Gear-Check für Kletterausrüstung

Mach den Kletter-Gear-Check!

18. August 2017

Kategorie

Sportart

Kletterausrüstung muss zwangsläufig irgendwann ersetzt werden. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass mindestens einmal pro Woche Kuchen in der Bergfreunde-Küche steht. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für einen neuen Klettergurt? Wann hat der Helm ausgedient und woran erkennt man, wann andere Ausrüstung wie Seile, Exen oder Karabiner ausgetauscht werden müssen? Wir haben für euch eine kurze Checkliste zusammengestellt, die euch dabei hilft zu erkennen, wann es Zeit für neues Gear ist!

Bei all den Tipps gilt: Habt ihr  Zweifel an der Sicherheit der Ausrüstung, lieber weg damit und erneuern. Das sagen wir nicht, weil wir euch das Zeug verkaufen wollen, sondern weil es im Zweifel lebenswichtig ist!

Der Klettergurt

Alter Klettergurt im Mülleimer

Im Zweifel: Ab damit in die Tonne!

Auf die Lebensdauer des Klettergurts wirken erfahrungsgemäß viele Parameter ein: Nutzungshäufigkeit, gekletterter Schwierigkeitsgrad, Kletterstile und natürlich wo geklettert wird. Daher ist es schwer, pauschale Aussagen zu treffen. Dennoch geben viele Hersteller eine Lebensdauer für den Gurt an (Infos sind den Produkten beigelegt oder Online einsehbar). Es gibt allerdings ein paar eindeutige Anzeichen dafür, wann man zumindest mal über einen neuen Gurt nachdenken sollte:

  • Tiefe Schnitte und Einkerbungen an den Anseilpunkten sind kritisch zu bewerten.
  • Auch Ausdünnungen im Material sind mit Vorsicht zu genießen. Hersteller wie Petzl und Black Diamond verarbeiten dafür extra farbige Sicherheitsfasern. Werden diese sichtbar, dann weg mit dem Gurt!
  • Materialschlaufen, Gurtbänder, Beinschlaufen, Riegel-/Kontrastnähte sollten selbstverständlich auch im Blick behalten werden. Erhebliche Einkerbungen, Schnitte, starke Verschmutzungen oder Abrieberscheinungen sind auch an diesen Stellen nicht ohne.
  • Funktionieren die Schnallen noch tadellos?

Weitere Infos zur Lebensdauer von Klettergurten findest du in diesem Basislager-Artikel.

Der Kletterhelm

Kaufberatung Kletterhelme - Hier wirds höchste Zeit für einen neuen

Man könnte mal langsam über Ersatz nachdenken…

Ähnlich wie bei den Gurten ist es auch bei Helmen schwierig, eine generelle Lebensdauer festzulegen. Pi mal Daumen gilt für Hartschalenhelme eine längere Lebensdauer als für Schaumhelme. Infos dazu gibt es ebenfalls – in aller Regel – direkt am Produkt. Der DAV empfiehlt, den Helm alle fünf Jahre zu wechseln.

  • Kunst- und Schaumstoffe werden mit der Zeit spröde und porös. Dadurch büßen sie natürlich an Sicherheit ein, was die Lebensdauer eines Helms begrenzt.
  • Nach einem erfolgreich abgefangenen Steinschlag, einem Sturz oder selbst beim Fallen lassen des Helms aus großer Höhe kann die Integrität beeinträchtigt sein, auch ohne dass man es sieht. Eine Neuanschaffung wäre daher zu empfehlen. Sicher ist sicher!

Hier gibts weitere Infos und alles Wissenswerte zu Kletterhelmen!

Das Kletterseil

Kletterseil Pflegen

Bei dem Wirrwarr blickt doch keiner mehr durch.

Seile sind beim Klettern unzählig vielen Einflüssen ausgesetzt und werden natürlich zum Teil extrem belastet. Daher sollte besonders auf diesem Ausrüstungsstück besonderes Augenmerk liegen. Bei guter Behandlung und wenig Belastung halten sie locker drei bis sechs Jahre. Manche Hersteller geben sogar bis zu 10 Jahre an – aber nur, wenn die Seile wenig benutzt werden. Ausgetauscht werden sollten Seile vor allem wenn:

  • sie in Kontakt mit Chemikalien kommen – speziell Säuren.
  • Mantelbeschädigungen vorliegen oder der Kern sichtbar wird.
  • der Mantel extrem abgenutzt oder außergewöhnlich pelzig ist.
  • der Mantel extrem verschoben ist.
  • das Seil stark deformiert ist.
  • extreme Belastungen (Sturzfaktor 1, Sturz über Kante, Steinschlag, Treffer mit Eisgerät) eingewirkt haben.
  • das Seil extrem verschmutzt ist, z.B. durch Teer, Öl, Fett.
  • durch Hitze oder Reibung entstandene Schmelzverbrennungen auftreten.
  • Kein Austauschgrund, aber wichtig: Ist die Mittelmarkierung noch mittig?

Eine (sehr) ausführliche Pflegeanleitung für Kletterseile findet ihr natürlich bei uns im Basislager.

