Páramo-Produkte im Test

Páramo – Was ist das? Was kann das?

23. Oktober 2018

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Es regnet in Strömen. Der Albtrauf wird von tiefhängenden Wolken verschleiert und ich frage mich, was ich hier gerade mache. Achso, richtig. Ich wandere. Warum ausgerechnet bei so strömendem Regen? Tja, ich habe da so ein paar Klamotten am Leib, die getestet werden wollen… Besagte Klamotten stammen von Páramo, einem britischen Label das hierzulande relativ unbekannt ist und vor nicht allzu langer Zeit bei uns im Shop aufgeschlagen ist. Interessant ist vor allem das eingesetzte Material, das zusammen mit Nikwax entwickelt wurde und auf den Name „Nikwax Analogy“ hört.

Wie es im Praxistest abschneidet und weitere Infos zur Marke Páramo haben wir für euch zusammengefasst.

Der Fairness halber: Die hier dargestellte Meinung ist in keiner Weise geschönt sondern entspricht unseren persönlichen Erfahrungen mit den Produkten. Die geäußerte Kritik haben wir natürlich auch an Páramo weitergegeben.

Wer oder was ist Páramo?

Páramo-Produkte im Test

Wasser hält das Material schon mal ab.

Páramo ist ein britischer Hersteller von Outdoorbekleidung, der seit 1992 Kleidung für unterschiedlichste Outdoor-Aktivitäten, Ansprüche und Klimazonen entwickelt, entwirft und herstellen lässt. Dabei zeichnet sich das Unternehmen dadurch aus, dass es immer wieder neue und ungewohnte Wege geht.

So nimmt Páramo von Unternehmensgründung an eine hohe ethische und ökologische Verantwortung wahr – lange bevor der große Markt mit dem Gedanken spielte Funktionalität und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden. Von Beginn an kommt Páramo ohne PFC aus und lässt unter fairen Bedingungen produzieren.

Páramo kooperiert mit der gemeinnützigen Miquelina-Stiftung in Kolumbien, einer Stiftung des Frauenordens „Las Religiosas Adoratrices“. Hier werden junge und auch ältere Frauen, die aus den Fängen der Zwangsprostitution befreit wurden, darin geschult, als Näherinnen einer regulären Arbeit nachzugehen, um sich selbst ein selbstständiges, freies und geregeltes Leben aufzubauen.

Inzwischen lässt Páramo über 80% seiner Kleidung von der Miquelina-Stiftung fertigen, wobei alle Produkte der Directional-Analogy-Serie ausschließlich dort gefertigt werden. Aber auch für die anderen Produkte, welche in Ostasien hergestellt werden, verspricht Páramo faire Produktionsbedingungen.

Páramo gehört zum gleichen Firmenverbund wie Nikwax, die besonders für Wasch- und Textilpflegemittel bekannt sind. Zusammen mit Nikwax hat man auch die hauseigene Analogy-Technologie entwickelt, die die Marke ebenfalls einzigartig macht.

Wie funktioniert die Nikwax-Analogy-Technologie?

Pàramo verspricht mit der Nikwax-Analogy-Technologie und der damit verbundenen ‚Direktionalität‘ einen effektiveren Feuchtigkeitstransport als bei herkömmlichen Membranen. Denn Membranen können kleine Wasserdampfmoleküle sehr schnell nach außen leiten, stoßen bei Tröpfchen- und Kondenswasserbildung aber oft an ihre Grenzen. Wasseransammlungen und Eisbildung an der Innenseite von Hardshells sind die Folge.

Páramos Analogy-Technologie soll genau das verhindern, indem auch größere Wasseransammlungen schneller nach außen abtransportiert werden. In folgendem Video wird das ganz eindrücklich dargestellt:

Wie ist die Analogy-Technologie aufgebaut?

Das Prinzip beruht auf einem geschickten Aufbau der Lagen: Páramo-Bekleidung (Schicht 3 und 4) sollte idealerweise mit Funktionsunterwäsche (2) kombiniert werden. Die Funktionsunterwäsche saugt Schweiß von der Hautoberfläche (1) auf und leitet diesen an die erste Schicht (3) der Oberkleidung ab. So bleibt die Haut trocken und der Körper dauerhaft warm. Soweit, so bekannt.

Páramo-Produkte im Test

Hier ist der netzartige Pump Liner gut sichtbar.

