Kletterschuhe Schwierigkeiten. Foto: Mountain Equipment

Sind Deine Kletterschuhe zu eng? Und andere Schwierigkeiten …

10. November 2015

Wie eng darf ein Kletterschuh sein?

Wie eng darf ein Kletterschuh sein?

Man sieht sie viel zu häufig: Kletterer, die mit schmerzverzerrtem Gesicht die Schuhe anziehen oder kaum dass sie sich am Umlenker in den Gurt gesetzt haben, die Schuhe ausziehen und dabei so ein erleichtertes Gesicht machen.

Oder jene, die auf den Fersen zur Wand laufen – immer darauf bedacht, nicht zu viel Druck auf den Vorderfuß auszuüben.

Aber wie eng müssen bzw. dürfen Kletterschuhe eigentlich sein? Müssen sie wirklich schmerzen? Kann es Folgen haben, wenn ich sie zu eng trage oder muss ich eigentlich nur ein wenig die Zähne zusammenbeißen? Alles geben für den nächsten Schwierigkeitsgrad?


Angefangen hat die Kletterei mit schweren Bergschuhen mit genagelten Sohlen. Irgendwann dann, vor langer Zeit, wurde den Kletterern klar, dass sie mit speziellen Kletterschuhen schwerere Routen klettern können. Das lag zum einen an speziellen Sohlen, zum anderen aber auch daran, dass die Schuhe enger wurden und so gleichzeitig in den Zehen ein besseres Gefühl für sehr kleine Tritte ermöglichten.

Es folgte ein Hin und Her von immer schwereren Routen und immer aggressiveren Schuhen. Was das jedoch mit den Füßen macht, wurde lange nicht wirklich beachtet.

Man könnte nun zu enge Schuhe ausschließlich auf den Ehrgeiz abwälzen und damit einer kleinen Gruppe unter den Kletterern „in die Schuhe schieben“ – aber dem ist nicht so!  Es gibt so viele Kletterer, die die falschen Schuhe tragen, vor allem viel zu enge. Die Gründe warum das so ist, sind vielfältig.

La Sportiva Kletterschuhe und Fuß

Den will man nicht so lange anhaben

Die Gewohnheit machts

Als Kletterer ist man daran gewöhnt, sehr enge Schuhe zu tragen, denn selbst passende Kletterschuhe sind im Vergleich zu Straßenschuhen sehr eng geschnitten. Über die Jahre desensibilisiert man sich systematisch und enge Schuhe fühlen sich vertraut an. Wo ein Anfänger noch ungläubig stöhnt „Bist Du sicher, dass mein Fuß da rein soll?“, zieht und drückt der Forgeschrittene und hofft einfach darauf, dass der Schuh sich schon noch die versprochene halbe Größe weiten wird. Tut er es nicht, dann muss man halt damit leben.

Das Phänomen beschränkt sich aber nicht nur auf Kletterschuhe. Wir sind so daran gewöhnt, unsere Füße einzuschnüren, dass wir unbewußt anfangen auch unsere Straßenschuhe kleiner zu kaufen. Wir sind ja viel engeres gewöhnt. Und so schreitet das dann immer weiter fort.

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Eher was für Spezialisten, der New Stix von Scrapa

Die Mär vom notwendigen Schmerz

„Ein Kletterschuh muss weh tun“ – diese Weisheit ist so unwahr wie hartnäckig. Sie führt dazu, dass viele Anfänger sich viel zu enge Schuhe kaufen. Was vollkommen unnötig ist, da man zu Beginn keine agressiven Schuhe braucht und „einfachere“ Schuhe ohnehin für die Entwicklung der Tritttechnik besser sind.

Ja, man kauft Kletterschuhe relativ eng, vor allem jene Modelle, die sich nach wenigen Kletterstunden stark weiten. Aber Schmerzen sollten die Schuhe auf keinen Fall bereiten! Vor allem, wenn die Schuhe auch nach mehreren Wochen immernoch viel zu eng sind. Dann solltest Du Dir Gedanken machen, sie auszutauschen.

Wie die Schuhe sich weiten

Zunächst mal von ganz allein, vor allem wenn es sich um Echtlederschuhe handelt. Also einfach klettern, klettern, klettern. Dies hat dann auch den Vorteil, dass sich der Schuh an Deine individuelle Fußform anpasst. Sollte die Vorstellung, Deine neuen Schuhe beim Klettern mit Deinen Füßen zu weiten Dir Schweißperlen auf die Stirn zaubern, könnte dies ein guter Hinweis dafür sein, sie beim nächsten Mal (oder gleich) eine halbe Nr. größer zu kaufen.

