Sicher übernachten bei eisiger Kälte – eine Schneehöhle bauen

23. Oktober 2018

Es gibt bekanntlich vier menschliche Grundbedürfnisse, deren Stillung in einer Notsituation entscheidend sind. In der Reihenfolge der Wichtigkeit sind das: Wärme, Schlaf, Wasser und Nahrung. Zumindest für die ersten Beiden kann eine Schneehöhle des Rätsels Lösung sein. Die isolierende Eigenschaft von Schnee sorgt dafür, dass sich die Temperatur in einer Schneehöhle konstant um den Gefrierpunkt bewegt.

Von der Carinthia Kundenevent hat uns Marco allerlei Wissenswertes zum Bauen einer Schneehöhle mitgebracht.

Mullig warm eingepackt liegt Bergfreund Marco in seiner Schneehöhle.

Wie ihr eine solche Schneehöhle baut und auf was ihr dabei achten solltet, durfte ich auf einem Kundenevent der österreichischen Firma Carinthia erlernen. Dort ging es nämlich nicht nur darum die Vorzüge und Produktionsspezifika des patentierten Füllmaterials GLoft kennenzulernen, sondern auch unter Anleitung ausgewiesener Experten zu lernen, wie man sicher in eisiger Kälte übernachten kann.

Einen Bauplatz wählen

Beginnen sollte man damit einen geeigneten Bauplatz für die Schneehöhle zu wählen. Ideal sind dafür überhängende Schneewechten oder leichte Hanglagen, weil sich dort der Schnee gut aufstaut. Auch auf die Schneekonsistenz sollte man achten, denn der Schnee sollte an der Oberfläche möglichst fest sein. Schlecht geeignet ist also Pulverschnee oder auch alter, sehr nasser Schnee.

Habt ihr etwas Passendes gefunden, messt ihr mit eurer Lawinensonde die Schneehöhe. Dies macht ihr dabei an mehreren Punkten des anvisierten Grabplatzes, um nachher nicht einen halben Meter umsonst gegraben zu haben. Diese sollte mindestens 1,50 Meter (eher sogar mehr) betragen. Als letzte Maßnahme, bevor es endlich losgehen kann, muss der Wind geprüft werden. Das ist wichtig, da der Eingang einer Schneehöhle immer an der windabgewandten Seite angelegt sein sollte.

Wir buddeln uns einen gemütlichen Schlafplatz

Als erster Schritt wird ein passender Bauplatz für die Schneehöhle gesucht.

Als erstes wird ein passender Bauplatz ausfindig gemacht.

Der geeignete Platz ist nun also gefunden. Jetzt kann das Buddeln losgehen. Mit der – im Optimalfall verwindungssteifen – Lawinenschaufel gräbt man zunächst die oben erwähnten mindesten 1,50 Meter nach unten. Die Decke der Schneehöhle sollte mindestens 40 Zentimeter dick sein, aber auch hier gilt im Zweifel lieber dicker. Vergesst das Trinken nebenher nicht; ich habe erst nach einer Stunde Graberei gemerkt, dass mir längst die Zunge am Gaumen klebt.

Nachdem ihr mindestens 1,50 Meter nach unten gegraben habt, legt ihr eine Stufe nach unten an und grabt dann nach etwa einem halben Meter nach oben. Diese Stufe dient später dazu den Wind abzuhalten und die kalte Luft quasi „aufzusammeln“.

Ab jetzt grabt ihr einfach geradeaus weiter und zwar so weit bis ihr selbst, eure Isomatte und die zentralen Ausrüstungsgegenstände (wie zum Beispiel eure Schuhe) hineinpassen. Viel größer solltet ihr die Höhle nicht anlegen, weil sonst der Effekt, den Bau mit eurer eigenen Körperwärme zu „heizen“, mehr und mehr verpufft. Bei uns in der Gruppe gab es den Einen oder Anderen, der sich nicht vorstellen konnte in einem solchen „Sarkophag“ zu nächtigen, aber glaubt mir, man gewöhnt sich daran! Wichtig ist wasserdichte Kleidung zu tragen, die die Feuchtigkeit beim langen Kien und Liegen im Schnee abhält.

Achtet zudem darauf den eigentlichen Schlafplatz möglichst eben anzulegen und versucht nach einem kurzen Probeliegen etwaige Unebenheiten am Boden auszubessern, sodass ihr möglichst bequem liegt. Auch an der Decke solltet ihr überstehende Zacken und Furchen mit der Schaufel glätten, da diese ansonsten anfangen zu schmelzen – man möchte seine Nacht ja ungern in einer Art Tropfsteinhöhle zubringen, oder? ;-)

Die Schneehöhle einrichten

Die Lawinensonde dient zum Messen der Schneehöhe.

Mit der Lawinensonde wird die Schneehöhe gemessen.

Die Arbeit ist getan, jetzt kommt die Isomatte und der Schlafsack in das Schlafgemach. Der von mir bei diesem Anlass getestete Schlafsack war der Carinthia G350 Kunstfaserschlafsack. Für mich hat sich dieser absolut bewährt!

Grundsätzlich solltet ihr hierfür einen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von -5 bis -10 Grad wählen. Die Isomatte benötigt wiederum einen R-Wert von mindestens 3. Ausrüstung, die nicht einfrieren sollte, nimmt man entweder mit in den Schlafsack (zum Beispiel Trinkwasser oder einen Wasserfilter) oder verstaut sie so weit weg vom Eingang der Höhle wie möglich. Das gilt insbesondere für eure Schuhe, die ihr sonst am nächsten Morgen nicht mehr anbekommt. Bevor ihr euch dann in den Schlafsack kuschelt, verschließt ihr den Eingang mit eurem Rucksack.

Die schnelle Alternative

Wenn ihr entweder keinen geeigneten Bauplatz findet, oder euch schlicht die Zeit für die Konstruktion einer „richtigen“ Schneehöhle fehlt, gibt es eine Alternative. Für diese messt ihr zunächst die Schneetiefe und grabt möglichst eben eine Mulde, in die ihr samt der üblichen Ausrüstung hineinpasst.

Die zentrale Ausrüstung sollte in die Schneehöhle mitgenommen werden.

Die Schneeunterkunft sollte dabei so „groß“ gebaut werden, dass ihr selbst, eure Isomatte und die zentrale Ausrüstung hineinpasst.

Dann nehmt ihr eure Schneesäge zur Hand und schneidet aus den hart gefrorenen Schichten des Schnees ca. 20 x 50 Zentimeter große Blöcke heraus. Diese Blöcke schichtet ihr nun wie ein Zeltdach (also immer einen Block von jeder Seite) nebeneinander über die Mulde, bis diese ganz überdacht ist und drückt die Blöcke möglichst fest zusammen. Danach schüttet ihr einfach über die noch vorhandenen Löcher und Öffnungen genug Schnee, sodass das Schneezelt bis auf die Öffnung an der windabgewandten Seite komplett verschlossen ist. Dieser aufgeschüttete Schnee wird sich schnell mit den darunterliegenden Blöcken verbinden und für zusätzliche Stabilität sorgen.

Schneehöhlen sind nicht nur für Notsituationen überlebensnotwendig, sondern bieten auch allgemein eine tolle Übernachtungserfahrung!

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