Karabiner und Express-Sets

Abgenutzter Karabiner

Es dürfte klar sein, dass der ersetzt gehört.

Surprise, surprise – natürlich sind auch Karabiner und Express-Sets nicht unzerstörbar. Besonders das Bandmaterial der Exen, aber natürlich auch die Karabiner selbst werden durch Fels und Seil stark belastet. Karabiner aus Stahl sind dabei deutlich robuster als solche aus Aluminium – aber eben auch schwerer. Auf folgende Dinge solltet ihr ein Auge haben:

  • Das Bandmaterial der Exe darf max. 10 Jahre verwendet werden. Regelmäßige Kontrollen auf Risse oder Abrieberscheinungen sind dennoch angebracht, da ein schnellerer Verschleiß natürlich möglich ist.
  • Der Karabiner wird vor allem durch das Seil belastet. Es entsteht Reibung, die natürlich irgendwann für einen nicht unerheblichen Materialschwund sorgen kann. Spätestens, wenn ein scharfer Grat entsteht, sollte der Karabiner schnurstracks ausgetauscht werden.
  • Hängt die Exe während eines Sturzes in einer Bohrhakenlasche („Plättchen“), können sich am wandseitigen Karabiner scharfe Kanten bilden. Damit das Seil nicht leidet, sollte man wandseitige und seilseitige Karabiner nie tauschen, sondern immer nur „für ihre Seite“ verwenden.

Noch mehr Wissenswertes zu Karabinern und Exen gibt es hier und hier!

Das Klettersteigsets

Das Klettersteigset mit seinen Komponenten

Das Klettersteigset mit seinen Komponenten

Klettersteige oder Via Ferrata (italienisch für „Eisenweg“), wie die Sportart zwischen Wandern und Klettern im englischen Sprachgebrauch genannt wird, erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Dabei geht natürlich nichts ohne das sogenannte Klettersteigset. Auch hier gibt es von Herstellerseite Empfehlungen zur Lebensdauer. Edelrid zum Beispiel sagt, dass ein Set nach 10 Jahren ausgetauscht werden sollte – wohlgemerkt bei Nichtbenutzung! Edelrid verbaut außerdem ein rotes Markierungsband im Bandfalldämpfer. Ist dieses gerissen, sollte der Gurt ausgetauscht werden. Generell gelten natürlich ähnliche Regeln wie für den Klettergurt und die Karabiner:

  • Einkerbungen, Risse und Schnitte im Gurtmaterial sind kritisch zu bewerten.
  • Materialschwund am Karabiner im Augen behalten.
  • Nach einem Sturz sollte das Set ebenfalls ausgetauscht werden. Selbst wenn der Bandfalldämpfer nicht ausgelöst hat.

Noch mehr lesenswerte Infos rund um Klettersteigssets haben wir hier für euch zusammengefasst.

Wie schon eingangs erwähnt: Im Zweifel solltet ihr eure Ausrüstung ersetzen, wenn ihr nicht sicher seid, ob wirklich alles Startklar für die nächste Bergfahrt ist. Bei Fragen könnt ihr euch selbstverständlich an unseren Kundenservice wenden. Ihr erreicht die Kollegen per Mail an info@bergfreunde.de oder telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0. Oder ihr besucht die Webseiten der Hersteller, dort findet ihr ebenfalls viele Informationen zur Wartung und Pflege von Kletterausrüstung. Haltet außerdem die Augen nach Rückrufen offen. Die sind zwar selten, kommen aber vor! Damit ihr immer gut informiert seid, schaut einfach regelmäßig im Basislager-Blog oder auf unserer Facebook-Seite vorbei!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Rolf Mahlein sagte am 8. Juli 2017 um 11:41 Uhr

    Gute Informationen zu diesem wichtigen Thema. Verständlich und fundiert.

  2. Jörn sagte am 10. Juli 2017 um 11:11 Uhr

    Hi Rolf,

    freut uns sehr, dass Dir der Artikel gefällt!

    Viele Grüße,

    Jörn

  3. Timo sagte am 18. August 2017 um 11:04 Uhr

    „Via Ferrata, wie die Sportart zwischen Wandern und Klettern im englischen Sprachgebrauch genannt wird“
    Ich dachte immer Via Ferrata wäre italienisch und würde Eisenweg bedeuten.

    Generell einfach merken max 10 Jahre auf Bandmaterial und Hardware tauschen, wenn große Verschleißerscheinungen aufgetreten sind.
    5 Minuten mehr Zeit nehmen, beim Rucksack packen, und jedes Teil mal in die Hand nehmen, das hilft.
    Der Verschleiß wird auch immer deutlich sichtbar, wenn man das selbe Model in neu mal daneben legt.

  4. Jörn sagte am 18. August 2017 um 11:07 Uhr

    Hi Timo,

    deshalb auch „Sprachgebrauch“ :) Ich packs aber nochmal in den Text, ums deutlicher zu machen.

    Definitiv aber ein paar gute und natürlich sinnvolle Tipps von dir, danke!

    Lieben Gruß,

    Jörn

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