Sechs Monate im Wanderparadies Norwegen

14. August 2015

Sportart

Tiefblick von der Segla in Nordnorwegen

Tiefblick von der Segla in Nordnorwegen

Zwei Jahre die schönsten Outdoor Sport Hotspots in Europa zu erleben – das haben sich Daniel Amersdorffer und Kathrin Holz vorgenommen. Ihre „Outdoor Sports Tour“ hat die beiden als erstes nach Norwegen geführt. Von April bis September haben sich die beiden für dieses Land Zeit genommen.

Wir haben die beiden für ihre Tour mit einem Rabatt auf dringend benötigte Ausrüstung unterstützt. Heute berichten Kathrin und Daniel uns von ihren Wandertouren im hohen Norden – Insider-Tourentipps und praktische Tipps rund um das Wandern in Norwegen inklusive.

Nachtwandern am Tag: Mitternachtssonne in Nordnorwegen

Insel Senja in Nordnorwegen

Auf der Insel Senja in Nordnorwegen empfiehlt es sich, manch eine Tagestour erst Abends zu starten, um die Stimmung mit Mitternachtssonne voll auszukosten

Rund 650 km nördlich des Polarkreises liegt die wenig bekannte Insel Senja. Sechs Tage lang erkunden wir dieses traumhaft schöne Eiland in Nordnorwegen. Ursprünglich hatten wir vor, die gesamte Insel in sechs Tagen mit Trekkingrucksack und Zelt zu überqueren – eine wirklich empfehlenswerte Tour für Trekking-Enthusiasten („Senja pa langs“). Dieses Jahr aber liegt Mitte Juni noch zu viel Schnee im Inneren der Insel. Also ändern wir den Plan und unternehmen Tagestouren im weniger verschneiten Nordteil von Senja.

Nicht nur die Schneeverhältnisse beeinflussen unsere Planung. Auch die Mitternachtssonne verändert das aus den Alpen gewohnte Wanderverhalten. So starten wir zu unserer ersten Tagestour auf Senja erst gegen 19 Uhr – wir wollen die einzigartige Lichtstimmung am Abend voll auskosten. Von Mefjordhamn steigen wir mit Gaskocher und Essen bewaffnet auf einen nahen Gipfel. Oben angekommen genießen wir den beeindruckenden Ausblick: die Mitternachtssonne tief über dem Meer, die in ein warmes Licht getauchte Umgebung, die leuchtenden Felswände. Wir lassen uns auf unserem Aussichtspunkt, einem hoch über dem Tal gelegenen Felsvorsprung, ein warmes Essen schmecken.

Nach diesem ersten Abend glauben wir, die schönste Tour bereits hinter uns zu haben. Aber es kommt ganz anders. Am Tag darauf besteigen wir die Segla – die nordnorwegische Kopie des berühmten Preikestolen. Vom Gipfel blickt man ganze 600 Meter in die Tiefe, direkt ins Meer.

Mitternachtssonne in Nordnorwegen

Die Mitternachtssonne in Nordnorwegen ist ein zugleich einzigartiges und empfehlenswertes Erlebnis

Auch die nächsten Tage bescheren uns schöne und unvergessliche Touren. Am letzten Abend übernachten wir knapp unterhalb des Astridtinden auf einem Plateau im Zelt. Der Platz und auch der Blick vom nahen Gipfel ist atemberaubend schön: die umliegenden Inseln und Fjorde, die Berge des Festlands und die Berglandschaft vor uns – alles ist in das zauberhafte Licht der Mitternachtssonne getaucht.

Weitere Highlights unseres bisherigen Aufenthalts in Norwegen waren eine zweitägige Rundtour im Rago Nationalpark, eine Trekkingtour im rauen Breheimen Nationalpark, eine Wanderwoche auf den Lofoten und die Region Hamsuns Rike.

Friluftsliv – Hüttenromantik, Fisch vom Grill und das Jedermannsrecht

Norwegen bietet viel mehr als nur markierte Wanderwege. Das Ziel einer Wanderung muss nicht immer ein Gipfel sein. Überall im ganzen Land laden für jeden zugängliche Hütten, Feuerstellen und fischreiche Bäche zum Friluftsliv ein. Uns hat diese typisch norwegische Lebensart sehr begeistert. Es geht dabei nicht nur um Gipfelerfolge und Grenzerfahrungen in den Bergen, sondern um das bewusste und aktive Genießen der Natur.

Norwegen, Hütten von DNT und Statskog

In ganz Norwegen bieten sich die Hütten von DNT und Statskog für eine kostenfreie oder günstige Übernachtung an. Meist liegen die Hütten in traumhafter Lage und sind sehr gepflegt.

