Kletterwand Eigenbau - Tipps und Tricks

Mehr als nur Raufasertapete – Tipps zum Eigenbau einer Boulderwand

14. September 2017

Sportart

Neulich ist wieder einmal die Handwerkerin in mir erwacht. Und da gerade ohnehin unser Dachboden ausgebaut wurde, habe ich die Gelegenheit ergriffen und eine Boulderwand in die Dachschräge gebaut. Das klingt logisch und gleichzeitig leichter, als es tatsächlich ist. Denn eine Wand, an der man klettern will unterliegt ganz anderen Anforderungen wie eine herkömmliche Deckenverkleidung. Was man also beim Eigenbau einer Boulderwand beachten muss und wo dabei die Feinheiten liegen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Material und Größe und Konstruktion

Ist eine Boulderwand zu klein, mag sie vielleicht gut aussehen, bringt aber für das Training recht wenig. Eine Wand mit einer Fläche von 6 m² sollte es mindestens sein. Je größer desto besser. Gerade wenn die Wand auch von Kindern genutzt werden soll, ist es wichtig, dass sie eine Höhe von 3 Metern nicht überschreitet, da sonst die Absprunghöhe zu groß würde. Als Material eignen sich selbstverständlich spezielle Kletterwandplatten oder auch verleimte Mehrschichtplatten aus dem Holzhandel. Wichtig ist dabei, dass die Platten eine Dicke von 18 – 22 mm aufweisen. Die Unterkonstruktion muss sehr stabil sein, da auf sie mitunter starke Belastungen einwirken. Werden die Wandplatten nicht direkt an einer Betonwand oder Mauer angebracht, empfiehlt sich eine Unterkonstruktion aus Holzbalken oder Stahlprofilen.

Kletterwand Eigenbau - Tipps und Tricks

Bei der Auswahl der Griffe und Tritte kann man seiner Fantasie freien laufen lassen. Der Unterbau sollte aber passen!

Wie genau die (Unter-)Konstruktion einer Boulderwand aussieht, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben der Neigung, der Höhe sowie den Verankerungsmöglichkeiten erfordern auch verschiedene Wandplatten unterschiedliche Unterbauten. Wie also das ‚Gerippe‘ einer Boulderwand aussehen muss, lässt sich nicht pauschal sagen. Grundsätzlich unterliegen alle künstlichen Kletteranlagen, die öffentlich genutzt werden, also auch Vereins- und Schulboulderwände, der Euronorm EN 12572. Darin sind sowohl die Wandhöhe als der Fallraum und die Aufprallfläche definiert. Im privaten Bereich ist diese Norm selbstverständlich nicht bindend, kann aber im Vorfeld des Bauprojekts hilfreiche Tipps liefern.

Hier einmal die wichtigsten Infos als Zusammenfassung:

  • Wandhöhen: max. 4 m (freistehend, überkletterbar), max. 4,5 m (nicht überkletterbar)
  • keine elektrischen Leitungen im Fallraum
  • ausreichend Fallraum und Aufprallfläche seitlich, vor und unter der Boulderwand. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass mögliche Säulen und Träger entsprechend gepolstert sind.
  • der Niedersprungbereich muss eben und hindernisfrei sein, ausreichende Dämpfung (Matten etc.) erforderlich. Hier sollte versucht werden so wenige Spalten wie möglich auf der Matte zu haben, da dies ein erhöhtes Unfallrisiko (Umknicken des Knöchels oder des Handgelenks) darstellt. Matten bestehen aus einzelnen kleineren Mittelteilen und werden meist mit einer Plane überzogen. Es sollten Spalten zwischen 8- 20 mm vermieden werden, da hier die Finger dazwischen passen und es zu Verletzungen kommen kann.

Dies erklärt freilich noch immer nicht, wie viele und wie dicke Balken oder Stahlprofile als Träger für die Kletterwandplatten erforderlich sind. Wie bereits erwähnt, haben unterschiedliche Materialien unterschiedliche Verarbeitungsvorschriften. Kurz und gut, es lässt sich pauschal und verallgemeinernd keine Aussage treffen. Für einfache überhängende Kletterwände hat sich im Allgemeinen die Verwendung von Balken mit einer Stärke von 10 x 8 cm bewährt, diese können zusätzliche mit einer Lattenkonstruktion ergänzt werden. Hier lohnt es sich einmal beim Holzhändler des Vertrauens vorbeizuschauen und sich ausführlich beraten zu lassen. Bei ‚wilderen‘ Konstruktionen kann es auch helfen einen Zimmermann beratend hinzuzuziehen. Kommen bereits vorgefertigte Kletterwandplatten zum Einsatz, geben die Montage- und Einbaubestimmungen des Herstellers zusätzlichen Aufschluss. Wichtig ist, dass die Holzplatten immer an der Unterkonstruktion, nicht nur an den Lattenkonstruktionen, befestigt sind.

Die Wandplatten

Lochraster – für den idealen Griffabstand

Kommen beim Bau der Boulderwand keine bereits fertigen Kletterwandplatten zum Einsatz, ist es wichtig, dass man sich noch vor dem Befestigen der Platten ein paar Gedanken zum Lochraster macht. Industriell gefertigte Kletterwände haben in der Regel einen Lochabstand von 15 bis 25 cm und kommen so auf ca. 25 bis 50 Löcher pro Quadratmeter. Baut man seine Wandplatten selbst empfiehlt es sich, ein ähnliches Lochraster zu verwenden. Dies ermöglicht es nicht nur Routen mit unterschiedlichem Charakter zu bauen, sondern diese bei Bedarf auch nach Belieben umschrauben zu können. Klassischerweise wird hierzu ein Dreieckbohrraster verwendet.

Kletterwand Eigenbau - Tipps und TricksDas lässt sich denkbar einfach herstellen, eine lange Setzlatte oder Lineal, ein Bleistift sowie eine handelsübliche Bohrmaschine reichen völlig aus. Das Lochraster wird auf der Rückseite der Platten angezeichnet. Wichtig ist, dass die Löcher der obersten und untersten Reihe einen ausreichenden Abstand zum Rand der Platte haben auch rechts und links sollte dieses Maß eingehalten werden.

Hat man den Rand definiert zeichnet man zunächst den horizontalen, danach den vertikalen Abstand der einzelnen Löcher ein und erstellt so ein Karoraster. Danach können die Löcher angezeichnet werden. In der obersten Reihe nimmt man hierzu immer die Punkte an denen sich die Linien kreuzen. In der Reihe darunter wird jeweils auf der horizontalen Linie mittig zwischen den beiden vertikalen Linien ein Bohrloch angezeichnet (siehe Abbildung). Danach werden die restlichen Löcher nach diesem System für alle Reihen eingezeichnet.

Es kann auch komplett auf ein Lochraster verzichtet werden, wenn nur Griffe verwendet werden, die mit Holzschrauben befestigt werden können. Man bezeichnet diese als Spaxgriffe oder Griffe mit mehreren Spaxlöchern. Das erspart viel Arbeit, Aufwand und Materialkosten.

Farbe und Anstrich – so wirds bunt und griffig

Sofern nicht bereits geschehen, können die Wandplatten nun auf der Vorderseite gestrichen werden. Geht es lediglich darum der Wand eine andere Farbe zu verleihen, kann hierzu eine handelsübliche Holzlasur verwendet werden. Um den Wandplatten jedoch eine Oberflächenstruktur zu verleihen, braucht es hingegen einen speziellen Anstrich bzw. einer Beschichtung:

  • Deckende Lackierung mit einem Zwei-Komponenten-Antirutschlack

Hierzu kommt eine spezielle Lackfarbe zum Einsatz. Diese enthält neben den üblichen Pigmenten etc. auch eine Körnung, die in getrocknetem Zustand für eine raue und somit griffige Oberfläche sorgt (grobes Schleifpapier). Lacke dieser Art sollten der Rutschhemmklasse R11 entsprechen. Die Farbe kann vergleichsweise einfach mittels Pinsel oder Lackrolle aufgetragen werden.

  • Beschichtung aus Epoxidharz und Quarzsand

Bei dieser Variante wird Epoxidharz, das auch für den Außenbereich geeignet ist, mit Quarzsand vermischt. Wichtig ist hierbei, dass das Mischungsverhältnis in etwa 5:1 beträgt und der Quarzsand eine Körnung von 0,7 – 1,2 mm aufweist. Dieses Gemisch wird aufgetragen und danach mit geeignetem Colorsand bestreut. Nach dem Trocknen kann überschüssiges Material abgekehrt werden.