Übrigens weiten sich Kletterschuhe wenn sie warm werden. Also nicht wundern, wenn sie nach zwei Stunden Kletten in der Halle schön gemütlich sind und am nächsten Tag fängt man gefühlt wieder von vorne an.

Je besser man klettert umso krasser die Schuhe

Auch dieses Gerücht zieht sich wie ein roter Faden durch die Sportarten. Je besser jemand in einem Sport ist, desto hochwertiger und anspruchsvoller ist auch das Material, das er/sie verwendet. Ergo: je besser ich klettere, umso vorgespannter und enger, also agressiver, ist mein Kletterschuh. Oder anders herum, wenn ich zeigen will, dass ich ein echt krasser Kletterer bin, dann trage ich einen echt krassen Kletterschuh.

La Sportiva - TC Pro - Kletterschuhe

La Sportiva – TC Pro

Schon mal hingeschaut in welchem Schuh Alex Honnold seine FreeSolo Begehungen macht? Unter anderem im La Sportiva TC Pro. Das ist jetzt nicht gerade DIE Maschine unter den Kletterschuhen.

Profis oder sehr erfahrene Kletterer unterscheiden zwischen den Disziplinen und Routen und tragen die dazu passenden Schuhe. Keiner von ihnen würde auf die Idee kommen eine Mehrseillängentour mit einem extrem vorgespannten und viel zu engen Schuh zu klettern. Außer für die alles entscheidende Schlüsselstelle und dann hat man auch noch andere Schuhe dabei.

Performance und Peinlichkeit liegen hier häufig sehr nah beieinander. Klettert man eine alpine Route, mit vielen Seillängen in einem viel zu krassen Schuh, ist das eher, naja, peinlich, weil unnötig. Schafft man es allerdings einen krassen Dachboulder in einem Pantoffel wie dem Anazasi zu klettern, dann dürfte man den Respekt der Umstehenden auf jeden Fall auf seiner Seite haben.

Aber sind zu enge Kletterschuhe überhaupt schlimm?

Es gibt einen sehr informativen Artikel auf bergsteigen.com zu dem Thema. Der ist zwar schon etwas älter, hat aber seine Aktualität, denke ich, noch nicht verloren.

Hier, basierend auf einem Artikel des Kletterarztes Volker Schöffel aus dem Jahr 1999, die unterschiedlichen „Gefahren“ falscher Kletterschuhe:

  • Auswirkungen von zu engen Kletterschuhen

    Und das ist noch eine schöne Variante

    Schwielen und Druckstellen: Sind an sich nicht schlimm, können aber Schmerzen bereiten, aufreißen und sich infizieren. Und schön sehen sie auch nicht aus.

  • Nagelbettinfekte: Kommt daher, dass viele Kletterer ihre Zehennägel immer kürzer schneiden, damits in den engen Schuhen weniger drückt. Nicht selten schneiden sie dann ins Nagelbett. Werden solche Infekte verschleppt, müssen sie im schlimmsten Fall chirurgisch behandelt werden.
  • Subunguale Hämatome (Blutergüße unter den Zehennägeln): Sind auch nicht so schlimm, aber schmerzhaft und erstaunlich häufig zu finden.
  • Hallux Valgus: Fand sich (laut Bergsteigen.com) bei 54% der Kletterer. In der „normalen Bevölkerung“ sind nur etwa 4% betroffen. Besonders tükisch; in jungen Jahren bereitet er nicht so viele Probleme, die dann aber mit zunehmendem Alter immer mehr werden. Ab einem bestimmten Punkt bleibt einem nur noch die chirurgische Lösung.
  • Hallux Rigidus: Eine Teilversteifung des Großzehengrundgelenkes auf der Ursache einer Arthrose durch Überbelastung. Kann auch schon in sehr jungen Jahren Auftreten.
  • Dermatomykosen (Fußpilz): Weniger ein Problem der Passform, als der Hygiene aber auch unangenehm, auch für die Kletterpartner.

Nach Dr. Volker Schöffel sind die heutigen modernen Kletterschuhe durch ihre Passform und die Schuhgröße in der sie getragen werden, an einigen dieser Probleme mit Schuld.