Ein Regentag? Kein Problem – Gaskocher, Zutaten für Pfannkuchen und eine offene Hütte des Statskog oder des norwegischen Alpenvereins (DNT) ergeben einen gelungenen Nachmittag in den Bergen. Auch bei Mehrtagestouren sind die zahlreichen offenen Hütten in Norwegen neben dem Zelt oft eine willkommene Übernachtungsgelegenheit. Mit einer DNT-Mitgliedschaft lassen sich die Hütten günstig nutzen. Wo es Hütten gibt, erfährt man vor Ort von den Einheimischen (Sportgeschäft, Tankstelle etc.), vom DNT oder von den norwegischen Staatsforsten. Wir sind bisher fast in jedem Wandergebiet auf DNT-Hütten oder andere kostenfreie Hütten gestoßen.

Das Allemansretten (Jedermannsrecht) ist ein zentraler Bestandteil des norwegischen Friluftsliv. Man darf sein Zelt nahezu überall aufschlagen, solange man mindestens 150m Abstand von Häusern hält. Das Jedermannsrecht erlaubt es außerdem Beeren und Pilze zu sammeln. Frische Blaubeeren im Müsli zum Frühstück oder selbst gesammelte Pilze vom Grill schmecken bei einer mehrtägigen Trekkingtour besonders lecker. Im Meer fischen ist kostenfrei (bis 15 Kg Ausfuhr), im Süßwasser ist eine nationale und lokale Angellizenz zu erwerben. So brutzelt bei uns öfters am Abend eine Forelle, ein Lachs oder Kabeljau in der Pfanne und gibt ein leckeres Outdoor-Abendessen ab.

Norwegen ist aufgrund des Jedermannsrechts für uns wirklich ein wahres Outdoor-Paradies. Man muss sich nicht jeden Abend Gedanken machen, ob ein aufgebrachter Förster einen verscheuchen wird, oder ob man überhaupt ein Gewässer findet, in dem man als Tourist angeln darf!

Tourenvorbereitung: Norwegen ist wilder und bietet mehr Natur als die Alpen

Wir sind erfahrene Wanderer und Bergsteiger in den Alpen. Dennoch ist es Norwegen gelungen, uns immer wieder zu überraschen. Viele Touren in Norwegen sind bestens markiert und man wandert auf gut zu begehenden Wanderpfaden. Genauso gibt es aber auch überraschend schwierige Touren: reißende Gebirgsbäche wollen durchquert werden, steile Schneefelder liegen auf der Route, man läuft tagelang ohne jemanden zu treffen oder die Wegfindung ist sehr schwer. Nach der ersten Eingewöhnungsphase stand für uns recht schnell fest: Wir lieben diese Art der rauen Natur und der Einsamkeit in den Bergen. Aber uns wurde auch klar: Eine Wander- oder Trekkingtour in Norwegen braucht eine gute Vorbereitung und Erfahrung.

Zur Tourenvorbereitung gehört an erster Stelle die Routenplanung. Dazu besorgt man sich eine topographische Karte des Gebietes. Am besten haben uns die Karten des DNT gefallen, weil hier erfahrungsgemäß mehr Wege und Hütten eingezeichnet sind als in den Karten der Nordeca-Serie oder des norwegischen Landesvermessungsamtes. Die Karten sind überall vor Ort an Tankstellen und in Sportgeschäften erhältlich. Ebenfalls hilfreich bei der Routenplanung ist das Tourenportal des norwegischen Alpenvereins (www.ut.no) und die Website des norwegischen Fremdenverkehrsamtes (www.visitnorway.com). Hinweise zu offenen Hütten und Unterständen erhält man auf www.ut.no, den Seiten der norwegischen Statsforsten (www.statskog.no) und vor Ort in Sportgeschäften und Touristinformationen. Der aktuelle Wetterbericht findet sich auf www.yr.no oder in der entsprechenden App für das Smartphone.

Obwohl man sich in Norwegen meistens auf geringeren Höhen als in den Alpen bewegt, darf man das Wetter nicht unterschätzen. Selbst im Sommer kann es plötzlich schneien und stürmen. Unser Tipp für die Rucksack-Grundausrüstung: Kleidung im Zwiebelprinzip, Biwaksack, Daunenjacke, Regenjacke, Regenhose, GPS-Gerät, aufgeladenes Handy, erste Hilfe und eine Nahrungsreserve. Sollte man mal in Not geraten: die Bergrettung in Norwegen ist für Jedermann kostenlos (Tel. 112). Jedoch kann es aufgrund der dünnen Besiedelung in Norwegen durchaus einige Stunden oder – je nach Wetter – bis zum nächsten Tag dauern, bis Hilfe eintrifft.

Camping-Bus, Europa, Norwegen

Zwei Jahre mit dem Camping-Bus unterwegs in Europa, davon 6 Monate in Norwegen

Outdoor Sports Tour online: Berichte von den schönsten Outdoor Hotspots in Europa

Wenn ihr uns auf der weiteren Reise verfolgen wollt und regelmäßig Berichte über die schönsten Outdoor Hotspots in Europa lesen möchtet – verfolgt uns doch einfach auf unserem Blog www.outdoorsportstour.de oder auf Facebook www.facebook.com/outdoorsportstour.

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