Muttern – nicht zu verwechseln mit Vattern

Ist das Lochraster angezeichnet und die Farbe bzw. Beschichtung getrocknet, werden die Löcher für die Gewindemuttern gebohrt. Dies erfolgt immer an den zuvor eingezeichneten Bohrpunkten. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass in der Welt der Kletterwände zwei verschiedene Arten von Gewindemuttern kursieren: Flansch- und Einschlagmuttern. Wird eine Kletterwand nur privat genutzt und selten umgeschraubt, sind Einschlagmuttern das Mittel der Wahl. Sie sind die kostengünstige Alternative zu Flanschmuttern und werden von Herstellern wie Metolius nicht selten ‚kostenlos‘ mit den Klettergriffen geliefert. Für Einschlagmuttern müssen Löcher mit 12 mm vorgebohrt werden.

Kletterwand Eigenbau - Tipps und Tricks

Alles wichtige dabei – beim Metolius Hold Megapack!

Im Profibereich kommen hingegen Flanschmuttern zum Einsatz. Diese sind äußerst robust und können sich auch bei häufigem Umschrauben der Kletterwand nicht verdrehen, da sie in der Regel zusätzlich durch kleine Schrauben auf der Rückseite gesichert werden. Für Flanschmuttern müssen außerdem größere Löcher (14 mm Durchmesser) gebohrt werden.
Sind alle Löcher gebohrt, werden die Muttern von hinten durch die Wandplatten gesteckt und verankert. Gerade bei Einschlagmuttern empfiehlt es sich, die Muttern mittels der Gewindeschraube (M10), die später auch den Griff halten soll, einmal richtig fest in die Wand ‚hineinzuziehen‘.

Beim Bohren der Löcher kann man ein Holzstück auf der Rückseite der Platte unterlegen, damit es nicht zu Holzausbrüchen kommt, wenn der Bohrer auf der Plattenrückseite austritt.

Richtfest…

Sind alle Wandpaneele fertig, können diese auf der zuvor installierten Unterkonstruktion angebracht werden. Bei einer Metallunterkonstruktion haben sich Bolzen mit Muttern bewährt. Bei einem Gerippe aus Holzbalken können die Wandplatten mit handelsüblichen Holzschrauben mit Senkkopf befestigt werden. Auch hier darf nicht am Material gespart werden, man sollte also darauf achten, dass ausreichend viele Schrauben verwendet werden.

Hängen alle Platten dort wo sie sollen, können die Griffe und Tritte eingeschraubt werden. Da beim Bouldern normalerweise im Sitzen gestartet wird, genügt es bis zu einer Höhe von ca. 60 cm ausschließlich Tritte zu befestigen. Darüber kommen dann je nach Art der Wand und Kletterkönnen der Benutzer in Art und Größe unterschiedliche Griffe.

Tipp: Da die Fläche und vor allem die Höhe an einer Boulderwand eher begrenzt ist, empfiehlt es sich nicht nur Routen zu schrauben, die mehr oder weniger geradlinig nach oben führen. Wer an seiner heimischen Boulderwand auch auf Ausdauer trainieren möchte, ist gut beraten auch einige Routen anzulegen, die im Kreis geklettert werden können. So kann man nicht nur beliebig viele Runden drehen, sondern übt auch gleichzeitig das Abklettern intensiv.

Wenn ihr euch bei dem einen oder anderen Punkt unsicher seid, könnt ihr freilich bei eurem Routenschrauber in der Halle oder bei den Jungs von der Kletterkultur nachfragen, die als Rund-um-Service-Dienstleister für Boulder und Kletterhallen ziemlich fit sind, was das Schrauben angeht!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mort sagte am 19. Juli 2017 um 19:29 Uhr

    Gibt es die typischen Boulderhallen-Weichböden auch bezahlbar im kleinen Rahmen zu kaufen oder was bietet sich an dieser Stelle an, wenn man z.B. einen kleinen Raum oder Dachgiebel auslegen wollte?

  2. Lisa sagte am 20. Juli 2017 um 15:26 Uhr

    Hi Mort,

    Weichbodenmatten gibt es in erster Linie für die professionelle Anwendung in Sporthallen, Schulen etc. Dementsprechend hochpreisig sind die Dinger leider auch. Man kann sich aber bei der eigenen Boulderwand auch ganz gut mit einem oder mehreren großen Crashpads behelfen. Das reicht normalerweise für den Heimgebrauch völlig aus. Alternativ, kannst du auch einmal bei einem guten Polsterer nachfragen. Der macht dir dann ggf. eine Matte genau auf Maß ist aber wahrscheinlich auch nicht billiger als die großen Hersteller, weil schlichtweg der Schaumstoff für Matten ab einer gewissen Größe schon recht teuer ist.

    Andere Optionen gibt es meines Wissens nach nicht…

    Viele Grüße
    Lisa

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