Yukon Arctic Ultra

Montane Yukon Arctic Ultra – Ein Rennen der Extreme

22. Dezember 2016

Sportart

Yukon Arctic Ultra

Zusammen quält es sich leichter. Foto: Martin Hartley

Am 5. Februar 2017 fällt im kanadischen Whitehorse der Startschuss zum 14. Montane Yukon Arctic Ultra (MYAU). 100 Teilnehmer aus 17 Nationen sind gemeldet. Die meisten von ihnen starten zu Fuss, aber auch die Disziplinen Mountainbike und Skilanglauf sind vertreten. Bei den möglichen Distanzen ist die Bandbreite groß: Marathon, 100, 200, 300 und 430 Meilen stehen zur Verfügung. Die beliebteste Streckenlänge ist tatsächlich 430 Meilen. Das sind 692 km von der Hauptstadt des Yukon Territory zur der Ziellinie in Goldgräberstadt Dawson City.

Die Strecke folgt dem Trail des Yukon Quest, dem härtesten Hundeschlittenrennen der Welt. Dabei ist alles geboten, was das Herz eines Winterabenteurers begehrt. Zugefrorene Flüsse und endlos lange Seen, Wälder, Sümpfe und hügelige bis bergige Landschaften. Die Wildnis des Yukon erscheint oft endlos.

Yukon Arctic Ultra

Die große Einsamkeit… Foto: Martin Hartley

Neben der Herausforderung für den Körper, bringt dieses Abenteuer auch den Kopf an seine Grenzen. „Man fühlt sich da draußen plötzlich sehr, sehr klein. Das Leben reduziert sich auf überlebenswichtige Dinge. Einen Schritt nach dem anderen tun. Essen. Trinken. Nur nicht schwitzen. Ruhen“, erklärt der deutsche Veranstalter Robert Pollhammer. „Du wirst mit vielen Ängsten konfrontiert. Nachts allein mitten im Nirgendwo. Mit etwas Glück heulen im Hintergrund noch die Wölfe“, fügt Pollhammer hinzu. Das verkraftet nicht jeder.

Wer macht so etwas?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Der jüngste Teilnehmer ist 24 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 72. Es sind alle Einkommensschichten und viele Berufsgruppen vertreten. Die Fitness reicht vom erfahrenen Wanderer bis zum Profisportler. Und nicht immer erreichen die Profis das Ziel. Denn bei Temperaturen bis – 50 Grad Celsius und derart langen Strecken, ist es verheerend, wenn man sich die Kräfte nicht vernünftig einteilt.

Yukon Arctic Ultra

Mit Pulka durch die weiße Pracht. Foto: Martin Hartley

Umso erstaunlicher ist es, dass viele Teilnehmer immer wieder zum MYAU nach Kanada kommen. „Das ist die Magie des Yukon. Viele Starter nehmen zwei-, drei oder viermal teil. So eine Herausforderung erdet und gibt einem Kraft. Auch, wenn man körperlich zunächst sicher k.o. ist“, erklärt Pollhammer. „Dazu trägt nicht nur die unglaubliche Landschaft bei. Unsere Gastgeber an den Checkpoints sind unglaublich freundlich. Die Crew und freiwillige Helfer lieben die Arbeit. Dazu kommt eine familiäre Atmosphäre, die ein Rennen mit maximal 100 Teilnehmern bringen kann. Das gilt ganz besonders für die Teilnehmer über die 300 und 430 Meilen. Hier lernen wir uns alle sehr gut kennen. Nicht selten entstehen Freundschaften fürs Leben“.

