Trekking auf Madeira

Madeira – Trekking auf der Blumeninsel

14. September 2017

Sportart

Nachdem wir im Frühjahr im Allgäu mit reichlich Sonnenschein verwöhnt wurden meldet sich der Winter Ende April zurück. Bei 1° Grad und Schneeregen packe ich kurze Hosen und ärmellose Laufshirts in meine Reisetasche – denn auf dieser Insel im Atlantik ist das ganze Jahr über Frühling! Madeira ist ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Die immergrüne Insel lockt mit einem milden Klima besonders in den Wintermonaten die sonnenhungrigen Europäer an. Gemeinsam mit der Nachbarinsel Porto Santo gehört Madeira zur Inselgruppe „Ilhas Desertas“ vor der marokkanischen Küste. Madeira gehört zu Portugal und der Name der Insel bedeutet auf Portugiesisch „Holz“. Zwanzig Prozent der Insel sind vom „Laurisilva“, dem Lorbeerwald, bedeckt. Nachdem die Insel im Gegensatz zu Mitteleuropa von der Eiszeit verschont wurde konnten sich auf der Insel eine einzigartige Pflanzenvielfalt behaupten.

Trekking auf Madeira

Eine wilde Orchidee.

Neben dem Lorbeerwald besiedeln Heidewald, Wacholder und unzählige Blumen die steile Landschaft. Auch wilde Orchideen wachsen am Rand der Wanderwege. Das pflücken der wunderschönen Pflanzen sollte man allerdings tunlichst vermeiden – die Insel gehört nicht ohne Grund zum Unesco-Kulturerbe. Die gesamte Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter. Die Küste Madeiras fällt steil ins Meer ab und mit dem Cabo Girao befindet sich eine der höchsten Steilklippen in direkter Nähe zur Hauptstadt Funchal. In der Mitte der Insel ragen die höchsten Gipfel empor. Der höchste Berg ist der Pico Ruivo mit 1862 m. Madeira verfügt über mehrere Mesoklimata. Im Norden der Insel regnet es häufig, der Süden ist dagegen subtropisch warm.

Die Levadas – Lebensadern der Insel

Trekking auf Madeira

Am besten geht man früh los!

Levada – ein Begriff, der untrennbar mit Madeira verbunden ist. Hierbei handelt es sich um künstlich angelegte Wasserkanäle, mit denen das Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im trockeneren Süden geleitet wird – ein äußerst effizientes Bewässerungssystem. Eine Levada-Wanderung sollte jeder Besucher der Insel auf jeden Fall in Erwägung ziehen.

In der regenarmen Zeit von April bis Oktober wird so gut wie jedes Feld der Insel über das Wasser des Levadas bewässert. Heute werden diese Kanäle neben dem Wassertransport vor allem auch touristisch genutzt. Die beliebtesten Wanderwege sind Pfade entlang der Levadas, die in einem ca. 2.000 km langen Netz die ganze Insel durchziehen. Die Orientierung ist meist sehr einfach, man muss nur dem Wasserkanal folgen. Da die Kanäle immer entsprechend der Landschaft verlaufen, gibt es hinter jeder Biegung etwas Neues zu entdecken. Die alten Behausungen der Levadeiros, Wasserfälle und eine vielfältige Pflanzenwelt laden zum Erkunden ein.

Historisches zu den Levadas auf Madeira

Bereits im 15. Jahrhundert wurden auf Madeira die ersten Bewässerungskanäle angelegt. 40 Jahre nach Besiedlung der Insel (1461) bestimmte Prinz Ferdinando zwei Männer, die mit der Verteilung des Wassers beauftragt wurden. Das Ziel war, die großen Wassermengen aus den Quellen auf den steilen Bergen in der Inselmitte an die Hänge und die Täler hinabzuleiten. Ab 1650 wurde das Kanalsystem ausgebaut, um den Zuckerrohranbau und die Wassermühlen mit Wasser zu versorgen.

Zur damaligen Zeit war Madeira einer der größten Produzenten von Zuckerrohr. Afrikanische Sklaven mussten die anstrengenden Bauarbeiten in schwindelerregender Höhe verrichten. Wer heute an den Kanälen entlang wandert, die teilweise aus dem blanken Fels gehauen wurden, kann sich vorstellen unter welchen schwierigen Bedingungen diese entstanden sind. Das Wissen der Mauren war für die Entwicklung und den effizienten Bau der Kanäle auf Madeira entscheidend, da sie bereits über viel Erfahrung im Bau der Bewässerungskanäle verfügten.

Die Levadas heute – Wandern, Bewässerung und Energieerzeugung

Trekking auf Madeira

Ein Levada.