Das erstaunliche daran: Kletterer betüdeln Tag ein Tag aus ihre Finger, Schultern, Arme und Nacken um sich bloß nicht zu verletzen. Es wird getaped, gefeilt, gecremt und gepflegt.  Nur die Füße, die werden kaum beachtet und in viel zu enge Schuhe gesteckt. Bei der Recherche zu diesem Artikel bin ich auf unzählige Artikel zu allen möglichen Extremitäten gestoßen, aber auf nur einen seriösen Text zum Thema Schuhe und Fußerkrankungen und der stammt aus dem Jahr 2004.

Und was kann man jetzt besser machen?

Bequemere Schuhe tragen! Das bezieht sich sowohl auf die Passform als auch auf die Größe. Inzwischen gibt es so viele Modelle (allein bei uns im Shop sind es z.Zt. 154; Stand Okt. 2015), es sollte also für jeden die passende Größe und Passform dabei sein. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen, deren Füße sich noch in der Entwicklung befinden, sollte man unbedingt darauf achten, dass die Schuhe nicht zu eng sind.

Tipps zum Kauf der richtigen Kletterschuhe findest Du auch in unserem Basislagerartikel „Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen?“ und in unserem Größenberater für Kletterschuhe. Hier findest Du auch Informationen zur Wahl der richtigen Größe und zu verschiedenen Fußformen.

Und den gesunden Menschenverstand wieder einschalten. Wenn die Füße schmerzen und sich Schwielen und Entzündungen bilden, dann kann etwas nicht stimmen. Und auch bedenken: Wenn solche Probleme dauerhaft auftreten, können die Konsequenzen auch permanente werden. Am besten klettert es sich immer noch mit einem gesunden und intakten Fuß, der nicht operiert werden musste.

Früher habe ich noch Witze darüber gemacht, inzwischen besitze auch ich zwei Paar Kletterschuhe. Ein eher bequemes, dass meinen Zehen viel mehr Platz lässt (Scarpa Vapor für Frauen) und ein sportliches Modell, das ich hauptsächlich fürs Bouldern nehme (La Sportiva Python). Das trage ich allerdings nur, wenn es wirklich knackig wird.

So halte ich es seit etwa einem Jahr und konnte feststellen, dass man sich sehr schnell wieder an weiter geschnittene Kletterschuhe gewöhnen kann. Inzwischen trage ich hauptsächlich den bequemen Scarpa. Meiner Kletterleistung hat dies indes keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, zu lernen kleine Tritte auch mit einem weicheren Schuh zu stehen, hat meine Fußtechnik eher verbessert als verschlechtert.

Eins noch

Vorspannung oder ein asymmetrischer Leisten müssen an sich nicht schlecht für den Fuß sein. Inzwischen gibt es Stimmen, die besagen, dass ein vorgespannter, asymetrischer Schuh mit ordentlich Downturn hier sogar das gesündeste ist. Leider konnte ich hierzu keine aussagekräftige Literatur, sprich Medizinerstimme finden. Die beschäftigen sich auch lieber mit den Händen, den Schultern oder dem Nacken.

Wenn du noch Fragen hast oder Dich nicht entscheiden kannst, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artkel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.10.2015 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Nima sagte am 4. November 2014 um 15:06 Uhr

    Hola,
    Danke für diesen wirklich guten Artikel! Es ist echt unglaublich, wie hartnäckig sich das mit den zu kleinen Schuhen hält…
    Euren Beitrag habe ich jedenfalls gerne auf meinem Blog geteilt!

    Sonnige Grüße
    Nima

  2. Sheep sagte am 4. November 2014 um 19:47 Uhr

    Danke für deinen Artikel. Ich stand vor kurzem auch vor der Frage la sportiva solution in der große die ok ist oder ne halbe nummer kleiner. Mir erzählte nur jeder Verkäufer das sich der Schuh total dehnt und naja das tut er leider nicht, daher tut er nun nach 8wochen immer noch weh.
    Daher schade, hätte ich es besser gewusst hätte ich mir den Schuh eine halbe Nummer größer gekauft :)
    Naja aus Fehlern lernt man ja :D

  3. Lukas sagte am 6. November 2014 um 10:06 Uhr

    Hallo,

    wie sieht das denn mit der Passform der Schuhe für die Zehen aus? Ich habe eine „griechische“ Zehenform (Der zweite Zeh ist größer, als der Erste). Habt ihr Tipps welche Schuhe da gut gehen? Oft sitz der große Zeh gut aber dann ist der zweite sehr gestaucht…

