Geschirr für draußen: welche Materialien sind outdoortauglich?

2. August 2019

Kategorie

Sportart

Die Auswahl von Kochgeschirr ist normalerweise sprichwörtlich Geschmackssache. Welche der unzähligen Formen, Materialien und Materialkombinationen man nimmt, hängt großteils von persönlichen Vorlieben ab. Anders sieht das in der Outdoorküche aus, wo praktische Erwägungen viel mehr Bedeutung haben. Kochgeschirr für die Campingküche muss leicht, robust, vielseitig und langlebig sein. Es soll sich mit möglichst wenig Aufwand reinigen lassen, ohne dass es bei etwas festerem Scheuern gleich zu Kratzern und Materialabrieb kommt. Auch sollte das Material möglichst nicht mit Lebensmitteln, Salz und Säuren reagieren.

Was die ideale Wärmeleitfähigkeit des Materials ist, hängt vom persönlichen „Nutzungsprofil“ ab. Ist sie niedrig, dann eignet sich das Kochgeschirr eher für Wasser, Suppen und wasserhaltige Speisen. Wasserarme Gerichte werden bei schlechter Wärmeleitfähigkeit schneller mal anbrennen.

Da man sich beim Kochen draußen sowieso auf das nötigste Geschirr reduzieren muss, reicht es aus sich über die Basics zum Thema Material zu informieren.

Das waren schon einige wichtige Kriterien. Schauen wir uns nun die gängigen Alternativen im Angebot an. Da auch beim Kochgeschirr jeder Outdoorer die Frage „was ist am besten für mich geeignet“ anders beantwortet, gibt es hier nicht „das beste Material“. Deshalb stelle ich nur die gängigen Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen vor und lasse sie nebeneinander stehen.

Die „gängigen“ Alternativen reichen aus, weil wir für die Outdoorküche nicht wirklich tief in die Feinheiten der Metalle und ihrer vielen verschiedenen Legierungen, Beschichtungen, chemischen Strukturen, Wärmekapazitäten, Wärmeleitfähigkeiten sowie all deren Wechselwirkungen und Auswirkungen auf Geschmack und Gerüche eintauchen müssen. Sonst müssten wir zum Beispiel  die kleinen Abweichungen der diversen Edelstahl-Legierungselemente wie Chrom, Nickel, Titan oder Wolfram mit ihren Änderungen der Topf- und Pfanneneigenschaften und der Kochergebnisse beleuchten. Doch da man von all dem in der Outdoorküche bei einer robusten Tütenmahlzeit oder ein paar „Armen Rittern“ eher weniger bemerkt, bleiben wir hier bei den Basics und heben uns die Haute Cuisine für die Bulthaupküche daheim auf.

Neben den outdoorspezifischen, weil praktischen Materialien wie Aluminium und Titan kommt draußen vereinzelt auch durchaus der gute alte Edelstahl zum Einsatz. Schauen wir uns die drei nun näher an.

Aluminium

Aluminium: leicht, günstig und ideal wärmeleitend… aber wie steht es um das gesundheitliche Risiko?

Kurzfassung: leicht, billig, hervorragender Wärmeleiter, aber gesundheitlich in der Diskussion. Laut Verbraucherzentrale weiß man inzwischen, „dass sich unter bestimmten Umständen Aluminiumionen lösen und ins Lebensmittel wandern können“. Doch diese „bestimmten Umstände“ kann man gut beeinflussen. Bei einem Espressokocher aus Aluminium ganz einfach dadurch, dass man ihn nicht in der Geschirrspülmaschine wäscht. Denn dadurch wird eine Schutzschicht entfernt, die sich mit der ersten Benutzung bildet und „Übergänge von Aluminium weitestgehend reduziert“.

Die zweite einfache Vorsichtsmaßnahme ist, den Kontakt von Aluminium mit Salz und sauren Lebensmitteln zu minimieren. Generell reagiert Aluminium im Vergleich zu anderen Materialien stärker mit Lebensmitteln. Allerdings haben die meisten angebotenen Aluminiumtöpfe und -Pfannen eine PTFE- oder Keramikbeschichtung, oder sind mit einer nicht löslichen Oxidschicht versehen (eloxiert). Der Nachteil mancher Beschichtungen kann zwar wiederum eine höhere Empfindlichkeit gegen Abrieb sein, doch wenn man etwas Sorgfalt walten lässt und in Töpfen nicht wie wild herumkratzt, wird man sicher keine ernsthaften Gesundheitsschäden davontragen.

Dadurch dürfte, im Zusammenspiel mit den anderen Vorsichtsmaßnahmen, das Risiko auf ein überschaubares Maß sinken. Wenn man dann noch das Aluminiumgeschirr nur beim Zelten und nicht im Alltag in der Wohnung verwendet, dürfte die eventuelle Schadstoffaufnahme bei einem zu vernachlässigenden Maß angekommen sein.

Vor- und Nachteile

Aluminium ist vielseitig: HA- und Duossal-Aluminiumgeschirr ist beispielsweise kratzfest und daher weniger empfindlich.

