Softshell Membranen. Foto: Mammut

Nicht ganz dicht ?! – Softshell-Membranen

6. Oktober 2017

Kategorie

Softshellajcke im Einsatz beim Klettern

Die Softshell im Einsatz (Quelle TNF)

Es ist ein leidiges Thema – man streift durch die Weiten der Softshells und je mehr man sich mit den technischen Spielereien beschäftigt, desto tiefer dringt man in die Welt der verwirrenden Details vor. Ganz vorn dabei im Ranking für irritierte Blicke – die Membran.

In den Produktbeschreibungen stößt man auf Begriffe wie Polartec, Apex, Windstopper, M1. Noch verwirrender sind nur noch Werte wie MVTR, Ret und Wassersäule. Hier etwas Licht für das dunkle Labyrinth der Detailfragen.

g/m²/24h oder m²Pa/W? – Die Atmungsaktivität

Zunächst ein kleiner Exkurs zu einem Thema, an dem auch bei Softshells kein Weg vorbei führt – die Atmungsaktivität des Materials. Die Atmungsaktivität beschreibt, in welchem Umfang eine Membran in der Lage ist, Wasserdampf von der Innenseite der Jacke nach außen zu transportieren. Dies zu messen ist leider nicht ganz einfach, denn schon hier gibt es zwei verschiedene Indikatoren:

Der MVTR (Moisture Vapor Transmission Rate) Wert

Bei diesem Wert wird gemessen, welche Menge Wasserdampf in 24 Stunden durch einen Quadratmeter Membranfläche hindurch dringt. Dementsprechend lautet hier die Regel: umso höher der MVTR Wert, desto besser die Atmungsaktivität. Die Bestmarke liegt hier bei ca. 40.000g/m²/24h – also 40.000g Wasserdampf pro Quadratmeter in 24 Stunden, ab 10.000g/m²/24h gilt eine Membran als sehr atmungsaktiv. Problematisch ist jedoch die Vielzahl an verschiedenen Messverfahren, so gibt es zur Bestimmung des MVTR Werts (Moisture Vapor Transmission Rate) zum Beispiel um die 30 verschiedene Messverfahren. Als der Hersteller Patagonia beispielsweise seine Produkte vor ein paar Jahren auf die Atmungsaktivität hin untersuchen ließ, beauftragte er sechs verschiedene Testlabors – Ergebnis: 6 vollkommen unterschiedliche Werte.

Der Ret-Wert

Der Ret-Wert (Resistance to Evaporating Heat Transfer) bestimmt hingegen den Widerstand, den ein Stoff dem Wasserdampf entgegensetzt. Im Gegensatz zum MVTR-Wert gilt hier, umso niedriger der Ret-Wert, desto höher die Atmungsaktivität. Grob über den Daumen gepeilt bedeutet dies, dass Ret-Werte von 0-6 sehr gut, 6-13 gut, 13-20 noch befriedigend sind und alles jenseits der 20 als unbefriedigend eingestuft werden kann.

Wasserdicht oder nicht

Nun nützt einem eine hohe Atmungsaktivität leider nichts, wenn von außen mehr Wasser nach innen dringt als auch wieder raus geht. Die gute Nachricht ist: fast alle heutigen Membranen bieten ausreichend Schutz. Nach der europäischen DIN EN 343:2010-05 („Schutzkleidung gegen Regen“) ist ein Produkt mit Wassersäule ab 800 mm „wasserdicht (Klasse 2)“ und ab 1300 mm „wasserdicht (Klasse 3)“. Gerade bei starkem Regen oder beim Sitzen auf nassen Untergründen reichen diese Werte jedoch nicht aus, weshalb die meisten Hersteller Materialien mit höheren Wassersäulen von bis zu 20.000 mm anbieten.

Die Membranen – winddicht oder wasserdicht?

Ein kleiner Stolperstein liegt mal wieder im Detail. So gibt es bei Softshells zwei verschiedene Arten von Membranen – die einen halten den Wind draußen und Schützen so den Körper vor dem Auskühlen, andere schützen darüber hinaus auch nachhaltig vor Nässe. Hier ein kleiner Überblick:

Aufbau einer Softshell mit Membran

Der Aufbau einer Softshell mit Membran (Quelle Arc’teryx)

Wasserdichte Membranen

Viele Hersteller wie beispielsweise Arc’teryx setzen hier auf die Softshell-Membran von Gore, welche Wind und Wasser zuverlässig draußen hält und zudem über eine gute Atmungsaktivität verfügt (Ret < 13). Daneben existieren weitere, teils von Herstellern eigens entwickelte Softshellmembranen, die ähnlich gut funktionieren wie die Lösung vom Branchenprimus:

  • Polartec Powershield Pro
Windstopper - Zuverlässiger Schutz gegen Wind

Zuverlässiger Schutz gegen Wind

Winddichte Membranen

Eigentlicher Zweck dieser Membranen ist es, den Wind abzuhalten, um den Körper vor dem Auskühlen zu bewahren. In puncto Wasserdichtigkeit verschwimmt hier die Grenze zwischen wasserdicht und wasserabweisend. So halten winddichte Membranen  Regen länger stand als eine ausschließlich mit einer haltbaren Imprägnierung beschichtete Softshell. Bricht aber ein kleiner Monsun über einem herunter, sind die Grenzen überschritten. Zu den winddichten Membranen gehören u.a.:

  • Gore Windstopper
  • The North Face Apex ClimateBlock
  • Marmot M2

Zum guten Schluss

Die Zeiten, zu denen man einfach zwischen Regenjacke und Softshell unterschied, sind lange Geschichte – die gute Nachricht daran ist: auch bei Regen braucht man auf den Komfort der Softshell nicht mehr zu verzichten. Die schlechte Nachricht: die Entscheidung wird nicht einfacher!

Wie immer könnt Ihr Euch bei Fragen auch gerne an unsere Experten aus dem Kundenservice wenden. Sie stehen Euch unter der Woche täglich von 8.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail zur Verfügung.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 26.10.2015 überarbeitet.

4. Nov.LS4. Nov.???-????66° North Esja Woman’s Jacket
Kommentare zu diesem Artikel

  1. Michael Wagner sagte am 13. November 2012 um 08:43 Uhr

    Bin mit einem Freund von Augsburg nach Füssen mit dem Mountainbike geradelt. Starker Regen 8-10 C° mit Pausen 9 Stunden Fahrzeit für 120 km. Unsere Wasserdichten Sachen waren nach 2,5 Stunden von innen nass. Wir stellten und oft die Frage kommt, in welcher Richtung fließt das Wasser schneller. Wir hatten viele quallitativ unterschiedlichen Sachen, können aber keine eindeutige Empfehlung abgeben wie man 9 Stunden im Dauerregen trockn bleibt. Rucksack von Deuter Superbike 18EXP, war das beste Teil unserer Ausrüstung (Bekleidung).

    Michael

  2. Wiebke sagte am 13. November 2012 um 09:01 Uhr

    Hallo Michael, manchmal ist man einfach hilflos. Wenn sich der Stoff der Regenkleidung einmal mit Wasser vollgesaugt hat, dann tut sich auch eine atmungsaktive Membran schwer den Wasserdampf aus dem Inneren weiterzuleiten. Um dem vorzubeugen sollten man seine Sachen immer gut impregnieren, damit das Wasser erst gar nicht auf dem Stoff liegen bleibt sondern augenblicklich abperlt. Wenn das nicht mehr funktioniert, hilft leder nur noch weniger Schwitzen und wie es die Eskimos machen, die ihre Geschwindigkeit ihrer Körpertemperatur anpassen, um eben nicht ins Schwitzen zu kommen. Zugegeben, auf dem Rad etwas schwer.

    Gruß, Wiebke

  3. Matthias sagte am 31. Dezember 2012 um 22:00 Uhr

    Hier wird von Wiebke, und in verschiedenen Foren von anderen Leuten gesagt dass durchnässte Regenkleidung keinen Dampf ausleiten kann. Klar: Wasser ist nicht wasserduchlässig, das überzeugt. Wasser soll deshalb bereits an der Aussenhaut abperlen. Auch klar. Nur: Wozu brauch ich da drinnen dann noch eine – noch so dampfdurchlässige – Membran? Gar nicht? Wir sind auf dem Stand von 1980? Damals schon gab es Imprägnierungen von Kunstfasergewebe und die Gore-Chemische Entwicklung hätte man sich sparen können?

    Fragt sich und grüsst

    Matthias

  4. Wiebke sagte am 2. Januar 2013 um 10:17 Uhr

    Hallo Matthias,

    atmungsaktive Membranen sorgen dafür, dass der vom Körper produzierte Wasserdampf aus der Jacke abtransportiert werden kann. Würde das nicht geschehen, stünden wir bei schweißtreibenden Aktivitäten in kürzester Zeit „im Wasser“. Es gibt viele wasserdichte Bekleidungsmöglichkeiten (Friesennerze, Regencapes, Plastiktüten etc….). Nur hilft die eine wasserdichte Oberschicht nicht so viel, wenn Du durch Deinen Schweiß von innen nass wirst. Daher ist es bei schweißtreibenden Tätigkeiten, sinnvoll eine atmungsaktive Membran zu haben, die diesen Dampf nach außen leitet. Dadurch bleibt es im Innenren der Jacke trocken.

    Solche Membranen sind zumeist auch wasserdicht. Die Imprägnierung dient weniger der Wasserdichtigkeit (wobei sie hier natürlich auch zuträglich ist), sondern viel mehr dazu, die Atmungsaktivität der Jacke aufrecht zu erhalten.

    Seit 1980 hat sich also doch eine ganze Menge getan. Wasserdicht waren sie schon ziemlich lange, nur die Atmungsaktivität macht ihren Gebrauch nun auch beim Sport immer attraktiver.

    Ich hoffe ich konnte Deine Frage ausreichend beantworten? Gruß, Wiebke

  5. Dietmar sagte am 3. November 2017 um 17:36 Uhr

    Frage:
    Wie kann eine Jacke Wasserdampf nach außen abführen, wenn es in Strömen regnet und sich ein Wasserfilm auf der Jacke gebildet hat ?
    Der Dampftransport, sofern er nicht behindert wird, hängt bei gegebenem Material nur von der Differenz der Wasserdampfkonzentration innen und außen ab und von der Dicke der Diffusionsstrecke( also der Jacke zB).
    Spätestens bei 37°C Außentemperatur und Wasserdampf gesättigter Luft tut sich gar nichts mehr.
    Der Dampftransport nach außen kann nur bei sehr niedrigen Außentemperaturen und/oder trockener Luft funktionieren.
    Bei hohen Außentemperaturen hat man zwar (oft) eine trockene Luft aber produziert auch mächtig Dampf durch’s Schwitzen und die Membran geht in die Knie.
    Fazit:
    die einzige Möglichkeit bei sportlichen Aktivitäten trocken zu bleiben ist das regelmäßige Wechseln der Unterkleidung, auch bei Regen.

  6. Dietmar sagte am 3. November 2017 um 18:14 Uhr

    Korrektur.
    Ich komme gerade vom ersten Saunagang und da ist mir eingefallen, dass meine Argumentation nur für einen unrealistischen Spezialfall gilt.
    Richtig müsste es heißen:
    Der Wasserdamptransport ist in dem Fall, dass man von einer wasserdampf-gesättigten Luft am Körper ausgehen kann NUR vom Feuchtedefizit der Außenluft (und dem Diffusionswiderstand, also der „Jackenqualität“ ) abhängig.

    Das Feuchtedefizit ist die Wassermenge, die die Außenluft bei Außentemperatur noch aufnehmen kann.
    Bei 5°C kann die Luft ca 5g/m³ aufnehmen. Der Körper mit 37°C sättigt die Luft mit ca 50g/m³.
    Ist die relative Luftfeuchtigkeit „draußen“ bei 5°C 100%, kann kein Transport stattfinden, weil die Außenluft bereits gesättigt ist.

  7. Jörn sagte am 7. November 2017 um 11:10 Uhr

    Hi Dietmar,

    danke für die Ausführungen. Ich denke, die physikalische Betrachtung sollte so passen. Auch was deinen Ausgangspost angeht, denn der Wasserfilm auf der Außenseite der Jacke verschließt sie, so dass eine Membran den Wasserdampf nicht abtransportieren kann. Das soll eigentlich die Imprägnierung verhindern.

    Das Wechselspiel zwischen Luftfeuchtigkeit, Schwitzverhalten und Temperatur ist tatsächlich nicht trivial, aber das dürfte demjenigen, der oft Draußen ist, ohnehin klar sein. Ich habe zum Beispiel das Glück, dass ich schlicht nicht so stark Schwitze. Mir reicht es meist, die Ärmel der Regenjacke nach oben zum krempeln und die Jacke bei getragener Kapuze etwas zu öffnen, um auch bei etwas höheren Temperaturen noch gut gekühlt zu sein. Inzwischen gibt es ja auch zahlreiche Hybrid-Jacke, die an den Schultern, Kapuze und Oberarmen mit Hardshell und am Körper mit Softshell ausgestattet sind – einfach um dem etwas mehr gerecht zu werden.

    Klar ist aber auch, dass in den Tropen vermutlich keine noch so atmungsaktive Regenjacke funktionieren würde. Im Hochgebirge, bei niedrigen Temperaturen und niedriger Luftfeuchtigkeit hingegen vermutlich schon.

    Liebe Grüße und danke für deinen Diskussionsbeitrag,

    Jörn

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