Basislager-beitrag-calc-your-climb

Calc your Climb – Praktische Helfer für Kletterer

30. Juli 2016

Was haben ein Kaiserpinguin, der Schwimmer Michael Phelps, ein Trabbi sowie 4,9 Japanerinnen und 3,5 US-Amerikanerinnen gemeinsam? Na, wer errät es? Keiner? Wirklich nicht? Ist doch ganz einfach, sie kommen alle bei unseren Kalkulatoren vor.

Aber worum geht es denn dabei genau? Beim Klettern fällt theoretisch immer wieder so einiges an Rechnerei an. Wer kann zum Beispiel so aus dem Bauch heraus sagen, welche Stoßkraft bei einem Vorstiegssturz mit 4 m Fallhöhe wirkt? Oder was war nochmal eine französische 6b+ in UIAA? Und wo stehe ich überhaupt im Affenindex?

Wir haben aus diesem Grund einige Online Rechentools entwickelt, die bei Bedarf einfach und schnell den gewünschten Wert ausspucken. Das Praktische dabei ist, dass man dazu absolut kein Rechenkünstler oder Zahlenfetischist sein muss. Es genügt jeweils ein bis zwei Werte einzugeben und schon erhält man per Knopfdruck das richtige Ergebnis. Manche Kalkulatoren können so im Kletteralltag wirklich hilfreich sein, andere fallen eher in die Kategorie „spielerische Rechnerei“.

Den Startschuss der Bergfreunde Online-Rechner machen die Kalkulatoren für Kletterer und Boulderer, die wir euch im Folgenden kurz vorstellen möchten. Zahlreiche Kalkulatoren für andere Outdoor-Sportarten folgen in den kommenden Monaten.

>> Alle veröffentlichten Outdoor Kalkulatoren im Überblick

Kletterskalen umrechnen

Schwierigkeitsgrade Klettern umrechnen

Schwierigkeitsgrade Klettern umrechnen

Ein altbekanntes und auch ein leidiges Problem ist es, dass verschiedene Regionen und Kletterhotspots in Europa und der Welt sehr verschiedene Schwierigkeitsskalen zur Bewertung der Routen heranziehen. Dabei fließen mitunter auch unterschiedliche Kriterien in die jeweilige Skala mit ein. So bewerten manche Systeme nur die absolute Kletterschwierigkeit, andere lassen auch Faktoren wie Absicherung und Felsbeschaffenheit einfließen. Darüber hinaus gibt es in unterschiedlichen Disziplinen unterschiedliche Bewertungssysteme. So werden beispielsweise Sportkletterrouten völlig anders bewertet als Eiskletterrouten. Dies alles macht eine Umrechnung zwischen den verschiedenen Skalen nicht nur verwirrend und umständlich, sondern irgendwie auch schier unmöglich. Was soll das Ganze also?

Zunächst einmal muss man alles ein wenig entzerren. Unterscheidet man verschiedene Disziplinen wie Sportklettern, Bouldern, technische Kletterei und Eisklettern, wird die Sache schon ein wenig klarer. Denn gerade Faktoren wie der sichere Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten etc. kann sich auf die einzelnen Disziplinen völlig unterschiedlich auswirken oder wird beispielsweise beim Bouldern völlig entfallen.

Der Vergleich zwischen unterschiedlichen Gebietsskalen wie beispielsweise der sächsischen und französischen Skala im Sportklettern ist da schon wesentlich einfacher. Und genau hier entfaltet der Umrechner seine ganze Stärke. Abhängig von der Disziplin kann so, mit nur wenigen Angaben, von dem einen in das andere Bewertungssystem umgerechnet werden. So ist es möglich die unterschiedlichen Bewertungssysteme miteinander zu vergleichen und ggf. vor einer Tour zu prüfen, ob diese auch im persönlichen Leistungsrahmen liegt.

>> Zum Umrechner für Schwierigkeitsgrade

Affenindex

Berechne Deinen Affenindex

Berechne Deinen Affenindex

Wie viel Affe steckt eigentlich in dir? Kein Problem, das kann mit dem Affenindex-Kalkulator einfach und schnell ermittelt werden. Dieses zugegeben nicht ganz ernst gemeinte Tool ermittelt aus der Körpergröße und der Spannweite der Arme einen Wert, der das Proportionsverhältnis angibt. Ein Mensch, der also 1,80 m groß ist und ebenso lange Arme hat, käme somit auf einen Wert von 1. Je höher der Wert ist, desto länger sind die Arme im Verhältnis zu der Körpergröße. Der menschliche Körper ist in seinen Proportionen normalerweise annäherndsymmetrisch. Die Armspannweite liegt in der Regel minimal über der Körpergröße. Bei Affen sind die Größenverhältnisse jedoch anders gelagert, sodass die Spannweite der Arme bei einem Orang-Utan die Körpergröße deutlich überschreitet.

Was aber soll die Rechnerei? Eine wissenschaftlich nicht eindeutig belegte Theorie besagt, dass eine größere Spannweite auch ein Vorteil beim Klettern ist. Wer also beim Affenindex einen hohen Wert erzielt, wird in Zukunft beim Klettern und Bouldern keine Ausrede mehr haben, wenn es in einer Tour mal nicht recht klappen will. Gleichzeitig sollte man diesen Wert jedoch nicht zu ernst nehmen, da Faktoren wie Technik, Kraft und Beweglichkeit einen deutlich größeren Einfluss auf das jeweilige Kletterkönnen haben.