Auf der Habenseite stehen der günstige Preis, das geringe Gewicht und die superschnelle Wärmeleitung. Letztere Eigenschaften gehen mit einer geringen Dichte und schlechten Wärmespeicherkapazität einher. Die dürfte aber im Outdoorbereich kaum ein Nachteil sein, da Mahlzeiten und Heißgetränke hier in aller Regel gleich nach der Zubereitung verzehrt werden. Ich habe jedenfalls am Zeltplatz oder Lagerfeuer noch kein Buffet mit warmgehaltenen Speisen gesehen …

Dass sich Aluminium leicht verformt und verbeult, ist hauptsächlich ein ästhetischer Aspekt. Die Benutzbarkeit der Töpfe und Pfannen ist dadurch nicht eingeschränkt. Solange es keine zu starken Dehnungen und Stauchungen gibt, kommt es nicht zum Reißen oder Abplatzen von Partikeln auf der Oberfläche. Das Problem kann ohnehin leicht umgangen werden, indem man auf härtere (und dadurch auch weniger reaktive) Varianten wie HA-Aluminium oder Duossal umsteigt.

Alu-Spezialitäten: HA und Duossal

HA steht für hartanodisiertes Aluminium. Die mit einer HA-Keramikschicht behandelten Pfannen und Töpfe sind absolut kratzfest. Die HA-Schicht ist nicht einfach nur aufgetragen, sondern regelrecht mit dem Aluminium verwachsen. Dadurch können Minimalismus-Cracks das Geschirr nach MacGyver-Art mit Sand „ausspülen“ und in ihm sogar mit der Metallgabel herumkratzen. Diese Unempfindlichkeit unterscheidet HA von normalen Beschichtungen wie Teflon. Dafür kann sie nicht mit deren Anti-Haft-Eigenschaften mithalten. Speisen können anbrennen und ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit beim Kochen bleibt erforderlich.

Bei Duossal ist die Innenseite der Töpfe und Pfannen mit Edelstahl ausgekleidet. Daraus resultiert  eine extrem kratzfeste, garantiert aluminiumfreie und lebensmittelechte Oberfläche bei geringem Gewicht und guter Wärmeleitfähigkeit.

Alles in allem kann Aluminium mit seinen vielen Varianten die eventuellen Nachteile durch Gewichts- und Preiseinsparungen mehr als wettmachen.

Kochen wie daheim: Edelstahl

Wer es nicht weit hat, kann auch mal mit einem Edelstahltopf über offenem Feuer kochen. Allerdings ist das Material sehr schwer und beispielsweise bei längeren Touren daher ein Nachteil.

Edelstahl ist ein Stahl, dem in der Regel Chrom und Nickel zugesetzt wurden. Er ist das schwerste, aber auch härteste und stabilste der hier genannten Materialien. Für den Outdooreinsatz werden dünne Wandstärken fabriziert, die das Gewicht etwas drücken.

Vor und Nachteile

Edelstahl ist relativ preisgünstig, stoßfest, rostfrei, sehr lang haltbar und leicht zu reinigen. Er zeigt keine Reaktivität mit Lebensmitteln und bietet in Verbindung mit dem oft vorhandenen Kupfer- oder Aluminiumkern eine passable Wärmeleitfähigkeit. Reine Edelstahlpfannen, die es im Handel allerdings kaum gibt, haben sehr schlechte Wärmeeigenschaften. Die eher schlechte Antihaftwirkung kann bei fehlender Aufmerksamkeit beim Kochen für angebranntes Essen sorgen.

Leider spielt der Nachteil des hohen Gewichts im Outdoorbereich eine große Rolle, weshalb Edelstahl hier selten erste Wahl ist.

Titan

Titan bietet neben einem klangvollen Namen eine unverwüstliche Stabilität und einen hohen Anschaffungspreis. Oft wird ihm ein geringes Gewicht zugeschrieben, doch der entscheidende Faktor ist eher seine enorme Härte. Wegen ihr kann Titan extrem dünnwandig verarbeitet werden, was zu einem sehr leichten Endprodukt führt. Die Härte des Titans geht auch mit einer hohen Kratzfestigkeit (auch hier „Sandspülung“ möglich) und einer geringen Reaktivität mit Säuren einher.

Vor- und Nachteile

Stabil und kratzfest: Titan kann so einiges. Allerdings sollte man sich in Geduld üben: Durch eine eher schlechte Wärmeleitfähigkeit kann das Kochen schon mal etwas dauern.

Die Produktion ist allerdings sehr aufwendig, da Titan auf enorme 1668 °C erhitzt werden muss, um  zu schmelzen. Dadurch erklärt sich der im Vergleich zu Alternativmaterialien sehr hohe Preis. Neben diesem kann man die schlechte Wärmeleitfähigkeit von Titan als Minuspunkt werten. Zusammen mit der geringen Wandstärke kann das schon mal zu schnellem Anbrennen von Speisen führen.

Wer allerdings dazu neigt, seinen Topf oder Kessel auf dem Feuer zu vergessen, kann das auch als Vorteil sehen. Denn ein Titantopf kann lange in der Glut verweilen, ohne irgendeinen Schaden zu nehmen.

Dass die Speisen mit einem Titantopf etwas mehr Zeit brauchen als mit Aluminium- oder Edelstahlgeschirr fällt bei einem oder zweimal kochen sicher nicht ins Gewicht, doch bei einer wochenlangen Tour kann der höhere Brennstoffverbrauch den Gewichtsvorteil von Titan womöglich aufheben. Wobei dies eine Spekulation meinerseits und keine „gesicherte Erkenntnis“ ist.

Fazit

Wie bei fast jedem Teil der Ausrüstung gibt es auch beim Outdoor-Geschirr nicht „das beste“ Material. Als Käufer sollte man sich die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen (Gewicht, Preis, Stabilität, Kocheigenschaften, usw.) klar machen und in der richtigen Reihenfolge gewichten. Dann wird man sich entweder eine individuelle Auswahl zusammenstellen, oder – wenn man sich nicht über jedes Detail den Kopf zerbrechen will –, auf ein komplettes Kochset zurückgreifen.

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