40 000 mm Wassersäule? Brauche ich die wasserabweisende und atmungsaktive Daunendecke für den Campingausflug? Muss alles immer nagelneu sein oder reicht auch mal ein gut gepflegtes Second-Hand-Teil?

Bei Outdoor-Kleidung bedeutet jedes Mehr an Funktion oft auch ein Mehr an Chemikalien. Aber jetzt fange ich hier selbst schon mit der Moralkeule an… Ich möchte aber nur zeigen, dass letztendlich die Hauptverantwortung bei uns als Kunden liegt, denn bei aller Werbeverführung der Welt kann kein Hersteller und kein Händler allein bestimmen, was gemacht und hergestellt wird.

Apropos Hersteller: dieser Artikel hier soll die Nachhaltigkeitsbemühungen von Patagonia unter die Lupe nehmen – und in folgenden Artikeln werden noch einige weitere Hersteller auf ihre Nachhaltigkeit abgeklopft.

Das Nachhaltigkeitsprogramm von Patagonia

Zunächst Folgendes: eine durchweg nachhaltige/ethische Rohstoff-, Erzeugungs- und Vertriebskette kann nach wie vor kein Outdoor-Unternehmen leisten, ohne exorbitante Kaufpreise zu fordern. Auf diese Weise ist die Nachhaltigkeit eher eine kleine Spezialnische für die „gehobene“ Kundschaft. Damit wären wir aber eher beim berühmt berüchtigten „Freikaufen“ für einige wenige Superprivilegierte.

Wirkliche Nachhaltigkeit muss aber auch im effizienten, groß angelegten und preisgünstigen Rahmen funktionieren. Und hier ist Patagonia auf dem richtigen Weg, denn die Maßnahmen zielen nicht auf Exklusivität ab. Und Patagonia geht auch nicht den anderen „einfachen Weg“, nur einen unter vielen Aspekten nachhaltig zu gestalten und sich dann mit irgendeinem „klimaneutral“ erzeugten Zwischenprodukt ein grünes Image zu verschaffen. Nein, man setzt sich hier auf mehreren Ebenen für mehr Nachhaltigkeit ein und hat damit schon zu Zeiten begonnen, als nur die wenigsten global operierenden Unternehmen an derartiges dachten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Doch auch Patagonia war und ist ein wachsendes, global operierendes Unternehmen, dessen Verfahren und Produkte nicht immer vollständig nachhaltig sind. Elegant und diplomatisch wird dieses Problem in Formulierungen wie „zwischen Marketing und Umweltschutz“ ausgedrückt. Zu diesem Spagat gehören Engagements für verschiedene Umweltprojekte wie das bekannte Spendenkonzept „1% for the Planet“. Dessen Grundidee stammt von Patagonia-Gründer Yvon Chouinard selbst: 1% des jährlichen Unternehmensumsatzes geht an Organisationen, die sich für den Umweltschutz einsetzen.

Hauptsächlich will Patagonia die Umwelt-Nachhaltigkeit mit einem 4-Punkte Programm verbessern. Dieses besteht aus folgenden Punkten:

1 Reduce

Damit ist das Bestreben nach möglichst langer Lebensdauer der Produkte gemeint. Dadurch soll der Bedarf an ständig neuer Kleidung verringert werden. In diesem Rahmen ist auch die berühmte  Marketingkampagne „Do not buy this jacket“ während der Thanksgiving-Saison 2011 zu verstehen. Auf deren scheinbare Widersprüchlichkeit gehe ich später noch ein.

2 Repair

Patagonia gestaltet viele Kleidungsstücke so, dass Kunden sie möglichst einfach selbst reparieren können und unterstützt sie dabei mit Anleitungen im Internet. In den USA hat man eines der größten Textilreparaturzentren überhaupt aufgebaut und repariert dort jährlich 40.000 Kleidungsstücke.

In seinen Läden repariert Patagonia kaputte Outdoor-Bekleidung kostenlos und schickt mit dem „Worn wear truck“ seit 2017 einen Reparaturservice quer durch Europa (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage).

Außerdem nimmt Patagonia kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, andere Marken anzuprangern, die Reparaturen bewusst erschweren, um Kunden zu schnellem Neukauf zu bewegen. Mehr über die Worn Wear Aktivitäten findet sich in diesem Bergfreunde-Artikel und diesem Utopia-Bericht.

3 Reuse

Worn Wear dient auch als Label für den Second Hand Markt von Patagonia. Auf dieser Plattform wird gebrauchte Patagonia Bekleidung aufbereitet und gehandelt. Jeder Patagonia Kunde kann hier seine gebrauchte Kleidung weiter verkaufen.

4 Recycle

Wenn Weiterverwendung oder Reparatur nicht mehr möglich ist, kommt die Option Recycling zum Einsatz. Patagonia nimmt alle Bekleidungsstücke zurück und führt sie der Wiederverarbeitung zu. Damit werden viele nach wie vor hochwertigen Stoffe vor der Müllverbrennungsanlage oder der Deponie bewahrt. Schon seit langem produziert Patagonia einen Großteil seiner Kunstfasern aus recycelten PET-Flaschen. Mit dem Recycling von Daunen bei Patagonia haben wir uns hier im Basislagerblog schon einmal ausführlicher beschäftigt.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

„Die Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern verglich 2010 mittels Umfragen und Internetrecherchen bei 77 Modelabels die Standards der Arbeitsbedingungen in Produktionsländern. Patagonia wurde dabei in die zweitbeste Kategorie ‚Durchschnittliche‘ von fünf Kategorien eingestuft. Im ‚Outdoorguide‘ der Erklärung von Bern/Public Eye von 2012 erreichte Patagonia einen Platz in der höchsten Kategorie ‚Fortgeschrittene‘.“

Diese Wikipedia-Ausführungen zeigen die Schwierigkeiten des „Monitoring“, also der lückenlosen Überwachung und Bewertung aller Prozesse bei Großunternehmen (mit einem Umsatz von etwa 600 Millionen US$ (Stand 2013) und einer Mitarbeiterzahl von etwa 1300 gehört Patagonia eindeutig in diese Kategorie). Das Zurückverfolgen aller Wege und Zwischenprodukte kann da schon ziemlich kompliziert werden. Patagonia bemüht sich dennoch, alle Herstellungsschritte vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt transparent zu machen und fair zu gestalten. Letzteres zeigt sich auch an der Mitgliedschaft in verschiedenen Initiativen wie Fair Labor Association, die sich für gerechtere Arbeitsbedingungen einsetzen.

Ökonomische Nachhaltigkeit

Seit 2013 zeigt sich das Unternehmen skeptisch gegenüber dem Konzept des ökonomischen Wachstums, weil es einen Punkt gäbe, an dem Wachstum direkt oder indirekt die Lebensbedingungen gefährden würde. Verantwortliches Wachstum wäre nur solches, das soziale und ökologische Folgen bedenke. Ähnliches wird zwar in jeder Sonntagsrede geäußert, doch bei Patagonia bestehen gute Chancen, diesen Worten Taten folgen zu lassen. Denn die Firma ist und bleibt im Privatbesitz, ohne Beteiligung von anonymen Kreditgebern, die im Hintergrund die Geschäftsentscheidungen beeinflussen.

Marketing

Das Marketing bei Patagonia kann mit etwas Wohlwollen auch zur Nachhaltigkeitsstrategie gezählt werden, denn es zielt oft auf Umweltthemen ab. Ein zwar nicht messbarer, aber sicher nicht zu unterschätzender Beitrag von Patagonia liegt darin, viele Nachhaltigkeitsthemen überhaupt erst ins Bewusstsein der Outdoorbranche und ihrer Kunden gerückt zu haben.

Mit der bereits erwähnten „Kauft diese Jacke nicht“-Werbung positionierte man sich beispielsweise gegen Ressourcenverschwendung und Müllberge des schnelllebigen Modekonsums. Zunächst scheint eine derart widersprüchliche Botschaft wenig glaubhaft, doch man meinte sie durchaus ernst. Und wenn man zwischen Unternehmenswachstum und Marktwachstum unterscheidet, macht sie auch ökonomisch Sinn. Das Unternehmen Patagonia möchte eben dank seiner Nachhaltigkeitserfolge florieren. Firmengründer Chouinard sieht sich ja durchaus als Unternehmer im Konkurrenzkampf mit anderen Unternehmen, die beim Wegfall von schnelllebigem „Sinnloskonsum“ eben aufgrund ihrer mangelnden Nachhaltigkeit aus dem Markt gedrängt werden. Dann schrumpft zwar der Markt, doch die Firma wächst.

Was sagen die Kritiker?

Das Auge der kritischen Öffentlichkeit ist bei einer Firma wie Patagonia natürlich besonders wachsam. In der Vergangenheit hat es mehrfach Kritik von Tierschutzorganisationen gegeben. Die war berechtigt und wurde dementsprechend auch aufgenommen. Und zwar nicht in Form von Beschwichtigungen und Relativierungen, sondern in Form von Veränderungen. Im Falle einer Beschwerde von PETA über das Leid von Schafen in einem Zuliefererbetrieb nahm man diese Wolle umgehend aus der Verarbeitung. Nach Beschwerden über die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf entwickelte Patagonia den strengen „Traceable Down Standard“, der eine transparente Lieferkette und den Ausschluss von Zwangsfütterung und Lebendrupf sicherstellen soll.

Verbraucherschützer und Nachhaltigkeitsportale zeigen sich durchaus anerkennend. So bestätigt das Nachhaltigkeitsportal Utopia.de, dass die zahlreichen Nachhaltigkeitsmaßnahmen weder Greenwashing noch Imagepflege, sondern echte Bemühungen sind. Der Verein Rank a brand kommt hingegen zu einem kritischen Urteil, das aber noch nicht abschließend gefällt scheint. Auch hier zeigen die abweichenden Ergebnisse, wie schwierig es ist, die Effektivität von Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu bewerten.

Kritik in großen Medien wie Zeit.de und Spiegel-Online fällt eher undifferenziert aus und scheint auch teils Kritik um der Kritik willen zu sein. So schreibt man bei der Zeit:

„Das US-Unternehmen aus Kalifornien verkauft seinen Kunden nicht nur warme und langlebige Jacken, sondern ein Image: Öko-Coolness für politisch korrekte Hipster.“

Das klingt, als ob es falsch sei, dass Nachhaltigkeit mittlerweile sogar „cool“ sein kann. Wäre es denn besser, wenn sie immer noch mit muffigem Reformhaus- und Birkenstock-Image behaftet wäre? Mir sind Hipster ja auch nicht ganz koscher, insofern volles Verständnis für diese Breitseite. Dennoch ist sie eher ein Geschmacksurteil und unterstellt, dass Patagonia den Weg zur „Modemarke für Büromenschen“ einschlagen würde. Wenn, dann wäre das sicher fragwürdig, zumindest solange man nicht reine Modelinien ohne chemisch oder ressourcenaufwändig erzielte Funktionalität anbietet. Denn es stimmt schon, dass technische Outdoorkleidung in der Stadt oder beim Waldspaziergang wenig sinnvoll ist.

Auch der Spiegel kritisiert auf ähnliche Weise. Es werden auch hauptsächlich Probleme und Widersprüche hervorgehoben, die die Outdoorbranche allgemein betreffen.

Fazit

Ganz sicher kann Patagonia noch vieles verbessern und umfassende Nachhaltigkeit ist noch lange nicht erreicht. Betrachtet man es in Relation zur Gesamt-Outdoorbranche, gibt die Firma allerdings ein sehr gutes Bild ab. Patagonia ist aktiver als die meisten Mitbewerber und das auch schon seit viel längerer Zeit. Es treten zwar Versäumnisse und Fehler auf, doch diese werden nicht vertuscht oder schöngeredet, sondern nach und nach angegangen.

Gute Ökobilanz beim Skifahren – So wird der Winterurlaub nachhaltig

14. Februar 2019
Tipps und Tricks

Über Schneearmut muss sich aktuell im nördlichen und östlichen Alpenraum niemand beklagen. Pünktlich zum neuen Jahr schneit es ohne Unterlass. Die Skigebiete sind mit den Neuschneemassen teilweise sogar überfordert und müssen vorübergehend schließen. Die Grundlage für die Saison ist gelegt.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auf den ersten Blick Nachhaltigkeit und Skitourismus schwierig zu vereinen sind. Aktuell gelten allein in Bayern nur 50 Prozent der Skigebiete in mittlerer Höhe als naturschneesicher, in Österreich werden knapp 70 Prozent aller Flächen beschneit. Laut Deutschem Alpenverein wird die Abhängigkeit der hiesigen Gebiete von künstlicher Beschneiung zunehmen. Auch der Alpenraum bleibt vom Klimawandel nicht verschont. Viele Gemeinden bemühen sich daher um mehr Nachhaltigkeit durch sanften Tourismus und alternative Freizeitangebote für Wintersportler.

Keine Sorge, es geht beim Thema Nachhaltigkeit nicht darum den Skisport abzuschaffen, sondern ein größeres ökologisches Bewusstsein im Wintersport anzuregen. Wir haben uns dem Thema angenähert und festgestellt: Ein nachhaltiger Winterurlaub ist möglich! Und mit den folgenden vier Tipps kann jeder einen Beitrag dazu leisten!

1. Selektive Auswahl von Skigebieten: Mehr Natur- als Kunstschnee

Ein nachhaltiger Urlaub beginnt schon bei der Auswahl des Skigebietes. Meiden sollte man solche, die aktiv an einer Expansion arbeiten. Das umfasst den Bau von Skischaukeln (also eine Verbindung zwischen zwei Skigebieten, die in verschiedenen Tälern liegen), unnötige Modernisierungen und vor allem die Neuerschließung von Gebieten. Einige Skigebiete werben mit sehr langen, garantierten Saisonzeiten von bis zu 200 Tagen. Das können eigentlich nur Gletscherskigebiete leisten. In niedrigeren Lagen wird das durch zusätzliche Beschneiung und Snowfarming, also die Aufbewahrung von Schnee aus der alten Saison, erreicht. Das ist ökologisch bedenklich.

Vielmehr sollte man in Alpenregionen fahren, die Sommer- und Wintertourismus betreiben. Wintersportgebiete, die nur im Winter genutzt werden, offenbaren im Sommer die Auswirkungen des Massentourismus. Die starken Eingriffe in die Natur werden sichtbar, sobald die Schneedecke geschmolzen ist. Ein nachhaltiges Skigebiet sorgt sich auch im Sommer um den Zustand der Pisten. Bei guter Pflege erholen sich die Wiesen bis zur nächsten Saison. Sie sollten entweder gemäht oder beweidet werden, um Erosion vorzubeugen. Zusätzliche Einnahmequellen im Sommer motivieren Betreiber auch auf den Weiterbau von Anlagen zu verzichten: Sommertouristen erfreuen sich eher unberührter Natur als brach liegender Skiinfrastruktur.

Außerdem sollte man Skigebiete meiden, die mit mehr als 60 Prozent beschneiten Pistenkilometern werben. Auskunft darüber erhält man beim jeweiligen Tourismusverband. Die Beschneiung ist sehr teuer, kostet viel Energie und Wasser. Obwohl es sich auf Kunstschnee ähnlich gut fahren lässt, wie auf Naturschnee, ist die Technik zumindest noch nicht soweit, Pulverschnee zu produzieren. Außerdem vereisen die Pisten bei Sonneneinstrahlung schneller, weil Kunstschnee einen höheren Wasseranteil besitzt.

Exkurs Kunstschnee

Damit überhaupt Kunstschnee produziert werden kann, muss es über einen längeren Zeitraum hinweg mindestens -2 Grad kalt sein. Außerdem bedeutet die Errichtung von Speicherteichen und Rohrleitungen einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur, der Erosion fördern kann. Kunstschnee bleibt zudem länger liegen. Die Regenerationszeit der Wiesenflächen wird dadurch verkürzt. Die Gefahr von Vegetationsschäden ist auf Kunstschneepisten deutlich höher als auf Naturschnee.

Nachhaltige Formen der Beschneiung sind noch rar. Die Schneewolke ist eine der neueren Methoden, die im Tiroler Skigebiet Obergurgel-Hochgurgel ausprobiert wurde. Dabei wird mit geringem Strom- und Wasserverbrauch eine Wolke simuliert, aus der es schneit. Einige Skigebiete nutzen auch Wasserkraftwerke, um Strom zu erzeugen.

2. Sanfter Tourismus mit Ökolabel und alternativer Anreise

Zwischen 70 und 80 Prozent des CO2-Ausstoßes verursachen Skifahrer bei der An- und Abreise sowie bei Fahrten während des Urlaubs mit dem Auto. Statt Tages- und Wochenendausflüge ins Skigebiet zu unternehmen, sollte man gleich mehrere Tagen wegfahren – und das im vollbesetzten Auto.

Wirklich nachhaltig wäre es aber, mit dem Zug ins Skigebiet zu fahren. Die Skiausrüstung kann mit der Bahn schon vorausgeschickt werden. Das erspart das lästige Schleppen der Skiausrüstung. Shuttlebusse, der örtliche Nahverkehr oder Elektroautos ermöglichen Mobilität im Ort. Die Deutsche Bahn bietet auch günstige Kombitickets in Skigebiete an, die den Skipass beinhalten. Um die Anreise möglichst kurz zu halten, wählt man Skigebiete in der Nähe aus. Auch wenn Fernziele wie Japan, Beaver Creek oder Kamtschatka verlockend sind, belastet die Anreise mit dem Flugzeug die Umwelt zusätzlich.

Auch die Auswahl der Unterkunft kann nachhaltig sein. Einige Gemeinden setzen ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept um, das Hotelanlagen, Transportsysteme und das Skigebiet mit einschließt. Über Internetportale, wie beispielsweise Alpine Pearls oder Bergsteigerdörfer, kann man sich konkret über Regionen im Alpenraum informieren, die aktiv ökologischen Tourismus fördern. Es muss nicht immer das riesige Luxushotel sein. Auch kleine Hotels oder Berggasthöfe stellen sich auf Skitouristen ein. Sie beziehen ihre Produkte von Höfen, Käsereien und Metzgern aus der Nähe. Damit unterstützt man die Wirtschaft vor Ort.

3. Kaufe nachhaltige Ausrüstung und Skikleidung

Diverse Labels und Zertifikate wie die Fair Wear Foundation, bluesign, Responsible Down Standard und der Zusatz „PFC-frei“ helfen bei der Auswahl von umwelt- und sozialverträglichen Produkten. Einige Marken verwenden auch recyceltes Material in der Produktion von Outdoorbekleidung und Ausrüstung. Zudem gibt es eine breite „Reuse“-Initiative: Anstatt sich eine neue Jacke zu kaufen, repariert man die alte. Gleiches gilt für die Ausrüstung. Schon beim Kauf sollte man auf bestmögliche Qualität achten, weil das auf Langlebigkeit der Produkte schließen lässt. Je länger man Material nutzen kann, umso besser ist dessen Ökobilanz

Wer nur einmal im Jahr in den Skiurlaub fährt oder nur sehr sporadisch auf die Piste geht, muss gar nicht erst eine komplette Ausrüstung kaufen. Ausrüstungsverleihe im Skiort haben meistens die aktuellsten Modelle im Angebot. Das ist eine kostengünstige und umweltschonende Alternative. Richtige Outdoormenschen scheuen auch nicht davor zurück, ihre Skijacke beim Einkaufen in der Stadt oder auf dem Weg zur Arbeit anzuziehen. Produkte mehrfach zu nutzen, hilft Ressourcen zu sparen.

4. Winterurlaub vielseitig gestalten: Das sind Alternativen zum Skifahren

Der Winterurlaub muss nicht nur aus Skifahren bestehen. Mehr Unabhängigkeit von schneesicheren Pisten erlangt man, indem man seinen Winterurlaub vielseitig gestaltet.

Winterwanderungen machen Spaß, wenn man sich eine abwechslungsreiche Route raussucht. Bei moderaten Steigungen und auf präparierten Wegen kann man mühelos mit festem Schuhwerk und Teleskopstöcken losmarschieren. Ein besonderes Schmankerl sind Wanderungen durch eine Klamm. Im Winter gefrieren die Wasserfälle zu spektakulären Eisgebilden und die Stromschnellen der wilden Bäche, die sich im Sommer noch tosend durch die Schluchten winden, blitzen nur zeitweise unter einer Eisschicht hervor.

Mitte Februar findet zum Beispiel die deutsche Meisterschaft im Hundeschlittenrennen in Wallgau im Karwendelgebirge  statt. Über 100 Gespanne mit rund 1000 Hunden rennen in verschiedenen Distanzen um den Sieg.

Einmal die Winterlandschaft aus der Vogelperspektive betrachten? Das geht im Winter bei einer Heißluftballonfahrt. Der Brenner, der den Ballon zum Steigen bringt, sondert viel Hitze ab und sorgt für eine wohlige Wärme an Bord. Ein besonderes Angebot ist die Alpenüberquerung im Ballon. Durch die besondere Wetterlage und Thermik ist die kalte Jahreszeit perfekt fürs Paragliding geeignet.

Außerdem bieten viele Wintersportgebiete Schneeschuhtouren, Ski-Langlauf auf natürlichen Loipen, Rodeln, Skitouren und Schlittschuhlaufen an. Um sportlich aktiv zu sein, muss es also nicht immer die künstlich beschneite Piste sein. Abseits der gesicherten Wege sollte man aber besonders vorsichtig sein. Sicherheitsausrüstung wie LVS-Gerät, Sonde und Schaufel sind bei Skitouren Pflicht. Ebenso ein Blick in den Lawinenlagebericht.

Behindertenskilauf – Alles ist möglich

24. Januar 2019
Die Bergfreunde

9 Uhr morgens, Skigebiet Cardrona, Neuseeland. Ich sitze in einem der ersten Sessel gen Gipfel, als ich unter mir einen Sitzskifahrer in seinem Mono-Ski mit unglaublichem Tempo Richtung Talstation schießen sehe. Wahnsinn, wie ist es möglich, dass man sein Skigerät mit reiner Arm- und etwas Rumpfkraft so beherrschen kann? Mein Interesse ist geweckt, noch nie war mir eine querschnittsgelähmte Person auf der Piste begegnet. Dass es sowas wie Paralympics und sitzenden Skilauf gibt, war mir unterschwellig bekannt, aber nie wirklich in meinen Bewusstseinskreis vorgedrungen.

Wenig später sitze ich Tereza gegenüber, der Koordinatorin des Cardrona Adaptive Snow Sports Programme. Die ehrenamtliche Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Skifahrer mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. Ziel ist es, Skifahrern mit Handicap eine Begleitperson zur Seite zu stellen, die auf der Piste und beim Liftfahren unterstützt, als auch beim Skiunterricht assistiert. Was dabei rausspringt, ist jede Menge gemeinsamer Skispaß und ein intensiver Erfahrungsaustausch.

Unkompliziert werde ich in die Truppe an Ehrenamtlichen aufgenommen. Nach ein paar grundlegenden Trainings darf ich zum ersten Mal ran. Im Laufe der Saison werde ich mit den erstaunlichsten Menschen und unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert. Es verbindet uns alle – die Liebe zum Schnee, den Bergen und diesem genialen Gefühl, auf Skiern den Hang herunterzugleiten.

Geschichte des Behindertenskilaufs: Deutschland und Österreich in der Pionierrolle

Der Skilauf hat im Behindertensport eine lange Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland und Österreich zahlreiche Kriegsversehrte, die ehemals gute Skifahrer waren und sich von ihrem erlittenen Handicap – sei es Amputationen oder Blindheit – nicht vom Wintersport abhalten ließen.

Sie fanden Mittel und Wege, ihre Skiausrüstung an die entsprechende Verletzung oder Behinderung anzupassen – der Kreativität waren hier keine Grenzen gesetzt. Oberschenkelamputierte versuchten es mit drei Skiern: Einen am verbliebenen Bein und zwei kurze an Krücken – der Krückenskilauf war geboren!

Vom Nischenplatz zum Breitensport

War der Skisport damals nur einem kleinen Kreis an beeinträchtigten Sportlern zugänglich, so wird er heute bei Menschen mit Handicap immer beliebter und auf allen Niveaus ausgeübt. Für die breite Masse ist er ein Genusssport und bietet ein Gefühl von Freiheit, das eine willkommene Abwechslung zum (sicher nicht immer leichten) Alltag darstellt. Für andere bietet er eine Möglichkeit, Sport auf Spitzenniveau zu betreiben und an ihre Grenzen zu gehen. Mit Sicherheit aber ist er für alle ein tolles Mittel, ungeahnte Möglichkeiten auszuloten und ein positives Körpergefühl zu erlangen.

Je nach Behinderungsart haben die Betroffenen in ihrem Alltag ganz unterschiedliche Hürden zu überwinden. Diese übertragen sich natürlich auch auf den Skihang. Ganz abgesehen von der mentalen Herausforderung, sich auf Skiern den Berg hinunter zu stürzen, stellt der Skisport auch technische Anforderungen: Jede Behinderung erfordert eine spezifische Skiausrüstung. Und die hat es meist in sich – preislich. Wer jedoch nicht gleich mehrere tausend Euro hinlegen will (und kann), kann die meisten Skigeräte in ausgewählten Wintersportorten leihen.

Für nahezu jede Art von Behinderung, von der Querschnittslähmung über Sehbehinderungen bis hin zu mentalen Einschränkungen, gibt es Anpassungen in Skiausrüstung und Ausübungsform, die den Sport für ein breites Spektrum an Menschen zugänglich machen. Doch wie genau sehen die Anpassungen aus und wie organisiert sich der Sport auf Wettkampfniveau?

Vom Rollstuhl auf die Piste – Skifahren mit Mono- und Bi-Ski

Rollstuhlfahrer auf Schnee – wie zum Teufel soll das denn funktionieren? Ganz einfach – mit besagtem Mono-Ski! Ein gefederter Rahmen mit Sitzschale wird auf einem Carvingski angebracht und der Skifahrer in der Sitzschale festgeschnallt. Das Gleichgewicht wird mit Hilfe von Krückenskiern gehalten, die der Skifahrer links und rechts von sich durch den Schnee gleiten lässt.

Wer beim Gebrauch seines Unterkörpers stark beeinträchtigt ist, findet im Mono-Ski das geeignete Gerät für verschneite Berghänge. Betroffen sind Menschen mit Querschnittslähmung, Spina Bifida, Multipler Sklerose, doppelter Oberschenkelamputation oder auch einer Cerebralparese. Was mit einem Mono-Ski alles möglich ist, hat Josh Dueck 2012 spektakulär bewiesen: Der nach einem Skiunfall querschnittsgelähmte ehemalige Freeskier stand den ersten Back Flip in einem Sit-Ski!

Für die Benutzung eines Mono-Skis sind allerdings ein relativ stabiler Rumpf und funktionsfähige obere Extremitäten plus Hände nötig. Die stabilere Alternative ist der Bi-Ski, der auf zwei Skiern thront und meist von einer Begleitperson gestützt und mitgelenkt wird. Der Bi-Skifahrer selbst kann sich hier so weit einbringen, wie es ihm möglich ist! Das macht den Bi-Ski zu einem äußerst vielseitigen Gerät, das bei diversen neurologischen und motorischen Einschränkungen eingesetzt werden kann.

Ähnlich dem Alpinskifahren mit Mono-Ski, kann auch beim Langlaufen ein Sitzski verwendet werden. Der Skifahrer bindet sich mit Hilfe von Gurten an einer Art Skischlitten fest. Auch hier sind ein funktionsfähiger Rumpf und eine kräftige Armmuskulatur Voraussetzung.

Stehend Skifahren mit Hilfsmitteln

Wie beim sitzenden Skilauf gibt es auch hier eine Vielzahl von Beeinträchtigungen, für die diese Art von Skifahren geeignet ist. Voraussetzung: Einigermaßen stabil auf einem oder beiden Beinen stehen können.

Für Menschen mit Unterschenkelamputation ist, mit Hilfe von Prothesen, sogar oftmals ein klassisches Skifahren oder Snowboarden möglich. Wer mit einer kompletten Beinamputation lebt, fährt auf einem Bein Ski und hilft sich mit unterstützenden Krückenskiern. Auch für Cerebralparetiker oder Menschen mit spastischer Lähmung ist Skilauf mit Hilfe von Krückenski eine Möglichkeit.

Wer auf zwei Skiern stehen, seine Beine aber schwer kontrollieren kann, dem kann mit einer Skispitzenhalterung geholfen werden. Die Halterung hält die Ski in einer festen Position und macht das Abfahren in einem kontrollierten Pflug möglich.

Blindes Vertrauen – Skifahren mit sehender Begleitung

Wer mit einer Sehbeeinträchtigung lebt, dem steht zumindest schon mal bei der Verwendung einer normalen Skiausrüstung nichts im Weg. Allerdings braucht der Skifahrer einen Begleitläufer, der das „Sehen“ übernimmt und ihn über die Piste leitet. Das funktioniert anfangs über simples An-die-Hand-Nehmen und viel Erklären, später über Zurufe, Headset, Klopfgeräusche – kurz mit jedem denkbaren Hilfsmittel, auf das sich Begleitfahrer und Sehbehinderter einigen können.

Skifahren mit geistigen Beeinträchtigungen

Skifahren mit mentalen Einschränkungen lässt sich weniger leicht in Kategorien einteilen. Möglich ist es aber definitiv auch für Menschen mit Trisomie 21, Autismus, ADS oder anderen Lernbehinderungen. Im Mittelpunkt stehen hier allerdings weniger technische Hilfsmittel, als vielmehr die Frage, wie der Bewegungsablauf beim Skifahren vermittelt und erlernt werden kann. Mit etwas psychologischem Fingerspitzengefühl und speziellen Techniken lässt sich hier viel erreichen.

Da mentale Behinderungen sehr häufig auch mit motorischen Einschränkungen einhergehen, wählt man hier das Hilfsmittel, das am geeignetsten erscheint. Krückenski, Skispitzenklemmen, Bänder und Seile – alles, was dem Betroffenen hilft, auf Skiern zu stehen und den Hang hinunter zu gleiten, ist erlaubt. Und wo kein kein selbstständiges Skifahren möglich ist, bietet ein von einem Begleiter gelenkter Bi-Ski eine tolle Alternative. Das Gefühl des Gleitens bleibt das gleiche und bereitet dem Passagier unvergleichliches Vergnügen. Vereine wie Freizeit-PSO in Schladming bieten Skiunterricht für Menschen mit den verschiedensten mentalen Behinderungen an und finden für jeden die passende Art, über den Schnee zu gleiten.

Behindertenskilauf als Wettkampfsport

Der Behindertenskilauf ist mittlerweile weit mehr als nur spaßige Freizeitbeschäftigung: Paralympische Winterspiele, Weltcuprennen, Special Olympics, Winter X-Games – um nur einige internationale Wettkämpfe für Skifahrer mit Behinderungen zu nennen.

Der Sport organisiert sich in verschiedenen alpinen und nordischen Disziplinen, wobei das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Regeln vorgibt, an die sich die meisten nationalen Verbände auch größtenteils halten. Das IPC wiederum orientiert sich am FIS-Regelwerk, das unter anderem die Kurssetzung, Torabstände oder die Skilänge für die verschiedenen Disziplinen vorgibt. Man sieht – beim Behindertenskilauf auf professioneller Ebene wird nichts dem Zufall überlassen.

Das Klassifizierungssystem: Welche Behinderungsgruppen gibt es im Wettkampf?

Wie aber wird sichergestellt, dass die Wettkampfbedingungen fair sind? Schließlich geht ein von der Brust ab gelähmter Rollstuhlfahrer mit ganz anderen Voraussetzungen an den Start eines Abfahrtsrennens als ein Skifahrer mit Sehbeeinträchtigung oder ein Oberschenkelamputierter. Die Lösung des Problems: Das Klassifizierungssystem.

Im internationalen Wettkampfsport wird in drei Arten von Behinderungen unterteilt:

  • B1 – B3: Blinde und Sehbehinderte
  • LW 1 – 9: Stehende Klassen (Amputationen, Cerebralparese, Les Autres)
  • LW 10 – 12: Sitzende Klassen (Querschnittslähmung, Spina Bifida, Cerebralparese, Amputationen…)

Vor allem in der sitzenden und stehenden Kategorie wird noch einmal präzise in Klassen unterteilt. Es besteht eben ein massiver Unterschied zwischen einem stehenden Skifahrer mit zwei amputierten Beinen und einem, dem lediglich ein Unterarm fehlt. Auch beim Querschnitt gibt es erhebliche Differenzen: Je höher die Schädigung der Wirbelsäule liegt, desto schwieriger ist es für den Skifahrer, die Kontrolle über seinen Mono-Ski zu bewahren.

Ein Faktorsystem macht die Leistungen vergleichbar

Damit in jeder der drei Kategorien eine faire Wertung möglich ist und nicht in jeder einzelnen Klasse Medaillen vergeben werden müssen, wurde zusätzlich ein Faktorsystem entwickelt. Jede Klasse wird mit einem bestimmten Faktor versehen, der am Ende alle Klassen innerhalb einer Behinderungsgruppe vergleichbar macht.

Man kann sich das im Prinzip so vorstellen, dass die Uhr während der Zeitnahme für einen stärker behinderten Skifahrer langsamer läuft als für einen geringer beeinträchtigten. So werden die Zeiten vergleichbar und am Ende kann ein Sieger ermittelt werden.

So praktisch das Faktorsystem ist, so schwierig ist es dennoch die verschiedenen Behinderungen angemessen zu kategorisieren und so sorgt das Faktorsystem immer wieder für Kontroversen.

Highlight im 4-Jahres-Takt: Die Paralympischen Winterspiele

Der bekannteste Wettbewerb im Behindertenskilaufs sind ganz klar die Paralympischen Winterspiele. Seit 1976 wird das internationale Event abgehalten. Ursprünglich waren nur alpiner und nordischer Skilauf vertreten, aber im Laufe der Jahre wurde die Liste an Sportarten und Disziplinen beständig erweitert. 2018 waren in Pyeongchang, Südkorea allein im alpinen Skilauf fünf Disziplinen vertreten: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination. Bei den nordischen Disziplinen waren beeinträchtigte Biathleten und Langläufer am Start.

Auch Snowboarder sind übrigens mittlerweile dabei: Die relativ jungen Disziplinen Boarder Cross und Banked Slalom vermischen Elemente aus klassischem alpinem Skilauf und Freestyle und sind definitiv cool anzusehen!

„Adaptive“ Outdoorsport

Nicht nur im Skilauf hat der Behindertensport mittlerweile ein festes Standbein. Auch viele andere Outdoorsportarten öffnen sich immer mehr für eine „adaptive“ Ausübung, wie es der englische Begriff so schön treffend und politisch unverfänglich umschreibt. Meisterschaften im Paraclimbing werden abgehalten, man liest von Menschen, die einbeinig Gipfel erklimmen und – für mich persönlich besonders faszinierend – auch Wellenreiten wird für Behinderte immer besser erschlossen.

Grund für diese Entwicklung ist zum einen ein immer größeres Interesse bei Menschen mit Behinderung, ihre Grenzen auszuloten. Zum anderen gibt es stärker werdende Bestrebungen in der Gesellschaft aktiv Inklusion zu betreiben und diese vor allem auch auf Bereiche auszuweiten, die als nicht zugänglich für Behinderte angesehen waren.

Die High Fives Foundation in den USA beispielsweise fördert Extremsportler, die nach einem Unfall in der Ausübung ihres Sports eingeschränkt sind, sich davon aber nicht abschrecken lassen. Kitesurfen, Wellenreiten, Paragliden, Klettern – alles ist möglich, solange man Equipment und Ausübungsform an die körperlichen Möglichkeiten anpasst.

Dicht und warm? Der Testbericht Ortovox 2L Swisswool Leone Jacket

19. Dezember 2018
Ausrüstung

Da hat sich Ortovox was ausgedacht! Packt jetzt sein bewährtes Schurwollematerial unter die wasserdichte Dermizax NX Membran und macht daraus seine erste wasser- und winddichte Swisswooljacke. Ich hatte die große Ehre das gute Stück im Alpinen zu testen – wie sie mir getaugt hat, will ich euch verraten. Doch zunächst wollen wir uns das technische Gerüst mal genauer anschauen:

  • Wasser- und Winddichtheit: Dermizax NX Membran sowie getapte und verschweißte Nähte.
  • Gewichtsvorteil: mit 372 g richtig leicht; Ortovox kombiniert in der Zweilagenjacke ihre hochwertige Schweizer Schurwolle mit 60g/m² mit der Dermizax NX Hochleistungsmembran – richtig gut für eine warme und atmungsaktive Hardshell.
  • Stabilität und Robustheit: An der Kapuze, den Schultern und im Hüftbereich sind 3-Lagen Dermizax Einsätze verarbeitet.
  • Weitenregulation: An den Säumen mit Kordelzug und selbstregulierenden Bündchen mit Gummiband. An der Kapuze ebenfalls mit umlaufenden Gummiband und anatomisch optimierten Schnitt.
  • Hochleistungsmembran Dermizax NT: 20.000 mm Wassersäule, Atmungsaktivität bei 30.000 – 50.000 g / 24 Stunden, die porenlose Konstruktion verstopft nicht.
  • Rucksackkompatibilität: Zwei Fronttaschen, robuste Schulterpartie durch 3fach Dermizax-Einsätze.
  • Sonstiges: Tragekomfort durch Merino Mesh Einsätze im Kinnbereich und verlängerter Rückenbereich.

Alpinklettern – ab jetzt immer dabei!

Erst seit kurzer Zeit begleitet mich die ORTOVOX Women’s 2L Swisswool Leone Jacket auf meinen Touren. Als Teil der Ortovox Naked Sheep Linie ist sie komplett auf Funktion und Technik reduziert. Kein Schnickschnack und damit voll meine Welt.