>> Zum Affenindex Rechner

Aufprall eines stürzenden Kletterers

Aufprallkraft eines stürzenden Kletterers

Aufprallkraft eines stürzenden Kletterers

Ach ja, um nochmals auf das Thema Affen zu kommen: Neulich fragte ich vor dem Einstieg in eine Tour meinen Kletterpartner, ob er ein ausgewachsenes Gorillamännchen anheben könne. Da er weder Zoologe noch Tierarzt ist, schaute er mich wie erwartet ein wenig verdutzt an und wollte eine Erklärung.

Die kann ich liefern. Stürzt ein Kletterer auf den ersten Metern einer Tour noch ungesichert, so wird es auf jeden Fall zu Bodenkontakt kommen. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Bouldern. Dabei wirken je nach Gewicht des Kletterers und Höhe des Sturzes nicht unerhebliche Kräfte. Stürze ich mit meinen 68 kg Gewicht also aus einer Höhe von 3 Metern, entspricht die Aufprallkraft in etwa dem Anheben von 210 kg oder eben einem Gorillamännchen. Bei meinem Kletterpartner mit ca. 80 kg Körpergewicht kämen auf diese Art schon rund 240 kg zusammen.

Könnte mich also mein Kletterpartner spottender Weise vor einem Sturz auf den Boden bewahren? Die Antwort muss hier klipp und klar „nein“ lauten. Ein Gewicht von 210 kg, einem Gorilla oder meinetwegen auch rund zehn Kisten Bier kann keiner halten. Darum geht es ja aber beim Spotten auch nicht. Vielmehr soll der Stürzende vor dem Aufprall auf dem Rücken oder dem Verfehlen des Crashpads bewahrt werden. Es ist also mehr ein Lenken, Schubsen oder Stabilisieren, was der Spotter an Hilfestellung leistet. Dennoch ist dies ab einer gewissen Fallhöhe ebenfalls nicht ganz ungefährlich und so sollte man wissen, was man tut und welche Kräfte wirken. Hierüber gibt unser Kalkulator zum Thema Aufprall eines stürzenden Kletterers auf anschauliche Weise Aufschluss.

>> Zum Rechner zur Veranschaulichung der Aufprallkraft beim Sturz

Sturzfaktor und Fangstoß

Sturzfaktor & Fangstoßkraft berechnen

Sturzfaktor & Fangstoßkraft berechnen

Ungesicherte Stürze schön und gut, aber welche Kräfte wirken eigentlich bei einem Sturz ins Seil und wie hart ist der jeweilige Sturz? Betrachtet man einmal die eigene Kletterausrüstung näher, so finden sich überall Label und Aufdrucke, die angeben, welche Kräfte der Karabiner, die Schlinge oder das Seil aushalten kann. Diese Werte sind so dimensioniert, dass ein Ausrüstungsgegenstand bei sachgerechter Verwendung selbst bei einem harten und langen Sturz nicht versagen kann. Warum sollte man sich aber trotzdem für dieses Thema interessieren? Ganz einfach, die Tatsache, dass ein Seil nicht reißt oder ein Karabiner nicht bricht, garantiert noch nicht, dass man unversehrt davon kommt. Gerade bei weiten Stürzen in ein vergleichsweise kurzes Seil, wirken erhebliche Kräfte, die der menschliche Körper nur schlecht wegstecken kann. Je nach Sturzgelände besteht zusätzlich die Gefahr, dass der Stürzende gegen die Felswand prallt und sich Schürfwunden, Prellungen und Knochenbrüche zuzieht.

Daher ist es nicht nur gut zu wissen, was die Zahlen auf Kletterseil und Co. bedeuten, sondern auch, wie diese Kräfte zustande kommen. Hierzu unterscheidet man den Fangstoß und den Sturzfaktor. Was aber ist der Unterschied zwischen beiden Werten und welchen Schluss kann man daraus ziehen?

Allen, die den Mathematik- und Physikunterricht aus Schulzeiten noch mit Grauen in Erinnerung haben, sei versichert, wir machen das hier kurz, schmerzlos und verständlich. Der Sturzfaktor bezieht sich auf die Härte des Sturzes und beschreibt das Verhältnis von ausgegebenem Seil und der Sturzhöhe. Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung: Stürzt man zwei Meter, so ist ein Sturz in bei zwei Metern ausgegebenem Seil unangenehmer als bei vier Metern ausgegebenes Seil.

Die bei einem Sturz entstehende Energie steigt mit der Weite des Sturzes und muss zunächst vom Seil, aber auch vom Sichernden und dem gesamten involvierten Material aufgenommen werden. Auch bewirkt die freigesetzte Energie je nach Gelände, dass man hart gegen die Felswand prallt. Diese Energie bzw. der Fangstoß, der im theoretischen Fall zu erwarten ist, kann ebenso wie der Sturzfaktor mit unserem Kalkulator errechnet werden. Somit lassen sich auch die Werte und Zahlen auf Seilen und Karabinern schlussendlich besser interpretieren.

>> Zum Sturzfaktor und Fangstoß Rechner

Fazit

Wer rechnet, lernt die unterschiedlichsten Faktoren, Zahlen und Werte zielgerichtet zu interpretieren. Da nicht jeder ein Mathegenie sein kann (oder will), haben wir für euch Kalkulatoren entwickelt, die die jeweilige Rechnerei deutlich erleichtern. Außerdem gibt es zu jedem Tool ausführliche Hintergrundinformationen und Hilfen zur Interpretation der Ergebnisse. Also: Nicht lange warten, sondern ausprobieren!

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar