Outdoorkleidung in der Innenstadt? Also ich brauch das!

3. Juli 2019

Sie ist der Alptraum der Stilikonen, Geschmacksverfechter und Kulturbewahrer: die Outdoorwelle, die die Innenstädte überspült. Vor 10 Jahren war man sicher, sie sei einer dieser albernen Kurzzeittrends, über die man sich in 10 Jahren schlapplachen würde. Doch weit gefehlt, sie hält sich unbeirrt und macht keine Anstalten abzuebben. Sie weitet sich sogar auf immer neue Bereiche aus und bedient längst auch die Sehnsucht nach Jagd-, Hundeschlitten und Motorradabenteuern.

Da hat selbst die scharfe Kritik aus dem Feuilleton resigniert. Richtig hartes Contra findet man eigentlich nur in Artikeln älteren Datums. Neueren Datums sind eher die Pro-Meinungen von Outdoorbloggern und Modemagazinen. Werfen wir nun einen Blick auf die Kritiker und Fürsprecher und nehmen dann die gängigen Erklärungen unter die Lupe. Zwischendrin darf ich immer mal etwas eigenen Senf dazugeben.

Vorher aber noch zu einem wichtigen, aber hier schwer einzuordnenden Streitpunkt: der Nachhaltigkeit.

Streitpunkt Nachhaltigkeit

Unser Autor meint: Outdoorkleidung sollte überall getragen werden dürfen – auch beim Samstagsbummel in der Innenstadt.

Um es gleich vorwegzunehmen: ja, es stimmt, eine Multifunktionsjacke bringt mehr Ressourcenaufwand und „Gifteinsatz“ mit sich als Opas guter alter Wollmantel.

Doch ist das „Outdoorzeug“ mit seinen bösen Chemikalien wirklich so viel schlimmer als das „Normalozeug“ in den Kaufhäusern und Onlineshops? Es ist ja keineswegs so, dass die Menschen vor dem „Outdoorboom“ nur nachhaltige Naturkleidung getragen hätten. Im Gegenteil, unter der nichttechnischen Alltagskleidung war und ist der Anteil von „Made unter miesen Bedingungen und mit undeklarierter Chemie“ ziemlich hoch.

Was also ist nachhaltiger: wenn ich zehn Winter lang eine teure, technische Winterjacke von der bekannten Outdoormarke XY trage, oder wenn ich in der gleichen Zeit mehrere „einfache“ und „günstige“ Steppjacken von H&M, New Yorker und Co. verschleiße?

Auch wegen umstrittener „Zutaten“ der Outdoorkleidung wie Daune, Leder oder Pelz gibt es viel Kritik. Doch diese Dinge werden genauso in „Nichtoutdoorprodukten“ verarbeitet und die Outdoorbranche bietet zudem eine wachsende Auswahl an alternativen Stoffen an. Hinzu kommt eine wachsende Sparte namens „Urban-Outdoor“. Deren Produkte sind weniger „hochgezüchtet“, kommen ohne Membranen und Chemikalien aus, sind nicht „polartauglich“ und auch nicht knallfarben. Sie sind funktionaler als herkömmliche Alltagskleidung und zugleich ästhetisch ansprechend.

Dennoch muss man eingestehen, dass es Verschwendung ist, sich für die abendliche Runde mit dem Hund technisch-funktionale Outdoorkleidung extra zuzulegen. Genauso wie es fragwürdig ist, diese Dinge nur fürs Schaulaufen zu nutzen.

Genervt von der Outdoorwelle: das Feuilleton

Die schärfsten Outdoor-Kritiker sitzen wohl in den Kulturressorts der Redaktionen. Eine gute Kurzfassung der klassischen Stilkritik liefert der wohl am häufigsten zu diesem Thema gelesene und zitierte Tagesspiegel-Artikel:

Eine unausgesprochene Übereinkunft scheint die Menschheit in diesem Punkte zu einen: Es gibt Kleidungsstücke und Situationen, die passen nicht zusammen. Allerdings versagt diese intuitive Stilsicherheit hierzulande bei Tausenden regelmäßig, wenn es um Outdoorkleidung geht.

Die Meinungen gehen auseinander: Das Feuilleton nimmt sich ausgiebig Zeit um über den „Outdoorhype“ zu klagen.

In der Tat, der Geschmack ist in vielen Fällen diskutabel. Leider folgen dann zwei unfertige Sätze, in denen es darum zu gehen scheint, dass die Kleidung für widrigste Bedingungen gemacht ist und die Käufer ganz genau wüssten, wie unsinnig ihr Verhalten ist.

Stimmt, aber nur teilweise: es sind keineswegs alle in den Fußgängerzonen zu sehenden Produkte „polartauglich“ oder „himalayatauglich“ und auch längst nicht alle grellbunt. Solche oft zu lesenden Vergröberungen lassen vermuten, dass die betreffenden Autoren eher weniger outdooraffin sind. Wirklich deutlich wird die Entfernung von der Materie, wenn versucht wird, den technischen Outdoorjargon spöttisch zu imitieren. Das passt dann manchmal nicht so ganz und wird, wie hier in der FR, so haltlos und plump übertrieben, dass der entstehende Humor eher unfreiwilliger Natur ist. Beispiel gefällig? Gerne doch:

Vermutlich können die wilden Farben (der Outdoorkleidung) sogar Bären verjagen. Und Lagerfeuer machen.

Hoho. Ja, aber wenn Sie wüssten, liebe FR-Autorin, wie viele Bärenattacken das Active-Bearprotect Shield meiner Goretex schon im letzten Moment abgewendet hat. Und vor wie vielen erfrorenen Fingern mich die integrierte InstantFire Jet-Technology schon bewahrt hat …

Noch ein Beispiel? Bitte:

Aber kein Mensch braucht Stauraum für Karabinerhaken, Öllampe oder eine Drei-Tages-Notration an Dörrfleisch in der Fußgängerzone.

Doch! Ich brauche den Öllampen-Stauraum (feuerfest) in meinem immer umgeschnallten Klettergurt. Und die Dörrfleischrationen (Tofuvariante) haben mich in der zentraldeutschen Servicewüste schon vor mancher Hungerperiode bewahrt.

Und noch eins zum Abschluss? Kein Problem:

Das entschuldigt aber wirklich keine Wanderboots in der Drogerie. Die dicken Profile sind super, um beim Almabstieg festen Stand zu haben. Zwischen Klopapier und Lippenstiften wirken sie einfach nur albern.

Es stimmt, dass wir Gipfelstürmer beim Almabtrieb, pardon, Almabstieg nicht immer den festesten Stand haben. Doch das liegt oft auch an der einen oder anderen Halben, die nach dem Gipfelsieg über den Almtresen wandert. Da benötigen wir den festen Stand der Wanderboots sehr wohl auch hinterher noch, beim Klopapier holen im DM.

Allerdings müssen wir Almabsteiger zugeben, dass nicht alle Kritik so leicht zu entkräften ist. Einmal mehr der Tagesspiegel:

In meinem Bekanntenkreis gibt es sogar einen Verrückten, der im Urlaub regelmäßig mit Schneeschuhen Wanderungen durch das ewige Eis Grönlands oder Lapplands macht. Dass der so eine Polarpelle braucht, sehe ich ein. Kehrt er allerdings heim in die Zivilisation, verschwindet das Ding im Schrank, wo es hingehört. Zur Arbeit geht er dann im Wollmantel. Er hat verstanden: Alles hat seinen Ort und Platz. (…) Die Thermojacke gehört ins Packeis, nicht in die Innenstadt.

Warum in einen „innenstadttauglichen“ Wollmantel investieren, wenn man doch schon eine funktionstüchtige Outdoorjacke hat?

Durchaus beeindruckend. Doch gibt es das wirklich, dieses Naturgesetz, was wohin gehört? Oder wird hier nicht bloß eine Meinung zum allgemeinen Maßstab erhoben? Und was ist, wenn meine bisherigen „Bergpellen“ schon ein bisschen was gekostet haben und mir deshalb der „angemessene“ Wollmantel als unnötige Zusatzausgabe erscheint? Wenn ich womöglich die Goretexjacke auch bei großstädtischem Dauerregen trage, weil schlicht keine weitere Wasserschutzjacke bei mir herumliegt?

Ja, hiermit oute ich mich als „Überschneidungs-User“, als Angehöriger jener eigentlich nie erwähnten Käuferspezies, die mit ihren Outdoorklamotten tatsächlich auch mal in die Berge und die „Wildnis“ geht.

Auch genervt: „echte Bergsteiger“, die „das Zeug wirklich nutzen“

Da wir Überschneidungsuser so wenig gewürdigt werden, regen wir uns natürlich auch über die Invasion der Fakeabenteurer auf. Denn eigentlich haben ja nur wir das Recht, die Insignien des Draußenseins zu tragen.

Also, liebe Outdoorklamottenkritiker, bitte merken: schmeißt uns tatsächlich harte Hunde nicht immer mit diesen verkleideten Karnevalisten in einen Topf! Wir trotzen nämlich wirklich eisigem Wind und fürchterlichem Wetter. Und wenn wir die Goretexjacke, die Softshell, das Fleece und die Kunstfaserhose auch mal im Alltag anziehen, verwechseln uns die Ahnungslosen mit diesen Möchtegerns. Wenn die Leute das nur endlich mal unterscheiden könnten, würden sie uns endlich diese leicht eingeschüchterte Bewunderung geben, die wir verdammt nochmal verdient haben!

Ich schlage deshalb vor, wir führen eine Befugnis für Outdoorkleidung ein: Goretex und Windstopper nur gegen beglaubigte Tourenliste als Kompetenznachweis. Um jede Verwechslungsgefahr auszuschließen, sollten wir zusätzlich Plaketten oder Sticker auf den Textilien anbringen:

„Hey, ich geh wirklich auf über 4000 Meter mit dem Teil!“

oder

„Diese Jacke war in Grönland und Nepal!“

Weitere Vorschläge für effektive Abgrenzungsmaßnahmen bitte in den Kommentaren einbringen ;-)

Beschwingt statt genervt: Die Fürsprecher

Ist denn wenigstens die Fürsprache fundiert und überzeugend? Gibt es gute und starke „Pros“ für Outdoor in the city?

Hm, nicht wirklich, würde ich sagen – zumindest findet man wenig und wirklich nicht mehr ganz folgen kann ich, wenn in der Brigitte Folgendes steht:

Mit der richtigen Kleidung kann man heute seine Vorliebe für Natursport, Trekking, Gefahr und Abenteuer demonstrieren, ohne dass man jemals einen Berg, einen Wald oder einen See aus der Nähe gesehen hat. Das ist auf jeden Fall sehr modisch, auch wenn es vielleicht nicht immer logisch ist, dass wir uns in Kleidung hüllen, die Funktionen hat, die wir gar nicht benötigen.

Wenn es mal doch spontan hoch hinausgeht, sind wir Bergfreunde gewappnet.

Wenn ein Mensch in seinem Leben nie einen Berg, Wald oder See aus der Nähe sieht, finde ich das eher sehr traurig als sehr modisch. Aber vielleicht vermisst man ja überhaupt nichts, wenn man eh nichts anderes als die Simulation kennt. Dann wäre auch folgender Gedanke nachvollziehbar:

Sogenanntes „Sensation Seeking“ steht hoch im Kurs. Wenigstens die Kleidung soll an Wildnis erinnern. Falls uns im Großstadtdschungel dann mal eine Gefahr (oder ein Hagelsturm) ereilt, sind wir gewappnet – und können uns in unserer Jack Wolfskin-Jacke ein bisschen wie McGyvers wilde Tochter fühlen.

Hach, ja. Nur wäre ich als einziger männlicher Brigitteleser des Planeten lieber McGyver selbst als seine wilde Tochter. Und noch wichtiger wäre mir, mich nicht nur anhand von Kleidungsstücken an „Wildnis“ zu „erinnern“, sondern irgendwann auch mal in einer solchen unsimulierten Umgebung unterwegs zu sein.

Zusammengefasst: wirklich rational und vernünftig geht es weder auf der Pro- noch der Contra-Seite zu. Hüben wie drüben geht es hauptsächlich um Geschmäcker und persönliche Befindlichkeiten.

Naturliebe, Eitelkeit und Katastrophenangst: Erklärungsversuche

Und weil es so wenig rational zugeht, müssen auch die Erklärungsversuche größtenteils scheitern. Versuchen wir es trotzdem. Den Anfang darf wieder der Tagesspiegel machen:

Manch einer sagt, es sei die Liebe zu Wald und Wiese, die sich da Bahn bricht. (…) Was für ein Quatsch die These mit der Naturverbundenheit ist, zeigt allerdings schon eine oberflächliche Analyse des Produkts. Schließlich gibt es kaum etwas Künstlicheres als eine Outdoorjacke. Das Innenfutter besteht aus Polyesterfleece oder Polyamid, zum Abdichten gibt es obendrauf eine Schicht Polyurethan oder Polytetrafluorethylen. Klingt das nach etwas, was auf irgendeinem Baum der Welt wachsen würde?

