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Wickel’s ein – weniger Einwegplastik bei Retouren

18. September 2020
Die Bergfreunde

Kunststoff ist prinzipiell eine ziemlich geniale Sache: Man kann ihn in so ziemlich jede Form bringen, er ist günstig herzustellen, hat sogar eine gute Klimabilanz und ist meist ohne Qualitätsverlust recyclebar. Das Problem, das alle übrigen durchaus positiven Aspekte überschattet, heißt: Entsorgung. Wir alle kennen die wenig schönen Bilder von zugemüllten Stränden und auch das Thema Mikroplastik geistert immer wieder durch die Medien. Fest steht: Wir müssen es irgendwie schaffen, das Aufkommen an Plastikmüll zu reduzieren oder den anfallenden Müll zu recyceln.

Single Use Plastics – der Bösewicht!

Sogenannte Single Use Plastics, also Kunststoffprodukte, die nur einmal verwendet und dann entsorgt werden, sind in der ganzen Geschichte besonders problematisch. Einige Produkte aus dieser Kategorie, wie z.B. Plastikstrohhälme, sind inzwischen sogar schon verboten. Zu diesen SUPs zählen auch die feinen Plastikbeutel, in denen Bekleidung verpackt ist, wie sie zuhauf in unserem Lager herum liegt.

An sich erfüllen die Beutel einen guten Zweck: Sie schützen Bekleidung beim Transport vor Schmutz und Beschädigungen. Und das ist wichtig, denn jeder Kunde erwartet im Grunde einwandfreie Ware. Problem dabei: Diese Beutel sind derart zahlreich, dass es schwer ist, sie beim Kunden einzusammeln und wieder zu verwerten. Das Ergebnis: Viele landen direkt im Müll.

Eine Lösung muss her! Dafür wurde vor einigen Jahren die Single Use Plastics Initiative gegründet. Sie hat zum Ziel, das Problem mit den Polybags anzugehen und einen Recycling-Kreislauf zu etablieren, damit sie nicht mehr in der Umwelt landen, sondern direkt wiederverwertet werden. Wir sind ebenfalls Teil dieser Initiative und haben im Zuge dessen z.B. schon mehrmals testweise Bekleidung ohne Polybags versendet – mit sehr positiven Rückmeldungen seitens der Kunden. Die Polybags sammelten wir bei uns und schickten sie zum Recylinghof. 

Noch gibt es allerdings keine finale Lösung. Immerhin nutzen einige Marken, wie z.B. adidas inzwischen Polybags aus Recycling-Kunststoff, aber der große Wurf ist noch nicht gelungen. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.

Wie kann man SUPs vermeiden?

Nun gibt es natürlich nicht nur die Möglichkeit, Single Use Plastics wie Polybags zu recyceln. Man kann sie auch ganz einfach versuchen zu vermeiden – sie schlicht nicht nutzen. Das ist aus den oben genannten Gründen (Schutz der Bekleidung) zwar nicht praktikabel, aber wir haben einen Weg gefunden, wie wir zumindest einen kleinen Teil der Polybags einsparen können und zwar bei den Retouren.

Diese sind zahlreich. Das ist das Joch des Onlinehandels. Zwar geht es bei uns nicht so hoch her, wie bei reinen Mode-Online-Händlern, aber dennoch haben auch wir mit einem hohen Aufkommen an Retouren zu kämpfen.

Wenn Bekleidung vom Kunden zu uns zurück gesendet wird, wird sie wieder eingelagert – logisch. Dafür nutzen wir dann entweder den ursprünglichen Polybag oder – sofern der nicht mehr intakt ist – einen neuen. Zumindest war das bis vor kurzem so… denn seit einigen Wochen finden sich in unserer Retouren-Abteilung mehrere Maschinen, mit deren Hilfe wir Bekleidung mit Papierbanderolen verpacken können. Wie das aussieht, seht ihr hier:

Ziemlich genial, oder? Zwar noch immer nicht 100% perfekt, da auch auf den Bändern ein wenig Kunststoff aufgebracht ist, damit sie zusammengeschweißt werden können, aber wir sparen dadurch in der Retoure schon mal eine ganze Menge Plastik ein. Der Vollständigkeit halber: Große Waren wie zum Beispiel Parkas passen leider nicht in die Maschine und besonderes empfindliche Bekleidung, wie z.B. weiße T-Shirts müssen wir aufgrund unseres offenen Lagersystems leider weiterhin in Plastikbeutel verpacken. Beide Kategorien zusammen machen aber zum Glück nur einen kleinen Anteil aus.

Fragen, Vorschläge, Anmerkungen?

Wir hoffen, wir konnten euch einen guten Einblick in die Problematik der Polybags und möglicher Lösungsansätze bieten. Falls ihr Fragen, Vorschläge und Anmerkungen habt: Immer her damit. Wir halten euch hier im Blog immer über die neusten Entwicklungen bei uns auf dem Laufenden.

Cradle-to-Cradle: heiliger Gral der Nachhaltigkeit?

10. September 2020
Die Bergfreunde

„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare“: Dieses alte Sprichwort über das Leben in einem gründlich regierten Land ist weithin bekannt. Und „von der Wiege bis zur Bahre“ ist ja auch der übliche Lauf der Dinge. Was soll nun aber ein Konzept sein, dass sich „Von der Wiege bis zur Wiege“ nennt? Wie soll das möglich sein? Werden Produkte hier immer wieder neu „geboren“? Oder kommen sie wie Brad Pitt im Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ alt zur Welt und werden dann immer jünger?

Prinzip- und Begriffserklärung

Alles falsch. Cradle to Cradle ist das „öko-effektive“ Konzept, das der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough vor rund 20 Jahren entworfen haben. Es besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Konsum- oder Produktionsgüter in einem vollkommen geschlossenen Kreislauf produziert, verbraucht und re-produziert werden. Vollkommen geschlossen bedeutet, dass es weder Abfälle noch Rückstände noch sonstige „Reibungsverluste“ gibt. Im Detail bedeutet das für die Güterproduktion, dass:

  • die eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch biologisch abgebaut und als „Nährstoffe“ wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden ODER
  • ohne Verluste zu neuen Gütern verarbeitet werden können.
  • giftige oder umweltgefährdende Stoffe und Verbundstoffe, die sich nicht sortenrein recyceln lassen, sind für das Produktdesign ausgeschlossen.
  • die Energie für Produktion und Re-Design liefern erneuerbare Energien.

„Cradle to Cradle“ ist somit der Gegenentwurf zur Wegwerfproduktion. Klingt super, doch wie soll diese Wundermaschinerie im Detail funktionieren?

Wie funktioniert es im Detail?

Das Zauberwort heißt „Ökoeffektivität“. Damit ist ein Qualitätsansatz gemeint, der die Möglichkeiten der Industrie so verbessern soll, dass natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse möglich werden. Und zwar indem natürliche Stoffwechselprozesse detailliert nachgeahmt werden. 

Dabei geht es nicht um Einsparung und Vermeidung, sondern es ist im Gegenteil sogar Überproduktion und „Verschwendung“ möglich. Auch die Natur erzeugt ständig Überfluss, ohne die stofflichen Kreisläufe zu schädigen. Man denke nur an die „Energieverschwendung“ der Sonne.

Man muss demnach laut Braungart den ökologischen Fußabdruck nicht reduzieren, sondern ihn als „nie versiegende, unterstützende Quelle für natürliche Systeme“ errichten.

Klingt nicht ganz unkompliziert und ist auch nicht ganz einfach umzusetzen. Besonders die Sache mit den komplett ungiftigen und recycelbaren Ausgangsstoffen dürfte ein oftmals schwer umzusetzender Schritt sein. C2C ist ein Konzept mit hohen Ansprüchen an Know how und Innovationskraft.

Deshalb gibt es nach wie vor noch nicht allzu viele Produkte, obwohl das Konzept wie gesagt keine Neuheit mehr ist. Weltweit sind es um die 11.000 Produkte, die nach dem C2C Prinzip entwickelt wurden.

Dennoch spricht Michael Braungart im Interview mit Deutschland.de davon, dass die Industrie „euphorisch“ auf Cradle to Cradle reagiert und, da es nicht ums Vermeiden, „sondern um Innovation, Qualität und Schönheit“ geht. Außerdem lehren „alle Designschulen der Welt, die etwas auf sich halten“, Cradle to Cradle. Und das Prinzip setzt sich seiner Ansicht nach weiter durch, da es „Voraussetzung für die Digitalisierung ist. Ich kann nichts digitalisieren, wenn ich nicht ganz genau weiß, was es ist und was es enthält.

Zudem müsse die Industrie „darauf umsteigen, Nutzung zu verkaufen statt Maschinen. Denn Maschinen können in der digitalen Welt innerhalb von Wochen kopiert werden, und dann konkurrieren sie mit ihrem eigenen Nachbau.“ Was mit „Nutzung verkaufen“ gemeint ist, erläutere ich gleich. Die erwähnte Maschinen-Selbstreplikation erschließt sich mir hingegen selbst nicht ganz. Die klingt für mich eher nach Transhumanismus als nach Ökoeffektivität in der analogen Welt. Auch sonst bleiben (zumindest mir) beim Betrachten des Cradle to Cradle Prinzips hier und da Verständnislücken und offene Detailfragen. 

An dieser Stelle soll dann auch nicht unerwähnt bleiben, dass es am Cradle to Cradle Konzept auch Kritik gibt. Genauer, es wird an der Umsetzbarkeit über einige Nischenprodukte hinaus gezweifelt. Auch am eben kurz dargestellten grundlegenden Denkansatz der C2C-Erfinder gibt es durchaus berechtigte Einwände.

Allerdings ist das auch bei allen anderen „Lösungskonzepten“ der Fall. Auch die sind allesamt Mischungen aus einigen naturwissenschaftlichen Prinzipien und Philosophie. Es gilt also nach wie vor: Nobody is perfect.

Was ist das Besondere?

Was als erstes auffällt: Cradle to Cradle kommt zeitgeistuntypisch ohne Büßermoral, Verzichtsethik oder Schuldgefühlaktivierung aus. Dazu nochmal Michael Braungart:

In Deutschland betreiben wir Umweltschutz als eine Art Schuldmanagement: vermeiden, sparen, verzichten, reduzieren. Die Nachhaltigkeit, die daraus folgt, ist technologiefeindlich und macht den Kunden zum Feind. Bei Cradle to Cradle geht es nicht um Moral, sondern um Innovation und Qualität: Alles ist nützlich statt weniger schädlich. Je mehr du kaufst desto besser.

Vielen mag solches Fehlen von konsumkritischen „Nachdruck“ als Schwäche erscheinen, mir persönlich erscheint er als Stärke. Vermutlich weil ich an der Kraft des moralischen Zeigefingers zweifle und eher auf die Kraft rationaler und vernünftiger Informationen setze. Und auf die Fähigkeit der meisten Konsumenten vertraue, diese sinnvoll zu verarbeiten und mit ihrem Gewissen zu vereinen. Cradle to Cradle bietet jedenfalls einige vernünftige Argumente, das gute Gewissen ist am Ende „nur“ ein Nebenprodukt.

Abgrenzung von Recycling

Verpackungsrecycling ist laut Braungart „Downcycling und somit minderwertig“. Braungart hält jedes Produkt, das zu Abfall wird, für ein Produkt von schlechter Qualität. Außerdem sei Recycling innovationsfeindlich: „Die neuen Dinge kommen nicht auf den Markt, weil die alten optimiert werden. Das Falsche wird perfekt – und dadurch perfekt falsch. Wir haben die Abfallwirtschaft perfektioniert statt bessere Produkte zu entwickeln.

Im Unterschied zu Recycling sollen sämtliche im Kreislauf befindliche Materialien bei Cradle to Cradle entweder in der Biosphäre oder in der Technosphäre verlustfrei „dauerverwertet“ werden. Unter die Biosphäre fällt dabei alles, was als biologischer Nährstoff und Verbrauchsgut dienen kann (wie z.B. Reinigungsmittel und Shampoos), unter die Technosphäre alles, was als technischer „Nährstoff“ und Gebrauchsgut (z.B. Autos und Waschmaschinen) dienen kann. Eine grafische Darstellung dazu findet sich auf Braungarts Hompage an der Environmental Protection Encouragement Agency in Hamburg.

Als Beispiel nennt Braungart von ihm entwickelte, kompostierbare Stoffe für Sitze in Zügen, die als Torfersatz in Gärtnereien statt auf dem Sondermüll landen.

Gedankliche Umstellung: Nutzung statt Besitz

Wir besitzen zwar unsere gekauften Güter, doch eigentlich ist es die Nutzung, die wir wirklich wollen. Oder nicht? Möchtest du an deinem Ultra-HD-Fernseher wirklich die Bauteile oder ist es nicht viel eher die entspannte Zeit mit der bunten Bildberieselung? Auch bei der Waschmaschine stellt sich die Frage: geht es um die Trommel und die Steuerungsplatine, oder sind wir nicht viel eher nur an der sauberen Wäsche interessiert? Beim Kauf eines Paares Steigeisen ist es ähnlich: mich interessieren die Riemen, Bügel und die Metallmischung dabei eher am Rande. Was ich wirklich kaufen will, ist die Erfahrung, ein ansonsten unzugängliches Gelände zu begehen. 

Der Wunsch nach ungeteiltem Besitz kann aber auch daraus resultieren, dass man im eigenen Auto und der eigenen Jacke nicht die körperlichen Ausdünstungen anderer Nutzer haben möchte. Doch selbst das ist letztlich eher ein Wunsch nach uneingeschränkter Nutzung als nach Besitz an sich.

C2C-Erfinder Braungart macht dieses Nutzungsprinzip am Beispiel der Waschmaschine deutlich. Die ist, wenn sie 50 Jahre hält, „die größte Pest, weil ich die Materialien nicht wieder zurückbekomme und weil dann keine neue wassersparende Technik auf den Markt kommt. Wenn ich aber nur die Nutzung verkaufe, kann sich Innovation verbreiten. Wir haben eine Waschmaschine entwickelt, bei der man den Kunden nur 3.000 Mal Waschen verkauft. In der Produktion komme ich dann mit nur fünf bis acht hochwertigen Komponenten aus, statt 150 billige Kunststoffe zu verwenden.

Nach den 3.000 Waschgängen sollen dann die veralteten 20 Prozent der Komponenten ausgetauscht werden, während die anderen 80 Prozent bleiben. Bei C2C kommt es demnach auf die Langlebigkeit der Komponenten statt auf die Langlebigkeit des Endprodukts an.

Die Cradle to Cradle-Zertifizierung

Da es für Laien kaum erkennbar ist, ob ein Produkt „Cradle to Cradle ist“, braucht es eine zuverlässige Zertifizierung. Die Cradle to Cradle-Zertifizierung ist weithin als zuverlässig und nachvollziehbar anerkannt. Sie „beurkundet die Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung), den Einsatz von Sonnenenergie bzw. anderen regenerativen Energieformen, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie die Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens.

Die Zertifikate werden je nach Menge und Qualität der erreichten Produktkriterien in den Kategorien „Basis“, „Silber“, „Gold“ oder „Platin“ für ein Jahr ausgehändigt. Unternehmen haben die Möglichkeit, durch Fortschritte höhere Kategorien zu erreichen.

C2C in der Outdoorbranche

In der Outdoorbranche gibt es bislang nur vereinzelte Beispiele für Cradle-to-Cradle-Produkte. Und nicht alle sind nach dem Originalkonzept umgesetzt bzw. zertifiziert. So hat beispielsweise Adidas ein eigenes Konzept erarbeitet und es als „Cradle-To-Grave“ bezeichnet. Angewendet wird es in einem Schuhmodell namens Futurecraft Loop, welches wir hier im Adidas-Nachhaltigkeitsportrait  schon vorgestellt haben. Es soll komplett recyclingfähig sein und bis zu den Schnürsenkeln aus nur einem TPU-Material bestehen. Der „Loop“ ist hier das Rücknahmesystem, in dem nach Reinigung, Häckselung und Beimischung weiteren TPUs der Nachfolgeschuh entsteht.

Auch das norwegische Traditionslabel Bergans ist dabei, ein C2C-Konzept zu installieren. In seiner „Kollektion von morgen“ stellt das Unternehmen eine mögliche Lösung vor, „wie die Kluft im Lebenszyklus eines Produkts – zwischen Recycling und neuen Rohstoffen – geschlossen werden kann, indem sie auf komplette Kreislaufwirtschaft setzt“.

Wichtigster Baustein dieses Projekts ist die Zusammenarbeit mit dem Faserproduzenten Spinnova. Spinnova hat das von den „Regeneratfasern“ bekannte Verfahren der Celluloseverarbeitung so weiterentwickelt, dass die bislang unvermeidliche Beimischung von Chemikalien wegfällt. Nach Einschätzung von Bergans „entwickelt Spinnova die nachhaltigsten Fasern der Welt“.

Wenn dieser Ansatz so vielversprechend ist wie er klingt, könnte er ein Kandidat für die bislang noch nicht vergebene C2C-Platin-Zertifizierung sein …

C2C bei den Bergfreunden

Da man natürlich auch die Bergfreunde zur Outdoorbranche zählen darf, sei an dieser Stelle nochmal erwähnt, dass immer mehr Kollegen aus einer C2C-zertifizierten Flasche trinken. Nein, nicht alle aus der gleichen, keine Sorge. Viele Bergfreunde nutzen inzwischen Dopper-Flaschen. Was an der so besonders ist, hat Bergfreund Jörn uns hier vor ein paar Monaten erklärt.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass C2C ein vielversprechendes und groß gedachtes Konzept ist, dass sich nicht von heute auf morgen flächendeckend einführen lässt. Es köchelt bereits seit 20 Jahren auf kleiner Flamme in der Design- und Industriewelt vor sich hin. Bislang ist es nicht in den Blick der breiten Öffentlichkeit geraten. Das dürfte sich mit dem steigenden und dringlicher werdenden Bedarf nach solchen Konzepten aber recht bald ändern.

Update: Wie nachhaltig ist Outdoor inzwischen?

15. September 2020
Die Bergfreunde

Vor ziemlich genau sechs Jahren sorgte Bergfreundin Wiebke hier im Basislager für den ersten Überblick über die Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche. Die erste Frage dabei war, welche Probleme es überhaupt gibt und warum Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit nicht einfach überall sofort umgesetzt werden. Probleme, die schon lange bekannt waren, gab es vor allem bei „chemischen Imprägnierungen, die ungut sind, Daunen aus Lebendrupf, Merinowolle, die von Farmen stammt, auf denen Mulesing betrieben wird und dann natürlich noch die Sache mit den Produktionsbedingungen in Fernost.

Daraufhin zeigte der Artikel, welche Fortschritte es in welchen Produktarten und bei welchen Herstellern bis dato gab. Einige positive Beispiele kamen hinzu, die „zeigen, dass doch ganz langsam Bewegung in den Outdoormarkt kommt und immer mehr Hersteller Öko-Linien einführen oder ihre Produktion gleich ganz auf nachhaltig umstellen.“ Die Liste dieser Hersteller stellte sich schon damals als erfreulich lang heraus. Und sie hat sich in den dazwischenliegenden Jahren nochmals deutlich verlängert, soviel kann ich schonmal vorwegnehmen. Vor allem beim Bezug von tierischen Ausgangsmaterialien wie Daune, Leder und Wolle satteln inzwischen weit mehr Hersteller konsequent auf zertifiziert nachhaltige Lieferquellen um. Tierquälereien wie Mulesing oder Lebendrupf sind mittlerweile bei vielen Firmen ausgeschlossen.

Angebot und Nachfrage: wer ist eigentlich „verantwortlich“?

Ein Grundproblem bleibt allerdings bis heute bestehen, da es eine dieser Henne-oder-Ei-Fragen beinhaltet. Denn wer soll eigentlich den ersten Schritt machen? Die Hersteller oder die Kunden? Wer muss zuerst das fürs Investment in die Zukunft benötigte Geld vorlegen? (Die Alternative, einfach auf Alles zu verzichten und den Laden komplett dichtzumachen blende ich hier mal aus, weil: das will doch niemand, oder?)

Seit vielen Jahren ist das insbesondere im Bekleidungssektor eine Kernfrage, da „immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und die Kunden immer mehr auf den modischen Aspekt ihrer Outdoor-Bekleidung achten und jedes Jahr neue schicke Modell sehen möchten. Damit werden einzelne Modelle nicht mehr für mehrere Jahre produziert, sondern müssen sich in wenigen Monaten rechnen.

An diesem Trend hat sich bis heute nicht viel geändert. Im Gegenteil, viele von den Herstellern erzielte Fortschritte werden durch wenig nachhaltige Kaufentscheidungen konterkariert. Wobei es natürlich zu kurz gegriffen ist, die Verantwortung oder „Schuld“ einseitig bei „den Kunden“ oder „den Herstellern“ zu verorten. Es handelt sich bei Angebot und Nachfrage schließlich nicht um eine Einbahnstraße, sondern um ein komplexes Wechselspiel von gegenseitiger Beeinflussung.

Allerdings sind die Maßnahmen der Hersteller leichter zu erfassen und zu beurteilen. Das Käuferverhalten wird hingegen nur mit viel Überblick und Marktforschungsaufwand sichtbar. Zum Kaufverhalten der Bergfreunde-Kundschaft hat Wiebke damals folgendes festgehalten:

Bei uns kommen ehrlich gesagt so gut wie nie Anfragen rein, wo die Daune herstammt oder wo und wie die Bekleidung hergestellt wird. Anhand unserer Zahlen scheinen nachhaltige Hersteller vor den herkömmlichen nicht bevorzugt zu werden. Das Gegenteil ist eher der Fall. Nachhaltige Produkte sind teurer, was von den wenigsten Kunden gerne bezahlt wird. Warum sollte also ein Hersteller nachhaltig produzieren, wenn er seine Sachen am Ende nicht los wird, wenn die Kunden doch lieber das günstigere Produkt kaufen?

Die „Nachhaltigkeitsnachfrage“ schien also nicht sehr stark ausgeprägt. Hat sich hier in der Zwischenzeit etwas geändert? Damit bin ich als „Externer“ natürlich überfragt, doch Bergfreund Jörn hat mal kurz Insiderquelle für mich gespielt und beim Kundenservice nachgehorcht. Dort teilt man die Einschätzung, dass das Thema Nachhaltigkeit zwar „an Relevanz gewinnt“, für die breite Mehrheit der Kunden aber nach wie vor eher nur ein „netter Zusatz“ ist. Als schlagendes Kaufargument zieht die Nachhaltigkeit eines Produkt nach wie vor meist den Kürzeren gegen den niedrigeren Preis.

Die Information lasse ich mal so im Raum stehen – für tiefere Aussagen, Erkenntnisse oder gar Beurteilungen müssten weitere Hintergründe wie zum Beispiel die unterschiedlichen finanziellen Spielräume der Kunden bekannt sein. Und dieser Blogbeitrag müsste zu einer wissenschaftlichen Arbeit ausgeweitet werden ;-)

Was tun die Hersteller

Um dennoch substanzielle Erkenntnisse zu bekommen, lenken wir den Blick auf die Hersteller. Denn die haben in den letzten Jahren definitiv an Nachhaltigkeit zugelegt. Fangen wir an mit einem kurzen Rückblick auf die Hardware-Produzenten.

Deren Produkte „sind sicherheitsrelevant und müssen deshalb sehr strengen Tests und Normen standhalten, weswegen sie sehr hochwertig produziert werden müssen. Und da Kletterer nicht gerne viel Geld für einen Karabiner ausgeben, müssen die Hersteller sehr knapp kalkulieren und die Händler auch. Und trotzdem gibt es einige Hersteller, die nach wie vor ausschließlich bei sich Zuhause produzieren, wie zum Beispiel DMM, AustriAlpin oder Grivel, die auf dem Dach ihrer Produktionshalle 7000m² Solarpanele verlegt haben.

Hier hat sich nicht viel geändert, was aber auch gut so ist: DMM und Austrialpin produzieren nach wie vor komplett heimisch, Grivel bezieht seine Energie größtenteils aus den eigenen Paneelen. 

Bei den „Softwareproduzenten“ also den Herstellern von Kleidung, Zelten, Isomatten usw. gab es noch viel mehr Bewegung.

Die Kleinen und die Großen

Eine deutliche Veränderung der letzten Jahre ist, dass immer mehr große Player des Outdoormarkts in die Nachhaltigkeit einsteigen. Vor sechs Jahren konnten nur einige kleine Hersteller wie Monkee, Jung oder Triple2 mit umfassender Nachhaltigkeit punkten. Und das obwohl nachhaltige Produktion entgegen der landläufigen Einschätzung für kleinere Firmen schwieriger ist als für Größere. Monkee gehört inzwischen zu Edlerid, Triple2 besteht weiterhin erfolgreich am Markt und die für hochwertige Kletterhosen stehende Firma Jung sucht laut Homepage nach einer neuen Führungskraft. Interessiert?

Unter den Großen war lange Zeit Patagonia das einzige prominente Nachhaltigkeitsbeispiel. Die kalifornische Traditionsmarke hat es früh geschafft, hohe Nachhaltigkeitsstandards finanzierbar und damit massentauglich zu machen. Den Rahmen für die Umwelt-Nachhaltigkeit setzt Patagonia mit seinem 4-Punkte Programm namens „Reduce, Repair, Reuse und Recycle.“ Ausführliches dazu ist in unserem Nachhaltigkeitsportrait der Firma nachzulesen.

Ein Hauptdarsteller der Branche, bei dem sich binnen sehr kurzer Zeit sehr viel getan hat, ist das Schweizer Traditionslabel Mammut. Die Schweizer stehen zwar seit langem für Qualität und Präzision, doch mit hoher Nachhaltigkeit brachte man sie nicht unbedingt in Verbindung. Aber das möchte der Bergausrüster aus dem Kanton Aargau so schnell wie möglich ändern.

Dafür hat man binnen zwei Jahren eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie inklusive fester Zielsetzungen und Erfolgskontrolle entworfen. Diese WE-CARE-Strategie soll unter anderem bewirken, dass mindesten 95 % der verwendeten Stoffe bluesign-zertifiziert sind, keine PFC-basierte Ausrüstung mehr eingesetzt wird, 95 % der verwendeten Stoffe aus recycelten Materialien gewonnen werden und ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle eingesetzt wird. Auch zu Mammut gibt es bereits ein Nachhaltigkeitsportrait im Basislager.

Bei anderen Branchengrößen wie Marmot waren die Nachhaltigkeitsansätze bis vor wenigen Jahren eher bescheiden. An einem umfassenden, ineinandergreifenden Konzept fehlt es nach wie vor, doch die Zahl der sinnvollen und effektiven Maßnahmen wächst, wie wir im Marmot-Nachhaltigkeitsportrait schon gezeigt haben.

Mountain Equipment gehört hingegen zu der Riege an Marken, die das Thema schon länger im Fokus haben. Um das Jahr 2010 herum, führte die Marke den Down Codex ein und machte das Sourcing ihrer Daune damit transparent und zurückverfolgbar. Mit dem Down Cycle geht dieses Engagement noch einen Schritt weiter: ME-Produkte unter diesem Label bestehen aus recycelter Daune sowie 100% recycletem Innen- und Außenmaterial.

Im Vergleich zu den eben genannten eher mittelständischen Outdoorspezialisten haben die großen, auf Massenmärkte abzielenden Breitensport-Player wie Adidas weiterhin Nachholbedarf. Hier bleibt es bislang überwiegend bei vereinzelten Maßnahmen, die noch nicht in ein umfassendes Konzept eingebettet sind. Manche der unternommenen Schritte werden auch nach wie vor als zu kurz kritisiert.

Skandinavier weit vorn

In den letzten 2-3 Jahren gingen vor allem skandinavische Hersteller einen Schritt weiter und betteten ihre zuvor einzeln ergriffenen Maßnahmen in umfassende Konzepte ein. Bei einigen traditionellen Labels ist dieser Prozess auch schon länger im Gange. So fasst man beispielsweise das Nachhaltigkeitsverständnis bei der schwedischen Firma Fjällräven schon seit vielen Jahren wie folgt zusammen: „Das Besondere an Fjällräven ist, dass Nachhaltigkeit nicht als eigenständiges Projekt begriffen wird. Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles, was wir tun.“ Hier könnt ihr nachlesen, wie die Umsetzung dieses Credos im Detail aussieht.

Ähnlich sieht es bei Haglöfs aus, einem weiteren dicken Fisch im skandinavischen Teich. Auch hier erstrecken sich die Nachhaltigkeitsmaßnahmen über alle Herstellungsschritte und werden mit überprüfbaren Zahlen und Daten dokumentiert. Dass Nachhaltigkeit bei Haglöfs kein Beiwerk, sondern tragende Säule ist, wird auch von außen bestätigt und honoriert. So wurde das Unternehmen schon 2015 zur nachhaltigsten schwedischen Marke des Jahres gekürt.

„Made in Germany“ gut dabei

Der Klassenprimus der Nachhaltigkeit kommt nicht aus Kalifornien oder Skandinavien, sondern aus Tettnang in Oberschwaben. Er hört auf den Namen VauDe und fällt seit vielen Jahren mit einem ambitionierten und konsequenten Nachhaltigkeitsfokus auf. Der jährliche Nachhaltigkeitsbericht von VauDe dürfte umfangreicher sein als der gesamte Geschäftsbericht manch ähnlich großer Firma. Dass die Nachhaltigkeit von VauDe-Produkten und -Aktivitäten weithin als glaubwürdig anerkannt wird, zeigen viele regelmäßig verliehene Zertifikate und Auszeichnungen.

Ganz in der Nähe von Tettnang befindet sich das Städtchen Isny im Allgäu. Dort hat die VauDe Tochter Edelrid ihren Sitz. Sie sticht ebenfalls mit einem außergewöhnlichen Nachhaltigkeitsfokus heraus. Die Edelrid-Firmenphilosophie umriss der 2017 verstorbene  Geschäftsführer Carsten von Birckhahn mit der Formulierung „Erst das Konzept, dann die Marge“. Dahinter verbergen sich Alleinstellungsmerkmale, die Edelrid bis heute auszeichnen. Da wäre das Festhalten am Produktionsstandort Deutschland ebenso wie die Strategie, Produktqualität und Reaktionsfähigkeit auf Marktentwicklungen über Gewinnmaximierung zu stellen. Der Grund dafür ist nicht nur Idealismus, sondern auch Pragmatismus:

Die Produktwelt von Edelrid ist sehr sensibel, da es sich zu großen Teilen um PSA-Produkte (Produkte zur persönlichen Schutzausrüstung) handelt. Der hohe Qualitätsanspruch, der an diese Produkte gestellt wird, ist in Asien nicht darstellbar. (…) Edelrid ist Produkt- und Innovations-getrieben, und dies geschieht vollumfänglich im Haus.“

Trend zu neuen Labels

Damit Nachhaltigkeitsmaßnahmen nicht jedes Mal von neuem umständlich erklärt werden müssen, versuchen die Hersteller, sie mithilfe von Labels auf einen Blick erkennbar zu machen. Ausgearbeitet und ausgestellt werden diese Labels von Organisationen, die sich der Förderung und Überwachung der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Die Organisationen wiederum bestehen aus Partnerschaften, Netzwerken und Kooperationen zwischen Outdoor- und Bekleidungsbranche sowie unabhängigen Partnern. Beispiele hierfür sind unter anderen:

Der Higg Index der letztgenannten Sustainable Apparel Coalition ermöglicht die standardisierte und vergleichbare Messung von Maßnahmen der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility).

Firmeneigene Labels werden ebenfalls immer zahlreicher. So kennzeichnet beispielsweise Haglöfs seine nachhaltig produzierten Produkte mit dem „Sustainable Choice Label“, das im oben verlinkten Haglöfs-Portrait näher beschrieben ist. Die Akzeptanz solcher Labels bei den Kunden hängt nicht zuletzt von „Standing“ und Image der Firma ab. 

Die wachsende Zahl der Initiativen und Labels kann aber auch verwirren. Deshalb haben wir sie hier im Basislager schon einmal genauer aufgedröselt.

Last but not least feilen in den letzten Jahren nicht mehr nur die Hersteller, sondern auch die Retailer eifrig an ihrer Nachhaltigkeit. So auch die Bergfreunde, die durch Maßnahmen in den Bereichen Transport, Energie(Gewinnung) und Verpackung mittlerweile klimaneutral unterwegs sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Maßnahmen der Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Sie sind zahlreicher, intensiver und effizienter geworden. Wenn zunehmend mehr Konsumenten auf die wachsende Zahl der nachhaltigen Produkte zurückgreifen, werden nach und nach auch mehr preisgünstigere Angebote in diesem Segment verfügbar sein.

Reparatur von Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung

15. September 2020
Tipps und Tricks

Eine neue Hardshelljacke kostet gerne mal 400 Euro, und ein neues Paar Bergstiefel schlägt mit 200 Euro zu Buche. Wenn die teure Ausrüstung dann nicht mehr so funktioniert, wie sie soll, ist das sehr ärgerlich. Eine Regenjacke mit Riss im Obermaterial und abgelaufene Sohlen an den Wanderschuhen lassen selbst die beste Ausrüstung schnell unbrauchbar werden. Da fällt der nächste Wanderurlaub im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Aber was nun? Neu kaufen? Kann man solche Beschädigungen reparieren?

Warum es sich lohnt, beschädigte Outdoorprodukte zu reparieren

Die gute Nachricht ist: Die meisten Ausrüstungsgegenstände lassen sich wieder in Ordnung bringen! 