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Dicke Handschuhe müssen schon sein. Foto: Martin Hartley

Damit die Teilnehmer sicher sind, gibt es eine lange Liste an Pflichtausrüstung. Dazu gehören zum Beispiel eine Expeditionsdaunenjacke, ein Schlafsystem für extreme Kälte, Säge, Stirnlampe und Kocher. Für den Transport der Ausrüstung nehmen die Läufer- und Skilangläufer eine Pulka. Die Fatbiker nutzen jeden verfügbaren Platz an ihren Rädern. Eine Mannschaft von Schneemobilfahrern fährt den Trail regelmäßig ab, um nach dem Rechten zu sehen. Für extra Sicherheit sorgen noch die sogenannten SPOT-Geräte. Das sind GPS-Sender, die regelmäßig die Positionen der einzelnen Teilnehmer durchgeben. Dazu kann man mit einem SPOT noch Nachrichten senden. Das geht von einem einfachen „okay“, über ein Hilfesignal bis zu einem echten Notruf. Die SPOTs ermöglichen es zudem Familie, Freunden und Kollegen daheim, das Rennen zu verfolgen. Achtung: Suchtpotenzial! Wer einmal anfängt, einem SPOT-Tracker zu folgen, kann oft nicht mehr damit aufhören.

Der Non-Stop Modus des MYAU sorgt dafür, dass sich das Teilnehmerfeld schnell in die Länge zieht. 100 Meilen oder mehr zwischen den Führenden und den Letzten ist absolut keine Ausnahme. Wer es möchte, kann sein ganzes Rennen alleine bestreiten. Andere schließen sich lieber spontan zu kleinen Teams zusammen.

Extrem – aber nicht um jeden Preis

Yukon Arctic Ultra

Viel weiß… Foto: Martin Hartley

Gefahren gibt es viele. Risiko Nummer 1 sind sicher die Auswirkungen der Kälte. Passt man nicht auf, holt man sich schnell eine Erfrierung. Wer sich eine Erfrierung einfängt, für den ist laut Reglement das Rennen beendet. Denn zunächst harmlose Erfrierungen können durch weiterführende Temperaturschwankungen zu einem echten Problem werden. Besonders gefürchtet sind die sogenannten „Overflows“. Hier sammelt sich Wasser über einer Eisschicht und unter einer Schicht Schnee. Nicht immer sind solche Stellen leicht zu erkennen. Mit etwas Glück ist das Wasser nicht tief. Doch es kann durchaus vorkommen, dass man plötzlich bis zur Hüfte im kalten Nass steht. Dann heißt es, Ruhe bewahren und Schritt für Schritt richtig reagieren.

Immer wieder machen sich die Athleten Sorgen um Wölfe oder Bären. Letztere halten Winterschlaf und Wölfe sind eher menschenscheu. Taucht ein Elch vor einem auf, ist wesentlich mehr Gefahr im Verzug. Dann ist Zurückhaltung angesagt. Verscheuchen könnte bei einem Elch aggressives Verhalten auslösen und böse Konsequenzen haben.
Wesentlich öfter bereiten den Athleten die körperlichen Strapazen Probleme. Knie, Rücken, Hüfte und Füße leiden wie bei allen Langstrecken-Veranstaltungen. Deshalb ist es wichtig, Warnsignale nicht zu ignorieren. Ein klassisches Beispiel sind Blasen an den Füßen. Wartet man zu lange mit der Problemlösung oder einer Behandlung, werden Blasen schnell so groß, dass nur noch die Aufgabe bleibt.

Yukon Arctic Ultra

… aber auch Farben. Foto: Martin Hartley

Der Lohn für all die Mühen? Man erfährt eine beeindruckende Stille. Man kommt an Orte, die andere Menschen niemals sehen werden. Man lernt Leute kennen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und, mit etwas Glück, sorgen Nordlichter nachts für ein unvergessliches Lichterspiel.

Wer also einmal seine Grenzen ausloten will, der hat beim MYAU eine Gelegenheit dazu, denn es gibt keine klassischen Teilnahmekritierien. Wichtig ist, dass man die Kälte mag. Es ist auch gar nicht so entscheiden, dass man ewig lange laufen kann. Aber man sollte sehr lange wandern können und Schlafmangel gut vertragen. Den Rest schafft man mit gezielter Vorbereitung und der richtigen Ausrüstung. Nach dem Event werden wir übrigens noch einen Nachbericht liefern und mit den Athleten sprechen. Bleibt also dran, das dürfte interessant werden!

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