Interview Antworks

Mein Holz und ich – Chris von Antworks im Interview

15. November 2016

Kategorie

Sportart

Ihr kennt doch diese kleinen, sympathischen Ein-Mann-Betriebe, die coole Stories zu erzählen haben und richtig geile Sachen bauen. In der Regel betrieben von Menschen, die mit jeder Menge Herzblut an der Sache dran sind und fast ihre gesamte Freizeit für ihr Business opfern. Davon gibt es in der Outdoor-Branche einige! Zum Beispiel Chris, der unter dem Label antworks im Österreichischen Sankt Wolfgang, Trainingsgeräte für Kletterer baut. Hier ist seine Geschichte:

Chris, zunächst einmal vielen Dank, dass Du uns einen kleinen Einblick in Deine coole Klitsche gibst. Was mich brennend interessiert: Wie bist Du auf den Firmennamen gekommen?

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Keine Angst, der will nur schleifen.

Die Frage nach dem Firmennamen ist immer die erste. So genau weiß ich das heute auch nicht mehr, wie ich auf antworks gekommen bin. Vielleicht liegt es daran, dass mein privates Pseudonym Bienenfleiss ist. Bienenfleiss wollte ich aber nicht kommerzialisieren, deswegen habe ich nach einem anderen Gliederfüßer gesucht. Antworks hat mir dann deshalb sehr gut gefallen, weil Ameisen einfach ziemlich viel Power haben, was im übertragenen Sinn fürs Klettern nicht nachteilig ist.

Zudem gefällt mir die Analogie mit der fleißigen Ameise, die einfach immer weiterarbeitet, egal wie hindernisreich der Weg auch sein mag. Das passt in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist das Training nur dann effektiv, wenn man es halt mit Fleiß und Kontinuität betreibt. Zum anderen ist es meine persönliche Motivation, alles zu geben, um immer wieder gute Produkte zu entwerfen und zu produzieren, auch wenn es mal Rückschläge oder Hindernisse gibt. (Das kommt nicht so selten vor)

Hattest Du schon vorher mit Holzverarbeitung zu tun oder hast Du dir das alles selbst beigebracht? Wie fing das alles an?

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Einblicke in die Werkstatt

Gebastelt und geschnitzt habe ich schon seit der Grundschulzeit. Zuerst waren es Bögen, dann Armbrüste und noch allerlei Sachen, mit denen ich weit schießen konnte. Aus heutiger Sicht natürlich völlig unverantwortbar. Später habe ich dann E-Gitarren entworfen und gebaut. Einen richtigen Holzberuf habe ich allerdings nie gelernt. Ich bin eigentlich Industriemechaniker für Papiermaschinen. Während der Ausbildung bin ich auch zum Klettern gekommen. Über den Alpenverein war ich Teilnehmer bei einem „Kletterschnuppern“ und da ist der Funke übergesprungen. Teilweise bin ich sechs Tage die Woche von Osnabrück nach Münster in die Kletterhalle oder in den Teutoburger Wald gependelt um nach der Arbeit klettern zu können. Das hat (im Nachhinein) meine Lebensumweltbilanz ziemlich ramponiert. ;-) Jedenfalls habe ich damals, 1999, mein erstens Trainingsboard gebaut. Unmittelbar nach dem Fachabitur bin ich für ein Jahr nach Südamerika aufgebrochen um den Kontinent von Bolivien aus zu entdecken. Dabei konnte ich ein paar höhere Berge besteigen (u.a. den Aconcagua).

