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Mein allerliebstes Bouldergebiet: Petrohrad

30. Mai 2014

Sportart

Petrohrad in Tschechien

Petrohrad in Tschechien

Eine Orientierung, die an einen Horrorfilm erinnert, feinste scharfe Granitleisten und die nächste Möglichkeit Geld zu tauschen, ist eine Stunde mit dem Auto entfernt.

Und dennoch hat Daniel aus unserem Kundenservice Petrohrad zu seinem liebsten Bouldergebiet erklärt. Es muss also ein paar Vorteile haben, sonst würde er es nicht den klassischen Gebieten vorziehen.

Obwohl, die Tatsache dort auch beim schönem Wetter noch ganz ungestört und alleine Bouldern zu können, hört sich nicht so schlecht an.

 

Petrohradske´ – Petro was?

Weniger bekannt als Bleau, Zillertal oder das Tessin, aber nicht minder reizvoll, liegt versteckt das tschechische Bouldergebiet Petrohrad. Die namensgebende Gemeinde liegt nicht weit der Grenze zu Deutschland nördlich von Pilsen und ist von da aus gut über die Autobahn E 50 und die Bundesstraße 27 zu erreichen. Hier findet man über 3.000 Linien sämtlicher Schwierigkeitsgrade an den Felsblöcken der umliegenden Wälder.

Wo übernachten?

Leistiger Granit - schön

Leistiger Granit – schön

Gleich in der Nähe der ersten Sektoren – in Jesenice – gibt es einen mittlerweile renovierten Campingplatz. Dieser hat das Potenzial der Umgebung bereits erkannt und bietet unter anderem auch den Boulderführer zum Kauf an. Hier können auch kleine Bungalows gemietet werden, wenn man auf Zelt oder Camper verzichten möchte.

Nur wenige Gehminuten entfernt ist das einzige Restaurant und Hotel der näheren Umgebung zu finden. Hier kann bei guter Böhmischer Küche und einem Bier der Tag gemütlich ausklingen. Auch einen kleinen Supermarkt gibt es im Ort. Es ist allerdings ratsam vorab in Deutschland genügend Geld umzutauschen. Ich selbst musste bereits einmal feststellen, dass die nächste Möglichkeit hierzu eine gute Autostunde entfernt ist.

Orientierung: Wie in einem schlechten Horrorfilm

Zugegeben, die Sektorenfindung ist nicht immer leicht und kann mitunter recht skurril sein.

Um zum Sektor „Hrbi-tovní Kameny“ (Grabsteine) zu gelangen, muss man z.B. folgender Wegbeschreibung folgen: „An der Psychiatrie vorbei in Richtung Friedhof fahren, dort parken und an der Friedhofsmauer entlang in den Wald laufen.“ Man denkt sich in dem Moment so seinen Teil, aber sobald man die ersten Blöcke entdeckt, ist jeder beängstigende Gedanke verflogen.

Die Dropzone schaut auch gut aus

Die Dropzone schaut auch gut aus

Sämtliche Felsen der Gegend sind aus Granit und in erstklassiger Qualität. Die Reibung ist hervorragend und die meisten Griffe noch scharfkantig und äußerst griffig. Selbst bei wärmeren Temperaturen hat man mit den Kletterschuhen nicht das Gefühl, dass es schmiert. Die Boulder sind mit weißen Pfeilen gekennzeichnet und zeigen außerdem Höhe und Position des Starts an. Die Boulder sind durch scharfe Leisten, Platten und abgerundete Ausstiege geprägt.

Auf  Dächer oder große Überhänge muss man allerdings verzichten. Neben den unzähligen Boulderblöcken gibt es in den Wäldern auch vereinzelte Kletterfelsen mit eingebohrten Haken und Umlenkern. Diese stammen aber zum Teil noch aus der Zeit der Erschließung der Sektoren und werden eher vernachlässigt.

Außerdem bieten die Felsen in und um Petrohrad ein enormes Potenzial für Erstbegeher. Wenn man sich hier umsieht, entdeckt man noch viele unter Moos und Gras versteckte Juwelen, welche geputzt und beklettert werden wollen. Aber auch die bereits erschlossenen Routen lassen kaum Wünsche offen und bieten von gemäßigten Platten im Bereich Fb 2 bis hin zu Fingerkrachern und Highballs im Schwierigkeitsbereich Fb 8b/c jedem Kletterer genug Herausforderung.

Geheimtipp

Erinner ja doch ein wenig an Bleau

Erinnert ja doch ein wenig an Bleau

Für mich ist Petrohrad noch immer ein Geheimtipp unter den Boulderspots. Selbst an schönen Tagen und Wochenenden ist man ungestört und teilweise komplett für sich alleine. Da der Fels sehr scharfkantig und rau ist, leidet die Haut an den Fingern sehr stark. Ein Ruhetag ist somit immer ratsam. Egal ob man diese Pause für einen Ausflug nach Prag oder Pilsen nutzt , das nahgelegene Schloss besichtigt oder verwitterte Blöcke vom Moos befreit– Langweile kommt nicht auf.

Und sollte man schon einmal in der Gegend sein, lohnt sich ein (Kletter-) Ausflug in die Sächsische oder Böhmische Schweiz. Also: Bürste, Chalk und Crashpad schnappen und los.

 

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