Pflege Kontrolle Kletterseil. Foto: Edelrid

Pflege und Kontrolle von Kletterseilen

17. November 2015

Seil kurz vorm Durchriss Tendon

So weit sollte man es lieber nicht kommen lassen

Ein Kletterseil ist ein Gebrauchsgegenstand. Dass es irgendwann kaputt geht, ist unausweichlich. Aber man kann auch einiges dafür tun, die Lebensdauer eines Seiles wesentlich zu verlängern, indem man nur ein paar einfache Tipps befolgt.

In diesem Artikel erklären wir Euch, was Ihr tun könnt, um Euer Seil zu schonen, es richtig zu pflegen und richtig zu lagern, damit Ihr möglichst lange Spaß damit habt. Und wir erklären Euch, wann ein Seil ausgedient hat und woran Ihr das erkennt.

 

 

Wie kann ich mein Seil schonen?

Durch ihre Webart neigen Kletterseile zum Krangeln. Bei manchen setzt es wie eine Alterserscheinung zwangsläufig irgendwann ein, bei anderen gar nicht. Allen Seilen gemein ist, dass man sie zum Krangeln bringen kann z.B. indem man es in Kreisen aufnimmt (wie ein Kabel) oder nach dem Kauf falsch abwickelt. Um das Krangeln zu vermeiden, bzw. hinauszuzögern sollte es regelmäßig mehrmals durch einen Umlenker durchgezogen werden. So bekommt das Seil die Gelegenheit sich auszuhängen. Also wenn der Vorsteiger wieder auf dem Boden ist, an dessen Ende ziehen und nicht an dem des Sichernden. Dauert etwas länger, tut dem Seil aber sehr gut.

Kletterseil Pflegen

Dieses Seil hat schon bessere Zeiten gesehen

Das Ablassen ist auch eine große Belastung – langsames, gleichmäßiges Ablassen ist generell schonender, als schnell und ruckartig. Gleiches gilt fürs Topropen. Wenn man gerne viel im Toprope klettert, empfiehlt sich der Kauf eines Seils mit einem hohen Mantelanteil.

Vor allem häufige Stürze und Projektieren von Routen belastet die ersten 2-4 Meter eines Seils extrem. Daher ist es sinnvoll, die Enden immer wieder abzuwechseln, damit beide Seiten gleichermaßen belastet und abgenützt werden.

Das Seil sollte nie unnötig über längere Zeit der Sonne ausgesetzt sein, dadurch wird das Material schnell spröde.

Eigentlich mit das Schlimmste für ein Seil sind scharfe Kanten. Daher sollte man tunlichst vermeiden, das Seil über solche laufen zu lassen oder gar so zu stürzen, dass die Hauptbelastung für das Seil auf einer Kante liegt.

Was außerdem die Lebensdauer eines Seils beeinflusst, ist der Grad der Verschmutzung. Deshalb sollte man darauf achten, sein Seil möglichst sauber zu halten. Das gelingt zunächst am besten mit einem Seilsack – den gibt es inzwischen in verschiedensten Ausführungen: für die Halle, leicht, robust, bequemes Tragesystem für lange Zustiege, mit viel Platz etc.

  • Scharfe Kanten tunlichst vermeiden
  • Gleichmäßig ablassen
  • Enden regelmäßig abwechseln
  • Seil regelmäßig durchziehen
  • Seil möglichst sauber halten
  • Seilsack verwenden
  • Nicht in der Sonne oder in feuchtem Zustand lagern

Ein Seil richtig waschen

Aber selbst bei höchster Vorsicht wird ein Seil beim Einsatz am Fels irgendwann schmutzig und starr. Um es wieder schön strahlend werden zu lassen, heißt es: Waschtag! Dazu am besten einfach lauwarmes Wasser in die Badewanne einlaufen lassen und das Seil in großen Schlaufen hineinlegen. Mit Synthetik-Waschmittel und weicher Bürste alles vorsichtig abschrubben und danach an einem kühlen, dunklen Ort trocknen – und zwar keinesfalls hängend, sondern liegend.

Durch den Waschvorgang können Beschichtungen (Imprägnierung) und Gleitsubstanzen im Seil ausgewaschen werden. Dadurch kann das Seil nach dem Waschen starrer sein und weniger wasserabweisend. Wenn Du dies verhindern möchtest, kannst Du auch einzelne Stellen mit einer Bürste und lauwarmem Wasser bearbeiten anstatt das ganze Seil zu waschen.

Wer sich die Handarbeit sparen möchte, kann sein Seil auch in einem alten Kopfkissenbezug in die normale Waschmaschine stecken. Das alles bei 30° und mit einem schonenden Programm (Wolle). Aber Vorsicht! Keinesfalls schleudern oder in den Trockner stecken!