Teflon, PU und Fleece in einem Kleidungsstück sind zwar eher selten, doch so weit, so nachvollziehbar. Auch wenn immer mehr Hersteller Fortschritte machen, die Künstlichkeit durch Naturverträglichkeit zu ersetzen.

Wenn Naturliebe nicht das alleinige Motiv der Outdoorwelle sein kann, müssen wir Weiteres in Betracht ziehen. Eines der weniger schönen Motive wäre die Eitelkeit, die der Tagesspiegel gleich noch für uns mitbeleuchtet:

Wer etwas trägt, was er nicht braucht, will damit etwas darstellen. (…) In dem Sinne geht es beim Tragen von Outdoorkleidung nicht mehr um das Rüsten für Extremsituationen, sondern nur noch um deren Simulation – oder besser: um deren Behauptung. Sehet, ich wäre bereit, Wind und Wetter zu trotzen, arktischen Temperaturstürzen und steilen Geröllhängen – so ich mich denn in Gefahr begeben würde.“

Langweilig wird es nicht: mit Outdoorkleidung in der Innenstadt sollte man mit dem Mitteilungsbedürfnis der Anderen rechnen.

Jepp, ertappt. Das spricht tatsächlich wunde Punkte an. Doch wunde Punkte wovon? Eitelkeit ist eine Triebfeder für sehr viele Arten von Kleidung. Und auch für sehr viele menschliche Handlungen im Allgemeinen. Sie ist also für unsere schöne bunte Outdoorwelt genauso wenig spezifisch wie der (ebenfalls im Artikel angesprochene) Kompensationstrieb.

Jetzt fehlen nur noch die wirklich unterhaltsamen Motivtheorien. Eine wäre die Katastrophenangst, die meiner Meinung nach aber derart im psychologisierenden Nebel stochert, dass sie keines näheren Blicks bedarf…

Was bleibt da als Fazit festzuhalten? Nun, wer mit Outdoorklamotten in der Stadt unterwegs ist, kann immer auf Reaktionen und Aufmerksamkeit hoffen.

 

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Björn V. sagte am 17. August 2019 um 17:34 Uhr

    Hallo liebe Bergfreunde,

    an sich spricht, außer dem wichtigen Thema Nachhaltigkeit, nichs dagegen Outdoorkleidung im Alltag und beim „Bummeln“ in der Stadt zu tragen. Es bleibt jedem selbst überlassen wie er seinen Status zum Ausdruck bringt, sei es mit einer 350EUR Gore-Tex Jacke, oder mit dem neuesten Smartphone. Auch wenn ich diesem Ausdruck oftmals mit Spott gegenüberstehe.

    Für mich persönlich liegt allerdings noch eine andere Problematik dahinter:
    Gute Marken, wie North-Face, Arcteryx (hoffe der Name stimmt so) und einige mehr, haben bemerkt, dass man mit Aussehen mehr Geld verdienen kann, als mit Funktionalität. Die bisherige Qualität der Marken wird von den meisten dieser „Mode-Käufer“ nichtmehr gefordert. D.h. die Hersteller können ihre Qualität senken um mehr zu verkaufen und gleichzeitig ihren Profit auszubauen.
    Menschen die diese Bekleidungsartikel nun wirklich während ihrer Unternehmungen ausnutzen wollen und die hohe Qualiät benötigen, bleiben, im Blick auf die oben bereits genannten Regenjacken, im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen.

    Meiner Meinung nach beeinflussen derartige „Outdoor-Modewellen“ die Qualität der Hersteller negativ, während gleichzeitig die Preise steigen. Die Funktionalität der Funktionskleidung wird von ihrer modischen Erscheinung verdrängt.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Björn V.

  2. Jörn sagte am 19. August 2019 um 09:37 Uhr

    Hi Björn,

    danke für deinen Kommentar.