Witzigerweise hatte ich sie im Oktober bei meinem letzten Alpinklettertrip mit Kollegen am Salbitschijen in den Schweizer Alpen dabei. Eigentlich nicht der vom Hersteller angegebene ideale Einsatzbereich, aber gerade da hat sie unglaublich gut funktioniert.

Unser Hüttenaufstieg in der Nacht bei unteren einstelligen Temperaturen war sportlich zügig und ganz schön schweißtreibend. Ich habe die Jacke angelassen, da sie tatsächlich atmungsaktiv ist und die Feuchtigkeit nach außen transportiert hat. Kein lästiges, zeitkostendes An- und Ausziehen war hier nötig.

Am nächsten Tag folgte dann die Klettertour. Im Stand hat sie mich wunderbar warm gehalten und den immer wieder auffrischenden Wind wirklich perfekt abgehalten. Auch gewärmt hat sie mich Frostbeule derart gut, dass meine Daunenjacke im Rucksack blieb. In den Kletterphasen hab ich die Jacke gar nicht bemerkt – 4 Wegestretch olé.

Goldwert für das Alpinklettern: die zwei Fronttaschen. Die sind so groß, dass der Routentopo im A6 Format einfach richtig gut reinpasst und sich jederzeit bequem und unkompliziert rausholen lässt. Im abendlich kalten Abstieg konnte die Jacke ihre perfekte Kombination von Wärme und Atmungsaktivität ausspielen.

Weitere Pluspunkte für recycelbares Material und Bündchen

Am Handgelenk schließen die Bündchen durch das Gummiband schön ab. Das puffige Material nach dem Gummiband schmiegt sich gut an die Hände an und lässt vor allem über Handschuhe angezogen definitiv keine Luft in den Ärmel.

Zusätzliche Pluspunkte gibt für das Material: Dermizax ist aus Polyurethan hergestellt und somit 100% recycelbar. Auch entstehen bei der Produktion (im Gegensatz zur PTFE Membran) keine gesundheitsschädlichen Abfallprodukte. Daumen hoch für die deutlich bessere Ökobilanz!

Was mir fehlt: helmtaugliche Mütze

Die Kapuze ist an sich ist mit seinem Gummibundeinsatz gar nicht schlecht gedacht. Vorne an der Stirn schließt sie somit gänzlich ab und hält die Kapuze sicher am Kopf. Mich persönlich stört allerdings, dass der Gummizug am mittleren Hinterkopf entlang läuft und bei mir drückt.

Was mir ehrlich gesagt noch nicht ganz klar ist: Ortovox empfiehlt die Jacke unter anderem für Hochtouren. Da habe ich zumindest auf dem Gletscher vorbildlicherweise immer einen Helm auf. Wenn die Jacke jetzt ihre volle Leistung und Stärke ausspielen und dann bei Regen und Schnee auch zum Einsatz kommen soll, dann gibt es da ein Problem. Die Kapuze ist nicht helmtauglich und regnet sich dann nur voll. Damit fallen dann leider auch sämtliche andere Aktivitäten mit Helm im Regen raus. Schade.

Mein Fazit

Die Jacke wird definitiv fester Bestandteil meiner künftigen Tourenausrüstung, egal ob auf Hoch- und Bergtouren, beim Alpinklettern oder im Alltag. Besonders dann, wenn man ohne Helm im Regen unterwegs ist oder definitiv weiß, dass es nicht regnet ;)

Im Ernst, ich hätte mir diese Jacke schon für den diesjährigen Patagonientrekkingtrip gewünscht. Da hatten wir viel Regen plus viel Bewegung und das bei sehr niedrigen Temperaturen.

Fest steht: Freiwillig gebe ich die Leone Jacket jedenfalls nicht mehr her.

Mähhhhr drin – Testbericht Ortovox Zebru Jacket

29. Januar 2019
Ausrüstung

“Viel Spaß beim Testen” steht auf dem Post-It, der auf der Jacke klebt, die ich vor einigen Wochen auf meinem Schreibtisch fand. In blau leuchtete mich die Ortovox Zebru Jacket an. Ein paar Tage zuvor wurde ich als Tester ausgewählt, weil die nächste Hochtour für das Wochenende geplant war.

Bei einem neuen Merino Midlayer und ISPO Gold Award Gewinner braucht es schließlich gute Argumente, warum nicht ein anderer der zahlreichen interessierten Kollegen die Jacke als erster testen sollte.

Der Materialmix macht die Jacke besonderes

Ein Midlayer ist ja eigentlich gar keine Besonderheit und es gibt unzählige mehr oder minder ähnliche Varianten. Für viele Hersteller ist die größte Herausforderung neben der Atom-Reihe von Arc’teryx zu bestehen. Doch während in den meisten Modelle eine Kunstfaser für die Isolation zuständig ist, geht Ortovox seinen eigenen Weg.

Im Inneren der Jacke schlummert mehrheitlich Merinowolle. Genauer gesagt die hauseigene Swisswool, über die auch hier im Basislager schon berichtet wurde. 70% Wolle und 30% Polyester wurden in einem neuen, aufwändigen Verfahren zu einem 70 g/qm Loft verarbeitet. Darin eingearbeitet sind Löcher, die das Innenmaterial flexibel und dehnbar machen.

Der erste Gedanke wenn man die Jacke auspackt: Hui, das Außenmaterial ist aber weich. Der zweite Gedanke: hoffentlich geht das nicht beim ersten Felskontakt kaputt. Es handelt sich um TEC STRETCH – ein Polyamidgewebe, das Ortovox noch recht frisch im Programm hat. Es ist nicht nur strechig, sondern laut Hersteller auch atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend.

Die Ortovox Zebru: auf Leicht getrimmt

Bei der weiteren Ausstattung der Jacke fällt auf, dass diese auf minimales Gewicht getrimmt wurde. Tatsächlich bekommt meine Jacke in Größe S mit 272 Gramm zwar mit etwas mehr als die Herstellerangabe auf die Waage, liegt aber dennoch rund 100 Gramm unter der Atom LT. Für dieses Gewicht wurde auf Taschen weitgehend verzichtet. Lediglich eine Brusttasche bietet Stauraum, die aber immerhin für eine normale Landkarte oder ein Paar Softshellhandschuhe reicht. Praktisch: Die Brusttasche ist zugleich der Packsack, in dem die Jacke ohne große Mühe verstaut werden kann.

Auch die weitere Konzeption der Jacke lässt den Wunsch nach geringem Gewicht erkennen. Als Reißverschlüsse kommen leichte YKK aus Kunststoff zum Einsatz. Dank kurzen Kordeln mit gummierten Ende lassen sich diese auch mit Handschuhen noch gut greifen. Immerhin wurde der Jacke eine Windschutzleiste spendiert. Auch die Bündchen sind einfach aber funktional gehalten: Weiche Gummibänder sorgen für einen guten Abschluss. Klettverschlüsse oder Gummizüge sucht man jedoch überall vergebens.

Mehr als ein normaler Midlayer

Um es vorweg zu nehmen: Im breiten Praxiseinsatz hat sich die Jacke für mich sehr bewährt. Seit langem schwöre ich im Baselayerbereich auf die positiven Eigenschaften von Merinowolle. Bei Midlayern mit Merinofütterung hatte ich bislang immer das Gefühl, dass diese steifer sind als die Kollegen mit Kunstfaser. Und genau hier macht die Zebru einen Unterschied! Sowohl das Obermaterial als auch die Füllung sind angenehm weich und dehnbar. In Kombination mit dem anständigen Schnitt blieb die Jacke auch bei viel Bewegung da wo sie bleiben sollte.

Lediglich als ich von einem Stand aus meinte, in Jacke weiter klettern zu müssen, war es am Bauch etwas luftig. Fairerweise muss man sagen, dass die Jacke dafür auch nicht gedacht ist. Vielmehr sind Ski- und Hochtouren ihr angestammtes Revier (aber wo soll man diese bei Herbst und Möchtegernwinter, gleichzeitig jedoch hohem Testdrang her nehmen?).

Die Hauptaufgabe eines Midlayers ist ja bekanntlich zu wärmen und dabei möglichst atmungsaktiv zu sein. Meine Hoffnung wurden erfüllt: Hier spielt die Wollfüllung ihre Stärken aus. Im Vergleich zu anderen Jacken hatte ich das Gefühl, dass die Isolationsleistung gut ist.

Wirklich erwähnenswert finde ich jedoch den (natürlich völlig subjektiv wahrgenommenen) höheren Klimakomfort. Insbesondere wenn die Jacke ohne 3rd-Layer getragen wird, staut sich keine Feuchtigkeit und es fühlt sich stets mollig warm an. Es ist schwer zu beschreiben aber es erinnert ein wenig an den Unterschied zwischen einem Daunen- und einem Kunstfaser-Schlafsack: Im Naturprodukt spürt man, wie dieses Feuchtigkeit puffert und Wärme zurückgibt. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich bin überzeugt.

Apropos Daune: Auch im nassen Zustand ist Wolle noch isolierend und übertrifft laut Ortovox sogar die Wirksamkeit von Daune. Damit ist die Zebru auch eine Alternative zu superdünnen Daunen-Midlayern, die man im Aufstieg dann doch manchmal “plattschwitzt”.

Ein gelungenes Standardprodukt mit Stärken im Detail

Im Einsatz lernte ich schnell den hohen Kragen zu schätzen, der bis zur Unterlippe reicht. Trägt man ein Buff-Tuch oder ein Baselayer mit Kragen unter die Jacke, zieht da auch kein eisiger Wind mehr rein. 

Die Kapuze lebt von der Dehnbarkeit der Bündchen und des Materialmixes. Sie liegt eng am Kopf an und wärmt diesen, dank Fütterung, gleich mit. Der Helm kommt im Bedarfsfall einfach drüber –  der Kinnriemen kommt dann zwar naturgemäß mit dem Jackenkragen überquer, aber das ist durch die weichen Materialien vertretbar.

Bei trockener Witterung macht die Jacke (insbesondere auch ohne Hardshell darüber) richtig Freude. Leichter Wind und auch ein paar Tropfen Regen werden problemlos abgehalten, Pulverschnee ohnehin. Damit ist die Zebru eine überaus atmungsaktive und sehr angenehm zu tragende Jacke, die auch bei wechselnden Intensitäten mitkommt. Tatsächlich gibt es Tage an denen die Zebru durchgängig am Körper ist und ein 3rd-Layer darüber die nötigen Variationen ermöglicht.

Ein neues Lieblingsteil

Die Zebru Jacket hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem meiner neuen Lieblingsteile gemausert. Mein neuer Standard für Hochtouren ist damit: Merino-Baselayer auf der Haut, bei richtig kalten Temperaturen ein Merinofleece (bei mir in der Regel ein Ortovox Fleece Hoody), dann die Zebru und darüber bei Bedarf eine Schicht Dermizax. Zur Nachahmung nur empfohlen! 

Was ist das neue PHASEknit von Mammut?

21. Mai 2019
Ausrüstung

Gefühlt ist es schon ewig her, dass es im Material-Wirrwarr des Outdoor-Markts eine echte Neuerung gab. So eine, bei der einem die Kinnlade runterkippt. Ein wenig mehr Recycling hier, ein bisschen Stretch dort. Aber so einen richtig großen Wurf, den gab es schon länger nicht mehr. Doch das ändert sich jetzt vielleicht…

Denn Mammut hat ein äußerst spannendes Materialkonzept unter dem Namen PHASEknit am Start. Was steckt dahinter? Was ist besonders daran? Und kann der Endverbraucher mit dem Kauf am Ende sogar unmittelbar zur Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche beitragen?

Was ist anders an PHASEknit?

PHASEknit ist eine neue Verarbeitungsmethode, die auf einem alten Strickverfahren (Wirkware) basiert. Wie bei Oma zu Hause, nur mit moderner Produktionstechnik. Ganz neu ist die Idee nicht und wird z.B. bereits bei Fussballtrikots angewendet. Durch die Technik können hybride Materialien fast in einem Guss produziert werden. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand…

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Unterschiedliche Materialkonstruktionen und Strukturdesigns können einfach miteinander verbunden werden und es werden Nähte eingespart, die später nicht mehr abgedichtet werden müssen. Außerdem sind die Materialien dehnbarer als konventionelle Stoffe. Am Ende der Produktionsstraße hat man ein extrem elastisches, abriebfestes, wasserdichtes und atmungsaktives Material, das sich zu ein-, zwei- oder dreilagigen Materialschichten fertigen lässt.
Ganz konkret kann man durch die Fertigungsweise am Rücken größere Maschen stricken, um mehr Atmungsaktivität zu erreichen, während die Schulterbereiche dichter gestrickt sind, um robuster zu sein. Der Kreativität in der Konstruktionsvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt.

Viel versprechende Funktion gepaart mit minimaler Umweltbelastung

Die Stoffe für PHASEknit werden in Deutschland und ohne PFC-Chemikalien hergestellt. Selbst die Membran für das dreilagige Material auf einer lösemittelfreien Polyurethanbasis, wird hier produziert. Mammut setzt auf die hauseigene Membran unter dem Namen „DryTechnology“. Diese überzeugt mit einer 10.000 mm Wassersäule und 20.000 gr/m2/24 Std bei der Atmungsaktivität.

Die Stoffe können genau auf die gewünschte Größe produziert werden und erzielen weniger Verschnittreste, die sonst anschließend in der Tonne landen würden.
Der Strom für die Produktion speist sich laut Mammut komplett aus erneuerbaren Energiequellen (Wind, Wasser und Solar) und sogar Abwasser und Abluft werden aufwändig gereinigt. So erreichen die PHASEknit-Produkte den STANDARD 100 von OEKO-TEX.

In welchen Produkten ist PHASEknit verarbeitet?

Mammut geht aktuell mit einer Hard- und Softshelljacke sowie einer Hardshellhose für Männer und Frauen ins Rennen. Hier kurz und knapp erklärt:

  • Mammut Alvier Flex Jacket Hardshell
    wasserdichtes 3-Lagen Material und abriebfeste Zonen an stark beanspruchten Stellen, wie Schultern, Ellebogen und Hüfte. Eine offene Materialstruktur für ein gutes Körperklima an den Armen und am Kinnbereich.
  • Mammut Alvier Flex Pant Hardshell
    wasserdichtes 3-Lagen Material und abriebfeste Zonen an Knien und Hüften. Offene Strukturen im Schritt und Kniekehlen für ein angenehmens Körperklima.
  • Mammut Alvier Hybrid Flex Jacket Softshell
    winddichtes 3-Lagen Material im Frontbereich. Am Rücken und Armen 2-Lagen für mehr Atmungsaktivät. An den Seiten ist ein 1-Lagen Material für maximale Atmungsaktivität verarbeitet.

Ganz nach dem Motto: „Die Nachfrage regelt das Angebot“ plant Mammut eine Vergrößerung des Sortiments, wenn sich PHASEknit am Markt etabliert. Es könnten also noch weitere Produkte wie z.B. Jacken für den Sommer und Funktionsunterwäsche folgen. Wir dürfen gespannt sein!

In der Preisgestaltung schlägt sich „Made in Germany“, das Nachhaltigskeitskonzept und der aufwendige Produktionsprozess nieder. Um eine Hausnummer zu nennen: die Mammut Alvier Flex Hardshelljacke durchbricht fast die Schallmauer und kommt für 999€ auf den Markt. Nichts für den schmalen Geldbeutel!

Für wen ist PHASEknit gedacht?

Die kurz angesprochenen Modelle richten sich an den ambitionierten Skitourengeher, Bergsteiger und Wintersportler, dem es am nötigen Kleingeld nicht fehlen darf. Dafür bekommt man viel Komfort und Funktion in einer neuartigen Hybridbekleidung.

Wir sind gespannt…

Lohnenswerte Neuheit oder doch nur gutes Marketing? Leider konnten wir bis zur Veröffentlichung des Beitrags kein Testprodukt in die Hand bekommen, daher sind wir selbst schwer gespannt, ob PHASEknit in der Praxis genauso gut abliefert, wie es sich auf dem Papier liest!

Bis dahin: genießt den Winter und habt viele schöne Bergabenteuer!

Noch keine Geschenke? Wie wärs mit ein paar Bergfreu(n)den?

6. Dezember 2018
Kaufberatung

Jo, is denn scho wieder Weihnachten? Jupp, ist es, und damit auch wieder Zeit für Konsumrausch, Verweigerung oder irgendwas dazwischen. Letzteres ist die schwierigste Option, denn hier muss man durchaus nachdenken und die Beschenkten richtig einschätzen, um passende Präsente zu erwischen. Klar im Vorteil sind hier all jene, die Bergfreunde und Outdoorenthusiasten wie uns unter ihren Angehörigen und Freunden haben. Denn bescheiden wie wir sind, kann man uns immer irgendwie zufrieden stimmen ;-P Außerdem gibt es einen riesengroßen und prall gefüllten Geschenkesack, in dem garantiert für Jeden etwas dabei ist. Ich habe da mal reingeschaut und mir einen Haufen Sachen ausgesucht, die ich mir auf jeden Fall gern selber schenken lassen würde ;-)

Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf vielseitig verwendbaren Gegenständen. Extreme Spezialitäten wie den Haulbag fürs Bigwallclimbing werdet ihr hier also nicht finden. Auch macht es nicht viel Sinn komplexe Ausrüstungsgegenstände wie Tourenskischuhe, die zumeist individuell abgestimmt sein müssen, mit hineinzunehmen. Andererseits… so eine nagelneue Komplettausrüstung für den Einstieg in die gerade beginnende Skitourensaison hätte auch was, oder?

Es sollen hier auch nicht nur lustige Gadgets sein, sondern auch wirklich nützliche Dinge. Es sollen Kleinigkeiten dabei sein, die nicht die Welt kosten, und dicke Dinger, falls jemand dieses Weihnachten mal richtig Eindruck schinden will. Außerdem ist hier was für Kletterer dabei, für Campingfreaks, für Männer, für Frauen, für die reifere Generation und für Kids. Also, auf geht’s zum Bergfreundegeschenkekauf!

1. Passt immer: Der Bergfreunde-Weihnachtsgutschein

Den Einstieg macht das universale Alleskönnergeschenk, das nie verkehrt sein kann: Der Bergfreunde.de Weihnachts-Gutschein. Auch wenn man keine Idee hat oder nicht weiß, was der zu Beschenkende da genau in den Bergen treibt, sind mit diesem Geschenk leuchtende Augen garantiert. Der Gutschein-Code wird auf einer schönen Karte verschickt und ist unbegrenzt gültig. Der Gutschein-Betrag wird beim Einkauf im Bergfreunde.de Shop nach Eingabe des Gutschein-Codes automatisch verrechnet.

