Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

23. September 2017

Sportart

Wie viele Neueinsteiger habe ich das Klettern in der Halle begonnen – vor fast 10 Jahren. Nicht sehr häufig, wohlgemerkt. Sich mit Freunden in der Halle zu treffen um ein paar Routen im Toprope zu versuchen, war damals ein Highlight. Jemals im achten Grad zu klettern, schien schier unerreichbar.

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

Der Übergang von Halle zu Fels läuft nicht immer glatt.

Dann gab es eine längere Pause. Erst mit dem Beginn des Studiums vor fünf Jahren, habe ich mein altes Interesse wieder wecken können. In der Studienzeit habe ich dann erste Erfahrungen mit dem Felsklettern machen können und habe mir das Ziel gesetzt, besser zu werden. Und auch heute, nachdem ich bereits viele schwierige Routen bewältigt habe, ist dieses Ziel noch immer präsent. Natürlich gab es zwischenzeitlich auch einige Rückschläge und die waren nicht gerade von schlechten Eltern…

Nicht alles läuft glatt

Hier in Karlsruhe, mit den zwei Kletterhallen und den Felsen im Schwarzwald vor der Nase, habe ich ziemlich gute Bedingungen um meinen Sport zu trainieren und voranzubringen. Vor zirka zweieinhalb Jahren kam dann aber der erste „Rückschlag“: ich wollte meine erste 8 in der Halle im Vorstieg durchsteigen.

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Wohin geht der Weg?

Mit ein wenig Sturztraining habe ich mir die Angst vor dem Fallen abgewöhnt und fühlte mich auch körperlich bereit für den nächsten Schritt. Also stieg ich selbstbewusst in die Route ein. An der vorletzten Exe ging mir dann aber doch der Saft aus. Ich wollte allerdings nicht aufgeben. Die Exe war noch nicht geklippt und meine Position eher unsicher. Das hielt mich aber nicht davon ab, das Seil nach oben zu ziehen und zur Exe zu führen.

Dann ging alles ganz schnell. Die Hand ließ den Griff los und ich sauste nach unten. Aber irgendwie wurde der Sturz nicht so schnell gestoppt wie gewohnt. Das passierte erst zwei Meter vor dem Boden. Meine Sicherungspartnerin hatte mit einem Tuber gesichert und der Ruck der durch meinen Sturz entstand war so fest, dass ihr beim Ausgeben das Seil der Hand gezogen wurde.

Für mich hieß es: freier Fall. Glücklicherweise hat meine Sicherungspartnerin schnellstmöglich reagiert und das Seil in letzter Sekunde nochmal zu fassen bekommen um den Bremsmechanismus auszulösen. Ich hatte einen Schock und sie verbrannte sich ihre Hände. Zum Glück ist mir nicht mehr passiert. Seither besitze ich ein Smart von Mammut. Auf diesen Fall hat unter anderem auch der DAV hingewiesen und empfiehlt seit letztem Jahr nur mit Sicherungsgeräten mit Bremskraftunterstützung zu Sichern.

Trügerische Sicherheit

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Frische Luft macht den Kopf frei.

Nach diesem Erlebnis brauchte ich gut ein Jahr, um wieder vollständig sicher im Vorstieg zu klettern. Die Halle hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben und ich habe mich wohl ein wenig davon täuschen lassen. Auch wenn alle Griffe mit einer M10 Schraube befestig sind, der Kletterer augenscheinlich entspannt klettert und die Abstände der Zwischensicherungen sehr klein sind, es kann immer etwas schiefgehen.

Wenn man nicht mit einem Sturz rechnet oder sich ablenken lässt verkürzt sich die Reaktionszeit und somit wird der Sturz für den Sicherer härter oder länger. Deshalb sollte immer die volle Konzentration auf den Kletternden gerichtet werden. Mir hat sich dieser Spruch des DAV eingeprägt: „Wer nicht mit einem Sturz rechnet, sichert nicht!“.