Zurück in Europa (2004) bekam ich daraufhin die Möglichkeit an der FH Salzburg Design und Produktmanagement zu studieren, speziell für den Holz- und Möbelbau. Jetzt habe ich aber noch gar nichts zur Gründung von antworks geschrieben: Also, gegründet habe ich die Firma im Herbst 2012, zu der Zeit war ich noch in ein anderes Start Up eingebunden. Der eigentliche Grund der Firmengründung waren 2.500 EUR. Ich hatte dieses Geld aus einer Rückzahlung übrig und wusste nicht was ich damit machen sollte. Anlegen war zudem schon damals nicht wirklich attraktiv. So habe ich von dem Geld die ersten 25 Strong Ant 1 Fingerboards, eine Platte Birkensperrholz und einen Exzenterschleifer gekauft. Die Formalia war schnell erledigt, der Account bei Amazon eingerichtet und im Dezember sind dann auch schon ganze zwei Bestellungen reingekommen. Seitdem arbeite ich nonstop 24/7-1 (also sechs Tage in der Woche) an der Entwicklung von antworks und meiner Selbständigkeit.

Du fertigst jedes Trainingsgerät per Hand, ganz ohne Fräsen. Ist das nicht deutlich aufwendiger?

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Der Rohstoff

So ganz stimmt das nicht mehr. Seit diesem April fertige ich einige Boards auf meiner CNC Fräse. Das letzte Jahr war vom Volumen her ordentlich, was allerdings dazu geführt hat, dass ich mich körperlich ziemlich verausgabt habe, um die Boards immer ausliefern zu können. Das Fräsen von Hand mit einer 3PS starken Oberfräse und Schablonen war richtige Knochenarbeit, die so nicht lange durchhaltbar war. Deswegen steht jetzt ein kleiner Fräsautomat in meiner Werkstatt, der einen Großteil der Fräsarbeiten übernimmt.

Die Boards sind seitdem noch besser, präziser und ich bin bei der Entwicklung und Formgebung von neuen Produkten wesentlich flexibler (siehe Climbing Burger). Aber auch wenn die Boards jetzt teilweise per CNC gefräst werden, ist die Qualität nicht schlechter geworden, obgleich der Output deutlich höher ist. Ich nehme mir nach wie vor sehr viel Zeit, die Boards richtig gut zu schleifen. Es ist ein bisschen schade, dass man im Web nicht diese Art der Verarbeitung der Boards fühlen kann. Auf Messen war das immer sehr amüsant zu sehen, welchen positiven Emotionen gut geschliffenes Holz auslösen kann.

Welches Holz nutzt Du für die Produktion?

Ich verarbeite verschiedene Hölzer und Werkstoffe. Für die Pegboards wird Birkenschichtholz verwendet, das ist schön hell und optimal für diese Anwendung. Die Fingerboards werden aus Esche oder Walnuss hergestellt, der Climbing Burger wiederum aus Lindenholz, was dem Ding eine „sakrale“ Komponente gibt. Lindenholz ist ein hervorragendes Schnitzholz, früher (und auch heute noch) wurden Statuen und Altäre daraus hergestellt, weswegen es in Kirchen mitunter auch nach Lindenholz riecht. Ein sehr aromatischer Duft (und nicht zu verwechseln mit Weihrauch).
Das Holz kaufe ich bei einem Händler ein paar Dörfer weiter. Der bezieht das Holz seinerseits bei den umliegenden Bauern und verarbeitet es weiter. Das ist auch der Grund, warum das Holz, das ich verwende kein FSC Siegel hat. Die Lieferkette ist zu kurz, als dass sich diese Zertifizierung für meinen Händler lohnen würde.

Dein Climbing-Burger ist echt große Klasse! Woher nimmst Du deine Ideen?

