Reparatur von Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung

15. September 2020

Eine neue Hardshelljacke kostet gerne mal 400 Euro, und ein neues Paar Bergstiefel schlägt mit 200 Euro zu Buche. Wenn die teure Ausrüstung dann nicht mehr so funktioniert, wie sie soll, ist das sehr ärgerlich. Eine Regenjacke mit Riss im Obermaterial und abgelaufene Sohlen an den Wanderschuhen lassen selbst die beste Ausrüstung schnell unbrauchbar werden. Da fällt der nächste Wanderurlaub im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Aber was nun? Neu kaufen? Kann man solche Beschädigungen reparieren?

Warum es sich lohnt, beschädigte Outdoorprodukte zu reparieren

Die gute Nachricht ist: Die meisten Ausrüstungsgegenstände lassen sich wieder in Ordnung bringen! 

Reparieren statt Wegschmeissen – Das Patagonia Worn Wear Programm

Patagonia bietet Reparaturen an beschädigter Outdoorbekleidung an,

Die Textilbranche steht nach der Öl- und Gasindustrie an dritter Stelle in Sachen Umweltverschmutzung. Aber nicht nur die Herstellung von Produkten für den Outdoorsport wirkt sich umweltschädlich aus. Auch das weit verbreitete Wegwerfen und Neukaufen von Produkten schadet der Umwelt. Wer also dank Reparaturen und Upcycling seine Kleidung, Schuhe und Ausrüstungsgegenstände länger nutzt und sie nicht gleich wegwirft, verringert seinen ökologischen Fußabdruck bereits deutlich. Reparieren ist ein radikaler Akt, wie die Kollegen von Patagonia zu sagen pflegen. Es schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Im Garantie-Dschungel nicht den Überblick verlieren

Wenn man sich auf den Internetseiten der Hersteller informiert, welche Garantien dem Kunden nach dem Kauf zugesichert werden, kann es schnell unübersichtlich werden. Häufig sind Begriffe wie limitierte Garantie, Lebensdauer oder Lebensspanne zu finden. Mit „Lebensdauer“ ist allerdings nicht das eigene Leben des Kunden gemeint, sondern die erwartete Lebensdauer eines Produktes. Welchen Zeitraum der Hersteller als „realistische Lebensdauer“ eines Produktes definiert, kann sehr stark variieren. Hier gilt es, sich vor der Reklamation oder Reparaturanfrage beim jeweiligen Hersteller zu informieren. 

Nur sehr wenige Firmen statten ihre Outdoorbekleidung mit einer lebenslangen Garantie aus. Letztendlich liegt die Entscheidung beim Hersteller, ob der Riss in der teuren Funktionsjacke seiner Einschätzung nach durch normalen Verschleiß, unsachgemäße Benutzung oder einen Materialfehler entstanden ist. Selbst wenn die Marke laut eigenen Angaben nichts repariert oder die Garantie bereits abgelaufen ist – ein Versuch kann ja nicht schaden!

Eine ehrliche Schadensmeldung bei eigenem Verschulden wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf mehr Sympathie treffen, als dem Hersteller pauschal die Schuld für den Schaden zu geben. Ein guter Kundendienst und Kulanz gegenüber dem Kunden gehören für viele Outdoorhersteller inzwischen zum Tagesgeschäft dazu. Dass nur frisch gewaschene und saubere Ausrüstung eingeschickt werden sollte, versteht sich von selbst.

Welche Marken bieten eine Reparatur und besondere Garantien an?

Bitte beachte, dass sich diese Garantievorgaben der Hersteller jederzeit ändern können! Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Die Bergfreunde können keine Garantie dafür übernehmen, dass euer Produkt im Zweifelsfall reklamiert oder repariert werden kann.

Auch das Recycling verläuft bei Patagonia vorbildhaft.

Auch das Recycling verläuft bei Patagonia vorbildhaft.