    Gruß,
    Lukas

  4. Wiebke sagte am 6. November 2014 um 10:39 Uhr

    Hallo Lukas,
    da ich einen „ägytischen“ Fuß habe, dann ich Dir jetzt leider nicht so viel aus eigener Erfahrung sagen. Aber Rock Pillars hat sich vor ein paar Jahren mal die Arbeit gemacht eine sehr gute Information zu ihren Schuhen in ihr Workbook zu bauen. Hier könntest Du fündig werden und auch ein paar Informationen für andere Hersteller ableiten. Leider kann ich hier in den Kommentaren keine pdf anhängen, deshalb schick ich Dir den scan per Email. Lieben Gruß, Wiebke

  5. Wandfred Vertikal sagte am 6. November 2014 um 12:26 Uhr

    Hallo Wiebke,

    zunächst mal vielen Dank, auch an den Rest des Teams, ich lese eure Artikel mittlerweile sehr regelmäßig.
    Jetzt habe ich auch sogar noch gelernt, dass ich auch eine „griechische“ Zehenform habe :-O

    Ich fänd es super, wenn ich den Scan für Lukas auch bekommen könne – danke sehr!

    Gruß

  6. Wiebke sagte am 6. November 2014 um 13:00 Uhr

    Hallo Wanfred,
    und ich habe gerade gelernt, dass es die Seite doch aktuell auf der Seite von Rock Pillars gibt. Zwar in Englisch, aber die Tabelle versteht man glaub trotzdem. Außerdem habe ich jetzt einen Nachtrag oben in den Artikel eingefügt, der auch auf unseren anderen Artikel hinweist. Worauf achten beim Kauf von Kletterschuhen. Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg beim Kletterschuhkauf. Lieben Gruß, Wiebke

  7. Carlotta sagte am 5. Dezember 2014 um 20:48 Uhr

    Hallo Wiebke!

    Danke für die tollen Blogbeiträge zum Thema Kletterschuhe!
    Viele meiner kletternden Freunde glauben auch immernoch dass Kletterschuhe wehtun müssen, um zu „funktionieren“.
    Ich werde deine Gedanken zu dem Thema (und vor allem das Interview mit Jan Hojer und Jule Wurm) definitiv weiterleiten, in der Hoffnung, dass die Betroffenen daraufhin ihre Füße auch in 20 Jahren noch benutzen können.

    Beste Grüße!

  8. Andreas sagte am 24. Januar 2015 um 06:27 Uhr

    Hallo Wiebke,
    vielen Dank für den Artikel! Den hatte ich vor meinem Schuhkauf bei euch übersehen.
    Meinst Du mit zu eng ausschließlich (zu) schmerzhaft oder kannst Du das an einem Beispiel von Schuhgrößen festmachen. Z.B.liest man häufig La Sportiva 2 bis 2,5 Größen kleiner nehmen oder Scarpa 1,5 bis 2 Größen kleiner. Da ich als Semianfänger gerade mein erstes Paar bei euch gekauft habe und alle Modelle zum probieren „nur“ (0,5-1) Nummer kleiner gekauft habe als meine Schuhgröße, kann ich zumindest aus meiner Erfahrung schon sagen, dass selbst diese Größen zum Teil bereits unangenehm waren (was natürlich zum Tiel auch an der Passform gelegen haben mag).
    Letztlich jedoch bin ich bei einem Nichtanfängerschuh hängen geblieben, weil dieser sich toll anpassen ließ und (in seiner 1 Nummer kleiner als die Schuhgröße) zwar in der Zehenkappe ein wenig drückt, aber sonst sehr komfortabel ist – der Testarossa. Am zweitbesten fand ich Scarpa Vapor der mir am Ende aber Größe -1 vorne zu unangenehm und dabei zu weit unterhalb des Knöchels war. Die Zukunft wird noch zeigen ob es eine gute Wahl war.
    Gruß

  9. Wiebke sagte am 26. Januar 2015 um 08:59 Uhr

    Hallo Andreas,
    freut mich zu lesen, dass der Artikel Dir gefallen hat. Puh, eine pauschale Angabe bezüglich der Größen kann ich Dir nicht geben, da meine Erfahrung ist, dass das auch von Person zu Peron unterschiedlich ist. Ich trage La Sportiva 1,5 Größen kleiner und Scarpa eine drüber (in Vergleich zu Straßenschuhgröße). Und dann ist ja auch nocht entscheidend, wie sehr sich ein Schuh weitet. Generell würde ich sagen, fang nicht zu eng an. Am Anfang braucht man es nicht so eng und die ersten Schuhe sind ohnehin eher schnell durch. Und wenn man sich nicht gleich von Beginng an auf zu enge Schuhe trainiert danken es einem die Füße. Und dann ist da noch die Sache mit der Temperatur. Im Sommer trage ich gerne 0,5 Größen größer, da die Füße, wenn es warm wird gerne anschwellen. Bei einer langen Route in der Sonne kann das sonst richtig schmerzhaft werden.
    Lieben Gruß, Wiebke

  10. Philipp sagte am 4. März 2015 um 11:42 Uhr

    Danke für den Artikel und der Unterscheidung zwischen den einzelnen Disziplinen. Das ist bei solchen Artikeln nicht immer der Fall. Ich habe aber ein paar Anmerkungen zum Artikel.