Der Climbing-Burger

Der Climbing-Burger

Wie schon gesagt bin ich diplomierter Produktentwickler, ich kenne also eine ganze Menge Kreativtechniken, wie ich zu meinen Funktionen und Formen komme. Das Initial für ein neues Produkt kommt meist von mir selber, wenn ich bei einem Kletterprojekt kraftmäßig anstehe. Dann überlege ich mir, wie genau man diesen einen Griff oder eine bestimmte Bewegung besser trainieren kann. Auf der anderen Seite bekomme ich aber auch Vorschläge von Freunden. Beim Climbing Burger kam der Luki (Lukas Wöber, einer der sehr guten Kletterer und Routenbauer hier in der Gegend) in meine Werkstatt mit einer riesigen, gedrechselten Holzbirne unterm Arm. Wir haben das Ding aufgehängt, getestet und schon war ich angefixt. Den ersten Prototypen hatte ich noch kurz vor dem Urlaub auf Facebook online gestellt und war überrascht von den vielen Likes und der Reichweite. Der Urlaub war dann für mich nicht mehr so entspannend, es hat sich alles um eine möglichst effektive und kosteneffiziente Produktion gedreht.

Bei der Produktion setzt Du voll auf Strom aus Wasserkraft. Ist Nachhaltigkeit für Dich ein großes Thema?

Interview AntworksIch denke, um den Gedanken der Nachhaltigkeit kommt man heute nicht mehr herum. Der maßvolle Einsatz von Energie in der Produktion ist mir schon aus finanziellen Gründen ein großes Anliegen. Aber ja, ich beziehe meinen Strom von einem der letzten kleinen Stromerzeuger hier direkt aus dem Ort. Die Firma Eisenhuber produziert dabei ausschließlich durch Wasserkraft. Ob der Strom aus meinen Steckdosen nun tatsächlich aus Wasserkraft oder doch Atomkraft produziert wurde weiß ich nicht, die Stromrechnung kommt jedenfalls vom Wasserkrafterzeuger.

Worauf ich bei meinen Produkten so gut wie möglich verzichte, ist der Einsatz von Kunststoff. Klar, in Form von Leim ist er in den Boards vorhanden, aber diese Menge könnte man auch als homöopathisch bezeichnen. Nur für den Ant Bar und das Strong Ant 4 brauche ich zwei kleine Kunststoffdrehteile, ansonsten setze ich ganz auf inerte Materialien wie Edelstahl oder Aluminium, die nach dem Produktlebenszyklus wieder einfach sortenrein getrennt werden können. Die Boards aus Massivholz könnten sogar noch thermisch verwertet werden. Ich zumindest heize meinen Kamin mit Ausschussware.

Kommt man bei der ganzen Arbeit eigentlich selbst noch zum Klettern? Wo kann man dich antreffen, wenn du doch mal am Fels und nicht am Holz hängst?

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Bolas ohne Ende…

Selber klettern, das wäre schön. Haha, im Ernst. Ich komme nur mehr selten zum Klettern. Neben der Firma habe ich noch drei kleine Kinder zu Hause und die wollen auch Zeit mit mir verbringen. Deswegen beginnt mein Tag mittlerweile zwischen 3:30 und 4:00 in der Früh, dann habe ich bis zum Nachmittag genug Zeit, meinen Workload abzuarbeiten und es bleibt dann noch ein bisschen Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
Wenn ich draußen bin, dann im Höllental an der Rax, oder der Hohen Wand, beides schöne Gebiete südlich von Wien. Und hier in Kirchberg gibt es auch ein paar interessante Boulder. Damit ich mein Niveau halten oder verbessern kann, baue ich während der Arbeit öfter mal kurze Trainingseinheiten mit ein. Material dafür hängt in meiner Werkstatt eh genug herum. Und das Training funktioniert wirklich, denn wer trainiert wird besser oder kann zumindest den Status Quo konservieren.

Wann gibt’s den ersten Antido im Bergfreunde-Look? ;)

Gute Idee, darüber sollten wir mal in der Bergfreunde Homebase schnattern. Vor Weihnachten wird sich das aber sicher nicht ausgehen.

Und das werden wir sicher tun. Wir danken Dir für Deine Worte und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft. 

Wenn ihr es jetzt kaum noch abwarten könnt, euren Trainingsraum mit den schicken Geräten von antworks auszustatten, dann schaut doch mal im Shop vorbei. Im antworks-Markenshop gibt es Boards, Pegs und Klimmzugstangen!

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