Tipps und Tricks

Mein allerliebstes Bouldergebiet: Fontainebleau

27. Mai 2014

Sportart

Startgriff eines Boulders in Bleau

Startgriff eines Boulders in Bleau

In unserer kleinen neuen Serie stellen Dir Bergfreunde-Mitarbeiter ihre Lieblings-Bouldergebiete vor und erklären Dir gleich noch warum sie am liebsten dort hin fahren.
Dieses Mal der Tipp von mir (Wiebke) und ich erkläre Euch, warum ich am liebsten nach Fontainbleau in Frankreich fahre.

Wenn Ihr schon zehn Mal dort wart oder 25 Freunde habt, die alle zwei Stunden das Wort „Bleau“ in den Mund nehmen, wird dieser Artikel wenig Neues für Euch bereit halten. Wenn Ihr aber noch nicht so lange bouldert, dann viel Spaß beim Lesen – und Urlaub planen.

Das Mekka für Boulderer

Unter den Bouldergebieten gibt es ein paar Berühmtheiten: Die Rocklands in Südafrika, Hueco Tanks, Bishop oder Joe´s Valley in den USA, Magic Wood in der Schweiz oder Hampi in Indien (um nur einige zu nennen) und dann noch zahlreiche kleinere, die in den letzten Jahren beliebt und berühmt wurden. Außerdem kommen laufend neue dazu, da fortwährend neue erschlossen werden.

Fontainebleau allerdings genießt unter den Bouldergebieten eine Sonderstellung. So sehr Sonderstellung, dass letztes Jahr sogar die Zeitschrift Neon eine Redakteurin hinschickte (ob das nun erstrebenswert ist, sei mal dahingestellt).

Woher das kommt? Hier hat alles angefangen, also in Sachen Bouldern. Während alle anderen noch mit genagelten Schuhen auf Berge stiegen oder sich mächtig darüber freuten, eine Kletterroute ganz ohne Hilfsmittel, also frei, zu klettern, waren in dem kleinen Wäldchen bei Paris schon die Einheimischen mit ihren Fußabstreifern unterwegs und bekletterten die Sandsteinblöcke. Und hier wurde schon lange gebouldert, ehe die Sportkletterszene das Bouldern in der Halle als Wintertraining entdeckte.

Wo oder was ist Bleau?

In Bleau muss man die Blöcke selten suchen

In Bleau muss man die Blöcke selten suchen

Wenn man von dem Bouldergebiet Bleau spricht, dann meint man eigentlich den Wald bei Fontainebleau in der Nähe von Paris. In diesem Wald liegen unzählige Sandsteinblöcke, die zu Bouldergebieten zusammengefasst das Bouldergebiet Fontainebleau oder „Bleau“ ergeben.

Wenn man also in Bleau bouldert, dann bouldert man immer in einem der dortigen Gebiete, also Franchard, Apremont oder Cuvier-Chatillon (um nur ein paar wenige zu nennen). Die Gebiete unterteilen sich dann wiederum in Bereiche. Andernfalls wären die Boulderführer auch komplett unübersichtlich, denn es gibt wirklich viele Boulderblöcke in Bleau!!!

Wo übernachtet man?

Es gibt Campingplätze, Ferienwohnungen von sehr günstig bis wahnsinnig teuer oder außerdem die ausgewiesenen Biwakplätze. Diese sind in den Boulderführern verzeichnet, kostenlos und mit einem Wasseranschluss und Toiletten (Plumpsklo) ausgerüstet.

Viele Boulderer biwakieren oder campieren auch gerne direkt vor den Bouldergebieten. Das wird allerdings von der Parkverwaltung nicht gerne gesehen und in den Boulderführern wird ausdrücklich darum gebeten, die ausgewiesenen Plätze zu nutzen.

Früher war es sicher nicht so schlimm, wenn man diese Regel etwas individuell befolgt hat, inzwischen fahren aber so viele Leute nach Bleau, dass man sich an die Regeln halten sollte, sonst werden ganz schnell alle Parkplätze zu Campingplätzen und hey, die zehn Minuten, die man morgens weiter fährt, bringen einen echt nicht um.

Und wie ist das Bouldern?

Sehr ursprünglich und sehr technisch. In Bleau lernt man gut auf seinen Füßen zu stehen. Mit stark vorgespannten Schuhen wirst Du hier vermutlich nicht so glücklich werden. Es empfehlen sich eher weichere, gerade Schuhe, mit denen man auch gut auf Platten anstehen kann.

Wenn Du ein Bouldergebiet suchst, das Dein Ego aufpoliert und Du mal eben den einen oder anderen Grad überspringen kannst, dann bist Du hier falsch. „Bleau lehrt Dir Demut.“ Wie mein Kollege Sebastian zu sagen pflegt und das trifft es sehr gut. Oder wie Steffen Kern in der „Klettern“ es ausdrückt: „Wahrscheinlich jeder Siebenerboulderer hat hier schon in einer 5er-Platte sein persönliches Waterloo erlebt.“

Was für einen Stein findet man hier?

Auf zum nächsten Block

Auf zum nächsten Block

Wunderschönsten Sandstein. Also schonend zu den Fingern, dafür aber auch wesentlich anfälliger für äußere Einflüsse. Daher sollte man nie an feuchten oder gar nassen Blöcken bouldern und immer schön die Schuhe abstreifen bevor Ihr loslegt.  Mehr zum Thema im Artikel aus dem letzten Jahr.

Und wenn’s mal regnet?

Viele behaupten immer, das Städtchen Fontainebleau hätte nichts zu bieten, doch das stimmt nicht. Es gibt ein Kino, das mehrmals die Woche auch Filme auf Englisch bringt, eine riesengroße wahnsinnige Parkanlage hinterm Schl0ß und einen sehr schönen Wochenmarkt, auf dem man dreimal die Woche Produkte aus der Region kaufen kann – auch in Bio-Qualität. Ach ja, und sehr gute Konditoreien gibt es hier, in denen man sehr leckere Backwaren und Kuchen bekommt.

Was sollte ich noch wissen?

In Bleau ist man höchstens noch im Winter alleine unterwegs. Spätestens nach Ostern wird es recht voll und man tummelt sich dort mit vielen anderen Boulderern aus der ganzen Welt. Als ich dieses Jahr dort war (lange vor Ostern), traf ich Boulderer aus England, Niederlande, USA, vieele Skandinavier, Freiburger, Berliner, Spanier, Iren … ich glaube das war’s.

Die berühmten Bouldergebiete haben sich inzwischen leider auch unter den Langfingern herumgesprochen. Daher hier auf dem Parkplatz lieber keine Wertsachen im Auto lassen. Die Polizei fährt zwar regelmäßig Streife, aber vorsorgen ist immer noch besser.

Was gibt es noch zu sagen

Jeder Boulderer sollte mal in Bleau gewesen sein (genauso wie im Tessin, Magic Wood, Val di Mello … etc.). Bouldergebiete kennenlernen erweitert den Boulder-Horizont ungemein und verbessert die eigene Leistung. Und in Bleau sammelt man definitiv Erfahrung, wenn auch nicht immer so positiv für das Ego. Aber stehen tut man hinterher in jedem Fall.

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar