Was passiert eigentlich mit euren Retouren? 

10. Juni 2021

In Zeiten, in denen Meldungen durchs Netz geistern, dass Online-Händler großflächig Retouren vernichten, kommt diese Frage auch bei uns immer mal wieder an und auch in der Politik findet sie gehör. ‘Obhutspflicht’ heißt der neue Rechtsbegriff, den das Umweltministerium mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz letztes Jahr auf den Weg gebracht hat. Die Obhutspflicht soll Händler verpflichten, weniger Retouren zu entsorgen, was wir ziemlich gut finden und zum Anlass nehmen wollen, euch mal ein paar Takte zum Thema “Retouren bei den Bergfreunden” zu erzählen. Aber vorher…

Reklamation vs. Retoure – was ist der Unterschied

Damit es keine Verwirrungen gibt, wollen wir uns zunächst um eine kleine Begriffsdefinition bemühen:

  • Retoure: Hier handelt es sich um eine klassische Rücksendung. Ihr bestellt etwas, es gefällt euch nicht und schickt es wieder an uns zurück. Ende der Geschichte.
  • Reklamation: Das Produkt weist innerhalb der gesetzlichen oder anderweitigen Gewährleistungsfristen einen Mangel oder einen Defekt auf, der von euch beanstandet wird. Hier handelt es sich dann um eine Reklamation.

Ok, verstanden. Aber was macht ihr denn jetzt mit euren Retouren?

Das ist relativ einfach: Wir lagern sie ein und verkaufen sie erneut. Das könnt ihr euch vorstellen wie im klassischen Ladenlokal: Ihr probiert etwas an und hängt es wieder zurück. Nur, dass dazwischen eben ein Postbote Pakete hin und her trägt.

So lagern wir einen Teil der Retouren wieder ein.

Übrigens: Einen Teil unserer Bekleidungs-Retouren verpacken wir nicht mehr in Plastikbeuteln, sondern fassen sie einfach in zwei Papierbanderolen ein. Das spart eine menge Plastik. Wie wir das machen kannst du im zugehörigen Basislager-Artikel nachlesen.

Allein aus kaufmännischer Sicht macht es null komma gar keinen Sinn, Produkte, die noch funktionieren und nicht verschmutzt sind, nicht mehr zu verkaufen. Und selbst wenn wir ein retourniertes Produkt nicht mehr verkaufen können – was sehr selten vorkommt – wird es nicht entsorgt.

Reklamationen: Kann man das noch reparieren?

Ohne jetzt allzu tief in die komplizierte Welt der Reklamationen einzutauchen: Wenn ihr bei uns etwas reklamiert, weil ein Produkt innerhalb einer bestimmten Frist einen Mangel aufweist, versuchen wir – sofern das möglich ist – zunächst immer den Weg der Reparatur zu gehen. Unser Team gibt euch Tipps und Tricks an die Hand, wie ihr Produkte wieder in Stand setzen könnt. 

Warum wir so vorgehen? Zum Einen ist es in den allermeisten Fällen relativ einfach und schnell möglich, den Fehler zu beheben und es ist natürlich immer gut, wenn man Dinge nicht direkt entsorgt. Das vermeidet Müll. Zum anderen setzt ein Reklamationsprozess eine relativ lange und aufwendige Kaskade in Gang, denn das reklamierte Produkt muss von einem Sachverständigen geprüft werden. Das ist in der Regel der Hersteller. Die Abwicklung läuft in der Regel über den Händler – in dem Fall also uns. 

Heißt konkret: Ihr schickt die Reklamation zu uns, wir weiter an den Hersteller, der prüft, repariert, schickt es zurück an uns und wir zurück zu euch. Das ganze Prozedere dauert einige Wochen. 

Und da ist so eine direkte Reparatur doch deutlich einfacher, oder? :) Ihr findet im Netz übrigens sehr, sehr viele Reparaturtipps. Schaut zB. mal bei iFixit vorbei.

Reklamationen ein zweites Leben einhauchen

Ein Blick ins Bergfreunde-Lager.

So, jetzt aber zu den guten Nachrichten: Wir schaffen es sehr zuverlässig, Produkte die nicht mehr in den Verkauf gehen, ein zweites Leben einzuhauchen und zwar so:

  • Spenden: So einfach, wie deutlich – denkt ihr vielleicht. Tatsächlich sind Produktspenden gerade an deutsche Organisationen gar nicht so einfach und es gibt ein paar rechtliche und formale Hürden im Prozess, die es im Vorfeld zu überwinden gibt. Daher arbeiten wir inzwischen mit einigen Hilfsprojekten fest zusammen. Wir wissen natürlich, dass der Bedarf auch darüber hinaus sehr hoch ist, würden euch allerdings an dieser Stelle bitten, von Spendengesuchen abzusehen, denn auch wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Produkten, die wir verteilen können – von den personellen Kapazitäten abgesehen.
  • Mitarbeiter-Flohmarkt: Wir Bergfreunde sind unsere besten Kunden. Und damit wir euch nicht dauernd den Shop leerkaufen, organisieren wir in regelmäßigen Abständen kleine Flohmärkte, bei denen retournierte Ware gegen eine kleine Spende mitgenommen werden darf. Die so zusammen gekommenen Spenden werden nochmal von uns verdoppelt und an fünf wohltätigen Vereine verteilt, die von den Kollegen vorgeschlagen wurden. 

Warum verkauft ihr reklamierte Ware nicht einfach günstiger im Shop?

Das wäre sicher eine weitere gute Möglichkeit, die Produkte einem zweiten Leben zuzuführen. Jetzt gerade ist es allerdings einfach kapazitiv nicht möglich. Wir müssten dafür natürlich zunächst einen ganz neuen Unternehmensbereich aufbauen, da wir z.B. keine eigene Reparaturabteilung haben. Da steckt ziemlich viel drin, was wir Stand heute noch nicht leisten können – aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

Wir hoffen, wir konnten euch einen kleinen und vor allem verständlichen Einblick geben. Falls ihr Fragen zum Thema habt, gerne ab damit in die Kommentare.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mathias sagte am 10. Juni 2021 um 23:40 Uhr

    Plant ihr einen Erste Hilfe Shop für Reparaturen? Oder zumindest einen für Reißverschlüsse von absoluten Lieblingsteilen a la Patagonia?

    Wäre wirklich guttt und gschmoo und Nachhaltig und vieles mehr :)

  2. Jörn sagte am 11. Juni 2021 um 08:52 Uhr

    Hi Mathias,

    im Moment ist da leider noch nichts fix geplant. Sowas aufzusetzen ist am Ende dann doch keine ganz kleine Aufgabe. Aber so weit mir der Flurfunk das zugetragen hat, wird über genau dieses Thema aktuell lauter nachgedacht. Mal sehen, was da noch kommt. Ich persönlich fände es auch cool!

    LG, Jörn

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