Die Textilbranche steht nach der Öl- und Gasindustrie an dritter Stelle in Sachen Umweltverschmutzung. Aber nicht nur die Herstellung von Produkten für den Outdoorsport wirkt sich umweltschädlich aus. Auch das weit verbreitete Wegwerfen und Neukaufen von Produkten schadet der Umwelt. Wer also dank Reparaturen und Upcycling seine Kleidung, Schuhe und Ausrüstungsgegenstände länger nutzt und sie nicht gleich wegwirft, verringert seinen ökologischen Fußabdruck bereits deutlich. Reparieren ist ein radikaler Akt, wie die Kollegen von Patagonia zu sagen pflegen. Es schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Im Garantie-Dschungel nicht den Überblick verlieren

Wenn man sich auf den Internetseiten der Hersteller informiert, welche Garantien dem Kunden nach dem Kauf zugesichert werden, kann es schnell unübersichtlich werden. Häufig sind Begriffe wie limitierte Garantie, Lebensdauer oder Lebensspanne zu finden. Mit „Lebensdauer“ ist allerdings nicht das eigene Leben des Kunden gemeint, sondern die erwartete Lebensdauer eines Produktes. Welchen Zeitraum der Hersteller als „realistische Lebensdauer“ eines Produktes definiert, kann sehr stark variieren. Hier gilt es, sich vor der Reklamation oder Reparaturanfrage beim jeweiligen Hersteller zu informieren. 

Nur sehr wenige Firmen statten ihre Outdoorbekleidung mit einer lebenslangen Garantie aus. Letztendlich liegt die Entscheidung beim Hersteller, ob der Riss in der teuren Funktionsjacke seiner Einschätzung nach durch normalen Verschleiß, unsachgemäße Benutzung oder einen Materialfehler entstanden ist. Selbst wenn die Marke laut eigenen Angaben nichts repariert oder die Garantie bereits abgelaufen ist – ein Versuch kann ja nicht schaden!

Eine ehrliche Schadensmeldung bei eigenem Verschulden wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf mehr Sympathie treffen, als dem Hersteller pauschal die Schuld für den Schaden zu geben. Ein guter Kundendienst und Kulanz gegenüber dem Kunden gehören für viele Outdoorhersteller inzwischen zum Tagesgeschäft dazu. Dass nur frisch gewaschene und saubere Ausrüstung eingeschickt werden sollte, versteht sich von selbst.

Welche Marken bieten eine Reparatur und besondere Garantien an?

Bitte beachte, dass sich diese Garantievorgaben der Hersteller jederzeit ändern können! Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Die Bergfreunde können keine Garantie dafür übernehmen, dass euer Produkt im Zweifelsfall reklamiert oder repariert werden kann.

  • Patagonia setzt mit der „Ironclad Garantie“ den Standard für Reparaturen in der Outdoorbranche. Wenn der Kunde mit einem Produkt nicht zufrieden ist, kann es repariert, umgetauscht oder der Kaufpreis zurückerstattet werden. Das Besondere dabei: Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Auch ältere Bekleidung wird weiterhin kostenfrei wieder in einen funktionalen Zustand versetzt.
    Beschädigungen durch Verschleiß oder unsachgemäße Benutzung können für kleines Geld in Ordnung gebracht werden. Wenn ein Ausrüstungsteil sein Lebensende erreicht hat und nicht mehr zu reparieren ist, kann es eingeschickt oder in einem Patagonia Store abgeben werden und wandert als Recyclingmaterial wieder zurück in den Produktionskreislauf des Herstellers.
  • Beim amerikanischen Rucksackhersteller Osprey steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Dank der „All Mighty Guarantee“ werden Rucksäcke, Trinksysteme und Zubehör über den gesamten Lebenszyklus der Produkte repariert, ausgetauscht oder mit neuen Ersatzteilen ausgestattet. Auch für ältere Rucksäcke können Teile wie Schnallen oder Kordelzüge über den Hersteller bezogen werden.
  • Die deutsche Firma Vaude ist seit jeher einer der Pioniere, was nachhaltige Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte sind von Haus aus mit einer Garantie von fünf Jahren ausgestattet. Auf der Selbsthilfe-Plattform iFixithat der Hersteller viele Anleitungen veröffentlicht, um seine Produkte zu Hause reparieren zu können. Wer sich die Reparatur nicht zutraut, kann die Ware zu Vaude einschicken. Auch für die meisten älteren Produkte können noch Ersatzteile wie Schnallen für Rücksäcke bezogen werden.
  • Outdoor Research stattet seine gesamte Produktpalette mit der „Infinite Guarantee“ aus. Das bedeutet, das alle Artikel über die gesamte Lebensdauer jederzeit repariert oder ausgetauscht werden können, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen.
  • Einen Wanderrucksack von Deuter hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal gesehen. Beim deutschen Traditionshersteller stehen Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Es heißt: „Wir möchten den Menschen ein lebenslanger Begleiter sein. Deshalb geben wir dir für unsere Produkte das Deuter Versprechen. Das bedeutet, dass wir dir einen weltweiten, lebenslangen Reparaturservice für deine Lieblingsstücke von Deuter anbieten.“ Auch ältere Rucksäcke können in der eigenen Werkstatt von erfahrenen Nähern repariert werden.
  • Der kanadische Bergsportausrüster Arcteryx ersetzt oder repariert Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung über die komplette Lebensdauer der Produkte kostenfrei. Beschädigungen durch Unachtsamkeit und normalen Verschleiß können in der firmeninternen Werkstatt für einen angemessenen Preis wieder in einen funktionalen Zustand versetzt werden.
  • Auch die Norweger von Norrøna sind besonders nachhaltig unterwegs, was Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte des skandinavischen Herstellers werden mit einer Garantie von fünf Jahren ausgeliefert. Als „Loyalty Member“ erhöht sich die Garantie sogar auf sieben Jahre. Für Reparaturen außerhalb dieser Zeit kann man in einer Preisliste auf der Homepage einsehen, was die Reparatur einzelner Defekte jeweils kosten würde.
  • Black Diamond schreibt auf der Homepage: „Wir vertrauen auf die Produkte, die wir herstellen, weil wir diese auch selbst nutzen“. Material- und Herstellungsfehler werden über die gesamte Produktlebensdauer kostenlos repariert bzw. ersetzt. Alle anderen Produkte können eingeschickt und repariert werden, allerdings nicht kostenfrei.
  • Der Spezialist für Trinkflaschen und Trinksysteme CamelBak hat sich seinen Ruf durch die Entwicklung von Produkten aufgebaut, die die Erwartungen der Verbraucher an Qualität und Haltbarkeit übertreffen sollen. So schreibt es der Hersteller auf der eigenen Website. Die Lifetime-Garantie deckt alle Behälter, Trinksysteme, Rucksäcke, Trinkflaschen und Zubehörteile ab, die durch Herstellungs- und Verarbeitungsfehler während der gesamten Lebensdauer des Produkts auftreten. Bei der „Got your Bak“ Garantie werden Produkte bevorzugt repariert und bei Bedarf ausgetauscht.
  • Auch beim italienischen Bergsportspezialisten Salewa kann Ausrüstung repariert werden. Die Firma schreibt hierzu im Internet: „Wir möchten die Lebensdauer jedes SALEWA® Produkts solange wie nur möglich verlängern und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards bei der Ausübung der Bergsportaktivitäten gewährleisten. Aus diesem Grund betreiben wir eine eigene Pflege- und Reparatur-Werkstatt im SALEWA® Headquarter in Bozen, in der ausgebildete Spezialisten die defekten oder pflegebedürftigen Produkte wieder auf Vordermann bringen. Die Produkte können direkt über den SALEWA® Kundendienst eingereicht werden.“
  • Hardshell- und Regenjacken von Gore-Tex sind durch das „Guaranteed to keep you dry“ Versprechen abgedeckt. Wer mit der Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität nicht zufrieden ist, kann die Jacke reparieren lassen, eine neue bekommen oder den Kaufpreis zurückerstattet bekommen. Allerdings liegt die Entscheidung, ob das Produkt repariert, ersetzt, der Kaufpreis zurückerstattet oder die Reklamation abgelehnt wird, im Ermessen des Herstellers. Zudem werden die Produkte bei einer Reklamation einer Prüfung unterzogen, bei der unter anderem die Nutzungsdauer berücksichtigt wird. Diverse Beschädigungen an der Ausrüstung können zu einem fairen Preis repariert werden.
  • Die aufblasbaren Matten von Therm-a-Rest sind besonders auf Trekkingtouren sehr beliebt. Materialdefekte und Herstellungsfehler werden über die Lebensspanne des Produktes kostenfrei repariert. Ältere Matratzen können gegen eine Gebühr direkt beim Hersteller wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt werden.
  • Mammut repariert nach eigenen Angaben pro Jahr 6000 Produkte in der Schweiz, während in Deutschland sogar 9000 Produkte in einer hauseigenen Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht werden. Mehrere Mitarbeiter bringen defekte Outdoor-Bekleidung wieder in Ordnung und bewahren diese vor der Mülltonne.
  • Auch bei der kalifornischen Firma Marmot werden Material- und Verarbeitungsmängel über die gesamte realistische Lebensdauer der Ausrüstung repariert oder bei Bedarf ersetzt. Die Entscheidung liegt allerdings im Ermessen des Herstellers.
  • Die besonders leichten Zelte von Big Agnes werden bei Material- und Herstellungsfehlern lebenslang repariert. Beschädigungen, die durch unsachgemäße Benutzung oder Abnutzung entstanden sind, können für kleines Geld wieder in Ordnung gebracht werden.

Und was ist mit den Schuhen?

Auch die meisten Schuhhersteller im Outdoorbereich bieten Möglichkeiten an, um die Berg-, Wander- und Kletterschuhe viele Jahre nutzen zu können. Trailrunning- und Approachschuhe lassen sich leider im Normalfall nicht mit neuen Sohlen versehen. Folgende Hersteller bieten die Möglichkeit an, gekaufte Modelle reparieren zu lassen:

  • Beim traditionsreichen Hersteller La Sportiva aus Italien können Kletter-, Berg- und Skischuhe neu besohlt werden.
  • Auch bei Lowa steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Eine Neubesohlung ist bei allen Schuhen der klebegezwickten Bauweise (Schuhe aus der Mountaineering und Trekking Serie) möglich. Für Modelle mit Gore-Tex Membran kann allerdings keine Gewährleistung auf Dichtigkeit gegeben werden.
  • Auch Bergschuhe von Hanwag können mit neuen Sohlen ausgestattet werden. Neben klebegezwickten Modellen können auch zwiegenähte Bergschuhe wieder auf Vordermann gebracht werden.
  • Bei Meindl sind alle Wander-, Trekking- und Bergschuhe wiederbesohlbar. Dies kann entweder beim lokalen Schuhmacher erledigt werden, oder die Schuhe müssen zurück zum Hersteller eingeschickt werden.
  • Scarpa bietet für alle Modelle, die mit dem „Resole“ Logo ausgestattet sind, einen Austauschservice der Sohlen an. Die Berg-, Kletter-, Lifestyle- und Trekkingschuhe können entweder direkt in die Werkstatt geschickt oder von einem Schuhmacher vor Ort neu besohlt werden.
  • Die besonders robusten Wanderschuhe von Lundhags können nicht nur mit neuen Sohlen versehen werden, auch Reparaturen am Rest der Stiefel sind kein Problem. Ein Schuhmacher in Schweden verhilft jedem Paar wieder zu neuem Glanz und tauscht beschädigte Teile bei Bedarf aus.

Do it yourself – Hilfe zur Selbsthilfe

Teile, die leicht verschleißen, wie Kordeln oder Druckknöpfe haben die meisten Firmen auf Lager. Da manche Hersteller leider keine Reparaturen anbieten, muss man sich als Kunde im Zweifelsfall selbst um die Reparatur kümmern. Bei einem abgerissenen Knopf oder einem losen Kordelzug ist es auch deutlich wirtschaftlicher, selbst Hand anzulegen, als das defekte Teil zum Hersteller zu schicken. Brands wie Vaude, Patagonia oder Fjällräven stellen auf der hauseigenen Homepage Anleitungen zur Reparatur der Produkte zur Verfügung.

Patagonia tourt im Rahmen der „Worn Wear“ Kampagne seit mehreren Jahren durch die Lande (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage) und repariert beschädigte Bekleidung der Verbraucher kostenfrei vor Ort. So soll ein größeres Bewusstsein für die nachhaltige Nutzung von funktionaler Kleidung geschaffen werden. Wenn die Outdoor-Bekleidung einmal ersetzt werden muss, empfiehlt Patagonia den Verbrauchern, in ein besonders haltbares Produkt zu investieren.

Kleine Risse in wasserdichten Jacken und Hosen können mit selbstklebenden Reparatur-Patches auch unterwegs schnell und einfach überklebt werden. Langfristig empfiehlt sich aber eine professionelle Reparatur, um gegen das Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen.

Wer sich die Reparatur selbst nicht zutraut, ist bei den Profis vom Outdoor Service Team gut aufgehoben. Auch bekannte Firmen wie Bergans lassen ihre Produkte bei dieser Werkstatt in Berlin reparieren. Die ausgebildeten Fachleute vor Ort bieten preiswerte und professionelle Reparaturmöglichkeiten an, um die Funktionalität wiederherzustellen. 

Wir präsentieren: Die Bergfreunde Nachhaltigkeits-Taskforce!

7. August 2020
Die Bergfreunde

“Fünf Bergfreunde sollt ihr sein!” so steht es geschrieben! Wo genau? Keine Ahnung, aber ich brauchte eine Einleitung für den Artikel und da kam mir dieses abgewandelte Fußballzitat irgendwie gerade recht ;)

Aber hier soll es nicht weiter um das runde Leder gehen. Wir wollen heute mal wieder das Thema Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden auf den Plan bringen und euch erzählen, wie es bei uns nach unserer großen Ankündigung Ende letzten Jahres weiterging…

Wo fangen wir an?

Die Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden fiel einstimmig und ohne zögern, wohlwissend, dass ihr ein konsequenter Wandel nachfolgen musste. Als erstes mutiges Statement einigten wir uns darauf, als gesamtes Unternehmen klimaneutral zu werden, was dank der Möglichkeit der Klimakompensation schnell erreicht wurde. 

Doch wie sollte es weitergehen? Mit dieser Frage darf sich Bergfreundin Johanna seit dem Frühjahr des Jahres 2020 beschäftigen. Sie kümmert sich hauptamtlich um das Thema Nachhaltigkeit.

Nach den ersten Meetings und Gesprächen war aber relativ schnell klar: Bei der großen Anzahl an Ideen und den zahlreichen Möglichkeiten, reicht ein Kopf nicht aus. Ein runder Tisch muss her, es muss priorisiert und diskutiert werden: Unsere Taskforce war geboren.

Wohin geht die Reise?

Das erste Meeting unserer Taskforce fand Anfang Juli statt. Mit dabei: Lisa von Vaude, die uns ein paar Einsichten in das Nachhaltigkeitsmanagement von Vaude gewährte und uns dabei half, erste Anknüpfungspunkte an die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals) zu finden. Bei den SDGs handelt es sich um 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, die von der UN definiert wurden. Für uns ebenfalls wichtig: Die Science Based Targets, also vor allem Klimaziele, die auf Basis wissenschaftlicher Daten vom WWF und weiteren Organisationen definiert wurden.

Daraus resultierend wollen wir uns die folgenden Grundsätze auf die Fahne schreiben:

  1. Wir wollen den negativen Einfluss unseres Unternehmens auf die Umwelt verringern.
  2. Für viele Bergfreunde-Kollegen ist Nachhaltigkeit wichtig – das soll auch im Arbeitsleben spürbar werden.
  3. Wir wollen unsere Kunden motivieren, nachhaltiger zu handeln.
  4. Wir wollen unsere Geschäftspartner zu Diskussionen anregen und inspirieren, ebenfalls nachhaltiger zu werden.

In Bezug auf die Sustainable Development Goals, wollen wir uns zunächst auf zwei Ziele näher fokussieren:

SDG Nr. 12: Maßnahmen zum Klimaschutz 

In Teilen haben wir hier schon vorgearbeitet und haben eine Klimabilanz erstellen lassen (die stellen wir euch in einem zukünftigen Beitrag vor), wir vermeiden Emissionen und kompensieren, wo das nicht geht. Was aktuell noch fehlt sind ganz konkrete Zahlen, z.B. inwieweit wir unseren CO2-Verbrauch oder den CO2-Fußabdruck pro Paket senken wollen. Die haben wir zwar schon im Hinterkopf, müssen sie aber noch mit der Klimabilanz abgleichen.

SDG Nr. 13: Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster

Hier gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte, die von einem geringeren Plastikeinsatz im Versand, über Recyclingprozesse bis zum Umgang mit Produktreklamationen reichen, die aber zum Beispiel auch eine Prüfung der Lebensmittel und Büromaterialien die wir im Office verwenden umfassen. Als Beispiel: Wir verzichten schon lange auf PET- und Einwegflaschen im Büro und sind seit einigen Monaten Teil der Dopper Wave.

Klingt gut, oder?

