Sind Fairtrade-Produkte wirklich fair?

18. März 2021

Das Fairtrade-Siegel hast Du bestimmt schon einmal gesehen. Wahrscheinlich ist es Dir aber eher auf Lebensmitteln wie Kaffee, Schokolade, Bananen oder Tee aufgefallen. Darüber hinaus gibt es aber von der Fairtrade-Organisation auch Labels, die sich speziell auf Textilien beziehen: Fairtrade Cotton, Fairtrade Textile Production, das Fairtrade-Rohstoff-Siegel und das Fairtrade Cotton-Program.

Vor allem in Lebensmittelgeschäften sieht man das Fairtrade Siegel.

Bevor wir Dir im Folgenden die unterschiedlichen Fairtrade-Siegel kurz vorstellen und erklären, was sie bedeuten, fassen wir kurz die grundlegenden Standards von Fairtrade zusammen.

Inhaber des Fairtrade-Siegels ist die Fairtrade Labelling Organizations International (FLO e. V.), die das Ziel verfolgt, Handelsbedingungen für benachteiligte landwirtschaftliche Erzeuger in Entwicklungsländern zu verbessern. Die unterschiedlichen Siegel werden durch die internationale Zertifizierungsstelle FLOCERT vergeben.

Fairtrade-Mindestpreis und Fairtrade-Prämie

Der Fairtrade-Mindestpreis ist der Preis, den Abnehmer für die Produkte an die Anbauenden zahlen müssen. Durch ihn soll bei den Bäuerinnen und Bauern die Kosten für eine nachhaltige Produktion gedeckt werden. Liegt für ein bestimmtes Produkt der (Welt-)Marktpreis über dem Fairtrade-Mindestpreis, so muss der höhere Marktpreis gezahlt werden. Der Fairtrade-Mindestpreis wird für alle Produktgruppen außer Blumen, Pflanzen, Zucker, Tee und Gewürze. Diese Produkte weisen weltweit große Unterschiede in der Qualität auf, weshalb es kaum möglich ist, einen allgemeingültigen Preis zu berechnen.

Die Produzentenorganisationen erhalten zusätzlich eine Fairtrade-Prämie, bei der die Anbauenden oder Produzierenden gemeinschaftlich entscheiden, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte investiert wird.

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Die Fairtrade-Organisation nimmt in bestimmtem, regelmäßigem Turnus Anpassung des Mindestpreises und der Prämien vor, die sich an den Produzentenorganisationen, den Händlern und der Marktsituation im jeweiligen Land orientiert.

Die einzelnen Fairtrade-Siegel im Überblick

Fangen wir mit dem bekanntesten Siegel an: Das „einfache“ Fairtrade-Siegel wird für landwirtschaftliche Produkte wie Blumen, Bananen, Kakao oder Tee vergeben. Bei Artikeln mit diesem Siegel wird garantiert, dass 100% der Zutaten unter fairen Bedingungen angebaut und gehandelt wurden.

Ein Kriterienkatalog des ‚Fairtrade Textile Production‘ soll für faire Arbeitsbedingungen sorgen.

Die Fairtrade Textile Production hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. Mittels Lizenzverträge werden die Händler zu fairen Handelsbedingungen verpflichtet. Außerdem steht es für eine umweltfreundliche Produktion, weshalb beispielsweise keine genmanipulierte Baumwolle verarbeitet werden darf.

Dem Fairtrade Textile Production-Siegel liegt ein strenger Kriterienkatalog zugrunde, der für faire und sichere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie sorgen soll:

  • Existenzsichernde Löhne
  • Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
  • Verbot von Zwangsarbeit und Kinderarbeit
  • Versammlungsfreiheit
  • Verbot schädlicher Chemikalien
  • Verwendung von Fairtrade-Baumwolle
  • Trainings und Schulungen für Mitarbeiter
  • Alle beteiligten Produzenten müssen diese Kriterien erfüllen (Rohstoffgewinnung und Verarbeitung)

Kontrolliert werden diese Kriterien mithilfe regelmäßig stattfindender Überwachungsaudits, bei denen die Einhaltung und Entwicklung der Kriterien überprüft werden.
Von Siegelklarheit wird Fairtrade Textile Production als „sehr gute Wahl!“ eingeschätzt und erfüllt dort besonders hohe Anforderungen in puncto Glaubwürdigkeit und Sozialverträglichkeit. Utopia und Label-Online.de schätzen das Siegel als sehr anspruchsvoll ein.

Das Siegel Fairtrade Cotton verfolgt das Ziel, sozialverträgliche Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Baumwollproduktion zu garantieren. Es zielt besonders auf Kleinbäuerinnen und -bauern ab und stellt außerdem Anforderungen an einen umweltverträglichen Anbau der Baumwolle. Dieses Siegel garantiert, dass 100 % der Baumwolle in einem Kleidungsstück fair angebaut und verarbeitet wurde.
Wie auch das Fairtrade Textile Production wird auch Fairtrade Cotton von Siegelklarheit als „sehr gute Wahl!“ eingeschätzt und erfüllt ebenfalls besonders hohe Anforderungen in puncto Glaubwürdigkeit und Sozialverträglichkeit.

Das Fairtrade-Rohstoff-Siegel garantiert, dass eine bestimmte Menge an Rohbaumwolle zu Fairtrade-Bedingungen eingekauft wurde und ab der Spinnerei über FLOCERT nachverfolgbar ist.

Das Fairtrade Cotton Program ist kein klassisches Produktsiegel und daher auch nicht auf Textilien zu finden. Teilnehmende Unternehmen am Fairtrade Cotton Program zahlen faire Löhne und die Fairtrade-Prämie. Diesem Siegel liegen dieselben Standards wie bei Fairtrade Cotton zugrunde.

Und wie fair sind Fairtrade-Produkte nun wirklich?

Durch die unterschiedlichen Siegel fällt es schwer, ein allgemeingültiges Urteil über Fairtrade zu fällen. Am Fairtrade-Siegel für Lebensmittel wird hauptsächlich Kritik geübt, da teilweise Kriterien gelockert wurden und von dem durch den Kunden gezahlten Mehrpreis nur ein geringer Anteil bei den Farmerinnen und Farmern ankommt. Das Fairtrade Textile Production-Siegel wird dagegen als sehr strenges, umfassendes Siegel eingestuft, dass auch tatsächlich für faire Arbeits- und Handelsbedingungen in der Textilindustrie steht.

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