Die dritte Schicht nennt Páramo „Pump Liner“. Pump Liner wohl deshalb, weil die Schichten 3 und 4 lose aufeinander liegen und nur an den Hauptnähten miteinander vernäht sind. Bei Bewegung verschieben sich diese Schichten zueinander und voneinander weg, wodurch feuchte Luft nach außen „gepumpt“ wird. Die Oberschicht (4) besteht aus dicht gewebtem, winddichtem Polyester und ist dank der Nikwax-Imprägnierung wasserdicht. Durch gelegentliches Aufbringen entsprechender Nikwax-Produkte wird diese Eigenschaft aufrechterhalten.

Wie war unser erster Eindruck?

Zunächst waren wir etwas stutzig. Die Haptik war nicht das, was die wir erwartet hatten. Das liegt aber in erster Linie darin begründet, dass sie stark von der klassischer Hardshells abweicht.

Nikwax Analogy greift sich sehr weich und flexibel. Fast schon wie die guten alten ballonseidenen Trainingsanzüge der 1990er Jahre. Das ist grundsätzlich nichts Schlechtes, bedarf aber einer kleinen Eingewöhungsphase und sorgte natürlich dafür, dass wir umso gespannter waren, wie die Produkte im Test abschneiden würden.

Getestet wurden die Produkte beim Radfahren, Wandern, bei anspruchsvollen Bergtouren, beim Freeriden, Wintercampen, in stundenlangem Regen, in starkem Hagelsturm, bei +8°C ebenso wie bei -18°C.

Páramo-Produkte im Test

Es gab schon schönere Tage bei uns auf der Alb.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass uns die Produkte mit der Nikwax Analogy in puncto Wetterschutz sehr zufrieden gestellt haben. Auch im Dauerregen blieben wir absolut trocken. Manche Membranprodukte hätten unter diesen Bedingungen vermutlich eine wesentlich schlechtere Leistung erbracht.

Insgesamt hat uns die Funktionalität der Produkte – also die Kombination der winddichten, wasserdichten und atmungsaktiven Eigenschaften – sehr gut gefallen. Das zweilagige, membranlose System funktionierte im Test tadellos und dürfte durchaus das Zeug zum Konkurrenzprodukt haben.

Welche Páramo-Produkte haben wir getestet?

Folgende Teile durften unsere formschönen Körper schmücken:

  • Men’s Velez Jacket: eine Regenjacke für den allgemeinen Outdoor-Gebrauch
  • Men’s Cascada II Trousers: eine wasserdichte Wanderhose für den anspruchsvollen Wanderer und Trekker.
  • Men’s Torres Activo: eine vielseitige, winddichte und warme Kunstfaserjacke, die sowohl beim Wintersport, Bergsport als auch Wintertrekking verwendet werden kann.
  • Men’s Enduro Tour Trousers: Diese warme Hose ist ein alpiner Alleskönner und kann zum Skifahren, Skitourengehen, auf Hochtour oder auch zum Eisklettern verwendet werden.
  • Men’s Enduro Jacket: eine wasserdichte Alpinjacke mit leichter Isolationswirkung. Gemacht für Skitouren, Bergsteigen, Hochtouren, Alpinklettern.
  • Grid Tecnic Hoodie: Ein leichter und schnell trocknender Fleecehoodie mit Waffelstruktur und integrierter Kapuze.

Abgesehen vom Grid Tecnic Hoodie und der Torres Active gehören all diese Produkte der Nikwax-Analogy-Serie an. Sind also wasserdicht und winddicht ohne die Anwedung von Membranen und klimarelevanten PFCs.

Und was sagen die Tester?

Velez Jacket (Jörn):

Páramo-Produkte im Test

Taschen- und Belüftungskonzept können bei der Velez Jacket überzeugen.

Für mich war die Haptik erstmal seltsam. Weich, locker verbundenes Obermaterial – und das soll robust sein? Nun ja, schlüpfen wir mal rein. Etwas groß, aber das mit der Passform ist ja immer so eine Sache. Die Velez könnte für meinen Geschmack etwas näher am Körper geschnitten sein.

Besonders interessant sind die Taschen: Öffnet man den ersten Reißverschluss, hat man erst einmal nur Belüftungsöffnungen. Erst wenn man den zweiten Reißverschluss öffnet, kommt man an die eigentliche Tasche – durchaus gut gemacht. Zusammen mit den Belüftungsöffnungen am Oberarm lässt sich die Ventilation schön anpassen. Die Kapuze sitzt angenehm an, lässt sich leicht einstellen und die sonstigen Kordelzüge funktionieren ebenfalls einwandfrei.