Klingt vor allem ziemlich allgemein und unspezifisch – gibt uns aber einen konkreten Rahmen, in dem wir uns bewegen. Erster konkrete Ableitungen sehen dann wie folgt aus:

  • Wir wollen uns anschauen, wie wir noch besser mit Reklamationen umgehen können – zwar vermeiden wir jetzt schon wo es geht, reklamierte Produkte zu entsorgen, aber wir glauben, dass wir hier noch einen Hebel haben. Was können wir reparieren, was können wir einer weiteren Verwendung, z.B. in Form von Kleiderspenden zuführen?
  • Energienutzung am Arbeitsplatz: Wir beziehen schon zu 100% Ökostrom und haben eine Solaranlage auf dem Dach unserer Verwaltung, sehen aber beim Thema Wärme noch deutlich Luft nach oben.
  • Nachhaltiges Bergfreunde-Office: Wie können wir Büro-Ausstattung nachhaltiger gestalten? 
  • Wie sieht unser Carpool in Zukunft aus?
  • Muss jede Geschäftsreise zwangsläufig stattfinden und können wir dafür nicht eher mal den Zug, als das Auto nehmen?

Den Fokus wollen wir zunächst bewusst auf interne Firmenaspekte legen, denn wir denken, dass wir nur dann glaubhaft über Nachhaltigkeit reden können, wenn wir das Thema auch nach innen mit noch mehr Nachdruck verfolgen.

Unser Versprechen: Wir lassen von uns hören!

Und damit ihr auch immer genau wisst, was bei uns in Sachen Nachhaltigkeit so abgeht, wollen wir euch regelmäßig davon berichten. Ihr findet hier im Blog und in den sozialen Medien in Zukunft immer wieder Updates und Neuigkeiten. Wir wollen uns zudem volle Transparenz auf die Fahne schreiben und euch auch von Rückschlägen und Problemen berichten – denn eines dürfte klar sein: den einen oder anderen Konflikt werden wir austragen müssen. 

Wir hoffen, ihr geht diesen Weg mit uns und lasst euch vielleicht auch von der einen oder anderen Maßnahme inspirieren. Und auch wir wollen uns gerne inspirieren lassen, daher zum Schluss die Frage an euch: 

Welche Maßnahmen würdet ihr gerne umgesetzt haben? Wo können wir eurer Meinung nach besser werden!?

Wir freuen uns über Input!

Millet im Marken- und Nachhaltigkeitsportrait

2. Juli 2020
Tipps und Tricks

Es gibt diese Firmen und Labels, die sind außerhalb ihrer jeweiligen „Szenen“ so gut wie unbekannt, haben dafür aber innerhalb den Status einer Institution. Millet ist solch eine Firma in der „Szene“ des verschärften Bergsteigens. Diese fühlt sich bekanntermaßen im französischen Chamonix besonders wohl, weshalb der Millet-Schriftzug dort wohl so oft zu sehen ist wie nirgends sonst auf der Welt. Er prangt auf Rucksäcken, Jacken, Schuhen, Schlafsäcken und Chalkbags.

Der Spirit von Chamonix: Firmengeschichte

Angefangen hat das Ehepaar Millet 1921 mit einem etwas bescheideneren Sortiment, nämlich mit Einkaufs- und Proviantbeuteln aus Segeltuch und Stoff. Auch wenn man schon 1928 die Werkstatt in der Nähe von Lyon in Richtung Annecy (und damit Richtung Alpen) verließ, dauerte der Übergang zu Produkten mit Bergbezug bis zur Übernahme des Geschäfts 1945 durch die beiden Söhne. René und Raymond Millet entwickelten die ersten für das Bergsteigen ausgelegten Rucksäcke. Dabei arbeiteten sie mit dem jungen Louis Lachenal zusammen, einem  Spitzenbergsteiger, dem am 3. Juni 1950 die erste Achttausenderbesteigung überhaupt gelang. Begleitet wurde er dabei von Maurice Herzog, der es später noch zum Rennfahrer und zum Bürgermeister von Chamonix bringen sollte. Außerdem dabei war ein Rucksackmodell namens „Annapurna 50“ – das wohl erste „High-End-Produkt“ aus dem Hause Millet.

In den folgenden Jahren brachte Millet solche Produkte immer häufiger auf den Markt. Die Zusammenarbeit mit der Crème de la Crème unter den Bergprofis blieb ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieser Entwicklung. 1959 wurde niemand Geringeres als Walter Bonatti zum technischen Berater bestellt, 1978 bestieg Reinhold Messner in Millet-Ausrüstung als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. In den Achtzigern schiebt Patrick Edlinger in Millet-Equipment die Grenzen des Sportkletterns nach oben. Die fruchtbare Symbiose zwischen Bergsportproduzent und Top-Athleten zeigt sich auch heute noch in der Zusammenarbeit von Millet mit dem Bergführerverband von Chamonix.

Millet entwickelte sich ab den Fünfziger Jahren vom führenden Rucksackhersteller Frankreichs zum Produzenten eines breiten Sortiments an Bergausrüstung. Meilensteine der Innovation auf diesem Weg waren die Erfindung von nahtlosen und gepolsterten Schulterträgern aus Nylon im Jahr 1964 und die ersten Parkas mit GoreTex Membran 1977.

1995 erfolgte die Übernahme durch die Calida-Gruppe, in der mittlerweile auch andere prominente Namen wie Lafuma versammelt sind. Das Markenkennzeichen der überragenden Qualität und Funktionalität konnten die Millet Produkte davon unbeeinflusst erhalten.  Den letzten Innovations-Höhepunkt markierte 2020 die Auszeichnung des Airbag-Rucksacks Trilogy E-1 für sein neuartiges elektrisches Airbagsystem und dem aufstiegsorientierten Bergsportdesign. Seit 2014 rückt außerdem das Thema Nachhaltigkeit noch mehr in den Mittelpunkt.

Millet und das Thema Nachhaltigkeit

In den vergangenen Jahren hat Millet es zahlreichen anderen Bergsportherstellern gleichgetan und das nachhaltige Wirtschaften zum integralen Teil des Unternehmenshandelns gemacht. Den Rahmen für das Millet-Nachhaltigkeitsprogramm setzen die „10 Eckpunkte“, die sich das Unternehmen erstellt hat. Diese umfassen:

1. Entwicklung von nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Produkten

Die theoretisch einfachste, in der Praxis aber anspruchsvolle Maßnahme: hochwertige Produkte mit einem langen Lebenszyklus zu schaffen. Das gelingt in der Regel eindrucksvoll, schlägt aber bisweilen auch auf den Preis der Produkte durch.

2. Reduzierung der Umweltbelastung von Produkten und Verpackungen durch Ökodesign

3. Stärkung der eigenen Kundendienst- und Reparaturabteilung

Seit 2005 bietet Millet einen Reparaturservice in der eigenen Werkstatt in Annecy-le-vieux an, wo alle nach dem Verkauf zurückgesendeten Produkte inspiziert und repariert werden. Viele Produkte können so wieder in Schuss gebracht und langlebiger gemacht werden. Dabei werden nicht nur Garantiefälle, sondern auch Beschädigungen und Erschöpfung des Materials durch intensiven Gebrauch bearbeitet. Auch die Pflegeanleitungen für Millet Produkte sind als Hilfestellung zur Verlängerung der Lebensdauer gedacht.

4. Rücknahme und Wiederverwertung der gebrauchten Produkte

Millet bietet an, alle benutzten Produkte zurückzunehmen und zu sammeln, um sie neuen Verwendungen zuzuführen. So wurden seit 2006 unter anderem mehr als 1,5 Millionen Meter Seil recycelt. Hierfür wurden Partnerschaften mit dem Upcycling-Taschen-Produzenten „Outdoor Waste Lab“ (OWL) und mit sozialen Organisationen eingerichtet. Letztere ermöglichen ärmeren Menschen den Zugang zum Bergsport und versorgen sie mit gebrauchter aber intakter Funktionskleidung.

5. Systematische Bevorzugung von zertifizierten Materialien

Wann immer möglich werden recycelte oder organische Materialien eingesetzt. Umweltschonende Gewebe wie Ecoya, Ariaprene, Sorona, Hanf, Tencel/Lyocell oder Leinen eingesetzt. Besonders hervorzuheben ist Edye, eine Faser die neu am Markt ist und bei der Herstellung nur noch 3% des Wasserverbrauchs von herkömmlichen Fasern aufweist. Zu den bei Millet bevorzugt verwendeten Zertifizierungen gehören Bluesign, Oeko-Tex, GOTS (Global Organic Textile Standard) und RDS (Responsible Down Standard).

6. Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit der Materialien tierischen Ursprungs

Den letztgenannten RDS-Standard setzt Millet durch die Zusammenarbeit mit der Organisation Textile Exchange um, welche den Standard entwickelt hat. Damit lässt sich eine ethisch vertretbare Herkunft von Federn und Daunen mit großer Sicherheit gewährleisten. Aktuell verwendet Millet ausschließlich RDS zertifizierte Daunen und Federn. Zusätzlich man mit einem weiteren Partner (Allied Feathers) ein System eingerichtet, das es Kunden erlaubt, die Herkunft der Federn und Daunen zu jedem Zeitpunkt zurückzuverfolgen. Dazu müssen Kunden nur den „Track my Down“-Produktcode für ihr gekauftes Produkt scannen und können dann mit wenigen Klicks sehen, woher die Federn und Daunen stammen, die Sie tragen.

7. (Über)Erfüllung der regulatorischen Anforderungen bei der Verwendung von Chemikalien in Rohstoffen und Produkten

Millet strebt nicht nur die Einhaltung von Regeln und Gesetzen an, sondern setzt eigene Maßstäbe und Ziele, die darüber hinaus gehen. So werden bereits seit der Kollektion 2014 alle neu entwickelten Produkte mit wasserabweisenden Behandlungen ohne Perfluorcarbone (PFC) ausgestattet. Die PFC-freien Imprägnierungen sind gleich leistungsstark wie die herkömmlichen Produkte, aber weit weniger umwelt- und gesundheitsschädlich.

8. Förderung der Herstellung in Europa und in eigenen Werken

Millet stellt seine Produktion mitsamt Lieferketten transparent dar. Auf der Firmenhomepage ist eine Weltkarte mit den Produktionsstandorten zu sehen. Eine Legende erklärt, welche Produkte wo hergestellt werden. Dabei wird deutlich, dass die Firma global produziert und somit in Sachen Regionalität sicher „Luft nach oben“ hat. Immerhin stammen derzeit 23 % der Kollektion aus europäischer Produktion, die sich in Ungarn befindet. Die Fabriken in Ungarn, Tunesien und China produzieren ausschließlich für Millet. . Und man ist bestrebt, bei den langen Transportwegen die Alternativen mit der geringsten Umweltbelastung zu nutzen.

9. Analyse und genaue Kenntnis der Lieferketten

2018 konnte Millet in Zusammenarbeit mit der Monitoring-Organisation Acte International ermitteln, dass 89 % der Partner in der Millet-Produktionskette die sozialen Standards der Sedex Smeta Zertifizierung einhalten. Das Zertifikat Sedex Smeta ist eine weltweit sehr häufig verwendete Audit-Methode, die als verlässlich und qualitativ hochwertig gilt. Sie beruht auf den 4 Säulen Arbeitsregulierung, Gesundheit, Sicherheit und Wirtschafts- sowie Umweltethik. Auch die Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten wird in dem Verfahren geprüft und erfasst.

Die restlichen 11 % der nicht zertifizierten Partner werden unter firmeneigener Aufsicht unterstützt, um den Sedex Smeta Standard ebenfalls zu erreichen.

10. Engagement in gemeinwohlorientierten Organisationen

Zu den Letztgenannten zählt unter anderen die Mitgliedschaft im Verband Outdoor Sport Valley (OSV). Dieser vom französischen Staat anerkannte Verband setzt sich für Nachhaltigkeit bei  Firmen der Sport- und Outdoorindustrie im Alpenraum von Grenoble bis Innsbruck ein.

Das firmeneigene Low Impact Siegel

Das firmeninterne Ökosiegel namens Low Impact soll Kunden und Partnern eine Entscheidungshilfe bieten, indem es die Bündelung der eben genannten Nachhaltigkeitsaktivitäten gut sichtbar anzeigt. Es wurde bereits im Jahr 2005 eingeführt und soll die umweltverträglichsten Produkte anhand von 2 Kriterien hervorheben:

  • Die Verwendung von Materialien mit geringer Umweltbelastung (recycelt, biologisch verträgliche Herkunft, Färbungsprozess ohne Wasser, usw.)
  • Die Verwendung von Materialien mit Gütesiegeln

Man sieht das Low Impact Siegel auch intern als Messlatte und Ansporn, denn „dieser Standard ermöglicht uns, jede Saison weiter voran zu kommen und uns zu verbessern, damit unsere Produkte so nachhaltig wie möglich sind. Heute tragen 75 % unserer Winterkollektion 2018-19 das Low Impact Siegel.“ Aktuelle Werte von diesem Jahr liegen zwar leider noch nicht vor, doch man kann davon ausgehen, dass die auf der Website gezeigte „Low Impact Verlaufskurve“ auch weiterhin nach oben zeigt. Das ambitionierte Ziel hat Millet jedenfalls öffentlich verkündet: „Wir wollen, dass zur Saison 2020-2021, anlässlich zum hundertjährigen Bestehen der Marke Millet, 100 % unserer Produkte das Low Impact Siegel tragen.

Man kann angesichts des ambitionierten Teams bei Millet ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Erreichung des Ziels demnächst verkündet wird. „Der Gipfel“, wie man das große Nachhaltigkeitsziel bei Millet nennt, ist dann zwar immer noch nicht erreicht, aber man kommt ihm Tag für Tag ein Stückchen näher.

Nachhaltigkeitsportrait Arc’teryx

16. Juni 2020
Ausrüstung

Wie heißt dieser Ort, an dem kulturreiche Millionenmetropole und Outdoorparadies zusammentreffen? München? Naja, nicht ganz, die Berge sind da schon noch ein Stück weg.

Vancouver? Richtig! Das ist die quirlige Großstadt, an deren Nordrand unvermittelt das Gebirge mit den Tourenmöglichkeiten beginnt. Und genau dort, in North Vancouver, hat die Firma Arc’teryx ihr Basislager. In den umgebenden Skigebieten und schroffen Bergmassiven mit ihren harten Wetterbedingungen finden die Tüftler der als Edelschmiede bekannten Marke ideale Testbedingungen. Und schaffen so den „Schmelztiegel, der innovative, zielgerichtete Outdoor-Designs hervorbringt.“

Im Unterschied zu den meisten Konkurrenten unterhält das Unternehmen tatsächlich eine große Produktion am Heimatstandort. Ein Unterschied, der laut eigener Aussage bei der Produktentwicklung eine sehr große Rolle spielt. Und der sicherlich auch einen Nachhaltigkeitseffekt hat.

Firmenkurzportrait

Symbol und Namensgeber ist der Archaeopteryx Lithographica, das vermutlich erste Lebewesen jenseits des Insektenreichs, das Flugfähigkeit erlangt hat. Damals sicher eine unkonventionelle Idee der Evolution. Und wie wir wissen, führen unkonventionelle Ideen auch heute noch zu wirklich neuen Lösungen. Bei Arc’teryx begann das mit den ersten Klettergurten und Rucksäcken, die 1989 in der Garage des Firmengründers Dave Lane gefertigt wurden. Die Gurte konnten durch innovatives 3D-Design in einem bis dato nicht für möglich gehaltenen Maß auf Polsterung verzichten und Gewicht einsparen.

Innovatives Design ist bis heute der Identitätskern der Marke. Und es sind bis heute Kletterer aus der Region, die im hauseigenen „Design Centre“ das Design, die Materialauswahl und die Produktentwicklung übernehmen.

Nachhaltigkeitsstrategie

Innovatives Design ist für Arc’teryx allerdings nur in Verbindung mit einer sehr hohen Produktqualität und dementsprechend langer Lebensdauer vollständig: „Unsere Philosophie entspringt dem Glauben, dass Haltbarkeit der beste Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist“.

Mit dieser Selbstauskunft wäre im Prinzip alles Wichtige über die Nachhaltigkeitsstrategie von Arc’teryx gesagt. Doch man begnügt sich natürlich nicht allein mit der hohen Haltbarkeit der Produkte. Im Gegenteil, das Thema Nachhaltigkeit wird auf der Firmenwebsite sehr umfangreich behandelt. Schauen wir uns nun die einzelnen Aspekte an.

Was sagt die Firma?

Zunächst einmal wirkt es sympathisch, dass man bei der Selbsteinschätzung durchaus ehrlich auftritt:

Obwohl wir immer eine perfekte Lösung anstreben, konnten wir diese in vielen Fällen noch nicht umsetzen – aber wir arbeiten daran. Wir sind motiviert, nicht nur nachhaltige Produkte herzustellen, sondern ein Unternehmen zu schaffen, das auf lange Sicht besteht und leistet.

Etwas weniger gefällt mir persönlich, dass daraufhin zwar jede Menge Text und Grafik zum Thema Nachhaltigkeit folgt, so manches davon sich aber als wohlklingender Allgemeinplatz entpuppt, den man gern auch etwas verschlanken könnte. Diese Aufgabe versuche ich folgend mal stellvertretend zu übernehmen. Wie bei allen Bergfreunde-Nachhaltigkeitsportraits wird das Ganze nach den Bereichen Umwelt und Soziales unterschieden.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Designs für eine lange Nutzungsdauer“ ist der erste auf der Firmenhomepage angesprochene Aspekt. Der entsprechende Absatz scheint mir allerdings wenig gehaltvoll.