    Ich glaube, wir können dich hier beruhigen. Gerade die von dir genannten Marken (TNF/Arcteryx) bieten ja sehr explizit Bekleidungslinien für „Urbane Outdoorer“ an, die auch in Sachen Funktion etwas an die Lebensumstände abseits der Berge angepasst sind.

    Wir empfinden und sehen es aktuell nicht, dass die Qualität der hochpreisigen Bergsteigerausrüstung darunter leidet. Ich bin gerade eben wieder mit meiner Arcteryx-Windjacke durch den Regen an die Arbeit geradelt. Die Imprägnierung ist auch nach ein paar Einsätzen immer noch so gut, dass sie den leichten Regen prima abgehalten hat.

    Abgesehen davon darf man auch nicht vergessen, dass die Marken einen Ruf zu verlieren haben. Den setzen sie garantiert nicht leichtfertig aufs Spiel!

    Liebe Grüße, Jörn

  3. Chuck B. sagte am 5. September 2019 um 22:41 Uhr

    Ist es denn nicht so, dass Geschmäcker und vor allem Ansprüche nach wie vor verschieden sind und eben das auch gut ist.
    Wenn jemand sich doch in einer Softshell wohler fühlt als in einem Abercrombie oder Superdry Hoody?
    Vielleicht hat jemand auch lieber ein Black Diamond Logo Shirt an, als eines von Adidas.
    Warum dürfen Boliden fahrende Mitmenschen in gehobenen Positionen in ihrer Freizeit zB Chucks tragen, obwohl sie noch nie einen Basketballcourt betreten haben, die Schuhe aber genau hierfür „entworfen“ wurden. Ob nun ein Salomon Speedcross an meine Füsse gehört, weil er schlichtweg unfassbar bequemer ist als Leinenschuhe mit vulkanisierter Sohle?
    Eventuell ist jemand auch einfach bereit 200€ für ein paar Meindl zu zahlen, die mit jedem Tag tragen bequemer werden als ein paar vergleichbar teurer Nike Air Jordans, zu denen man im gut sortierten Sneaker Store mittlerweile Stifte kaufen kann, um die abbröckelnde Farbe an den Sohlen zu fixen.
    Abgesehen von potentiellen Qualitätsunterschieden ist es doch vor allem eine Frage des Wohlfühlens.
    Dieses „Outdoor“ Zeug ist dafür gemacht sich darin bewegen zu können, das mag ich mehr als irgendwelche taillierten Sweatjacken mit diesen modischen Vintage Prints, die so aussehen, als würde ich bei einem Custom-Moped-Shop arbeiten würde.
    Es wird sicherlich ebenfalls weniger kritisch beleuchtet und hinterfragt, ob man auf einer >10000€ Uhr die Zeit besser lesen kann als auf einer 15€ Casio Digitaluhr.
    Wenn jetzt in den Redaktionen noch ca 7/10 Mitarbeitern modische Jeans im Used-Look tragen ist leider doch davon auszugehen, dass die Hosen nicht bis zu dem angesprochenen Look & Feel getragen wurden, wie man es mit den guten alten Levi´s Big E Raw Selvedge Denims in den 60ern gemacht hat.
    Wie man sicherlich merkt, man kann jeden Mode-Trend oder schlichtweg die Geschmäcker ins Lächerliche ziehen.

    Morgen gehe ich von oben bis unten in Klättermusen gehüllt, einfach weil ich das Zeug seit Tag 1 toll finde, in den Supermarkt ums Eck, erklimme das obere Fach am Kühlregal, hole mir einen der 15 unterschiedlichen kalten Kaffeekreationen von da oben runter, auf dem Weg pack ich noch die veganen Mühlenfrikadellen in meinen wasserdichten Ortlieb bevor ich an die Kasse gehe. In meinem 0% finanzierten 40000,- Mittelklasse Urban SUV höre ich dann einen Podcast zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen auf dem Weg in den Co-Working Space, wo ich dann einen Blog Beitrag als Influencer für die neuen Gesichtspflegeprodukte für überarbeitete Scrum-Manager schreibe.

  4. Jörn sagte am 6. September 2019 um 08:17 Uhr

    Sehr schön geschrieben! :)

    Danke für den Kommentar… schon jetzt das Highlight des Arbeitstags.

    Liebe Grüße,
    Jörn

  5. Keno sagte am 10. September 2019 um 09:28 Uhr

    Ich sehe eher die Vorteile, die ein größerer Absatz an Outdoor-Bekleidung mit sich bringt. Mehr Nachfrage, mehr Umsatz, mehr Geld für Materialforschung, höhere Produktdiversifikation. Wenn ich vor 10 Jahren eine Jack Wolfskin Jacke kaufen wollte, gab es 5 Modelle, davon 2 hell blau, eine knall rot, eine gelb und wenn man Glück hat eine in schwarz. Heute kann man sich ein komplettes Outdoorset mit weit besserer Technologie zu weit geringerem Preis in allen erdenklichen Farben und Schnittmustern kaufen, von Zug unterschiedlichen Anbietern, die sich gegenseitig zu immer besserer Qualität treiben.

    Und gerade online shops wie bergfreunde können sehr stark von dieser outdoor Welle profitieren. Rabatte und kostenloser Versand etc finanziert sich nicht, wenn man nur 5 Kunden hat. Also beim nächsten Mal, wenn man jemanden in outdoor Kleidung sieht, der noch nie über 50 m gelaufen ist freundlich zunicken und innerlich dafür danken, dass deine Kleidung so günstig war.

    Vielen Dank fürs Lesen.

  6. Jörn sagte am 10. September 2019 um 14:16 Uhr

    Hi Keno,

    auch dir danke fürs Lesen und Kommentieren.

    Sicher profitieren wir, die Industrie und letztlich auch der Kunde von diesem Boom – das ist ganz klar. Letztlich läuft es doch auf das gute alte „Leben und Leben lassen“ hinaus :)

    LG, Jörn

  7. Leo sagte am 17. September 2019 um 17:51 Uhr

    Wenn man das ganze mal aus einer anderen Perspektive betrachtet und nicht nach Nutzen, Nachhaltigkeit und Modetrend fragt, sondern das Motiv, das bei vielen dahinter steckt, dann komme ich nicht drum herum darin auch ein Bedürfnis zu sehen. Jemand der sich eine Gore-Tex Jacke für mehrere Hundert Euro kauft und diese eben in der Innenstadt, auf dem Weg vom Auto zum Büro oder im Supermarkt trägt möchte damit eventuell ja etwas ausdrücken, wohinter sich auch eine Sehnsucht oder Bedürfnis verstecken kann. Eine Gore_Tex Jacke hat meiner Meinung nach nicht den selben Status-Effekt wie ein SUV oder das neueste I-phone, das lediglich sagen soll „schaut her, ich kann es mir leisten“. Es drückt viel mehr aus „schaut her, ich habe einen aktiven Lebensstil, bin viel in der Natur unterwegs und bestreite Abenteuer“ auch wenn das nur in seinen eigenen Vorstellungen passiert und nichts mit dem realen Lebensalltag zu tun hat.
    Aber könnte sich dahinter nicht eine Sehnsucht nach Abenteuer, Wildnis oder Natur bzw. Nervenkitzel und eine geisse Unsicherheit verbergen. Etwas was man gerne tun würde, den Mut aber nicht aufbringen kann oder es nicht schafft sich aus seinem Alltag loszureißen und sich in evtl unbequeme und unsichere Situation zu begeben. Einmal für den Nervenkitzel. Einmal sich aufmachen ins Ungewisse, Gefahr erleben. Einmal aus der eigenen Komfortzone. Ein Bedürfnis nach Wildnis, nach unberührter Natur, die kaum eben kaum noch existiert. Wenn es man eben nicht schafft unserer alles-dreifachversicherten Gesellschaft den Rücken zukehren, seine Sachen zu packen und sich ins Ungewisse aufzumachen, dann, bleibt einem noch die Outdoorkleidung, die dem Gegenüber zumindest diese Phantasien oder Gedanken vermitteln sollen, anhand seines Erscheinungsbildes. Wenn man es selbst nicht tut, dann sollen es die anderen zumindest glauben man tue es.
    Denn die anderen assoziieren vielleicht dieselben Dinge mit der Kleidung, wie man selbst. Genau das nutzenviele Firmen,wenn sie ihre Produkte bewerben. Einsamkeit, Wildnis, Abenteuer, Gefahr. Diese Assoziationen werden von der Industrie vorgegeben und vermarktet. Letztendlich führt man dann doch ein geregeltes, dreifach- abgesichertes Leben, in dem das Highlight der Woche die neue Games of Thrones Folge ist und man Tag ein Tag aus sich zur Arbeit begibt, um seine materiellen Güter zu finanzieren. Was am Schluss bleibt ist die Sehnsucht nach Abenteuer. Dieses lässt sich zum Glück nicht im Laden kaufen.