Zur Funktion des Materials wurde schon genug gesagt. Ich bin von der Technologie hellauf begeistert. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass durch die lockeren Lagen etwas mehr Isolationswirkung vorhanden ist. Soll heißen: Man muss beim Lagenaufbau etwas darauf achten, nicht zu viel anzuziehen.

Casdada II Trousers (Jörn)

Die Haptik ist bei der Cascada II ähnlich und die Performance des Materials ebenso gut, wie bei der Velez Jacket. Eine längere Sitzpause auf einer nassen Bank hielt die Hose locker aus.

Páramo-Produkte im Test

Der durchgehende Reißverschluss sorgt bei der Cascada II für gute Belüftung.

Die Größe ist deutlich passgenauer als bei der Jacke und die Belüftungsmöglichkeiten sind umfassend – was bei fast durchgehenden Seitenreißverschlüsse aber auch kein Wunder ist. Knöpfe helfen, die Hose zusammenzuhalten, sollte man die Reißverschlüsse ganz geöffnet haben.

Ich war anfangs etwas skeptisch, ob eine wasserdichte Hose nicht etwas zu viel sei, bei einer verregneten Wanderung mit 6-8°C Außentemperatur. Aber nix da – die Cascada II hat super abgeliefert, selbst bergauf war mir nicht zu warm. Der Vollständigkeit halber: Ich hatte lediglich eine kurze Unterhose darunter.

Torres Activo (Jörn)

Mein Lieblingsteil im Páramo-Reigen und die perfekte Wahl, wenn es kalt wird. Der Schnitt ist wie für mich gemacht (etwas athletischer als die Velez) und bietet eine gute Bewegungsfreiheit. Sind Kordelzüge, Ärmelbündchen und Kapuze an- und zugezogen ist man wohlig warm verpackt.

Páramo-Produkte im Test

Knackig kalt – mit der Torres Activo kein größeres Problem mehr.

Bei -6°C und steifer Brise hatte ich sie mit einem Stretch-Fleece und einem Langarm-Merino-Baselayer kombiniert und war stets gut klimatisiert. Die Reißverschlussgriffe dürften für meinen Geschmack etwas größer sein, da man sie mit Handschuhen nicht so leicht greifen kann. Die Seitentaschen sind ideal platziert, so dass man sie auch mit Hüftgurt stets gut erreicht.

Páramo empfiehlt, die Torres ÜBER einer Hardshelljacke zu tragen, was erstmal komisch anmutet. Allerdings hält Kunstfaser ja auch im nassen Zustand noch warm und ich glaube zudem, dass es eine Herausforderung ist, über die doch etwas voluminöse Torres Activo noch eine Hardshell drüber zu ziehen.

Für Ski- oder Schneeschuhtouren, für Winterwanderungen oder auch zum Sichern am Standplatz ist die Torres Activo aber garantiert eine gute Wahl!

Grid Tecnic Hoodie (Jonas)

Das Teil hat mich vor allem durch die körpernahe Passform, das geringe Gewicht und die praktische Reißverschlussbrusttasche überzeugt. Durch die gewaffelte Struktur wird Feuchtigkeit extrem schnell nach außen abgeleitet und Wärme am Körper gehalten. In der großen Brusttasche kann der moderne Bergfreund problemlos das Smartphone oder den Kameraakku verstauen. Durch die Wärme bleibt die Akkuleistung sehr viel besser erhalten.

Des Weiteren passt der schmale Hoodie sehr gut unter den Kletterhelm – perfekter Schutz bei mäßigen Winden.

Páramo-Produkte im Test

Die praktische Brusttasche des Grid-Hoodies.

Es gilt zwar auch bei uns die alte Bergsteigerweisheit: „Erstunken ist noch keiner, nur erfroren“, doch gerade für den Mehrtageseinsatz wäre eine geruchshemmende Behandlung sehr wünschenswert, der Grid Tecnic Hoodie roch nach einem kurzen Einsatz doch etwas streng.

Grundsätzlich ist er aber extrem vielseitig einsetzbar. Als erste Schicht, Zwischenschicht oder auch als Oberschicht. Er fühlt sich vor allem bei kühlen bis sehr kalten Temperaturen wohl, und macht überall dort Sinn wo geschwitzt wird.

