Ausrüstung

Outdoorbekleidung mit UV-Schutzfaktor (UPF) – praxistauglich oder Marketingstrategie?

1. April 2015

Kategorie

Sportart

UV-Schutzkleidung

Wir zeigen Dir, wie man Outdoorbekleidung auf Durchlässigkeit von UV-Strahlung überprüft

UV-Schutz. Ein Begriff den man von Sonnencremes kennt. Vom Urlaub. Von Meer und am Strand liegen. Aber auch der geneigte Natursportler ist ständig Wind und Wetter, insbesondere der Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Und die kann je nach Aktivität verhältnismäßig intensiv ausfallen.

Da Deine Haut allein über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend Sonnenschutz leisten kann, Du aller Wahrscheinlichkeit nach aber auch nicht mit Sonnenschirm aufs Fahrrad sitzt, in Dein Kajak steigst oder auf den Berg gehst, übernimmt Deine Kleidung den größten Teil der Schutzfunktion vor den gefährlichen ultravioletten Strahlen der Sonne. Nun ist es aber längst nicht so, dass alles was Dir von den Herstellern so angeboten wird, auch einen wirksamen Schutz bietet. Und da es für Dich eher schwierig sein wird, durch Anschauen oder Fühlen Deine neue Lieblingsklamotte auf Durchlässigkeit von UV-Strahlung zu überprüfen, bekommst Du nun alle wichtigen Infos zu UV-Schutzfaktor (UPF), UV-Index, sowie Standards und entsprechende Prüfverfahren für Textilien.

Welches Material?

Zunächst einmal solltest Du wissen, welches Material Dir wirksamen Schutz bietet. Gut für Dich: Sowohl Kunstfaserprodukte als auch Baumwoll- oder Wolltextilien können Dich vor den fiesen UV-Strahlen schützen. Es müssen dabei auch nicht zwingend Chemikalien zum Einsatz kommen. Vielmehr ist entscheidend, wie fein ein Kleidungsstück gewebt wird. Je feiner, desto weniger schädliche Strahlen werden durchgelassen. Ein herkömmliches weißes Baumwollshirt bietet im (schweiß-)nassen Zustand kaum noch UV-Schutz. Dagegen zeichnet sich die besonders dünne und feine Merinowolle z.B. sich durch einen hohen natürlichen UV-Schutzfaktor (25-50+) aus. Spezielle UV-Schutzkleidung kann bis zu 98% aller UV-Strahlen absorbieren. Was das in der Praxis bedeutet erzählen wir Dir im nächsten Abschnitt.

Skitour, UV-Strahlung, Auswirkung

Höhenmeter, Umfeldbedingungen sowie Jahres- und Tageszeiten beeinflussen die UV-Strahlung

Was welcher Faktor für Dich bedeutet

Als grobe Faustregel kannst Du Dir merken, dass pro 1000 Höhenmeter die UV-Strahlung um ungefähr 30% zunimmt. Ebenso reflektieren Schnee, Wasser und Sand Sonnenlicht und UV-Strahlen bis zu einem bestimmten Grad. Wo Du Dich gerade aufhältst, zu welcher Jahres- und Tageszeit spielt dabei auch eine nicht unerhebliche Rolle. Zusammengefasst wird das Ganze im sogenannten UV-Index. Dieser ist weltweit einheitlich, wird auf einer Skala von 1-11+ angegeben und bestimmt in Abhängigkeit zu Deinem Hauttyp den empfohlenen UV-Schutzfaktor (UPF).

UPF steht für den Ultraviolet Protection Factor, also den UV-Schutzfaktor, durch das sich ein Textil auszeichnet. Angegeben wird der UPF auf einer Skala von 0-80, was in der Praxis bedeutet, dass ein Kleidungsstück mit UPF 50 die Zeit, die Du in der Sonne verbringen kannst ohne Hautschädigungen zu bekommen, um das 50-fache verlängert.

Rechenbeispiel: Zeit, die Du nackt bei Sonnenschein mit hellem Hauttyp auf dem Berg verbringen kannst, ohne Schädigungen der Haut zu riskieren = 10 min. Zeit verlängert sich im „UPF50-Ganzkörperkostüm“ um das 50-fache. Ergebnis: Du kannst Dich 490 min länger der intensiven Sonneneinstrahlung aussetzen. Wunderbar, aber wirklich so einfach? Prinzipiell ja, wenn „richtig“ geprüft wurde.

Was wird geprüft und wer prüft am zuverlässigsten?

Salewa - La Dura Dura Dry Pant - Kletterhose, UV-Schutz 50+

Die Salewa – La Dura Dura Dry Pant – Kletterhose bietet einen UV-Schutz von UPF 50+

Der angesprochene UV-Schutzfaktor (UPF) wird auf verschiedene Weisen ermittelt, wobei es entsprechend der Anforderungen an Kleidung, speziell Sonnenschutzkleidung, zu berücksichtigen gilt, dass diese ständigem Gebrauch sowie extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt werden. Dadurch können Textilien einen Großteil ihres ursprünglichen Schutzfaktors einbüßen. Ebenso zu berücksichtigen ist, dass es wie schon erwähnt je nach Standort zu deutlichen Unterschieden in Bezug auf die Strahlungsintensität der Sonne kommen kann.

Von daher gibt es auch in der Textilbranche wieder einmal unterschiedliche Normen, die Dir mal mehr und mal weniger gut Auskunft über den tatsächlichen Lichtschutzfaktor am neuen Kleidungsstück geben. Welche es gibt und wie sehr Du Dich auf sie verlassen solltest, erfährst Du jetzt:

Die Europäische Norm EN 13758-1

Geprüft werden Textilien bei dieser Methode im Neuzustand, so wie sie vom Hersteller ausgeliefert werden. D.h. es werden keine Gebrauchszustände, wie Waschen oder Tragen simuliert, was für Dich als praxisorientierter Outdoorsportler nur mittelmäßig hilfreich ist. Es kommt das Sonnenspektrum der Stadt Albuquerque in New Mexico zum Einsatz, dies entspricht in etwa dem im südlichen Europa.

Der amerikanische Standard AATCC 183

Diese Methode entspricht in etwa der Europäischen Norm. Es wird ebenfalls am unbenutzten Material getestet und auch das Sonnenspektrum von Albuquerque/New Mexico verwendet. Dementsprechend ist der amerikanische Standard ebenso mittelmäßig aussagekräftig wie der Europäische.

Der australisch-neuseeländische Standard AS/NZS 43999:1996

Hier wird die Sonneneinstrahlung im australischen Melbourne im Januar als Grundlage genommen, da eine deutlich höhere Strahlungsintensität als auf der Nordhalbkugel gegeben ist. Leider wird auch bei diesem Prüfverfahren am fabrikneuen Textil getestet und dadurch wichtige Faktoren außer Acht gelassen. Für Dich auch nur bedingt als Auswahlkriterium geeignet.

Der UV Standard 801

Bei all den unzuverlässigen Standards muss es ja auch einen geben, der Dich überzeugen kann: Der UV Standard 801. Wer hätte es gedacht, man nehme die höchste Strahlungsintensität, also das Sonnenspektrum vom australischen Hochsommer, simuliert dazu noch den täglichen Gebrauch, indem man das Textil wäscht, nach einer bestimmten Methode dehnt und ermittelt dann im nassem Zustand den UV-Schutzfaktor (UPF). Dafür bekommen diesem Standard entsprechende Kleidungsstücke ein Siegel, welches Dir verlässlich angibt wie hoch der UPF ist.

UV-Schutz, Klamotten

UV-Schutzbekleidung bieten einen sicheren Schutz

Also: Dass Sonnenschutz ausdrücklich zu empfehlen ist, um das Risiko von Hauterkrankungen möglichst minimal zu halten ist nichts Neues. Spezielle UV-Schutzbekleidung kann, vorausgesetzt verlässlich geprüft, einen sicheren Schutz bieten und sollte vor allem diejenigen unter Euch interessieren, denen bei ihren nächsten Abenteuern längerer und/oder intensiver Kontakt mit der Sonne bevorsteht. Und wie so oft gilt bei UV-Schutzbekleidung einmal mehr, nicht unbedingt der Preis ist ausschlaggebend für die Qualität eines Produktes. UV Standard 801 ist das Stichwort!

Derzeit sind noch keine Bekleidungstextilien mit dem Schutzfaktor UV Standard 801 in unserem Online-Shop eingetroffen. Die Hersteller sind jedoch bemüht auf das neue Prüf- und Zertifizierungsverfahren umzustellen, um einen für den Verbraucher verlässlichen UV Schutzfaktor transparent zu machen.

Bis dahin bietet die europäische Norm für unsere Breitengrade und der dazugehörigen Sonneneinstrahlung ausreichend Orientierung. Es sollte allerdings berücksichtigt werden, dass der UV-Schutz für Textilien im Neuzustand gilt.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Birgit sagte am 13. September 2016 um 07:46 Uhr

    Hallo Bergfreunde,
    danke für den interessanten Beitrag. Als Hautkrebsbetroffene suche ich immer nach geeigneten Outdoorhüten mit breiter Krempe. Leider haben die gängigen Modelle eine zu schmale Krempe – mein ansonsten hervorragender Tilley hat vorne 7 cm, an der Seite 5 cm. Das ist zu wenig! Wünschenswert wären 10 cm. Gibt es so etwas?
    Herzliche Grüße!

  2. Jörn sagte am 14. September 2016 um 11:13 Uhr

    Guten Morgen Brigit,

    schön, dass Dir unser Beitrag gefällt! :) Ich habe mal ein wenig im Shop gestöbert und vielleicht taugt dir eines von diesen drei Modellen:

    https://www.bergfreunde.de/outdoor-research-womens-mesa-verde-sun-hat-hut/
    https://www.bergfreunde.de/outdoor-research-cozumel-sombrero-hut/
    https://www.bergfreunde.de/outdoor-research-womens-oasis-sombrero-hut/

    Ich kann zwar keine genauen Angaben zur Krempenbreite finden, aber von den Bildern her könnte man annehmen, dass sie in Richtung 10 cm gehen.

    Liebe Grüße,

    Jörn

Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar