Ausrüstung

Zelte imprägnieren und reinigen – eine Pflegeanleitung

11. November 2015

Pflegeanleitung Zelt imprägnieren Regen auf dem Zelt

Dank imprägniertem Zelt dem Regen getrotzt

Der Tag war lang und anstrengend. Ständig Regen und Matsch. Jetzt nur noch ab ins Zelt und hoffen, dass es morgen nicht mehr wie aus Kübeln schüttet. Doch kaum sind die Augen geschlossen, beginnt das störende Nass erneut zu nerven. Jetzt gehen die Gedanken nur noch an den kommenden Morgen. Hoffentlich lässt sich das Zelt gut einpacken. So oder zumindest so ähnlich hat es sich wahrscheinlich schon des Öfteren abgespielt. Damit Euch sowas nicht passiert und Ihr die wohlverdiente Nachtruhe nicht an den Gedanken zum nächsten Tag scheitern, ist imprägnieren angesagt! Aber wie geht das? Wann muss nachimprägniert werden? Kann ich das überhaupt selbst oder muss man das Zelt vom Profi imprägnieren lassen? Alles Fragen, die ich in einem kleinen Einblick in die Welt der Zeltimprägnierung beantworten möchte.

Wann imprägnieren und warum überhaupt?

Pflegeanleitung Zelt imprägnieren Sachen trocknen

Das Trocknen des Zeltinneren sollte nicht die Hauptbeschäftigung im Urlaub sein

Nichts hält ewig, schon gar nicht die Zeltimprägnierung. Sonneneinstrahlung, Witterung, starker Regen, Abrieb oder Gevatter Zeit – alles Faktoren, die eine Imprägnierung unbrauchbar machen können. Wenn das Wasser nicht mehr ordentlich abperlt, ist nachimprägnieren angesagt. Gerade vor einer längeren Tour ist es wichtig, dass Ihr die Imprägnierung Eures Zelts kontrolliert. Die einfachste Methode ist der gute alte Gartenschlauch. Rollte das Wasser von der Wasseroberfläche runter  ist alles gut. Saugt sich jedoch der Oberstoff mit Wasser voll muss nachimprägniert werden. Generell ist zu empfehlen, dass Ihr alle paar Jahre die Imprägnierung erneuert. Nur so könnt Ihr sichergehen, dass Euch beim Campen oder Trekking keine feuchte Überraschung erwartet.

Gut imprägniert ist nicht gleich wasserdicht

Noch etwas generelles vorweg. Die Imprägnierung von Zelten hat nur wenig mit ihrer Wasserdichtigkeit zu tun. Ob ein Zelt wasserdicht ist, hängt von der Beschichtung ab und davon ob die Nähte wasserdicht gemacht wurden.

Dringt Wasser ins Zelt liegt das also nicht an der mangelhaften Imprägnierung, sondern daran, dass entweder die Beschichtung hin ist, die Versiegelung einer Naht schadhaft geworden ist oder schlicht und ergreifend ein Loch im Zelt ist. Aber das ist dann ein anderer Artikel.

Die Imprägnierung dient dazu, den Oberstoff daran zu hindern, sich mit Wasser voll zu saugen. Spätestens am nächsten Tag, wenn man das Zelt wieder einpackt, macht das einen sehr großen Unterschied ob man ein klatschnasses und vor allem schweres Zelt einpackt oder es nach einem beherzten Schütteler fast trocken ist.

Zurück zu Imprägnierung

Und welche Arten der Imprägnierung gibt es? Jede Menge! Aber keine Angst, im Großen und Ganzen lassen sich diese in drei Überkategorien einteilen. Zum einen wären hier die Flüssigimprägnierer. Die gibt’s als Emulsion zum Verdünnen in Wasser oder als fertige Lösung zum Auftragen. Zum anderen gibt es das altbewährte Imprägnierspray. Nur als spezielle Variante für Zeltstoffe. Im Notfall lässt sich auch Schuhspray verwenden, das ist aber keine komplett verlässliche Alternative. Last but not least gibt es Hausmittel, die versprechen Euer Zelt vor Regen und Tauwasser zu schützen. Ach ja: von Wash-In Lösungen, einer Imprägnierung in der Waschmaschine solltet ihr absehen. Ein Zelt gehört nicht in die Maschine!

Welche Imprägnierung für welches Gewebe und die Wirksamkeit der Hausmittel

Eines vorneweg: Egal mit welchem Mittel Ihr arbeitet, hundertprozentig imprägniert bekommt Ihr das Zelt leider nie. Bei mächtigen Regengüssen, wenn das Wasser förmlich auf dem Zelt steht, wird es kritisch. Aber: eine Imprägnierung ist in jedem Fall wichtig! Sie sorgt dafür, dass das Wasser vom Zeltstoff abperlen kann. Und solange der Regen nicht gerade sintflutartig auf das Zelt niederprasselt, sollte es passen.

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Bleibt noch zu klären, welches Mittel für welchen Zeltstoff in Frage kommt. Kunstfaserstoffe (in den meisten Fällen Polyestergewebe) sind in aller Regel vorimprägniert. Doch auch hier hält die Imprägnierung nicht bis ans Ende aller Tage. Hier sorgt Ihr am besten mit Imprägniersprays für neuen Nässeschutz. Bei Baumwoll-Kunstfaser Mischgewebe oder reiner Baumwollzelte solltet Ihr am besten auf ein Imprägniermittel auf Wasserbasis zurückgreifen. Zeltstoffe aus Baumwolle oder mit Baumwollanteil zeichnen sich durch ihre Atmungsaktivität aus und mit einer falschen Imprägnierung geht diese flöten. Ganz unabhängig davon, aus welchem Stoff Euer Zelt besteht, solltet Ihr wie immer auf die entsprechenden Herstellerangaben achten. Sowohl vom Zelt als auch vom gewählten Imprägniermittel.