  • Patagonia setzt mit der „Ironclad Garantie“ den Standard für Reparaturen in der Outdoorbranche. Wenn der Kunde mit einem Produkt nicht zufrieden ist, kann es repariert, umgetauscht oder der Kaufpreis zurückerstattet werden. Das Besondere dabei: Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Auch ältere Bekleidung wird weiterhin kostenfrei wieder in einen funktionalen Zustand versetzt.
    Beschädigungen durch Verschleiß oder unsachgemäße Benutzung können für kleines Geld in Ordnung gebracht werden. Wenn ein Ausrüstungsteil sein Lebensende erreicht hat und nicht mehr zu reparieren ist, kann es eingeschickt oder in einem Patagonia Store abgeben werden und wandert als Recyclingmaterial wieder zurück in den Produktionskreislauf des Herstellers.
  • Beim amerikanischen Rucksackhersteller Osprey steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Dank der „All Mighty Guarantee“ werden Rucksäcke, Trinksysteme und Zubehör über den gesamten Lebenszyklus der Produkte repariert, ausgetauscht oder mit neuen Ersatzteilen ausgestattet. Auch für ältere Rucksäcke können Teile wie Schnallen oder Kordelzüge über den Hersteller bezogen werden.
  • Die deutsche Firma Vaude ist seit jeher einer der Pioniere, was nachhaltige Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte sind von Haus aus mit einer Garantie von fünf Jahren ausgestattet. Auf der Selbsthilfe-Plattform iFixithat der Hersteller viele Anleitungen veröffentlicht, um seine Produkte zu Hause reparieren zu können. Wer sich die Reparatur nicht zutraut, kann die Ware zu Vaude einschicken. Auch für die meisten älteren Produkte können noch Ersatzteile wie Schnallen für Rücksäcke bezogen werden.
  • Outdoor Research stattet seine gesamte Produktpalette mit der „Infinite Guarantee“ aus. Das bedeutet, das alle Artikel über die gesamte Lebensdauer jederzeit repariert oder ausgetauscht werden können, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen.
  • Einen Wanderrucksack von Deuter hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal gesehen. Beim deutschen Traditionshersteller stehen Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Es heißt: „Wir möchten den Menschen ein lebenslanger Begleiter sein. Deshalb geben wir dir für unsere Produkte das Deuter Versprechen. Das bedeutet, dass wir dir einen weltweiten, lebenslangen Reparaturservice für deine Lieblingsstücke von Deuter anbieten.“ Auch ältere Rucksäcke können in der eigenen Werkstatt von erfahrenen Nähern repariert werden.
  • Der kanadische Bergsportausrüster Arcteryx ersetzt oder repariert Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung über die komplette Lebensdauer der Produkte kostenfrei. Beschädigungen durch Unachtsamkeit und normalen Verschleiß können in der firmeninternen Werkstatt für einen angemessenen Preis wieder in einen funktionalen Zustand versetzt werden.
  • Auch die Norweger von Norrøna sind besonders nachhaltig unterwegs, was Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte des skandinavischen Herstellers werden mit einer Garantie von fünf Jahren ausgeliefert. Als „Loyalty Member“ erhöht sich die Garantie sogar auf sieben Jahre. Für Reparaturen außerhalb dieser Zeit kann man in einer Preisliste auf der Homepage einsehen, was die Reparatur einzelner Defekte jeweils kosten würde.

    Der Black Diamond Momentum im Test

    Material- und Herstellungsfehler werden kostenlos repariert.

  • Black Diamond schreibt auf der Homepage: „Wir vertrauen auf die Produkte, die wir herstellen, weil wir diese auch selbst nutzen“. Material- und Herstellungsfehler werden über die gesamte Produktlebensdauer kostenlos repariert bzw. ersetzt. Alle anderen Produkte können eingeschickt und repariert werden, allerdings nicht kostenfrei.
  • Der Spezialist für Trinkflaschen und Trinksysteme CamelBak hat sich seinen Ruf durch die Entwicklung von Produkten aufgebaut, die die Erwartungen der Verbraucher an Qualität und Haltbarkeit übertreffen sollen. So schreibt es der Hersteller auf der eigenen Website. Die Lifetime-Garantie deckt alle Behälter, Trinksysteme, Rucksäcke, Trinkflaschen und Zubehörteile ab, die durch Herstellungs- und Verarbeitungsfehler während der gesamten Lebensdauer des Produkts auftreten. Bei der „Got your Bak“ Garantie werden Produkte bevorzugt repariert und bei Bedarf ausgetauscht.
  • Auch beim italienischen Bergsportspezialisten Salewa kann Ausrüstung repariert werden. Die Firma schreibt hierzu im Internet: „Wir möchten die Lebensdauer jedes SALEWA® Produkts solange wie nur möglich verlängern und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards bei der Ausübung der Bergsportaktivitäten gewährleisten. Aus diesem Grund betreiben wir eine eigene Pflege- und Reparatur-Werkstatt im SALEWA® Headquarter in Bozen, in der ausgebildete Spezialisten die defekten oder pflegebedürftigen Produkte wieder auf Vordermann bringen. Die Produkte können direkt über den SALEWA® Kundendienst eingereicht werden.“
  • Hardshell– und Regenjacken von Gore-Tex sind durch das „Guaranteed to keep you dry“ Versprechen abgedeckt. Wer mit der Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität nicht zufrieden ist, kann die Jacke reparieren lassen, eine neue bekommen oder den Kaufpreis zurückerstattet bekommen. Allerdings liegt die Entscheidung, ob das Produkt repariert, ersetzt, der Kaufpreis zurückerstattet oder die Reklamation abgelehnt wird, im Ermessen des Herstellers. Zudem werden die Produkte bei einer Reklamation einer Prüfung unterzogen, bei der unter anderem die Nutzungsdauer berücksichtigt wird. Diverse Beschädigungen an der Ausrüstung können zu einem fairen Preis repariert werden.
  • Die aufblasbaren Matten von Therm-a-Rest sind besonders auf Trekkingtouren sehr beliebt. Materialdefekte und Herstellungsfehler werden über die Lebensspanne des Produktes kostenfrei repariert. Ältere Matratzen können gegen eine Gebühr direkt beim Hersteller wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt werden.