    1. Der Anasazi (Velcro, Lace, Blanco und Verde) sind alles keine Pantoffeln, wie Du erwähnt hast. Es sind alles Schuhe mit starker Fersenvorspannung. Zumal mit dem Anasazi Velcro schon einige harte Bretter beim Bouldern gezogen sind. Glaube Frederic Nicole hat ihn damals (und vllt jetzt noch?) viel geklettert und hammerharte Erstbegehungen beim Bouldern gemacht.

    2. Ich habe gelesen, dass Du La Sportiva 1,5 Größen kleiner als die normale Schuhgröße kaufst. Da La Sportiva etwas größer ausfällt, hast Du also nur leicht bis mäßig aufgestellte Zehen (je nach Fußform auch der große Zeh). Meiner langjährigen Erfahrung nach, kommt man damit draußen vllt. bis zum achten Grad. Darüber hinaus muss man definitiv kleinere Schuhe wählen, außer man klettert übelste Reibungsplatten, bei dem man mit extrem vorgespannten Schuhen nicht mehr die Ferse runterbekommen würde. Die normale Empfehlung ist -3 Größen, im extremfall im oberen 9ten/10/11. Grad auch -4 bis -5. Gerade in einem weichen Solution ist das möglich.

    3. Generell kann z.B. auch gesagt werden, wenn man in einen La Sportiva mit -2 nicht hineinkommt (@Andreas) dann ist man erstens noch nicht so erfahren, man möchte sich nicht unnötig quälen oder der Schuh passt dann einfach nicht, weil man (wohl in Deinem Fall) einen zu hohen Spann hat.

    Wollte das nur klarstellen, weil hier sonst ein Eindruck entsteht, in oberen Graden wäre ein sehr enger und unangenehmer Schuh nicht nötig. :-)

    VG
    Philipp

  11. Wiebke sagte am 4. März 2015 um 14:13 Uhr

    Hallo Philipp,

    vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.

    Natürlich gibt es Routen in oberen Graden, in denen sehr enge Schuhe wichtig sind. Die befingen sich dann hauptsächlich im Dach und beim Bouldern. Ich behaupt mal, hier handelt es sich um 10% der Routen / Boulder die begangen werden. Also um einen sehr kleinen Teil. Die restlichen lassen sich, mit ausreichender Fußtechnik, Erfahrung und Kraft in den Füßen, auch mit weniger engen und damit gesünderen Schuhen klettern. Und ich finde, wie eng man seine Füße einschnüren kann hat nicht viel mit Erfahrung zu tun.

    Meine Erfahrung ist, dass die meisten sehr erfahrenen, starken und langjährigen Kletterer mit der Zeit bequemere Schuhe bevorzugen, weil sie a) die Technik haben um auch mit ihnen die schweren Dinger zu reißen und b) zu spüren bekommen, was sie ihren Füßen antun.

    Lieben Gruß, Wiebke

  12. Holger sagte am 25. August 2015 um 21:06 Uhr

    Zu enge Kletterschuhe sind ein wahrer Albtraum. Deshalb sollte man sich auch nicht scheuen die Schuhe bei der kleinsten Druckstelle umtauschen zu lassen, denn nach einiger Zeit des Kletterns wird es ziemlich unangenehm.

  13. Michael sagte am 9. Februar 2016 um 09:14 Uhr

    gerade bei Schuhen die sich weiten, kommt es ja doch vor dass die ersten 2 Wochen im neuen Schuh etwas unangenehmer sind man danach aber eine gut passende Socke hat, die auch mal länger bequem ist.
    Ich „backe“ inzwischen jeden kletterschuh ca 20 min bei knapp 50° dann anziehen und am Fuß abkühlen lassen. Spart das einklettern fast völlig und der Schuh passt dann perfekt.
    Ausprobiert mit la sportiva genius und Katana laces, hab beide Schuhe auch vorher schon gehabt und gemocht, so passen sie sich aber besser an

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