Wie trockne ich meine Schuhe richtig?

28. Juli 2015

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Outdoor-Schuhe richtig trocknen

Einige Tipps zur richten Trocknung von Outdoor-Schuhen

Die ordnungsgemäße Pflege von Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung ist das A und O für den zweckmäßigen Einsatz auf Tour. Schließlich will hochwertiges Equipment nicht nur genutzt, sondern auch gepflegt werden, damit der Sportler auch lange von einer effektiven Funktionalität profitiert. Daher ist es neben der passenden Auswahl der Ausrüstung auch von großer Bedeutung, zu wissen, wie man seine Lieblingsstücke lange sauber, mangelfrei und einsatzbereit halten kann.

Neben der richtigen Wäsche und Reparatur spielen auch die passende Lagerung, der Transport, der generelle Umgang mit dem Artikel, dessen spezielle Pflege je nach Material und Konstruktion oder Einsatzbereich sowie die Trocknung eine Rolle. Um letzteres soll es hier gehen. Einige Tipps können helfen, die Trocknung von Schuhen sachgemäß auszuführen, damit die lieben Treter auch so bleiben, wie sie sein sollen.

Warum Schuhe überhaupt „aktiv“ trocknen?

Die Liebe zu Outdoor-Unternehmungen birgt auch die Herausforderung mit den Elementen. Auch wenn wir es uns nicht so gerne bewusst machen, aber insgeheim wäre es doch reizlos, jede Tour bei strahlendem Sonnenschein und Windstille zu machen, oder?! Das ist quasi wie Mountainbiken auf dem Radweg. Zum Spaß am Draussensein gehört die Konfrontation mit den Launen von Mutter Natur.

Outdoor-Ausrüstung und die Konfrontation mit den Launen von Mutter Natur

Outdoor-Ausrüstung und die Konfrontation mit den Launen von Mutter Natur

Und Ausrüstung wird nun mal nass, wenn der Bergfreund nicht konsequent warm duscht und nur im Sommer tourt. Allerdings gibt es einige Ausrüstungsgegenstände, die man besser sorgfältig trocknen sollte, um deren Funktionalität zu erhalten. Man sollte das sachgemäße Trocknen nicht unterschätzen, es gehört zur Pflege ebenso wie die richtige Wäsche. Genügt bei einem synthetischen Laufshirt oder der Fleecehose das schlichte Aufhängen am Wäscheständer, so sollten besonders bei textilen Artikeln aus natürlichen Materialien wie Wolle, Daunen und Leder sowie bei Ausrüstung wie Zelten, Rucksäcken und Schuhen einige Aspekte berücksichtigt werden.

Bezeichnen wir das bewusste Trocknen der Ausrüstung mal als „aktives Trocknen“. Zwar werden die Artikel dabei nicht zwingend geföhnt, bis jeder Tropfen raus ist, aber es handelt sich eben nicht um das schlichte, passive Aufhängen am Wäscheständer, sondern um Trocknungsmethoden mit einer aktiven Beeinflussung der Trocknungsumstände, die dazu führen, dass das Produkt schneller und sicherer trocknet, ohne Schäden zu hinterlassen.

Wie trockne ich denn nun meine Schuhe?

Das Verfahren zum Trocknen von Schuhen hängt natürlich stark vom jeweiligen Schuhtyp ab. So wie ein Wollshirt nicht hängend getrocknet wird oder Daune unbedingt maschineller Wärme bedarf, so macht es eben auch einen Unterschied, ob ich Lederstiefel oder Sandalen trockne. Also folgend einige Regeln für spezielle Schuhtypen. Grundlegend aber die goldene Regel für alle Schuhtypen: Nur im äußersten Notfall (wenn man auf Tour schnell trockene Schuhe benötigt) werden Schuhe direkt auf der Heizung bei hoher Temperatur oder in der Sonne zum Trocknen abgestellt! Die trockene und heiße Heizungsluft und die intensive Sonneneinstrahlung machen Sohlendämpfungen aus EVA oder Gummielemente und besonders Naturstoffe wie Leder schneller porös und können dadurch Risse erzeugen oder die generelle Haltbarkeit reduzieren!

Hausschuhe und Sandalen

Keen - Women's Clearwater CNX Leather - Sandalen

Keen – Women’s Clearwater CNX Leather – Sandalen

So, nun an die Schuhtypen und ihre Trocknung. Klein angefangen bei Hausschuhen und Sandalen (auch Wasser- und Hybridschuhe) gilt, dass diese am einfachsten in der Nähe einer Heizung oder anderen Wärmequelle wie Kachelofen abgestellt und langsam getrocknet werden. Spezielle Hüttenschuhe mit Daunenfüllung oder Kunstfaserisolation gehören je nach Hinweis im Etikett in den Trockner bei niedriger Temperatur oder können auf der Heizung bei niedriger (!) Wärmezufuhr langsam getrocknet werden, da sie in diesem Fall auch maschinell waschbar sind. Hausschuhe aus gewalkter Wolle nicht hängen, sondern legen. Am besten stets mehrere Lagen Zeitungspapier unter die Schuhe stellen, damit die Nässe nach unten absorbiert wird. Alternativ können die Schuhe auch an etwas angelehnt und schräg gestellt werden, sodass Luft an die Sohle kommt. Geschlossene Hüttenschuhe können innen zusätzlich mit klassischem Zeitungspapier (kein beschichtetes Papier aus Zeitschriften und Prospekten) ausgelegt oder noch besser (weil saugstärker und weicher) mit Küchen- oder Klopapier von innen „tapeziert“ werden.

Sandalen mit Leder bei Raumtemperatur und nicht in der Nähe von Wärmequellen oder in sehr trockener Umgebung (Heizungsraum etc.) trocknen, da Leder stets einen gewissen Feuchtigkeitsanteil braucht, damit es nicht porös und brüchig wird. In jedem Fall auch Lederschuhe nach der Trocknung je nach Bedarf sorgfältig mit passendem Lederwachs nachfetten (gilt besonders für glattes Leder)!

Wenn Bedarf besteht, die Hausschuhe oder Sandalen schnell trocken zu bekommen, können Föhn, Heizung und Ofen herhalten. Dabei immer die Regel beachten: besser weniger Temperatur und längere Trocknungszeit. Den Föhn weit weg halten und nicht zu heiß einstellen, die Heizung ebenso und hier sowie beim Ofen gegebenenfalls einige Lagen Zeitungspapier zwischen Schuh und Wärmequelle legen. Lederschuhe wirklich nur bei dringendem Bedarf unter aktiver Wärmezufuhr trocknen! Wasserschuhe und synthetische Sandalen ohne spezielle Dämpfung kann man waschen, alle anderen Schuharten (gedämpft, mit Leder oder speziellem Vermerk diesbezüglich) sollte man nicht in die Maschine geben!

Tenaya - Ra - Kletterschuhe

Tenaya – Ra – Kletterschuhe

Spezielle Sportschuhe

Für spezielle Sportschuhe wie Kletter-, Lauf- oder Radschuhe gilt im Grunde dasselbe. Da Rad- und Laufschuhe meist über sehr gepolsterte Oberstoffe verfügen, kann hier besonders ausgiebig ausgestopft werden. Gerade Laufschuhe sollten optimaler Weise neben der Trocknung auch immer eine Ruhepause von mindestens einem Tag erhalten, damit sich zwischen den Einheiten die Dämpfung „erholen“ kann. Lauf- und Radschuhe verfügen über besonders gedämpfte bzw. steife Sohlen und werden in keinem Fall maschinell gewaschen!

Bei Kletterschuhen generell die Trocknung über Wärme vermeiden, da die meisten Modelle (teilweise) aus Leder gefertigt sind. Außer den wenigen synthetischen und maschinell waschbaren Modellen sind Kletterschuhe ohnehin eher oberflächlich mit Bürste, neutraler Seife und lauwarmem Wasser von Schmutz zu reinigen. Dann genügt es, sie hinzustellen und abtrocknen zu lassen. Im Regelfall klettert man nicht im Sturzregen, sodass Kletterschuhe dann gar nicht erst richtig nass werden.