    Dies soll niemanden werten, es ist bloß einer meiner Gedanken zu diesem Thema.

    Liebe Grüße
    Leo

  8. Marion sagte am 23. September 2019 um 14:22 Uhr

    Eins fehlt mir noch: die uneingeschränkte Nutzbarkeit der Outdoor-Sachen.

    Meine Outdoor-Doppeljacke (Hardshell plus eingeknöpfte Daunenjacke von Mammut) sieht zwar nicht überragend fesch aus, hält aber bei Nieselregen und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt sowohl warm als auch trocken. Ich besitze auch einen schönen Wintermantel (Geschenk von meinen Eltern), der aber bei stundenlangem Rumstehen auf dem Weihnachtsmarkt beim Ausflug mit den Kollegen doch nicht so warm ist wie erhofft und in dem es beim erwähnten Nieselregen irgendwann fürchterlich klamm wird.

    Dasselbe gilt für die Schuhe: meine Wanderschuhe trotzdem dem Schneematsch tadellos; als Frau ist es aber verdammt schwierig, ein halbwegs wasserfestes Paar Winterschuhe zu finden, was a) schick und b) nach ein paar Stunden auf besagtem Weihnachtsmarkt noch warm ist und gleichzeitig genug Profil hat, dass ich in dem Schneematsch nicht alle Nase lang ausrutsche.

    Fazit: mag überzogen sein, sieht vielleicht für den einen oder anderen Betrachter gruselig aus – aber ich bleibe warm, trocken und auf den Füßen und damit ist es vor allem praktisch! Warum sollte ich das Zeug nicht tragen, wenn ich es eh schon habe?

  9. Sven sagte am 30. September 2019 um 23:21 Uhr

    Obwohl ich, sicher auch beruflich bedingt, im Alltag ehr selten meine Outdoorkleidung einsetze, denke ich gerade jetzt im Herbst oft, „Hättest Du mal lieber was anderes angezogen“. Ist erst letzte Woche passiert. Auf dem Heimweg vom Kino waren die chicen Lederhalbschuhe nach 15 Minuten im Regen durch. Resultat: kalte und nasse Füße für den Rest des Abends und die Schuhe werden wohl nie mehr so aussehen wir davor. Am nächsten Tag habe ich mich dann gefragt, warum ich nicht besser meine Salewa Schuhe getragen habe. Die sind nicht nur völlig wasserdicht, sondern auch noch viel bequemer. Ähnliches trifft auf die klatschnasse Jeans zu. Zum Glück hatte ich aber wenigsten ein Mammut Regenjacke an. ;-)

  10. Jörn sagte am 1. Oktober 2019 um 09:16 Uhr

    Ich glaube, solche Situationen kennen wir alle irgendwie ;)

    Liebe Grüße, Jörn

  11. Wenke sagte am 3. November 2019 um 13:14 Uhr

    Perspektivwechsel: Wenn ich viel Zeit draußen bei jedem Wetter verbringe und dabei praktische und robuste Kleidung trage, dann spar ich mir das zusätzlich Büro- oder City-Outfit als reduziertbaren Konsum, und trag einfach IMMER und NUR Ourdoor-Kleidung!

  12. Raik sagte am 10. November 2019 um 08:47 Uhr

    Hallo liebes Team,warum gibt es bei Euch Leider -NUR- bis ersichtliche Größe ‚ XXL ‚ ?

    MfG Raik

  13. Jörn sagte am 11. November 2019 um 11:43 Uhr

    Hi Raik,

    wir haben durchaus auch größere Größen im Angebot, schau mal hier: https://www.bergfreunde.de/outdoor-jacken/fuer–maenner/groesse–4xl/?bfc-groesse%5B%5D=3xl&bfc-groesse%5B%5D=5xl=logintern

    Gleichwohl sind die Stückzahlen bei Randgrößen – klein wie groß – etwas geringer als die der Kerngrößen S-XXL, was aber einfach mit der generellen Nachfrage zutun hat.

    Liebe Grüße, Jörn

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