    Auch bei Mammut werden viele defekte Outdoorprodukte repariert.

  • Mammut repariert nach eigenen Angaben pro Jahr 6000 Produkte in der Schweiz, während in Deutschland sogar 9000 Produkte in einer hauseigenen Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht werden. Mehrere Mitarbeiter bringen defekte Outdoor-Bekleidung wieder in Ordnung und bewahren diese vor der Mülltonne.
  • Auch bei der kalifornischen Firma Marmot werden Material- und Verarbeitungsmängel über die gesamte realistische Lebensdauer der Ausrüstung repariert oder bei Bedarf ersetzt. Die Entscheidung liegt allerdings im Ermessen des Herstellers.
  • Die besonders leichten Zelte von Big Agnes werden bei Material- und Herstellungsfehlern lebenslang repariert. Beschädigungen, die durch unsachgemäße Benutzung oder Abnutzung entstanden sind, können für kleines Geld wieder in Ordnung gebracht werden.

Und was ist mit den Schuhen?

Auch die meisten Schuhhersteller im Outdoorbereich bieten Möglichkeiten an, um die Berg-, Wander- und Kletterschuhe viele Jahre nutzen zu können. Trailrunning– und Approachschuhe lassen sich leider im Normalfall nicht mit neuen Sohlen versehen. Folgende Hersteller bieten die Möglichkeit an, gekaufte Modelle reparieren zu lassen:

  • Beim traditionsreichen Hersteller La Sportiva aus Italien können Kletter-, Berg- und Skischuhe neu besohlt werden.

    Zu Besuch bei Lowa

    Hier wird alten Schuhen neues Leben eingehaucht

  • Auch bei Lowa steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Eine Neubesohlung ist bei allen Schuhen der klebegezwickten Bauweise (Schuhe aus der Mountaineering und Trekking Serie) möglich. Für Modelle mit Gore-Tex Membran kann allerdings keine Gewährleistung auf Dichtigkeit gegeben werden.
  • Auch Bergschuhe von Hanwag können mit neuen Sohlen ausgestattet werden. Neben klebegezwickten Modellen können auch zwiegenähte Bergschuhe wieder auf Vordermann gebracht werden.
  • Bei Meindl sind alle Wander-, Trekking- und Bergschuhe wiederbesohlbar. Dies kann entweder beim lokalen Schuhmacher erledigt werden, oder die Schuhe müssen zurück zum Hersteller eingeschickt werden.
  • Scarpa bietet für alle Modelle, die mit dem „Resole“ Logo ausgestattet sind, einen Austauschservice der Sohlen an. Die Berg-, Kletter-, Lifestyle- und Trekkingschuhe können entweder direkt in die Werkstatt geschickt oder von einem Schuhmacher vor Ort neu besohlt werden.
  • Die besonders robusten Wanderschuhe von Lundhags können nicht nur mit neuen Sohlen versehen werden, auch Reparaturen am Rest der Stiefel sind kein Problem. Ein Schuhmacher in Schweden verhilft jedem Paar wieder zu neuem Glanz und tauscht beschädigte Teile bei Bedarf aus.

Do it yourself – Hilfe zur Selbsthilfe

Teile, die leicht verschleißen, wie Kordeln oder Druckknöpfe haben die meisten Firmen auf Lager. Da manche Hersteller leider keine Reparaturen anbieten, muss man sich als Kunde im Zweifelsfall selbst um die Reparatur kümmern. Bei einem abgerissenen Knopf oder einem losen Kordelzug ist es auch deutlich wirtschaftlicher, selbst Hand anzulegen, als das defekte Teil zum Hersteller zu schicken. Brands wie Vaude, Patagonia oder Fjällräven stellen auf der hauseigenen Homepage Anleitungen zur Reparatur der Produkte zur Verfügung.

Patagonia tourt im Rahmen der „Worn Wear“ Kampagne seit mehreren Jahren durch die Lande (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage) und repariert beschädigte Bekleidung der Verbraucher kostenfrei vor Ort. So soll ein größeres Bewusstsein für die nachhaltige Nutzung von funktionaler Kleidung geschaffen werden. Wenn die Outdoor-Bekleidung einmal ersetzt werden muss, empfiehlt Patagonia den Verbrauchern, in ein besonders haltbares Produkt zu investieren.

Kleine Risse in wasserdichten Jacken und Hosen können mit selbstklebenden Reparatur-Patches auch unterwegs schnell und einfach überklebt werden. Langfristig empfiehlt sich aber eine professionelle Reparatur, um gegen das Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen.

Wer sich die Reparatur selbst nicht zutraut, ist bei den Profis vom Outdoor Service Team gut aufgehoben. Auch bekannte Firmen wie Bergans lassen ihre Produkte bei dieser Werkstatt in Berlin reparieren. Die ausgebildeten Fachleute vor Ort bieten preiswerte und professionelle Reparaturmöglichkeiten an, um die Funktionalität wiederherzustellen. 

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