Die gilt besonders in den ersten Metern einer Kletterroute, denn hier kann es ganz leicht zu einem Bodensturz kommen. Mir ist das schon einmal in einer Sechser-Route im Frankenjura passiert. Durch die häufigen Begehungen wird der Kalkstein dort wirklich glatt. In diesem Fall ist mir kurz nach der ersten Exe der Fuß weggerutscht und innerhalb des Bruchteils einer Sekunde hing ich im Seil. Ich pendelte 30 cm über dem Boden und war froh, dass mein Sicherungspartner aufmerksam war und mich sicher gehalten hat.

Auf ein Neues

Mich wieder nach Draußen an den Fels zu wagen, war nach meinem großen Sturz nicht mehr so leicht. Irgendwann ging es dann mit dem Uni-Kurs an den Battert bei Baden-Baden. Ich hatte eher ein mulmiges Gefühl. Das Abseilen zu Beginn war kein großes Problem. Danach suchte ich mir ein paar leichte Routen zum Vorsteigen. Eine nette 4 war schnell gefunden und eigentlich eher unter meinem physischen Niveau.

Trotzdem ging der Versuch, die Route im Vorstieg zu toppen, so richtig in die Hose. Mit fiel es schwer die richtigen Griffe zu finden. Wo war da nur der tolle neonpinke Griff, wie ich ihn aus der Halle kenne? Und irgendwie stand ich auch nicht so richtig sicher auf den Tritten.

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Zurück am Fels. Mit Unsicherheit.

Da die Hakenabstände in diesem Gebiet auch mal sechs Meter betragen können, haben wir ein paar Keile in Risse gelegt. Wenn man das Legen der Keile aber noch nicht so oft gemacht hat, dann kann das ganz schön Angst einflößend sein. Ich entschied mich, an einem dieser Keile abzubrechen. Naja, keine schöne erste Erfahrung. Ich hatte den Fels falsch „gelesen“, konnte mit den Hakenabständen nichts anfangen und dem Routenverlauf nicht wirklich folgen.

In den weiteren Monaten arbeitete ich regelmäßig an meiner Sturzangst. Regelmäßig musste ich Routen abbrechen, um mich wieder auf den sicheren Boden abzulassen. Aber mit einem guten Sturztraining schaffte ich es dann nach gut einem Jahr wieder mit einem freieren Kopf zu klettern und mich alleine auf die Bewegungen zu konzentrieren. Ein großartiges Gefühl. Übrigens gibt es auch hier im Basislager-Blog eine schöne Anleitung dazu.

Es geht wieder aufwärts

Mittlerweile habe ich es geschafft, Routen bis 8+/9- in der Halle zu klettern und habe auch draußen am Fels schon eine 8+ und mehrere 8er auf der „Scorecard“. Das Projekt der ersten 9 ist eröffnet und wird höchstwahrscheinlich beim nächsten Mal getoppt. In der Kletterhalle bin ich nur mit 9- ein wenig stärker. Mein maximaler Klettergrad von Halle und Fels liegt also nicht so weit auseinander.

Da stellt sich die Frage, ob der Spruch „Draußen klettert man mindestens zwei Grade schlechter“ pauschale Gültigkeit hat. Ich sehe das ungefähr so: Die Felsen an denen ich den achten Grad geklettert habe, kenne ich mittlerweile ziemlich gut und das Lesen des Routenverlaufs, sowie das Erkennen von Tritten und Griffen fällt mir leichter als in fremden Gebieten.

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

Jedes Gebiet hat seine Spezialitäten.

Wenn ich zum Beispiel in die plattigen Gebiete des Donautals oder im Basler Jura unterwegs bin, dann schaffe ich bisher nur den sechsten oder siebten Grad zu klettern. Einfach weil die Anforderungen an Klettertechnik und -taktik ganz andere sind, als ich gewohnt bin. In den beiden genannten Gebieten muss man auf Tritten stehen, die viel kleiner sind als Tritte in der Halle. Auf diesen winzigen Hervorhebungen muss man seinen Füßen voll vertrauen.

Man muss sich aber „nur“ bewusstmachen, dass das wirklich hält, auch wenn man sich das anfangs schwer vorstellen kann. Dass mir so diese Art des Kletterns schwer fällt, liegt wahrscheinlich daran, dass die Routen in der Halle sehr viel fingerlastiger geschraubt ist, aber mit vergleichsweise großen Tritten.

So habe ich zwar gelernt, athletischer zu klettern, allerdings fehlt mir die Technik die ich benötige, um in anderen Gebieten eine 6 oder 7 im ersten Versuch durchzusteigen. Im Vergleich dazu fällt mir ein Gebiet wie das Frankenjura zu manchen Teilen viel leichter und da ist dann bei einer 8- mit einer kurzen Boulderkrux auch mal ein Onsight möglich.

Je regelmäßiger ich an einem Felsen geklettert bin, desto leichter fällt es mir, in schwerere Routen einzusteigen. Das ist einfach eine Frage der Gewöhnung. So ähnlich kann einem das auch in der Kletterhalle ergehen. Dort kommt es zwar seltener vor, aber manchmal habe ich mit speziellen Schraubstilen meine Probleme auf Anhieb die richtige Lösung zu finden.

Am Ende eines Klettertages ist es für mich aber immer noch am wichtigsten Spaß zu haben. Für mich lohnen sich nicht nur die schweren Routen, sondern auch die schönen Leichten. Das Klettern ist ein schönes Hobby das Spaß macht. Natürlich sollte man auch auf seine Sicherheit achten und den Knoten oder Karabinier zweimal kontrollieren, dann folgen auch ganz bestimmt weitere schöne Klettertage.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Daniel sagte am 26. September 2017 um 12:33 Uhr

    Guter Artikel! Mal eine Abwechslung zu all denjenigen, die eine 7a+ als Aufwärmroute belächeln. Hier sieht man, dass auch nicht an der Weltspitze viel Arbeit an sich selbst notwendig ist und diese genauso wertgeschätzt werden muss!
    Auch die Hinweise, die die Sicherheit betreffen sollten beim Sportklettern ernst genommen werden. Von ängstlich im 4. Grad zu Projekten im 9. Grad? Für mich eine respektable Leistung! Für alle vielleicht auch interessant: den Spaß bei der Sache behalten!

  2. Jörn sagte am 26. September 2017 um 14:32 Uhr

    Hi Daniel,

    danke für deinen Kommentar. Es wird leider viel zu oft vergessen, dass jeder mal klein angefangen hat.

    Das Lob gebe ich gerne an Felix weiter.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Chris sagte am 29. September 2017 um 20:04 Uhr

    Danke für den interessanten Artikel! Ich habe eine relativ ähnliche Kletter-Vita und habe mich am Fels auch sehr schwer getan. Dann kam auch ein Fast-Grounder in der Halle, da das Click-Up erst sehr spät zugemacht hat. Seitdem bin ich mit dem Kopf auch ziemlich neben der Spur! Nach dem Sturz bin ich direkt weiter klettern gegangen, aber die Angst kam etwas zeitversetzt und hat sich immer mehr eingeschlichen. Im Moment habe ich überhaupt keine Lust mehr zum klettern, dabei war es mal eine große Leidenschaft und Hobby. Ich möchte mich aber auch nicht dazu zwingen, nur um es mir noch mal zu beweisen.

  4. Jörn sagte am 2. Oktober 2017 um 11:26 Uhr

    Hi Chris,

    ich glaube, das Wichtigste ist, sich keinen Druck zu machen. Oft genug kommt die Lust von ganz alleine wieder, wenn man das Thema mal wirklich eine Zeit lang nicht mehr angeht. Und wenn es wieder so weit ist: Kleine Schritte machen, damit das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und das Material wiederkommt. Und wenn es nicht so sein soll: Es gibt auch noch andere schön Dinge, die man in den Bergen tun kann! :)

    Liebe Grüße,

    Jörn

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