Im nächsten Aspekt Produkte, Materialien, Technologien sieht es besser aus, dort findet sich auch das Eingangszitat mit der ehrlichen Selbsteinschätzung. Das Mehr an Gehalt und Aussagekraft zeigt sich auch in der Unterteilung nach folgenden Unteraspekten:

  • Produktlebenszyklus: Arc’teryx hat ein detailliertes „Monitoring“ über die Ökobilanz jedes Produktes eingerichtet. Es wird beispielhaft anhand der Alpha SV Jacke gezeigt. Bei der Erstellung der Ökobilanz „haben wir festgestellt, dass 65 % der durch eine unserer Jacken hervorgerufenen Umweltbelastungen bei der Produktion der Rohmaterialien und der Herstellung entstehen.“ Was man mit diesem Wissen konkret macht, ist (noch?) nicht nachzulesen.
  • Produktpflege und Reparatur: Arc’teryx weist auf seinen großen, weltweiten Reparaturservice hin. Allein in Vancouver hat man 2017 13.110 Produkte erfolgreich repariert.
  • Materialauswahl: Arc’teryx ist Bluesign-Systempartner und hat dessen Liste eingeschränkt nutzbarer Produkte (Restricted Substances List, RSL) übernommen. Man arbeitet eng mit den Zulieferern zusammen, um die RSL-Standards über die gesamte Lieferkette einzuhalten. Das Bluesign-System soll über die bloße Kontrolle des Endprodukts hinaus die Auswahl nachhaltiger Rohmaterialien ermöglichen.
  • PFCs: Arc’teryx verwendet ausschließlich kurzkettige PFCs, die kein PFOA enthalten (Näheres zu PFC und PFOA in diesem Basislager-Artikel). Es bleibt jedoch die umweltbelastende Wirkung kurzkettiger PFCs und man weiß, dass deren Verwendung „keine perfekte Lösung darstellt. Während sie die Lebensdauer eines Produkts erhöhen, bestehen sie auch in der Umwelt“.
    Deshalb testet man neue PFC-freie DWRs (Durable Water Repellency) und arbeitet an der Entwicklung neuer wasserdichter Ausrüstungen wie Silikone und modifiziertes Paraffin (Wachs). Arc’teryx sagt, ein Durchbruch stehe in der Industrie insgesamt noch aus, doch das stimmt mittlerweile nicht mehr  ganz. So hat beispielsweise Vaude mit seinem „Eco Finish“ eine funktionierende, komplett PFC-freie Imprägnierung im Angebot.
  • Geruchshemmende Behandlung: Das hauseigene „Durable Anti-Odour“ (DAO) besteht aus einer Spurenkonzentration Silbersalze, „die in ein nicht-toxisches Polymer eingebunden und mit der Materialoberfläche verbunden werden“. Es werden nur minimale Mengen an Silbersalz und kein Nano-Silber benötigt. Die größeren Partikel werden nicht so leicht von Organismen aufgenommen. Arct’eryx verweist auf Studien, die zeigen, dass herausgelöste Silberkonzentrationen aus den Produkten keine bedeutenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben. Der entsprechende Link führt allerdings nur auf die Startseite einer großen Studien-Datenbank.
  • Tierschutz: Arc’teryx verwendet nur RDS-zertifizierte Daunen (Responsible Down Standard), die von der Allied Feather and Down facility in Kalifornien weiterverarbeitet wurden. Allied ist ebenfalls Bluesign-Partner. Die verwendete Wolle stammt von Zulieferern, die entweder nach dem ZQ Merino Standard oder dem National Wool Declaration Integrity Program arbeiten und kein Mulesing betreiben (eine tierquälerische Praxis, um Larvenbefall einzudämmen). Die Lederlieferanten „halten sich an die Liste eingeschränkt nutzbarer Produkte (RSL) und verwenden nur Leder, das aus Tierhäuten gefertigt wurde, die als Abfallprodukt der Fleischindustrie entstehen. In Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern stellen wir sicher, dass das Leder von Leather Working Group konformen Gerbereien stammt, die Umweltmaßnahmen durchführen.
  • Mikroplastik: In einem Forschungsprojekt des Ocean Pollution Research Programs werden bei 30 unterschiedlichen Stoffproben von Arc’teryx „Fingerabdrücke“ erstellt und der Materialabrieb gemessen. Die Daten werden in eine globale Datenbank eingespeist, die dabei hilft, die Quelle, den Transport und den Ort der Verschmutzung mit Mikroplastik in den Ozeanen besser zu verstehen. Das Ziel ist, „zu lösungsorientierten Designs, Praktiken und Produkten beizutragen.“

Als nächster Umweltaspekt folgt der Klimaschutz. Man ist dabei, „klimawissenschaftlich unterstützte Emissionsziele zu entwickeln“. Dafür will man die Effizienz der Lieferkette deutlich steigern und viele weitere Dinge tun, die ausführlich und sehr ambitioniert beschrieben werden, bislang aber noch den Status von Absichtserklärungen haben. Man hat die United Nations Fashion Climate Charter unterzeichnet und sich mit einer kanadischen Denkfabrik für Klimapolitik und Forschung zusammengeschlossen.

Eine tatsächlich konkrete Maßnahme wird eigenartigerweise auf der Firmenhomepage nicht bzw. nur sehr versteckt erwähnt: das Used Gear Rückkaufprogramm 2019. Über dieses berichtet stattdessen der Blog Gearjunkie. Arc’teryx kauft Ausrüstung in leicht getragenem bis ausgezeichnetem Zustand zurück, solange das Innenetikett noch angebracht ist. Man gibt dafür einen Gutschein im Wert von 20 Prozent des ursprünglichen UVP aus. Funktionsfähige Artikel, die nicht weiterverkauft werden können, gehen an Schulen und gemeinnützige Einrichtungen.

Analyse der eigenen Umweltauswirkungen

Arc’teryx hat bereits 2014 den sogenannten Higg Index eingeführt, ein freiwilliges Instrument, das von der Sustainable Apparel Coalition (SAC) entwickelt wurde. Der Name Higg geht auf das Higgs-Teilchen zurück, mit dem die Physik das Verständnis vom Universum vertiefen will. Der Higg Index sucht analog „nach dem Teil innerhalb der Wertschöpfungskette, der die Nachhaltigkeit verändert“. Die Produktionsstätte in Vancouver hat man demgemäß mit Geräten zur Steigerung der Energieeffizienz ausgestattet: Bewegungsmelder, Zeitschaltuhren für die Beleuchtung und programmierbare Thermostate. Zudem begrüßt man die in British Columbia erhobene Kohlenstoffsteuer als Anreiz für weitere Maßnahmen.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Wie eingangs erwähnt hat Arc’teryx einen relativ hohen Anteil an Eigenproduktion vor Ort, den man weiter ausbauen will. Dort gelten selbstverständlich hohe Arbeits- und Sozialstandards – die allerdings auch mit einem hohen Anforderungsniveau an Qualifikation und Kompetenz auf Seiten der Belegschaft einhergehen.

Globale Fertigung

Da das Volumen der Arc’teryx-Produktion die Kapazitäten der Heimatregion vor allem in Bezug auf fähige Arbeitskräfte bei weitem übersteigt, wird mittlerweile global produziert. Man arbeitet „mit den besten technischen Textilfabriken in neun Ländern zusammen“.

Fertigung in Kanada

Trotz Kapazitätsgrenzen und gegenläufigem Allgemeintrend gelingt es Arc’teryx, die Produktion des kanadischen Standorts ARC’One zu steigern. Das gelingt vor allem durch Investitionen in die Qualifizierung neuer Mitarbeiter, die in einem „Trainingscenter“ mithilfe lokaler Organisationen die technischen Fähigkeiten des Handwerks erlernen.

Dazu als persönliche Einschätzung: Wenn qualifizierte Arbeitsplätze in einem regional verwurzelten Unternehmen für mehr Bildung, Qualifikation und Wohlstand in der Umgebung sorgen, ist das eine pragmatische, effektive und ergo gelungene Art von sozialer Nachhaltigkeit.

Fertigung in anderen Ländern

Das Arc’teryx-Netzwerk besteht aus 19 Produktionsstätten in China, Vietnam, Bangladesch, Myanmar, den Philippinen, Indonesien, Kambodscha, El Salvador und Rumänien, die „unsere Produktions- und Qualitätsstandards“ einhalten, „unsere klaren und stringenten Arbeitspraktiken“ beachten und sich „zur Verringerung der Umweltauswirkungen“ verpflichten.

Arbeits- und Menschenrechte

Arc’teryx hat ein umfangreiches soziales Audit- und Überwachungsprogramm in allen Produktionsstätten eingeführt, um ethische Arbeitsbedingungen zu schaffen. Man vertraut dabei „der langjährigen Erfahrung unserer Muttergesellschaft AMER Sports, die für die Koordination unseres Audit-Programms verantwortlich ist“. Das Programm entspricht den Standards der Fair Labour Association und der Social Accountability International.

Gemeinschafts-Partnerschaften sind eine weitere Maßnahme auf der sozialen Ebene, durch die Arc’teryx Projekte und Partner unterstützt. Eine wichtige ist der Do right Day, an dem der Verkaufserlös gespendet wird.

Was sagen Beobachter und Kritiker?

Das ISPO-Magazin stellt General Manager Jon Hoerauf im Interview eine kritische Frage:

Viele sehen auch einen Innovationsschub in der Entwicklung nachhaltiger Kollektionen. Warum haben wir bisher nicht viel über Arc’teryx und Nachhaltigkeit gehört?

JH: „Sie werden bald immer mehr hören – wenn wir bereit sind. Im Grunde sind wir seit mehr als 25 Jahren auf Nachhaltigkeit fokussiert wenn man bedenkt, dass wir versuchen, Produkte zu bauen, die länger halten als alle anderen.

Damit fasst er zusammen, was – wie hier eingangs erwähnt – eine wichtige Säule der Nachhaltigkeit ist, ohne explizit mit diesem Label benannt zu sein: die hohe Qualität und Haltbarkeit der Produkte.

Ansonsten ist das Echo in den Medien und bei Nachhaltigkeitsportalen bislang sehr gering – was daran liegen dürfte, dass die Marke Arc’teryx im Vergleich zu Platzhirschen wie Jack Wolfskin oder Salewa etwas kleinere Kundenkreise anspricht und weniger massentaugliche Ware anbietet. Da man aber in Zukunft mehr in den Bereich Mode gehen möchte, könnte es sein, dass die mediale Aufmerksamkeit steigt.

Fazit

Auch wegen dieses geringen Medienechos musste ich hier größtenteils auf die firmeneigenen Infos zurückgreifen. Die „externen“ Artikel und Berichte klingen auffallend unisono und decken sich sehr mit den Inhalten der Firmenwebsite, weshalb sie womöglich „nur dort abgeschrieben“ sind. Was ich jedoch nicht weiter verwerflich finde, da man der Firma die Naturverbundenheit durchaus „abkaufen“ kann. Mir erscheinen die Selbstauskünfte von Arc’teryx zumindest als gesunde Mischung von PR und ehrlich-transparenter Information. Wenn hier und da nicht alles Gold ist was glänzt, wird das offen angesprochen. Als Gesamtbild zeigt sich eine Firma, die ambitioniert und konsequent am bestmöglichen Einklang von Funktionalität und Nachhaltigkeit arbeitet.

Die Bergfreunde werden Wellenreiter: Hier kommt die Dopper Wave

9. Juni 2020
Tipps und Tricks

Auf Berge steigen können wir. Wir können sie auch erklettern oder hochrennen – alles kein Ding. Jetzt wagen wir Bergfreunde uns in eines neues „Terrain“ und gehen unter die Wellenreiter. Nun ja, zumindest im übertragenen Sinne, denn wir sind ab sofort Teil der Dopper Wave. Was das ist und warum das nur am Rande was mit Surfen zutun hat, wollen wir euch erklären.

Einweg-Plastikflaschen adé

Die Wave Initiative wurde von der niederländischen Trinkflaschen-Marke Dopper ins Leben gerufen. Im Grunde ist die Idee dahinter recht einfach: Im Alltag auf Einwegplastikflaschen verzichten, um die knapp 8 Millionen Tonnen (ja, richtig. 8.000.000.000 kg) an Plastikmüll, die in unseren Ozeanen herumtreiben, nicht noch zu vergrößern.

Dazu braucht es natürlich Trinkbehälter, die Flaschen ersetzen. Und die baut Dopper kurzerhand selbst. Die Flaschen sind klimaneutral produziert und können komplett recycelt (Cradle-to-cradle-Zertifizierung) werden – sofern das jemals nötig sein sollte. Noch praktischer macht sie der Verschluss: Der dient nämlich gleichzeitig als Trinkbehälter. Nun, auch das ist keine Neuerfindung des Rads, aber darum geht es den Niederländern auch gar nicht. Die Flaschen sollen lediglich dabei helfen, die Mission zu erfüllen – mal ganz abgesehen davon, dass sie verdammt stylisch sind.

Aber zurück zur Wave…

Dopper Bergfreunde BüroDopper finanziert über den Verkauf der Flaschen zahlreiche Kampagnen, die sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen dazu anleiten sollen, weniger Einwegplastik im Alltag zu verwenden. Die Kampagnen finden weltweit statt – auch in Regionen, in denen es gar keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt, z.B. in Nepal, wo Dopper Projekte unterstützt, die eben diesen Zugang möglich machen. Andere Kampagnen legen den Fokus auf Reisen: Welche Möglichkeiten habe ich, um auf Reisen schnell und unkompliziert an sauberes Wasser zu kommen, ohne im lokalen Supermarkt PET-Flaschen kaufen zu müssen? Dazu haben wir hier übrigens auch einen informativen Artikel!

Für uns eigentlich eine Selbstverständlichkeit

Der Schreiber dieses Artikels ist während er diese Zeilen tippt in seinem sechsten Jahr als Bergfreund. Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass wir zu meinen Anfangszeiten tatsächlich PET-Flaschen im Büro hatten – zumindest als Angebot, die meisten Kollegen hatten schon damals ihre eigenen Flaschen. Die PET-Flaschen wurden natürlich geliefert und wieder abgeholt. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass davon auch nur eine im Meer gelandet ist. Optimal war das natürlich trotzdem nicht.

Es dauerte aber nicht lange, da war das Thema PET-Flaschen für die Bergfreunde ad acta gelegt und ein formschöner Wasserspender hielt Einzug ins Büro. Jeder Mitarbeiter, der noch ohne eigene Flasche war bekam eine und von den ollen PET-Mineralwasserflaschen sprach kein Mensch mehr. Heute bekommt jeder neue Bergfreunde-Mitarbeiter im Willkommenspaket seine Bergfreunde-Flasche und alle sind happy.

„Aber,“ fragst du dich vermutlich jetzt „wenn ihr das doch eh schon seit Jahren macht, warum das jetzt nochmal ein Statement dazu abgeben?“ Tja, wie sagt man so schön: Tue Gutes und sprich darüber. Und letztlich geht es bei der Dopper Wave ja genau darum: Sich zu bekennen und hoffentlich anderen ein Vorbild zu sein.

Wenn ihr mitmachen wollt oder auch andere dazu animieren wollt auf PET-Flaschen zu verzichten, dann schaut doch mal auf der Webseite von Dopper vorbei. Und wenn ihr eine stylische Dopper-Flasche erstehen wollt… wir kennen da so einen coolen Online-Shop! ;)

Sozial- und Ökolabels – ein kleiner Führer durch den Siegelwald

28. Mai 2020
Tipps und Tricks

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass anständige Arbeit auch anständig bezahlt wird. Dass wir auf andere Rücksicht nehmen, verantwortungsvoll handeln, mit unserer Umwelt respektvoll und nachhaltig umgehen.

Kurz und gut: Uns nicht benehmen wie die Axt im Walde. Leider ist das jedoch nicht (immer) der Fall. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an: Wer schon einmal versucht hat ein T-Shirt zu kaufen, das von vorne bis hinten umwelt- und sozial verträglich hergestellt wurde und bei dem die Lieferkette, also Produktions- und Vertriebswege nachvollziehbar sind, wird wissen worauf ich hinaus will. 

Vor lauter Siegel sieht man keine Bäume mehr

Das Problem ist nämlich nicht, dass es diese Produkte nicht gibt. Es ist auch nicht das Problem, dass sie super teuer wären, sodass wir uns als Otto-Normal-Bürger für ein Super-Faires-Öko-Toll-Toll-T-Shirt nahezu verschulden müssten. Darum gehts nicht. Es gibt aber ein ganz anderes und viel größeres Problem: Man muss diese Produkte erst einmal finden.