2. Falls der Winter zur Abwechslung mal wieder kalt wird: Winter-Outdoorjacken

  • Als Edelvariante empfiehlt sich die Swisswool Piz Bianco Jacket Winterjacke von Ortovox. Schon die Optik mit den gedeckten Farben verrät es: Hier handelt es sich um etwas richtig Hochwertiges! Die wohlige Wärme der winddichten und wasserabweisenden Outdoorjacke kommt von weichen Merinowoll-Inserts, die sich richtig gut anfühlen und natürliche funktionale Eigenschaften haben. Hinzu kommt eine super Ausstattung, die ebenfalls ein sehr weites Einsatzspektrum ermöglicht. Mehr dazu in der Produktbeschreibung.
  • Die Günstig-aber-gut-Variante: Der Women’s Aden Wintermantel von Helly Hansen. Viel Funktion, angenehme Wärme und einen bewährten Markennamen kann man auch mit kleinerem Budget bekommen. Weitere Infos zu dem Mantel gibt es in der Produktbeschreibung.

3. Endlich Ruhe im Massenlager: Ohrenstöpsel für unterwegs

Mit kleinem Kostenaufwand kann man etwas wirklich wertvolles schenken: Erholsame Nachtruhe. Die Eagle-Creek Ohrstöpsel sind waschbar und wiederverwendbar und kommen im Set mit sechs Plugs im praktischen Aufbewahrungsdöschen.

4. Was nicht passt wird passend gemacht: Mit dem Bear Grylls Gerber Multitool

Wer gleich nach dem Fest zum nächsten Wildnistrip aufbricht, sollte das Gerber Multitool noch einstecken. Schließlich benutzt auch Superman Bear Grylls solch ein Teil, wenn er im Dschungel und in der Wüste mal wieder eine Unterkunft baut, Feuer macht oder Käfern, Skorpionen und anderen Leckerbissen nachstellt.

5. Auch in dunklen Winternächten schön gemütlich: Die LED-Campleuchte

Die Apollo LED-Lampe von Black Diamond glänzt als Multitalent. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine klappbare Steh- und Hängelampe, die in alle Richtungen für bis zu 225 Lumen an blendfreiem Licht sorgt.

6. Funktionale und stimmungsvolle Winterklamotten

Wer nicht nur Wärme und Funktion, sondern auch stimmungsvolles Design mit Winter- und Gebirgsmotiven sucht, sollte sich mal bei der deutschen Edelschmiede mit dem Schweizer Bergdorf im Namen umschauen. Bitte hier entlang: Zum Bergfreunde-Maloja-Shop.

7. Überall sauberes Trinkwasser: Der Katadyn Pocket Filter

Bei etwas so Wichtigem wie sauberem Trinkwasser verlässt man sich gern auf ein richtig edles Schweizer Markenprodukt wie den Katadyn Pocket Filter. Der hat zwar seinen Preis, doch wenn man bedenkt, dass hier 50.000 Liter Wasser ohne Filterwechsel gereinigt werden, zahlt sich die Sache ganz sicher aus. Und nebenbei ist man mit dieser unabhängigen Wasserversorgung auch noch für den nächsten Weltuntergang gerüstet.

8. Für die langen Winterabende braucht es gute Bücher

9. Kalender

Wer das ganze Jahr über „on Fire“ bleiben will, greift zum Kalender. Im Bergfreunde-Kalender-Shop gibt es eine kleine aber feine Kalenderauswahl für Bergsportdisziplinen wie Klettern, Running oder Bouldern.

10. Immer voller Durchblick: Echo Pocket Mini-Fernglas

Eher ein schönes Spielzeug als wirklich notwendig, dafür aber auch wirklich klein und leicht: Das Brunton Echo Pocket Scope. Es passt in die Jackentasche und bietet dennoch gute Vergrößerungswerte!

11. Unverzichtbare Winterbegleiter: Fäustel und Fingerhandschuhe in einem

Vielseitiger als die Roeckl Kadane Handschuhe geht’s kaum, denn die taugen fürs Fahrrad genauso wie für den Alltag und den Berg. Möglich macht es die integrierte „Kapuze“ (der über die halboffenen Finger klappbare Fäustel). Wenn beim Hantieren mit GPS, Taschenmesser und Pausenstullen oder während einer Klettereinlage freie Finger gefragt sind, klappt man ihn einfach zurück und fixiert ihn am Klettverschluss auf der Oberhand. Funktioniert super, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

12. Gefütterte Hüttenschuhe mit Kunstfaserfüllung

Heimelige Gemütlichkeit auch im eiskalten Basecamp, Biwak oder Winterraum – geht sowas? Ja, sofern man die Camp Booties von Exped im Gepäck hat – kuschelig-warme und weiche „Hausschuhe“ mit Kunstfaserfüllung. Dank ihrer rutschfesten Sohle ist auch der Toilettengang nach draußen kein Problem.

13. Outdoor-Besteckset: Gute Tischmanieren auch in der Wildnis

Das KUPILKA – Geschenkset besteht aus Tasse, Untersetzer, Löffel und sorgt für Flair beim Campen und Picknicken. Es besteht aus einem neuartigen Verbundmaterial aus Kiefernholzfasern und dem Kunststoff Polypropylen, wodurch es unter anderem spülmaschinenfest und recycelbar ist.

14. Creme statt Staub: Dickflüssiger Chalk von den Bergfreunden

Mit dem LiquidChalk von Bergfreunde.de macht man sich und den Mitkletterern in langen winterlichen Hallensessions eine Freude. Man selbst hat staubtrockene Grip-Finger und die Anderen keinen Feinstaub in der Lunge. Und wenn es hart auf hart kommt, deckt man damit schnell noch einen Pickel ab ;-)

15. Weihnachtliche Leckereien

Warum nicht mal ein paar schöne Energieriegel statt der üblichen langweiligen Plätzchen? Okay, nicht wirklich, an Weihnachten bleiben wir lieber bei „richtigem“ Zuckerkram. Doch für unterwegs und draußen macht spezielle Trekking- und Outdoor-Nahrung oftmals Sinn. Das Zeug ist leichter, haltbarer, einfacher zu lagern, praktischer portioniert, schneller zubereitet und schmeckt manchmal trotzdem richtig anständig. Und dank all dieser Vorzüge lässt es sich auch sehr gut als Geschenk verpacken ;-)

Bei unserer Shopauswahl ist vom Müsli zum Frühstück mit fertigem Milchpulver, über Nudel- und Fleischgerichte, bis hin zu vegetarischem und veganem Trekking-Essen für jeden Kletterer, Wanderer oder Expeditionsteilnehmer das Richtige dabei.

16. Die berüchtigten Socken – aber anders!

Mut zum Klischee – mit Socken zu Weihnachten! Aber nicht mit irgendwelchen Socken, sondern mit den richtig sportlichen und fetzigen Winter Run Kompressionssocken für Läufer, Trailrunner und Skitourengeher! Die sehen zwar nicht so putzig aus, haben aber einiges mehr drauf als Omas Selbstgehäkelten vom letzten Jahr. Überzeugt euch selbst – beispielsweise mit den cep Winter-Kompressionssocken.

17. Farbenfrohe Trinkflasche für die Kurzen

Die Kids Wide Mouth von Hydro Flask Trink- und Thermosflasche ist praktisch und macht auch in der Schule einen coolen Eindruck. Und sie wartet mit kleinen Extras auf, die für die Kids von Vorteil sind.

18. Für die großen Jungs und Mädels: Der Fiskars Axt- und Messerschärfer

Mit diesem Teil machen Rechts- und Linkshänder nicht nur Messer, sondern auch Äxte wieder fit. Sehr einfach und intuitiv in der Bedienung, liefert der Fiskars Nachschärfer auch für Laien gute Ergebnisse. Ein super Geschenk für Bastlernaturen, die es kaum erwarten können gleich nach der Bescherung mit dem Schleifen loszulegen!

So, bis hierhin hat der Blick in den großen Bergfreunde-Jutesack hoffentlich für Jede und Jeden was Passendes zutage gefördert. Falls ich ein wirklich wichtiges Weihnachts-Must-Have übersehen haben sollte, gerne rein damit in die Kommentare!

Sohle runter, Schuh noch gut – Welche Hersteller bieten den Sohlen-Service?

21. Mai 2019
Pflegetipps

Auch bei guten Schuhen ist es nach ein paar hundert Kilometern Stock und Stein soweit: Die Sohle hat an den häufigst abgetretenen Stellen kaum noch Profil und an den Stellen, wo der höchste Druck abgefangen wird, bröselt und schwindet das Material. Auch der Geröllschutzrand ist mittlerweile ziemlich löchrig und zerkratzt. Alles in allem sieht‘s „untenrum“ ziemlich düster aus. Der Schuhschaft hingegen ist zu diesem Zeitpunkt oft noch völlig in Ordnung und zudem auch richtig schön eingelaufen.

Unser, in der Wegwerfgesellschaft, gut eingeübte Standardmove wäre nun, die ‚kaputten‘ Treter in die Tonne zu befördern und ein neues Paar zu kaufen. Das geht schnell und erfordert den geringsten Aufwand.

Doch wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Reparatur der Schuhe? Bei guten und teuren Bergschuhen kann diese deutlich preisgünstiger sein als die nächste Neuanschaffung. Außerdem stellt sich ja noch die Frage, was ein bessere Gefühl hinterlässt: Eine unnötige Geld- und Ressourcenverschwendung oder eine optimale Nutzung der Schuhlebensdauer. Und schließlich gibt es ja auch noch die dritte „Alternative“: Die halb verschlissenen Schuhe so lange weiter zu benutzen, bis sie die Backen endgültig zusammenkneifen. Das ist allerdings eher keine gute Idee, denn erstens will man es sicher nicht erleben, dass mitten im steilen Geröllfeld der Schuh am Fuß auseinanderfällt, zweitens ist es nicht gerade heilsam für Füße und Knöchel, mit abgelaufenen und verfortem Sohlen unterwegs zu sein.