  • Lauwarmes Wasser, Synthetik-Waschmittel, evtl. mit spezieller Bürste
  • Maximal 30° Wassertemperatur, Wollprogramm
  • Keinesfalls schleudern
  • Nicht in den Trockner!
  • Nicht hängend trocknen, sondern liegend
  • An einem kühlen, dunklen Ort trocknen
  • Warten, bis Seil wirklich komplett trocken ist

Ein Seil richtig lagern

Ähnlich wie schon beim Trocknen nach dem Waschen sollte das Seil grundsätzlich an einem kühlen, dunklen und trockenen Ort gelagert werden – am besten liegend, nicht hängend. Wenn dazu nicht genügend Platz ist, zieht man am besten breite Schlingen oder eine Reepschnur durch die gesamte Seilpuppe und hängt sie daran auf. Auf keinen Fall nur an einer Schlinge der Seilpuppe aufhängen! Dadurch wird das Seil nur an dieser einen Stelle belastet und wird dort brüchig.

Speziell bei der Lagerung im Keller ist wichtig, dass das Seil keinesfalls in der Nähe von Chemikalien (Benzin) oder Säure (Autobatterie) gelagert wird. Also weder direkt auf einer Batterie, noch direkt darüber. Ähnlich verhält es sich bei UV-Strahlung – diese macht das Material porös und beeinträchtigt die Lebensdauer.

  • An einem kühlen, trockenen, dunklen Ort lagern
  • Liegend, nicht hängend
  • Wenn aufhängen, dann gesamte Seilpuppe an Reepschnur oder Schlinge, nicht an einer Seilschlaufe
  • Weit weg von Säure, UV-Strahlung oder scharfen Kanten!
Neues Kletterseil mit intakten Mantel

Mantel noch ok?

Die richtige Kontrolle

Ein Seil sollte regelmäßig einer ausgiebigen Kontrolle unterzogen werden. Die Abstände der Kontrollen richten sich nach dem Belastungsgrad eines Seiles. Wurde es zuletzt viel verwendet, wurde es besonderen Belastungen ausgesetzt, wie hohen Stürzen oder einem Seilverlauf über Kanten oder Risse? Dann solltest Du Dir Dein Seil auf jeden Fall genau ansehen.

Dazu zieht man Meter für Meter durch die Finger und achtet dabei sowohl haptisch als auch visuell auf Verdickungen, dünne Stellen oder Beschädigungen im Mantel. Wenn der Mantel etwas aufgeraut ist oder einzelne Fäden heraus stehen, ist das noch kein Grund, das Seil auszutauschen. Sieht man jedoch das Innenleben, ist es Zeit zu handeln. Bei der Beurteilung hilft im Zweifel auch gerne unser Kundenservice weiter.

Aber selbst wenn der Mantel offen ist oder das Seil an einer Stelle sehr dünn ist, muss das nicht heißen, dass man das Seil komplett wegwerfen muss. Nämlich dann, wenn diese Schäden an den Enden aufteten, der Rest ist jedoch noch völlig in Ordnung ist. In diesem Fall genügt es, wenn man einen gebührenden Abstand zum kaputten Teil abmisst und an dieser Stelle (das Seil sollte hier einwandfrei in Schuss sein) das Seil abschneidet. Dazu mit einem Seilschneider das Seil abtrennen und anschließend ein Stück Tape nehmen, es fest um das Seilende wickeln, exakt an dessen Rand. Ein Seilschneider ist eine Art Lötkolben, der das Seil beim Abschneiden direkt verschmilzt. Frag einfach mal in Deiner Kletterhalle nach, die haben ganz sicher einen. Hast Du keinen Seilschneider, kannst Du auch ein sehr scharfes Messer nehmen. Anschließend noch mit einem Feuerzeug die einzelnen Stränge (Mantel und Kern) miteinander verschmelzen und fertig ist das „neue“ alte Seil. Vorsicht bei Bicolor-Seilen oder solchen mit Mittelmarkierung: Hier macht es Sinn, auf beiden Seiten ein gleich langes Stück abzuschneiden. Außerdem ist es wichtig sich aufzuschreiben, wie viele Meter insgesamt abgeschnitten wurden um später einschätzen zu können, ob die Länge für eine bestimmte Route noch reicht. Sehr gut eignet sich das Stück Tape am Ende des Seils um hier die neue Länge zu notieren.

  • Meter für Meter, sowohl visuelle als auch haptische Kontrolle
  • Achten auf: Verdickungen, dünne Stellen, beschädigter Mantel
  • Wenn Seil gekürzt wird: neue Länge notieren, ggf. Mittelmarkierung neu (hier bitte die Anmerkung des DAV beachten)

Lebensdauer von Seilen

Zur Lebensdauer macht jeder Hersteller individuelle Angaben. Mammut und Edelrid gehen zum Beispiel von zehn Jahren aus – wenn es kaum benutzt wurde. Bei guter Behandlung und wenig Belastung hält ein Seil jedoch ohne weiteres drei bis sechs Jahre, bei vielen Stürzen und häufigem Einsatz benötigen viele bereits wesentlich früher ein neues und verwenden das alte anschließend nur noch als Toprope-Seil. Hier sollte man dringend die jeweiligen Herstellerangaben berücksichtigen.

Ausgetauscht werden sollte ein Seil in jedem Fall wenn:

  • Kontakt mit Chemikalien – speziell Säuren
  • Mantelbeschädigung, Kern sichtbar
  • Mantel extrem abgenutzt, außergewöhnlich pelzig
  • Mantel extrem verschoben
  • Seil stark deformiert
  • extreme Belastung (Sturzfaktor 1, Sturz über Kante, Steinschlag, Treffer mit Eisgerät)
  • extreme Verschmutzung (Teer, Öl, Fett)
  • durch Hitze oder Reibung entstandene Schmelzverbrennung
Kletterseil als Topfuntersetzer

Topfuntersetzer mit Geschichte

Eine gute Orientierung zur Handhabung von Seilen bietet zum Beispiel die Seilfibel von Mammut.

 

Wer übrigens aus seinem alten Seil etwas Kreatives bauen möchte, der kann sich auch einen Fußabstreifer, einen Topfuntersetzer oder einen Geldbeutel daraus basteln. Oder vielleicht wollten die Kinder draußen schon immer mal ein Spinnennetz zum Klettern?

 

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Reiner ist hier unser Fachmann in Sachen Klettern. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artkel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 17.11.2015 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Holger sagte am 9. April 2014 um 16:04 Uhr

    Vielen Dank für die wertvollen Tipps zur richtigen Pflege von Kletterseilen. Das ist einfach guter Service und sehr hilfreich!

  2. Malik sagte am 15. Mai 2014 um 09:47 Uhr

    Vielen Dank für die aktibe Info zur richtigen Pflege meines neuen Kletterseils. Als Kletteranfänger bin ich froh diesen tollen Service zu erhalten. Immer wieder eine Bestätigung für mich gerne bei Berfreunde.de zu kaufen!

  3. Wiebke sagte am 15. Mai 2014 um 15:05 Uhr

    Hallo Malik,

    das freut mich sehr zu hören. Wenn Du noch mehr Themen hast, zu denen Du gerne solche Artikel lesen würdest, nur her damit. Du kannst mir auch gerne eine Email schreiben: wiebke@bergfreunde.de

    Lieben Gruß, Wiebke

  4. Markus sagte am 8. Juni 2014 um 07:10 Uhr

    Ich bin seit kurzem Besitzer eines Kletterseils und fand die Tipps megawichtig und super aufgezeigt ! Weiter so

  5. Mäx sagte am 25. Juli 2014 um 12:14 Uhr

    Top Service! Danke für die Tipps!

    cheers

  6. Sonnet sagte am 13. September 2014 um 10:14 Uhr

    Vielen Dank. Top Service

  7. Bernd sagte am 24. Oktober 2014 um 14:27 Uhr

    Super Info, Danke!

  8. Bsarblin sagte am 20. Februar 2015 um 15:38 Uhr

    Aus welchem Grund soll man das Seil nicht schleudern?Es würden doch so viel weniger Seifenreste und Schmutzwasser im Seil bleiben und beim Schleudern ist das Seil, im Vergleich zum Abseilen, doch nur minimalem Druck augesetzt. Viele Grüße Barblin

  9. Wiebke sagte am 26. Februar 2015 um 13:20 Uhr

    Hallo Barblin,

    warum das so ist, kann ich Dir ehrlich gesagt nicht sagen, aber wenn ich mir die Hinweise der Hersteller durchschaue, dann sind sie sich in diesem Punkt alle einig weisen darauf hin auf keinen Fall das Seil zu schleudern. Ich könnte mir vorstellen, dass das Seil beim Schleudern punktuell stark geknickt wird und das ist eine Belastung, die es normalerweise nicht aushalten muss. Aber wie gesagt, was genau der Grunde ist, kann ich Dir auch nicht sagen. Lieben Gruß, Wiebke

  10. Daniel sagte am 4. Februar 2016 um 17:45 Uhr

    Dieser Artikel gefällt mir sehr gut!

  11. rainer paulsen sagte am 23. Mai 2016 um 10:20 Uhr

    prima artikel! sehr hilfreich . nicht nur inhaltlich, gut erklärt. vielen dank

  12. Sebastian sagte am 24. Mai 2016 um 15:33 Uhr

    Hey Rainer,
    freut uns, dass der Beitrag gefallen und weitergeholfen hat. Dann drehe Deinem Seil mal (keine) Locken ;-)

    Viele Grüße,
    Sebastian

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