Denn für Verbraucher ist es oft schwer bis absolut unmöglich nachzuvollziehen welchen Weg beispielsweise ein T-Shirt von der Baumwollpflanze bis nach Hause in den Kleiderschrank gegangen ist. Immer wieder gibt es (für Deutschland gesprochen) Rufe nach einem Lieferkettengesetz. Also dem verbindlichen Nachweis für Industrie und Handel woher genau ein Endprodukt stammt und unter welchen Bedingungen es gefertigt wurde. Aktuell (Stand März 2020) gibt es aber noch kein derartiges Gesetz. 

Selbst ist der Bergfreund

Will man also derzeit seinen Konsum möglichst nachhaltig und fair gestalten, bleibt für den Verbraucher eigentlich nur die Möglichkeit sich an Ökolabels und Siegeln für sozial verträglich erzeugte Ware zu orientieren. Gütesiegel dieser Art gibt es wie Sand am Meer. In nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens sind sie zu finden und sollen uns Verbrauchern die Möglichkeit für einen reflektierten und verantwortungsvollen Konsum geben.

Während die Siegel in den vergangenen Dekaden zumeist darauf abzielten Verbraucher vor schädlichen oder mit Schadstoffen belasteten Produkten zu schützen, haben sich bereits seit geraumer Zeit weiterführende Bewertungskriterien ergeben. Hierzu gehören vor allem soziale und ökologische Aspekte. Der Ansatz oder die Bewertungskriterien der einzelnen Siegel und Organisationen können dabei sehr unterschiedlich aussehen.

Welche Kriterien setzen Öko-Labels an?

Während beispielsweise der Global Organic Textile Standard (GOTS) Garant für einen umweltfreundlichen und sozial verträglichen Herstellungsprozess und Vertrieb ist, beziehen sich beispielsweise das Bluesign-Siegel oder die Fair Wear Foundation nur auf ökologische oder soziale Gesichtspunkte. Und genau darin liegt das Problem für den Verbraucher, denn in der Flut von Gütesiegeln ist es oft schwer zu erkennen, welche Kriterien jeweils in die Bewertung einfließen. 

Da es leider kein allgemeingültiges „Alles-Super-Gut-Siegel“ oder „Kein-Scheiß-Label“ gibt,  habe ich mir einmal die Mühe gemacht und für euch die wichtigsten und bekanntesten Labels und Organisationen, die in der Bekleidungsindustrie Verwendung finden zusammengetragen. Hierzu vorab noch ein Hinweis: Es ist nicht möglich alle Gütesiegel und Ökolabels aufzulisten, denn das würde definitiv den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Ich habe mir aus diesem Grund nur Labels angeschaut, die sich auf den Bereich Textilien und Bekleidung beziehen. Außerdem werde ich mich auf die eher großen und bekannten Gütesiegel beschränken. Wenn euch also ein Label oder eine Organisation in dieser Liste fehlt, könnt ihr euch gerne unten in den Kommentaren verewigen. Auch noch wichtig: Immer wieder kommt es zu Kritik an den unterschiedlichsten Labels.

Den einen gehen die Standards nicht weit genug, andere bemängeln die fehlende Transparenz und wieder andere bezweifeln die Sinnhaftigkeit von Label-Produkten generell. Ich habe jedoch beschlossen, mich mit diesem Artikel weitestgehend aus dieser Diskussion fernzuhalten. Also macht euch doch am besten selbst ein Bild. Los geht’s:

Siegel mit sozialen und ökologischen Kriterien:

Blauer Engel

Der Blaue Engel ist vielleicht die Urmutter der Umweltzeichen. In den 1970er Jahren wurde er vom Bundesminister des Inneren eingeführt und war zunächst dafür vorgesehen, Verbraucher vor belasteten oder schädlichen Produkten zu schützen. Heute ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit offizieller Siegelinhaber. Beim Vergabeverfahren sind außerdem folgende Institutionen beteiligt: das Umweltbundesamt, die RAL gGmbH sowie die Jury Umweltzeichen.

Der Blaue Engel gehört außerdem dem Global Ecolabelling Network an und bietet enger definierte Labels die sich auf unterschiedliche Konsumbereiche oder Produktgruppen beziehen. Im Bereich Kleidung greift also „Der Blaue Engel für Textilien“.

Ziele und Vorgaben:

    • Einhaltung definierter Umweltstandards im Herstellungsprozess
    • Beachtung von Arbeitssicherheit und Sozialverträglichkeit bei der Fertigung
    • Vermeidung gesundheitsbelastender Chemikalien in Endprodukten
    • Endprodukte mit hoher Gebrauchstauglichkeit

Gut zu wissen: Der Blaue Engel ist eine Produktkennzeichnung, die Produkte auszeichnet, die im Bezug auf andere vergleichbare Produkte umweltverträglicher sind. Er ist jedoch kein alleiniger Garant dafür, dass das jeweilige Produkt komplett unbedenklich und bis ins letzte Detail hochgradig umweltfreundlich und sozial fair ist.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

Gerade bei (Outdoor-)Kleidung begegnet man dem GOTS vergleichsweise oft. Dieses Label stellt dabei sowohl weitreichende Anforderungen hinsichtlich definierter Sozialstandards, als auch in Bezug auf eine umweltschonende Produktion. Das Label entwickelt sich dabei immer weiter und stellt fortlaufend neue dezidierte Anforderungen an die Labelnehmer. Wichtig ist dabei, dass die Anforderungen weltweit anwendbar sind und auch überprüfbar sein müssen. Hierzu hat das GOTS zahlreiche verbindliche Kriterien festgelegt. Ziel ist dabei immer die nachhaltige Produktion von hochwertigen Textilien.

Ziele und Vorgaben:

    • Faserproduktion. Bio-Zertifizierung der Fasern. Ein Produkt mit GOTS-Kennzeichnung muss mindestens 70 % Biofasern enthalten, für die Kennzeichnung mit GOTS „Bio“ muss ein Produkt zu 95 % aus Biofasern bestehen. Darüber hinaus müssen Produkte mit Bio-Kennzeichnung getrennt von Produkten mit konventionellen Fasern erzeugt werden
    • Umweltkriterien. Überprüfung aller chemischen Zusätze hinsichtlich Abbaubarkeit und Toxizität. Hierbei bestehen verbindliche Grundanforderungen und überprüfbare Standards. Auch gilt das ausnahmslose Verbot von problematischen Zusätzen wie toxischen Schwermetallen. Je nach Art der Produktion sind die Betriebe außerdem verpflichtet Protokolle hinsichtlich der eingesetzten Chemikalien, dem Wasser- und Energieverbrauch sowie der Abwasseraufbereitung anzufertigen. Zusätzlich müssen alle Verpackungsmaterialien frei von PVC sein. Kommt als Verpackung Papier oder Pappe zum Einsatz, ist die Zertifizierung nach FSC oder PEFC verbindlich. Alternativ kann auch Recyclingmaterial eingesetzt werden.
    • Qualität. Auch in diesem Bereich sind verbindliche Werte definiert, die beispielsweise Licht- und Waschechtheit aber auch Abriebfestigkeit oder Einlaufwerte festlegen. Auch sind bezüglich unerwünschter Chemikalienrückstände im Endprodukt strenge Grenzwerte definiert. 
    • Sozialkriterien. Bei der Festlegung der Sozialkriterien orientiert sich der GOTS an den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Hierbei müssen Verarbeiter und Hersteller ein stichhaltiges Konzept vorweisen, das die Einhaltung der Kriterien des ILO sicherstellt. Hierzu zählen unter anderem das Verbot von Kinderarbeit, die Einhaltung von Mindestlöhnen sowie der Schutz vor Diskriminierung und inhumaner Behandlung.

Gut zu wissen: Wenn Unternehmen eine GOTS-Zertifizierung anstreben, müssen alle genannten Kriterien ausnahmslos erfüllt werden. Darüber hinaus handelt es sich beim GOTS um einen Standard, der kontinuierlich weiterentwickelt, verbessert und angepasst wird. Aktuell gilt daher die Version 5.0 des GOTS, diese wird jedoch im Lauf des Jahres 2020/21 durch die neue Version 6.0 ersetzt werden, die wiederum enger gefasste Kriterien ansetzt. Egal in welcher Version, GOTS ist nur ein Standard für Textilien aus Naturfasern, Leder- oder Fellprodukte werden von diesem Standard nicht abgedeckt.

MADE IN GREEN by OEKO-TEX

Bei MADE IN GREEN handelt es sich ebenfalls um ein Label, das Produkte auszeichnet, die nach klar definierten Richtlinien bezüglich der Umweltverträglichkeit und Sozialstandards hergestellt wurden. Die Zertifizierung einzelner Betriebe und Produkte erfolgt immer für ein Jahr und richtet sich nach weltweit verbindlichen Prüfkriterien, die ebenfalls jährlich erweitert und angepasst werden.

Ziele und Vorgaben: 

Produkte die das Label MADE IN GREEN by OEKO-TEX tragen müssen sowohl den Kriterien des STANDARD 100 by OEKO-TEX entsprechen, als auch in Betrieben hergestellt werden, die nach STeP by OEKO-TEX zertifiziert sind. Mindestens 85 % des Gesamtgewichts der verwendeten Materialien müssen dabei aus Betrieben mit STeP-Zertifizierung stammen. Zusätzlich ist es erforderlich, dass jede Komponente, die mehr als 5 % am Gesamtgewicht eines Endprodukts ausmacht, den Anforderungen des Standard 100 entspricht.

  • STANDARD 100 by OEKO-TEX

Dieser Standard bezieht sich auf die generelle Umweltverträglichkeit eines Produkts. Dabei fließen sowohl der gesamte Herstellungsprozess als auch das fertige Endprodukt in die Betrachtung mit ein. Produkte und Rohstoffe werden hierzu fortlaufend auf ihren Gehalt an Schadstoffen und reglementierten Substanzen getestet. Für die produzierenden Betriebe besteht ein umfangreicher Maßnahmenkatalog, der verbindlich einzuhalten ist. So gilt beispielsweise zusätzlich zu der gesetzlichen Reglementierung ein Verbot bzw. eine starke Einschränkung für gesundheitsbedenkliche Stoffe, die noch keiner offiziellen Regulierung unterliegen. 

  • STeP by OEKO-TEX

Hierbei handelt es sich um einen Standard, der den produzierenden Betrieben nachhaltige Produktionsbedingungen bescheinigt. Auch hierfür gibt es weltweit bindende und klar definierte Kriterien, die sich sowohl auf den umweltverträglichen und effizienten Einsatz von Ressourcen, als auch auf die Einhaltung sozial verträglicher Arbeitsbedingungen beziehen. Alle Bewertungskriterien sind öffentlich zugänglich und bieten so ein hohes Maß an Transparenz. Da es sich hierbei um klar definierte und weltweit verbindliche Anforderungen handelt, sind Betriebe auch international vergleichbar.

Gut zu wissen: Jedes im Handel erhältliche Produkt, das das Label MADE IN GREEN by OEKO-TEX trägt, kommt immer mit einem Etikett, auf dem ein QR-Qode und eine Identifikationsnummer des Produkts zu finden ist. Durch das Scannen des Codes oder die Eingabe der Nummer beim OEKO-TEX Label Check kann der Produktionsweg des Produkts lückenlos nachvollzogen werden.

Siegel mit sozialen oder ökologischen Kriterien

Fair Wear Foundation (FWF)

Gleich mal eines vorweg: Die Fair Wear Foundation darf natürlich in unserer Liste der Vollständigkeit halber nicht fehlen. Denn hierbei handelt es sich immerhin um eine sehr bekannte und wichtige Organisation, die sich weltweit für gerechte Löhne und angemessene Arbeitsbedingungen einsetzt. Allerdings haben wir bereits vor einiger Zeit einen ausführlichen Artikel zur Fair Wear Foundation hier im Bergfreunde Basislager veröffentlicht.  Daher hier nur quick und dirty die grundlegende Zielsetzung der Organisation. 

Ziele und Vorgaben: 

    • Freie Wahl des Arbeitsplatzes
    • Keine Diskriminierung
    • Verbot von Kinderarbeit
    • Arbeiter haben das Recht sich zu vereinigen
    • Existenzsichernde Löhne
    • Angemessene Arbeitszeiten
    • Ausreichender Arbeitsschutz hinsichtlich Gesundheit und Sicherheit der Arbeiter
    • Rechtsverbindliche Arbeitsverhältnisse

Gut zu wissen: Die Fair Wear Foundation richtet ihre Arbeit vor allem auf Betriebe und Firmen in denen Kleidung produziert wird, vornehmlich also Nähereien in aller Welt. 

Fairtrade Textile Production 

Das Fairtrade-Siegel ist ebenfalls weit verbreitet. Die meisten von euch dürften es aber wahrscheinlich eher von Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen oder auch Kaffee kennen. Darüber hinaus gibt es aber von der Fairtrade-Organisation auch Labels, die sich speziell auf Textilien beziehen: der Fairtrade Textilstandard und Fairtrade Cotton.

Ziele und Vorgaben:

    • Der Fairtrade Textilstandard bezieht sich überwiegend auf die Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produkts. Dabei gibt es grundlegende Regeln und Vorgaben, die von den verarbeitende und produzierenden Betrieben verbindlich eingehalten werden müssen.
      An oberster Stelle stehen dabei existenzsichernde Löhne, eine hohe Arbeitssicherheit sowie das absolute Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit. Zusätzlich soll durch das Verbot von umweltschädlichen Chemikalien der Gesundheitsschutz der Arbeiter sichergestellt werden. Auch die Versammlungsfreiheit aller Arbeiter muss gewährleistet sein und sogenannte Arbeiterkomitees müssen die Einhaltung der Regeln eigenständig überwachen.
      Marken und Zwischenhändler, die dem Standard angehören verpflichten sich außerdem zu fairen und transparenten Einkaufspraktiken. Losgelöst von den Bedingungen für Angestellte und Arbeiter dürfen für Produkte die dem Fairtrade Textilstandard entsprechen nur Fairtrade-Baumwolle oder anderweitig nahhaltig zertifizierten Fasern eingesetzt werden.
    • Fairtrade Cotton: Bei diesem Siegel handelt es sich um das Fairtrade Produktsiegel für fair gehandelte Rohbaumwolle. Diese muss über den gesamten Produktionsprozess hinweg fair angebaut und gehandelt werden. Die Produktionsschritte müssen dabei lückenlos rückverfolgbar sein und die Baumwolle darf nur getrennt von Nicht-Fairtrade-Baumwolle verarbeitet werden.

Gut zu Wissen: Neben den notwendigen Kontrollen und Zertifizierungen der einzelnen Betriebe  geht der Fairtrade Textilstandard noch weiter. So werden beispielsweise Beschäftigte oder Produzenten dabei unterstützt fortlaufend bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. So soll es auch kleinen Betrieben, die bislang die strengen Anforderungen des Standards noch nicht erfüllen können, möglich sein die Bedingungen nach und nach an den Standard anzupassen um so mittelfristig eine Zertifizierung zu erlangen.

Bluesign  

Auch für das Bluesign Siegel gibt es bereits einen eigenen Blogbeitrag hier bei uns im Basislager. Daher auch hier nur in Kürze die wichtigsten Kriterien und Fakten.

Fokusbereich und Ziele

    • People“: Verbraucherschutz und Arbeitsplatzsicherheit
    • Environment“: Beschränkung und Vermeidung von Wasseremissionen, Luftemissionen, Abfall und Bodenverunreinigungen
    • Ressources“: Nachhaltige und umweltverträgliche Nutzung von Energie, Wasser, Chemikalien und Rohmaterialien

Gut zu wissen: Das Bluesign Siegel ist mehr als nur ein einfaches Gütesiegel. Es handelt sich dabei vielmehr um ein komplexes System der schweizerischen Firma Bluesign Technologies AG, das mit einem weitgreifenden Ansatz versucht, eine fortschreitend umweltverträglichere Textilproduktion zu gewährleisten.

Was aber sagt uns das?

Die Liste der hier beschriebenen Organisationen und Gütesiegel ist bei weitem nicht vollständig und kann daher nur als ein kleiner Einblick in einen sinnbildlichen Siegelwald gesehen werden. Dennoch bieten diese (und auch andere) Labels die bislang beste Möglichkeit ein Produkt bezüglich seiner allgemeinen Nachhaltigkeit zu überprüfen. Schaut man sich darüber hinaus einmal an, welche Hersteller mit einem oder mehreren der hier vorgestellten Siegel kooperieren, zeigt sich recht schnell, auch bekannte und große Marken wie beispielsweise Marmot, Haglöfs oder Vaude sind mit von der Partie. 

In aller Regel handelt es sich dabei um Produkte, denen man es auf den ersten Blick nicht ansieht, dass sie unter besonderen ökologischen oder sozialen Vorgaben hergestellt wurden. Wer jetzt also (wie ich übrigens auch immer wieder) bei den Begriffen „Öko“ oder „Fair-Trade“ an irgendwelche angestaubten Jutebeutel aus den Bioläden der 90er denkt oder an Klamotten mit seltsamem Schnitt und wilden Afrikamustern, dem sei folgendes gesagt: Klar gibt es das und klar wird damit auch ein Markt bedient. Aber gerade im Bereich der Outdoorbranche wirkt sich eine sozial verträgliche und umweltschonende Herstellung nicht maßgeblich auf das Aussehen, die Funktionalität und die Qualität eines Produkts aus.