Heutzutage werden drei Elektrizitätswerke mit dem Strom der Levadas betrieben, bevor das Wasser wieder dem ursprünglichen Zweck der Bewässerung den Kanälen zugeführt wird. Die Levadas werden von den „Levadeiros“ gewartet und gereinigt, denn das Wasser muss stets gleichmäßig fließen. Deshalb sind alle Wasserkanäle auf einem Pfad neben dem Kanal oder auf der Levadamauer begehbar. Durch die äußerst geringe Steigung von nur einem Meter pro Kilometer sind es meist gemütliche Wanderungen, die für jeden geeignet sind. Über die Fußwege entlang der Levadas gelangt man schnell in die tief eingeschnittenen Täler der Insel und entdeckt dabei die unberührte Landschaft Madeiras. Über insgesamt 70 Kilometer verlaufen die Levadas durch Tunnel. Einige davon sind auf Wanderungen zu begehen. Hier auf jeden Fall eine kleine Stirn- oder Taschenlampe einpacken. In den Tunneln ist es häufig rutschig und feucht.

Wandern auf Madeira

Auf Madeira gibt es ein sehr großes offizielles Wanderwegenetz, beschildert mit PR1 bis PR20. Die Routen zeigen die Vielfalt Madeiras und sind teilweise auch in den Touren der gängigen Wanderführer enthalten. Es handelt es sich meist um Streckenwanderungen und nicht um Rundwanderungen. Insgesamt 5 verschiedene Busunternehmen auf der Insel erleichtern das zurück kommen zum Ausgangspunkt der Wanderung. Am Startpunkt findet sich immer ein ausführliches Schild mit einer Übersichtskarte des Weges und nützlichen Informationen. Die Wege sind mit kleinen Holzwegweisern mit Wegnummer und Name der Strecke eindeutig gekennzeichnet.

Trekking auf Madeira

Treppen gibt es auf Madeira einige!

Auf Madeira kommen sowohl Wanderer, Trailrunner als auch Mountainbiker voll auf ihre Kosten. Selbst ein paar alpine Touren mit kleinen Kletterpassagen (zum Beispiel am Pico Grande) lassen sich auf der nur 57 km langen und 22 km breiten Insel finden. Wer nicht alleine losziehen möchte, kann zwischen einer großen Zahl an geführten Touren auswählen oder sich direkt einen lokalen Wanderführer organisieren. Als eines der Highlights zählt die mehrtägige Inselüberquerung von Norden nach Süden. Auf dieser Route findet auch jedes Jahr der „Madeira Island Ultra Trail“ statt. Über 800 Läufer nehmen die 115 km lange Strecke mit 7.500 Höhenmetern und unzähligen Treppenstufen unter die Füße. Treppen finden sich hier nicht nur im Einkaufszentrum. Aufgrund des steilen Geländes und zur Vermeidung von Erosion sind auf vielen Wanderwegen Stufen angelegt. Diese erleichtern das Wandern im abschüssigen Gelände im Helfen besonders bei Nässe beim Auf- und Abstieg.

Die Top-Touren auf Madeira

Bei der Vielzahl der rassigen Gipfel, einsamen Levadas und den romantischen Lorbeerwäldern fällt es schwer, die absoluten Highlights zu finden. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ein paar Touren, die sich auf jeden Fall lohnen. Bei allen Bergtouren empfiehlt es sich generell, möglichst früh zu starten. Gegen Mittag ziehen die Wolken häufig von der Küste nach oben in die Berge und bleiben dort den Rest des Tages hängen. Die Touren sind dann natürlich trotzdem begehbar, nur leider ohne Aussicht.

  • Trekking auf MadeiraBocca do Risco – 12 km, 300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Dieser abenteuerliche Küstensteig führt vom alten Canical-Tunnel bei Machico bis nach Porto da Cruz. Der Wanderweg war früher die schnellste Verbindung zwischen beiden Städten. Die „Borracheiros“ trugen den jungen Wein in Schläuchen aus Ziegenhaut zu Fuß an der Küste entlang. Dabei mussten sie die so genannte „Bocca do Risco,“ die gefährliche Öffnung, überwinden. Wanderwege direkt an der Küste sind auf Madeira rar. Dieser hier begeistert mit Tiefblicken zur Ostküste und hat auch heute nichts von seinem Charme verloren. Bis zur Bocca do Risco verläuft der Weg an einer problemlos zu begehbaren Levada entlang. Ab der Scharte sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Einige wenigStellen sind mit Seilen versichert. Nicht bei stürmischem Wetter und Regen begehen!
  • Trekking auf Madeira

    Wolkenverhangene Gipfel.

    Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo – 11 km, gut 1300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Der spektakuläre Höhenweg zwischen den höchsten Gipfeln der Insel bietet atemberaubende Tiefblicke über die gesamte Insel. Die drei wunderschönen Gipfel auf dieser Tour wurden über einen extra angelegten Steig bereits vor 50 Jahren erschlossen. Die sehr anspruchsvolle Bergtour sollte ebenfalls nur bei gutem Wetter begangen werden. Auf dem Weg werden mehrere Tunnel durchquert. Für die zahlreichen An- und Abstiege sollte man genügend Kondition mitbringen. Der Weg windet sich auf spektakuläre Weise über, durch und an den Gipfeln entlang. Leider ist die Hütte auf dem Pico Ruivo im Moment (Stand: Juni 2017) geschlossen. Zum Ausgangspunkt der Tour kommt man bequem mit dem Mietwagen und man kann direkt an der Radarkuppel auf dem Pico do Arieiro parken. Am besten versuchen, möglichst früh am Berg zu sein bevor die Wolken von der Küste heraufziehen. Besonders zum Sonnenaufgang eine wunderschöne Tour!

  • Die Halbinsel Sao Lourenco – 8 km, 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg

    Trekking auf Madeira

    Die Halbinsel Sao lourenco.

    Diese steile Felsküste im östlichsten Teil der Insel unterscheidet sich sehr von der restlichen Vegetation auf Madeira. Kakteen wachsen empor und die Palmen an der einsamen Hütte am Umkehrpunkt der Tour lassen etwas Wüstenflair aufkommen. Die wildromantische Küste lässt sich über einen gut ausgebauten Wanderweg optimal begehen. Ein paar ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert. Der kurze, doch lohnenswerte Anstieg zum Morro do Furado ist etwas anstrengend. Nach Regenfällen überzieht grünes Gras die Halbinsel. Mehrere Aussichtpunkte auf beiden Seiten sorgen dafür, dass bei dieser Wanderung die meisten Wanderer stets mit Kamera unterwegs sind. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese gar nicht erst aus der Hand zu legen. Unterwegs bieten sich zwei kleine Buchten mit Kiesstrand zum Baden im Atlantik an, beide sind über einen kurzen Abstieg einfach erreichbar. Durch den häufig starken Wind auf jeden Fall eine Jacke in den Wanderrucksack packen!

  • Caldeirao Verde – die „grüne Hölle“ – 13 km, überwiegend flache Levadawanderung

    Trekking auf Madeira

    Ein typischer Wasserlauf in der Caldeirao Verde.

    Der verwinkelte Wanderweg entlang der „Levada do Caldeirao Verde“ führt hinein in den grünen Kessel und zu einem spektakulären Wasserfall. In einer der ursprünglichsten Regionen der Insel durchquert man mehrere Tunnel, wandert vorbei an rauschenden Wasserfällen und staunt über die Tiefblicke ins Tal. Die Levada ist größtenteils in eine Felswand geschlagen und hier kann sich besonders gut vorstellen, wie aufwändig und anstrengend der Bau der Kanäle im 17. Jahrhundert gewesen sein muss. Der anfangs gut ausgebaute und breite Wanderweg verengt sich im weiteren Verlauf des Weges. Teilweise geht man auf der Mauer entlang der Levada, es ist aber stets ein Geländer vorhanden. Für die dunklen Tunnel sollte die Stirnlampe auf jeden Fall wieder dabei sein. Die dschungelartige Vegetation entlang des Weges begeistert nicht nur Botaniker und es gibt allerhand exotische Pflanzen wie wildwachsende Orchideen zu entdecken. Im Anschluss kann weiter der Levada bis in den „Höllenkessel“ gefolgt werden. Auch hier gibt es einen großen Wasserfall der noch sich noch enger zwischen den Felswänden breit macht.

Die wunderschöne und vielfältige Insel Madeira im Atlantik kann ganzjährlich allen wanderbegeisterten, wärmesuchenden Bergfreunden ans Herz gelegt werden. Neben einer großen Vielfalt an wilden Gipfeltouren, entspannten Levadawanderungen und ausgiebigen Exkursionen durch den Lorbeerwald kann man die Insel auch mit dem Fahrrad erkunden. Und wenn es mal nicht die Berge sein sollen: man kann auch surfen gehen, den vorzüglichen Madeirawein genießen oder durch die botanischen Gärten der Hauptstadt Funchal bummeln.
Sonnenbrille und kurze Hose gehören auf jeden Fall ins Gepäck!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Timo sagte am 11. Juni 2017 um 23:18 Uhr

    War erst letztes Jahr im Urlaub auf Madeira. Landschaftlich höchst eindrucksvoll und beeindruckend. Habe zwei der hier beschriebenen Touren damals gemacht. Die Wege sind gut ausgebaut. Ich persönlich kann das Wandern auf dieser Insel nur empfehlen. Sie hat definitiv sehr viel zu bieten und die Landschaft ist wie schon gesagt sehr schön.
    Empfehlen kann ich auch noch die Wanderung zu dem Risco-Wasserfall, sowie eine Wanderung zu den „25 Fontes“ (25 Quellen). Beides lässt sich einer guten Halbtagestour miteinander kombinieren.

  2. Jörn sagte am 12. Juni 2017 um 11:12 Uhr

    Hi Timo,

    danke für den Tipp! Sicher könnten wir den Beitrag noch um einige weitere reizvolle Touren auf dieser wunderbaren Insel erweitern :)

    Viele Grüße,

    Jörn

Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar