Petzl: Firmenportrait und Nachhaltigkeits-Check

2. September 2021

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„Access the inaccessible“

„Access the inaccessible“ – mit diesem Slogan bringt der französische Equipment-Hersteller Petzl sein Wirken auf den Punkt. Das Unternehmen stellt nicht nur Ausrüstung für die Höhen und die Vertikale her, sondern auch für die Tiefen der Höhlen. Hinzu kommen Tools für die Bergrettung, für Höhenarbeiten und das Industrieklettern. Dieses breite Spektrum ist neben dem hervorragenden Ruf der Produkte ein Grund, weshalb fast jeder ambitionierte Bergfreund irgendeinen Gegenstand des Traditionsherstellers besitzt.

Das kann die extrem leistungsfähige Stirnlampe ebenso sein wie der superleichte Klettergurt, das innovative Sicherungsgerät oder die äußerst bissigen Steigeisen und Eisgeräte. Sportkletterern ist Petzl auch durch den RocTrip bekannt, einem jährlichen Treffen von Top-Kletterern, das von 2002 bis 2014 in herausragenden Klettergebieten rund um den Globus stattfand. Dabei bot man den Kletterern Gelegenheit, „in einer fröhlichen Atmosphäre mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen“.

Firmenkurzportrait Petzl

Das Unternehmen Petzl beschäftigt zur Zeit etwa 750 Mitarbeiter und trägt den Nachnamen des Firmengründers. Es wurde 1975 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Crolles, nahe Grenoble in den französischen Alpen. Die Geschichte reicht jedoch weiter zurück, denn der Höhlenforscher Fernand Petzl brachte bereits 1968 unter seinem Namen erste Produkte wie Seilklemmen und Höhlenscheinwerfer auf den Markt. Neben großem handwerklichen Geschick half ihm wohl auch seine Kreativität. So sollen die ersten Stirnlampenriemen aus flexiblen Trägern alter BHs bestanden haben.

Revolutionäre Sicherungssysteme im Klettersport kommen aus dem Hause Petzl.

Während die Speläologie ursprünglich das Hauptinteresse und Kerngeschäft von Petzl war, ist sie heute eher ein untergeordneter Geschäftszweig. Etwa ab 1977 rückte mit der Herstellung der ersten Gurte der Bergsport immer mehr in den Vordergrund, auch wenn nach wie vor ein Schwerpunkt bei den Lampen und Leuchten liegt.

Neben Stirnlampen und Gurten spielt auch die Entwicklung von Sicherungsgeräten eine große Rolle. Hier gab es mehrere revolutionäre Neuerungen in den letzten Jahrzehnten. Die Bekannteste darunter ist zweifelsohne das 1991 eingeführte GriGri als erstes halbautomatisches Sicherungsgerät fürs Sportklettern. 1998 folgte mit dem Tibloc, einer ultrakompakten Seilklemme für den Aufstieg am Seil, ein weiteres geradezu ikonisches Gerät.

Durch diese und weitere Erfolge hat sich Petzl zu einer internationalen Gruppe entwickelt, ist dabei jedoch bis heute ein Familienunternehmen geblieben.

Weitere Meilensteine der Firmengeschichte waren 2006 die Gründung der Petzl-Stiftung und die  Einführung des persönlichen Rettungssystems EXO für die New Yorker Feuerwehr. 2008 kam die  Gründung von Petzl Solutions hinzu, einer Abteilung für Ausbildungs- und Experimentierzwecke. Die letztgenannten Aktivitäten sieht Petzl als Maßnahmen, mit denen man der Natur und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte, da sie den Erfolg der Firma erst ermöglicht haben.

Die Nachhaltigkeit bei Petzl

Wenn möglich, greift man bei der Produktion auf umweltverträgliche Materialien und ressourcenoptimierte Prozesse zurück. Generell unterliegen Produktion und Beschaffung strengen Qualitätskontrollen. Dass man dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimisst, zeigt sich auch daran, dass ein überwiegender Anteil der Produkte nach wie vor in eigenen Betrieben in Frankreich entsteht.

Umweltmaßnahmen

Nebenbei engagiert sich Petzl ganz unauffällig für Umweltorganisationen und -projekte.

Man räumt allerdings auch ein, dass bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz  manchmal kein Spielraum für Kompromisse zugunsten ökologischerer Rohstoffe besteht. Doch die Produkte erreichen meist eine sehr lange Lebensdauer und ein Motto bei Petzl lautet: „Ein langlebiges Produkt ist immer auch ein Nachhaltiges“. Das gilt besonders für die metallenen Hardwareprodukte wie Karabiner, Pickel oder Steigeisen (die auch eine regelmäßige PSA-Prüfung bestehen müssen).

Nach eigener Auskunft legt Petzl großen Wert auf umweltbewusstes Handeln. Die Emissionen des Unternehmens werden in der gesamten Wertschöpfungskette regelmäßig auf Möglichkeiten zur Minimierung überprüft. Man setzt zunehmend recyclebare Materialien ein und nutzt für die Verpackungen möglichst kompostierbare und recycelbare Materialien. Petzl setzt stark auf die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der Outdoor-Branche und ist Mitglied in verschiedenen Gruppen wie Environmental Watch Group und Sustainability Working Group de l’European Outdoor Group.

Bis 2015 waren bei verschiedenen Kletter- und Alpingurten die Ausgangsstoffe bluesign-zertifiziert. Mittlerweile ist Petzl zwar kein bluesign-Systempartner mehr, doch hat man nach eigener Aussage an den heutigen Gurtmodellen keine signifikanten Änderungen hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit der Materialien vorgenommen.

Petzl-Foundation

Die Aufgabe der 2006 gegründeten Petzl-Stiftung ist, Projekte zu unterstützen oder zu initiieren, die dem öffentlichen Interesse dienen. Die Prioritäten der Stiftung liegen bei Unfallverhütung, Naturschutz und wissenschaftlicher Forschung. Entsprechende Projekte sollen helfen, die menschlichen Aktivitäten in der Natur und deren Auswirkungen verträglich zu gestalten. Unter den weltweit zahlreichen Umweltschutz- und Forschungsprojekten widmen sich manche dem Erhalt gefährdeter Naturräume, manche der Schulung in den Bereichen Bergsport und Sicherheit und andere der Forschung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehört die Förderung des Erhalts derjenigen Ökosysteme, die schwer zugänglich sind und deswegen oft faszinierend schöne „Playgrounds“ für Abenteuer bieten. Hier kommt der Gedanke des „Zurückgebens“ besonders zum Tragen.

Sicherheit geht vor – das ist bei Kletterequipment verständlicherweise das Wichtigste.

Geschätzt etwa 100 Projekte, hauptsächlich in Frankreich aber auch in aller Welt, werden von der Petzl Foundation u.a. durch finanzielle Zuschüsse unterstützt. Die Beiträge umfassen durchschnittlich einige Tausend Dollar im Jahr, manche davon auch über mehrere Jahre ausgezahlt. In manchen Projekten wie dem „Yosemite Cleanup“ sind viele Freiwillige beteiligt, sodass die Sensibilisierung für Umweltthemen sicherlich auch eine öffentliche Breitenwirkung hat.

Wildtier-Projekt in den französischen Alpen

Alle Projekte werden auf der Petzl-Homepage detailliert vorgestellt. Beispielhaft sei hier das Projekt Biodiv’sports zum Schutz von Wildtieren in den französischen Alpen herausgegriffen. Es zeigt die Kartierung und Ausweisung von Wildschutzgebieten am Beispiel eines Hüttenzustiegs in der Belledonne-Kette bei Grenoble:

  • Projektpartner: Ligue pour la Protection des Oiseaux
  • Land: Frankreich
  • Projekttyp: Erhaltung der Umwelt
  • Budget: 3.000 € im Jahr 2018, 6.000 € seit 2017, 6.000 € für 2019 geplant

Ausgangspunkt des Projektes ist die Problemstellung, dass viele Wanderer und Bergsteiger die Artenvielfalt gern erhalten wollen, oft aber keine Informationen über Gebiete mit störungsempfindlichen Wildtieren haben. Das Biodiv’sports-Projekt will diese Informationen über Websites wie Camptocamp oder Geotrek vermitteln, die bei der Tourenvorbereitung oft konsultiert werden. Die sensiblen Gebiete werden in Zusammenarbeit mit Sportverbänden, Naturschützern und lokalen Landmanagern kartiert.

Eine Übersicht aller Stiftungs-Projekte, geordnet nach Kontinenten, findet sich hier unter diesem Link. 

Detaillierte Jahresberichte zu den Aktivitäten der Stiftung gibt es hier nachzulesen.

Maßnahmen für soziale Nachhaltigkeit

Das Familienunternehmen produziert größtenteils in Frankreich, dem Heimatland der Marke.

Petzl nach wie vor ein Familienunternehmen, dessen Kapital sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet. Die Belegschaft besteht aus 750 Personen weltweit, von denen 500 in Frankreich arbeiten. Die Firma besitzt vier eigene Produktionsstätten, in denen 80 % aller Produkte gefertigt werden. Drei dieser Werke befinden sich in Frankreich, eines in Malaysia. Neben einem sehr hohen Qualitätsstandard gehört die Anstellung aller Mitarbeiter direkt beim Unternehmen zu den großen Vorteilen dieses Modells.

Die Produktionsbedingungen werden unter anderem durch einen Code of Conduct kontrolliert, den alle Lieferanten unterschreiben müssen. In ihm sind die sozialen und umwelttechnischen Anforderungen festgelegt. Zudem hat man Personal der NGO Human Ressources Without Borders ausgebildet, um regelmäßig die Zustände vor Ort zu überprüfen.

Fazit

Petzl gehört eher nicht zu den Unternehmen mit grünem Vorzeigeimage und strebt dieses auch nicht unbedingt an. Die einzelnen Ansätze der Nachhaltigkeit werden nicht zu einem einheitlichen Konzept gebündelt und sind demnach auch nicht sonderlich „vermarktbar“. Viele Petzl-Produkte erzielen auch eher „beiläufig“ einen guten Nachhaltigkeitswert aufgrund ihrer hohen Lebensdauer. Man hat aber durchaus mehr Nachhaltigkeitsaktivitäten vorzuweisen, als es für bloße Imagepflege nötig wäre.

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