Mammut - Zermatt Low - Multisportschuhe

Mammut – Zermatt Low – Multisportschuhe

Multisportschuhe und Alltagsschuhe

Auch Multisportschuhe und Alltagsschuhe wie Sneaker werden nur oberflächlich gesäubert und danach oder nach Nässeeinwirkung durch Regen bei Raumtemperatur zum Trocknen hingestellt. In jedem Fall empfiehlt es sich bei Schuhen mit herausnehmbarer Einlegesohle, diese aus hygienischen Gründen ab und an gesondert zu waschen und auch beim Trocknen der Schuhe herauszunehmen. So können die Innensohle selbst und der Schuh von innen schneller trocknen. Zum Waschen der Einlegesohle diese einfach mit lauwarmem Wasser und etwas Seife oder Spüli abwaschen und bei niedriger Temperatur auf die Heizung legen oder einfach so trocknen lassen. Das sorgt besonders bei Lauf- und Radschuhen für angenehmeres Klima und vermeidet allzu starke Gerüche.

Approachschuhe, Wanderschuhe, Trekkingstiefel, Bergschuhe und Winterstiefel

Alle stabileren Schuhe wie Approachschuhe, Wanderschuhe, Trekkingstiefel, Bergschuhe und Winterstiefel sind in keinem Fall für die Wäsche in der Maschine geeignet! Meist kommt hier Leder oder eine Kombination aus Leder und synthetischen Stoffen zum Einsatz. Daher wie bereits erwähnt nur im Notfall zur Wärme und besser klassisch zur Zeitung greifen sowie ordentlich nachwachsen. Wenn auf Tour mal kein Papier zur Hand ist, eignet sich auch ein saugstarkes Microfaserhandtuch zum Aufsaugen der Nässe aus dem Schuh.

Dachstein - Ramsau 2.0 LTH - Wanderschuhe

Dachstein – Ramsau 2.0 LTH – Wanderschuhe

Die Nähe zu Lagerfeuern wärmt zwar das Herz, sollte aber nicht für die Trocknung von Wanderschuhen herhalten! Je mehr Luft an und in den Schuh kommt, umso besser. Daher bei Bedarf die Schnürsenkel stark lockern oder ausfädeln und die Zunge des Schuhs nach außen klappen. So kommt viel Luft ran. Wenn es etwa auf der Hütte oder zu Hause unterschiedlich klimatisierte Räume gibt gilt immer: je wärmer die Umgebungsluft, desto besser. Bei Leder sollte der Raum allerdings nicht zu trocken sein, für synthetische Stoffe bei Schuhen ist dies durchaus ein vertretbarer Aspekt für kürzere Trocknungszeiten. Wind ist auf Touren immer auch ein nutzbarer Faktor. Er vermindert die Trocknungszeit. In kleinen Räumen wie dem Zelt sollten je nach Belüftung nicht viele Gegenstände getrocknet werden, sonst ist die Luft schnell mit Feuchtigkeit gesättigt, was den weiteren Trocknungsprozess und das Raumklima verschlechtert.

Noch ein paar generelle Tipps

Schuhe müssen immer komplett durchtrocknen, bevor sie wieder zum Einsatz kommen. Ausnahmen sind freilich Wasserschuhe und Gummistiefel sowie Touren, bei denen man das Schuhwerk nun mal braucht. Um Blasen vorzubeugen, sollte man vor Tourbeginn die Füße mit einer fettenden Creme dünn einschmieren und weiche Wollsocken (Schurwolle!) verwenden. Das vermindert die Reibung und so kann man auch mit nicht ganz trockenem Schuhwerk angenehm laufen.

Natürlich bringt auch der dichteste Membranstiefel nichts, wenn man bei Regenwetter mit Shorts unterwegs ist. Die Trocknung des Materials ist das geringere Übel, Wasser im Schuh das größere. Entweder lange Regenhose oder Gamaschen verwenden! Wenn der Wanderschuh mal nicht ganz trocken ist, kann man auf Tour zum zweiten Paar greifen (man sollte auf größeren Touren immer Ersatz oder zumindest leichte Trekkingsandalen dabei haben, auch um den Fuß nicht zu einseitig durch immer gleiche Schuhe zu belasten) und das nasse Paar am Rucksack befestigen. Durch das muntere Runterbaumeln ist der Schuh um Nu trocken.

Zu guter Letzt: Schuhe stets nach Benutzung sorgfältig auslüften lassen und nicht sofort im Schrank oder Beutel verstauen! Nicht nur sichtbare Nässe von außen, sondern auch Wasserdampf, der durch Schweißkondensation entsteht, sammelt sich im Stoff und will wieder raustrocknen!

Na dann: trockenen Fußes, äh Schuhs, auf Tour!

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