Wenn ihr besonderen Wert auf nachhaltig produzierte Bekleidung oder Ausrüstung legt, findet ihr mithilfe unseres Nachhaltigkeitsfilters schnell Produkte, die mit dem jeweiligen Label verziert sind. Auch auf der Produktseite selbst könnt ihr bei den Attributen schnell sehen, welche Nachhaltigkeitsanforderungen das Produkt erfüllt.

Noch mehr Kinderbespaßung in Zeiten von Homeoffice und Homeschooling (Teil 2)

22. Mai 2020
Tipps und Tricks

Nach zahlreichen Ideen und Anregungen für Spiele und Basteleien in den eigenen vier Wänden (Teil 1: Indoor Aktivitäten), folgen jetzt einige Möglichkeiten, um seine Kinder mit spannenden Outdooraktivitäten bei Laune zu halten. Wer über eine Terrasse, einen Balkon, einen Garten oder eine Wiese verfügt, findet in den folgenden Vorschlägen eine große Auswahl an Freizeitaktivitäten. Sowohl für jüngere, als auch für ältere Kinder gibt es im Freien super Möglichkeiten zur aktiven und auch zur eher gemütlichen Freizeitgestaltung.

Outdooraktivitäten mit geringem Aufwand für Terrasse und Garten

Holz schnitzen

Selbst kleinere Kinder können oft schon gut mit einem kinderfreundlichen Schnitzmesser umgehen. Sie sind vorne meistens nicht spitz, sondern rund. Die Klinge eignet sich aber prima um Grillstöcke zu schnitzen oder aus weichem Holz oder weicher Rinde einfache Motive zu schnitzen.

Straßenkreide

Mit Straßenkreide lassen sich bunte Bilder, Spielfelder, Straßenmarkierungen für Laufrand und Tretauto und unzählige andere Motive auf Straßen, Einfahrten und Gehwege malen.

Sonnenschirm Zelt

Aus einem Sonnenschirm, einem großen Stück Stoff, das mit Wäscheklammer rings um den Schirm befestigt wird und einer Decke als Boden, wird im Handumdrehen ein wohnliches Kinderzelt zum Spielen.

Fangen und Verstecken

Verstecken und Fangen benötigen wohl keine weitere Erklärung und eignet sich als Zeitvertreib für kleinere und größere Kinder.

Slackline spannen

Für Kinder ist eine breite Slackline in niedriger Höhe ideal. Während sie am Anfang noch etwas Hilfe benötigen, laufen viele Kinder danach schon vollkommen sicher und selbständig.

Ballspiele

Selbst wer weder Mini-Fußballtore noch einen Basketballkorb daheim hat, kann ein kleines Tor oder einen Korb einfach improvisieren. Ein alter Eimer ohne Boden eignet sich für einen kleinen Ball zum Beispiel prima als Wurfziel. Alternativ kann der Ball einfach gegen eine Wand geworfen und dann wieder gefangen werden. Durch „Werfen und Fangen mit einer Hand“, „Drehung“ und „Fangen hinter dem Rücken“ bleibt das Spiel abwechslungsreich und anspruchsvoll.

Federball, Frisbee & Tischtennis

Ob Federball, Boccia, Frisbee oder Tischtennis – viele Spiele lassen sich für Kinder auch einfach imitieren oder improvisiert spielen – zum Beispiel mit dem Gartentisch als Tischtennisplatte.

Seilspringen und Gummitwist

Ob alleine mit Springseil oder mit mehreren Kindern am langen Springseil oder mit Gummitwist. Verschiedene Arten zu Hüpfen, zu Springen und unterschiedliche Twist-Spiele sorgen für stundenlange Beschäftigung.

Aktivitäten im Freien, die etwas Vorbereitung und Arbeitseinsatz verlangen

Picknick im Grünen

Was schon im eigenen Wohnzimmer (siehe Teil 1) eine Menge Spaß bereitet hat, macht bei milden Temperaturen im Freien erst recht gute Laune. Eine Decke, ein Korb mit leckerem Vesper, ein paar Teller, Besteck und die nötigen Getränke – schon kann das Picknick mit der Familie beginnen.

Wasserpistolen & Wasserschlacht

Wenn das Wetter im Frühjahr schon sommerlich ist, wird es Zeit die Wasserpistolen und Wasserbomben aus dem Keller zu holen. Ein gute Wasserschlacht sorgt an heißen Tagen für Action und Abkühlung zugleich.

Holzverschlag, Baumhaus & Höhle bauen

Ein einfacher Holzverschlag kann zum Beispiel schon mit zwei Holzböcken und einem Brett als Decke gebaut werden. Auch alte Paletten sind super Baumaterial für alle erdenklichen Räuberhöhlen, Piratenschiffe und Baumhäuser. Je nach Kreativität, Materialeinsatz und Arbeitsaufwand kann die Höhle in ein paar Minuten oder in ein paar Tagen umgesetzt werden.

Sandkasten bauen

Ein Sandkasten lässt sich natürlich auch fix und fertig kaufen. Der selbstgebaute Sandkasten mit Holzverkleidung und Deckel ist dagegen etwas aufwändiger zu bauen. Dafür ist die Gestaltung individuell und der Sandkasten kann zum Beispiel mit den Kindern zusammen hübsch bemalt werden.

Grillen & Stockbrot

Selbst wenn das Grillen auf öffentlichen Grillstellen nicht gestattet ist, lässt sich eine kleine Grillstelle auch schnell im Garten oder auf dem Balkon realisieren. Ideal für ein kleines Grillfeuer ist eine Feuerschale oder ein kleiner Holzofen. Mit einem passenden Grillrost, einer Grillschale oder einem geschnitzten Grillstock kann prima eine Grillwurst, ein Stockbrot oder ein paar Marshmallow gegrillt werden.

Spielhaus & Kartonburg bauen

Mit ein paar größeren Umzugskartons und ein paar kleineren und mittleren Kartons von der letzten Bestellung bei Bergfreunde kann eine super Ritterburg, ein kleiner Turm oder ein Spielhaus konstruiert werden. Beim Ausschneiden der Fenster sollte ein Erwachsener mit einem scharfen Messer helfen und alle Kanten danach mit Klebeband überklebt werden. Mit Leim oder Klebeband lassen sich die einzelnen Kartons in der gewünschten Anordnung verbinden. Beim Bemalen von Fassade, Dach und Innenräumen kann beispielsweise Acrylfarbe, Wasserfarbe oder Fingerfarbe zum Einsatz kommen. Schnell ist das neue Spielhaus für den Garten fertig und kann von den Kleinen direkt bezogen werden.

Sack-hüpfen, Kartoffellauf und Becherlauf

Unter erschwerten Bedingungen von A nach B zu gelangen, sorgt nicht nur bei Kindern für Spaß und Unterhaltung. Ob Sack-hüpfen, Becherlauf, das Laufen mit einer Kartoffel auf einem Esslöffel oder einem Becher Wasser auf dem Kopf – aus der Kombination verschiedener Elemente lässt sich ein regelrechter Wettkampf entwickeln, der gleichzeitig Konzentrationsvermögen und Feinmotorik fördert.

Boote Wettrennen

Für ein Rennen mit kleinen Booten eignen sich kleine selbstgebastelte Schiffchen aus Papier, Kork oder Holz. Eine Schüssel mit Wasser dient als Gewässer. So kann das eigene Boot von einer Seite zur anderen gepustet werden.

Zirkus spielen

Jeder Mitspieler zeigt was er kann. Egal ob akrobatische Turnübung, Musikvorführung, Zaubertrick oder einen Witz erzählen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und vom Kleinkind bis zur Oma kann jeder mitspielen.

Outdoor Sport und Spiele für fortgeschrittene Heimwerker

Seilrutsche aus Kletterausrüstung basteln

Etwas anspruchsvoller im Aufbau ist eine improvisierte Seilrutsche. Zwischen zwei stabilen Fixpunkten (z. B. Bäume) wird ein altes Kletterseil gespannt. Zum Spannen kann entweder ein Flaschenzug oder ein Mehrzweckzug verwendet werden. Das Seil wird mit einem leichten Gefälle über etwa 5 – 15 m gespannt und mit einer Seilrolle ausgerüstet, die auf dem Kletterseil läuft. An der Seilrutsche wird mit einem kurzen Seilstück eine Tellerschaukel oder ein Stück Holz befestigt. Auch ein größerer Knoten ist denkbar. Das ist zwar etwas Aufwand, punktet aber fast mit Spielplatzniveau.

Schaukel, Wippe oder Klettergerüst bauen

Wer über den nötigen Platz und das passende Material verfügt, sieht eventuell im Bau einer Schaukel oder Wippe eine anspruchsvolle Aufgabe. Für eine kleine Rutsche reicht dagegen oft schon ein glattes Brett mit rutschender Oberfläche. Auch eine Schaukel lässt sich an einem stabilen Ast mit einem Brett und einem alten Kletterseil einfach realisieren und bringt viel Spaß.

Kletterparcours oder Kletterwand

Mit hängenden Seilen vom Baum, Paletten, Brettern und Kartons entsteht ein abenteuerlicher Ninja-Parcour. Dabei gilt es so schnell wie möglich vom Start ins Ziel zu kommen, ohne dabei den Boden zu berühren. Der Schwierigkeitsgrad kann für Kinder jeden Alters individuell angepasst werden.

Fahrradstrecke im Garten

Ob Slalomstrecke, Hindernisparcour oder Rampe – in Verbindung mit Fahrzeugen, wie Laufrad, Fahrrad, Scooter können unzählige Herausforderungen entstehen. Dabei muss nicht zwangsläufig der ganze Garten umgegraben werden. Ein paar alte Bretter, Kisten, Reifen und Paletten eignen sich super als Baumaterial.

Skaterampe oder Mini-Ramp

Definitiv ein Projekt für Fortgeschrittene und auch mit einer Menge Materialeinsatz verbunden. Die eigene Skaterampe kann auch mit Inlineskates, Scooter und Kinderfahrrad befahren werden und eröffnet für sportliche Kinder viele neue Möglichkeiten. Allerdings ist ein großer Garten und eine tolerante Nachbarschaft dafür sehr zu empfehlen.

Swimmingpool oder Badeteich

Mit einem Swimmingpool kann man seine ersten Schwimmversuche starten.Unter dem Stichwort Swimmingpool verstehen die einen ein 20 cm hohes Kinderplantschbecken und die anderen ein gefliestes Bauwerk mit Olympia-Ausmaßen. Auch ohne Aushub und Mini-Bagger lässt sich für den anstehenden Sommer ein Pool installieren, in dem auch Erwachsene sich bestens abkühlen können. Je nach Größe sind solche Pools auch groß genug, dass Kinder darin ihre ersten Schwimmversuche absolvieren.

Viel Spaß beim Spielen, Basteln und Bauen!

Die MOSAiC-Expedition – von Eisbrechern und Viren

18. Mai 2020
Bergfreunde Tourenberichte

Hallo, mein Name ist Laura, ich bin 33 Jahre alt und Diplom-Geographin. Selbst lebe und liebe ich den Bergsport, daher befindet sich meine aktuelle Basis im oberbayerischen Bad Tölz, von dort kann man wunderbar Touren in die Berge unternehmen – ob zu Fuß, mit dem Bike oder auf Tourenski.

Seit fast drei Jahren schreibe ich auf meiner Homepage https://alparctica.com/ über meine Leidenschaft für die Alpen und meiner Faszination und für die Arktisregionen. Dem hohen Norden bin ich schon seit 2011 verfallen, als ich im Rahmen einer geographischen Studienreise an einer Ostgrönland-Exkursion teilnahm.

Mittlerweile bin ich dort als Trekkinguide unterwegs und habe auch schon Touren auf einem kleinen Schiff in Süd- und Westgrönland geleitet. Während der Reisen halte ich Vorträge über die Inuit, das Ökosystem Arktis, erzähle über Wale, Robben und Geschichten bekannter Polarforscher, wie zum Beispiel Fridtjof Nansen oder Roald Amundsen. Deren Willensstärke, Leidenschaft und Durchhaltevermögen fesselt mich schon sehr lange und ich habe großen Respekt vor ihren teils waghalsigen Expeditionen.

Inzwischen gehört auch Spitzbergen zu „meinem” Gebiet, dort habe ich erst als Trekking Guide gearbeitet und bin ab diesem Jahr Expeditionsleiterin auf dem neuen Schiff „Cape Race“. Das Schiff ist nur für maximal 14 Passagiere ausgelegt und das Tolle ist, dass man Spitzbergen auf eine ganz andere Art und Weise kennenlernen kann. Täglich werden Landgänge unternommen und zusammen mit den Gästen beobachten wir die Tierwelt und die wunderschöne Gletscherlandschaft mit den zahlreichen Bergen ringsum.

Arktis – Hotspot des Klimawandels

Die Arktis ist eine sehr sensible Erdregion und das Epizentrum des Klimawandels. Denn die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Betroffen ist das grönländische Inlandeis mitsamt seiner Gletscher, die Gletscher von Spitzbergen aber besonders auch das Meereis. Denn dieses geht vor allem im Sommer immer stärker zurück und verliert an Fläche.

Das hat gravierende Folgen für das ganze Ökosystem und letztlich auch für uns. Weil mir die Arktis persönlich sehr am Herzen liegt, halte ich mittlerweile auch Vorträge, denn die Zusammenhänge sind ziemlich komplex. Mittels meiner Bilder und Erzählungen versuche ich dies so anschaulich wie möglich zu gestalten. Fakt ist: das was in der Arktis passiert, bleibt nicht in der Arktis.

Die Expedition

Daher ist die größte Arktis-Expedition, die MOSAiC Expedition (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate), ins Leben gerufen worden. Ein Jahr lang driftet der deutsche Forschungseisbrecher „Polarstern“ im Nordpolarmeer. Geplant wird die Expedition seit 10 Jahren hauptsächlich vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven und sie ist mit extremen logistischen Herausforderungen verbunden – auch ohne Corona-Virus.

Den Hafen von Tromsö in Nordnorwegen hat die Polarstern bereits im September 2019 verlassen und ist seit Oktober an einer Eisscholle fest gemacht. Seitdem driftet der Eisbrecher mit der sogenannten Transpolardrift durch den arktischen Ozean.

Ziel der Expedition ist es, den Klimawandel in der Arktis besser verstehen. Untersucht wird die Biosphäre, die Atmosphäre, der Ozean mitsamt dem Meereis und vieles mehr. Die Teilnehmer werden ca. alle drei Monate ausgetauscht und insgesamt gibt es sechs sogenannte LEGs, die die Zeitabschnitte definieren. Zumindest, wenn alles nach Plan gelaufen wäre.

Die Quarantäne

Ich selbst bin Teil von LEG 4. Normalerweise wäre mein Flug nach Spitzbergen am 26.03. gegangen. Nach einem mehrtägigen Safety Briefing wäre von der Siedlung Barentsburg das Team aus Wissenschaftlern und Crew mit russischen Kleinflugzeugen auf eine im Meereis künstliche angelegte Landebahn zum Forschungsschiff Polarstern geflogen worden.

Doch seit dem 01.03. befinde ich mich unter selbst auferlegter „Quarantäne“, denn als alles noch in der Schwebe stand, mussten wir uns am 12.03. auf Corona testen lassen. Nachdem Norwegen die Grenzen dicht gemacht hat, war der Test (damals auch negativ), hinfällig.

Seitdem lagen meine Nerven nicht nur einmal blank und ich befinde mich in einem Zustand von Ungewissheit. Um sich von diesem Gefühl nicht zu sehr einnehmen zu lassen, sind Yoga und Mediation große Stützen. Für mich geht es hier nicht nur um ein Abenteuer, sondern um eine finanzielle Einnahme – um einen Job. Leider muss ich davon ausgehen, dass die anderen Aufträge in Norwegen und Spitzbergen dieses Jahr nicht stattfinden können. Ich hoffe es aber weiterhin.

Das Team und die Crew von LEG3 stecken noch immer fest und warten auf den Austausch. Ein paar von ihnen sind über Station Nord (Nordgrönland) mittels Kanadischer Flugzeuge evakuiert worden.

Es geht weiter

Seit Ende April gibt es endlich einen Plan. Wir werden mit den beiden Schiffen „Sonne“ und „Maria S Merian“ von Bremerhaven nach Spitzbergen gebracht, dort werden die Schiffe aufgetankt, das Land dürfen wir aber nicht betreten. Danach geht es weiter zur Eiskante, wo der Forschungseisbrecher Polarstern zu uns trifft und der Austausch von LEG3 und LEG4 endlich erfolgen kann.

Seit dem 30.04. bin ich in einem Hotel am Fischereihafen in Bremerhaven untergebracht, seit dem 01.05. befinden wir uns alle in Einzelquarantäne. Insgesamt handelt es sich mitsamt neuer Besatzung von Polarstern, der Besatzung von Sonne und Merian sowie uns Teilnehmern um ca. 150 Menschen. Für die Quarantäne wurden zwei Hotels organisiert. Wir dürfen die Zimmer bis Freitag, 08.05. nicht verlassen, das Essen wird vor die Türe gestellt und wir stehen unter Beobachtung.

