Sicherheit auf Reisen, Foto: Norbert Blank

Sicher(heit) auf Reisen – Backpacking-Tipps aus der Praxis

20. Januar 2017

Sportart

„Die Welt ist ein gefährlicher Ort …“ heißt es im Vorwort zum Handbuch Reisesicherheit des Hamburger Experten Sven Leidel. Naturkatastrophen, Kriminalität und terroristische Gefährdung sind hier nur einige der markanten Schlagworte der letzten Jahre. Was für die meisten Reisenden jedoch von weitaus größerer Bedeutung ist, dass sind die kleinen Dinge des Alltags, denen man hierzulande genauso begegnet, wie in den vermeintlich unsicheren Ländern des Globalen Südens. Ob einfacher Taschendiebstahl oder kultureller Fauxpax – die Palette ist breit gefächert. Die Zielsetzung dieses Artikels soll es folglich sein, mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen und gleichfalls praxisorientierte Handlungsempfehlungen zu liefern.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Eine heilige Quelle. Wasserentnahme strengstens verboten.

Eine heilige Quelle. Wasserentnahme strengstens verboten.

Was für kulturell interessierte Reisende vermutlich zum Standard gehört, ist für andere unvorstellbar: eine kurze Länderkunde vor dem eigentlichen Antritt der Reise. Was sich trivial anhört, kann einem vor Ort das Leben deutlich erleichtern. Wie verhalte ich mich auf einem Basar? Wie feilsche ich richtig? Welche Kleidung ist in welchen Landesteilen angemessen? Sind beispielsweise Röcke oder kurze Hosen ein absolutes No-Go? Solche und andere Fragen lassen sich demnach mit wenig Aufwand bereits im Vorfeld klären und ersparen dem Unwissenden im Zweifelsfall peinliche bis teure Momente. Vor allem im Kontext einer sehr stark durch die Religion geprägten Gesellschaft können so gängige Alltagskonflikte vermieden werden. Darüber hinaus bieten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes eine solide Grundlage für jeden bevorstehenden Auslandsaufenthalt – auch zum Thema gesundheitliche Risiken, Impfungen, Einfuhrbeschränkungen und so weiter.

Die Mär von der hohen Kriminalität

Ein typischer Tag auf dem Marktplatz in Dar es Salaam.

Ein typischer Tag auf dem Marktplatz in Dar es Salaam.

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Ja, die Kriminalitätsrate wird in vielen beliebten Reiseländern meist als hoch bewertet. Vor allem Lateinamerika und der afrikanische Kontinent kommen hier in der Regel schlecht weg. Taschendiebstähle und Raubüberfälle zählen folglich zu den am meisten gefürchteten Risiken. Die übliche Frage lautet also „… aber ist es da nicht gefährlich?“ – wie dem auch sei, meine Antwort wäre in jedem Fall die selbe: Ein angepasstes Verhalten vor Ort trägt bereits massiv dazu bei, sich selbst nicht zu einer Zielscheibe für Gauner und Banditen zu machen. Also versuche ich mich einigermaßen lokaltypisch zu kleiden und nicht groß aufzufallen. Trägt der unbedarfte Reisende also seine dicke Armbanduhr, die teure Sonnenbrille und idealerweise noch das Smartphone offen zur Schau, könnte ich mir auch gleich eine Leuchtreklametafel mit der Aufschrift „Beklaut mich“ auf den Rücken schnallen. „Stay under the radar“ lautet die Divise! Sei aufmerksam, jedoch nicht paranoid.

Genauso wenig sortiere ich mein Geld auf einem örtlichen Markt oder trage mein Portemonnaie sichtbar mit mir rum. Eine Büroklammer mit kleinstmöglichen Scheinen in der vorderen Hosentasche (z.B. wenige 1$ Dollar Scheine – eine Währung, die in vielen Ländern gern gesehen ist), hat sich hier in der Praxis bewährt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch einen Gürtel mit geheimen Geldfach anschaffen. Diese besitzen einen kleinen Reißverschluss auf der Innenseite, hinter dem sich weitere Scheine sicher verstecken lassen. Und natürlich nicht zu vergessen (wie auch hierzulande): beim Geld abheben darauf achten, dass man gerade auf belebten Plätzen nicht aus nächster Nähe beobachtet wird oder sonst irgendwelche Auffälligkeiten am Automaten selbst auf Manipulationen hinweisen.

Barfüßig im Schneidersitz beim Abendessen ist durchaus gängig.

Barfüßig im Schneidersitz beim Abendessen ist durchaus gängig.

Angepasstes Verhalten und kleine Tipps aus der Praxis

Wie bereits angedeutet, stellt das eigene Verhalten den Grundbaustein für sicheres Reisen dar. So laufe ich nicht halbbetrunken alleine nachts durch Bangkok Downtown, vermeide auf meiner Tourenplanung Elendsviertel in Johannesburg, nutze an Ampeln die Innenverriegelung meines Leihwagens, betrete keine heiligen Tempel mit Schuhen oder trage Symbole meines christlichen Glaubens in gewissen Stammesgebieten mit mir herum (ja, alles schon erlebt). Komme ich allerdings auf die Idee, das Erste nach meiner Landung am Flughafen Timbuktu sollte es sein, im Hawaiihemd die 800 Euro Spiegelreflexkamera zu zücken, um archäologisch wertvolle Ruinen zu knipsen, kann ich mir fast sicher sein, noch vor der Ankunft im Hotel das erste mal überfallen worden zu sein. Das ist jetzt zwar alles ein bisschen überspitzt formuliert, der Grundgedanke jedoch bleibt.

Was tun, wenn die Militärpolizei plötzlich den Bus aufhält?

Was tun, wenn die Militärpolizei plötzlich den Bus aufhält?

Darüber hinaus sollte man je nach Land und Region aufpassen, nicht jedes Ereignis zu bagatellisieren. Ich erinnere mich hier an aufgebrachte Warenhändler, zwielichtige Polizisten und grundlose Straßensperren im Nirgendwo. Viele solcher Situationen können uns, wenn wir ihnen mit europäischer Überheblichkeit begegnen, schneller zu einer Nacht im Knast führen, als uns lieb sein kann. Geduld, Einsicht (oder Nachsicht) und eine ruhige, souveräne Körpersprache führen hier meist eher zum Erfolg als Lautstärke und Konfrontation. Hin und wieder soll gar das Entrichten einer gewissen Ermöglichungspauschale wahre Wunder bewirken und vermeintlich festgefahrene Auseinandersetzungen zur beiderseitigen Zufriedenheit unbürokratisch lösen können. Hier sei jedoch Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt (keinesfalls würden wir ein solche Vorgehen empfehlen, noch gut heißen)!

Ausrüstungsgimmicks für Jedermann

Last but not least muss es ja auch nicht immer gleich das exotische Reiseziel fernab der ausgetretenen Pfade sein. Ein schöner Städtetrip – ob Mexiko City oder Shanghai (Geschmäcker können ja durchaus variieren) – stellt uns vor ganz andere Herausforderungen. Zwar gilt auch hier wieder das Gebot der kulturellen Angepasstheit, allerdings können uns kleine Ausrüstungsgimmicks, vor allem in solchen Megacitys, das Leben leichter machen. So gibt es zum Beispiel Rucksäcke und Daypacks mit integriertem Schnittschutz (etwa von Pacsafe).

Bei Radreisen kommt man um Satteltaschen nicht herum.

Bei Radreisen kommt man um Satteltaschen nicht herum.

Andere Taschen, Beutel und Organizer wiederum sind mit einem sogenannten RFID Schutz versehen. RFID steht für Radio Frequency Identification und ermöglicht per speziellem Lesegerät das Auslesen bzw. ebenso den Diebstahl sensibler Daten (z. B. Kredit- und Zugangskarten) via elektromagnetischer Wellen auf bis zu einen halben Meter Reichweite. Diese Technologie ist vor allem in asiatischen Großstädten schon relativ weit verbreitet und öffnet Kriminellen Tür und Tor für das kontaktlose Entwenden wertvoller persönlicher Daten. Der Geschädigte bekommt seinen Verlust so schlimmstenfalls gar nicht mit. Spezielle RFID Blocker Geldbeutel oder Wertsachentaschen schützen hier durch speziell abgeschirmte Fächer.

Weiterhin sind Bekleidungsstücke mit Reißverschlüssen sowie Gegenstände mit kleinen Karabinerverschlüssen auf Reisen immer eine gute Wahl. Verschwindet der über alle Maßen wichtige Reisepass etwa nicht-sichtbar in einem Buchumschlag im Rucksack? Perfekt! Habe ich mein Handy in der hinteren Hosentasche? Schlechte Idee! Robuste Zip-Beutel sind nicht nur wasserdicht (und damit besonders für Flugtickets, Reisedokumente und Kopien davon! geeignet), sondern lassen sich ebenfalls leicht in jedem Rucksack verstauen. Darüber hinaus versuche ich, meine Wertsachen auf mehrere Gepäckstücke, Taschen oder gar eingenähte Extra-Fächer zu verteilen. Versteckte Reißverschlussfächer und kleine Zahlenschlösser für größere Reisetaschen sind ebenfalls Dinge, auf die man achten kann. Ist man in einem Hotel untergebracht, sollte man hier einen meist verfügbaren Safe benutzen.

Wichtig jedoch: Versuche Wertvolles nicht noch wertvoller aussehen zu lassen und vermeide dadurch regelrechte Einladungen zum Diebstahl. Meine Kamera trage ich also nicht in einer großen, teuren Extra-Tasche mit mir rum, sondern verstaue diese sicher (z. B. in einem T-Shirt eingewickelt) in meinem Tagesrucksack. Der Trick lautet: Alles was nicht innerhalb weniger Augenblicke entwendet werden könnte, schreckt potentielle Diebe ab. Alles was gar nicht erst von außen sichtbar ist – noch besser! Abgesehen von diesen Tipps und Tricks heißt es wie so oft im Leben: Kopf einschalten, kurz nachdenken, sich nicht verrückt machen und im Zweifelsfalls auch mal auf sein Bauchgefühl hören.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Climber sagte am 22. Januar 2017 um 10:29 Uhr

    Guter Beitrag, differenziert :)
    Möchte hier nicht überkorrekt rüberkommen, aber „Länder des globalen Südens“ finde ich etwas besser passend als „sogenannte Entwicklungsländer“. Bzw. umschreibt besser das, was der Autor eh eigentlich sagen wollte? :)
    Hier eine gute, kurze Erklärung: http://www.zugvoegel.org/de/component/glossary/Definitionen-1/G/Globaler-S%C3%BCden–1/
    Liebe Grüße!

  2. Jörn sagte am 23. Januar 2017 um 08:30 Uhr

    Hi Louisa,

    vielen Dank für deine Anmerkung. Übernehmen wir gerne.

    Liebe Grüße,

    Jörn

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