Jetzt zu den bekannten Hausmittelchen. Das bekannteste, und meiner Meinung nach das empfehlenswerteste, ist die essigsaure Tonerde. Dieses Mittel verwenden Fischer seit jeher, um ihre Segeltücher zu imprägnieren. Und was auf hoher See hilft, kann auch beim Zelten nicht schlecht sein. Die essigsaure Tonerde ist eine komplett natürliche Art der Imprägnierung. Allerdings wirkt diese nur bei Baumwollgeweben und Geweben mit Baumwollanteil richtig gut. Für Synthetik Gewebe ist sie nur bedingt geeignet. Außerdem müsst Ihr den Zeltstoff für eine Weile in einer Lösung aus der essigsauren Tonerde tränken. Ist das alles kein Problem für Euch, könnt Ihr die essigsaure Tonerde ruhig ausprobieren. Andere Hausmittel sind weitaus weniger geeignet. Von Kerzenwachs zur Nahtversiegelung, Melkfett oder Schuhcreme solltet Ihr die Finger lassen. Die sind allesamt nicht zum Imprägnieren moderner (und meistens sauteurer) Zelte geeignet.

Wie man ein Zelt richtig imprägniert

Nun zur Praxis. Keine Angst, das ist kein Hexenwerk. Das könnt Ihr alles problemlos selber erledigen und kein Fachmann ist erforderlich. Zuerst muss das Zelt sauber sein. Das geht am besten, wenn das Zelt im Garten aufgebaut ist. Dann mit Wasser und einem Schwamm loslegen. Bei starken Verschmutzungen greift Ihr am besten zu einem natürlichen Reiniger auf Seifenbasis. Die chemische Keule bleibt allerdings im Schrank, zum einen schadet das dem Gewebe, zum anderen haben solche „Hämmer“ nichts in der Natur verloren. Ist das Zelt so schön sauber wie am ersten Tag oder zumindest fast so sauber, kann nach Herzenslust los imprägniert werden. Wie immer gilt: Gebrauchsanweisung vorher lesen! Einige Mittel müssen in den feuchten Zeltstoff eingearbeitet werden, andere wiederum in den trockenen und so weiter. Hab Ihr Euch mit der Anleitung des jeweiligen Mittels vertraut gemacht, geht’s los.

Spray

Fangen wir mit dem Spray an. Das geht einfach und unkompliziert vonstatten. Zuerst müsst Ihr das Zelt komplett verschließen. Dann könnt Ihr beginnen, das Spray schön gleichmäßig auf das saubere Zelt zu sprühen. Anschließend mehrere Stunden trocknen lassen. Wer sicher gehen will, kann das Prozedere noch einmal wiederholen. Zu beachten ist für die „Sprayer“, dass es unbedingt an der frischen Luft geschehen sollte und das Spray keinesfalls eingeatmet werden darf.

Flüssig

Nun zur Flüssigimprägnierung. Habt Ihr die angegebene Menge des Mittelchens mit Wasser verdünnt, gibt es zwei Möglichkeiten. Viele Mittel werden direkt auf das gereinigte Zelt aufgetragen. Einfach mit Schwamm oder Bürste sorgfältig verarbeiten, trocknen lassen und gegebenenfalls wiederholen. Andere Mittel, wie beispielsweise die erwähnte essigsaure Tonerde, benötigen eine Volltauchung in der Lösung. Das geht am besten in der Badewanne oder einer Plastikwanne im Garten. Abschließend muss das Zelt großflächig zum Trocknen aufgehangen werden. Fertig!

Pflegeanleitung Zelt imprägnieren Zelt von innen

Die klassische Schwachstelle von Zelte sind die Nähte

Schwachstelle aller Zelte: die Nähte

Die Imprägnierung kann man leicht erneuern doch wenn das Zelt undicht ist wird es kompliziert. Häufig lohnt sich dann die Anschaffung eines neuen. Die gute Nachricht, normalerweise halten die Beschichtungen von Zelten viele viele Jahre. Etwas anders schaut es mit den Nähten aus. Sie werden schneller undicht, lassen sich aber relativ einfach wieder versiegeln.

Wenn die Nahstellen undicht sind, findet die Feuchtigkeit ihren Weg ins Zelt. Ist die der Fall und die Nähte sind im Laufe der Zeit wasserdurchlässig geworden, helft Ihr  mit flüssigem Nahtversiegler nach. Je nach Zeltstoff gibt es hier unterschiedliche Mittel. Was für Euer Zelt passt, findet Ihr in der Regel in der Produktbeschreibung.

Die flüssigen Nahtversiegler tragt Ihr von außen mit einem feinen Pinsel auf die undichten Nähte auf. Anschließend trocknen lassen und die Nähte sind wieder dicht. Bei vielen Zelten findet sich übrigens ein Nahtversiegler im Lieferumfang.

Ist das Zelt sauber und imprägniert, die Beschichtung noch intakt und habt Ihr Euch um die Nahtstellen gekümmert, steht dem Zeltvergnügen nichts mehr im Wege. Klar, das Nachimprägnieren kann eine Menge Arbeit bedeuten. Aber spätestens wenn sich bei schmuddeligen Wetter ein nasses Zelt einpacken musstet, wünscht Ihr Euch, Ihr hättet Euch diese Zeit genommen. Versprochen!

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Ronald ist hier unser Fachmann in Sachen Zelte und allem, was dazu gehört. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

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