Nach einer Woche werden die Regeln etwas gelockert, wir müssen uns aber sehr distanziert verhalten und dürfen das Hotel nicht verlassen. Sollte jemand die Regel brechen, ist diese Person von der Expedition ausgeschlossen. Insgesamt unterziehen wir uns drei Corona-Tests. Die ersten beiden Testergebnisse waren zum Glück bei allen Teilnehmern negativ! Der Abstrich erfolgt mit einem Wattestäbchen durch ein Nasenloch in den Rachen hinein. Man kann sich Angenehmeres vorstellen und die Warterei in einer Isolation macht es nicht wirklich einfacher.

Es ist eine krasse Erfahrung aber man weiß ja, wofür man das alles macht. Dennoch fühlt sich das Ganze an, wie eine Expedition vor der Expedition. Ich freue mich, dass es endlich weitergeht und gleichzeitig bin ich natürlich auch traurig, dass ich mich von niemandem verabschieden konnte und keine Kontakte seit März hatte. Wir Menschen sind soziale Wesen und wir brauchen Nähe, unsere Freunde und die Familie. Ich hoffe, ich kann das alles nachholen.

Die Schiffe starten am 18.05., dann geht es mit einem Team auf eine schwimmende Isolation in die „Prä-Corona-Zeit“.

Ich werde vor Ort übrigens als Eisbärenwächterin tätig sein und die Logistik organisieren, d.h. ich bin im Team Sicherheit und Logistik und begleite die Wissenschaftler während ihrer Messungen aufs Eis, warte Geräte, bringe die Forscher mit den Skidoos zu den aufgebauten Stationen. Unterm Strich bedeutet das, dass ich die meiste Zeit mit dem Fernglas nach Eisbären Ausschau halten werde. Es geht vor allem darum, Mensch und Tier zu schützen und rechtzeitig zu reagieren. Wenn alles glatt läuft, bin ich am 24.08. wieder zurück in Bremerhaven.

Die Nachhaltigkeit bei Icebreaker

5. Mai 2020
Ausrüstung

Wenn ich „Icebreaker“ lese, denke ich komischerweise nicht an gepanzerte Schiffe im Polarmeer, sondern an Merinoschafe und Funktionsunterwäsche. In Sachen Werbepsychologie hat die 1994 in Neuseeland gegründete Firma also alles richtig gemacht. Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass Firmengründer Jeremy Moon zu dieser Zeit gerade ein Marketing-Studium beendet hatte.

Die entscheidende Idee lieferte ihm laut Icebreaker-Schöpfungsmythos eine Freundin, als sie ihm den Farmer Brian Brackenridge vorstellte. Der Schafzüchter hatte ein T-Shirt aus 100 Prozent Merinowolle anfertigen lassen und gab es dem 24 jährigen Moon. Der war begeistert, trug es fortan selbst bei seinen Outdooraktionen und überlegte, wie man die Leute von dem brandneuen und zugleich uralten Material überzeugen könnte.

Es hat nur wenige Jahre gedauert, bis das geschafft war und aus der Idee, Outdoorunterwäsche aus Naturmaterial zu bevorzugen, ein Unternehmen mit Sitz in Wellington und mehr als 350 Angestellten wurde. Wer weitere Eckdaten über die Firma erfahren möchte, kann auf der Bergfreunde-Shopseite nachschauen. Hier im Basislager wandert der Blick jetzt auf den Nachhaltigkeitsansatz von Icebreaker.

Der Nachhaltigkeitsansatz von Icebreaker

Das wohl wichtigste Stichwort in Sachen Nachhaltigkeit lautet Transparenz. Sie ist zusammen mit dem  Vertrauen, das daraus entstehen kann, der Kernaspekt der Nachhaltigkeitsstrategie. Es gibt wohl keinen anderen Hersteller, der das Ganze so weit treibt, dass es der Kundschaft sogar schon „zu weit ging“. Icebreaker hatte vor einigen Jahren eine Idee, die man als „Barcode zum Schaf“ zusammenfassen kann:

Mehrere Jahre lang ließ Icebreaker die Kunden nachverfolgen, aus welcher Charge die Wolle des jeweiligen Unterhemds oder Shirts stammte. So genau wollten das die Verbraucher aber gar nicht wissen, weshalb die Maßnahme wegen mangelnder Nachfrage längst eingestellt wurde. Statt mit einem Barcode schafft Icebreaker heute Transparenz mit einem umfangreichen Bericht.

Der erwähnte Bericht trägt den Titel „Made Different“, stammt aus dem Jahr 2017 und erklärt auf 123 Seiten diverse Schritte und Maßnahmen des Unternehmens. Doch nicht nur das, er gewährt auch umfassende Einblicke in die Wertschöpfungskette, die Belegschaftsstruktur, die Geschäftspartnerschaften, den Tierschutz und die Fertigungsmethoden. Kurz, in fast alle Aktivitäten.

Ein zweiter Kernaspekt ist die tiefe Verflechtung und weiträumige Verteilung der Nachhaltigkeit in den Aktivitäten und Strukturen der Firma. Das bedeutet, Nachhaltigkeit ist bei Icebreaker kein gesondertes Tätigkeitsfeld und somit auch nicht sauber getrennt darstellbar. Womöglich ist das auch der Grund, warum bei Icebreaker nur wenige der bekannten Siegel, Labels und Mitgliedschaften zu finden sind, die sofort als „offiziell gültige“ Nachhaltigkeit sichtbar sind. Man muss viele Angaben auch im Sinne von „Treu und Glauben“ nehmen – oder sie eben kritisch hinterfragen.

Ich versuche beides, indem ich die als Nachhaltigkeitsmaßnahmen erkennbaren Aspekte des Transparency-Berichtes von 2017 herausstelle, ohne sie abschließend zu bewerten und „validieren“.

Umweltschutzmaßnahmen

Hier betont Icebreaker den Fokus auf Naturfasern, die über 85 % des gegenwärtigen Rohmaterialeinsatzes ausmachen. Im Abschnitt „Unsere Philosophie“ klingt das so:

Icebreaker wurde mit einem höheren Zweck gegründet. Um Verbrauchern eine natürliche Alternative zu Synthetik zu bieten und in der Outdoor-Branche einen Wandel hin zu nachhaltigen Lösungen zu bewirken.

Der hohe Anteil Naturfaser ist in der von Kunstfasern dominierten Outdoorindustrie tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal. Die Merino-Wollfasern gelten als natürlich, biologisch abbaubar, umweltschonend und damit nachhaltig. Entscheidend ist allerdings die Herkunft, denn nachhaltig ist die Wolle nur, wenn sie aus Betrieben mit artgerechter Tierhaltung und umweltgerechter Weidewirtschaft stammt.

Beides will Icebreaker durch strenge vertragliche Verpflichtungen an die Auftragsfertiger garantieren. Im Gegenzug bietet man den Züchtern Sicherheit und Planbarkeit durch langfristige Verträge (mehr dazu im Report auf S.24 unter „Direkte Beziehungen mit den Schafzüchtern“).

Tierhaltung und Tierschutz

Details zur Tierhaltung und zum Tierschutz werden im Report über viele Seiten offengelegt (S.24 ff.). Im Jahr 2015 waren es um die 15.000 Schafe, die auf etwa 16.000 Hektar gehalten wurden. Sie leben auf den Weiden und werden in wuchsschwachen Zeiten mit Zusatzfutter versorgt. Zu den  Tierschutzauflagen zählen eine stressfreie Haltung mit den „4 Freiheiten“ und natürlich das Verbot von Mulesing (schmerzhaftes Entfernen von Haut am Schwanz des Tieres).

Technische Innovationen

Mit einem kurzen Sprung zurück auf Seite 16 sieht man eine Zeitleiste über die Firmengeschichte. Für das Jahr 2012 ist dort das Material Cool-Lite erwähnt – eine neue Mischung aus Merinowolle und der pflanzlichen Regeneratfaser Tencel. Im folgenden Jahr 2013 entwickelt Icebreaker „eine natürliche Alternative zu Entendaunen, die aus Merinowolle hergestellt wird.“ Beide Entwicklungen stehen für Funktionalität auf schonende und naturnahe Weise.

Freiwillige Größeneinschränkung

Ein wirklich bemerkenswerter Schritt ist die auf Seite 45 dargestellte Entscheidung, die Größe der globalen Herbst-Winter-Kollektion um 20 Prozent zu reduzieren.  Die Größe war „nicht mehr mit den Werten unseres Produkt-Designs vereinbar“.

Recyceltes Polyester

Polyester hat einen Anteil von fünf Prozent der verwendeten Fasern. Davon sind 72 Prozent hauptsächlich aus PET-Flaschen recycelt und man ist bestrebt, den Anteil zu erhöhen.

Öko-Tex Standard 100

92 % der Stoffe in der Herbst-/ Winterkollektion 2017 trugen das Siegel STANDARD 100 by OEKO-TEX. Der Standard ist ein weltweites, unabhängiges Test- und Zertifizierungssystem, das die Schadstofffreiheit von Stoffen oder Rohmaterialien bestätigt.

Verpackungen und Einkaufstaschen

Verpackungen sollen auf ein Minimum reduziert werden. Kunststoffe wurden komplett abgelöst von Recycling-Kartons und biologisch abbaubaren Hüllen. Es wird Druckertinte auf pflanzlicher Basis genutzt und die Waren werden soweit wie möglich als Schiffsfracht versendet.

Reduktion der Umweltbelastung durch Unternehmensaktivität

Mit einem Sprung auf Seite 82 des Berichts gelangt man zu den „internen“ Umweltschutzmaßnahmen. Diese betreffen neben dem Umgang mit Chemikalien und Abwasser auch die Logistik. Soweit möglich transportiert man Ware per Seefracht (76 % 2017) und versucht den Anteil an Luftfracht von 10 % weiter zu drücken.

Hierbei bleibt allerdings die Frage offen, ob Schiffsdiesel über globale Entfernungen wirklich so viel umweltfreundlicher ist. Um hier zu einer klaren Antwort zu kommen, müsste man wohl eine sehr große und komplexe Rechnung aufmachen.

Beim Umgang mit Chemikalien hält sich Icebreaker an das „Verzeichnis der Stoffe mit eingeschränkter Verwendung“ (Restricted Substance List, RSL) der American Apparel & Footwear Association (AAFA). Dieses Instrumentarium basiert auf den strengsten globalen Standards und Gesetzen. Auch alle Lieferanten akzeptieren die Liste ab Beginn einer Geschäftsbeziehung und erklären sich mit Kontrollen einverstanden.

Closed Loop Wasseraufbereitung

Beim Superwash-Verfahren, das Merino waschmaschinentauglich macht, entstehen Dämpfe, die eingefangen und in einem Entlüftungssystem behandelt werden. Gleichzeitig wird das Abwasser eingefangen und in einer Wasseraufbereitungsanlage am Standort aufbereitet.

Frei von PFC bis 2020

Perfluorierte Chemikalien (PFCs) werden in der Outdoor-Bekleidungsindustrie bekanntlich für wasserabweisende Beschichtungen eingesetzt. Von den relativ wenigen wasserdichten Jacken bei Icebreaker waren in der Herbst/ Winterkollektion 2016/17 37 Prozent PFC-frei und Icebreaker ist „auf Kurs bis 2020 PFC-frei zu sein.“

Produktionsabfall

Das Abfallmanagement der Icebreaker Fabriken wird durch den Icebreaker-Audit-Prozess überwacht. Icebreaker-Fabriken erzielen aktuell einen Durchschnittswert von 8,7/10 für Abfallmanagement, was über dem Branchendurchschnitt von 7,1/10. liegt. Diese Angabe bezieht sich auf 1404 Audits, die von der Firma Asia Inspection in 24 Ländern in den vorhergehenden 12 Monaten durchgeführt worden waren.

An den Audit-Scores gibt es allerdings Kritik vonseiten des Nachhaltigkeitsportals Rankabrand. Das Vergleichsportal für Markenhersteller sieht die Nachhaltigkeitsbestrebungen bei Icebreaker allgemein kritisch. Dazu mehr im Fazit.

Rückgabe- und Recycling-Programm

Icebreaker hat sich zur Erstellung eines Rückgabe- und Recycling-Produktlebenszyklusprogramms verpflichtet, „bei dem Verbraucher dafür belohnt werden, wenn sie ihr icebreaker zum Recycling bis 2022 zurückgeben.“

Nature Dye: Umweltfreundliche Textilfärbung und Abwasserentsorgung

Bei Nature Dye werden zum Färben der Kleidungsstücke 80% weniger Wasser verwendet als bei herkömmlichen synthetischen Färbeverfahren. Auch Energie wird mit diesem Kaltfärbeverfahren gespart. Die Farbe wird im Stoff durch natürliche schadstofffreie Fixiermittel gebunden. Das Abwasser wird – ebenso wie bei der Herstellung der Nicht-Nature-Dye-Kleidung – in einem Kreislaufsystem aufgefangen und recycelt.

Soziale Maßnahmen

Mitarbeiter

Bei Icebreaker misst man kultureller Vielfalt und einem hohen Frauenanteil große Bedeutung bei. Besonders Letzteres wird an vielen Stellen betont. Die Rechte von Mitarbeitern versucht man mithilfe der Audits und durch die Möglichkeit zu direkter und anonymer Kontaktaufnahme unter der Mailadresse workersvoice@icebreaker.com wahrzunehmen bzw. zu schützen.

Bei den Audits der Icebreaker-Lieferanten untersuchen die Prüfer betriebliche Unterlagen und führen persönliche Interviews durch, um sicherzustellen, dass Fabriken ihre gesetzlichen Pflichten hinsichtlich Löhne, Leistungen und Arbeitszeiten erfüllen.

Bei jedem Besuch hinterlassen die Prüfer Visitenkarten und geben klar zu verstehen, dass Arbeiter sie direkt und streng vertraulich kontaktieren können. Der genaue Ablaufplan von Icebreaker-Audits sowie die ergebnisabhängigen Folgemaßnahmen sind im Transparency Report auf S. 76 ff. nachzulesen.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Schaffung von Vertrauen und „Corporate Identity“ mit menschlicher Note. Icebreaker betont die zwischenmenschlichen Beziehungen und macht die weltweit am Prozess beteiligten Menschen füreinander und nach außen sichtbar. Man schafft persönlichen Kontakt durch Zusammentreffen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern beim jährlichen dreitägigen „Vendor Summit“ in Neuseeland. Eine ganz ähnliche Plattform ist der „Icebreaker Growers Club“, in dem sich die Schafzüchter kennenlernen und vernetzen können.

Beziehungen zu Lieferanten

Lieferanten müssen sich an den Verhaltenskodex nach Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation halten. Die Einhaltung wird ebenfalls im Rahmen der Audits geprüft. Icebreaker strebt möglichst langfristige Geschäftsbeziehungen an, in denen Vertrauen wachsen kann.

65 % des Volumens an Rohstoffen und Zwischenprodukten wird laut Homepage immer noch von den zwei ersten internationalen Lieferanten gefertigt, mit denen man seit 13 Jahren zusammenarbeitet. Im Transparency Bericht finden sich dazu ab Seite 56 umfangreiche Informationen, inklusive Fallbeispiel.

Beim Einkauf von Rohstoffen und Zwischenprodukten versucht man die in der Modebranche häufigen starken Nachfrageschwankungen mit möglichst genauen und langfristigen Vorabsprachen abzufedern und dadurch auch fragwürdige Praktiken wie Zwangsüberstunden zu verhindern.

Fazit

Der Nachhaltigkeitsansatz bei Icebreaker scheint breit angelegt und durchaus glaubwürdig verfolgt zu werden. Im Wörtchen „scheint“ kommt jedoch auch eine Schwäche zum Ausdruck: die bislang noch nicht sehr ausgeprägte Verifizierung durch Feedback von Medien und unabhängigen Dritten.

Beim Vergleichsportal Rankabrand wird sogar ausgerechnet die Transparenz bemängelt, die dem  Homepagebesucher angesichts des detailreichen Transparenzreports eigentlich ziemlich umfassend vorkommt. Vielleicht liegt hier das Problem auch in verschiedenen Methoden, mit denen man Nachhaltigkeitsmaßnahmen erfassen und darstellen kann.

Die zweite Schwäche ist der grundlegende Widerspruch zwischen dem Nachhaltigkeitsgedanken und den globalen Distanzen, die für die Herstellung und den Verkauf der Icebreaker-Produkte zurückgelegt werden. Allerdings steht gerade in der Outdoorbranche so gut wie jedes Unternehmen, das über den lokalen Maßstab hinaus operiert, in diesem Konflikt.

Eine Stärke dürfte hingegen die Natürlichkeit des grundlegenden Rohstoffs Merinowolle sein. Die Icebreaker-Wolle dürfte neben den Kunststoffprodukten in der Nachhaltigkeits-Gesamtrechnung ganz gut wegkommen – mit oder ohne lange Transportwege.

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