Die Bergfreunde beim Snow and Alpine Awareness Camp by Skylotec

25. November 2019

Bergfreund Kay am Klettersteig.

Nach einer langen Anfahrt von Tübingen aus, heißt uns das deutlich kühlere Galtür in Tirol willkommen. Wir, das sind Adrian und Kay, zwei Bergfreunde aus dem Gearhead-Team, die auf Einladung von Skylotec an einem der zahlreichen SAAC Klettersteigcamps teilnehmen.

Wir geben schnell unser Gepäck im Hotel ab und machen uns auf den Weg zum Alpinarium, dem örtlichen Erlebnismuseum. Die Gipfel rundum sind das erste Mal seit dem letzten Winter mit Schnee bedeckt. Eine kühle Erinnerung daran, dass Väterchen Frost gar nicht mehr so weit entfernt ist. Im Alpinarium werden wir von der Camp-Leitung begrüßt und schon geht es los.

Die Theorie

Die SAAC-Klettertsteigcamps sind in einen Theorie- und in einen Praxisteil gegliedert. Am ersten Tag werden theoretische Grundlagen erläutert, am zweiten Tag findet die Praxis am Klettersteig selbst statt. Wir lernen erst einmal das Offensichtliche:

“Ein Klettersteig ist ein mit Eisenleitern, Eisenstiften, Klammern (als Trittstufen) und (Stahl-)Seilen gesicherter (versicherter) Kletterweg am natürlichen oder künstlichen Fels.“

Auch die historischen Entwicklungen werden beleuchtet und wie genau sich Klettersteigen vom Wandern und Klettern unterscheidet. Als eigentlicher Sport wurde Klettersteigen in den 1970er Jahren populär und heute finden sich im gesamten Alpenraum Routen in ganz vielen verschiedenen Facetten und Schwierigkeitsgraden. Zuvor wurden Klettersteige primär als Versorgungsrouten zwischen abgelegenen Bergdörfern genutzt – heute ist es ein beliebter Freizeitsport.

Wir lernen natürlich, welche Ausrüstung für den Klettersteig wichtig ist, welche unterschiedlichen Normen es gibt, welche Empfehlungen und Neuentwicklungen. Alles in allem nicht viel Neues für uns, aber es ist ja von Vorteil, sein Wissen hin und wieder aufzufrischen. 

Da Skylotec Partner der SAAC-Camps ist, dürfen wir uns ausführlich mit dem Rider 3.0 beschäftigen. Das Rider funktioniert ähnlich wie eine Prusikschlinge und wird um das Kabel gelegt. Es läuft frei nach vorne und blockiert nur, wenn die Belastung nach unten geht. Es ist etwas schwerer als ein normaler Klettersteigkarabiner, funktioniert aber etwas einfacher und ist sicherer, da es direkt am Stahlseil blockiert und nicht bis zum nächsten Anker durchrutscht.

Ausrüstung? Check!

Denn generell ist Klettersteig zwar ein sicherer Sport, trotzdem solltet ihr nicht fallen. Geschieht dies trotzdem, stoppt euch der Bandfalldämpfer, allerdings ist dieser Stopp nicht unbedingt angenehm und er funktioniert auch nur einmal. Ähnlich wie der Airbag im Auto.

Was man außer einem Klettersteig-Set und etwas Schwindelfreiheit also sonst noch so braucht: Nun, das ist in der Regel ein bunter Mix aus Kletter- und Wanderausrüstung: Helm, Klettergurt zum Befestigen des Klettersteigsets, Schlingen und Karabiner, passendes Schuhwerk, Handschuhe, Erste-Hilfe-Set, ein Smartphone und Outdoor-Bekleidung.

Auch die Planung spielt beim Begehen eines Klettersteigs eine entscheidende Rolle. Es sollte natürlich vor der Tour das Wetter gecheckt werden. Gerade bei Nässe können Stahltritte auch mal rutschig werden und die Stahlseile funktionieren im Zweifel prima als Blitzableiter. Man sollte stets wissen, wann und wo man aus einer Route aussteigen kann. Die meisten Klettersteige bieten diese Möglichkeit. Natürlich sollte man auch mal einen Blick auf die Topo werfen, um zumindest eine ungefähre Idee der Route zu bekommen. Außerdem ist es wichtig, den Steig an das eigene Können anzupassen und vielleicht nicht gleich mit der schwersten Tour zu beginnen. https://www.bergsteigen.com/touren/klettersteig/familienklettersteig-little-ballun/

Bevor es dann endlich losgeht, sollte ein letzter Ausrüstungscheck stattfinden. Sitzt der Hüftgurt? Ist das Klettersteigset richtig eingehängt? Passt alles, kann es losgehen. Während der Tour macht es Sinn, auch immer mal wieder inne zu halten und in sich reinzufühlen, ob alles in Ordnung ist und nach möglichen Gefahren Ausschau zu halten. Ein Klettersteig kann durchaus auch einmal beschädigt sein. Wie immer am Berg gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht

Tag Zwei – aus Theorie wird Praxis

Sich helfen lassen und das eigene Können einschätzen beim Klettersteiggehen wichtig.

Tja, da ist er – der Schnee. Und das Anfang September. Fürs Klettersteiggehen nicht optimal. Ganz und gar nicht. Daher geht es für uns heute leider nicht in die Berge. Glücklicherweise bietet das Alpinarium aber einen kurzen Übungsklettersteig mit vielfältigen Passagen, die zum Üben der zuvor erlernten Techniken perfekt sind. 

Also legen wir los: Ausrüstungscheck. Haben wir alles für die Route? Ist die Ausrüstung in Schuss? Und natürlich der Partner-Check. Sicher ist sicher. Dann nochmal: Sitzt alles richtig? Doppelt hält schließlich besser. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir gehen in zwei Gruppen à 4 Personen mit jeweils zwei SAAC-Bergführern, die stets ein Auge auf uns haben und extrem hilfreich sind und uns ständig gute Tipps geben, wie wir die nächste Station am besten angehen. Super!

Wie auch beim Klettern ist es wichtig, das Hindernis genau zu analysieren und zu schauen, wie man es am besten bewältigt, statt einfach mit roher Kraft heranzugehen. Mach Pause, wenn nötig, lass dabei ausreichend Platz für den Vordermann oder die Vorderfrau, falls er oder sie ein Stück zurück klettern muss und am allerwichtigsten: Hab Spaß!

Unterm Strich…

Bei all den neuen Techniken und der Anstrengung ist eins wichtig: Den Spaß nicht vergessen!

Man muss es so sagen: Klettersteiggehen ist nicht so sicher, wie man gemeinhin denkt. Es ist kein “Klettern-Light” sondern eine eigene Sportart mit eigenen Techniken, spezieller Ausrüstung und Routen. Deshalb sollte man definitiv nicht blind an den ersten Klettersteig herangehen, sondern im Vorfeld alle wichtigen Parameter im Blick haben. Vor allem sollte man sich eine Route aussuchen, der man gewachsen ist. 

Wer sich noch unsicher ist, dem können wir an dieser Stelle eines der SAAC-Camps von Skylotec empfehlen. Obwohl es für Kay und mich nicht der erste Klettersteig war, haben wir dennoch einige neue Impulse bekommen und es kann ja auch nicht Schaden, das Wissen mal wieder aufzufrischen und auf den neuesten Stand zu bringen.

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