Enduro Tour Trousers (Jonas)

Eine vielseitige, wetterfeste und warme Wahl für Alpinisten. Über die langen Beinreißverschlüsse ist eine sehr gute Klimatisierung möglich. Mit oder ohne Funktionsunterwäsche ist die Hose bei Frühlingsskitouren ebenso zu verwenden wie bei Alpintouren um die -20°C.

Páramo-Produkte im Test

Die Enduro hat ein ähnliches Belüftungskonzept wie die Cascada II.

Bewegungsfreiheit für Klettereien ist gegeben und dank des erhöhten Leibes und den Hosenträgerschlaufen ist für viel Komfort und eine gute Passform gesorgt, auch wenn man die Hosenträger leider noch extra dazu kaufen muss.

Überrascht haben mich auch die Verstärkungen an den Beinenden. Sie fühlen sich sehr weich an und sind aus Dyneema gefertigt. Die Innengamaschen sind fast etwas zu schmal und ein Metallhaken wäre zur Fixierung an den Schnürsenkeln ein sinnvolles Detail.

Ansonsten sollten die Reißverschlussschieber mit Rebschnüren oder ähnlichem ausgestattet werden, um sie auch mit wenig taktilen, dicken Handschuhen problemlos bedienen zu können – dies trifft aber leider auf viele Tourenhosen zu. In der Summe ist diese Hose ein sehr komfortabler und vielseitiger Alpinbegleiter – der das ganze Jahr über zum Zuge kommt.

Enduro Jacket (Jonas)

Mit 525€ (VK) liegt die Enduro im absolut oberen Preissegment. Hier muss sich Páramo mit Profis wie Arc’teryx und anderen Highend-Herstellern messen lassen. Und bis zu einem gewissen Grad geht das auch gut. Das Material überzeugt auch bei der Enduro mit optimaler Funktion und großartigem Wetterschutz – selbst bei stundenlangem Regen. Die Taschen sind richtig angeordnet, um auch sie auch mit Klettergurt und Co. nutzen zu können.

Páramo-Produkte im Test

Trotz zuverlässigem Materials und guter Belüftung hat die Enduro Jacket auch Mankos.

Mankos sind der etwas zu kleine Reißverschluss an der Brustinnentasche und das etwas zu eng bemessene Sichtfeld der Kapuze. Andererseits kann diese Kapuze problemlos unterm Helm getragen werden. Mit einem Gewicht von 780 g in Größe M gehört sie nicht zu den leichtesten Jacken auf dem Markt und bereits nach zwei Tagen Freeriden mit Lawinenerucksack haben sich erste Pillingeffekte an Schulter und Achseln aufgetan. Da muss Páramo definitiv nachbessern.

Unser Fazit zu Páramo

Summa summarum haben uns die Produkte von Páramo  sehr überzeugt, vor allem die Nikwax-Analogy-Technologie in Sachen Wetterschutz. Die Haptik ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings sind die Bedenken spätestens nach dem ersten Tragen ad acta gelegt.

Einzelne kleine Details in Verarbeitung und Schnitt können noch verbessert werden, das ist aber branchenüblich. Wir sind zudem in enger Abstimmung mit Páramo, die uns versprochen haben, gerade das Pilling bei der Enduro Jacket genauer unter die Lupe zu nehmen.

Positiv hervorzuheben ist die nachhaltige und sozial verantwortliche Produktion der Páramo-Artikel, die von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil der Páramo-Identität ist und weiter sein wird. Das Sortiment von Páramo umfasst sowohl Baselayer, als auch Second- und Thirdlayer. Fündig wird sowohl der Mittelgebirgsspaziergeher, als auch der ambitionierte Bergsteiger.

Wer hat gestestet?

Bergfreund Jonas (links) sitzt bei uns in der Online-Redaktion und kümmert sich um Produkttexte. In seiner Freizeit geht’s natürlich in die Berge, am liebsten zum Bergsteigen, Klettern oder auf Skitour.

Bergfreund Jörn (rechts) betreut den Basislager-Blog und unsere Social-Media-Kanäle. Wenn er also nicht gerade an der Tastatur oder Kamera klebt, fühlt er sich bei allen Sportarten wohl, die Berge und Ausdauer kombinieren.

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