Ab wann lohnt sich die Reparatur?

Die Sohle ist ein Verschleißteil, das sich schneller abnutzt als der Rest des Schuhs. Höchste Zeit für eine neue Sohle wird es dann, wenn sie kaum noch sichtbares Profil aufweist. Zu diesem Zeitpunkt sollte man den Schuh-Unterbau auch auf mögliche weitere Materialalterung prüfen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn diese findet bisweilen unsichtbar im Inneren der Sohle statt und ist nicht nur auf physische Belastung, sondern vor allem auch auf Feuchtigkeit zurückzuführen.

Für die feuchtigkeitsbedingte Zersetzung des Sohleninneren (genauer: der Zwischensohle und des Dämpfkeils) gibt es sogar ein Fachwort: Hydrolyse. Ihre Vermeidung ist der Hauptgrund warum gute Pflege und vor allem gründliches Trocknen (während und nach der Tour) sowie eine trockene Lagerung so wichtig sind!

Ob und wann sich die Reparatur lohnt ist natürlich auch eine Kostenfrage. Die Kosten hängen davon ab wie viele Sohlenteile ausgewechselt werden müssen und zu welcher Kategorie die Schuhe gehören. So ist der Spaß bei einem Wander- und Trekkingschuh billiger als bei einem steigeisenfesten Bergschuh.

Am günstigsten sind Reparaturen bei Kletterschuhen. Hier fängt der  Sohlentausch bei 20 € an und endet bei ca. 60 €. Beim Schuster um die Ecke kann es billiger sein, doch ist es Glückssache, ob bei diesem die spezielle Kompetenz für Kletter- und Bergschuhe vorhanden ist. Bei guten Markenbergschuhen belaufen sich die Kosten je nach Anbieter und Aufwand auf 40 bis 80 €. Bei Internetanbietern kann es auch an die 100 € gehen. Das ist viel Geld, doch gemessen an einer Neuanschaffung immer noch deutlich günstiger.

Obacht gilt bei Schuhen mit Membran (z.B. Gore-Tex): hier solltet ihr drauf achten, ob die Schuhe noch wasserdicht sind. Ist das nicht der Fall kann es ggf. Sinn machen, neue Schuhe zu kaufen. Bei Volllederschuhen oder Schuhen ohne Membran stellt sich die Frage natürlich nicht.

Wie funktioniert die Reparatur? Welche Möglichkeiten gibt es?

Vom Prinzip her ist der Austausch der Profilsohle sehr simpel: Die beschädigte alte Sohle wird abgeschliffen oder abgezogen, die Neue draufgeklebt, fertig. Die praktische Durchführung ist jedoch in den seltensten Fällen so einfach, selbst wenn keine weiteren Teile ausgetauscht werden müssen. Am besten überlässt man das Ganze also jenen Experten, die sich mit dem gesamten Sohlenunterbau auskennen und auch den Gummirand fachgerecht austauschen können.

Um die Schuhe in die Hände dieser Experten zu geben, gebt man sie in der Regel bei dem Fachhändler ab, bei dem sie gekauft wurden. Dieser schickt die Schuhe dann an den Hersteller weiter. Abholung oder Versand der reparierten Schuhe werden ebenfalls über den Händler abgewickelt. Ein direktes Einsenden an den Hersteller ist nur in wenigen Fällen möglich. Deshalb listen viele Schuhhersteller auf ihren Websites die autorisierten Fachhändler auf, die ihre Marke vertreiben. Das konkrete Vorgehen bei den renommierten und in unserem Shop vertretenen Bergschuhherstellern schauen wir uns im letzten Abschnitt an.

Alternativ bleiben folgende drei Möglichkeiten:

  • Einsenden an einen Online-Spezialschuster für Berg- und Kletterschuhe: Hierbei handelt es sich um eine relativ sichere Möglichkeit, die allerdings nicht die Schnellste und Günstigste ist.
  • Einen Schuster in der eigenen Umgebung kontaktieren und fragen, ob sie Kletter-/Bergschuhe reparieren können: Das ist zwar leider Glückssache, aber kann durchaus funktionieren. Es kann allerdings auch sein, dass man bei einer Neubesohlung nicht unbedingt die Originalsohle des Herstellers bekommt. Entsprechend ist diese Möglichkeit nicht die sicherste, aber im Glücksfall die Günstigste und Schnellste.
  • Do it yourself: Bei dieser Alternative hantiert man mit Klebern wie Freesole herum und hat selbst im einfachsten Fall, wenn zum Beispiel nur die Laufsohle verschlissen ist, keine Erfolgsgarantie. Die Forenbeiträge in Outdoorforen, die überwiegend von Schwierigkeiten und Misserfolgen berichten, sprechen da eine deutliche Sprache. Außerdem sind oft nicht nur die Profilsohle, sondern auch weitere Teile wie Zwischensohle und Dämpfkeil beschädigt und müssen entsprechend ebenfalls ersetzt werden. Damit dürfte man als Schuh-Laie, alleine schon wegen den fehlenden Spezialwerkzeugen, überfordert sein. Wenn es allerdings wirklich nur die abgelaufene Profilsohle ist, klappt es vielleicht mit dieser Anleitung des Outdoor-Magazins.

Sonderfall Reklamation

Sollte in Ausnahmefällen die Schuhsohle trotz „sachgemäßer Verwendung“ innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist unbrauchbar werden, kann ein Konstruktionsfehler und Reklamationsfall vorliegen.

Das ist natürlich immer ärgerlich, doch wenn du den defekten Schuh bei den Bergfreunden gekauft hast, kannst du sicher sein, dass sie sich im Garantiefall voll für dich reinhängen! So steht dir im begründeten Gewährleistungsfall der gesetzliche Anspruch auf Nacherfüllung oder, falls nicht möglich, Gelderstattung zu. Bitte unternehme in diesem Falle keine überstürzten Reparaturversuche, denn die Gewähr verlischt bei unsachgemäßer Reparatur durch einen nicht autorisierten Servicepartner. Auch wenn die Schuhe zurück an den Händler gehen, wird es eher zu einem Umtausch als zu einer Reparatur kommen.

Alles Weitere zu diesem Ablauf findest du zusammengefasst auf der Bergfreunde-Reklamationsseite.

Infos zu den Regelungen verschiedener Hersteller folgen gleich im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Können alle Schuhe repariert werden? Welche Bauart muss der Schuh haben?

Eine komplette Neubesohlung ist im Normalfall nur möglich, wenn der Schuh in der „gezwickten“ oder in der „zwiegenähten“ Machart hergestellt ist. Nur hier sind Brandsohle, Laufsohle und andere Teile des Schuh-Unterbaus so verbunden, dass eine saubere Auftrennung und Erneuerung möglich ist.

Alternativ gibt es die „gestrobelte Machart“, bei der höchstens ein Abschleifen und Neubekleben der Laufsohle möglich ist, nicht aber ein kompletter Sohlenaustausch. Die gestrobelte Bauweise kommt eher bei weicheren und flexibleren Schuhen zum Einsatz. Die Laufsohle wird hier ohne Kleber an den Schaft „angespritzt“ und ist demnach nicht ohne weiteres ablösbar. Man erkennt gestrobelte Schuhe leicht an ihrer, an der Schuhinnenseite verlaufenden, Verbindungsnaht zwischen Schaft und Brandsohle. Man muss nur die Einlegesohle entnehmen, um die Strobelnaht zum Vorschein zu bringen. Bei der gezwickten und der zwiegenähten Machart ist hingegen nur die Brandsohle zu sehen, die unsichtbar aber stabil mit dem Schaft verklebt oder vernagelt ist.

Auflistung der Hersteller, die einen Austausch der Sohle anbieten

Wenn es ein hochwertiger Bergstiefel oder Trekkingschuh ist, den du dein eigen nennst, stehen die Chancen gut eine Tip-Top-Neubesohlung vom Hersteller zu bekommen. Allerdings gilt das auch wirklich nur bei einigen der Top-Hersteller. Bei allen anderen wird es innerhalb der Gewährleistungszeit eher zum Umtausch kommen und nach Ablauf der Gewährleistung schwierig mit der Reparatur.

Hier folgend das Vorgehen bei einigen der renommierten und im Bergfreundeshop vertretenen Hersteller:

Hanwag, Mammut und Lowa bieten auch einen Reparaturservice außerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren an – natürlich mit Kosten und auch auf jeden Fall individuell abgestimmt. Das kann auch über den Hersteller direkt organisiert werden, dauert meistens aber mehrere Wochen.

LaSportiva und Boreal führen auf Anfrage und nur in seltenen Fällen Reparaturen außerhalb der Gewährleistung durch. Bei allen anderen Herstellern werden Reparaturen nur innerhalb der Gewährleistungszeit und mit Einschränkungen durchgeführt. Dazu gehören: Edelrid, Haglöfs, Salewa, Martini (sehr langsam), Duckfeet (verweist an Schuster in DE wenn nicht innerhalb der Gewährleistung oder Eigenverschulden), Mavic, Montura (sehr langsam).

Soweit der kleine Einblick in die Welt der Schuhreparaturen. Zunächst sieht das Ganze etwas kompliziert aus, doch mit den Infos dieses Artikels sollten dem nächsten Sohlentausch abgesehen von ein bis zwei Anrufen beim Händler oder Hersteller keine großen Hindernisse im Weg stehen.

Hier noch ein paar meiner vorherigen eigenen Rechercheergebnissen:

Habt ihr noch Fragen? Dann ab damit in die Kommentare!

 

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